Jde München, d. 21.8.47
Meine liebe grosse Mutti!
Obwohl ich schon am 24. Juli von meiner Deutschlandfahrt zurück-gekommen bin, habe ich erst jetzt den kurzen Augenblick, um Dirnicht einmal selbst diesen Brief zu schreiben, sondern ihn schnellnebenbei im Büro zu diktieren.
Über das Zusammentreffen mit Paul und Lotte, die ich beide in besterVerfassung angetroffen habe, muss ich Dir bereichten, wenn ich ein-mal mehr Zeit habe. Auf jeden Fall geht es beiden ausgezeichnet.Paul lebt sozusagen im Paradies, und Lotte erstickt in Arbeit undkommt hauptsächlich aus diesem Grunde nicht dazu, mit Euch zu kor-respondieren. Sie ist unwahrscheinlich aktiv in ihrem Beruf undbraucht, wie auch Maria und ich, das bischen Freizeit, um sich dieErleichterung zu schaffen, die man haben muss, um eine Höchstleistungan Arbeit zu vollbringen.
Wir haben in Pyrmont Marias Mutter in den Wagen geladen und mit nachMünchen genommen, wo sie glücklich ist, in unserer Wohnung murksenund kochen zu können, sofern es was zu kochen gibt, zu murksen gibtes immer etwas.- Die alte Dame hat mit ihren 70 Jahren als Bühnen-bildnerin des Bunten Würfel eine kurzfristige Aufenthaltsgenehmigungbekommen. Wir können das evt. bis Ende September verlängern. AnfangOktober werden wir sie wieder nach Pyrmont zurückschleusen.Bei unserer Ankunft fanden wir das Firmenpaket mit den 10 PfundMakkaroni vor, mit dem wir uns bis jetzt wunderbar durchnudelten.Dann kam auch das letzte angekündigte Paket mit dem Kaffee, der al-lerdings schon zu Ende ist, mit den Kämmen für Maria und den vielenanderen nahrhaften Sachen, die einer kochwütigen Hausfrau wie MariazMammi unwahrscheinliches Vergnügen bereiten. Sie hat schon herzhaftgeäussert, dass es höchste Zeit wird, dass das nächste Paket ankommt,damit sie in der gleichen Weise für uns weitersorgen kann.Ich habe nach meiner Rückkehr einen unwahrscheinlichen Haufen Arbeitvorgefunden, musste das bis zum 15. August laufende Zehnerlkabarettnoch sehr intensiv betreuen und fange heute damit an, 2 Programmeauf einmal nebeneinander her zu inszenieren. Die Unterlagen werdenwir Euch schicken.- Maria macht mit der gleichen Intensität mit undist für mich eine unwahrscheinliche Hilfe, was allerdings zur Zeitauf Kosten ihrer sonstigen künstlerischen Ttigkeit geht. Ich be-trachte das aber als Übergangszustand und habe das Gefühl, dass iches bis zum Ende dieses Jahres so geschafft habe, dass der Betriebhier in einigermaßen normalen Bahnen läuft, soweit man unter den heu-tigen Umständen das Wort" normal" Hberhaupt gebrauchen kann und darf.Seid nicht traurig, dass ich mich so kurz fasse, aber wir arbeitenTag und Nacht und müssen es schaffen.- Seid alle herzlich gegrüsstund schickt ruhig weiter die Drucksachen, die uns sehr viele Anre-gungen geben, und wenn Ihr gelegentlich wieder eine nahrhafte Sen-
b.w.