Nachlass Marie Juchacz Chronik des Frauenlebens u. a. Manuskripte Der Genosse Jean Meerfeld galt mit Recht als der beste Kenner des Zentrums und seiner Geschichte, sowie seiner geistigen Struktur. Er folgte darin Dr. August Erdmann, mit dem der junge Meerfeld zusammen arbeitete und auf dessen Kenntnissen und Erfahrungen er sein Wissen ausbauen und erweitern konnte.Meerfelds feine, ja elegante Art zu arbeiten und zu kaempfen war abgeschliffen worden im Kampf mit den dialektisch und politisch so gut geschulten Fuehrern des Rheinischen Zentrums.---- Diese kurze Bemerkung ueber den Schreiber mag dem Studium der Niederschrift des heute wohl 75 jaehrigen vorangehen. ( Mail 1871,18.Januar Kaiserproklamation in Versailles. Friedensschluss in Frankfurt. Frankreich tritt Elsass und Teile Lothringens ab und verpflich tet sich zur Zahlung von 5 Milliarden Franken. .- 14. August ull[ 12.- 14. Die" Eisenacher" tagen unter Bebels Vorsitz in Dresden. Forderung: Gesetzlicher Zehnstundentag. Kurz nach dem Kongreß werden in Sachsen in sächsischen Städten die ersten sozialdemokratischen Frauenversammlungen abgehalten. In Chemnitz: Erste Frauengruppe. 1872 Sozialdemokratische Arbeiterfrauen gründen den" Berliner Arbeiterfrauen- und Mädchenverein". 1874 Das Verhalten der Behörden gegenüber der Arbeiterbewegung verschärft sich sichtbar. Zunahme der Prozesse. 1875, 22.- 27.Mai Unter dem Eindruck der sich immer mehr verschärfenden Verfolgung schliessen sich die Lassalleaner und die Eisenacher auf dem Gothaer Kongreß zusammen. Annahme des Gothaer Parteiprogramms. Vorker die 1875 Beratung des Parteiprogramms auf dem Einigungskongreß zu Gotha. Die berühmte Begegnung Hasselmann- Bebel. Hasselmann spricht sich gegen das Wahlrecht der Frau aus. Das" Weib" et heute im allgeminen noch weit zurück, weil seine Erziehung schlechter ist als die des Mannes. Bebel: Wenn die Frauen heute noch nicht genügend gebildet sind, dann muß man eben danach streben, daß sie es werden. Wortlaut vergleichen. Der Kongreß lehnt den Antrag ab. 1876, 19.- 23. August Neuer Kongreß der Vereinigten Partei in Gotha. C Bei den Reichstag:) 1876, Oktober. Beginn des Wahlkampfes Bebel läßt in Leipzig eine Volksversammlung einberufen: die Stellung der Frau im heutigen Staat und zum Sozialismus. Leipzigs grösster Saal ist überfüllt, vornehmlich von Frauen, zahlreiche Frauen Da sie aber vorläufig kein Wahlrecht haben, ist es ihre Aufgabe, agitatorisch einzugreifen.. abeis Bibel, sei) Ende des James 1876 Bebel richt öffentlih über die Stellung der Fray im heutigen Staat und zum" Sozialismus" Sozialismus". Er fordert e Fruen erstmalig auf, in den Wahlkampfer mitzuwirken. 1877 Die Reichstagsfraktion bringt die Beschlüsse von Gotha als Gesetzentwürfe ein: Zehnstündiger Arbeitstag, Einrichtung von Gewerbekammern und Gewerbegerichten, Einstellung von Fabrikinspektoren, Überwachung der Arbeitsräume, Abbau der reaktionären Vereinsgesetzgebung. 18773/ Der" Letteverein" hebt die Bestimmung aus den Statuten auf S nicht mit den Frauen und Mädchen beschäftigen, die als Arbeiterinnen in den Fabriken als Dienstboten, Wäscherinnen usw. tätig sind. er worde Die Fradenbewegung ist keine besondere Bewegung, sie ist in Teil der sozialen Frage, die nur der Sozialismus der Sozialdemokratie Cannt lösen kann 1878. 11. Mai - - ein neues Der Klempnergeselle Hödel schießt, ohne zu treffen, auf den Kaiser. Noch im selben Monat legt Bismarck dem Reichstag ein Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokraie vor. Im Juni folgt durch Dr. Karl Nobiling Attentat auf den Kaiser. Auflösung des Reichstags, neue Vorlage des Ausnahmegesetzes, das diesmal vom Reichstag angenommen wird. Terrormassnahmen gegen die Szialisten. Fortsetzung der politischen Arbeit geschieht Gesangvereinen, Kegelklubs usw. Alle Organe und Organisationen der Partei werden verboten. 1879 un caußer der Reichstap. Fre brian) In Zürich kommt die erste Nummer der neuen illegalen Parteizeitung" Sozialdemokrat" heraus, dann Woche für Woche. ie Rote Feldpost unter besorgt die Verbreitung in Deutschland. Mottoler) besorgt die Verbreitung Im selben Jahr erscheint Bebels Buch, gleichfalls in der Schweiz gedruckt, unter dem Titel" Die Frau in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft". Trotz Verbreitungsverbot in der Zeit des Sozialistengesetzes erscheinen zacht nemme Auflagen. 1880, 20.- 23.August unverfänglichen Geheimer Parteikongreß auf Schloß Wyden in der Schweiz 1881, 17.November Thronrede des Kaisers, in der eine staatliche Sozialgesetzgebung angekündigt wird. Unfall- Alters und Kranken. ( versicherung 1883 Die Sozialdemokratin Gertrud Guillaume, geborene Gräfin Schack, gründet sechzehn Arbeiterinnenvereine und gibt Die erste als Vereinsorgan" Die Staatsbürgerin" heraus sozialistisch orientierte Frauenzeitschrift in Deutschland. 2 + der worden 1884 Zentral- Kranken und Begräbniskasse für Frauen und Madchen Set Offenbach zur Umgehung des Sozialistengesetzes Werder gegründet in Berlin und in anderen Städten die Arbeiterinnen zusammen Die Berlinerinnen erzwingen einfach durch Teilnahme in grossen meng Menten das vom Gesetz verweigerte Recht zum Besuch seder Versammlungen. Spestloven. Die Sozialdemokraten legen dem Reichstag einen Gesetzentwurf vor, der den zehnstündigen Arbeitstag, den Achtstundentag für Jugendliche und Bestimmungen zum Schutz der Frauen und Wöchnerinnen vorschlägt. 1885 boke boter Ziller Die Regierung ,, beabsichtigt Nähgarn einzuführen. Starke Belastung der Armsten unter den Armen, nämlich der Heimarbeiterinnen. Die Sozialdemokratische Partei alarmiert die Öffentlichkeit( Die Näheinnen, die in Heimarbeit tätig waren, quid, miven. das Garn einzukaufen. sellist # 1 25 Verein zur Wahrung der Interessen der Arbeiterinnen. Neugründung der Berliner Arbeiterinnen, die schnell Zulauf bekommt und eine intensive Tätigkeit entfaltet. Etwa zur gleichen Zeit wird eine rein gewerbliche Frauenorganisation gegründet, Der Verein der Mäntelnäherinnen bietet den Mitgliedern Recthutz, Arbeitsnachweis und ärztliche Hilfe. 1886 Minister puttkammer gibt den" Streikerlaẞ" heraus. P M e Vereine werden aufgelöst. Zallreiche Arbeiten? s 1887 Enquete über die Lohnverhältnis in der Wäschefabrikation und Konfektion. 1889* Internationaler Sozialistenkongreß in Paris. Emma Ihrer und ara Zetkin als Vertreterinnen der deutschen Frauen. 1889, 20. Dezember Die erste Nummer, der von Emma Ihrer gegründeten Zeitschrift" Die Arbeiterin" kommt heraus. Sie wird im nächsten Jahr vom sozialistischen Dietz- Verlag in Stuttgart herausgegeben unter dem neuen Titel" Die Gleichheit" und von Clara Zetkin redigiert. 1890, 25.Januar dhe Reichsregierus) Der Reichstag verweigert die weitere Verlängerung des Sozialistengesetzes. Spontane Kundgebungene de Sozialisten, Freudenfeste. Bilanz dieser zwölf Jahre: 900 Ausweisungen von Genossen, darunter 500 Familienväter. Tausend Jahre Gefängnis, dazu sechshundert Jahre Gefängnis wegen angeblicher Majestätsbeleidigung. Aber auch: Stänlige Zunahme der Wählerstimme nbei Reichstagswahlen. 1890 A din Februar Erlasse Kaiser Wilhelm LI. W 1- Am 10. Mai besuchen zwei sozialdemokratische Frauen den Preussischen Minister des Inneren, Herrn von Herfurth, und erreichen die Zusage, daß die für Frauen von Frauen einberufenen Versammlungen nicht mehr verboten werden sollen. 18 Bestimmung im Organisationsstatut der Partei, wonach den Frauen wegen der vereinsgesetzlichen und versammlungsrechtlichen Schwierigkeiten das" Sonderrecht" gegeben wird, in besonderen öffentlichen Frauenversammlungen, Delegierte zu wählen, die als Vollberechtigte Delegierte an den Parteitagen teilnehmen dürfen. 26 1. Chtober. -Cenaues Dart feststellen. Das Sozialistengesetz wird aufgehoben. In den Großstädten festliche Veranstaltungen. Die Partei baut eine neue Organisation auf. FL2.- 18. 2.- 18.Oktober " Erster legaler Parteitag nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes Wiederaufbau der Partei, der Organe und der Organisationen hat inzwischen begonnen. Der Vorwärts wird Zentralorgen. 〃 , in Halle, 1891 " 1291 Parteitag in Erfurt. Das Erfurter Programm wird beschlossen. Es spricht der Frau Gleichberechtigung zu. 11 Der Reichstag beschließt Reform des Arbeiterschutzes: elfständiger Arbeitstag für Arbeiterinnen, zehnstündiger beitstag für Jugendliche, Verbot der Nachtarbeit für endliche, Verbot der Fabrikarbeit für schulpflichtige Kinder. 189 Kongreß der Gewerkschaften in Halberstadt. Die Gewerkschaften schliessen sich zu Zentralverbänden zusammen, organisieren sich fester und stellen sich gegenüber der Frauenarbeit positiver ein. 1891 Die Konferenz der Zentralvorstände der einzelnen Gewerkschaftsverbände genehmigt( am 8. September) einen Antrag, der Frauen Steinbach, Kähler und Wolter: dass die Statuten derart umgestaltet werden, dass auch den im Beruf beschäftigten Frauen der Beitritt möglich ist. - Anfang des Verscheint in Hamburg eine Wochenschrift unter dem Titel: Die Arbeitering. Das erste gen der deutscher Arbeiterinnen. gibt In der ersten Hälfte der achtzigerjahre Frau Guillaume- Schak de Staatsbürgerin, Organ für die Frauen und ädchen des arbeitenden Volkes heraus. Das Blatt wird nach einjährigem cheinen in Opfer des Sozialistengesetzes. Nach einjährigem Erscheinen stellt die Arbeiterin ihr Erscheinen ein Nachfolgerin" Die Gleichheit" im Verlag Dietz Stuttgart. Kara Zetkin übernimmt die Redaktion, Emma Ihrer eichnet mehrere Jahne als Herausgeberin. 1891 Am 28. Dezember erscheint die Probenummer dex Gleichheit. chheit/ 1892- Dem vorstehenden Parteitag wird von der" Gleichheit zugerufen: de sozialdemokratische Bewegung würde in ihr eigenes Fleisch schneiden, sie würde in Selbstmord begehen, wollte sie nicht alle Bestrebungen freunlich begrüssen, die auf Aufklärung und Organisation der Frauen hinausläufeu. 1892 Parteitag in Ottilie Baader stellt den Antrag, den Passus, Sonderrecht" aus dem Organisationsstatut zu streichen. Ihre Begründung: die Frauen wollen keine Sonderrechte, sondern gleiche Rechte. 1892 Der Parteitag beschliesst im Organisationsstatut das Wort " Vertrauensmann" zu streichen und dafür das Wort" Vertrauens person" einzusetzen. 1893+/ Im Juni finden Neuwahlen statt. Der alte Reichstag hatte eine Militärvorlage abgelehnt und war aufgelöst worden. Neuartige und umfangreiche Mitarbeit der Frauen, Beispiele: In Berlin erscheint ein Aufruf, der in Hunderttausend Exemplaren verteilt wird: Schulter an Schulter in den Wahlkampf.." Ein weiterer Aufruf: Macht überall Quren Einfluss auf den Vater, den Gatten und den Bruder geltend,.. Frauen& Deswegen müsst ihr Buch hinauswage treppauf treppab Flugblätter verbreiten, Stimmzettel verbreiten.. opfert Eurer Scherflein... Frauen und Mädchen, übt Euch im Wahlkampf!" e 9 • Die" Gleichheit" regt planmässige Arbeit der Frauen an. Die belegierten Frauen, die als Delegierte für den Parteitag gewählt werden, sollen xxx dem Parteitag zur gemeinsamen Besprechung zusammendort) kommen feststellen, ob es der Kölner Parteitag war. Die Frauen kommen im Anschluß an dem Parteitag zusammen, jedoch nur zu einem" Privateinungsaustausch". Die Polizei hat die geplante Besprechung verboten. 1853 Internationaler Kongress der Gewerkschaften in Zürich. Luise Kautsky spricht als Vertreterin der Wiener Arbeiterinnen. 1894[ Parteitag in wiederum findet eine Besp rechung der delegierten Frauen statt, wiederum rein privat. Diesmal wird empfohlen, keine Kommissionen mehr gründen, sondern dafür gewählte Vertrauenspersonen zu beauftragen. ( Abdeckung gegen die Polizeibehörden). Ferner wird empfohlen: die gewerkschaftliche Erfassung der Frauen mit Nachdruck durchzuführen. Imgleichen Jahre wird die Zentrale Berlin aufgelöst. Die Antwort der Frauen: es wird eine einzige Frau als Vertrauens person gewählt. 18948 Internationaler Sozialisten, und Gewerkschaftskongress. Jetzt wird die Aufnahme der Frauen den Organisationen zur Pflicht gemacht. Neue Agitationswelle. Streik der Berliner Konfektions industrie Plötzlich mächtiger Zulauf. . Hewest testen 1894 Das" Korrespondenzblatt" der Generalkommission der Sozialistischen Verbände entwickelt den Halberstädter Beschluss r weiter: Hernaziehung von Frauen zu den Ämtern, Leseabende für die weiblichen Mitglieder, redegewandte Frauen sollen sich melden. ( 1892) 1895 Im August setzt eine planmässige durchgeführte Agitation unter den Arbeiterinnen ein. Anfangs mnur mässige Erfolge. 1895[ Parteitag Breslau. Die sogenannten Vertrauenspersonen werden beauftragt, für ständigen Kontakt zwischen Partei und Gewerkschaften zu sorgen. Parteitagsbeschluss:" Durch möglichst vielseitige statistische Feststellungen über die unausgesetzte Zunahme der gewerblichen Frauenarbeit...!!! Verstärkung der Frauenarbeit in den Gewerkschaften. 1825 Im Deutschen Reichstag wird zum ersten Mal ein Antrag auf Einführung des Frauenwahlrechts vorgetragen von August Bebel, gestellt. Alle bürgerlichen Parteien lehnen ab. 1896 Lily L 1896 Lily Braun, damals noch Frau Lily von Gizycki, Redakteurin der bürgerlichen" Frauenbewegung", wird ostentativ Mitglied der sozialdemokratischen Partei. Clara Zetkin bet grüsst die neue Mitarbeiterin in der" Gleichheit". Lily Braun entfaltet sofort eine grosse Aktivität als Rednerin. Sie hat überall Zulauf, auch auf dem Lande. 1896 Parteitag Gotha. Auf der Tagesordnung: Frauenagitation. Die" Gleichheit" hat dazu geschrieben: In reinli cher Kleidung hat sich die proletarische Frauenbewegung von der bürgerlichen Frauenrechtlerei losgelöst, sich in völliger Zieleinheit mit der Sozialdemokratie auf den Boden des Klassen kampfes gestellt. Aber die Sozialdemokratie als Partei hatte bisher noch nicht den grundsätzlichen Charakter, die Ziehe, die Taktik der proletarischen Frauenbewegung erörtert und festgelegt. Acht delegierte Frauen in Gotha.Clara Zetkinhält ein Referat. Annahme einer Resolution über die Frauenfrage. Formulierung einer Anzahl von Forderungen im Hinblick auf Arbeiterinnenschutz und privatrechtliche Gleichstellung. 1896. Partoitag in Goths. Erstmalig treffen sich die delegierten Frauen zu Besprechungen, aber nach der Tagesarbeit, sodaß die natürliche Müdigkeit sich bemerkbar macht. 1900 M törend. 1896 Lily von Gizycki, inzwischen mit dem Sozialdemokraten Heinrich Braun verheiratet, will einen grossen bürgerlichen Frauenkongress besuchen, um dort zu sprechen. Heftige Diskussion innerhalb der Partei. Lily Braun begnügt sich damit eine Erklärung abzugeben. Wenig später schlägt sie die Einrichtung einer Frauenauskunftsstelle vor. Dieser Vorschlag wird umgewandelt. Es kommt zu einer Veränderung der" Gleichheit", die jetzt durch den sogenannten Notizenteil erweitert wird: Vielseitiges Tatsachenmaterial über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Frauen im Inland wie im Ausland. teil 1896 Kongress in London. Drei deutsche Frauen nehmen Festetellen, ob Zekt Zetkin, Baader und Ihrer. Der Kongress macht es den Gewerkschaften zur Aufgabe, Frauen als Mitglieder aufzunehmen. 1856[ Gegen Ende des Jahres sind über 15 000 Arbeiterinnen in Berlin organisiert, vor allem im Verband der Schneider und Schneiderinnen. Im Laufe der nächsten Jahre lässt das Interesse wieder nach. 1897 17. LInternationaler Kongreß der Frauen in London. Deutsche Sozialistinnen nehmen zum ersten Mal die Verbindung mit den Sozialistinnen anderer Länder auf. 1897 In bürgerlichen Kreisen wird der Plan erwogen, sogenannte" Schutzdamen" oder auch" Freundinnen der Arbeiterin" einzusetzen, und zwar als Vermittlungsinstanz zwischen Fabriksuspeklion um Arbertuahmeschäft Wahrscheinlich 18 [ Parteitag Mainz. Die Berliner Pa Frauen drücken den Wunsch aus, auf dem Parteitag zusammenzukommen, aber unter sich, und zwar vor Beginn des Parteitages. Das führt zur Einberufung der Frauenkonferenz in Mainz, Zer ersten ihrer Art. " 1898 [ Vorbereitungen zum Wahlkampf. In der Partei hat die grosse Diskussion über die Revision begonnen. Lily Braun gewinnt immer mehr Einfluss. In Berlin kommt die Dienstbotenfrage in Bewegung. Lily Braun hat auch auf diesem Gebiet grosse Erfolge. 1899( Parteitag i Hannover, September. Der Parteitag beschliesst Agitation für den Arbeiterinnenschutz. Zum ersten Mal( 7) treten hier Genossinnen auf. Delegierte Frauen aus Berlin verlangen wiederum Gespräche der Frauen unter sich( wie auf dem Parteitag in Mainz), aber bevor der Parteitag zusammentritt. (( BGB)) 1900 Das Bürgerliche Gesetzbuck tritt in Kraft. Die bisher in Preussen und anderen Bundesstaaten gültigen" Verbindungsverbote" ( politische Vereine dürfen nicht in Verbindung miteinandertreten) werde aufgehoben. Des Bürgerliche Gesetzbuch( BGB) tritt in Kraft. 1915.und 16. September Erste" Reichsfrauenkonferenz" der soziademokratischen Frauen Deutschlands unter Clara Zetkin und Orilie Baader. Beschlüsse: Vermehrung der Aufklärungsarbeit und Reform des gesetzlichen Arbeiterschutzes. 1900. Mainz. Erste Frauenkonferenz Siebzehn Teilnehmerinnen. Es wird ein organisatorischer Unterbau geschaffen, in dem ein System von Vertrauens personen gebildet wird. Für jede grössere Stadt st eine Vertreterin zu wählen. Im Kreis: Kreisvertrauens personen. edes Jahr ist ein" Situations- und Tätigkeitsbericht" zu veröffentlichen. Die Zentralvertrauensperson hat dafür zu sorgen, daß die Beschlüsse der Konferenzen ausgeführt werden. Ein Eine Sonderkommission hat die Flugblätter heransegeben. Förderung der Frauenbildungsvereine. 1900 Lili Braun unternimmt in Mainz einen Vorstoß zur Klärung der Frage, wie sich die Sozialistinnen gegenüber der bürgerlichen Frauenbewegung zu verhalten haben. Auseinandersetzungen mit Clara Zetkin. 1900.[ Gewisse Erleichterungen im Versammlungswesen der Frauen in Preussen, aber:" Es muß ein bestimmt abgegrenzter Teil des Saales zur Verfügung stehen". Ferner: Frauen dürfen nicht durch Zwischenufe und Beifalls bezeugungen sich an den Verhandlungen beteiligen. 1863, 23.Mai In Leipzig wird durch Ferdinand Lassalle der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein" gegründet. Lassale wird für Jahre zum Präsidenten gewählt. 1864, 31.August Melene von Donniges Günf Lassalle fällt im Duell( wegen eines Mädchens) mit einem rumänischen Gutsbesitzer. Sein Nachfolger wird der von ihm testamentarisch vorgeschlagene Bernhard Becker. 다 " Im" Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein finden Auseinandersetzungen statt, in die Lassalles Freundin, die Gräfin Hatzfeld, einzugreifen sucht. Vries Österreichs und Preußens gegen Dänemark. 1865, 3.Mai In Stuttgart findet ein Vereins tag der deutschen. Arbeitervereine statt. Nach einem Vortrag über die Frauenfrage erklärt sich die Versammlung für die Gleichheit zwischen Frau und Mann, Tür die Gleichberechtigung der Frau und für das Frauenstimmrecht. 1866, 3.September " In Genf findet der erste Kongreß der 1. Internationale in Genf statt. Postuliertes Programm; Arbeiterschutz, Kürzung der Arbeitszeit, Verbot der Kinderarbeit. " I und für 1866 Krieg Preußens gegen Österreich. 1869, 7.- 9. August " In Eisenach wird die Sozialdemokratische Partei Deutschlands" gegründet. Bebel und Liebknecht. Im Eisenacher Parteiprogramm erklärt sich die Parte für internationale Zusammenarbeit7weitgehende politische uhd soziale Forderungen, darunter: Einschränkung der Frauen- und Kinderarbeit. 1869 In Preussen fällt das Koalitionsverbot. Aufbau Ausbau der Gewerkschaften. In Berlin gründen sich Frauenvereinigungen, denen vor allem Arbeiterinnen angehören. Die Vereinigung der Berliner Arbeiterinnen wird von der Polizei aufgelöst. 1870,12. Juli Beginn des Deutsch Französischen Krieges. bald wieder des Proletariats 1903 Parteitag Dresden... bei allen Kämpfen tos d Frauenwalrecht gefordert, Agitation grundsetzlich festder gehalten und mit allem Nochr verften worden. 1907. Erste Internationale Konferenz der Sozialistischen Frauen, Es sind 15 Nationalitäten durch 59 Frauen verStutgart. s treten. Regelmässige Beziehungen zwischen den Ländern werden besprochen, vor allem im Hinblick auf, das Frauenwahlrecht. Ein internationales Büro wird eingesetzt und zwar wird die Redaktion der Gleichheit" als solches ausgewählt. Mit Clara Zetkin. 1908, 13.- 19.September Parteitag Nürnberg. Die Frauenkonfrenz behandelt u.a. die sozialistische Erziehung der Jurend. Luise Zietz wird als erste Frau in den Parteivorstand gewählt. 1908 Das neue Reichsvereinsgesetz" ist da. Aktenzeichen, Kennzeichen oder Nr.: Aus Nachlass von Marie Juchac? Betrifft(firma etc.) Chronik des /1776-1952 Frauen lebens Daten der sozialdemokratischen Frauenbewegung Hefter Nr. Fortsetzung von Hefter Nr. Zeitraum 19. vom Entnommene Schriftstücke Gegeben an Zurück Gegenstand Dat. Archivierungs-Hinweis: SOENNECKEN Einhänge-Osenhefter Nr. 38 Chronik des Frauenlebens.1776-1952 " Kritisch, verwenden Nicht wa -U Gedaohdni's state 1776 Amerikanerinnen fordern als erste öffentlich die Gleichstellung der Frauen mit den Männern.Abigail Smith Adams, Gattin des späteren Präsidenten der V.St.und ihre Freundin Maey Otis Warren, schrieben, als der Kongress während des Unabhängigkeitskrieges( 1774-83)(?) zur Beratung einer Verfassung zusammen trat, an den Präsidenten:" Wenn die zukünftige Verfassung den Frauen keinegrundliche Aufmerksamkeit schenkt, so sind wir entschlossen zur Rebellion, und halten uns nicht für verpflichtet uns Gesetzen zu unterwerfen, die uns keine Stimme und keine Vertretung unserer Interessen sichern.# XKKKKKKKX XXXXXXXXX 1787. Die vom nordamerikanischen Kongress in Philadelphia angenommene Konstitution nahm weibliche Bürgerrechte in ihre Bestimmungen nicht auf. Die gesetzliche Regelung der Wahlrechtsfrage wurde den einzelnen Staaten ( USA) überlassen.---- Unter dem Einfluss der Frauenforderungen gewährte der Staat New Jersey das Frauenstimmrecht. Er beseitigte es 1807!!! 1787 Condorcet, der in der französischen Revolution als führender Girondist hervortrat, forderte in einem Essay das Frauenstimmrecht und die volle politische Gleichberechtigung der Geschlechter. 1789 Unter Führung der jungen Arbeiterin Rosa Lacombe, die eine Wachtrommel ergriff und Generalmarsch schlug, zogen 7-8000 Frauen, von denen viele arbeitslos und ausgehungert waren, vor das Pariser Rathaus. Dann zogen sie nach Versailles und verlangten vom König Getreide zur Verproviantierung von Paris. 1792. Die Irländerin_Mary Wollstonecraft, geb.27.4.1759, veröffentlicht als 36jährige in London ihr berühmt gewordenes Buch: Eine Rechtfertigung der Rechte der Frauen. Sie bewies darin die Aehnlichkeit der Lage entrechteter Klassen und des entrechteten Frauengeschlechts, die Verkummerung der Frauen infolge ihrer Hörigkeit, sie geisselte die landläufige, weng würdige Ehe, forderte neue, vertiefte Mutterschaft, Achtung auch für die uneheliche Mutter, gemeinsame Erziehung/ der Geschlechter und Betätigung der Frauen zum Wohle des Ganzen.-Unter den wenigen Bewunderern von M.W. befand sich auch der englische Sozialist( Utopist) Robert Owen. ( M.J.) 1792 Der reformfreundliche preussische Kriegsrat Theodor von Hippel liess in Berlin-- zunächst anonym-- sein Buch:" Ueber die bürgerliche Verbesserung der Weiber" erscheinen, in dem er um des Staatswohles willen, für die soziale und politische Gleichberechtigung der Frauen eintritt.--- Er schrieb u.a.:" Solange die Weiber blos Privilegien und keine Rechte haben, solange der Staat sie nur als parasytische Pflanzen behandelt, die ihr bürgerliches Dasein und ihren Wert nur dem Manne verdanken, mit welchem sie das Schicksal paarte, wird das Weib den grossen Ruf der Natur, das Weib ihres Mannes, die Mutter ihrer Kinder, und kraft dieser edlen Bestimmung ein Mitglied, eine Bürgerin und nicht blos eine Schutsverwandte des Staates zu sein, immer nur unvollkommen erfüllen. 1793 ווין Olymp de Gouges war die bedeutende Wortführerin jener Frauen, die in Eingaben, Petitionen, usw.die Nationalversammlung der franz. Revolution bestürmten." in der neuen Zeit der bürgerlichen Freiheit der weiblichen Sklaverei ein Ende zu machen. Sie gründete die ersten politischen Frauenvereine, sie forderte zur freiwilligen Opferung von Schmuck zugunsten der Hungernden und zur Einrichtung staatlicher Musterwerkstätten zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf. In ihrem aus 17 Artikeln bestehenden Manifest:" Die Verkündigung der Frauen- und Bürgerinnenrechte" 2 ChroniK Chronik heisst es: " Mann, wer hat Dir das Recht gegeben, mein Geschlecht zu unterdrücken? ..... Die Frau ist frei geboren und von Rechtswegen dem Manne gleich... Eine Verfassung ist ungültig, wenn nicht die Mehrzahl aller Individuen, aus denen die Nation besteht, daran mitgearbeitet hat..... Die Gesetzgebung muss der Ausdruck des Willens von Männern und Frauen sein..... Die Frau trägt gleich dem Manne zum Staatsvermögen bei, muss daher Rechenschaft über seine Verwendung fordern können..... Die Frau hat das Recht dasXXXXX Schaffott zu besteigen, daher muss ihr auch das Recht zugebilligt werden, die Tribune zu besteigen."---- Der girondistische Staatsmann Concorcet unterstützte im Convent die Frauensache. Der Convent unterdrückte die Frauenvereine und verbot protestierenden Frauen den Besuch des Convents, sowie öffentlicher Versammlungen.----- Im Juni 1793 wurde Olymp de Gouges als Gegnerin Robespierres im Alter von 38 Jahren hingerichtet. 1793 Madame Roland, eine der führenden Gestalten der Girondisten, wird hingerichtet. 10.9.1797 Mary Wollstonecraft, verheiretet mit dem Schriftsteller William Godwin, XXXXXXX stirbt, bei der Geburt ihres zweiten Kindes. 38 Jahre alt. 1810 Der Theologe Schleiermacher schrieb im" Katechismus der Vernunft für edle Frauen": Lass Dich nicht gelusten nach der Männer Bildung, Kunst, Weisheit und Ehre." 1825 Ein gewerkschaftlicher Zusammenschluss von Schneiderinnen in New York führt einen Streik durch. 1817 Elisabeth Fry gründet in England eine" Verienigung zur Verbesserung des Loses weiblicher Häftlinge. 242 296 Frauen, davon nimmt die Frauenarbeit gedes Britischen Reiches 1830. XXX Durch die industrielle Entwicklung waltig zu.--- Von den 419 560 Fabrikarbeitern sind unter 18 Jahren---- 112 192.------ Der Frauenanteil betrug in den Baumwollfabriken 56,2%, in den Wollfabriken 69,5%, in den Seidenfabriken 70,5%, in den Flachsspinnereien 70,5%. 1832-1834 In Frankreich erschien eine unter dem Einfluss frühsozialistischer XXXXXXXXXXXX Ideen stehende Zeitschrift:" Die Neue Frau," 1837 Als Angelica Grimke(?) in Philadelphia( USA) eine Antisklavereiversammlung abhalten wollte, wurde der Saal von Gegnern angezündet. Im Jahre darau wurde sie im Staat Massachusetts vom Mob am Leben bedroht. 1838 Im Nordamerikanischen/ Staat Ohio wird das Oberlin- College als Anstalt für gemeinsame Erziehung der Geschlechter eröffnet. 1840 erscheint das Buch:" Die Arbeiter- Union" der Französin Flora Tristan geb.7.4.1803 in Paris, die nach bitterer Armut, gezwungen zur Erwerbstätigkeit, auf beruflichen Reisen in vielen Ländern die Lage der Arbeiter sah. Die für die internationale Verinigung der Arbeiter und für die Gleichberechtigung der wenden 2 る 。 Chronik 1841 In England werden neben 1.030.600 männlichen, 463,600 weibliche Arbeiter gezählt. 9.6.1843 Bertha von Suttner in Prag als Tochter des Feldmarschalls Graf Kinsky geboren. 1843 Luise Otto, die" Lerche der deutschen Frauenbewegung" begann hervorzutreten. Als Tochter eines sächsischen Gerichtsdirektors, am 26.3.1819 in Meissen geboren, veröffentlichte sie 1843 ihren sozialen Roman" Ludwig der Kellner" und antwortete( im gleichen Jahr) in den demokratischen" Vaterlandsblättern" auf die Frage Robert Blums, ob die Frauen ein Recht zur Teilnahme an den Interessen des Staates haben, dass sie nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht zur Teilnahme hätten. 1846 erschien Luise Otto's Roman Schloss und Fabrik. Er wird wegen " aufrührerischen Inhalts" konfiziert. 1847 Luise Otto entwickelt in dem von Robert Prutz herausgegebenen Volkstaschenbuch" Vorwärts" ein Frauenprogramm, unter dem Titel: " Die Teilnahme der weiblichen Welt am Staatsleben". Sie fordert darin eine bessere Erziehung und Bildung der Frauen, Unterricht in vaterländischer Geschichte, Bildungsgelegenheiten über die Schule hinaus und Erziehung zur wirtschaftlichen Selbständigkeit. 1848 Considerant ein Anhänger des Utopisten Fourier, beantragt in der Verfassungskommission des französischen Parlaments erfolglos die Gewährung der politischen Gleichberechtigung der Frauen. 27.10.1848. Luise Otto begrüsst in einem" Sendschreiben" das während der 48ger Revolution gebildete" Zentralkomitee für die deutschen Arbeiter und dessen von Stephan Born heraugegebenen Organ" Die Verbrüderung" Sie dankt für das Bekenntnis des Berliner Arbeiterkongresses, dass Arbeiterinnen," unter gleichen Verpflichtungen, gleiche Rechte besitzen sollen". Sie schrieb u.a. ... Ihr habt mit diesem Paragraphen den ganzen, unsinnigen Fluch aufgehoben, der auf der einen Hälfte des Menschengeschlechtes liegt: unberechtigt zu sein und unterdrückt von der anderen Hälfte nach dem sogenannten Recht des Stärkeren..... Arbeiter, Ihr habt damit die anderen Männer beschämt, die Männer der Wissenschaft, des Staates der Geschäfte usw. Ein neuer Tag ist angebrochen..... Ihr habt es nicht vergessen, dass Ihr auch Schwestern habt.Schwestern, die wie Ihr, leiden unter den Herrenrechten des Geldes, unter der Uebermacht des Kapitals, unter dem Druck tyrannischer Arbeitgeber und eines Uebermasses von Konkurrenz Schwestern, die nicht nur gezwungen sind, ihre Arbeitskraft für einen kargen Lohn, der zum Leben nicht ausreicht, zu verkaufen, sondern die oft nur zu leben vermögen, indem sie sich der Schande preisgeben..... Luise Otto gab die" Deutsche Frauenzeitung" als Wochenschrift heraus, mit dem Motto:" Dem Reich der Freiheit werb' ich Bürgerinnen." 1848 Die erste amerikanische Frauenversammlung stellt in der " Declaration of Sentiments" konkrete Forderungen der Gleichberechtigung ------ Die" Married Woman Prosperty Bill" der USA gibt der verheirateten Frau das Recht auf eigenen Besitz. auf. 1849 Nach dem Sieg der Reaktion in Deutschland wurde Luise Otto aus verschiedenen Städten ausgewiesen. Ihre Zeitschrift wurde verboten und ihr Verlobter, der Schriftsteller und frühere Arbeiter August Peters auf 7 Jahre in den Kerker gesperrt. 3 · 4, Chronik 1850 Die Frauen werden in dem nordamerikanischen Staat Utah zum Studium zugelassen.1860 geschieht das in Iowa, 1868 in Wisconsin, 1869 in Minnesota ,, 1870 in California und Missouri, 1871 in Ihio, Illinois und Nebraska, denen nach und nach alle übrigen Staaten in USA folgen 1851 Mehr als 2 Millionen Frauen und Mädchen waren in England zur wirtschaftlichen Selbsterhaltung gezwungen. 1852 Harriet Becher- Stowe(?) veröffentlicht ihren, gegen den Sklavenhandel gerichtete Erzählung" Onkel Tom's Hütte", eines der meistgelesenen Bücher der Welt, das im amerikanischen Bürgerkrieg geschichtliche Bedeutung erhielt. 1848") 1852 im September. Die emigrierte, deutsche" Achtundvierzigerin" Mathilde Franziska Anneke( siehe auch in Anna Blos, Frauen der deutschen Revolution Frau eines republikanischen Artillerieoffiziers, begabte Schriftstellerin( Broschüre:" Das Weib im Konflickt mit den sozialen Verhältnissen", Gründerin einer Frauenzeitung usw) sprach als erste deutsche Rednerin auf der Eonvention der amerikanischen Frauenrechtlerinnen in New York. Gegnerischer Mob versuchte die Convention zu sprengen, aber erfolglos. In der Folge bereiste M.F.A. als frauenrechtlerische Rednerin ganz Nordamerika. 1855 Barbare Leigh Smith(?) griff in öffentlichen Versammlungen die* XXXX Gesetze an, die Frauen benachteiligten und weckte dadurch andere Frauen zum Protest auf.( Wo geschah das?) - 1854 Die Engländerin Florence Nightingale(?)( Italien geboren, siehe" Famous Women") organisierte im Krimkrieg zum erstenmal weibliche Krankenpflege für Verwundete. Sie bewies auch in zahlreichen Versammlungen, dass beide Geschlechter am Wohle der Menschheit Anteil haben. 1855,20.11. Johanna Kinkel wurde in London beerdigt. Freiligrath verherrlichte den Vorgang in dem Gedicht:" Nach Johanna Kinkels Begräbnis. Sie war eine" Achtundvierzigerin" und hatte ihren eingekerkerten Mann, den Professor und Dichter Gottfried Kinkel mit Hilfe von Carl Schurz befreit. Sie galt als Mutter der Emigration.( Siehe auch Anna Blos und die verschiedenen Lebensbilder von Carl Schurz) 1856 John Stuart Mill war der erste Politiker, der als Kandidat für die englische Parlamentswahl" das Stimmrecht der Frau" an die Spitze seines Programms stellte. 1859 In England wurde als erste praktizierende Aerztin Elisabeth Blackwell zugelassen. Im gleichen Jahr wurde mit Unterstützung der Königin Victoria die" Gesellschaft zur Förderung der Berufsausbildung für Frauen" gegründet. 1861 Bachofens berühmtes Buch:" Das Mutterrecht" ist erschienen. 1861 In Preussen gab es mehr als 700 000 Frauen und Mädchen, die sich selber ernähren mussten. ///// 1865 ///// 4 گی Chronik 1865 Gründung des" Lettevereins" durch den Präsidenten Lette und seine Frau, beide von der Wichtigkeit der Erwerbsfrage die Mädchen des Mittelstandes. Im Lettehaus werden Ausbildungsmöglichkeiten für Schneiderinnen, Buchbinderinnen, Stickerinnen, Fotografinnen und für hauswirtschaftliche Berufe geschaffen. XXXX* X 1820-1906 lebte Susan B. Anthony, USA,( siehe" Famous Women) n 1865 16.10. Luise Otto Peters, Auguste Schmidt und Henriette Goldschmidt gründeten mit einigen gleichgesinnten Frauen( zumeist" Achtundvierzigerinne in Leipzig den" Allgemeinen Deutschen Frauenverein", der der organisatorische Beginnder Deutschen Frauenbewegung war. Sein Programm umfasste drei Forderungen: Das Menschenrecht der Frau auf Bildung, Arbeit und Freie Berufswahl.-- Die Forderung nach dem politischen Bürgerrecht wurde nicht erwähnt.---- Vereinsorgan:" Neue Bahnen". Ein Mann musste verantwortlich zeichnen, weil dies nach dem Gesetz Luise Otto Peters nicht durfte II 1865 Auf der Londoner Vorkonferenz der 1. Internationale wurde noch die Frage aufgeworfen, ob Frauen als Mitglieder zugelassen werden sollten 1 1865 Der dritte Vereins tag der Deutschen Arbeitervereine in Stuttgart, der unter Leitung von August Bebel, Greulich und Motteler erfolgte und im Gegensatz zur Lassalleschen Berwegung stand. behandelte u.a. auch die Frauenfrage. Der Berichterstatter Muller forderte freie Zulassung von Frauen zu den Arbeiten, zu denen sie befähigt wären, ferner Einrichtung von industrieschulen für sie- und- die Gründung von Arbeiterinnenvereinen. --- Trotzdem die Vorurteile // gegen die Frauenarbeit teilweise noch stark zum Ausdruck kamen, stellet sich die grosse Mehrheit der 106 vertretenen Arbeitervereine auf den fortschrittlichen Standpunkt. 1866 Der Genfer Kongress der 1. Sozialistischen Internationale forderte Kürzung der Arbeitszeit für Arbeiterinnen, Verbot der Nachtarbeit und in gesundheitsschädlichen Betrieben sowie auf Hochbauten, frner Schutz für Wöchnerinnen. 1866 In Oesterreich wurde der Frauenerwerbsverein gegründet.??? 头头 // 1866 Der Engländer Stuart Mill, Verfasser des Buches" Die Hörigkeit der Frau" versuchte bei der Behandlung der Wahlreformbill das Stimmrecht der Frauen durchzusetzen. Ein Wahlgesetzentwurf mit 1499 Unterschriften wurde vorgelegt. Sogar die Bischöfe im Oberhaus waren für das Staatsbürgerrecht der Frauen eingetreten. Der Antrag drang nicht durch, er wurde mit 194 gegen 73 Stimmen abgelehnt. ST 5 6. Chronik 1867,23,11. Die Berliner Generalversammlung des von Ferdinand Lassalle 1864 gegründeten" Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" bezeichnete die Beschäftigung von Frauen in den Werkstätten der grossen Industrie als einen der" empörendsten Missbräuche unseres Zeitalters" und protestierte gegen das" Streben, den Markt für die Frauenarbeit noch zu vergrössern". 1869 28.2. Auf einem Stiftungsfest des Arbeiterbidungsvereine Glauchau verlangte Motteler die volle soziale und staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Frau und ihre Beteiligung an der Arbeiterbewegung. Er sagte:" Wir fordern für die Frauen eine in vernunftgemässer Ordnung wurzelnde Freiheit des Erwerbs und die volle Entfaltung ihrer natürlichen Fähigkeiten fürs Haus wie für die Oeffentlichkeit. Keine Haussklaven für Tische und Herde, keine Enterbten an Rechten und Pflichten nach aussen.". 1869 9.8. Auf dem Eisenacher Arbeiterkongress, der zur Gründung der " Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands" durch August Bebel, Wilhelm Liebknecht u.a. führtewurde ein Antrag" im Parteiprogramm die Abschaffung der Frauenarbeit zu fordern" abgelehnt. Jede unterdrückung, ( der Frauenarbeit) würde die auf Erwerb angewiesenen Frauen scharenweise der Prostitution zutreiben. Die gefährliche Konkrrenz der Frauen liesse sich nur durch die Einbeziehung der Frauen als gleichberechtigte Genossinnen in die Organisation beseitigen. Ein Antrag August Bebels die Forderung nach dem Frauenwahlrecht in das Programm aufzunehmen, wurde von 62 Delegierten mit 14 142 Stimmen gegenüber 55 Delegierten mit 10 970 Stimmen abgelehnt Ende der 60ger Jahre Hedwig Dohm tritt als erste Frau in Deutschland öffentlich für die politische Gleichberechtigung der Frauen ein??? Luise Otto??? 1869" Sorovis"(???) der erste nationale, amerikanische Frauenbund gegründet.( Siehe Susan B. Anthony) und Bäumer, Helene Lange) 1869 Gründung des" Vereins Deutscher Lehrerinnen und Erzieherinnen" durch Auguste Schmidt und Marie Calm 1869 Luise Otto Peters und Lina Morgenstern, Frau Bischof gründen in Berlin den Verein zur Fortbildung und geistigen Anregung der Arbeiterfrauen, der die Politik ausdrücklich aus seinem Programm ausschloss und nur kurze Zeit bestand. 1869 Der nordamerikanische Staat WYOMING führt als erster Staat der Welt das aktive und passiver Frauenstimmrecht ein. 1869 John Stuart Mill's Studie" Die Hörigkeit der Fraue" erschien. 6 Chronik 1869 7 Die Engländerin Josephine Butteler organisiert, als die Reglementierung der Prostitution eingeführt werden soll, ihren grossen Kreuzzug. Am 1.1.1870 begann er in England mit einem von führenden Persönlichkeiten unterzeichneten Protest, in dem es u.a.hiess:" Das Gesetz werde ohne Kenntnis des Parlaments und ohne öffentliche Diskussion gemacht. Es gefährde die Sicherheit der Frau, unterstelle ihre Freiheit, ihren Ruf, ihre Person der Polizeiwillkür, bestrafe das Opfer und lasse die Schuldigen frei ausgehen. Es erleichtere der männlichen Jugend die Unzucht, wiege sie in falscher Sicherheit, sei eine Grausamkeit gegen die davon betroffenen Frauen, ertöte ihr Schamgefühl, stosse die Gesunkenen vollends hinab und diene in keiner Weise der Volksgesundheit." Aus allen Ländern kamen Zustimmungserklärungen u.a, von Victor Hugo und Mazzini. 1870 Anna Altmann- Urbanschky(?) beginnt in Nord böhmen als sozialistische Rednerin zu wirken. 1870 Gertrud Guillaume, geb. Gräfin Schack, gründete als erster Apostel Josefine Butler's in Deutschland den" Deutschen Kulturbund" zur Bekämpfung der Reglementierung,.Der Staatsanwalt schritt ein, als sie in Vorträgen die furchtbaren Zustände in den öffentlichen Häusern erörterte. 1870 In den Vereinigten Staaten werden 1,836,000 lohnempfangende Frauen gezählt.( 1920 sind es 12,082,766 und 1944: 18,180,000.) 1871 In England werden 1,576,100 männliche und 1,447,500 weibliche Industriearbeiter gezählt.( Gegenüber 1841 erhöhte sich der männliche Anteil um 53%, der weibliche um 221% 1872 Es erfolgt die Gründung des" Berliener Arbeiterfrauen und-Mädchenvereins". Durch die sozialdemokratischen Frauen Bertha Hahn und Pauline Staegemann, mit Johanna Schackow als Schriftführerin. Der Verein erklärte, dass" die Lage des weiblichen Geschlechtes nur durch eine vollständige soziale Umwälzung der heutigen Gesellschaft verbessert werden kann" 1872 Die Versammlung deutscher Mädchenschulpädagogen erklärte in einer den Staatsregierungen gewidmeten Denkschrift:" Es gilt dem Weibe eine, der Geistesbildung des Mannes in der Allgemeinheit, der Art und der Interessen ebenbürtigen Bildung zu ermöglichen, damit der deutsche Mann nicht durch die geistige Kurzsichtigkeit und Engherzigkeit seiner Frau an dem häuslichen Herd gelangweilt und in seiner Hingabe an höhere Interessen gelähmt werde...." 1873 im Sommer. Ein Ukas der russischen Regierung an die russischen Stdentinnen der Universität Zürich( es gab dort über 100) darunter Vera Figner,) befahl, die Universität unverzüglich zu verlassen, weil sich die Studentinnen sozialistischen Ideen widmeten und unter dem Vorwand des Studium der" freien Liebe" hingaben. Eine allgemeine Studentinnenversammlung protestierte gegen die Verletzung der Frauenehre. 7 8. Chronik 1875 Miss Leigh Shmith schuf der beginnenden Frauenbewegung im " Englischen Frauenjournal" ein Organ. 1875 Gründung der Internationalen Abolitionistischen Föderation" durch die Bewegung Josefine Butlers,( Abolition- Abschaffung, nämlich der Prostitution) 1875 27.5. Auf dem Gothaer Einigungsparteitag, in dem sich der " Allgemeine Deutsche Arbeiterverein"( Ferdinand Lassalle) und die " Sozialdemokratische Arbeiterpartei"( August Bebel u.Wilhelm Liebknecht) zur" Sosialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands" zusammenschlossen, wurde auch für dei Frauen das" Allgemeine, Gleiche, direkte Wahl- und Stimmrecht vom 20. Lebensjahr an gefordert.---- Eine andere Forderung war das Verbot der Kinderarbeit und aller" die Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeiten". 1876 George Sand geb, Baronin von Duderent, starb im Alter von 75 Jahren auf Schloss Nohaus(?) Sie war die modernste Frau ihrer Zeit, die in Männerhosen ging, in ihren vielen Büchern soziale Reformen verfocht und Freundin von Alfred de Musset und Fredric Chopin war. 1877 11.4. Ein erster Arbeiterschutzantrag der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion forderte u.a. dass schwangere Arbeiterinnen 3 Wochen vor der Geburt und 6 Wochen nachher in gewerblichen Anlagen nicht beschäftigt werden sollten. 1877 Beginn der Kindergärt herinnenausbildung durch Henriette SchraderOregmann. 1878 fand die erste Kindergärtnerinnenprüfung in Deutschland statt. 1878 Der Berliner Arbeiterfrauen und Mädchenverein wurde aufgrund des $ 8 des Preuss.Vereinsgesetzes aufgelöst. Er hatte sich bei den Behörden verdächtig gemacht, weil die Sozialdemokratinnen Staegemann und Cantius in einer öffentlichen Protestversammlung die herzlose Grabrede eines Geistlichen gegeisselt hatten. 1879 August Bebeld epochales Buch" Die Frau und der Sozialismus" erschien und musste zunächst illegal in Deutschland verbreitet werden.( Sozialisten Es wurde in der Folge in viele Sprachen übersetzt.Es gesetz) wurde die geistige Grundlage der sozialistischen Frauenbewegung. 1879 Der norwegische Dichter Henrik Ibsen veröffentlichte sein Gesellschaftsstück" Nora oder ein Puppenheim" in dem eine Frau ihr bürgerl. Leben verlässt, um ein" menschliches Wesen" zu werden. 1881 3.4. Sofja Lwona Perowskaja, Tochter des Gouverneurs von Petersburg, führendes Mitglied des Vollzugskomitee'sder revolutionären Orgenisation " Volkswille" wurde mit einer Reihe von Kameraden Attentats auf den Zaren Alexander II. gehängt • wegen des erfolgreichen Sie war die erste russische Frau, die als" politische Verbrecherin" hingerichtet wurde. 8 q Chronik 1881 2.12. Jenny Marx, geb.v.Westphalen, Schwester des reaktionären Innenministers in Preussen( v.Westphalen) und Ehefrau des sozialistischen Denkers Karl Marx, starb im Londoner Exil. Im Nachruf von Friedrich Engels hiesses:" Sie hat die Schicksale, die Arbeiten, die Kämpfe ihres Mannes nicht nur geteilt. Sie hat daran mit dem höchsten Verständnis, mit der glühendsten Leidenschaft teilgenommen." 1883 Gertrud Guilleaume-Schack( sie hatte einen Schweizer geheiratat) gründete in kurzer Zeit 16 Arbeiterinnenvereine und gab als deren Vereinsorgan" Die Staatsbürgerin" heraus, die erste sozialistische Frauenzeitschrift Deutschlands. In dieser Zeitschrift erschienen wertvolle Berichte und Statistiken über die Lage der Arbeiterinnen, grundsätzliche Artikel und im Unterhaltungsteil soziale Romane( Luise Otto- Peters) In den Versammlungsberichten wurden als Vortragsthemen u.a.genamnt: " Die Stellung der Frau im sozialen Kampf"-," Die Ausbildung der Frau"- -" Arbeiter und Arbeiterinnen- Wohnungsfrage"-" Die Kunstgenüsse des Volkes" -" Die Notwendigkeit von Gewerbeschiedsgerichten für Frauen". 1884 22.9. Beginn der Gerichtsverhandlung gegen Vera Figner, die als führendes Mitglied der revolutionären Organisation" Volkswille" und Organisatorin vieler Attentate auf zaristische Würdenträger zum Tode verurteilt, aber dann nach der Festung Schlüsselburg geschafft wird, von wo sie nach 22 Jahren Kerker im Jahre 1904 freigelassen wird. Sie beschrieb ihr Leben in dem Buche:" Nacht über Russland". 1884 25.11. Mathilde Franziska Annacke, geb.3.4.1817, in Blankenstein an der Ruhr, eine der bedeutendsten" Achtundvierzigerinnen" und später Vorkämpferin der amerikanischen Frauenbewegung, starb in Milwauke. 20 Jahre später erklärte Susan B. Anthony bei der Gründung des- Weltbundes für das Frauenstimmrecht- dass M. Fr. A. der erste Platz in der Geschichte der Frauenbewegung zukomme. Der Weltbund für Frauenstimmrecht gegründet 1904 auf dem Int.Kongress zu Berlin.. 1884 Friedrich Engels Buch" Der Ursprung der Familie" versucht den Nachweis, dass die Unterdrückung der Frau eine Folge der Entstehung des Privateigentums sei und zugleich mit dem Kapitalismus aufhören müsse. 1884 In Norwegen und Schweden werden die Universitäten für die Frauen geöffnet.Man lässt sie zu allen Bildungsgraden zu. 1885 Um diese Zeit bestanden in Berlin folgende Frauenvereine: " Verein zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen,( Ehrenpräsidentin Frau Gertrud Guilleaume- Schack, die Mitglied der Sozialdemokratie wurde) -" Verein der Mäntelnäherinnen"( die erste deutsche Frauengewerkschaft) " Nordverein der Arbeiterinnen" ( Agnes Wabnitz) - -" Zentral- und Begräbniskasse für Frauen und Mädchen", die nach 2jährigem Bestehen schon 116 Verwaltungsstellen besass und das Sozialistengesetz überdauerte. g Id, Chronik 1885 Als die Regierung einen Nähgarnzoll einführen wollte, der die Näherinnen sehr belastet hätte, wurden Protestversammlungen abgehalten und der Zoll abgewehrt.( Siehe Baader und Emma Ihrer) 1886.Josephine Butler, die 1869 den" grossen Kreuzzug" gegen die Kasernierung der Prostitution begonnen hatte, erlebte, dass die Königin Victoria von England die Reglementierung gesetzlich abschaffte. 1887 Eine Enquete der Regierung( in der Wäschefabrikation und Konfektion) ergab, dass Wochenlöhne von 8 und 9 Mark-für Ungeübtere sogat von 4-5 Mark bezahlt wurden. Die meisten Arbeiterinnen lebten von" Kaffee" und Brot und einer Suppe am Abend. Richtiges Mittagessen konnten sie sich nur am Sonntag leisten. 1886 28.5. Der" Verein zur Vetretung der Interessen der Arbeiterinnen wurde polizeilich aufgelöst und die Vorstandsmitglieder bestraft, weil es sich um einen" politischen Verein" handele. 1886 Die Zeitschrift" Die Staatsbürgerin" musste nach der 24. Nummer ihr Erscheinen einstellen, nachdem durch Ministererlass des Herrn von Puttkammer die Arbeiterinnenvereine in Berlin, Halle, Luckenwalde, Zeitz, Frankfurt/ Main, Düsseldorf usw. aufgelöst worden waren. Die" politische" Tätigkeit des Berliner Vereins hatte u.a. darin bestanden, dass er um die Zulassung der Frauen zu den Gewerbegerichten petitionierte. Gertrud Guilleaume- Schack wurde als lästige Ausländerin ausgewiesen.(?) Durch Heirat Schweizerin. 1887 Helene Lange überreichte zu einer Petition des Schraderschen Kreises an das Preuss, Kultusministerium eine" Begleitschrift", die gelbe Broschüre genannt, Darin wurde beantragt: 1.Die Lehrerinnen stärker zum wissenschaftlichen Unterricht in der Mittel- und Oberstufe der höheren Mädchnschulen heranzuziehen und namentlich Religion und Deutschunterricht in Frauenhand zu legen.--- 2.Von Staatswegen Anstalten für die Ausbildung wissenschaftlicher Lehrerinnen für die Oberklassen höherer Mädchenschulen zu errichten.--- Die aufsehenerregende Broschüre wandte sich gegen den damals geltenden Grundsatz," dass die Frau nur um des Mannes willen zu bilden sei". Nach langer Verschleppung der Petition erfolgte ihre scharfe Zurückweisung durch die Regierung. Damit begann die Kampfzeit der bürgerlichen Frauenbewegung. 1888 Der junge Kaiser Wilhelm II. brachte zum Ausdruck, dass für ihn, ( im Gegensatz zu seiner englischen, liberalen Mutter)" Kirche, Küche, Kinder' das Reich der Frau umgrenzten. 1888 Gründung des Vereins" heform" mit dem Motto" Gleiche Bildung für Mann und Frau", durch die Kreise um Frau J.Kettler( Weimar) und Henriette Schrader/ Berlin. Später: Der Verein wandelt seinen Namen um in" Frauenbildung- Frauenstudium". Aus ihm gingen hervor: Helene Lange, Minna Cauer, Marie Loeper- Houselle, Marie Stritt, Ika Freudenberg, Natalie von Milde. 10 Chronik ( Nichts von Lily von Giżycki in dieser Zeit?) 1888 Minna Cauer gründete den" Verein Frauenwohl" und gibt die Zeitschift " Die Frauenbewegung" heraus. Damit trat die Linke der bürgerlichen Frauenbewegung hervor, die für das Frauenwahlrecht kämpfen wollte. 1888 In Washington wurde ein nationaler Frauerat( Council of Women) gebidet. 1889 Hanna Bieber- Böhm gründet den" Verein Jugendschutz" und ein Jahr darauf die" Gruppen für soziale Hilfsarbeit". 1889 Bertha von Suttner, Oesterreicherin, Friedenskämpferin, lässt ihren pazifistischen Roman:" Die Waffen nieder" erscheinen. Ihr wurde später der Friedens- Nobelpreis verliehen. 1879-1890( 1878 M.J.) Während der Dauer des von Bismark erzwungenen Ausnahmegesetzes gegen die" gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" halfen viele Arbeiterfrauen bei der illegalen Parteitätigkeit. Frauen standen als Wachen vor heimlichen Versammlungen und Sitzungen, transportierten Flugblätter oft in Kinderwagen- und waren als Kuriere tätig.--In Sachsen wurde bei einer Haussuchung nach verbotenen Schriften eine hochschwangere Arbeiter frau auf dem blossen Leib betastet. Vor Scham stürzte sie sich in einen Teich. Sie wurde herausgezogen, gebar vorzeitig, wobei das Kind starb. 1889 Oktober. Durch Privatinitiative eingerichtete Realkurse für Mädchen werden von Helene Lange geleitet, Bei der Eröffnung( Berlin) war die Kaiserin Friedrichanwesend. Vier Jahre später wurden die Realkurse in Gymnasialkurse umgewandelt, mit der Absicht, Mädchen zum Abitur vorzubereiten. 1889 Die Arbeiterin, Zeitschrift, Nr 1.( mit persönlichen Mitteln( von Emma Threr gegründet, erschien. Sie wurde nach einem Jahr im Verlag J.H.W.Dietz unter Leitung von Clara Zetkin unter dem Namen Gleichheit herausgegeben. 1889 Vor dem Pariser Gründungskongress der II. Internationale sagte XXXX Clara Zetkin in einem Referat über Frauenarbeit:" Die Emanzipation der Frau, wie die des ganzen Menschengeschlechts, wird ausschliesslich das Werk der XXXXXX Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein".-- Der Kongress erklärte, dass es" die Pflicht der Arbeiter ist, die Arbeiterinnen als gleichberechtigt in ihren Reihen aufzunehmen und fordert prinzipiell gleiche Löhne für die Arbeit beider Geschlechter und ohne Unterschied der Nationalität. 1890 Das auf dem Parteitag der Sozialdemokratischen Partei in Halle beschlossene Organisationsstatut enthielt folgenden Passus:" Insoweit nicht unter den gewählten Vertretern des Wahlkreises Frauen sich befinden, können weibliche Verteter in besonderen Frauenversammlungen gewählt werden" 1890.29.6. Anna Altmann hielt auf Einladung der Wiener Sozialdemokraten bei der Konstituierung des" Arbeiterinnenbildungsvereins" das Hauptreferat.Als die Polzentaler Sozialisten sie kurz vorher als Delegierte zum Hainfelder Parteitag hatten entsenden wollen, schrieben die Wiener zurück, dass sie einen männlichen Delegierten wünschten, die Frauen seien noch nicht so weit. M 12 Chronik 1890 Frau Emma Ihrer, geboren 1857 in Glatz( Schlesien) eine Apothekersfrau, wurde als erste Frau in die" Generalkommission" der freien Gewerkschaften Deutschlands gewählt. 1890 10.7. Frau Agnes Reinhold wurde wegen Verbreitung anarchistischer Flugblätter zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt, die sie auch abbussen musste Sie hatte, um ihre Genossen zu entlasten, alle Schuld auf sich genommen. 1891 Die Nachtarbeit der Fabrikarbeiterinnen( zwischen 20 und 5 Uhr) wurde durch Gesetz verboten. Ferner setzte die neue deutsche Gewerbeordnungsnovelle die Normalarbeitszeit erwachsener Arbeiterinnen auf 11 Std. täglich fest. Da aber viele Ausnahmebestimmungen zugelassen waren, wurden die neuen Bestimmungen stark durchlöchert. 1891 Die nach dem Fall des Sozialistengesetzes( 1890) wieder legal auftretende Sozialdemokratische Parte bildet sogenannte Agitationskommissionen, für einheitlich, planvolle Werbung unter den weiblichen Arbeitern. 1891 Auch nach dem Sozialistengesetz hört die Verfolgung der sozialistischen Bewegung nicht auf.--- In Elmshorn wurde den Frauen die Teilnahme an einem Arbeiterfest verboten. Die Männer tanzten unter sich, die Frauen sangen im Nebensaal sozialistische Kampflieder.--- In Chemnitz verbot die Polizei einen Vortrag von Dr Wettstein- Adelt über die" Arbeiterinnenfrage", weil die Rednerin" doch nur unter der Arbeiterschaft aufreizend und entsittlichend wirken wolle".----- Der Wahlverein in Königsberg a.d.N. bekam ein Stiftungsfest verboten, weil" wahrscheinlich Frauen daran teilnehmen werden". In vielen Orten wurden die Frauenvereine als angeblich politische Vereine, aufgelöst.---- Der scharfmacherische preuss. Minister v.Köller führte einen scharfen Kampf gegen die sozialistische Frauenwerbetätigkeit. Es wurden Agitationskommissionen verboten. Frauen wurden aus öffentlichen Versammlungen entfernt, oft mit der Begründung, die von Sozialdemokraten einberufenen Versammlungen seien als Vereinsversammlungen zu betrachten.---- Den Verboten gingen zumeist Haussuchungen bei den Sozialistinnen voraus. 1891 20.10. Nach dem Sozialistengesetz. Auf dem Erfurter Parteitag wurde ein neues Parteiprogramm beschlossen. Gefordert wurde darin:" Das allgemeine, gleiche, geheime, direkte Wahlrecht aller über 20 Jahre alten Reichsangehörigen, ohne Unterschied des Geschlechts"--- Eine andere Forderung: --" Abschaffung aller Gesetze, welche die Frau in öffentlicher und private rechtlicher Beziehung gegenüber dem Manne benachteiligen".---- Es wurde ferner das Verbot der Erwerbsarbeit für Kinder unter 14 Jahren, die rechtliche Gleichstellung der Landarbeiter und Dienstboten mit den gewerblichen Arbeitern und die Beseitigung der Gesindeordnung gefordert. 1891 Die junge Adelheid Dworah, spätere Adelheid Popp, nahm als Gast der 2.Osterreichischen Parteitags das Wort, um den versammelten Männern dieg besondere materielle und geistige Not der Arbeiterinnen zu schildern. In den 90er Jahren entstand in Verbindung mit dem stärkeren Hervortreten der Frauen und der Bildung eines neuen Frauenbewusstseins eine bedeubitte wenden 12 tende Frauenliteratúr. Es seien erwähnt die Bücher von Helene Böhlau, Gabriele Reuter, Lou Andres- Salome, Adele Gerhard, Frieda v.Bülow, Isolde Kurz, Klara Viebig, Anna Ritter, Hermione von Preuscken, Luluv. Strauss und Tornay andeised A Jestio OTTS A doff 13, Chronik 1892 Bei einem Streik der Saabergleute traten die Frauen in Massen an die Seite der Männer und schilderten in Versammlungen das Elend in der Familie daheim. 1892 Das Gewerbegerichtsgesetz trat ins Leben, ohne dass Frauen als Beisitzer mitwirken durften. Bei den Beisitzerwahlen für die Gewerbegerichte schaltete sich aber die Berliner Frauen- Agitationskommission durch Versammlungen und Wahlarbeit ein. 1892 Der Frauen- und Madchen- Bildungsverein Berlin forderte von der Stadtverwaltung die Beschaffung eines Lokals, in dem Mädchen ein Unterkommen finden konnten, damit die durch die wachsende Arbeitslosigkeit alleinstehender Mädchen umsichgreifende Prostitution eingedämmt würde, ferner forderten sie die Einrichtung eines Arbeitsnachweises. 1892 1.1. Die Oesterreichische" Arbeiterinnenzeitung" begann ihr Erscheinen Ab 1.Oktober übernahm Adelheid Popp die Redaktion.. 1893. Im Anschluss an den Parteitag in Köln kam es zu einer Besprechung der Frauen über" eine planmässigere Agitation unter den Frauen. Richtlinien. Darin hiess es:" Wo die Vereinsgesetze es gestatten, sollten Frauen in die bestehenden politischen und gewerkschaftlichen Organisationen eintreten und sich nicht in besonderen Vereinen zusammenschliessen."------ Auf dem Parteitag selbst beantragte Frau Martha Rohrlack:" die sozialdemokratische Reichtagsfraktion möge einen Gesetzentwurf über die Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren einbringen. 1893 Amerikanerinnen gründeten auf der Weltausstellung in Chicago den " Internationalen Frauenrat"( International Council of Women) Er sollte mit den nationalen Frauenverbänden anderer Länder eine Verbindung herstellen und" unter den Frauen aller Länderdas Gefühl der Solidarität und der gegenseitigen Verständigung fördern, Frauen verschiedener Rassen, Glaubensbekenntnisse und Schichten zusammenbringen, aus allen Teilen der Welt zur Beratung über Fragen, welche die Wohlfahrt des Staates, der Familie und des Individiums betreffen" 1893 19.5 Als der Reichstag wegen der Ablehnung einer neuen Militärvorlage( 80 000 Soldaten mehr) aufgelöst wurde, erliess die Berliner Frauen agitationskommission einen Aufruf an die Arbeiterinnen, der Sozialdeokratie bei der Wahlagitation, der Flugblattverteilung, dem Abschreiben von Wählerlisten usw zu helfen. 1893 Dezember. Ottilie Baader erhielt 100 Mark Geldstrafe wegen" Auforderung zur Gewaltanwendung" Uteilsbegründung: die Angeklagte habe wohl geistige Waffen gemeint ,, aber, da die grosse Menge der Zuhörer auf dem gleichen Bildungsniveau stehe, als der überwachende Gendarm gleiche Auffassung gewonnen haben..... müsse sie die 1893 In Neuseeland und Australien wurde das Frauenstimmrecht eingeführt. siehe auch 1898, Seide 17 2 73 141 Chronik 1893 Eine erste Versammlung der Handlungsgehilfinnen, einberufen von Emma Ihrer, wurde von 400 Personen besucht. Sozialistische Arbeiterinnen hatten den Verkäuferinnen in den Geschäften Einladungszettel zugesteckt. In dieser Versammlung kamen unerträgliche Arbeitsverhältnisse zur Sprache. 