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Weiterer Aufstieg
1927- 1929
Nachdem Marie Anfang 1927 in der" Arbeiterwohlfahrt" die Ortsaus-schüsse ermahnt hatte, nur solche Einrichtungen zu schaffen, dieeine Lücke in der öffentlichen Wohlfahrtspflege schließen würden,kam Elisabeth Kirschmann als die Vorsitzende der Anstaltskommission.des Hauptausschusses der AW einen Monat später noch einmal auf dasThema zurück. Sie warnte davor, nur deshalb Einrichtungen zu schaffen,weil andere Wohlfahrtsorganisationen sie hatten, und riet, die Bedürf-nisfrage jeweils genau zu prüfen und Gipfelleistungen anzustreben.Die Arbeiterwohlfahrt, so fägte sie hinzu, die.a. die bestehendenFürsorgeerziehungsheime scharf kritisiere, müsse, wenn sie etwa selbstein Erziehungsheim für gefährdete und schwererziehbare Kinder errichtebeweisen, daß sie nicht nur kritisieren, sondern es auch besser machenkönne.
Als sie dies schrieb, hatte die Anstaltskommission sich bereits nacheinem Grundstück für ein Erziehungsheim umgesehen und es 1926 beiHützel nahe Sotau in der Lüneburger Heide gefunden. Elisabeth. immerschneller von Entschluß als ihre Schwester- drang auf seinen Ankauf,und es wurde 1926 erworben.
Es war ein Wiesengrund, den malerische Schluchten durchzogen, naheeinem Wald. Dort lag an einem Hang, nach Süden und Westen frei, nachNorden und Osten von Tannen dicht geschützt, der" Immenhof", einstattliches Anwesen in Fachwerkbauweise errichtet und mit einem Stroh-dach gedeckt, ein parkartiger Garten gehörte dazu.
Vierzig schwererziehbare Mädchen im Alter von 14- 17 Jahren solltenim Immenhof Aufnahme finden, und ebenso eine Station mit Kleinkindern,in der die Mädchen Kinderpflege lernen sollten. Eine Ausbildung inHauswritschaft, Weißnäherei und Schneiderei war auch geplant und eben-so eine in Gartenbau und Kleintierzucht.
Die Halle im Mittelbau war das Herzstück des Hauses, eine große Dielemit schöner Täfelung an Wänden und Decke, einem behaglichen Kamin undbreiten Hockern mit geflochtenem Sitz und bequemer Lehne. Ordentlichfestlich war der Raum und doch gemütlich. Hier fanden sich alle Haus-genossen, die Kleinkinder ausgenommen, zu den Mahlzeiten zusammen.Auch für Feste und Feiern gab er den ansprechenden schönen Rahmen. Diean die Diele anschließende Vierländer Stube, so genannt nach den wun-derschönen Türen und Schränken aus einem alten Vierländer Bauernhof,vom Vorbesitzer übernommen, war Aufenthaltsraum und gemeinsames Wohn-zimmer der Mitarbeiter. Ebenfalls von der Diele aus gelangte man inden Bereich der Kleinkinder. Vor ihrem Tagesraum, einem Erkerzimmer,lag die Veranda, die zum Spielplatz und in den Wald führte. Die Schlafzimmer der Kleinen lagen im gleichen Flügel eine Treppe höher. Auf