Kleines Feuilleton
Die Schufferlinde
Bon Elifabeth Kirschmann- Röhl
Wenn alle andern Linden verblüht sind, dann entfaltet dieSchusterfinde ihre Millionen Blüten. Dann duftet der kleine Fried-hof in Plön von Mitte August bis in den September hinein von allben fleinen füßen Lindenblüten, auch der Schusterlinde.
Was hat's für eine Bewandtnis mit der Schusterlinde?
Ste heißt eigentlich nur so bei einigen Freunden und mir. Wirtauften fie fo, als wir sie das erste Mal sahen. Ich glaube, diebraven Möner dort drunten in Holstein sind baß erstaunt, menn sieerfahren. was wir auf ihrem Friedhof entdeckten, der so idyllisch amgroßen Blöner See liegt. Vielleicht wundern sie sich sehr, an welcheinfältigen Dingen manche Sommergäste Freude haben. Denn dieguten Plöner, die alle so, faifertreu, so ludendorfftreu sind, habenwahrscheinlich mit ihrer glorreichen Vergangenheit zu tun, so daßthe Gemüt da mit reichlich versorgt ist. Ihnen lohnt es gewiß, vonDen Erinnerungen an Brinzen und spätern Generalen zu leben, diealle einmal in der Stadettenanstalt zu Plön mit großen Erfolgen"erzogen wurden. Auch Erich Ludendorff !
Aber ich will ja von der schönen Linde sprechen: Mitten aus einemGrab wächst sie heraus. Rund und ebenmäßig, hochgewachsen istIhr Stamm. Als wenn sie mit hundert Armen müde Menschen um-fungen und einhüllen wollte, hängen ihre Aeste herab. Es ist einTrauern und Trösten zugleich bei dieser Hängelinde. Ein schmales,fchmuckloses Eisenaitter hält den Erdhügel zusammen, auf dem einfchlichter grauer Stein lehnt, der auf der einen Seite folgende In-rift trägt:
Ich bin wieber wandern gegangen, zurück zu meinem erstenMeister. Denn dahin stand sa doch stets mein Sinn.
Die andre Fläche des Steines aber gibt uns Runde von demSchläfer, aus dessen Grab heraus der wundervolle Baum seineKraft fog:
Hier ruht der Schustergeselle Rieloff, geb. 1786 in Rostod,geft. 1843 in Blön:
Der Dichtkunst und Pflanzenfunde eng befreundet, der Men-jhentiebe tief vertraut.
Wer ihm den Stein sehte, die Linde pflanzte, steht nicht ge-fchrieben, ist auch nicht nötig. Aber treue Freundeshände find's ge-miß gewesen, bie für einen gütigen Menschen die ErinnerungIpflegten.
Ein Kriegerdenkmal gegen den Krieg
In Deutsch Wagram wird seit zwei Jahren von einem groBen Teil der Bevölkerung der Wunsch nach einem Kriegerdenkmalgeäußert. Da die sozialdemokratische Gemeinderatsmehrheit einKriegerdenkmal nicht für besonders dringlich hielt, verstand ste es,