Marie Juchacz Amerika 48 16. HAUPTAUSSCHUSS FÜR Herrn Fritzmichael Röhl München 9. ARBEITER- WOHLFAHRT AD ( 20 a) HANNOVER, DEN 4. Januar 1949 FRIEDRICHSTRASSE 15 Le/ Jl. FERNSPRECHER 20477 Neue Anschrift: Kümmelstr. 4 Fernspr.: 8 24 80 .8 24 89 Haselburgstraße 6 • Lieber Fritz Röhl! Vermutlich haben Sie genauso wie ich die Nachricht bekommen, daß Marie Juchacz am 20. Januar den Frachter Raphael Semmes benutzt und wahrscheinlich um den 30. herum in Bremen oder Hamburg eintreffen wird. Ich habe alles veranlaßt, um rechtzeitig zu erfahren, in welchem Hafen das Schiff einlaufen wird und ich übernehme die Abholung und die gute Weiterbeförderung. Vom Hafen aus werde ich Ihnen das hoffentlich gute Eintreffen von Marie telegrafisch bestätigen. Es wird für Marie bis zur Abfahrt noch viel Arbeit geben und ganz sicher ist die Trennung von dem Gastland und der Schritt in eine ja doch ungewisse Zukunft für sie keine ganz leichte Entscheidung gewesen. Aber wir werden es mit vereinten Kräften sicher schaffen, ihr das Einleben in die veränderten Verhältnisse so sehr wie möglich zu erleichtern und im übrigen ist sie ja ein Mensch, der sich über das Leben keine Illusionen macht und sie weiß, was sie auf sich genommen hat. Ich habe heute ein Rundschreiben an die Bezirksausschüsse für Arbeiter- Wohlfahrt geschickt und die bevorstehende Ankunft von Marie angekündigt. Dieses Rundschreiben wird sicher viel Freude auslösen und wollen wir nur hoffen, daß alles gut geht. Inzwischen bin ich mit herzlichen Grüßen Um Lole Lake fuer Lotte Lemke Hannover Copie, nur zur Information und zum Wegwerfen. Liebe Lotte, den 5.Jan.1949 meine Reise wird nicht mehr aufgeschoben, ich fahre am 20., obgleich ich nicht fertig werde. Kleider und Waesche werden unge flickt und ungebuegelt in die Koffer gepackt.( Meine Schwiegertochter werde ich bitten muessen, fuer mich eine Hausschneiderin zu bestellen, wenn ich dort bin, aber nicht sofort, Wiedersehen und Aussprachen sind wichtiger.) Papiere koennen nicht restlos geordnet werden, es verging genugend Zeit mit dem aussortieren, die Ordnung mache ich mir dort, wo ich mein Arbeitsplaetzchen bekomme.--- Die Organisation hier lasse ich in" schwebendem" Zustand zurueck, immer mehr verknüpfen sich die Probleme von hier mit denen von drueben, Emil sagte mir heute, er saehe mich nach einem Vierteljahr im Geiste schon wieder einmal( fuer vorue bergehend) abdampfen.--- Meine Abschiedsversammlung liegt hinter mir, alle Tage kommt Besuch, entweder fuer Emil, oder fuer mich oder fuer uns beide, das Felephon geht ununterbrochen, Gäste bleiben zum lunch, zum Kaffee oder Abendessen, Kaethe muss noch arbeiten gehen, fast solange, als ich nade drücken noch hier bin.Wenn einer der maennlichen Freund abzieht, macht ihm die Frau sein persoenliches Gepaeck tadellos zurecht und besorgt noch die notwendigen Gaenge, er kann fuer seine Papiergeschichten sorgen usw, usw. Das Ganze ist nur ein Stossseufzer, aber ich werde zufrieden sein, wenn ich mich auf dem Kahn ausstrecken kann und mal nicht zu denken und zu handeln brauche. Ich werde ziemlich schweres Gepaeck mit mir haben, und freue mich auf das Wiedersehen. mehr schreiben kann. Bitte Gruss an Herta, der ich nicht Herzlichst Deine Marie Frau Lotto Lenke, Hauptuusschuss für A, Hannover, Kummelstracne 4/ III. Frau Horta Gotthelf, Frauenbiiro der SPD Hannover, Odeonstrasse 15/16. Liebe Lotte Lemke, liebe Horta Cotthelf, 29.11. 43. nicht nur wir Kinder( Lotte, Paul und ich), bekompon ihre grouse Mutti, sondern viele Freunde ihre Marie Juchacz wieder. mil Kirschmann wird etwas später mit Käthe Fay folgen. Unsere grosse Mutti wird einstweilen en besten bei ihrem Sohn Paul auf dem Nettogut untergebracht soin. Sie brachte das selbst zum Ausdruck. Dort kann sie auch in den Turnus, der ihren eigenen nechien entspricht, alles das, was auf ie einat rzen wird, sondiert on sich herankommen lasson. Lurch Lotte Lemke werden wir von der erfolgten Abreise und den Daten( Zeit und Ort) der Ankunft Kenntnis erhalten. Am liebsten würde ich mich in meinen kleinen Wagen setzen, von inchon nach Homburg bzw. Bremen fahren, die grouse Mutti in upfang nehmen und auf direkten Weg zu Paul nach eisenthurm fahren. Das ist im Augenolick für mich eine Frage des Benzins und des Geldes. Ich nehme an, dass man in Hannover ebenfalls bereits berlegungen anstellt. Am besten wäre es, wenn man sich möglichst schnell in Gedenken begegnen wirde, d.h. brieflich sich informieren y rde, wie alles om besten im Sinne von Marie Juchnoz gehandhabt wird. Das soll ein erster Schritt soin. enn auch kurz und bindig, so coch nicht weniger herzlich, als as meine kleine Mutti, Elisabeth Kirschmann- Roehl, empfunden hätte, wenn sie diesen Tag noch erlebt hatte, mit allen guten Grissen, Ihr HAUPTAUSSCHUSS FÜR ARBEITER- WOHLFAHRT Herrn Fritzmichael Röhl München 9 Haselburgstraße 6 10. Dezember 1948 Le/ Jl. ( 20 a) HANNOVER, DEN FRIEDRICHSTRASSE 15FERNSPRECHER 20477 Neue Anschrift: Kümmelstr. 4 Fermspr.: 8 24 80 8 24 89 Lieber Fritz Röhl! Herzlichen Dank für Ihren Brief vom 29. November, aus dem Ihre ganze Freude und ungeduldige Erwartung spricht. Ja, wir alle freuen uns sehr, daß Marie Juchacz nun wieder nach Deutschland zurückkommt und ich denke, ihr Leben wird sich hier so gestalten, daß sie es niemals zu bereuen wird haben, daß sie diesen Entschluß gefaßt hat. Ich kann es verstehen, daß es Sie drängt, Marie in Bremen in Empfang zu nehmen und sie mit Ihrem Wägelchen nach Weissenthurm zu fahren, aber ich glaube, daß es vielleicht doch am besten ist, Sie nehmen diese Strapaze, die ja auch sehr teuer ist, nicht erst auf sich, sondern überlassen es uns, Marie in Bremen zu empfangen und sie auf eine möglichst kraftsparende Weise zu Paul zu fahren, wo Sie sie ja bald wiedersehen werden. Paul Juchacz hat mich sehr freundlich eingeladen, ein paar Tage mit Maire Juchacz zusammen auf dem Nette- Gut zu verbringen. Darüber freue ich mich sehr. Vielleicht ergibt sich da auch die Möglichkeit, daß wir uns nach so vielen Jahren wiedersehen können. Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen für das Weihnachtsfest und das neue Jahr Thre holle hewild . SOZIALDEMOKRATISCHE PARTEI DEUTSCHLANDS DER PARTEIVORSTAND Herrn Fritz Roehl München Haselburgstr. 6 9 HANNOVER, den 6.12.1948 Go/ Bn. ODEONSTRASSE 15/16 FERNRUF 246 46-49 Lieber Fritz! Schönen Dank für Ihren Brief an Lotte Lemke und mich. Lotte und ich sind der Meinung, dass es wegen der Benzin- Ersparnins besser ist, wenn wir Marie in Bremen oder Hamburg abholen und sie dann von Hamburg aus zu ihrem Sohn bringen lassen. Von München nach dem Rheinland ist es dann sicher nicht ganz so weit wie die Reise durch ganz Deutschland. Wir hoffen sehr, dass die Sache mit der Abreise zu den angegebenen Daten klappt. Inzwischen ist nämlich ein Rückwanderer aus Amerika hier angekommen, Dr. Glaser aus New York, und er sagte uns, die Tatsache, dass der Schiffsplatz für einen bestimmten Tag belegt ist, bedeutet noch nicht, dass auch die Papiere bis zu diesem Datum fertig sind. Auf alle Fälle hoffen wir, dass die Sache sich denn doch nicht zu lange noch hinauszögern wird. Ich kann mir denken, dass Sie sich freuen, Marie nach all diesen Jahren wiederzusehen und wie Marie sich freut, Sie alle hier wiederzufinden. Sie haben Recht, Ihre Mutter würde die grösste Freude gehabt haben, und wir denken oft daran, wie schade es ist, dass sie jetzt nicht bei uns sein kann, denn Frauen wie sie, fehlen uns doch an allen Ecken. Wenn wir genau wissen, wann Marie hier ist, geben wir Ihnen rechtzeitig Bescheid. Mit freundlichen Grüssen und guten Wünschen, auch für ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr! Hersa fosshelf ( Herta Gottehelf) Postscheck: 941 27 Hannover, Alfred Nau und Herbert Kriedemann/ Bank: 53142 Niederdeutsche Bankgesellschaft, Hannover, Alfred Nau den 5.Dezember 1949 Mein lieber Fritz, liebste Maria, ich hoffe es geht Euch gut.Es bleibt bei der Abfahrt am 20. Jan. 30.ungefaehr in Bremen oder Hamburg. Ich werde viel Gepaeck von ziemlichem Gewicht bei mir haben.Fuer Dein leichtes Waegelchen, lieber Fritz zu viel, wenn es auch kein Reichtum ist, den ich mir aus diesem Land mitnehmen kann, so wiegen doch die notwendigen Dinge des taeglichen Lebens auch schon was. Wie sonst meine Situation ist, siehst Du auch, seht Ihr auch aus dem beiliegenden Durschlag eines Briefes an L.L., den ich( Zeitersparnis)* x*******@*** mit Durchschlaegen schreibe. Please keep this enclosed printed matter, we will talk about this and Mr Seeger, when I am overthere and we have time an leisure too. Gutes Eure gr.Mutti dose t .ntee us Tell asb Jntedoe sosdog et nov anat needs us tied adsa neno- umat 27.12.48. oded dol ata. Frau Lotte Lemkem dotIntedoadow Buide. ds de dolm nanba Hauptausschuss für AWded sieg zerfonam dota bitw aideb Kümmelstrasse 4. IISUT mte: egerlenis tiednagels Isasib ted Hannover nonstey eats fixed at futbol tad rob 87 eb reflejaoga als) alfred nov pub als b Liebe Lotte Lemke, reef sau stidsste ebrwdog as abvielen- herzlichen Dank für Ihre schnelle Antwert vom lo. Dezem e ber. Jud dolo aindo@ beniem doim now needs -göm asb Ich glaube, dass sich Marie Juchacz nicht zuletzt deshalb entschlossen hat, wieder nach Deutschland zu kommen, weil ich ihr vor einem halben Jahr als dieses Thema angeschnitten wurde ausredetę Deved erst einmal besuchsweise kommen und die Lage in Augenschein nehmen zu wollen. Wilhelm Sollmann sagte ich, bevor er zurückfuhr, dasOselbe: selbe: entschliessen, einpacken, abfahren. Schön, dass es jetzt so weit ist. asdoem ILovonta tiedxA 01 200% neil SID १ Da Marie Juchacz ja ein" öffentlicher" Mensch ist, freue ich mich, dass Sie und Herta Gotthelf nicht nur privat, sondern wohl in erster Linie als AW den Empfang bestreiten. Unsere grosse Mutti meinte in einem ihrer letzten Briefe, dass Sie sich gerne zuerst einmal mit Ihnen in aller Ruhe unterhalten möchte. Auf Grund der Einladung von Paul Juchacz scheint das klar zu sein. Ich habe in den ersten Januar- Wochen sehr heftig zu arbeiten, kann mich aber ab 7. Februar wahrscheinlich mit meiner Frau lösen. Bis dahin wird sich manches geklärt haben. Vielleicht sehen wir uns dann. Bei dieser Gelegenheit eine Frage: ein früherer Bekannter meiner Frau, der beim Rundfunk in Berlin eine verantwortliche Stellung hatte und 1933 als Jude von Berlin( als Angestellter des Rundfunks!) nach Paris geschickt wurde, erzählte uns 1937 in Paris, dass er jemandem behilflich gewesen sei, die ersten schweren 33er Nazi- Tagetoder Wochen zu überstehen. Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, nannse er Ihren Namen. Der Bekannte meiner Frau heisst Arnolda Haased- Kann das mög zov lich sein? meamox us baidatured dosa rebels exãoIdoa XOV tebex Mit meinen Weihnachtswünschen komme ich etwas spät, aber zum neuen Home Jahr wünsche ich Ihnen, der AW und allen Menschen die endliche Beloh-asb, nung für den Kampf um die Würde des Daseins, mag die Belohnung auch 08 snur darin bestehen; dass man endlich alle Voraussetzungen schafft, d unsere Arbeit sinnvoll machen. I dola noi susrl Jat doene" rendolinello" nie st xosdouteITBM 80 -10 at Idow rebaoe Jeving on doin Ihr to streH bnu sta aasb -tem to eaaorg exsaU.moterraed gastqm mob WA els simil reta Ismmts taxes en dota eta asb.steinstate ridt monto mt et jubsIntreb br0 INA.adoom metade su elle at endI tim Fritzmichael Roehl- München 9- Harlaching- Haselburgstrasse 6 Tel. 40 857. Liebe grosse Mutti, liebes Käthchen, lieber Emil. 36 Es ist nicht leicht, ganz schnell und kurz alles zu sagen, was man vielleicht sagen könnte, oder musste, oder möchte, nachdem der Brief von grosse Mutti mit dem Zettel für die drei Kinder" und der herrlichen amtlichen" Mitteilung" ankam. Auf jeden Fall: es wäre jetzt so weit, und das durfte wohl der letzte Brief sein, der hinübergeht an die grosse Mutti. Da wir nicht wissen, wann Emil und Käthe nachkommen, werden wir, an Euch beide Letztgenannte wohl noch schreiben, denn einige Wochen werden darüber noch vergehen. Paul hat. als Erster Stellung genommen und veranlasst durch ein brieflos von mir an ihn geschicktes kleines Zuckerpaket- geschrieben, dass er die Sache organisatorisch in die Hand nehmen wird. Er wird wenn es so weit ist mitteilen, wann Maria und ich bei ihm erscheinen können. 012 Ich stelle mir die ganze Sache so vor, dass Du, grosse Mutti, durch Lotte Lemke" hineingeschleust" wirst. Sie erhält das endgültige Telegramm und wird- so hoffe ich alles veranlassen, damit Du auf dem besten Weg von Bremen oder Hamburg über Hannover zu Paul kommst Wir werden alle- wie Du es gewünscht hast von Lotte Lemke uber Deine Ankunft verständigt werden. Sobald Du bei Paul gelandet bist, arrangiert sich alles andere von selbst, denn jetzt- nach der Währungs reform- bin ich nicht mehr ganz so sehr mein freier Herr wie vorher, weil ich hinter der rar gewordenen D- Mark her sein muss. Und wenn wir uns sehen, soll das ja nicht für fünf Minuten assein, sondern wir wollen dán n ja etwas voneinander haben. Ich bin inzwischen Mitarbeiter der Fachzeitschrift" DER neue FILM' geworden, die ich jetzt bereits fast alleine zusammenstelle. Es ist zwar nur ein Film- Fachorgan, spielt aber eben in Filmkreisen die entscheidende Rolle, und ist deshalb für mich sehr wichtig, ohne dass es bereits die letzte Etappe ist. Von letzter Stufe kann man heutzutage. nicht mehr sprechen. Morgen bietet sich etwas anderes besseres, einträchtigeres, was trotzdem der eigenen geistigen Orien tierung entspricht, und dann sattelt man halt um. Wir- Maria und ich sind darin gottlob sehr praktisch veranlagt, um nicht zu sagen:" amerikanisch" veranlagt. Maria hat für einen Film die Kostumberatung gemacht, zwischendurch Wände bemalt, malt jetzt in einer amerikanischen Schule Aufenthalts- und Speiseraum aus, soll im Januar oder Februar wieder bei einem Film mitarbeiten, mein Herausgeber und ich bereiten ganz langsam und intensiv eine Publikums- Zeitschrift mit grosser Auflage vor, Das Film- Studio".- und wenn das nichts werden sollte, gebe ich vielleicht doch endlich meine eigene internationale Kunst- Zeitschrift" da capo" heraus, die xxk schon jetzt ohne jemals erschienen zu sein in sämtlichen internationalen Katalogen verzeichnet ist. Ein Verleger interessiert sich dafür, der auch die Anfangs- Finanzie rung machen wurde( und das ist sehr wichtig!).- Die Politik ist nac wie vor mein stilles Steckenpferd am Rande, ich beobachte die inner deutsche und internationale Entwicklung trotz beruflicher Inanspruc nahme sehr aufmerksam, glaube auch, eine gute eigene Meinung zu haben, und lasse es einstweilen dabei bewenden. Vielleicht hätte man mich von Anfang an gut gebrauchen können, vielleicht hätte ich nicht nur etwas geleistet, sondern heute eine Funktion, die mir manche gegenwärtige, materiell- begründete Ueberlegung und Komplikation ersparen wurde. Trotz allem bin ich mit meiner eigenen Entwicklung schon deshalb zufrieden, weil ich mich geistig, körperlich und auch gesellschaftlich wohl fühle in dieser Athmosphäre. Und zum Schluss- wie das zu sein pflegt das Wichtigste: KäthTechen schrieb uns einmal, dass wir sie doch garnicht kennen, und ihr doch per" Du" schreiben und sie als" eine von uns" akzeptieren. Wer mit Euch hinüberging in die Staaten und was jeder Brief und jedes Paket von Euch ausdrückte zu Buch gehört, gehört auch zu uns. So sprang zwangsläufig der Funke über, und wir sind mit der Entwicklung der Dinge durchaus einverstanden. Hier die einen Glückwunsch zu formulieren in der Art:" Zur.... erlauben sich, herzlichst zu gratulieren..." wäre mehr als billig. Wir haben wunschgemäss äusserlich davon Notiz genommen und wollen es jetzt auch nicht an die grosse Glocke hängen mit schwülstigen Worten. Dazu sind die Zeiten viel zu nüchtern. Wir nehmen an, dass Emil und Käthe inzwischen im angekündigten Sinn ihre Freunddogschaft besiegelt haben, und wenn auch Ihr beide herüberkommt, 180 werdet Ihr Emil und Käthe sein wie zuvor. Ich bin dann papiermässig ein mit vielen Müttern gesegneter erwachsener Sohn, ausser Japon der kleinen Mutti, die" wir von der Familie" in uns und mit uns herum tragen und die auch in den letzten 18 Jahren für mich in irgend einer Form immer noch" da" war, habe ich eine reizende Te Schwiegermutter, habe im Januar meine grosse Mutti, und wahrscheinlich ab Februar die neue Käthe, auf die ich mich schon jetzt freue. car Und Du, Emil, bist 60 Jahre alt geworden. Der Brief kommt etwas sehr spät, aber das ändert nichts an der Tatsache, und auch nicht an der Herzlichkeit, mit der Maria und ich Dir gratulieren. Weil Jared Du ihn nämlich feiern konntest, nachdem Du wieder gesund geworden bist. Wahrscheinlich nicht nur gesund, sondern auch jung, denn eno Euer Entschluss auch wenn er unter dem Rubrum der besiegelten Freundschaft geführt wird setzt trotzdem eine Jugend voraus, pedie älter gewordene Menschen nicht oft mehr haben. Um so schoener net für uns alle. Wa Maria und ich haben an jeden von Euch einen Umschlag mit handkoolorierten Heften von" Old Munich" von Maria geschickt. Damit könnt Ihr vielleicht Euren Freunden druben eine kleine Abschiedsfreude -machen. Die Hefte waren eingepackt und lagen bei einer amerikanischen Familie, die es vergass, sie abzuschicken. Das war, als wir -grosses Muttis Mitteilungsbrief noch nicht hatten. Jetzt habe ich die Hefte in den Umschlägen durch Zufall unter einem Haufen Zeitschriften entdeckt und sie über unser Büro ge- mailt. Hoffentlich kommen sie rechtzeitig an. Wenn nicht, werden Käthehen und Emil -20 den richtigen Gebrauch davon machen. MR Au Gutschein und Anlage: ekt adsorb MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y. Liebster Fritz und liebste Maria, den 9.November 1948 Emil hat sich sehr ueber den langen, guten, ausfuehrlichen Brief gefreut.Nun werden wir uns ja bald ueber alle die uns gemeinsam und jeden von uns besonders bewegenden Probleme unterhalten koennen und es wird mehr Positives dabei heraus kommen, als durch einen Briefwechsel, der immer Behelf ist. Du wirst auch so bald nicht eine umfassende Antwort erhalten, denn Emil hat- naturgemaess- sehr vieles schriftlich zu erledigen und die Kraft reicht doch nur fuer eine rationierte Leistung aus.--- An Paul habe ich geschrieben, dass ich mir, falls Hanna gesund genug dafuer ist, sein Haus als ersten Treffpunkt gut vorstellen koennte, nicht nur mit Euch, sondern auch mit Lotte Lemke, mit der ich sehr viel zu besprechen habe( in Ruhe, ohne Stoerung) ehe ich irgend etwas dort tue. Ich werde nicht in oeffentlichen Versammlungen sprechen, allein die Abwehr dieser Wuensche wird wahrscheinlich schon Kraefte kosten, man muss es ja begreiflich machen. Ich moechte auch nicht, dass( organisatorisch) zuviel" fuss" von meinem Dort sein gemacht wird.Gestern ist der kleine Estrin angekommen, ich( wir) habe( n) ihn noch nicht gesprochen.-- Dienstag werden wir zum ersten mal nach seiner Rueckkehr Sollmann sprechen, er hat in N.Y zu tun.Gegenwaertig sind Erwin Schoettle, Stuttgart( Wirtschaftsrat in Frankfurt) und Waldemar von Knoeringen hier, man rast mit ihnen durch die Staten, aber ich habe trotzdem einige Stunden in kleinem Kreis mit ihnen beisammen sein koennen und habe einen starken Eindruck von den beiden Persoenlichkeiten und von den schwebenden Problemen bekommen.-- Dass ich bis ueber die Ohren in Arbeit stecke, bitte ich mir zu glauben und mamches zu entschuldigen.--- Am besten setzt Ihr Euch mit Paul in Verbindung um es gut zu organisieren, dass wir alle moeglichst muehelos etwas voneinander haben, wenn ich dort eingetroffen bin. Gute herzliche Gruesse von uns allen zu Eurem ganzen Haus Eure gr₁ Mutt. Dieser Zettel ist nur fuer meine drei Kinder bestimmt: Emil und Kathe ruesten auch schon fuer die Reise.Sie wollen nicht so sehr viel spaeter als ich dort sein. Doch bevor sie diese Reise antreten, werden sie ihre Freundschaft durch eine Eheschliessung besiegeln. Das wird in den naechsten Tagen geschehen. Auch davon braucht nur Notiz genommen zu werden, eine" Verbreitung" dieser rein privaten Angelegenheit ist nicht notwendig oder erwuenscht. Es waere mir lieb, wenn Ihr daran gedacht haben solltet, dass Emil in diesen Tagen seinen sechszigsten Geburtstag feiert. Er wuerde sich sicher freuen. Herzlichst Eure Mutter Mitteilung 31.Oktober 1948 Jannad Als Tag meiner Abfahrt von hier habe ich den 6.Februar 1949 festgelegt.Ich werde diesen Termin innehalten, sofern nicht" heheren Orts" anders bestimmt wird.Es wird ein sogenannter Frachter sein, mit dem ich fahren werde.Das bedeutet: ich werde( ohne Zwischenstation) cirka 10 Tage spaeter in Hamburg oder Bremen ankommen. Etwa eintretende Verzoegerung wird sofort brieflich gemeldet werden. Diese Mitteilung geht an: Lotte Juchacz, Rechtsanwaeltin, Duesseldorf- Oberkassel, Kaiser WilhelmPaul Juchacz, Nettegut bei Andernach/ Rhein. Fritz- Michael Roehl, Muenchen 9, Harlaching, Haselburgstr.6 Lotte Lemke, Hauptausschuss fuer Arbeiter- Wohlfahrt, Hannover, Kummelstr.4 III Herta Gotthelf, Hannover, Frauenburo der SPD, Odeonstr.15/ 16 Ring 4 Ein Telegramm wird meine schliessliche Abreise an Lotte Lemke, Buro der Arbeiter- Wohlfahrt, melden. Das Buro ist von mir hiermit herzlichst gebeten, den Inhalt dieses Telegrams an die oben genannten Adressen weiter zu geben. Auch sollten sich meine Kinder untereinander und mit den beiden Genossinnen verstaendigen, wie die erste Zeit am besten genuetzt werden koennte, unter Beruecksichtigung meines Wunsches, dass ich zuerst einmal mit meiner Familie zusammen sein moechte. Herzlichen Gruss Eure gr. Matt, bitto FM.u.M. Roehl München 9- Harlaching Haselburgstrasse 6 Bavaria/ Germany Bizonia Lieber Emil, 30. September 1948. es ist schön, endlich wieder einmal einen Brief an Dich direkt zu schreiben, obwohl in Gedanken hinter Deinem Namen die von der grossen Mutti und von Käthchen folgen. Abgesehen davon, dass die an grosse Mutti addressierten Briefe ja immer für Euch alle waren. Doch zuerst die Mitteilung, dass beide Luftpostbriefe der gr.M. vom 11. und 12. Sept. ankamen, also auch der ohne vollständige Anschrift. Lieber Emil,- Dir zuallererst die herzlichsten Wünsche für die überstandenen Wochen und die endliche Genesung, die schon sehr schön fort geschritten sein muss, denn ein vier- ein- halb Seiten langer Brief kostet einige Anstrengung sowohl körperlich als auch- bei Deiner geistigen Intensität by the head. Uns ist ein sehr grosser Stein vom Herzen gefallen, als wir Dich selbst wieder lesen konnten, und wir bilden uns ein, dass wir mit unseren ständigen stillen und deutlicheren Wünschen auch etwas dazu beigetragen haben( lass uns diese Einbildung, sie macht froh). - Dass Ihr von uns eine Weile nichts gehört habt, ist kein schlechtes Zeichen, aber auch kein besonders gutes, denn unsere Tage sind mit Emsigkeit und Rastlosigkeit ausgefüllt. Wir jagen dem nach der Währungsreform schwer zu erkämpfenden täglichen Brot nach, mit allen dazugehörigen Nebenkosten, haben es ganz ehrlich nicht leicht, aber unsere Arbeit macht uns nach wie vor Freude, wenn auch der labende D- Mark- Segen nur tropfenweise fällt. Ich bin mein Ischias bis jetzt los, es waren aber sehr sonnige Spätsommer- und Herbstwochen, und Wärme ist gegen Ischias immer noch ein gutes Mittel, zumindest kein neuer Anlass für neue Schmerzen. Ich muss mich nur vorsehen, wenn es wieder feucht und kühl wird. Ich habe etwas für Zeitungen geschrieben, ausserdem arbeite ich bei dem Trade- Paper" Der neue Film" mit. Der Rundfunk( der sehr anständig zahlt) bringt am 17. Oktober zwei Sachen von mir, womit wir einige Oktober- Löcher zustopfen. Die Pension von Marias Mutter muss die letzten Falten ausbügeln. Den September haben wir überstanden, indem Maria die Kostümberatung für einen Film durchführte, in dem Ellen Schwannecke( die 1933 über die Schweiz nach Amerika emigrierte, dort eingebürgert wurde und jetzt zum ersten Mal wieder vor einer deutschen Filmkamera steht) die Hauptrolle spielt. Ausserdem malt sie gelegentlich eine Wand in Kinderzimmern amerikanischer Familien mit bunten Walt- Disney- Bildern voll. So kamen wir bis jetzt weiter. Und es geht auch weiter, und ginge noch besser weiter, wenn die politische Lage nicht von Tag zu Tag verzwickter würde. Die Ost- West- Spannungen wirken sich mehr, als man wahr haben möchte, auf die inner- westdeutsche wirtschaftliche Entwicklung als Hemmschuh aus.. Die meisten Menschen in Deutschland ausschliesslich der Ostzone haben die Waehrungsreform begruesst, auch dann noch, als manche Unzulaenglichkeit bei ihrer Durchfuehrung sich herausstellte. Wir sind viel, viel bereitwilliger zur Aufnahme vorübergehender Haerten, als man uns von auslaendischer Seite im allgemeinen zutraut, nur: wir erwarten ein bestimmtes Mass von Vertrauen uns gegenueber, zumindest dasselbe Mass, dass wir einem bestimmten Ausland entgegenbringen. Die Franzosen haben uns bisher durch ihren Chauvinismus enttäuscht wir sind da durchaus Deiner Meinung, die Engländer waren GOP auf dem besten Wege, das gleiche Misstrauen zu ernten. Auf die Vereinigten Staaten setzen auch heute noch die meisten Menschen den letzten Rest ihrer arg zusammengeschrumpften Hoffnungen, ob wohl viele Details vermuten lassen, dass man uns besser und mehr helfen könnte, wenn man die richtigen Methoden anwenden würde, die ausserdem den amerikanischen Steuerzahler wesentlich entlasten würden. Alles, was Du an politischen Gedakken äusserst, wird von uns hier aufgesogen, jeder Tip wird akzeptiert. So werde ich mir das Heft der" Frankfurter Tribüne" mit dem Artikel von Paul Hertz besorgen. Noch einmal zu unseren Auswanderungsplaenen: inzwischen sind die Immigrierungsbestimmungen in die Staaten( angeblich) gelockert, aber die Schwierigkeiten sind nur von denjenigen zu überwinden, die 1. Angehörige oder Patrone in den USA haben, die das Effidavit besorgen, die 2. die Kaution hinterlegen und die Bürgschaft übernehmen, dass man dim Falle der Arbeitslosigkeit dem Staat nicht zur Last fällt, und ie 3. die Überfahrt bezahlen.- Da keiner dieser Punkte auf Maria und mich als erfüllbar zutrifft, habe ich schon vor längerer Zeit meine Fühler nach Südamerika ausgestreckt, denn wir müssen und Wol 1 en aus diesem Europa der ewigen Spannungen und Unruhe heraus, weil in unserem Leben keine Ruhe mehr sein wird. Vielleicht habt Ihr trotz der vielen Briefe und Informationen doch nicht die richtigen Vorstellungen. Ich wunderte mich über Wilhelm Sollmann, der mir seelenruhig als Amerikaner sagte, dass Deutschland auf Jahrzehnte hinaus am Boden liegen bleibt und vielleicht sogar noch einmal endgültig überwalzt wird, weil das so sein muss.- Es müsste nicht so sein. Ausserdem glaube ich, dass Ihr unsere Wendigkeit unterschätzt. Wir sind trotz unserer 40 Jahre noch sehr jung, ich bin wendig, ein guter Organisator, verstehe mich auf viele manuelle Dinge, und hätte nicht die geringste Scheu, als Kellner, Trimmer, Fabrikarbeiter oder Zeitungsverkäufer zu arbeiten, weil ich weiss, dass das ein Uebergangszustand sein würde. Maria ist äusserst praktisch veranlagt, wir sind ausgezeichnet aufeinander abgestimmt und eingestellt. Wir würden nicht darauf warten, dass man uns eine Chance gibt, sondern die Chance selbs finden, mitunter kann man bei einiger Geschicklichkeit sogar so e Chancen konstruieren! und dann so ausnutzen, wie es unseren Fähigkeiten entspricht. Ich will garnicht unbedingt direkt und mit aller Gewalt in einen journalistischen job, und Maria will sich nicht in ein Atelier setzen, für das sie keine Miete zahlen kann, und Bilder malen, die sie nicht verkaufen kann. Wir haben mehr Sinn für ballyhoo, als Ihr vielleicht glaubt.- Wir haben in unserem Leben nicht nur mit dem Kopf gearbeitet, sondern sehr, sehr oft unsere Hände benutzen und sie mit dem Kopf steuern müssen. Das haben wir bis heute nicht verlernt. Wenn Du Fritz Tejessy und Hans Hirschfeld anführst, kann ich das verstehen, aber Tejessy und Hirschfeld sind wahrscheinlich inteldoon egligenter als ich, während ich mir einbilde, klüger zu sein. Wenn Du schreibst, lieber Emil, dass drüben sehr schwer gearbeitet werden muss, dann bestimmt nicht schwerer als hier. Wir drehen wochenlang täglich unsere 18 Stunden herunter, ohne zu ermueden. Aber wieviel Leerlauf ist dabei! con tung" Zu den zwölf Redakteuren, die zur Stip- Visite herüberkamen, erläuternd folgendes: Werner Friedmann ist Lizenzträger der" Süddeutschen Zeitung", an der Goldschagg hauptverantwortlich den politischen Ton angibt. Waehrend der Presseausstellung( ich lag im Krankenhaus und sah sie nicht) gab Friedmann für die Dauer der Ausstellung eine Tageszeitung als Chefredakteur heraus, die" Abendzeitung", die nach Schluss der Ausstellung unter der Friedmann- Lizenz mit einem neuen Chefredakteur weiterläuft und in München die einzige täglich erscheinende Zei 290 -10 -22019 tung ist. Die Lizenz- Bestimmungen bei der Presse sind nicht so. dass der Lizenzträger gleichzeitig der Chefredakteur ist. Er kann ebensogut Verleger sein, oder nur einfacher Redakteur. Nur: er ist als Lizenzträger verantwortlich. Deswegen ist wie Du woertlich zitierst" der( ehemalige) Chefredakteur der Münchner Abendzeitung'" auch gleichzeitig" Redakteur und Verleger der bedeutenden Süddeutschen Zeitung". Bei beiden Blättern ist er mit seiner Lizenz betelligt.- Dank für den Tip, dass Oskar Stark in Freiburg bei der " Badischen Zeitung" ist. Ich werde an ihn schreiben.Marias Mutter, die jetzt fast 72 Jahre alt ist, haben wir am 16. August aus Pyrmont hierhergeholt. Sie hat bis heute noch keine Zuzugsgenbhmigung und bekommt hier deshalb auch keine Lebensmittelkaraten. Soll ich Euch eine kleine Vorstellung verschaffen, wie so etwas aussieht? Also: Marias Mutter weilt zu Besuch hier, mit grosser Anstrengung hergekommen, um mit uns die Lage nach der Währungsreform zu klären. Während ihres Aufenthaltes hier wird sie 1. krank und ist nach ärztlicher Untersuchung nicht transportfähig, bekommt 2. aus Bad Pyrmont von dem dort im Badehotel provisorisch eingerichteten Altersheim den Bescheid, dass das Altersheim aufgelöst wird. Sie wird 3. polizeilich und lebensmittelkartenmässig dort abgemeldet, kann aber hier nicht polizeilich angemeldet werden, weil sie keinen Zuzug hat. D.h.: Antrag beim Wohnungsamt. Morgens um 7 Uhr hin, anstellen( es stehen schon 30 Menschen), warten bis 11. Kampf um ein Formular. Wird um 12 Uhr ausgehändigt. Mkt dem Formular nach Hause, fein säuberlich ausfüllen. Verlangt werden Unterlagen. D.h.: irgendwo eine Schreibmaschine borgen und Abschriften machen von: a) Flücht lingsschein, b) Mitgliedskarte der ev. Bekenntnisgemeinde, die von den Nazis verboten war und verfolgt wurde, c) Abschrift vom Auflösungsbescheid des Altersheims, d) Abschrift vom Denazifizierungsbescheid der Antragstellerin, e) Denazifizierungsbescheide der in München ansässigen Angehörigen.