Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Die Familie Juchacz- Roehl fühlte sich in Köln und am Rhein zuhause,und die Freundschaften, die von den beiden Frauen geschlossen wurden,galten auch fürdie Kinder, die im Laufe der Zeit eine statt

liche Zahl von neuen Onkels und Tanten aufzählen konnten.

Trotz der" häuslichen Sesshaftigkeit" und der Fülle der zu bewältigen-den Aufgaben waren sich Marie und Elisabeth Mieze und Lisbeth nann-ten sie sich) wie alle anderen politisch aufgeschlossenen MenschenDanzberklar, dass die Welt einem Verhängnis entgegensteuert. Die PolitikWilhelms II. und seines Kanzlers Bethmann- Hollweg war nicht geeignet,weder die Menschen in Deutschland noch das übrige Európa zu beruhi-gen. Die Gärung im Balkanbund und die verschiedenen Balkankriege, vorallem der österreichisch - serbische Konflikt des Jahres 1913 warfenböse Schatten auf die nächste Zukunft.

Aus ein er Art Ohnmachtsgefühl heraus, gegen diese Entwicklungnichts unternehmen zu können, stürzten sich die beiden Frauen destointensiver auf ihre politische Aufgabe, und die Themens cala der Ver-sammlungen und Diskussionen, in denen sie als Redmerinnen auftra-ten,hatten Hochschulformat. Sie beschäftigten sich mit der Deu-tung dessen, was schlechthin unter Sozialismus zu verstehen sei,mit der Frauenerwerbsarbeit und ihren Auswirkungen auf Gesundheit,Familie und Erziehung der Kinder, mit der Umwandlung der Hauswirtsschaft und des Familienlebens infolge der Technisierung der Gesamt-wirtschaft und immer unter den damals gültigen sozialen, alsomeist asozialen Gesichtspunkten-, mit sozialistischer Kommunalpo-litik, mit Erziehungsfragen, Kinderschutzgesetzen, sozialistischenJugendorganisationen, Arbeiter- Turn- und Sportvereinigungen, Spiel-plätzen für Kinder, und Ferienwanderungen.

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" Wir richteten in Köln Kinderferienwanderungen ein, wobei wir die Ent-deckung machten, dass zwölfjährige Buben und Mädchen aus der KölnerAltstadt noch niemals in dem in einer halben Stunde erreichbarenschönen Stadtwald in Köln- Lindenthal xякяд gewesen waren. Die engenund verwinkelten Strassen, ohne Licht, Luft und Grünanlagen, waren.ihnen auch während der Schulferien die einzigen Spielplätze."Marie und Elisabeth hatten im katholischen Köln keinen leichtenStand. Diele streng katholische Frauen wurden Mitglieder der Sozial-demokratischen Partei, weil sie nicht nur fühlten, sondern auch an Er-gebnissen sahen, dass" die Roten " von guten Idealen besessene Menschenwaren, die keine Kirchen anzündeten, sondern brennende Probleme, andie sich die Kirche bisher nicht herangetraut hatte, beherzt aufgrif-fen und in einer Form bewältigten, die der katholischen Kirche nichtden geringsten Abbruch tat. Den katholischen Organisationen bliebnichts anderes übrig, als mit ähnlichen sozialen Maßnahmen ihren Ein-