1893 Eine Massenpetition mit 60 000 Unterschriften die die Freigabe des medizinischen Studiums für das weibliche Geschlecht forderte, wurde im Landtag( Preussen?) durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. 1894 Als die sächsische, sozialdemokratische Landtagsfraktion in einem Antrag das gleiche Wahlrecht vom 20 Lebensjahre an, für Mann und Frau, forderte, gaben sämtliche bürgerlichen XXXXXXXX Fraktionen durch den Vizepräsidenten die Erklärung ab, dass sie gegen den Antrag und gegen seine weitere geschäftliche Behandlung stimmen würden. 1894 Auf amerikanische Anregung entsteht in Deutschland der" Bund Deutscher Frauenvereine". Dieser Bund lehnte die Aufnahme sozialdemokratischer Frauenvereine wegen ihrer gesetzlichen Unzulässigkeit Daraufhin gründete eine Minderheit der bürgerlichen Frauen unter Führung von Minna Cauer den" Verband fortschrittlicher Frauenvereine" unter der Parole:" Für die Arbeiterinnen,-mit den Arbeiterinnen" ( Und die Rolle von Lily Braun?, resp. Giżycki) ab. • 1894 Ika Freudenberg gründet in München den" Verein für Fraueninteressen' 1994 Parteitag in Frankfurt/ Main. Man beschloss in einer Sonderbespechung " die Frauenagitationskommissionen aufzulösen" und statt dessen einzelne Vertauenspersonen der Frauen zu wählen.--- Es sei ferner darauf hingewiesen, dass sich die Frauen den Gewerkschaften anschliessen mögen. In Berlin würde Ottilie Baader, Ottilie Baader, geb.1847 als Tochter eines Arbeiters in Frankfurt/ Oder, von Beruf Näherin, als Vertrauensperson gewählt. ( Es gab noch keine Zentralvertrauensperson, die Berliner XXXXX V.-P. übernahm die Funktion einer solchen. M.J.) 1894 12.11. Die Volksvertretung vonWyoming( nordamerikanischer Staat) sprach 25 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechtes in einer Adresse an alle Parlamente der Welt, aus, dass" die Ausübung des Frauenstimmrechts nach vielen Richtungen hin sehr gute Folgen gehabt habe" und sie daher darauf dränge, dass jeder civilisierte Staat auf Erden den Frauen ohne Verzug das Stimmrecht gewähre"/ 1895 Anfang. Die Berliner Agitationskommission( die sich nach dem Frankfurter Beschluss nicht aufgelöst hatte, hat mit dem Reichtagsabgeordneten Hermann Molkenbuhr grosse Volksversammlungen durchgeführt. Theme: Abschaffung der Gesindeordnungen.. Sie bat dann die Reichstagsfraktion, in jedem Wahlkreis öffentliche Versammlungen abzuhalten. Dort Entschliessungen für das Frauenwahlrecht und die gleichen bürgerlichen Rechte für die Frau annehmen zu lassen. 14 15, Chronik 1895 5.und 6.2. In Berlin fanden vier überfüllte Volksversammlungen statt, mit August Bebel, Wilhelm Liebknecht, Emma Ihrer und Clara Zetkin. Das Frauenwahlrecht wurde gefordert. 1895 im Februar. Die Berliner Frauenagitationskommission wurde polizeilich geschlossen, weil sie als" politischer Verein"( Preuss. Vereinsgesetz) angesehen wurden. Es fanden Haussuchungen statt. Die Mitglieder wurden mit Geldstrafen belegt. Darauf wurde in öffentlichen Versammlungen Ottilie Baader Ottilie Gerndt als Berliener Vertrauensperson gewählt. Achtung:( In meiner Arbeit über Ottilie Baader vergleichen) 1895 Eine der ersten bürgerlichen Sozialpolitikerinnen: Elisabet Gnauckhielt auf Aufforderung einen Vortrag vor dem" EvangelischKühne Sozialen Kongress" über ihre, in mehrmonatiger Arbeit in einer Kartonagefabrik gemachten Erfahrungen. Der Vortrag hinterliess einen starken Eindruck, führte aber auch zum Austritt einer Anzahl führender Männer, auf die das Auftreten einer Frau an dieser Stelle" anstössig" wirkte. 1895. 13.3. Luise Otto Peters gestorben. 1895 Frau Martha Rohrbach erhielt wegen Beleidigung eines sächsischen Gewerbeinspektors 4 Monate Gefängnis.----- Emma Ihrer bekam wegen Beleidigung des deutschen Offizierskorps und der Fähnriche 200 Mark Geldstrafe 1895 In den nordamerikanischen Staaten Colorado und Utha wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. 1895 im Mai. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beantragte für alle Reichsangehörige, ohne Unterschied des Geschlechts, das Versammlungsund Koalitionsrecht, sowie die Aufhebung aller widersprechenden Ländergesetze. In seiner Rede dazu forderte August Bebel das Frauenwahlrecht. 1895 Oktober. Parteitag in Breslau, Ottilie Gerndt Berliner Vertrauensperson beantragt: die Reichstagsfraktion möge bei den Beratungen über den Entwurf eines neuen bürgerlichen Gesetzbuches für die Beseitigung aller Bestimmungen eintreten, die die Frau dem Manne gegenüber benachtei- ligen, vor allem auch für die Rechte der unverheirateten Mutter und des unehelichen Kindes. Der Antrag wurde angenommen, 1896 Aus den weiblichen Gymnasialkursen kamen die ersten weiblichen Abiturienten hervor, wodurch die Zulassung von Mädchen an den Universitäten( aber nur als Gasthörer) erzwungen wurde. 1896. Sommer. In einem böhmischen Ort( Eichicht?) schossen Gendarmen in eine harmlos zuschauende Masse, weil sich 700 Arbeiterinnen mit 11, wegen der Teilnahme an der Maifeier, gemassregelten Kolleginnen solidarisch erklärt hatten. Dabei wurden drei Personen, darunter ein 12jähriger Knabe getötet. 15 16, Chronik 1896 Die Freien Gewerkschaften änderten auf ihrem Kongress( wo?) ihre Statuten, damit die Aufnahme der Frauen als Mitglieder möglich wurde. 1896 Die Hirsch- Dunkerschen Gewerkschaften beschlossen, künftig weibliche Mitglieder aufzunehmen.( Wo usw.) 1896 Auf dem von Lina Morgenstern und Minna Cauer organisierten " Internationalen Frauenkongress" erklärten die Sozialdemokratinnen Lily Braun und Clara Zetkin dass sie nicht mit der bürgerlichen Frauenbewegung zusammen arbeiten wollten.-- Sie luden dafür die Kongressdelegierten zu drei grossen, öffentlichen Frauenversammlungen ein. 1896 Januar. Oeffentliche Versammlungen von Frau Helma Steinbach( Hamburg) wurden von den sächsischen Behörden verboten. Sie wollte über das Thema: " Wem nützt die Frauenarbeit in der Textilindustrie und in verwandten Berufen?" sprechen. Begründung: es seien vorher Flugblätter verteilt worden, die die Gefahr der Aufreizung zu Gewalttätigkeiten nahelegten. 1896 Juli. Auf dem Internationalen Sozialisten- und Gewerkschaftskongress in Londonwaren als deutsche Vertreterinnen Clara Zetkin, Emma Ihrer und Ottilie Baader als Teilnehmerinnen anwesend. An sonstigen, bekannten Frauen waren anwesend: Frau Eleonore Marx- Aveling, Frau Pankhurst, Anni Hicke(?) und Beatrice Webbs. Es wurden Anträge, die die volle Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts forderten, behandelt.( Auch angenommen?) 1896/97 An den Schweizer Universitäten gab es unter 4181 Studierenden 391 immatrikulierte Studentinnen und 728 Hörerinnen..-- 1119 zusammen. ( 1906/07 waren es unter 8521 Studierenden, 1904 Studentinnen und 3156 Hörerinnen, davon 172 Schweizerinnen und 1732 Ausländerinnen.) 1897. Sommer. In Isenburg in Hessen traten Wäscherinnen in den Streik, die man gezwungen hatte, bis zu 20 Stunden ununterbrochen zu arbeiten. Sie forderten einen 10stündigen Normalarbeitstag, besseren Lohn, bessere Kost und menschenwürdige Behandlung. Nach 7 Wochen wurde der Streik erfolgreich( worin bestanden die Erfolge) beendet. Sozialdemokratische Frauen hatten die Hälfte der Unterstützungsgelder-- 1300 Mark-- aufgebracht. --- Der sozialdemokratische" Allgemeine Frauen- und Mädchenverein" dem sich bei der Gründung 69 Frauen angeschlossen hatten, zählte während des Streiks 178 Mitglieder. 1897 Eine Umfrage der Regierung über die Kinderarbeit ergab ebenso, wie die gleichzeitigen Erhebungen des deutschen Lehrervereins, ein erschreckendes Bild. Die Berliner Sozialdemokratinnen erhoben den Ruf:" Rettet die Kinder". Sie ersuchten die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, bei der ersten Gelegenheit ein Reichsgesetz zu beantragen, dass die Erwerbsarbeit schulpflichteiger Kinder verbot. 1897 Bayern ernannte die erste Fabrikinspektorin.( Bis 1900 stieg die Zahl der Fabrikinspektorinnen( in Bayern oder im Reich????) auf 26. 1897 ( Grosser Irrtum, M.J.) Emma Ihrer und Clara Zetkin nahmen als Delegierte der Berliner Arbeiterbewegung am" Internationalen Sozialistenkongress in Paris teil.Clara Z. hielte ein bitte wenden grosses Referat xx über: Frauenarbeit.Eine Kongressentschliessung erklärte, dass es die Pflicht der Arbeiter ist, die Arbeiterinnen als gleichberechtigt in ihren Reihen aufzunehmen, und fordert prinzipiell gleiche Löhne für gleiche Arbeit für beide Geschlechter und ohne Unterschied der Nationalität.----- Das war 1889 auf dem ersten Int.Sozialistenkongress.M.J. I nobno n P netes us: gubbed.med Emp ea nug TST PE ad YUN HICKS( 3) AOLUSI ATTI, AGIPSITE edpildis mb, mea 17. Chronik 1898 Der australische Staatenbund führte- in beschränktem Umfang- das Frauenstimmrecht ein. 1899 Durch Bundesratsbeschluss wurde den Frauen die medizinischen und zahnärztlichen Prüfungen, sowie die Prüfung zum Apothekerberuf unter den gleichen Bedingungen, wie den Männern gegeben. 1899 Unter Führung von Anita Augspurg, Käthe Schirrmacher, und Minna Cauer wurde der" Bund fortschrittlicher Frauenvereine" gegründet. In diesem Jahr erfolgte auch die Gründung des" Deutsch- Evangelischen Frauenbundes, * unter Vorsitz von Paula Muller(-Ottfried). Hannover. 1899 Anna Pappritz gründete den ersten Zweigverein der" Internationalen Abolitionistischen Föderation", der die Reglementierung der Reglementierung der Prostitution bekämpfte.---- Bereits 1880 hatte Gertrud Guilleaumeden( die gleichen Ziele anstrebenden" Deutschen Kulturbund -Schack geschaffen. 1899 Der Kanton Zürich( Schweiz) sprach sich bei einer Volksabstimmung mit 21 717 gegen 20 046 Stimmen für die Zulassung der Frauen zur Ausübung der Advokatur aus ,. 1899 15.11. Die Näherin Ottilie Baader trat als Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Berlins an die Stelle der bisherigen Vertrauensperson Margarete Wengels. Damit übernahm sie zugleich die Funktionen, die einer Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands zugekommen wäre. Ihre Wahl dazu( zugleich die erste dieser Art) erfolgte auf der ersten sozialistischen Frauenkonferenz in Mainz, 1900, die vor dem Parteitag stattfand. 1900 Das bürgerliche Gesetzbuch wird im Deutschen Reichstag angenommen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bekämpfte entschieden die Paragraphen, die die Ehefrau in allen wichtigen Fragen unter die Gewalt des Mannes stellte und die unehelichen Mütter und Kinder rechtlich schwer benachtteiligten.-- --- Auch eine Massenpetition des" Bundes Deutscher Frauenvereine" hatte sich/ zu dem Gesetz geäussert. / kritisch/ 1900 Ellen Kay, die schwedische Vorkämpferin der Frauen, veröffentlichte ihr Buch" Das Jahrhundert des Kindes" 1900 Der" Gewerkverein christlicher Heimarbeiterinnen"- unter Führung von Margarete Behm, wurde gegründet. Ottilie Hoffmann gründet den " Deutscher Bund abstinenter Frauen" Vorsitz: Gustel von Blücher. 1900 In den Vereinigten Staaten gab es bereits 7,399 weibliche Aerzte und Wundärzte. 5.989 Schriftstellerinnen, 1,041 weibliche Architekten, 3,405 weibliche Geistliche, 1010 weibliche Rechtsanwälte, und 327,905 Lehrerinnen. 1900 28.7. Die im Ausland approbierten deutschen/ Aerztinnen wurden( unter Anrechnung ihrer Auslandsstudien) zugelassen. 1960 Chronik In Baden werden die ersten Mädchen an der Universität als Studentinnen immatrikuliert. 1900 6.7. In Finnland wurde der sozialdemokratische Arbeiterinnenverband gegründet. 1900 Preussen beschloss die Anstellung von zwei weiblichen Assistenten bei der Gewerbeinspektion.---- Die preussische Fabrikinspektion lehnte es ab, eine geregelte Verbindung mit der Vertrauensperson der Arbeiterinnen zu unterhalten und ihnen das Ergebnis von unmittelbaren Beschwerden mitzuteilen. 1900.15.11. Vor dem Mainzer Parteitag fand in Mainz die 1. zentrale Frauenkonferenz statt, an der 31 Personen, darunter 20 Delegierte teilnahmen. Clara Zetkin fungierte als Vorsitzende. XX Ottilie Baader als Stellvertreterin undd Louise Zietz als Schriftführerin, Es wurde über Organisation und Agitation gesprochen, der Ausbau des Systems der Vertrauenspersonen beschlossen und Ottilie Baader mit allen gegen zwei Stimmen das Amt als Vertrauensperson #betragen. Man erklärte seine Sympathie für die Gründung von Frauenbildungseréinen an Orten, wo geeignete Leiterinnen zu finden seien, die das Solidaritätsgefühl der Frauen wecken und sie zu" aufgeklärten Kindererzieherinnen" XX machen können.------- Als Mindestmass an gesetzlichem Schutz für die proletarische Mutter wird gefordert: Aufrechterhaltung der bereits gesetzlich festgelegten Schutzzeit für erwerbstätige Schwangere und Wöchnerinnen von 4 Wochen vor und 6 Wochen nach der Geburt, Beseitigung der Ausnahme bewilligungen zu früherer Wiederaufnahme der Arbeit, Erhöhung des Krankengeldes auf die volle Höhe des durchschnittlichen Tagelohnes, obligatorische Ausdehnung der Krankenunterstützung der Wöchnerinnen auf die Frauen der Mitglieder. 1901. Januar. An 25 Orten gab es weibliche, sozialdemokratische Vertrauenspersonen, die 1000de eines Flugblattes mit Forderungen nach zureichendem Schutz für Arbeiterinnen verteilen liessen. 1901 Sächsische Oberlausitz. Es gab dort einen Lohnkampf von 450 Weberinnen d 150 Webern, weil die Löhne herabgesetzt wurden. In der ersten Streiversammlung erschienen viele Arbeiterinnen mit dem Kirchengesangbuch in der Hand. Zunächst waren die Streikenden ohne Fühlung mit der organisierten Arbeiterbewegung. Nach 10wöchigem Streik siegten die Streikenden mit Hilfe der Arbeiterbewegung. 1901 Lily Braun's Buch:" Die Frauenfrage erschienen. 1901 Gründung des" Zentralvereins zur Förderung der Arbeiterinneninteressen" unter Leitung von Margarete Fredental( Berlin)(????????) 1901 Der Rektor der Berliner Universität verbot, dass eine Frau in den Räumen der Hochschule vor einem sozialwissenschaftlichen Stdentenverein einen Vortrag hielt. 1901/02 Im Wintersemester werden 1270 Hörerinnen an deutschen Universitäten gezählt. In einer Reihe deutscher Städte werden Mädchengymnasien gegründet. Von wem??? Privat???? Die Städte /////????? Chronik 19 1902 Der Preussische Kultusminister sprach sich im Preuss, Landtag gegen Mädchengymnasien aus, weil dadurch die im Kulturverlauf entwickelten Unterschiede zwischen Mann und Frau leiden könnten. 1902 In Deutschland wurde der" Verein für Frauenstimmrecht", als Zweig des " Weltbundes fur Frauenstimmrecht" gegründet. Frühjahr 1902 Der Senat der Berliner Universität lehnte die Gesuche weibl. Studierender, die ein d.Reifezeugnis hatten, um Immatrikulation, ab. 1902 im März. Die medizinischen Studenten in Halle wandten sich gegen die vom " Verein Frauenbildung- Frauenstudium" betriebene Agitation und forderten die Ausschliessung der Frauen vom Unterricht,( klinischen)" weil uns die Erfahrung gelehrt hat" dass ein gemeinsamer klinischer Unterricht der männlichen und weiblichen Zuhörer sich mit dem Interesse eines gründlichen medizinischen Studiums ebenso wenig verträgt als mit den Grundsätzen der Sittlichkeit und Moral. 02 Der Streik der Weberinnen und Weber in Meerane( Sachsen) wurde nach 13 Wochen siegreich beendet. 1903 3434 Frauen wurden neben 3126 männl.Textilarbeitern in Crimmitschau in Sachsen ausgesperrt, weil sie den Kampf um die Einführung des Zehnstundentags aufgenommen hatten. In diesem Gebiet starben über 27% Kinder vor dem erreichten 1. Lebensjahr. Grosse Sammlungen im Reich unterstützten die Ausgesperrten und bereiteten ihnen ein grossartiges Weihnachtsfest. Während des Kampfes waren Frauen besonders aktiv.XXXXX.Einige von ihnen wurden verhaftet. Im Januar 1904 musste der Streik( zur Vermeidung wirtschaftlicher Schäden) abgebrochen werden. 1903 Die Bayrischen Universitäten liessen Studentinnen zu. 1903 Der katholische Frauenbund wurde, unter Leitung von Hedwig Dransfeld, gegründet. 1903 Emmeline Pankhurst gründete, gemeinsam mit ihrer Tochter Christabel die" Women's Social and Politcal Union", die Suffragetten- Bewegung, die bald unter der Devise:" Taten, nicht Worte" zu einer neuen Kampftaktik berging. 1904 1.1. Das nach ständigem Aufklärungskampf der Sozialdemokratie am 30.3. 1903 im Reichstag angenommene Kinderschutzgesetz trat in Kraft. Es verbot die Erwerbstätigkeit der Kinder unter 14 Jahren. Die in Bremen tagende dritte sozialdemokratische Frauenkonferenz bezeichnete es als ungenügend und forderte das Verbot jeglicher Erwerbsarbeit für für schul- oder gar vorschulpflichtige Kinder, die Durchführung einer wirksamen Kontrolle des Kinderschutzes und die Heranziehung von Aufsichtsbeamten aus den Reihen der Arbeiterschaft. 1903 Malvida von Meysenburg, geb.1816 in Kassel, eine der bedeutendsten " Achtundvierzigerinnen", Verfasserin der" Memoiren einer Idealistin" und Freundin von Alexander Herzen, Garibaldi Kossuth, Mazzini, Richard Wagner und Friedrich Nitzsche, in Rom gestorben. 201903 Chronik 20.4. In Berlin erfolgte die Gründung des ersten Frauenwahlvereins, ( Sozialdemokratischer Wahlverein der Frauen für Berlin und Umgebung) Nach dem Preuss.Vereinsgesetz war es möglich, vom Tage der Ausschreibung einer Wahl bis zum Ende der Stichwahlen war es möglich, dass Frauen einem pol. Verein angehörten. Die Gründung war eine bewusste Demonstration für das Frauenwahlrecht. Der Verein zählte fast 1000 Mitglieder, die 20 Pfg.Eintritt bezahlten und davon 300 Mark der Parteikasse überwiesen.( Wahlfonds) Der Verein führte 9 Versammlungen durch. Ein ähnlicher Verein in Altona hatte 104 Mitglieder.- Im Wahkreis Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenburg wurde die Bildung eines solchen Vereins durch die Behörden hintertrieben. Es wurde behauptet, dass nach dem Wortlaut des Gesetzes nur" Wahlberechtigte" zur Bildung von Wahlvereinen berechtigt seien. 1904 März. Die Freien Gewerkschaften veranstalteten einen Heimarbeiterkongress in Berlin, verbunden mit einer Ausstellung von Produkten der Heimarbeit." Frauen- und Kinderarbeit." 1904 Würtemberg. An den Universitäten werden endlich Studentinnen zugelassiehe 1903, Bayern( Chronik) sen. 1904 Bildung des" Jüdischen Frauenbundes" unter Leitung von Berta Pappenheim ( 1921 zählte der Bund 228 Vereine mit insgesamt 45 000 Mitgliedern. 1904 In Berlin fand die Generalversammlung des" International Council of Women" statt, bei welcher Gelegenheit durch Vertreterinnen von Frauen aus 8 Ländern- die Gründung des" Weltbund für Frauenstimmrecht" erfolgte. Präsidentin wurde Mrs Carry Chapman- Catt. 1905 Die Physikerin Marie Curie, die gemeinsam mit ihrem Gatten 1898 das Radium entdeckt hatte, erhielt den Nobelpreis. 1905 Gründung des" Deutscher Bund für Mutterschutz", Leitung Helene Stöcker 1905 4.11. Klara Müller Jahnke, geb.5.2.1861, in Pommern, Pastorentochtet, gestorben. Sie war die bekannteste Dichterin der sozialdemokratischen Frauenbewegung.( Roman:" Ich bekenne)( Gedichtband: Rote Kressen) Von ihr stammt das Wort: Erst müsst Ihr freie Menschen sein, um freie Menschen zu gebären. 1905 Ende. Es werden die ersten Kinderschutskommissionen gebildet, die auf Uebertretungen des Kinderschutzgesetzes achten und für Arbeiterkinder Ferienwanderungen durchführen wollten.( Vorläufer der Arbeiterwohlfahrt. Es werden in der Sozialdemokratischen Partei Karten für Frauen eingeführt, die freiwillige Beiträge zahlen wollten. 1907 gab es 8,751 solcher Zahlerinnen.. •" иәзал ләр әтр сте әләлиәтелдәле ләр[ чеŻ әтр " риец лэр ход"- ииәм чәне әлем InJер әтелхошәртеzog ǝip ssер әллә т •" иәтә иәрломәләрдәлиәтелдәр ииәм"" иәхиәр темпеля ѕерам • дипләрдод ичих о әйтә ие тешијǝ Juni ләр и их из итәшләдел иәпеля ләр диплот lllTod in Jeн потеля и велошертетzos ләр sexy sәйтә иптә прире ләр 1 9061 Chronik 21 1906 18.3. Die Nürnberger Sozialdemokratin Helene Grünberg gründet den " Verein der Dienstmädchen und Zugeherinnen". Im gleichen Jahr gründet Louise Zietz in Hamburg eine" Dienstbotenorganisation. 1906 In Bromberg( damals noch zu Deutschland gehörend) wurden sozialdemokratische Frauen wegen Flugblattverbreitung festgenommen und ins Polizeigefängnis gebracht. Eine von ihnen, die an Krämpfen litt, bat vergeblich, man möge sie mit einer anderen, der festgenommenen Frauen, zusammenlassen. Ihr wurden die Hände auf dem Rücken gefesselt. Dann schloss man sie an einem, auf der Diele angebrachten Ring an, schlang eine eiserne Kette um das rechte Bein, um es ebenfalls am Ring zu fesseln. Am nächsten Morgen wurden die Frauenmit einer starken Schnur zusammen gebunden- ins Untersuchungsgefängnis gebrach won wo sie am nächsten Tag entlassen werden mussten. 1906 22./23.9. Auf der Mannheimer Frauenkonferenz referierte Helene Grunberg über die Dienstbotenbewegung und forderte die Abschaffung der Gesindeordnungen und Gesindedienstbücher, Unterstellung unter die Gewerbeordnun, Ausdehnung der Versicherungsgesetze auf" Dienstboten", gesetzliche Arbeitszeitund Freizeitregelung, paritätischen Stellennachweis, usw. 1906 Finnland führte das Frauenwahlrecht ein. Bereits im gleichen Jahr wurde die Führerin der sozialistischen Frauen, Minna Sillanpää, eine frühere Hausangestellte, ins Parlament gewählt. 1906/7 In Preussen, Sachsen und Elsass- Lothringen werden Studentinnen an den Universitäten zugelassen. 1906. Emmeline Pankhurst führte die erste Suffragettenprozession durch Londons Strassen. 1908 erhielt sie die erste Gefängnisstrafe wegen" Unruhestiftung im Unterhaus". Die Suffragetten gingen nun zu direkten Aktionen verschiedener Art über.Viele kamen ins Gefängnis, wo sie vielfach durch Hungerstreik protestierten. n 1907 In Stuttgart tagte( in Verbindung mit dem ersten Intern, Sozialistenkongress) die erste Internationale Sozialistische Frauenkonferenz. Es waren 15 Nationen vertreten, ausserdem waren als Gäste anwesend: die Vertreterinnen des Jüdischen Frauenbundes in Russland, der Petersburger Sozialdemokratie, der organisierten Weberinnen von Lodz und eine indische Genossin aus Bombay. ---- Eine- von der Frauenkonferenz dem Kongress vorgelegte Entschliessung, nach der sich alle sozialistischen Parteien für das Frauenstimmrecht einsetzen sollten, wurde vom Kongress angenommen. " Die Gleichheit" wurde beauftragt, regelmässig Berichte der Internationalen Korrespondentinnen über die sozialistische Frauenbewegung zu veröffentlichen. Clara Zetkin wurde als Int. Sekretärin bestimmt 1907 November. Eine ausserordentliche Frauenkonferenz befasste sich mit der jungen Dienstbotenbewegung.----- Die Orte in Deutschland, in denen eine Vertrauenspers. eine ständige Agitation in Gang hielt, stiegen von 325 auf 407. 1907 Norwegen gewährte-mit einigen Einschränkungen- das Frauenwahlrecht. 1908 Eine Reform des preuss. Mädchenschulwesens brachte die Einführung der #Lyzeen u.Oberlyzeen, die Studienanstalten gymnasialer und realgymnasialer Art darstellten. 27 Chronik 1908 Der weibliche Anteil an der Mitgliederzahl der Freien Gewerkschaften beträgt 7,6% 1908 Oktober. Man zählte in 18 Städten Vereine von Dienstmädchen mit 5711 Mitgliedern, davon in Hamburg 2700, in Heidelberg 20.XX 11 Vereine hatten einen Stellennachweis. 1908 An den Massendemonstrationen gegen das Preuss. Dreiklassenwahlrecht nahmen( in hoher Zahl) auch Frauen teil. 1908. 15.Mai. Das neue Reichsvereinsgesetz gestattet endlich den Frauen, sich politisch zu organisieren. Und ungehindert an Versammlungen teilzunehmen . Der bisher geltende Paragraph 8 des Preuss. Vereinsgesetzes, der Frauenspers) Geisteskranken, Schülern und Lehrlingen die Zugehörigkeit zu politischen Vereinen verbot, war gefallen.----- Ungefähr 50 000 Frauen traten danach der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei. 1908 Die sozialdemokratische Frauenkoferenz in Nürnberg beschloss- aufgrund des neuen Vereinsgesetzes den Parteitag um Aenderung der Organisationsform zu ersuchen. Man wünschte den Beitritt der Frauen zu den sosialdemokratischen Wahlvereinen, wollte sie aber in besonderen Frauenzusammenkünften theoretisch und praktisch schulen.----- Auf dem Nürnberger Parteitag wurde zum ersten mal ine Frau in den Vorstand der SPD gewählt. Auf Vorschlag von Ottilie Baader, der ersten Zentralvertrauensperson, deren Amt nun hinfällig geworden war, wurde Louise Zietz, aus Bargteheide/ Holstein in den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gewählt. 1908 Gründung der ersten Sozialen Frauenschule in Berlin unter der Leitung von Alice Salomon. 1909 XXXXX 17.1. In Berlin wurde durch die Gewerkschaften der" Zentralverband der Hausangestellten Deutschlands" gegründet. In den Vorstand trat Gertrud Hanna ein. 1908/9 Die Universitäten in Hessen lassen Frauen zum Sudium zu. Im Wintersemester studierten 1072 immatrikulierte Studentinnen gegenüber 377 im Sommer 1908 Davon studierten 4 Theologie, 31 Jurisprudenz, 334 Medizin, und 709 Philosophie. 1908 In Holland wurde der" Bund sozialdemokratischer Frauen" gegründet. Vorsitzende wurde die aus einer bürgerlichen Familie stammende Mathilde ibaut, die 30 Jahre hindurch die Leitung behielt. 1909 Die schwedische Dichterin Selma Lagerlöf erhielt den Nobelpreis für Literatur. 1908 XXXXXX 18.8. Durch Erlass wurden in Preussen die Frauen zum Universitätsstudium zugelassen.( Siehe auch Notiz 1906/7) Ausländerinnen brauchten zur Immatrikulation die Genehmigung des Ministers, der auch aus besonderen Gründen Frauen von der Teilnahme an einzelnen Vorlesungen ausschliessen konnte. ( Anmerkung M.J.: Nach dem vollendeten juristischen Studium waren Frauen von der zweiten juristischen Prüfung ausgeschlossen, sodass es ihnen nicht möglich war, Richter zu werden oder sich als Rechtsanwalt niederzulassen, Dieses Recht erhielten sie erst nach der Revolution durch den ersten Reichst. 1908 9.11. In Aldeburgh( England) wurde der erste weibliche Bürgermeister gewählt. 1909 Der noramerikanische Staat South- Dakota gewährt das Frauenstimmrecht. 1909 5.9 5.9. Pauline Staegemann, die 1872 den ersten" Berliner Arbeiter- Frauenund Mädchenverein gründete, ist gestorben. 23 Chronik 1909 Der Leipziger Parteitag der SPD forderte auf Antrag von Clara Zetkin alle Ortsvereine auf, Kinderschutzkommissionen--- zur Bekämpfung von Ausbeutung Verwahrlosung und Kindermisshandlung,--- zu bilden.--- Er beschloss ein Organisationsstatut, wonach in den Vorständen aller Parteigliederungen die Frauen vertreten sein mussten. sozialistische 1910. 8.3. Die in Kopenhagen tagende 1. Internationale Frauenkonferenz beschloss, jährlich in allen Ländern einen" Internationalen Frauentag" durchzuführen. Zweck: Um für das Frauenwahlrecht zu demonstrieren,----- Es wurde ein Arbeitskomitee eingesetzt, das die nächste Frauenkonferenz( 21.22.8.1914 in Wien) vorbereiten sollte. 1910 In Berlin wurde ein Krankenhaus weiblicher Aerzte eingerichtet. 1910 Gruendung der" Deutschen Gesellschaft für Mutter- und Kindesrecht" geleitet von Adele Schreiber. 1910 In Schweden erhielten die Frauen das Gemeindwahlrecht. 1910 Der nordamerikanische Staat Washington führte das Frauenstimmrecht ein. 1910. Der" Bund Deutscher Frauenvereine", der die Erweiterung des Aktionsfeldes der Frauen bezweckte, zählte jest 36 grössere Verbände und 253 einzeln angeschlossene Frauenvereine. Vorsitzende wurde Gertrud Bäumer, da die bisherige Vorsitzende, Marie Stritt, zurückgetreten war, weil sie im Gegensatz zur Mehrheit der Organisation die Aufnahme des" Bundes für Mutterschutz" und damit eine andere Einstellung zur unehelichen Mutterschaft befürwortete. 1910 Der Staat California( USA) führte das Frauenstimmrecht ein. 1911 Marie Curie erhält zum zweitenmal den Nobelpreis für Chemie 1911. 19.3. Der im Jahre vorher in Kopenhagen von der sozialistischen internationalen Frauenkonferenz beschlossene" Internationale Frauentag" wurde in Deutschland zum ersten mal begangen. 1911. 8.1. Emma Ihrer gestorben. Sie wurde am 2.1.in Glatz geboren und gehörte zu den ersten, aktiven sozialistischen Frauen in Berlin( Anfang der 80ger Jahre. Sie gründete 1890 die" Arbeiterin Vorläuferin der" Gleichheit" gehörte der" Zentralkommission der deutschen Gewerkschaften" an, gründete und leitete den" Verband der Blumen- und Blätterarbeiter und Arbeiterinnen. Sie hat die Aufnahme der Frauen in die Gewerkschaften durchgesetzt. 1912 Etwa 12000 Frauen sind ehrenamtlich in Deutschland in der Gemeindearbeit tätig. Unter den 132 Abgeordneten des finnischen Parlaments waren 16 Frauen. 1912 1912 ueber 130 000 Frauen gehören der SPD und fast 200 000 den Gewerkschaften in Deutschland an.--- In 125 Orten bestanden Kinderschutzorganisationen. 1912 Unter Führung von Oberlehrern und zwei Pfarrern bildete sich ein " Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation"/ 1912 Eine Suffragette warf sich bei einem Pferderennen in Anwesenheit des Königs vor die galloppierenden Pferde und wurde dabei getötet. 24, Chronik 1912. Zum zweitenmal wurde der" Internationale Frauentag" unter der Parole " H er mit dem Frauenwahlrecht" begangen. Die Polizei in Deutschland trat z.T. sehr roh auf. Es wurden Frauen mit Füssen getreten und geschlagen. 1912 Der" Deutsche Lyzeam- Club", der 1905 von Hedwig Heyl als Vereinigung künstlerisch und geistig tätiger Frauen gegründet worden war, eröffnete in Berlin eine umfassende, ausserordentlich eindrucksvolle Ausstellung: " Die Frau in Haus und Beruf". 1913" Die Vereinigung konservativer Frauen" wurde gegründet.( Deutschland) 1913 Die sozialdemokratische Zeitschrift" Gleichheit" zählte 112 000 Abonnenten. In der SPD gibt es 141 115 weibl. Mitglieder. 228 sozialdemokr. Kreis- vereine haben haben weibliche Vorstandsmitglieder. 1913 im Oktober. Auf der Eisenacher Tagung des" Deutscher Verband für Frauenst immrecht" war die Forderung nach dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts noch nicht durchzusetzen. Der Verband zählte 90 Gruppen mit 8821 Mitgliedern; dazu der Verband für Elsass- Lothringen mit 1600 Mitgliedern. 1914 Die erste Frau wurde in das Repräsentantenhaus der USA gewählt. 1914 Der" Bund Deutscher Frauenvereine" gründete den" Verein der Hausfrauenvereine, der 1919 insgesamt 113 Vereine mit 100 000 Mitgliedern zählte. 1914 31. III. Der SPD gehören bei 1.085.905 Mitgliedern insgesamt 174,754 Frauen an. nen 1914. Mai. In Rom fand ein Int. Frauenkongress der bürgerl. Frauenorganisatiostatt. Dem" International Council" waren 22 Nationen angeschlossen, Als Deutsche Vertreterinnen nahmen u.a. teil: Helene Lange, Gertrud Bäumer und Paula Müller- Ottfried. 1914 21.6. Die Vorkämpferin für den Weltfrieden, Berta v. Suttner, gest. Sie war am 9.6.1843 in Prag, Tochter des Feldmarschalls Graf Kinsky geboren. Ihr Hauptwerk war der pazifistische Roman" Die Waffen nieder." Sie war Trägerin des Friedens- Nobelpreises. 1914 Nachdem der Weltkrieg ausgebrochen war, gegen den vor allem die sozialdemokratischen Frauen immer wieder demonstriert hatten- erschien ein- von Louise Zietz unterzeichneter Aufruf der SPD und der Freien Gewerkschaften, der an die Frauen die Aufforderung richtete," angesichts der unsäglichen Not und des furchtbaren Jammers, die der Krieg über die Arbeiterfamilien bringt...., den verzweifelten Frauen, den verwaisten Kindern, den Arbeitslosen, den Kranken und Leidenden mit Rat und Tat beizustehen".Als wichtigste Arbeitsgebiete wurden bezeichnet: 1. Die Auskunfterteilung, 2.die kommunale Arbeit, 3.die Kinderfürsorge, 4. die Kranken- und Wöchnerinnenhilfe. 1914 Von August bis Dezember verzehnfachte sich in Berlin die Zahl der neueingestellten Metallarbeiterinnen, trotzdem gab es im ersten Kriegsjahr noch viel Frauenarbeitslosigkeit. 25 .2 1 Chronik 1914 Der" Bund Deutscher Frauenvereine" gründete nach Kriegsausbruch den " Nationaler Frauendienst", unter Leitung von Dr. Gertrud Bäumer. Er arbeitete im engen Zusammenhang mit Kommunal- und Staatsbehörden auf dem Gebiet der Lebensmittelversorgung, Familienfürsorge, Arbeitsvermittlung und Auskunfterteilung. 1915 Der" Reichsverband landwirtschaftlicher Hausfrauenvereine" unter Leitung von Elisabeth Böhm- Lamgarben entstand. XXXXXXXXXX 1915 Zu einem" Internationalen Frauenkongress" im Haag( Holland) mit dem gleichzeitig die Gründung der" Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit" verbunden war, erschienen 150 Delegierte aus 12 Ländern. Der" Bund Deutscher Frauenvereine" nahm nicht teil, laut Getrud Bäumer aus folgendem Grund:" Für die Ablehnung war bestimmend der Widerstand der vaterländischen Gefühle gegen eine internationale Demonstration..." Der Bund verbot sogar die Teilnahme seiner korporativen Einzelmitglieder und boykottierte die Frauen, die im H aag teilnahmen, was zu Austritten von Frauen, vor allem des radikalen Flügels führte. Dazu gehörten: Marie Stritt, Dr Anita Augspurk, Lydia Gustava Heymann, Frieda Perlen u.a. 1916 8.8. Lily Braun, geb.am 2.7.in Halberstadt, Tochter des Generals von Kretschmann, die bekannte sozialistische Frauenrechtlerin, Schriftstellerin, ist gestorben; B Memoiren einer Sozialistin, Die Frauenfrage u.a. 1916 21.23.9. Es fand eine sozialdemokratische Frauenkonferenz statt, an der auch Frauen aus Stettin Braunschweig, Leipzig, Düsseldorf, Dresden, und Stuttgart teilnahmen. Louise Zietz sprach über" Frauenerwerbsarbeit während und nach dem Kriege". Die in ihrer Mehrheit gegen die Verteidigungspolitik Oppositionell eingestellte Konferenz forderte" eine selbständige Politik der SPD zur Herbeiführung des Friedens und erklärte sich mit der oppositionellen Haltung der" Gleichheit" einverstanden. 1916 26.11. Eine Würtembergische, sozialdemokratische Frauenkonferenz kritisierte die Haltung der" Gleichheit" und forderte in ihr mehr Platz für die Auffassung des Parteivorstandes. In einer Entschliessung wurde gesagt:" Sollte die Redaktion auch fernerhin die Parteimehrheit bruskieren, dann kann die Konferenz die" Gleichheit" nicht mehr als Organ der arbeitenden Frau anerkennen und empfiehlt den Genossinnen die Gewerkschafts- Frauenzeitung zu lesen!-- Die Konferenz setzte sich energisch für d das Wiederinkrafttreten der Fraue- und Kinderschutzbestimmungen ein. 1916( nein es war 1917, nach dem Gothaer Parteitag, der die USPD etablierte und Louise Zietz dort in den Vorstand wählte) Marie Juchacz wird an Stelle der zur USPD übergetretenen Louise Zietz die Leiterin des Frauenbüros der SPD, von jetzt an MSPD/ ( Unabhängige Sozialdemokratie und Mehrheits Sozialdemokratie Deutschlans) 1917 Februar In Brtisch- Columbien wird das Frauenwahlrecht eingeführt. 1917. Die Februarrevolution brachte u.a. das Frauenwahlrecht( Russland) 1917 31.3. Der MSDAP gehören unter 243,061 Mitgliedern, 66,609 Frauengan. Die meisten männlichen Mitglieder standen im Feld. 26. Chronik 1917 3.4. In Hamburg wurde eine Soziale Frauenschule eröffnet, die von Gertrud Baumer und Marie Baum geleitet wurde und eine zweijährige ausbildung in einen sozialen und einem pädagogischen Zweig bot. 1917 6.7. Der Sozialdemokrat Gradnauer( Dr) macht einen vergeblichen Vorstoss für das Frauenwahlrecht. Die Konservativen hielten es dabei nicht einmal für notwendig, das Wort zu nehmen. 1917 Der Würzburger Parteitag der MSDAP forderte in einer Entschliessung die Partei auf," ihre ganze Kraft für die Erringung des Frauenwahlrechtes für alle sozialen und politischen Körperschaften einzusetzen und nach Möglichkeit für die Gewinnung und Schulung der Frauen zu wirken. Ebenso verlangt er, dass die Frauen mehr als bisher zur praktischen sozialen und politischen Arbeit herangezogen werden" Marie Juchacz wurde als Vertreterin der Frauen in den Parteivorstand gewählt. Im März 1917 war sie in das Frauenbüro des Parteivorstandes berufen worden. XX 1917 7.7.( Es war vor dem Würzburger Parteitag) Marie Juchacz, als Leiterin des sozialdemokratischen Frauenbüros( und Redakteurin der" Gleichheit) Einschränkung bekannt geben) berief eine Reichsfrauenkonferenz ein. Anwesend waren etwa 50 Delegierte aus dem Reiche, darunter einige jüngere Delegierte, dúe zum erstenmal stärker hervortraten, so Louise Schröder, Clara Bohm- Schuch, Hanna Reitze, Elfriede Ryneck, Elisabeth Röhl,/ Gertrud Hanna referierte über " Die Frauen im Krieg" und Wally Zepler über das" Frauenwahlrecht" 1917 im Herbst. Eine Denkschrift des" Bund Deutscher Frauenvereine" über: " Die Stellung der Frau in der Politisch- Sozialen Neugestaltung" verlangt volle Einsetzung der Frau, wobei vorwiegend an die Kommunen gedacht wird. Daraufhin trat der" Deuts- Evangelische Frauenbund" unter Frau Müller- Ottfried unter Protest aus. 1918 Januar. Dr. Marie Elisabeth Lüders wurde als erste Frau zu den Sitzungen des Reichstagsausschusses für Bevölkerungspolitik hinzugezogen. Vorsitzender des Ausschusses war der Sozialdemokrat Dr.Max Quark. Main 1918 Auf Antrag der M.- Sozialdemokratie und der Fortschrittlichen Volkspartei im Frankfurter Stadtparlament erklärte der Oberbürgermeister von Frankfurt/ dass der Magistrat aus Grühden der Gerechtigkeit sich für die Einführung des kommunalen Frauenwahlrechtes einsetzen wolle, die Stadtverwaltung stimmte zu. 26.10. 1918 8:18 Die grossen Frauenorganisationen baten den neuen Reichskanzler, XXX Prinze Max von Baden, der eine Demokratisierung Deutschlands durchführen wollte,(?) und Sozialdemokraten in seiner Regierung hatte( Scheidemann als Staatssekretär) um eine Rücksprache wegen der Forderung nach der politischen Gleichberechtigung der Frau.----- Daran waren die Sozialdemokratinnen beteiligt, der Brief( unter Mitwirkung Juchacz entworfen) war an H errn von Payer gerichtet. Er blieb ohne Antwort, die Ereignisse überstürzten sich. M.J. un1918 26.10. Im Berliner VVorwärts", Organ der MSPD erschien ein Aufruf, un terzeichnet von Elfriede Ryneck, Clara Bohm- Schuch und Wally Zepler,:" Die Frauen und der Friede".Dort hiess es:" Wir fordern den Frieden und werden uns jedem Versuch, ihn hinauszuzögern, entgegensetzen." 27' Chronik. 1918 30.11. Käthe Kollwitz wandte sich im" Vorwärts" gegen einen Aufruf des Dichters Richard Dehmel, der einen letzten Einsatz Deutschlands unter Heranziehung aller Männer und Deutschlands Jugend verlangte. Sie schrieb: " Es ist gehug gestorben,.... Saatfrüchte dürfen nicht vermahlen werden." 1918 2.11. Frauenorganisationen aller Richtungen richten an den Reichskanzler ein Schreiben wegen Gewährung des Frauenstimmrechtes. ( Vergleiche die Richtigkeit mit der Notiz: 1918 25.10.) 1918 In den Berliner Sophiensälen fand unter ungeheurem Andrang eine 8ffentliche Frauenversammlung statt, in der sozialdemokratische und bürgerliche Frauen gemeinsam die politische Gleichberechtigung für die Frauen forderten. Es sprachen u.a. Marie Stritt, Minna Cauer, Rosa Kempf, Gertrud Ha Hanna, Regine Deutsch, Adele Schreiber, Marie Juchacz, Von der Männerseite die Sozialdemokraten Hermann Müller, Heinrich Schulz, Dr.Max Quark, der Fort· schrittler Sivkovich. Berndorf. 1918 England gibt das Frauenwahlrecht vomm 30 Lebensjahre ab/ 13.11.1918 Die Revolutionsregierung der Volksbeauftragten in Deutschland ab durch Verordnung allen über 20 Jahre alten Frauen und Mädchen das gleiche Wahlrecht zu allen Parlamenten und Körperschaften. / s 1918, 17.11. Der Parteivorstand der SPD forderte, dass in den Vollzugsausschus des Arbeiter- und Soldaten rates auch zwei Frauen aufgenommen werden. Daneben sollte ein anerkannter Frauenbeirat die besonderen Frauenangelegenheiten behandeln.????? 1918.20.11. Nach dem" Vorwärts" kamen bei den Berliner Strassenunruhen auch 2 Frauen um,( Neben 15 Männern) die Arbeiterin Charlotte Nagel und die Hausgehilfin Paula Plate. 1918 Nach der Revolution wurde in Oesterreich das Frauenwahlrecht eingeführt. 1918 An den Deutschen Universitäten werden die Frauen zur Dozentenlaufbahn zugelassen. 1918 Der erste Weltkrieg hatte in den beteiligten Ländern etwa 2 Millionen Wittwen, neben 5 Millionen Waisen und 1,5 Mill.Alte, die ihre Ernährer verloren hatten, hinterlassen. 1918 16-21.12. Am 1.Kongress der Arbeiter- und Sodatenräte nahmen zwei weibl. Delegierte teil. Eine von ihnen( Käthe Leu, Danzig) erklärte, dass es der Revolution zu danken sei," wenn die solange mundtot gemachten Frauen von dieser Tribüne sprechen dürften.... Tausende aufgeklärter Frauenherzen schlagen der Revolution entgegen, aber die grosse gewaltige, indifferent Frauenmasse muss für den Sozialismus gewonnen werden. 1919 In Holland wird das Frauenstimmrecht eingeführt. In Frankreich hatte die Kammer den Glaichberechtigung der Frauen zugestimmt, das Gesetz wurde vom Senat verhindert. In USA wurde das aktive und passive Frauenstimmrecht eingeführt und damit die vom Staat Wyoming eingeleitete Entwicklung abgeschlossen. ( Siehe aber auch Notiz 1914 über USA, Senat) 28. Chronik 1919, Anfang Januar. Während des Wahlkampfes, anlässlich der für den 19.1.1919 angesetzten Wahl zur" Verfassungggebenden Deutschen Nationalversammlung" wandten sich die neugebildeten, bürgerlichen Parteien an die Frauen, die nun zum erstenmal einen Stimmzettel abgeben sollten. Die rechtsstehende" Deutschnationale Volkspartei" hiess auf einmal- in einem Flugblatt-" die Frauen als gleichberechtigte Mitarbeiterinen" herzlich willkommen. Die schwerkapitalistische" Deutsche Volksparte" war nun plötzlich der Meinung " die deutsche Frau solle ihre Mitarbeit im öffentlichen Leben auch an leitende und verantwortliche Stellen führen". Die katholische" Zentrumspartef" wollte jetzt" die Heranziehung der Frauen af allen Gebieten, unter Auswertung der weiblichen Eigenart". Die" Deutsche Demokratische Partei" entfaltete mit Hilfe bekannter Führerinnen der bürgerlichen Frauenbewegung eine grosse Propaganda unter den Frauen, gab aber zugleich ein Flugblatt an die Familienväter heraus, in dem es hiess:" Ob Du einverstanden bist mit diesem neuen Wahlrecht? Nun, man hat Dich nicht gefragt.... Deutscher Familienvater, Du brauchst Deine Stellung im häuslichen Kreis nicht zu ändern..Bhein nur, der Du warst und der Du bist, aber hole Deine Frau und Deine Tochter heran, so ungewohnt es Dir auch ist, Politik mit ihnen zu verhandeln.". Der" Deutsche Evangelische Frauenbund" schrieb in einem Aufruf: Evangelische Frauen haben in ihrer grossen Mehrzahl das Frauenstimmrecht nicht erstrebt." Ein anderer Aufruf im konservativen" Reichsboten" sagt dasselbe und fährt fort:" Nun uns diese unerwünschte Last einmal aufgeburdet st, gilt nicht allenin sie geduldig aufzunehmen, sondern aus ihr herauzuholen was unserem tief gedemütigten Vaterland irgend von Nutzen sein kann.... Auf, Deutsche Frauen, tragt unseren Männern die Waffen herbei, zum Streit und Sieg", ----- In einem merkwürdigen Frauenaufruf wurde sogar" ein gemeinsamer, kraftvoller Einspruch gegen das unerbetene Geschenk" und Zurücknahme des Frauenwahrrechtes verlangt 1919, 19.1. Für die Wahl zur Verfassunggebenden Deutschen Nationalversamlung hatten alle Parteien Kandidatinnen aufgestellt. Gewählt wurden: Zu Beginn waren es 37 Frauen, die als gewählt galten, die Zahl 41 wurder etwas später durch Nachrücken auf den Listen erreicht. -- SPD- 22 Frauen. USPD- 3 Frauen Demokr.- 6 Zentrum 6 D.N.V. 3 D.N.- 1 " Die Gesamtzahl der gewählten Mitglieder der Nationalversammlung betrug 423 1919 1.3. In einer gemeinsamen Interpellation aller weiblichen Mitglieder ler Nationalversammlung( einschliesslich der USPD) wurde gegen die Fortdauer der H ungerblockade und für die Herausgabe der Kriegsgefangenen demonstriert 1919 11.8. Die Weimarer Verfassung legte als erste Verfassung der Welt die völlige(???) Gleichberechtigung von Mann und Frau fest. In ihr heisst es, Artikel 1919 im Oktober, In Charlottenburg wurde eine dreimal wöchentlich erscheinende, Fraueniteressen dienende, Zeitung" Neue Frauenzeit" herausgegeben, geleitet von Dr.Ilse Reike. 1919 Die Zeitschrift" Neue Bahnen" das Organ des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, wurde in das Fachblatt" Die Frau in der Gemeinde", umgewandelt. Herausgegeben von Jenny Appolant. 29, Chronik 1919 Durch die Agitation der" Amerikanischen Frauenverbände" wurde in USA das völlige Alkoholverbot eingeführt( Prohibition) Wie lange bestand sie? In welchen Einzelstaaten besteht sie noch? Trockenstaat. Sind noch immer Strömungen gleicher Art da. Gegengründe. 1920. Reichstagswahl. 6.6. Bei der Wahl wurden unter 469(?)( 460?) Abgeordneten nur 36 Frauen gewählt.14 zur SPD, 9 zur USPD, 1 zur KPD( Clara Zetkin) Deutschnationale Demikraten Deutsche Volkspartei 1920 Der 19.Zusatz zur Verfassung der USA wurde veröffentlicht. Er spricht den Frauen das Wahlrecht zu. Damit wurden alle Beschränkungen für die Tätigkeit der Frauen in der Politik und in allen Berufszweigen aufgehoben. ( Siehe vorher ) 1920 Bei den Grossberliner Kommunalwahlen wurde unter Führung von Anna v.Gierke die Liste einer Frauenpartei aufgestellt, ohne auch nur ein einziges Mandat darauf zu bekommen.--- Anna v. Gierke hatte der Nationalversammlung anghört, Deutschnationale Fraktion. Sie wurde zum 1. Reichstag nicht wieder aufgestellt, weil sie eine jüdische Mutter hatte. Wahrscheinlich war sie aber ihren Kollegen der Fraktion auch unbequem geworden, XXXXXX Frauen unserer Art konnten z. B. gut mit ihr arbeiten. 1920 Der" Bund Deutscher Frauenvereine zählte 900 000 Mitglieder. 1920. erfolgte die Gründung" Ring nationaler Frauen"( angeblich 200 000 Mitgl. 1920 des im Juni. In Genf tagte zum ersten mal nach dem Kriege ein Kongress " Internationalen Stimmrechtsbundes", der wieder Frauen der ganzen Welt mit deutschen, bürgerlichen Frauen zusammen führte. 1920 im September. Der" International Council"( Weltfrauenrat) tagte in Oslo. Der" Bund Deutscher Frauenvereine" unter Vorsitz von Marianne Weber lehnte die Teilnahme mit der Begründung ab:" Solange Deutschland vom Völkerbund ausgeschlosssen sei, könnten deutsche Frauen nicht an einer internationalen Frauenvereinigung mitarbeiten."/ 1921 In Kanada wurde das Frauenwahlrecht eingeführt.----- In keiner Zeit gab es aber mehr als 2 weibliche, unter insgesamt 262 Abgeordneten. 1922 27.1. Louise Zietz, die langjährige Führerin der sozialistischen Frauen Deutschlands, der" weibliche Bebel" genannt, brach in einer Reichstagssitzung zusammen und starb unmittelbar darauf. 1922 6.4. Die Frauen werden zum Amt des Schöffen und Geschworenen zugelassen. 1922 Anna Kethly kam als erste Sozialdemokratin ins ungarische Parlament. Sie gehörte dem Parlament 25 Jahre an, war zuweilen Vizepräsident. 1923 im Mai. Im Rahmen des Internationalen Arbeiterkongresses in Hamburg, mit dem die" Sozialistische Internationale( nach dem Krieg) wieder in Erscheinung trat, wurde von Marie Juchacz, Nina Bang,( Dänemark), Adelheid Popp( Oesterreich Mm. Saumeneau( Frankreich) Gabriele Proft u.a. eine Sozialistische, Internationale bitte wenden Frauenkonferenz 30 Chronik 1924 1.4. Das Reichsgesetz für Jugendwohlfahrt, an dem besonders die weiblichen Parlamentarierinnen mitgearbeitet hatten, trat in Kraft.( Deutschland) 1924 4.5. Bei den Reichstagswahlen erhält die SPD 100 Mandate, 11. Frauen 1924. 7.12 Bei der Reichstagswahl zogen 131 Sozialdemokraten, darunter 16 Frauen in das Parlament ein. Die Gesamtzahl der Frauen erhöhte sich von 29 auf 33. 1925 Bei der Volkszählung wurden. 11,478,000 erwerbstätige Frauen in Deutschl. festgestellt. Davon waren 31,7% verheiratet und 9% verwittwet oder gesch. Nebenberuflich erwerbstätig waren 1,553,000 Frauen, von denen nur 37,2% ledig waren. 8 Millionen Frauen über 20 Jahre waren alleinstehend.--- Von den weiblichen Angestellten und Beamten waren 90,6% ledig, von den arbeiterinnen nur 70,4%.----- Von den insgesamt gezählten 32,213,796 deutschen Frauen waren 16,516,715 ledig, 804,475 waren verwittwet 182,536 geschieder Der Frauenüberschuss betrug 2,016,976-------- Die Geburtenziffer betrug 18,3 pro Tausend.( 1913 27,5 pro Tausend) Jedes 8.Kind war unehelich. ' 1925 Gründung der" Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Arbeit" in berlin. 1925. 24.7. Ottilie Baader, geb. 30.5.1847 in Frankfurt/ Oder, die erste zentrale, sozialistische Frauenleiterin, Verfasserin der Lebenserinnerungen " Ein Steiniger Weg", ist gestorben. 1926 Eine Untersuchung der" Sozialistischen Internationale" ergab,: Der Prozentsatz der Frauen inner halb der nationalen sozialistischen Parteien ist in Dänemark 33%, Tschechoslovakei, Deutsche Gruppe 33%, in Oesterreich 31%, in Holland 29%, in Finnland 27%, in Lettland 22%, in Deutschland 21%, in Englands Arbeiterpartei 10,2% England hatte jedoch die höchste Gesamtzahl sozialistischer Frauen. Hier kam Deutschland an dritter Stelle. 1926. 7.5 Der Reichstag beschloss eine Abänderung des Paragraphen 218 des deutschen Strafgesetzbuches. Am 18.12.1925 hatte die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion einen entsprechenden Gesetzentwurf eingebracht. Die Bestimmung im Strafgesetzbuch war vom 18.5.1871.) Nach dem gefassten Beschluss wird die Abtreibun nicht mehr von vornherein als Verbrechen, sondern nur noch als Vergehen betrachtet. Die Verjährungsfrist wurde von 10 auf 5 Jahre herabgesetzt. Es wurde keine Begrenzung der Strafe nach unten festgesetzt. Haft sollte nur in besonderen Fällen der Voruntersuchung verhängt werden. 1926 Unter 6773 sozialdemokratischen Stadtverordneten gab es nur 295 Frauen, in den Landgemeinden bei 2920 männlichen Gemeindevertretern nur 295 weibl. In Berlin war das Verhältnis 1 weibl.zu 7 männl. Am ungünstigsten sah es in Pommern und Ostpreussen aus, in den Städten 1 zu 58 und im Landkreisen 1 zu 63.----- In Hessen Nassau kamen auf 800 Vertreter eine Frau in Hessen- Kassel auf 1003 männliche Vertreter eine Frau. In den Landgemeinden von Franken, der Oberpfalz von Ostpreussen und Braunschweig gab es keine sozialdemokratischen Gemeindevertreterinnen.------ In den Kreis- und Provinzlandtagen waren bei 3099 männlichen Kreistagsmitgliedern nur 47 Frauen. Unter 462 Provinzialabgeordneten( Landtage) gab ea nur 20 Frauen.--- In der ganzen Provinz Brandenburg gab es keinen weiblichen Vertreter, am ganzen Oberrhein und in ganz Oberschlesien waren es nur je zwei weibl Stadtvertreter. 72 10 11 11 2012 d so I 22 Kanf 31 Chronik 1927 Minna Sillanpää( eine frühere Hausangestellte) ist die erste Frau in der Welt, die Minister( Sozialministerium) wird. Finnland. 1927 Die Generalsynode der Evangelischen Kirche Deutschlands beschloss, die Frau als Vikarin zuzulassen. 1927 In Preussen und Bayern wird weibliche Polizei eingeführt. 1927. 1.10. Das" Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten"( Prostitutrat in Kraft.Es verwirklichte u.a. die alte Forderung der Frauen tion) nach Abschaffung der Reglementierung der Prostitution und der Ersetzung der Sittenpolizei durch Organe der Gesundheitspflege und der Fürsorge. 1927. Unter den 45,600 sozialdemokratischen Kommunalvertretern befanden sich nicht ganz 1000 Frauen.------ Neben 7,197 männlichen Stadtverordneten gab es nur 465 Frauene. Bei 31,100 männlichen Gemeindevertreten gab es nur 60 Frauen. Bei 339 männlichen Provinziallandtagsabgeordneten gab es nur 19 Frauen. 1928. Im Februar Die sozialdemokratische Zeitschrift" Frauenwelt" erhielt unter der Leitung von Toni Sender ein neues Gesicht und brachte u.a. Unterhaltung, Aufklärung für die ganze Familie, Ratschläge fü die Hausfrauen. ( Das ist Quatsch. Die Zeitschrift hatte ein ähnliches Gesicht unter dem Vorgänger, der eine kommunale Stellung annahm.Dr.........?? Aber er machte sie besser. 1928 Nina Bang, die in der Sozialdemokratischen Regierung Stauning Kultusminister war, ist gestorben. Nina Bang war eine geborene Ellinger aus Naumburg die aber in Dänemark aufgewachsen war. 20.5. 1928 Unter den in den Reichstag gewählten 153 Sozialdemokratischen Abgeordneten waren 20 Frauen. Insgesamt wurden 33 Frauen in den Reichstag gewählt. 1928. 14.6. Die Suffragettenführerin Emmeline Pankhurst in London gestorben. Sie hatte noch kurz vor ihrem Tode die Herabsetzung des Wahlalters der Frauen von 30 auf 21 Jahre und damit den vollen Sieg ihrer Sache erlebt. 1928 8.7. Helene Grünberg aus Nürnberg, die erste Arbeitersekretärin Deutschl. und die Organisatorin der Hausangestellten, beging in einem Anfall von geist. Depression Selbstmord. 1928 im Oktober. Die griechischen Frauen( Sozialistinnen) begannen unter der Leitung von Athina Gaetanou- Xammios eine eigene Zeitschrift herauszugeben. -" Das Sozialistische Leben"-. 1928 Der Nobelpreis für Literatur geht an die Norwegische Dichterun Siegrid Undset. Ihr bekanntestes Buch ist" Kristina Lavranstochter", 1928 In Brussel fand eine Internationale Sozialistische Frauenkoferenz statt. auf der 113 Delegierte anwesend waren. Es wurden soz. Forderungen für Mutter und Kind, für Frauen im Betrieb formuliert und beschlossen. 32 Der englische Sozialist und Schriftsteller Bernard Shaw veröffentlichte sein Buch" Wegweiser zum Sozialismus und Kapitalismus für die intelligente Frau." 1928 Sozialistische Arbeiterinternationale. Unter den 6,637,622 Mitgliedern der Soz. Internationale befanden sich 973,759 Frauen. Den höchsten% satz weiblicher Mitglieder stellten Dänemark und die deutsche Sozialdemokratie in der Tschechoslovakei mit 33%. Es folgte Lettland mit 22% und Deutschl. mit 21.%. Dén geringsten Anteil organisierter Frauen hatte die franz. Partei, nur 1% 1928 In den Reichsparlamenten der verschiedenen Staatenwaren 55 Sozialdemokratinnen als Parlamentarierin. Davon XX im Deutschen Reicnstag 20. Die anderen verteilen sich auf: Finnland, Oesterreich, Schweden, Grossbritanien, Polen, Holland, der Tschechoslowakei und Danzig. 9 Sozialistinnen sassen in Oberhäusern in Oesterreich, Dänemark, Holland, Polen, Tschechoslowakei und in Belgien, das kein Frauenwahlrecht besass, wo aber Frauen kooptiert werden konnten. Im Deutschen Reichsrat und Staatrat( Preussen) befanden sich keine Frauen. : 1928 An den deutschen Hochschulen lehrten 45 Dozentinnen. 1928 Die Deutsche SPD hatte 178,771 weibliche Mitglieder. Gegenüber dem Vorjahr waren es 17,230 mehr.- Im Prozentsatz wieder 21. 1929 Die Wohlfahrtsschule der Arbeiterwohlfahrt war von 91 Frauen und 22 Männern besucht. Sie wurde geleitet von Hedwig Wachenheim. Als hauptamtliche Lehrkräfte wirkten Dr Erna Magnus und Dr. Suse Hirschber. Als Dozentinnen Ministerialrat Dr Dorothea Hirschfeld, Regierungsrat Dr Hilde Oppenheimer, Louise Schröder, Luise Morgenstern, und Lotte Lemke.---- Etwa 600 sozialistische Wohlfahrtspleger( innen) sind in Deutschland tätig. 1929 Unter soz. Landtagsabgeordneten in Sachsen befinden sich nur 5 Fr. ( Sozialisten oder allgemein?) 1929 17.11. In den 987 Gemeinden Hessens waren 9,101 Männer und 42 Frauen ( also nur 0,46%) als Stadtrats- und Gemeindemitglieder tätig. Von den 42 Frauen waren 21 Sozialdemokratinnen. 1929 In der neuen Arbeiterregierung wurde Margret Bondfield( eine ehemalige Ladengehilfin) Arbeitsminister. 1929 1.12. Mathilde von Hofstetten, neben Pauline Staegemann und Emma Ihrer eine der ersten Pionierinnen der sozialistischen Frauenbewegung, im Alter von 82 Jahren, in Berlin gestorben. 1930 In der Berliner Zeitung" Der Angriff" schrieb Dr.Göbbels:" So ist neuerdings die Assessorin Spitzer Vorsitzende des Schöffengerichts Charlotten burg geworden. Wenn dann vielleicht noch, wie in der ersten Sitzung, noch eing weiblicher Schöffe vorhanden ist, das Gericht also mit zwei Frauen und einem Mann besetzt ist, so bedeutet das eine Herabwürdigung der Rechtspflege, wie sie ärger kaum gedacht werden kann." 33 1930 Chronik 19.5. Helene Lange, die geistige Führe in der bürgerlichen Frauenbewegung Deutschlands, besonders verdient um die Reform der göheren Mädchenschulbildung, gestorben. 1930 , 21.9. Elisabeth Kirschmann- Röhl, geb.Gohlke zu Landsberg an d. Warthe am 22.8/.1888, starb nach einer Versammlungstour im Wahlkampf 1930. Sie hatte der Nationalversammlung in Weimar und dann dem Preuss.Landtag angehört. 1930., 14. 9. Bei dieser Reichstagswahl, die die NSDAP überraschenderweise zur Zweitstärksten Partei hochtrieb, wurde in Grossberlin- getrennt nach Geschlechtgewählt. SPD: 737 821 Stimmen, männliche: 338894, weibl. 339200. Von den 12 in Berlin gewählten Rechstagsabgeordneten der SPD waren 9.m., 3 w. --- Die KPD erhielt in Grossberlin 45.545 weibl.Stimmen weniger als männl. Sie hatte nirgendwo in Deutschl.eine Frau aufgestellt. Die NSDAP stellte grundsätzlich keine Frau auf. 930 Die türkischen Frauen erhielten das Kommunalwahlrecht. Aus diesem Anlass erfolgte in Konstantinopel eine grosse Frauenkundgebung. 1931 13.6. Durch Verordnung der NSDAP( Reichsleitung) wurde der" Deutsche Frauenorden Rotes Hakenkreuz" aufgelöst und die" Nationalsozialistische Frauenschaft" gebildet, die die automatische Zusammenfassung aller Frauen in den Ortsgruppen darstellte. 1932 30.1. Dr Marion Philipps, geb.1881 in Melbourne( England) gestorben. Sie hatte in England studiert, wurde durch ihre enge Freundschaft zu Beatrice Webbs zu den Fabiern geführt, war in der Suffregattenbewegung tätig, wurde 1912 Sekretärin der gewerkschaftlich organisierten Frauen, nach dem 1.Weltkrieg hauptamtliche Sekretärin der Frauenorganisation der Laborparty, und Herausgeberin der Zeitschrift" Labour Woman" 933-1945 im Sommer. Es werden viele Frauen misshandelt, eingsperrt, Konzentrationslager, Gefägnis. Verurteilungen Tötungen usw......: 12.1.33.Berliner Arbeite2.2.33.Wilhelmine Struth( Ueberfall dar SA auf Siedelung, erschossen. 2.2.33.Kathe Sennhof, Duisburg, SA in Wanheim erschossen. 4.3.33.Frau Quint Barmen, auf der Strasse von SA- mann erschossen. 6.2.33, Berliner Gastwirtin Anna Röder bei SA Feuerüberfall, getötet. 6.3.33.Grete Meusing, Selb/ Bayern, von SA- Leuten ermordet. 24.3.33.Frau Muller, Aue/ Sachsen, beging, nachdem sie furchtbar von rin, Martha Kunstler vor ihrem Hause erschossen. SA- Leuten misshandelt worden war, Selbstmord. 26.3.33.Gastwirtin Anna Raschke, bei Feuerüberfall auf Arbeiterlokal, erschosse. 24.3.33. Franziska Kessel, Kommunistische Reichstagsabgeordnete,( 222) von den Nazis verhaftet, beging im Gefängnis( angeblich)" Selbstmord. 25.4.33. Frau Knödle, München, beging nach einem" politischen Verhör" Selbstmord. 9.5.33. Die Tochter des Sozialdemokratischen Abgeordneten Philipp Scheidemann, wegen Artikel ihres emigrierten Vaters von den Nazis schwer bedroht nahm sich mit ihrem Mann das Leben. 1933 Am Tage, resp in der Nacht vor der ersten Reichtagssitzung mit Hitler als Kanzler, wurde Frau Marie Jankowski, Bezirksverordnete in Köpenik und ehrenamtlich für die Arbeiterwohlfahrt tätig, wurde in eine" SA- Kaserne" geschleppt, nackt ausgezogen und furchtbar misshandelt. Wie ein Sprecher des amerikanischen-uw 2345667 doaed doan Janetog- nifrodecor nobaudot 9888: enofinn, nemmi ча теб по пі SI деб пот Innels Toginew memmide.Idlew CAC.CA nifedand Joints asia--Ilotestus usi ente. 