hr gedenter poli
Vergangenheit und Zukunft der Sozialdemokratie.
1. Die alte Partei, wie ich sie erlebt habe.
Jm Juni 1893 wurde ich in Köln Mitglied der Sozialdemokrati-schen Partei. Joh stand in 22. Lebensjahr, hatte katholischenVereinen angehört und nach den Findrleken meiner Jugend, diebis in den Kul turkampf zurückreichten, auch für mich die Zen-trum spartei als die berufene politische Vertretung angesehen.Die Lektüre der sozial demokratischen Presse, noch mehr aberdie Buch- und Zeitschriftenliteratur, beeinflussten mich un-gemein stark. Hier fand ich endlich eine Belehrung über diesozialen Misstände, auch über die Ursachen des Elends in Klein-bürgertum, das ich aus nächster Nähe kennengelernt hatte, undhier wurden die Wege gezeigt, die aus dem Elend hinausführensollten. Den Arbeitermassen, den Opfern eines hemmungslosenKapitalismus, öffnete sich endlich ein Ausblick in eine lich-tere Zukunft. Eine schonungslose und tiefschürfende Kritikenthüllte alle Grausamkeiten des kapitalistischen Systems, dasden Arbeiter zur Were erniedrigte und das Menschliche in ihmverachtete. Zugleich wurde mit bestechender Logik dangelegt,dass aus der unvermeidlichen Durchgangsstufe des kapitalisti schen Systems eine gebensbisch. sozialistische Ordnung her-vorgehen müsse, und diese naturgenisse Entwicklung misse plan-mãesig gefördert und beschleunigt verden durch den Zusammen-schluss der Arbeiter zu starken Kamp fverbanden.
Die wissenschaftlichen Begründer des Sosialismus standen sehrunter den Binfluss der Hegel sehen dial ek ti sehen Methode( kurszusammengefasst besagt sie, dass These und An ti these auf einerhöheren Stufeder Entwicklung in die Synthese umschlagen). DasHauptwerk von Karl Marx Das Kapital gab mir harte Nüssezu knacken. Joh veren chte mich aber immer wieder daran. Jehwurde begeisterter Sozialdemokrat und ging in der Partei völligauf. Das starke Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Partei zogmich noch besonders an. Als eine Thre empfand ich es, dassich, und zwar sehr bald, zum Schriftführer des Sozialdemokrati-schen Vereins in Köln gewählt ande und ich regelmkasig Berichte für die" Rheinische Zeitung " über die dort gehaltenenVorträge zu liefern hatte. Meine Begabung für sol che Dinge wurdebald erkannt, ich lieferte in der Folge auch andere Beiträgefür das Parteiblatt und ebnete mir durch diese Mitarbeit, undavar ganz ungewollt, den Weg zum Redakteurberuf. chJeh kann und will hier keine Geschichte der Sokial demkratischreiben und ebenso venig meine eigene weiterentwicklungschildern. Die Partei hat sich unvergängliche Verdienste erworben, die in der Geschichte ruhmvoll for theben werden ,. Siehat aus einer formlosen Masse eine kämpfende Klasse gestaltet,sie hat den Proletarier staatsbürgerliches Bewusstsein gegeben, ihm ein Ethos verliehen und ihn, dessen Lage hoffnungslos und verzweifelt erschien, mit Zuversicht für die Zukunfterfüllt. Sie hat die soziale Gesetzgebung sehr stark besinebflusst, wenn nicht überhaupt erst veranlasst. Gewerkschaften beandienossenschaften sind unter der Obhut der Partei entstandenund haben die Kampfkraft gestärkt und das Lebensniveau geho-ben. Jede objektive Geschichtsschreibung wird feststellen mila-sen, dass die deutsche Sozialdemokratie in der sozialen Bovesgung weitaus an der Spitzenkrechiert ist und ihre Verdienste