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Wer sichst das heranwachsende Mädchen Elfriede und die Ein=flüsse auf sein Leben recht vorstellen will, der solltesich das Lebensbild der Mutter, Pauline Staegemann , ansehen.Es muss durchaus nicht immer so sein wie in diesem Fall, daßKinder den politischen und weltanschaulichen Anschauungenderer folgen, die ihnen Erzieher und Beispiel waren. Aber dieTapferkeit, die Stärke und die Lauterkeit des Charakters die=ser Mutter waren als Vorbild besti mt nicht auszulöschen.Bei Elfriede kam hinzu, dass sie von ganzem Herzen bek bejah=te, wofür ihre Mutter so tapfer eingestanden war. Auch dassMutter und Tochter ein so inniges Band der Liebe umschloßund dass diese schöne menschliche Gemeinschaft von so lan=ger Dauer war, wird mitgewirkt haben.Elfriede war schon einereife Frau, als ihre Mutter die Augen für immer schloß; siewar schon verheiratet und ihr Mann war auch Sozialdemokrat.In der kleinen Familie von Mann, Frau und Sohn war es nie=mals eine Streitfrage, ob die Frau und Mutter ihre Zeit derArbeiterbewegung schenken solle oder nicht. Im Gegenteil,wo es möglich war, ihr diese Arbeit durch Hilfe zu erleich=tern, da geschah es. Hier zeigte sich in menschlich schönerForm der Wert einer Gesinnungsgemeinschaft innerhalb derFamilie.
Elfriede Ryneck hat von Jugend auf viele bedeutende Menschender Arbeiterbewegung ken en gelernt, aber was sie an Vertrauen genoß, das verdankte sie redlich sich selber, nicht demAndenken ihrer Mutter. Im ersten Jahr ihrer Ehe verbot ihrallerdings Krankheit, sich ganz und gar der Parteiarbeit zuwidmen; nur die örtliche Arbeit in ihrem Wohnbezirk Baum=schulenweg bei Berlin konnte sie neben dem Besuch der Ar=beiterbildungsschule schaffen. Aber die Genossen am Ortwußten, was sie ihnen fals Funktionärin für die Kleinarbeitwert war.Nach einem Rednerkurs, stellte sie sich, trotz ihresschweren Basedowleidens ganz der Parteiarbeit zur Verfügung.Sie arbeitet in einer Kinderschutzkommission und wurde 1912als Vertreterin der Frauen in den sozialdemokratischen Vor=stand des Wahlkreises" Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenbg."gewählt. In diesem Wahlkreis gab es viel zu lernen.Im ersten eltkrieg tat Elfriede die notwendige sozialrArbeit, es war das wozu ihr Herz sie trieb.Im Jahre 1917, demJahr der Parteispaltung war sie im Parteivorstand von Bln.-sie hatte ihren politischen Standpunkt bei der Mehrheit ge=wählt. 1919 wurde sie in die Nationalversammlung und auf demParteitag in Weimar als Beisitzerin in den Zentralvorstandder SPD gewählt.
Die Verantwortung, die uns Frauen nach dem Kriege übertragenworden war, machte uns ernst aber auch froh im Bewußtseinunseres neuen Menschentums, das uns aus dem Gefühl der Gleicberechtigung erwuchs.Elfriede war eine der lebhaftesten un=ter uns, fröhlich und beschwingt; denn sie war von Natur einheiterer Mensch, der dankbar des Lebens Schönheiten genießenkonnte. Das Wochende verbrachte sie regelmäßig in ihremWahlkreis. Dem Reichstag gehörte sie bis 1924 an, von 1925bis 1933 dem Preuß. Landtag, wo sie vornehmlich im sozial=politischen Ausschuß arbeitete, dessen Vorsitz sie nach Elis.Kirschmann- Röhls Tod sie übernahm.Es war folgerichtig undentsprach ihren Neigungen, daß sie 1919 bei der Gründungder Arbeiterwohlfahrt mitwirkte und dort auch 2.Vorsitzende