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zu tragen. Kaum gesund, stieg er seinem Cousin Fritz über einenZaun nach, blieb beim Abspringen mit dem Fuss in einer Querleistehängen und brach sich das Bein. Obwohl Lotte von beiden Mütternden Auftrag hatte, nun- da sie alt genug sei besonders auf dieJungens aufzupassen, stellten sie dennoch allerlei Unheil an.So hatten Paul und Fritz ein sehr gefährliches Spiel entdeckt: vordem Toilettenfenster wuahh ein grosser Baum, einen starken Asteinen Meter von diesem Fenster entfernt. Das Spiel bestand darin,dass Fritz vom offenen Fenster aus an diesen Ast sprang und sichdann herunterhangelte. Paul hatte mehrere Male xxxxxxxxxx angesetzt,zum Sprung fehlte ihm aber immer der Mut.* kxx Ausgerechnet an einemMittag, als die beiden mütter früher als erwartet nach Hause kamen,sahen sie, wie Paul von Fensterbrett aus einen Meter durch die Luftsprang, gerade noch den Ast erreichte und mühselig herunterkletterte." Uns war das Herz stehengeblieben, Lisbeth hielt sich die Hand vorden und und ich war in Begriff, laut zu rufen. Aber wie immer, wennwir mit unseren Kindern ein Hühnchen zu rupfen hatten, geschah es auchdiesmal xxxxxxxxx ohne grosse Empörung. Wir meinten nur, dass das wohlkein schönes Spiel xxit und ausserdem gefährlich sei, und die Juggensversprachen uns, nicht mehr von Fenster aus an den Ast zu springen.Sie gaben uns mit Armesündermiene ihr Wort dxxxxf, und darauf konntenwir uns auch immer verlassen."
Noch etwas ereignete sich in diesen Tagen: Elisabeth hatte bei ihrerArbeit einen Mann kennen gelernt, mit dem sie sich vom ersten Tag anausgezeichnet verstand: Emil Kirschmann . Er kam aus Oberstein an derNahe aus einer Achat- und Edelstein- Schleiferfamilie, hatte sein Hand-lungsgehilfen- Examen gemacht und war durch seine journalistische Be-gabung zwangsläufig zum sozialistischen Schrifttum gestossen. Die" Rheinische Zeitung" stellte den jungen Mann vor die ersten grösseren publizistischen Aufgaben.
" In unserem gemeinsamen Leben waren wir zu einer menschlichen, geisti-gen und politischen Gemeinschaft zu Pritt geworden. Es war, wenn über-haupt noch möglich, eine Verstärkung unserer geschwisterlich- freund-schaftlichen Kameradschaft und auf jeden Fall eine grosse Bereicherungunserer Arbeit und unserer geistigen und ideellen Existenz."
Hier in Köln wurde auch zum ersten Mal der Gedanke an eine eigeneWohlfahrtsorganisation der organisierten Arbeiterschaft geboren." Unsere Arbeit drängte uns förmlich diese Gedanken auf. Sie wurdennicht nur von uns Dreien nach allen Seiten und Richtungen hin durch-