- Originale aus der Hand zu geben hat tödliche Folgen.- Mit den Abschriften zur Polizei zur Beglaubigung. Polizei hat geschlossen. Am nächsten Tag zur Polizei. Der Beamte, der to beglaubigt, kommt erst nach neun Uhr. Warten. Er kommt. Beglaubigt.Mit allen Unterlagen zum Wohnungsamt, Eintreffen dort gegen lo Uhr vormittags. Es warten bereits 45 Menschen. Um 1 Uhr ist Schluss. Um 1. Uhr stehen nach 30 Menschen draussen, die vergeblich gewartet haben. Am nächsten Morgen um sieben Uhr wieder auf dem Wohnungsamt. Es warten bereits 20 Menschen. Um 11 Uhr kommt man an die Reihe. Der Beamte prüft. Auf dem Antragsformular fehlt eine Eintragung des Bezirkswohnungsamtes. Ausserdem fehlt eine Aufenthaltsbescheinigung des Polizeipräsidenten. Unterlagen zusammenpacken, zum Bezirkswohnungsamt. Dort warten( es ist halb zwölf) 30 Menschen. Um i Uhr ist Schluss. Um 1 Uhr stehen noch 18 Menschen draussen. Am nächsten Morgen um 7 zum Bezirkswohnungsamt. Es warten 20 Menschen.- Es geht schnell. Um lo Uhr hat man den Stempel, dass es möglich wäre, die 71 Jahre und 8 Monate alte Frau Neppert in der eigenen Wohnung unterzubringen. Zum Polizeipräsidium. Einwohnermeldeamt. Keine Schalterstunden. Nachmittags ab 2 Uhr. Man wartet. Bis 2 Uhr.( Vom Aufstehen bis jetzt sind acht Stunden vergangen)." Bitte die Aufenthaltsbescheinigung!".- Kostet 2 Deutsche Mark und 90 deutsche Pfennige.Man sad zählt sein Geld, hat zufällig nur noch zwei Mark im Portemonnaie.T. Nach Hause( es ist 3 Uhr nachmittage).-Am nächsten Morgen um 8 Uhr: für 2 Mark 90 die Bescheinigung, bitte. Falsch ausgefüllt. Noch einmal neu zu schreiben. Danke.- Zum Wohnungsamt. Eintreffen gegen 9 33 Uhr. Es warten 35 Menschen. um 1 Uhr ist Schluss. Kurz vor eins ist man an der Reihe. Formulær mit sämtlichen Stempeln und beglaubigten Abschriften wird abgegeben. Unkosten für einen geistig und kulturell freischaffend Hungernden: Fahrgelder hin- her, her- hin, hin- zurück, zurück- hin, Stempel, Beglaubigungen, Bescheinigungen, Schuhsohlen, Strümpfe,- nur Bar- Auslagen gerechnet macht D- Mark 6.40.- Ein Brot von 2 Pfund kostet 38 Pfennige. 60 " Sie bekommen in 14 Tagen Bescheid". Nach drei Wochen Karte mit Strafporto:" Sie haben am..um... auf Zimmer... in der Angelegenheit... zu erscheinen". Man erscheint am- um- auf- in bereits um 7 Uhr, kommt um 11 Uhr an die Reihe. Dauert genau20 Sekunden:" Antrag abgelehnt. Können Einspruch erheben beim Regierungs- Beauftragten, Leopoldstrasse 4. Ärztliches Attest beifügen, und wenn möglich noch andere Bescheinigungen.. Der Nächste, bitte. Ärztliche Untersuchung. Ergebnis: Attest. Altersschwach Asthma, Herzstörungen, nicht transportfähig. Andere Bescheinigungen? B. vom Staatl. Beauftragten für das Kunsthandwerk. Wird besorgt. Maschine wird geborgt, an den Reg.Beauftr. geschrieben. Zur Leopoldstr.4. Dortiger Bescheid: falscher Weg." Sie müssen in der Franziskanerstr.6 bei Ihrem Wohnungsamt Einspruch erheben! Es ist halb zwölf, erheben hat keinen Zweck mehr. Muss am nächsten Tag geschehen. Das ist morgen der Fall. Ich werde um 7 Uhr dort sein, 20 Menschen werden dort stehen, um 11 werde ich an der Reihe sein, den Einspruch abgeben wollen. Ob man ihn annimmt? Und: wenn man ihn annimmt: ob man ihn weitergibt?- Und: wenn man ihn weitergibt? ob man mal wieder was davon hört? Vielleicht sogar schon in drei bis vier Wochen? Dann ist erst mit dem Oktober ein Vierteljahr vergangen, als man die ersten Schritte unternahm.Wie schnell die Zeit vergeht?! Aber dann stimmen bald die Unterlagen nicht mehr, denn die alte Dame ist inzwischen ja 72 Jahre alt geworden, und in den Papieren steht 71 Jahre. Wo man doch amtlich so genau ist, so korrekt. Wenn man es nicht wäre, um Gotteswillen, wo käme man dann hin!?! Das ist nicht erfunden,- das ist die Wahrheit!!! Geld verdienen muss man nebenbei auch noch etwas. Vielleicht sind no einmal Gebühren zu bezahlen. Ja-!, 150.00 D- Mark für den Mann im Vorzimmer, 200.00 für den Sachbearbeiter oder Weiterleiter, 500.00 für den Beauftragten von solchen Gebühren habe ich geträumt, und da ging es sehr schnell. Die Zuzugsgenehmigung wurde sogar in Haus gebracht. Das Hupen des Wagens hat mich leider wachgemacht, sonst hätten wir jetzt das Papier und ausserdem( wenn auch nur im Traum) 850.00 Mark gespart.Schade. Schnell noch eine lustige Sache für Radio München schreiben, die zahlen ganz gut, und ich bin gerade in der richtigen humorigen Stimmung. Vielleicht eine lustige Geschichte über eine fast 72 Jahre alte Frau, seit 1917 unterwegs, vor den Russen aus dem Baltikum, vor den Nazis aus Deutschland, vor den Russen aus Posen,-- und schliesslich eines Tages vor den vielen Beamten aus dem Leben. Wenn das nicht lustig ist....! 8 Dec Warum druckt man das nicht einmal ab? Ich werde diesen Brief in diesem Auszug an die" bedeutende' Süddeutsche Zeitung' des Herrn Friedmann schicken. Und Euch dann die Antwort. Auch das wird lustig. Ihr Guten, ist es drüben auch so? Wenn ja, bleiben wir hier und naehren uns von den Früchten des Feldes, unserer Haende und unseres Kopfes. Und sterben eines Tages den Heldentod für den Versuch einer Welt- Demokratie. Lasst Euch nicht abschrecken, zu kommen. Mr. Estrin vom jüdischen Komitte aus New York, der vor 3 Wochen plötzlich vor unserer Haustüre stand und -3uns sehr viel von Euch erzählte, und von seiner Arbeit, ist der Meinung, dass es Euch gut gehen wird. Ihr habt auf jeden Fall sofort Zuzug, könnt Wohnung nehmen, wo Ihr wollt( ich schlage trotz Pauls Angebot- Düsseldorf vor, oder Koblenz), und könnt von der Pension leben, die man Euch schon jetzt zugestanden hat und die Ihr in Eurem harten deutschen und Emigranten- Leben verdient habt. Ich bin sogar der Meinung, dass es viel zu anstrengend ist, erst herzukommen, um die Lage zu beschnuppern, die endgültige Herkunft erst vorzubereiten, dann noch einmal zurückzufahren, und dann von drüben Abschied zu nehmen. Das ist viel zu umständlich! Menschen wie Ihr als Heimkehrer sind geborgen!!!!! Wartet das Frühjahr ab, dann habt Ihr alle zusammen Eure Papiere beieinander, der Winter ist hier vorüber, der von Dir, Emil, mit Recht so tief nachempfundene europäische Frühling hat eine Leuchtkraft, die den Heimkehrer stark macht. Ihr drei seid zusammen ausgezogen, Ihr könnt auch gemeinsam heimkommen. Für jeden von Euch gibt es dann auch noch ein Old- Munich- left von Maria, oder ein schönes Aquarell von ihr, oder sonst etwas. Das von der grossen Mutti an einen von Deinen Ärzten abgegebene Exemplar wird postwandend ersetzt. Es soll Euch nicht fehlen. Es geht auf 1 Uhr nachts, ich bin seit frühesten Morgenstunden unterwegs, und das morgige Pensum steht fest und beginnt in sechs Stunden. Ausserdem geht die Maschine morgen früh wieder an den Entleiher zue rück. Maria schläft schon, sonst hätte auch sie noch einige Worte dazu geschrieben. Sie wird es mit der Hand nachholen. Marias Mutter hat sich über Eure Anteilnahme sehr gefreut, sie grüsst Euch herzlich und freut sich, Euch kennenzulernen. Und Käthchen danken wir für die Bilder. Maria hat- glaube ich bei Paul eine Aufnahme von ihr gesehen, ich habe ihr Gesicht noch im Gedächtnis und sofort wiedererkannt. Käthchen wundert sich, dass wir mit ihr reden, als ob wir sie schon lange kennen. Ist das etwa nicht der Fall? Man kann sich auch über einen Ozean hinweg so nahekommen, als ob nur ein Tümpel dazwisch en liegt. Kathchen kommt zurück und ist zwei Menschen ärmer, aber um die Heimat reicher. Das soll ihr ein guter Trost sein. Dir, lieber Emil, gelten unsere besten Grüsse dieses Briefes, Du lachst uns auch auf der Aufnahme vom 5. Sept. 1948 von Eurem Wohnungsfenster aus so zuversichtlich entgegen, das kann nur das beste Zeichen sein. Wir nehmen es als solches.- Euch beiden Frauen Wunsch, Gruss, Dank für alle Wege von uns zu Euch und von Euch zu uns. Euer Mr. Emil Kirschmann 339 mEast 173 Street New York 57 N.Y. den 12. September 1948 Liebe Maria, lieber Fritz, jawohl, Ihr seht ganz richtig. ICH schreibe diesen Brief. Wieso? und warum? Ich bin halt in der Stimmung und an der Shhreibmaschine sitzen, ist eine der ganz wenigen Beschaeftigungen, denen ich bis jetzt nachgehen kann. Und darf. Doch darueber spaeter. Von Euch ict schon eine Weile nichts mehr eingegangen. Ist das ein gutes?, ists ein boeses Zeichen? Wir hoffen sehr, dass Fritz von dem Ischi- aas nicht mehr gequaelt ist, dass die lange und wenig amuesante Periode im Krankenhaus wenigstens den Effekt gehabt hat. Und wuenschen und hoffen weiter, dass Maria good in health ist. Ohne diese Voraussetzung wird man wohl kaum fertig mit den Schwierigkeiten, die durch Waehrungsreform und ande re Notwendigkeiten, ohne die der Aufbau nicht moeglich ist. Mit der Waehrungs reform sind eine Menge-nach meiner Ansicht vermeidbarer- unsozialer Massnahmen ve knuepft. Warum die Wiederholung all der Fehler von 1923? So entnehmen wir aus Briefen, das lesen wir in den Polemiken Ex in den deutschen Zeitungen. Am haertesten sind wieder der kleine Mittelstand und die freischaffenden Berufe getroffen. Der Schnitt an sich war nicht nur unvermeidlich, sondern unbedingt noetig. Gesunde Finanzen sind halt immer noch die einzige Grundlage der Wirtschaft. Und sie ist die Naehrmutter aller. ob direkt oder indirekt beteiligt. Es geht auch nicht ohne Haerten. Aber die muessen moeglichst gerecht verteilt werden. Und gerade das scheint nicht geschehen zu sein. Pauls Reaktion unmittelbar nach der Massnah me war absolut positiv. Ebenso Lotte, wenngleich sie entsprechend ihrer ganzen Veranlagung- sich skeptischer und pessimistischer aeusserte. Ein abschliessendes Urteil ist noch nicht moeglich. Dazu muessen die Vorarbeiten, die jetzt in Bonn gemacht werden, xkx erledigt und die Spannung between the four big powers, die sich gegegvaertig um Berlin konzentriert, дæÌи geloest sein. Ich glaube an ein Kompromiss. Wahrscheinlich wird die Wagschale xi sich dabei zugunsten der Russen neiegen. Die haben eine politische Konzeption, die bessere strategische Situation und robustere Nerven. Ausserdem entscheiden sie allein. Die Westmaechte koennen noch nicht einmal ueber Trizonia einig werden Das mir hysterisch erscheinende Sicherheitsgeschrei der Franzosen hindert daran, Dabei wissen die Franzosen mit sich selbst nicht fertig zu werden. Der Franc droht wieder einmal ins bodenlose zu stuerzen. Und ausserdem: De Gaulle ante portas Mir tuts so leid um dieses schoene Land und die ausgezeichneten, guten und kluegen Menschen, die wir dort kennen und lieben lernten. Die franzo esische Administration ist alt, faul, korrupt. Auch davon koennen wir ein Lied singen. Die Politcians dort sind ebenfalls ueberaltert, bequem, saturiert. Sie haben weder aus dem italienischen, noch dem deutschen Schicksal etwas gelernt. Ja nich aus dem eigenen. Die einzige Reaktion auf darauf, dass ihnen jahrelang der Nazi kommiss- Stiefel im Nacken sass ist der wie gesagt hysterische Schrei nach " Sicherheit", basiert auf einer ziemlich willkuerlich gezimmerten sogenannten historischen Grundlage. Am liebsten moechten wohl die immer noch sehr einflussreichen Militaers in der franzoesischen Politik eine neue Magino tlinie bauen, satt den Ausgleich zu suchen, der auf der Hand liegt. Auch da haben die Franzose nichts gelernt. Sie vergessen, dass der Aufstieg des Nationalismus nach dem letz ten Krieg nicht zuletzt in ihrer falschen Politik gegenueber der Weimarer Republik lag. Nach Briands Tod hat in Frankreich keiner der buergerlichen Politiker die Linie des Ausgleichs fortgesetzt. Die Sozialisten standen allein auf weiter Flur. Und so stehen sie heute noch.- Da ich nun schon einmal in die " Politik" abgerutscht bin-so, wie der kleine Motitz sich das vorstellt- will ich noch ein bis'chen dabei bleiben. Nur mit einem kleinen Sprung zurueck ueber den Ozean. Wir naehern uns dem Wahltermin. Am ersten Dienstag im November waehlen die Amerikaner nicht nur einen Praesidenten, sondern auch den halben Senat und alle Repraesentanten. Es ist ein sogenanntes Volljahr, dass sich alle vier Jahre wiederholt. In den allerletzten Wochen sollen sich, wie Kenner behaupten, die Chancen fuer Truman etwas gebessert haben. Aber dennoch glaube ich, dass Dewey gewaehlt wird." It is time for a change" ist die allgemeine in - 2- Redensart. Die Demokraten waren sechszehn Jahre am Ruder. Das ist lang genug, zulang. Gebt den Republikanern eine Chance. Sie sollen nun zeigen, was sie koennen. Die Demokraten betreiten ihre Agitation mit den Taten, resp den Un- oder Nichttaten des 80. Congress, besonders dem Taft- Hartley act, die Republikaner suchen Material in den Ergebnissen der Un American Committees beider Haeuser. Die dort angewendeten Methoden werden von den anstaendigen Leuten als ungut bezeichnet." New York Times" und" Herald Tribune" finden in ihren Kommentaren z.B. sehr scharfe Worte." Smear campagne" ist ein nicht selten nicht nur von Linkselementen nizkixяeiten gebrauchtes Wort. Der Schatten Roosevelts steigt herauf. Ihn macht man verantwortlich fuer tatsaechliches oder angebliches Eindringen von Kommunisten i resp. von Liberalen, die man bequemerweise und kurzerhand als Kommunisten bezeichnet, in die verschiedensten Aemter. Dabei stuetzt man sich auf Renegaten und suversive Elemente und merkt nicht einmal den schlech ten Geruch, der dabei jedem anstaendigen Menschen in die Nase steigen muss. Und diese Kronzeugen scheinen nicht zu wissen, dass man den Verrat aber nicht den Verraeter liebt. Nach den Wahlen wirds wahrscheinlich um diese Dinge viel stiller werden. Aber als Opfer ist dann manch anstaendiger Kerl auf der Strecke geblieben. Wallace hat grossen Zulauf. Viele veraergerte Demokraten, mancher sogenannte Liberale und vor allem die Jugend stroemt ihm zu. Wenigstens bei den Kundgebungen. So war es ihm moeglich vor eingen Tagen trotz drohenden Regens nach polizeilicher Schaetzung im" Yankee Stadium" 48 000 Menschen zu versammeln. Aber gewaehlt wird er nicht. Und das erscheint mir gut so. Er ist politisch ein Wirrkopf, von bestem Willen und sauberster Gesinnung. Viele sehen in ihm einen politischen Messias. Er hat etwas messianisches. Fuer praktische Politik und darauf kommt es an- ist er nicht brauchbar. Sein aussenpolitisches Programm hat als einzigen wesentlichen Punkt Apeasement gegenueber den Russen. Innenpolitisch ist seine Plattform ein Konglomerat von fortschrittlichem und opportunistischen Formulierungen. Wallace ist weit entfernt davon, ein Kommunist zu sein. Sein Unglueck ist aber, dass die Kommunisten ihn fuer sich reklamieren. Zahlenmaessig sind die Kommunisten trotz des Geschreis von beiden Seiten ohne Bedeutung. Noch bedeutungsloser als die Sozialisten, die zudem gespalten sind. ( Ueber diese Fragen erscheint in naechster Zeit ein ausserordentlich instruktiver Artikel im Monats(?) organ der Hessischen Sozialdemokraten" Frankfurter TriBuene" von Paul Hertz. Wenn es Euch interessiert, verschafft Euch das Heft. Das Unglueck fuer dieses Land ist, dass die Arbeiterschaft trotz zahlenmaessig vorbildlicher gewerkschaftlicher Organisation politisch indifferent sind. Die massgeblichen Gewerkschaf tsleute habenseither bewusst die Politisierung der Arbeiterschaft unterbunden. Sie haben ihren Einfluss rein opportunistisch angewendet. Vielleicht wird das in Zukunft anders werden. Der Praesident der Autoarbeiter, Walther Reuther, ein noch junger Mann, intelligent und energisch mit grossem Einfluss haelt die Zeit fuer gekommen, mit der seitherigen Methode zu brechen. Er soll die Absicht haben, nach den Wahlen im November unter Benutzung seiner Or ganisation-1 Million Mitglieder- und anderer- Gewerkschaften eine Arbeiterpartei zu gruenden, wohl aehnlich der englischen Labor Party. So schliesst man auf grund eines Artikels von ihm selbst in seinem Gewerkschaftsorgan. Eine solche Partei duerfte noch eine groessere und dauerhaftere Anziehungskraft haben, als die von Wallace. Und einer Notwendigkeit entspricht sie, trotz des angeblich in der anglosaechsischen Demokratie fundierten Zweiparteien Systems.- In Eurem letzten Brief sprecht Ihr von Auswanderungsplaenen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir vo Euch das vernehmen. Wir koennen von uns aus weder zu noch abraten. Dass die Verhaeltnisse drueben nicht gut sind und zu solchen Ueberlegungen fuehren, ist zu versta endlich. Und wenn nicht andere Hemmungen es verhinderten, wir wuerden wahr scheinlich eine Massenflucht von Deutschland und anderen Laendern in Europa erleben, wie sie im Laufe der letzten hundert Jah re einige Male zu verzeichnen war. Z.B. auch nach dem letzten Krieg. Dieses Land ist noch aufnahmefaehig. Suedamerika noch mehr. Die Lebensbedingungen sind immer noch im allgemeinen guenstiger, al in Europa. Auch wenn man e Reklame z. B. der suedamerikanischen Staaten sehr skeptisch ansieht. Eine Chance haben Landwirte, landwirtschaftliche Arbeiter, Hand werker aller Grade, - 3- vor allem Werkzeugmacher, Mechaniker fuer die optische Industrie usw. Minimal sind die Aussichten fuer sogenannte geistige Berufe. Hochqualifizierte Wissenschaftler auf allen Gebieten haben grosse Chanzen. Aber wie mir scheint, nur fuer kuerzere Zeit. USA hat sich davon eine ganze Reihe" ausgeliehen."- Maria mit ihrer Vielseitigkeit wuerde sich wahrscheinlich durchsetzen koennen. Aber nur mit Geduld und dem dazu noetigen finanziellen" Background". Fuer Fritz wuerde es auf geistigem Gebiet viel schwerer sein. Drueben erworbene Sprachkenntnisse sind vor allergroesstem Wert. Aber sie genuegen nicht, Zeitungs- und Zeitschriften- englisch ( richtiger: amerikanisch) muss man sich erst erarbeiten. Und dann braucht man den " Start". Entweder durch ganz ausgezeichnete Arbeit-kann auch ausgefallene seinoder durch Protektion. Die grossen Zeitungen stellen Anforderungen, die Magazins noch groessere. Ich will nur zwei Beispiele anfuehten. Du, Fritz, kennst meinen frueheren Kollegen aus dem Ministerium Fritz Tejessy. Er war ein guter Redakteur in Kassel und spaeter im Ministerium sehr geschaetzt. Tejessy hat erst hier lange Zeit in einem Hotel den Handyman, d.h. Maedchen fuer alles gespielt. Dann erlernte er die Weberei und jetzt ist der Mann als Weber in einer grossen Weberei in New Hampshire taetig. Und Hans Hirschfeld, Dr. Hans Hirschfeld? Lange Zeit hat er nichts gefunden. Dann arbeitete er mit grossem Erfolg beim OSS. Als dieses Amt nach dem Krieg aufgeloest wurde, stand er da. Fand nichts seiner Vorbildung und seinem Koennen entsprechend. Trotz der besten Empfehlungen. Seit mehr als einen Jahr arbeitet er in einer kleinen Metallwarenfabrik, saegt und schneidet Messing gegen einen ungenuegenden Lohn. Wenn Frau Hirschfeld nicht arbeitete( sie macht in einem inen Betrieb Handarbeiten) ginge es dort noch knapper her. Einschraenkend muss ich allerdings sagen, dass es sich bei den beiden Maennern-und bei anderen, die ein aehnliches Schicksal haben, um aeltere Menschen als bei Euch handelt. Juengere Menschen, denen Tempo und-- Klima weniger zusetzt resp., die sich anpassen koennen haben eine Chance, vor allem, wenn sie genuegend Fantasie und keine Bange vor einer Umstellung haben. Vor allem, wenn sie es nicht fuer unter ihrer Wuerde halten, als Fabrikarbeiter ihr Brot zu verdienen. Es muss ja nicht unbedingt dasselbe sein, was ich ein Jahr lang xx tat. Ich war nicht mehr der juengste, hatte ausserdem einen, wenn auch damals nur leichten Knax und musste ein Jahr Lang unter hygienisch und sanitaer absolut unzula englichen Verhaeltnissen an einer Maschine stehen. Dazu war der Lohn sehr, sehr knapp. Wie gesagt, ich will nicht miess machen. Nur darf sich niemand einbilden, die Dollar laegen hier auf der Strasse herum oder wuechsen an den Baeumen. Hier muss im allgemeinen sehr schwer gearbeitet werden. Und ohne den Willen fest zuzupacken und ohne Courage geht es nicht. Diese Voraussetzungen sind bei Euch erfuellt. Nun muesst Ihr Euch entscheiden. Was wir Euch hel fen koennen, soll natuerlich selbstversta endlich geschehen.- Einigen wenigen Emigranten ist es gelungen, bei Zeitungen resp. Zeitschriften unterzukommen. So z. B. Alexander Schiffrin( Schriftstellername Max Werner). Aber seine grosse Zeit war waehrend des Krieges. Bruno Neumann, den Du aus dem Sekretariat der Reichstagsfktion kennst, hat sich hier mit grosser Muehe und Bienen fleiss eine sehr anSendige Existenz aufgebaut; Erich Rinner macht Researcharbeit fuer eine Brokerfirma an der Wallstreet. Ihm soll es auch gut gehen. Die meisten anderen fretten sich durch. Leben gewissermassen von der Hand in den Mund. Reichtuemer hat noch kei ner sammeln koennen. Und die Emigranten aus unserer Zeit, die sich eine Car kaufen konnten, sind sicher an einer Hand zu zaehlen. Mitarbeiter an amerikanischen Zeitungen und Zeitschriften von drueben zu werden, ist des Versuches wert. Die " Neue Volkszeitung" zahlt nicht, kann nicht. Ihr geht es finanziell nicht gut. " Staatszeitung und Herold" kann wahrscheinlich etwas zahlen, ist aber in dieser Beziehung sehr" zurueckhaltend" und hat ihre staendigen Mitarbeiter drueben. Ausser dem druckt sie viele Briefe, auch solche, die ihr von den Lesern zur Verfuegung gestellt werden. Und die kosten nichts." The Progressive", den Du nennst, hat kein Geld, Gut zahlen z. B. die Magazins wie" Time"," The Saturday Evening Post", " Harpers"," News Week"," Colliers"," Fortune"" Readers Digest" um nur einige zu nen nen. Aber da anzukommen ist schwer, sehr schwer. Die grossen Zeitungen und die Nachrichtenagenturen(" New York Times", Herald Tribune"" U.P"" A.P") haben ihre staendigen Mitarbeiter drueben. Der einfachste Weg scheint mir, wenn moeglich, die Bekanntschaft eines dieser Maener suchen und dann weiter sehen.- Gestern sind zwoelf Redakteure deutscher Zeitungen aus den westlichen Gebieten AG CON GORD hier angekommen. 4- - Darunter ich zitiere woertlich-" der Chefredakteur der Muenchener" Abendzeitung, Redakteur und Verleger der bedeutenden" Sueddeutschen Zeitung" in Muenchen...." Die woertliche Wiedergabe, weil mir der Sinn nicht ganz klar ist Handelt es sich hier um einen oder zwei Maenner. Wenn zwei, fehlt bei einem die Angabe des Namens. Diese Redakteure werden etwa sechs Wochen durchs Land geschleppt. Sie werden sicher dabei einiges lernen. Sie sind Gaeste des Zeitungsinst tuts der Columbia University und die grossen Zeitungen werden sich ein Fest machen, den Zeitungsleuten etwas von ihren Methoden und ihrer Technik, die ganz anders sind als drueben-ob besser wage ich nicht zu sagen zu zeigen. Unter den Besuchern ist auch ein Mann Pfeiffer von der" Badischen Zeitung" in Freiburg. Dort ist Oskar Stark, frueher Vertreter der" Frankfurter Zeitung in Berlin und Dir gut aus dem Reichstag bekannt. Sein Adlatus Held ist tot. Friedlich gestorben, wie ich hoerte. Die" Badische Zeitung", von der ich dann und wann einige Nummern sehe, ist eine sehr gute Zeitung, zu vergleichen mit der ehemaligen Frankfurterin. Genau so gruendlich, serioes und fortschrittlich. Bis hierher war ich gekommen; nun schreibe ich am 13. September weiter. An diesem Tage hatten meine beiden Eltern, Vater und Mutter, Geburtstag Mutter waere 92, Vater 90 Jahre alt geworden. Mutter ist schon dreissig Jahre tot; Vater 11. Es ist lange her, seit Ihr Kinder in Oberstein in Ferien gewesen seid. Aber das faellt mir eine kleine Geschichte ein, die Vater immer mit grossem Vergnuegen erzaehlte. Und er konnte erzaehlen. Als er noch in einer Fabrik in Oberstein arbeitete, kam an diesem Tag ein Kollege an seine Werkbank und gratu ierte mit der Bemerkung," sag' auch Deiner Frau zu ihrem Geburtstag meine beste uensche". Ein Nachbar fra te," wie Deine Frau hat auch heute Geburtstag?"" Ja", sagte Vater" und wir hatten auch an einem Tag Hochzeit."" Nn.un", stotterte der Frager zurueck," is it aber genug, Jakob. Musst uns net gar zu doll beschwindeln Herrgott, wie lang soll denn dieser Brief werden? So geraet man ins Schwaetzen und findet kein Ende mehr. Wir hatten einen sehr heissen Sommer. Einmal klette: te das Thermometer auf 100,8 Grad Fahrenheit. Ihr wisst aus der Schule noch wie das in Celsius umgerechnet wird? Minus 32 und davon 5/ 9/, also fast 38 Grad C. Das war der heisseste Tag. Aber tagelang vorher und nachher gings nicht unter 90 und nachts kaum eine Abkuehlung. Was die Hitze aber so sehr unangenehm macht ist die Feuchtigkeit. An August schrieb ich, man habe den Eindruck, in einem roemisch irischen Dauerbad zu sitzen. Und heute, am 13. September sind es 87 Grad, also etwas ueber 30 Grad C. gewesen. Aber nun ist die grosse Hitze vorbei. Es kommt der sogenannte Indian Summer, die schoenste Jahreszeit in diesem Land. Der Fruehling ist sehr kurz und kein Vergleich mit dem, was drueben diese Zeit ist. Mir gehts viel besser; ich bin aber immer noch nicht arbeitsfaehig. Seit 18 Wochen liege ich foermlich auf der Nase. Gute, sehr gute aerztliche Betreuung nd ausserordentliche Pflege daheim, haben mir geholfen, wieder auf die Beine zu ommen. Aber Kranksein in diesem Lande ohne Sozialversicherung, ist eine Katastr phe. Es gibt hier eine von deutschen Arbeitern gegruendete Arbeiter Krabkenkasse, daneben auch noch eine Reihe Versicherungsmo eglichkeiten gegen Krankheitsfall. Aber diese Kassen muessen sich ihrerseitz gegen zu grosse Risiken sichern. Das ge schieht in der Regel durch ein Alterslimit. Als ich herkam, waere es noch gerade gegangen. Aber Ihr wisst, wie das geht. An solche Dinge denkt man nicht zuerst. Na, und dadurch ist es so, dass ich in der ganzen Zeit nicht nur nichts verdienen konnte, sondern noch allerhand Unkosten verursachte. Und darunter muesst u.a. auch Ihr leiden: wir konnten einfach nicht das schicken, was notwendig gewesen waere und was wir so gerne getan haetten. Wir leiden mit Euch darunter. Trotzdem: morgen oder uebermorgen werden wir ein Paket mit Kaffe und Zucker und etwas spaeter ein mit Schmalz bestellen. Es sind immer sieben oder manchmal gar acht, die zu gleicher Zeit versotgt werden muessen. Das soll um Gotteswillen keine Klage sein, nur eine Erklaerung. Und Ihr werdet verstehen, dass wir ganz offen sagen, was ist. Versteckspielen hat in diesem Falle garkeinen Wert. Unsere Reiseabsichten verdichten sich. Ich habe nun auch vom Innenminister von Nordrhein- Westfalen, dem Genossen W alter M 5 Walter Kenzel eine foermliche Einladung. Es fehlt noch ein Papier. Wenn das da ist werde ich in Washington einreichen. Wenn es gut geht, werde jch dann im Fruejahr reisen koennen. Mieze hat alles zusammen. Zum Fertigwerden dauert aber auch bei ihr noch eine Weile. Sie wird dann wahrscheinlich als erste kommen; Kaete und ich kommen nach.- Fuer Kaethe hat die Reise aber doch etwas schmerzliches. Sie hatte sich so gefreut, ihre Mutter wiederzusehen. Und auch fuer mich waere das eine grosse Freude gewesen. Die alte Mutter hat uns einige Male von Saarbruecken her in Huelhausen besucht. Wir alle hatten die alte Dame liebgewonnen. Vor einigen Wochen kam die Nachricht von Kaethes Schwestern, dass die Mutter plöetzlich ohne vorherige Krankheit gestorben ist. Nun ruht sie in Saarbruecken neben xxxx der Tochter, die ihr einige Monate voranging und an der sie, einem fast zeitlebens kranken Menschen mit besonderer Liebe hing So, jetzt mache ich Schluss. Der Schrieb ist reichlich lang. Aber vielleicht lohnt es dennoch, ihn ganz zu lesen. Den Rest dieses Blattes werden Mieze und Kae the fuellen. Ich gruesse herzlich und bin mit den allerbesten Wuenschen fuer Gesundheit und sonstiges Wohlergehen immer Euer auch Lieber Fritz und Liebe Maria! die Rollen sind mal vertauscht ich fuge die mal die Grüsse dazu.