Akte 
Manuskript "Frauen ihres Jahrhunderts"
Entstehung
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als reife Menschen

noch immer dankbar daran, daß Schlägeund harte Strafen nicht im Programm ihrer Mutter standen,dafür aber hatte sie die wertvolle Tugend pädagogischerKonsequenz. Hatte sie einem Kinde z.B. einen nicht ausge-führten oder unwillig übernommenen Auftrag ruhig wiederabgenommen, dann half kein noch so inständiges Bitten umZurücknahme ihrer Entscheidung; dann führte sie dieseArbeit selber aus. Grenzenlos war das Vertrauen dieserKinder in diese gütige, gerechte, frohe, märchenerzählendeMutter, die ihnen eine so gute Kameradin war. Mit allem,was früher und später ihr Herz bewegte, kamen sie zu ihr.

S

Emma Döltz war die geborene Dichterin. Nicht, daß die Weltwiderhallte von dem, was sie niederschrieb, diese Weltbekam es gar nicht zu sehen. Sie erhob auch keinen Anspruchauf das Prädikat: Kunst. Sie schrieb, was sie fühlte, inihren Gedichten nieder. Sie schrieb es für ihre Kinder. Siewollte sie teilnehmen lassen an der inneren Schönheit ihrereigenen Welt. Einmal, als sie schon länger in der sozialistischFrauenbewegung stand, las sie dann doch einmal im kleinenKreis einige ihrer Gedichte vor. Margarete Wengels , dietemperamentvolle Freundin, gab ihr den dringenden Rat, etwasdavon an Clara Zetkin zu schicken. Sie tat es, und von dieserZeit an lasen wir öfter das eine oder andere soziale Gedichtund fanden auch manches Märchen und manche Erzählung in derKinderbeilage der Gleichheit. Und dann o das war viel, viel

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