Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Schaden, auseinander und gingen ihre eigenen Wege, die dadurch nochschwieriger und härter wurden. Auch Marie musste diese Erfahrung ma-chen, die noch bedrückender wurde durch den täglichen Existenzkampf,denn man lebte ja nur von heute auf morgen, ohne zu wissen, was übe:morgen sein würde.

Erna und Jola( Joseph) Lang haben die Schwierigkeiten und den weitereGang der Dinge in einem Bericht zusammengefasst:

" Wie sollten und konnten die alltagsprobleme gelöst werden? Selbstim' reichen' Amerika war das nicht so einfach. Die meisten von unssprachen noch nicht richtig Englisch . Mit Hilfe der quäker, desRefugee Service, der Labor Aid und des International ke scue Commit-tee gab es schliesslich eine bescheidene materielle Ficherheit. Je-der von uns nahm jede nur mögliche Arbeit an.

Aber eine grosse forge blieb: was wird aus Deutschland , was aus derWelt? Denn inzwischen hatte die braune Pest fast ganz Europa verse-schlungen, und der siegeszug der Nazis schien unaufhaltsam. in die-ser Zeit, als die Hoffnungslosigkeit in unseren neihen unging, alsauch viele Prominente' innerlich kapitulierten, da haben wir unsoft genug in Deiner kleinen Wohnung, Marie, in der Bronx zusammen-gefunden, ein Fähnlein der ieben Aufrechten', um uns zu beratenund uns Mut zuzusprechen.

Auf die Dauer war das aber nicht genug. Gleich ung hatten auch dieanderen' newcomer' deutscher Zunge das Bedürfnis nach einem Zusam-menhalt, um in gemeinsamen Unterhaltungen eine Neu orientierung zufinden. Wir mussten daher eine Organisation suchen, die uns sozu-sagen Gastfreundschaft gewährte. Wir fanden sie schliesslich imWorkmen's Circle, im' Arbeiter- Ring', einer Selbsthilfevereini-gung, die um die Jahrhundertwende von jüdischen Binwanderern ge-schaffen wurde und in der wir jetzt eine' German speaking Branch'bildeten. Auch in Amerika braucht jeder Verein einen Vorstand, undwir konnten wirklich keinen besseren Vorsitzenden finden als Dich,Marie. Und so hast Du Dir in Deiner langen Laufbahn wieder einmaleine neue Aufgabe und einen neuen Titel verdient: Du warst der Chairman, der unsere Zusammenkünfte mit Takt und Geschick leitete. Esging manchmal sehr stürmisch zu, und die Meinungen platzten auf-einander, aber Du hast dieses heterogene Häuflein gut zusammenge-halten. Erinnerst Du Dich noch unserer Debatten, unserer Pläne undResolutionen, gerade so, às ob die Welt nur noch auf unsere Erkennt-nisse warte? Wir zerbrachen uns die Köpfe, wie es nach dem soge-nannten tausendjährigen Reich in Deutschland aussehen würde, was jutun sei, um Nationalsozialismus und Intoleranz gründlich zu besei-