Akte 
Manuskripte und Material zur Geschichte der Frauenbewegung
Entstehung
Keine Angabe
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in ihr, sich auf eigene Füsse zustellen und zur Bühne zu gehen. MIXXX4XXMit 14 Jahrendebutierte sie bereits in einer Knabenrolle und fand vielenBeifall.Sie war damals Mitglied einer Pravatbühne, des Prager Niclas- Thea-ters, das die Vorschule für eine Anzahl tüchtiger Künstler wurde. Hierlernte sie später den Landschaftsmaler Johann Kautsky kennen, der dieschzehnjährige Minna als Gattin heimführte.

Es ging ihnen nicht grade glänzend.Kautsky war zwar talentvoll, aber nochjung und wenig bekannt. Was lag näher, als dass die junge Frau danachtrachtete ihre reichen Fähigkeiten an einer öffentlichen Bühne mög-lichst vorteilhaft zu verwerten. Sie erhielt auch- wenige Monate nachihrer Verheiratung ein Engagement als Darstellerin jugendlicher Lieb-haberinnen am Stdttheater in Olmutz . Dort wurde sie nur in ersten Rollenbeschäftigt,

gegen eine Anfangsgage von ganzen 35 Gulden monatlich.

Man stellte damals noch keine grossen Anforderungen an Toiletten auf derBühne. Trotzdem kann man sich leicht vorstellen, welche Selbstentäusserungfür eine junge Künstlerin dazu gehörte, sich mit einer so bescheidenenSumme einzurichten. Dabei wurden ihr gradezu ungeheure Anstrengungen zu-gemutet.Grosse und schwierige Rollen hatte sie in Zeit von drei Tagen zumemorieren und auf die Bühne zu bringen. Sie war guter Hoffnungundmusste sich bemühen, ihren Zustand zu verbergen, was unter Qualen gelang!

Es bedurfte grosser Energie, um auszuharren, hatte die Drektion ihr docheine Erhöhung der Gage in Aussicht gestellt!!! Nur zu gut zu gebrauchen.Kolleginnen erzählten tröstend von Schauspielerinne, die am Abend noch ge-spielt hatten, in der Nacht niederkamen und nach 10 Tagen wieder aufgetreten

waren..

Die zarte, noch nicht siebzehnjährige wollte diesen Kolleginnennichr nachstehen da machte die Direktion dem Martyrium ein Endeund entliess sie ohne Kündigung bis zu ihrer Wiederherstellung. Sieging mit ihrem Gatten nach Prag . Dort hatte sie für die kommende Ent-bindung ihre Mutter zur Seite.--- Kautsky hatte damals zwei Bilderverkauft.Er konnte sich häuslich einrichten. Kaum кXXXXXX sechsWochen nach ihrem letzten Auftreten kam Minnas Erstgeborener Karl zurWelt. 16.10. 1854-

Die Sorge für das schwächliche Kind nahm sie zuerst ganz in An-spuch. Ihm zu- liebe schlug sie ein sehr vorteilhaftes Engagement andas Hamburger Thaliatheater aus. Sie mochte sich nicht von ihrem Kindetrennen.

Bald darauf wurde sie für das deutesch Landestheater in Prag gewonnen; ihre künstlerische Entwicklung berechtigte zu hohen Erwartun-gen, als sie von neuem Mutter wurde. Sie bekam im Januar 1856 eine TTochter und im Dezember 1857 noch einen Sohn.Die Anstrengungen derBerufstätigkeit im Verein mit dem starken physischen Kraftverbrauch,rachten sich jetzt.

Minna Kautsky war noch nicht 20 Jahre alt, als einschweres Lungenleiden sie befiel. Lungenblutingen traten nach heftigenAnstrengungen auf und wiederholten sich oft so lange, bis Erschöpfungeintrat. Die Aerzte wünschten vollste Ruhe und äusserste Schonung desschwer angegriffenen Organismus. Befolgte sie diese Verordnung, so er-holte sie sich immer verhältnismässig rasch, jede Uebertretung brachteschlimme Rückfälle.Von einer Bühnentätigkeit konnte so vorderhandnicht die Rede sein. Minna Kautsky wäre trostlos gewesen, wenn sienicht ihre Kinder gehabt hätte. Vordem hatte sie sich in einem be-ständigen Konflikt zwischen den unausweichlichen Pflichten ihres Be-rufs und den nicht minder dringenden ihren Kindern gegenüber befunden.Jetzt konnte sie sich diesen ungeteilt widmen, soweit es ihr Gesund-heitszustand gestattete. Sie waren die Wesen, die sie am zärtlichstenliebte, deren Entwicklung sie mehr als alles andere auf der Welt inte-ressierte und die sie--- nach ihren eigenen Worten--- sittlich beeinfluss-ten, denn sie wollte ihrer würdig sein.