Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Seine Ernennung erfolgte schon wenige Tage später, am 4. November 1930.Marie trauerte nur noch im Unterbewusstsein um den Tod ihrer Schwester.

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sie sköpenicker Haus die vielen Dinge, die Elisabeths persönlichenStil lebendig erhielten. Alles blieb, wie Yes xxixxxxkk angeordnet undhingestellt hatte. Mit Emil Kirschmann wurde die Kameradschaft durchdie Xxxxxxxxxg niemals ausgesprochene, aber ixxax innerlich lebendigeErinnerung noch enger. Und Lisbeths Sohn Fritz, im zweiten Neuphilolo-standgie- Semester auf der Berliner Universität, X* XX** X* X* xix wie ein vererb-tes Bindeglied zwischen Stiefvater Emil und Tante Marie, Die Kinder vonMarie, Lotte und Paul, selten oder kaum zu Hause, da Lotte nicht inBerlin studierte und Paul als Verwaltungsassistant auf einem Gut arbei-tete, waren dem Haus schon entwachsen. So bekam Fritz die neue elterli-che Liebe mit der Wärme zu spüren, die den Aussenstehenden stets ver-borgen blieb. Die Gelegenheiten für familiäre Zusammenkünfte und per-sönliche Gespräche ausserhalb der politischen Ereignisse wurden sehrbald immer seltener, und nicht nur im Hause Juchacz- Kirschmann- Roehlgeriet das Privatleben endgültig in den Sog des politischen Strudels,um darin unterzugehen.

Das ist kein Wunder, wenn man sich die kleinen und grossen Begebenhei-ten dieser Zeit ins Gedächtnis ruft.- Schon zwei Tage nach ElisabethsBeisetzung in Köln fand an der Wohlfahrtsschule des Hauptausschussesfür Arbeiterwohlfahrt in Berlin das erste Staatsexamen statt, mit ei-nem so guten Prüfungsergebnis, dass die der Prüfung beiwohnenden Staats-kommissare sich nur mit grösstem Lob äussern konnten. Aber was nütztedieser schöne Erfolg in dieser schweren Zeit? Marie Juchacz , die Vor-sitzende der AW, und Hedwig Wachenheim als Leiterin der Schule, spür-ten auf Schritt und tritt, dass dieses Ergebnis nur mehr für jene Men-schen bedeutungsvoll war, die nicht nur an die Gesundung des politischen*** wirtschaftlichen und sozialen Lebens glaubten, sondern sich auchtäglich dafür einsetzten. Aber diese Menschen gerieten mehr und mehr indie Minderheit. In dem einzigen von Nationalsozialisten regiertenLandesteil, in Thüringen , braute der Nazi- Minister Frick" in der Gar-küche experimenteller Politik" als Vorgeschmack für das, was Deutsch­ land bei einem nationalsozialistischen Sieg zu erwarten hätte, einensozialen Brei, der nur als asozial bezeichnet werden konnte. In Thürin­ gen wurden Filme und Theaterstücke verboten, weil ihre Schöpfer nichtarisch waren oder weil sie dem germanischen Held enbegriff der Nazis zu-widerliefen. Als am 5. Dezember im Mozartsaal in Berlin zum drittenMal der Film" Im Westen nichts Neues" laufen sollte und Goebbels mitseiner SA, mit weissen Mäusen und Stinkbomben einen Tumult verursachte,der zur Absetzung und zum Verbot des Filmes führte, war Marie Juchacz