Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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der Arbeit, das Zentralblatt der Gewerkschaften, ist eine gute Zeitung.Natürlich ist die Einstellung der' Einheits- Gewerkschaft' zur Partei heuteanders als früher, das könnte auch nicht anders sein. Es muss ja alles erstzusammenwachsen, was vorher in den verschiedensten Richtungen selbständigwar. Das wird der ganzen Zukünftigen Entwicklung noch seinen Stempel geb-ben. Schlimm ist auch, dass es keine kraftvolle bürgerliche Schulbewe-gung zu geben scheint, und ich weiss selbst nicht, ob sie abgestorbenist oder nur schläft.- Unsere Sozialgesetzgebung ist jetzt ein einzigesuneinheitliches Stückwerk, kaum ein Mensch findet sich darin zurecht.Wir schreien direkt nach einem einheitlichen Sozialplan. Die Nazis habenan manchen Stellen etwas aufgehoben, anderes dazu getan. Dann kam dieNachkriegszeit mit ihren problemen, die das konfuse Bild noch mehr ver-wirrten. Es wurde hier ein Gesetzchen gemacht, dort etwas angehängt, unddas Ganze ist ein bunter Flickenteppich.- Natürlich sehen hier alle Men-schen der weiteren Entwicklung in Bezug auf Europafrage, Verhältnis derUSA zu Europa und insbesondere zu Deutschland , und auf die Gefahr vomOsten mit Sorge und Spanung entgegen. Auch die Gefahr im Inneren istnoch lange nicht restlos ausgestanden. Wir brauchen eine neue Generation.Und da kommen wir immer wieder auf die Schulfrage und auf alles, was damitzusammenhängt, zurück. Hier beisst sich die Katze in den Schwanz.- Duwunderst Dich über meine Spannkraft. Ich tue es ebenfalls, aber ich binfroh darüber. So kann ich noch manches tun, und wenn ich auch angesichtsder Riesenaufgaben keine Bäume aus der Erde reissen kann, ist doch das,was ich leiste, noch von einigen Wert. Meine Spannkraft wird sichernoch dadurch erhöht, dass ich das, was ich zu geben habe, in dem Bewusst-sein beisteure, dass man es noch gerne aufnimmt und darauf hört, was ichsage."

Krankheit Arbeit Reisen]

Marie Juchacz jetzt und einschwerer Jusall

Am liebsten hielt sie sich in ihrer Oberkasseler Wohnung in Düsseldorf auf, stellte sich einen*** x Tisch auf den überdachten Balkon, und ar-beitete. Und da alles, was sie zu überdenken hatte, mit Vergangenheit,beim Nachdenken,Gegenwart und Zukunft zusammenhing, ergab es sich von selbe, dass siezuweilendie Arbeit ruhen liess, um mik ihren Gedanken wandern zu lassen. Es wur-de für sie zur erholsamen Freude, zu sinnieren, ohne dabei zu grübeln.Manches Mal, wenn sie scheinbar gedankenverloren dasass und zum Rhein und zu den stromauf- und stromabfahrenden Schiffen und Schleppkähnen hi-nübersah, kam sie ins Träumen. Aber auch diese Wach- Träume waren geisti-ge Arbeit und oft blieb sie mit ihren Gedanken an einem Problem hängen,das sie schon in ihrer Jugend beschäftigt hatte und das sie jetzt, rück-erinnernd, in seinen mannigfaltigen Wandlungen in den vergangenen Zeit-läuften noch einmal erlebte. Die Erkenntnisse, zu denen sie dann kam,fanden in Aufsätzen und Briefen ihren Niederschlag als prägnante, klare