Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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15. März

1879

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Der feuchtkalte Grippewind, der an diesem Samstagmorgen durch das Bran­ denburger Tor in Berlin blies und die Linden herunterpfiff, trieb denSoldaten der Wachtruppe, die zur Ablösung zum Schloss marschierte, dieTränen in die Augen. Für die 1,1 Millionen Einwohner der Hauptstadt desDeutschen Reichs und der drittgrössten Stadt Europas hatte dieses Schau-spiel seine Anziehungskraft verloren. Nur wenige Passanten waren in ge-bührend respektvoller Entfernung stehengeblieben, unter ihnen Bürgermei-ster Anker aus Landsberg an der Warthe , ein aufrechter und tüchtigerMann, der um das Wohl seiner aufstrebenden kleinen Stadt sehr bemühtwar und des öfteren nach Berlin kam, um sich Anregungen, Ratschläge undHilfe für seine Pläne und Absichten zu holen. Er versuchte gerade, sichaus der kleinen Gruppe der Neugierigen herauszustehlen, um in der Klo-sterstrasse 70 im" Grünen Baum", wo er übernachtet hatte, seinen Kofferabzuholen. Die markante, schneidende Befehlsstimme des Wachoffiziershielt ihn zurück.

Der Führer der Wachtruppe hatte sich vor den Offizier, einen Major, instrammer Haltung gestellt, die Hand zum militärischen Gruss erhoben, undMeldung gemacht. Nach der Meldung behielt er die Hand an der Mütze, alsob sie dort festgewachsen sei. Der Major ging einige Schritte auf denFührer der Wachtruppe zu, blieb breitbeinig stehen, stemmte die Fäustein die Hüften, hob die rechte Augenbraue, sodass das an einem silbergrau-en Faden befestigte Monokel herunterfiel, und fuhr den Verdutzten an:" Sagense mal, was woll'nse denn mit dem rechten Arm in der Luft, was?Sie sind doch keen Vogel! Krieje wer'n auf der Erde jewonnen, und nichin der Luft, verschtanden?"

Bürgermeister Anker wartete das Ergebnis dieser Kontroverse nicht ab, erhatte eine sehr persönliche Meinung auch zu diesen Dingen. Während ersich unauffällig davonmachte, ging ihm nur noch durch den Kopf, warumpreussische Offiziere ab Lieutenant aufwärts eine" markante" und" schnei-dende" Stimme haben mussten, obwohl das in keiner Dienstvorschriftfestgelegt war.

Im Abteil seines Züges nach Landsberg hatte er Zeit, über dieses Kle:ne Erlebnis nachzudenken. Exxxxxxxxædigaxxdurak Er war- verhindertdurch sein Bürgermeisteramt- kein offener Anhänger der Sozialisten,die sich gegen alles stemmten, was mit Militär zu tun hatte. Da derKrieg gegen Frankreich ja nun schon acht Jahre wobei war, hattendiese Leute wohl mit ihrer Meinung Recht, dass der ganze Aufwandüberflüssig sei, ganz zu schweigen von dem Säbelgerassel, das denNachbarn des in den Kinderschuhen einherlaufenden Deutschen Reichs be