Als grosse Mutti im Spätsommer vorigen Jahres in München war, sassich einmal Käthe Kirschmann war mit Freunden unterwegs- mehrereStunden an ihrem Bett. Ich hatte- weil es sich aus dem Gespräch soergab sogar die garnicht so kühne Idee, ihr die biographische Ar-beit zu erleichtern, indem sie in kurzen Notizen erst einmal die wich-tigsten Etappen aufschrieb, um dann nach diesen Stichworten ihre Kurz-biographie einfach auf Tonband zu sprechen. Ich sagte ihr, dass manein solches Gerät ausleihen könne, und die besprochenen Tonbandrollenwären die einwandfreiesten Unterlagen, die man sich denken könne. Aus-serdem würde alles das festgehalten, auf das sie selbst Wert legt. Ih-re Antwort war:" Dann müsstest Du aber für einige Wochen mit nach Düs seldorf kommen, mein Junge!" Und das konnte ich nicht, denn ich ar-beite freiberuflich, und habe in München mein Hauptquartier, das ichnur immer kurzfristig verlassen kann, wenn ich mir meinen an sich nichtleichten Beruf nicht noch schwerer machen will.
Dieser Gedanke führt auch zu einem Punkt, den Sie und ich in unserenBriefen und in dem letzten" Zwischen- Tür- und- Angel"-Gespräch in Bonn nicht anschnitten.
Ich will mich ernsthaft an die Arbeit machen, will mit wissenschaftli-cher Gründlichkeit alles das zusammentragen, was das Bild vollständigermacht. Dazu gehört die Durcharbeit vieler Bücher, die Beschaffung vonUnterlagen( Parlamentsreden aus Archiven) usw. Ganz alleine kann ich dasnicht schaffen, ich brauche Hilfe, in erster Linie die Hilfe des Ha-ausschusses, die ich sicher auch bekomme. Wenn es so weit ist, werdeich mich melden. Vorerst sichte ich das ganze Material, das ich jetzt-mitnahm, werde es in eine biographisch- chronologische Ordnung bringen,- werde mir die Notizen machen, die sich bei der. Durcharbeit zwangs-Jläufig ergeben, und werde völlig unabhängig davon trotzden den Ent--wurf eines Kapitels niederschreiben. Ich möchte diese Arbeit nicht aufdie lange Bank schieben, sondern mich nach Weihnachten sofort daran-machen. Das bedeutet, dass ich einen erheblichen, Teil meiner freiberuf-lichen Arbeitszeit dafür aufwenden muss, denn noch niemals hat sich einBiograph" nebenbei" mit dem Leben und der Arbeit eines Menschen beschäf-tigen können. So werden bestenfalls Romane und Biographien für die il-lustrierten Zeitschriften geschrieben(" Ich, Christian Dior " oder" Daswar der Kronprinz"). Eine solche Aufgabe verlangt einwandfreie wissen-schaftliche, historische Gründlichkeit!
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Ich rechne damit, dass ich zwei bis drei Monate brauche, um das, wasich jetzt hier habe, so durchzuarbeiten und zusammenstellen, dass es0001 für jede spätere Formulierung( sei es nun ein biographisches Le-bensbild, seien es" Dokumente eines Frauenlebens", sei es" ein Leberim Spiegel von Briefen, Reden und Taten") Gültigkeit hat. Diese dreMonate währende Arbeit dürfte auf keinen Fall umsonst sein, denn sieegal, wer dann was und wie daraus macht- vorgeleistet werden.Für diese" Vorleistung" müsste man ein finanzielles Aequivalent fin-den.
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ad An Käthe Kirschmann habe ich eine Kopie dieses Briefes geschickt. LotteJuchacz sagte mir, dass sie sich einmal mit Käthe K. über dieses ThemaJunterhalten habe, und dass Käthe" in allen Punkten" mit ihr, Lotte J.,übereinstimme. Was das für Punkte sind, weiss ich nicht. Ich weiss nur,dass Käthe K. für ein sehr wichtiges Kapitel der Biographie, für dieZeit in New York , die Kronzeugin ist. Und dass dieses Kapitel nur16 nach gründlichster Zusammenarbeit mit ihr geschrieben werden könnte. Und- wie überhaupt die ganze Biographie geschrieben werden müsste! Dasist meine vielleicht unmassgebliche Meinung. Ich reisse mich nicht umdie Aufgabe, ich hatte damals den Einfall, trug ihn sofort an Sie heran,Sie griffen ihn auf, jetzt kann ich wenn wir uns verständigen- dievorbereitende Arbeit leisten, und dann können wir sehen, was darauswird.-Höre ich von Ihnen?
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Ich fahre am Freitag, 21.12., nach Naila , Stengel-strasse 25, wo ich bis zum 26. bleibe. Ab 27.12. bin ich wieder in Mün chen .
Heval. Guiss, Iher
Haa.
R.