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Im u Heft Nr. 19 der Zeitschrift" Arbeiterwohlfahrt" vom 1. Oktober1930 schrieb Hedwig Wachenheum; die für die Zeitschrift verantwortlichzeichnende Redakteurin:
" Am Sonntag, dem 21. September, starb nach schmerzvollem zehntägigenKrankenlager Elisabeth Kirschmann- Roehl, Mitglied des Preussischen Land tags , mit 42 Jahren. Sie war Vorsitzende der Anstaltskommission der Ar-beiterwohlfahrt und als solche Mitglied des Hauptausschusses.Elisabeth hat nie auf ihre Gesundheit oder körperliche Kraft Rücksichtgenommen und bis zum Zusammenbruch in Wahlversammlungen gesprochen. Ne-ben ihrer politischen Tätigkeit, die einen dauernden Wechsel zwischenihrem Kölner Wahlkreis und Berlin bedingte, ist sie fast jede Woche zuden Heimen der Arbeiterwohlfahrt gefahren. Dabei war sie kein Menschtrockener Pflichterfüllung. Die Aufgabe war es, die sie zur Unermüd-lichkeit drängte. Der Immenhof' sollte ein sozialistisches Erziehungs-heim werden. Die Arbeit, die dazu notwendig war- und sie war nicht ge-ring tat sie im Drang zum Ziel. Wie ihre ganze Umgebung hat sie auchden' Immenhof' schön haben wollen und ihn aus eigenem Gestaltungsvermö-gen modern, praktisch und schön eingerichtet. Nur mit ihrer starkenLiebe zur Sache konnte, was dort geleistet worden ist, geschaffen wer-den. Mit dieser Arbeitsfreude hat sie ihre Aufgabe in der Arbeiterwohtfahrt auch auf vielen anderen Gebieten erfüllt. Sie hat die Arbeiter-wohlfahrt im oberrheinischen Bezirk aufgebaut. In die Ausbildungsar-beit brachte sie immer neue Ideen, regte andere durch sorgfältige Be-richterstattung und Vorschläge für neue Methoden an. Die Leser dieserZeitschrift haben ihre liebenswürdige und lebendige Art, ihre Gedankenniederzuschreiben, kennengelernt. Als Vorsitzende des sozialpolitischenAusschusses der preussischen Landtagsfraktion seit 1928 hat sie mit si-cherem Überblick die Arbeit geleitet ,, die Arbeitskräfte zusammenge-fasst und auf einem bei der gegenwärtigen politischen Konstellationschwierigen Arbeitsgebiet die Fraktion zu Erfolgen geführt.Wer mit Elisabeth zusammen gearbeitet hat oder ihr durch Freundschaftverbunden war, entbehrt heute noch mehr als ihren unermüdlichen Ge-staltungswillen. Sie war eine liebenswürdige, liebenswerte Frau, einMensch, in dessen Nähe zu sein wohltat. Die mütterliche Liebe, die sieden Gegenständen ihrer Arbeit zuwendete, hatte sie auch für die Men-schen, mit denen sie arbeitete. Sie war immer bemüht, Mitarbeitern,Freunden und Anverwandten eine wohltuende Umgebung zu schaffen. Schar-fe persönliche Gegensätze glich sie durch ihre Herzlichkeit aus. FürStunden erregender politischer Spannung wusste ich mir keinen besserenKameraden. Mit klarem Urteil, im Gefühl ganz erfüllt von der Sache,blieb sie immer freundlich. Sie hat als junge Frau hart kämpfen müssen