- Ioh weiss nicht, ob ich mal erwähnt habe, dass Maria's schöne Serie Alt-München an einen von Emils Ärzten gegangen ist, ich habe die Hoffnung, dass ein Ersatz dafür doch einmal unsere Wohnung in D. schmuckt. – Ansonsten ist Emils Brief so erschöp fend, dass ich mir leisten kann mit den herzl. Grössen und guten Wünscher zu schliessen, auch für Marias Mutter. Eure gr. Mutt. Lieber Fritz, liebe Maria, ich glaube kaum, dass Ihr je ein Bild von mir gesehen habt und Euch nicht vorstellen könnt wie ich wohl aussehe, trotzdem Ihr in Euren Briefen von und mit mir redet, als ob wir uns schon lange kennen wurden. So lege ich Euch heute den allerletzten Snapshot", den ein Freund vor 8 Tagen gemacht hat sei, um Euch eine Idee zu Anfang 1948 Liebe Genossen, liebe Freunde: Dieser Rundbrief soll viele Einzelbriefe abloesen, einige hundert. Ich kann nicht jedem einzelnen Freund schreiben, nicht mehr, es wird zuviel. Zeit und Kraft sind begrenzt. Mich hat sehr interessiert, was ich Euren Briefen entnahm, das Persoenliche, das Erleben waehrend der Hitlerzeit, die Schilderungen der allgemeinen Situation, vor allem die Mitteilungen aus unserer Bewegung. Bestimmt erleichtern mir Eure Briefe zusammen mit Zeitungen und Zeitschriften von drueben in Verbindung mit der hiesigen Presse ein Bild von drueben zu bekommen. Trotzdem weiss ich, dass meine Information nur lueckenhaft sein kann. Auf die Dauer macht sich bemerkbar, dass Freud und Leid nicht unmittelbar miterlebt wird. Auch die vergehende Zeit vergroessert die Entfernung. Ich wuensche nicht und glaube aber nicht, dass diese Entfernung eine Entfremdung im Denken bedeutet. Das soll und darf nicht sein. Ich weiss auch, dass dieser Rundbrief keinen Ersatz fuer einen persoenlichen Brief sein kann. Aber dieses" Sich- melden" ist immerhin besser, als voelliges Schweigen -zumal einer Zeit der politischen und sozialen Umformung, die fuer Euch eine Zeit voller Entbehrungen in jeder Beziehung ist. Was nicht nur von mir sondern auch von denen, die mit mir leben, so schmerzhaft empfunden wird ist zu wissen, nicht genug tun zu koennen, um allen Freunden so zu helfen, dass es wirklich fuehlbar und schliesslich -auch fuer uns hier- sichtbar wird. Das waere mein und unser groesster Wunsch. Ich erzaehle Euch nichts neues, dass auch dieses grosse und reiche Land mit seiner grossen Hilfsbereitschaft nicht das gelobte Land sein konnte, vor allem nicht fuer den aelteren Einwanderer, der zudem nicht aus eigenem Entschluss kam, sondern durch die Ereignisse an seine Ufer gespuelt wurde. Ausserdem: ein alter Baum verpflanzt sich schlecht. Dabei hatten wir noch Glueck. Die Familie meines Bruders Robert, die seit 924 hier lebt, hat uns viel geholfen. Aber trotzdem: es ist z.B. nicht leicht mit mehr als 50 Jahren ploetzlich ein Fabrikarbeiter zu sein, wenn man sein Leben seither am Schreibtisch, auf dem Redaktionsstuhl, in der Verwaltung und auf der Rednertribuene zugebracht hat. Das ist nicht etwa so gemeint, dass ich degradierend empfunden hatte, mein Leben als Fabrikarbeiter zu verdienen. Fabrikarbeit ist keine Herabsetzung, hier schon gar nicht, und ich waere ein schlechter Vertreter der demokratischen Idee, wenn solche Gedanken je in mir aufkaemen. Die Tatsache als solche hat mich nie herabgestimmt. Aber die Umstellung des an solche Arbeit nicht gewoehnten Koerpers fiel nicht leicht. Dazu kam, dass ich frueher nie sparsam mit Koerper- und Nervenkraft umgegangen bin. Das raechte sich in diesem Land, wo dem" Greenhorn" nichts geschenkt wird und wo der" Newcomer" nicht selten unter Bedingungen arbeiten muss, die wir in den vielen Jahren unserer gemeinsamen Arbeit stets und mit Erfolg bekaempft haben. Mit diesen Worten wollte ich nur andeuten, dass die Jahre der Emigration nicht so leicht und muehelos waren, als es manchem von Euch, die Ihr alle viel Schweres za tragen hattet, vielleicht erscheinen mag. Unser unvergesslicher Genosse Rudolf Breitscheid sagte mir einmal bei einer Unterhaltung ueber Vorkommnisse unter den Fluechtlingen: Ja, lieber K., Emigration ist keine Zuckerlecke.... Im Sommer 1944 fand ich ganz zufaellig den mir aus meiner Heimat bekannten Genossen Max Steinmetz. Bei ihm bin ich seither beschaeftigt und damit bin ich zu meinem, einmal in jungen Jahren in Oberstein erlernten, Beruf zurueckgekehrt. Viele der besten Genossen und liebsten Freunde kann ich nicht mehr gruessen. Sie sind gegangen, Opfer unserer Ideale, fuer Freiheit, Recht und Menschenliebe. Ich denke an Hanna Kirchner, Emil Picard, Wilhelm Sieke, Wilhelm Kurth und vor allem an unseren Johann Doetsch und an die vielen anderen, die ich nicht alle nennen kann. Ich verneige mich vor ihnen. Die Hand druecke ich denen, die Hitlers K.Z. und Zuchthaeuser ueberlebt haben, und die heute wieder in den Reihen stehen. Manche Freunde schrieben mir: Komm!, komm' so schnell als moeglich, Du wirst gebraucht. Aus ihren Briefen sprach ein starker Wille und die Zuversicht fuer einen baldigen sichtbaren Erfolg ihrer Arbeit am Wiederaufbau der durch Hitler und den Krieg zerstoerten Grundlagen des staatlichen Gemeinwesens, der Arbeiterbewegung und allem, was damit zusam-` menhaengt. Ich habe schon manchem dieser Freunde antworten muessen: Das Verlassen der Heimat und der so sehr geliebten Arbeit war nicht leicht und nicht nur vom freien -2Willen abhaengig. Dass ich damals nicht geschnappt wurde, verdanke ich einer Genossin, der Frau unseres Genossen Doetsch. Sie warnte mich, von einer kurzen Reise ins Saargebiet, so wie es abgemacht und vorgesehen war, nicht zurueckzukehren. Die Gestapo hatte alle Vorbereitungen getroffen, mich in Koblenz zu holen. Aber auch die Rueckreise ist nicht so einfach. Auch da sprechen" staerkere Kraefte" ein gewichtiges Wort. Aber ich verspreche Euch, so lange ich nicht bei Euch sein kann, wie seither von aussen alles zu tun, was moeglich ist, in Eurem und meinem Sinne zu wirken. Es waren oft die gleichen Freunde, die nach einiger Zeit schrieben: wir raten, wenigstens noch eine Zeit zu bleiben. Die Aussichten fuer eine wirklich fruchtbare Arbeit liegen noch sehr im Dunkel. Wir sind ueberzeugt, dass Du dort eben soviel tun kannst, um unserer Sache zu dienen..... Darauf muss ich antworten: wohl versuchen wir - meine Freunde und ich- aus der Situation das beste zu machen. Wir konnten hier waehrend des Krieges feststellen, dass die Stimmung gegenueber uns, den Angehoerigen eines Feindlandes durchaus nicht feindlich war. Oft haben wir gefragt, wie es wohl sein wuerde, wenn die Laae umgekehrt waere. Und aus diesem Erlebnis, das wir dankbar feststellen, haben wir dann-vielleicht voreilig- den Schluss gezogen, dass man mit dem" anderen Deutschland" und seinen besten Vertretern einer demokratischen Staatsidee schnell zu einem guten Einvernehmen kommen wuerde. Heute-fast drei Jahre nach Schluss des Krieges- muessen wir leider feststellen, dass die Vorurteile gegenueber Deutschland und dem demokratischen Teil des Volkes eher noch gewachsen und viel schwerer abzutragen sind, als wir uns das vorgestellt haben. Und auch diese Tatsache ist verstaendlich: die wahre Fratze des Nazismus hat sich fuer viele, viele Menschen in diesem Lande erst nach dem Krieg gezeigt. Deshalb: Erwartet nicht zuviel von dem Einfluss einzelner. Vieles hat sich schon gebessert. Aber bis zu dem erwuenschten und notwendigen Umschwung ist noch ein weiter Weg. Aus all dem, was nur angedeutet werden kann, duerft Ihr schliessen: Es ist mein grosser Wunsch, bald wieder in Eurer Mitte zu sein. Wir werden uns eines Tages gegenueber stehen und sehen, jeder ist der gleiche geblieben. Aber auch, dass jeder an Jahren aelter und an Erfahrungen reicher geworden ist, vielleicht reifer, resignierter, wenn nicht mueder. Und mancher, der heute draengend sagt, was er alles von meiner Rueckkehr erwartet, wir erkennen, dass meine viel bescheidenere Einschaetzung die richtigere ist. Ganz persoenlich kann ich hinzufuegen: Mich ziehts in die alte Heimat und zu den Gesinnungsgenossen zurueck. Es zieht mich zurueck, gerade weil es nicht so gut geht dort. Und weil ich dieses Gefuehl nicht verstecke, sondern ruhig und vertrauensvoll zeige, sollt Ihr nicht draengen. Sobald es moeglich ist, werde ich kommen. So gruesse ich in alter Treue mit: Freundschaft und Freiheit besten Wuenschen fuer Euch persoenlich und Eure Arbeit und bin mit den immer Euer Euis Kirschman o den 11. Sept 1948. Mein Lieber Fritz Liebste Maria! Ihr werdet Eure Reise hinter Euch ha- ben 2. Und Maria liebe Mutter wird bei Euck se in? – Ich komme jetzt wenig zum Schreiben. Die ganze veränderte situation frisst meine kraft und Zeit. Sehr glücklich fühle ich mich nicht dabei, kann es aber nicht ändern. I sgendwie habe ich mir doch immer – wenn auch unter Anpassung an jeweilige Situationen. mein Leben selbst eingerichtet. Jetzt ist es nur noch Anpassune und fast keine Selbsbestimmung. So wachst es aus der momentanen Sie tuation heraus. – Emil geht es bedeutend besser. Ich habe ihm allen gesagt, dass ich Euchgeschrieben hätte, aber kein Eingehen auf sein Kranksein gewünscht habe. Jetzt würde E. sich über einen Brief für ihn, Glückwünsche, zu seiner Genesung usw. doch recht treuer. Er will demnächst selber schreiben, an Euch drei Kinder Er schreibt jetzt täglich ein wenig. Liest sehr viel. Es be druckt uns natürlich sehr, wass wir jetzt in punkt+ Helfen so imaktir sein massen, Leider. Aber in diesen Tagen soll doch wieder eine kleine Bestellung gemacht werden. Wir wissen sehr מען הכשוע c3 z2 l3 z3 l4 z2 L2 z3 L2 L to 84 I —— S H. It's ⁊ O a S S. . SECOND Fol.D E. S. H. G. B. wahl, dass es nach"otwendig" ist! Meine Reiserarbereitungen sind Im Gange, Gute Grüsse die schriftDas ist nicht auf einem einzelnen Eure. grosse Matti gemeint. 12. Sept. 48 Mein Lieber Fritz Liebste Maria! Für gestern habe ich Euch einen Brief(air letter) in den Kasten gesteckt, habe wie scha" als Strasse und Hausnummert vergessen. Vielleicht kann einer von Euch doch vorsorg. lich auf der Post reklamie. ren, damit der Brief nicht 22 4 wieder zu rück kommt. m3 0 C Emil hat heute einen Brie M 2 für Euch begonnen, der sicher recht lang und politisch wird. Jetzt ist er mit Käthe In den Park gegangen das ist der erste grössere Aus- Öng, es sind, normal, 5 Mini- 6.'s zum Eingang und es steigt Eure ein wenig. Herzlichse gr. Matti. doss MRS. MARIE JUCHACZ RAIS 339 EAST 173rd STREET SEP New York 57, N.Y. TA 1948 VIA AIR MAIL AIR LETTÉR PAR AVION Herrn Fritz Michael Röhl Haselburgstr. 6 München 9, Harlach,'n g. Bayern, Gevmany, U.S. Zone E. E. A. H. G F ANYTHING IS ENCLOSED, THIS LETTER WILL BE SENT DY ORDINARY MAIL NEM YORK 57 N° 4 עטפט אעינ בנעו מעתע לנוכט MARIE JUCHACZ 27.8.48. stobilans de beide a Liebe grosse Mutti, lieber Emil, liebes Käthchen, es wird höchste Zeit, das wir uns wieder einmal melden, aber die letzten Wochen waren eine ununterbrochene Jagd nach der Chance, die Währungsreform zu überbrücken. Bis jetzt ging es mit Hängen und Würgen, denn die freiberuflich Tatigen stehen überall an letzter Stelle. Marias abgeblasene Aufträge werden vor dem kommenden Frühjahr nicht wieder aufgegriffen, da die Bauwirtschaft nicht in der Form angekurbelt wurde, wie es vielleicht beabsichtigt war. Und Maria ist von der bow Bautätigkeit abhängig. Restaurationsarbeiten an kunstlerisch wertvol-20 1 den Baudenkmälern, die es ein entlich zu erhalten gilt, sind ganz und emdenist gar zurückgestellt worden. Dome, Kirchen und Hallen vermodern im komTa menden Winter noch mehr.- Wenn man Zahnehmerzen hat und rechtzeitig zum Arzt geht, kann er nicht nur den Schmerz schnell beseitigen und odossogar den Zahn retten, sondern es ist auch billiger, als wenn man wartet, bis der ganze Kiefer vereitert ist, aufgemeisselt werden muss und ein künstliches Gebiss eingebaut wird, das niemals in der gleich vollwertigen Form wie das natürliche gewachsene Kauwerkzeug für gute Verdauung und für Erhaltung des Körpers sorgt. • Die Stickerei- Fachschule in Naila kommt nicht zu Stuhl, weil die Verwaltungsbürokratie sehr umständlich ist und weil- um das Kind beim trechten Namen zu nennen nicht die Gelmittel vorhanden sind, um Do etwas auf die Beine zu stellen, was hervorragende Leistungen verBespricht. Der Mitarbeiterstab von Maria, der ursprünglich auf neun Personen festgelegt war, ist auf vier Menschen zusammengeschrumpft. Die Gebäudeverhältnisse müssen in primitiv- improvisierter Form in Kauf genommen erden,- die Stickerei- Fachschule, die sich zur Meito sterschule entwickeln soll und vornehmlich für die Export belebung der Industrie arbeiten soll, wird als kümmerlicher Betrieb mit einer Klasse gestartet werden( wenn es überhaupt in nächster Zeit zu einem di solchen Start kommt). Maria hat mit ihrer Assistentin Christa jetzt Los bei einigen amerikanischen Familien gegen ein paar Zigaretten und Lebensmittel die Wohnungen ausgemalt, aber davon kann man nicht leben. Ich schreibe mehr und mehr für die Fachzeitung" Der neue Film" bei der ich hoffentlich ab 1. September wenn auch mit einem bescheidenen, so doch aber mit festem Vertrag mitarbeiten kann. Die Mitarbei bei der Tagespresse ist sehr, sehr scher, weil die Zeitungen überlau fen sind von Tausenden, die sich durch Schriftstellerei ein paar Pfennige verdenen wollen. Aus dieser Situation entstand ein Brief an die European Supplies in New York. Die Unterlagen befanden sich bei dem Ausschnittmaterial, das vor einigen Tagen ankam und für mich sehr interessante Beiträge enthielt.- Als wir auf einer unserer kürzlichen Fahrten auch einen eintägigen Abstecher zu Paul machten, ergab es sich, dass Wilhelm Sollmann dort mit Röhle auftauchte. Wir haben uns eine Stunde lang unterhalten können, wobei ich feststellte, dass Wilhelm S. mit der grösten Selbstverständlichkeit als Amerikaner feststellte, dass die Entwicklung leider zwangsläufig dahin geht, dass wir für sehr, sehr lange Zeit ein armes und gerücktes Land und Volk bleiben müssen. Wieso müssen?- Seger sieht die Enticklung viel klarer, er ist ehrlicher und sieht Fehler, die man vermeiden kann und muss. Seger kämpft, Sollmann doziert. Der eine ist Sozialist, der andere Quäker. Wir haben jetzt Marias Mutter aus dem Pyrmonter Altersheim herausgenommen. Der Tages- Satz ist dort so hoch, und das Gebotene entspricht in keiner Weise dem Bezahlten, sodass es herausgeworfenes Geld ist, das wir jetzt vernünftiger anlegen, indem wir die alte Dame, die eine monatliche kleine Pension bekommt, ganz zu uns genommen haben. 3.56 Frühjahr werden wir irgendwo in Süddeutschland etwas ausfindig machen, wo sie mit ihrer Pension nicht nur anständig leben, sondern sich auch an ihrem Lebensabend pflegen lassen kann. Man findet heute schon Pensionen, die mit einem Tagessatz von 3.50 DM eine hervor ragende Verpflegung bieten. Mit 5 DM wird man in den besten Sanatorien wieder aufgenommen, sodass die alte Dame mit ihren 200 DM sehr gut auskommen wird. sehr gut auskommen wird.- Es war eine Notlösung im wahrsten Sinne des Wortes, notwendig für zwei Monate. Ab 1. Oktober weren Maria und ich wieder auf ganz festen Füsen stehen. fovane o Trotzdem verstärkt sich unser Entehluss, auszuandern, mehr und www Id mehr. Vielleicht ist der Brief etwas naiv und verkennt die Situaotion vollkommen. Wir wollen aber einmal diesen Versuch unternehmen, weil wir uns sagen: lieber im Ausland- und wenn auch mit tatkräfti bidinti ger Hana Arbeit wieder zu der Überzeugung kommen, dass diese Armies beit einen Sinn hat, als hier herumzukrebsen, was immer nach rücknwärts führen muss. So viel nur für heute. Paul schrieb uns jetzt, dass seine Hanna wieder Sorgen mit dem Herzen hat und liegt. Im Herbst will er in einen Kurort schicken.- Die Jungens haben wir nicht gesehe sie waren bei August und Hannas Verandten. DGU on Unser letzter Brief wurde einige Tage so herumgetragen, bis er dann doch Anschluss an den Luftweg fand( so hoffe ich). Dieser Brief geht an allerdings normaliter. In vier Wochen habt ihr ihn. Dann geht es turuxiss auf Ende September und in den Herbst hinein und wir werden wieder o ein Stückchen weiter sein als heute. Idrove bu evebusded tu exommons Tu rodeled Seid alle drei ganz herzlich gegrüst von uns beiden, wir denken wie Tonle a dimmer viel an Euch und Euer eigenes Schicksal, von dem wir noch imments mer viel zu wenig wissen, während wir Euch mit tausend Dingen beJesal helligen. Aber Ihr versteht es gottlob richtig, und deshalb geht But auch manches zu Euch, was man eigentlich nicht schreiben sollte. Se Join wird man es los und fühlt sich leichter. 1 1 Von Lotte habe ich lange nichts mehr gehört. Paul sagt, dass sie Ed einigermassen zurechtkommt. -fed pad or 50 as Nochmals Euch allen die besten Wünsche von uns beiden, red .allow asEuer m site is SIA- aus: 23.0 1. Den ty dea -Ide Jet is 1936.22 SOR b gi Lomb Jab- as oth bus etsy gim sibelde] Jela ban on IA is now Bet tas nedan 1 sals iets mi Jamoxed nokane sale Flisnom on An die European Supplies and Transport Co 173 East 86th Street New York 28, N.Y. 27. August 1948. Us d'ad edd. sis tbexx cond dol Sehr geehrte Herren, in der in New York erscheinenden" Neuen Volkszeitung" vom Sonnabend, den 3. Juli 1948, finde ich unter der Ueberschrift " Auswanderungsmöglichkeit von Deutschland nach Argentinien" einen Artikel, der mich zu diesem Schreiben veranlasst. Nicht nur meine Ehefrau Maria Roehl und ich, sondern ein grösserer Kreis von Bekannten von uns beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem Gedanken der Auswanderung, ohne bisher einen praktischen Schritt in dieser Beziehung unternommen zu haben. Der Artikel zeigt mir jetzt einen Weg, obwohl die darin erwähnten und erwünschten praktischen Berufe von meiner Frau und mir nicht ausgeübt werden, abgesehen davon, dass unsere in New York lebenden Angehörigen, Mr. Emil Kirschmann und Mrs. Marie Juchacz, beide wohnhaft 339 East, 173rd Street, New York 57, N.Y.. materiell nicht in der Lage sind, die erwähnten Total- Unkosten einschliesslich Passage 3. Klasse von einem europäischen Hafen bis Buenos Aires in Höhe von$ 495 pro Person zu bestreiten. Trotzdem möchte ich mich auf diesem Wege an Sie wenden und unsere persönliche berufliche Situation darstellen. Vielleicht findet sich dennoch ein Weg, unsere Absichten zu verwirklichen. Ich bin von Beruf Journalist und Schriftsteller, habe als Regisseur und Autor Bühnen- und Cabaret- Erfahrung, leitete selbständig einen Sender, bin Fotograf, und arbeite seit einiger Zeit auf Grund meiner früheren Erfahrungen in der neuen deutschen Filmproduktion in München- Geiselgasteig. Ich bin 40 Jahre alt und körperlich gesund. Meine Frau Maria Roehl, 42 Jahre alt, in Estland geboren( aber vorläufig noch mit deutschem Pass) ist Malerin, Gebrauchsgraphikerin, Modeschöpferin, und besitzt eine umfassende Kenntnis auf allen künstlerischen, kunsthandwerklichen, modeschöpferischen( also auch schneidermässigen) und kunstgewerblichen Gebieten. Das Bayerische Kultusministerium hat ihr zum Beispiel jetzt vorgeschlagen, eine Stickerei- und Webefachschule in Nordbayern aufzubauen und zu leiten. Die Lage in Deutschland ist allerdings zur Zeit so, dass die beiden Berufsgebiete von mir und meiner Frau nicht die Entfaltungsmöglichkei ten bieten, um mit unseren gesamten Fähigkeiten aktiv zu werden. Diese eingeengte Situation wird auch noch in weiteren Jahren vorherr. schen, sodass es fraglich ist, ob wir in absehbarer Zeit die beruflichen Möglichkeiten haben, die unserer Veranlagung und unseren Fähigkeiten entsprechen. CTI Vielleicht liegt es im Bereich der Möglichkeit, durch einen Kredit die Überfahrt zu bezahlen und diesen Kredit beziehungsweise Vorschuss durch Arbeit abzugelten. Ich habe meinen Angehörigen Kopie dieses Schreibens übersandt. Vielleicht wird sich meine Tante einmal mit Ihnen in Verbindung setzen, um den ganzen Fragenkomplex zu klärän. Möglicherweise erhalte ich auch schon vorher von Ihnen einen Zwischenbescheid, wofür ich jetzt schon Dank sage. Mit vorzüglicher Hochachtung! -ad was at si dovedo sin bad behov s peti ID JA Ec low sbiad .teras 03 no ato nel nedfor Equa ep a moved alsziA sonsud loom mobaJOT acou bu nebo side meestos do O 10 bmte te nov eeast. i als edad, 10101 LDA JIN +356 La delicato shoved o か bno 10% d dosegov fel d t -1-1. ben mendest badboys -efense. 19. med vita netluses stendu, dets. + 15edov sediew of door de bi dotto 02065 .053 . 12 27. Juli 1948. Meine liebe grosse Mutti, lieber Emil, liebes Käthchen, in unserer Korrespondenz hat es aus begreiflichen Gründen eine kleine Unterbrechung gegeben. Der letzte Luftpostbrief wird ja angekommen sein. Diese Zeit war ausgefüllt mit Versuchen, wieder Anschluss an das inzwischen währungsreformierte Dasein zu finden. Am Sonntag Abend sind wir u.a. von einer mehrtägigen Fahrt mit dem Wagen aus dem Gebiet der Handstickerei, Keramik und Korbflechtechterei um Naila( bei Hof an der amerikanisch- russischen Zonengrenize) zurückgekommen, wo wir uns die Möglichkeiten angesehen haben, 1150 die es auf Grund der Absicht des Kultusministeriums, dort eine 200.nes Handstickerei- Fachschule einzurichten, gibt. Maria wäre prinzipiapell bereit, nach Naila zu gehen. Die Aufgabe ist schwer, aber lohedete nend( künstlerisch). Ob sie in der erstrebten Beziehung, nämlich 61 der Ankurbelung des Exports, erfolgreich sein wird, dürfte allgeGemein bezweifelt werden, da die wirtschaftliche Entwicklung- so roweit man von einer solchen überhaupt sprechen kann- in völlig schleiervollen Richtungen verläuft, um schliesslich irgendwo zu versanden. Was hat es zum Beispiel für einen Zweck, bestimmte Stoffe herzustellen, die wunderbar sind, die aber Dank der Fabrikationsreste, die man uns vielleicht überlassen wird, so teuer her gestellt werden müssen, dass sie mit den Stoffen, die man jetzt Jotum fast ein Zehntel des Betrages aus Amerika auf den deutschen Le Markt wirft, nicht mehr konkurrieren können.- Ein Bekannter von suns, ein Siemans- Mann, der jetzt aus Italien zurückkam, hat festgestellt, dass die ȧterienische Wirtschaft so gut wie am Ende ist. tere no Die Fabrikanten sitzen auf ihren Vorräten und wissen nicht mehr, wohin sie damit sollen. Interessenten, die eventuell etwas abkauA fen könnten, dürfen nicht, weil sie nicht in Dollars bezahlen. Amestorikanische Waren haben Italien überschwemmt und sie zu billigen Preisen zu haben. Wir werden früher oder später alle umsatteln und uns doch dem Ackerbau zuwenden müssen, denn eine andere Chance werden einige europäische Länder nicht mehr haben. Wir sind auch schon so weit, dass wir nicht mehr an das segenbringende Amerika glauben, obwohl wir nicht verkennen, dass man unerhört viel tut, um Deutschland zu helfen, Wenn man aber hinter die Kulissen sieht, stellt man ernüchtert fest, dass man es ja nicht den Deutschen zuliebe macht, weil man sich vielleicht davon überzeugt hat, dass wir doch ein sehr brauchbares Volk sind, das Anspruch darauf erheben kann, gleichwertig und gleichrangig neben anderen Völkern zu leben, sondern weil es sogenannte übergeordnete Interessen sind, die im Augenblick dazu führen, dass es so tut, als ob man uns tatsächlich hilft, ohne jeden politischen oder wirtschaftlichen Hintergedanken.- Wir gehen in das vierte Jahr nach unserer Befreiung, aber von Freiheit ist nichts zu merken. Selbstverständlich sind id wir frei, wir können alles sagen, was uns bedrückt. Aber die wirkliche Freiheit fängt da an, wo man selbst das tun kann, was hilft. Aber wir können ja nicht exportieren, wie es uns gefällt, und wie es denen gefällt, die von uns importieren. Das wäre eine gesunde Entwicklung, wenn man uns die Freiheit liesse, frisches Gemüse zu billigen Preisen aus Holland einzuführen, statt Gemüsekonserven für kostbare teurere Dollars aus den Staaten. Wir wollen den Holländern etwas von unseren Sachen, die Holland gebrauchen kann, abgeben, aber wir dürfen nicht. Die Holländer wollen aber diese Sachen von uns haben. Man sagt ihnen: kauft das von den Engländern, aber + 08indel r 1193 3 de fe er kauft es dann überhaupt nicht.- Dem Siemens- Mann istnin der Schweiz und in Italien gesagt worden: sobald Ihr liefern dürft, denkt an uns! Wir kaufen Euch Eure elektrischen Erzeugnisse ab, denn Ihr stellt sie besser her als die anderen. Aber Siemens darf nicht liefern. Das ist wie mit den Demontagen: man erfindet einen sehr schönen Marshall- Plan, der mit dem ERP in die Wirklichkeit umgesetzt wird, stopft unerhörte Dollar- Beträge in Europa hinein, Steuergelder der USA- Bürger, und könnte diese Gelder sparen, wenn man uns unsere wahrhaftigen Gotts nicht kriegswichtigen Industrien lassen würde. Aber nein: eine Fabrik für Bleichsoda, die in der Form, wie sie dasteht, einen effektiven Wert von 22 Millionen Mark darstellt, muss abmontiert werden. Da die grossen Kesselanlagen durch keine Türe gehen, werden die gesamten Gebäude niedergerissen. Der effektive Wert der Fabrik ist manh vollzogener Demontage auf den Wert von 2 Millionen Mark zusammengeschrumpft, der übrig bleibende Schrott und Schutt umfasst etwa nicht den verbleibenden Wert von 20 Millionen, sondern kostet dem Staat noch etliche Millionen d zu, damit er weggeräumt werden kann. Das nennt man dann Wiedera bau. Der Irrsinn geht aber noch weiter: die abmontierte Febrik mit ihrem Wert von 2 Millionen Mark wird uns für diese 2 Millionen in Rechnung gestellt, und nicht für den ursprünglichen effekti ven Wert von 22 Millionen. Und um den Kohl fett zu machen, wird die abmontierte Fabrik nachdem ihr Transport weitere Unsummen verschlungen hat- nach Ankunft im Bestimmungsland verschrottet, weil es sich nicht lohnt, sie neu aufzubauen. Das würde zu viel Geld kosten. Die gesamten Unkosten und Schäden, Frachtspesen und Löhne für Abbau, Transport, Verschrottung usw. sind aber gross, dass man damit eine Produktion der nicht abmontierten Fabrik auf fünf Jahre hinaus hätte finanzieren können.- Jetzt macht uns armen Irren einmal klar, wo da der Sinn aufhört und der Unsinn anfängt.Hitler hat Europa zerstört, weil er wahnsinnig war. Er scheint nicht der einzige Wahnsinnige zu sein, der nach dem zweiten Weltkriegsmorden von einer Mehrzahl gefährlich getarnter anderer Wahnsinniger abgelöst wurde.- Kürzlich las ich in einer ausgezeichnet redigierten deutschen Zeitschrift zwei Artikel, die den Nagel auf den Kopf trafen. Der eine stammte von Schwarz aus New York und sagte unter der Überschrift" Du bist Orplid, mein Land!" sehr viele und sehr bittere Wahrheiten aus über die Wertschätzung, die uns ganz allgemein zuteil wird, auch durch die USA, die uns in mancher Beziehung für sehr dumm halten müssen. Der andere Artikel hatte die Überschrift" Der Mensch ist dumm!" und bewies die bittere Wahrheit, dass die ganze Intelligenz der Menschheit ausschliesslich dem einen Ziel zusteuert, diese Menschheit mit Stumpf und Stiel auszurotten, anstatt sich die Intelligenz zum tatsächlichen Fortschritt nutzbar zu machen. Jede heilvolle Erfindung dient in ihrer ersten Verwirklichung ausschliesslich dem Zweck, so ausgenutzt zu werden, dass ihr Nutzen in erster Linie Schaden anrichtet.- SO Maria und ich haben nicht die geringste Lust mehr, in Deutschland oder auch in Europa zu bleiben.Südamerika, Südafrika, wenn es sein ven muss auch China. Oder wir bauen Kohl. Ab пэ Ich werde in der nächsten Zeit bei Radio München mitarbeiten, Artikel und Berichte für einige Zeitungen und Zeitschriften schreiben, und vielleicht in absehbarer Zeit in einer sogenannten festen Anstellung hängenbleiben, sodass wir eine materielle Basis haben. Vielleicht übernimmt Maria die Leitung der Stickerei- Fachschule -Tob - 2- bed reda J. - in Naila. Für ein Jahr kann man das mal machen. Naila liegt zwar enost direkt an der amerikanisch- russischen Zonengrenze, aber Maria ist Te -sib ou schon einige Male aus unangenehmen Situationen herausgekommen. Ich bleibe in München und lasse mich von Marias Mutter die wir ab 16. August zu uns nehmen, wohnungsmässig versorgen. Zum Wochenende fahre ich nach Naila, oder Maria kommt nach München. Das sind keine Entfernungen, und unsere Gemeinsamkeit wird durch eine örtliche - Entfernung nicht im geringsten beeinträchtigt. Vielleicht muss ich os in den ersten Wochen in Naila intensiv mithelfen, damit Maria es mit dem Aufbau leichter hat. Sie bekommt wahrscheinlich dort eine kleine Dienstwohnung, ein Zimmer wird sie benutzen, das zweite ihre Assistentin Christa Voigt, die als Schriftlehrerin mit hinaufgeht, das dritte Zimmer wird Studio für private Arbeiten, die Maria nebenbei ausführen wird, denn einige ihrer zwar im Augenblick stillgelegten Aufträge werden sicher wieder in Angriff genommen. Die Münchener Wohnung bleibt so, wie sie ist, was auch keine materielle Mehrbelastung ist, denn Maria bekäme einen Wohnungskostenzuschuss von DM 50.00. 0 id 怪 Am 4. oder 5. August werden wir eine etwas grössere Fahrt gen Westen unternehmen, so wie wir es im vorigen Jahr auch machten. Damals kamen wir allerdings über Bremen und Hamburg bis hinauf nach Cappel- Altendeich. Diesmal geht es nur ins Rheinland, zuerst nach Mainz, wo ein Architekt, Bekannter von Maria, bei der UniversitätsBauleitung sitzt. Von Mainz nach Frankfurt/ Main, wo wir am 7.8. vormittags um lo Uhr den aus Kopenhagen einlaufenden Zug erwarten, der unseren Bekannten Dr. Mengin nach kurzem Aufenthalt weiter nach Basel trägt. Dieser Bekannte hat einen Ruf nach Buenos Aires als Sprachwissenschaftler erhalten( er spricht aztekisch, popokate" petellisch usw.) und hat Maria erst jetzt wieder mit einigen sehr schönen dänischen, englischen und schweizerischen kunsthandwerklichen und modisch- handarbeitlichen Zeitschriften versorgt. Nach diesem Zusammentreffen fahren wir weiter zu Paul, wo wir wenige Tage bleiben wollen, um uns etwas anzuessen.( Paul schrieb uns einen kleinen Brief mit erfreulich optimistischer Tendenz, dass nämlich die Währungsreform endlich den Wert seines geringen Geldes, das vor der Währungsreform wertlos war, wiederhergestellt hat, und dass er sich jetzt tatsächlich für sein Geld etwas kaufen könnte, wenn es etwas zu kaufen gäbe. Es gab etwas zu kaufen, aber die Franzosen bekamen einen so günstigen und umfangreichen Umrechnungskurs, dass sie auf einmal reiché Leute waren und jetzt noch mehr als vorher mit einem Male alles aufkaufen konnten. Rheinland- Pfalz ist ein armes Land geworden. Die Franzosen haben an der Art der Währungsreform, wie sie dort durchgeführt wurde, ausgezeichnet verdient. In der französisch besetzten Zone hat man deshalb auch das Gefühl, dass diese Reform nur deshalb gemacht wurde, - um diesen Teil Deutschlands restlos auszukaufen.