Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
Keine Angabe
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der Kriegskredite auch die Frauen stark ergriffen hatten anddie damalige" Gleichheit" von vielen Frauen nicht mehr akzep-tiert wurde, wurde die" Gewerkschaftliche Frauenzeitung" gegrün-det. Bis dahin war das Blatt der sozialistischen Frauenbewegung,das die vielseitigen Erscheinlgen der Frauenerwerbsarbeit ge-schickt und ständig beahndelt hatte, von den gewerkschaftlichorganisierten Frauen gern gelesen worden. Das war aber infolgeder politischen Meinungsverschiedenheiten anders geworden, undder Ruf nach einer eigenen Frauenzeitung dringend. Diese neueZeitung redigierte Gertrud. Ein Jahr später, als in den Räumendes Parteivorstandes in Berlin eine außerordentliche Frauen-konferenz tagte, sprach Gertrud Hanna zu den 50 aus allen Tei-len des Reiches gekommenen Frauen über Frauenarbeit und Krieg.Kurz vorher war im Verlag für Sozialwissenschaft eine kleine,gediegene Broschüre von Gertrud Hanna erschienen, die den glei-chen Gegenstand behandelte. Friedrich Ebert , damals 1. Vorsit-zender der Sozialdemokratischen Partei, hatte mir bei der Vor-besprechung über die Abhaltung dieser Frauenkonferenz geraten,Gertrud um das Referat zu bitten. Es war selbstverständlich,daß der Parteivorstand gern unseren Vorschlag akzeptierte, auchauf der ersten Frauenkonferenz nach dem Kriege( 1919 in Weimar )Gertrud über" Frauenarbeit und Frauenschutz" sprechen zu lassen.Ich will auch in diesem Zusammenhang betonen, daß sich Gertrudbei den Mitgliedern des Sozialdemokratischen Parteivorstandesuneingeschränkter Achtung und Anerkennung erfreute. Ich weißaber nicht, ob ihr das jemals so ganz zum Bewußtsein gekommenist. Für das, worum es uns auf dieser ersten Frauenkonferenzging, war Gertrud die rechte Persönlichkeit. Die Situation derFrauen, die auf Erwerb angewiesen waren, war sehr kompliziertund verwickelt. Während des Krieges hatte man ihnen die Arbeitzur vaterländischen Pflicht gemacht, und nun wurde es ihnen alsim allgemeinen Interesse liegend dringend empfohlen, den Ar-beitsplatz wieder zu verlassen. Die Demobilmachungsverordnungenenthielten auch Bestimmungen über die Entlassung weiblicher Ar-beiter. Natürlich waren viele Frauen froh, sich endlich wiederihren Zuhause widmen zu können, aber vielen anderen Frauen er-laubte es ihre wirtschaftliche Lage nicht, vom Arbeitsmarkt zu-rückzutreten. Der Begriff des Rechtes auf Arbeit war noch nichtallgemein anerkannt. Dazu kan die dringende Notwendigkeit, denSchutz der Arbeit für die Frauen auszubauen und zu befestigen.Das alles war Grund genug, gerade Gertrud Hanna um diese Refe-rat zu bitten.

1922 in Hamburg fanden sich beim Internationalen Sozialistischen