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Dezember 1933 Gertrud Pieper, pol.äftling, KZ Brandenburg, beging, un weiteren Folterungen zu entgehen, Selbstmord. 1934 Ende Januar. Die Arbeiterin Anna Schäfer, Hohentwiel, wurde im Gefängnis von der Gestapo ermordet. 19.2. 34. Als dem Sozialdemokraten Gerhard Seeger( Dessau) die Flucht aus dem KZ Oranienburg gelungen war, wurde seine Ehefrau mit seinem 19 Monate alten Töchterchen verhaftet und ins KZ Rosslau gebracht Erst nach monatelangen Bemühungen gelang es englischen Parlamentarierinnen die Frau und das Kind freizubekommen und nach England mitzunehmen. Mai 1934 Marie Kropp/ Essen, wegen Sammlung für die" Rote Hilfe" verhaftet, wurde von SA ermordet/, Juli 1934.Helene Lessig, Altenburg/ Thüringen.wurde von den Nazis ermordet. 31.10 34. Die Sozialdemokratin Helene Weck, die als Emigrantin in der Tschechowslowakei lebte, wurde bei dem Versuch, ihren aus dem KZ entlassenen Sohn zu sehen, verhaftet und soll(!!!) im Zickauer Gefängnis Sebstmord verubt haben. 19.12.1934 Frau Wengert/ Worms, starb an den Folgen schwerer Misshandlung durch die SA. Dezember 1934. Erika Bötzner, Sozialpflegerin, wegen illegaler sozialis tischer Arbeit verurteilt, im Zuchthaus gestorben. 1934 - Summarisch. In diesem Jahre wurden unzählige Frauen verhaftet, die dem nationalsozialistischen Regime ablehnend gegenüberstanden. In vielen Prozessen wurden Frauen, darunter viele Sozialdemokratinnen, wegen" Hochverrat"," Verbreitung illegalen Materials",-" Aufrechterhaltung verbotener Organisationen",- zu Gefängnisstrafen oder Zuchthausstrafen in Höhe von 1-10 Jahren verurteilt. 1935 Summarisch. In diesem Jahre fanden hunderte von politischen Prozessen gegen Anhänger unterdrückter Parteien und und Verfolgter religiöser Gruppen statt. Fas in allen grösseren Przessen wurden auch Frauen und Mädchen verurteilt.------ In einem im November 1935 erfolgten Hochverrat- prozess erhielten-- neben anderen Frauen, die verurteilt wurden Anna Stiegler 5 Jahre Zuchthaus, Frau Berthold 4 Jahre Zuchthaus, Frau Carstens und Frau Lange je 3 Jahre Zuchthaus.------ Die Lehrerin Hilde X Fischer, Greiz, erhielt in einem Prozess wegen Gründung verbotener Organisationen 7 Jahre Zuchthaus,-Minna Herms/ Berlin, von der Roten Hilfe erhielt 15 Jahre Zuchthaus,- Berta Karg/ München, wegen Hochverrats 15 Jahre Zuchth. --- Maria Krollmann/ Hamburg, 15 Jahre Zuchthaus,- Hanna Melzer/ Ruhrgebiet, 15 Jahre Zuchthaus,- Rose Katnalla, wegen Herstellung illegaler Zeitungen, 12 Jahre Zuchthaus.-Mai 1935 wurde die Sozialdemokratin Else Westermann im KZ Fulsbüttel ermor det. 23.4. 1935 wurde die sächsische, kommunistische Landtagsabgeordnete von SA schwer misshandelt und ermordet. 27/ 5.35 Frau Dudding/ Hagen, wurde egen Hochverrąt zum Pode verurteilt, das Urteil wurde in 15 Jahre Zuchthaus umgewandelt. 13.10.35. Die Studentin I Lisel Paxmann/ Dresden, beging 4 Tage nach ihrer Verhaftung durch die Gestapo" Selbstmord". Oktober 1935, Die preussische Sozialdemokratische Landtagsabgeordnete(?) durch Getapo schwer misshandelt und im Gefängnis ermordet. 1935 Frieda Petzold/ Sachsen, beging in der Gestapohaft angebl.Selbstmord Dez.1935, Die Arbeiterin Margarete Walter Berlin, wurde von Gestapo in der Haft, ermordet. Dezember 1935, Die Sizialdemokratin Frau Collau, Billstadt b.Hamburg, im Gefängnis misshandelt, beging angeblich Selbstmord. 35, 1936 Chronik Summarisch. Auch in diesem Jahr fanden zahlreiche Prozesse gegen antinazistische Kreise statt, die, aufs grausamste verfolgt, massenweise verhaftet, fast in allen Fällen--- auch die Frauen--- durch die Gestapo gefoltert wurden. in dem grossen Zeitzer Hochberratsprozess"" Dr Agriola und Genossen" waren unter zahlreichen sozialdemokratischen Verurteileen auch eine Reihe von Frauen, die hohe Zuchthausstrafen erhielten. 1936 Die Gewerkschaftsangestellte Valentine Schmelzer, wegen illegaler Tätigkeit verurteilt, starb im Zuchthaus. 4.8.1936 Die Sozialdemokratin Frau Neumann, Zittau, von der Gestapo schwer gefoltert,-bis zur Erblindung auf einem Auge, um Aussagen gegen ihren Mann zu erreichen, nahm sich das Leben. 1937 Die Welle der Prozesse gegen die, den Nationalsozialismus und sein Diktatursystem ablehnenden Kreise lief weiter. Zahlreiche Frauen werden zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt.- Nach Verbussung dieser Strafen werden sie zumeist in Konzentrationslager überführt. Es gab 1937 bereits mehrere Frauenkonzentrationslager. 20.6. 1938 Liselotte Hermann, Stuttgart, zum Tode verurteilt wegen illegaler Arbeit, wurde hingerichtet, nachdem sie--- die im Zustande der Schwangerschaft verhaftet worden war--- ihr Kind geboren hatte. 1938 Unter den vielen, politischen Prozessen dieses Jahres erregte besonderes Aufsehen der gegen Spengemann und Gen.in Hannover in dem über 1000 Verhaftungen erfolgten, und viele hundette( männliche u.weibl) Sozialdemokraten vor das nazistische Ausnahmegericht gezerrt wurden. Unter den verurteilten Frauen befanden sich, u.a.: Hilde Schleider, 4 Jahre Zuchthaus.--- Luise Spengemann, 3 Jahre Zuchthaus.---- Guste Breitske, 2 Jahre Zuchthaus------ Frau Fasshauer, 2 Jahre, 3 Monate Zuchthaus. --- Auch in dem grossen Duisburger soz.Brotfabrikprozess wurden viele Sozialistinnen verurteilt. 1940 Nach dem Sieg Hitlerdeutschlands über Frankreich lieferte " Vichy- Frankreich" auch weibliche Emigranten an das Dritte Reich aus. U.aGertrud Kersten-- Hill und die Frankfurter Stadtverordnete( Hanna Kirchner die hingerichtet wurde, und Anna Bauer. 29.9.40Marie Diecher/ Dommeringen, wegen Hochverrat zum Tode verurteilt und hingerichtet. 20.10 1940 Margarete Reichenbach, Tilsit, wegen Abhören des ausländischen R Rundfunks, und Verbreitung von Nachrichten, zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Oktober 1940 Hedwig Worch, Kissel/ Main erhielt wegen Rundfunkabhören 4 Jahre Zuchthaus. Dezember 1940, Maria Fey, Wendelsheim,( wo liegt das?) zusammen mit ihrem Mann---- erhielte wegen" fortgesetztem freundschaftlichen Verkehr mit franz. Kriegsgefangenen, erhielt 2 Jahre 4 Monate Zuchthaus. 1941 Die Fälle mehren sich, in denen Verurteilungen erfolgten, weil die betr.Frauen freundlich zu Kriegs- oder KZ- Gefangenen gewesen sind. Einige Beispiele: Maria Weigel, Schützendorf( Wo?) 1 Jahr zwei Monate Zuchthaus," weil sie polnischen Kriegsgefangenen auf ihrer Arbeitsstätte freundschaftlich beistand."----- M.Ohland/ Tornesch," weil sie polnischen Kriegsgefangenen half", 2 Jahre Zuchthaus. 5.6.41 Stephanie Wirl, Kauder in Sachsen, wegen Hochverrat zum Tode verurteilt und hingerichtet. 12.6.41. Maria Schöpf wurde wegen Hochverrat zum Tode verurteilt und hingerichtet. Ende Mai 1942 Käthe Seitz und ihr Mann Adolf Seitz, beide Sozialdemokraten aus Heidelberg, wurden wegen Hochverrat zum Tode verurteilt und hingerichtet 1942 Juliette Kättele, Esslingen, wurde wegen" voksverräterischer Feindes hilfe durch Propaganda zum Tode verurteilt und hingerichtet. 36 Chronik März 1942 Unter den unzähligen jüdischen Menschen, die auf Befehl Hitlers täglich zu tausenden umgebracht wurden, befand sich auch Kathe Leichter, eine der stärksten, jungen Begabungen der sozialistischen Frauenbewegung Oesterreichs. 1942 Summarisch. Viele Frauen wurden wegen Abhörendes ausländischen Rundfunks," Hochverrat" Hilfe für Kriegsgefangene oder für die immer und andeschrecklicher verfolgten und zur Ausrottung durch Vergasung ren fabrikmässigen Mordarten bestimmten Juden bestimmten Juden, von den Nazigerichten --- Katharina Junkes, Homburg* s ,?)( Wasist S?) Mutter von sieben Kindern, bekam wegen Abhören fremder Sender eine hohe Zuchthausstrafe. verurteilt. 1943 Summarisch. Unter den vielen Verurteilungen von Frauen in diesem Jahre hoben sich vor allem die hervor, die wegen Hilfe für jüdische Menschen erfolgten. Julia Lager/ Friedrichshafen wurde, wie es in de Urteilsbegründung Kaishiess" wegen Beteiligung an Menschenschmuggel" ( soll heissen: Rettung von Juden) verurteilt. Luise Mawitz, Berlin, wurde von der Gestapo verhaftet, weil" sie sich jahrelang an der Rettung von Juden beteiligte". 22.2.1943 Die Studentin Sophia Scholl wurde in Gemeinschaft mit ihrem Bruder und anderen Studenten" wegen Verbreitung antinazistischer Flugblätter" zum Tode verurteilt und hingerichtet bei Bielefeld,/ 1.12.1943 Frieda Horstbrinck, Brönninghausen,/ wurde" wegen Hochverrat und Verbreitung fremder Rundfunkmeldungen" hingerichtet. Oktober 1943 Karoline Höppner, Neusalz, wurde,-mit ihrem Manne-" wegen Abhören fremder Sender" zum Tode verurteilt und hingerichtet. 4.11.1943 Lina Beckmann, Brönnighausen gei Bielefeld, wurde, mit ihrem Mann, wegen" Hochverrat und Bildung von Gruppen zum Abhören fremder Rundfunkmeldungen" zum Tode verurteilt und hingerichtet. 1944 Zu den Anklagepunkten für die Verurteilung vieler Frauen zu hohen Strafen gehörten in diesem Jahre insbesondere:" Dauernde Beleidigung des Führers"---" Abhören des Feinsenders und Weitergabe von Nachrichten"-------" Systematische Wehrkraftzersetzung"-----" Beistand an Kriegsgefangenen und Juden" 1944 Hilde Monte, führende Grenzfunktionärin,( der illegalen antinazistischen Bewegung) wurde beim Ueberschreiten der Schweizer Grenze von SA erschossen August 1944 Freifrau von Polombini, wurde mit ihrem Mann" weil sie nach dem missglüchten Attentat( vom 20. Juli 1944) dem steckbrieflich verfolgten Oberbürgermeister Gördeler Versteck gewährten" zum Tode verurteilt. 9.9.1944 Elisabeth von Thadden, frühere Leiterin des Mädchen- Land- Erziehungsheimes Schloss Wieblingen und nach dessen Nazifizierung beim" Roten Kreuz" beschäftgt, wurde" wegen Vorbereitung zum Hochverrat" am 1.7.44 zum Tode verurteilt und hingerichtet. 17.10.44. Anna Koltoi, die Leiterin der ungarischen Eisenarbeitergewerkschaft, wurde von den Nazigardisten an ihrer Wohnungstür niedergeschossen. 1944. Die Landesleiterin der ungarischen, sozialdemokratischen Frauen, Anna Knurr, wurde in Auschwitz umgebracht. 25./26. 10. 1945 Zu Beginn der ersten Funktionärinnenkoferenz der sozialistischen Frauenorganisation Oesterreichs wurde der in den Nazijahren ermordeten Sozialistinnen gedacht. Dr.Margarete Hilferding, Dr.Kathe Leichter, Hedwig Gunst, Franziska Lang, waren mit tausend anderen in den Gaskammern der KZ umgebracht worden, Luise Kautsky und Lily Fulda im KZ Auschwitz gestorben, Käte Nowotny und Margarete Necas an den Folgen der Haft gestorben. Lily Fulda und Mathilde Eisler von der Gestapo verschleppt, Sophie Pigler in den Selbstmord getrieben worden.Therese Schlesinger und Helen Bauer waren in der Emigration gestorben. 37 Februar 1933 Chronik Kathe Kollwitz trat aus der" Akademie der Kunste" aus.Als man später beabsichtigte, sie dem dritten Reich genehm zu machen, lehnte sie einen solchen Versuch mit den Worten ab:" Ich will und muss bei den Gemassregelten stehen. Die wirtschaftliche Schädigung..... ist eine selbstverständliche Folge. Tausenden geht es ebenso. Darüber muss man nicht klagen." März 1933 Die Sozialdemokratische Funktionärzeitschrift" Genossin", redigiert von Herta Gotthelf, erschien zum letzten mal. Der nationalsozialistische Terror hat die sozialdemokratische Frauenbewegung und Frauenarbeit vollkommen zerstört und unmöglich gemacht. 1933 Die Dichterin Ricarda Huch trat ostentativ aus der nazistisch umgebildeten" Preussischen Akademie der Künste und Wissenschaften aus. 1933. 8.4. Die sozialdemokratische Reichtagsabgeordnete/ Toni Pfulf/ aus Bauern, nahm sich das Leben, weil sie den Sturz Deutschlands in die Nazibarbarei nicht ertrug(??? Kann man nicht so formulieren) Sie hatte schon vorher einen missglückten Selbstmorversuch gemacht( in der Nacht der Heimfahrt von der Reichstagssitzung am......... an der sie noch mit der Rumpffraktion an der Sitzung des Reichstages teilgenommen hatte, nachdem sie in der Fraktion vergeblich für Fernbleiben aus der Sitzung pladiert hatte.)--- In einem Abschiedsbrief an Dr Breitscheid schrieb sie: Seid nicht böse und seht es nicht als Flucht an, was es nicht ist. Grüsst alle guten Freunde und besonders Otto( Wels) und viel Glück auf den Weg." 1933 Die" Internationale Frauenliga für Friede und Freiheit" wurde vom Naziregime in Deutschland verboten. Mai 1933 Die letzte Vorsitzende des" Bund Deutscher Frauenvereine" Agnes von Zahn- Harnack, 18st freiwillig den Bund auf. 1933. Elsa Brandström, der schwedische" Engel der deutschen Kriegsgefangenen in Sibirien" die mit dem deutschen Sozialdemokraten Prof. Ulich verheiratet war, ging mit ihrem Mann in die Emigration, nachdem die von ihr geschaffenen Pflegeheime von den Nazi beschagnahmt worden waren. 1.1.1934 Frau Scholz- Klink, die Leiterin der NS- Frauenschaft, wurde vom Naziregime mit der Leitung des Frauenarbeitsdienstes beauftragt. 4.7.1934 Madame Marie Curie, Entdeckerin des Radiums, und zweimal Nobelpreisträgerin, gestorben/ 8.9/ 1984 Adolf Hitler. Auf einer Tagung nationalsozialistischer Frauen erklärt der Diktator:" Das Wort von der Frauenemanzipation ist ein, nur vom jüdischen Intellekt erfundenes Wort. Die deutsche Frau brauchte sich in den wirklich guten Zeiten des deutschen Lebens nie zu emanzipieren. Ihre Welt ist ihr Mann, ihre Familie, ihre Kinder und ihr Haus. Jedes Kind, dass sie zur Welt bringt, ist eine Schlacht, die sie besteht für Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes. Wenn früher die liberale, intellektualistische Frauenbewegung in ihrem Programm viele Punkte enthielt, die ihren Ausgang vom sogenannten Geist nahmen, dann enthält das Programm unserer nationalsozialistischen Frauenbewegung nur einen einzigen Punkt, und dieser Punkt heisst" Das Kind" 38 1935 Chronik Die Negerpädagogin Mary Bethune gründete den" Verband amerikanischer " Neger frauen. 1935 In England wurde durch Gesetz die Ehefrau in vermögensrechtlicher Hinsicht dem Manne gleichgestellt. Was auch gegenseitige Unterhaltspflicht bedeutet. Das Gesetz über die Vormundschaft stellte die Rechtsgleichheit von Vater und Mutter in der elterlichen Gewalt fest. 1936 Schweden. Die Reichstagabgeordnete Disa Västberg wurde die Vorsitzende des" Sozialdemokratischen Frauenverbandes Schwedens", der um diese Zeit 500 Ortsgruppen mit ca. 20 000 Mitgliedern zählte. ( 1951. 1200 Ortsgruppen, 60 000 Mitglieder) 6.5.1936 Die frühere Reichstagsabgeordnete( Sozialdemokratin) und Redakteurin der" Gleichheit" Clara Bohm- Schuch, gestorben. Ungezählte Berliner ( Hitlerzeit) nahmen demonstrativ an ihrer Beisetzung teil und überhäuften den Sarg mit Blumen. 9.3.1939 Adelheid Popp, geboren 1869 I, Proletarierkind, besonders arme Kindheit und Jugend, Führerin der Oesterreichischen Frauenbewegung, Parteivorstandsmitglied und Reichstagsabgeordnete, gestorben. 1940.Die sudetendeutsche Sozialdemokratin Fanny Blatny, die in Gemeinschaft mit Alfred Kleinberg das" Denkmal der unbekannten Arbeiterin" geschrieben hatte, bildete als Emigrantin in London eine" Internationale Sozialistische Frauengruppe", der neben englischen Sozialistinnen vor allem sozialistische Emigranten( weibliche) aus Deutschland, Oesterreich, dem Sudetengebiet, aus Frankreich, Belgien, Italien, Dänemark, Norwegen.Holland, Polen angehörten. Personen: Herta Gotthelf, Marthe Levi, Marianne Pollak, Luci De jardin, Fanny Blatny u.a. 1942 Deutschland. Hitlerzeit. Die offizielle nationalsozialistische Zeitschrift " Frauenwarte" schätzte die Mitglieder der" NS- Frauenschafty Frauenwerk" auf 6.2 Milionen, wozu 4,8 Millionen Mädchen zwischen 10 und 20 Jahren in NS- Jugendorganisationen kamen, insgesamt also ein Drittel der damals 37,8 Millionen umfssenden weiblichen Bevölkerung/ Deutschlands. Unter diesen" erfassten" Frauen und Mädchen waren viele Zwangsmitglieder. 1944 Die bekannte Zeitschrift der bürgerlichen Frauenbewegung XXXXXXX " Die Frau" herausgegeben von Helene Lange und Dr Gertrud Bäumer, bestand seit ihrer Gründung 1892, musste" wegen Papiermangel" ihr Erscheinen einstellen. 22.4.1945 Kathe Kollwitz gestorben. geb.8.7/.1867 in Königsberg/ Ostpreuss. starb im Moritzburg. Sachsen. 1945 Frankreich. Die provisorische Regierung führte--ohne auf Widerstand zu stossen--- das gleiche Wahlrecht für Frauen ein. Es spielte dabei eine Rolle, dass die Frauen in so hohem Masse an der Widerstandsbewegung beteiligt gewesen sind. 39 1945 Chronik In der Chata der UNO, die von 50 Staaten unterzeichnet wurde, wurden im 1.Kapitel die gleichen Rechte von Mann und Frau festgelegt:" Den Glauben an die Grundrechte des Menschen, an die Würde und an den Wert der menschlichen Person, an die gleichen Rechte von Männern und Frauen, grossen und " usw. kleinen Völkern erneut zu bekunden...... 11 1945 Die chilenische Dichterin und Pädagogin Gabriele Mistral erhielt den Nobelpreis für Literatur. 26.11.- 1.12.1945 Grundung der*****" Internationalen Demokratischen föderation"( IDFF) in Paris, eine getarnt kommunistische Organisation unter Leitung von Eugenie Cotton. Angeblich waren von 40 Nationen 900 Delegierte anwesend. 1946 Die 1.Generalversammlung der UNO empfahl allen angeschlossenen Staaten den Frauen gleiche Rechte mit den Männern zu geben. Januar 1946 An der Vollversammlung der UNO nahmen nur wenige weibliche Delegierte als Vertreter ihrer Regierungen teil. u.a. Eleonore Rosssevelt für die USA, Ellen Wilkinson für England, auch Dänemark und einige lateinamerikanische Staaten entsandten Frauen. 29.4.1946 Der UNO- Unterausschuss für den Status der Frau trat zum erstenmal zusammen. Vorsitzende wurde die Dänin Bergrtrup, ihre Stellvertreterin XXX Minervo Bernhadino von Sant Domingo. 9.11.1946 Auf dem ersten sozialdemokratischen Parteitag in Hannover ( Nach Hitler) wurde Herta Gotthelf in den engeren Vorstand der Sozaldemokratischen Partei Deutschlands gewählt. 29.10.1946 Das Statistische Amt in Wiesbaden gab den weiblichen Anteil der Bevölkerung mit 55,6%, für Grosse Berlin sogar mit 60% an. 1939 hatte man mi* XX auf 100 Männer, 105 Frauen gezählt, jetzt aber, als Auswirkung des 2. Weltkrieges-auf 100 Männer 125 Frauen. 21.- 23/ 5. 1947 In Bad Boll fand die erste" Interzonale Frauenkonferenz" statt, an der 204 Frauen aus 4 deutschen Zonen teilnahmen. Wie berichtet wurde, bestanden 42 überparteiliche Frauenorganisationen( ohne die konfessionellen und der Berufsverbände. 8.2.1947 Ellen Wilkinson, die" rote Ellen" der englischen Arbeiterpartei, zuletzt Kultusminister der Arbeiterregierung, ist gestorben. 26./27.6. 1947 In Fürth fand die erste Reichsfrauenkonferenz der wiedererstandenen Sozialistischen Frauenbewegung statt. Louise Schröder, Herta& Gotthelf und Erich Ollenhauer referierten und als ausländische Gäste waren Gabriele Proft und Rosel Jochmann( Oesterreich) anwesend. 40 Chronik 20.7.1947 Die überparteilichen Frauenverbände der britischen Zone schlossen sich zum" Frauenring der britischen Zone" zusammen. Unter dem Vorsitz von Frau Regierungspräsident Thea Bänisch. 7.- 9.3.1947 In Berlin erfolgte die Gründung des sogenannten" Demokratischen Frauenbundes Deutschlands". Das ist eine kommunistisch beherrschte Organisation. Nach der Behauptung der Vorsitzenden Elli Schmidt wollte er am 1.12.1950 bestimmt i, 012, 983 Mitglieder umfasst haben. Er wurde im Mai 1948 in den Internationalen Demokratischen Frauenbund aufgenommen. ( IDFF) siehe Meldung vom 26.11.- 1.12.1945.( IDFF) 1947 Mary Sutherland, die Frauense krtärin der Englischen Arbeiterpartei wurde als Vertreterin Grossbritaniens in den UNO- Unterausschuss für Frauenfragen delegiert. 16.3.1948. Emmi Freundlich, die Gründerin und Präsidentin der Internationalen Frauengenossenschaftsgilde, starb in New York. XXXXX 4.- 7.6. 1948 Erste Internationale Sozialistische Frauenkonferenz, auf der nur die westeuropäischen Länder, darunter Deutschland, vertreten waren. Es referierten: Nina Andersen( Dänemark) Alice Bacon( England) und Gabriele Proft( Oesterreich) Zweite 7.- 9.9.1948. In Wuppertal tagte die**** sozialdemokratische Frauenkonferenz nach dem Kriege. Nina Andersen referierte über das Thema: " Die Frau in der Internationale."-- Dr Elisabeth Selbert über: " Die Rechtsstellung der Frau".---- Irmgard Enderle über:" Frauenerwerbsarbeit" -- September 1949 Die Wahl zum 1.Deutschen Bundestag brachte unter 405 Abgeordneten- 31 Frauen in das Parlament. Darunter folgende 14 Sozialdemokratinnen: Luise Alberts, Lisa Albrecht, Clara Dehring, Dr.Elinor Hubert, Irma Keilhack, Lisel Kipp- Kaule, Lisa Korpspeter, Annie Krahnstöver, Gertrud Lockmann, Emmy Meyer- Kaule, Frieda Nadig, Martha Schanzenbach, Louise Schröder, Käthe Strobel,---- Unter den bürgerlichen Frauen waren die bekanntesten: Helene Wessel- Zentrum) und Dr.Helene Weber( CDU) Die Wahlberechtigten setzten sich zu 60% aus Frauen und zu 34% aus Männern zusammen. 1949 Diese Notiz gehört vor die vorstehende*** Im Parlamentarischen Rat, der das Grundgesetz der Westdeutschen Bundesrepublik auszuarbeiten beauftragt war, gelang es der Sozialdemokratin Dr.Elisabeth Selbert den Artikel 3 durchzusetzen: 11. Chronkk 7.10.1848 Endgültiger Zusammenschluss aller überparteilichen, überkonfessionellen Landesverbände( der Frauen) der Westzonen und Westberlins in Bad Pyrmont, in" Detscher Frauenring". 11.1.1950.Die Dänische Schriftstellerin und Sozialistin Karin Michaelis geb.am 20.3.1872, in Randers, ist gestorben. Sie schrieb u.a. das in viele Sprachen übersetzte Buch" Das gefährliche Alter". 14.67.1950. Catharina Bruce Glacier, Pastorentochter, seit 1890 Sozialistin, Mitbegründerin der Englischen Arbeiterpartei, Schriftstellerin und volkstümliche Pionirin des Englischen Sozilismus, gestorben. September 1950. Die Dänische Sozialistin Bodil Koch, Dr.der Theologie, wurde zum Kirshenminister der Sozialistischen Regierung Dänemarks ernannt. ( Regierung Hedhoft) 31.12.1950 Prof.Anna Siemsen, geb.1870( 18.1.) in Mark bei Hamm, i.Westf.im Hanburg gestorben. 14.6.1950. Die Ungarische sozialdemokratische Abgeordnete Anna Kethly wurde von dem kommunistischen Diktaturregime Ungarns verhaftet und insgeheim zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. 1950 Erster, weibl. Justizminister Europas wurde die 39 jährige Helga Petersen, im Danischen Kabinett Eriksen. XX 1950 In 52 Ländern der Erde hatten die Frauen die Gleichberechtigung errungen.in 22 Ländern haben sie nicht die gleiche Berechtigun wie der Mann. Das ergab eine Untersuchung der UNO, in der nur 2 Frauen neben 117 Männern wichtige Stellungen inne haben. 3.9.1950.Bei derVolkszählung in der Deutschen Bundesrepublik wurde eine weibl. Bevölkerung von 25,2 Mill.neben 22,4 Mill.Männern festgestellt. Der Frauenüberschuss hat sich gegenüber 1939 vervierfacht.Betrug er damals o, 7 Mill.so sind es jetzt 2,8 Mill.--- Die Zahl der Wittwen und gesch.Frauen ist von 1,9.Mill ( 1939) auf 3,2 Mill.gestiegen.---- Bei der Hinzurechnung von 300 000 Frauen von Vermissten, erhöht sich der Anteil der Wiiwen und geschiedenen Frauen auf 13,9% der weibi.Bevölkerung.---- Auf 100 000 der Bevölkerung kamen 1839( Altes Reichsgebiet) 89 Ehescheidungen, jetzt 167.---- Die Volkszählung ergab ausserdem dass auf looo Männer in der Bundesrepublik 1113 Frauen kamen. 12.1.1951 Elfriede Ryneck, Tochter der Sozialistischen Pionierin Pauline Staegemann und lang jähriges Parlamentsmitglied( Nationalversammlung und Raag Preuss.Landtag, Parteivorstandsmitglied seit , gestorben. März 1951 Die sozialdemokratische Oberschulrätin Hildur Nygreen wurde zum schwedischen Kultusminister ernannt. Sozialdemokratische Regierung Erlander. 2.4.51 Auf der Dreijahreskonferenz des" International Council of Women" wurde der" Deutsche Frauenring einstimmig aufgenommen.( In Athen) 42. 19.20.5.1951. Chronik Auf einer Tagung in Bonn schlossen 15 deutsche" Clubs berufstätiger Frauen" sich zum" Deutscher Verband berufstätiger Frauen" zusammen, der dem Internationalen Verband berufstätiger Frauen angeschlossen wurde. 27./28. 6. 1951. In den Tagen der Neugründung der" Sozialistischen Internationale in Frankfurt/ Main, fand auch eine Internationale Frauentagung statt,( sozialistische Frauenkonferenz.) 27.u.28.10.1951 In Fulda tagte die zentrale Sozialdemokratische Frauenkonferenz, auf der Dr.Elisabeth Selbert über die Anwendung des Artikels 3 des Grundgesetzes auf das Bürgerliche Gesetzbuch, und Frau Minna Specht über Sozialistische Lebenshaltung" sprachen. 19.bis 21.9.1951. In Kopenhagen tagte eine Internationale Genossenschaftliche Konferenz der Frauen der Genossenschaft. 1951. Italien. Die christlich- demokratische Abgeordnete Angela Maria Gugolani Guide wurde zur Staatssekretärin für das Handwerk im italienischen Industrie- Ministerium ernannt. 1951 Die Negerrepublik Haiti gab den Frauen das Gemeindewahlrecht. Griechenland und Libanon führten das Gemeindewahlrecht für Frauen ein. 1951 Die Oberlandesgerichtsrätin Dr.Elisabeth Krumme wurde als erste Frau ins Bundesgericht gewählt. 1951 In USA gehören 9 Frauen dem Repräsentantenhaus an. In den 40 Staaten Nordamerikas arbeiten jetzt 215 Frauen an wesentlichen Stellen der Verwaltung mit.( 1929 nur 29.) 25% aller( wesentlichen?) Stellen sind von Frauen besetzt. 1952. 5.6. Dr Maria Montessori, die in Rom als Kinderärztin begann und mit deren Namen ein freiheitliches Erziehungssystem verbunden ist, gestorben. 25.10. 52. Indiens Frauen übten zum ersten mal ihr Wahlrecht aus.( 70 Mill.) Z.B.Arbeiterinnenvereine schon um 1890 herum gegründet: Verein der Schäfte arbeiterinnen( und Arbeiter) Parteitag in Halle, Herbst 1890 1893 wurde de llstündige Arbeitstag für Frauen 1892 trat das GewerbegerichtsGesetz in Kraft, ohne den Frauen ein Recht einzuräumen Berliner Parteitag 1892 Frauenfrage.Aenderung des Statuts, resp Programm siehe Ottilie Baader 1894 Parteitag in MAKK Frankfurt/ Main1893 Auflösung des Reichstages Ablehnung der Militärvorlage ( siehe Baader) ( Baader] ( Beader) Cranz renz bren Wahlwahlverein del Gewerksch berief Berlin( Baader) Juni 1900 Novelle zur Gewerbeordnung ( Baader) August 1900 Tod Wilhelm Liebknecht( Baader) Sommer 1900 Weltausstellung in Paris( Baader) 15.September 1900 Parteitag in Mainz und erste Frauenkonferenz Baader): vorbereitet. Dort einstimmig gewählt 1902 in München, Parteitag mit Frauenkonfrenz u.a. Wie bilden wir Agitatorinnen heran? bis 1904/ 1903/ Streik in Crimmitschau Weber und Weberinnen Baader) bedingslos abgebrochen. 1888 1898 1898 Reichstagswahl bis 1903 Vereinsgesetz erlaubt Frauenwahlvereine währen Wahlzeit( Baader) 20.April 1903 erster Frauenwahlverein in Berlin März 1904 Generalkommissin der Gewerkschaften berief Heimarbeiter- Kongress nach Berlin( Baader) Kinderschutzgesetz von 1903, in Kraft 1. Jan.1904 3. Parteitag und Frauenkonferenz in Bremen 1904( Baader Ende 1905 wurden Ausnahmebestimmungen des Kinderschutzgesetzes aufgehoben, Nun Kinderschutzkommissionen. ( Baader) Mannheim 1906.Viette Frauenkonfrenz zusammen mit Parteitag( Baader) 1906 Auflösung des Reichstags 1907 in Stuttgart, internationaler Kongress und erste internationale Frauenkonfrenz.Redaktion der Gleichheit wurdeZentralstelle fuer Berichte ( Baader) 1907 in Berlin ausserordentliche Frauenkofrenz Helene Grünberg, Dienstbotenfrage( Baader) 1908, Reichvereinsgesetz.Nürnberg, Frauenkonfrenz und Parteitag.Ende der Zentralvertrauensperson.Frau im PV. eit obat 9892 718 bteft $ 1908, Reichsvereinsgesetz Ottilie Baader geb.30.5.1847 gest.24.7.1925 Erste deutsche Frauenkonfrenz 15.Sept.1900, Wahl von Ottilie Baader zur Zentalvertrauensperson der Genossinnen Deutschlands Sozialistengesetz von 1878-1890 Buch Die Arbeiterin im Klassenkampf.von Emma Ihrer( 1898) 1891 Gründung der" Gleichheit" durch Emma Ihrer z.T.mit eigenen Mitteln Uebernahme durch J.H.W.Dietz 1892 dann Redaktion Klara Zetkin Name Ihrer blieb einige Jahre bestehen. 1890" Die Arbeiterin Vorläfer der Gleichheit durch Emma Ihrer 1890 wurde Emma Ihrer in die Generalkommission der Gewerkschaften gewählt. 1890 Arbeiterinnenvereinigung Z Patteitag in Köln 1893 siehe Baader Antrag der Frauen 1894 Parteitag in Frankfurt/ Main aus Zweckmässigkeitsgründen Auflösung der Frauenagitationskommissionen stattdessen Vertrauenspersonen Richtlinien, Baader XXXX XX XXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX Berliner Frauen- Agitationskommission hatte sich nicht aufgelöst( 1894) wurde aufgelöst( Polizelich) 1895, Berufung.Gerichtsbeschluss Grosse Frauen- und Mädchenbildungsverein geschlossen. Gerichtsurteil 20. März 1895 Berlin hatte zentrale Aufgaben, die durch die Aufl8sung der Frauenagitationskommission gestört wurde. Deshalb Wahl einer Vertrauenesperson in öffentlicher Versammlung. Ottilie Gerndt. wurde damit erste Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands 1895 wichtige Forderungen zugunsten der Frauen im Reichstag.Versammlungsrecht. usw.( Baader) 1895 forderte Bebel im Reichstag das Frauenwahlrecht 1895, Oktober, Parteitag in Breslau, erstes Auftreten der Zentralvertrauenperson der Genossinnen Deutschl. ( Baader) 1896 Internationaler Sozialisten- und Gewerschaftskong gressin London. Klara Zetkin, Emma Ihrer, Ott.Baader ( Baader 1896 Parteitag in Gotha / Margarete Wegels/ zum ersten mal Referat ueber Frauenagitation. Auseinandersetzung mit bürgerlicher Frauenbewegung gegen eine Stimme Zusammenarbeit abgelehnt( Baader) Ottilie Gerndt's Wahlzeit abgelaufen, Nachfolgerin: // 1897 Internationaler Kongress in Zurich( August) gesetzlicher Arbeiterschutz( Baader) 1897 bemerkenswerter Kongress der deutschen Schneider und Schneiderinnen.( Baader) Febr.1893 erste Versammlung der Handlungsgehilfinnen in Berlin.500 Personen( Baader) 1896 erster Kongress in Berlin 11 11 1 11 1897/ 17.März/ Lily Braun in Gleichheit Vorschläge grosse Diskussion in der Gleichheit 1897 Parteitag in Hamburg 1899 Parteitag in Hannover 1899 erstattet Margarete Wengels vor den Berliner Genossinnen ihren Bericht. Ottilie Baader wird gewählt. Aktenzeichen, Kennzeichen oder Nr.: Aus Nachlass von Marie Juchair Betrifft(Firma etc.) Geschichte der Sozialdemokratischen Frauenbewegung Nichtbildervortrag (Hannover 1950) Hester Nr. Fortsetzung von Hefter Nr. Zeitraum vom 19. Entnommene Schriftstücke Dat. Gegenstand Gegeben an Zurück Archivierungs-Hinweis: SOENNECKEN Bestellbezeichnung: für Schlitzheftung= Nr. 37 für Osenheftung= Nr. 38 Lichtbildserie Nr. 16 der S P D Referat Propaganda Hannover, Odeonstr.15/ 16 Geschichte der sozialdemokratischen Frauenbewegung Lichtbildervortrag mit 65 Bildern. Anmerkungen für Einberufer, Redner und Vorführer ( siehe auch Schluss vermerk auf der letzten Seite!) Das langsam und einprägsam vorgetragene Manuskript benötigt 60 bis 70 Minuten Veranstaltungszeit. Die Dias sind mit dem weissen Streifen oben zum Apparat hin einzusetzen. Zweckmässig wird, wenn der Apparat keine Vorrichtung dazu hat, beim Bildwechsel mit einem Bierglasuntersatz oder der Hand der Lichtkegel abgeblendet, damit das störende Verschieben der Lichtbilder auf der Leinewand vermieden wird. Der Vortragende sollte darauf bestehen, dass ihn eine kleine Lichtverbindung mit dem Vorführer verbindet Taschenlampenbirne in Sonderfassung und Batterie mit Zuleitungsdraht und Schaltdruckknopf in der Hand des Vortragenden). Beim Aufleuchten der Birne wechselt der Vorführer möglichst unauffällig das Bild.- Jedes Klopfen oder gar mündliche Auffordern zum Bildwechsel zerreist den Vortrag, ihm seine geschlossene Wirkung nehmend! -2Bild 1: Bild 2 Bild 3: Die Säerin Vor nunmehr über 100 Jahren war es, als sich zugleich mit dem Beginn der sozialistischen Arbeiterbewegung die ersten Anfänge einer Frauenbewegung in Deutschland zeigten. Diese Gleichzeitigkeit war kein Zufall. Beide Bewegungen entstanden als Folge des kapitalistischen Wirtschaftssystemes, dass sich wie in anderen Ländern auch in Deutschland durchgesetzt hatte. Mit Maschinen, Fabriken, Industrierevieren war die moderne Arbeiterklasse, jene Menschenschicht, die lange Arbeitszeit, niedrige Löhne, viele Kinder und schlechte Wohnungen hatte% 3B die bei Arbeitslosigkeit, Krankheit, Alter oder Invalidität ohne soziale Sicherung dastand und obendrein politisch wie wirtschaftlich rechtlos war. Diese unterste Schicht der kapitalistischen Gesellschaft begann sich Gedanken über ihr Los zu machen und nach einer anderen, der sozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu streben, in der alle Menschen als Freie und Gleiche miteinander arbeiten und frei von Not, menschlich leben sollten. Männer und Frauen wurden mehr und mehr, da sie ihre Not und ihre Ent würdigung peinigte, von dieser Idee innerlich ergriffen. Baluschek:" Fabrikarbeiterinnen Im Zeitalter der Maschine und der weit vorgeschrittenen Arbeitsteilung konnten die Unternehmer an unzähligen Arbeitsplätzen statt Männerhände, die viel billigeren Hände von Frauen und Kindern verwenden. Heimkehrende Fabrikarbeiterinnen, wie sie hier Baluschek malt, wurden in allen Städten ein gewohntes Bild. Das Heer ausgebeuteter Frauen und Mädchen, das es in der Landwirtschaft und bei der Heimarbeit gab, wurde durch die Fabrikund Bergarbeiterinnen gewaltig vermehrt und M ihnen traten immer mehr weibliche Angestell an Tausenden von Punkten des modernen Wirtschaftslebens. Während die Frauenarbeit fortgesetzt zunahm, sank die Zahl der Männer in manchen Industriezweigen. Im Jahre 1882 waren von 23 Millionen Frauen in Deutschland schon 5 1/2 Millionen erwerbstätig, ungefähr 1/4 aller Erwerbstätigen stellten sie dar. Frauen- und Kinderarbeit im Bergwerk Der Frühkapitalismus scheute vor schlimmster Ausbeutung von Frauen und Kindern nicht zurück und ging buchstäblich über Leichen. Noch um 1840 wurden in England Frauen und Mädchen in 14-16 stündiger Schicht in den niedrigen Bergwerksstollen zum Schleppen von Kohlen und Eisenstein benutzt. Kinder von 8 Jahren teilten dieses Schicksal, sogar 4- 8jährige wurden unter-3K Bild 4: -3irdisch beschäftigt, u.a. um die Wettertüren zu öffnen. Dort sassen sie endlos im Dunkel und der schlechten Grubelluft und dämmerten seelisch und geistig dahin, Auch in Deutschland gab es Ähnliches. Noch im Jahre 1904 wurde auf einer sozialistischen Reichskonferenz berichtet, dass im Kreise Aachen Kinder vom 4.Lebensjahr an mit dem Aufnähen von Knöpfen, Haken und Oesen beschäftigt wurden. Für drei Dutzend bekamen sie 1 Pfg.%; B sie kamen täglich auf einen Lohn von 8- 10 Pfennige. Luise Otto Peters Auch Frauen und Mädchen der bürgerlichten Schichten spürten die Auswirkung der Industriezeit und des Kapitalismus auf ihre Lage. Durch die Industrie ging die Bedeutung hauswirtschaftlicher Berufe immer mehr zurück. Maschinen erledigten vieles, was früher Frauenhände getan hatten. Berufs- und Ehemöglichkeiten verschlechterten sich. Viele bürgerliche Mädchen und Frauen suchten nach neuen Berufen, brauchten bessere Bildung und Ausbildung, aber in dem Bestreben standen ihnen die Männer ihrer eigenen Schicht abwehrend im Wege. Fortgeschrittene bürgerliche Frauen, von diesen Tatsachen aufgewühlt und angerührt von den freiheitlichen Ideen des nordamerikanischen Unabhängigkeitkrieges und der französischen Revolution, wurden die ersten Sprecherinnen des unterdrückten Frauengeschlechts. Luise Otto- Peters, eine Beamtentochter, wurde die Lerche" der deutschen Frauenbewegung. Auf einer Reise in Etzgebirge wurde sie durch die sozialen Gegensätze zwischen dem Fabrikreichtum und der Armut der Heimarbeiterinnen tief erschüttert. In ihren sozialen Gedichten und Romanen sprach sie aufrüttelnd diese Erlebnisse aus. Bereits 1847 schrieb sie, dass die Beteiligung der Frauen am Staatsleben nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht sei. Sie forderte eine bessere allgemeine Bildung und wirtschaftliche Selbständigkeit für die Frauen. In einem offenen Brief an die" Arbeiterverbrüderung und ihren Kongress dankte sie diesen ersten Vorkämpfern der Arbeiterbewegung dafür, dass sie sich für die Gleichberechtigung der Frauen ausgesprochen und sagte zum Schluss: " Wollt ihr mir gestatten, unter euch die Sache unserer armen Schwestern, der Arbeiterinnen, zu vertreten, so wird es mein Stolz und meine Freude sein". 4m -4Bild 5: Bild 6: Bild 7: Frauen in der Revolution 1848/49 Als im Jahre 1848 das demokratische Bürgertum die Demokratie zu erringen trachtet, klopften die Herzen von Luise Otto- Peters und anderer fortschrittlicher Frauen mit den Freiheitskämpfern. Manche dieser Frauen, so Emma Herwegh und Mathilde Franziska Anneke begleiteten ihre Männer in die gefahrvollen Kämpfe, wie unser Bild zeigt. Sie suchten mit der Freiheit für das Volk, auch die für ihr Geschlecht. Als dann 1849 die Reaktion unter Führung der preussischen Monarchie die demokratische Bewegung gewaltsam niederwarf, war für viele Kirchhofsruhe über Deutschland gekommen. Mit den Ansätzen der Demokratie, zur Arbeiterbewegung, wurden auch die Anfänge der Frauenbewegung beseitigt. So wurde u.a. auch die" Deutsche Frauenzeitung" von Luise Otto- Peters verboten. Die Achtundvierzigerinnen( Johanna Kinkel, Emma Herwegh, Mathilde Franziska Anneke, Malvida von Meysenburg, W.Schröder- Devrient) Wehe den Besiegten!- so hiess es auch damals. Luise Otto- Peters wurde aus vielen Städten ausgewiesen. Sieben Jahre lang wartete sie auf ihren eingekerkerten Verlobten, den Arbeiterschriftsteller Peters, der dann nach 6jähriger Ehe an den Folgen der Kerkerjahre starb, Die meisten der" Achtundvierzigerinnen", wie die bedeutenden Frauen jener Jahre genannt wurden, mussten das bittere Brot der Emigranten schmekken. Johanna Kinkel( oben links), die Gattin des Gelehrten und Dichters, erwarb sich in England den Namen einer" Mutter der Emigranten"; Freiligrath verherrlichte sie in dem schönen Gedicht" Nach Johanna Kinkels Begräbnis". Emma Herwegh( oben rechts) musste mit ihrem Mann, dem glühenden Sänger der Freiheit, viele Jahre in der Verbannung leben.- Mathilde Franziska Anneke( unten links) die dichterisch begabte Frau eines Revolutions offiziers, wurde in Amerika eine der ersten und kühnsten Kämpferinnen für die Gleichberechtigung der Frauen und Gründerin einer bedeutenden Mädchenschule.- Malvida von Meysenburg schrieb fern von Deutschland ihre noch immer Iesenswerten" Memoiren einer Idealistin". Die grosse Sängerin Wilhelmine Schröder- Devrient ( unten rechts) bewahrte das heisse, freigesinnte Herz, wohin sie auch das Schicksal trug. Karl und Jenny Marx Zu den" Achtundvierzigerinnen" ist auch Jenny Marx zu zählen, die Schwester des reaktionären preussischen Innenministers von Westphalen. Sie war keine Frau des politischen Vordergrundes, keine Rednerin, keine Schriftstellerin, aber sie folgte treulich und von der Sache überzeugt, ihrem Manne, dem grossen sozialistischen Denker -5 Bild 8: Bild 9: -5Karl Marx, von einem Exilland zum andern. Oft litt die Familie bittere Not, langte es nicht zur Miete, einmal fehlte für ein neugeborenes Kind die Wiege und einmal für ein frühgestorbenes der Sarg. Ohne Jenny Marxens Treue und Aufopferung wäre es Karl Marx nicht möglich gewesen, seine bahnbrechenden Werke, darunter" Das Kapital", zu schreiben und geistig wie organisatorisch den kommenden Aufstieg der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung vorzubereiten. Lassalle und die Gräfin Hatzfeld In den 60- er Jahren regten beide unterdrückten Bewegungen die der Arbeiter und der Frauen, aufs neue. 1863 gründete Ferdinand Lassalle mit Arbeitervertretern aus Leipzig und anderen Orten den" Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein". Damit gingen die deutschen Arbeiter ihren eigenen politischen Weg, sie wollten nicht mehr Anhängsel bürgerlicher Parteien bleiben. Lassalles" Arbeiterverein" forderte u.a. das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht, aber noch nicht für die Frauen. Arbeiterfrauen spielten in dieser Arbeiterpartei noch keine aktive Rolle. Doch ist bezeichnend für Lassalle, dass er länger als ein Jahrzehnt als Sachwalter der von ihrem hocharistokratischen Mann schändlich behandelten Gräfin von Hatzfeld kämpfte, bis sie die Freiheit und ihr Vermögen erlangte. Nach Lassalles frühem Tod gewann sie auf Teile des" Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" ziemlichen Einfluss, ohne dass dieses der Sache diente. Sie war nicht beteiligt, als 1855 Luise OttoPeters mit anderen" Achtundvierzigerinnen", u.a. Auguste Schmidt und Henriette Goldschmidt in Leipzig auf einer von ihr einberufenen Frauenkonferenz den" Allgemeinen Deutschen Frauenverein" gründete. August Bebel Im Jahre 1869 gründeten August Bebel, Wilhelm Liebknecht und ihren Gesinnungsgenossen in Eisenach die" Sozialdemokratische Arbeiterpartei", weil sie mit manchen Auffassungen des in mehrere Richtungen zerfallenen Lassalleanischen Arbeitervereins nicht übereinstimmten. Bebel, der an seiner frühverstorbenen Mutter und an seiner tapferen Frau Julie die besten Eigenschaften des weiblichen Geschlechtes kennengelernt hatte, wollte in das Eisenacher Programm die Forderung nach dem Frauenwahlrecht aufnehmen. Eine schwache Mehrheit hielt das für verfrüht, da die Frauen noch nicht genügend reif wären. Sie waren aber der Auffassung, dass in der sozialistischen Gesellschaft die Gleichstellung beider Geschlechter selbstverständlich sei. Im gleichen Jahr, 1869, gründete Luise Otto- Peters den" Verein zur Fortbildung und geistigen Anregung der Arbeiterfrauen", der nur kurze Zeit bestand. Bedeutungsvoller war der" Verein zur Ver-6 -6Bild 10: Bild 11: tretung der" Interessen der Arbeiterinnen der von der später zur Sozialdemokratie kommenden Gräfin Gertrud Guillaume- Schack ins Leben gerufen war. 1872 gründeten die Genossinnen Hahn und Pauline Staegmann den ersten" Berliner Arbeiterfrauen- und Mädchenverein", der eine vollständige soziale Umwälzung der Gesellschaft zur Besserung der Lage des Frauengeschlechtes für notwendig hielt. Und 5 Jahre später von der Polizei wegen sozialistischer Tendenzen aufgelöst wurde. Bebels" Frau und der Sozialismus" Die ersten sozialdemokratischen Frauen regten sich so eifrig und hatten in August Bebel einen so überzeugten Vertreter, dass bei der 1875 in Gotha vorgenommenen Verschmelzung der " Lassalleaner" und" Eisenacher" die Forderung nach dem Frauenwahlrecht in das neue, das Gothaer Parteiprogramm aufgenommen wurde. Im Jahr vorher stellte die Sozialdemokratie durch ihre 12 Reichstagsabgeordneten einen Arbeiterschutzantrag, in dem Arbeitszeitverkürzung für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen, Verbot der Nachtarbeit für sie und Schwangerenschutz gefordert wurde. 1879 ereignete sich eine Sensation in der Geschichte der Frauenbewegung. Es erschien August Bebels berühmtes Buch" Die Frau und der Sozialismus". In ihm fand sich das oft zitierte Wort: " Es gibt keine Befreiung der Menschheit ohne die soziale Unabhängigkeit und Gleichstellung der Geschlechter." Es wurde in viele Sprachen übersetzt, hat zahllose Frauen geistig erweckt und unzählige dem Sozialismus gewonnen. Da es bald nach Erlass des Sozialistengesetzes erschien, wurde es getarnt, in gelbem Umschlag, mit dem Titel" Engels Statistik" verbreitet. Unser Bild zeigt die Vignette der 50. Auflage, die mehrere Jahre vor dem 1.Weltkrieg erschien. Das Sozialistengesetz, mit dem Reichskanzler Bismarck die aufsteigende Sozialdemokratie zwischen 1878 und 1890 zu vernichten trachtete, ihre Zeitungen und Organisationen verbot, unzählige mit Gefängnisstrafen oder Ausweisungen traf, hat die Bewegung nur vertieft und gestärkt. Die Partei wurde unterirdisch, getarnt, am Leben erhalten. Und besonders halfen Frauen dabei und trotzten Gefahren und Leiden. Frau Guillaume Schack gründete 16 Arbeiterinnenvereine und gab in Offenbach das Vereinsorgan " Die Staatsbürgerin" heraus, das sozialdemokratischen Geist atmete. In Berlin entstand die erste deutsche Frauengewerkschaft, der" Verein der Mantelnäherinnen und die Zentral- und Begräbniskasse für Frauen und Mädchen", die eine wichtige Deck organisation für sozialistische Bestrebungen war. Die misstrauische Polizei -7. -7Bild 12: Bild 13: schlug aber bald zu: Sie verbot die" Staatsbürgerin, verbot eine Reihe von Arbeiterinnenvereine und wies die Gräfin Guillaume Schack die durch Heirat Schweizerin war, als" lästige Ausländer in" aus Deutschland aus. Emma Ihrer Auf einem berliner Friedhof steht ein Denkstein mit der Inschrift" Wirken für andere war ihres Glückes ergiebigster Quell". Dort liegt Emma Ihrer begraben. Der Idealismus trieb sie aus den Reihen des Bürgertums in die verfemte Sozialdemokratie. Sie hatte während des Sozialistengesetzes eine Reihe von Arbeiterinnenvereine gegründet, die verboten wurden. Als 1890 nach einem gewaltigen Wahlsieg der sozialdemokratischen Kandidaten das Sozialistengesetz vom Reichstag nicht mehr erneuert wurde, und die Partei wieder im offenen Licht wirken konnte, gab sie- im Jahre 1891- die erste Wochenschrift für sozialdemokratische Frauen, " Die Arbeiterin", heraus, zum grossen Teil mit eigenen Mitteln. Sie wurde im Jahr vorher schon in die Zentrale der Gewerkschaften gewählt, da sie sich an der gewerkschaftlichen Frauenarbeit beteiligt hatte. Klara Zetkin Schon nach einem Jahr erhielt Emma Ihrers Frauenzeitschrift den Namen" Gleichheit". Die Redaktion übernahm Klara Zetkin, die das Blatt auf eine besondere geistige Höhe brachte. Sie war eine aussergewöhnliche Frau, von Beruf Lehrerin, sowohl als Schriftstellerin wie als Rednerin bedeutend. Sie hatte auch die Kraft, sich unter Männern durchzusetzen und war die erste Frau, die auf einem sozialdemokratischen Frauentag ein Referat hielt. Es war dies 1896, und der Parteitag beschloss, nachdem er Klara Zetkin gehört hatte, zu agitierena 1. für Ausdehnung des Arbeiterinnenschutzes, vor allem für den gesetzlichen Achtstundentag für weibliche Arbeiter; 2. für Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren; 3. für das aktive und passive Frauenwahlrecht bei den Gewerbe gerichten; 4. für gleichen Lohn bei gleicher Leistung ohne Unterschied des Geschlechtes; 5. für volle politische Gleichberechtigung der Frauen, besonders auch für das uneingeschränkte Vereins- und Versammlungsrecht; 6. für gleiche Bildung und freie Berufstätigkeit beider Geschlechter; 7. für die privatrechtliche Gleichstellung der Geschlechter; 8. für die Beseitigung der Gesinde ordnungen. -8 Bild 14:" Die Gleichheit"( früher) Bild 15: Bild 16: -8So sah die von Klara Zetkin geleitete Wochenzeitschrift" Die Gleichheit" aus, sie gewann von Jahr zu Jahr mehr Leserinnen, obwohl sie an diese hohe Anforderungen stellte und die Arbeiterfrauen oft wünschten, dass sie einfacher geschrieben werden möge. 1907 hatte sie schon 28 000, im Jahre 1914 125 000 Abonnenten. Ottilie Baader Ottilie Baader ist einmal als die" Parteimutter" bezeichnet worden. 1847 geboren, musste sie schon als Siebenjährige die verstorbene Mutter im Haushalt vertreten. Die Dreizehnjährige musste- mit der Hand- Wäsche nähen, da der Verdienst des Vaters nicht reichte. Durch einen Zufall wurde die junge Heimarbeiterin mit dem Sozialismus bekannt. Sie bezogen eine neue Wohnung, und die gehörte einem ausgewiesenen Sozialisten. Gemeinsam mit dem alten Vater las sie Bebels Frauenbuch. Sie betätigte sich bald eifrig, und verstand die Aufklärung einfacher, wissbegieriger Frauen. Die Polizei hat sie viel ververfolgt, ohne sie mutlos machen zu können. Sie wurde die erste organisatorische Leiterin der sozialdemokratischen Frauenbewegung, die sogenannte Zentralvertrauensperson und war es Jahre hindurch ehrenamtlich neben ihrer Heimarbeit. Sie hat im Jahre 1900 die erste deutsche Frauenkonferenz der Sozialdemokratie nach Mainz einberufen und in unermüdlicher Arbeit die Frauenbewegung aufgebaut. Dabei halfen ihr die in vielen Bezirken wirkenden Vertrauenspersonen der Frauen. Später wurde sie die erste hauptamtliche Frauensekretärin der SPD. Luise Zietz im Parteivorstand In den Spuren Ottilie Baaders ging Luise Zietz, die aus einfachsten Verhältnissen sich emporarbeitete. Sie war eine zähe, glühende Kampfnatur, die als Werberednerin durch alle Arbeiter gegenden Deutschlands zog, um die Frauen auf zurütteln. Damals war es in den meisten deutschen Ländern vor allem in Preussen und in Bayern- verboten, einer politischen Organisation anzugehören. Ja, die Frauen durften nicht einmal Versammlungen politischen Charakters besuchen. Oft haben sich interessierte Frauen in Männerkleidung in Versammlungen eingeschmuggelt. Später wurde es gestattet, dass Frauen- abgeteilt von den Männern, ganz hinten auf der Galerie- als blosse Mithörer dabei sein konnten. Luise Zietz schlug sich mit der Polizei überall schlagfertig herum und scheute auch Gefängnisstrafen nicht. In Hamburg und verschiedenen anderen Ländern, wo dies möglich war, gehörten Hunderte von Frauen bereits der Partei an. In den anderen Ländern be· zahlten sie freiwillige Beiträge, um die Partei zu stärken. . 191 -9Noch 1906 wurde in Bromberg eine Sozialistin, die Flugblätter ausgetragen hatte, gefesselt und mit Ketten an der Diele des Gefängnisses festgemacht, obwohl sie an Krämpfen litt. Dann kam endlich unter dem Druck der Sozialdemokratie ein Vereinsgesetz zustande, dass auch den Frauen den Weg in die politischen Organisationen freigab. Nun zogen mit einem Schlag 11 000 weibliche Mitglieder in die Partei ein. Der Weg für politisches Wirken der Frauen war frei. Nun wurde zum ersten Male eine Frau in den Partei Vorstand der SPD gewählt- es war Luise Zietz. Bild 17: Minna Kautsky und Lily Braun Bild 18: Die sozialistische Frauenbewegung zog immer mehr reichbegabte Frauen an, Hier gab es keine Halbheit- hier waren Frauen erfüllt vom Zukunftsgeist. Minna Kautsky, die Mutter des sozialistischen Theoretikers, schrieb vielgelesene Romane in der illustrierten Beilage" Die Neue Welt" und hatte eine tiefe werbende und bildende Wirkung auf die Frauenwelt. Eine andere Frau, die durch ihre Feder und ihre Rede tiefen Eindruck machte, Lily Braun, kam aus aristokratischen Kreisen. Sie war eine Tochter des Generals v. Kretzschmar und konnte mit Recht behaupten, napoleonisches Blut in den Adern zu haben. Ihr Buch" Die Frauenfrage" erregte durch die gründliche Behandlung des Themas grosses Aufsehen. Ihre Bücher" Im Schatten der Titanen" und" Memoiren einer Sozialistin" sind noch heute le senswert. Die Pastorentochter Klara Müller- Jahnke gab in ihren Gedichtsbänden" Rote Kressen" und" Sturmlieder dem Empfinden der sozialistischen Frauenbewegung starken Ausdruck. Sie hat ihnen zugerufen:" Erst misst ihr freie Menschen sein, um freie Menschen zu gebären". Mrs. Pankhurst In England bildete sich unter den borgerlichen Frauen die Suffragettenbewegung. Unter Führung von Emmeline Pankhurst versuchte man durch gewaltsame Aktionen die politische Gleichberechtigung zu erzwingen. Emmeline Pankhurst wurde 15 mal zu Gefängnis verurteilt. Unser Bild zeigt, wie sie von einem Polizisten weggetragen wird. Die deutsche bürgerliche Frauenbewegung dachte nicht an Ähnliches, Lange Zeit hindurch beschränkte sie sich auf drei Forderungen: dem Recht auf Bildung, Arbeit und freie Berufswahl, Von 1908 wagte es ein linker Flügel das Frauenwahlrecht zu fordern. Die Wege der bürgerlichen und der sozialistischen Frauen gingen aus diesen und anderen Gründen immer mehr auseinander, -10 Bild 19: Bild 20: Bild 21: Bild 22: -10Sozialdemokratischen Frauenwahlrechtsdemonstration Schon 1895 hatte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion in Parlament einen von Bebel begründeten Antrag auf Gewährung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes gestellt. Er fand von keiner der bürgerlichen Parteien auch nur die geringste Unterstützung, ja nicht einmal das geringste Verständnis. Kleine Erfolge wurden dennoch erreicht. So führte die Gemeinde Friedrichstadt in SchleswigHolstein das Frauenwahlrecht bei der Kommunalwahl als einzige Gemeinde in Deutschland ein. Die gesamte Partei setzte sich für das Frauenwahlrecht ein; die sozialdemokratischen Frauen beschlossen später, besondere Frauen demonstrationen durchzuführen. Hier sehen wir eine solche Demonstration in Berlin, Unter den Linden. Käthe Kollwitz:" Spielen verboten" Von den Anfängen ihres Bestehens hatte sich die Sozialdemokratie für Kinderschutz eingesetzt. In vielen Versammlungen wurde immer wieder in Entschliessungen gefordert: Verbot der Kinderarbeit, Kommunalisierung der Kindergärten, Anstellung von Schulärzten, Errichtung von Schulbädern, von Spielhallen usw. 1903 trat infolge dieser Agitation ein neues Kinderschutzgesetz in Kraft, ein Schritt voran. Die sozialdemokratischen Frauen beschlossen, besondere Kinderschutzkommissionen zu bilden, die auf die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen achteten, bei Misständen eingriffen und für die Arbeiterkinder, die wie die Zeichnung der unserer Bewegung angehör enden Käthe Kollwitz darstellt, oft keinen Spielplatz hatten, Veranstaltungen zu organisieren. Kinderferienkolonie Die Kinderschutzkommissionen waren Vorläuferinnen der Kinderfreunde bewegung und der Arbeiterwohlfahrt. Sie holten die Arbeiterkinder zusammen und zogen mit ihnen in der Ferienzeit ins Grüne zu Spiel und Erholung. Unser Bild zeigt Kinder in einer unserer Ferienkolonien beim Ballspiel. Die 1. Internationale sozialistische FrauenKonferenz in Stuttgart Im Jahre 1907 fand in Stuttgart der Internationale Sozialistenkongress statt. In Verbindung damit war die 1, internationale sozialistische Frauenkonferenz einberufen worden, auf der 15 Nationen durch 59 Delegierte vertreten waren. Es wurde beschlossen, künftig enge Verbindung nu halten; die Redaktion der" Gleichheit" sollte die Verbindungszentrale darstellen. Eine Entschliessung forderte verstärkten Kampf um das Frauenstimmrecht. Das führte dazu, dass im Jahre darauf als das neue Reichsvereinsgesetz auch der Frau -11 Bild 23: Bild 24: -11das politische Versammlungsrecht gab- an einem Tage, nämlich am 9. Januar 1908- 600 Demonstrationsversammlungen für das Frauenwahlrecht in Deutschland stattfand. Sie kamen alle, die Fabrikarbeiterinnen, die Heimarbeiterinnen, die Dienstboten, für die die Partei von Nürnberg aus eine besondere Organisation gebildet hatte, die Arbeiterfrauen. Der Schneesturm hielt sie nicht zurück. Am 19. März 1911 wurde zum ersten Mal der Internationale Frauentag im Zeichen des Frauenwahlrechtskampfes begangen. Allein in Berlin fanden 42 zum Teil überfüllte Versammlungen statt, Kurz vor 1914 waren es 140 000 Frauen und Mädchen, die sich der Sozialdemokratie angeschlossen hatten. Geschützrohrzieherei Die sozialdemokratische Frauenbewegung war von jeher mit der Friedensidee verbunden gewesen. Bei jeder Kriegsgefahr, die die Gegensätze unter den kapitalistischen Ländern mit sich brachte, erhoben sie die warnende Stimme. Noch im April 1914 fand in Berlin eine grosse internationale sozialistische Frauenkund gebung für den Frieden statt. Im August 1914 brach trotz gewaltiger Friedenskund gebungen in den Tagen und Wochen vorher, der Krieg aus. Die Staatsmänner, unter denen kein Sozialdemokrat war, waren mit mehr oder weniger Schuld in den Krieg" hineingeschliddert". Die Arbeiterbewegung konnte den Ausbruch nicht verhindern. Ihre Mehrheit fasste ihn in Deutschland, wie in den meisten anderen Ländern die Arbeiterbewegung auch, als Verteidigungskrieg auf. Sie verlangte Frieden sobald wie möglich, einen Frieden ohne Landeroberung und Kriegsentschädigung. Über die Frage der Kriegspolitik spaltete sich die deutsche Sozialdemokratie und damit auch die Frauenbewegung. Bei der Mehrheitssozialdemokratie blieben Anna Blos, Gertrud Hanna, Marie Juchacz, Lily Braun, Klara Bohm- Schuch, zur USP ( Unabhängigen Sozialdemokratie) gehörten Klara Zetkin, Luise Zietz, Mathilde Wurm. Unser Bild zeigt eine Geschützrohrzieherei. Auch die Frauen sind nun gezwungen dem Krieg zu dienen. Demonstrationszug am 9.11.1918 Vier Jahre währte der gewaltige Kampf. Für die Frauen bede utete er schwerste Anstrengungen und tiefes Leid. Wo man früher die Frauen abgelehnt hatte, wurden sie jetzt gefordert. Unterernährte Frauen mussten schwerste körperliche Arbeiten verrichten als Heizerinnen, Nieterinnen, Lokomotivführerinnen, an Hochöfen, in den Munitionsfabriken. -12 Bild 25: Bild 26: Bild 27: -12Gleich bei Kriegsbeginn waren die Hälfte der männlichen Parteimitglieder eingezogen worden; auch hier mussten die Frauen Funktionen übernehmen. Vor allem wirkten sie in der Kriegsfürsorge jeder Art. Die grossen Rückschläge, die gewaltigen Verluste, Hunger und Elend kamen. Steckrüben wurden schliesslich die Hauptnahrung. Dennoch wollten die Nationalisten nach wie vor den Siegfrieden. Sie verweigerten den Arbeitern das gleiche Wahlrecht in Preussen, den Frauen das gleiche Stimmrecht. Es grollte immer stärker in den Massen. Als in Kiel die Matrosen in sinnlose Kriegsunternehmen geführt werden sollten, nachdem Hindenburg und Ludendorf schon sofortige Waffenstillstandsver-handlungen gefordert hatten, kam es im Zussammenbruch zur Revolution. Unter den Massen, die die Abdankung des Kaisers verlangten und die Republik forderten, waren, wie dieses Bild eines Demonstrationszuges vom 9.November 1918 in Berlin, Unter den Linden, zeigt, auch Frauen. Frauen an der Wahlurne Der Rat der Volksbeauftragten, die sozialdemokratische Revolutionsregierung, erklärte bereits in ihrem ersten Aufruf, dass so bald wie möglich Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung erfolgen würden, an denen" alle über 20 Jahre alten Bürger beider Geschlechter mit vollkommen gleichen Rechten teilnehmen werden". So verwirklichten die Sozialdemokraten das Frauenwahlrecht, für das sie als einzige Partei sich stets eingesetzt hatten. Ein sozialdemokratisches Frauen- Wahlplakat. Hier zeigen wir eines der Plakate, mit dem sich die SPD an die Wählerinnen wandte." Gleiche Rechgleiche Pflichten!" lautet die Mahnung. Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919, wie auch bei den bald folgenden Landtags- und Kommunalwahlen zeigte sich leider, dass unzählige Frauen der Partei, die sie zu gleichberechtigten Staatsbürgern gemacht hatte. Sie erhielt keine Mehrheit, auch zusammen mit der USP entstand keine sozialistische Mehrheit. Von den 165 Abgeordneten der SPD waren 22 Frauen, von den 22 USP- Abgeordneten waren drei weib-liche. Mit den Bürgerlichen zusammen kamen 41 Frauen in die Nationalversammlung, die nach schweren, oft blutigen Kämpfen mit linkeradika-len, die Rätediktatur anstrebenden Kräften in Weimar zusammentrat. Eine Sitzung der Nationalversammlung Hier einen Blick in eine Sitzung der Weimarer Nationalversammlung. In der ersten Reihe sieht. man Marie Juchacz, die unter den weiblichen Abgeordneten der SPD führend war und auch dem ParteiVorstand angehör te. Der mehrheitssozialistischen -13... -13Fraktion gehörten an Frauen ua. noch an: Wilhelmine Kähler, Minna Bollmann, Anne Blos, Elisabeth Röhl, Toni Pfülf, Louise Schröder. In der USP- Fraktion sassen Luise Zietz, Lore Agnes und Mathilde Wurm. Bald- im Jahre 1921- kam es zur Einigung der sozialistischen Parteien. Mit der aus dem Spartakusbund hervorgegangenen Kommunistischen Partei gingen Klara Zetkin und Rosa Luxemburg. Rosa Luxemburg wurde von reaktionärem Militär ermordet. Diese geniale Frau, die sich damals schon kritisch zur Parteidiktatur im bolschewistischen Russland stellte und von den putschistischen Elementen ihrer eigenen Partei überstimmt wurde, hätte sicher mit dem Stalinismus und seinen Trabanten nichts im Sinn gehabt. Bild 28: Zeichnung von Marie Juchacz Bild 29: Marie Juchacz war die erste Frau, die in einem deutschen Parlament sprach. In dieser Rede sagte sie:" Es wird uns nicht einfallen, unser Frauentum zu verleugnen, weil wir in die politische Arena getreten sind und für die Rechte des Volkes mitkämpfen". Die Frauen haben in der Nationalversammlung bewiesen, dass sie mehr wollten als nur dekorativ Plätze einzunehmen. Sie waren im Präsidium, in Kommissionen, in Fraktionsausschüssen arbeitend tätig. Marie Juchacz und Toni Pfülf konnten im Verfassungsausschuss nicht verhindern, dass die Einschiebung des Wörtchens " grundsätzlich" den Verfassungssatz" Männer und Frauen haben dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten" zu einem Kautschukparagraphen verwandelte. Diese Beseitigung der Ausnahmebestimmungen für weibliche Beamte, die Einführung der Grundschule, die Rechte des unehelichen Kindes, der staatliche Schutz der Mutter, der Ausbau der Reichswochenhilfe und Arbeitslosenfürsorge, der Fürsorge für die Kriegsbeschädigten verdanken der Initiative sozialdemokratischer Abgeordnetinnen wichtige Förderung. Im Jahre 1920 war es, als sozialdemokratische Frauen, unter Leitung von Marie Juchacz die " Arbeiterwohlfahrt" schufen, mit nach und nach 2 000 Ortsvereinen und grossartigen Hilfsund Schulungseinrichtungen. Die Frau als Richterin. In allen Landtagen, in den Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen, überall waren Frauen tätig. Der Anblick der mitbestimmenden Frau im öffentlichen Leben wurde bald zur Selbstverständlichkeit. Getragen von dem in der Kriegszeit entstandenen stärkeren Selbstbewusstsein und gestützt auf die weiblichen Pioniere in den Parlamenten, rückten Frauen in manchen Beruf und manche Tätigkeit vor, wie früher nur Männern vorbehalten waren, z.B.als Rechtsanwälte, Geschworene, -14 -14Schöffen, Kriminalkommissionare, Gefängnisdirektoren, Schulräte usw.. Unter Bild zeigt eine Frau als Richte rin. Bild 30: Die Weimarer Republik, an der die sozialdemokratischen Frauen in Stadt und Land mitgestalteten, ist von ihren Gegnern und den nachplappernden Ahnungslosen später viel geNeues Bauen schmäht worden. Doch zu ihren grossen, nicht genügend gewürdigten Leistungen gehörte, dass in ihrer Zeit, obwohl es keine von Bomben zerstörten Städte gab, über 2 1/2 Millionen Wohnungen, davon zur Hälfte mit öffentlichen Mitteln gebaut wurden. Erst in der Weimarzeit lernten viele Arbeiterfrauen lichte, luftige Wohnungen kennen, da neue Wege zu einer Heimkultur der arbeitenden Familie beschritten wurden. Bild 31: Neue Schule Eine andere grosse Leistung der Weimarre publik, die die sozialistischen Frauen besonders schätzten, lag auf dem Gebiete des Schulwesens. Es wurden moderne Schulen gebaut, in denen auch vielfach ein neuer Erziehergeist herrschte. Von der Lern- und Prügelschule bewegte man sich auf die Arbeits- und Gemeinschaftsschule, die auf den Rat der Eltern hörten. Im reichen Kaiserreich entfielen 1911 auf einen Volkschullehrer 55 Kinder, in der Republik hingegen nur 40 Kinder. Die Demokratie erkannte ihre Kulturaufgabe. Bild 32: Weimarer Jugendtag Bild 33: Unter neuen Verhältnissen, beseelt von dem Glauben an eine Entwicklung zum Sozialismus, wuchsen in der sozialistischen Jugendbewegung Burschen und Mädchen in selbstverständlicher Gemeinschaft auf, wie es unser Bild vom 1. deutschen Reichsjugendtag der Arbeiterjugend in Weimar 1920 zeigt. Nicht das Geschlecht, der Mensch galt. Ein neuer Typ sozialdemokratischer Frauen wuchs hier heran. Jungsozialisten Aus Arbeiter jugend- und Jungsozialistenbewegung sind Genossinnen und Genossen hervorgegangen, die später wichtige Funktionen in der Partei und der Öffentlichkeit versa hen. Vorn in der Mitte dieser Gruppe von Jungsozialisten aus dem Jahre 1925 sieht man Herta Gotthelf, die jetzige Leiterin des zentralen Frauenbüros der SPD, während rechts vørn der spätere Wiederaufbauminister von Nordrhe in/ Westfalen, Fritz Steinhoff, steht. -15 -15-Bild 34: Bild 35: Bild 36: Bild 37: Bild 38: Bild 39: Die Kinderfreunde Die sozialistische Erziehungsbewegung begann bald bei den Kindern. Von Österreich aus verpflanzte sich die Kinderfreunde bewegung nach Deutschland. Es gehörte zu den schönsten Aufgaben sozialdemokratischer Frauen und Mädchen als Helfer in dieser Erziehungsarbeit tätig zu sein und auf Jugendtagen und in den Kinderrepubliken dem neuen Werdeh zu dienen. Louise Schröder spricht zur sozialistischen Jugend Wie gern sprachen die führenden Genossinnen der Frauengeneration zu der sozialistischen Jugend, wie es hier Louise Schröder, damals Reichstagsabgeordnete für Schleswig- Holstein, tut. Ihre Hoffnung auf ein neues Volk, in dem Mann und Frau sich in selbstverständlicher Gleichberechtigung in der grossen Gemeinschaft schaffend bewegen, schien in Erfüllung zu gehen. Die Kieler Reichsfrauenkonferenz 1927 Im Jahre 1927 fand in Kiel der Parteitag statt und in Verbindung mit ihm eine Reichsfrauenkonferenz. Ein Frauenkursus Unser Bild zeigt einen zentralen Frauenkursus. Die sozialdemokratische Frauenbewegung führte auch in den Bezirken Frauenkurse durch und auch in allen örtlichen Frauengruppen lebte um diese Zeit das Bewusstsein, dass sich die Genossinnen für ihre vielfältigen Aufgaben bilden müssten. Ende 1931 waren unter den mehr als eine Million Mitgliedern der SPD 230 000 Frauen, das waren 23% 0 Wie in der Partei, so waren auch die Frauen im Wirtschaftsleben tätiger. Von 32 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland waren 11 1/2 Millionen Frauen, das waren über 35%. Die" Frauenwelt" Die sozialdemokratische Frauenbewegung ging in die Breite. Sie brauchte eine Zeitschrift, die jeder Frau verständlich war und alle ihre Interessengebiete beachtete. Daher wurde die Wochenzeitschrift" Frauenwelt" geschaffen, die von Toni Sender redigiert wurde. Neben ihr erschien für die Funktionärinnen in 40 000 Exemplaren die von Maria Juchacz und Herta Gotthelf redigierte" Genossin". Toni Sender im Wehrausschuss Eine der in der Weimarzeit bekantesten sozialdemokratischen Rednerinnen und Schriftstellerinnen, die auch dem Reichstag angehörte, war die Redakteurin der" Frauenwelt", Toni Sender. -167 -16Bild 40: Bild 41 Bild 42: Unser Bild zeigt sie als Mitglied des vor dem Magdeburger Parteitag 1928 eingesetzten Wehrausschusses der Partei, in den die Sozialdemokratie ihre Stellung zu Wehrfragen erarbeitete. Internationaler Frauenkongress in Wien 1927 Die im ersten Weltkrieg zerbrochene Sozialistische Arbeiterinternationale war längst neu erstanden. In ihrem Raum stand eine kraftvoelle Jugendinternationale, die in gewaltigen, mitreissenden Jugendtagen für die sozialistische Idee zeugte und die internationale Verbundenheit der sozialistischen Frauen. Wir sehen ein Bild vom Internationalen Frauenkongress in Wien 1927. Die österreichische Vorkämpferin Adelsheid Popp spricht. Zu diesem Kongress waren 20 deutsche Delegierte gefahren. Das 3. Reich beginnt In das demokratische Werden brach verhängnisvoll die grosse Wirtschaftskrise des Kapitalismus ein, die von Amerika ausging und auch in Deutschland Millionen von Arbeitslosen, zahllose stillgelegte Fabriken, bankrotte Bauernwirtschaften und Mittelstand sexistenzen zur Folge hatte. Damit stieg der Radikalismus links und vor allem der rechts, der Nazi- Partei, die bis dahin ganz unbedeutend war. Sie wandte sich mit hemmungsloser Demagogie gegen Sozialismus und Demokratie, gegen Frauenbewegung und Gleichberechtigung. Gewalt war ihr Mittel, um Widerstand zu brechen. Im Abwehrkampf der sozialistischen Bewegung waren auch die Frauen zu finden. Mit Gewalt und List schwang sich der Nazismus en die Macht und richtete seine schreckliche Diktatur auf. Die sozialistischen Organisationen wurden verboten, auch die sozialistische Frauengruppe, die Arbeiterwohlfahrt, die Jugendorganisationen. Massenverhaftungen, Folterszenen in Kellern, Konzentrationslager gehörten von Anfang an zum Dritten Reich. Es hatte keine Achtung vor dem Mensch und darum auch nicht vor der Frau. Auch Frauen und Jugendliche wurden mit den Männern zusammengetrieben, die Hände überm Kopf. Die zerschlagene Genoss in Jankowski Eine Berliner Sozialdemokratin, Frau Jankowski, wurde von der SA auf die Weise zugerichtet, wie unser Bild zeigt. Und weil dieses Bild ins Ausland kam und dort veröffentlicht wurde, verurteilte man dieses Opfer noch wegen " Greuelhetze". -17 -17Bild 43: Bild 44: Bild 45: Bild 46: Minna Bollmann und Toni Pfülf Es gab Genossinnen, die den tiefen Sturz Deutschlands nicht ertragen konnten. Toni Pfülf, die, eine bayrische Offizierstochter, zur sozialistischen Bewegung gekommen war, und Minna Bollmann, die schon an der 1. Reichsfrauenkonferenz in Mainz 1900 teilgenommen hatte, eine herzhaft zupackende Frau, schieden freiwillig aus dem Leben. Andere führende Genossinnen, wie Marie Juchacz, Toni Sender, Mathilde Wurm, wurden in die Emigration getrieben. In den Exilländern ist manche Genossin gestorben. Die Sehnsucht nach einem Wiedersehen mit der Heimat und nach einer wiedererstandenen Bewegung wurden vielen nicht mehr erfüllt. Der" Neue Vorwärts"( Frau und Kind Segers gefangen) Schon im Jahre 1934 steckte das Dritte Reich kleine Kinder ins Konzentrationslager. Als dem sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Gerhart Seeger die Flucht aus dem Konzentrationslager" Oranienburg" gelang und er in Wort und Schrift diese Menschenhölle dem Ausland beschrieb, wurden seine Frau und sein 1 1/ 2jähriges Kind ins Konzentrationslager gebracht. Es gab einen Proteststurm in der Welt. Englische weibliche Abgeordnete erreichten, dass Frau Seeger und das Kind freigelassen wurden und mit ins Ausland konnten. Damals musste das Dritte Reich noch manchmal Rücksicht aus Auslandsproteste nehmen, weil eine Aufrüstung erst begann und es noch nicht stark genug war, in jedem Falle höhnisch über die Empörung der Welt hinwegzugehen. Die Reichsfrauenschaftsführerin Die Gleichberechtigung der Frauen im Staate war vorbei. Die NS- Frauenschaft hatte keinen Funken mehr vom Geist einer Frauenbewegung. Auf den Nazi- Parteitagen durfte sie auch antreten, dann starrten die Nazi- Gewaltigen, neben der Reichsfrauenschaftsführerin Frau Scholtz- Klink sitzend, eine Weile auf die heilschreienden Frauen, darunter der weibliche Arbeitsdienst. Zunächst wurden die Frauen aus vielen Stellungen herausgedrängt, um Männern Platz zu machen, Kinder zur Welt zu bringen, Soldaten für die Aufrüstung, war ihr Lebenssinn geworden. Lilli Hermann wird hingerichtet Tausende Frauen sassen bereits in Konzentrationslagern, Gefängnissen und Zuchthäusern, waren gefoltert worden. Das Nazisystem schreckte nicht davor zurück, schon in den ersten Jahren, Frauen, die politisch gegen das Dritte Reich arbeiteten, aufs Schaffott zu schicken. Die 22jährige Lilli Hermann wurde dem Henker übergeben, nachdem man sie vorher im Kerker hatte ihr Kind gebären lassen. -18 Bild 47: Bild 48: Bild 49: Bild 50: Bild 51: Bild 52: -18Jüdische Frauen und Kinder auf dem Weg zur Vernichtung Die verbrecherische Politik Hitlers trieb das deutsche Volk in den zweiten Weltkrieg hinein. Am Anfang hatte man, da das Dritte Reich besser gerüstet war als die andern Staaten, grosse militärische Erfolge, aber nach Stalingrad und EL Alamein ging die kriegerische Gewaltpolitik, die ganz Europa versklavte, unaufhaltsander Katastrophe zu. Jetzt wurden die Verfolgungen all derer, die es als Gegner und Unerwünschte ansah, immer mitleidloser. Der Nationalsozialismus hatte den Judenhass schon immer brutal betätigt; jetzt wurde die fabrikmässige Massen- Ermordung der ganzen jüdischen Rasse begonnen. Unser Bild zeigt, wie aus dem in Brand gesteckten Gettho von Warschau jüdische Männer, Frauen und Kinder von SS zur Vernichtung weggeführt werden. Genossin Tesch Unter den ermordeten jüdischen Frauen der verschiedenen Nationen waren auch bekannte Sozialistinnen, Luise Kautsky, starb in Auschwitz. In Ravensbrück gab es ein grosses Frauenkonzentrationslager, hier starb unsere Genossin Johanna Tesch, einst Mitglied der Deutschen Nationalversammlung, dann bis 1933 Mitglied des Preussischen Lantages. Auf freiem Boden Kurz vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches gelang es dem schwedischen Grafen Folke Bernadotte noch einige tausend Frauen und Mädchen aus den Konzentrationslagern freizubekommen. Sie kamen nech Schweden und viele von ihnen starben dort noch an den Folgen der schrecklichen KZ- Jahre. Auch deutsche sozialdemokratische Emigranten haben an ihrer Betreuung mitgewirkt. Unser erstes Bild zeigte eine Frau, der eine schwedische Sanitäterin beisteht, das zweite Bild eine Gruppe solcher Mädchen, die die schwedische Grenze passieren, dort zu trinken angeboten bekommen und dabei von ihren Gefühlen überwältigt werden. Mutter Germania und ihre Jüngsten( Karikatur) Immer neue Jahrgänge frass Hitlers wahnsinniger Krieg. Hitler scheute nicht davor zurück, Kinder und Frauen für militärische Zwecke zu verwenden. Diese englische Karikatur zeigt, wie Mutter Germania ihre Jüngsten vor Hitler retten will, der Reserven für den Osten braucht und ihr- die unter Bombenangriffen leben muss, sagt- dass die Söhne im Osten vor Bomben sicher wären. Sehnsucht nach Frieden( Karikatur) Die Stimmung im Ausland wurde, je lönger der Krieg währte, immer mehr hasserfüllt gegen das deutsche Volk schlechthin. Die deutschen Emigranten konn-19 Bild 53: Bild 54: Bild 55: Bild 56: Bild 57: -19ten nur mit grosser Mühe darauf hinweisen, dass es zwei Deutschland gebe. In dieser Karikatur wird aber geahnt, wie sehr die Frauen Deutschlands den Frieden ersehnten. Auf der Zeichnung fragt die militarisierte deutsche Frau den Diktator, in dem sie auf den Friedensengel zeigt:" Warum darf ich nicht das Kleid dort haben, Adolf?" Frau in Ruinen Karl Hofers Bild" Frau in Ruinen" wirkt wie ein Symbol für ganz Deutschland, als nach furchtbaren Bombardierungen und Schlachten das Ende kam. Nun kam Besatzung und Aufteilung Deutschlands, die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten, Massenvergewaltigungen von Frauen die Untaten der Nazis hatten neue Untaten geboren. - Eines der schwersten Probleme für Westdeutschland wurde das Vertriebenenproblem. Dieses Flüchtlingslager gibt eine Andeutung davon, Wohnsaal im Flüchtlingslager Viele tausende von Menschen haben kürzere oder längere Zeit auf solche Weise gehaust, ja tuen es heute noch. Unter solchen und anderen vorstellbaren Verhältnissen haben Frauen Unsagbares geleistet, ihre Familie aufrechtzuerhalten. Überall war die Sozialdemokratie eine Kraft, die sm stützen suchte, ohne immer Dank zu ernten. Dr. Kurt Schumacher Sofort nach dem Ende des Dritten Reiches war die Sozialdemokratische Partei aus Katakomben und Trümmern wieder hervorgetreten und begann ihr Werk aufs Neue; eine deutsche Demokratie im sozialistischen Geiste zu schaffen und neue Brücken zu den anderen Völkern zu schlagen, Um ihren Vorsitzenden Dr. Kurt Schumacher, der 10 Jahre in Hitlers Konzentrationslagern gelitten hatte, scharen sich auch Frauen und Mädchen. Unter seiner klareh, entschiedenen Führung verwehrte die Sozialdemokratie Westdeutschlands dem Kommunismus das Lindringen in die Arbeiterbewegung Westdeutschlands. In seinen Grussworten an die erste sozialdemokratische Frauenkonferenz in Wuppertal 1946, Zur der 240 Delegierte aus den Westzonen sich bewegt zum erstenmal wieder zusammenfanden, schrieb er:" Die Frauen Deutschlands können ein entscheidendes Wort dabei mitreden, in welcher Richtung die politische Entscheidung fallen soll." Frauenkonferenz in Fürth Dieses Bild zeigt die Delegierten der zweiten grossen Frauenkonferenz in Fürth im Jahre 1947. In der Mitte der untersten Reihe sitzt Erich Ollenhauer, der zweite Vorsitzende der SPD <-20 Bild 58: Bild 59: Bild 60: Bild 61: Bild 62: -20umgeben von Frauenvertreterinnen, von denen viele aus dem alten sozialistischen Arbeiterjugendverband stammen, den Ollenhauer einst geleitet hat.. Lotte Lemke Angesichts der grossen Not war die Wiedererstehung der Arbeiterwohlfahrt eine Selbstverständlichkeit. Ihre Funktionärinnen, sozialdemokratische Frauen, haben in den Hunger- und Kältejahren unter Leitung von Lotte Lemke Übermenschliches geleistet. Käthe Kollwitz:" Hungernede Kinder" Bei ihrem Hilfswerk unter Heimatvertriebenen, Ausge bombten, Kriegsversehrten, Kriegswaisen, alten Menschen und Notleidenden aller Art konnte sich die Arbeiterwohlfahrt auf die Hilfe ausländischer Organisationen stützen. Nicht zuletzt waren es sozialdemokratische Emigrantenfrauen, die von allen Ländern her bemüht waren, dass Lebensmittel, Kleider usw. nach der Heimat gesandt wurden. Dieses Bildplakat von Käthe Kollwitz, das nach dem ersten Weltkrieg auf die Not der deutschen Kinder hingewiesen hatte, half ihnen auchnach dem zweiten Weltkrieg, um im Ausland die Herzen für die Not der Kinder in Deutschland zu öffnen. Louise Schröder, Berlins erster weiblicher Oberbürgermeister Nicht allein in der Wohlfahrtsarbeit, an zahllosen Arbeitspunkten, vor allem aber in der Politik zeigen sozialdemokratische Frauen, aus welchem Holz sie geschnitten sind. Zum erstenmal stehen Frauen an der Spitze von Grosstädten. Luise Albertz leitete als Obefbürgermeister die Geschicke der Stadt Oberhausen, Louise Schröder führte Berlin, das vom Bolschewismus bedrohte, durch die schwere Zeit der Blockade erfolgreich hindurch. Dr. Elisabeth Selbert Eine Sozialdemokratin war es, Frau Dr.Elisabeth Selbert, die als Mitglied des Parlamentarischen Rates das Grundgesetz der Bundesrepublik mit baute und den Artikel 3 durchsetzte, in dem es klar un deutlich heisst:" Männer und Frauen sind gleichberechtigt". Bis 1953 müssen alle dem Satz nicht entsprechenden Gesetzes bestimmungen, so die des Bürgerlichen Gesetzbuches, die die Frauen benachbeteiligen, abgeändert werden. Sozialdemokratinnen als Abgeordnete Bei der Wahl zum Bundestag erhielt die Sozialdemokratie keine Mehrheit. Bei dieser und bei anderen Wahlen zu Landtagen, Kommunalwahlen zeigte sich, dass grosse Schichten von Frauen noch immer nicht erkannt haben, dass ihre Sehnsucht nach Friedenspolitik, sozialer Gerechtigkeit und freiem, gleichberechtigtem Dasein und Mitgestalten nur von der Sozialdemokratie getragen -21 • Bild 63: -21wird.- Wiederum sind sozialdemokratische Frauen in Parlamenten jeder Art tätig und beweisen, was sie können und wie eifrig sie Frauen- und Familieninteressen dienen. Vielfach sind Frauen heute auf Plätze gestellt, die selbst in der Weimarrepublik noch nicht von Frauen besetzt waren. Es gibt weibliche Minister und hohe Regierungsbeamte, weibliche Stadträte usw. Die SPD im Bundestag hat 14 weibliche Abge ordnete, die grösste Zahl von allen Parteien. Das Bild zeigt in der hinteren Reihe stehend von rechts nach links: Dr. Ellinor Huber Louise Schröder Frieda Nadig Anni Krahnstöver Irmgard Keilhack; vordere Reihe von rechts nach links: Gertrud Lockmann Klara Döring Lisa Korspeter Liesel Kipp- Kaule Käthe Strobel Emmy Meyer- Laule Lisa Albrecht; ausserdem gehören der Fraktion noch an: Martha Schanzenbach und Luise Albertz. Aus der sozialistischen Fraueninternationale Schon seit Frühjahr 1946 standen die deutschen sozialdemokratischen Frauen in engster Verbindung mit einer Reihe von Sozialistinnen aus den anderen Ländern. Auf der ersten sozialdemokratischen Frauenkonferenz 1947 in Fürth waren bereits 2 österreichischen Genossinnen Gebriele Proft und Rosel Jochmann anwesend. Seit der ersten internationalen sozialistischen Frauenkonferenz in Wien 1948 war auch Deutschland regelmässig in den internationalen Zusammenkünften vertreten. Das vorliegende Bild zeigt die erste internationale sozialistische Frauensitzung in Wien 1948. In der ersten Reihe sitzend von rechts nach links: Alice Bacon( England) ( Oesterreich) Gabriele Proft Nina Andersen Dändemark) Margarete Kissel Disa Västberg ( Schweiz); Sekretärin der Frauen- Internationale ( Schweden) -22 -22Bild 64: Bild 65: Die hintere Reihe stehend, von rechts nach links: Marianne Pollak( Oesterreich) Emilienne Moreau( Frankreich) Lena Lopes- Dias( Holland) Tynne Leivo- Larssen( Finnland) zwei schweizer Gäste Aase Liones Herta Gotthelf Rosel Jochmann ( Norwegen) ( Deutschland) ( Oesterreich). Seit diesen ersten Anfängen in Wien ist die Arbeit der Frauen der sozialistischen Internationale gewachsen und der Kontakt und die kameradschaftliche Zusammenarbeit unter ihnen immer enger geworden. Das Frauenbüro der SPD korrespondiert regelmässig mit über 15 ausländischen Organisationen, gibt Rundschreiben in englischer und deutscher Sprache heraus und arbeitet aufs engste mit den sozialistischen Gewerkschafts- und Cenossenschaftsfrauen der anderen Länder zusammen. " Die Gleichheit" Nr. 1( Januar 1950) Die Frauen stellen mehr als die Hälfte der Wähler dar. Sie können das Gesicht Deutschlands wandeln, wenn sie alle einsichtig und als gute Mütter und Frauen handeln. Deutschland muss eine soziale Demokratie, ein Kultur- und Wohlfahrtsstaat werden, wie es die Sozialdemokraten in den nordischen Ländern mit Hilfe der Frauen vollbrachten. Dafür müssen wir werben, aufklären, schulen, wie wir es stets in der Geschichte der sozialdemokratischen Frauenbewegung getan haben. In unserer Zeitschrift" Gleichheit", das alte Frauenblatt im neuen Gewande, haben wir einen Quell der Belehrung und Information. Sie hilft uns, dem neuen Leben zu dienen. Schlag ein 1( Bild von Neuschul) Wir Frauen wollen gleiche Rechte, das bedeutet aber auch gleiche Pflichten, mitbürgerliche Tätigkeit. Sei kein uninterssiertes Mauerblümchen! Du hast eine Verantwortung für Freiheit, Recht und Frieden, damit den Kindern, den Familien, den Frauen, den Völkern, der Menschheit endlich wahrhaft menschliche Zeiten kommen. Schliesse Dich uns an! Komm in unsere Frauengruppe! Hier die Hand Hier die Hand- schlag ein! -23 Achtung für den Vorführer! -23Das letzte Bild bleibt einen Augenblick im Dunklen, dann erst wird der Versammlungsraum erleuchtet, ohne dass das SPD- Zeichen von der Leine wand verschwindet. Erst wenn sich die Aufmerksamkeit der Versammlung gelöst hat, ist das Licht im Vorführgerät abzuschalten. Der Abbau des Geräts muss ohne Störung der Versammlung erfolgen und erst nach ihrem Schluss. Dies gleiche gilt auch für den Aufbau. Wenn die ersten Besucher kommen, muss die Vorführanlage vorführ bereit sein. Es darf sich überhaupt möglichst wenig bemerkbar machen. Je weniger man vom Vorführgerät und seinem Vorführer merkt, desto besser! Der Vorführer sollte nur auf das Lämpchen achten, das ihn mitdem Redner verbindet und kurz abblenden und das neue richtig eingeführte Dia zeigen. Der gute Vorführer ordnet sich diese vorher und legt sie sich griffbereit zurecht. Wenn es irgend geht, sollte der Vorführer auch das Saallicht bedienen. Bei einem Lichtbildervortrag trägt der Vorführer die Verantwortung für wenigstens die Hälfte des Erfolges! Aktenzeichen, Kennzeichen oder Nr.: Aus Nachlass von Marie Juchacz Betrifft(Firma etc.) una Heinrich Braun Scin Schicksal von Julie Braun-Vog- Auszug) Hefter Nr. Fortsetzung von Hefter Nr. Zeitraum vom Entnommene Schriftstücke Gegenstand Dat. Gegeben an Zurück Archivierungs-Hinweis: SOENNECKEN Einhänge-Osenhefter Nr. 38 Julie Braun- Vogelstein: Ein Menschenleben Heinrich Braun u.sein Schicksal geboren 23. Nov. 1854 Rainer- Wunderlich Verlag, Tübingen. 1932 Aus gestorben 8. Febr. 1927 72 Jahre Seite 10/11/12. Heinrich Brauns Elternhaus: Familienleben herzlich. Keine Gemütlichkeit, weil Vater herb.Mutter litt unter d.Vaters Unbeherrschtheit.Aeltester Sohn( Heintich hatte Eigenschaften von beiden. Deshalb XXX verstande er beide.Ausgleichen.Hochachtung und Mitleid für Vater.-- Doch-er( Heinrich) krankte am gleichen Fehler.Sprach zu Lily nicht viel v. Vater. Lily Braun( phantasievoll) errichtete ein Sagengebäude darauf. Heinrich sei wohl ausserehelich gezeugt. In Ungarn( wo Ignaz Br.im Bahnbau tätig war) hätten sie sicher einen gräflichen Nachbar gehabt.Grossgrundbesitzer!! " Natürlich entstand zwischen der einsamen Frau und Ihm ein Liebesverhältnis. Heinrich dessen Spross. Für Lily erwiesen.---- Woher sonst das" Freie, Unabhängige, das Unbürgerliche, das Aristokratische?" Magnatenblut. Lily wollte vorurteilslos sein, dem Philisemitismus huldigen. Aber- unfassbar " ein Jude ohne Merkmale des Ghetto? Stolze Bescheidenheit, Gleichgültigkeit gegen Anerkennung, Mangel an Sinn für Materielles, Sicherheit und Lässigkeit im Benehmen-und-" bezwingendes Wesen", nicht Eigenschaften des Paria. Jedoch ihre Liebe gab den Ausschlag zu den" untrüglichen Beweisen: der Mann, dem sich Lily von Kretschman( mit Leidenschaft) schenkte, musste vom Hochadel stammen!!! Auch schien er ihr besonders" als Spross freier Liebe" ebenbürtig. Wie gerne wäre sie selber das Kind ihres korsischen Urgrossvaters, des Königs Jerome und seiner schönen Geliebten, gewesen. Im Ehebett gezeugt? minderwertig. Ihr eigener Sohn nicht ohne Makel. Zwar war es Liebesbund.Aber--- amtlich beglaubigt.--- Bei ihrer ersten Begegnung mit Heinrich habe sie den Zauber, der nur von einem" Kinde freier Liebe" ausstrahlt, verspürt!!!!!! Alles Einbildung. Freie Phantasie.Wesensart der Mutter widerspricht. Religiöse Auffassung vom Wesen der Ehe, Unverbrüchlichkeit.Ueberdies nahe Verwandtschaft zwischen Ignaz und Heinrich Braun in die Augen springend. Heinrich hat ausserdem Leidenschaft und Eigensinn des Vaters.Paart sich mit Zartheit und Selbstvergessenheit, will das geliebte Wesen nicht beherrschen, will es befreien. 3 2 6 Viktor Adler hat Heinrich zum Sozialismus geführt. umkeh- ren Die Schwester von Heinrich:(?) war später die Braut Viktor Adlers. Emma Adolf Braun war sechs Jahre jünger als Heinrich. Der sozialistische Lehrer von Heinrich war Lorenz von Stein, ein Staatssozialist konservativer Prägung. Der Sozialismus von Heinrich sah dann aber anders aus. Heinrich liess sich extra einen grossen Schrank für seine sozialistische Bibliothek bauen." Er muss einfach bei einem Buchhändler die gesamte sozialistische Literatur bestellt haben." sagte Adolf. Pleinexie geistige Habgier. Selber, scherzhaft. - Heinrich, unbürgerlich.Mangel an Eigentumssinn. Nach Julie Braun- Vogelstein hat Heinrich Viktor Adler zum Sozialismus geführt. 2. Josefine, Wienerin, Schwester eines Studiengenossen, wurde seine Frau gegen Widerstand beider Eltern. " Die Neue Zeit" 1883," Revue des geistigen und öffentlichen Lebens" 1.Aufsatz( Einleitung von Heinrich Braun Redakteure: Wilhelm Liebknecht, Karl Kautsky, und Heinrich Braun. Verleger Dietz. Eigenes Kapital der Redakteure und des Verlegers. Sozialistengesetz. Wort Sozialismus vermieden. Weil" es mir überflüssig erschien, dass eine Ze Zeitschrift, deren Umfang während des ersten Jahres durchschnittlich noch nicht drei Bogen im Monat betrug, von drei Redakteuren geleitet werden sollte.------ Das Drittel( Eigentum) übertrug ich auf Liebknecht.Begründung " ers solle den anderen beiden Teilnehmern( Dietz, Kautsky) gleichgestellt sein." Es fehlte die Eignung zum" Triumvirat". Dozent( Hochschullehrer konnte er nicht werden. Halle, Frankfurt/ Main usw/ weil er einmal Jude, dann weil er Sozialist war. Aber in der Partei war er Fremdling. Parteitag in StGallen 1887( Sozialistengesetz.Braun wurde dort Schriftführer.In dieser Zeit kamen die vorhandenen Gegensätze nicht Vordergrund Parteiorgan" Volksblatt"," Berlin. Braun lehnte Angebot der Redaktion ab. Was man ihm verdachte. 1888 schuf er sich das" Archiv für soziale Gesetzgebung und Statistik" Jastrow nach 25 Jahren:" Bravourstück. Er suchte unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes für sein Archiv einen Kreis erstklassiger Mitarbeiter -ohne Unterschied der politischen Parteien." Braun" Einziger Zweck freier und nach allen Seiten unabhängiger Forschug ist die" wissenschaftliche Wahrheit". " Zeitschrift zur Erforschung der gesellschaftlichen Zustände aller Länder" Seite 105/ 106.Sombarts Meinung З 3. 1895 war Heinrich 40 Jahre alt.Er trat von der Redaktion des( inzwischen " Sozialpolitischen Zentralblattes" zurück. Gesundheit zermürbt. Durch seelische Erlebnisse. Josefine) erste Fran 12 Jahre seit Heirat.Langer Brautstand vorauf.Hochzeitsreise? Fahrt ins Wunderland.Italien. Jedoch: Josefine sass im Zug, machte Notizen, teilte Zeit ein, legte fest, wie Studienfahrt. Museen, Kirchen, Gemälde, Skulpturen. Heinrich: Form der Befangenheit?" Venedig übertraf an Romantik alles Erhoffte"...." am andern Morgen wusste ich, dass die Adria der sich die Dogen Venedigs vermählten, vergleichsweise ein feuriges Element sind....." Ihn fröstelte noch später in der Erinnerung.Venedig zeigte aber, dass die Temperamente zu verschieden waren. Er war nun verheiratet, aber unbeweibt.Keine Sinnenhaftigkeit, kein seelisches Weibtum. Aber später half sie ihm gut bei der Arbeit des Archivs. 1890 wiederholte sie: mit Dir kann man nicht leben!---- Sein Wunsch: Zwiespalt möchte den Kindern unsichtbar bleihen. Zwei Söhne. Josefine drang auf Scheidung. Sie liebe einen anderen. Nichtsdagegen. Doch Zerwürfnis der Eltern sei für Kinder verhängnisvoll Sein Vorschlag: Zwei Wohnungen, gleiches Haus. Ein gemeinsames Zimmer. Weit weg von ihm, nicht am selben Ort, war ihr Wunsch. Nicht heiraten.Aber gerichtliche Trennung. Viktor Adlers Worte:( Charakteristische)"... Heinrich liebe und hasse ich zugleich, fast möchte ich sagen, fast möchte ich sagen wie meine Gelebte. Und wenn ich es nicht aushalte( mit ihm), so noch weniger ohne ihn, Nach Jahren der Trennung kam Frieda.mütterlich, selbstlos.?. Besuch Viktor Adlers:" Du brauchst ja nicht grade wieder zu heiraten...." Grippe, Bewusstlos. Pflegerin Frieda. Gestand ihm ihre Liebe.Fortgehen. Frieda bestellte das Aufgebot. Er verkaufte das Sozialpolitische Zentralblatt. Nicht für sich. Adler hatte sein gesamtes Vermögen der Partei geopfert, Die von ihm gegründete" Arbeiterzeitung" hatte ihn in Schulden gestürzt. Dazu er wurde wegen politischer Aeusserungen zu Gefängnis verurteilt. 70000 Mark. Frieda nahm den Vermögensverlust ruhig hin.Grosszügig. ??? Der innere Umschwung blieb aus. War die grosse, beflügelnde Liebe ein Wahn? Er zweifelte an seiner Kraft. In selbstqualerischen Vorstellungen vergass er, dass nur Achtung und Neigung, nicht der Daimon Eros ihn zur Ehe geführt hatte.---- Aus Zartgefühl für Frieda verhehlte er sich die Wahrheit. Jeder Selbstbetrug rächte sich grausam an ihm. Grausam auch an dem, zu dessen Gunsten er sich betrog. Für ihn galt das Gesetz innerer Notwendigkeit unverbrüchlich.Er verletzte es, als er ohne den Zwang des Herzens eine neue Ehe einging. Aber es bewies schicksalhafte Macht. Wenige Monate, nachdem er Frieda angetraut war, begegnete er Lily von Gizicko. Mit Allgewalt ergriff ihn Leidenschaft und Liebe.. Widersetzen half nichts.Liebe war seines Lebens Wesen. Sie besiegte jede Bindung und jedes Bedenken, sie trotzte der Welt, sie wurde sein Gewissen. Lily von Gizycki. Für Heinrich war sie: Die Mitherausgeberin der " FRAUEN BEWEGUNG" sowie der" Ethischen Kultur". Und die Frau des gelähmten Professors von Gizycki. Er hatte ihn-vor der Heirat mit Fräulein Lily von Kretschman einmal fluchtig gesprochen. Er kannte sie nicht als Rednerin. Sie hatte ihn eigens zu ihren Vorträgen eingeladen. 4. Im März 1895 war Georg von Gizycki gestorben./ XXX/ Heinrich + Im August XXXXXXXXXXX_1895 fragte sie/ XXX/ in einer sozialpolitischen Angelegenheit um einen Rat. Er båt ihr seinen Besuch an. Klas Tetkin Ohne ihn je gesehen zu haben, beschäftigte sich Lily mit ihm.Der Klang seiner Stimme hatte sie einmal erreicht. Sein Name, seine Tätigkeit wurden 1 ihr vertraut. Sie arbeitete unter Gizycki's Einfluss in der Wohlfahrtspflege. Lily".... kein halbwüchsiges Mädchen liest Romane so gierig wie ich damals Woche für Woche das" Sozialpolitische Zentralblatt" 11 Ihre Jugend war mit romanhaften Begebnissen angefüllt. Kein Verlangen mehr nach geselligem Leben der grossen Welt...... Statt Sinne nglück, im Spiel ihrer Leidenschaften vergeblich erhofft.... hatte sie Seelenfrieden gesucht ---- in geschwisterlicher Ehe mit ihrem Lehrer und Freund. Spannend erschienen ihr die" vom höchsten, dramatischen Leben erfüllten Phänomene" der sozialen Bewegung.... Jedes Heft fand ihren Beifall. Nach dem Tode von Georg von G.( März 1895) sollte ihr Leben nur dem" Dienst an Armen" gewidmet sein. Sie wollte einen" Zentralausschuss für Frauenarbeit" gründen. Umfassende Hilfsarbeit? Weder von der bürgerlichen X** X* XXXXXXX@@ gкgx Frauenbewegung, noch von sozialistischer Seite wurde dieses Vorhaben unterstützt. Aber Klarą Zetkin fügte hinzu:" Suchen sie den Genossen Heinrich Braun zu interessieren Gewinnen Sie ihn, so ist Ihnen geholfen, er setzt alles durch, was er will." Gewann ihn.... Für den Plan, für sich selbst, für ihr ganzes Leben. Ihr Gespräch blieb rein sachlich. Lily aber vetor Befangenheit. Heinrich: ".... eine zum Himmel emporsteigende Flamme." Julie V... weisst hier auf Memoiren hin. Sie suchen die tatsächliche Verzauberung wahrscheinlich zu machen. Julie aber lässt Briefe und Tagebuch Lily's sprechen, Aufzeichnungen von Braun. 21.August 95, Tagebuch Lily's" Lange, höchst wertvolle Unterhaltung über meinen" Zentralausschuss".----- Am gleichen Tag: Acht Seiten füllendes, sachliches Schreiben über Bemühungen, den" Plan" zu fördern. 23.August: Lily: Langer Besuch von H.B. Merkwürdiges Anerbieten. Ich musse mich 4 Wochen erholen. Eine Freundschaft von zwei Tagen. Lily war ihm wie ein blasses, schmächtiges Mädchen erschienen. Sie müsse sich erst zur Arbeit kräftigen. Sie gestand ihre Sehnsucht nach den Bergen. Ihre Mittellosigkeit.---- Sie brauche sich nicht um die Reisekosten kümmern. ---- Sei sie so kleinlich. Dass sie Freundschaft annähme, nicht das" lumpige" Geld. Tagebuch am Abend: Entschlossen abzulehen. 24. August, langer Brief: ... mich würde Gedanke drücken, etwas anzunehmen, nicht mit Sicherheit zurückgeben.Habe grade genug, um zu leben, mehr nicht.... Abhängigkeit von meinen reichen Verwandten gewaltsam abgeschüttelt--- nicht wieder zurück. Lassen Sie mir mein mühsam errungenes Proletarierleben. In zwei Tagen zum Freund.... kann Ihnen das sagen, ohne missverstanden......... Herzlichen Dank dafür. Damit ich weiss, dass Sie mich richtig verstanden haben, ich nicht etwa durch diesen Brief diese Freundschaft wieder verliere, kommem Sie bitte recht bald. Ich wage es vorher nicht zu Ihnen zu kommen. ver' Sofort Antwort: Sehr gehrte Frau Professor: für Ihren freundschaftlichen Brief, der mir durch seine grosse Offenheit besonders sympathisch war,... herzl.Dank. Was ich einzuwenden habe, will ich mir erlauben mündlich vorzubringen, Hoffentlich gelingt es mir, Sie zu überzeugen, dass Sie bei der bitte wenden fdoues Berechtigung, die manche Ihrer Beden ken an und für sich haben, und ungeachtet der zarten und feinen Gefühle, von demen Sie geleitet werden, in dem gegebenen Fall dennoch zu einer unrichtigen Folgerung gelangt sind. Ihre Zustimmung voraussetzend, werde ich mir gestatten, Sie morgen zwischen 3 u.4 Uhr zu besuchen. Mit herzl.Grüssen in aufrichtiger Hochschätzung Ihr H.Braun. Tagebuch: Eingehende erregende Diskussionen.Besiegt" Tags darauf bei H.B.und seiner Brau Frieda zu Gast. " sehr wohl dort". Tagebuch Wir schlossen den herzlichsten Freundschaftsbund. Eine Wendung fürs Leben! Was wird daraus? Heinrich freut sich unbefangen ihres Wesens. Umsorgt sie wie eine Schwester. Janela meb ja doudens bau stein eam I пе 5. Heinrich Sie stehen vor grossen, immer wachsenden Aufgaben. Dazu brauchen Sie viel Kraft und Frische. Ernste Verpflichtung für Sie sich einen möglichst grossen Fonds von Kraft und Energie zu gewinnen. Jao Nicht binden an kurzen Termin zur Rückkehr. Keine Rücksicht auf Kosten. " In brüderlicher Gesinnung Ihr Das Du kam ungewollt und arglos. l.ging nach Brunbühl bei Kreuth nahe dem Landsitz der Tante. Geliebtes Bergtal. Brief v.H. " Mein liebes gutes Schwesterchen, ich freue mich von Herzen Deiner. Wie, wenn man in frischbewegter Luft auf sonnendurchleuteten Wegen durch den duftenden Hochwald schreitet, so wirkt Deine Gegenwart auf mich: erqickend und labend.Lass uns Du liebes Kind in treuer Gesinnung für immer festhalten und gegen allge Gefahren schützen, mögen sie aus unserem Innern oder von aussen kommen.- Nur dem Anschein nach haben wir den köstlichen Schatz rasch erworben; in Wirklichkeit mussten wir unser ganzes langes Leben mit all seinen Schrecken und seinen Freuden durchgelebt haben, ehe wir einer einer wahren Freundschaft, wie sie Dich und mich verbindet, fähig geworden sind. Aber so schwer und auf so muhsamem Weg auch das seltene Gut erworben wurde, verloren kann es uns doch wieder gehen; gewiss aber nur durch eigene Schuld, denn äussere Einflüsse fürwhte ich nicht, Ich zweifle aber nicht, dass ich, wenn ich bestrebt sein werde, immer reiner und besser zu werden, wie ihres Besitzes auch der unzerstörbaren*** Dauer unserer Freundschaft würdig werden kann........ Es würde mich ungemein freuen, wenn Du mit meiner Frau Dich befreunden würdest. Sie ist eine hochsinnige, in mancher Hinsicht geniale Persönlichkeit, und davon abgesehen wird, hofe ich, der Umstand, dass ich sie liebe, sie Dir von vornherein wert machen. Sie kommt Dir mit immer lebhafterer und bestimmterer Sympathie entgegen."- Lily findet ruhige Tage innerer Sammlung.Sie schreibt: Schaue auf geliebte Berge, höre Herdengeläut, Rauschen der Weissach, Tannen- u.Heuduft kleine Fenster, reizend getäfeltes Stübchen.... Worte, mein Freund, gibt es nicht, die Dir sagen könnten, wie ich Dir danke. Ich werde durch Dich, durch Deine Freundschaft ein gesunder Mensch werden, so gesund, dass meine Kraft Dich kräftigen soll.- Ich brauche Dir auch kaum zu sagen, was mir hier in meiner Heimat fehlt: Du, der Du jetzt zu mir gehörst, als wären wir einander nie fremd gewesen im Leben. Wie froh bin ich, dass ich Dir dies alles noch sagen kann: Nicht wahr, Heinz- darf ich Dich so nennen? Du schreibst mir nicht zu selten. Ich werde Dir ganz vorsichtig schreiben, um Dich vor jeder Aufregung zu behüten und keine Störung in Dein Familienglück hinein zu tragen. Wir müssen wie vernünftige, ernsthafte Menschen und nicht wie unerfahrene Kinder auch darüber miteinander reden, und ich will den Anfang damit machen: Ich habe Dich lieb, lieber als einen Freund, vielleicht so lien, wie hie und da eine Schwester ihren Bruder hat.... Ich habe Dich lieb und möchte Dir die Hände unter die Füsse legen und möchte Dich da sehen, wo Du hingehörst auf den Zinnen der Menschheit, wo die Herführer stehen. Egoistisch wird meine Liebe nur dann, wenn ich Dich bei mir zu hahen wünsche und das ist freilich recht oft. Ich habe Dich lieb und kann dabei ruhig an Deine Gattin denken, denn ich fühle, dass ich ihr nichts nehme, nichts nehmen will. Beunruhigt werde ich nur, wenn ich mich frage ist sie so gross, so rein, so frei -- ich weiss nicht, ob ich es in gleicher Lage sein könnte-- um mich, um uns zu verstehen? Genug davon mein Freund. Ich möchte nur, dass wir uns ganz ruhig darüber auseinandersetzten. Verlieren freilich kann ich Dich nicht mehr, mag kommen, was da will..... Gelesen habe ich nicht viel.Als ich wach war, hatten meine Gedanken genug Beschäftigung; war es doch ein ernster Lebensabschnitt, als Du mein Freund mich die Stufen hinab führtest, die einst zu meines Lebens grösster Seligkeit führten und die ich nie wieder betreten soll. Auf Deinen Arm habe ich mich gestützt, und wenn ich auch sicher auf meinen Füssen stehe, so weiss ich doch nun wo ich die rechte Stütze zu suchen habe, wenn die Wege dunkel werden. Möchte ich Dir nur halb so viel werden können, wie Du mir bist. Ich fürchte, dieser Brief erreicht Dich erst - wenden BSBC, ne Hubermorgen, da es schon spät ist. eroalds balafely ste neito. Ueber mein Stübchen, das Haus, die Umgebung schreibe ich Dir das nächste Mal. Mal. Du wirst stets zwischen Zeilen zu lesen verstehen, was ich Dir nur heute sagen darf ich habe Dich von Herzen lieb. In Gedanken küsse ich Deine lieben, müden Augen, die hoffentlich strahlend leuchten, wenn ich Dich wieder sehe. -eau aus eleme tw neded doen niesoe reen alw redan flexi -foxub nebuer! nenisa Bu mexendo denice IIs Jin nentit neb el agus aesne doid steelw.todoabauer STRAW Tenis Tenis tiede nedad deles -dom oa tue bou gewapa o Ted.bala nebrowess, Jeb neob anu se money, obw hedrown seal Ini Tu neb, bludo eneste jdsjaed dot new.dol asb.ddoin dous assties at erwinebie gibtw tedb rentem tim u anew Isbetw eb • плаж певrew ente dal ele.Jeebrüw neboerted de10 USTI ov 10 sia, edellele of asb, beam Jim Tid s18.nedom w niedaOV tubush.uente aasbrua oa nebisw doane tar - noxBw afs, deux stel, ud asb.ude CIK mid dol aaab, not id dort of nedel min -10 sib redog Bell un edeleniem bylw enied le I.... el Teb Jaber dolls del esb bou- edoanow noted us tim led do not new.nnab neneb je ented ne his ca 820 0a sia dolm mu--emb old dot neb of m event doim do new, un not brew novab nent пе -8 ob Iety oa dis Jate del oob as nebrew Sex e sib now b.ed do-. Jaid tim u siw.neon nebrew • 6. Julie D Nach Braun glaubt sie H.zu Giziyckis Philosophischem Materialismus bekehren zu müssen.---- Sie schildert Landschaft und Leben in Brunbuhl......" Ich wünschte, Sie beide wären auch hier. Wie würden Sie gekräftigt werden...... Bitte beschäftigen Sie sich nicht zu sehr mit dem Uebersinnlichen, vergeuden Sie Ihre Kräfte nicht, die der leidenden lebenden Menschheit gehören. Es ist mir ein wahrer Trost, dass Ihre verehrte Gattin diese meine Warnung unterstützt, wie Sie mir sagten. Ich möchte so gerne bald einmal mit ihr darüber sprechen. Wie ginge das leicht hier in der freien, grossen Natur, wo alle Konvention wie eine Hanswustiade aussieht und sich garnicht hervorwagt. Ich hasse die Konvention. Sie ist nur eine Schutzwehr zwischen menschen und Nicht- Menschen; Menschen unter sich brauchen sie nicht." Die für Frieda mitbestimmten Betrachtugen lassen Lily unbefriedigt. Ein drittes Schreiben am gleichen Tage:" Habe Dank für Deinen Brief, der mich unaussprechlich freute. Hab Dank für Dich, Du guter, reiner, edler Mann. Ich fürchte mich nicht vor der. Zukunft unserer Freundschaft, dessen sei sicher, denn ich vertraue Dir ganz und gar und das mag vielleicht vermessen klingen- ich vertraue mir selber. Es gibt nur XXX einen Menschen in der Welt, der ausser uns, diese Freundschaft in der Hand hat Dein Weib. Und auch dessen kannst Du sicher sein ehe ich sie kränke, will ich weit, weit fort, aus Deinem Gesichtskreis verschwinden. Ich will, so sehr ich kann um ihre Freundschaft werben nächst freilich, mein Heinz um Deinetwillen. Sieh ich bin leider lange, lange nicht der Mensch für den Du mich hälst% 3B ich ziehe mich wie ein verwundetes Tier in einen Schlupfwinkel zurück wenn ich mit weit aufgeschlossenem Herzen jemandem entgegen kam und kein Versuch gemacht wurde, einzutreten. Du siehst, ich sage Dir alles, und ich denke, es bedarf dazu nicht der Versicherung, dass ich es Deiner Frau nicht im geringsten verdenke, wenn sie zurückhaltend war/. Ich hoffe, sie wird mich noch einmal lieben lernen, wie ich sie zu lieben lernen möchte. Heute sende ich Dir nur diesen Brief, dessen einziger Inhalt Dank, Liebe, Freundschaft ist. Und nun leb wohl, Du Lieber, Guter; reise glücklich, sei glücklich, werde glücklich; Du musst es sein, denn es geht von Dir Glück aus! In inniger Liebe Deine Lily." 1895 Zur selben Stunde schreibt Heinrich ihr diese Lebensbeichte:" Meine liebe, holde Lily, wie schmerzlich entbehre ich Dich! In manchen Augenblicken war ich schon egozentrisch genug zu wünschen, dass Du nicht gereist wärst. Dann freilich sage ich mir mit noch schmerzlicherer Empfindung, dass ich zu solchen Wünschen gar kein Recht habe. Denn was vermag ich Dir zu bieten! Ich bin ein halbverdorrter Baum, an dem nur spärliche Aeste einen täuschenden Blätterschmuck tragen, aber die Triebkraft zu Blüten und Früchten bloss noch in dürftigem Mass besitzen. Ich wünschte Dir einen Freund, der einem kraftvoll aufstrebenden Baume gleicht, unter dessen breitem Blätterdach Du Schutz findest gegen Gluthitze und Regenschauer der Dich im Frühling mit Blüten überschüttet und im Sommer und Herbst köstliche Früchte in Deinen Schoss fallen lässt. Fändest Du einen solchen Freund, ich freute mich so von Herzen, dass ich es gern duldete, wenn Du an dem anderen Baum achtlos vorbei gingest.---- Nie habe ich den traurigen Verlauf meines Lebens, dass erst seit einigen Monaten sich aufhellt, so tief empfunden wie jetzt, wo ich meiner geliebten Frau und Dir, Du Holde, so vieles sein könnte. Eine Kindheit habe ich nie genossen, und meine Jugend litt auf das schlimmste unter dem Ueberfluss, in dem meine Eltern damals sich befanden, und der viel mehr geeignet war, Energie und Tatkraft in mir zu lähmen statt zu entfalten. Dann hatte ich vor cirka 15 Jahren das Unglück, meiner ersten Frau zu begegnen,-zwei Jahre lebten wir in dem von den ärgsten Widrigkeiten erfüllten Brautstand; als wir darauf heirateten, hatte ich in den 8XXX 8,1/ 2 Jahren der Ehe mit ihr, auch nicht eine einzige frohe Stunde. Das war aber nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war, dass XXXXX dass das Unglück, das ich in dieser Ehe erfuhr, ein niederwenden drückendes war, ein alle Schwungkraft herabziehendes, und eine Art moralischen und geistigen Siechtums in mir erzeugte. Ich trug das in stummer Ergebung, weil ich glaubte, dass alles mit einem gewissen krankhaften Zustand meiner Frau zusammenhänge, den zu ertragen eine verhängnisvolle Pflicht sei% 3B weil diese Frau achteinhalb Jahre lang Tag für Tag und Stunde für Stunde in mir den Anschein erweckte, als liebte sie mich schwärmerisch, und weil ich glaubte auf die Frau und die Kinder Rücksicht nehmen zu müssen. Hätte ich etwas mehr Psychologie besessen und wäre meine ede gesunde Rücksichtslosigkeit in dieser fratzenhaften Ehe nicht einer erbärmlichen Schwäche gewichen, so hätte ich freilich sehr bald die Fesseln zerrissen. Erst als vor cirka 5 Jahren meine Frau, vollkommen unvermittelt, mir erklärte, sie wolle die Scheidung, und der ganze Wahnsinn meiner bisherigen Existenz mir mit einem male klar wurde aus dem dumpfen Schmerz, I der mich gelähmt hatte, ein unsäglich tiefes, aber alle Kräfte aufstachelndes Leid wurde, da erwachte ich aus einer Scheinexistenz zu vollem Leben. Die vier Jahre, die nun folgten, mit ihren unaussprechlichen Schmerzen, mit ihrem fieberhaften Ringen und das fünfte Jahr, das mir den Besitz der Liebe und den Besitz meiner Frieda brachte, haben mich wohl zu einem Mann gereift und von Grund aus verändert. Aber wieviel Wunden habe ich davon getragen, wieviel Kräfte entweder im Keim verdorren sehen oder auf eine für dauernde Gestaltungen XXX unfruchtbare Weise verschwenden müssen! Jetzt freilich werde ich wenn meine Gesundheit, die zu allem anderen auch arg geschädigt ist, einigermassen wieder hergestellt ist, mit der grössten, Energie daran arbeiten, die Lücken meines Wissens, die Mängel der unglücklichen Erziehung und Entwicklung zu beseitigen soviel ich nur irgend vermag, durch rastlose Tätigkeit meinem Leben nützlichen Inhalt zu geben. Aber der beste Teil ist verrauscht, und wenn ich durch unbeugsame Energie meinen spröd gewordenen Fähigkeiten noch manches abzuringen hoffe was dem allgemeinen Nutzen dienen kann es wird doch wohl für mich auch heissen: Resignation ist der Weisheit letzter Schluss." , , -1) tdoan bau .. onto": etioledagedel sasibadi -UB meb dol пе nebnew ! aug Hola Iea Julie: Sonst nicht Bedürfnis Selbsterlebtes mitzuteilen. Beachte: Die beiden Brief kreuzten sich. Antwort auf Lilys Brief:”: … wieder habe ich Deinen lieben, mich so innig beglückenden Brief gelesen. Ich möchte Dir so gerne die Empfindung aussprechen, die Dein entzückendes, liebes, gütiges Wesen in mir weckt. Aber mein freudiges Gefühl lässt mich verstummen. Mag dieses Schweigen Dir sagen, dass ich von der zärtlichsten Gesinnung und tiefsten Verehrung zugleich für Dich erfüllt bin..... In den letzten Tagen habe ich manches von Dir gelesen, z. B.:"Die Bürgerpflicht der Frau," und habe mich der hinreissenden Wirkung gefreut ‚die Du als Rednerin und Schriftstellerin zu üben vermagst. Aber grade weil ich Deine Fähigkeiten so hoch schätze wünsche ich desto lebhafter, dass Du sie ganz entfaltest und ihre glückliche Entwicklung und die grosse Wirkung, die von ihnen ausgehen kann, nicht beeinträchtigst durch ein Uebermass von Arbeit, durch frühreifes Produzieren und durch Schriftstellerei, der man es anmerkt, dass sie mehr der Not als dem eigenen Bedürfnis entstammt. Das Letztere trat mir in der „Londoner Eindrücken“ entgegen, die Du in der"Zukunft" veröffentlicht hast. Aus diesem Grunde möchte ich Dich noch einmal herzlich bitten Vorschlag recht ernst zu prüfen, dass Du das nächste Jahr, so ausschliess- lich es eben möglich ist, wissenschaftlichen Studien widmest, und hinter diesen alle anderen Verpflichtungen zurücktreten lässt. Du wirst Dich da- durch keiner Versäumnis schuldig machen, und nachher Deinen Pflichten nur noch viel vollkommener genügen. Da ich leider den Haupttreffer noch nicht gemacht habe und nicht imstande bin, wie ich es möchte, Dich ökonomisch unabhängig und von dem wichtigen Gelderwerb für die Dauer frei zu machen, so kann ich Dir nicht raten Deine Stellung bei der"Ethischen Kultur“ jetzt schon aufzugeben...... Ueberlege zunächst ein zweckmässiges Vorgehen, wie im nächsten Jahre das, was ich für Dich wünsche, am besten zu ermöglichen wäre. Die Geldmittel kann ich Dir, ohne dass mir ein em- pfindlicher Abbruch geschieht, zur Verfügung stellen, aber ich knüpfe daran die Bedingung, die einzige, aber diese ernstlich – dass der Zweck auch wirklich erreicht wird, dass Du Dich durch Dein entzückendes, heroisches Temperament nicht bei irgend einer Gelegenheit fortreissen lässt und dem ruhigen, systematischen Studium entziehst Er ist auf ihr geistiges Fortkommen bedacht.-- Sie sorgt sich um sein ———Sie möchte ihm wohltun:"Strahkörperliches und seelisches Befinden. leuchet der Mond in mein Zimmerchen .Dein Brief, mein Heinz, brachte mir neben der grossen Freude, der grössten und reichsten seit meines Gatten Tod, eine Wehmut mit, die mich lehrt, dass ich Dir gegenüber nicht nur die Empfangende zu bleiben brauche, sondern dass ich Dir etwas sein kann. Glaubst Du, Du fehltest mir nicht? Hast Du doch Dein läebes Weib, Deine Kinder. Ich aber habe niemanden als Dich. Das klingt hartherzig für alle die, die sich meine Freunde nennen.... Aber mir kommt die Freundschaft, die ich für sie% empfinde, wie das kühle Mondlicht vor, gegenüber der wärmenden Sonne. Könnte ich etwas von ihrer Kraft in mir tragen, um sie Dir zu bringen! Sieh, ich fühle oft eine überströmende Lebenskraft in mir, dass ich nicht weiss, wo ich hin soll mit ihr, dass es mich verlangt für etwas Grosses, Ganzes einzusetzen; aber jetzt wünsche ich mir noch(sie) Deine eigene Kraft könnte sich an der meinigen kräftigen. Und doch kommt mir das wieder fast lächerlich vor: Du, der starke Mann, der mit den reinsten Waffen, denen der Wissenschaft, für die grosse Sache kämpft und die Freiheit hat, für sie zu kämpfen; Du, der Du aussehen kannst wie ein Jüngling, und der Du so Dich fühlen wirst, wenn Du erst gesund bist, Du solltest meiner bedürfen? meiner, die ich ohne Deine Hilfe nicht vorwärts kann in meiner Sache? – Vein, mein einziger Freund Du hast kein Recht Dich zu unterschätzen, oder gar so etwas zu fühlen, wie Du es aussprichst, wenn Du sagst, Du habest die schmerzliche Empfindung, mir nichts bieten zu können. Wenden sondern Bietest Du mir nicht das Höchste, was ein Mensch dem anderen bieten kann? Und wenn ich es Dir rückhaltlos wieder biete, ist es nicht, weil ich fühle, dass einem Menschen wie Du nur das Höchste und Beste geboten werden kann, und weil wir einander gegenseitig bedürfen?--- Erst seit wenigen Monaten atmest Du in reiner Luft und. Du wunderst Dich dass Du noch an der fast ein Jahrzehnt XXX Dich eng umschliessenden dumpfen Atmosphäre krankst? Du bist kein Mensch, der garnicht mehr davon gesunden kann. Wohl hast Du viel, viel mehr gelitten als ich, aber Du bist auch stärker als ich, denn ich hätte Deine Leidenszeit überhaupt ason nicht ertragen. Aber wir sind trotz dieses Unterschiedes von einem Stamm Nicht, Resignation ist unser Weisheit letzter Schluss tatkräftige Hoffnung. Wenn ich mir Dein Bild vor Augen führe und Deine Augen aufleuchten sehe wie sie nur bei denen leuchten, denen das ewige Licht im Herzen brennt, wenn ich mir Deine Stimme zurück rufe die Dich prädestiniert ein Führer der Menschen und ein Tröster zugleich zu sein, dann meine ich besser als Du selbst zu wissen, dass Du leben wirst. Nicht leben im Sinne der Dutzendmenschen, sondern leben, ganz und voll, wie die, welche den Weg des Parzival hinter sich haben. Wie glücklich bin ich dass ich mit in Dein Leben gehöre! Und ich werde mir den Platz zu erhalten suchen. Lieb will ich Dich haben, mein lieber Heinz, von ganzem Herzen und treu will ich Dir sein in jeder Lebenslagen, und unauslöschlich wie meine Liebe wird meine Dankbarkeit sein. Ist es doch Deine Freundeshand, die mich hierher führte Deine Freundschaft, die den ersten vollen Sonnenschein in mein Leben brachte........ Nach Kreibitz.... werde ich am Dienstag postlagernd schreiben. Von dort aus möchte ich gerne bald von Dir Nachricht haben, und wenn es nur ein paar Worte sind. Wie gerne ich selbst hinkäme, brauche ich kaum zu sagen. поб US ?????? Am nächsten Tag:" Als ich heute die Berliner Post bekam und von Dir kein Brief darunter war, zog sich mir ordentlich das Herz zusammen. Darum bitte ich Dich( nicht dass Du in Deiner Gute darauf Rücksicht nimms esdealo XXXNXXXXXX sondern dass Du mich nicht mehr so verwöhnst. Ich denke sonst zuviel an mich selbst und an mein persönliches Glück mit dem ich doch ein für allemal abschliessen wollte....... Eben färbt sich der Abendhimmel glutrot, violett schimmern die Stämme der Bäume- wie würde Dits w wohl werden, hier. Ich würde Euch das schönste Häuschen aussuchen und würde XXXXXXXX glücklich sein, wenn ich nur einmal Täglich ein paar Minuten lang mich überzeugen dürfte, wie die Luft Dir die Falten von der Stirn streicht, wie die Sonne Dir das Blut in die Wangen lockt хол enied, dist по doi aasb 11 elfa eib, nebre Jmmox to ob netenter neb bru τον 8 Nächster Tag" Gestern abend kam Dein lieber, lieber Brief, an dem ich nur eins vermisse: ein Wort über Dein Befinden. Gestern, a; s der Mond so zauberhaft die Landschaft beleuchtete und ich allein droben am Bergabhang sass, kam wieder einmal ein Anfall von Verzweiflung über mich dass ich schliesslich hinunter in mein Zimmer lief, die Läden schloss und die englischen XXXpXXIX Fabrikinspektorenberichte vornahm, um mich möglichst schnell selber zu vergessen. Sobald ich mir meiner eigenen Lage bewusst werde, voll bewusst sobald ich aufhöre aufzugehen in der Arbeit, in der Menschheit, sobald breche ich auch zusammen. Das sage ich Dir nur und muss doch fürchten, dass Du mich deshalb minder achtest. Oder irre ich mich? Darf ich Mensch sein vor Dir? Ich hoffe es. Du weisst ja auch, dass solche Stimmungen vorüber gehen. und jetzt leichter und schneller als früher, weil der Gedanke an Dich mich die Einsamkeit vergessen lässt Und nun, mein lieber Heinz, habe ich Dir zu antworten: Wenn Du ein reicher Mann wärest und keine Kinder hättest, so würde ich mich keinen Augenblick besinnen und Deine Hilfe in Anspruch nehmen. Aber als Deine verständige Schwester muss ich Dich verhindern, Deinem grossen, grossen guten Herzen zu folgen. Du weisst nicht, wie gross Deine Familie noch wird Du weisst nicht, ob nicht Krankheiten Reisen und Kuren für Dich und die Deinen nötig machen. Du weisst dagegen, dass ich nicht in Not bin..... Trotz aller Arbeit habe ich stets Zeit zum Studieren übrig behalten, denn ich habe z.B. ziemlich systematisch, solange mein Mann lebte philosophische Bücher gelesen. Was mir jetzt fehlt, ist die Anleitung, und wo fände ich sie besser als bei Dir? Ich könnte Dir versprechen eine fleissige Schülerin zu sein. Ich glaube überhaupt an nichts Uebersinnliches. An das, was ich sehen und erfahre, glaube ic; an Dich, Du geliebter Freund Du geliebter Freund, an Deine Liebe und Treue. Und an die Not der Welt glaube ich, und an unsere Kraft sie zu bekämpfen! Ich muss schliessen, obwohl ich den ganzen Tag mit Dir reden ohte. Sei gegrüsst Du Guter, Lieber von Deiner bis in den Tod getreuen Lily. So ging die Zwiesprache ohne Unterlass weiter. Wenn sie den Brief zur Post brachte, empfing sie dort einen anderen. 11 , ... Manchmal, wenn ich über das in den letzten Tagen Erlebte nachsinne kommt es mir vor als träumte ich ein Märchen, in dem ein bezauberndes Königskind einen MXXX* armen Hirten beglückt. Seh' ich aber näher zu, dann ist's gar kein Märchen und kein Traum sondern holdeste Wirklichkeit: Du bist ein Königskind, bist es durch den höchsten geistigen Adel, und mich, der Deiner so wenig wert ist, beglückst Du durch die zärtlichste Freundschaft.