951068
" Das Gesetz verlangte, dass ein Teil der Stadtverordneten Hausbe-sitzer zu sein hätten. Das war eine der besonderen Tücken der Gemein-deordnung. Die dritte Klasse, das heisst ein rittel des Gemeindepar-laments, war in dem Industrieort Rixdorf- Neukölln spielend zu be-setzen. Das zweite Drittel konnte mit Anstrengung erobert werden, dieSteuerzahler sozialdemokratischer Gesinnung waren vorhanden. Wo abersollten wir die Hausbesitzer- Kandidaten hernehmen? Wir haben es ge-schafft, eines schönen Tages hatten wir die Mehrheit.
Hugo Heymann in Berlin , ein vermögender Mann, muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden, auch wenn" wir Neuköllner " an der grosszügigenHilfe, die er der sozialdemokratischen Partei gab, nicht
Feilnahmen.
so glaubeich wenigstens- batarters xxxxx Heymann kaufte Grundstückeund baute Häuser, die den Kandidaten der Partei" übereignet" wurden.( Er war der Besitzer des Gutenberg- Verlages, Stifter einer grossenöffentlichen Volksbibliothek, die er auch unterhielt, bis er siespäter der Stadt Berlin , deren Ehrenbürger er war, übereignete. Als' Marxist und Jude' von den Nazis verfolgt, gelang es ihm, nach 1933in die Vereinigten Staaten zu gehen. Die von den Nazis aberkannteBerliner Ehrenbürgerschaft wurde ihm von heutigen West- Berlin wiederzurückgegeben).
Das Dreiklassenwahlrecht enthielt noch andere Bestimoungen: die ge-wählten Bürgermeister mussten damals von der königlich- preussischenRegierung bestätigt werden, was aber wenn es sich um einen Sozial-demokraten handelte- mit Schwierigkeiten verbunden war. Ein' Kurio-sun' gab es zum Beispiel in der Provinz Brandenburg in einem' roten"Ort. Dort war die Hausbesitzerfrage von selbst gelöst, weil fast alleBewohner ein eigenes Grundstück, mit einem bescheidenen Häuschen da-rauf, und einige Morgen Land hatten. Die Männer waren Bauarbeiter,die nach Frankfurt a.d.Oder oder nach Berlin zur Arbeit gingen undnur einmal wöchentlich nach Hause kamen. Deshalb fanden die Gemein-desitzungen dort auch immer sonntags statt. Diese überwiegend sozi-aldemokratische Mehrheit präsentierte drei Mal ihren Bürgermeister, nund er wurde ihnen jedesmal abgelehnt. Ich habe mehrfach dort ge-sprochen und wollte auch die Frauen der Männer dazu bringen, eben-falls die Versammlungen zu besuchen. Sie taten es nicht, und die auf-geklärten Ehemänner fanden das durchaus in Ordnung. Viellei cht des-halb, weil die Frauen in Haus sehr viel zu sagen' hatten. Sie be-stellten ihre Acker mit dem Hundegespann, brachten Eier und Butterper Rad zum Markt, und kauften für das Butter- Geld- Margarineein, von der sie den Männern auch den Wochenvorrat zum Mitnehmeneinpackten."
*