- Ich bin- als 6. abzweigenden Spross am grünen Baume meiner kosmopolitischen Einstellung gesehen- frankophil, war es immer schon, liebe die französische Sprache, liebe Paris, die französische Literatur, die Maler, die Mode, aber ich verachte die französischen Chauvinisten, die unter dem Vorwand der ewigen Angst vor Deutschlands Überlegenheit jede Chance wahrnehmen, um sich zu rächen, an denen zu rächen, die ihnen eine offene und ehrliche Hand entgegenstrecken. Warum müssen die Franzosen immer da aus der Reihe tanzen, wo sie ihre primitivsten Vorteile wahrnehmen können! Sie unterschrieben die - - I da SiteM die Londoner Empfehlungen, stellten aber Bedingungen, die derartig offenkundig waren, dass- wäre ich Amerikaner oder Engländer gewesen- ich gesagt hätte: Meine Herren Franzosen. Die Zone, die sie besetzt halten und in einer Form ausplündern, die den nazistischen Ausplünderungsmethoden in nichts nachsteht, war ursprünglich von uns besetzt. Wir haben Euch gastlicherweise diesen Raum zur Kontrolle gegeben, aber nicht zu dem Zweck, dass Ihr die Armen noch ärmer macht. Sieht der USA- Burger nicht auch da die Diskrepanz zwischen Aufwand und Ergebnis? Millionen Tonnen Lebensmittel wandern nach Deutschland, in der Bizone fliessen diese Lebensmittel tatsächlich in die Kanäle der deutschen Verbraucherschaft. In der französischen Zone versickern die Zuschüsse schon im französischen Verwaltungsapparat, und der Rheinland/ Pfälzer hungert. Amerika scheint viel zu viel Geld zu haben. Man sollte es drüben lieber verbrennen.Von Paul fahren wir etwa um den 12.8. herum über Köln zu Lotte nach Düsseldorf, von dort nach Wesel, und am 14.8. nach Bad Pyr mont. Marias Mutter liquidiert das Altersheim zum 15.8., am 16.8. nehmen wir sie mit ihren Habseligkeiten in den kleinen Wagen und bringen sie nach München. Hier hat sie ein kleines Zimmer, das wir ihr so nett wie möglich herrichten und das auch im Winter heizNos bar ist. Wenn man heute etwas Geld hat, kann man sich auch die ate inte Jad I -hig ib ind Kohle kaufen, die man im Winter braucht, um nicht ständig aufeinanderzuhocken in einem Raum, sodass allen geholfen ist. Für ihre kleine Rente kann sich Marias Mutter nicht nur gut ernähren, sondern sich auch an unserer hohen Wohnungsmiete beteiligen. Wir haben also in der 70jährigen Dame nicht nur eine ideelle, sondern auch materielle Hilfe, und ausserdem fühlt sie sich hier wohler als in einem Altersheim, in dem mehr Irre als Alte wohnen. Sie lebte bisher mit fünf Personen in einem Raum, war von den fünfen die einzige, die gesund war und die aufpassen konnte, dass die anderen keinen zu grossen Unsinn anstellten. Eine ältere Dame kam abends erst dann zur Ruhe, wenn sie ihre verschiedensten Bedürfnis se in einen Hausschuh, in eine kleine Bank, in eine Tischschublade oder in andere ähnliche Dinge hineinerledigt hatte. Auf die Dauer muss selbst der gesündeste Mensch in dieser Atmosphäre y rückt werden. Jetzt, nach der Währungsreform, kann Marias Mut mit ihren 200 Mark etwas Vernünftigeres anfangen. Mit 200 Mark kann sie sich in einer Pension in einem bayerischen Luftkurort zur Ruhe setzen, wenn es ihr Spass macht. Vielleicht macht es ihr im nächsten Jahr Spass. Wir haben nichts dagegen.Um es nicht zu vergessen: vor unserer Fahrt nach Naila kam das Hope- Paket an. Es trägt seinen Namen mit Recht, denn es erfüllt die schönsten lukullischen Hoffnungen. Auch dieses Paket war in seiner Zusammenstellung äusserst glücklich, und wir natürlich auch. Wir leben- da wir im Augenblick kein Geld haben- im wesentlichen aus diesen beiden letzten Paketen, kaufen uns etwas Frischzeug dazu, sind gesund und aktiv wie immer, haben gelegentlich einen kleinen Missstimmungs- Koller, wenn wir an die Unzulänglichkeiten des Daseins im allgemeinen und im besonderen denken, und haben gottseidank nur sehr wenig Zeit, an diese Unzulänglichkeiten zu denken, weil wir dauernd etwas zu tun haben. Und nicht nur etwas, sondern sehr viel. Dieser Brief geht leider den normalen Weg und braucht deshalb seine Zeit. Aber Hauptsache ist, dass er geschrieben wurde. Wir wünschen Euch allen alles Gute nach wie vor, und sind mit den den 22. Juni 1998. Meinlieber Fritz, Liebste Maria nun komme ich mit meinen guten Wünschen für Genesung und zu deinem Geburtstag viel zu spät. Emil erinnerte heute morgen Elaran, als wir bei ihm in seinem Kranzenzimmer frühstückten. Mit ìch an isaría scùrte í, hwòe i’ok nìoht maar an de se Maschine gesessen und seit gestern überhaupt Erst angefangen, nebenbei etwas von der an, átaufénen't's's̃ŝt̃ zã mãt: ʔx. Ech schrĩd tarin, nom dat arste a Attach'l cìn Emil erlitt Es der Nacht vom 12. Juni ist Juni hatte er ein Luntenordem vom Versorgen der betr. Herzhlup, so anhötanden, die es erlaubte, daß sich wie würde mit Wasserfällte, der befährdete Amt vor ihm Brüder in 18 Minuten zur Stunde, stärkstete cofindar, daɱn rad an mui ˩t-to."ghotnafýt" sanetastrip ira a uuch st son nok an i etuile. A”, Binnan t-e-ns, a-t-n,'n's h-i-lihnün-i müdün ſich ſein müßte, daʒ man nicht zu einem kunigsten war und auch lieb so, käthe liess sich von Dienst beurlauben und ist in der weiten Hoche anhande. Emil hat alles bei vollem Bewusstsein erlebt, ist überhaupt, wenn er nicht schläft(und er muss viel schlafen) geistig Sehr rege. Das macht es ein wenig schwerer weil wir grade deshalb Besuch der Freunde ternhalten müssen, er ist zu intressiert and dem Aeszmaskel darf nichts zwismater werden. Die befreundeten Ärete sind rühren und aufspfernd. Einer Ärstin, die Emil nach dem Tode ihres Bruders schon mit Jahre behandelt(völlig emodnst) wollen wir jetzt zur Einrichtung ihrer neuen Fällichkeit Bilderowie vor Maria geben. Sie freut sich sehr darüber.- Wenn wir einmal mach D. zurück kehren können wird uns Maria sicher eine neue Serie fertig machen, Ihr h. : einmal geschrieben, dass das möglich e – Une meine Reise mitglichkeiten je ich mich nan noch nicht kammern nen. Die Einladung von Hannover "gaade zurecht für die erste me, die Emil Schiff und Aurde den unheimlich grossen Berg an. pligter Post geleist, als mit der anneinmüssen wird angeführen ist. ut noch nichts abwiesen, wir in nopon aunar ˩˧˧ ˧ʔ˧iʔ ʔi˧nɛs is und manachten, dass Emil sich geund Scholt am verzuführe zu sòin, ach i ˩ʔ˧ an wur, đxɔɔ i'on auf meiner keine alle Hößlichkeiten erkunden sollte, die seine Oberstüdelan, miť, libh muchen hdˀnnten, ᚳil Plan besteht noch und einer seinetäße wichen freunde möglich- ihm waren sichts Gesünderes- nicht so anstrengendes Klim und die andere Atmosphäre würden ihm gut 4 u. 2. Vorläufig müssen wir uns aber anauf einrichten, den stichigen Sommer New York in derbringen. E. ist "oh+ raden fählt, und braucht unshier in der Wert-Ihaftliebe sage ich nõi.- no habt i'hantusde genug. in diesem freien Land nicht auf. ist, verdient nichts. Der Euch beide I-ks, im Herrn Beruf steht, ist das Gleiche – und Krankheiten ist eigentlich ein Lucas für Reich. alte Bitte: Nicht breit auf diesen f, einzelnen, manka n’a Anteilnahme den indem man überhaupt schreibt es ich damit nun auch über Deine wünschen keine Worte verliere, versteht an münden ist. Zunich wird Barche wuch so – soll ich einmal n, nehme ich an Das ist nun wahrhafft: Mein konntestägend boizý. Abar ł. Mażo, i trat dòm si dich mit unzuvun heimlich und wissen, winnendt und Euch sind, wieder hilft das nicht viel, ich empfinde diese's Gefühl der Ehrmacht immer sehr peinlich so sehr, dass es sehrmerhaft ist! Zwischen den beiden Attacken habe ich im Auftrage Emil's noch zwei Bestellungen für Euch aufgegeben eine an Marile. eine an Dial addressiert. Eure kleinen Wünsche: Tei, Cigurrette, papier, sind noch nicht erfüllt, es geht auch käche zu bisschen, über die Kraft trotzdem Sie bei mit ihren zu(und unvielleicht) Aangefänger ist. Wie gut, dass die die Krankenpylage erlionte und an die — à 3. Mit geht es in dem letzten Nacher auch nicht all-a, u.t. Ich bekam einbisher. Echifelis und das hat zuholfen. Ahn Ich soll doch nicht hinrîn. Tün es auch. Und Ein ihn son ist sich fünf, dass von dem anliefen Ende und Abnenn, nicht wir des Anothènes l’espense. Mit d’un des Ju-n wünschen von a„s über Eure grosse Nu- MON 50 14.6.48.- 16 N Absender ( Name, Wohnort Straße, Haus- Nr Gebäudeteil, Stockwerk; bei Unte mietern auch Name des Vermieter Grosseinkaufe München 50 Thalkirchneretr Nachnahme 3 RM 20 Rpf Bi n das Paket obenauf ein Doppel der Aufschrift zu legen ( F AXA . Eir ERFANEST UNITED STATES JOUE REST MIN MAN YOUNITED STATES FOLD SIDES OVER AND THEN FOLD BOTTOM UP AND SEAL NO OTHER ENVELOPE SHOULD BE USED. He den 15.Mai 1948 Meine liebe Maria, 66 Dein Brief vom 1.zum 2.Mai kam gestern.Er war aber auch erst am 6.befoerdert worden, sodass er trotzdem ue berraschend schnell hier war.-- Das ist schlimm mit der Ischias.Welcher Art ist die Kur? Bekommt er Spritzen? Das macht man doch seit 2 Jahrzehnten viel und hat es sehr vevollkommnet.Welcher Art sind sie? Hat man die note wendigen Medikamente? Ev.laesst sich hier Fehlendes von Arzt zu Arzt beschaffen. Wenn der dortige Arzt es aufschreibt und wir gehen hier zu einem deutschen Arzt, der eine Praxis haben darf. Es gibt viele, die wir auch kennen. / geworden/ 976 Als Dein Brief ankam, war Emil grade wieder einmal krank/ ernstlich. Aber es ist die alte Marotte, er will nicht, dass ich Nachrichten darueber in die Welt sende und ist( nach Wochen oder Monaten) sehr aufgebracht darueber, wenn jemand von drueben darauf zuruck kommt. Dann weiss er immer erst, dass ich davon geschrieben habe. Er muss mindestens 14 Tage, wenn nicht laenger, fest im Bett liegen, mit Steckbecken und allem was dazu gehoert, darf auch keine irgendwie anstrengenden Bewegungen machen usw. 19.Mai. Die Pflege Emils nimmt mich, ausserdem Käthe morgens und abends, vollkommen in Anspruch. Es war eine Verkrampfung der Coronary Arterien, die Sache hat( trotzdem es kein schwerer Anfall war, doch die Neigung( nach aeztlicher Erfahrung) im Zeitraum von drei Wochen in staerkerer Auflagewieder zu kommen, deshalb die ganz strenge Bettruhe die auch sonst sehr notwendig ist) Eigentlich sollte Emil ins Krankenhaus geschafft werden, aber die Aerzte haben sich davon ueberzeugt dass er zuhause gut aufgehoben ist und sorgsam gepflegt wird, sodass sie ihm die Erregung des Transportes und den Schock ersparen konnten An Micha will ich auch zu schreiben versuchen, Du verstehst wohl, wenn und warum es noch nicht geschehen ist? Emil denkt viel an ihn und ist ein wenige(?) ungluecklich in dem Gedanken grade jetzt so behindert zu sein. Kaethe und ich nicht minder. 19 Käthe hatte sich schon vorgemerkt, was sie Euch wieder schicken wollte. Eine Freundin von uns, nicht mehr so sehr jung, bekam Zwillinge, als Zugabe zu einem kleinen Maedchen, das noch nicht ganz 1 Jahre alt ist. Sie ist ein absolut geistiger Mensch, der Mann ist Handwerker Sie war immer gewohnt wirtschaftlich selbstaendig zu sein und in ihrer Weise zu arbeiten. Nun muessen sie zu fuenf mit seinem Verdienst haushalten.Kathe hat sie gepflegt und die Kinder versehen, sie hatte dazu Urlaub genommen. Dann ist sie neben ihreer Arbeit noch immer dort gewesen um die beiden Buben zu baden, und der Mutter einige Ereichterung zu schaffen. Das musste sie jetzt aufgeben, um Emil zu hela ren. Das war die Ursache, dass sie etwas mit den regelmaessigen Paketsendungen an alle unsere Lieben nachhinkte.Aber Ihr bekommt bestimmt Tee und Kaffee usw. Ich schreibe, sobald eine Bestellung erfolgt ist. Fritz muss wieder gesund werden. Es muesste schon ein ganz besonderes Verhaengnis sein, wenn er nicht wieder laufen koennte. Ich denke immer an meine( auch besonders schwere) Ischias zurueck.Wohl ist das Bein ein wenig schwaecher, weniger leistungsfaehig, geblieben- auch empfindlicher, aber einen schwereren Anfall habe ich seit vielen Jahren nicht mehr gehabt. Man darf aber lange Zeit, sehr lange Zeit, nicht in gebued kter oder halbgebueckter Stellung eine Arbeit verrichten, muss auf das leise" Ziehen" achten, das sich als Warbungssignal einstellt bei einer solchen Beschaeftigung, kein anderer Mensch kann dabei helfen, man muss selber achtgeben.Wenn es die Ischis- Wurzel ist, die sich leicht entzuendet, muss man auch stets fuer eine leichte, muehelose Verdauung besorgt sein, weil die Auslaufer des Nerv's in den Darm gehen und auf jeden Druck und Anstrengung antworten.-- Ohne dass man darueber zum Hypochonder werden darf, muss man sahon, wohl oder uebel, auf sich aufpassen.So eine Art der Erkrankung hat es an sich, dass die Menschen der Umgebung es nicht wissen koennen, dass man bestimmte Arbeiten nicht machen kann und darf und dass es manchmal nicht verstanden wird, dann muss man es ihnen eben sagen. NEW YORK 57, N. Y. 339 EAST 173rd STREET MRS. MARIE JUCHACZ STATES TRHETSK WET STATES FOREIGN AIR MAN FORE STATES FOREI STALLS UREICH AN COSTAY IMAG επ Fuer das, was Du mir ueber Lotte XXX geschrieben hast, bin ich Dir sehr dankbar. Ich wusste wohl, dass Lotte nichts weniger mals ein gluecklicher Mensch ist, es auch nicht sein kann, bei ihrer ganzen Art und Veranlagung.Was ich Dir darueber schrieb, dass sie- ihre Arbeit vernuenftig rationiert, hat mit den sonstigen Lebens-Male umstaenden nichts weiter zu tun.Ein Freund, der sie besucht hatte, selber Jurist, und seine Frau, schrieben mir, dass Lotte ihr Praxis absichtlich klein halte, um sich gesundheitlich, kraeftemaessig, nich zu uebertun. Das fand ich vernuenftig.-- Dann lief es mir in meines mike Gedanken/ ein, als ich Euch schrieb.Ich las mit Unbehagen aus Euren Briefen zwei Dinge. Das erste war, dass Fritz zwischen Muenchen und Nuernberg hin- und herpendelnd( fuer uns hier sehr deutlich) die Sache der Hahns( und so weiter) betrieb.Zweitens, dass auch Du Deine fuer Deine eigene Taetigkeit so kostbare Kraft dafuer mit verwendetest. Vielleicht habe ich mich ungeschickt ausgedrueckt.Auf jeden Faller Hewar es Besorgnis.Wir brauchen nicht lange darueber zu diskutieren. Jedenfalls erscheint mir das, was Du jetzt tust, fuer Dich selber, MAIL ΟΙ U.S. POSTAGE VIA AIR MAIL PAR AVION MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 7, NY, AIR LETTER MAY 20 YORK 7948 630PM G BRO 2 Frau Maria Neppert- Roehl c/ o Fritz Michael Roehl Muenchen 9- Harlaching Haselburgstr.6 American Zone, Bavaria, Germany на ( 13a) T BOMGAAUGU NOTED STATES FORE MAIL THITED IF ANYTHING IS ENCLOSED, THIS LETTER WILL BE SENT BY ORDINARY MAIL STAFTS FOREIG STOP GNOD3S בסרם UNITED STATES FORTOCNA TEREIER AP MAIS HER STEES FOREIGN ATST ZUNTER ST S HES FOREIGN AIR MAIL RUNTON STATES POBLISH AIN FIRST FOLD 12 sehr viel sinnvoller und richtiger.Ich kann mir sehr wohl vorsteller dass man von einer Arbeit so erfuellt ist, dass man ueberhaupt kein Zeit- und Kraeftemass mehr anwendet. Ich bin auch von der Sorte, die mudas einfach muss, wenn es dazu treibt.. Aber ich hatte einfach Angst, dass das bei Britz fuer einen zwecklosen Leerlauf geschah.* Und die weitere Entwicklung scheint mir sogar recht zu geben. D STATE Aber die Hauptsache ist, dass unsere Patienten wieder auf die Beine kommen. Es muss ja auch fuer Dich, fuer Euch drueben, wieder die Sonne scheinen; bitte nicht vezagen. Ich habe eine" airletter" genommen, da darf man kein Zettelchen einnlegen. In den Brief an Fritz werde ich zwei internationale Antwortscheine einlegen, dafuer kann man eine solche airletter auf der Post eintauschen, um schnell antworten zu konnen. STATES UNITED TORETS AIR MAIL ITED STATES FORE Seid ganz herzlichst gegrusst von un drei UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED WALL UNITED STATES FORCION ATE MAT THE AIR MAHE UNITE ALLS UNITED STATES FOREIGN OR MAINE ZENITOR STATES FOREIGN AIR MAIL 20 #ab 1080 1.0 bet rod edo 1.50s bow all sor or gehdot eir te feo on 02 Essebol 5. April 1948. 0 day t Liebe grosse Matti, liebes Käthehen, lieber Emil, anfor eff 261 al as in odroddion weblade EI OLE: I 2. eigentlich sind wir Euch schon mehrere Brife sehaldig, wachdem wir - Izwar im Febraar reeks fleissig waren, dann aber ein grosses Lock exbeteken mol 110 liessen. Aber Ihr ke se ungefähr die Ursachen: nach der Rückkehr von -> tb#seb Poul ligidiorte ich den Wirfel. Auf Anraten der Militärregierung sehied ish di 01) sus, um tek meine Lizenz aufs Spiel zu setzen, da ich zwar als Lizenzträsta tedger auch für die kaufmännische Führung des Ladens hätte verantwortlich sein missen, es aber nieas war, da Dr. Haka, der kommerzielle Direktor, die Monopolstollung beass ad die übrigen Gesellschfter( lle mit ihm versippt and versehwägert) so tanzten, wie er pfif. Teh war der einzige Webfehler. -* 0) 5 med Jetzt habe ich mich endlich um den Aufbau des Autos kümmern können und andatealthgefähr alles beisammen, bis auf unbedeutende Kleinigkeiten. Ich warte zwar soch auf die Felgen aus Köln, die sekos am 17. März geliefert wurden und boch wiekt eintrafen, und danx rollt die Kisse erst in die Werkstatt, aber ich habe gemerkt, dass man hieraande ohne Wagen sin halter Mensch ist. D. avih, man is an sich schon ein halber Mensch und wird dareh die schlochton Verkehrsverhältnisse moek halber weed bik dust in Im übrigen es ist Frühlingszeit, und ich habe wieder meinen Ischias- Kammer. Iek bewege mieh seit drei Wochen mit Sekhmerzen, habe aber noch nicht gelegen, wie vor zwei Jahren drei Monate, und vor einem Jaar sechs Wochen. Aber mit diesem lahmen Kreuz hätte ich sowieso sieht im" Wirfel" arbeiten können. Wir müssen da anknüpfen, wo wir das letzte Mal aufhörten mit dem Brief: wir sehrieben, dass der Aazagstoff da sei, aber wir nur noch keine Mitteilung erhalten hatten. Die traf einige Tage später prompt ein, und ich brachte den Stoff sofort zu meinem Sehneider, der ika zu einem schönen Anzug verbanen wird. Die Besehafung der Zusätze war kompliziert( Fatter, Leinon, Steiflei- 2 ex), hat aber geklappt. Ausserdem kam auch das Care- Paket für Maria, so8 dass wir daraus eine Kleinigkeit opferten und Hera Sebeider freundlicher machten. Mit dieser Methode hat es jetzt innerhalb von vier Wochen auch so gut mit der Beschaffung von Ersatzteilen für das Auto geklappt. Wir waren sehon im vorigen Jahr so voreilig and gratulierten Dir zum 70., Du hast das damals auch richtiggestellt, wie ich jetzt exhgelesen habe, aber ich dachte, es wären inzwischen schon wieder zwei Jahre herum. Se kast Du also noch ein Jahr gut bei uns. Eigentlich ein schönes Geburtstagsgeschenk! Maria konat den Ausdruck" stoober" genau so gut wie" sehmökera", und auch den Untersee swisehen beiden Worten. Sie antwortete mir, als ich ihr die Stelle vorlas " Beim Stoobern auf dem Dachboden fand ich eine alte Schwarte zum Selmcekera". Schön, dass die drei DrucksaekenSendungen ankemew. Vielleicht könnt Ihr damit was anfangen. Ich lese jede gedruckte Zeile, die von Dir komt. Vielleicht werde ich ab 15. April wieder Film- Presse masken, das läuft in diesex Tages an.- Maria ist heute Abend nach Frankfark gefahren( ich habe ihr ein Bets im Sehlafwagon organisiert!! 1), von dort fährt sie über Köln Bach Wesel, kommt in sekt, Tagen zurück wad stürzt sich gleich in eine neue Arbeit hier: Ausmalen einer Etage mit Aufenthalteräumen in Community- Haus des P.Ex in Harlaching. In etwas weiterer Sit liegen für sie: Vorbereitung einer grossen Kunst- und Kunsthandwerk- Ausstellung zur 700- Jahr- Fair, Don Köln, und Gestaltung des wiederaufzubauendon alben Doms in Wesel, der so traditionsreich ist wie der ebaso berühmte Dom in Xanten.- Ihr habras so manderbar mit den schönsten Dingen versorgt, dass wir kaum wagen, Winsche zu äussern. Aber Kaffee ist nach wie vor unser Hauptnahrungsmitiel, zwar sparsem, aber doch regelmässig genossen richtet er keinen Sehaden an und erhält jung. Und wenn zufällig mal ein Päekehen Tee mitkommen sollte, wäre das ebenfalls herrlich( Klärchen and August haben uns etwas geschickt, sie hatten eine grössere Menge gerade von irgendwo her bekommen). Und: gibt es drüben Zigarettenpapier? Dann kann ich mir aus Eigenbau und von der" Späterate letzter Eisenbahnschnitt" etwas dreken. Paul hatte mir kürzlich etwas Pfälzer Tabak besorgt, aber wenn ich diesen Krempel qualme, geht Maria irgendwo fern in Deckung. Da ich diese ausgeborgie Maschine morgen surückgeben muss, geht der Brief zu Ende, damit ich den Rest sekaffe: noek twas Behördenakram wegen Schläuchen fürs Auto, Verlängerung der Interzonenpäsee new. Woll, ak morgen aller per Beone erledigen. Und Wisehe, fortbringen in die Wagen rei. Und Schuhe zur Reparatur. 20v diadzel ba Zar politischen Lage kann man viel, oder auch garnichts sagen, gegrüsst, aneh von meiner und Eurer, Maria, und von Eurem darüber vergehen noch viele Jahrzehnte.- Seid alle herzlichst Mal machen wir nicht mit. Dann drehen wir der Gashahn auf.- Aber und trotzdem entspiat sich etwas. Hoffentlich gehts gut. Ein 3. Ich sage lieber garaishts. Es spannt sich, es entspannt sich, 94 MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y. den 23.Februar 1948 Mein liebster Fritz und liebste Maria, ich schreibe in hoechster Eile, will aber doch umgehend antworten. 25.Oktober 1947(!!!) ein.Heute ist der Soeben traf Dein Brief vom 23.Februar 1948. Es geht mir also nicht allein so, dass ich die Adresse unvollkommen schreiben. Ich habe schon Briefe mit den unmoeglichsten Adressen bekommen und bei kleinen Fehlern mit hoechstens einer umgedrehten Zahl wie diesem , 9 geht es dann schief. Inzwischen sind die mitgeteilten Dinge schon wieder ueberholt, so z. B. dass Du Krankenzusatz bekommst. Warum ziehst Du unterernaehrt und abgemagert, wie Du bist, Dir zum Wiegen extra einen dicken Mantel an? Auch seid Ihr inzwischen, wie ich von Paul weiss, auch in Weissenturm erwartet worden, wo Ihr hoffentlich Euch einmal rundherum ausgeschlafen und Sattgegessen habt. Auch habe ich in the meantime einen lieben E Brief von Maria bekommen, wo fuer ich Dir herzlich danke und auf den ià noch einzugehen verspreche.! Zwei Gutscheine: einer ist vielleicht keiner, sondern nur eine Bestaetigung der Bestellung fuer uns.-- Ich lasse den Brief bis zum Abend liegen, dann wird mir Emil sagen, ob es ein Schein ist, den Dhr braucht oder nicht.Es handelt sich um eine Schmalz bestellung, aber diesmal nicht bei der CARE und wir hoffen, dass es schneller geht. Ist es kein Gutschein, sondern unsere Bestaetigung, dann bekommt Ihr das Paket durch die Post ausgeliefert( und der Schein wird nicht eingelegt in diesen Brief. Nr 2 ist wieder ein Gutschein ueber Disen, die Ihr gegen den Schein von der Konsum- Genossenschaft erhalten werdet. Wir haben nun schon Begtaetigungen ueber Schmalz erhalten, so werdet Ihr es auch vielleicht schon haben. Auch mit dem Stoff soll es nun in Ordnung gehen. Ganz herzlich Eure grasse M. GANZVIEL HERZLICHE GRÜSSE U KAFFECPAKET BEKOMMEN? - UND EIN VON KATHE GEPACKTES PAKET UNTERWEGS. EIN WEITERES IST VORBEREITET HABT IHR DAS ZWEITE WURDE, NOCH ZWEI CARE FOOD PARCELS-EINS VON MEINEM BOSS MAX STEINMETZ AN MARIA FÜR BRIEFMARKEN UNSERE QUITTUNG, ES SIND AUSSER DEM STOFFPAKET, BEI DEM CARE EINEN FUDEL MACHTE, DER INZWISCHEN BEREINIGT DAS ANDERE UBER SCH MALZ IST NUR L.MARIA, L. FRITZ IHR BEKOMMT NUR EINEN GUTSCHEIN: UBER WURST ETC. ALLERBESTE WUNSCHE IMMER EUER left Kathe herzl. Grichte Sie. ill ſeinte Abend bei Ermen MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y. den 16.Februar 1948 Liebster Fritz, liebste Maria, die Post ist nicht sehr findig und ein Einwohner- Meldeamt scheint es auch nicht mehr zu geben. Kannst Du nicht den Postbeamten Eures Postamtes einmal Freikarten fur den bunten Wuerfel geben, damit sie Dich und Euch kennen lerneb? Programme und Plakate haben wir erhalten, besten Dank. Wie wars bei Paul.Habt Ihr Euch ausgeruht und ein wenig aufgepaeppelt? August hat jetzt endlich den zur gleichen Zeit bestellten Anzugstoff( Care) erhalten. Auch die Schmalzpakete troepfeln ein, wie es scheint. Ihr werdet ja Vorkehrungen getroffen haben, falls etwas in Eurer Abwesenheit mixtrifft einzutreffen geruhte? Gestern hat Emil 2 Parcels, eins mit Wurst( kommt wieder ueber KonsumGenossenschaft, eins mit Schmalz, kommt per Post vom Arbeiter- Wohlfahrt, Parcel Sevice. Das ist aber etwas anderes, als Arbeiter- Wohlfahrt- Hilfsorganisation, fuer die ich ehrenamtlich tätig bin. Ich bin nicht sehr froh ueber die Namensgleichheit.--- Es wird uns immer versprochen, dass es nun diesmal schneller gehen soll---- hoffen wir es, der Glaube daran ist nicht sehr stark. Gestern sah ich hier fuer zwei Stunden eine Freundin unserer Lotte, eine Frau Grete Berger, die eingewandert ist.Hat wohlhabende Verwandte ersten Grades hier und hat Theresienstadt ueberlebt.Mich gruselte es, trotzdem sie nicht viel erzaehlte,--- welches Menschengeschlecht ist das in unserer Generation..... Ich hoffe, Ihr schreibt mal wieder.Herzlichst Eure god. Mu H, r Emil ist heute mit seinem Chef nach Meriden Conn. zu seinem Bruder Robert, sozusagen geschaeftlich. Er hat mir Gruesse fuer Euch aufgettragen. Auch Käthe laesst selbstverstaendlich gruessen. den 20.Maerz 1948 . An meine drei Kinder, Lotte, Paul und Fritz. Ihr meine drei Lieben, in diesen Tagen geht mir dauernd ein Bibelvers im Kopf herum, den ich schon in der Schule sehr schoen fand und der mir wahrscheinlich deshalb im Gedaechtnis geblieben ist: " Unser Leben waehret siebzig Jahre und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig.Und wenn es koestlich gewesen ist, so ist es Muehe und Arbeit gewesen. Denn es gehet schnell dahin, als floegen wir davon." Aber..., da ich am 15.Maerz 1879 geboren bin,-laut Urkunde und Ueberlieferung, habt Ihr mich zu dem 70ten ein Jahr zu frueh beglueckwuenscht. So scheint es mir wenigstens nach" Adam Riese". Ich danke sehr herzlich fuer die guten Wuensche, Dir liebste Lotte, Dir liebster Fritz und Deiner Maria und Dir liebster Paul mit Deiner Hanna und Deinen, Euren Kindern. Andere Briefe werden bald folgen. Mit den innigsten Gruessen Eure Mutter Liebster Fritz, Du machst mir Spass, hast mit der 70ten alle Schimmel wild gemacht. Dir und Deiner Maria meine besten Wuensche und Dank.Gut dass Ihr ausgespannt habt, hoffentlich ausgeruht und ein wenig ausgefuettert und erholt.Schade, dass Maria nicht in Oberstein gewesen ist, the small place bietet doch viel Intressantes, besonders auch, wenn man sich ein wenig dort aufhalten kann und stoebern.Den Ausdruck wird Maria nicht kennen, meint dasselbe wie( in Buechern) schmoekern. Bestaetigen moechte ich noch drei Drucksachen- Sendungen mit anderem Inhalt, ueber dessen Verwertung ich noch nachdenken muss. Herzlichste Gruesse und gute Wuensche immer Eure gr. Muti Liebe grosse Mutti. Nacht vom ersten zum zweiten Mai 48. heute Nacht ist russische Ostern, üher mir die Russen-Emigranten jetzt als Staatenlose in emerikanischen Diensten, feiern mit Dollars und selbstgebrautem Schnaps russische Ostern. Als Gast ist Kutner mit seiner Freundin Bettina Moissi und der Kamera mann Oberberg dort, ich habe einen Tischund einen Sessel, und 2 Vasen leihen müssen. Dafür erbat ioh mir die Schreibmaschine und da ich bei dem Abspielen sentimentaler russischer Lieder zur Laute doch nicht schlafen kann, so schreibe ich an alle Freunde und Bekannten die längst fälligen Briefe. Leider als erste schlimme Nachricht: Micha gt für Woohen im Krankenhaus. Sein Ischias ist so schlimm geworden, dass er unbedingt eine Kur machen musste um nicht gelähmt zu bleiben. Bis Mitte Juni ist er bestimmt dort. Minohen 8, Ismaninger Krankenhaus Ismaninger Strasse, Bau 6 Zimmer 39. Ich hoffe nur, dass die artzte ihn ganz auskurieren. Zuhause hatte er nicht die richtige Behandlung, ich musste ja auch sehr arbeiten, war tagsüber in einem PX Laden hier in Harlaching, den ich für die Amerikaner ausmalte. Ich habe 2 Räume ganz bunt bepinselt. Der Chief wollte alles noch bunter und" Patsch an die Wand" wörtlich). Ich finde es selbst aber auch ganz lustig, wemmgleich es auch nicht ernst zu nehmen ist. Er will" gut bezahlen". Leider begreift er nicht, dass er mich nur ganz schäbig bezahlen kann, denn früher verdiente ich 2 Leioas im Monat. Wenn er mir auch für einige tausend Mark Ware anbieten wird, so ist das immer noch nichts mehr als ein paar Mark, denn meine Rechnung lautet auf Reichsmark er rechnet seine amerikanische Ware bestimmt nach Schwarzmarktpreisen, so sind wir armen Deutschen natürlich die Leidtragenden. Wenn er es wenigstens einsehn würde. Ich komme mir sehr dum dabei vor und habe mich schon auf die komisch Tour heftig mit dem jungen Mann( 26) gezankt. Seine Mutter stammt aus Odessa, der Vater aus na sagen wir Galizien. Wenn ich dann abends nachhause kam zeichnete ich für den Dombauverein Wesel, Arbeit, die mir wirkliche Freude, bereitet. Es ist ein alter Dem aus gotischer Zeit, total zerbomt, der soweit möglich erhalten und restauriert wird. Die Herrn des Dombauvereins sind ausserordentlio kultivierte und interessierte Menschen. Wahrscheinlich werde ich im Mai wieder hinauffahren. Dann will ich auch bei Paul Station machen. Die letzten Wochen waren recht heftig. Bei Px bekam ich allerdings mal eine Tasse Kaffee, was allerdings vom Chef als Lockmittel hingestellt wurde. Eine traurige Meinung haben die amerikaner von uns De Deutschen, alsob ich da male, weil ich mal eine Tasse Kaffee bekomme! Ich glaube nicht, dass ich wiede. für Amerikaner malen werde, ehe nicht eine Währungsreform diese falschen Vorstellungen vom Wert des Bohnenkaffees und der Chesterfield aufgeräumt hat. Bin sehr netter Captain hat mir diese Arbeit vermittelt, weil er glaubte mir damit zu helfen. Diesen Caiptain habe ich beim Autoanhalten quasi auf der Strasse kennen gelernt, Er Heiratet jetzt eine Deutsche aus Berlin. Leider konnter. wir diese Freundschaft nicht erheblich ausbauen, da micha schon seit 7 Wochen krank ist. Zwischendurch hatte er immer wieder einige Tage an denen es ihm besser ging. Da hat er sich dann um das Auto gekümmert, das viel Mühe und noch mehr Geld verschlungen hat. Ich habe vom Finanzamt Geld zurückgezahlt bekommen, so dass Michas Krankenhausaufenthalt gesichert sit. Leider kann er beruflich natürlich alle angebahnten Dinge nicht weiterbetreiben. Hauptsache nur, dass er wieder laufen kenn Dann wird sich schon wieder etwas finden. Ausserdem beginnen meine beruflichen Auss ten allmählich die Wege zu nehmen, die ich mir wünsche Bau und Malerei am Bau. Ausserdem werde ich auf der grossen Kunsthandwerk- Ausstellung in Köln anlässlich der Wiederherstellung und der 700 Jahr Feier des Doms vertreten sein. Mit Stickerei Inzwischen habe ich ein Madonnenbild für einen Porzellanmanufaktur direktor gestick und ein Speiseservice für 6 Personen dafür bekommen. Ihr sehrt, ich war sehr aktiv. 