- Wenn ich Dir doch nur so danken könnte, wie ich das möchte dadurch dass ich Frohsinn und Glück in Dein Leben bringe und Dir die Bahn frei mache zur Entfaltung Deiner reichen Gaben Besonders gütig war in Deinem heutigen Brif die Art, wie Du von meiner Frau sprichst. Ich freue mich von Herzen, dass Du ihr mit Wärme entgegen kommen willst, und ich hoffe, dass zwischen Euch das herzlichste , geschwisterliche Verhältnis sich entwickeln wird. Meine Frieda ist so rein, so gross und so frei, sie wird uns gewiss verstehen. Wenn wir nur recht bald in voller Offenheit miteinander verkehren könnten: Ich empfinde die unvermeidliche Zurückhaltung, die wir im Moment uns auferlegen müssen wie etwas unwürdiges; aber es ist alles so überstürzend schnell gekommen. dass wir selbst in manchem Momenten wie vor einem Rätsel standen, und dazu ist Friedas Zustand ein sehr leidender-im Augenblick, sodass wir schon eine gewisse pädagogische Vorsicht beobachten müssen. Hoffentlich wird das bald anders sein können. Deinen nach Stahnsdorf gerichteten Brief werde ich ihr heute abend, wo sie von Danzig zurückkehrt übergeben.... Wenig erfreut bin ich, dass die ruhige Stille dass die ruhige Stille, die ich in Brunkühl für Dich wünsche, durch allerlei Besuch gestört wird. Schon schlimm genug, dass Dein Redaktions- Train Dir fortwährend folgt, und ich Dich mit meinen Briefen beunruhige. Eigentlich solltest Du jetzt, wie ein indischer Heiliger in tiefster Waldeinsamkeit leben. Das täte Dir am besten 9 Lily, leicht spottend:" Ich bleibe ruhig hier, wenn auch nicht als" Indischer Heiliger", ich habe leider gar keine Anlage zum Säulenheiligen. Selbst im tiefsten Waldesdunkel in der Hängematte denke ich weniger an die Rettung meiner Seele als an die Rettung meiner armen Brüder und Schwestern lund von jeder Höhe möchte ich die rote Fahne flattern sehen." stets/ Nächster Brief" Ein Tag ohne Dich ist trotz des blauen Himmels/ ein verschleierter. Aber es ist selbst dann kein trüber mehr, wie alle Tage seit dem Tod meines geliebten Gatten Tod waren, ehe Du in mein Leben tratest. Wie würde er Dich segnen wenn er darum wusste! Und dennoch mein lieber Freund, wiederhole ich lieber kehre ich in mein dunkles einsames Dasein zurück und denke unserer Freundschaft als eines kurzen, schönen Traumes, als dass ich einen Tropfen Bitterkeit in den Kelch Deines DAMINE Glückes einen Schatten in das Leben Deiner lieben Frieda bringe, Trennen wirklich trennen würde mich doch nichts mehr von Dir, , auch wenn wir ausserlich uns trennen müssten..... , Gestern habe ich eine schöne Partie über die Berge gemacht. Wie weitet sich das Herz dort oben Wie versinkt die enge Strassenwelt auch vor dem inneren Blick!... Ich fand stets, dass es unmöglich ist, unwahr zu sein vor der Natur, daher zerfällt die zusammengeflickte, lugnerische Grösse in nichts vor ihr Du, mein geliebter Freund brauchtest Dich der Probe niemals zu unterziehen denn Du bist ein echtes, lebendiges Teil dieser Natur, und ich hoffe ich würde vor Dir die Probe bestehen. Aber um unserer selbst willen wünschte ich doch sehnlich, wir träfen uns ausserhalb lastender Mauern 3 vielleicht, dass ich auch dann leichter das Herz Deines lieben Weibes gewänne. Denn etwas von den schönsten Träumen meines Lebens umgibt mich hier; ich bin weicher als da, wo der Kampf des Lebens mir täglich nahe tritt. Wie gern käme ich zu Euch obwohl ich mich auch etwas fürchte; würde doch meine Zukunft davon abhängen! Ich meine nicht die äussere, sondern die des inneren Lebens. Deine Frieda wird nicht ahnen, welche Macht sie über mein Leben hat Nächster Brief: , Es erscheint mir wirklich oft wie ein Rätsel, dass wir einander so schnell gefunden haben. Es ist mir ein Beweis mehr gegen die absurde Lobpreisung und Heilighaltung der Blutsverwandschaft. Haben doch die Jahre des Zusammenlebens mich immer mehr meiner Familie entfremdet, und die sichtbaren Bande, die mich an sie fesseln, drücken oft hart. Die unsichtbaren, die mich mit Dir verbinden werden, das weiss ich nicht nur niemals drücken,-wenigstens mich nicht sondern auch unzerreisbar sein... Heute, als ich droben im Walde lag, zog halb im Traum, mein Leben an mir vorüber, und ich dachte, was Du wohl sagen würdest was Du wohl sagen würdest, wenn ein Vorhang nach dem anderen vor Dir aufginge, bis das ganze bunte Bild vor Dir läge. Nur ein Jahr meines Lebens war ganz ohne Sturm war nur Glück, war nur schattenloser Sonnenschein. Und jetzt? Diese kurze Spanne Zeit zwischen dem Augenblick, wo Deine weiche Stimme mir zum ersten- mal so beruhigend ins Ohr klang, und dem Augenblick wo ich die Schwelle meines fremden Zuhause betreten werde ist nur ein Waffenstillstand. Ich wünsche es auch nicht anders. Ich gehöre wieder ganz der Welt da draussen, und schon jetzt zieht es mich gewaltsam zu ihr hin. Nur im Kampf und in der Arbeit wird die Erinnerung an mein Märchenjahr ihren schmerzenden Stachel verlieren. Und wenn ich ruhebedürftig bin und es wird mir die Freude zuteil, in Deiner Familie kein Fremder mehr zu sein. so habe ich alles, was ich bedarf Das klingt recht schön und resigniert, nicht wahr? Und doch wird es mich -lange noch- schwere Kämpfe kosten, den Standpunkt innerlich festzuhalten. Wie ich von Kindheit an lechste nach Wissen, so verdurstete ich fast nach Glück. Ich verachtete aber das Glück, was die Dutzendmenschen so zu nennen pflegten. Und wenn dann meine Sehnsucht manchmal ausbrach, so sagte meine Grossmutter wohl mit traurigem Lächeln:" Armes Kind, was willst Du in unserer Zeit mit dem wilden korsischen Blut."... Ich halte nichts von der christlichen Demut; ein ernstes Selbstbewusstsein steht mir höher. Darum weiss ich auch, das es nichts Wertloses ist, was ich Dir gebe, was von meinem Ich noch lebt, seitdem meines Gatten Sarg sich schloss. Wusst' ich das nicht, ich stünde ja wie ein Bettler vor Dir: Ein Vagabund bin ich genannt, Will niemand von mir wissen!........ so sang ich vor Jahren. Ich hörte es im vorigen Jahr nicht gern, wenn mir irgendwo mein eigenes Lied entgegen klang; es passte nicht mehr zu mir. Als es aber neulich Herr von Blaas wieder sang, fuhlte ich, dass es edost jetzt erst ganz passt. Heimatlos, vogelfrei!" ac -J - ST em addoin doob dous doim dol Inowdo пе dous se .im us dem Join ejzasm as Bede Und nach durchwachter Nacht:".... ich ertrage es nicht länger. Ich muss heim, muss arbeiten, arbeiten und wenn ich daran zugrunde gehe. Nicht böse sein, nicht verachten, versuche zu begreifen... Ganz kannst Du es nicht. Wenn ich an Gott glaubte sagte ich: Gott sei Dank, dass Du es nicht kannst.... Würde alles hingeben, wenn ich damit Dein Leben vor dem Furchtbaren bewahren könnte, das mich traf. Was fesselt mich noch an das Leben? Viele sind da, die meine Stelle ausfüllen KKKKKK wurden, wenn ich gehe. Du, mein lieber Bruder, würdest um mich trauern, und doch wäre es vielleicht auch für Dich besser, ich wäre fort, ich ruhte still bei dem, at den ich geliebt habe und liebe, mit der ganzen Kraft meines heissen gequälten Herzens.- Wie heller Sonnenschein kamst Du in mein dunkles Leben, ich glaubte fast wieder, es könne ein milder Nachsommer kommen für mich. Je länger ich nicht mit Dir reden kann und nichts von Dir höre je länger ich diese Menschen wenn auch nur für kurze Zeit , täglich ertragen muss, desto mehr ziehen die alten Nebel sich über mich zusammen. Und wenn ich an Dich denke krampft sich mir das Herz zusammen; denn um meine twillen hast Du unruhige Stunden, ich bin störend in Dein aufblühendes Glück getreten, und Dein geliebtes Weib leidet, weil ich vermessen genug war den Platz in Deinem guten, weichen Herzen, den Du mir botest anzunehmen. Wenn meine Vermutung richtig ist, dann mein lieber Bruder bitte ich Dich und sie: vergebt mir,- und störe A Deine Wege nie mehr Stunden später:" Nun ist es Nacht, und doch is's heller in mir als heute morgen. Hab Dank mein lieber Bruder, hab Tausend Dank: Meine Liebe und Treue ist das Einzige, was ich Euch geben kann, aber das ist stark und tief und nicht ganz wertlos. Ich werde nun die letzten Tage hier froher und glücklicher verbringen, denn ich gehe ja keiner Trennung von Dir sondern einem glücklichen Wiedersehen entgegen. Du wirst Dich nun auch erholen, nicht wahr? Leb wohl, mein lieber Bruder. Wenn mir grade nach Empfang Deines Briefes die Worte versagen, so wird es Dich nicht wundern." Dieser Brief von Heinrich lautete:" Heute kann ich Dir endlich eine lang ersehnte Nachricht geben, die Dich nicht minder als mich aufs innigste erfreuen wird: Meine Frau weiss, dass ich Dich wie eine Schwester liebe und sie hat den herzlichen Wunsch dass sie mit Dir in demselben, warmen, geschwisterlichen Verhältnis sich findet. Du magst Dir selber sagen glücklich ich wäre wie wenn Ihr beide Euch vollkommen verstehen lerntet und wenn das zwischen uns bestehende Band reinster und innigster Freundschaft auch meine geliebte Frau mit Dir verknüpfen würde. Ich will Dir nicht verchweigen, dass meine Frau zu dem Gefühl einer warmen und jetzt rückhaltlosen Zuneigung zu Dir nicht ohne schwere Kämpfe gelangt ist. Leider trage ich die Hauptschuld daran. Statt, wie es der Reinheit und grossen Gesinnung meiner Frau entsprochen hätte, ihr sogleich zu sagen, was wir beide erlebten, wollte ich in einer törichten, pädagogischen Vorsicht sie erst mit der Zeit und nach und nach mit unserem Freundschaftsbund vertraut machen. Ohne dass ich ihr etwas gesagt, hatte sie aber die Tiefe und Innigkeit unserer Beziehungen erraten und war nun gekränkt und verletzt darüber dass ich ihr nicht volles Vertrauen entgegen gebracht hatte. Das hat ihr viel Schmerzen bereitet und sie nicht so gleich den richtigen Standpunkt gewinnen lassen. Heute nun habe ich ihr mit voller Offenheit von unserem Verhältnis gesprochen, und damit ist alles ausgeglichen und die freudigste und hamonischste Stimmung an die Stelle einer gewissen Verbitterung getreten. Komm Du, liebste Lily, ihr nun auch äusserlich so warm entgegen, wie das schon immer Deinen Empfindungen für mein geliebtes Weib entsprach. Ich hoffe bestimmt, für jeden von uns dreien wird wird ein reines und grosses Glück aus unserer Freundschaft sich ergeben. Für heute will ich Dir nichts mehr schreiben.Ich schliesse mit den herzlichsten Grüssen und bleibe in inniger Liebe für immer Dein H. Und auf demselben Blatt von anderer Hand:" Liebe, gute Lily! Jetzt, wo Heinrich mir gesagt, in wie glücklicher Weise Ihr Euch gefunden habt empfinde ich nur die lebhafteste Freude und wünsche nichts mehr, als dass Du auch mir eine Schester sein könntest, bitte wenden пе Finanz and Dusseldord- Aldstedt m In der. Anlage Бли ... wie ich es Dir sein will. Ich nähere mich Dir mit den wärmsten Gefühlen und glaube sicher, dass wir für immer Freunde im höchsten Sinne des Wortes werden können wenn Du mir dadurch Deine Achtung beweisest dass Du immer uneingeschränkte Offenheit gegen mich an den Tag legst. Ich verstehe alles und finde mich in alles nur nicht in Unaufrichtigkeit. , Noch eins will ich sagen: Ich habe bisher ganz in dem Ideenkreis gelebt, der Dich erfüllt und begeistert, aber mein bisheriges Leben hat mir gründliche Studien nicht gestattet. Du kannst in mir deshalb nur eine Schülerin sehen, aber eine, die Dir von Herzen dankbar sein wird, wenn Du sie in ihrem Streben unterstützest. Sei von Herzen gegrüsst und geküsst Deine Frieda ie де edeld" be 1919bne nov medlemsb tus bu dem addoln silvanow busbusteddel elbeb 11qme пе , - Sofort" meine liebe Frieda!" Kein Wort kann Dir sagen, was Dir viel leicht schon ein Blick, ein Händedruck gesagt haben würde%; wie dankbar ich Dir bin für Deine Güte, wie ich Dich liebe um Deines reinen, grossen Herzens willen, wie ich Dich hochachte, weil Du so stark und wahr bist. und wie innig ich Dich bitte verzeih mir all das Weh, das ich Dir brachte verzeih mir, weil ich selbst so sehr darunter litt.- Durch treue Freundschaft, durch volle Aufrichtigkeit hoffe ich wieder gut zu machen was ich Dir angetan habe 1 Du bist des Mannes geliebtes Weib, der mir/ am nächsten steht, der den ersten Strahl von Gluck wieder in in der Welt/ mein Leben brachte; als solche schon warst Du mir lieb. Jetzt aber hab ich Dich lieb um Deiner selbst willen. Bitte gib. beiliegenden Brief an ihn; er entstand in vielen Absätzen und ist eigentlich nichts als ein Monolog, aber ich sende ihn Euch doch ich möchte, auch Du lerntest mich kennen, nicht nur wo ich stark, sondern auch, wo ich schwach bin. Ich habe mich heute lange Stunden hindurch selbst zerquält. Sieh, ich habe all mein Lebensglück begraben müssen, als es in vollster Blüte stand, und ich kämpfe vergebens gegen die Verzweiflung an, die mich manchmal packt. Dein Gatte war's, dem ich A allein zu sagen vermochte, was mich quält. Und dabei wurde ich ruhiger. Wie ein Bruder im höchsten Sinne hat er an mir gehandelt in wenigen Tagen wurde er mir lieb wie ein Bruder. Aber dass Du mir Deine Liebe entgegen bringst, ist ein noch grösseres Geschenk, es gibt mir doppelt wieder, was ich glaubte ganz verlieren zu müssen. Lebewohl Du edle, gute Frau, mit dem Namen, der weich und beruhigend klingt wie Deines Gatten Stimme. Ich bin in Liebe und Dankbarkeit Deine treue Schwester Lily":" 2 Dazwischen erhält sie schon eine herzliche Einladung von beiden. " Fast KTE Lily sagt ja. Dann bereut sie es; Ein Brif an Heinrich hätte ich meinem Telegramm ein zweites folgen lassen, um zu widerrufen. Ich bin mir nicht ganz klar, dass ich jetzt komme Gründe will ich mündlich sagen.... Ich komme, um einer für mich ganz neuen Brkenntnis willen: eine deutsche Frau zu finden, die ein Mensch ist. Und ich komme um Dich wiederzusehen, worauf ich mich von Herzen freue. Wie lange oder wie kurz ich bleibe, hängt allein davon ab, ob wir Drei uns so finden, wie ich es wünsche." ' , Ihn plagen keine Zweifel. Bestätigt Depesche." Du wirst Dir kaum vorstellen können wie sehr ich mich auf Dein Kommen freue. Ertrage ich doch die Trennung von Dir sehr schwer und umso schmerzlicher, als unser neuer Briefwechsel ins Stocken geraten ist. Aber Du darfst sicher sein, ob ich Dir schreibe oder nicht. meine Gedanken weilen immer in der zärtlichsten, liebevollsten Freundschaft bei Dir, und das Gefühl, das mich mit Dir verbindet, wird sich nie ändern, ich glaube nicht einmal in- unmöglichen- Fall, dass Du eine andere werden solltest." " Auf Deinen Brief, den Du mir heute • Vor der Abfahrt von Brunbühl durch Frieda übergeben liessest weiss ich Dir nichts zu antworten Wenn ich in der treuesten und zärtlichsten Freundschaft für Dich, mein ganzes Leben hindurch bewährt habe dann werde ich erst der Gesinnungen würdig sein, die Dein Brief ausspricht, und damit auch allein die rechte Antwort erteilt haben.- Aber eins glaube ich auch heute immerhin sagen zu dürfen% 3B meinem guten Willen darfst Du vertrauen%; B was ich nur irgend tun kann und Du kannst sicher sein, dass Frieda mich darin stets gern und freudig unterstützen wird um Dein trauriges Los zu mildern, Dich aufzurichten/ h Wärme in Dein verödetes Leben zu bringen, das will ich mit zärtlicher Liebe immer tun/ Kannst Du in unser beider Herzen so etwas wie eine Heimat finden, so sei sicher, dass es sich Dir mit wärmster Liebe öffnet." Dem oft geäusserten Wunsch war Erfüllung angeboten. Schwester und Bruder hiessen sie in Herz und Hau willkommen. 12 Doch wollte sie das denn so? Sie fühlt, dass es nich beider Herz ist, das sie begehrt. Einzig das des Freundes - - Brief auf der Reise" Da ich nicht weiss, ob und wann ich eine ruhige Stunde mit Dir allein sein werde, so will ich Dir schriftlich auseinander zu setzen suchen, was mihjbewegt..... Als Dein. Telegramm mich darauf vorbereitete, dass Deine Frau von unserer Freundschaft weiss vermochte ich nicht mich zu freuen%; als Dein und ihr Brief kam bin ich in mein Zimmer gegangen, habe meines Gatten Bild in die Hand genommen und bitterlich geweint. Mein Gefühl sagte mir sagte mir, nun bist Du wieder ganz, ganz allein mit dem, der nicht mehr ist. Dann schalt ich mich toricht, zwang mich zur Freude und schrieb an sie. Um. mein wie mir schien törichtes Wesen ganz zu überwinden, sandte ich ihr, mein vollstes Vertrauen beweisend den für Dich bestimmten Brief. Als der Morgen graute ich hatte die herrliche Mondnacht im Walde zugebracht wusste ich, dass mein erstes Gefühl das rechte gewesen war. Den Schrein in meinemm Innern, der sozusagen die Reliquien meinen ganzen Lebens birgt, halte ich stets verschlossen; nur mein Gatte kannte ihn ganz und gar, und Dir, der Du mir am nächsten stehst, begann ich ihn aufzuschliessen. Es war mir, als hätte ich mich an mir selbst versundigt, dass ich neben Dir eine Fremde eintreten liess. Eine Fremde! Zürne mir nicht des Wortes wegen, versuche mich zu verstehen nein Du brauchst es nicht erst zu versuchen ich bin überzeugt, dass Du mich immer verstehst. Weil Frieda Dein Weib ist, war sie mir lieb, noch ehe ich sie sah; jetzt, nachdem sie sich gezeigt hat wie unter tausenden nicht eine.... sich zeigen würde, nachdem sie mich durch ihren Brief, den ich gestern erhielt, aufs tiefste bewegte, achte und verehre ich sie wie keine andere Frau auf der Welt,- und doch ist sie mir eine Fremde! Wir beide kommen einander mit dem besten Willen, mit dem reinsten Gefühl entgegen, wir werden sicherlich in immer nähere Beziehungen zueinander treten wir werden voneinander lernen aber eine Freundschaft, mein Heinz, wie sie Dich und mich verbindet, kann niemals daraus entstehen. Nicht etwa, weil ich glaube, dass eine so seltene Frau wie Deine Frieda, die fast von Kindheit an ihr persönliches Leben den leidenden Menschen geopfert hat, und ein Weltkind wie ich dass sich im wildesten Getummel selbst auslebte, wie oft, mit Peitschenhieben durch die Höhen und Tiefen des Lebens getrieben wurde, dass zwei solche Menschen sich nicht verstehen lernen könnten, sondern weil ich selbst sei es, zu arm an Gefühlskräften, sei es zu reich an einem einheitlichen Gefühle bin und ihr niemals geben kann was Du besitzest: meine hingebende starke, vertrauensvolle, opfermutige, zärtliche Freundschaft. Ich habe immer nur eins sein können. Weisst Du nun, warum ich weinte, als Dein und ihr Brief kan? Ich bin Dir gut, ich werde es immer sein. Du kannst zu jeder Stunde in allen Lebenslagen auf meine Liebe und Treue rechnen. Unter den Lebenden nimmst Du XXX* XX* X* XXX an meinem Herzen die erste Stelle ein, während ich mich gern bei Dir mit der vierten, ja bald vielleicht mit der fuften begnüge,-nicht aus Bescheidenheit, nicht weil ich mich selbst soviel geringer schätze, sondern weil der Winkel Deines Herzens, der mir gehört, mir grade der liebste ist weil die Seite Deines Wesens, die sich mir erschlossen hat, mir als die grösste und beste erscheint. Ich würde niemals mit den Brosamen vorlieb nehmen, die von des Reichen Tische fallen, ebenso wie die Tafel für Dich stets fürstlich gedeckt sein wird Deine Liebe umschlingt mich wie ein schützender Mantel ich gehe fester, ruhiger und glücklicher durch Leben, seit ich Dich neben mir weiss. Und ich will Dich nicht verlieren Ich werde mich Deiner Frieda geben, soviel ich kann, ich werde versuchen ihr etwas zu sein, soviel ich vermag, aber ich werde eine andere sein als die Du kennst, wenn ich bei Euch bin. Ich kann mich nicht teilen für Dich und Dein Leben kann ich nur dann etwas sein, wenn wir uns allein gegenüber stehen: dann wird jede Viertelstunde uns reicher, besser und glücklicher machen als Monate des Zusammenseins zu dritt. Willst Du das nicht, kannst Du das nicht, bist Du zufrieden mit der Warmenden Flamme im ummauerten Kamin, mit der leuchtenden in der friedlichen Tischlampe dann ja dann muss ich mich hinein zu finden suchen, dass alles so kam wie mein Gefühl mir sagte, als es mir beim Empfang Eurer Briefe die Tränen in die Augen trieb. Ich werde nicht aufhören Dich zu , lieben weil das ganz ausser meiner Macht steht, aber ich werde Dir nichts sein, fast nichts. Den Bruder, den Freund werde ich verloren haben, auch wenn ein kluger, freundlicher Berater mir bleibt..... , Tief bewegt hat es mich, in wie liebevoller in wie liebevoller, zarter Weise Du nd mir nach jeder Richtung hin helfen willst Ich würde keinen Augenblick zögern, Deine Hilfe anzunehmen, wenn ich heute schon wüsste, was aus unserer Freundschaft wird. Schrumpft sie zusammen, muss sie zusammenschrumpfen, so wird meine Freiheit wieder mein kostbarstes Gut. Wenn ich dann Deine Hilfe annähme müsste ich sie opfern und wäre dann bettelarm. Die Verpflichtung die ich dann Dir gegenüber fühlen würde, würde einen unerträglichen Zwang auf mein Leben ausüben. Stehen wir dagegen einander ebenbürtig gegenüber, ein jeder für den anderen ein ganzer Mensch ein ganzes Herz dann ist der Reichtum, den wir uns gegenseitig schenken so unermesslich, dass Salles Gold der Welt ihn nicht aufwiegen kann Dann würde auch Deine Hilfe mich nicht drücken, weil die Freundschaft, die Du mir gibst, -viel tausendmal mehr wert ist; und das Gefühl der Verpflichtung Dir gegenüber würde mir keine Last sein, weil ich Dich ja rückhaltlos mit allem überschütten kann, was Freundschaft Gutes und Grosses bietet.... Es schl@ t 10 Uhr. Morgen um diese Zeit haben wir uns wieder. Ich schwanke zwischen Furcht und Freude , tel -ned iews If dot -LOV -ie an .jfb us an подове лебл • 13 HOV doi Wie sehr sich Lily verändert hatte, wusste sie nicht. Das klösterliche Leben lag hinter ihr Sie hatte sich einst dahin gerettet, in die stillen zwei Zimmer mit Gizycki. In die soziale Arbeit/ Berauscht Weltfreudigkeit war ihr vergällt. Innerlich Nonnenschleier. Seit dem Tod von G.Wittwenschleier. Noch geht sie in Schwarz. Aeusserlich zeigt das Tod und Trauer. Doch ihr Wesen leuchtete von Leben und Verlangen. Brauns erkannten Lily kaum wieder. Vestalin- blühende Frau. verlor H.B.jede Besinnung Er vergass Vergangenheit, Gegenwart, sah nur lily. Zu dritt waren beide allein. Frieda fühlte, dass sie nicht einmal störte. L.war schön, überstrahlte alles, jede Frau. Funkensprühand, glühend. Sie erkannte nun, dass sie gekommen war, um den Geliebten zu gewinnen H.begriff sich selber nicht. Ein Verzückter folgte der Fährte ..seines Herzens.- Eines Abends klammerte sich seine Frau- laut aufschluchzend an ihn. Der zurückgehaltene Groll gegen L., Gram um verlorenen Mann brach sich Bahn. Jetzt erst wurde sich H.der Wirklichkeit bewusst. Lilys Tagebuch:" Endlich Klarheit zwischen uns" Frieda kämpfte nicht. Sie ging fort, nach England, wollte dort ihre Entbindung abwareten. Hoffte, dass ihr Fernsein ein Nothelfer sein würde: Wollte durch soziale Arbeit Brücke zur Welt des Mannes schlagen.Also keine Aufgabe.( kein Aufgeben) Sie beobachtete nicht unbefangen. Sonst? Vergeblichkeit eingesehen. Beide nebeneinander: wer sie sah, wer sie sprechen hörte, für einander bestimmt!; Seltene Vereinigung forma; er Schönheit. Geistigen Ausdruck. sichere Haltung der hohen Gestalten. Seelische Masslosigkeit sprengte gewohnten Rahmen. Ausseren Mächten beugte sich H. niemals, dem Gesetz des Herzens war er untertan. Die gleiche Bahn. ( Scheidung) Kämpfe Herbst, Winter. Bei Jahresbeginn Frieda zurück. Februar kam ein Knabe, Name Ernst. H. hatte Kind lieb, weil es ein Kind war, empfand kaum, dass es sein Kind war. War freundlich zu Fr., wie zu einer fremden Frau. Sie willigte in Scheidung. Sollte bis dahin aufs Land gehen. Grosse Söhne blieben beim Lehrer in der Stadt. H.und L.reisten nach dem ..Süden( siehe auch aus dem Leben einer Sozialistin zu Vergleich) Inzwischen Frieda anderen Sinnes. Wollte vor der Weltden Namen behalten E: sollte( den Namen) nicht besitzen Heinr.zurück. Fr.umzustimmen. Inzwischen rast L.in Eifersucht, macht es ihm schwer mit Briefen u.Telegrammen Wie ein Fieber schütteln sie ihre Gefühle. Trotzdem muss er fernbleiben ... schreibt? Frieda sei nicht fähig, die Wirklichkeit zu begreifen. Mache sich Illusionen. Aber: Störung des Prozesses nicht zu besorgen." Bildet sich ein, ich werde mit Dir unglücklich werden, dann zu ihr zurückkehren".. Er ist bestrebt Fr.zu einer Kur zu bewegen. Verhält sich unvernünftig und undizipliniert. ne Lily: 門 . ... wirst Du auch nicht mit in die Kleisstr.ziehen? Wird, wenn auch nicht sie, das Kind es Dir antun? Dass Du vielleicht meiner nicht mehr mit solcher sehnsüchtigen Liebe gedenkst? Nun bilde ich mir ja leider oft ein( Du darfst mich nicht auslachen, ich will Dir aber jeden Gedanken und jedes Gefühl mitteilen) dass ich nie ein Kind haben werde, -dass Frieda der unheimliche Dämon ist, der diesen Einfluss auf irgendeine Weise ausübt: 88 Ich kann den Traum nicht vergessen, wo sie ihre entsetzlichen Hände auf meinen Leib legte.... ich bin eifersüchtig auf das unschuldige Kind.... Das Band zwischen Dir und Frieda ... trenne Dich bitte nach der Scheidung ganz von ihr und dem Kinde..... weiss, fordere schweres Opfer. ....... wäre Fr.nicht da.... wurde ich das Kind pflegen und hegen wie min eigenes./... ney L. 8ffnet einen Brief- erwartungsvoll, findet die Frau als Bild des Jammers dargestellt....." So bist Du vielleicht schon in der Kleisstr.in den Fängen der lieben Frieda,..... vergisst über Familienfreuden die einsame J Frau, der inzwischen das Herz brechen mag.......... Ich liebe Dich bis zum Wahnsinn.... überlebe nicht.... Alles habe ich Dir freudig geopfert Nicht einmal schreiben kannst Du...... An Frieda hast Du immer schreiben können,.... o, wie ich sie hasse..... ich möchte am liebsten heute nach Berlin, um sie und mich aus dem Leben zu schaffen..... Sie kennt Dich genau und spekuliert auf Deine grenzenlose Güte..... H.tut gleichmütig. Will damit beruhigen. Verschweigt, wie zerwühlt er selber ist. Versucht zu scherzen Lieber feuerspeiender Vulkan.... Herzlich gelacht.... Der grandiose Hass.... wirken komisch.,.... denn, Gefühle entladen ohne Ursache...... nicht einmal Schein eines Grundes.... Frieda hat es mit Virtuosität fertig gebracht jede Spur einer Zuneigung zu ersticken." Tags darauf: " Erschöpft... nach den Folterqualen( Verhandlungen mit Fried) Dein Brief. Dass Du Dich mit den abgeschmacktesten Befürchtungen abquälst,.. ist wirklich schmerzlic.. ...." Blieb hier, wollte schlimme Absichten sofort paralisieren...... Weiss nicht, ob gelingt.... wenn nur dann wenn meine aufs äusserste reduzierten Kräfte nicht völlig erschöpft# werden!..... muss über der Situation stehen..... Du könntest mich unterstützen..... wenn, Du Dich zur Ruhe und Sammlung Deiner Kraft zwingen würdest...... würde mich aufrichten..b. ✓ Sei nicht böse über schroffen Ton...... Behalte Vertrauen, dann stärkst Du Dich und mich" L.zwingt sich auch, das ist schwer, manadische Natur.... Sie liebte Friedas Waffe ist jetzt das Geld. Sie steigert ihre Forderungen " Mein Rechtanwalt war starr vor Entsetzen, über diese brutale Raffund Habgier..... Ich hätte bald geweint bei dem Gedanken, dass ich diese Frau einmal zu lieben glaubte und geheiratet habe. Julie: Niedrige Gesinnung erschien ihm" die Sünde wider den heiligen Geist." 21.Mai( 1896?)" Heute sind es neun Monate, dass ich das unvergleichl. Glück erfuhr Dir zu begegnen....... Von heute ab sind es noch 9 Tage, bis das entscheidende Wort vor Gericht gesprochen wird...... Was ich auch Dunkles und Schmerzliches erlebte, es wurde überstrahlt von Deiner sonnenhaften, im reinsten Licht atmenden Erscheinung... Mensch, durchstrahlt von Schönheit, erfüllt von Gute und Grösse. Nicht eine Stunde ohne Dich leben..... Trennung unmöglich, Schicksal. Unser Glück abhängig von stupiden Gesetzen, stupid XXXXXXXXXX urteilenden Richtern, vom Gesindel, dass auf Hintertreppen diese Richter beeinflussen kann ///////// Meine Wut ist hässlich, verzeih mir, sie verrät nur Ohnmacht. .. Schönstes Glück...... Anderer Brief" Heute Beklemmung.... günstiger Ausgang?.... Du und ich auch wenn am 30( Mai) alles gegen uns ausfällt, werden nie voneinander lassen..... Hoffentlich wird solches Pathos nicht von uns gefordert.... " FREI", depeschiert er. Lily:" Eine ungünstige Nachricht hätte mich vielleicht standhafter gefunden..." " Ohne Bitterkeit wollen wir der traurigen Zeit Valet sagen...... Heute ahend bist Du bei mir." US Julie Schönheit und Adel empfing er in einem Menschen, als Lily sein Weib wurde..... Im Sommer 1893 schrieb er an Sombart, körperlich und seelisch elend: " Wollen Sie sich nicht mit mir auf dem Ortler oder dem Adamello ein " Rendez- vous" gehen? Es überkommt einem da oben fast eine Ahnung von Braun hatte immer Sehnsucht nach den Bergen. Glück. emeanis elb ne "" Ich habe für meine redaktionelle Arbeit nie grösseren Eifer gehabt als jetzt"" So im Juli 1896, Brief aus San Martino di Castrozza, kurz nach seiner Vereinigung mit Lily " Wenn es mir in den letzten 9 Jahren gelungen ist( trotz allem) im "" ARCHIV"" und im" SOZIALPOLITISCHEN ZENTRALBLATT"" Zeitschriften von einigem Wert zu schaffen. werde ich jetzt imstande sein, in und mit dem" Archiv" etwas Tüchtigee zu škǎXXXX leisten" Mit dem aufgehobenen Zwiespalt seines Lebens wurde er wieder ers selber. Bedenkenlos- wie er eigenes Vermögen sachlichen Zwecken geopfert hat, nimmt er fremde Mittel in Anspruch. Mit Charles Hallgarten verband ihn viel. Geistig/ materiell. Wenig Briefe aus dieser Zeit." In 5 Minuten verständigt man sich besser, als durch ellenlange Briefe." Lily bestätigt immer wieder seine suggestive Kraft in Verhandlungen."" Hast Du wieder Deine Zauberkunste mitwirken lassen?" Heinrich nannte Hallgarten seine zweite Mutter. Er war älter als H.B. Julie Bei der ersten Zusammenkunft erwirbt er sich Hallgartens Freundschaft.Bald spricht sich dieser zu Heinrich mit voller Offenheit aus, fragt ihn in persönlichen Angelegenheiten um seinen Rat und erbittet stets für sich und seinen Sohn innere Förderung....." zweite Mutter"? Auch der eigenen Mutter war Heinrich kaum je das Kind gewesen,.. Vertrauter Berater. Jetzt liebevolle Fürsorge um den 16 Jahre älteren Mann... dieser: mütterliche Güte.... H.sah des Reichen Bedüftigkeit, des Bescheidenen verborgenen Stolz, des Unabhängigen geheime Bindungen... H. fühlte sich stets frei.Vermag dem, dessen Unterstützung er annimmt, innerlich zu helfen. Später trat Entfremdung ein. Warum? H.B.:" Weil ich nur von ihm wollte, was seinen Anlagen entsprach,..... deshalb hatte ich solche Macht über ihn.Bis sein Glaube, dass auch ich vor ihm nichts geheim halte, erschüttert wurde.Durch mangelnde Vertraulichkeit verlor ich sein Vertrauen Dem Parteitag zu Dresden 1903 lag" Die Neue Gesellschaft" vor.Erste Nummer.Mit der zweiten Nummer musste sie ihr Erscheinen einstellen. Patteipresse:" schamlos kapitalistisches Blatt" Parteivorstand:" Privatunternehmen" siehe auch Protokoll des Parteitags in Dresden 1903 Es war der grosse Streit( Auseinandersetzung zwischen" Radikalismus und Revisionismus"--- im engeren zwischen Persönlichkeiten wie Franz MI Mehring und Heinrich Braun. Bebel, Kautsky, Stadthagen, Hofmann( Adolf) Viktor Adler( Freund seiner Jugend " Du hast politischen Selbstmord begangen"----- Braun:" Besser als eine Politik der Selbsterhaltung auf Kosten des Sozialismus" Julie: Adler sagte nicht Braun habe ihn zum Sozialismus geführt, als Heinrich beschuldigt wurde," nur des Mandats wegen in die Partei gekommen zu sein. Siehe auch Parteitag 1899 Julie Heinrich verlor sein Mandat durch Anfechtung der Wahl. Der Frankfurter Regierungspräsident hatte einen konsv Wahlaufruf unterzeichnet. Das gab formalen Grund für Anfechtung. In Nachwahl ging Mandat an Bassermann, nationalliberal.-- Aber das von H.B. beantragte Schiedsgericht sprach ihn von allen Anschuldigungen frei. Julie: Selten freilich und nur wenn im к**** zernervenden Betrieb er lange den" Augen- und Herzenstrost" die Geliebte, entbehren muss, ermattet seine in Kleinarbeit missbrauchte Tatkraft......... Anderen kann er auch dann noch zu Hilfe eilen...... er schreibt in dieser Stimmung an Lily* " Mag es mit meinem elenden Zustand zusammen hängen... in den letzten Wochen überkam mich oft das Gefühl, dass das unendliche Meer von Elend, das die Welt darstellt, doch nicht auszuschöpfen ist und der ganze Fortschritt der Geschichte der Bewegung von Ebbe und Flut gleicht, und im wesentlichen alles unverändert lässt. Vielleicht ist das nur Nervenstimmung, und wenn ich wieder einmal beser dran bin, komme ich hoffentlich über das drückende Gefühl weg zu einer optimistischen, bp kampfesfreudigen Gemütsverfassung. Anderswo wäre ich wohl nicht so deprimiert, aber dieses Berlin mit seiner Nüchternheit.... 15 Schreib mir recht bald wieder. Der holde Ton Deiner Stimme ist trotz dem Schmerzlichen, das sie durchzittert, wie ein Klang aus Himmelshöhen, und Glauben, Liebe und Hoffnung flösst er mir wieder ein Heinrich Br.hatte viel Kultur- und Schönheitssinn. Julie der Raum durch seine Verhältnisse, die Wand durch ihre Gliederun der Körper durch Wuchs, Haltung, Bewegung ist schön..... Heinrich: 7.... dass Du Deinen süssen, gebenedeiten, berauschenden Leib nicht mehr so maltraitierst und den schönen Fluss der Linien Deiner Gestalt uneingezwängt lässest, ist ein Fortschritt....." Nach Dresden. Die Wochenschrift war nach der 2.Nummer eingegangen, Mangel an Geld......:"" Selstvertrauend und kühn" Wenn er Lily solche Worte zuruft, fühlt sie, dass sein Mut sie stärkt seine Kraft sie erhebt, dass sie leisten kann, was er fordert. Er schreibt ihr: .... Du solltest- von einer möglichst einfachen Gestaltung unseres Lebens abgesehen- Dich dazu entschliessen, ohne Dich durch irgend eine Rücksicht aufhalten zu lassen, sogleich an die Studien für den 2.Band Deiner" Frauenfrage" zu gehen und Dich in seinen Stoff vollkommen zu vertiefen. Das wir Dir rasch inneren Reichtum, gemütliche Befriedigung, geistige Schwungkraft verleihen, und wenn Du in ein bis 2 Jahren das Buch fertig hast, wird Dein Ruhm und Dein Ansehen heller strahlen als jemals." Er selbst legt( nach Junie) auf Anerkennung keinen Wert( für sich)" gibt es doch nichts Schöneres als unbehindert sich betätigende Kraft" " Wie ein Monomane denke ich immerzu an die Wochenschrift." Heinrich( nach Julie) zum Parteitag von 1905..... Im Programm des Jenaer Parteitags spiele sich das politische Asketentum der Sozialdemokratie wieder." Dass die Tagesordnung gewissermassen über der Gegenwart steht" verrate eine nicht gerade sinngemässe Zeitlosigkeit. Während die europäische Lage sich immer bedrohlicher darstelle, während die deutsche Regierung inmitten der Marokkokrise den Reichstag heimschicke als habe die Volksvertretung in auswärtige Politik nicht hineinzureden erörtere die Sozialdemokratie Fragen wie die Maifeier und behandele brennende Probleme der Gesamtheit... im Bericht über die Fraktionstätigkeit..... Die" Neue Gesellschaft" erschien wieder. 10 Pfennig, wöchentlich. Julie wie die Zeitschrift Empfänglichkeit für Sinne seindrücke zu wecken versteht bbbbbb so entzünden Lily Brauns flammende Beiträge den Enthusiasmus des Lebens, ohne den alle wirtschaftlichen Kämpfe nur Lohnstreitigkeiten wären. " Sozialismus zum grossen Teil ein Erziehungsproblem" Radikalismus) Zwischen Zentralorgan und Neue Gesellschaft Kampf( Revisionismus gegen Parteitag Mannheim 1906%; B Kampf lebt von neuem auf. Wels in Mannheim:"... ein Organ, dem wir nimmermehr Heimatsrechte in unserer Partei jedenfalls nicht unter der Direktion, die sie jetzt hat, einräumen können"??????? L a 711 5. Aus 1901 Wen Julie über Heinrich Auf die Liebe einzelner legte er Wert, ob die Welt ihn achtete oder missachtete, galt ihm gleich. Nur, wenn mit ihm die Sache Schaden erleidet, gerät er in Harnisch, und wenn die Frau seines Herzens gekränkt wird, in flammenden Zorn. Julie Lily aber wurde von den führenden Genossinnen schmählich behandelt. Die Wirklichkeit dieser Vorgänge entstellt das Menschenbild zur Karrikatur. Sie getreu wiederzugeben, erschien selbst Lilys Wahrheitsfanatismus statthaft. Ihre Memoiren mildern die gröbsten Verzerrungen, Dass eine Führerin mit der Faust gegen Lily vorging, dass eine andere öffentlich vor ihr ausspie, soll dennoch als historische Begebenheit vermerkt werden. Hendrik de Man, der es miterlebte, wurde dadurch auseinem verblendeten Anhänger der Radikalen zum Zweifler an einer mit derartigen Mitteln vertretenen Richtung------- Schon seit Jahren bemühten sich die Genossinnen, Lily die Arbeit in der Partei zu verleiden. Als Klara Zetkin zum ersten mal ausfällig wurde, wähnte Heinrich noch, durch einen Appel an die gemeinsame, grosse Sache, den Zank zu einem Streit der Meinungen veredeln zu können Er schrieb an Klara:"... ich, der ich Sie kenne weiss, dass/ Sie sich haben fortreissen lassen, das lediglich die Folge Ihres prachtvollen Temperaments und Ihrengrenzenlose Hingabe an Ihre Ueberzeugung ist." Dieser Brief blieb wirkungslos. Lilys reiche, mit allen Gaben ausgestattete Natur war eine Gefahr für die Stellung der anderen Sie hätten ihr den Führerplatz einräumen müssen, auch ohne von ihr verdrängt zu werden. Gegen Lily Braun konnten sie sich nur wehren, indem sie ihr jede Betätigung in der Organisation unmöglich machten . ? Auch die Spalten der" Gleichheit" wurden ihr gesperrt. Umso ungehinderter äusserte sie freilich ihre Ansicht in der" Neuen Gesellschaft". Das war der Grund mehr, diese Zeitschrift zu beseitigen. Lily beteiligte sich im Sommer 1906 an einer Englandfahrt deutscher Journalisten. Man benützte das, um gegen die" NG" einzuschreiten. Eine Sozialisten hatten miteingeladen. Reise mit" bürgerlichen Redakteuren"! Empfänge bei Behörden und Bürgermeistern? ein Verbrechen. Lily sei MKWX unwürdig, der Partei anzugehören. Vorwärts falsche Berichterstattung Ihr Verhalten Verrat.----" Der Einzelne, der im öffentlichen Leben steht, muss es, als eine unter den gegebenen Verhältnissen unvermeidliche Konsequenz auf sich nehmen, dass er verdächtigt und moralisch misshandelt wird. Beklagen töricht. Wohl Frage: Leidet Partei Schaden? Wenn, wie das unter der Führung des Zentralorgans mehr und mehr sich einzubürgern anfängt an die Stelle sachlicher Auseinandersetzungen, eine, die Wahrheit verfälschende, persönlich gehässige Kampfesweise tritt, die das Ansehen der Partei sowohl bei den Genossen, wie in den Kreisen wo wir neue Anhänger gewinnen wollen, auf das unheilvollste erschüttert." So Heinrich Braun in der Zeitschrift" Neue Gesellschaft." Wolfgang Heine:" Ist es nicht ein Jammer, zwei Kräfte wie Sie und Ihre Gattin sich aufreiben und zur Unfruchtbarkeit Ihres Wirkens verurteilt zu sehen?" Heinrich spricht von dem unvergleichlichen Adel, den Lilys Menschentum darstellt. Schicksal nicht grausamen Untergang Die Wochenschrift hat die für das Archiv erlangte Summe aufgezehrt. Kein Geld. Kampf gegen die Zeitung erschwerte ihre Verbreitung. Viktor Adler erschienen mehr als 6000 Abonnenten erstaunlich hoch. Viktor:" Das schlimmste ist, dass Du und wahrscheinlich auch Lily sich abrackern, von Sorgen erdrückt werden und schliesslich zusammenbrechen müssen, weil Ihr Euch vor einen Wagen gespannt habt, dessn Last Ihr nicht schleppen könnt." Wie Lily arbeitete, wie Heinrich frondete, wusste V.nicht. Technische Arbeit vielfach selbst. Früh 5 bis abends 10. Deshalb mit sich unzufrieden.Halt Leistung für unzureichend.Fühlt den Mangel an Vorbereitungsmöglichkeiten. H.lehnt ab, einen Familienvater in die Unsicherheit der Zeitschrift zu ziehen ( Expedient) Aber von Lily( die er ritterlich gegen jede Beleidigun verteidigt) verlangt er todesmutiges Verhalten, Nicht unterkriegen von niederdrückender Angst, soll die bösen Geister: Furcht, Sorge, Verzweiflung zum Teufel jagen. Aber auch diese Gefühle nicht in" gutgemeinter Unehrlichkeit" verstecken..... Kannst Du Dir vorstellen, dass Jesus sein Leben in Behagen verbracht hat?---- Nicht klagen, Zähne zusammenbeissen und tapfer dem Geschic trptzen Hin- und Herpendeln zwischen Versatzamt und Untergang.... Rettung winkt.Metall arbeiter wollen grösseren Absatz sichern.H. jubelt.Gegner erfuhren. Ringen. Zeitung geht( nach drei Jahren) ein. Abschiedswort an Leser: Auruf zu tätigem Sozialismus, Hoffnun auf baldige neue Zeitung, mit reicheren Mitteln. Erwähnt nicht die Kräfte, die ihn zu Fall brachten Wahlen 1907. Partei wurde um 36 Mandate armer. Er jubelte nicht, wollte garnicht gerne Recht haben. L., die Frau, trauert( mit 45) nach zehnjähriger Ehe) über ihr Altern. Sie hat immer Angst vor dem Altwerden. H.:....ein faltenloses Antlitz( wie die tizianische Venus) hast Du nicht, aber wer weiss, ob die Linien, die gutige Sorge, aufopfernde Kämpfe, und tausendfaches Leid Dir ins Gesicht gruben, nicht eine höhere und inniger ergreifende Schönheit Dir ins Gesicht gruben." Menschliche Grösse und körperliche und seelische Vorzüge, weiblicher Zauber. Ihr konnte X* X** X*-in seinen Augen- die Zeit nichts anhaben. Sie fürchtet mit dem Altern seine Liebe zu verlieren/ Reifend verschönst Du Dich nur. Beseeltheit ist ihm höchstes Gut. Er bewundert Lily als Rednerein. Warnt vor Missbrauch rethorischer Fähigkeit. Ihr Selbst spreche aus ihren Vorträgen. Als Schreiberin: ihre Aufsätze entzücken ihn als Ausdruck ihres Seins. Julie( wörtlich)... Den Widerhall jener" anderen Welt", der Welt seiner Seele und seines Sehnens, vernahm er in Lily gleich beim ersten Anschlag einer Saite." Der süsse, heimatliche Klang,-aus einer Heimat, die man nie besass und immer sucht-- wie er mir bezwingend aus Deinem Aufsatz über den englischen Sozialismus entgegentönt und mich Dir vermählt hat, noch ehe ich Dich gesehen" traf endlich in der Fremde sein Ohr und hielt ihn gefangen. An seiner Stimme hatte auch Lily ihn erkannt. Sie hörte die" Viola d'amore" in dem dunklen Cellokonzert seines tiefen Organs. In der Urkraft ihres Wesens, in der Wildheit ihrer Leidenschaften, glichen sie sich. Lilys Gefühl ist riesengross, aber tastet nach Worten. Ist H. nicht da, verarmt sogar ihr Mutterglück." Ich fühle, wieviel mehr ich Dich liebe, als unseren süssen Putzi "" Das Leben ich qualvoll ohne Dich.. Ich fürchte mich abends vor der grässlichen Oede ohne Dich..... .... Von Jahr zu Jahr steigert sich ihr Gefühl..... Tage der Trennung werden zur" Höllenqual", Dabei ging manches Ungewitter über diese Ehe, sofort wirtschaftliche Sorgen. L.mit Gizycki gern in Armut gelebt...... seine Hinterstübchen waren ihre Klosterzellen Jäh wechselt sie... schwelgen oder verzichten Rausch oder Askese .. keine Halbheit entsprach ihrer Natur. Mit der Liebe erwachte Frohsinn und Sinnenfreude..... Sie verschwendete sich selbst, sollte sie mit dem Gelde geizen? .. Kein Aufwand.... scheelsuchtige Frauen sagten so... königliche Erscheinung.... Kleinliche schmähten Grosszügigkeit..... Ihr Einkommem, kleine Lebensweise..... H.sagt: haushalten, sparen unbezahlte Rechnungen.... Lily ihm entgegen: will Geliebten wieder sehen, nicht den Hausherren. Er bereut heftige Art, wenn L.verstört ist... " Deine Fehler( Wirtschaftsführung) nicht Deine Schuld, haben nichts mit Charakter und Wesen zu tun..... meine Schuld. Schöne Wohnung am HXXHerkulesbrücke-sie bestimmte Lebenszuschnitt. usw. L.liebte ihren Beruf. Die Hauswirtschaft lag ihr nicht. Er brachte der Geliebten auserlesene Blumen. Ihr erschien das Leben reich- mit Reichtum angefullt. ..... hauswirtschaftlich lag ihr weder Aufsicht nochAnordnung..... Einteilen? Berechnen? Niedriges Geschäft!... Jubelte über die Villa im Grunewald. .... Sah die Wirklichkeit nie, bis sie dicht davor stand..... Zur Grunewaldvilla gehört(!) gewisser Luxus.... Heinrich fuhr auf..... Aber ihre Lebensform wurde durch ihr Wesen bedingt..... H.besass dagegen einen ganz eigenen Stil....""" Drollig Deine Besorgnis, ich könnte dort die Verhältnisse zu einfach finden""", schreibt er ihr in die Sommerfrische. Aber.... in muffigen Stuben wohnte er nicht, Schlangenfrass wies er zurück..... er nahm oft nicht hin, womit sich L.begnügte.." Noble Passionen?" Ein reinliches Zimmer, Schwarzbrot Obst und saure Milch genügten ihm feine/ Lilys adlige Schönheit wollte er nicht verunziert sehen,... MH/ Stoffe, fe, gute Verarbeitung....... ihm fehlte Sinn für wechselnde Mode, hier lag nun die kostspielige Diskrpanz....... L.wollte für" Frauenfrage" Material sammel..... Fährt nach Paris voraus... lebt gleich armer Studentin..... H.bittet, sich gelegentlich Wagen zu nehmen. .... Sie fällt ins andre Extrem..... Er hatte ihr 3000 Mark geschickt. Beider Geld für Monate..... Seine Ermunterung liess sie bald damit fertig sein.... Aehnlich, wie Pariser Vorfall erlebt er oft...... Herbst 1904. Er bereitet Erscheinen der Wochenschrift vor..... Darbt und rechnet.... ihr rinnt inzwischen das Geld durch die Finger, telegraphiert, aus den Rekonvaleszenz... .. Sie lässt unbeaufsichtigt Angestellte Wirtschaftsgeld veruntreuen.... Dann.... jeder Klingelzug bringt Erschrecken vor unbezahlten Rechnungen..... Sie fühlt sich schuldig, voll Reue.... er kann sie nicht in Armsünderhaltung ertragen...... Beugt sie sich vor ihm, verletzt es sein Gefühl...... Sie soll nicht sühnen, nur aus Erfahrungen Lehre ziehen, sie kann es nicht... Sie braucht Leitung und Anleitung, sie soll eigene Wege gehen..... Sie macht es ihm später zum Vorwurf..... Ihre Vorliebe fu" Tand und Trödel offenbart auch gewisse Kindlichkeit, bei aller Seelengrösse..... Er kann( ihr gegenüber) kein Diplomat sein, deckt alle Karten auf..... er lernt nicht.... sie lernt auch nicht..... Er missbilligt Selbstverleugnung und Rücksicht, ihm gegenüber.. Unehrlichkeit vertrage es nicht,........ L.:" Wirst Du endlich wieder Vertrauen zu mir finden?"--Ihre Wahrhaftigkeit unterliegt im Zweikampf mit der Zaghaftigkeit, wenn sie versagt hat....."" Du Einziger, nach dessen Liebe ich immer dürste, dessen Zorn mich zaghaft macht... Furcht nennt H.die Wurzel alles Uebels...... Lilys heldischer Geist und dann herzschlotternde Bangigkeit.... 1896 Beginn der Ehe H.:"Du bist in allen Stücken vollkommem frei" Nach 15jähriger Ehe:" Du kämpfst für die Freiheit aller, möchtest Du nicht 65 auch Deine eigene Freiheit verteidigen?" Er sieht sie in" Bindungen" ver19/1 strickt und muss sie mahnen. Durch einen Rat von ihm, fühlt sie sich unterjocht......" Du strampelst verzweifelt mit Händen und Füssen, indem 1911 Du Dich gegen eine Fesselung wehrst, während es mir garnicht einfiel einen Zwang anzutun...... Das Ganze beruht bei Dir auf einem Denkfehler/ Dir/ an dem Du freilich schon lange laborierst...... spreche nur meine Ansicht aus, kannst sie bewerten, verwenden, oder ignorieren, ganz wie Du willst.. Er weiss nichts von der Macht seiner Persönlichkeit, dem gebietenden Wesen... ... Die gütige Gebärde ändert das nicht... L.:" Denke an Deine suggestive Kraft......." Wer mit Dir lebt wird Dein Geschöpf...... Wenn ich wirklich etwas hinausrage, über die Masse, ist es im Grunde Dein Verdienst.. Sie ist dankbar.... Aber es drückt sie nieder- in seiner Gegenwart kann sie manches nicht....... H.:" So hast Du wieder mal vergessen, dass ich alles andere als rechthaberisch bin, Widerspruch nicht nur vertrage, sondern wünsche L 19 Heinrich weiss nichts von der Macht seiner Persönlichkeit...... Sein Wesen gebietender Wille..... H.liess sich nicht" Sorgen von der Stirn streiche", stellte aber schwierigere Aufgaben......... Als Kranker zog er sich in Einsamkeit zurück.... nicht von einer Frau bedient werden..... Lily: dass Du micht brauchst und haben möchtest, wage ich nicht zu hoffen..... Heinr.:" an mich denke nicht, meine physische und psychische Situation würde nur verschlechtet.. ..... wenn Du hier neben mir sitzest anstatt Dich zu erholen............ vollkommene Nichtbeachtung" einzige Form der Teilnahme" Er verschmäht ihr Mitgefhl, ihr Dasein ist ihm Trost...... H." Dass ein unvergleichlicher Mensch wie Du, lebst!"........ Er hält in der Liebe und Freundschaft nur das Höchste für wirklich wertvoll..... sie nimmt auch mal mit Surrogaten vorlieb....? Aber doch stellt er sie auf harte Proben....:" Von ihren Standesgenossen als Abtrünnige gehasst, von ihrer Familie als Sozialistin enterbt, aus der Arbeiterbewegung als Frondeur--und als Heinrichs Frau verdrängt....".... Sie wurde schon geraume Zeit vor Dresden gemieden und danach, wie ich glaube, kaum noch gegrüsst.. Das gibt das Bild..... Das ist den Aufzeichnungen ehemaliger Freunde entnommen Wie eine Ausgestossene musste sie leben Selbst Heinrich nennt ihr Geschick grausam..... Aber:".. das hast Du nicht nur überwunden, sondern Dich** X* X zu einer selbst von mir nicht geahnten Schönheit entfaltet...... Kümmerliche Geschöpfe bedauert er," grossgemute" liebt er" mit erbarmungsloser Forderung" "... acht Jahre sind vergangen, seitdem Du den mir unaussprechliches Glück bedeutenden Liebesbund durch unsere Heirat besiegeltest und für Dich ein wahres Martyrium heaufbeschworst.. ...... entsetzt, wenn ich daran denke, Du hast Dich zu staunenswertem, geistigen Reichtum entfaltet....... Aber gab es für Dich keinen anderen Weg als den durch die Stationen bitter ren Leides?......... Nicht doch am Ende nur darum auf diesen Weg gedragt, weil Dein Schicksal Dich mit mir verknüpfte?...... Hättest Du nicht vielleicht eine ebenso reiche innere Entwicklung erfahren können, bestrahlt von der Sonne des Gluks? Aber trotzdem überantwortet er( von der Idee einer historischen Pflicht besessen) sein Geld, seine und Lilys Arbeitskraft, ihrer beider äussere Existenz---- die" Neue Gesellschaft". Schuldenmassen, Gespött,--- Lily schlägt die Augen nieder...... sie hält sich die Ohren zu..... geht wie eine Taube und Blinde an Heinrichs Arm aus ihrem Hause...... das neue" Heim" ist ein Unterschlupf.... sie mag ihn nicht betreten..... An der Türschwelle hebt er ihren Kopf zu sich empor. ...-- sie erschrickt vor seinen leuchtenden Blick,..." er sah wie ein Riese aus, ich glaubte, er würde die Decke zersprengen" so erzählt L. noch nach Jahren, erschauernd........ Unheimlich erschien ihr diese Kraft........ sie fühlte sich als Besiegte entehrt...... Niedergeworfen, entwaffnet, in Schuldknechtschaft...? wie konnte er so stolz dastehen? Ataraxie-( Friede in sich selbst, Zufriedenheit, Genügsamkeit) unbegreiflich. Heinrich machte Versuche zum Verdienen Plante Jahrbuch und Weltadressbuch für Kauf- und Warenhäuser..... Bestellungenlaufen vor Erscheinen ein. H.fällt in seiner Geldnot einem Erpresser in die Hände, Prozesse reihen sich daran.-......... Zugleich anderer Plan: Jahresberichte der Sozialwissenschaften, die über die gesamte Literatur dieses Gebietes die/ uber in einer internationalen Ausdehnung orientieren."....... Er gewinnt Althoff, den " Allmächtigen, Allgefürchteten"....... Althoff stirbt, nachdem er ihn gewonnen.... Für Althoff galt, was Klara Zetkin einmal von H.B.gesagt hat:" Der setzt alles durch was er will." Ein Inseratenvertrag mit den Metallarbeitern zerschlägt sich durch Quertreibereien Uebelgesinnter. Seite 347- 350( Zwist mit Singer) der dabei mitspielte. Dazu der Erpresser. Sein Leid wiege federleicht, solange er L.damit verschonen könne...... Ihre Liebe aber fühlt und ahnt sein Leiden..... 20 1. Bud Er war ihre Zuversicht, ihr Glaube an ihn und seine Macht wie sie einmal sagte-" der Glaube an das Wunderbare Aus einem Brief( früher)" Dein Erfolg war mir so selbstverständlich, dass er mich nicht überrascht". Mit Heinrichs politischer und wirtschaftlicher Niederlage stürzt sein Thron in ihrem Herzen.( so Julie) " Erst jetzt sehe ich ein, dass dieser, wie jeder Glaube ein Unrecht ist. Ich glaube Dir, dass Du alle Kräfte anspannst, den besten Willen hast, dass Du für mich zu jedem Opfer fähig bist, denn das alles weiss ich. Aber--- dass Du erreichst, was Du willst----" Der Zauber war gebrochen. Schämt sich ihres Elends, niemand sehen, brütend allein in ihrer Stube..... Otto in Wickersdorf in der Schule..... Heinrich drängt sie ihn( auf eienm Schulausflug in Weimar zu treffen....." damit er an Deiner Hand die heilige Stätte betritt...." Statt Lily zu bedauern, stellt er neue Ansprüche an sie. Sie wollte doch ihre Erinnerungen schreiben...... Sie aber geht vergangenen Zeiten nach. Kindheit, Grossmutter, der waren Goethe, Napoleon die Sterne....... Die Grossmutter Mit 17 hatte sie" Henny von Gustedt" verherrlicht. Kindliches Buch. Jetzt könnte sie es besser. Sie könnte vielleicht in Weimars Archiven Schriftstücke Jennys finden. H. hatte sie einmal in Weimar( wo sie einen Vortrag hielt) begrüsst: y " Niemand ist berufener als Du, das Erbe Weimars fortzusetzen, Du, geistig das Kind Goethes und Jenny von Gusted$ s...".... Später:" wie bist Du glücklich zu preisen, dass Du ein Glied bidest/ des höchsten Adels deutscher Nation, der in Goethe kulminiert, und dass Du in fast unmittelbarer Berührung mit dem Einzigen über das Mittelmass hoch hinaus wuchsest." " Im Schatten der Titanen" nennt H.Lilys Werk( ein wahres Trostbuch). Er zeigt sich als der literarische Redakteur, wie Sombar ihn als wissenschaftlichen bezeichnet hat. Seine Anteilnahme ist Ermunterung, seine Erwartungen erhöhen ihre geistige Kraft, er zwingt sie. Während er nichts beizutragen vermeint Das Buch brachte ihr Ansehen und Einnahmen. 20 Lily..." Morgen vor 15 Jahren kamst Du und mit Dir die grosse, starke Liebe meines Lebens.Heute liebe ich Dich tiefer und zärtlicher als einst. Es gab Zeiten, wo ich glaubte, die Liebe wolle Abschied nehmen.Und dann ist sie nur noch stärker wiedergekommen, und hat siegreich überwunden, was sie stürzen wollte. Heute kann ihr nichts mehr etwas anhaben.Mein heissester Wunsch ist, Dich glücklich machen zu können. Ach, und er ist unerfüllt geblieben: Meine Liebe ersetzt Dir nicht, was Dir das Leben schuldig blieb. Ich weiss, vielleicht besser ald Du, dass das Deine eigentliche Krankheit ist, die Dir am Herzen frisst und es Dir nur in Momenten möglich macht, zu vergessen. Und so, ohne helfen zu können, dabei stehen zu müssen!!! Und wenn ich Dich tausendmal mehr noch zu lieben vermöchte, es hülfe Dir nichts. Was soll ich nur für Dich tun?...... Lily" ..... er antwortet in den höchsten, innigsten Tönen der Liebe, sie habe ihm alles Glück gegeben... ... aber...." das einzige Glück das ich ausserhalb der Seligkeit meiner Liebe zu Dir besitze, ist, dass ich nicht " glücklich" bin. Freilich, und da findet sich in dem Unsinn den Du aussprichst, wieder ein Körnchen Verstand- die Ursachen, warum ich nicht " glücklich" bin, sind das, was Du mit Recht meine Krankheit nennst. Was mir am Herzen frisst, ist, dass ich dem Leben soviel schuldig blieb, dass ich es nicht so fruchtbar machte, wie es hätte werden können, und was das schlimmste ist, dass ich unter den Folgen dieser Tatsache den objektiven und den noch viel quälenderen subjektiven, das beispiellose, unbeschreibliche Glück, das ich wirklich besitze, nicht immer in seinem vollen Reichtum zu geniessen vermag. Aber vielleicht komme ich doch noch darüber hinweg und-/ wieder dank Deiner beglückenden Liebe-oder Deiner Duldung meiner Liebe- zu einem inneren Gleichgewicht das mich fähig macht mein seliges Glück immer voll zu empfinden. Wenigstens habe ich die Absicht ein neues Leben zu beginnen. Die widrigen Zeiten dauern Jahre. Der Sohn Schon in dem winzig Kleinen erkennt er Grösse.--Lily: ... während mir das lockige Bübchen noch als niedliches Spielzeug erschien, würdigte H.ihn bereits als Charakter... H.:".dieses Ottokind( 3Jahre) ist ein Mensch, vor dem ich manchmal fast ein Gefühl von Ehrfurcht habe, und die Verantwortlichkeit, die wir beide für ihn tragen, empfinde ich tief." Hammer und Meissel, Schläge und Strafe wandte er freilich nicht an.... " Otto verspricht ein herrlicher Baum zu werden".... man dürfe ihn nicht zu einer Treibhauspflanze machen....." Kunststücke und reife Posen" bringen Heinrich in Zorn. früh" Grösste Einfachheit in allen Lebensgewohnheiten", im Spiel und Spielzeug, vorwiegend Unterstützung der körperlichen Entwicklung" Ernährung rohes Obst, frisches Gemüse( um 1900) Stossseufzer an die Mutter:" aber Lilychen ist unbelehrbar" Gratuliere zur Bekanntschaft Ottos mit dem dreijährigen Bauernbursch....... zu L.:" mir zerreist es das Herz, wenn ich sehe, wie das gute Kind durch Deine Schenkwut geschädigt wird." H.ist in üppigem Reichtum erzogen und sucht in seiner Selbstkritik die Ursachen in seiner Erziehung nichtggehalten/ " Alles, was mir das Leben****** X***/ hat, möchte ich in dem geliebten Kind erfüllt sehen...." Ueber die Erziehung und den Werdegang des Knaben Seite 356 u.f. 16.Kapitel SXXXXX H.sah, dass Lilys Begabung im Literarischen und Rednerischen lag. weniger im Wissenschaftlichen oder Politischen. Beim Zerfall der " Neuen Gesellschaft" wurde ihr auch das Organ für ihre Arbeiten genommen. Seelischer Verlust. Das Vertrauen zu ihrem Mann ist dahin.? Wie ein frommes Gemüt hat sie auf Heinrichs Sieg gebaut. bitte wenden in der Aussprache mit ihm zur Klarheit kam, vieles künstlich verändern und willkürlich ergänzen müssen. Je undeutlicher sich ihr Bild darbot, mit dessen schärferen Umrissen suchte sie es zu fassen, je unsicherer sie sich fühlte, desto bestimmter trat sie auf,-nicht aus Anmassung, wie mancher ihr nachsagte, sondern aus Zaghaftigkeit und Verlegenheit. Auch Heinrich 3 täuschte sich über den zweiten Band der" Memoiren". Er lass darin Lilys Antwort auf Menschen und Leben, auf ihr Verhältnis zu ihm, er nahm als Aeusserung inneren Geschehens, was nur Aufnachung war. 21 Die freie Entfaltung ihrer Natur hat er immer gewollt. Den eigenen Weg sollte sie ungehindert gehen. Er tritt beiseite und hört weder auf die vielen- verschämt an ihn gerichteten- Fragen dieses Buches- noch den Aengsten in Lilys Rufen als sie, nach Abschluss der" Kampfjahre" ihrer Memoiren, die ihres Lebens erst beginnen fühlt Nach dem Zusammenbruch der" Neuen Gesellschaft" war ihre Liebe am Verlöschen. Jetzt loht sie aufs neue hoch empor. Das ist im Frühling 1911 sie schreibt Glühende Briefe aus Floranz.Sie ist berühmt geworden.".Was ich bin und immer sein möchte ist: Ottos Mutsch und meines Heinz Geliebte" Er soll sie nicht bewundern, begehren.no " Seit ich mich so ganz klein und erbärmlich vor Dir fühle, habe ich Dich noch viel lieber" Für die Kätchennatur in ihr kat er kein Verständnis. Er sucht ihr den bösen Geist wollustiger Hörigkeit auszutreiben. Sie wachse ständig. Er würde sich seines Unwertes immer mehr bewusst. Sie Müsse zum Bewusstsein ihrer selbst gelangen. Sie ist die Erfolgreiche, ihr Name tönt, der seine verblasst. Sie sagt, dass sie schuldbewusst sei, wenn sie sähe, wie er sich für sie abrackere. Zu dem Mann, den unrühmliches Geschick nicht bezwingt, blickt sie auf. Doch er ist jetzt immer so förmlich.......... sie lechst nach seiner Seine frühere Heftigkeit hat sie nie so erschreckt, wie jetzt seine Beherrschheit sie foltert. Seine Ohren sind wie mit Wachs verstopft./. Liebe. / Sie ist sehr deutlich.Er hält ihre Erregtheit für Schaffens fieber. Nach beendeter Arbeit--- Herzkrämpfe.... Erholungsheim.... Keine Besserung. Trotzdem sieht er einzige Möglichkeit in Ruhe und Erholung!!! Seefahrt.? Lily mit Otto nach Teneriffa. Er selber hat kaum Zeit und Geld bis Hamburg mitzufahren.