November
October 4,1945
Liebe Hertha Kraus , ich danke Ihnen herzlich dafuer, dass Sie so gutauf meine Gedanken und Wuensche eingegangen sind, dass Sie sich fuerderen Erfuellung bemueht haben und dass Sie mir Nachricht gaben uegberdie schmale Aussicht, die vielleicht besteht, wenn man in Berlin , wieSie richtig sagen--" so let's hope that( it has helped to draw hisattention to this problem and that he has followed up in some way.Ich weiss, dass man an einer solchen Stelle- beschäftigt mit einem sogrossen, vielseitigen Komplex- natuerlich nicht mehr fuehlen kann, dassund wie das Herz einer einzelnen Person mit einem solchen Schriftstueckund mit dem, was darin wirklich enthalten ist, verbunden ist.
Inzwischen nuetze ich hier die Zeit, so gut es geht, um mich durch selbst-gewaehlte Arbeit zu beteueben.Die Not dort drueben, laesst mich nichtzur Ruhe kommen.Zuerst habe ich versucht mit einer kleinen Menschen-gruppe unter dem schuetzenden Dach des" Workmen's Circle" eine Hilfs-aktion fuer die Menschen aufzuziehen, die in Frankreich unter den Um-staenden der Emigration und des Krieges besonders litten. Wir musstenden Radius unserer Hilfe von vornherein begrenzen, weil wir doch imStillen arbeiteten.Natuerlich haben wir das, was uns aus Holland undBelgien bekannt wurde, mit einbezogen.Sobald die Moeglichkeit dazu be-steht, wollen wir auch nach Deutschland hinein.Dazu muessen wir natuer-lich hier in diesem Land den Kreis unserer Ceber erweitern.---- Ueberdiesen Komplex XXXX moechte ich gerne einmal auch mit Ihnen sprechen,um Ihren Rat dazu zu hoeren.Ich weiss, dass Sie ueber Menschenkraftengespannt sind und wage kaum zu bitten. Aber falls Sie einmal in NY sind und eine halbe Stunde absparen koennen, wollen Sie sie dann fuermich reservieren und mir Bescheid geben? Ich waere Ihnen sehr dank-bar.
Was mich zu meinem Tun veranlasst, ist neben dem eignen, mich treibendenGewissen auch der Gedanke, dass es die Pflicht der ganzen politischenEmigration ist, kameradschaftlich denen zu helfen, die nicht in derSicherheit gesessen haben, denen zu helfen, die sich nicht satt essenkonnten, waehrend wir hier die Gastfreundschaft und Hilfe des Landes-genossen haben.Es ist doch die beste Art moralische Schulden abzu-tragen, wenn man denen/ zurueck gibt die nicht hier sein durften, wasAmerikanische Menschen und Organisationen fuer uns getan haben.
Es kommen mir da einige Schwierigkeiten in den Weg. Ich hatte schonmeinen Plan der Verbreiterung der Aktion( in rohen Umrissen) im Kopfund wollte ihn sachlich mit einigen Freunden durchsprechen, als die" Sozialdemokraten um die Volkszeitung herum" ploetzlich auch mit einemaehnlichen Plan hervortraten.An sich habe ich gegen die Aktivitaetder Leute nichts, aber die einzige Moeglichkeit etwas zu erreichen ist,oder waere, dass wir gemeinsam daran arbeiten wuerden und das nachaussen zeigen- und zwar von vornherein- ohne erst einzeln aufzutreten.Ich haette gerne gesehen, wenn Sollmann dabei die Vermittlung ueber-nommen haette, aber dabei streikt er.Er sieht es anders als ich.Doch das erzaehle ich Ihnen nur am Rande.Der hauptzweck meines Schrei-bens war mein Dank und meine Bitte, die ich in den ersten beiden Ab-saetzen aussprach.--- Vielleicht rufen Sie mich einmal durch eine Karteoder telephonisch, wenn Sie hier sind. Dank.
Herzlich gruessend Ihre