Akte 
Manuskripte und Material zur Geschichte der Frauenbewegung
Entstehung
Keine Angabe
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Australien *)

Gestern war ich mit e

,, Claridge", dem einzigen

Offizier in dem Nachtklubgeöffneten, doch alkohol-freien Lokal Melbourne Gute Inneneinrichtung, sehr nette Tanz-musik, matte Beleuchtung, Gäste wie bei uns in den Bars, aber sehrbillige, delikate Speisen, getrocknete oysters( in Schalen gebackeneAustern!), Lobstermayonnaise( Hummer )-

Schottland *)

Aus dem Briefe eines deutschen Schiffsarztes

vom März 1954.

Alle Wirtschaften sind sonntags geschlossen, werktags geöffnet von 11bis 13.30 und von 17 bis 21.30 Uhr. Dann muß man die Theke verlassen.Nur im Hotel, am offenen Kaminfeuer sitzend, kann man noch bis 22.30Uhr etwas Trinkbares bestellen. Die Straßen sind um 22 Uhr menschen-leer, man kann dann getrost schlafen gehen. Nachtleben wird nicht ge-boten. Wahrscheinlich sehen deswegen alle Gäste morgens am Früh-stückstisch so munter und ausgeschlafen aus.

Türkei

Aus einem Reisebericht im. ,, Weserkurier "

Bremen .

Das Unglück für den Kranken( Atatürk) war, daß er jede Nacht zweiLiter Raki, den türkischen Reisschnaps, trank, was man ihm aber in kei-ner Weise anmerkte. Wegen derselben Krankheit( eines Leberschadens)waren sechzehn Jahre zuvor mein Lehrer Geheimrat Friedrich Kraus undProfessor von Romberg aus München nach Konstantinopel gerufen wor-den. Beide waren sich sofort einig, daß diese Riesenmengen von Schnapseingeschränkt werden müßten, und sie haben das sehr eindringlich undklar dem Patienten gesagt, was dieser mir selbst lächelnd erzählte. KemalPascha hat sich an diese Verordnung überhaupt nicht gehalten, hat alsosechzehn Jahre diese Menge sehr konzentrierten Alkohols vertragen,bis nun freilich die alkoholische Leberschrumpfung so weit vorgeschrittenwar, daß der große, bedeutende Mann, der die Modernisierung der Tür­ kei durchgeführt hat, allerhöchstens noch sechs Monate zu leben hatte.Aus den Memoiren des großen Internisten Gustav von Bergmann .Allabendlich greift ein Staatsomnibus die Betrunkenen von den StraßenIstambuls auf und setzt sie weit draußen ab. Nach ihrer Ernüchterungmüssen sie den 40 km weiten Rückweg zu Fuß laufen.

Mitteilung des Gouverneurs Prof. Dr. med. Gökay

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auf dem Internationalen Kongreß gegen den Alhoholismus,Paris , im September 1952.

*) Wem fällt hier nicht der Kampf um das Ladenschlußgesetz in der Bundesrepublik ein? BreitesteVerbrauchermassen sollen am Wochenende auch lebensnotwendige Dinge Nahrungsmittel,Früchte, Blumen usw.- nicht mehr kaufen können, aus geziemender Rücksicht auf die Ange-stellten des Einzelhandels. Wo aber bleibt die gleiche Rücksicht auf die Kellner und Köchedes Gaststättenwesens, die ohnehin durch die späte, oft ganz aufgehobene Polizeistunde zu an-strengendem Nachtdienst gezwungen sind?

Muß so nicht die durch Lohnzahlung am Freitag zusammengeballte Kaufkraft in die Ver-gnügungsstätten gelenkt werden- zur Steigerung des Alkoholgenusses?

Herausgeber: Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur E. V., Bremen , Herderstraße 74( Mai 1954)

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