--- Und doch wäre er der beste Arzt... Sie fühlt es und schreibt es" andere Trennung als sonst..... Qual des Alleinseins, der Trennung... Schiffsgesellschaft erfährt, wer Frau Braun ist. Verehrer scharen sich um sie.... Bilder der Vergangenheit werden lebendig.... Später entstanden:" Die Liebesbriefe der Maquise" Sie überlässt es darin den Bewerbern sie zu schildern, aber sie erscheint d arin mit allen weiblichen Reizen geschmückt " Wenn ich Dich in den Liebesbriefen, Deiner eigentlichen Selbstbiographie leibhaftig vor mir sehe, kennt mein Entzücken keine Grenze" Er überwacht den Druck. Lily aber hört nur den Schrei ihrer armen Sinne, Das Branden.des Meeres wird übertönt durch das Brausen ihres Blutes.... Heinrich ist betrübt über die schwermütigen Briefe. Sie sei von einem wahren Menschenhunger verzehrt, suche vergeblich die Welt, in der man sich amüsiert. Sie hatte nicht nur als" politisch Verfemte den Zusammenhang mit der grossen Welt verloren, sie war ihr entwachsen Ihre elegante Erscheinung..." ich fürchte fast, ich sehe zu vornehm aus. als dass irgendwer, selbst hier im Hotel, es wagen würde mich anzusprechen" " pie Memoiren einer Sozialistin" folgen. L.holt die alte Niederschrift aus dem Versteck.Sieht sich im Spiegel der Jugend. 2/1 H.:" Gestern wanderte ich im Heiligendammer Märchenwald • Sie findet einen alten Brief aus Heinrichs Hand in dem schmalen Manuskript dem Meer entlang und folgte Deinen Spuren. Ich dachte daran dass Du vor Jahren auf leichtbeschwingten Sohlen der entzückendsten Füsse denselben Weg gegangen vbist. und wie Deine schlanke Schönheit die des Waldes erhöht haben mag als ich tiefer in den zauberischen Wald hinein schritt, war mir's, als Und müsste in all den Wundern eine Waldnixe in ihrer unverhüllten Schönheit hervortreten, eine Nixe mit Deinen Augen und Deiner Gestalt. Dieses Wunder ereignete sich nicht, leider! Aber meine Vision sollte sich doch bewahrheiten. Als ich von Hei; igendamm zurückkehrte, sah ich Dich in Deiner unverhüllten Schönheit, schöner als eine Nixe sein kann. Denn ich bekam den Anfang Deines Buches. ( 58 Seiten) .... Wundervoll. ich wüsste kein anderes zu finden. Dabei bin ich aber vor Bewunderung nicht blind und nicht kritiklos...." Er streicht im üblen Sinn" romanhafte Züge, die" etwas wüste Romantik" an einzelnen Stellen.... auf ein" Adagio folgt lärmende Regimentsmusik" Nach diesem alten Brief).... geht sie ans Werk. Heinrich tadelt ihre Hast, streicht, kritisiert, be jaht, verne int..... Er wünscht ihr Werk unangreifbat. Ich kann nicht darüber mit Phrasen hinweg sehen..... Seine Kritik verletzt sie jedesmal. Immer lässt sie seine Wertung gelten. " Wenn meinem Buch der Erfolg nicht beschieden sein sollte, werde ich doch daran glauben, weil Du daran glaubst, sagt sie nach dem Erscheinen des ersten Bandes Die" Lehrjahre" erregen Aufsehen. Mutiger Feldzug. Sturmlauf gegen Konvention. und Gesellschaft. wirklichkeitsnah und doch von phantastischer Buntheit. Lilys Wunschbild.Nicht Bild der Wirklichkeit. Wirkung auf Jugend. Begeisterte Zuschriften.--- Vor Kurzem:" Mich schweigt: mant tot, wie immer." Jetzt schreibt man überall von ihr. Bisher war allein H.die Stütze ihres Selbstgefühls. Jetzt sieht sie sich gefeiert, wohin sie auch kommt. Heinrich. scherzt über das Schwingen der Weihrauchfässer..... Er sat:" das Schönste ist wie immer die Seele,.... sozusagen das Transzendale, das jenseits und über den dargestellten Dingen und Personen schwebt, und sie яxxк durchleuchtet."- Folgen die" Kampfjahre" Die Fehde wütet ja nicht mehr.Lily liegt mit sich selber im Streit, während sie schreibt. Sie ist die Heldin des Dramas, sie die sich doch erst sucht. Vor ihrem Sohn will sie Rechenschaft ablegen... H.:" Rechenschaft bist Du nur Dir selber schuldig Heinrich hält es für das Bangen des Künstlers vor dem Werk.... Enhilft ihr diesmal nicht." Soll ich, wenn ich von Deinem Werk spreche, auch etwas über die Rolle sagen, die Du mir darin zuweisest?" Ich mag es nicht So duldet er grobe Verzeichnungen und gibt jedem, der ihn darob zur Rede stellt, den Bescheid: Memoiren hätten nicht in Objektivität ihren Wert. Wie Lily ihr Leben sehe, müsse sie es schildern. Aber in den" Kampfjahren" erscheint nicht einmal die subjektive Wahrheit. Um eine Ansicht überhaupt erst zu gewinnen, hatte Lily, da Heinrich sie im Stich liess, und sie nicht wie sonst, in der Aussprache mit ihm zur Klarn wenden 22 Heinric Beginn des er us den Konflikdes Heinrich nimmt das nicht ernst, es überrascht ihn nicht, er kennt ihre Furcht vor dem Altern. " mir wirst Du immer schön und immer eboue schöner sein"----- das ist die Innigkeit seiner Liebe..... Lily fühlt dagegen, dass sie H.nicht mehr begehrenswert sein kann, wenn sie anderen Männern nicht gefällt Sie liebt den Einen aber braucht die Bewunderung der Vielen...... 1912/ 9 " Lily aus Touville/:" Du hast Dein Inneres mit Panzern umgeben, Du willst nicht einmal, dass ich mich darum kümmere. Vielleicht gehörst Du zu den starken Einsamen, die keines Menschen bedürfen. Bei mir ist das aber ganz anders.Ich würde nicht so nach Menschen hungern, würde mich nicht so oft so schrecklich allein fühlen, wenn Du warst, was Du mir einmal gewesen bist mein Freund wenn ich noch mein Denken und s Fühlen mit Dir teilen könnte. Aber Du stösst mich zurück, sobald ich " Immer bin ich nur einen schüchternen Versuch mache aus Rücksicht vor Dir treu gewesen, oft nur aus Reinlichkeitsgefühl allem auf Otto. Ich möchte aber, dass ich niemals später etwas bereuen müsste, treu gewesen zu sein, wie ich es heute ernsthaft bereue und als einen grossen Mangel an meiner seelischen und geistigen Entwicklung empfinde dass ich, als ich Dich fand ein unberührtes Mädchen geblieben war " Ihr fiel das Schreiben leichter als das Sprechen. Das( hier ausgedrückte bedrückt sie schon lange und ist nicht die Aeusserung einer flüchtigen Laune. H.s Antwort ist nicht erhalten.Sicher inhaltsreich, Lily erwiedernd: " Ich suche nur Dich und ich möchte nur, dass Du Dich wieder finden Lässt Ich bin Dir nicht untreu, nicht einmal in Gedanken. Aber ich könnte es sein, wenn wir uns immer weiter voneinander entfernen. Ich habe mit dem, was ich Dir schrieb, weder Dich noch mich belogen, auch nichts beschönigt. Aber ich fürchte mich vor dem, was kommen könnte ein einsames Altern und Verwelken oder das Unglück einer Leidenschaft, die mich packt, wenn Du mich nicht festhälst. Ich glaube, Du bist trotz Deiner mehr scherzhaften Gegenversicherungen meiner immer zu sicher gewesen. Und ich wiederhole es, Deine Gedanken sind immer so weit weg, dass ich glauben muss auch Deine Gefühle sind es..... Lieber, lieber Heinz, komm zurück zu Deiner sich nach Dir sehnenden Lily 2 H.Br. schreibt: Heute war ein richtiger Feiertag: zwei Briefe von Dir, von denen der eine mir Hoffnung gibt. Dich wieder erobern zu können, nachdem ich die letzten Tage trostlos zugebracht hatte%; B und dazu ein ganz wundervoller Brief Ottochens überquellend von Geist und Originalität die Dein holdes Ebenbild kennzeichnen. Nun habe ich wieder Mut und Vertrauen, die mir fast ganz verloren gegangen waren, seit dem Brief, der mich so traurig gemacht hat ' Lily schreibt von ihrer Sehnsucht nach ihm, dass sie am liebsten-rasch wie ein Gedanke bei ihm wäre...... Ein Wort von Dir würde genügen, ich käme heim.------- Aber er rief sie nicht.... Die Unrast seiner Arbeit Vielleicht glaubte war grade in diesen Wochen noch grösser geworden...... er, sie würde ungerufen kommen?????? XXXXXXX Zum 21.August 1912 schreibt er, dass es genau 17 Jahre seien, dass er das" unbeschreibliche Glück" erlebte ihr zum ersten mal zu begegnen." Du warst eine entzückende Frau und ein herrlicher Mensch, wie ich sie noch nie gesehen hatte und in all den Jahren bist Du mit jedem Tag und mit jedem neuen Jahr eine noch entzückendere Frau und ein noch um vieles herrlicherer Mensch geworden, und meine Liebe, die auf den ersten Blick erglühte ist setdem nur tiefer und inniger und leidenschaftlicher geworden.. Was mich aber immer und in den seligen Erinnerungen, die der Moment weckt, besonders stark bedrückt, ist das Bewusstsein, dass ich Dir nichts zu bieten vermochte, was Dir.im. innersten Gefühl volle Befriedigung gewährte. Du hast zwar in unserem Kind einen unvergleichlichen Besitz, und Du bist zu einer Höhe gewachsen, die Deine Jugendträume übertrifft, aber welcher Anteil fallt dabei mir zu?; res 1992 wenden Das Bild, das ich schon öfter gebrauchte dass ich eine ganz gute, aber leicht ersetzliche Hebamme war, trifft genau zu. Und es ist nur allzu natürlich,- und kein Widerspruch und keine Beschönigung kamn mich täuschen- Du spürst nicht nur einen tiefen Mangel, Du krankst auch daran Ob" amor fati" meine Empfindung auch widrigem Schicksal gegenüber, Dir hinweghelfen kann ich weiss es nicht und glaube eher dass es Dir nicht gelingt. Und die innere Wandlundlung von der Du in Trouville andeutend schriebst dürfte nur in verstärkter Resingnation bestehn. , So hat das Schicksal Dich und mich sehr verschieden bedacht, mich so überreich dass die tausend Widerwärtigkeiten, mit denen ich unausgesetzt zu kämpfen habe, dem eigentlichen Inhalt meines Lebens gegenüber wie Spreu im Winde sind. Wenn das Wort Dank nicht gar so kümmerlich und dürftig bliebe, auch bei überströmendem Gefühl, würde ich es aussprechen"- IC Gerichtsverhandlungen und Gerichtsvollzieher hielten ihn in Atem..... Aber Lily hoffte ihn am Tag ihrer Hochzeit in Trouville zu sehen. Dann ging sie nach Oberbayern, sie erwartete im Stillen ihn dort zu finden. Enttäuschung. Brief" Weisst Du noch?...... ?? Und doch habe ich Dich nicht glücklich machen können...." Es käme mir undankbar vor, hier zu geniessen, während Du leidest, wenn ich nicht wüsste, dass Du es nicht ander edwillst."" Deine Lebensmüdigkeit..." " Das ist ja schrecklich, dass Du krank bist und ich nicht bei Dir bin!... Ich bin in rechter Sorge, denn wenn Du Dich ins Bett legst, muss es Dir schon recht schlecht gehen.--- Es ist nicht etwa für mich ein Opfer, heimzukehren, wenn Du mich nur im mindesten brauchst. Eigentlich würde ich mich sogar freuen, wenn Du mich haben wolltest. Gewöhnlich willst Du mich aja ja blos los sein wen es Dir schlecht geht. Also bitte, bitte, bestimme Du über mich , Telegram: sie solle ihre Erholungszeit nicht verkürzen verkürzen. Krankheit sei bereits überwunden. Er hatte durch dreitäges Fasten mit Bettruhe das Fieber bezwungen Seelisch krank. Aber eiserne Willenskraft. . Mit geschwächter Hand:" Ich blicke über Dein liebes Behinweg durchs Fenster und sage mir, so schön wie die grüne Pracht der dichtbelaubten Bäume, die unser Häuschen umgeben, und so schön wie der magische Glan .mit dem heutigen Tag beginnt der Monat( September) in dem die Geliebte wiederkehren soll.... unbeschreibliches Glück..... Luft voll süsser Ahnung..... Sepd, des durch das Laub leuchtenden Birkenstammes, ist kaum etwas anderes. 1912 Was mich so froh macht Ach wenn Du endlich kommst, ich will das Haus mit Rosen schmücken, nicht mit Rosen, die man kaufen kann, auch nicht mit den blühenden Rosen aus Deinem Garten sondern mit Rosen, die aus meinem Herzen erwachsen sind und add die Dich ganz überschütten sollen mit Duft und Farbe und glühender Freuede , Jetzt beschliesst L. früher heimzukehren,--- das bedeutet ihm mehr als jeder Dank----- Lily" Dein Brief vom Sonntag hat mich aufs tiefste bewegt. Wie überschwänglich reich machst Du mich durch Deine Liebe! Und ich konnte dabei jemals Zeiten der Unzufriedenheit, ja der Sehnsucht haben Wir wollen nun aber recht für einander leben, damit wir uns wieder finden. Du lieber Heinz. Es haben arge Stürme an meinem Lebensbaum geschüttelt, gerade in diesem Sommer, und er kommt mir manchmal recht entlaubt vor. Aber wenn Du mir hilfst wird er vielleicht doch noch enmal ausschlagen, ehe der letzte Winter kommt Ich sehne mich nachhause. Ich hätte garnicht fortgehen sollen in diesem Jahr..... Daheim! , . Lily erleidet-" ihre Jahre"- als Qual. Sie fuhlt mit Grausen, wie die ( naturgemasse)- Umwandlung des Körpers ihre Seele zerruttet.! ???????????? Alles wird ihr gleichgültig neben 23/ dem einen. Für sie bedeutet das Leben nur noch" das Geschlechtliche."----- Die Liebe verarmt ihr zur blossen Begierde. Was sie in früher Jugend" das wilde Tier" in sich genannt hatte, scheint ihr jetzt das Wesentliche menschlichen Daseins. Den Beruf der Hetäre predigt sie als den AWXXX wahrhaft weiblichen, die Frau werde durch monogame Sitten zu künstlerischer Sterilität verdammt! H.belächelt diese Theorien, sie very fundet sie in öffentlichen Vorträgen. die sie in der Phantasie, nicht in der Wirklichkeit auslebt. Er lacht, wenn L.fragwürdige Beispiele aus der Geschichte zu Beweisen stempelt. Aspasia. Er scherzt, habe Einehe vor 17 Jahren aufgegeben, seine L.verkörpere ihm die Mannigfaltigkeit der Frau.---" Da lob ich mir die Polygamie, in der ich lebe, jeden Tag eine andere Geliebte, jede schöner und entzückender als die tausende früheren." Er lacht nicht, wenn sie durch künstliche Mittel ihre Reize erhöhen will; " Deine Schönheit und Deine Bedeutung erfordern ihren eigenen Stil" Maskerade- Tempelschändiung. Sie will der Wirklichkeit entrinnen, Sie begehrt reifes Können und Jugend zugleich.Als schöne Frau und Dichterin soll die Welt sie feiern. H.es ist eine Gnade des Himmels, mit aller Kraft, mit voller Hingebung, sich einem grossen, wertvollen Werk widmen zu können. Doch um L's Mund zuckt es schmerzlich, Er weiss ihr Weh nicht zu lindern, sich das Flackern ihrer Augen, die scharfe Stimme nicht zu deuten. 2 Ihr Verhalten ist ihm unbegreiflich. Das Materielle. Mit dem Bruchteil ihrer grossen Einnahmen hätten längst alle Schulden aus der" Neuen Gesellschaft" gedeckt werden können Warum tat sie es nicht? Sie trug ein Geheimnis Lieh er sich etwas von ihr, liess sie es sich zurückgeben. Dabei musste sie sehen, wie schwer es ihm wurde sie zu bitten. Nun ist er endlich so weit die Gläubiger befriedigen zu können. In A's Abwesenheit Rechnungen, warum? Warum zahlst Du bei einer Jahreseinnahme von mehr als 50 000 die Rechnungen nicht? Sie antwortet nur mit einem Blick der Angst und Abwehr Heinrich erkrankt.Nieren, Eiweisverlust. Geht ins Engadin. Einfach und billig.Gut, nach seinem Geschmack. Aber ohne Lily und Otto ein so unverdientes Glück????? Lily:" Es ist besser, wir kommen nicht nach. Schon unsere verschiedene Lebensweise, würde Anlass zu Differenzen sein. Er verlangt nach Einfachheit und Einsamkeit, Sie braucht vom bunten Menschtrubel durchflutete Räume, angenehme Bekanntschaften, Anregung für ihre Phantasie. Kurz bevor scheibt Er gesundet, Eilt nachhause, von Verlangen erfüllt. sie( befremdendes Gebahren)" Deine Liebe ist soch ein wundervolles, dass ich ganz mir immer wieder als ein Wunder erscheinendes Geschenk beschämt davor stehe und mir so arm vorkommen, weil ich in den äusseren Zeichen der Liebe nicht so unerschöpflich sein kann wenden , WEIL/ A so oft meine Arbeit die Kräfte meiner Leidenschaft förmlich aufsaugt"!!!!." бло ивті 900 nude mi rellov til, S nejaud mov Housid 910. Jdiodoa Toved STU--потоками, поб ni dot Hebrew 2 ed ei • 24. Heinrich ist froh daheim zu sein. Die Wolkenschatten auf Lilys umdustertem Gemüt will er schon verdrängen... Des Rätsels Losuns Er öffnet ein altes Stahlfach, um die alte Repetieruhr herauszunehmen. Ein Zettel Er liesst: " Hierdurch bestätige ich, von Frau Lily Braun, geborene von Kretschman, 28 000 Mark als Restzahlung der von ihr übernommenen Schluld ihres verstorbenen Vaters, des Generals der Infantrie Hans von Kretschmann an meinen verstorbenen Schwiegervater, den Baron Werner Gustedt, richtig erhalten zu haben. Ich erkläre zugleich im Namen meiner Frau, dass mit dieser Zahlung die Gesamtschuld in Höhe von 78 000 Mark getilgt ist und keinerlei Forderungen mehr an sie bestehen. von Massow.Major a.D. Lily..ins Zimmer... sieht Zettel:" Du musst Dich erschiessen!" Redet sie irre?..... Sie habe ihrem Vater_geschworen(!) Ehrenschulden. Keiner erfahren. Nun sei sie meineidig, solange H.lebe(:) Totentanz und Höllenfahrt- Danach Wirklichkeit? Die Ratlose hatte sich Wucheren verschrieben. Vom Haus gehörte ihr kein Stein mehr. Versteigerung stand bevor.--- Mit dem letzten Geld schickt er L.u.0.nach Italien. Lily vor Angst benommen. H.von Tür zu Tür, lässt sich Darlehen geben, scheel ansehen, schafft sich Wucherer vom Halse.Muss manches hinnehmen, seinen Stolz bezwingen. Nurauf Lilys Eleganz darf niemand anspielen. Ihr Unrecht in seinen Augen, dass sie heroisch sich vermass, alles allein zu tragen. Vorher hatte er ihr geschrieben:" Du weisst, ich werde Dir nichts übel nehmen, als Verheimlichung von meiner Seite kannst Du sicher sein, dass meine Liebe zu Dir alles erträgt, nur nicht mangelnde Aufrichtigkeit u. Verweigerung des Vertrauens. Jetzt? er beklagt ihr stilles Erdulden:" Darüber komme ich nicht hinweg, dass Du Not und Leid und trostlosen Kummerschlimmste Verkennung und tausend andere Peinlichkeiten in entsetzlicher Fulle und endlose Jahre hindurch auf Dich gehäuft hast...... Dagegen tritt alles andere in den Hintergrund, auch der schmerzliche Mangel an Vertrauen zu mir, der diesmal noch deutlicher hervorsticht als in früheren Fällen." Lily:" ich schwelgte ein wenig in meinem" Martyrertum" Sie suchte wieder seine fühlbare Kiebe und bat auch:" vielleicht versöhnst Du Dich doch noch einmal wieder mit mir,..... die ich keinen so zärtlich liebe wie Dich, so notwendig brauche wie Dich." Heinrich ihr wechselndes Benehmen werde ihm unbegreiflich sein, denn: " das ist der grosse, peinliche Unterschied zwischen uns: Du vergisst alle Sorgen und Qualen über der Liebe ,; ich fühle weder Liebe noch Freude, wenn ich Sorgen habe." Sie musste sich über Armut und Sorgen mit" Flitter" trösten--reisen-- mit bewusster Absicht verschwenden, sich als reiche Frau gebärden. Lily Statt- wie es bei ihm sei- den ganzen Menschen zu erfassen, zerspalte sich ihr das erotische Gefühl oft in ein seelisches und sexuelles. Auf Geschlechtsleben neben der Ehe habe sie- zum Schden ihres Künstlertumsbisher verzichtet, im Grunde nur aus Angst" Angst vor meines Sohnes hellem Blick", Angst vor Dir der es nie verstehen würde, dass ich ihm garnicht untreu sein kann auch wenn ich die" Treue" breche.---" Ich habe, ohne dass Du es ahntest, im Laufe unserer Ehe oft starke sinnliche Leidenschaft empfunden, ohne dass der Gegenstand den Wunsch in mir erweckt hätte, mit ihm zu leben.Wahrscheinlich hätte ich Dich sogar viel lieber gehabt, wäre froher und frischer gewesn, wenn ich meinen sehr starken Instinkten gefolgt wäre." 25 1913 ist das entscheidene Jahr in dieser Ehe. M.J. Heinr. diese Betrachtungen..." Denkmal auf einem Grabe" Zärtlichkeiten dieses Briefes:" Totenlied unserer Liebe" L." ich habe niemand anders so lieb als Dich,... Versteh mich recht: ich könnte für eien Schurken eine stürmische Leidenschaft fassen, aber ihn nicht lieben, wie ich Dich liebe. Das ist mehr als kühle Freundschaft, das ist für meine Natur das einzi Dauernde. Du möchtest Leidenschaft. Ich bin nicht Herr über sie. Ich weiss, dass sie erwachen kann wenn Freude und Sonnenschein sie weckt. aus Portofino:" ich wünschte Dich hierher, aber Du musstest wirklich hier sein." Auch ihn treibt ein" unabweisbares Bedürfnis" hin zu ihr. Geborgtes Geld. Zwei Tage...." vom ersten Augenblick an, in dem ich das unsagbare Glück hatte, Dich mit den Augen meiner Seele zu sehen, bis zu diesem, war ich immer bereit, für Dich alles aufs Spiel zu setzen" " .... was Du tun und lassen magst, sie( die Liebe) wird immer nur erstarken." Venedig Treffpunkt. Sie kommt aus Florenz. Aus reicher, mit Otto verlebter Ferienzeit. Er, aus Berlin, aus monatelangen Kampf mit Wucherern und Gläubigern. Die Gefahr nimmt nicht Urlaub, sie wächst weiter. 1913 Noch glüht sie von seinen Küssen, als der Zug sie ihm wieder entführt. Er grübelt, wie ihr die Morgengabe zu bieten sei; Sorglosigkeit, ohne die ihr Künstlertum absterbe...... Noch hat er das nackte Dasein und den Namen zu retten..... Der Italiene L.auf der Fahrt nach Florenz zurück Bologna.L.lehnt zum Fenster heraus. Ein Italiener zieht den Hut, sie dankt mit Lächeln.Er spricht nur italienisch.Seine Blicke und Gebärden sind ihr verständlich. Mit franz. Br1X Brocken verabreden sie eine Zusammenkunft. Ein Abenteuer hat sie sich schon immer gewünscht.( Heinrich hatte sie, schutzlos) ihrer gesteigerten Erregung überlasen. Die 50 Stunden in Venedig waren eine einzige Orgie Vor kaum einem Monat hatte sie gesagt:" Jetzt bin ich leider alt, kanm nichts mehr vom Leben und" von der Liebe, die eigentlich meine Atmosphäre ist erwarten." " Das Schicksal: Nach Venedig", so schreibt L.in iht Tagebuch. Der Fremde. Mittlerer Beamter.Adel.Aber nicht gebildet.Weiss nicht wer Lily ist. Sein Zimmer, mit Postkarten und billigem Nippes angefüllt, ein Widersinn, Otto ist bei ihr. Fast Katastrophe. Ottos Verdacht. wird lachend entkräftet. Seine starre Miene 18st sich wieder, geliebte Mutter.------ Zuhause fallen ihm einmal H's verhärmte Zuge auf, als. die Mutter wieder in Italien ist. Der Spuk jenes Morgens grinst auf.Brief an die Mutter(:) H.:" jetzt fährt die Mutter zum Lido, mich freut ihr schönheitsfrohes Geniessen. Da verbrennt Otto den Brief . H.opfert einen sehr grossen Teil seines Gehattes," damit sie" zum schönsten Ziel, zu sich selbst" gelange. L.:" hab tausend Dank für Deine Freundschaft. Ich werde sie wohl noch sehr oft in Anspruch nehmen." " was mich bewegt, kann ich nicht sagen." H.:" Sprich aus, was Dich bewegt!..... Glaube, dass meine Liebe und Freundschaft ohne Grenzen sind."" Offenes Bekenntnis.Angst vor seinem Jähzorn und Mut zur Wahrheit halten sich die Wage. " Nur um Di zu helfen in Deiner Not und in Deinem Glück, bin ich auf den Ruf Deines Briefes hier.." schreibt er ihr nach München. Aber sein verfallenes Gesicht, seine Verstörtheit. Fünfmal reist sie 1913 nach Italien. 26 Dankfur all das, was Du mir an Bweisen Deiner Liebe entgegen bringst, aber Du willst keinen Dank. Aus Floranz, sehr kurz:...." Dein Leid bringt mich zum Schweigen..." H." Glaub doch endlich, dass sas einzige, was mein grenzenloses Leid erträglich machen könnte, die Gewissheit ist, Dich glücklich zu wissen. Er kämpft weiter mit Wucherern. Seine einzige Einnahme ist sein Redakteurgehalt. Weihnacht 1913 ohne die Möglichkeit ihr ein Geschenk zu machen. Lily verfällt in Trübsinn. Er borgt( eine kostbate Uhr) Sie strahlt. Lilys Arbeit am" Lebenssucher" ist ins Stocken geraten. Kein Honorar. Er verpfändet sein Redakteurgehalt auf Jahre hinaus.Seine Unabhängigkeit. L.:"... wie lange ich wohl diese Qualen, die ich Dir bereite, ertrage! Er ist der Tröster. Florenz aber ist ebenfalls Marter. Der Italiener beutet die Lage aus, lässt sie alles pekuniäre tragen.Geniesst ihre schrankenlose Hingabe und missversteht sie, behandelt sie gleich einer Dirne. In der Sucht ihrer Jahre wird sie zur geschlechtlich Hörigen. Sie braucht ihren Mann als Beichtiger. Nach der ersten Andeutung gerät H.in Raserei..... So findet sie bei H.jetzt kein Verstehen. Sein Herzblut will er auch heute noch und immer für sie hingehen, aber--er muss es freudig können Die grosse Schuld Heinrichs: Eingedenk ihrer früheren Worte hätte er sie( vor ihren Trieben) in Schutzhaft nehmen müssen. Statt dessen lässt er sie ziehen..... Er lässt ihr die" Freiheit" sich zu versklaven und sperrte seines eigenen Herzens Drang in den Käfig, an dessen Gitterstäben sich Wunsch und Wille blutig schlug.------ Diese Selbstkasteiung zugunsten der Geliebten schändete sie und stachelte ihre Ueberreiztheit zu feindseligen Angriffen auf, gegen ihn,.... soeben noch versichert: " Mit welch tiefer Zärtlichkeit denke ich Deiner, Du lieber, Du über alles treuer, Du aufopfernder Mann*" Nun schmäht, nun verletzt sie ihn, als könne Wehtun Wehleiden lindern, um bald zu erkennen, dass sie damit den eigenen Wunden gar eine brandige zugefügt hat. Auf ihrem eigenen Zimmer- Wand an Wand mit ihm, sucht sie ihm brieflich ein Bild ihrer selbst zu geben:" Und dann kommen solche Ausbrüche, dann entwickelt sich im Gefühl der eigenen Unsicherheit solch ein Misstrauen gegen Dich, der Du doch nichts als Vertrauen verdienst." Sein Wort....." Eine Liebe, wie die meine kennt Uebelnehmen nicht" wird stündlich zur Tat. Lily erlebt das Zermalmende dieser Wahrheit. Er hofft von den Jahren Heilung ihres Zustandes.------ Mit blanker Waffe wacht er nur über einen Bezirk: über Otto's Unbefangenheit. Dazu zwingt er auch Lily.Das ist schwer. L.ist der Meinung, dass der 16 jähige verständiggenug sei, sich mit den wirklichen Verhältnissen abzufinden. H.:" Die Achtung Deines Kindes besitzest Du uneingeschränkt, und ich werde die äusserste und letzte Kraftanstrengung daran setzen, dass sie Dir für immer unerschütterlich erhalten bleibt." In einem Vortrag über: Genie und Geschlecht will sie H.in Gegenwart des Sohnes belehren, dass- mit vielen Vorurteilslosen der älteren GenerationOtto als Vertreter der heanwachsenden Jugen- Otto ihre Ansicht teile. Die Rednerin findet Beifall, die Mutter erregt Missfallen. Wie ein Peitsche n hieb trifft sie ihres Kindes Anklage: sie predige den Mord jeglicher Kultur. Tagebuch Otto nachdrücklich gegen mich! Verzweiflung q Unbewusste, volle Verurteilung seiner Mutter. 27 Otta Lily steht vor dem Sebstmord.Heinrich reisst sie davon zurück. Mit dem Grauen vor dem Altern paar sich das Bangen um ihre Kunstlerische K Kraft.--- Ihr grader Sinn sieht sich selbst auf Schleichwegen. Ihre eigene Heilslehre sieht sie widerlegt, da ihre schöpferischen Fähigkeiten nachlassen. H." Selbstmord vernichtet den Heroismus Deines Lebens" Er ermutigt sie beim Schaffen, er beginnt sogar zu heucheln, damit ihr die schwindenden Kräfte weniger fühlbar werden. Aber- sie leidet an sich selber.---- Sie umkreist ihr eigenes Ich, während das politische Geschehen Europa unterwühlt. Attentat von Serajewo. H.Juli 1914:" Ottos Lebensäusserungen wirken auf mich wie ein Trunk aus reiner Quelle"/....." Mache Dich fähig zur Arbeit an den ungeheuren Aufgaben!!!" Otto war vom Vater eingeladen zu" Internationalen Sozialistenkongress nach Wien... für August 1914.. Serajewo Der dreijährige in Paris. Er hörte vom Krieg sprechen." Aber sie schiessen doch nur böse Menschen tot?"--Kindliches Grauen" Lily: Deine Eltern arbeiten von früh bis spät, um den Krieg zu verhindern" Etwas später im engen Pariser Zimmer.Lily schreibt. Das Kind ist merkwürdig still.Sonst sehr lebhaft. L.geht einmal ans Fenster. Das Kind zerrt an ihr." Arbeite, arbeite, damit kein Krieg kommt:" Erschüttert sprach L.zu franz.Sozialisten davon. Nach 20 Jahren erzählte es noch Leo Blum. Die Regierung( die deutsche) dachte anders über" Arbeit gegen den Krieg". Mussten es in" Die Neue Gesellschaft" spüren, als diese für Verständigung mit westl.Nachbar schrieb. Und...( Julie)%;"... in kleinlich- doktrinären Gegensätzen befeindeten sich die demokratischen Parteien, deren@emeinsames Wirken--- nach H's Ansicht--- die deutsche Politik im Innern und Aeusseren vor dem Zusammenbruch hätte bewahren können...... ... H.wird( von Freundin) verhindert, sich freiwillig zu stellen.--- Er hat es nicht verhindert, dass sein Sohn sich freiwillig stellte. 17 Jahre. Dabei verurteilt er scharf" die gewissenlose Kriegsführung, ddie.... ohne Nutzen..... Kinder in den Krieg schickt In der Kriegszeit ist H.noch mittendrin in Schulden und Bedrängnissen wirtschaftlicher Art...... Er hält eine Tageszeitung( jetzt) für bitter notwendig. Seine Lage macht die Menschen, an die er sich wendet, misstrauisch......" wagt ein Schuldner frei aufzutreten, dann wird er sozial zum Tode verurteilt.... Die Sittenrichter sagen erschwerend Lilys Lebenshaltung an...... H.glish( im Anzug) einem bedürfnisslosen geistigen Arbeiter....... Seine Gesamterscheinung widersprach aber diesem Typus..... Er war unabhängig vom Aeusseren..... Lily war stets modisch gekleidet. Ihre selbstverständliche Eleganz übertraf sie oft jene reichen Leute, die ihr geholfen hatten....... Dabei hielt H. Luxus für Unkultur.Aber bei L.verstand sich vieles( auf diesem Gebiet) von selbst. Er tat das G'schwätz ab..... Sie hätte für ihn keiner kostbaren Fassung bedurft....." Edle Gestalt. Aber er verstand auch wieder ihr phantasievolle Natur... Schonung selbst ist H. doch nun? Plötzlich stört er schonungslos X den" unbewussten Entstehungsprzess" auf? L.:" er wird immer schweigsamer verbringt den Tag in der Stadt, den Abend über seinen Büchern.... Nun drängt er plötzlich zum" Kuraufenthalt" bringt Riesenbuseh Rosen... bringt sie( die Roden) am eisigen Wintermorgen an die Bahn...... Froh wie ein Schulkind reist sie.... Ruft dann sofort von Loschwitz an, berichtet der Freundin Julie über die ärztliche Untersuchung... sie wundert sich dass H.nicht dort ist- wie wohl verabredet verabredet. Wenden по ΠΟ -de -98 20Unova ele Jaeter dolanish.bromadec meb Sie hat in Loschwitz blühende Pflanzen im Zimmer vorgefunden. Sie will ihm dafür danken, warum ist er nicht da? trebnuw sta. es ... 19 ... .... Jeb Idow eluw- jal Job Joźn. попо одоб • 28 sieke AH 210 und Seite Mit 5 Stunden Verspätung tritt er ein. Entgegen sonstigem Verhalten: ohne Entschuldigung. Wirft sich aufs Ruhebett, frägt nicht nach Lily's Anruf. Plötzlich Frage:" Wie erklären Sie sich Platons Stellung ......(?) J zur Kunst? Zu plötzlich und unvermittelt, daher vage Antwort, H.schnellt hoch und entwickelt, widerlegt usw.... Was hatte L's Überstürzte Abreis zu bedeuten? Zugleich Ursache seine verspäteten Kommens und seines körperlichen Schwächeanfallsl.: 11 ... morgen werde die öffentliche Versteigerung von Haus und Möbeln in den Zeitungen bekannt gegeben..... das Amtsgericht habe einen nochmaligen Aufschub abgelehnt. Aber.... bis morgen könne sich noch immer Hilfe finden(!).... Man suche den Zusammenhang: Geld für Lilys Reise, für Rosen und blühende Pflanzen und dem Verbleib für die vielen Bücher, die er am Morgen in die Stadt gebracht, bald nachdem aber nicht mehr bei sich getragen hat..... Platons Wort:" Unsere Seele ist beschwingt, um Schweres empor zu heben. Nur im Höhenflug haben wir Teil am Göttlichen." Ueber Nacht:.... die zum Schutze von Gläubigern wie Schuldnern erlassene Kriegsverordnung der Geschaftsaufsicht gilt auch für Lily und mich.. Lediglich" durch den Krieg bedingte Zahlungschwierigkeiten"? Ein Jurist, ( Verehrung für L's Persönlichkeit) usw.... Unleugbar sei Buchabsatz durch Krieg geschädigt, Herausgabe neuer Werke erschwert... Einnahme beträchtl. vermindert(!!!) Aufgrund dieser Hilfe erlangte H.ein Darlehen..... Heftige Gläubiger abzufinden..Lily durfte heimkehren. Aber... sie fürchtese Alleinsein mit dem Mann..... Verkettung von: Hass und Liebe..... bat die Freundin dringend zu sich.... Schwester, die sie nie besessen.....(?) Mit ihr spreche sie wie mit sich selbst. Lebensbild... von ihr erhalte sie das oft verdüsterte Bild ihrer selbst geklärt zurück..... Auch durch Verständnis für H's Eigenart vermittelnd..... Anmerkung Otto bekunde in seinen Feldpostbriefen einen so starken Glauben an das " Einssein" seiner Eltern..... Deshalb: Beisammensein aufrecht erhalten, .... für sie ständige Erregung, für den Mann Qual....... L.an H.: Was ist das Unglück, "... Ob ich Dir einmal nicht weh getan habe? das die anderen Frauen Dir brachten, gegenüber dem, was ich Dir bringe."... " Ein eigenes, zerbrochenes Leben ist leichter zu ertragen, als dass man ein anderes zerbricht...." Verstummen, nichtMangel an Vertrauen: " würde ich mich aussprechen, so wäre das, als wenn man einen Tollen aus der Zwangsjacke lässt" /.......Seit Kriegsbeginn erleidet sie die Qual einer auszehrenden Enthaltsamkeit 101 a. f. . Julie Zu dieser- ihr widernatürlichen Askese hatte Reichtum und Bedürftigkeit ihrer Natur sie verurteilt. Im Wechsel flüchtigen Sinnengenusses hoffte sie ihr Lebensgefühl, ihre seelische und dichterische Kraft zu dem steigern aber Fülle und Freigebigkeit ihres Seins trieben sie Ersten- Schlechte testen mir ihrem Körper auch ihre Liebe zu schenken. Sexuelle Untreue hiess ihr Grundsatz, Vielehe ihr Programm,- ihr Wesen war Ausschliesslichkeit. Sie wollte flatterhaft sein und konnte doch, leiblich wie seelisch, nur Binem gehören. Den" Fernen" schmückte ihre Einbildungskraft, umso verschwenderischer mit allen Vorzügen aus. Nichtssagende Karten. Sie gab ihnen Bedeutung. Sie sprach von romantischen Besuchen unter Lebensgefahr( Wunschbilder) Erfindungen ihrer Sehnsucht. H.konnte nicht um sie werben. Wahrscheinlich Erfüllung.Seine Empfindung war jetzt: Vater zur leidenden Tochter. Fürsorglich, ohne Begehr, in " bedingungsloser Hilfsbereitschaft". Lily:" Was kümmern mich die " leeren oder vollen Hände, Dich will ich sehen.( von Loschwitz) Mai 1916 Seine wunschlose Herzlichkeit erbittert. Sie denkt an Frieda:( wenden) оп Die schrieb einmal: Möge sich doch verwirklichen, was Du jetzt erhoffst. damit Du endlich so glücklich wirst, wie Du es verdienst Und dann ertrug sie es nicht, ihn enttäuscht, zu haben... doi эп I -doon Den Schmerz, durch Lily erlitten, vergeistigt er. L'er befreie sie nicht, er lasse sie ihre eigene Gefangenschaft noch schmählicher empfinden. Der Krieg draussen, der Krieg drinnen zerbrach ihr Herz. Frühling 1916 aus Baden- Baden:" Ich war wirklich am Ende der Kraft. ich denke in zärtlicher Dankbarkeit an Dich, der Du mich in diese Ruhe, diese Schönheit gezwungen_hast." . Itoited em U.... ex [ off] mob sie ( nebrow): ... U me 991 . 29 Dem Ende zu 8.8.1916 Verkrampftes 18st sich, Bitternis schwindet.Weh verwandelt sich in Wehmut. Die unversöhnlichen Triebe in ihr versöhnen sich. Die" verdammteHarmonie wird ihr zur Wohltat. Bisher unbekannte Stimmung. Seeleisch Erfüllt Ohne körperliche Beschwerden. Ohne sinnliches Verlangen. Sie wandert. " ich meine, auf solchen Wegen müssten wir uns wiederfinden, müssten die Brücke über den Abgrund von Schuld und Missverstehen schlagen können, über Groll und Reue. Das gehetzte, zerrissenen Leben liess uns dazu keine Zeit... Bald ist es ihr, als sei sie ihm immer vereint geblieben...." Soviel so ungeheuer viel des Gemeinsamen haben wir: die Gesinnung, die Erinnerung die Vergangenheit, die Zukunft, das noch nie zerriessene geistige Band. Und unser Kind." Wie hatte sie vor einem Jahr XXX geschworen?" Ich werde nie aufhören, alles, allen Schmerz und alle Freude, Schönes und Hässliches bis auf die Neige auskosten zu wollen." Und nun hegt sie die Hoffnung:" ach, dass wir es vermöchten, zusammen, innerliche zusammennauf stillen Wegen zu gehen." Aber es ist kein Entsagen, zu dem sie sich bekehrt, kein Entbehren, mit dem sie sich abgefunden hat, vielmehr ein Allumfassen, ein Allbesitzen, das ihr Wesen ins Grenzenlose weitet. Nun erst kann sie Unermessliches ermessen, empfängt ganz, was das Leben ihr geschenkt, fühlt ihres Mannes Dasein als" unsere Existnen", seine Kraft als die ihre, auch seine Kräftigung. Des Sohnes wunderbares Wachstum fühlt sie als Blüte und Frucht dieser einzigartigen Liebe. Dev Tooli So stirbt sie.Den Kopf an Heinrichs Brust gelegt.Mit den Händen hält sie noch die Freundin. Aus dem" Lebensbidd" von Julie Vogelstein Seite 118:" Am Morgen des 6.August( 1916) einem sonnenheissen Sonntg... Die Erwartungen auf einen Brief von Otto waren wieder getäuscht.L.ging aus dem Hause. Auf dem entlegenen Postamt will sie fragen. In der Hand trug sie einen Brief an den Sohn. Unweit ihrer Wphnung, auf dem Wege, brach sie unter einem Schlaganfall zu Boden. Ein fremder Soldat brachte sie in eienem Wagen, dessen Kutscher sie kannte, heim. Montag abend kam ein Brief von Otto. Hörte sie es noch, fühlte sie es? Sie schien stiller zu werden, leichter zu atmen. Am Dienstag den 8.August( mittags) starb Lily Braun. Ihr Antlitz, eben noch von Krampf und Schmerz entstellt, leuchtete in hehrer Schönheit, Friede war über sie ausgebreitet... Sie, der sie mit ihrem Sohn Von Julie verlangte Yvon der lebenden Freundin ihren besten Wert vermachte, die" Selbstaufopferung" im Hause zu bleiben, um Otto vor dem Vater, vor dem Manne, dessen Wucht jeden erschlüge zu schützen(') Otto hatte in Lilys Tagebuch gelesen und" Die Wahrheit" erfahren Heinrich rang um Ottos bleibende Liebe für die tote Mutter..." Eine Frau von solcher Grösse folgt eigenen Gesetzen...."...." dass sie Nichtiges zu adeln, Niedriges zu erheben vermochte, beweist das Gigantische ihrer Natur." Er tritt mit Otto vor das Antlitz der Toten zeigt ihm ihre hehre Schönheit" Du bist ein Heiliger, Pa' Ich nicht, ich nicht. Später hat er es in seiner Art vewunden. Seite 435/36 u.f. , Ende 1916 kommt Otto mit durchschossenem, gelähmtem Arm nachhause. Er fühlt sich so elend im" Etappendienst", geht zum Schmerz Heinrichs wieder zur Front. Er fällt Ende April 1918 wenden otnom ihrem Tode Bald nach** XX** X* XXX fanden Lilys Bücher grossen Absatz. Er steigerte sich während der Revolution noch ganz beträchtlich. Da Heinrich seine Ausgaben auf ein Mindestmass beschränkte, konnten damit alle Schulden gedeckt werden. H.:" Lily bezahlt alles selbst". ado Wie eine Legende, aber schlicht erzählt, was sich zugetragen. H.B. traf J.im Hause ihres Bruders. Auf der Reise für" Annalen". " Siehe ein Mensch". Heinrich führte sie Lily zu, so entstande die Freundschaft. Heinrich Braun starb am 8. Februar 1927. Er wurde am 11. Febr. eingeschert Er wurde am 23.November 1854 in Pesth geboren. Der Vater war Eisenbahnbauer, dadurch kam die Familie viel herum. Seine Heimat war Oesterreich, er fühlte sich stets als Deutscher. Aktenzeichen, Kennzeichen oder Nr.: Aus Nachlass von Marie Juchacz Betrifft(Firma etc.) im Die Arbeiterin Klassenkamp von Emma Jhrer Abschrift Hefter Nr. Fortsetzung von Hefter Nr. Zeitraum 19 bis vom Entnommene Schriftstücke Gegeben an Zurück Gegenstand Dat. Archivierungs-Hinweis: SOENNECKEN Bestellvereichnung: für Schlitzheftung— Nr. 37 für Osenheftung— Nr. 38 Die Arbeiterin im Klassenkampf Anfänge der Arbeiterinnenbewegung. Ihr Gegensatz zur bürgerlichen Frauenbewegung und ihre nächsten Aufgaben. von Emma Ihrer Vorsitzender C.Legien Hamburg 1998.--- Verlag der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands. Einleitung I wenden --Warum gibt es in Deutschl.keine Arbeiterinnenvereine? Warum hört man so wenig von der Arbeiterinnenbewegung? Diese Frage wird nicht nur im Ausland an uns gestellt, auch in Deutschland selbst, ja sogar von Genossen kann man sie manches mal hören.Es schien uns deshalb notwendig, die allmalige Entwicklung der Arbeiterinnenbewegung zu schildern und die Hindernisse zu zeigen, die ihr auf Schritt und Tritt nicht nur folgten, sondern XXXX häufig voraneilten, die stets erneuten Kämpfe aufzuzählen, welche mit stumpfen Waffen und ungeübten Kräften gegen die mächtigen Gegner immer wieder durchgefochten werden mussten.Gar manches strenge Urteil über die Schlaffheit und Lässigkeit der Arbeiterinnen wird als unrichtig erkannt werden, der Tadel verstummen müssen. Denn es lässt sich kaum leugnen, dass ein hohes Mass von Mut und Energie dazu gehörte, das Zerstörte immer wieder aufzubauen, und um nur das zu erreichen, was erreicht ist; eine ansehnliche Schar Frauen und mädchen ist herangezogen, die sich rückhaltlos der Arbeiterbewegung angeschlossen haben und in den Reihen des zielbewussten Proletariats kämpfen um das gleiche Recht und die wirtschaftliche Selbständigkeit aller. Dass wir uns im II.Teil dieser Broschüre eingehend mit der bürgerlichen Frauenbewegung beschäftigen, geschieht teils auf Wunsch vieler Frauen und Männer, denen es durchaus nicht erklärlich erscheint, weshalb nicht alle Frauen gemeinsam für ihre Gleichstellung in Staat und Gesellschaft kämpfen. Teils um ein für allemal klipp und klar XXXXXXXXXXX und ohne Rückhalt festzustellen, welche Ursachen und Gründe vorhanden sind, die eine Trennung der bürgerlichen und proletarischen Kämpferinnen herbeigeführt haben und für immer(:) einer Vereinigung beider Richtungen entgegen stehen. Hierbei möchten wir vor allem an die Männer die Frage richten: " Warum kämpfen nicht alle Männer, die die Unhaltbarkeit der heutigen Zustände erkannt haben, gemeinsam für eine bessere O Ordnung der Dinge? Warum zersplittern sie ihre Kräfte in den verschiedensten Richtungen? Weshalb z. B. erkennen die Sozialdemokraten den Kathedersozialismus nicht als vollkommenen Heilbringer an, warum gehen sie ihren eigenen Weg anstatt sich mit fliegenden Fahnen unter die Fittiche der Wissenschaftler zu begeben, die doch so manche Forderung der Arbeiter anerkennen und befürworten? Manches Gute hat der Katheder sozialismus mit der Sozialdemokratie gemeinsam. Aber- wird man einwenden- man kann doch unmöglich behaupten wollen, dass die Wege beider Richtungen gleich und ihre Ziele gemeinsame seien. Ebenso aber auch bei den Frauen! Manches Erstrebenswerte ist den Rechtlerinnen und den Proletarierinnen gemeinsam, aber wer will behaupten, dass deshalb alle ihre Kämpfe und Wege gemeinsame seien, oder dass sie gar zu ein und demselben Ziele führten! Oberflächlich betrachtet mag die Idee des gemeinsamen Kampfes vorteilhaft und erspriesbich erscheinen. Man denkt zunächst daran, dass diejenigen Frauen der bürgerlichen Gesellschaft, welche über bessere Schulbidung, viel freie Zeit und ausreichende Geldmittel verfügen, sich mit all diesen Vorzügen in den Dienst der ärmeren Schwestern- denen die Brotarbeit kaum Zeit lässt zum denken- stellen würden, um für diese zu erkämpfen, was ihnen zum wahren Menschentum fehlt. Vorausgesetzt, dass beide die Bürgerliche und die Proletarierin, gleiche Anschauungen MX hatten, über die Lebensrechte einer Prletarierin, und vor allem und vor allem, über die Art der Lösung der sozialen, der Arbeiterinnenfrage. Inwieweit diese Voraussetzungen zutreffen, konnen wir am besten ersehen, aus der Art, wie auf dem bürgerlichen Frauenkongress, im Rathaus zu Berlin 1896 die für die Frauen und speziell für die Arbeiterinnen zur Tagesordnung stehenden Fragen behandelt wurden resp.wie weit man ihnen Rechnung trug. Wenn wir uns im Ganzen darauf beschränken, die Geschichte der Berliner Arbeiterinnenbewegung zu schildern, so geschieht dies zunächst, weil sonst der Umfang einer Broschüre. weit überschritten werden müsste. Die Vorgänge gleichen einander ohnehin so sehr- sind doch die Verhältnisse überall ungefähr dieselben- dass die Aufzählung nur ermüdend wirken könnte könnte. Wer über die Zahl der Arbeiterinnenvereine und deren Verteilung auf die Bundesstaaten genaues erfahren will, den verweisen wir auf die Broschüre von Emma Ihrer:" Die Organisation der Arbeiterrinnen Deutschlands ihre Entwicklung** welche Zusammenstellung für die XXXX Ausstellung in Chicago gemacht worden ist. Nicht unerwähnt möchten wir lassen, dass für die Zusammenstellung dieser Tatsachen kein reichhaltiges Material zu Gebote stand%; B das meiste wurde bei den häufigen Haussuchungen beschlagnahmt und ist uns auf diese Weise verloren gegangen. ( niederEs musste demnach vieles aus dem Gedächtnis geschrieben werden und ist es möglich dass Einzelheiten kleine Irrtümer enthalten, welche jedoch dem Ganzen gegenüber nicht ins Gewicht fallen können. 1869 1871 -1- Teil Der Kampf der Arbeiterinnen um das Koalitionsrecht Jede Bewegung im Volke, die sich gedeihlich entwickeln ihr Wesen voll entfalten soll, bedarf vor allem der treibenden inneren Kraft die sich gegen Husserliche Hemmnisse stemmt im Widerstand erstark+, und sich den aufgezwungenen Formen anpasst, ohne ihren wahren Kern ihr eigentliches Wesen zu verlieren. , , Wie wenig neben diesem langsamen aber selbständigen Wachstum kunstliche Nachhilfe vermag, zeigen mit grosser Deutlichkeit die Anfänge der Arbeiterinnenbewegung , ' , , Bereits im Jahre 1869 wurde auf Anregung von Frau Louise Otto Peters in Berlin der erste Versuch gemacht mit der Gründung eines Vereins zur Fortbildung und geistigen Anregung der Arbeiter frauen" Bürgerliche Damen bemühten sich unter Anleitung der oben genannten Gründerin ihren armen Schwestern, deren allgemeiner Bildungsgrad der tiefs te war, die verschiedensten Wissensgebiete vorzuführen die natürlich weit ablagen von dem Ideengang einer Arbeiterfrau mit ihren Alltagssorgen ums tägliche Brot und ihrer gewohnten traurigen Umgebung nur allzu geeignet ist die jeden Funken geistiger Regsamkeit zu ertöten. Es ist daher leicht begreiflich wenn wir hören , dieser Verein schlief im Jahre 1871 wieder ein teils weil die Burgelichen es müde waren, Kraft, Zeit und Geld aufzuwenden, ohne Erfolge dafür zu sehen teils weil diejenigen, um deren bessere Ausbildung man sich bemühte der Sache kein Intresse entgegen brachten kurz weil beide Teile sich einfach nicht verstanden da sie gleichsam aus verschiedenen Welten kamen ihre Sprache ihre Gewohnheiten ihr Denken und Fühlen so grundverschieden voeinander war, eine natürliche Folge der Klassenunterschiede der Arbeiterfrau und der Frau des besitzenden Standes; völlig andere Erziehungs/ und Lebensgewohnheitmachen es der einen unmöglich, sich in die Denkweise der anderen zu finden. ' , 9 wiederum wurde Ein zweiter Versuch wurde im Jahre 1872 gemacht ein" Arbeiter- Frauen und-* Mädchen- Verein" in Berlin gegründet, aber 1872 diesmal traten energische, zielbewusste Arbeiterfrauen in den Vordergrund und übernahmen die Leitung des Vereins. Den Aelteren unter uns sind die Namen der Frauen Hahn Staegemann Grundemann und Schackow noch recht gut in Erinnerung , . و Die Tätigkeit des Vereins erstreckte sich zwar auch auf gegenseitige Unterstützung war aber vor allem darauf gerichtet, Belehrung und Aufklärung unter den Proletarierinnen zu verbreiten nach allen Richtungen hin. Die einfache und freie Besprechung der wirtschaftlichen Misere in den Versammlungen, fand volles Verständnis und Intresse bei den arbeitenden Frauen. Schlicht wie ihr Empfinden war die Art des Vortrags der Klassen- und Leidensgenossinnen hiervon fühlten die Proletarierinnen sich angeregt und so fand allmählig die aufblühende Arbeiterbewegung in Herzen und Köpfen der Frauen Wiederhall. Auch in einigen anderen Städten wurden durch die Leiterinnen nach Abhaltung von Versammlungen ähnliche Vereine gegründet. " Man merkte überall, dass die Bewegung wirksam zu werden beginne. Doch sollte dies nicht von langer Dauer sein. Die Polizeibehörde sah sich veranlasst, aufgrund des Paragraph 8 des famosen Vereinsgesetzes, der die Teilnahme der Frauen an politischen Vereinen verbietet auch das Inverbindungtreten solcher Vereine, gegen die Leiterinnen des sowie Frauen- Vereins strafrechtlich vorzugehen, angeblich weil sie sich mit Politik strafbar gemacht hatten. Durch Gerichtsurteil wurde der Frauenverein aufgehoben und die beiden Vorsitzenden zu je 60 Mark die übrigen Vorstandsmitglieder XXX zu je 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Die schmachvolle Stellung der Frauen in Deutschland wurde hier zum ersten mal von Amtswegen scharf beleuchtet 3B Polizei und Staatsanwaltschaft 1872 Maben nach eigenem Ermessen festzustellen, welche öffentlichen oder wirtschaftlichen Fragen politisch sind- furdie Frauen Die Frauen Stägemann und Cantius wurden dann im Jahre 1879 die 2z noch zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt, wegen Beleidigungen, sie durch Reden in Versammlungen begangen haben sollen. Frau Schackow wurde mit ihrem Mann, bei Inkrafttreten des Sozialistengesetzes aus1879 WAX gewiesen. Vorläufig war hiermit die XXX arbel1881 , terinnenbewegung wieder unterdrückt; immerhin hatte man diesmal den richtigen Anfang gemacht, den Weg gezeigt, der allein zum Ziel führen konnte. Und schon im Jahre 1881 wurde ein neuer Versuch gewagt Marianne Menzer Dresden sowie durch diese angeregt Johanna Wecker/ Frankfurt am Main, zwei Demokratinnen vom alten Schlag, erliessen energische Aufrufe an die Arbeiterinnen, sich zu vereinigen und gemeinsam zur Wehr zu setzen gegen die krasse Ausbeutung ihrer Arbeitskraft. Die Erstgenannte veröffentlichte gleichzeitig statistisches als Material über Arbeiterinnenlöhne der verschiedensten Branchen klarsten Beweis der Notwendigkeit, dass etwas zur Aufbesserung der Lage der Arbeiterinnen geschehen müsse.- Durch diese Aufforderung angeregt veranstaltete manzunächstin Berlin mentere Versendungen, mehrere Versammlungen, um den Zusammenschluss der Arbeiterinnen zu bewirken. Wiederum wurde nun unter Mithilfe der Oberbgenannten( Marianne Menzer und Johanna Wecker) ein" Frauenhilfsverein für Handarbeiterinnen"( 1881) begründet.((( Fabrikarbeiterinnen waren also ausgeschlossen; Dagegen konnten Frauen und Männer bürgerlicher Kreise Ehrenmitglieder werden.))) Das Statut versprach den Mitgliedern: materielle und geistige Förderung, Warnehmung der Berufsintressen, Darlehen in Notfällen bei Erwerbsunfähigkeit dauernde Unterstützung. Erstrebt sollte werden: 1. Ein unentgeldlicher Arbeitsnachweis für Handarbeiterinnen, d.h. Schneiderinnen, Blumen- und Putzmacherinnen, Stickerinnen, Posamentierarbeiterinnen u.ergl. 2. die Errichtung einer Lesehalle. 3. von Arbeitsstuben u.eines Speisehauses. Die Beiträge für ausserordentliche Mitglieder waren auf 5 Mark pro Jahr die der ordentlichen auf 25 Pfennig im Monat festgesetzt Die Versammlungen zur Beratung der Statuten und Wahl eines Geschäftsausschusses hatten in Rücksicht auf die Frauen und Mädchen und deren Vorurteile gegen den Besuch von Versammlungen in öffentlichen Lokalen, in Schulräumen stattgefunden Nun bewarb sich der Ausschuss darum, auch die ständigen Vereinsversammlungen in Schulräumen abhalten zu dürfen; diesem wurde jedoch von Schulrat Bertram die Antwort:" Für solche Frauenzimmer( die Arbeiterinnen) sind die Räume nicht zu haben." Das sei aufgeführt als ein kleines Beispiel, welche Vorurteile den Arbeiterinnen damals entgegen standen. Es waren auch nur eine verhältnismässig geringe Anzahl von Frauen und Mädchen, die sich dem Verein anschlossen; keine der durch die ersten Vereine bekannten Frauen war darunter. Die Leitung hatten die Frauen Dräger Ihrer und Haase Bald zeigte es sich, dass die Mitgliedsbeiträge kaum für die nötigsten Ausgaben reichten und es wurde versucht, durch freiwillige Spenden und Wohtätigkeit aller Art das aufzubringen, was zur Erreichung der gesteckten Ziele notwendig war. Die Arbeitsstube, in der arbeitslose Mädchen und Frauen beschäftigt werden sollten, war ein winziger Versuch und konnte in der Folge ihrem Zweck wenig entsprechen. Das Speisehaus, mit dem man eine Kochschule verbinden wollte, hatte wenig Zuspruch und die Unkosten überstiegen bald die Einnahmen kurz die gesamte kleinliche Reformarbeit führte nicht weit über die ersten schüchternen Versuche hinaus und scheiterte trotz reichlicher Unterstützung von bürgerlicher Seite, und zwar geistiger wie auch materieller . 3 1883 Es fehlte den Führenden noch an der nötigen Einsicht, sowie auch am Gemeinsinn und dem Selbständigkeitsgefühl; ein Beweis dafür ist schon der statuarische Ausschluss der Fabrikarbeiterinnen sowie andererseits die Zulassung von Ehrenmitgliedern aus anderen Gesellschaftskreisen- also zwei Klassen von Mitgliedern- in Verbindung mit einem zuviel versprechenden Statut. Für so grosse Aufgaben konnten die geringen Beiträge keineswegs ausreichen " Von diesem Verein war ein Häuflein tatkräftiger Frauen zusammen geblieben die durch diese Erfahrungen gelernt hatten, wie man es nicht anfangen dürfe, um etwas für die Arbeiterinnen Erspriessliches zu erreichen. Dass etwas zur Organisierung der Arbeiterinnen getan werden werden müsse, gegenüber der fortschreitenden erbärmlichen Ausbeutung der weiblichen Arbeitskräfte, das war bei allen festehend, ebenso aber auch die Ueberzeugung, dass man nur rechnen dürfe mit der Selbsthilfe der Arbeiterinnen ein Im Jahre 1883 hielt der Deutsche Kulturbund in Berlin Verein nach dem Muster des" englischen Bundes zur Hebung der Sittlichkeit" ***-- öffentliche Volksversammlungen ab in allen Stadtgegenden. Die Mitglieder des Bundes, männliche wie weibliche, gehörten den besitzenden Klassen an. Entsprechend der Tendenz des Bundes waren auch die Themen gewählt und so wandte man sich zuerst den unteren Klassen zu mit Beratung der Frage:" Wie kann man die Sittlichkeit der Arbeiterinnen heben? , Die Referate klangen dahin aus dass man vor allem die polizeilichen Schutzmassregeln gegen die Prostitution abschaffen müsse weil diese eine Art Anerkennung und staatlicher Regelung dieses traurigen Gewerbes, und durchaus XXXXXXXXXX nicht geeignet seien, bessernd oder abschreckend zu wirken und dass die Arbeiterinnen ein spezielles Intresse hätten auf Seiten des Bundes mitzuwirken. Dieser Anschauung traten in allen Versammlungen Arbeiterinnen energisch entgegen, indem sie einfach und schlicht Tatsachen ins Feld führten, tägliche Vorkommnisse, aus denen jeder klar ersehen konnte, die vielbesprochene" Unsittlichkeit der Arbeiterinnen" entspringe hauptsächlich den Hunger18hnen und der famosen Anschauung vieler Arbeitgeber die der Ueberzeugung leben, dass eine Arbeiterin ihnen nicht nur ihre Arbeitskraft verkaufen müsse, sondern mit dieser gleichzeitig auch Leib und Seele. Helfen könne hier nicht, dass einige Wohlmeinende sich nachher mitleidig der" Gefallenen?? und aus der Gesellschaft Ausgestossenen annehmen, sondern es müssen vor allen Dingen die Arbeiterinnen selbst gemeinsam gegen die erbärmlichen Löne Front machen sowie gegen jede unwürdige Behandlung seitens der Arbeitgeber. Die Prostitution sei einfach eine Gefolgschaft der ungesunden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustände des Klassenstaates und der rechtlosen Stellung der Frauen in demselben, ein Schmarotzer am Lebensmark des gesamten Volkes. Diese Debatten bewirkten, dass nunmehr öffentliche Arbeiterinnenversammlungen von diesen selbst einberufen wurden in denen man die Lage der Arbeiterinnen eingehend besprach Durch diese Versammlungen wurde in allen Kreisen ein ausserordentliches Intresse erregt%; es war wohl das erste mal das bekannte Vertreter aller Parteirichtungen ernsthaft mit Frauen über soziale Fragen öffentlich diskutierten. In zahlreichen Versammlungen wurden eingehende Erörterungen über die Stellung der Frauen im allgemeinen geflogen denn die Arbeiterin die wirtschaftlich selbständig sein muss hat das natürliche Verlangen dann auch vor dem Gesetz UND VON RECHTSWEGEN als selbständiger Mensch anerkannt zu werden.Es hat wohl kaum eine bürgerliche Zeitung gegeben die damals nicht ihre billigen Witzchen an die von den Frauen aufgestellten Forderungen geknüpft hat. Ganz besonders spassig war es tonangebenden Herren, dass die Frauen nicht nur das passive Wahlecht haben wollten, sondern wohl gar auch bald verlangen könnten, in den Reichstag gewählt zu werden!!! 4 Eine Zeitung leistete sich den Scherz bekannt zu geben, da seien ja längst Frauen drin- als Scheuerfrauen!!! Es war unsere Genossin Agnes Wabnitz, die bei nächster Gelegenheit die Antwort gab:" Die Frauen wünschten auch garnicht die Zahl der nur " Jasager" und Brotverteurer zu vermehren, sie würden gern die Zahl der Scheuerfrauen vermehren, indem sie für eine gründliche Auskehr all jener Elemente sorgen würden, die sich zwar Volksvertreter nennen, aber die Intressen des Volkes nie gewahrt haben. 11 Anfang des Jahres 1885 führten die geschilderten Versammlungen zur 1885 Gründung eines" Verein's zur Vertretung der Intressen der Arbeiterinnen" dem gleich zu Anfang 500 Arbeiterinnen beitraten und dessen Mitgliederzahl auf einige Tausend stieg. Zur Aufgabe stellte sich der Verein: Hebung der geistigen und materiellen Interessen , der Mitglieder, insbesondere Regelung der Lohnverhältnisse gegenseitige Unterstützung bei Lohnstreitigkeiten, Aufklärung durch fach- gewerbliche und wissenschaftliche Vorträge, Beschaffung einer Bibliothek Pflege der Kollegialität durch gesellige Zusammenkünfte, und die Errichtung eines Arbeitsnachweises. Der monatliche Beitrag war auf 20 Pfennig und das Eintrittsgeld auf 25 Pfennig festgesetzt. In den Offentlichen Versammlungen hatten sich auf die Seite der Arbeiterinnen zwei der bürgerlichen Damen gestellt, Frau Gillaume- Schack und Frau Marie Hofmann. Sie standen den Arbeiterinnen mit all ihren Kräften bei den Verein fest zu fundieren. Erstere lehnte aber ab, die Leitung des Vereins zu übernehmen da sie als schweizerische Staatsangehörige mit der Polizei und dem Sozialistengesetz, das noch in voller Blüte war, rechnen musste. Sie wurde danum zur Ehrenpräsidentin gewählt, weil man sie in irgen einer Form beteiligt wünschte. Sie legte aber nach Jahresfrist das Ehrenamt nieder um nicht in einem Verein der auf vollkommene Gleichberechtigung gegründet war eine Ausnahmestellung einzunehmen während Frau Marie Hofmann, nebst den Frauen: Kreutz, Stagemann, Haase, Cantius Ihrer und Leuschner die Leitung des Vereins übernahm 9 Angeregt durch Zeitungsberichte aller Art, vielleicht nicht zum wenigsten durch die, die eigentlich bestimmt waren die Bewegung der Arbeiterinnen lächerlich zu machen, rührten sich die Arbeiterinnen in anderen grossen Städten, und überall war bald eine eifrige Agitation für den Zusammenschluss in ähnlichen Vereinen im Gange Innerhalb des Hauptvereins in Berlin wurde rege gearbeitet im Sinne der statutarischen Bestimmungen. Man ging daran Kommissionen für die einzelnen Branchen zu bilden. z.B. für Konfektion und Weissnäherinnen, für Putzfach u.a. und Arbeiterinnen vom Fach waren es, die diese leiteten, die nötigen Anweisungen gaben und statistisches Material sammelten, das dann zur Besprechung in besonderen Branchen- Versammlungen diente, um an der Hand dieses Materials über Abstellung der ärgsten misstände zu beraten. 