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dazu ein. Louise Schroeder , selbst nun fast 70, kam. Die Zeitschriftder Arbeiterwohlfahrt" Neues Beginnen" gab eine Sondernummer heraus,in der 18 alte und neue Mitarbeiter Maries Wesen und Arbeitsmethodenund ihre Erfolge beschrieben. In dem Heft dankte auch Heinrich Albertz als Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Marie Juchacz für ihre Wirkungauf die Arbeiterwohlfahrt und für ihre unermüdliche Teilnahme- ohnebesonderes Amt- an Sitzungen und Tagungen im ganzen Land und ihreHilfe beim Ausräumen von Schwierigkeiten und Unzukänglichkeiten:" Sie ist uns eine ständige Quelle der Hilfe und Freude geworden."Ende Juni 1955 geht sie wegen häufiger Schmerzen zur ärztlichenUntersuchung. Der Arzt läßt die Frage offen, ob das, was er findet,bösartig ist oder nicht und verordnet Bestrahlungen und die Umstellungder Ernährung. Ende des Jahres kommt Käthe Kirschmann, die für dauerndnach Deutschland zurückgekehrt ist, und auf Norderney in einem Kinder-heim der Arbeiterwohlfahrt mit großer Freude arbeitet, zur Pflege nachDüsseldorf . Es gelingt dem Arzt mehrere Male, die Krankheit aufzuhalten.Aber immer wieder stellen sich Schmerzen ein. Dann wird Marie, die sich" geistig noch unverändert fühlt, ungeduldig", wie sie Lotte Lemke schreibt." Vor einigen Jahren schien mir das Leben noch schön undlebenswert. Nun fühle ich mich in meinem persönlichen Glück betrogenund unglücklich."
Sie arbeitete an ihrem Buch" Sie lebten für eine bessere Welt,Lebensbilder führender Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts." Im März1956 wird es fertig. Es ist ein warmherzig geschriebenes Buch, dem ihrepersönliche Bekanntschaft und gemeinsame Arbeit mit den meisten Frauen,die auf seinen Seiten erscheinen, Farbe verleiht.
Trotz Schmerzen und Schwäche fährt sie im Oktober 1955 mit Käthe Kirsch-mann, die nun ihre Dauerpflegerin ist, zur Reichskonferenz der Arbeiter-wohlfahrt nach München . Halbtägig konnte sie noch an den Sitzungen teil-nehmen. Sie begrüßte die Konferenz in einer Rede. Sie hatte sich gutvorbereitet, hatte die Geschichte der alten Arbeiterwohlfahrt noch ein-mal durchgearbeitet. Sie will das, was wert ist, von der alten in dieneue Arbeiterwohlfahrt übernommen zu werden, herausstellen. Sie betontden Vorrang der Bildungsarbeit in früherer Zeit und auch das" fleißigeStudium" der sozialen Fragen. Sie ist zurückhaltend, vorsichtig inihren Formulierungen, aber nicht, weil sie alt geworden und von Schmer-zen gequält ist, sondern weil sie sich scheut, ihre Auffassungen derneuen Zeit aufzuzwingen. Aber aussprechen, was sie bewegt, das will sienoch einmal hier im Kreise derer, die ihr vertrauen.
Die Organisation sei rasch gewachsen, meinte sie, vielleicht seiendabei