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trotzdem hielten viele Sozialdemokraten ihr die menschliche Treue undstanden dadurch zwangsläufig der Nachfolgerin misstrauisch gegenüber." Man darf nicht denken, dass ich nun unbestritten den Platz als Frauen-sekretärin im Büro des Parteivorstandes bezog. Louise Zietz war beliebt,sie war eine glänzende Rednerin und hatte ständig jüngere Kräfte geför-dert. Schliesslich hatte sie ja auch mich selbst damals den Kölner Freunden empfohlen. In dieser Zeit nun gingen die Wogen mitunter hoch, weilich selbstverständlich eine andere sachliche Einstellung zur gegen-wärtigen Parteipolitik und-taktik einnehmen musste. Es war mir schmerz-lich genug, mehrfach in Zeitungen lesen zu müssen, dass sich die Frau,die gerade durch Louise Zietz gefördert wurde,' sich auf deren Stuhlsetzte'. Diese Vorwürfe wurden in wesentlichen aus USPD - Kreisen erho-ben, aber auch innerhalb der SPD hat es einige Zeit gedauert, bis einegewisse Animosität gegen mich verschwunden war. Das musste ich ruhigabwarten. Zuneigung und Vertrauen lassen sich nicht erzwingen, sondernnur durch sachliche Arbeit und eine gute menschliche Haltung erobern.So erinnere ich mich an eine Versammlung in Hamburg . Hanna Reitze hattesie einberufen. Die USPD hatte Louise Zietz , die in Hamburg ihrerHerkunft und Kraft entsprechend feste Wurzeln geschlagen hatte, alsRednerin geladen. Ich war innerlich sehr traurig über das hässlicheSchauspiel dieser Versammlung, behauptete aber mit äusserer Ruhe meinenPlatz am Rednerpult und man waste es nicht, sich gewaltsam hinauszuzer-
ren.
Ich war nicht nachtragend, hätte mich gerne einmal alleine mit Louise Zietz ausgesprochen, um ihr zu sagen, dass mein Gewissen mich ja frei-sprach. Denn nachdem sie dem Vorstand der neugeründeten USPD angehörte,musste doch deshalb ihr ehemaliger Platz nicht frei bleiben. Sie warnatürlich klug genug, das zu wissen, war aber trotzdem unversöhnlich.Mir hat es sehr leid getan."
mit unbesckränkter Redezeit
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Als Marie Juchacz nach Berlin zurückkam, klang noch immer das unerfreu-liche bare Erlebnis nach, wie sie in das Gewerkschaftshaus am Be-senbinderhof kam, den grossen Saal betrat und sofort mit dem Antragüberfallen wurde, dass Louise Zietz als erste Rednerin und ausserdemsprechen müsse, I wie dann Louise Zietz zum Rednerpult ging, um- ohne Abstimmung sofort mit ihrer Rede zubeginnen, und wie Marie Juchacz , an einem höher als das Rednerpultgelegenen Tisch einfach aufstand und mit ihrer Rede begann." Ich stand- rein örtlich gesehen einige Stufen höher als sie, begannzu reden( es war ja schliesslich eine von der SPD einberufene Versammlunglung), und so viel ich mich entsinne, verliessen die SPD - Teilnehmer
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