4 Haltet das nicht für falsch. Von wenig arheiten kann man nicht leben. Mann muss sehr viel tun um zu existieren. Ihr seht ja, selbst Hanne auf dem Lande ist zu❤ sammengeklappt. Micha hat sich den Rest geholt als er im Garten einige Bahnen, die Paul ihm gab, pflanzte. Sohieben liegt uns nicht, da ich verheiratet bin, kann ich mir zum Essen und Anziehn keinen Amifreund zulegen, also was tun?. Thr glaubt, Lotte lebt klüger? Ich habe sie jetzt für eine Nacht auf der ersten Fahrt nach Wesel gesehn. Selten habe ich einen so hoffnungslosen Menschen angetroffen. Ich war gnažunglücklich dariber. Sie sitzt angenagelt an ihre Arbeit, kann sich icht fortwagen.Hat scheints keinen menschen, de zu ihr gehört. Soll sáe Euch das schreiben? Ich kann verstehen, dass sie schweigt. Ist es nicht schlimm, unsere Brief e missen immer noch voll sein von Elend und Sorgen. Wir hoffen sehr auf Besserung. Es soll mehr Fett geben, dafür gibts nur nach loo Gramm Fleisch im Monat. und die versprochene Butter ist nicht zu haben. Es gibt noch immer kein Nähgarn, keine Strümpfe, seit einem Jahr habe ich keine Schuhreparatur bekommen, weil kein Leder da ist. Es ist immer noch primitivst. Könnte ich nicht immer wieder auf Dinge zurückgreifen, die wir von Euch haben, wie würde es uns ergehen? Diese praktischen Dinge sind aber nicht so tragisch. Jetzt haben aber schon die städtischen Bühnen ihre Tore geschlossen, weil ein so. grosser Teil der Künstler zusammengebrochen ist und kein Stück mehr über. die nötige Besetung verfügt. Klinstler bekommen keine Zulagekarten, dabei möchte ich einen Arbeiter sehn, der so schuftet wie z. B. ich zur Zeit. Es wird nur die Arbeit als Arbeit bewertet, de viel Muskelkraft verlangt. Nervenverschleiss zählt nicht. Michas Zusammenbruch ist auch nur eine Folge der Unterernährung und Überanstrengung. Meine vom Arzt seit 2 Monaten angeforderte Zusatzernährung wegen über 25 0/0 Untergewicht ist bis heute einfach unbeantwottet geblieben. Die Carepakete sind aufgegessen bis auf ein Fäckchen Mehl, Daraus muss ich jetzt dem Micha etwas Backen, damit er bei der Behandlung nicht nur nooh kranker wird. Ist es Euch möglich mit Hilfe von den erhaltenen wertvollen Sendungen von Billuns etwas Kaffee zu schicken? Ich muss ja sehn, dass ich nicht schlapp mache. Mir geht es aber ganz gut. Da mir die Arbeit Freude macht, ist mir alles andere gleichgültig. Vor allem dürfen wir so ieso nicht nachdenken. Leider vermissen wir- ich wenigstens- die Möglichkeit gäste zu haben. Keiner macht einen unniltzen Weg mit der Strassenbahn. Man kann niemand zumuten ohne Verpflegung etliche Stunden Geist zu verschleissen. Es fehlt eine wirkliche Geselligkeit, es fehlt allen die nötige Heiterkeit, es fehlt der Alkohol, der dies eventuell hervorzaubern wirdo. Wie man dann hier lebt? In ewigen Zwangsvorstellungen weil man immerzu etws was lebensnotwendig ist organisieren muss. Und der ständigen Überlegung" Herrgott, was könnte man denn jetzt blos mal essen?"! Und dabei gibt es hier eine Hofer- Ausstellung, eine Slevogt eine Klee- Austtellung. Ich habe sie alle noch nicht gesehn, weil es zu umständlich ist in diesem kleinen Minchen- hinzukommen. Jetzt seit Micha im Krankenhaus liegt, habe ich vielleicht mehr Zeit.Es gibt zwar zwei unbedingt sehenswerte neue Theateraufführungen, aber es gibt auch dazu die Karten nut mit Bezi hungen." Die Kluge" von Orff und" Mathis den Maler von Hindemith. In Berlin besiluft man sich. Als Reaktion auf diese Zeit. Weils keine Lösung ist bemühe ich mich nicht darum, obschon ich es eben auch gern täte. 8 Uber mir sind die Leute lustig. Sie haben ja auch Dollars. Und ein Dollar sind angeblich 200 Rm aber auch eine Stange Zigaretten und diese kostet 900 Rm. Komisch. Ich habe weder Dollars noch die Zigaretten! Auch keinen Schnaps. Nur Angst um Micha. Ich schreibe bald wieder. Ich muss immer denken, dass Ihr vielleich auch sehr viele Sorgen habt, und es uns nur nicht schreibt. Ich kann mir gar kein Bild machen, wie Thr eigentlich lebt. In einer Zeitung ist hier ein Artikel einer Amerikanerin, die von ihren Angstträumen s hreibt, die ihr die Deutschlandpakete bereiten, das Anstehn nach Ware, das Anstehn auf der Post, das teure Porto. Andere Artikel beschreiben ein Paradies der Freiheit und Selbstverständlichkeit aller Lebensnotwendigkeiten. Für jeden. Ich möchte mal nicht über Kartoffeln und Brotnachdenken milssen. s ist vier Uhr, ich gehe trotz Osterfeierei zu Bett. ad draussen ist ein bezaubernder Frühling. Herzlichst Eure Mrs. Maria Juchacz 339 East, 173rd Street New York 57, N. Y. 29. Februar 1948. Meine liebe grosse Mutti ,, lieber Emil, liebes Kaethchen, wir ueberschlagen uns diesmal im Briefeschreiben, aber es eringneten sich eben so viele wichtige kleine und grosse private und berufliche Dinge, dass wir das unbedingt mitteilen muessen, denn Ihr gehoert gottseidank wieder zu uns, auch wenn schrecklich viel Wasser dazwischen liegt. Wie es uns bei August und Klaerchen und bei den Weissenthurmer Jouacz' ergangen ist, wisst Ihr. Hanna und Paul haben uns in den letzten Tagen unseres dortigen Sanatorium- Aufenthalts noch so viel Gutes getan,- wir sind uns ueberhaupt in einem Masse nahe gekommen, wie das bei unserem vorjaehrigen kurzen Aufenthalt nicht moeglich war, und wir haben auch ueber gemeinsame Plaene gesprochen, die vielleicht noch in sehr ferner Zukunft liegen, was ihre endgueltige Realisierung betrifft, aber vielleicht werden die Anfaenge doch frueher in Angriff genommen, als wir es erwarten. Paul ueberlegt sich mit Recht, dass oines schoenen Tages seine Inspektorzeit vorbei sein wird, und dann sitzt er da, mit Hanna, mit einer kleinen Beamtenpension, und mit der Moeglichkeit, sich in einem kleinen Mansardenzimmer irgendwo in einem fremden Winkel anzusiedeln. Das will er auf keinen Fall. Und auch Maria und ich, die wir beide in Berufen leven, die uns keine Garantie fuer die Zukunft geben, werden uns vielleicht in unseren aelteren Tagen ueberlegen muessen, wo wir uns verkruemeln. Und da ist folgender senr roher Plan entstanden: Paul wird versuchen, nach der Waehrungsreform irgendwo ein Fleckchen Land zu finden, das wir gemeinsam pachten, wobei die Pacht gleichzeitig Ankaufsgeld fuer den Erwerb ist. Unsere beiden Familien bauen sich an beiden Enden dieses Fleckchens Erde ein bescheidenes Haeuschen hin, und Paul legt auf dieser Erde einen praechtigen Obstgarten an, mit Hochstammzucht. Wenn er in einigen Jahren mit der Obstkultur anfaengt, kann in zehn bis 15 Jahren ein Obstparadies fix und fertig dastehen. Wir, d.h. Maria und ich, werden uns finanziell daran beteiligen. Sobald das Land gepachtet und die erste Obstzucht gepflanzt ist, kann man jemanden mit der Pflege beauftragen. Ausserdem wird es sich um die Nache von Paul handeln, sodass er mit dem Auto hinueber und herueberfahren kann. Was sagt Ihr zu diesem Plan? Von mir aus koennte sich Latte ebenfalls beteiligen, aber als ausgesprochener Einzelgaenger wird ihr das schwerer fallen als uns, obwohl auch wir in mancher Beziehung Aussenseiter sind. Maria hat Paul versprochen, einige Raeume seines Gutes auszumalen, so den Tagesraum fuer die Maenner und die Aufenthaltsraeume fuer die Patienten. Sie hat in einigen Wochen sowieso im Rheinland zu tun, macht bereits Entwuerfe fuer einen Prospekt des Dombauvereins in Wesel, und soll fuer den Kunstschmied Wyland in Koeln fuer kunstgeschmiedete Tische Deckchen sticken. Da es uns besonders auf der Rueckfahrt von Neuwied nach Muenchen besonders boese erging, wollen wir in Zuku ft moeglichst nur noch mit dem Wagen fahren, weshalb wir auch jetzt alle Anstrengungen machen, um alles zusanenzubekommen. Maria hat auf Grund von Adressen und Empfehlungen bei einem kurzen Besuch in Koeln den Mann entdeckt, der in der Lage ist, mir innerhalb kuerzester Zeit die Felgen zu liefern. Das kostet zwar einige Pfund Kaffee, und dem Schmied Wyland, der uns die 70 kg Eisenscheine schenkt, werden wir auch eine kleine Freude machen muessen in Form eines kleines Paeckchens mit Fett und Kaffee, aber wieviel weniger Fett und Kaffee werden wir notwendig haben, wenn endlich unsere Kiste wieder flott ist. Deshalb beissen wir auch in den etwas sauren Apfel, denn wir freuen uns ja selbst zu sehr ueber die Pakete, die endlich ankommen. So war es, fuer uns ein schoener Willkommen, als wir bei unserer Ankunft unter der eingegangenen Post auch die Mitteilungen fanden, dass einige Pakete abholbereit seie. Wir haben jetzt, mit tausendfachem Dank an Euch, das Weihnachtspaket bekommen, und an Hand Eures damaligen Briefes, den Inhalts geniesserisch au e- packt. Die beiden Schlafanzuege, rot und bleu, sind himmlisch, wir haben ja eine Schwaeche fuer verrueckte praktische Dinge, und finden uns gegenseitig darin grossartig. Der graue Pullover passt Maria, die ueber Faltenroeckchen und Nylonstruempfe genau so gluecklich ist wie ueber das Kuechengereet, und wie wir beide ueber die vielen Kleinigkeiten und Grossigkeiten, die wir uns unbescheidenerweise ja selbst gewuenscht hatten. Der Wecker ist ein Prachtstueck und wird uns viel Geld sparen, denn wir haben uns im letzten Jahr immer nur telefonisch wecken lassen koennen, und jeder Weckiuf, kostet 45 Pfennig. Zu Schwarzmarktzeiten ist das nicht viel Geld, aber das Geld wird bereits knapp in Deutschland, und es riecht heftig nach Waehrungsreform. Man munkelt, dass sie am 1. April kommen wird, und jeder wird zuerst denken, es sei ein Aprilscherz, aberbsolche Scherze dauern nicht lange, und schon am 2. April wird es uns dann klar sein, dass wir ueber Nacht noch aermer geworden sind. Eine entscheidende Aenderung duerfte fuer mich beruflich eingetreten sein. Ich hatte, bevor ich nach Weissenthurm fuhr, meinen Posten als Geschaeftsfuehrer zur Verfuegung gestellt, weil m die Milita erregierung fuer Dinge im Bunten Wuerfel verantwortlich machte, fuer die ich niemals verantwortlich sein konnte, denn ich hatte auf die kaufmaennische Fuehrung des Hauses nicht den geringsten Einfluss, obwohl ich notariell Mitgeschaeftsfuehrer bin. Dr. Hahn hat den Laden so gefuehrt, wie er das fuer sein egoistischen Plaene und Moeglichkeiten fuer richtig hielt, und er haette mich niemals in seinen Kram hineinsehen lassen. Im Gegegteil: weil ich bereits zu viel von seinen kleinen und grossen Schiebungen wusste, hat er jetzt die Gelegenheit, die ich ihm bot, benutzt, um seine Mitgesellschafter, die in seiner Hand nur Marionetten sind, so aufzuziehen, dass sie nach seinem Wink tanzten, und als ich jetzt zurueckkam, hatte in meiner Abwesenheit eine Gesellschafterversammlung stattgefunden, in der mein Ruecktritt als Geschaeftsfuehrer und als künstlerischer Direktor akzeptiert worden war. Gleichzeitig fand ich einen Brief der Militaerregierung vor, die mir mitteilte, dass im Falle einer Annah - 2- me meines Ruecktritts der Wuerfel sich einen anderen Lizenztraeger suchen muesse, oder aber, falls ich Geschaeftsfuehrer bleibe, muessten mir die Vollmachten eingeraeumt werden, die mir auf Grund der Bestimmu gen der Milita erregierung zustehen. Unter diesen Umstaenden haette Dr. Hahn mir offen die Karten zeigen muessen, haette zugeben muessen, wie er mit Benzin, Wein, getarnten Spesenrechnungen und anderen Dingen manoevriert hat, um sich tausende von Mark in seine Tasche zu stecken. Ein typischer Fall ist z.B. sein juengster Wagen- Tausch. Hahn fuhr einen ziemlich schweren Mercedes- Wagen, der jede Nasenlaenge kaputt war und nach jeder Reparatur neue Mucken bekam. Es wurden Summen und Unsumen auf Geschaeftsunkosten in diesen Kasten gesteckt, seit Monaten geht Hahn mit dem Gedanken schwanger, den Wagen zu verkaufen und einen anderen, leichteren zu erstehen, aber immer, wenn es vor dem Verkauf stand, stellte sich wieder irgend ein Schaden heraus. Abgesehen davon, dass Hahn bei diesen Reparaturen selbstversta endlich immer in die eigene Tasche verdiente. Kurz vor unserer Fahrt zu Paul war es so weit: Hahn verkaufte den Wagen fuer 60 000 Mark, und kaufte sich fuer 30 000 Mark einen kleineren. Die" verdienten" 30 000 Mark sind nun aber nicht in den Wuerfel zurueckgeflossen, weil das Aufmoebeln der grossen Kiste ja auf Kosten des Wuerfel ging, sondern diesen immensen Betrag hat sich Hahn in die eigene Tasche gesteckt. Jetzt laesst er den soeben gekauften neuen( alten) Wagen ebenfalls wieder auf neu( und selbstversta endlich auf Wuerfelkosten) wieder aufpolieren, und wenn dann wieder ein fast neues Fahrzeug vor der Wuerfeltuere steht, wird es wieder fuer gutes Geld verkauft, mit der Haelfte des guten Geldes wird eine alte Kiste erworben, und die andere Haelfte fliesst wieder in den privaten Hahn- Beutel, und der Wuerfel bezahlt weder seine Schulden an seine Mitarbeiter, noch an Lieferanten, Zeitungen usw.- Ich kann mir das nicht mehr mit ansehen, und da man sein eigenes Nest nicht beschmutzen kann, muss man aus dem Nest heraus, muss mit der Wuerfel- Mischpoche nichts mehr zu tun haben. Das ist jet der Fall, und da Dr. Hahn weiss, da mit mir nicht gut Kirschenessen ist, hat er reichlich viel Angst, was ich gestern merkte, als man mir indirekt zu verstehen gab, ob ich nicht doch noch bis zum Ende der Saison im Wuerfel bleiben wolle. Ich pfeife ihm etwas. Leider wird sich auch folgendes ergeben: der ehemalige Lizenztraeger des Bunten Wuerfel, Bobby John, Volljude, KZ- ler, der von mir waehrend meiner Taetigkeit bei der Mlitaerregierung in jeder Form unterstuetzt wurde mein bester Zeuge dafuer ist Van Loon, hat damals seine Lizenz verloren, weil er zwei Nazis getarnt hat und bei sich arbeiten liess, weil sie ihm die Arbeit abnahmen. Diesem Bobby John wurde die Lizenz am 15. Februar 1947 entzogen. Meine Lizenz traegt das Datum vom 16. Februar 1947. Bobby John erzaehlt bereits seit mehreren Monaten bei allen Behoerden, Institutionen, beim Bayrischen Hilfswerk, bei Staatskommissar Dr. Auerbach, beim jüdischen Kommitted und bei tausend anderen Stellen, dass ich seinerzeit meine Stellung bei der Militae regierung missbraucht haette, indemmich veranlasst haette, dass Herr John seiné Lizenz verliert. Diese herrliche Erfindung wurde mir offiziell auf einer Gesellschafterversammlung am 27. Januar 1948 von Herrn John persoenlich mitgeteilt. Ich stellte daraufhin den Antrag, Herrn Dr. Hahn, den persoenlichen Freund und KZ- Gefaehrten von Herrn John und kaufmaennischen Direktor des Wuerfel, zu beauftragen, durch Rueckfrage bei den in Frage kommenden Stellen die Stichhaltigkeit dieser Behauptung festzustellen, da ich als Beteiligter moeglichst objektiv am Rande stehen wollte, x um das Ergebnis abzuwarten und um dann meine Gegenmassnahmen zu treffen, denn das ist schlimmer als Ruf- Mord, das ist eine der gefaehrlichsten Behauptungen, die man aufstellen kann. Dr. Hahn hat den ihm erteilten Auftrag nicht erledigt, weshalb in ich die Dinge jetzt selbst in die Hand nehmen werde. Ich wuerde den Kram laufen lassen, aber obwohl Bobby John ein harmloser Trottel ist, und obwohl er als Jude und KZler mehr Mitleid als nochmalige Strafe verdient, hat er mir mit dieser Behauptung so sehr geschadet und kann mir, wenn ich das auf sich beruhen lasse, noch mehr schaden, sodass mir tatsaechlich nichts anderes uebrigbleibt, als die Bombe zur Explosion zu bringen. Leider muss ichbdas sofort einleiten, die entsprechenden Briefe werde ich noch heute Abend schreiben. Macht Euch keine grossen Gedanken, dass wir jetzt etwa am Hul gertuch nagen, dass ich keinen Beruf habe und nichts verdiene. Es wird sich um eine kurze Uebergangszeit handeln, und vielleicht wird sich Euer schon verschiedentlich geaeusserter Wunsch erfuellen, dass ich wieder in meinen eigentlichen journalistischen Beruf zurueckgehe, nachndiesem fuer mich bestimmt sehr, sehr interessanten Abstecher in Buehnengefilde, uebrigens ein Gelaende, das mich schon immer gereizt hat, schon damals, als ich mit Rolf Meerfeld auf dem Dachboden der Wohnung in der Siebengebirgsallee ein Theater aufbaute, auf den wir unsere Figuren nach selbbtgebau ten Dramen spazierenfuehrten. SS In sechs Wochen werde ich mit Maria und dem Wagen wieder ueber Weissenthurm nach Koeln und Wesel fahren( wenn ich noch im Wuerfel waere, koennte ich das garnicht, denn ab 1. April muessen wieder eigene Programme gebaut werden, und Ihr wisst aus unseren Schilderungen, was fuer eine Schinderei das ist, wenn man die gestellten Aufgaben zumindest so erfuellen will, dass man das Ergebnis kuenstlerisch, geistig und dekorativ verantworten kann.) Und ich habe mir die Worte der grossen Mutti doch mehr zu Herzen genommen, els ich das ursprunglich selbst wahrhaben wollte, es sich nicht lohnt, sein Leben gewaltsam zu verkuerzen, wenn der Erfolg gleich Null ist. Und es hat sich eben jetzt herausgestellt, dass Dr. Hahn sich auf Wuerfelkosten, also auf Kosten meiner Arbeitsleistung, ein bequemes, sattes, zusammengeschobenes ergaunertes Drohnendasein verschafft hat. Ab morgen wird im Auftrag der Milita erregierung ein Buchsachverstaendiger mit der Kontrollarbeit beginnen, und wenn dann der Laden hochgeht, bin ich schlimmstenfalls noch Gesellschafter mit RM 2000 Mark Einlage. Aber das Geld will ich ebenfalls so schnell wie moeglich herausziehen und auch als Gesellschafter ausscheiden, denn ich moechte ganz heraus sein aus diesem Schmutzgeschaeft. Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen, und die Amerikaner stehen auf dem Standpunkt Unkenntnis schuetzt vor Strafe nicht. Da ich aber nie eingeweiht wurde und demnach das kaufmaennische Steuer nicht beeinflus sen konnte, bleibt nur noch der jetzige Weg. Klar? Wir haben uns vorgestern" Des Teufels General" angesehen,- abgesehen von der Inszenierung und der Auffuehrung mit der schauspielerischen Besetuung koennte man zum Thema selbst einiges sagen, was Herm Zuckmaier bestimmt nich gefaellt. Aber darueber ein an deres Mal ausfuehrlicher. Ich lege - Als Rechenschaft ein Programmheft bei. schon einleiten.- Maria wird noch in einem Zusatz einige Worte dazuschreiJanuar entstanden sind. Das Manuskript ist fertig, ich werde das morgen Programme, die unter meiner Regie und Initiative seit April 1947 bis Ende chen, bei Radio Muenchen noch eine Querschnittsendung zu machen durch die bericht ueber meine kuenstlerische Taetigkeit beim Wuerfel will ich versu - 3- ben, ich habe ihr dafuer auch noch zwei weitere inzwischen eingetroffene Sendungen, und eine dritte, bereits postalisch angekuendigte, aufgehoben. Ich sage Euch allen, dass ich froh, frei, gluecklich, satt- und zuversicht lich bin, obwohl man vor dunklen Wolken am politischen Himmel oft weder die Sonne noch die Sterne sehen kann. Aber den Kopf auf die Brust haengen lassen ist ganz falsch, erst recht, wenn man schlecht rasiert ist. Das kratzt so auf der Brust( aber jetzt kann ich mich ja wieder nach Herzenslust shaven, mit Gilette!). Liebe grosee Mutti, Ihr Lieben alle, Immer Euer bei dem Umfang, mit dem augenblicklich die Pakete eintrudeln, kann sich ueberhaupt kein Mensch bedanken. Inzwischen kam noch das Fett und das an Micha adressierte Care- Paket. Wie gut, dassvsie nicht frueher kamen, als Micha noch im Wuerfel war, dann waeren sie naemlich jetzt alle, gerade wo wir eventuell mehr zu Hause und nicht im Restaurant essen muessen. Jetzt kann sich Micha zwischendurch auch mal hausfraulich betaetigen und brutzeln Seine Spezial- Leidenschaft ist Fegen. Ihr konntet ihm nichts Schoeneres schenken als den Besen. Wenn er es dann noch statt mit verbissenen Zaehnen mit heiterer Miene machen wuerde, koennte man es ihm direkt glauben.( Bei der Ofenheizerei muss man naemlich zehn Mal am Tage die Asche zusammenkehren). Morgen holen wir Michas Anzugstoff ab, vorausgesetzt, dass die Mittellungskarte mit der Post ankommt, man kann sich sogar den Stoff aussuchen, da es mehrere Muster geben soll.- Habt Ihr unseren Luftpost brief erhalten? Und den Prospekt ueber die Ausstellung der franzcesischen Malerei? Ich warte auf Details. In Koeln ist im August eine Siebenhundert jahrfeier zur Grue dung des Koelner Doms, und anschliessend eine grosse deutsche Kunsthandwerkausstellung, bei der ich mich beteiligen soll. Mit gleicher Post schicke ich Euch aus einer Muenchener Zeitschrift einen Artikel helfen sie sich" ueber die Anfaenge des Wiederaufbaus von Helmindustrien durch Fluechtlinge.- Unser Heinz will sich persoenlich in einem Brief bedanken. Allerdings musste er heute mit seinen neuen Ohrenschuetzern Fussball spielen, statt, wie urspruenglich beabsichtigt, sich hinzusetzen und zu schreiben. Der rote Pullover passt grossartig zu seinem dunkelblauen Schi- Anzug, vor allem, wenn ich ihm das rot- blaue Flanellhemdchen habe naehen lassen. Wir schicken Euch demnaechst wieder ein fuer Euch brauchbares Programmheft. Mein Care- Paket ist noch nicht da, wird natuerlich auch gut ankommen. Wenn es Euch dann spaeter einmal moeglich ist, uns wieder ein KaffeePaket zu schicken, und gelegentlich mal ein bischen Tee( weil der sich nicht so schnell verbraucht und sogar dreimal aufgebrueht werden kann, im Gegensatz zu Kafree, der zweimal aufgekocht wird), waeren wir sehr gluecklich. Wegen einer Hose fuer Heini habe ich schon in meinem letzten Brief geschrieben, moeglichst strapazierfaehig, fuer Fussballkaempfe geeignet. Eigentlich muesste ich noch alle wunderschoenen Sachen aufzaehlen, die in dem selbstgepackten Paket fuer mich drin waren, aber da ich jedes einzelne Stueck gerade ganz besonders gut brauchen kann, da alles herrlih passt, wil ich nur noch einmal fuer die viele Muehe danken, die ja auch das Zusa mentragen dieser Dinge macht. Ihr koennt aber versichert sein, dass sie hier ganz ausserordentliche Freude ausgelo est haben. Ich wuensch te nur, wir koennten uns Euch mal in den Sachen selbst zeigen. Aber vielleicht ist es eines Tages doch moeglich. Mit herzlichem Dank und vielen Gruessen an Euch alle, Eure Fritzmichaelpaulelärchen augu stro ehl ju chaczkirschmanni daroberstein 22.2.48. Da saessen wir nun, ein Familienhalbteil, in Idar- Oberstein, etwas abgekaempft angekommen von den Strapazen einer etwas unst den dlichen Eisenbahnfahrt, inzwischen aber praecktig erholt durch die aufopfernde Fuarsorge der Kirschmaenner, und halten Familienrat ab.- Es war schoen, dass Paul und ich hierherfuhren, um August und Claerchen einen Besuch zu machen. So wie wir uns freuten, so war es fuer die beiden ein Fest. Ich, der Pritzmichael, habe Claerchen ja zum letzten Mal vor einem halben Menschen alter gesehen, und hatte sie noch in Erinnerung als jones haarbeschneckte Arbeiterjugend- Maedchen, das mit der Klampfe in der Hand, mit Sonne im Herzen, und mit keiner Vorstellung von einer bitteren Zukunft, die leider fuer uns Gegenwart ist, durch die Welt ging. Sie ist inzwischen eine sehr reife Frau gewonden, und ich mit meinen jetzt fast 40 Jahren habe inzwischen den Abstand zu ihren 48 Jahren eingeholt, der heute- bei diesem Alter- keine Rolle mehr spielt. In Brei Tagen hat sie Geburtstag, und wir ko ennen ihr heute schon gratulieren, und gemeinsam von hier aus auch an Dich, grosse Mutti, noch einmal einen Geburtstaggruss schicken, so dass Du siehst, wie sehr wir an Dich, aber genau so selbstverstaendlich gleichzeitig auch an Emil und Kaethehen denken, gleichgueltig, in welcher Hinsel srichtung wir uns gerade befinden.- Maria ist am Freitag von Weissentkurs aus nach Koeln gefahren, um dort mit einigen Menschen zusammenzutreffen, mit denen sie beruflich zuku enftig arbeiten, wird. Es war so verabredet, dass sie eventuell von Koeln aus heute ueber Welasen thurs nach Oberstein kom t. Wir waren an Zug, aber Maria kam nicht, weshalb dieser Bri f ohne ihr Wissen und Zutun ergaenzt wird, womit sie aber ganz und gar einverstanden ist. Paul und ich werden morgen wieder Sureuckfahren nach Weierentkurn, wo sich Maria inzwischen von ihrer Reise und von der inzwischen hier sehr heftig eingebrochene Kaelte erholen wird. Am Dienstag Abend muss ich nack Koblenz, um Evelyn Kuennecke, die Tochter des bekannten Komponisten Kuennecke, zu sprechen und fuer eines meiner naechsten Programme zu verpflichten, und am Mittwoch Abend werden Maria und ich wahrscheinlich nach Muenchen zurueckfahren, moeglich veise auch erst am Donnerstag Abend, aber das ist der letzte Termin, da ich ar Freitag unbedingt auf einer entscheidenden Gesellschafterversammlung dabei sein muss, auf der sick herausstellen wird, ob die Arbeitsbasis im Bunten Wuerfel kaufmaennisch so reorganisiert wird, wie das fuer einen lukrativ arbeitenden Betrieb un bedingt notwendig ist, oder ob ich den ganzen Dreck hinwerfe und Kohl bane, oder mich um meinen Verlag kuemmere. In Weissenth rm tauchte vor einigen Tagen Karl Zo ergiebel mit Frau auf, es ist schoen, wenn ich gelegentlich doch wieder Menschen begegne, um die man in vielen Gedanken waehrend der unsicheren Jahre gefuerchtet hat und die unbeschadet durchgekommen sind, abgesehen natuerlich von den materiellen Schaeden, die wir alle mehr oder weniger umfangreich erlitten haben, die uns aber nicht so wear getan haben wie die geistige und seelische Vergewaltigung, die wir- so gerne wir wollen- noch immer nicht ganz loswerden, weil wir nicht so ko ennen, wie wir gerne wollen. Die juengste Tochter von Z.- giebel lebt verheiratet in Muenchen, ich werde mit ihr zusammentreffen. Paul und ich haben heute Mittag nach dem Essen einen ersten Spaziergang zum Bahnhof gemacht, und sind dann auf einem Rundgang durch die Stadt gewandert und auf Schritt laengst vergesse nen Spuren begegnet, die manche kleine Begebenheit wieder in unsere Erinnerung brachten. Das alte Kirschmann- Haeuschen Muellersheckweg ist zusammengeschrumpft, in unserer Vorstellung war es ein stattliches Einfamilienhaus,- jetzt liegt es eingebettet in einer hochgewachsenen Stadt, fuer die es leider auch das traurige Charakteristikum der gx in wahrsten Sinne des Wor tes graeulichen Kasernen gibt, die die Hoehen der Stadt" schnu ek ken". Ich erkannte die Stellen an der Nahe an der Bruecke, auf denen ich mich zum letzten Mal im Jahre 1925, also vor 23 Jakren, mit den Kirschmann- Kindern tummelte, sah die Stelle, an der Georg damals sass und die Felsenkirche zeichnete, sah durch die Aussenwand des Kirschmann- Haeuschens den fuenfjaehrigen Paul auf einem Stuhl stehen, vor dem Grossvater Kirschmann, wie Paul dem Grossvater ueber den Kopf streichelt und dabei feststellt: Grosevatter is doch e scheener Bua.- Wir stiegen- vorbei an der Krone"- hinauf zur Felsenkirche, die inzwischen ihr Ausseken verandert hat und ungebaut wurde, wir sahen ueber die Daecher, ueber die xxxx sontaeglich belebten und mit franzo e- sischen Besatzungssoldaten bevoelkerten Strassen und ueber man ches andere hinweg, und ich musste feststellen: Idar- Oberstein gehoert zu unserem Leben. Am Abend fiel mir eine ganz aek ch dargestellte Passage in einem amerikanischen Generationsroman ein, den ick kuerzlich las, wo ein Bruder zum anderen in einer aehnlichen aeusseren Lage sagte: this small place belongs to our life.