27.8.48.
stobilans de beide
a
Liebe grosse Mutti, lieber Emil, liebes Käthchen,
es wird höchste Zeit, das wir uns wieder einmal melden, aber dieletzten Wochen waren eine ununterbrochene Jagd nach der Chance, dieWährungsreform zu überbrücken. Bis jetzt ging es mit Hängen und Wür-gen, denn die freiberuflich Tatigen stehen überall an letzter Stelle.Marias abgeblasene Aufträge werden vor dem kommenden Frühjahr nichtwieder aufgegriffen, da die Bauwirtschaft nicht in der Form angekur-belt wurde, wie es vielleicht beabsichtigt war. Und Maria ist von derbow Bautätigkeit abhängig. Restaurationsarbeiten an kunstlerisch wertvol--20 1 den Baudenkmälern, die es ein entlich zu erhalten gilt, sind ganz undemdenist gar zurückgestellt worden. Dome, Kirchen und Hallen vermodern im kom-Ta menden Winter noch mehr.- Wenn man Zahnehmerzen hat und rechtzeitigzum Arzt geht, kann er nicht nur den Schmerz schnell beseitigen undodossogar den Zahn retten, sondern es ist auch billiger, als wenn man
wartet, bis der ganze Kiefer vereitert ist, aufgemeisselt werden mussund ein künstliches Gebiss eingebaut wird, das niemals in der gleichvollwertigen Form wie das natürliche gewachsene Kauwerkzeug für guteVerdauung und für Erhaltung des Körpers sorgt.
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Die Stickerei- Fachschule in Naila kommt nicht zu Stuhl, weil die Ver-waltungsbürokratie sehr umständlich ist und weil- um das Kind beimtrechten Namen zu nennen nicht die Gelmittel vorhanden sind, umDo etwas auf die Beine zu stellen, was hervorragende Leistungen ver-Bespricht. Der Mitarbeiterstab von Maria, der ursprünglich auf neun
Personen festgelegt war, ist auf vier Menschen zusammengeschrumpft.Die Gebäudeverhältnisse müssen in primitiv- improvisierter Form inKauf genommen erden,- die Stickerei- Fachschule, die sich zur Mei-to sterschule entwickeln soll und vornehmlich für die Export belebungder Industrie arbeiten soll, wird als kümmerlicher Betrieb mit einerKlasse gestartet werden( wenn es überhaupt in nächster Zeit zu einemdi solchen Start kommt). Maria hat mit ihrer Assistentin Christa jetztLos bei einigen amerikanischen Familien gegen ein paar Zigaretten undLebensmittel die Wohnungen ausgemalt, aber davon kann man nicht le-ben. Ich schreibe mehr und mehr für die Fachzeitung" Der neue Film"bei der ich hoffentlich ab 1. September wenn auch mit einem beschei-denen, so doch aber mit festem Vertrag mitarbeiten kann. Die Mitarbeibei der Tagespresse ist sehr, sehr scher, weil die Zeitungen überlaufen sind von Tausenden, die sich durch Schriftstellerei ein paarPfennige verdenen wollen.
Aus dieser Situation entstand ein Brief an die European Supplies inNew York . Die Unterlagen befanden sich bei dem Ausschnittmaterial,das vor einigen Tagen ankam und für mich sehr interessante Beiträgeenthielt.- Als wir auf einer unserer kürzlichen Fahrten auch eineneintägigen Abstecher zu Paul machten, ergab es sich, dass Wilhelm Sollmann dort mit Röhle auftauchte. Wir haben uns eine Stunde langunterhalten können, wobei ich feststellte, dass Wilhelm S. mit dergrösten Selbstverständlichkeit als Amerikaner feststellte, dass dieEntwicklung leider zwangsläufig dahin geht, dass wir für sehr, sehrlange Zeit ein armes und gerücktes Land und Volk bleiben müssen.Wieso müssen?- Seger sieht die Enticklung viel klarer, er ist ehr-licher und sieht Fehler, die man vermeiden kann und muss. Segerkämpft, Sollmann doziert. Der eine ist Sozialist, der andere Quäker.Wir haben jetzt Marias Mutter aus dem Pyrmonter Altersheim herausge-nommen. Der Tages- Satz ist dort so hoch, und das Gebotene entsprichtin keiner Weise dem Bezahlten, sodass es herausgeworfenes Geld ist,das wir jetzt vernünftiger anlegen, indem wir die alte Dame, die ei-ne monatliche kleine Pension bekommt, ganz zu uns genommen haben.