Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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darauf, mit Neuigkeiten aufzuwarten, die er von seiner Frauerfuhr. Als Hebamme hatte sie schon einigen dxxxxx Frauen der um denTisch versammelten Männer dazu verholfen, glückliche Mütter zu werden,und kannte sich also in xxxxden Landsberger Familienverhältnissen schonrecht gut aus.- Als auch das Thema familiärer Neuigkeiten erschöpftwar, sassen die Männer schweigend da, jeder mit seinen eigenen Gedankenbeschäftigt.

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Friedrich Theodor Gohlke verliess bedrückt durch die Stille im Gast-zimmer- mit kurzem Gruss die Tischrunde. Beinahe wäre er mit Bürger-meister Anker zusammengestossen, der gerade an der" Krone" vorbei-kam. Anker und Gohlke kannten sich recht gut, der Bürgermeister hattees schon einige Male so einrichten können, dass Gohlke kufiкägax* x*durch seine Fürsprache Aufträge erhielt. Auch der Neubau in der Nähe derevangelischen Kirche, für den er gerade den Dachstuhl anfertigte, standunter Ankers Schirmherrschaft. Nach einigen freundlichen Worten nach demWoher und Wohin trennten sich die beiden Männer und gingen ihres Wegs,wobei Friedrich Theodor Gohlke die Richtung zur evangelischen Kirchezum Neubau einschlug. Ob sein Geselle, der Franz, alleine mit den Quer-hölzern fertig wurde? Oder sollte er nicht doch lieber nach Hause gehen?Unschlüssig blieb er stehen. Vielleicht war er nur deshalb so nervös, xxxweil er als Bauunternehmer bisher nicht den richtigen Anschluss gefundenhatte. An dieser Situation war er- nach seiner Meinung schuldlos. Obsein Vater, der Ostkolonist Gottlieb Gohlke, sich bei seiner- TheodorsGeburt am 8. Oktober 1841 in Gross- dzettritz wirtschaftlich genau so ab-quälen musste wie er heute?

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Das ist jetzt 37 Jahre her, und weder Vater noch Mutter haben jemals da-rüber mit ihm gesprochen. Väter und Mütter scheinen niemals mit ihrenKindern über solche Dinge zu reden. Wenn sie es möchten, sind die Kindernoch zu klein und verstehen das nicht,- und wenn sie es verstehen wür-den, sind sie bereits zu gross und haben schon ihre eigenen Sorgen.Während er seinen Gedanken nachhing, war er nicht in Richtung Bauplatz,sondern auf die Warthe zugegangen. Als er die Küstriner Strasse über-querte, sah er das Haus, das vor einem guten Jahr unter seiner Mitwir-kung entstanden war und in das er hatte einziehen wollen, um endlich mitseiner Familie ein schönes und grosses Zuhause zu haben. Fehlschläge hat-ten diese Absicht zunichte gemacht.