Jede verbotene oder aufgelöste Versammlung jede neue Verurteilungund Schliessung eines Vereins, haben nicht nur einzelne, sondern un-zählige Frauen zum Nachdenken über Recht und Gerechtigkeit gebracht
15, Und das ist der beste Weg die Frauen zum Klassenbewusstsein zu bringen,
ist der Wegweiser zur Sozialdemokratie.
Und wo waren während der geschilderten Kämpfe und Vorgänge jenebürgerlichen Damen die ab und zu einmal für gut halten zu behaupten,sie wollen mit den Proletarierinnen gemeinsam arbeiten, speziell fürdie gewerkschaftliche Organisation der Arbeiterinnen???
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Unwillkürlich drängt sich hier jedem Leser wohl die Frage auf:Warum haben die Frauenrechtlerinnen nicht protestiert gegen jede Auf-18sung der Arbeiterinnenvereine da man ihre Vereine doch nie antastete".Haben die Damen sich je darüber empört dass man die Arbeiterinnenver-sammlungen wie staatsgefährliche Zusammenrottungen polizeilich überwachenlässt während die Frauenrechtlerinnen unbehelligt in städtischen Schulanund Gymnasien oder gar- wie der Internationale Frauenkongress imBerliner Rathause tagen dürfen?
Man hörte zwar einmal von einer Petition der Rechtlerinnen bei Be-sprechung des Vereinsgesetzes, doch zu einem flammenden Protest gegendieses zweierlei Recht haben sie sich nie aufgeschwungen.
Einmal freilich beschäftigten sie sich eingehender mit den Arbeite-
rinnen
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Es war auf dem" Berliner Frauentag", im März 1894 bei Beratungüber den Zusammenschluss aller in Deutschland bestehenden FrauenvereineDa vewahrten sich alle anwesenden Damen -bis auf vier- dagegen, dassman daran denken könne, auch die sozialdemokratischen Frauenvereine(!!!)mit in den Bund einzuschliessen!Man hätte allerdings bei den Damen, diesoviel in Vereinen tätig sind, voraussetzen dürfen, dass sie genügendVereinsgesetz- Kenntnis haben, um zu wissen, dass es Frauenvereine mitpolitischer Tendenz fast in ganz Deutschland nicht geben kann, weil siegesetzwidrig wären. Die Ausführungen konnten nach Lage der Sache nurgegen Arbeiterinnen- Vereine gerichtet sein!
oder unbewusste
Und auf diese bewusste
Denunziation führen wir es zurück dass bald daraufunserem Frauen- Bildungs- Verein der Kehraus aufgespielt wurde.!!!
Wenn je die Frauen- Rechtlerinnen noch weitere Versuche machen, dieArbeiterinnen für ihre Zwecke zu gewinnen, dann wird die Anführung dergeschilderten" mutigen Tat" genügen, zu Beweis, welche Kluft die bür-gerliche und die proletarische Frauenbewegung in Deutschland trenntund warum es gänzlich ausgeschlossen ist dass wir, die Prolerarierinnenmit den Vertreterinnen des Klassenstaates hand in Hand gehen. Sie tragenden Typus des Klassenstaates, dem sie bei all ihrem Tun treu bleiben.Wohl sind sie zu reformieren bereit, aber sie sind weit entfernt an demGefüge der geheiligten Ordnung zu rütteln. Ein bischen medernisieren, psoweit es im Interesse der Bourgoisie und vielleicht noch der Mittel-klassen liegt.Aber was darüber hinaus geht ist auch für sie das Kräutlein
" Rührmichnichtan".
Darum war es notwendig, dass die Arbeiterinnenbewegung sich aus die-sen Halbheiten herausschälte. Und für ihre fernere gesunde Entwicklungist es ebenso notwendig, dass sie selbständig bleibt und sich der bürger-lichen Bevormundung nicht unterstellt.
Die Arbeiterin kann und will sich nicht bescheiden mit kleinen Lohn-aufbesserungen oder wohlmeinender Unterstützung. Sie verlangt einevöllige Umstellung der wirtschaftlichen Zustände, Beseitigung derheutigen Klassenunterschiede, damit man endlich zu einer Gesellschafts-ordnung gelangt, die nicht nur den Frauen der sogenannten besserenStände gerecht wird, sondern allen denen, die arbeiten.