Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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terbewegung herummurksen zu wollen. Hören Sie ruhig zu und wartenSie mit dem Diskutieren. Selbst ich habe jetzt noch manchmal Schwie-rigkeiten, mich korrekt auszudrücken. Man wird leicht missverstan-den, wenn man nicht die richtigen Worte und die richtigen Formulie-rungen braucht.

Sobald ich Robert M.W. Kempner sehe, der seit Monaten unsichtbar ge-blieben ist, werde ich mit ihm über die Möglichkeit sprechen, Siezu Rundfunkvorträgen heranzuziehen.( Kempner war bis 1933 Oberre-gierungsrat im Preussischen Innenministerium und sowohl mit Emil Kirschmann als auch mit Hans E. Hirschfeld befreundet. Er spieltenach dem Kriege als Generalankläger bei den Nürnberger Prozesseneine entscheidende Rolle. D.Verfasser). Ich habe seit meinem Vor-trag im Sommer nichts mehr von ihm gehört. Kann nicht Paul HagenSie in seine Arbeit mit einspannen?

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Ich freue mich über Ihr Verständnis für die Quaker. Es ist oft nichterfreulich, wie unwissend und von oben herab viele Emigranten urtei-len. Die quäker sprechen nicht darüber, aber sie wissen es sehr ge-nau, und es erhöht nicht das Ansehen der deutschen Emigration. Essind nicht nur politische Gründe, wenn die deutsche Emigration gerin-ger eingeschätzt wird als jede andere( abgesehen von rein fachlichenLeistungen natürlich- ich meine je zt die menschlichen Eigenschaf-ten). Das Schlimme ist, dass viele deutsche Intellektuelle zum Bei-spiel über Religion mit einem Horizont urteilen, den jeder Quakerwegen der Enge des Denkens belächelt. Die guten Kritiker haben oftkeine Ahnung, welche Tiefe und Weite des Denkens von uns Quäkern oftvermittelt wird. Ich denke an das Goethe- Zitat: Wer fertig ist, demist nichts recht zu machen. Der Strebende wird immer dankbar sein.Und was hat man denn noch auf Erden zu tun, wenn man nicht mehrlernt und strebt? Wer von uns weiss heute noch, wo wir recht habenund wo ni ht? Es ist alles so unsicher geworden. Da ich den Vorzughabe, nur noch wissenschaftlich zu arbeiten, kann ich mir das ruhigeingestehen."

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Diese Dinge werden deshalb in dieser Ausführlichkeit wiedergegeben,weil sie besser als jeder Kommentar die Zerrissenheit wiederspie-geln, mit der sich jeder Emigrant mochte er nun schon länger odererst seit kurzem in den Staaten sein abquälte. Dass dieser BriefSollmanns an Marie ihr in vielen aus dem eigenen Herzen geschriebenwar, steht fest. Andererseits machte sie aber kein Hehl daraus, dassxxxkxx nicht alle Gesichtspunkte sollmanns ihrer eigenen Ansicht ent-sprachen.- So lebten sich die Emigranten, meist zu ihrem eigenen