- Gestern redeten wir bis in den Beginn des Sonntags hinein, und hente ging es weiter mit dem Brzaehlen, es ging bunt durcheinander, politische Gedanken wurden wieder abgeloest von ploetzlichen Erinnerungen, ich sah mir Claerchens altem FotoSchatz an, wobei mir M nschen und Situationen einfielen, an die ich laengst nicht mehr dachte, die mir in Wirbel der Jahre und Ereignisse gaenzlich entfallen waren. - Es waren zwei schoene Tage hier, und mir tut es mur leid, dass Maria nicht dabei war, weil sie an allem interessiert ist und sich auch schon sehr auf Oberstein gefrent hatte. Sie kennt August ja schon genauer, or war 1936 einmal in Berlin, und inzwischen schon einige Male in Muenchen, wo man aber niemals dazu kan, sich in der Ruhe zusammenzureden, die man dazu unbedingt bracht. Hier hatten wir sie, aber wir wollen das im Sommer nachholen, und wenn Maria demnaechst in Rheinland einige Arbeiten ausfuehren wird, kommt sie auch wenn sie alleine unterwegs ist- auf jeden Fall nach Oberstein. Ich muss schliessen, Paul ist bereits auf der Couch eingeschlafen, August und Claerchen lesen Zeitung,- und morgen muessen wir etwas frueker heraus, also: alle Gruesse und Wuensche an Dick, an Euch, von Eurem Liebster Fritz, liebste Maria, den 10.Februar 1948 nach einer Nachricht von Paul erwartetXXXXX er Euch jetzt, wenn Ihr nicht schon dort seid. Ich hoffe dass Ihr Euch dort ausschlaft und ausfuettern koennt. Herzlichst Eure Gr/ Muttit Anfang 1948 Liebe Genossen, liebe Freunde: Dieser Rundbrief soll viele Einzelbriefe abloesen, einige hundert. Ich kann nicht jedem einzelnen Freund schreiben, nicht mehr, es wird zuviel. Zeit und Kraft sind begrenzt. Mich hat sehr interessiert, was ich Euren Briefen entnahm, das Persoenliche, das Erleben waehrend der Hitlerzeit, die Schilderungen der allgemeinen Situation, vor allem die Mitteilungen aus unserer Bewegung. Bestimmt erleichtern mir Eure Briefe zusammen mit Zeitungen und Zeitschriften von drueben in Verbindung mit der hiesigen Presse ein Bild von drueben zu bekommen. Trotzdem weiss ich, dass meine Information nur lueckenhaft sein kann. Auf die Dauer macht sich bemerkbar, dass Freud und Leid nicht unmittelbar miterlebt wird. Auch die vergehende Zeit vergroessert die Entfernung. Ich wuensche nicht und glaube aber nicht, dass diese Entfernung eine Entfremdung im Denken bedeutet. Das soll und darf nicht sein. Ich weiss auch, dass dieser Rundbrief keinen Ersatz fuer einen persoenlichen Brief sein kann. Aber dieses" Sich- melden" ist immerhin besser, als voelliges Schweigen -zumal einer Zeit der politischen und sozialen Umformung, die fuer Euch eine Zeit voller Entbehrungen in jeder Beziehung ist. Was nicht nur von mir sondern auch von denen, die mit mir leben, so schmerzhaft empfunden wird ist zu wissen, nicht genug tun zu koennen, um allen Freunden so zu helfen, dass es wirklich fuehlbar und schliesslich -auch fuer uns hier- sichtbar wird. Das waere mein und unser groesster Wunsch. Ich erzaehle Euch nichts neues, dass auch dieses grosse und reiche Land mit seiner grossen Hilfsbereitschaft nicht das gelobte Land sein konnte, vor allem nicht fuer den aelteren Einwanderer, der zudem nicht aus eigenem Entschluss kam, sondern durch die Ereignisse an seine Ufer gespuelt wurde. Ausserdem: ein alter Baum verpflanzt sich schlecht. Dabei hatten wir noch Glueck. Die Familie meines Bruders Robert, die seit 1924 hier lebt, hat uns viel geholfen. Aber trotzdem: es ist z.B. nicht leicht mit mehr als 50 Jahren ploetzlich ein Fabrikarbeiter zu sein, wenn man sein Leben seither am Schreibtisch, auf dem Redaktionsstuhl, in der Verwaltung und auf der Rednertribuene zugebracht hat. Das ist nicht etwa so gemeint, dass ich degradierend empfunden hætte, mein Leben als Fabrikarbeiter zu verdienen. Fabrikarbeit ist keine Herabsetzung, hier schon gar nicht, und ich waere ein schlechter Vertreter der demokratischen Idee, wenn solche Gedanken je in mir aufkaemen. Die Tatsache als solche hat mich nie herabgestimmt. Koerpers fiel nicht leicht. Nervenkraft umgegangen bin. Aber die Umstellung des an solche Arbeit nicht gewoehnten Dazu kam, dass ich frueher nie sparsam mit Koerper- und Das raechte sich in diesem Land, wo dem" Greenhorn" nichts geschenkt wird und wo der" Newcomer" nicht selten unter Bedingungen arbeiten muss, die wir in den vielen Jahren unserer gemeinsamen Arbeit stets und mit Erfolg bekaempft haben. Mit diesen Worten wollte ich nur andeuten, dass die Jahre der Emigration nicht so leicht und muehelos waren, als es manchem von Euch, die Ihr alle viel Schweres za tragen hattet, vielleicht erscheinen mag. Unser unvergesslicher Genosse Rudolf Breitscheid sagte mir einmal bei einer Unterhaltung ueber Vorkommnisse unter den Fluechtlingen: Ja, lieber K., Emigration ist keine Zuckerlecke.... Im Sommer 1944 fand ich ganz zufaellig den mir aus meiner Heimat bekannten Genossen Max Steinmetz. Bei ihm bin ich seither beschaeftigt und damit bin ich zu meinem, einmal in jungen Jahren in Oberstein erlernten, Beruf zurueckgekehrt. Viele der besten Genossen und liebsten Freunde kann ich nicht mehr gruessen. Sie sind gegangen, Opfer unserer Ideale, fuer Freiheit, Recht und Menschenliebe. Ich denke an Hanna Kirchner, Emil Picard, Wilhelm Sieke, Wilhelm Kurth und vor allem an unseren Johann Doetsch und an die vielen anderen, die ich nicht alle nennen kann. Ich verneige mich vor ihnen. Die Hand druecke ich denen, die Hitlers K.Z. und Zuchthaeuser ueberlebt haben, und die heute wieder in den Reihen stehen. Manche Freunde schrieben mir: Komm!, komm' so schnell als moeglich, Du wirst gebraucht. Aus ihren Briefen sprach ein starker Wille und die Zuversicht fuer einen baldigen sichtbaren Erfolg ihrer Arbeit am Wiederaufbau der durch Hitler und den Krieg zerstoerten Grundlagen des staatlichen Gemeinwesens, der Arbeiterbewegung und allem, was damit zusammenhaengt. Ich habe schon manchem dieser Freunde antworten muessen: Das Verlassen der Heimat und der so sehr geliebten Arbeit war nicht leicht und nicht nur vom freien -2Willen abhaengig. Dass ich damals nicht geschnappt wurde, verdanke ich einer Genossin, der Frau unseres Genossen Doetsch. Sie warnte mich, von einer kurzen Reise ins Saargebiet, so wie es abgemacht und vorgesehen war, nicht zurueckzukehren. Die Gestapo hatte alle Vorbereitungen getroffen, mich in Koblenz zu holen. Aber auch die Rueckreise ist nicht so einfach. Auch da sprechen" staerkere Kraefte" ein gewichtiges Wort. Aber ich verspreche Euch, so lange ich nicht bei Euch sein kann, wie seither von aussen alles zu tun, was moeglich ist, in Eurem und meinem Sinne zu wirken. Es waren oft die gleichen Freunde, die nach einiger Zeit schrieben: wir raten, wenigstens noch eine Zeit zu bleiben. Die Aussichten fuer eine wirklich fruchtbare Arbeit liegen noch sehr im Dunkel. Wir sind ueberzeugt, dass Du dort eben soviel tun kannst, um unserer Sache zu dienen..... Darauf muss ich antworten: wohl versuchen wir - meine Freunde und ich- aus der Situation das beste zu machen. Wir konnten hier waehrend des Krieges feststellen, dass die Stimmung gegenueber uns, den Angehoerigen eines Feindlandes durchaus nicht feindlich war. Oft haben wir gefragt, wie es wohl sein wuerde, wenn die Laae umgekehrt waere. Und aus diesem Erlebnis, das wir dankbar feststellen, haben wir dann-vielleicht voreilig- den Schluss gezogen, dass man mit dem" anderen Deutschland" und seinen besten Vertretern einer demokratischen Staatsidee schnell zu einem guten Einvernehmen kommen wuerde. Heute-fast drei Jahre nach Schluss des Krieges- muessen wir leider feststellen, dass die Vorurteile gegenueber Deutschland und dem demokratischen Teil des Volkes eher noch gewachsen und viel schwerer abzutragen sind, als wir uns das vorgestellt haben. Und auch diese Tatsache ist verstaendlich: die wahre Fratze des Nazismus hat sich fuer viele, viele Menschen in diesem Lande erst nach dem Krieg gezeigt. Deshalb: Erwartet nicht zuviel von dem Einfluss einzelner. Vieles hat sich schon gebessert. Aber bis zu dem erwuenschten und notwendigen Umschwung ist noch ein weiter Weg. Aus all dem, was nur angedeutet werden kann, duerft Ihr schliessen: Es ist mein grosser Wunsch, bald wieder in Eurer Mitte zu sein. Wir werden uns eines Tages gegenueber stehen und sehen, jeder ist der gleiche geblieben. Aber auch, dass jeder an Jahren aelter und an Erfahrungen reicher geworden ist, vielleicht reifer, resignierter, wenn nicht mueder. Und mancher, der heute draengend sagt, was er alles von meiner Rueckkehr erwartet, wir erkennen, dass meine viel bescheidenere Einschaetzung die richtigere ist. Ganz persoenlich kann ich hinzufuegen: Mich ziehts in die alte Heimat und zu den Gesinnungsgenossen zurueck. Es zieht mich zurueck, gerade weil es nicht so gut geht dort. Und weil ich dieses Gefuehl nicht verstecke, sondern ruhig und vertrauensvoll zeige, sollt Ihr nicht draengen. Sobald es moeglich ist, werde ich kommen. So gruesse ich in alter Treue mit: Freundschaft! und Freiheit! und bin mit den besten Wuenschen fuer Euch persoenlich und Eure Arbeit immer Euer Emil Kirschmann v.aussen, Eure Gr. Mutt: MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y. Mein lieber Fritz und liebste Maria, den 21, Jan.1948 Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich lange Zwiegespeeche halte, mit Euch, mit Lotte, mit Paul, mit Freunden, denen ich was zu sagen haette. Die Zeit reicht nicht aus, um das notwendigste zu schreiben.-- Dann wieder habe ich das Empfinden, als koenne man brieflich doch nicht sagen, was man denkt, weil die Gefahr besteht, nicht verstanden zu werden.-- Vielleich ging es mir mit meinem letzten Brief so? Dass Ihr das Gutgemeinte gar missverstanden habt. Ach кENIк nein,-- wir sind doch keine so ganz kleinen Menschen, auch wenn wir nur kleine Existenzen sind, das ist doch zweierlei. Den inliegenden" clip" schicke ich nicht gerne.Aber man muss doch an irgend einem Beispiel die" Richtung von heute" aufzeigen.- So etwas hat natuerlich seine Hintergruende.Kein Land- und sei es nich so gross und aufnahme faekig, will seine Gastfreundschaft missbrauchen lassen. Und nach den verschiedensten Meldungen, die ich in der Zeitung aufpickte, gibt es so etwas oefter-- Ausserdem, und das ist wohl die Hauptsache dabei, fuerchtet man die kommunistischen Einflüsse hier in diesem Lande sowohl wie in manchen anderen Laendern auch So, das habe ich mir dabei gedacht, als ich diesen clip fuer Euch ausgeschnitten habe. Das andert nichts an meinen Wünschen. Am 8.1.hat Kaethe Eure" kleinen Wuensche" auf den Weg gebracht. Mehr wollten die 22 Pfund nicht fassen, die zugelassen sind. Ich zahle auf: 2 Schlafanzuege, 2 warme Garnituren Unterwaesche, 1 Unterrock, Guertel und Hal ter fuer Maria, 1 Shal und Handschuhe fuer Fritz, Handschuhe, Muetze und Shal fuer Maria, Hemdenstoff, Sweater und Ohrenschuetzer fuer Euren Jungen, 1.Sweater, 1 Schuerze( ohne Angabe fuer wen) Besen, Handbuerste, Feuersteine( stecken in den roten Handschuhen) 2 Geschirrдappen, Putzlappen, Bleistifte, Buntstifte, Durchziehgummi, Schnuersenkel, Schuhwichse, 1Wecker, Backpulver und Hefe, Panamaholz zum Waschen von Wollsachen, Zahnpaste, Rasierklingen,-Seife, 1 Rock, 2 Paar Struempfe, Regenkappe, Scheuerstein anstelle von Bimstein, letzteren findet man nicht immer, wir passen aus eine Buechse Hefe, ( zum einnehémen, Vitaming B.- Complex) aber auch Backpulver und Hefe zum Backen, I Fruchtkuchen, 1 Stueck Speck, 1 Wurst, 1 Paket Erbsensuppe, 3/4 Pfund Schokolade, 1 Pfd Reismehl, 1 Pfund brauner Zucker, 2 St.Seife. Thats all.-- Wir denken viel an Euch. Waere nur erst der Winter vorbei. Wir lesen gerne, dass es diesmal nicht sopo kalt ist. Kaethe ist jetzt eine ihrer Schwestern gestorben.Sie hatte offne Tuberkulose bekommen.Hart fuer Käthe hier, sie tat was nur moeglich war, es wurde viel Verbandzeug gebraucht.Hart auch deshalb, weil die alte Mutter diesen grossen Schmerz noch erleben musste, sie ist mehr als 75 und hatte es schwer mit der Kranken,-trotzdem.... Sie lebten neide bei der anderen Schwester Else Pfau- Fey in Auerbach/ Bergstrasse. Jetzt sind sie beide wohl in Saarbruecken, dort sind noch drei Geschwister, ein Bruder mit Familie und zwei berufstaetige Schwestern. Ich denke die Else geht auf jeden Fall zurueck nach Auerbach, wozu sich die ganz reizende, liebe alte Frau entschliesst, wissen wir noch nicht.Ein Stueck zur Familienchronik? Nein, Schicksale wie es heuhundertausende und mehr gibt.Z.T.sind sie verbunden mit dem grossen allgemeinen Schicksal der heutigen Menschen/ Es geuesst Euch herzlichst Meine liebe Maria, den 6. Januar 1948 ganz herzlichen Dank fuer Deinen lieben Brief vom 28.Nov., er war schon zu Sylvester bei uns.Manchmal dauert es auch noch 1-2 Wochen laenger, der Postverkehr aus Bayern schein extra lang zu sein, von Paul und aus Saarbruecken kommen die Briefe etwas schneller hierher, auch aus Hamburg und Berlin, Hannover. Ich nenne nur die Orte, aus denen wir die uns wichtigste Post erhalten, aus Duesseldorf haette ich sie gerne, aber da wird sie meistens nicht abgeschickt, so braucht man nicht auf die Zeit aufzupassen.(!)--So habe ich also den Lipmann- Brief erhalten und nur nicht auf den Absender geachtet, verzeih.--Wenn das Anzugpaket nicht kommen sollte, muessen wir es reklamieren, bitte gib sofort noch einmal Bescheid. Das Fettpaket hoffen wir nun doch bei Euch? von andrer Seite haben wir, so glaube ich wenigstens, nun doch schon eine Bestaetigung. : Dein Brief hat uns in grosse Sorge versetzt, wegen Eurer beider Gesundheitszustand.Man fuehlt sich so sehr ohnmaechtig dabei.Aber wir sind auch in Sorge wegen der ganzen Kombination: Gesundheit, geschaeftliche Lage und dauernde Ueberbeanspruchung der Kraefte bei Euch beiden. Das gibt schreckliche Perspektiven.--- Wir hatten es uns zum Grundsatz gemacht bei niemendem, weder bei Euch noch bei irgend einem der uns nahestehenden Menschen in seine persoenlichen Sachen hineinzureden, abgesehen von der mangelnden Neigung dazu, waere es auch dann, wenn es einmal erwuenscht oder geboten ist, eine Unmoeglichkeit. Schon wegen der Entfernung und der sehr gehemmten Verstaendigungsmoeglichkeit( siehe obige Zeitangaben) So fasse es auch jetzt bitte nicht als Bevormundung oder unangebrachte Kritik auf, wenn doch nun einmal so etwas wie eine" Beurteilung" Eures Gesamttuns durchklingt und denke dabei, dass es restloses Wohlwollen ist, was dahinter steht.---" in einer solchen Zeit, wie Ihr sie jetzt dort in Deutschland durchleben muesst, spart man seine seelischen und koerperlichen Kraefte, man ist so geizig damit, wie es irgend moeglich ist." Von Lotte hoerte ich ueber einen unserer Freunde, der sie besucht hat, dass sie ihre Praxis bewusst klein haelt, weil sie deutlich fuehlt, dass sie gesundheitlich nicht mehr leisten kann, als sie es tut.Ist das nicht ein sehr vernuenftiger Standpunkt? Wenn ich z.B.las, wie Du dem Fritz hilfst, so sehr, dass Du nicht zu der Arbeit kommst, die air liegt und zu der es Dich aus dem Inneren heraus draengt, dann erstand vor mir die Frage, ob das wohl richtig gehandelt ist. Und ob nicht doch wohl Emil Recht hat, der mir immer sagte, dass er viel lieber saehe, wenn Fritz in einer Redaktion arbeiten wuerde oder- wenn das nicht moeglich waere( was sich ja unserer Beurteilung entzieht) einfach aufs Land gehen wuerde.Vorläufig.) Wie die Tiere, die ihren Winterschlaf halten. Man haelt auch das eine Weile aus, es ist immer noch besser als sich ganz herunter zu wirtschaften. Und dabei sich selber und die schoepferische Kraft seines Lebenspartners und- Kameraden mit zum Opfer zu bringen.Fritz soll mir nicht boese sein, wegen dieser Betrachtungen, sie draengten sich mir schon frueher auf, ich lese auch zwischen den Zeilen und es formt sich beim Lesen ein Bild Eures Lebens.--- Aber was ich schreibe, ist post festum.- Hoffentlich( ach dieses " hoffentlich" das immer ein so ganzes ohnmaechtiges Wuenschen umschliesst) kommt ihr aus den geschaeftlichen Sorgen heraus, ohne dass es Euch dann nachlaueft.Und ich komme mir vor, wie ein Moralprediger, zu dem ich doch so gar kein Zeug habe.--- Ich kann Dir heute nicht mal ein Paket ankuendigen. Das, mit dem Eure kleinen Wuensche erfuellt werden sollen( was allerdings nun wieder gewichtsmaessig und auch sonst auf Kosten der so notwendigen Lebensmittel geht) steht schon seit Weihnacht postfertig gepackt da, wegen des Schnees aber konnte es Kaethe- der einzige" starke" Mann in unserem Hause, aber nicht zur Post schaffen. Sie wird in ihrem Beruf als" visiting nurse" natuerlich jetzt so muede, dass sie dann am Abend nicht mehr in der Lage ist, ein paar von den bereitstehenden Paketen fortzuschaffen und mit Taxies ist es auch nicht so leicht jetzt gemacht.Aber es geht sicher in einigen Tagen ab. Seid sicher, dass wir an Euch denken und mit bestem Willen zu helfen suchen, soweit es uns nur moeglich ist. Ganz herzlich fuer Euch beide von uns dreien Eure grasse Mutti fait que je vous P.1 5 A [] . c. . ouvernement. 12 Okt Roffee 8 Nov. Doseuw " Kartof" 21 ort Reis schon Nudelpeiset(nicht Nov erwahnt. aubek. 25 Nov Care an Foitz 4 DUZ Maria wir im Care D'Orell ung Neufahr’s und Cafe . . den 4.Dez.1947 Ihr meine beiden Lieben, ein handschriftlicher Gruss( von wegen zerbrochener Schreibmaschine) kam hier an, vielen Dank. Ich schickte Euch im Laufe der Zeit oefter Common Ground, eine vierteljahrsschrift, alte und neuere Nummern.Ich habe mit der Bewegung, die dahinter steht, nichts praktisch zu tun.Aber sie imponiert mir, weil sie ein Ausdruck dafuer ist, wie man Fremde hier aufnimmt und sie zu akklimatisieren sucht. Das Ziel wird auch- bis zu einem gewissen Gradeerreicht. Aber der Zweck ist auch der Ausdruck einer noblen menschlichen. Gesinnung. Ich vergleiche da immer mit Frankreich, das auch eigentlich ein Einwanderungsland haette sein muessen, das ohne die Kraefte der Fremden ueberhaupt nicht leben konnte, schon seit vielen Jahrzehnten nicht, sich aber hochmuetig abstellte von den daraus erwachsenden Konsequenzen. Ich tippe das Kapitel nur an, kann es nicht erschoepfen, aber es ist eine Erkaerung dafuer, dass ich solches Material schickte. Der Artikel" Hilde fuer Europa....." ist nicht grade was besenderes, kann mitgehen. Ich hoffe, Ihr habt inzwischen wieder was bekommen? Es tut mir( uns) so leid, dass es alles verzischt, Der Tropfen auf den heissen Stein. All my love to you, yours grosse Mutti den 8/ Dez.47 Mein lieber Fritz, die Post, die wir von drueben bekommen, wird allmählish, aber eigentlich ziemlich rapid, immer trostloser, hoffnungsloser und erfuellt uns mit einem gradezu schaurigen Gefuehl der Ohnmacht. Ich will mich nicht daruebe ber verbreiten. Dabei sind wir es doch nun wirklich, die nicht das bekommen, was man primitive Bettelbriefe nennt.Nein, es sind Ausserungen von hoeherer Warte mit dem Willen zur Objektivitaet. Das Inliegende ist eine Zeitschrift der freiwilligen Krankenkassen, wie sie von Einwanderern der Bismarkzeit gegruendet wurde.Es gibt hier noch keine staatlichen Krankenkassen im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten.Seite 213 ist ein Artikel, der nach Material geschrieben. wurde, das ich zur Verfuegung stellte.Maria Gleit ist die Frau von Walter Victor, der jetzt in Sachsen, als SED- Mann Minister ist. Wie es scheint, teilt M.G.nicht seine Ansichten.--- Die Zeitschrift kommt englisch und deutsch heraus, die Organisation ist aber in ihrer Gesamtmentalitaet nicht das, was die Zeitschrift widerzuspiegeln sucht, das Leben hier ist nicht dazu angetan, die Leute, die vom Sozialistischen Gedanken ein wenig beleckt waren, bei der Stange zu halten. MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y. Herzliche Gruesse fuer Euch beide Eure gr.Mutti Marie Juchacz 339 East 173 St. 20. DEZ.47 New York 57, N.Y. Lieber Freund, liebe Freundin: New York, USA, Datum des Poststempels Seit einem Jahr erhalte ich eine solche Fuelle von aufschlussreichen aber auch mit Fragen verschiedenster Art angefuellten Briefen, dass es zur Unmoeglichkeit wird, sie einzeln zu beantworten. Deshalb waehle ich die Form des Rundbriefes. Zuerst meinen Dank fuer das freundliche Interesse. Ich bin mir bewusst, dass es gemeinsam Erlebtes frueherer Zeit ist, das mich noch heute mit so vielen wertvollen Menschen zusammenknuepft. Einige der immer wiederkehrenden Fragen sind, was ich wohl erlebt habe und wie ich schliesslich in dieses Land gekommen sei. Dass ich Deutschland im Mai 1933 verliess, war kein absolut freier Entschluss. Wie mir ist es vielen ergangen. Andere, die den Schritt ueber die Grenze nicht tun konnten, leben entweder nicht mehr oder haben Unsaegliches erlitten. Auch das Leben in der Fremde war nicht leicht. Im Saargebiet, meinem ersten Aufenthalt, wurde noch ein Stueck Kampf gegen Hitler gefuehrt und verloren. Zu starke Kraefte standen auf der anderen Seite. Nach dieser" Abstimmung" ging es nach Frankreich in die zweite Emigration. Der Freundeskreis, mit dem ich lebte, entfernte sich, solange das moeglich war, nicht weit von der deutschen Grenze. Die erste Phase des Krieges erlebte ich so in allernaechster Naehe der Heimat, im Elsass. Im Juni 1940 ging es zum dritten Mal in die Emigration nach dem Sueden Frankreichs. Diese Flucht der Millionen vom Osten und Norden Frankreichs nach dem Sueden des Landes erlebten manche von uns in der Vorahnung deutschen Schicksals, wie es sich aber dann doch viel grausamer abrollte.- So sagten es uns die Zeitungen 1944/45 und spaeter die in vielen Briefen geschilderten Einzelschicksale.- Und so mussten und muessen viele unserer Freunde, die sich niemals zu dem grossen Unrecht an den Anderen hergaben, doch in erster Linie die Schrecken des Hitlerregimes, des Krieges und der Niederlage tragen. Sie koennen sich auch den Folgen und der jetzigen Verantwortung nicht entziehen. Die meisten von uns im Auslande- handeln im gleichen Sinne. Der Aufenthalt in einem kleinen Dorf im Sueden Frankreichs konnte nur die Vorbereitung fuer einen neuen, vierten Wechsel meines Aufenthalts sein. Es hat sich in der Folge erwiesen, dass Jeder, der von dort aus in die Haende der Hitlerschergen fiel, nur noch zweckloses Opfer wurde. Freunde halfen mir und einigen Freunden 1941 -( mit einer Zwischenstation auf der Insel Martinique) in dieses Land. Dass wir jedesmal bei einem neuen Wechsel unseres Aufenthalts die bescheidene Habe, die notgedrungen erworben werden musste, wieder einbuessten, sei nur am Rande bemerkt, unsere Freunde drueben sind viel grausamer daran gewoehnt worden. Ich bin nicht leichten Herzens in dieses Land gekommen. Aber es waere ein grosses Unrecht, wollte ich nicht dankbar die freundliche Gastfreundschaft anerkennen, mit der man hierzulande den politischen Fluechtlingen entgegengekommen ist. Und man hat uns auch dann, als die USA selber mit im Kriege war, kaum fuehlen lassen, woher wir stammen.- Trotzdem ist es fuer einen nicht mehr jungen Menschen in einem fremdsprachigen Lande, mit anderen Sitten und Gebraeuchen, mit anderen Lebensanschauungen und-bedingungen, nicht leicht, neue Wurzeln zu schlagen. Das trifft fuer mich und sehr viele Schicksalsgenossen zu. Es wird mir oft zu der' Position; die ich mir errungen haette, Glueck_gewuenscht. Ich weiss nicht, was ich mit diesen Glueckwuenschen anfangen soll. Es muessen schon ganz besondere Begabungen und Gluecksumstaende zusammen wirken, um hierzulande als Einwanderer so etwas wie eine' Position' zu bekommen. Ich gehoere nicht zu denen, die solche Glueckwuensche entgegen zu nehmen haben, vermisse aber die ' Position' auch nicht. Zu der Frage, wie ich hier lebe? Sehr bescheiden, wie es die Situation gebietet. In diesem Lande, so reich es ist an natuerlichen Schaetzen, die durch den Fleiss und die Intelligenz seiner Bewohner wertvoll gemacht werden untersteht der -2Einzelne den gleichen Bedingungen, wie sie bisher noch in jedem Lande der Welt gueltig sind: Niemand kann mehr kaufen, als die Mittel, die ihm zur Verfuegung stehen, erlauben. Seit 1941 habe ich mir Muehe gegeben, die Sprache dieses Landes, die sozialen Zusammenhaenge, sowie die allgemeine Mentalitaet kennen zu lernen. Das Resultat dieser Bemuehungen ist sehr unvollkommen geblieben. Ich habe noch immer zu ler nen und Erfahrungen zu sammeln. Jedoch manches davon kommt schon den Bemuehungen - drueben zu helfen - zugute. - Das Ende des Krieges brachte uns die Gewissheit der vorauszusehenden Folgen. Ueber die Verpflichtungen der im Auslande lebenden Genossen war man sich hier klar. Ich moechte in diesem Zusammenhang den Briefschreibern danken, die mir mitteilten, dass sie nicht Truebsal blasen, fest zupacken wollten, um( nicht nur fuer sich) neu anzufangen. Eine solche Einstellung erleichtert es hier mit selbstverstaendlicher Verpflichtung die notwendige Hilfsarbeit zu tun.- Dass diese Arbeit, bei der allgemeinen Not, auch einen allgemeinen Charakter tragen muss, versteht sich wohl von selbst. Sciher: es geht mir, wie so vielen der Freunde: wir muessen unser Herz oft fest zusammenpressen. Die Menschen, die wir kennen und schaetzen, stehen unserem Fuehlen nahe. Wir moechten ihnen gerne persoenlich helfen. Wir versuchen es, immer wieder. Aber es sind ihrer so viele, dass es zur Unmoeglichkeit wird, wenn man ein Mensch mit mageren Einkuenften und kein Multimillionaer ist. Und so weitet sich, in dem Augenblick, wo man sich an die Oeffentlichkeit um Hilfe wendet, diese Arbeit ins Allgemeine, von Organisation zu Organisation. Dabei gibt es ungeschriebene Gesetze, die nicht verletzt werden duerfen, will man nicht die Arbeit selber gefaehrden. Ich bin mir bewusst, dass bei jeder Hilfsarbeit nur bescheidenes Stueckwerk herauskommen kann. So bleibt das Gefuehl, dass man getan hat, was moeglich war. So wie Ihr dort drueben auch nur mit groesster Geduld und Ausdauer in diesem Meer von zerbrochenen Schicksalen und Existenzen wirken koennt. Ihr erlebt die Not der Jugend und der Familien unmittelbar in ihrer mannigfaltigen und immer bitteren Form. Ihr fuehrt den Kampf gegen Hunger, Krankheit und Verelendung. Und Ihr wisst, dass ueber allem die Hoffnung auf endliche Besserung zu stehen hat und die Gewissheit, dass wir es schaffen muessen. Das alles las ich in Euren Briefen und dies ist die Antwort, die ich darauf geben kann. Ich gruesse Euch alle mit guten Wuenschen fuer das Jahr 1948, Eure Liebster Fritz, liebste Maria, Marie Juchacz Marie Juchacz es reicht zeitlich nicht zu einem laengeren Brief, am 8.Dez.wurde, als Arquivalent gegen Briefmarken von einem Freund fuer Maria Roehl ein CARE- Paket bestellt.Anliegend ein Gutschein fuer Dosen, die hoffentlich nicht zu lange auf sich warten lassen. Dann hat Emil am 15.Dez.Kaffee fuer Euch bestellt, den Ihr ja so noetig habt bei der vielen Arbeit, bei der man wirklich eine Stimulanz braucht.Paul schrieb, dass er Euch etwas mitsenden konnte, hat das geklappt? Es wuerde mich freuen. Ganz herzlich Eure Marie MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y. Liebster Fritz und Maria, den 7.Dezember 1947 nur um zu zeigen, womit ich so meine kurzen Tage verbringe, schicke ich Euch diesen Ausschnitt.---- Du hast in einem Brief gefragt, ob wir wohl die Maria- Zeichnungen von Alt- Muenchen gebrauchen koennten. Fuer diesen Basar kam die Anfrage zu spaet. In meinen Gedanken plane ich eine deutsche Arbeiter- Wohlfahrt- Ausstellung, mit BildernXXXXX XXXXXX( Photos) unter dem Leitfaden( roter Strich im Artikel) Dazu Erzeugnisse aus D., wie sie in der Not entstanden sind und deutschen Geschmack und" imagination" darstellend.Ob mir das gelingt, haengt von vielen anderen Faktoren ab( hier und drueben) Es waere also schon Euer Risiko, wenn Ihr dazu beitragen wolltet. Dies nur mit meinen herzlichsten Gruessen, ich will den Abschnitt nicht erst sauer werden lassen, habe aber im Moment keine Zeit fuer einen wirklichen Brief an Euch, wie ich ihn gerne schreiben moechte. Herzlichst Eure grosse Mutti 986 A Um do 98 Liebe grosse utti, Lieber Emil, lebe Käthe, m monov 28. Nov. 57 da der gute Mocha in Nürnberg ist un as Büro inzwischen Strümpfe stopf, somit also ie Maschine frei ist, schreibe ich Euch eine lag ge Antwort auf ie beiden Briefe vom 8. un 21. Nov. Pure Briefe erreichen uns so schön schnell, unsere scheinen so sehr lange zu brauchen, Der Lippmann-Brief muss Euch aber m. E. erreicht haben, fodenn er enthielt ie Autokalamität. Inzwischen ist Pas Kaffee- Paket eingetroffen, tausen Dank, es kam als Rettung- denn im Augenblick sind wir beide sehr own. Das Fettpaket ist immer noch nicht da, royal ebenso as Anzugpaket. Angekommen ist as Mehl- Paket un ie Dosen. asdociels Ich hoffe, dass as Fett- Paket noch so eintrifft, ass ich zu Weihnachten wenigstens ein Weissbrot backen kann. Ich mache mir immer wie er Geaanken, ass wir Euch berauben, aber trotz Burer. Hilfe sin wir beide gesundheitlich restlos fertig. Micha wure öfter ohnmächtig, ich habe ihn zum Arzt geschleppt, er völlige Herz, Nerven un ungen- Überbeanspruchung feststellte. Ausseraem hat er angehen es erzbase ow infolge von Unterernährung. Da er bei seiner Grösse( 176) nur la2 pfung wiegt, hat der Arzt 162 ihm Zusatzverpflegung verschrieben, wovon ein eil auch bewaltigt worden ist. So konnte ich ihn wenigsten acht Tage enschenwüraig verpflegen. arüber hinaus bekomme ich für ihn täglich einen halben Liter Vollmilch für- ihn. Als Normalverpflegter bekommt man jetzt ein Viertel Magermilch in der Woche. Diese Zutatzverpflegung ist für 12 Wochen bewilligt worden, alle vier Wochenbekomme ich also Nahrmittelmarken Mich un etwas Butter für Mike. Er hat es aber auch ringen nötig. Trotz em ist es bei fer Arbeiterei ein Tropfen auf en heissen Stein. Ich bekam Jann eine ronchitis, trotz Fieber bin ich ins Püro gegangen um Mike zu helfen, a habe ich smu mir eine erzmuskelschwäche zugelegt, ie mir Bei em jetzigen Fönwetter sehr zu schaffen macht. Ich soll affetrinken, Mike auch, not so sin wir Euch oppelt Fankbar für das Paket.Der Arzt hat mir auch " usatzverpflegung verschrieben, 1/4 Milch täglich und 200 gr.#leisch in der Woche. In rei ochen bekomme ich Peschei, ob ie acy unafür zuständige telle es bewilligt. ier im Würfel haben wir nur ampf umie täglichen" echnungen. kaum ist eine Steuer bezahlt, sin ie enorm hohen" agen fällig, tani o'er Plakat, Druck, Insertion etc müssen gezahlt werden. 03 AN age Am 15. Nov. hatten wir wie er in den 2 Hausern Premieren gehabt. ser Bei e programme waren fertig, waren geprobt, a ist rei down une vor er Premiere er Haupt arsteller un Conferencier es in Münnie mchen anlaufen en" rogramms nach einer urchsoffenen nacht nicht wie er erwacht, Da auf seinem echttisch Röhrchen mit Panodorm geand funden wurden, ging ein wiles Gerücht über elbstmor urch ie Stat ento doin Die Frau dieses Schauspieters steht auch bei uns auf der Bühne. Sie hat trotz allem weitergespielt. Die beiden Programme mussten del natürlich umgearbeitet werden. Dazu hat der Mike keinen Wagen zur Ver fügung, ie trassenbahn fährt aben's nach 8 30 nur alle tune 3 2108 Jew revo" .9800 ets de 七 un nur bis lo 30. Dann kam wie immer die jährliche Buchkontrolle, * er von em Thatre Control Office geschickte Mann stellte fest, a Aussie Geschäftsführung sehr mangelhaft arbeitet. Wir können* iese Dinge ja nicht übersehn. Der K2 ler ahn macht das kaufmännische ja genz nach seinem Gutrünken. Er un John( K.Z. ler un June) sin ja Besitzer un Mike nur er geAulete Dritte. Trotzdem ist Mike als Lizenzträger un Mitgewchäftsführer en Amerikanern gegenüber veeantwortlic. Angeblich steht er Würfel im Kippen. Der" Würfel sei nicht lebensfähig." Pee Spesen seien zu hoch. Nun ist di Geschäftslage in Deutschland wirklich schwierig, enorme Steuern, Material wie Glühbirnen, Schenerlappen, Pesen, Pappe un Holz für ie Dekoration bekommt man nur gegen schwarze Preise. Die Schauspieler gagen, werden immer höher. Aber ie esucher immer weniger. Ob nun aber ein unreelles Geschäftsgebahren vorliegt. ist für uns Laien völlig unkontrollierbar, a Micha so überlastet ist mit en Künstlerischen Fragen. Un ausserdem ist Hahn klter Jurist. Wie sollen wir#a nur ahnen, ob etwas nicht koscher ist. Es wäre aber eine trostlose Ungerechtigkeit, wenn wegen eines anderen un essen Unkorektheit Mike seine Arbeitserlaubnis verlieren sollte. Ihr seht, in Deutsch nd hatman nur Sorgen. In Normalen Zeiten würden keine hohen Spesen anfallen, wäre also auch kein' orwurf zu erheben." atürlich hoffen wir, ass sich ie Vorwürfe alle entkräften lessen. Aber man glaubt so schon kaum noch an die Möglichkeit eines finanziellen Aufstiegs. ahn hat seine Schwägerin in N. X., ie ihm as Affet avid anklickt un wir sitzen e un konnen uns mit en Schulen abmühen. Schare, ich würde Buch gern mal etwas" ositives schreiben, ass es auf wärts geht, Pass wir für ie Zukunft planen etc. Statt essen hat man nur Ernährungssorgen, keinen Wagen mehr, im Beruf trübe Aussichten. Jetzt haben wir z. kasse wieder voll- ist- ie gute Schreibmaschine versetzt. bis Sonnaben.= bis ie Sonnaben's Ich sitze hier un will mal ie Aben vorstellung anschaun, um Mike wenn er zurückkommt zu berichten. Fusserdem ist hier geheizt un zuhau ist es kalt. Abenas versuche ich ann ein amerikanisches Auto anzuhalten, as amerik. ohnviertel ist ja irekt neben uns." eistens habe ich auch Glück. Zwar ist es ein Aisiko, enn einzelne ann auch gleich gern weiter eingeladen. Aber es hängt ja nur von selbst ab. Manchmal enke ich rauen werden a io ein netter Mann sitz, wie recht ie Reutschen els haben, Pass s wenn in so einem warmen Auto mit a sie mitgehn. Mal nicht nachhause ins skalte kommen nicht zu einer leeren Küche mit zuvielverbrauchtem Gas, einem Berg an kaputter Wäsche, alten Wehrmachts ecken auf eine ouch. al ein warmes ge pflegtes Haus mit" ersonal, ein schön geleckter Tisch mit wenn auch ga nicht uxuriösem arauf, son er wenigstens genügen essbarem una eine Unterhaltung ie sich nicht nur um Sorgen reht. Wie traurig, ass man seine Kraft nur mit em Organisieren er ebensnotwendigsten Dinge verplempert. An neue Menschen können auch wir nicht denken, nicht einma an ie guten Freunde, Gäste wären schon eine zu grosse Belastung. Man müsste ann ja extra heisen un aufräumen. So ist alles in einen warmen Raum gestopft. Aber vielleicht ist unser Leben gar nicht so sehr an ersals Buers. Nur ist es, so sehr. gewöhnt war. micht etwa in ferieffer insicht son ern in Bezug auf mir esterners als ich es" och einmal as Attribut, as was" eben dol odd sh 61 do #dade M den 26.Nov.1947 Mein lieber Fritz und liebste Maria, Emil legte mir gestern Abend ein Erinnerungskaertchen hin, des Inhalts," fuer Fritz, ein CARE- Paket abgegangen, November 25, 1947.