9 Die damaligen Veröffentlichungen über die schlechten Löhne und unwürdige Behandlung der Arbeiterinnen wurden zum Gegenstand allgemeiher Besprechungen Die Versammlungen der Konfektionsbranche führten sehr bald zu Vereinbarungen mit einer ganzen Anzahl wohlgesinnter Arbeitgeber, denen Lohntarife und Arbeitsordnungen, die in gemeinsamer 8ffentlicher Verhandlung vereinbart waren, übergeben wurden in den Werkstätten auszuhängen. um sie Zur selben Zeit, in der Aera der Bismarkschen Zollgesetzgebung, war auch ein Zoll auf englisches Nähgarn in Sicht. Das deutsche Fabrikat Fabrikat war damals noch so unentwickelt, dass es das englische Nähgarn in keiner Weise, besonders bei feineren Arbeiten ersetzen 5, konnte Da die Hausarbeiterin der Wäsch- wie Konfektionsbranche das Garn zugeben muss und eine entsprechende Lohnerhöhung bei erhöhter Ausgabe für das Material nicht eingetreten sein würde, so würden die Arbeiterinnen der Hausindustrie fast ausschliesslich den Zoll getragen haben. Auch da, wo wo die Arbeiterin gezwungen wurde, die Zutaten beim Arbeitgeber zu entnehmen wollte sie überhaupt Arbeit haben, hätten diese ohne Zweifel die Zolldifferenz auf die Arbeiterinnen abgewälzt. Es wurde daher eine Petition gegen diesen Zoll beschlossen und mit Tausenden von Unterschriften aus ganz Deutschland unterstützt, allen Fraktionen des Reichstags zur Befürwortung überreicht. Die Petition hatte nicht nur den Erfolg, dass die Zollerhöhung unterblieb, sondern es führten die Debatten darüber auch zur Annahme folgender Resolution: " Der Herr Reichskanzler wird ersucht, über die Lohnverhältnisse in der Wäschfabrikation und der Konfektionsbranche, sowie über den Verkauf oder die Lieferung von Arbeitsmaterial( Nähfaden) seitens der Arbeitgeber an die Arbeiterinnen und über die Höhe der dabei berechneten Preise Ermittlungen zu veranlassen und dem Reichstage über das Erfebnis in der nächsten Session Mitteilung zu machen." 1886 Dieser Beschluss wurde gefasst in der Sitzung vom 8. Mai 1886. Aber 1887 erst im Frühjahr 1896, als bei Gelegenheit des Konfektions- Arbeite1896 rinnenstreiks erneute Debatten über diese Branche im Reichstag geführt wurden erinnerte man sich der, entsprechend jenem Beschluss veranstalteten Enquete, deren Ergebnisse bereits im April 1887 dem Reichstag übermittelt worden waren 888 " Es darf die Erweiterung und Verbesserung des Paragrphen 115 der Gewerbeordnung, dass die Verabfolgung von Arbeitsmaterial nur zu den ortsüblichen Preisen erfolgen darf, wohl mit Recht auf die Ergebnisse der Enquete zurück geführt werden, durch die nachgewiesen worden war, dass in vielen Fällen die Näherinnen ihr Nähmaterial entnehmen mussten, woraus letztere noch besondere Geschäftsvorteile zogen. Die so mächtig in Fluss gekommene Arbeiterinnenbewegung fand allgemeine Beachtung. Vertreter aller Parteirichtungen sprachen den Arbeiterinnen ihre Sympathie aus oder versuchten in der einen oder anderen Weise den Verein zu fördern. Besonders aber von Seiten der der Antisemiten um Stöcker bemühte man sich, die bis dahin ganz farblose Bewegung in das Fahrwasser dieser Partei zu bringen. 2 2 Grosse Summen wurden von dieser Seite den Arbeiterinnen zugesagt, zur eventuellen Einrichtung von Arbeitsstuben für arbeitslose Frauen und Mädchen. Doch dieser Köder blieb unbeachtet. Die Arbeiterinnen forderten nicht übrige Brocken vom Tische der Satten, sondern auskömmliche Löhne menschenwürdige Behandlung gerechte Arbeitsbedingungen. Sie hatten längst Gelegenheit gehabt sich davon zu überzeugen dass die christlichen Ausbeuter der weiblichen Arbeitskraft genau so wenig mit den Arbeiterinnen fühlen, genau so viel oder so wenig Gerechtigkeitssinn besitzen, wie die jüdischen; Es stand für sie fest, ihre Feinde sind die Kapitalisten aller Rassen Die Leiterinnen der damaligen Arbeiterinnenbewegung erschien es etwas sonderlich, dass die Antisemiten erst in neuerer Zeit, 1895 1895 bei Gelegenheit des christlich- sozialen Kongresses dessn Beratungen Frau Elisabeth Gnauck- Kühne teilnahm an zum ersten mal etwas von Frauengleichberechtigung gehört haben wollen. 6. Sollten die Herren sich in der Tat nicht mehr der Arbeiterinnenversammlungen aus den 80ger Jahren erinnern???--Es mag das was sie damals hörten und worüber sie mit Frauen diskutierten nicht so formgeXXXXXgewandt und stilgerecht vorgetragen worden sein, aber dasselbe war es deshalb doch!!! Von den Herren Söcker und Genossen wurden damals sogar selbst Frauen- und Arbeiterinnen- Versammlungen einberufen, nur die eine derselben sei hier eingehender geschildert, die nach dem" Johannistisch" dem eigenen Lokal der Antisemiten einberufen war. Zur Tagesordnung stand der Nähgarnzoll und der dagegen von den Arbeiterinnen erhobene Protest. Im Saal sah man ausser dem Einberufer und Redner- Herrn Stöckernur Frauen. Hinter den seitlich aufgestellten spanischen Wänden jedoch hörten die männlichen Getreuen des Herrn Stöcker zu. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Redner und den Genossinnen Wabnitz und Cantius Deutlich und klar wurde von unseren Rednerinnen ausgesprochen, warum das Liebeswerben der Antisemiten bei den weiblichen Arbeitern genau so vergeblich sei wie bei den männlichen; dass die Frauen, die Tag und Nacht hart arbeiten müssen, vor allem verlangen Menschen sein zu dürfen dass sie ihr Lebensrecht nicht vom Himmel erhoffen oder von der Gnade der Kapitalisten, noch von dem Wohltatigkeitssinn der besitzenden Klassen, sondern dass sie als freigeborene Menschen ihren Lebensanteil fordern, sich ihr Recht erkämpfen wollen und auf jegliche Beihilfe Fernstehender verzichten Da sah Herr Stöcker bald ein, hier habe er es nicht mit denkunfähigen, willenlosen Schäflein zu tun, Er wollte kurzerhand die Versammlung die noch zu keinem Beschluss gekommen war, schliessen. Die Arbeiterinnen verlangten jedoch energisch die Verlesung einer von Frau Ihrer eingebrachten im Sinne der obigen Ausführungen eingebrachten im Sinne der obigen Ausführungen gehaltenen Resolution. XX Hierauf wurde ihnen nur die bundige Erklärung, hier habe der Einberufer das Hausrecht und lasse sich sein Tun nicht von Fremden vorschreiben. Die arbeiterinnenfreundliche Maske war gefallen. In grosser Erregung verlies man den Saal und nun geschah das, was gerade diese Versammlung unvergessen sein lässt Vor der Tür empfing die Arbeiterinnen ein Steinhagel, dem sie in der Finsternis nur mit Mühe entrinnen konnten. Die Umgebung des Gebäudes wurde eben gepflastert, da fanden denn die Antisemiten eine genügende Menge jener" geistigen" Waffen" deren Handhabung ihnen ja überall am bequemsten zu sein scheint und deren sie sich immer gern bedient haben. Anmerkung Juchacz: Es war also die Schutzgarde des Herrn Hofprediger's Stöcker, die hinter den spanischen Wänden sassen und zuhörten. Man könnte denken, sie hätten mit ihrem Ueberfall auf Frauen damals schon für kommende glorreiche Zeiten trainiert!!!!! Nach diesem Ereignis wurde den" freundlichen" Einladungen keine Folge mehr geleistet. Ereignisse wie die geschilderten, waren sehr geeignet dem Verein immer neue Mitglieder zuzuführen. Machte nun schon das starke Anwachsen eine Teilung notwendig, so kam noch hinzu, dass ein Teil der Mitglieder radikaler vorgehen wollte, um schneller zum Ziel zu kommen.. So wurde denn der Nordverein abgezweigt, der seine Versammlungen im Norden abhielt, während der andere Teil nach wie vor im Zentrum tagte. ㅋ. Den neugebildeten Verein leiteten die Frauen Pötting, Grothmann und Cantius Zur Belehrung über wissenschaftliche Fragen standen den Leiterinnen beider Vereine wissenschaftlich gebildete Männer und Frauen aller Berufe zur Seite. Hauptsächlich aber waren es wirtschaftliche, die Arbeiterinnen nahe berührende Fragen, die an Vereinsabenden, nach vorhergehender Belehrung diskutiert wurden. Fast immer wurden Themen gewählt, die von Mitgliedern gewünscht oder von ihnen vorgeschlagen wurden. Auch die Bibliothek war durch Schenkungen ganz beachtenswert geworden und wurde viel in Anspruch genommen Mehrere Rechtsanwälte hatten unentgeltlichen Rechtsschutz zugesagt und verschiedene Fälle schneller Erledigung zugunsten der Arbeiterinnen lagen vor. zur Oft genügte schon die Berufung auf diesen Rechtsschutz gütlichen Beilegung der Sache in einer, der Arbeiterin günstigen Weise. EBENSO HATTEN MEHRERE AERZTE unentgeltliche Hilfe zugesagt, für Frauen die keiner Krankenkasse angehören( wie fast alle Hausindustrielle) Es wurde die Einrichtung getroffen, dass arbeitslose Mitglieder oder Medizikranke gegen eine kleine Entschädigung von Seiten des Vereins den alleinstehenden Kranken als Pflegerinnen zugewiesen wurden. Auch diese Einrichtung fand ganz besondere Anerkennung bei den Mitgliedern. 2 Und in wievielen Fällen wurde die Not in der Familie in arbeitsloser Zeit durch den Verein gemildert wohl manches arme Weib ist vor dem schlimmsten Schritt bewahrt geblieben durch diese Art der Hilfe auf Gegenseitigkeit 7. Die Arbeitsnachweisstellen, die in allen Stadtgegenden errichtet waren, wurden viel in Anspruch genommen, die Meister hatten sich bald gewöhnt hier zuerst nachzufragen , War auch das Hauptineresse des Vereins den eigenen Mitgliedern zugewandt vergass man doch das Allgemeinwohl nicht. Nach eingehender Besprechung wurde u.a. eine Resolution den Wunsch ausdrückte, man möge auch für Frauen überall städt.Bedem Magistrat zugestellt, die durnisanstalten zur unentleltlichen Benützung einrichten später- wenn auch nur mangelhaft- ausgeführt worden ist was etwas Ebenso wurde durch Uebersendung einer Resolution die Einrichtung unentgeltlicher obligatorischer Mädchen- Fortbildungsschulen XXXXXXXX gefordert. Das ist freilich bis jetzt noch nicht durchgesetzt( 1898) da diese Forderung immer noch scheitert, weil eine Aenderung des Paragraph 120 der Gewerbeordnung dazu erforderlich sein soll vielleicht aber auch an dem Vorurteil der Berliner Stadtväter zu glauben scheinen besseres Wissen und Können die allgemein erweimüsse unbedingt die Zahl terte Bildung des weiblichen Geschlechts der Pantoffelhelden ins Ungeheuerliche steigern • Man beschloss ferner, nach Anhören eines klarlegenden Referats, die Absendung einer Petition an die Stadtbehörde wegen Zulassung der Frauen zum Gewerbegericht , Das aber gab seltsamer Weise dem Polizeipräsidium im Mai 1886 eine willkommene Gelegenheit die" gefährlich" werdenden ArbeiterinnenVereine und alle damit zusammenhängenden Kommissionen aufgrund des Vereinsgesetzes aufzulösen wiederum und die Leiterinnen- nach vorheriger Haussuchung durch je drei Kriminalbeamte, die alle Bücher und sonstiges Material der Vereine und Kommissionen und die 8 Korrespondenz beschlagnahmten- in Anklage zustand zu versetzen. Die Voruntersuchung nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Eine ganze Reihe Vorvernehmungen fanden statt, doch alle Kreuz- und Querverhöre hatten ässerst geringe Ergebnisse , Ende des Jahres 1886 fand die Verhandlung vor der Strafkammer des Herrn Brausewetter des Sozialistentöters, statt.Ein Teil der umfangreichen Klage musste nach mehrstündiger Verhandlung fallen gelassen werden. Am zweiten Verhandlungstage wurden die Frauen Hofmann, Stägemann, Ihrer und Frl Jagert aufgrund des Vereinsgesetzes zu Geld- ev.Gefängnisstrafen verurteilt. Bürgerliche Zeitungen schrieben von diesem Prozess:" Es hatte den Anschein, als sässen die Richter, die Vetreter des Klassenstaates auf der Anklagebank." 18 Polizeilieutenants, sowie ebenso viele Schutzleute waren als Belastungszeugen geladen. ' Das Urteil lautete:" Die Angeklagten waren Leiterinnen des im März 1885 gegründeten" Vereins zur Vertretung der Interessen der Arbeterinnen", sie nahmen nur Frauen und Mädchen in den Verein auf Bis zum Mai 1886 haben häfig Versammlungen des Vereins stattgefunden und zwar oft unter Zulassung von Gästen insbesondere auch Männern. Der Richter hat aus mehrfachen Beweistatsachen den Schluss gezogen, dass alle in der Zeit stattgefundenen Versammlungen auch die öffentlichen, an denen sich die Angeklagten beteiligten Vereinsversammlungen waren. Es genügt hierfür die Hervorhebung der zur Erörterung gebrachten Gegenstände:" über den geringen Lohn der Arbeiterinnen und die Aussaugung derselben durch das Kapital"--" die Einrichtung eines Normalarbeitstages durch den Staat" über" Einführung der Sonntagsruhe",--" das politische Stimmrecht der Frauen"--Uber " getrennte Arbeitsräume für Arbeiterinnen" und staatliche Kontrolle der Fabrikräume bei Arbeiterinnen XXXXX durch weibliche Aufsichtsbeamte" über" Lösung der sozialen Frage"-- über" FreiheitGleichheit- Brüderlichkeit und die französische Revolution",- über" Erhöhung des Nähgarnzolls" " Uber den Befähigungsnachweis zum Gewerbebetrieb"-- über das von den Sozialdemokraten im Reichstag eingebrachte" Arbeiterschutzgesetz" und dergleichen. Derartige Erörterungen haben die Abgeklagten teils selbst geflogen, teils durch Einladung der Redner herbei geführt, teils wissentlich geduldet. Durch die Aufnahme von Frauenspersonen in diesem Verein und Erörterung oben genannter politischer Gegenstände im Verein, hat der Verein die in Paragraph 8a des Vereinsgesetzes über die Verhütung eines die gesetzliche Freiheit und Ordnung gefährdenden Missbrauchs des Vereins- und Versammlungsrechtes gezogene Beschränkung überschritten und die Angeklagten dieser gesetzlichen Bestimmung entgegen gehandelt indem sie für Erörterung jener politischen Gegenstände wirkten, sowie Frauen als Mitglieder wissentlich aufnahmen. Der Verein nahm nicht nur Frauenspersonen als Mitglieder , auf sondern er bestand nur aus Frauenspersonen. Es musste daher die Bestrafung der Vorsteherinnen erfolgen, sowie auf Schliessung des Vereins erkannt werden. Die letzte Massnahme ist nicht als Bestrafung anzusehen. Die Schliessung eines politischen Vereins trägt denselben Charakter wie etwa die im Landrecht vorgeйsehene Aufhebung von Korporationen oder Gemeinen, deren Zweck sich dem Gemeinwohl als schädlich erweist." 9. Gegen die Angeklagten Hofmann, Ihrer, Jagert wurde auf je 60 Mark Geldstrafe oder entsprechende Gefängnisstrafe erkannt, die Angeklagte Stagemann wurde, weil bereits wegen desselben Vergehens vorbestraft, zu 90 Mark verurteilt. Das Reichsgericht bestätigte dieses Urteil. Die Anklagebehörde hatte einen Unterschied zwischen öffentlichen Frauenversammlungen, die in der fraglichen Zeit stattfanden und in denen politische Fragen besprochen wurden, und Vereinsversammlungen nicht gemacht und zwar deshalb, wei in den öffentlichen Versammlungen zufällig die dem Publikum inzwischen bekannt gewordenen Vereinsleiterinnen XXX auch mit der Versammlungsleitung betraut wurden und zu den Vereinsversammlungen sind Gäste durch Mitglieder eingeführt worden was bei allen Vereinen geschieht, um neue Mitglieder gewinnen zu können. , Ueber diesen Punkt musste sich der Vorsitzende, Herr Brausewetter eine Rechtsbelehrung von einem Zeugen der Angeklagten, dem Reichtagsabgeordneten Rickert gefallen lassen, der darlegte es sei ein gesetzliches Recht der Angeklagten gewesen in öffentlichen Volksversammlungen politische Debatten zu führen Diese Ausführungen bewiesen klar die Haltlosigkeit der Anklage sie hatten aber nicht den geringsten Erfolg. 2 -- Indessen war auch eine Central- Kranken- und Begräbniskasse für Frauen und Mädchen gegründet worden im Februar 1884. Sie hatte bald 120 Verwaltungsstellen mit 20 000 Mitgliedern. Sie wurde nach Auflösung des Vereins der Zentralpunkt des Zusammenhalts für die Proletarierinnen, besonders nachdem Frau Guillaume- Schack für die Mitglieder ein Organ:" Die Staatsbürgerin" gegründet hatte, dessen Leiterin sie war Auch dies fiel bald der Polizei zum Opfer nachdem ein energischer Artikel aus der Feder von Frl. Johanna Wecker darin veröffentlicht worden war, der die Gleichstellung aller Frauen forderte, wozu sie für ihre Beispiele auch die Frauene auf den Thronen herangezogen hatte. Man sah darin" Aufreizung zum Klassenhass Nun verfielen nacheinander auch die Vereine in den Provinzen dem Schicksal der Auflösung, Frauenbildungs-, wie reine GewerkschaftsVereine ohne Unterschied. Zur Begründung der Massregel genügte in vielen Fällen schon dass die Gründerin des betr.Vereine durch ihr Auftreten in öffentlichen Versammlungen einen der Polizei bekannten Namen trug oder dass eine dieser bekannten Frauen im Verein einen Vortrag über" die Rechte und Pflichten der Frauen" gehalten hatte. Hatten die Arbeiterinnen sich bis zur Auflösung ihrer Vereine und der Bestrafung der Leiterinnen sich wenig um politische Anschauungen gekümmert, so waren sie von nun an geradezu darauf hingewiesen, sich an der allgemeinen Arbeiterbewegung zu beteiligen. Denn auch der Versuch in öffentlichen Frauenversammlungen zusammen zu kommen scheiterte daran, dass man sie überall von vornherein aufgrund des Sozialistengesetzes verbot. Bis dahin waren in öffentlichen Volksversammlungen nur ganz vereinzelt Frauen erschienen und diese legten dazu zumeist Männerkleider um nicht von der Polizei hinaus gewiesen zu werden. zeigte/ Denn wie der Vereinprozess XXXXXXX/, wusste die Polizei überhaupt dass Frauen öffentliche Versammlungen besuchen durften. Oder -60der sie verbot das gesetzlicherlaubte trotz besseren Wissens. Die Scheu vor den drakonischen Bestimmungen des Ausnahmegesetzes hatte in den letzten Jahren diese rechtswidrigen Handhabung des Versammlungsrechtes recht kräftig unterstützt. Jetzt aber wurde der neue Versuch gewagt durch massenhaftes Erscheinen der Frauen in den Versammlungen die ungesetzliche Massregel zu brechen oder doch einen bestimmten behördlichen Bescheid herbeizuführen. 10. Eine nach der Berliner Bockbrauerei einberufene Versammlung, in der ein Abgeordneter über die verflossene Reichstagssession berichten sollte, war dazu ausersehen. Diesmal wurden die zur Versammlung massen- haft herbeiströmenden Frauen nicht an der Teilnahme gehindert. ( Wahrscheinlich 1987/88 Man hatte also die Einzelnen nur abzuschrecken versucht denn ein gesetzlicher Grund für diese Massnahmen liess sich nicht finden Und nun machten die Frauen regen Gebrauch von ihrem Recht 8ffentliche Versammlungen zu besuchen. , An anderen Orten, z.B.Hamburg kam man erst mehrere Jahre später dahin, da die Arbeiter selbst die Polizeiübergriffe irrtümlich als zu Recht bestehend ansahen In den meisten Orten hat der Besuch der Versammlungen durch Frauen sich erst dadurch eingebürgert, dass nun auch öfter Frauen als Referenten in Volksversammlungen auftraten. Diese Teilnahme an der allgemeinen Arbeiterbewegung hat den Frauen die ihnen auf politischem Gebiet noch fehlende Aufklärung gebracht und ihnen die Anregung gegeben, sich um politische Tagesfragen zu kümmern und Zeitungen zu lesen Die Zahl der Proletarierinnen, die regen Anteil am öffentlichen Leben nahm, ist immer mehr gestiegen, Eine ganze Anzahl hatte sich indessen zu Agitatorinnen herausgebildet. Sie verbreiteten die Arbeiterinnenbewegung über ganz Deutschland. So waren auch auf dem INTERNATIONALEN ARBEITERKONGRESS zu Paris im Jahre 1889( MAIFEIER- BESCHLUSS) die Frauen Zetkin und Ihrer anwesend, zei Vertreterinnen der deutschen Arbeiterinnen. Hier galt es besonders alte Vorurteile zu überwinden und vor den Arbeitervertretern aller Länder auszusprechen, dass die Emanzipation der Frauen in unserem Sinn nicht zu einem Zerrbild des Ideals werden solle 3 Dass der wirtschaftliche Kampf der Arbeiterinnen vereint mit den Arbeitern geführt werden müsse und daher für die Frauen auch nur gefordert werde, was auch die Männer als Schutz gegen das Kapital fordern. Dass auch die Frauen im Kampf nicht mehr und nicht weniger sein wollen als Waffengenossen, die unter gleichen Bedingungen in die Reihen der Kämpfer aufgenommen werden, wie jeder pflichttreue Genosse . Die Heranziehung der Arbeiterinner zur Gewerkschaftsorganisation wurde den Delegierten zur Pflicht gemacht. Von diesem Zeitabschnitt an haben weibliche Vertreter auf keinem Gewerkschafts- und politischen Kongress gefehlt. Die Protokolle weisen es aus, dass sie immer regen Anteil an den mannigfaltigen Kampfesarbeiten genommen haben. , Bei Gelegenheit der Berichterstattung vom Pariser Kongress August 1889 wurde der Vorschlag gemacht einen neuen Versuch zu wagen mit der losesten Form einer Organisation um für die Frauen doch einen Zentralpunkt für Agitation und Korrespondenz zu schaffen. 9 Man wählte dann eine Agitationskommission bestehend aus sieben Frauen. Diese hatten nun die Aufgabe die allgemeine Agitation zu besorgen es fiel ihr auch die Einberufung von Versammlungen zu. Im nächsten Halbjahr gelang es jedoch kaum hie und da Versammlungen abzuhalten. Wenn sie nicht gleich bei der Anmeldung verboten würden, verfielen sie gewöhnlich nachher der polizeilichen Auflösung, oft aus den nichtigsten Gründen Nachdem die Erbitterung der Frauen über diese- den arbeitenden Frauen und Mädchen gebotene Massregel aufs Ausserste gestiegen war wurde beschlossen 9 beim Minister v.Herfurth vorstellig zu werden, damit hier Remedur geschaffen würde. Die Frauen Leuschner und Ihrer wurden mit dieser Mission betraut. 10.Mai 1890 , Nach vorherigem Ersuchen wurde vom Minister die Audienz am gewährt. Der Minister wurde von den Beauftragten ersucht auch den Arbeiterinnen die Möglichkeit zu geben, das ihnen gesetzlich zustehende Koalitionsrecht ausüben zu können indem angeordnet werden möge, die Versammlungen, die der Besprechung zur Verbesserung der Lage der Arbeiterinnen dienen sollen, unbehindert tagen zu lassen Die erbetene Verwendung beim Polizeipräsidium und Durchsicht der Akten über Arbeiterinnenversammlungen wurde zugesagt. Es ist seitdem in Berlin keine Versammlung, die von Frauen für Frauen XXXX MAXXXXM angemeldet wurde wieder verboten worden · wurde von Neuem dringend In den nun folgenden Versammlungen die Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren gefordert und-nebst Versammlungen aller Arbeitskategorien wurde endlich auch einmal das Los der Handlungsgehilfinnen sowie auch der Kellnerinnen beleuchtet. Wiederum folgte man in anderen Orten dem Beispiel Berlins und wählte ebenfalls AGITATIONSKOMMISSIONEN, die die allgemeine Agitation sehr förderten sodass auf dem im Oktober 1890 zu Halle stattfindenden sozialdemokratischen Parteitag Vertreterinnen erschienen waren. bereits aus vier Orten Hier wurde dann auf allseitigen Wunsch XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX die Gründung einer Zeitung für Frauen beschlossen die dem erwachenden Verständnis der Frauen angepasst sein sollte. Anfang 1891 erschien die erste Nummer" Die Arbeiterin" von Frau Emma Ihrer geleitet, herausgegeben bei Meyer- Jensen/ Hamburg Sie ging ein Jahr später( 1892) in XXX" Die Gleichheit" über, im Verlag Dietz Stuttgart, deren Leiterin Frau Klara Zetkin wurde. Nun läge aber die Frage nahe, warum die Arbeiterinnen es nicht vorzogen, den scheinbar einfachsten Weg einzuschlagen, indem sie die Gewerkschaftsversammlungen besuchten oder diesen Vereinen als Mitglieder beitraten Es mangelte den Frauen hierfür weder an gutem Willen noch an richtiger Einsicht. Es zeigte sich aber wieder, wie das Vereinsgesetz eigens dazu geschaffen ist jede Bewegung zu hemmen oder einzuengen. Die Fachvereine konnten z.T. Frauen schon deshalb nicht als Mitglieder aufnehmen weil sie unter dem Sozialistengesetz als politische Vereine behandelt wurden Aber wo auch dies nicht der Fall war konnten sie angesichts der Willkür in der Handhabung des Vereinsgesetzes es nicht wagen, ihre einzige Organisation durch Aufnahme der Frauen zu gefährden Im November 1890 fand in Berlin eine Gewerkschaftskoferenz statt, zu der so ziemlich alle Branchen, in denen Frauen beschäftigt waren, Vertreterinnen entsandt hatten. Bei der darauf folgenden Wahl einer Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands wurde auch ein wurde auch ein weibliches Mitglied gewählt und ständig wiedergewählt Auch an den Gewrkschaftskongressen März 1892 und Mai 1896 nahmen weibliche Delegierte regen Anteil MM9 12, . Bald nach der oben genannten Konferenz wurde von Seiten der Frauen bei den Fachvereinvorständen und auf den Generalversammlungen der Gewerkschaften beantragt, die Statuten so umzuändern, dass die Aufnahme weiblicher Mitglieder erfolgen könne. Die Mehrzahl der Organisationen ist der Aufforderung gefolgt Um auch den verheirateten Frauen und den Heimarbeiterinnen, die keiner bestimmten Kategorie angehören einen Zusammenhalt zu bieten, Wurde 1893 noch einmal der Versuch gemacht für die Arbeiterfrauen Berlins einen Frauen- und Mädchen- Bildungsverein zu gründen. Zweck war die geistige und soziale Lage seiher Mitglieder durch alle geeigneten Bildungsmittel wie: Vorträge, Diskussionen, Gründung einer Bibliothek zu heben. Mitgliedsberechtigung hatte jede über 16 Jahre alte weibliche Person die einen monatlichen Beitrag von 20 Pfennig, sowie ein Einschreibegeld in gleicher Höhe entrichtete. ------- Mit ausserordentlichem Eifer widmete man sich dem neuen Verein. Bald hatte er eine statt; iche Anzahl von Mitgliedern.--- Man traf wieder die Einrichtung für die Vorstädte und Umgebung Filialen zu zu begründen.--- Da ereilte auch diesen Verein das Schicksal der vorangegangenen die polizeiliche Auflösung 9 Fast gleichzeitig wurde auch die Agitationskommission Mи XSXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX , zum politischen Verein erklärt und aufgelöst obgleich sie weder Leiter besass, noch je Mitglieder in ihren Kreis aufgenommen hatte, noch Beiträge entgegen nahm, also die Merkmale eines Vereins in keiner Weise an sich trug. Der Bescheid des Polizeipräsidiums, der in mehr als einer Beziehung für die gegen die Arbeiterinnen geübte Praxis charakteristisch ist, lautete: " Es wird Ihnen hiermit eroffnet, dass die Berliner Frauenagitationskommission aufgrund des Paragraphen 8 der Vereinsgesetzes vom 11. März 1850 vorläufig geschlossen ist, weil diese nach ihrer bisherigen Tätigkeit- insbesondere wegen der noch in letzter Zeit in Versammlungen betriebenen Agitation für das Wahlrecht der Frauen, als politischer Verein im Sinne des/ Gesetzes erscheint / genannten/ politische Vereine aber nicht Frauen als Mitglieder aufnehmen dürfen. Jede weitere Beteiligung an diesem Verein oder eine Neubildung, die sachlich als Fortsetzung des geschlossenen Vereins erscheint, ist nach Paragraph 16 des Vereinsgesetzes strafbar Mit Ueberreichung des vorstehenden Schriftstücks wurde XXX bei allen durch ihre agitatorische Tätigkeit bekannten Frauen wiederum eine eingehende Haussuchung verbunden die aber das gesuchte Beweismaterial nicht ergabe.--- Man wünschte ein Inverbindung treten des Frauenbidungsvereins und der Agitationskommission konstatieren zu können 9 Nach Gerichtsurteil wurden am 21. Juli 1895 die Frauen Fahrenwald mit 20 Mark, Ihrer mit 30 Mark,( ev.mit einem Tag Gefängnis auf je 10+ und die Frauen Jung, Frohmann Klotsch und Frl Baader mit je / Mark) 15 Mark oder einen Tag Haft auf je 7,50 Mark bestraft und wurde auf Schliessung des Vereins: Frauenagitationskommission erkannt. Die Begründung des Urteils soll ebenfalls hier folgen, als Charakteristikum für die Nachwelt, wie man am Ende des 19. Jahrhundert s " von Rechtswegen" d.h. aufgrund bestehender Gesetze Verurteilungen zu begründen imstande war: XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX Die Angeklagten geben sämtlich zu, der Frauen- Agitations Kommission angehört zu haben, bestreiten aber, dass diese ein politischer Verein, oder überhaupt ein Verein gewesen sei, da die Kommission eine einheitliche Tätigkeit nicht 13. entwickelte, auch keine Leitung, keinen Vorstand besitze. Sie betrachte sich lediglich als eine Mehrheit von Personen, die in Volksversammlungen gewählt werden und von denen jede selbständig als Vertrauenperson agitieren könne. Es haben aber vom 15. Januar bis Februar 1895 sechs öffentliche Versammlungen stattgehabt, vier derselben sind von der Angeklagten Fahrenwald bei der Polizei angezeigt, von ihr gingen auch die Einladungen und Ver8ffentlichungen in den Zeitungen aus. In den ersten beiden Versammlungen wurde die Dienstbotenfrage speziell mit Bezu auf die weiblichen Dienstboten erörtert und die Abschaffung der Gesindeordnung gefordert. Fast alle Angeklagten beteiligten sich an den Versammlungen.In den nächsten vier wurde die Forderung des Frauenwahlrechts besprochen und man schloss sogar mit einem Hoch auf die Frauenbewegung Hierbei waren wiederum die Angeklagten teils als Rednerinnen, teils als Leiterinnen- beteiligt und ist eine, dem Thema entsprechende Resolution von ihnen vertreten worden Betreffes der Angeklagten( Emma) Ihrer ist durch beschlagnahmte Korrespondenzen noch eine andere Tätigkeit entdeckt worden. Sie war bestrebt die Arbeiterinnen- Organisationen nach Kräften zu fördern Sie gab Mittel und Wege an, wie das zu " erreichen sei. Die Würdigung dieser Tatsachen geht dahin: Als Verein im Sinne des preussischen Gesetzes ist anzusehen: jede dauernde Vereinigung mehrerer Parsonen zur Verfolgung gemeinschaftlicher Zwecke unter einer Leitung Der Berliner Frauen- Agitations- Kommission ist der Charakter eines solchen Vereins zuzusprechen. Es genügt also hervorzuheben, dass die Angeklagten durch Beschluss der Volksversammlungen eine Aufforderung zur Verbindung erhielten, welche letztere dadurch, dass die Aufgeford derten Folge leisten, ins Leben getreten ist. Von diesem Augenblick begann nach dem Willen der Beteiligten ihre Wirksamkeit. Und obgleich man die Bestellung von Vorsteher, Ordner oder Leiter absichtlich vermied, blieb die Agitationskommission tatsächlich nicht ohne Organisation. Die obwaltenden Verhältnisse sind hier allein entscheidend. Die Kommission war keine unverbundene Personenmehrheit, sondern die Tatsache ihrer Konstituierung in Verbindung mit dem Umstand, dass die Anke klagten als eine Art Vorstand oder Leiter in Form XXX sogenannter Vertrauenspersonen gewählt werden, wie XX durch ihre Veröffentlichungen in der Presse, die schriftlichen Versammlungsanmeldungen bei der Polizei, die Korrespondenz Ihrer und durch die Versammlungen, als eine mehr oder weniger dauernde Vereinigung, zur Verfolgung besonderer Zwecke hervorgetreten sind, gibt dem Ganzen das Gepräge eines Vereins im Sinne des preussischen Vereins- Gesetzes und den Versammlungen den Charakter von Vereinversammlungen. Der Verein hatte die bewusste Absichtdie Mitwirkung oder Inanspruchnahme des Staates und seiner Organe für die Abschaffung der Gesindeordnung und Erlangung des Frauenwahlrechtesals Vereinsangelegenheit in Vereinangelegenheiten zu erörtern Diese Gegenstände berühren den Staat unmittelbar, seine Gesetzgebung oder Verwaltung gehören der Politik an, sind somit politische, gemäss Paragraph 8 des Vereinsgesetzes. 14, Als Leiterinnen sind die Angeklagten Fahrenwald und Ihrer anzusehen, deshalb ist bei ihnen straffälliges Vergehen angenommen. Die übrigen kommen als Mitglieder in Betracht und machten sich einer Uebertretung des V- G.'s schuldig.Ausserdem wird die definitive Schliessung des Vereins ausgesprochen.. Und hat das Gericht bei der Schwere des Falles, die, da es sich nur um einen politischen Verein handelt, der ledigliche aus Frauenspersonen besteht, oben aufliegt und weiter keiner Begründung bedarf, ohne weiteres Gebrauch gemacht Einen weiteren ausführlichen Kommentar hier anzuschliessen halten wir für überflüssig. Geht doch deutlich aus diesem Königl.preuss Urteil hervor, dass es demnach nicht schwer sein kann, den Einberufer einer Versamml. und den Referenten zu einem Verein zu stempeln, auch sie sind für einige Stunden mehr oder weniger organisiert zu gemeinsamem Tun!!! Besonders, wenn man aus dem im obigen Urteil zustimmenden Reichsgerichtserkenntnis noch einen Satz hervorhebt: Es bedarf bei Aufnahme in einen Verein keines Vorstandes, es können sich die Gründer eines solchen ja auch gegenseitig aufnehmen 11 Ganz gleich gestaltete sich die Beurteilung des Frauen- Bildungs- Vereins Verurteilung seiner Leiterinnen. Derartige Prozesse fanden in den genannten Jahren abermals in alle n Teilen Deutschlands statt. In ähnlicher Weise ging man gegen eine Kommission in Frankfurt a.M. und Düsseldorf vor. Es zeigte sich wieder, dass nicht nur die Arbeiterinnen mit Eifer dem Beispiel aus Berlin folgten, sondern auch die Behörden ihrerseits bemüht waren, die Arbeiterinnenbewegung zu hindern und zu hemmen, getreu dem Berliner Beispiel Und im Mai 1897 traf ein gleiches Urteil die Frauen- Agitations- Kommission in Breslau. Während aber das Urteil der Brausewetter- Kammer vom Jahre 1886 von FRAUENZIMMER- Versammlungen spricht und auch die mündlichen Aussprücke der damaligen Richter dahin gingen, die Arbeiterinnenbewegung und ihre Organisierung als" eine Gefahr für Deutschland" zu bezeichnen, folgte man bei den neuesten Verhandlungen modernerer Auffassung, indem direkt und indirekt zugegeben, das Tun der Frauen sei ja nichts unrechtes es hätte nur der Gesetzes form nicht genügt und nur gegen diese geringen Verstösse richte sich das Stafverfahreh. Mit Recht wurde von den Angeklagten hervorgehoben, dass dann wohl auch ein behördlicher Verweis, eine Ermahnung genügt hätte und eing Stafverfahren gänzlich überflüssig war, besonders in Hinsicht darauf dass bürgerliche Frauen- Vereine gleiche Forderungen stellen für die man die Vertreterinnen der Arbeiterinnen verurteilte. wie die, Mit der Schilderung dieser vielen vergeblichen Versuche Organisationen zu gründen ist wohl der Beweis erbracht, dass- besonders in Preussen den Arbeiterinnen jede Möglichkeit genommen ist, sich in selbständigen Vereinen zusammen zu schliessen. Die allgemeine Agitation wird nun durch je eine weibliche Vertrauens person in den einzelnen Orten geleitet. Solcher Repräsentantinnen sind wenige, aber die Bewegung ist deshalb nicht zusammen geschmolzen, sondern hat an Breite und Tiefe immer mehr zugenommen- und dies verdanken wir ganz besonders dem vereinten Bestreben der bekannten Herren Puttkammer Brausewetter und Köller deren systematische Chikanierungen der Arbeiterinnenbewegung zur Blute verholfen haben. Sie haben Sozialistinnen gezuchtet! 2 Jede verbotene oder aufgelöste Versammlung jede neue Verurteilung und Schliessung eines Vereins, haben nicht nur einzelne, sondern unzählige Frauen zum Nachdenken über Recht und Gerechtigkeit gebracht 15, Und das ist der beste Weg die Frauen zum Klassenbewusstsein zu bringen, ist der Wegweiser zur Sozialdemokratie. Und wo waren während der geschilderten Kämpfe und Vorgänge jene bürgerlichen Damen die ab und zu einmal für gut halten zu behaupten, sie wollen mit den Proletarierinnen gemeinsam arbeiten, speziell für die gewerkschaftliche Organisation der Arbeiterinnen??? " Unwillkürlich drängt sich hier jedem Leser wohl die Frage auf: Warum haben die Frauenrechtlerinnen nicht protestiert gegen jede Auf18sung der Arbeiterinnenvereine da man ihre Vereine doch nie antastete". Haben die Damen sich je darüber empört dass man die Arbeiterinnenversammlungen wie staatsgefährliche Zusammenrottungen polizeilich überwachen lässt während die Frauenrechtlerinnen unbehelligt in städtischen Schulan und Gymnasien oder gar- wie der Internationale Frauenkongress im Berliner Rathause tagen dürfen? Man hörte zwar einmal von einer Petition der Rechtlerinnen bei Besprechung des Vereinsgesetzes, doch zu einem flammenden Protest gegen dieses zweierlei Recht haben sie sich nie aufgeschwungen. Einmal freilich beschäftigten sie sich eingehender mit den Arbeiterinnen " Es war auf dem" Berliner Frauentag", im März 1894 bei Beratung über den Zusammenschluss aller in Deutschland bestehenden Frauenvereine Da vewahrten sich alle anwesenden Damen-bis auf vier- dagegen, dass man daran denken könne, auch die sozialdemokratischen Frauenvereine(!!!) mit in den Bund einzuschliessen! Man hätte allerdings bei den Damen, die soviel in Vereinen tätig sind, voraussetzen dürfen, dass sie genügend Vereinsgesetz- Kenntnis haben, um zu wissen, dass es Frauenvereine mit politischer Tendenz fast in ganz Deutschland nicht geben kann, weil sie gesetzwidrig wären. Die Ausführungen konnten nach Lage der Sache nur gegen Arbeiterinnen- Vereine gerichtet sein! oder unbewusste Und auf diese bewusste Denunziation führen wir es zurück dass bald darauf unserem Frauen- Bildungs- Verein der Kehraus aufgespielt wurde.!!! Wenn je die Frauen- Rechtlerinnen noch weitere Versuche machen, die Arbeiterinnen für ihre Zwecke zu gewinnen, dann wird die Anführung der geschilderten" mutigen Tat" genügen, zu Beweis, welche Kluft die bürgerliche und die proletarische Frauenbewegung in Deutschland trennt und warum es gänzlich ausgeschlossen ist dass wir, die Prolerarierinnen mit den Vertreterinnen des Klassenstaates hand in Hand gehen. Sie tragen den Typus des Klassenstaates, dem sie bei all ihrem Tun treu bleiben. Wohl sind sie zu reformieren bereit, aber sie sind weit entfernt an dem Gefüge der geheiligten Ordnung zu rütteln. Ein bischen medernisieren, p soweit es im Interesse der Bourgoisie und vielleicht noch der Mittelklassen liegt.Aber was darüber hinaus geht ist auch für sie das Kräutlein " Rührmichnichtan". Darum war es notwendig, dass die Arbeiterinnenbewegung sich aus diesen Halbheiten herausschälte. Und für ihre fernere gesunde Entwicklung ist es ebenso notwendig, dass sie selbständig bleibt und sich der bürgerlichen Bevormundung nicht unterstellt. Die Arbeiterin kann und will sich nicht bescheiden mit kleinen Lohnaufbesserungen oder wohlmeinender Unterstützung. Sie verlangt eine völlige Umstellung der wirtschaftlichen Zustände, Beseitigung der heutigen Klassenunterschiede, damit man endlich zu einer Gesellschaftsordnung gelangt, die nicht nur den Frauen der sogenannten besseren Stände gerecht wird, sondern allen denen, die arbeiten. 16. Das ist unser Endzielpunkt. Wie kann man da von den Arbeiterinnen Klassenstaat zurück führen??? Oder sollen die Arbeiterinnen jenen, den an Macht stärkeren, die begehrten Sonderrecht mit erkämpfen helfen? , Nimmermehr. Wer aber den Arbeiterinnen helfen will die Gewerkschaftsorganisationen auszubauen der muss zu ihnen kommen. Nicht als Salondame sondern als Gleiche zu Gleichen. Nicht in den Salons durch geistreiche Gespräche oder von dort ausgehenden Petitionen lässt sich die Frauenfrage stückweise lösen sondern einzig und allein kämpfend vereint mit denjenigen, die gleich den Arbeiterinnen unter dem heutigen Gesellschaftssystem leiden und bereit sind, das Uebel mit der Wurzel auszurotten II. Die Bürgerliche Frauenbewegung und deren Kongresse Die Entwicklung der Arbeiterinnenbewegung die wir in kurzen Strichen zu zeichnen versuchten, zeigt die tiefe Kluft, die die Proletarierinnen von der bürgerlichen Frauenbewegung trennt. Dass deren Vertreterinnen sich zumeist daran genügen lassen, an oberflächlichen Symptomen herum zu korrigieren, statt eine energische und gründliche Refom anzubahnen ging drastisch aus den Verhandlungen des bürgerlichen Internationalen Frauenkongresses zu Berlin 1896 hervor. , Es soll durchaus nicht bestritten werden, dass auf dem Kongress eine Reihe guter Anregungen gegeben wurden. Auch erkennen wir gern und bereitwillig an, dass einige der Führerinnen die beste Absich haben der Gleichberechtigung aller Frauen freie Bahn zu schaffen, doch die KX besten Absichten scheitern hier an den Grenzen der bürgerlichen Gesellschaft, die auch die energischsten der Frauenrechtlerinnen nicht zu Uberschreiten wagen. Berührungspunkte für die bürgerlichen und proletarischen Frauen bot der Kongress genügend. So z. B. die Fragen des Vereinrechtes für Frauen Die Frau in Handel und Industrie Die Rechtsstellung der Frau Volkserziehung und Arbeiterinnenfrage Um zu zeigen welcher Art die Behandlung dieser Fragen war, ist es notwendig die Verhandlungen des Kongresses in Kürze wieder zu geben. Wir folgen hier z.Teil der" Gleichheit", in den Hauptsachen aber dem Proptokoll des Kongresses Der Internationale Kongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen Tagte in der Woche vom 19-26 September 1896 in Berlin. Er ist ohne Zweifel in der Geschichte der deutschen Frauenbewegung ein Erfolg. Er markiert die im Laufe der letzten Jahre erfolgte ansehnliche aussere Erstarkung der Bewegung und einen anerkennenswerten Fortschritt in der Auffassung und inneren Klärung gegenüber den Problemen unserer Zeit In seinen positiven Leistungen besteht allerdings dieser Einfluss nicht.Vielmehr besteht er darin dass durch die Verhandlungen die Gärungsmomente verstärkt werden, die die sozialpolitischen Zustände und Kämpfe des Tages auch in die Frauenbewegung hinein tragen. Schon die blosse Tatsache, dass in Deutschland, dessen bürgerl/ Welt im Zeichen des Philisterzopfes steht, ein Internationaler Kongress stattfinden konnte, beweisst den Fortschritt der Frauenrechtsbewegung Ebenso die über Erwarten grosse Zahl der Teilnehmerinnen 17. gegen 9 reflerinnen 9 1000- 1200/. Es waren Delegierte anwesend aus: Oesterreich, Ungarn der Schweiz England Frankreich, Italien, Holland, Belgien, Schweden Dänemark Polen Russland, Amerika, Armeinien. Besonders ansehnlich war die Zahl der eglischen und amerikanischen FrauenImmerhin waren es die Deuteschen die die übergrosse Majorität der Kongressteilnehmerinnen stellten Wie in mehreren anderen Ländern so ist auch in Deutschland die Frauenbewegung zu einer Massenbewegung geworden, Breite Schichten der bürgerlichen Frauen sind zum Bewusstsein ihrer Geschlechtssklaverei erwacht und kämpfen für ihre Rechte, wenn auch z.T. in wenig klarer und energischer Weise. 9 Trotz der regen Beteiligung gab der Kongress kein vollständiges Bild der Internationalen Frauenbewegung Aus England und Amerika fehlten die bedeutendsten Verfechterinnen der Frauenrechte. Die Vertreterinnen der deutschen Arbeiterinnenbewegung die weit energischer und konsequenter für die volle Gleichberechtigung der Geschlechter eintritt als dies die deutsche Frauenrechtelei bisher getan-- hatten die Beteilgung am Kongress abgelehnt. Ebenso und aus den gleichen Gründen die oesterreichischen Genossinnen. Die evangelisch- sozialen Frauenrechtlerinnen blieben dem Kongress fern. Nicht aus grundsätzlicher Gegnerschaft, sondern wie Frau Gnauck- Kühne( die kenntnisreichste der deutschen Frauenrechtlerinnen) mitteilte, aus folgenden Gründen: " Die Frauen der evangelischsozialen Gruppe von der Art des Kongresses zu arbeiten keinen Erfolg und haben sich deshalb an der Arbeit nicht beteiligen wollen. Hundert Vorträge von je 15 Minuten, was kommt dabei heraus? Das ist mehr breit wie tief, das gibt Geplätscher, aber keinen tragfähigen Strom. Wenn eine oder höchstens zwei Fragen auf dem Kongress zur gründlichen Verhandlung gestanden hätten, würde sich die ja erschöpfende/ , 9 evangelisch- soziale Frauengruppe gewiss beteiligt haben auch wenn eine gegnerische Richtung im Uebergewicht gewesen wäre..... aber dieses unterhaltende Rede- Mosaik um einen Stein zu vermehren, erschien wirklich überflüssig." Frau Lina Morgenstern war es, die die erste Anregung zur Einberufung des Kongresses gegeben hat. Damit die" wohlmeinenden" Volksküchenvorsteherinnen und die Verfechterinnen verwandter" Wohlfahrtseinrichtungen" ausgiebig zum Wort kommen konnten, war das Arbeitsprogramm des Kongresses nach dem Motto zugeschnitten:" Die Quantität muss die Qualität ersetzen." Der Kongress beschäftigte sich in seinen Plenarsitzungen mit folgenden Fragen: Kindergärten - Berichte--- Mädchenerziehung Der Stand der Frauenbewegung Jugendhorte Mädchengymnasium Lehrerinnenbildung Berufsschulen--Universität--- Kunstschulen die Frau in Handel, Industrie und Gewerbe---Fachschulen--- Gesundheits- und Krankenpflege Wohlfahrtseinrichtungen--- Mässigkeitsbestrebungen--Sittlichkeitsfrage-- --- Soziale Hilfsarbeit die Rechtsstellung der Frau--- Beteiligung der Frauen an Kunst, Wissenschaft, Literatur Friedensfrage. Zu diesen Fragen wurden in 25 Stunden hundert Vorträge gehalten! Jeder Vortrag durfte nicht länger als 15 Minuten dauern. Keine Rede wurde übersetzt. Man fühlte sich so ganz unter" höheren Töchtern", dass die genaue Kenntnis der drei Sprachen als selbstverständlich galt. Für die Behandlung der Fragen war durch deren Menge, durch die Kürze der Redezeit und den Ausschluss der Debatten die Oberflächlichkeit zum Prinzip erhoben. Der Mangel tieferer sozialer Einsicht den die meisten Rednerinnen an den Tag legten, sobald ein Gegenstand auf , 18 das soziale Gebiet hinüberstreifte, sorgte für die konsequente Durchführung des Prinzips. Die Verhandlungen waren vielfach statt belehrend nur untehaltend. " 9 Man braucht nicht alle 10 Finger um diejenigen der 100 Vorträge aufzuzählen, die sich inhaltlich über die seichte Mittelmässigkeit erhoben. Dass X zu den Fragen des Mädchenunterrichts des Frauenstudiums des Frauenstimmrechts der Rechtsstellung des weiblichen Geschlechts usw sehr vieles Treffende Richtige, und Sachkundige gesagt wurde erkennen wir gern an. Aber im allgemeinen fehlte auch bei der Bahandlung dieser Fragen das Erfassen der geschichtlich treibenden Kräfte die hinter den einschlägigen Forderungen beziehungsweise Reformen stehen und der Ausblick auf die vielseitigen Folgen des Umschwungs in der Tätigkeit und Stellung der Fraue 9 e Die Berichte über den Stand der Frauenbewegung in den einzelnen Ländern enthielten interessante und belehrende Einzelheiten. Frau( Marie) Stritt berichtete über die deutsche Frauenbewegung Wie wenig sie die Ursachen der Trennung zwischen den Bürgerlichen und den Proletarierinnen zu erfassen vermochte zeigt folgender Satz ihrer Rede:" Gegensätze in der Politik haben zwischn bürgerlicher und proletarischer Frauenbewegung eine Kluft geschaffen, die leider hier und da durch Klassenhass und Fanatismus erweitert wird. Frau Schlesinger- Ecksteins Ausführungen über die oesterreichische Bewegung zeichneten sich vor allen übrigen Berichten sehr vorteilhaft durch ihre Klarheit aus. Mit ruhiger Objektivität gab sie die Notwendigkeit einer besonderen Arbeiterinnenbewegung als Teil der sozialistischen Bewegung zu. Sehr bestimmt erklärte sie, dass jedes Reformbestreben zugunsten der Arbeiterinnen den Charakter eines Kampfes gegen die kapitalistische Ausbeutung tragen müsse. Es handle sich nicht nur darum die Frauen wirtschaftlich vom Manne unabhängig zu machen sondern auch die arme Frau der Herrschaft des Kapitals zu entziehen Der allgemeine oesterreichische Frauenverein verfolge deshalb antikapitalistische Tendenzen Besonders aber ihr Bericht über die in Wien veranstaltete Arbeiterinnenenquete machten Eindruck auf die Kongressteilnehmerinnen. Der grossen Mehrzahl der KongressXXXXXXXXXXXXXXX-mitglieder waren diese Schliderungen des entsetzlichen Elends die Frau Schlesinger in kühner und eindringlicher Sprache gab, etwas neues. Eine tiefe Bewegung ging durch die Versamml. als die Rednerin die Folgen der monatelangen Arbeitslosigkeit aufdeckte, die durch die Saisonarbeit in vielen Branchen der Frauenarbeit herbei geführt wird. " Es gelang der Kommission nicht", sagte sie," mit nur annähernder Sicherheit zu erheben wovon die grosse Zahl der Frauen während der toten Saison lebt. Einige haben Verwandte auf dem Lande bei denen si Unterkunft finden, einige ernähren sich mühselig durch Nähen, Scheuern und Waschen.Alle aber, die die Kommission befragt sind darin einig, dass sich vom Lohn der Wintermonate nichts für den Sommer absparen lässt. Und so blieb diese Frage offen Wenn es bei den Theaterchoristinnen, die die Enquete auch in den Kreis ihrer Erhebungen zog, mit entsetzlicher Klarheit zutage trat, dass diese Frauen, die ganz geringfügig, ja manchmal garnicht bezahlt werden und sich ihre Kostüme selbst anschaffen müssen, sehr oft auf die Prostitution als ihre eigentliche Einnahmequelle angewiesen sind so liegt auch die Vermutung nahe dass eine grosse Anzahl von Arbeiterinnen sobald sie die Arbeit einstellen müssen durch den Hunger ihrer hilflosen Kleinen gezwungen werden sich zu verkaufen. > > Wer bisher daran gezweifelt hatte der konnte durch die Enquete darüber belehrt werden, dass die entsetzliche Pestbeule, die am Körper der Gesellschaft frisst, eine eine Folgekrankheit des Druckes ist, der auf der Arbeit lastet. Die Kindheit der Proletarierin ist Hunger und Mangel jeder Art. 19 Ihre Lehrzeit ist Hunger und Plage. Ihre Existenz als Weib ist Sorge, Mangel, Ueberanstrengung, keine Abwechslung, keine Erholung. 11 Ebenso eindrucksvoll waren die Mitteilungen, die die Rednerin aus dem Leben der Ziegeleiarbeiterinnen und Dachdeckerinnen, über die Wohnungs- Lohn und Arbeitsverhältnisse der Wiener Arbeiterinnen, über die Folgen der Akkordarbeit, die Berufskrankheiten, die Schicksale der Lehrmädchen die schamlose Ausbeutung der Proletarierinnen durch die Unternehmer und ähnliches mehr, machte. Die Vortragende gelangte zu folgendem Schluss: " Die Enquete über Frauenarbeit hat die Notwendigkeit von unzähligen Reformen bewiesen. Reformen in der Kinderpflege, im Lehrlingswesen die Notwendigkeit einer weitverbreiteten und verschärften Gewerbeinspektion deren Ausdehnung auf die Heimarbeit die Notwendigkeit weiblicher Fabrikinspektoren die Notwendigkeit von Wöchnerinnen- und Rekonvaleszentenheimen die Notwendigkeit einer Altersversorgung für Arbeiterinnen, und solcher Gesetze, die die jugendlichen Arbeiterinnen, sowie die Schwangeren und die Wöchnerinnen schützen, vor allem aber die Notwendigkeit der Ausbreitung und Kräftigung der Arbeiterinnenorganisationen( Soweit Frau Schlesinger.) 9 e Nur einmal noch wurde eine gleich scharfe Kritik von einer burgerlichen Frau an den heutigen Zuständen geübt. Miss Routledge sagte drastisch: " Der Unternehmer sieht in der Arbeiterin nur das billigere Im übrigen bemühten sich die Referentinnen vorsichtig um den Kernpunkt der Frage; die Zersetzung der bürgerlichen Gesellschaft durch den Kapitalismus! herumzugehen. Tier Doch die schöne Harmonie sollte gestört werden duch die Genossin Lily Braun, die sich an dem Kongress beteiligte, um den Damen klar zu machen, dass es noch eine andere Frauenbewegung in Deutschland gibt, als die, die auf dem Kongress verteten war Und wie sehr diese Darstellung den Frauenrechtlerinnen unangenehm war, geht woh deutlich daraus hervor, dass von den Ausführungen der Genossin Braun in dem umfangreichen Kongressprotokoll nicht eine Zeile enthalten ist Das Durchdringen der Wahrheit wird man nicht hindern, wenn man auch bemüht ist den Leserinnen des Protokolls aus bürgerlichen Kreisen diese vorzuenthalten. Frau Braun führte folgendes aus: " Die Leiterinnen dieses Kongresses haben nicht nur ihre ausund inländischen Genossinnen zur Teilnahme aufgefordert, sie wendeten sich auch an Verteterinnen der deutschen Arbeiterinnenbewegung. Diese lehnten es ab, sich an den Arbeiten des Kongresses durch eine Delegierte zu beteiligen. Für sie, die auf dem Boden der Sozieldemokratie stehen, ist die Frauenfrage nur ein Teil der sozialen Frage und als solche durch die mehr oder weniger gut gemeinten Bestrebungen bürgerlicher Sozialreformer nicht lösbar. Ich selbst teile diese Auffassung vollkommen Gerade weil ich aus den Reihen der bürgerlichen Frauenbewegung hervorgegangen bin, weiss ich aus eigener Erfahrung welcher Sisyphusarbeit sie sich im grossen und ganzen hingibt und ihrer ganzen Natur nach hingeben muss. Die Vorteile, die sie erringen kann kommen immer nur einer beschränkten Anzahl von Frauen zugut, sie lassen die grosse Masse der XXXXXXXXXXX am meisten leidenden Frauen unberührt geschweige denn, dass sie auf die allgemeine Entwicklung von grossem Einfluss wären. 20. . Ein kluger Gärtner legt auf einem Stoppelfeld keinen Garten an ohne es vorher zu düngen und umzugraben. Die Sozialreformer unserer Zeit, mit ihnen die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen suchen es aber und können sich danach nicht wundern wenn ihnen nur hie und da eine bescheidene Blume aufblüht!!! Wer frei, vorurtteilslos und logisch denkt, und sich eingehend mit der Frauenfrage ---- wohlgemerkt, mit der ganzen Frauenfrage, nicht mit der Damenfragebeschäftigt muss m.E., ebenso wie derjenige, der die soziale Frage gründlich studiert, notwendig zur Sozialdemokratie gelangen. Damit tritt er aus der Sphäre heraus, in der er früher tätig war und als Konsequenz seines Gedankenganges ergibt es sich, dass er nun auch seine Arbeitskraft in den Dienst seiner Ueberzeugung stellt. Auch ich lehne demnach, wie meine Genossinnen jede Arbeit in der bürgerlichen Frauenbewegung ab Trotzdem erschien es mir wünschenswert, die Arbeiterinnenbewegung in Deutschland vor diesem Kongress zu schildern schon im Hinblick auf die auswärtigen Delegiertinnen. Sie sollen eine bessere Meinung über die deutsche Frau gewinnen. Sie kennen nur die in letzter Zeit erwachte deutsche bürgerliche Frauenbewegung. Sie wissen nichts von den harten Kämpfen der deutschen Arbeiterin. Sie wissen nicht, dass die grösste Partei Deutschlands, die sozialdemokratische, durch ihr olitische Programm für die weitetesten Forderungen der Frauenbewegung eintritt, dass ihre Vertreter im Parlament einmütig auf der Seite der Frauen stehen. Man weiss nicht dass die deutsche Arbeiterin trotz ihrer gedrückten wirtschaftlichen Lage, im allgemeinen politisch reifer ist, als die Mehrzahl der bürgerlichen Frauen, und als ihre gleichgestellten Schwestern in anderen Ländern. Falsche Auffassungen richtig zu stellen, mangelhafte zu ergänzen, Ihnen ein Bild von der wirtschaftlichen und politischen Lage der deutschen Proletarierin, von ihrem grossen Befreiungskampf zu geben, dessen Ziel sich nicht auf Reformen, Polizeimassregeln gegen die Sittenlosigkeit und Anstre ben von Doktotiteln beschränkt beschränkt, das war meine Absicht. Ich muss jedoch darauf verzichten. Die mir zugestandene Zeit von 20 Minuten würde nicht ausreichen dieses ungeheure Gebiet auch nur in oberflächlicher Weise zu berühren. Für die Darstellung einzelner Wohltätigkeits- und Vereinsbestrebungen mag diese Zeit vielleicht ausreichen nicht aber für die Arbeiterinnenfrage, die die grösste Masse des weiblichen Geschlechts berührt " Unter den zirka 5 Millionen erwerbstätiger Frauen in Deutschland haben wir allein zweiundeinhalb Millionen landwirtschaftliche Arbeiterinnen eineinviertel Frauen im Hausdienst und gegen eine Million Arbeiterinnen die in Fabriken beschäftigt sind, der Hausindustrie garnicht zu gedenken , 2 Diese Frauen sind es die sich für unser Wohlergehen abmühen, die ihre Jugend hinter Fabrikmauern vertrauern, die den vielgepriesenen Beruf der Frau Gattin und Mutter zu sein ausfüllen, indem sie Kinder in die Welt setzen denen sie oft genug nicht einmal die Pflege zuteil werden lassen können, die das Tier seinen Jungen bietet. Ich bin beauftragt, Sie zum Besuch der Volksversammlungen einzuladen, die zu heute und zu Freitag von sozialdemokratisccher Seite einberufen sind. Dort ist die freieste Diskussion gestattet und erwünscht. Ich hoffe, dass alle diejenigen deutschen Frauen, denen die Sache ihres Geschlechts nicht nur die Sache ihrer Klasee ist, und namentlich auch die Ausländerinnen der Einladung folgen werden. Nicht als ob wir des frommen Glaubens lebten, viele von ihnen gewinnen zu können. Zu tief eingewurzelt ist der Klassenegoismus zu einschneidend in das Leben und Denken gerade der abhängigen Frau sind die Interessen ihrer Klasse, als dass sie sich so leicht davon losreissen konnte. Aber vielleicht wird Ihnen eine Ahnung davon kommen, dass es ein grösseres, ergreifenderes Elend gibt, als das der unbefriedigten, berufslosen Tochter Ihrer Stände, dass ausserhalb Ihrer Kreise ein Kampf gekämpft wird, der ernster, heiliger ist, als der Kampf um den Doktorhut und den Wahlzettel. (*) Nach der letzten Berufszählung gibt es in Berlin 92000 weibi andeleangstelle, 1896 21, Hier können Sie auch den Opfermut und die Begeisterung finden, die Sie im eigenen Lager vergeblich suchen. Einen Opfermut und eine Begeisterung die die Gewähr endlichen Sieges bieten, der Befreiung der Gesamtheit aus wirtschaftlicher und moralischer Knechtschaft!" Die Römerin, Frl Dr med Maria Montessorie berichtete sodann in italienischer Sprache Uber die Löhne der italienischen Arbeiterinnen, die noch niedriger sind als die in Deutschland für Frauenarbeit gezahlten. Das Gesetz beschränk fast garnicht die Kinderarbeit und gewährt den Wöchnerinnen einen geringen unzureichenden Schutz. Dabei versuchen die Unternehmer noch diese Einschränkungen ihrer Profitwut durch Lohndruck auszugleichen Gleicher Lohn für gleiche Leistung sei auch die Parole der italienischen Arbeiterin finnen" 9 " • Frl.Herrmann gab einen Bericht über" die Lage der Handlungsgehilund die" Tätigkeit des Hilfsvereins für weibliche Handelsangestellte" jenem Verein der hauptsächlich die Bestimmung zu haben scheint Die" Harmonie" zwischen Kapital und Arbeit zu erhalten. Seine Ziele und Zwecke sind sämtlich kleine Mittelchen die Angestellten bei guter Laune zu erhalten und den Geschäftsinhabern tüchtige Kräfte zu sichern die in Fachschulen ausgebildet sind!!!(?) Der Verein ist aber offenbar nicht in der Lage diesen dann bessere, als die DurchXXXX schnittslöhne zu sichern. Die Leitung des Vereins liegt z.T.in den Händen von Grosskaufleuten. Die Berichterstatterin sagt:" Erst seit zwanzig Jahren kenne man überhaupt weibliche Handelsangestellte. Heute gibt es 100 000 in Deutschland, 15 000 in Berlin.(*) Stenographinnen und Buchhalterinnen haben nur theoretische Vorbildung für alle anderen gilt 10- bis 12- monatige Berufsprobe. Brauchbare Kräfte erhalten 100 bis 150 Mark monatlich und steigen noch höher." Frl Hermann führte aber im Weiteren an dass eine Lageristin, die 15 Jahre im Tappisseriefach tätig ist, ein Monatsgehalt von 55 Mark bezieht. Sie musste auch zugeben dass den jungen Mädchen in sittlicher Beziehung von Geschäftsinhabern und Angestellten empörende Zumutungen gestellt werden Komisch wirkte es, als die Rednerin mit Pathos bemerkte, das passiere auch Damen, die gesellschaftlich" über ihren Brotgebern stehen Und weiter sagte sie:" nicht eher die ihr Der " Und doch wird die Berufsklasse als solche gebührende" gesellschaftliche" Stellung einnehmen, bis nicht das ganze Geschlecht die Anerkennung seiner Bürgerrechte durchgesetzt hat. notwendige Gemeinsinn soll( nach Frl Herrmann) den Handlungsgehilfinnen beigebracht werden durch den Hinweis, dass sie als STANDESGENOSSINNEN zusammen gehören. Auch diesen Aeusserungen gegenüber haben wir XXXXXXW** die Anschauung, dass klares Denken und Empfinden in diesem Kreis noch vollkommen fehlt. Ein wenig Umschau im praktischen Leben, in den eigenen Reihen dürfte doch die Belehrung bringen, dass sich nach wie vor Bestehen des Hilfsvereins kein Arbeitgeber scheuen wird, die Verkäuferin XXXXX " standesgemäss" hungern zu lassen. Ebensowenig wie je einer von ihnen wenn ihm eine seiner weissen Sklavinnen gefällt diese fragen würde ehe er seine Verführungskünste anwendet, ob die Betreffende etwa " gesellschaftlich" über ihm steht.! ' Abgesehen von wenigen begünstigten Ausnahmen, gilt stets die Regel: Wer nicht zur Klasse der Besitzenden gehört, der gehört zu den XX Besitzlosen, den Ausgebeuteten, und diese haben zusammenstehend nicht alleruntertänigst um höfliche Beachtung bei den oberen Zehntausend zu bitten sondern die Rechte ihrer Klasse zu wahren. Nicht in Hilfsvereinen durch Palliativmittelchen, sondern in Kampforganisationen, die nicht nur für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen energisch eintreten, sondern als Hauptziel die Umwandlung der kapitalistischen Produktion auf allen Gebieten erstreben. 