Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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der Frau, die gleichzeitig Kinder zu ernähren und zu erziehen hat,ist für Millionen von Frauen das Gleiche. Und auch für die Kinderdieser Frauen ist es niemals leicht. Ich sage das nur xxixix mitBezug auf die Notwendigkeit der Erwerbsarbeit für uns. Die Mitar-beit am öffentlichen Leben hatte damit wenig zu tun. Wohl bedurftees des Nachdenkens und des guten Einteilens unserer Zeit. Wenn wir' Opfer' brachten, was wir aber nicht als solche empfanden, so wardas höchstens dem zu vergleichen, was die anderen arbeitenden Men-schen für Erholung und Vergnügen aufwendeten. ir verzichteten wohlauf das Meiste, was anderen unentbehrlich schien, und buchten dieneuen Erkenntnisse und Erfahrungen als persönlichen Gewinn, als neu-en Lebenswert.

Hier in Schöneberg begann unsere bewusste und intensive Mitarbeitin der sozialdemokratischen Frauenbewegung. Bis dahin war unserBlick eigentlich nur auf Arbeiterbewegung' gerichtet gewesen. Mitt-lerweile war es uns nun wirklich klar geworden, dass wir mehr alsgelegentliche' Mitläufer' sein wollten und deshalb den Weg über diesozialdemokratische Frauenbewegung zu gehen hatten. Wir gingen ihn."

Da Schöneberg zu dieser Zeit ein Vorort von Berlin war, hatten sichMarie und Elisabeth trotz des Anratens von Margarete Wengels nichtbeim Berliner Frauen- und Mädchen- Bildungsverein angemeldet. Siexxxxxx stellten fest, dass es in Schöneberg ebenfalls einen solchenVerein gab, und wollten politisch dort' aktiv' werden, wo sie sess-haft waren.

" In Schöneberg benutzten wir die erste Gelegenheit einer Versammlungdes Frauen- und Mädchen- Bildungsvereins, um uns zur Mitgliedschaftanzumelden. Der Wille, ein freier und gleichberechtigter Mensch zuwerden, gegen alle Hindernisse, war stark in unserem Bewusstsein.Wir waren bereit, Gefahren auf uns zu nehmen, Konflikte zu beste-

hentund gegen Vorurteile aller art anzugehen. Dieses Gefühl beherrsdte uns vollkommen, als wir die erste Schöneberger Versammlung besuch-ten. Wir hatten erfahren, dass dort eine Frau Bäumler, die Frau desdortigen' Vorwärts'- Spediteurs, die Vertrauensperson der Genossinnensei. Wir sahen sie oben auf der Bühne am Vorstandstisch, eine impo-sante Erscheinung, gross, mit ganz weissem Haar und einem schönenKopf. Die Leitung der Vereinsversammlung lag bei einer anderen Frau,