---- Bis Ihr das bekommt, dauert es ja bekanntlich recht lange.So schidke ich diesen Brief mit der gewoehnlichen Post und lege noch einige clips dazu. Lies bitte mit etwas Aufmerksamkeit" Portokuerzung....." Das gibt Dir manchen Einblick.Artikel von Stoddard wird Dich vielleicht intressieren. Nebenbei Deine Bemerkung, dass man den Austritt der SPD aus der Bayr. Verantwortung von zwei Seiten sehen koenne, laesst mich sagen, dass ich Verstaendnis dafuer gehabt haette, wenn dieser Schritt auf einer viel breiteren Grundlage sich vollzogen haette.Aber dieses Teilexempel ist sicher richtig, uebrigens, ich halte eine Menge von v.Kn.--- Mit Rudolf Breitscheid komme ich vielleicht post festum, das kann man niemals wissen.-- Ein Blatt aus der Staatszeitung.--- Den Artikel" Siedelungsund Bodenreform schicke bitte an unsern Paul.--- HOWE and HUMMEL ist ein digest aus einem bestseller, die Begebenheiten sind wahr und zeigen das" junge Amerika" und seine" Moglichkeiten" in einer ausgezeichneten FormSo etwas war noch bis 1905 moeglich und ist eigentlich der beste Ausdruck fuer die Jugend des Landes.Seitdem hat sich sicher sehr vieles geaendert, aber noch nicht alles. So, ich mache es kurz, dass wir mit den besten Wuenschen bei Euch sind wisst Ihr.Dass wir wuenschen, Ihr moeget nun schon im Besitz unserer verflossenen Sendungen sein, versteht sich. Kaethe ist dabei, all die kleinen Wuensche zusammen zu tragen, die von den verschiedenen Seiten gekommen sind.XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX That is quite a job. Herzlichst Eure grosse Mutti und ihr ganzes Haus Liebster Fritz, liebste Maria, den 21.Nov.1947 herzlichen Dank fuer Euren Brief datiert vom 11.Oktober, abgestempelt am 14.eingegangen am 20. November.-- Wie es scheint, habe ich den Lippm. Brief nicht erhalten. Drucksachen haben wir recht viel bekommen. Dieser Brief wird wieder einmal kurz, auch schreibe ich ihn,( warum eigentlich) ohne Kopie. Wir haben Kenntnis genommen von den" grossen Plaenen." Liebster Fritz, mir wird Deutschland ein immer groesseres Raetsel, mir gehts wie Meister Martin:" ich verstehe die Welt nicht mehr."---- Ich habe der undnun Mr William van Loon gehoert, er sprach gut, menschlich und doch als Mann vonKultur. Er ist mir auch sympathisch.Aber ich habe wohl nicht mehr die Kraft neue Menschen ganz aufzunehmen, es hat alles seine natuerlichen Grenzen. Ich schrieb Dir wohl, dass wir Schumacher gesprochen haben, es hielt und das alles sogar ziemlich in Atem. Aber um mich verstaendlich zu machen, wie ich wohl moechte, waere wieder mal eine ganze Broschuere notwendig, da lasse ich es lieber. Liebste Maria, ich habe mich ueber Deine Zeilen gefreut und ich war traurig darueber, sie sagten mir soviel, zeigten mir die Situation plastischer als Du vielleicht glaubst. Du gehoerst zu denen, die auch mit der Schreibmaschine malen koennen.Deine Zeilen beschaeftgen uns sehr und wir wollen an Euch denken. Fuer heute herzlich Eure grosse Mutti Ach so, liebester Fritz, van L.will Dir nun bestimmt schreiben, ich weiss natuerlich nicht, ob er es tut. Emil und Kae the sind jedes seiner Arbeit nach, ich schicke diesen Brief so ab. MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y. den 8.November 1947 Liebster Fritz und liebste Maria, danke herzlich, fuer die Clips, es war eine gute Auswahl. Eure sonstigen Drucksachen haben wir ehenfalls, Plakate und Program mit FritzMichael in allen Variationen.- Das mit dem fagen ist eine recht fatale Sachen, win fuehlen mit Euch und sind gespannt, wie Ihr Euch helfen konnt.--Wir haben zu dritt beraten, ob und wie wir wohl etwas von den fehlenden Teilen beschaffen koennen, es ist fuer uns sehr g schwierig und ausserdem auch nicht billig.Und wenn wir es wirklich fertig bringen, dann wird es von den vielen, beaengstigend vielen Kleinigkeiten nicht das Richtige sein. Emil sagt soeben, dass es dochuch fraglich sei, ob dieser Ford ueberhaupt noch Fabriziert wird, man muss doch wissen, was es fuer ein Modell 1st.Und wenns der imel will, dass wir etwas bekommen koennen, was wirklich passt, dann habt Ihr inavischen grade diese Teile auch bekommen und die anderen, ebenso wichtigen fehlen noch immer Und Autoverstand haben wir trotz unserer F 6 Jahre Amerika noch immer nicht und werden ihn auch nicht bekommen. Wir sehen ganz klar die Notwendigkeit, dass Du und Ihr beweglich sein müsst.... Und die Zeit, der Diebstahl geschah am 1/ 2/ September Und Eure liebe Mutter koennt Ihr nun auch nicht nachhause fahren, das : ist doch fatal fuer sie? An inliegender Karte siehst Du, dass ich van Loon am 13. sehen werde, ich gehe hin, Emil muss sich das schenken, er geht abends kaun, jenals aus.Aber ich habe v.L.schon einmal gesehen, fp an 25.0kt.war ich zu einen luncheon geladen, das zu Ehren von Dr.Schumacher und Fritz Heine veranstaltet war, da hat er mich angesprochen, ich wollte Dir in diesem Brief sowieso davon schreiben. Aber Dein Brief, in dem Du mir aufgibst, ihn anzurufen, ihm von den Kommen des Taenzers Kreuzbergs zu unterrichten, kam erst einige Tage spaeten wieran, so un den ersten herum, wahrscheinlich erst am 3.Nov.Diet Briefe gehen von Muenchen noch immer sehr lange.--- Hoffentlich seid Ihr nun schon in Besitz der Pakete CARE( Anzugstoff) Schmalz und der Dosenwurst.12.0kt.ist bei einer hiesigen Firma ein Kaffepaket bestellt, am gleichen Tage ein solches mit gedoerrten Kartoffeln. Ich habe das Produkt in meinem Haushalt ausprobiert und fuer gut befunden.Am 21 Olt.ist ueber die Schweiz ein Paket mit Reis bestellt.--- Deine kleinen fuensche werden in naechsten -hier gepackten- Paket, beruecksichtigt.-- Inbezug auf den Tagen bleibt ausser unserem guten Willen alles offfen.Halt: fuer das Kartoffelpaket findest Du inliegend eine Karte, die Du bitte frankieren und befoerdern moechtest.--- Das Briefchen von Eurer Reise habe wir erhalten besten Dank. Da ich( von Lotte) nichts bekommen kann, hoechstens indirekt ueber sie etwas erfahren kann, haette ich gerne etwas mehr gehoert, Dass sie cut in Form erscheint, hoere ich von verschiedenen Stellen. Aber ein Zettel, den sie an Paul geschickt hatte( er uebersendet mir etwas so rares sofort) und eine Nachricht, die ich ueber einen Freund, der jetzt in Kassel lebt und mit seiner Frau Lotte besucht hat, erhalten habe, zeigt mir, dass sie garnicht wohl ist, sehr leidet, was ich bei einer Schilddruesensache, die sie haben soll, mir vorstellen kann, weil ich das ( bei anderen) schon erlebt habe.Und unter den dortigen Lebensumstaenden ist das natuerlich noch schlimmer und erklaert mir vieles, was sonst nicht sehr begreiflich waere.-- Stampfer hat Lotte auch besucht und hat sie in ausgezeichneter Haltung angetroffen Sie sei ein Sozialist " besonderer Praegung".Gehabt Euch wohl, wir sind bei Buch mit unseren Gedanken und wuenschan.--- Fast haette ich es vergessen: der Gedaike Lippmann, ist vielleicht auszufuehren, obgleicht wir-- Euch nicht berauben wollen.Ich wuerde mich aber freuen, mir ein Stuck von Maria ins Zimmer haengen zu konnen Und" Old Munich?" Schade, wir machen einen Basar noch diesen Monat, aber dazu kommt es leider nicht mehr zurecht. Sonst.. KÖNNEN. EIN PAKET DARP 22 ENGL PFUND. WIEGEN: E. F BITE SCHICKT EINE AUFSTELLUNG DER TEILE, DIE WIR BESCHAPPEN SOLLEN UND Euil im Winkhe Herzlichste Grüsse SCHICKEN haben wir auch Besorgt Euch mal Ende zen Besen. Herzlichst eure new stiel dafür im grasse Mutt. München, den 25. Oktober 1947 Liebe grosse Mutti! Es gibt nicht allzuviel Neuigkeiten. Wir kämpfen uns recht und schlecht( mehr schlecht als recht) durch die immer mieser werdende Zeit durch. Unsere beiden würfel laufen zur Zeit verhältnismässig gut, aber kaum ist die eine Schwierigkeit scheinbar überwunden, taucht sofort eine andefe auf. Ich bin gestern auf heftigsten Anraten von Maria und Br. Hahn zum Arzt abgeschleppt worden, weil ich das für unwesentlich hielt. Der Arzt stellte aber merkwürdigerweise hochgradige Unterernährung, anormalen Gewichtsverlust und ein völlig defektes Nerven- und Blutsystem fest, mit dem Ergebnis, dass er mich auf Zusatzverpflegung setzte, sodass ich für einige Zeit etwas Fett, ein paar Nährmittel und etwas Weissbrot bekomme. Ausserdem fresse ich die merkwürdigsten Medikamente mit der Einbildung, dass mir damit geholfen wird. Gestern kam vom Bayrischen Roten Kreuz die Mitteilung, dass die Care- Sendung mit dem Mehl eingetroffen sei. Unser würfelbote hat das Mehl heute abgeholt und jetzt fehlte eigentlich nur noch das Fett, um daraus etwas backen zu können. Das soll aber auch demnächst eintreffen, und dann bekommt auch unser Frl. Tepling, welche als meine Sekretärin nach wie vor ohne Zimmer dasitzt und trotzdem zur Stange hält, etwas ab, damit sie bei Kräften bleibt. Die Einzelteile für mein Auto habe ich inzwischen soweit zusammengetragen, dass der Wagen jetzt schon bald wieder laufen kann. Das Problem sind nur die Felgen, d.h. die Eisenräder, die zwar in KölnDeutz in den Ford- Werken heftig produziert, aber nicht in die amerikanische Zone ausgeführt werden. Das soll als kurze Zwischen- Information genügen. In den nächsten Tagen gehen wieder Ausschnitte und ähnliches Material an Euch ab. Von Paul und Lotte habe ich seit meinem Besuch in Koblenz und Düsseldorf nichts mehr gehört, was aber zum Teil auch an mir liegt, da ich selbst nicht geschrieben habe, was ich aber heute noch nachhole. Seid herzlichst umarmt, auch von Maria die besten Grüsse und wünsche Euer Bayerisches Rotes Kre H 383 744/2 Adressen- Anweisung Kreisverband München ( Serienbuchstabe und Nummer) CARE- Ausgabestelle Datum des Poststempels. MÜNCHEN 22 Hildegardstraße 12-14 BENACHRICHTIGUNG Der Deutsche Zentralausschuß für die Verteilung ausländischer Liebesgaben beim Länderrat hat uns eine von CARE in New York für Sie angewiesene Sendung von übermittelt. 12 kg Mehl, bitte verpackung mitbringen. ( Anzahl) ( Paketart) Kirschmann Emil 339 East 173RD ST New York 57 N Y ( Name und volle Anschrift) Spender: Die Liebesgabe ist gegen Vorlage dieser Mitteilung( Me CARE- Sendung gebührenfrei. Z. bei der Ausgabestelle persönlich abzuholen. Sie erhalten 1 und 2) und Ihrer Kennkarte Kreisverband München Abholzeit: Ausgabezeit Montag 21 Freitag von 1.47 10-15 Uhr, Samstad geschlossen. CARE- Ausgabestelle MÜNCHEN 22 HCARE Kreisausgabestelle) Stock Falls Sie nicht in der Lage sind, Ihre Sendung selbst abzuholen, können Sie für sich einen Vertreter bestimmen, für den Sie bitte nachstehende Vollmacht handschriftlich ausstellen wollen: Bescheinigung JUCHACZ INCHE Drucksache DEUTSCHE POST Der Inhaber dieser Benachrichtigung ist rechtmäßiger Eigentümer der umseitig bezeichneten CARE- Sendung. To whom it may concern: This is to certify that the bearer of this card is the legal owner of the CARE package( s) mentioned on the other side. Bayerisches Rotes Kreuz Kreisverband München CARE- Ausgabestelle MUNCHEN 22 Hildegardstraße 12-14 Rgb. 2. Stoc Absender: Falls Adressat verzogen, nicht Mit neuer Anschrift an Absen Herrn 171041-20 6PTENNIG Fritz Michael Roehl О München 9 Harlaching Haselburgstr. 6 München, den 11. Okt. 47 Meine liebe grosse Mutti! Heute kam Buer Brief vom 12. September, in dem Ihr uns mitteilt, dass Ihr seit unserer Mitteilung aus Weissenturm nichts mehr von uns gehört habt. Ich habe Euch sofort nach Rückkehr, das war am 21. August, geschrieben. Ein zweiter Brief ging am 8. September an Euch ab, und zwar über Max Lippmann, Bemberg. Ausserdem gingen ein Haufen Drucksachen an such ab der verschiedensten Art. Nach meinen Überlegungen müssten alle diese Dinge inzwischen bei Euch ange kommen sein.- Von den von Euch angekündigten Paketen ist noch nichts eingetroffen, lediglich der Gutschein der GEG aus Hamburg wurde eingelöst und der Inhalt der Kanáda- Büchsen inzwischen bis auf 2 Winterreserven verbraucht. Die Büchsen waren klein, aber gut. Nach Buren Mitteilungen fehlen noch die Care- Pakete mit dem Stoff, dem Mehl und dem Fett. In nächsten Brief wird Maria Euch einige Masse angeben von unserem kleinen Heini, der inzwischen beträchtlich in die Höhe gewachsen ist und infolgedessen aus allen Sachen herauswuchs. Auch dieser Brief wird kurz aus begreiflichen Gründen. Schade, dass August enttäuscht war, dass wir nicht nach Oberstein kamen, aber es ging beim besten Willen nicht, erstens wegen des knappen Benzinkontingentes, und zweitens waren unsere französischen Pässe abgelaufen und innerhalb der kurzen Zeit nicht zu erneuern. Wir tragen uns mit ganz grossen Plänen. Nachdem es uns gelungen ist, unsere beiden Häuser in München und Nürnberg über die schlimmste Sommerzeit hinüberzuretten, haben wir neuerdings sogar wieder den alten Plan aufwerfen können, uns bis zum Jahre 1951 ein vollkommen neues Haus hinzubauen. Auf den ersten Augenschein ein im Anbetracht der Verhältnisse scheinbar irreinniges Unterfangen, aber eine Notwendigkeit, um den Gedanken dieses Theater- Unternehmens für die Zukunft zu retten, da der Pachtgertrag für das Haus in München 1951 abläuft und die bisher in beträchtlicher Höhe vorgenommenen Investierungen verloren gehen. Schade, dass man alle diese Dinge nicht einmal mündlich bekakeln kann. Habt Ihr Dr. Schumacher drüben gesprochen? über den Austritt der Partei aus der Regierungs- Koalition in Bayern möchte ich mich nicht brieflich auslassen, man kann sehr vieles dafür und ebensovieles dagegen sagen. Ansonsten arbeiten wir nach wie vor wie die Kümmel türken, denken viel an Euch, warten gelegentlich auf glückliche Information von overthere, und haben auch kleine Wünsche neben den grossen Fress paketwünschen, als da sind: Backpulver, Hefe( Körner), schw. Schuhcreme, Handbürsten, Zahnpaste, Feuersteine, Wecker( der ganz primitiv sein kann). b.w. Das wäre alles für heute. Maria will von sich aus noch ein paar Zeilen hinzufügen. Ich verabschiede mich von Buch Dreien und bin immer Buer Liebe grosse Mutti, eigentlich wollte ich Euch einen langen Brief schreiben, aber nachdem wir wieder einmal den ganzen Tag gearbeitet haben, und die Hälfte der N cht dazu, ohne im Grunde was Vernünftiges gegessen zu haben, bin ich einfach körperlich dazu nicht mehr imstande. Micha wiegt 108 Pfund, sieht aus wie weisser Käse, der heisse Sommer und die jahrelangen Entbehrungen machen sich bei allen Leuten bemerkbar. Im Unterbewusstsein hat ein jeder Komplexe, wie er diesen Winter" berstehen wird. Ausserdem haben wir beide einen blühenden Schnupfen, was im Prinzip harmlos, aber in Bezug auf unsere Verfassun katastrophal ist. Trotzdem erbeiten wir mit Energie und Verenigen, mit Hilfe von Kaffee, den wir gegen Weggabe unserer" berfl ssigen" Garderobe usw. ertauschen. Sonst geht es uns ausgezeichnet. Bis auf gelegentliche Ohnmachtsanfalle von Micha infolge Schw che haben wir bis jetzt durchgehalten. Es ist nur beschämend und traurig, dass man abgesehen von der Arbeit, die man um sich eine Zukunft zu schaffen leisten muss, nur noch Kraft und Zeit verschwendet für die primitivsten Dinge, die einem die Existenz einigermassen sichern missen. Leider komme ich nicht zu meiner eigentlichen künstlerischen Arbeit, da ich Micha nicht im Stich lassen kann und meine Zeit infolgedessen durch völlig unkünstlerische Nebensächlichkeiten aufgefressen wird. Ich bin vor kurzem einmal finf Tage in den Bergen gewesen und habe zehn Aquarelle gemalt. In diesen fünf Tagen hat te ich 50 Gramm Fleisc 25 Gramm Fett und etwas Brot, und eine Zimmervermieterin, die mir mit einigen Kartoffeln unter den Magen griff. Trotzdem war ich froh, wieder einmal so arbeiten zu können. Wenn ich mal satt bin, schreibe ich Euch lange und schöne Briefe von all dem, was uns geistig interessiert, anregt, senkrecht halt usw. Herzliche Grüsse an Euch drei und vielen Dank für alle Hilfe, die ja unterwegs ist und hoffentlich beld wieder ankommt, von Eurer . P. Liebster Fritz und meine liebe Maria, den 12.September 1947 was ist los? Nachdem wir aus Weissenturm einen Brief bekommen hatten, dann auch von Else Meerfeld einen Brief, in dem sie uns das Zusammensein mit Euch schilderte, hoffte ich auch etwas aus Duesseldorf zu bekommen. Nichts.Inzwischen erzaehlte uns August( in einem sehr verspaeteten Brief) von der Enttaues chung, dass Ihr nicht auch nach Oberstein gekommen seid, ( die Gruende verstehen wir wohl, deshalb keine Debatte) und Fuellenbach schrieb uns, dass Ihr Euch ebenfalls gesehen habt. Dass noch etwas aus M Duesseldorf kommt, hoffe ich also nicht mehr, aber aus Muenchen- ueber D.- koennte auch schon was hier sein.--- Und dann, ich g; aube, dass es auch zu erzaehlen geben wird: ueber Erfolge oder Enttaue schungen(?) aber wir hoeren nichts von Euch.Hat die Reise schliesslich in allem geklappt, habt Ihr auch Marias Mutter mitnehmen koennen?--- Wasan an Paketen unterwegs ist, habe ich wohl alles mitgeteilt, das geschieht immer sofort, ohne Verspaetung. Ich hoffe, dass der Stoff willkommen sein wird, scheint sich uebrigens etwas zu verzoegern, dennn wir haben noch nicht die uebliche Bestaetigung ueber die Bestellung von der CARE.-- Da kann man nichts. machen /.--- Emil sagte neulich, wenn Ihr einmal Masse ansagen wuerdet von dem kleinen Sohn von Marias Schwager, ev. fuer Schuhe und Hosen, koennten wir doch dafuer auch einmal was moeglich machen. Ich mache es kurz, Zeitmangel.Es geht uns nicht schlecht, an Euch drueben gemessen sicherlich gut. Ich hoffe, Ihr seid gesund und es ist alles in Ordnung, soweit das nur moeglich ist. Wir warten also auf einen Brief. Gute Gruesse von uns drei, auch aus Meriden, wo ich jetzt fuer ein paar Ausspanntage gewesen bin. Emil und Kaethe haben richtige Ferientage dort verbracht, sie koennten aber schon wieder Ferien gebrauchen, die Zeit vergeht.Sie lassen herzlich gruessen, ebenso grusst Euch beide und Euer Haus Eure grosse Mutti. M. 8. September 1947 Meine liebe grosse Mutti, lieber Emil, liebes Kätchen, Euer Brief vom 26. Juli mit dem Gutschein des Parcel Service der A.W. habe ich vor einigen Tagen erhalten. Von der Konsumgenossenschaft habe ich allerdings noch nichts gehört und warte auch in aller Ruhe ab, da ich glaube, dass es keinen Zweck hat, an die G.E.G. nach Hamburg zu schreiben.- Vor einigen Tagen kam der Luftpost brief vom 21. August, in dem Du mir schreibst, dass Du inzwischen einen kleinen Ausflug in die Niagara falls gemacht hast. Da ich im Moment auf Grund von 1000 Schwierigkeiten nicht weiss, wo mir der Kopf steht, kann ich auch leider nicht sagen, was mich an München bindet und ob und warum ich München und meine Arbeit in dieser Stadt liebe. Es ist leider so, dass man sich heute seine Lieblingsstädte nicht aussuchen kann, sondern zwangsläufig dort Wurzel schlagen muss, wo ein wenig privater Mutterboden übrig geblieben ist. Ihr werdet inzwischen meinen kurzen Brief, den ich Euch nach meiner Rückkehr von der Deutschlandfahrt schrieb, erhalten haben. Ich habe darin nur ganz kurz von Paul, Lotte, Rolf usw. geschrieben. Mit Rolf habe ich zwar guten Kontakt bekommen und ich werde ihm auch gelegentlich das Theater betrefrende Informationen geben können, aber er ist ja emster Theatermann und scheidet für meine Sparte der leichten Muse aus. Trotzdem bin ich froh, da ich auf Grund des persönlichen Wiedersehens wieder eine klare Vorstellung von unseren Freunden habe. Marias Mutter ist noch immer bei uns und wir haben es fertig gebracht, sie für die nächste Periode zu verpflegen. Ende d.Monats wird sie allerdings in ihr Altersheim nach Bad Pyrmont zurückkehren. Sie hat sich über Eure Grüsse sehr gefreut und erwidert diese ganz herzlich. Auf die Care- Pakete mit dem Anzugstoff und dem Mehl und dem Fett bin ich aus ganz bestimmten Gründen besonders neugierig. Die Gründe sind folgende: in der Nacht vom 1. zum 2. September arbeitete ich mit Maria im Bunten Würfel im Theatervorraum und auf der Bühne an Dekorationen und auf Proben und hatte meinen Wagen wie üblich vor dem Theatereingang geparkt. Um 2 Uhr nachts war der Wagen noch da. Als ich um 3 Uhr das Theater verliess, war der Platz leer. Wir alarmierten sofort telefonisch und mündlich die Polizei, was mit anstrengenden Nachtmärschen quer durch die Stadt und heraus bis Harlaching verbunden war. Am 2. September nachmittags um 17 Uhr, also 1 Stunde vor dem Anlaufen des neuen Programms, wurde uns telefonisch von der Polizei mitgeteilt, dass man den Wagen in der Nähe Münchens in einem Wald völlig ausgeplündert aufgefunden habe. Maria organisierte sofort einen Abschleppdienst und nach mehrstündigem Suchen im Perlacher Forst entb.w. deckten wir die letzten kümmerlichen Reste unseres Wagens in einer Waldschneise. Der Wagen ist fachmännisch bis auf die Karosserie und den rohen Motorblock abmontiert worden. Wir haben ihn noch nachts abgeschleppt und die Fordwerkstatt, in der sich das Rodiment jetzt befindet, erklarte mir, dass eine Beschaffung der gestohlenen Bestandteile aufnormalem Wege so gut wie ausgeschlossen sei. Es ware ohne weiteres möglich, den Wagen durch Ankauf aller Teile auf dem schwarzen Markt verhaltnismessig schnell wieder flott zu machen, aber das würde mici 25000.- bis 30000 kosten, ist ausserdem auch aus anderen Gründen völlig ausgeschlossen. Mir bleibt nur der Weg der Kompensation, zu deutsch: 1 Büchse Schmalz gegen einen Vergaser, 1 Care- Paket gegen einen Reifen mit Felge usw. Also ist auch dieser Weg so gut wie ausgeschlossen. Ich will versuchen, einen Ersatzwagen zu bekommen, damit ich mich einigermassen bewegen kann, denn auf Grund der intensiven Verkehrseinschrankungea in München, ist die Arbeit, die ich zu leisten habe, ohne Wagen undenkbar und führt zum Ruin des Theaters. Drückt mir alle Daumen, damit ich es in irgend einer Form leicht habe. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal fragen, ob Ihr einen Weg wisst, wie Maria Euch einige Ihrer zauberhaften Aquarelle zum Schmuck Furer Wohnung schicken kann. Im Augenblick keine ich leider niemanden der he rüberfahrt und sie für Euch mitnehmen könnte. Vielleicht rede ich bei nächster Gelegenheit mal mit Dr. Kemptner. Das Programa, das in Nürnberg angelaufen ist, hat grossartig eingeschlagen. Ich habe auch mit grosser Intensität und Liebe daran gearbeitet. Ein Programmzettel ist an Euch abgegangen( Wir pfeifen aur die Zeit").- Mit dem zur Zeit in München laufenden Programm habe ich grosses Pech gehabt. Einzelheiten zu erzählen führt zu weit. Die Autoren haben restlos versagt. Die technischen Schwierigkeiten waren gerade in den Tagen der Vorbereitung so unwahrscheinlich gross, angefangen von Quartierbeschaffung für die Künstler bis zu Transport schwierigkeiten von und zum Theater, zu den Proben und dann die augenblickliche Situation mit den willkürlichen Stromabschaltungen haben für unser Münchner Haus zu einem regelrechten Theater- Vabanquespiel geführt. Aber auch dieser Kelch wird vorbel gehen. Mein Optimismus ist nach wie vor ungebrochen und meine Arbeitsintensität hat weder durch den geklauten Wagennnoch durch die anderen Schwierigkeiten nachgelassen. Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, dass ich unter meinen letzten Brief an Euch mir roher Hand nur Roehl unterschrieben habe, was damit zusammenhängt, weil er zwischen der geschäftlichen Korrespondenz lag, und von mir in der Eile nicht noch einmal überlssen wurde, aber Ihr werdet das nicht krum genommen und vermutet haben, wie das zustande kam. Meine Sekretärin, die in diesem Augenblick mit kummervoller Miene mir gegenüber sitzt, weil sie vor einigen Tagen aus ihrem Zimmer hinaus flog und im Augenblick nicht weiss, wo sie unterkommen kann, wird diesen Brief an Euch in die Maschine schreiben. Dafür bekommt sie aus dem nächsten Paket einen kleinen Trost. 22 s. 3.2 S. 2 Wie ich soeben in einer Münchner Zeitung lese, ist Herr Kreutzberg, der Euch sicherlich auch noch bekannte Tänzer, in Buenos Aires eingetroffen, um in Südamerika ein Gasts piel zu geben, und anschliessend daran auch in den Staaten. Da Kreutzberg und v.Loon sehr eng befreundet sind, nehme ich an, dass van Loon und Kreutzberg in New York oder sonstwo zusammentreffen werden. Ausserdem nehme ich an, dass v. Loon üher das Erscheinen Kreutzbergs in den Staaten unterrichtet ist. Auf jeden Fall bitte ich Euch, mit G.W. van Loon zu telefonieren und ihm mit den herzlichsten Grüssen von mir diese Neuigkeit mitzuteilen. Von Mr. Smith aus San Franzisko habe ich inzwischen nichts mehr gehört. Ich habe ihm auch nicht geantwortet, weil im Augenblick ein Journalistentrip nach USA für mich trotz aller Verlockungen nicht infrage kommt, da ich nicht so ohne weiteres Hals über Kopf die Arbeit, die ich mit dem Bunten Würfel angefangen habe, aufgeben kann. Diese Pläne müssen um mindestens 1 Jahr vertagt werden. Ich muss schliessen, weil ich noch verschiedene andere Dinge loswerden will und umarme Euch alle ganz herzlich und bin mit den besten Grüssen und Wünschen, auch von Maria und unserer Mutter bzw. Schwiegermutter Euer P.S. Da der Brief noch nicht abgegangen ist und mir über Nacht noch einiges einfiel, mache ich noch einen Zusatz.- Ich werde heute an Herrn Lippmann schreiben und ihn fragen, ob er nicht einen Weg weiss, um Euch die oben erwähnten Aquarelle von Marie zu schicken. Ich halte das für durchaus möglich. Dann habe ich mir noch etwas anderes überlegt Ich bekomme in diesen Tagen von den Fordwerkstätten hier in München eine genaue Aufstellung über alle Bestandteile, die aus dem Wagen entwendet wurden. Vielleicht lässt sich die eine oder andere Kleinigkeit drüben besorgen und evt. via Lippmann hierher schicken, oder aber auch direkt an mich. Ich kenne da die Bestimmungen nicht genau und möchte da keinen vaux pas begehen.- Seid Ihr noch an einigen Heften" Old Munich" interessiert? Maria hat noch einen kleinen Restbestand, von dem sie einige Exemplare kolorieren und Euch ebenfalls über Lippmann übersenden könnte. Da ich schon einmal einen Zusatz schrieb, möchte ich ganz kurz noch einige bescheidene Wünsche aussern. Mir fehlen Bleistiftminen für einen mehr oder weniger schlechten Bleistift. Immer erwünscht ist Zahnpaste. Schwarzer Schuhcreme ist hier nicht zu haben, desgleichen kein Bimstein, den wir als Kunstbimstein für die Reinigung des Bades und von Kacheln benutzen. Dieses Verfahren hat Marias Mutter erfunden. Knapp sind wir auch mit Kleinigkeiten, die man im Haushalt braucht, wie z.B. Scheuerlappen, Besen, Spültücher usw. Wir helfen uns bisher mit mürbe gewordenen Hemden und anderen ähnlichen Resten. Wenn Ihr gelegentlich ab und zu eine solche Kleinigkeit mit einpacken würdet, wäre das nicht schlecht. Aber unser letzter Schrei ist immer wieder: Kaffee, oder für den Winter auch etwas Tee. Dies Wars! Jde München, d. 21.8.47 Meine liebe grosse Mutti! Obwohl ich schon am 24. Juli von meiner Deutschlandfahrt zurückgekommen bin, habe ich erst jetzt den kurzen Augenblick, um Dir nicht einmal selbst diesen Brief zu schreiben, sondern ihn schnell nebenbei im Büro zu diktieren. Über das Zusammentreffen mit Paul und Lotte, die ich beide in bester Verfassung angetroffen habe, muss ich Dir bereichten, wenn ich einmal mehr Zeit habe. Auf jeden Fall geht es beiden ausgezeichnet. Paul lebt sozusagen im Paradies, und Lotte erstickt in Arbeit und kommt hauptsächlich aus diesem Grunde nicht dazu, mit Euch zu korrespondieren. Sie ist unwahrscheinlich aktiv in ihrem Beruf und braucht, wie auch Maria und ich, das bischen Freizeit, um sich die Erleichterung zu schaffen, die man haben muss, um eine Höchstleistung an Arbeit zu vollbringen. Wir haben in Pyrmont Marias Mutter in den Wagen geladen und mit nach München genommen, wo sie glücklich ist, in unserer Wohnung murksen und kochen zu können, sofern es was zu kochen gibt, zu murksen gibt es immer etwas.- Die alte Dame hat mit ihren 70 Jahren als Bühnenbildnerin des Bunten Würfel eine kurzfristige Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Wir können das evt. bis Ende September verlängern. Anfang Oktober werden wir sie wieder nach Pyrmont zurückschleusen. Bei unserer Ankunft fanden wir das Firmenpaket mit den 10 Pfund Makkaroni vor, mit dem wir uns bis jetzt wunderbar durchnudelten. Dann kam auch das letzte angekündigte Paket mit dem Kaffee, der allerdings schon zu Ende ist, mit den Kämmen für Maria und den vielen anderen nahrhaften Sachen, die einer kochwütigen Hausfrau wie Mariaz Mammi unwahrscheinliches Vergnügen bereiten. Sie hat schon herzhaft geäussert, dass es höchste Zeit wird, dass das nächste Paket ankommt, damit sie in der gleichen Weise für uns weitersorgen kann. Ich habe nach meiner Rückkehr einen unwahrscheinlichen Haufen Arbeit vorgefunden, musste das bis zum 15. August laufende Zehnerlkabarett noch sehr intensiv betreuen und fange heute damit an, 2 Programme auf einmal nebeneinander her zu inszenieren. Die Unterlagen werden wir Euch schicken.- Maria macht mit der gleichen Intensität mit und ist für mich eine unwahrscheinliche Hilfe, was allerdings zur Zeit auf Kosten ihrer sonstigen künstlerischen Ttigkeit geht. Ich betrachte das aber als Übergangszustand und habe das Gefühl, dass ich es bis zum Ende dieses Jahres so geschafft habe, dass der Betrieb hier in einigermaßen normalen Bahnen läuft, soweit man unter den heutigen Umständen das Wort" normal" Hberhaupt gebrauchen kann und darf. Seid nicht traurig, dass ich mich so kurz fasse, aber wir arbeiten Tag und Nacht und müssen es schaffen.