22. Man sollte die Verkäferinnen, die grossenteils dem Mittelstande angehören, d.h. Töchter schlechtbesoldeter Subalternbeamten oder kleiner Handwerksmeister sind, dahin aufklären dass die tonangeben de Gesellschaft sie ebenfalls nur als Lohnsklavinnen ansieht, gleich den Fabrikarbeiterinnen. Diese Erkenntniss wird ihnen einzi und allein das richtige Klassenbewusstsein geben. Diese Aufklärung wird von grösster Bedeutung für sie sein, von grösserer als alle Hilfsvereine, die dem Uebel nicht an die Wurzel gehen, sondern nur der aussersten Not steuern sollen, aber die Auswüchse des Klassenstaates nicht antasten. Selst befreiung ist auch hier die einzig richtige Losung. Sie bedie bei steht in der Loslösung von der Prtektion der Kapitalisten scheihbarem Eintreten für die Handlungsgehilfinnen doch im Grunde genommen nur den Interessen ihrer eigenen Kaste dienen Die für die Arbeiterbewegung wichtigsten Fragen: Sittlichkeitsfrage, Dienstbotenfrage, gemeinsame Tätigkeit der bürgerlichen und proletarischen Frauen wurden in sogenannten Sektionssitzungen behandelt Zu diesen Sitzungen wurden auch Gäste zur Diskussion zugelassen.--- Frau Bieber- Böhm die früher die Prostitution als Frucht der Unsittlichkeit bezeichnete erkannte ihren ursächlichen Zusammenhang mit wirtschaftlichen Umständen an. Sie forderte zu ihrer Bekmpfung" Reformen auf der ganzen Linie" Frau( Minna) Cauer betonte dass wirtschaftliche Momente die wichtigsten Ursachen der Prostitution seien. Richtiger zog Frau Schlesinger- Eckstein die Schlussfolgerung dieser Darlegung indem sie erklärte die Prostitution steht und fällt mit der bürgerlichen Geseelschaft. " Den sozialistischen Standpunkt in der Sittlichkeitsfrage legte Genossin Klara Zetkin kurz dar.(**) In der zweiten Sektionssitzung war es das Referat der Frau Schwerin " Auf welchen sozialen Arbeitsgebieten kann sich die gesamte Frauenwelt (???) zu gemeinsamer Arbeit vereinigen ?? , das zu Auseinandersetzungen Genossinnen zwischen bürgerlichen Frauenrechtlerinnen einerseits Braun und Zetkin andererseits. Frau Schwerin bezeichnete ein Hand in Hand gehen bürgerlicher und proletarischer Frauen als möglich zum Zweck folgender Reformen: 1.Umwandlung der Volksschule in eine Einheits2. Anstellung von Fabrikinspektorinnen. 3.Ausdehnung der Fabrikgesetzgebung zum Schutze der Frauen schule. und Kinder. 4.Zulassung der Frauen zur Kommunalvertreteun. 5. Organisation der Arbeiterinnen. Genossin Zetkin erkannte an, dass Berührungspunkte zwischen bürgerlicher und proletarischer Frauenbewegung vorhanden seien, legte aber dar dass die Sozialdemokratie in allen Reformforderungen ein zuverlässigerer und machtvollerer Bundesgenosse für die Proletarierinnen wäre, als die bürgerliche Frauenrechtelei. An die Dienstbotenfrage hatte sich keine der gewandten Rednerinnen herangewagt, sie wurde von Herrn Dr. Schnapper- Arndt eingehend und treffend behandelt. (**)( Klara Zetkin.) Eine ausführliche Besprechung der" Sittlichkeitsfrage erscheint in einer Broschüre von Frau Klara Zetkin. Die vorgeschrittenen Frauen so sagte Herr Dr.Schnapper- Arndt sollten sich vereinigen, um die kleinliche und gehässige Haltung, die 23. die Bourgoisie in ihrer Mehrzahl zu den Dienstboten einnimmt zu bekämpfen Diese philiströse Haltung aussere sich in der Gesetzgebung, in der sozialen Sitte, und in der Literatur. Die fadesten Anekdoten über" moderne Dienstboten" die sich aber schon in der Literatur des sechzehnten Jahrhunderts vorfänden, würden in bürgerlichen Blättern immer wieder aufgetischt Durch die Art, wie die Dienstboten im bürgerlichen Hause behandelt werden, würde der Geist der Ungleichheit schon bei den Kindern geweckt. Wieviele Frauen gabe es " die die Dienstboten auf den Weg der Bildung hinwiesen ihnen ein Buch empfehlen oder sich nach ihren Verwandten erkundigen? Ein Arbeitsschutzgesetz für Dienstboten sei nicht vorhanden nur ein Arbeitszwangsgesetz, die Gesindeordnung Die Dienstboten seien häufig unwürdig untergebracht, freie Zeit für Erholung uns Fortbildung seien nicht garantiert. Alle Frauen müssten sich mit den Gesindeordnungen vertraut machen dem haslichen Ueberbleibsel des Geistes der Bevormundung. In der Macht, die der Hausfrau durch die Gesindeordnung verliehen ist dürfe sie nicht ein Vorrecht sondern müsse eine Beleidigung eine Unterdrückung ihres eigenen Geschlechts sehen " In den Dienstbotenordnungen vereinigt sich Klassen- und Geschlechtssklaverei, darum fort damit • Der Standpunkt der Proletarierinnen dem Kongress und dessen Teilnehmerinnen gegenüber wurde in drei öffentlichen Volksversammlungen dargelegt. Die erste fand in Lips Brauerei statt. Lange vor Beginn war der grosse Saal überfüllté. Zur Einleitung sprach Genossin Klara Zetkin über" Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung" Sie führte etwa folgendes aus: รี Der internationale Kongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen, der jetzt hier tagt ist einberufen von bürgerlichen Frauenrechtlerinnen und trägt eine durchaus bürgerlichen Charakter. Zum ersten mal sind auch die sogenannten Führerinnen(?) der proletarischen Frauenbewegung eingeladen worden wir haben diese Einladung aber abgelehnt. Wir erkennen an, dass wir mit den burgerlichen Frauenrechtlerinnen eine Reihe von Reformforderungen gemeinsam haben, die darauf hinauslaufen, der Geschlechtssklaverei des Weibes ein Ende zu bereiten Wir aber wollen nicht nur diese Geschlechtssklaverei sondern die Klassensklaverei des Proletariats abschaffen. Uns trennt der Klassenkampf von jener Seite.Ebenso wie es der Sozialdemokratie nicht einfällt sich an den Kongressen der bürgerlichen Demokratie zu beteiligen mi t der si ach eine Reihe politischer Forderungen gemeinsam hat wie sie sich fernhält von den Kongressen der Sozialreformer, der Friedensapostel kurz aller dieser guten Menschen und schlechten Musikanten in sozialpotischer Hinsicht so haben auch wir die Teilnahme an jenem Kongress abgelehnt Die Rechtlosigigkeit des Geschlechts ist kein Band das stark genug wäre die klaffenden Gegensätze zu schliessen die Klasseninteressen stehen über den Geschlechtsinteressen , 9 9 9 Dieser Gegensatz ist nicht das Werk des Klassenhasses und des Fanatismus, wie in liebenswürdiger Verständnislosigkeit auf dem Kongress behauptet wurde( richtet sich gegen Stritt) sondern er liegt tief in der ökonomischen Entwicklung XXX begründet 24. Erst die kapitasische Produktion und ihre gesellschaftlichen Begleiterscheinungen haben die Bedingungen für die moderne Frauenbewegung in ihren verschiedenen Richtungen ausgelöst. Nichts ist törichter als die Behauptungen ihrer männlichen Gegner, sie sei das Produkt einer Handvoll hirnverbrannter Schachtel. Sie ist auch nicht das Werk einiger starker Individualitäten. Die Frau der obe ren Zehntausend ist frei weil sie einen gehörig gross en Geldsack besitzt(?) Dieser Geldsack verleiht ihr die Möglichkeit ihre Individualität voll auszugestalten, ihre Kenntnisse auf allen Gebieten des Wissens zu erweitern. Aber diese Frau ist gewöhnlich dem Manne rechtlich unterworfen, in der Familie, die durch den Besitz moralisch zersetzt worden ist. Wenn diese Frau in den Kampf eintritt, so tritt sie hier ein zur Sicherung ihres Vermögens, sie hütet sich einzutreten für die politische Gleichberechtigung der Geschlechter.---- Der Kampf der Frauen des Mittelburgertums ist nichts als ein Kampf für die volle Gewerbefreiheit.--- Die proletarische Frau sieht ihre Familie zersetzt durch das Ausbeutungsbedürfnis des Kapitals. Der Kapitalist verwandelte sie in die Schmutzkonkurrentin des Mannes, Kinder zarten Alters sind ausgebeutet worden, sie sind geopfert worden inXXXX Massen Die proletarische Frau kämpft nicht gegen die Männer ihrer Klasse, sondern im Verein mit den Männern ihrer Klasse gegen den Kapitalisten und gegen die KXXXX kapitalistische Gesellschaft " Weil die bürgerlichen Frauen in so schwacher und unklarer Weise für Reformen gegen den Kapitalismus eingetreten sind, sind sie XX unsere Feinde. Jeder Pfennin, den die Arbeiterin opfert wir im Gegensatz zu den bürgerlichen Frauen-nicht vom Ueberfluss genommen, er kommt auf Rechnung der Not des Darbens. Der ganzen herrschenden Welt rufen wir entgegen: Ihr hemmt uns aber Ihr zwingt ( Marie) uns nicht! Frau( Hulda) Greifenberg referierte über die Lage der Arbeiterinnen In kurzen Zügen gab sie Aufschlüsse über die Löhne der weibl. Arbeiter die fast überall- auch bei gleicher Leistung- bedeutend niedriger seien, als die der Männer. Ganz besonders aber sei darauf hinzuweisen, dass auch hier, wie überall, die untergeordnet Stellung, die man der Frau" von Rechtswegen" in Deutschlan anweise, besonders bei Behandlung der Fabrikarbeiterin eine traurige Rolle spiele.Fabrikanten und Vorgesetzte in der Fabrik glauben, wenn die Arbeiterin ihre Kraft hingibt, so hatt sie auch die Pflicht ihre Ehre dem Unternehmertum zu opfern Nicht minder schlecht, wenn nicht noch erbärmlicher, sei es um die Heimarbeiterin bestellt, deren Löne meist noch nie driger seien als die der Fabrikarbeiterin und deren immer weiterem Absinken nicht selten die Konkurrenz der Damen, die für ein Taschengeld arbeiten, die Schuld trage. Frau Martha Rohrlack entledigte sich ihrer Aufgabe, über " die wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten der gewerkschaftlichen Arbeiterinnenorganisation" zu sprechen, wie folgt: Nicht nur infolge der vereinsgesetzlichen Schranken, sondern speziell durch die Auslegungskunst, die die Behörden an diesem Gesetz allerwärts den Arbeiterinnen gegenüber üben, seien nur zwei Formen geblieben, die Form der gewerkschaftlichen Organisation und die Form der Frauenbildungsvereine. Die gewerkschaftliche Organisation ist ungemein schwierig, speziell in der Haus industrie.Obwohl Tausende von Frauen gat nicht mehr fa fähig sind den Groschen für die Organisation aufzutreie ban, mehrt / sich dennoch die Schar der Frauene in den Gewerkschaften. Den/ 25, XXX Frauenbildungsvereine sind durch den Paragraphen 8 de GAA des Preuss.Vereinsgesetzes Schwierigkeiten entstanden und sie konnten deshalb nicht den Aufschwung nehmen, wie die burgerl. Frauenvereine. Durch die stets aus nichtigen Gründen erfolgten Auflösungen der Frauenbildungsvereine( Gera, Halle, Düsseldorf, Elberfeld, Köln, Weissenfels, Leipzig) sei der proletarischen Bewegung grosser Schaden zugefügt worden, indem man die Bildungsquellen verstopfte.Tausende sind aber damit beschäftigt, den Schaden eder wett zu machen, zum endlichen Siege der Arbeit uns durchringen zu helfen. Nachdem Frau Emma Ihrer in kurzen Zugen die Entwicklung der deutschen arbeiterinnenbewegung geschildert hatte, wurde die Diskussion eröffnet. Frau Schlesinger- Eckstein sprach nicht als eigentliche Gegnerin. Sie hob nur hervor, dass Oesterreich auch bürgerl. von antkapitalistischer Gesinnung erfüllt é seien. Das geistige Elend der bürgerlichen Frau, der Mangel an geistiger Anregung worunter sie leide, dürfe nicht übersehen werden. Die Rednerin bewundert die moralische Höhe des Proletariats . Zwei Ausländische Delegierte des Frauenkongresses, eine Polin und die italienische Aerztin Dr.Maria Montessori nahmen noch das Wort und feierten die Sozialdemokratie als Vorkämpferin aller Unterdrückten. Frl.Montessori betonte besonders, dass ihr von sämmtlichen italienischen Organisationen, die sie auf dem Kongress vertrete, den Berliner Genossinnen und Genossen brüderliche Grüsse zu übermitteln. . Trotz wiederholter Aufforderun hatte keine der deutschen bürgerl.Katte keine der Frauen den Mut, zu den verhandelten Fragen Stellung zu nehmen. Totzdem recht viele von ihnen anwesend waren. Nicht minder imposant war die 2.Versammlung am 25.Sept. Sie fand in Martens Saal in der Friedrichstr.statt. Hunderte Frauen und Männer mussten umkehren, weil das Lokal längst vor Beginn überfüllt war. Des fürchterlichen Gedränges und der Temperatur wegen, gestattete der überwachende Beamte die Tagung der Versammlung nur für eine Stunde. So dass Frau Lily Braun allein ihr Thema: " Frauenfrage und Sozialdemokratie" ausführen konnte(*) Man beschloss, die übrigen Referate in einer 3.Versammlung zu erledigen. Diese dritte Versammlung fand am 27.Sept.abermals in der Lips'schen Brauerei, statt und reihte sich ihren Vorgängerinnen würdig an. Allerdings trug die Versammlung insofern ein anders Gepäge, als in ihr die bürgerl.Elemente weniger stark vertrete waren.Viele der bürgerl.Frauen waren nach dem inzwischen er folge ten Schluss des Kongresses bereits abgereist, andere hatten. das Versammlungslokal nicht rechtzeitig erfahren.Dafür waren de die Berliner Genossinnen und Genossen mindestens so Zahlreich anwesend, als in den voraus gegangenen Versammlungen.Es ist dies um so höher anzuschlagen, als die Versammlung in eine Zeit fiel, - 10 Uhr vormittag- in der die Frau besonders schwer von Hause abkommen kann 26) Genossin( Ottilie) Baader sprach über" die Notwendigkeit des gesetzlichen Arbeiterinnenschutzes" Ein Referat der Genossin Klara Zetkin hielt ein Referat ueber" Die Stellung der Sozialdemokratie und der buergerlichen Frauenbewegung zur Sittlichkeitsfrage" Damit schloss die Reihe der Vortraege ab..----- Eine hochgehende Begeisterung charakterisierte die drei Versammlungen und äusserte sich im Laufe der Ausfuehrungen der verschiedenen Referentinnen durch stuermischen Beifall. Langanhaltender stürmischer Applaus bekundete am Sc Schluss jedes Referats, dass die uebergrosse Mehrzahl der Versammlungsbesucher der sozialistischen Auffassung zustimmte Dass die Versammlungen auch in buergerl. Kreisen nicht ohne Eindruck geblieben sind, dass sie manches bis dahin" gutgesinnte" XXX bürgerl.Gemüt zum Nachdenken aufgeruettelt haben, das zeigen u.a.die sehr zahlreichen Zuschriften, die seitdem eingelaufen sind. Die meisten davon stammen aus buergerl Kreisen und variieren das Thema:" Ich kam mit grossen Vorurteilen gegen die Sozialdemokratie in die Versammlung, die erste, die ich je besuchte. Was ich hoerte, hat mein Vorurteil beseitigt. Ich bedaure, wie recht die dass keine buergerl. Frau das Wort nahm, um zu sagen, Arbeiterin hat sich von der buergerl. Frauenbewegung abzuwenden und nur auf die Sozialdemokratie zu hoffen. Ich selbst konnte das nicht aussprechen. Ich erfuhr, dass jede Rednerin der Polizei Namen und A Adresse angeben muss, und die Ruecksicht auf die Stellung meines Mannes hindert mich mit dem Gestaendnis in die Oeffentlichkeit zu treten. Die Versammlung machte mir klar, wie unbedeutend der Internationale Frauenkongress mit seinen Bestrebungen ist, im Vergleich zu der Zozialdemokratie und ihren Zielen." Solche Sache Kundgebungen sind ein Gradmesser dafuer, welche Wirkung/ die Versammlungen auf buergerl.Frauen ausgeuebt haben. Aber man wuerde dass diese Wirkung genuegen sich sehr täuschen, wollte man annehmen, koenne um die buergerl. Fuehrerinnen der proletarischen Bewegung naeher zu bringen Das war nicht zu erwarten und dass es nicht geschehen ist, geht mit voller Klarheit aus den Verhandlungen des Internationalen 1897 Brussel Frauenkongresses Frauenkongresses hervor, der im August 1897 in Bruessel stattfand. Gleich nach der Eroeffnung wurden die Vertreterinnen aller Richtungen willkommen geheissen," mit Ausnahme derer, die auf dem Boden des K 1 assenkampfes stehen # Dass auch die deutschen Frauenrechtlerinnen mit diesem Modus einverstanden waren, beweist ihre weitere Teilnahme an dem Kongress Umsomehr Das geschah ohne jeden Protest gegen diese Eiseitigkeit muss man verwundert sein, dass dieselben Damen bei einzelnen Punkten der Tagesordnung einen Radikalismus zeigten, den man auf dem Berliner Kongress so gaenzlich vermisst hatte.---- Ja, die Leiterinnen des Berliner Kongresses waren es, die in Bruessel Diskussion und Beschlussfassung beantragten, was man in Berlin ebenfalls-- angeblich-- aus Ruecksicht auf die Polizeiaufsicht und Furcht vor Kongressaufloesung vermieden hatte Fräulein So trat z.B. bei Besprechung" die Stellung der Frau" ( Anita) Augspurg mit der radikalen Forderung hervor, dass der Staat XXXXXX Unterhalt und Erziehung der unehelichen Kinder uebernehmen muesse.Es ist dieselbe Dame, die in Berlin behauptete( gegenueber unseren Forderungen) man sei noch weit entfernt von der Erfuellung sozialistischer Ideale. In Bruessel dagegen stellte sie gleiche Forderungen auf wie die Sozialisten. Demgegenueber sei angefuehrt, dass von franz. Delegierten, fuer Fortbestehen des beruechtigten Gesetzes, das unverheirateten Muettern 27 verbietet nach dem Vater ihres Kindes zu forschen, eingetreten wurde ( open disse) Hieraus ist schon ersichtlich wie grundverschieden die Ansichten der Frauenrechlerinnen der verschiedenen Laender sind und es ist wohl begreift lich, dass man bei so verschiedenen Standpunkten gemeinsame Beschluesse zur Bekaempfung solcherrechtlosen Stellung der Frauen nicht fassen konnte. Lebhaft wurde auch das Thema:" Die oekonomischen Rechte der Frauen und die Berufsarbeit" eroertert. Vorschlaege jedoch, in der einen oder anderen Richtung nich gemacht. Es wurde nur hervorgehoben, dass man als Grundsatz die Forderung anerkennen muesse:" gleicher Lohn fuer gleiche Arbeit." Die ist und bleibt aber ein Spiel mit worten wenn man nicht gleichzeitig bereit ist die Mittel und Wege zu benutzen die die Durchfuehrung dieser Forderung ermoeglichen. Frau Bieber- Boehm Berlin war es, die die Sittlichkeitsfrage in ihrem Sinn eroerterte, sie kam zu dem Resumee:" eine Berufsbeschraenkung muesse eintreten in den Gewerben der Kellnerinnen, Balleteusen und Zirkusreiterinnen Sollte wirklich in anderen Kreisen Unsittlichkeit nicht vorhanden sein?- Als Grundlage fuer den XXXXXXXX Aufbau einer hoeheren Sittlichkeit fuer die Gesamtgesellschaft muessten doch wohl andere Wege vorgeschlagen werden als nur die Beseitigung derartiger Auswuechse des Klassenstaates Auch ueber die Frage des gesetzlichen Schutzes fuer Fabrikarbeiterinnen gingen die Meinungen sehr weit auseinander. Waehrend belgische und franzoesische Rednerinnen jeden gesetzlichen Schutz fuer weibliche Arbeiter als Beschraenkung der Konkurrenzfaehigkeit und als Bevormundung der Frauen bezeichneten, legten drei Maenner, belgische Feministen( Vertreter der Frauenrechte) einen Gesetzentwurf vor, durch den fuer die XXXXX Frauen- vor und nach der Niederkunft- eine Ruhepause gefordert wird---- Durch eine Art von Versicherung in Form der Krankenkassen, sollen die Mitteln aufgebracht werden. Zur Pflege von Mutter und Kind Diese Debatten beweisen, dass die Frauenrechtlerei nirgendwo der proletarischen Bewegung voraus ist, denn Forderungen wie die obenstehend besprochenen, sind von den Proletarierinnen seit langen Jahren aufgestellt gleichzeitig aber auch Mittel und Wege angegeben, wie sie verwirklicht werden koennen. Wie nicht anders zu erwarten war, wurde am breitesten und ausfuehrlichsten das Gebiet der Wohltaetigkeit behandelt Und da haben wir einen jener Punkte dieeine Trennung der buergerlichen und proletarischen Frauenbewegung geradezu bedingen Wo jene Wohltaten erweisen wollen, fordern die anderen Gerecht tigkeit! Sehr richtig sagt Laura Marholm in einem Artikel ueber die Frauenfrage"- in der Zukunft.( Maximilian Harden): " in ihrer jetzigen Form macht die Frauenbewegung nur Botengaenge fuer das Grosskapital. Fuer Wohltaetigkeit bedanken sich die unteren Klassen, so lange noch ein bischen Ehre in ihnen ist. Erst bei der Verlumpung kann die Wohltaetigkeit einsetzen. Pauperis mus Nicht wenn dieses traurige Stadium eingetreten ist soll man helfen, sondern nur wuens 28 wir wuenschen die Frauen davor zu schuetzen solange es noch Zeit ist, ehe Verlumpung und geistige Versumpfung eingetreten ist. Deshalb verlangen wir ausreichenden gesetzlichen Schutz fuer die Arbeiterrinnen inbezug auf Loehne, Arbeitszeit und weibliche Aufsicht der Betriebe, besonders aber Koalititonsfreiheit. Noch einer Richtung wollen wir hier einige Worte widmen, jener Gruppe, die gleich uns die gleich uns, ablehnte, sich am Berliner Kongress zu beteiligen, der evangelisch- sozialen Schon im ersten Abschnitt ist auf die Teilnahme von Frauen am evangelisch- sozialen Kongress in Erfurt hingewiesen.( Seite........ 1896 tagte dieser in Stuttgart Auch hier trat die Teilnahme der Frauen hervor besonders durch XXX ein Referat ueber XXX: " Die Taetigkeit der Frau im Gemeindedienst Fuer den im Juni 1897 in Leipzig war die Besprechung ueber die Stellung der Frau im deutschen Recht" beabsichtigt Doch traf man kurz vor der Tagung eine Abaenderung, es wurde ein Referat ueber" die Grenzlinien der Frauenbewegung" in die Tagesordnung eingereiht Gleich zu Beginn des Kongresses gab Frl Dr_phil K.Windscheidt folgende Erklaerung ab: " Die heutigen Frauen sind sich der Verpflichtung des 19. Jahrhunderts voll bewusst, sie sind aus der Zeit des Puppenheims heraus in das grosse geistige und geschaeftliche Leben eingetreten. Schulter an Schulter werden sie mit ihren gleichgesinnten Genossen lernen, schaffen, und wirken. # Man koennte daraus schliessen dass die Frauen, in deren Namen diese Erklaerung abgegeben wurde, feste sozialpolitische Meinungen haben. Die sie zu vertreten allezeit bereit sind. Die Referenting des obigen Themas war allerdings keine Anhaengerin dieser Gruppe! Sie war eine Vasallin des" Koenigs Stumm" und in seinem Sinn waren ihre Ausfuehrungen gehalten Frau Dr jur.Kempin ist bekannt als Verfasserin einer Broschuere ueber die rechtliche Stellung der Frau" und wir hatten bei der Herausgabe bereits Gelegenheit genommen, ihr zu sagen wie einseitig diese Abhandlung ist. Sie bezieht sich nur auf die Frau der besitzenden Klasse und nimmt von der Mehrzahl der Frauen-den Arbeiterinnengar keine Notiz. Auch bei der Besprechung des buergerlichen Gesetzbuches hat die Referentin eine sehr einseitige Stellung eingenommen, Daher konnte man nicht verwundert sein, dass in ihren neuesten Aus fuehrungen, in dem Referat" Grenzlinien der Frauenbewegung" sich noch weitere Rueckschritte bemerkbar machten. Ihre Ausfuehrungen gipfelten in manchersterlichen Theorien, auch zog sie der Frauenbewegung ziemlich enge Grenzen Einerseits behauptete sie, die Frau sei mit oeffentlichen Angelegenheiten noch zu wenig vertraut als dass sie dabei schon mitsprechen koenne Andererseits will sie die Frau ueberall dort, wo ihr Koennen ausreicht,-- spaeter jedoch widersprach sie sich selber direkt Ihre Ausfuehrungen waren Kreuzund Querspruenge ohne festen Punkt wohl eine Folge ihrer Vasallenschaft.( ist wohl gemeint: Abhaengigkeit. 29. Aus ihren Ausfuehrungen liess sich Tendez und Anschauung der erwaenten Gruppe nicht erkennen. Dass die Gruppe ihre Ansichten nicht teilt, bewies der Widerspruch von Frau Gnauck- Kuehne Aber auch sie behandelte das Thema nicht bis auf den Grund sondern hielt sich an Einzelforderungen. Auch hier- bei den evangelischsozialen Frauen- haben wir es mit einer Richtung zu tun die nur ein wenig reformieren, XXXX nicht aber gruendlich umgestaltenwill, und die angestrebten Reformen bewegen sich oft in Bahnen, die uns nicht vorwaerts sondern rueckwaerts fuehren wuerden. Die Forderungen der Arbeiterinnen waeren noch lange nicht erfuellt, wenn alle jungen Maedchen zu guten Hausfrauen erzogen wuerden, wenn die Frau und Mutter neben dem Mann eine gleichwertige Stellung erhielte Fuer eine Anzahl buergerlicher Frauen mag damit alles Erstrebenswerte erreicht seine. Fuer die Proletarierinnen ist dieses Ideal der evangelisch- sozialen Frauengruppe-- der Vertreterin des Klassenstaates auf christlicher Basis-- ebenso ungenuegend und unannehmbar als die Ziele der Frauenrechtlerinnen III Die Notwendigkeit des Anschlusses der Arbeiterinnen an die Gewerkschaften Aus den vorhergehenden Schilderungen der Bestrebungen der buergerlichen Vertreterinnen der Frauenrechte ergibt sich nunmehr die Stellung der proletarischen Frauenbewegung entsprechend ihrem eigenartigen Charakter mit voller Klarheit. Die proletarische Bewegung kann nicht teilhaben an der buergerlichen, obwohl beide Richtungen den gleichen Grundursachen entsprangen: der Umwaelzung durch die kapitalistische Produktion. Hat aber die Proletarierin, ins Joch der Industrie gespannt, aus ihrem Heim vertrieben, im Drang der schweren Arbeit die bleiern auf ihren Schultern liegt, weder Zeit noch Kraft fuer ihre Familie zu leben und zu wirken, so hat die buergerliche Frau einen grossen Teil ihrer frueheren produktiven Arbeit eingebuesst. Was frueher in jedem Haushalt durch die Fuersorge und den Fleiss der Frauen angefertigt wurde, wird jetzt von der Industrie im Grossen besser und billiger hergestellt. Hier also das Ringen der buergerl. Frau nach Betaetigung die im Hause nicht mehr ausreichend vorhanden ist- Dort das Ringen der Proletarierin nach persoenlicher Freiheit, nur ein wenig fuer die Familie, fuer das Heim taetig sein zu koennen Wir sehen, wenn auch der Ausgangspunkt fuer beide Richtungen der gleiche war, so sind Wege und Ziele fuer beide ganz verschieden Hinza Hizu kommt, dass die buergerl. Frauenbewegung in der buergerlichen Gesellschaft der Gegenwart fest wurzelt, von dieser ihr Heil erwartet, nur in ihren Grenzen wirken will. Das betonen die Fuehrerinnen ja auch bei jeder Gelegenheit ausdruecklich " Die Frauenfrage ist in erster Linie eine Versorgungs- und Ehefrage" sagte in einer Rede Dr phil Kaethe Schirrmacher.( zitiert nach einem Bericht in der LeitDas trifft nun fuer die Arbeiterinnenfrage in keiner stern" Nr 3 1896 • Weise zu, sie ist ein Teil der sozialen Frage, die nur durch eine 30 . . neue Gesellschaft geloest werden kann, in welcher der Frau von Anbeginn vollkommene wirtschaftliche Selbstaendigkeit garantiert ist. Unabhaengig vom Mann und vom Kapitalisten. Die Loesung der " Ehe- und Versorgungsfrage" im Sinne der oben genannten, wuerde in der heutigen Gesellschaft nur immer wieder zur wirtschaftlichen Abhaengigkeit der Frau fuehren Die proletarische Frauenbewegung kann nur festen Boden finden innerhalb der Arbeiterbewegung. Nur gemeinsam mit den maennlichen Arbeitern koennen die Arbeiterinnen ihre Befreiung aus der Macht des Kapitals erringen. Freilich nicht im zusamme hanglosen Einzelkampf, wohl aber durch starke Schutz- und Trutzbuendnisse, in Gewerkschaftsorganisationen. Nur durch diese werden wir in der Lage sein, die naechsten Forderungen durchsetzen zu koennen. Nach den bisherigen Erfahrungen, den Massregelungen, den Verboten und Aufloesungen der Arbeiterinnenvereine, bei der ueberall geuebten Auslegung der Vereinsgesetze gegenueber den Arbeiterinnen, bleibt uns gar keine andere Wahl Aber selbst, wenn es heute den Frauen moeglich waere, Organisationen fuer politische Zwecke zu errichten, oder sich den politischen Vereinen anzuschliessen, waere ihre Zugehoerigkeit zu den Gewerkschaften eine absolute Notwendigkeit. Niedriger Lohn und lange Arbeitszeit fuehren nicht nur zur Herabsetzung der koerperlichen, sondern auch der geistigen Kraefte. Beides aher muessen Arbeiter und Arbeiterinnen besitzen, wenn sie befaehigt sein sollen den Kampf um eine bessere und hoehere Gestaltung der menschlichen Gesellschaft zu fuehren. Şie duerfen nicht warten bis die Gesetzgebung ihnen zu Hilfe kommt. Sie muessen mit aller Energie darauf hinarbeiten, dass sie zu besserer Ernaehrung, zu ausreichenden Wohnungen, zu genuegend freier Zeit kommen, um ihren Koerper pflegen, ihren Geist bilden zu koennen. Dies zu erreichen ist die vornehmste Aufgabe der Gewerkschaften. Deshalb sind sie fuer die Arbeiterinnen, die besonders der Besserung ihrer Lage beduerfen, unentbehrlich. Zwar ist nachgewiesen worden, dass auch den Gewerkschaften ein festes Bestehen durchaus nicht garantiert ist. Aber in ihnen allein werden die Arbeiterinnen einen Schutz und Hort gegen Ausbeutung und Unterdrueckung finden! Vor allem moechten wir nachdruecklich darauf hinweisen dass besondere Frauengewerkschaften nur dort am Platze sind wo es nicht moeglich ist den Anschluss an die bestehendenZentralverbaende zu bewerkstelligen. In diesen aber ist die Moeglichkeit gegeben, die Arbeiterinnen fuer die Bewegung zu erziehen und heranzubilden Der Wert der Teilnahme der Frauen an der gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung ist bis heute noch immer vielfach verkannt oder doch unterschaetzt worden. Obgleich viele Streiks genuegend Gelegenheit boten, Erfahrung und Belehrung zu sammeln. Sind Frauen und Maenner gemeinsam organisiert, werden die Maenner auch energischer die Koalitionsfreiheit der Frauen erkaempfen helfen. Denn nicht nur vom Wortlaut der in den 25 deutschen Vaterlaendern sehr verschiedenen Vereinsgesetze haengt es ab, ob man den Arbeiterinnen das geringe Staatbuergerrecht sich zu koalierenlaesst. Vielfach liegt es nur an der Auslegekunst der zustaendigen Verwaltungsbehoerden, wie die im Teil I. angefuehrten Urteile gegen die Arbeiterinnenvereine beweisen. 31. willkür der. Polizei in München , ( den Gewerkschaften So darf z.B.in Bayern seit einigen Jahren nicht nur keine Arbeiterin den Gewerkschaften angehoeren, weil die Behoerden sonst mit drohen Aufloesung es istden auch der Besuche von oeffentlichen und Volks-Versammlungen unmoeglich gemacht. Anwesende Frauen werden von den die Versammlung ueberwachenden Polizeibeamten hinaus gewiesen oder die Versammlung wird aufgeloest Soweit geht man im Zeitalter des" Fortschritts und der Aufkla@ rung" im viel gepriesenen Deutschland Als ver einigen Jahren die Polizeibehoerde in Muenchen Verbote der Arbeiterinnenversammlungen erliess, wandte man sich beschwerdefuehrend an den Polizei praesidenten, um ihn auf diese- durch das - nicht zu motivierende Handlungsweise aufbayrische Vereinsgesetz merksam zu machen Er gab ohne weiters zu, dass nicht das Gesetz das Hindernis sei, sondern seine persoenliche Meinung." Ich will diese Versammlungen nicht", sagte er. In Nuernberg verhaelt es sich aehnlich. Waehrend der dortige Buergermeister jede Arbeiterinnenversammlung verbietet, ebenso wie jeden Arbeiterinnenverein, ja auch jede Beteiligung von Frauen an Volksversammlungen, haelt derselbe Buergermeister Festreden auf buergerlichen Frauenversammlungen Diese duerfen ungestoert tagen, den Frauenrechtlerinnen wird auch gestattet Vereine zu gruenden, kurz, zu tun und zu lassen was ihnen beliebt dass Und dieselben Frauenrechtlerinnen, die in Berlin betonten, sie gemeinsam mit den Proletarierinnen arbeiten wollen, scheinen dieses zweierlei Mass ganz in der Ordnung zu finden. Sie kommen damit in die angenehme Lage fuer ihre Sache agitieren zu koennen ohne durch die Opposition der Arbeiterinnen gestoert zu werden. oder fuer ihre Halbheiten Kritik fuerchten zu muessen; Sie haben dadurch den Spielraum die Arbeiterin fuer die Hirsch- Dunkerschen Gewerkvereine mit ihren Manchstertheorien einfangen zu koennen " Wenn zweidasselbe tun so ist es nicht dasselbe" und zwar nicht in Bayern allein. Aehnliches koennen wir auch aus jenem Teil Preussens berichten, wo Herr von Benningsen Regierungspraesident gewesen ist. Wir haben allerdings einige Bundesstaaten, in denen auch das weibliche Geschlecht fast ungehinderten Gebrauch von der Koalitionsfreiheit machen kann, auch das Recht hat sich politischen Vereinen anzuschliessen. Das ist der Fall in: den freien Hansastaedten Hamburg, Luebeck und Bremen Luebeck und Bremen sowie auch in Baden Im Koenigreich Sachsen ist durch Ministerialerlass den Frauen der Zusammenschluss gestattet, nur mit der Beschraenkung, dass Ehefrauen weil nach dem Gesetz nicht dipositionsfaehig, nicht Leiter von Vereinen sein koenen auch nicht von Frauenvereinen!!! ร ! Wer ernst und ehrlich die Lage der Arbeiterinnen zu verbessern sucht, wird angesichts der von Jahr zu Jahr steigenden Bedeutung der industriellen Frauenarbeit sicher zu dem Schluss gelangen muessen dass die beste Hilfe im Anschluss an die Gewerkschaften liegt. 32 Schon die amtlichen Berichte der Fabrikinspektoren fuehren uns jedes Jahr zahlenmaessig vor Augen, wie stark das Heer der Arbeiterinnen von Jahr zu Jahr anwaechst, besonders der ueber 21 jaehrigen, zum grossen Teil verheirateten Frauen. Sie sind trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, genau so willige und billige Ausbeutungsobjekte wie die 14jaehrigen Maedchen Die Zahl der Fabrikarbeiterinnen insgesamt, betrug nach dem statistischen Jahrbuch fuer das deutsche Reich: Jahr Maedchen u.14 Maedchen v.14-16 Maedchen v.16-21 Arbeiterin insgesamt. Kinder ueber 21 1892 3913 69322 222,638 346,795 649,668 1893 2181 73265 249,209 367,336 691,991 1894 1577 70324 250,689 383,094 705,684 1895 1658 73981 260,303 403,813 739,755 Nach Gewerbegruppen geordnet 1895: Bergbau, Huttenunter 14 14-16 16-21 ueber 21 insg. u.Salinenwesen, 18 930 6218 9839 17005 Torfgraeberei Industrie der Steine u, Erden 185 4539 13972 23883 42579 Metallverarbeitung 63 5199 14497 17819 37578 Werkzeuge u. Maschinen 848 4590 6473 11937 26 Chemische Industrie 14 1 1 1 1254 4858 6907 -13023-4 Industrie forstw. Nebenprodukte usw 19 464 1682 2230 4395 Textil Industrie 882 34224 121671 202644 359421 Papier u.Leder Holz u Schnitzstoffe Nahrungs/ Genussmittel Bekleidung/ Reinigung Poligraphisches Gewerbe Sonstige Industriezweige 81 5327 18193 24533 48134 一 七一 + 1 1 15 50 1763 5565 9027 16405 210 10682 35145 59501 105538 90 6390 24742 29548 60770 24 2012 8043 9474 19553 6 349 1127 ; 935 3417 34 Nehmen wir nur die Zahlen die in Industrie, Handel und Verkehr fuer die gewerkschaftlichen Organisationen in Betrach kommen, so ergalten wir 1 284 206 Arbeiterinnen, waehrend die Berichte der Fabrikinspektion nur 739 755 ausweisen • Auch hier mag, um einen Vergleich zu ermoeglichen, eine Uebersicht ueber die einzelnen Industriegruppen folgen. Und um die Bedeutung der Frauenarbeit wuerdigen zu koennen, sei auch die Zahl der in den einzelnen Gruppen beschaeftigten Maenner nachgewiesen. Lehrlinge, Hilfsarb. Gesellenf Gehilfen Arbeitgeber Berufsgruppe maennl. weiblich maennl. weiblich 1.Kunst- u Handelsgaertnerei 27307 2351 69329 12870 2. Bergbau, HuttenSalinenwesen u. 6142 228 531684 15981 Torfgraeberei 3. Industrie der Steine u.Erden 4 Metallindustrie 51078 3735 429122 43536 169850 4889 666562 31416 5.Maschinen/ Werkz. Instrumente 102230 2394 260554 10076 Apparate. 6. Chemische Industrie-- 11848 607 67019 14009 7. Forstwirtsch. Nebenprodukte, Leuchtstoffe- 7483 438 29591 3860 Oele, Fette, Firnisse 8.Textilindustrie ----- 157471 92524 356800 350877 9. Papier - 16821 1847 76103 82743 10.Leder - 51274 1596 109786 8414 11.Holz- Schnitzstoffe--- 251749 12473 415387 19891 12. Nahrungs- Genussm.. -298653 20418 499262 111718 13.Bekleidung --449088 363322 317045 246276 14. Reinigung . 37081 81345 35782 52023 15.Baugewerbe - 239305 2354 1139478 12043 16. Poligraph.Gewerbe--- 14676 727 87228 13972 17.Kuenstlerische Betriebe - 10040 1141 16525 886 18. Fabrikanten, Fabrikgesellen/ naeheres - 1378 64 21807 6514 zweifelhaft 19.Handelsgewerbe 20.Versicherungsgew. ------- 597365 176672 338687 109010 --- 19600 160 1578 42 21.Verkehrsgewerbe ---- 105630 11138 525480 9988 22.Beherbergung u. - 220657 60753 99433 173561 Erquickung Summa 2846726 840221 6094201 1284206 33 Kind 4+ beit. Diese Zahlen geben nur ein Bruchteil des Arbeiterinnenheeres Unter den Begriff" Fabrik" fallen nur die Betriebe die ueber 10 Arbeiter beschaeftigen. Und grade in den kleinen Betrieben wird fast ueberall mit Hilfe der weiblichen Arbeiter und der Kinder fabriziert. ! Ein grosser Teil dieser kleinen Betriebe haelt sich nur durch die billigen Arbeitskraefte der Frauen und Kinder aufrecht Ebenso kann" das Kleinmeistertum meistens der Konkurrenz der Fabrikbetriebe nur standhalten, weil seine Arbeitskraefte Lehrlinge u. Frauen sind. Sie werden nicht nur schlechter entlohnt als die maennl. Arbeiter sondern uebernehmen auch williger Ueberstunden uns Sonntagsarbeit. Viele Betriebe gehen XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX XXXXXXXXXX ueber die Zahl von 9 Arbeitern nicht hinaus, nur um nicht unter die Fabrikbetriebe gezaehlt zu werden das heisst, um den Arbeiterschutzbestimmungen zu entgehen , Die Ergebnisse der Berufszaehlung vom Juni 1895 weisen denn auch viel umfassendere Zahlen aus, als die Berichte der Gewerbeinspektion Danach hat die erwerbstaetige weibliche Bevoelkerung seit der letzten Berufszaehlung im Jahre 1882 um 20,60 Prozent zugenommen. Es ist die Zahl der erwerbstaetigen Frauen Deutschlands auf 6 379 942 gestiegen. Davon sind in der Berufsstatistik 1 115 549 als ohne Beruf und Berufsangabe gefuehrt worden Von diesen Arbeiterinnen sind Ehefrauen mit Hauptberuf, d.h. wirtschaftlich selbstaendige 1 046 381 oder 3 Prozent mehr als im Jahre 1882, die Gesamtzahl der Ehefrauen betraegt 8 784 508(???) . Die Gesamtzahl der Arbeiterinnen auf die einzelnen Berufsgruppen verteilt ist wie folgt: Landwirtschaft Industrie---Handel/ Verkehr Wechselnde Lohnarbeit Oeffentlicher 2 753 154 1521 118 579 608 233 865 Dienst und freie 176 684 Berufe XX Als besonders bemerkenswert sei auch die grosse Zahl der erwerbstaetigen Kinder unter 14 Jahren angefuehrt. Es sind taetig: im Hauptberuf 214 954 Kinder. Darunter befinden sich 32 398, unter 12 Jahren Alle unter 14 Jahre alten Kinder sind aber bekanntlich schulpflichtig. Trotzdem ist der Hauptberuf einer so grossen Anzahl XXX Kinder" erwerbstaetige Arbeit! Hier ist zahlenmaessig der Beweis erbracht dass unsere Schulgesetze Halbheiten bleiben muessen, wenn sie nicht auf Kleinhandwerk und Haus industrie ausgedehnt werden. Waehrend im Gewerbeinspektionsbericht die Zahl der in der Industrie taetigen Kinder auf 988 zurueck gegangen ist, weist die Berufszaehlung aus dass in allen Gruppen eine Zunahme der Kinderarbeit konstatiert werden muss.Die meisten sind in der Lanwirtschaft beschaeftigt, der kleinere Teil in allen uebrigen Gewerben. Eine weitaus groessere Zahl ist nebenerwerblich taetig. 34 . Wir finden hier dass in einzelnen Industriezweigen die Zahl der beschaeftigten Frauen die der Maenner nahezu erreicht. So sind in der Textilindustrie neben# 356 800 Maennern neben# 356 800 Maennern 350,877 Frauen, in der Bekleidungsindustrie neben 317 045 Maennern 246 276 Frauen im Handelsgewerbe neben 338 687 Maennern 109 010 beschaeftigt. Ausdruecklich sei bemerkt, dass in den Zahlen der Tabelle wie in den folgenden die Personen, die haeusliche Dienste leisten, nicht mit einbegriffen sind Weibliche Dienende im Hauptberuf wurden gezaehlt: 1 313 954 und weibliche selbstaendige Hausindustrielle 157 002, hinzu kaemen dann noch die im Nebenberuf im Hausdienst, wie in der Hausindustrie Beschaeftigten, ueber deren Zahl vollstaendige Angaben nicht vorhanden sind. Wie gering erscheint nun gegen diese weibliche Arbeitsarmee die kleine Zahl derer, die den an sich allerdings auch noch sehr geringfuegigen Schutz den die Gewerbeordnung bieten soll, geniessen. Deswegen das schon erwaehnte Bestreben vieler Arbeitgeber sich den Bestimmungen der Gewerbeordnung zu entziehen Wo die Zahlen aus den Fabrikinspektorberichten XXXXXXXX scheinbar eine Abnahme der Zahl der Fabrikarbeiterinnen nachweisen, wie bei den Jugendlichen und Kindern, da ist es nur eine Umwandlung der Fabrikarbeiter in Hausindustrielle, wie erst vor kurzem durch die Organisation der Tabakarbeiter nachgewiesen wurde. In dieser Branche, wie in vielen anderen, nimmt seit der Einfuehrung der Arbeiterschutzgesetze die Zahl der Heimarbeiterinnen immer mehr zu. Die Fabrikation wird auf das Land verlegt und zur Hausindustrie, weil guer diese dem Fabrikanten keine Pflichten obliegen, weder eine Versicherungspflicht noch eine amtliche Kontrolle der Arbeitsraume, der Arbeitszeit usw., solange die Hausindustrie den Arbeiterschutzgesetzen nicht untersteht In der Hausindustrie werden auch hauptsaechlich die zarten Kinder bereits in das Arbeitsjoch gespannt und nehmen dadurch koerperliche und geistige Schaeden in das spaetere Leben mit hinueber Koerperlich, indem durch die viel zu fruehe Beschaeftigung zum mindesten ihr Wachstum behindert wird, wenn sie nicht gar verkrueppeln. Geistig, indem sie durch die koerperliche Anstrengung unfaehig werden zu lernen und sich auszubilden . Hier ist ein ganz spezielles Gebiet, wo die Frauen ihre Kraft einsetzen um das gesetzliche Verbot der Hausindustrie zu erreichen. Die organisierte Arbeiterin durch Agitation innerhalb der Organisation, die nicht erwerbstaetige Arbeitsfrau indem sie ueber die schweren Schaden Aufkärung verbreitet in den Kreisen der Mutter. Die Hindernisse, die dem weiteren Ausbau der Arbeitsschutzgesetze entgegen stehen muessen durch die Gewerkschaftsorganisation ueberwunden werden.---- Um aber die Macht des Kapitals brechen zu koennen, dazu bedarf es des festen Zusammenschlusses des gesamten Proletariats. Und ganz speziell der Aufklaerung seines weiblichen Teils. Was nutzt z.B. heute den Arbeiterinnen das Verbot der Nachtarbeit, oder die Bestimmung, dass weibl. Arbeiter nur 11 Stunden beschaeftigt werden duerfen, wenn es Unternehmern moeglich ist in folgender Weise die Bestimmungen zu umgehen: " Eine Druckerei hat ihren beiden Arbeiterinnen auf demselben Grundstueck, auf dem die Fabrikraume gemietet sind, ein Arbeits- und Schlafzimmer eingerichtet und diesen Arbeiterinnen in den sogenannten eigenen Wohnungen Beschaeftigung taeglich bis 1 u.2 Uhr nachts gewaehrt Leider kann gegen diese Ausdehnung der Arbeit aufgrund des Paragrph 137 nicht gesetzlich vorgegangen werden sagt der Aufsichtsbeamte fuer Berlin I Potsdam in seinem Bericht 1894. Und aehnliche Faelle liessen sich viele aufzaehlen Noch ein Fall aus dem 1896- Bericht" In der Schuhindustrie von Pirmasens ist es ueblich, dass die Arbeiterinnen das Fertigmachen der Schuhe zuhause besorgen. Sie besitzen fast alle Steppmaschinen fuer die Heimarbeit. Es wird fuer die Hausarbeit der gleich Stuecklohn gezahlt, wie fuer die Arbeit in der Fabrik" Inwieweit diese Heimarbeit, nach dem Fabrikfeierabend, d.h. nach Beendigung des gesetzlich zulaessigen Arbeitstages" freiwillig" geschieht laesst sich schwer feststellen. In solchen Faellen gilt es bei den Arbeiterinnen als selbstverstaendlich sich" diesem Wunsch" der Fabrikleitung zu fuegen---- oder hinaus zu fliegen. Dass man ueberall mit der Gesetzesunkenntnis der Arbeiterinnen rechnet beweisen nicht nur solche Faelle, sondern auch die Fabrikordnungen solcher Betriebe, die nur Arbeiterinnen beschaeftigen. Eine Bilderfabrik Berlins gibt ihren Arbeiterinnen nach Feierabend regelmessig Arbeit mit. Sie erhalten fuer das ausmalen der Bilder pro Stunde 25 Pfennig. Aber hier traegt die Profitgier des Kapitals nich allein die Schuld sondern auch die Arbeiterin selber. 1. durch Unkenntnis der fuer sie geschaffenen Schutzgesetze und 2. ihre Unkenntnis darueber, wieviel schneller sie durch Ueberarbeit ihre Leistungsfaehigkeit herab mindert und infolgedessen erst recht nicht mehr faehig bleibt, einen Mehrverdienst zu erzielen.( Und der Lohndruck? M.J.) Erst die Durchsetzung 1. der Forderung eines 8stuendigen Arbeitstages fuer alle Arbeiter und 2. gleichen Lohnes fuer gleiche Arbeit, fuer Mann und Frau, wird hier Wandel schaffen. Ein besonderes Intersse haben ferner die 700 000 Arbeiterinnen der deutschen Grossindustrie an der Forderung weiblicher Fabrikinspektoren, rsp. Aufsichtsbeamten. Mancher sittlich-moralische Krebsschaden von dem Arbeiterinnen einer Frau gegenueber offen sprechen wuerden wird vor dem maennlichen Beamten verheimlicht. Sei es aus falschem Schamgefuehl, sei es aus Furcht davor sich vor dem Mann laecherlich zu machen " 9 Da, wo man es fuer notwendig haelt weibliche Beaufsichsichtigung der Fabriksaele einzufuehren, waere es die einfache Folgerung auch weibl. Inspektoren anzustellen Wenn man in Deutschland-von Regierungsseite- behauptet hat, der Erfuellung dieser Forderung stuende entgegen, dass keine Frauen, die mit den notwendigen Kenntnissen ausgeruestet seien, vorhanden sind, so ist das eine unbewiesene Behauptung Unter den 700 000 Arbeiterinnen befinden sich sicher mehr Intelligenzen, als die Regierung zur Besetzung dieser Aemter bedarf. Kann ein Bahnhofsinspektor oder oder ein Assessor sofort das Amt eines Fabrikinspektors antreten, so haben wir die Ueberzeugung, dass eine praktische, tuechtige Arbeiterin mindestens enbensoviel Kenntnisse der Betriebsart und auch der Maschinen mitbringt in diesen Beruf.Die weiter notwendigen theoretischen und Schulkenntnisse wuerde sie,-falls sie ihr fehlen--- sich schnell und leicht aneigneb koennen. Ebenso wie jene Herren, sich erst jede praktische Kenntnis erwerben muessen. Und waere der Zweifel der Regierungsvertreter an dem Wissen und Koennen der Frauen und speziell der Arbeiterinnen berechtigt, so ist das ein schlimmes Zeichen fuer die Herren Kritiker, die es doch unterlassen haben, fuer Schulbildung und Aufklaerung XXXXXXXXX einzutreten, wie es ihre Pflicht gewesen waere. Jede Gewerkschaftsorganisation sollte es sich angelegen sein lassen inte eligente Arbeiterinnen heranzuziehen, die imstande sind ihren Mitarbeiterinnen ueber die Gewerbeordnung und deren Anwendung Auskunft geben zu koennen. Solange die Regierung nicht zu bewegen ist den Rufen der Arbeiterinnen Gehoer zu geben, liesse sich durch und mit den Organisationen eine Art privater Aufsicht durchfuehren. Misstaende, denen die weibliche Vertrauensperson begegnet muessten dann durch die Organisation den Aufsichtsbeamten unverzueglich gemeldet werden Hier wuerde dann gleich praktisch erprobt ob in der Tat den Arbeiterinnen die notwendige Ausbildung fehlt oder ob diese nicht am Ende fuer praktische Arbeit brauchbarer sien als mancher Bureaukrat. Die Arbeitsaufgaben der Organisation fuer und mit den Arbeiterinnen sind so zahlreich, dass wir hier nur die hauptsaechlichsten anfuehren koennen Eine ist auch die endliche Erwerbung des passiven und aktiven Wahlrechtes zu den Gewerbeschiedsgerichten. Aus dem ersten Teil dieser Broschuere geht ja hervor, dass dies bereits 1885 von den Arbeiterinnen gefordert wurde. Gerade in den letzten Jahren hat die Bedeutung und Ausbreitung der Gewerbeschiedsgerichte sehr zugenommen. Sie sind in den Industriezentren ein wichtiger Rechtsfaktor fuer die Arbeiter geworden Waehrendaber die maennlichen Arbeiter ihre Fachvertreter selber waehlen duerfen, besteht fuer die Arbeiterinnen noch der alte rechtlose Zustand, dass sie weder wahlberechtigt sind, noch durch weibliche Fachleute vertreten werden koennen. Es mutet uns beinahe komisch an, wenn wir lesen, dass die Arbeit einer Putzmacherin oder einer Waescherin bei Lohnstreitigkeiten von einem Juristen beurteilt werden soll. Jeder Arbeiter wird einsehen, dass er hier miteinstehen muss, um den Arbeiterinnen zu ihrem Recht zu verhelfen, wenn diese durch die Organisation ihre Forderung wieder XXXXXXXXXXXX aufgestellt wissen wollen. Ferner beduerfen die Arbeiterinnen dringend einer kraftvollen Vereinigung, um gegenueber der allerschlimmsten Ausbeutung und unwuerdigen Behandlung einen Rueckhalt zu haben. Wo und bei wem ko ennen sie sonst wohl Schutz dagegen suchen? Der landlaeufigen Anschauung entspricht vollkommen, was in einer Gerichtsverhandlung Justizrat von Simson sagten als durch einen Arbeiter nachgewiesen wurde, dass in einer Patronenrahmenfabrik die Werkmeister geschlechtl, Mussbrauch mit Arbeiterinnen triben:" Die Arbeiterinnen pflegen- von Ausnahmen abgesehen- ja keine Vestalinnen zu sein. 11 Wer sind diejenigen, die die sentimentalen Arbeiterinnen verlachen, wollten sie Priesterinnen der Keuschheit XXXX bleiben und dabei hungern? Wer sind diejenigen, die es selbstversta endlich finden, dass die Arbeiterin, wie das Dienstmaedchen, mit ihrer Arbeitskraft dem Brotgeber auch f ihren Leib verkauft? Es sind jene Herren, die das Weib nur als Lust- oder Arbeitstier ansehen, nicht aber als gleichberechtigten Menschen, dieselben, die dann ueber die Morallosigkeite der Arbeiterin die Achsel zucken. Sie vergessen es vollkommen, dass sie selber einen guten Teil der Schuld XXXXXX an diesen Verhaeltnissen tragen uns sei es nur mittelbar durch die Hungerloehne die die den Arbeiterinnen zahlen, die die Aemsten moralisch zwingen, dem traurugsten Gewerbe nachzugenen. Hier kann vorlaeufig die gemeinsame Organisation Abhilfe schaffen- dadurch dass solche Arbeit- geber an den Pranger der oeffentlichkeit gestellt werden Jeh mehr Arbeiterinnen der Organisation angehoeren, desto mehr wird die falsche Scham der einzelnen fortfallen, die sie schweigen laesst, wo sie reden muessted: Sind wir nun angesichts des ununterbrochenen Kampfes im letzten Jahrzehnt immer fester ueberzeugt worden, dass die Arbeiterinnen zur Erreichung ihrer Forderungen der Organisation beduerfen so werden wir diesem Ziel unberirrt zustreben und mit allen Kraeften daduer wirken Sollte man uns den jetzt eingeschlagenen Weg versperren so werden wir einen anderen finden, der sich gangbar erweist Alle jenen Frauen aber, die der Industrie nicht tributpflichtig sind, moegen es als ihre Aufgabe betrachten, ihre Kraft in den Dienst der Organisation zu stellen. Sie muessen bei den Arbeiterrinnen die Einsicht wecken, dass sie nur in einer zahlreichen und dadurch maechtigen Verbindung die Faehigkeit erlangen, ihre Sache erfolgreich durchzukaempfen. Noch immer ist der maennliche Teil der Arbeiter gern geneigt die schlechter geloehnte Arbeiterin nicht als Kollegin, als vollwertige Kampfgenossin anzusehen. Hier hat wieder die Organisation zu wirken, damit der veraltete Zopf faellt. Bei Lohnkaempfen duerfte es sich sehr oft herausstellen, dass das Unternehmertum die Arbeiterin wohl als vollwertige Kraft ansieht. Dass es die Arbeiter durch Arbeiterinnen ersetzt und zu spaet duerfte es dann den Arbeitern auch einleuchten. Erfreulich ist es, und ein gutes Zeichen der Zeit, dass man nun von allen Seiten daran geht ausreichenden Schutz fuer Arbeiter und zu dessen Erreichung die Vereinsfreiheit fuer die Arbeiter zu fordern. Der im Sommer in Zuerich abgehaltene Internationale Kongress fuer Arbeiterschutz( 1897) hat es bestens bewiesen. Hieran hatten sich Maenner und Frauen aller politischen Richtungen und Staende beteiligt. Nur die Schweiz hatte aber auch Vertreter der Behoerden entsandt Zur Besprechung kamen die Fragen der Sonntagsarbeit, die Arbeit der Kinder und jungen Menschen, die Arbeit der Frauen die Arbeit erwachsener Maenner, die Nachtarbeit und die Arbeit in gesundheitsgefaehrdenden Betrieben, ebenso, Mittel zur Verwirklichung des Arbeitsschutzes Da unsere Besprechung vornehmlich den Arbeiterinnen gilt, griefen wir hier jene Punkte heraus jene Punkte heraus, die der Besprechung der Kinder- unf Frauenarbeit gewidmet waren. Es ist begreiflich, dass bei einem Kongress, der aus den verschiedensten Elementen zusammen gesetzt war auch die Meinungen ueber diese Fragen sehr weit auseinander gingen. Besonders war das der FX Fall bei der Behandlung der Frauenarbeit. Bezueglich der Sonntagsarbeit fordete der Kongress ein direktes Verbot fuer alle Arbeiterkaterogien. Uebertretungen des Verbots sollen streng bestraft werden. Zulaessige Ausnahmen vom Verbot sollen im Gesetz genau bezeichnet werden Es soll der Sonntag, so sagte der Referent, der Sonnentag fuer alle Arbeiter werden. Gaenzlich zu verbieten sei auch die Arbeit der Kinder unter 15 Jahren.Bis dahin haben alle Kinder die Schule zu besuchen. Jugendliche Personen duerfen nur 8 Stunden beschaeftigt werden. Nach 4stuendiger Arbeit soll eine Ruhepause von 1,1/ 2 Stunden eintreten Es soll ihnen waehrend der Arbeitszeit der Besuch von Fortbildungsschulen ermoeglicht werden. Jede Feiertags- und Sonntagsarbeit ist fuer Jugendliche unzulaessig. Als Frauenarbeitsschutz wurde von christlich- sozialer Seite das Verbot grossindustrieller Frauenarbeit verlangt Es sei eine " VERFEHLUNG gegen das NATURGESETZ" die Frau anders taetig sein zu lasseb, als im Hause" zur Erhaltung der Familie". Verbot also der Frauenarbeit in Bergwerken Steibruechen und Fabriken. Diese Forderung wurde mit grosser Mehrheit abgelehnt Mit dem Nachweis, dass der Redner faelschlicherweise annehme, die in jenen Betrieben hervortretenden Misstaende seien Begleiterscheinungen der Frauenarbeit ueberhaupt. Sie seien dagegen nur Begleiterscheinungen der kapitalistischen Produktion, der ungehemmten Ausbeutungsfreiheit Als Frauenschutz wurde gefordert: ein 8stuendiger Arbeitstag oder 44 Stunden pro Woche fuer alle Arbeiterinnen und weibliche Angestellte. Sonnabends soll die Arbeit mittags 12 Uhr enden, sodass die huhepause bis Montag frueh mindestens 42 Stunden betraegt Verbot der nach Feierabend zu Hause fortgesetzten Arbeit. Woechnerinnen sollen im Ganzen 8 Wochen, nach der Niederkunft wenigstens 6 Wochen nicht beschaeftigt werden. Staat und Gemeinde sollen fuer diese Zeit zur Unterhaltung verpflichtet werden. Die Entschaedigung soll nicht niedriger sein als der verdiente Lohn Fuer Landarbeiter und Dienstboten sollen keine Ausnahmen von den Schutzgesetzen bestehen.Es soll gelten, was fuer die Industriearbeiter gesetzlich ist. Nachtarbeit soll zwischen 8 Uhr abends und 6 Uhr morgens fuer alle Arbeitenden verboten sein. Wo Nachtarbeit aber erforderlich ist, soll dreimaliger Schichtwechsel, Sonntags aber viermaliger vorgesehen werden. Gegenueber der schaedlichen Hausindustrie fuer moeglichst baldige Einschraenkung ein, erkennend, dass deren gaenzliche Beseitigung dringend notwendig sei. Ein naechster Kongress muesse ueber die haenzliche Abschaffung beraten Zur Verwirklichung der Beschluesse und zur Durchfuehrung des Arbeiterschutzes muesse verlangt werden: Umfassende Gewerbeinspektion auch fuer die Hausindustrie, Handwerk und Landwirtschaft. Vor allem weibliche Fabrikinspektoren. Freies Koalitionsrecht fuer Arbeiter und Arbeiterinnen. Anerkennung aller Arbeiterkammern, die gewaehlt wurden um die Ausfuehrung des Arbeitsschutzes zu ueberwachen. Anerkennung der Arbeiterkammern und Sekretariate, der Gewerkschaften und ihres Aufsichtsrechtes. Die Verletzung des Koalitionsrechtes ist strafbar. Obige Vorschlaege und Forderungen sind zweifellos von hoechster Wichtigkeit fuer uns. Sie stimmen in der Hauptsache vollkommen mit dem ueberein was von den Gewerkschaften laengst als notwendig fuer die Arbeiter gefordert wird. Die Durchfuehrung- davon duerfen wir ueberzeugt sein-- wird auf sich warten. lassen, bis die Gewerkschaften eine so grosse Staerke erreicht haben, dass sie eine Macht repraesentieren. Wie ist es heute um diese Macht bestellt? Name der Organisation Mitglieder mannl. webl. 1.Buchbinder 3.Gold- u.Silberarb. 2. Fabrik- u.Hilfsarb. 4.Holzarbeiter- Verband 5.Holzarbeiter( Hilfsarb)--- 872 zusammen 4556 -9798 -1210 -38066 1465 --6021 # 1 1449 -11247 210 1420 . 589: -38647 1 873 --2761 222 --2983 332 -3553 1 1 1 1 364 --5268 1582 41095 302 8109 2 2286 1 8349 3601 --11950 11226 700 16145 1429 911 15222 25 • 3000 11926 -17574 -- 936 - 182226.Handschuhmacher 7.Hutmacher 8.Lithographen 9.Metallarbeiter 10. Porzellanarbeiter Sattler und Tapezierer 12.Schneider -3021 -4904 -39513 - 7807 - 2984 13.Schuhmacher 14.Textilarbeiter 15.Vergolder- 16.Tabakarbeiter Mit Angabe dieser Zahlen ist zugleich uebersichtlich, was uns noch zu tun uebrig bleibt. Wir haben alle Krafte einzusetzen, damit endlich die Arbeiterinnen in ihrem eigensten Interesse den Organisati- onen zugefuehrt werden. Diesem Ziele muss unsere naechste Aufklaerungsarbeit XXXXXXX dienen. Aber nicht nur auf die Staerkung der angefuehrten schwachen Organisationen haben wir unser Augenmerk zu richten sondern erst recht auf jene Branchen, die noch gar keine organisier ten Arbeiterinnen aufweisen Also vorwaerts zum Kampf ihr Frauen Kampf allen feindlichen Maechten. Denen, die den Frauen das Koalitions- und Versammlungsrecht XXXXX nehmen wollen und jenen, die jeglichen Arbeiterschutz illusorisch machen wollen, sowie jenen, die den Ausbau der Arbeiterschutzgesetze hindern wollen In erster Linie aber Kampf dem Indifferentismus, der geistigen Traegheit, der Mutlosigkeit in den eigenen Reihen Euch den Gewerkschaften an, deren kraftvolles Anwachsen ist das sicherste Bollwerk gegen jede Beschneidung des Koalitionsrechtes, ein lebendiger Protest/ gegen jede derartige Einsch raenkung./ der Arbeitermasse/ Schliesst Befreiung vom Kapitaljoch. Ausreichender Schutz der Arbeiter kann und wird in der Hauptsache das Werk der aufgeklaerten Arbeiter und Arbeiterinnen sein. Sie werden die Gewerkschaftsorganisationen zur Macht ausbauen. Der vereinigten Kapitalmacht muss das grosse organi- sierte Arbeiterheer gegenueber stehen. So nur duerfen wir hoffen das Proletariat im Kampfe Sieger bleiben wird. , dass wenchen Darum gilt fuer Euch alle einzutreten fuer eine zielbewusste Arbeiterinnenbewegung, die gaenzlich frei ist von buergerlicher Beeinflussung, die nur verwaessern koennte. Aber nicht in heimlicher, aengstlicher Stille darf die Arbeiterinnenbewegung vegetieren. Stark und ihrer Kraft bewusst soll sie vertreten Frei und offen soll sie sich am кxx Emanzipationskampf der Arbeiterklasse beteiligen. Auch fuer die XXXXXXXXXX Proletarierin gilt die Parale: hie Arbeit, hie Kapital! Ihr Schwestern in der Arbeit Heere Vernehmt auch ihr den Ruf der Zeit Uns drueckt dasselbe Los das schwere Das laengst die Maenner rief zum Streit. Sprecht nicht vom" Schwaecheren Geschlechte" Sind wir zur Arbeit stark genung, Sind wir auch stark fuer unsre Rechte Uns einzureihn dem Kaempferzug. Gemeinsam werden wir bezwingen Das Elend, das in Bann uns schlaegt Der Menschheit Gueter zu erringen All dem, das Menschenantlitz traegt:- 919 II