- Seid alle herzlich gegrüsst und schickt ruhig weiter die Drucksachen, die uns sehr viele Anregungen geben, und wenn Ihr gelegentlich wieder eine nahrhafte Senb.w. さ IIaprice dung zusammenstellt, hilft das uns in einem Maße, wie Ihr euch das bestimmt nicht vorstellen könnt. wir hätten noch einige kleine besondere wünsche, teilen die aber jetzt nicht mit, da wir Euch auch nicht zu sehr belästigen wollen. ato do no dot saab S treb bac di Inn.com now t madas do f. 1 Immer Eure Beiden tow do t Etsi daus d 20 55 to its ab es modos F061052 netice Tebra koni tosc odad NoI Los aid se dede megdug July 25, 1947 Dear Fritz and Maria, today it will be a very short letter.Only to let you know, that Emil ordered for you some" Blut- und Fleischpaste" in tin cans.Each Xite of them.You will get the message from the co- operative( KonsumGenossenschaft That will tell you when and where you have to receive this gift. It is a new way to proof, perhaps it will last a little longer until you get the notice. Therefore I do not send this small letter by airmail, it will be in time there. Guten Appetit. With best wishes for both of you, Yours Emil, Kate xan the grosse Mutti UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNI MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL LEUNITED STATES MAIL TES FOREIGN AIR ALL UNITED STATES FOREIGN AIR DAIL AIR MA FOREIGN AIR MAIL ITED STA L UNITE AIR MAIL REIGN AIR MATE UNITED S UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORETO GN AIR MAIL FOLD SIDES OVER AND THEN FOLD BOTTOM UP AND SEA MAIL UNITED STONES TOREIGN AIR NO OTHER ENVELOPE SHOULD BE USED AIR MAIL UNITED ITED STATES FOREIGN S FOREIGN AIR MAIL STATES FOREIG FOREIGN REIGN AIR MAIL TOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL FOREIGN AIR MATS NAIR MAIL UNITED STATES I BEIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN FOREIGN AIR MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y, TES FOREIGN AIR STATES FOREI IGH AIR MAIL ED STATES UNITED S MAILUN UNITED ST UNITED'S UNITED STAT UNITED STATES FORD EMAIL UNITED STATES IGN AIR N STALES FOREIGN TED ST GN AIR MAIL UNITED ST JUREIGN AIR MAILUN ED STATES STATES FOREIGN AIR MAIL CO ES FOREIGN AIR MAILUNPED STA RICH AIR MAIL STATEST & FOREIGN UNITED STA AIL UNIT AIR MA MAIL UNITE WAIR MAIL S FOREIGN AIR E STATS FOREIGN E FOREIGN AIR M MAIL IGN AIR H AS FOREIGN A OREIGN AIR MAILI den 21.August 1947 THOIS UNITED ST STORE AILULOED STATES HIV NJENG STATES TOREL FOREIGN AIR MA kann Muenchen, man weiss nicht wie man es nennen soll, ich haette je inzwischen seid Ihr nun hoffentlich sicher wieder in Eurem man doch nicht- und ob man liebes Muenchen schreiben kann, weiss ich auch nicht.-- Ich bin schon in dem Alter, wo man sich dauernd" erinnert".Und da faellt mir ein, dass ich, nachjetzt fast" schoenes" Muenchen geschrieben, aber das dem ich vier Jahre in Koeln war und Euch dort zurueckliess, als ich wieder nach Berlin zurueckgehen muesste, konnte ich nicht das rechte Verhaeltnis zu der Stadt bekommen, Koeln Mein lieber Fritz und liebste Maria, hatte es mir angetan.-- Und ich sehe die deutschen Staedte doch noch immer vor mir, wie sie frueher aussahen, trotzdem ich genau weiss, dass es nicht so ist.-- Aber eins weiss ich, dass man zu einer Stadt, in der man lebt, bestimmte Beziehungen haben muss, Umso mehr muss das bei Euch der Fall sein, deren Arbeit doch nicht denkbar ist, wenn man nicht irgendwie in das Milieu der Stadt hineingewachsen, damit verwachsen ist. Ich bekam Euren Brief, zusammen mit dem von Paul, er hat mir auch noch nachdem von Eurem Besuch geschrieben er war doch sehr froh darueber und stellt sogar fuer den Winter in Aussicht, dass er Euch auch heimsuchen will.Und Else Meerfeld schrieb auch ganz begeistert von Euch beiden und Ihr haettet" uch versprochen in Verbindung zu bleiben. Hast Du, lieber Fritz, mit Rolf Kontakt gefunden. Ein bischen freute ich mich darauf, nun wohl auch auf diese Weise von Lotte und ueber Lotte etwas zu hoeren, aber diese Hoffnung hat sich nicht erfuellt.-- Habt Thr nun Marias Mutter bei Euch? Ich wuerde mich fuer Maria sehr freuen, wenn das alles glatt gegangen waere und zu aller Zufriedenheit geloest ist. Ich bitte, meine Empfehlungen und Gruesse an sie weiter zu vermitteln, wozu ich aber am liebsten die lebendige Schildegeben. Herzlichen Dank fuer die Drucksachen, die einiges rung haette.-- Ich war jetzt in Rochester, N.Y.das ist schon so ziemlich am anderen Ende des Staates New York. Da habe ich die Gelegenheit wahrgenommen, um einmal an die NiagaraFalls zu gehen. Es ist doch ein grossartiges Naturschauspiel. Solche Orte sind natuerlich ueberall in der Welt ver- inAm 5.Aug.hat Emil ein CARE- Paket bestellt, mit Anzugstoff, Am 11.August bestellte er die beiden neuen CARE- Pakete, eins dustrialisiert(!) aber das ist nicht zu vermeiden. Wir hoffen, dass das recht so ist. Und hoffen weiter, bald enthaelt 10 Pfd.Schmalz, das andere 25 engl.Pfund Mehl. Ihr beide jetzt angespannt seid, aber es waere doch schoen, einmal von Euch zu hoeren.Ich kann mir denken, wie sehr Emil telephonierte soeben, dass er von unterwegs nach Meriden faehrt, so wird nur Kae the allein einen Gruss dazu schreiben. wenn Ihr Zeit finden wuerdet fuer ein paar Zeilen. IGN AIR MAIL UNI UNITED STATES FOREIGN MAIL UNITED STRES FOREIGN AIR MAIL ITED STATES STATES FOREL ATES FORE STATES FO UNITED STAREIGN ED STATES FURERN AIR MAIL REIGN AIR MAIL U UNITED STAT MAIL UNITED STATES FORFE UNI REIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN MEL UNITED STATES FOREIGN A ITED STATES FORLIGN AIR MAIL LA UNITED STATES FOREIGN A GN AIR MAIL UNITED STATES TO UNITED STATES FOREIGN FOREIGN AIR MAIL PUREIGN AIR M FOREIGN AIR UNITED STAPELON AIR MAILU R MAIL STATES TORE FOREIGN ED STATES T STATES FOREIG S FOREIGN AIR M STOREIGN TES T REIGH STOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIG IGN AIR MED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES TO MAIL UNITED CHAD UNITED OR MAIL UREIGN AIR STATES FOREIGN AIR MAIL FOREIGN AIR MAILU ED STATES FOREIGN AIR M MAIL UNITED STATES FOREIGN AF UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL IGN AIR MAIL UNITED ST REIGN AIR MAIL U IR MAIL UNITED STATES FOR TOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN A IGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL MOOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGH ON AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MA FOREIGN AIR MAIL NITED STATES FOREIGN PTATES FOREIGN AIR M ITED STATES FO OOREIGN AIR MAILS AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIKA TO SOOOREIGN AIR MAIL PUNTATES FOREIGN AIR UNITED STATES FOREIGN AIR STATES FOREIGN AIR M NITED STATES UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL DRPICK AIR MATE UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN IL UNITED STATES FO UNITED STATES FOREIGN ATES FOREIGN AIR ATES FOREIGN ALES FO NITED STATES FOREIGN UNITED STATES FOREIGN AIR M UNITED STATES FOREIGN UNITED STATES FOREIGN AIR MAILS UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL R MAIL Habt Herzlichst Eure grosse Mutt: Ihr den" Gutschein" schaft von der bekommen? Wir sind Konsum- Genossenneugierig wie das klappt REIGN AIR MA ITED STATES FORE L UNITED STATE MAIL FOREIGN AIR MA FOREIGN AIR MAIL REIGN UNITED DREIGN D STATES TO REIGN UNITE FOREIGN AIR MA STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORE HAILS EIGN AIR MA AIR MA FOREIGN STATES FOR ATES FOREIGN A ON AIR MAIL MAIL UNITED STATES FOREIGN STATES YO STATES FOREIGN STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL NITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORE ON AIR MAIL UNITED STATES FOR STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL ITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORE UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE! 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Y. 339 EAST 173rd STREET JUCHACZ TED STA FOREIGN AIR MAIL UNITED ATES FOR AIR MAIL UNITED STATES FORD NITED STAGN AIR MAIL UNITED STATE UNITE FOREIGN AIR MAIL UNITED GN AIR MAIL UNITED STATE MAIL UNITED STATES FORE FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES TES FOREIGN AIR MAIL UNITED GH AIR MAIL UNITED STATES MAIL UNITED STATES FORE GN AIR MAIL UNITED STATES UNITED STATE FOREIGN AIR MAIL UNITED TED STATS FOREIGN AIR MAT ATES FOR ED STA UNITE ED STAT ATES FOR ED STATES JOHAR MEGUNTED STATE MAIL UNITED STATES FECHAR MAIL UNITE UNITED STATE AIR MAIL UN SK AIR MAI FOREIGN UNITED SPAR GREIGH IRMA UNITED STATES ON AIR MAI STARES FOREIGN MAILI EWED STATES FOREIGN AIR MAS UNITED AIL UNIT UNITEN S 28.8.4 MUNICH MAINITED STATES FOREIGN AIR MAUPSTATE ORECH OREIGN AIRL UNITED STATES FOREIGN AIR MALL UNITED S 947 TES POREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORE AIR LAUG 21 12- PM UNITE TES POPEIGH COD STAIGNAIR RES FOR NUED STATES MAIL GHURT DAL UNITED STAY FOREIG AMAZINITEL FOREIGN MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y.CS FOREIGN AIR MAIL UNICATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FE STATES FOREIGN AIR MAILED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED ST NITED STATES FOREIGN AIR UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL> UNIT STATES FOREIGN AIR MAILED STATES FOREIGN ARRMAL UNITED STA FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOR STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES SOREIGN AIR MAIL UNITED ST NITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNI STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MARS UNITED ST MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORE HAIR MAL UNITED STATES FOREIGN AIR MA S FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES TO: WHITED STATES FOREIGN AIR MAILUTED STATES FOREIGN MAIL UNITED STATES FOR AIR MAIL USO STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MARK UNITED STATESOREIG IL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGH AR MAIL UNITED STAT GH AIR MA NITED STA REIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED MTES FOR IR MAIL UNITED STATES COREIGN AIR MALL UNIT DATES OR STATES FRON AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNIT STOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGH AIR UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STA STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES EGRE MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNIT NITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MALL UNITED STATES IN MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAE STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITE S FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIN MAN UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STAT STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MATE UNITED STATES FOREIGN AIR UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITE NITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAN UNITED STATES FREIGN AIR MAIL UNITED STATES TORCION AIR MAIL STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIN UNITED STATES FOREIG MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITY S FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR M ITED STATES FOREIGN AIR MATE UNITED STATES FOR STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIG DOUTED STATES UNFIAN AIR MAILINITED STATES FOL NITED STATES FOREIGN AIR MAIL SECOND FOLD AIR MAIL UNITED STATES FOREL STATES TURLION AIR MAIL JUNE STATES ONLION AIN MAILE UNITE PAR AVION VIA AIR MAIL NATE MAQUIZ UNGED STATES FORCIUM AIR MAIL AT UNITED STATES U.S. POSTAGE NOPLY AIR MAIL BRONS CENTRA TATES SHAIR HAIL EDS STATES FORE TED STATES MAIL UNITED S UNITED STATES FOREIGN A MAIL UNITED STATES FORE TATES FOREIGN AIR HAIL UNITED STATES TETES FOREIG MAILUNTED TAT SIGN AIR AIL UNI EDTATES MAIL UNITED STATES FORE FOR TATES IGN AIR MAIL UNITED STATE TED STAR FOREIGN AIR MAILI STATES FOREIGN AIR MAIL TATES FOR IR MAIL US EDS BELCUNITED STATE FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES POREIGN AIR MAILS? UNITED STATES FOREIGN AIR MAILA UNIFIED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORE GN AIR MAIL UNITED STATES FORE STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AUK MAIL ITED STATES FOREIGN AIR MAIS UNITED STATES FOREIGN AID MAIL STATES FOREIGN AIR STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STAT FOREIGN AIR MAIL FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNILED STATES FOREIGN AR MAIL ITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE MAIL UNITED STATES FORESCH AIR MAIL UNITED STATES PORSICK AIR MAIL UNITED UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MALL UNITED STATE UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORE ON ASH MAIL UNITED STATES FORE UNITED STATES FOREIGN AIR MALL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE MAID CUBITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIS MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORECH AIR MAIL UNITED STATES FOR STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE ITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREICH AIR MAIL UNITED STATES TORGON AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORE ON AIR MAIL UNITED STATES FORE STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE: FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE NITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREICH AE MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREGN AIR MAIL UNITED STATES FORE STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE TED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MALL UNDED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGH AUR MALL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATE HIER AIR UNITED STATES FOREIGN AIR VAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAN UNITED ARES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES PUREGE UNITED STATES FORE AL UNITED STATES FOREIGN A MAIL ON AIR MAIL UNITED STATE MAIL UNITED STATES UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UND STATES FOREIGN AIR MAILS ZONT AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORPIGN den 8/ Juli 1947 Lieber Fritz, liebste Maria, Euch dies zu schicken, ist nur so eine Eingebung, ich will auch nicht viel dazu schreieben, schicke es auch nicht" airmail". Weil es nicht so wichtig ist. Solche" Summer Institute's" sind American custom. Sie finden in jedem Jahr statt. Von dieser und anderen Gesellschaften, auch von den verschiedenen Kirchengemeinschaften. Die Quaker veranstalten eine ganze Anzahl ueber die XX states. Dies hier und auch die der Q.sind antiracial.BXXXXX( ich bin schon muede, ich vertippe mich noch oefter als sonst) Beteiligt sind: Universitaetskreise, als Handelnde und Hoerer, Studenten, Lehrer, sehr hoher% satz davon, auch die Gewerkschaften, meistens in dem Teil, der mit dem educational work zu tun hat, d.h.aktiv und passiv. Man nennte das" vacation with an aim. Ich habe schon einmal, hintereinander an zwei Kursen teilgenommen, aber in meinem Alter kann ich mir sowas nur leisten, wenn ich ausserdem noch ausgiebige Ferien machen kann, sonst ist das nicht mehr auszuhalten. Die Institutionen, die dazu genommen werden, liegen in den meisten Faellen landschaftlich wunderschoen und die Häuser haben allen nur denkbaren comfort.Es sind camps, Colleges, Universitaeten usw. Dies Wellesley ist sonst ein Maedchen college, von einer sehr grossen Ausdehnung, liegt herrlich( nicht weit von Boston) und ist sehr reich in Mitteln un Ausstattung. Aber fuer mich waere es viel zu teuer es wurde mit der Reise$ 100-- verschlingen d.sind 10 CARE- Pakete.--- Auf der anderen Seite bieten diese Veranstaltungen den Vorteil, dass man Verbindungen anknuepfen kann und mit den Leuten in Kontakt kommt, an denen einem etwas liegt.--- Also nehmt diese kleine Plauderei als eine Information about American life- nicht mehr, Ganz herzlich , Eure grosse Mutti Als Drucksache habe ich ein kleines Buechlein abgeschickt:" Herz an der Rampe." IR MAIL UNITED STAT UNITED STATES FURE! UR MAIL UNITED STATE AIR MAIL ZUNITED GUNITED STATES REICH ZUR MAIL UNITED UNITED STATES UNITE AIR MAIL UNITED STATE 1152 UNITED STATL LAIR MAIL ZUNITED STATES R MAN UNITED STATES F den 4. Juli, 1947 Liebster Fritz und meine liebe Maria, heute ist Independence Day, einer der gesetzlichen Feiertage Amerikas. Dieser ist bestimmt im Andenken an die Unabhaengigkeitserkaerung am 4. Juli 1776.Man merkt es als Europaer doch sehr, dass man in einem jungen Land lebt.---Jedoch- als Prof.der American und sonstiger history wuerde ich bei einer Pruefung vollkommen versagen.--- Dank fuer Euren Brief, vom 15. resp 23.Mai.Er kam gestern, ist langegelaufen, mehr als 6 Wochen, wir bekommen Briefe schon mit drei- bis hoechstens vier Wochen, warum moe gen sie nur aus Bayern so lange gehen?--Ich dachte es mir, dass es bei Euch wohl sehr bewegt und busy zugeht, ich erklaerte mir die doch recht languse so. Dann kam die Drucksache, die unsere Annahme bestaetigte. lt, ich glaube nicht, dass wir den Brief mit der Bemerkung, dass einen Abstecher nach Nuernberg gemacht haettest, erhalten haben.Deine letzten Briefe sind vom 3.und ich glaube 16. Maerz, einschliesslich des kleinen Zettels von" both of the nephew's. Ich habe am 10. Juni einen Erinnerungsbrief geschrieben. So haben wir auch keine Bestaetigung zwischen diesen Daten, ob nicht doch etwas on uns angekommen ist, was wir( des Abstreichens wegen) immer gerne wissen wollen. Der Herr Smith( Journalist) der Dir geschrieben hat, hat sich bisher nicht gemeldet. Es waere fein, wenn sich was draus entwickelte, sonst gibt es ja keine Moeglichkeiten.-- So- nun bist Du also it- Direktor der Kleinkunstbuehne" Der Bunte Wuerfel" Und Maria ist Dein guter Kamerad, ohne den Du sicher ganz verloren waerest, bei dieser Aufgabe.-- Ich denke in diesem Augenblick an die Teatervorstellungen Rolfs, in der Siebengebirsallee.Wir haben immer sehr lange sitzen und warten muessen, bis es klingelte. Jedenfalls sind wir mit allen guten Wuenschen bei Euch.--- Inbezug auf die allgemeine Lage siehst Du schwarz Wir auch. Es ist schrecklich so dabei zu sitzen, ohne an dem Karren mitzuschieben.damit er endlich wieder flott wird.Wieviele sind nun wohl schon verhungert? Wieviele, besonders der heutigen Kinder, werden( ueberlebend) dauernden Schaden tragen? Wie sollen die Menschen geistig/ seelisch wieder zur Gesundheit zurueckfinden, moralisch? Emil ist ein wenig out of town. Ich schicke ihm Deinen Brief und die Kopie meiner Antwort zu.Wir duerfen jetzt groessere Pakete machen, bis 22 Pfund.Aber ich bin nicht fuer die Groesse, lieber einmal oefter, Kathe plagt sich zu sehr beim Packen ab. Zigaretten zu schicken ist seit eiiger Zeit streng verboten, aber das wisst Ihr. Da kann man nichts macher Die, die sie wirklich rauchen, muessen mit drunter leiden. Das Paket ta enthaelt 1 Paeckchen Suppene inlage, eine harte Wurst, 1/2 liter Oel, 2 Pfund Zucker, 1 Pfd gesuessten Kakao, 2 Pfd Kaffee, 1Dose Frankfurter, 1 Dose Dattelbrot, 1 Dose Leberwurst, 1 Dose Fett, 3 kl Dosen Milch, 3/4 Pfd Schokol.4 Stck Seife, l Dose Lederfett, 1 Pfd getr.Kartoffel, 2 Zahnerem, 8 Kerzen, Kamm, Haarnetz, Schnürsenkel.----- Noch etwas zu den Drucksachen" Common Ground. Zeitschrift und dahinter stehende Organisation gibt sich Muehe, die newcomers einzufuehren, ihnen zu good citizenchip zu verhelfen. Dies nur, damit die Zeitschrift verstanden wird.Sonst schicke ich ohne System, aber auch nicht absolut willkuerlich. Ich schicke politische Sachen nach Hannover, diese clips werden auch gerne genommen.Hast Du nebenbei mal in den Parteitag hinein gerochen? Oder weisst Du etwa garnichts davon? Neulich kam eine Drucksache, auf der ich die Stasse vergessen hatte, korrekt und unbeschaedigt zurueck. Das beweist, dass sie gut behandelt werden. Aber auch, dass man wohl dafuer kein Einwohnermeldeamt bemueht. Denn unter Muenchen 9 haette daswohl gehen muessen.Ich habe es so umgeschickt. Zu einer Schilderung meines Arbeitsrytmus werde ich wohl kaum kommen.Ich lasse mich treiben und mache soviel wie ich irgend kann. thats all. Jetzt bin ich, d.h.die AW, New York an einem grossen Konzert mitbeteiligt, das am 21.September stattfinden wird. Aber das Kuenstlerische ist es nicht, was mir dabei obliegt, die Hauptsache ist" money raising for the People in Germany". So gruesse ich Dich liebster Fritz und Dich liebste Maria, auch von meinen beiden Hausgehossen Eure grosse Mutti. TED STAT TATES TOR RITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED R MAIL UNITED S UNITED STATES FORED IR MAIL UNITED STATES FORED SIGN AIR MAIL ZUNITE IR MAIL UNITED S R MAIL U R MAIL UNITED'S 52 UNITED R MAILS U BIGH AIR MA R MAIL UNITED 32 UNITED S MAILUONT FIGH AIR MAIL MAIL UNITED MAI MAIL . FOR FREE EN- CIVIL MAILS Lew's GLSGU VSTU SIGN AIR N UNITED IGH AIR MAI R.MAIL U UNITED R MAIL HEIGN AIR REIGN AIR MAIL UNITE TATES FOREIGN AIR MAIL FOREIGN AIR M 25 FOREIGN AIR MAIL AIR MAILUN UNITED S TED STATES PUR TPD STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED'S REIGN AIR MA UNITED STATES SUREIGH AIR HAIL COUCIST ESTATES FOREIGN AIR HAIRY! OPENED BY to 11 I NEW YORK 57, N. Y -339 EAST 173rd STREET MRS. MARIE JUCHACZ PRE JUL 20 nug VIL AIR LETTER GERMANY 10459 PASSED 2- PM 7947 20UALS SPENED BY の gT 00 THEM AIR MAIL 10 ¢ U.S.POSTAGE 2 VIA AIR MAIL Haselburgstr.6 American Zone/ Germany Muenchen 9- Harlaching Herrn Fritz Michael Roehl PAR AVION ( 13b) TES FOREIG UNITEDS ED STATES AIR MAIL JELTED SPITER? STC TOU& T SCOREICH OPENED WILL BE SENT BY ORDINARY MAIL IF ANYTHING IS ENCLOSED, THIS LETTER CTC] Sr FOLD STATES ES FOREIGN AIR S UNITED STATES ON AIR SAVING UNITED STATES SIGN AIR MAIL UNITED STAT OR MAILL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL AIR MAIL AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AI NITED STATES SIGH AIR HAIL UNITED STATES FOREIO OR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MA UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UN D STATES IR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR SIGH AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED'S FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORETEN AIR MAIL UND UNITED frozt. MAIL UNITED STATES IT OREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORFICK A UNITED STATES FOREIGN AIR MA AUL MAIL AZ UNITED STATES FOREIGN A DRITED STATES FOREIGH forr TATES den 10. Juni 1947 Hallon, dear Fritz and Maria? Ihr huellt Euch in so undurchdringliches Schweigen? Was ist los? STATES TOHEIGH AIR MAIL FOREIGN AIR MAIL UNITED NAIR MATE ZUN Fuer heute will ich Euch die Mitteilung machen, dass wir ein Paket mit nur Maccaroni, Nudeln ect an Euch gehen liessen, es kommt von einer Firma, die nur solche Teigwaren anbietet und wir da dachten uns, dass es doch vielleicht zum Fuellen recht gut ist. Ansonsten ist nun Käthe wieder aus ihrem Krankenurlaub zurueck und die Packerei- im Hause- kann sich wieder in Gang setzen. Wir wissen, es ist jetzt nicht schoen, weniger schoen, als es bevor schon war. Trotzdem aber moechten wir ein Lebenszeichen haben. Je mehr das Bewusstsein dass es Euch nicht so gut geht, auf uns drueckt, umsomehr wuenschen wir gelegentliche, wenn auch kurze Lebenszeichen. Am 29. Juni wird in Nürnberg der Parteitag stattfinden. Ich denke in diesen Tagen sehr oft nach Deutschland zurueck, Emil auch, wir sprechen viel davon.--- Wie sind die Aussichten in Eurer Zeitungsangelegenheit?--- Bitte nicht verzagen.--- Stampfer wird nach Nuernberg kommen. Lily Kaeser schrieb mir vor einiger Zeit, Du, liebster Fritz, haettest Dich nicht bei ihr sehen lassen.--- Ich meine auch, dass Du mir auf manches, was ich so angeschnitten habe, in Briefen, bisher keine Antwort gegeben hast.--- Hast Du, liebe Maria nun schon Deine Mutter dort? Und hast Du die ersehnte Erholung in den Bergen haben koennen? Und sind unsere- mindestens gut gemeinten Sendungen eingetroffen? Mr Morrison(?)- ich will nicht erst des Namens wegen nachschauenhat sich nie wieder gemeldet. Wir stehen jetzt auch mit Meerfelds in Verbindung, dass Rolf zurueck ist, hatte ich Dir wohl geschrieben.Paul hatte Jean und Else noch kurz vor seiner Ankunft gesehen, nachdem nicht mehr. Auch Lotte schweigt sich nach wie vor in allen Sprachen aus, das betruebt mich sehr.--- Freunde von uns sind jetzt nach Kassel zurueck gegangen, der Mann hat eine Aufgabe und die Frau wird sich eine in der Arbeiter- Bewegung suchen, wir haben die erste Nachricht von ihne Man hatte ihnen eine Empfangsfeier gemacht und der Freundschreibt u.a. Danach traf ich einen der Kasseler prominenten Anwaelte, die sich aus der NSDAP herausgehalten hatten und sich anstaendig benommen hatten. Er sagte mir, dass er und sei ne Frau erst an dem Nachm. ( der Feier) ganz begriffen haetten, wie sehr sie sich doch ihrer Feigheit zu s chamen haetten, so wenig gegen das so Falsch erkannte getan zu haben.--- An einer anderen Stelle:..wir haben den Eindruck, dass wir erst einmal lernen muessen, die Sprache der Menschen zu versteher Es ist tatsaechlich so, dass nach 14 Jahren( welchen 14 Jahren) die Menschen nicht mehr so zu sprechen scheinen, wie zu" unserer Zeit". .... So ist der ganze Brief gespickt mit fuer und ausserst hochintressanten Beobachtungen, wir freuen uns schon auf den naechsten. .... Aber auch auf den von Euch, das wollte ich zum Schluss noch sagen, Seid beide herzlich gegruesst, von meinem ganzen Haus, von Emil, von Kathe und von Eurer grossen Mutti UNITED STATES FOREIG IR MAIL UNITED STATES HIGH AIR MAIL U AIR MAILY UNITED S UNITED STATES IR MAILS UNITED 16N AIR MAIL UNITED UNITED STATES FOREIGN AIR R MAN UNITED STATES H CIGN AIR MAIL UNIT AIR MAIL UNIMO UNITED STATES FORE EIGN AIR MAIL STATES FORE ON A UNITED STATES FOREIGN A UNITED STATES FOR UNITED STATES FOREIGN ALL ALLE? UNITED STATES UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED ED STATES FORE MAIL UNITED STATES PUREIGN AIR MAI FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FORED L UNITED STATES U AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN MAILS MONSTER ACAIRN UNITED STATES FORED UNITED STATES TED STATES FOREIGN AIR MAIL 26 NO DABRUNITED STATES AIR MAIL UNITED STATES FOREIGH AIR IL UNITED STAT FIGH AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MA 1.STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL: UNITED STATES FOREIG LIGN A toodab HIGH AIR MAIL UNITED STATES HAILES UNITED STATES AIR MAIL FOREIGN STATES FOR STATES FOREIGN AIR M R MAIL UNITED SUIS UNITED STATE R MAIL UNITED STATES FOREIG MAIL UNITED S UNITED STAT NITED FOREIGN AIR MAIL UNITE STATES EIGN AIR MAIL IF ANYTHING IS ENCLOSED, THIS LETTER WILL BE SENT BY ORDINARY MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED UNITED S FOREIGN AIR TASES TERECH AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL OREIGN AIR MAIL UNITED STAT H MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR BAILE SECOND FOLD CD STATES MAIL A LIGA AIR UR MAID YORK NEW YORK 57, N. Y. 339 EAST 173rd STREET MRS. MARIE JUCHACZ JUN 12 1230PM 7941 AIR LETTER IL UNITED ST Haselburgstr.6 Germany, American Zone Muenchen 9- Harlaching Herrn Fritz Michael Roehl ( 13b) FOREIGN AIR A UNITE GN AIR MAIL FOREIGN NITED STA Treat FORE GET FOR CALE note VIA AIR MAIL PAR AVION U.S.POSTAGE AIR MAIL 10 HeafoodUR VALLAS UNITED STATESTORTINO MALIGNARIOSTE0B000. MAIL UNITED STATES FOREIGH UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL EMAIL UNITE SICK AIR MATE R MAIL C UNITED S MAIL UNDE MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL UNITED STATES FOREIGN AIR MAIL T NAIR MAIL UNITED STATES FOREIGN A IGH AIR MAIL UNITED STATES FOREIG વિધાનો સ ED STATES FOREIGN SINFON LUNITED STATES FOREIGN A ITED STATES F EIGN AIR MAIL EIGN IGN AIR M Fritzmi chael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstrasse 6 Tel. 40 857 14. Mai 1947. Meine liebe grosse Mutti, liebes Kathchen, lieber Emil, seit meinem letzten Brief an Euch hat sich inzwischen wieder eine- ges ereignet. Ich schrieb Euch, dass ich anfang April einen kurzen abs techer nach Nuernbenggemacht haette, um dort den ersten Teil des neuen" Fuerfel"-Programms zu inszenieren. Seit diesem Brief, der vor nunmehr vier Wochen abging, hat sich die Situation fuer mich grundlegend geändert. Nürnbreg, den 23. Mai 1947. Fast zehn Tage spaeter kann ich erst diesen Brief in Nürnberg fortsetzen und hoffentlich auch beendigen.Als ich mit der Inszenierung in Nürnberg fertig war und nach München zurückkam, war der vorübergehende Lizenzträger aus dem" Würfel" ausgestiegen worden, weil seine Qualifikation nicht ausreichte. Ein Ersatz war schwer zu finden, und da kam men auf die Idee, mich zu verpflichten. Nach 24 Stunden Ueberlegungszeit sagte ich zu und ja, und fing dann sofort an, das noch von einem anderen Oberspielleiter stammende Programm in einer blödsinnigen Tag und Nachtarbeit umzubauen, um am 1. Mai eine Neu- Inszenierung herauszubringen, was auch gelang. Ein Plakat und ein Programm sind an Euch abgegangen. Nach dem ersten Mai musste ich mich sofort bemühen, das Juni- Programm vorzubereiten. Die ganze Sache ist insofern kompliziert, als je ein Würfel- Haus in München und Nürnberg ist. Das neue inchener Programm geht nach vier Wochen Laufzeit nach Nürnberg, um dort vier Wochen zu laufen. Inzwischen muss in Nürnberg mit dem Nürnberger Ensemble ein neues Programm inszeniert werden, dass denn in München anläuft, um nach vier Wochen ebenfalls nach Nürnberg zu gehen. Und jetzt stecke ich mitten in der dick sten Arbeit. Zur Zeit inszenie re ich gerade des neue Münchener Juni- Programm mit dem Titel" Ich wünsch mir was!"- Eine musikalische Traumbild- Revue. Ueber Pfingsten, also in zwei Tagen, werde ich einige Stunden bei Maria sein, die sich ebenfalls wieder hundertprozentig in den Würfel eingschalte hat und alles macht, was ihr unter die Finger kommt. Sie hilft mir, ie immer, ganz wunderbar. Meine Verleger- Lizenz habe ich inzwische nicht aus den Augen verloren. Vor 3 Wochen sprach ich mit Kempner da rüber, der mir empfahl, noch einmal mit Mr. Wallenberg, Chief Editor der amerikanischen" Neuen Zeitung", zu sprechen, was ich auch tat. Wallenberg wollte versuchen, sich in den Lizenzierungsprozess einzuschalten, um die Geschichte. vielleicht etwas vorwärtszutreiben. Ich habe Wallenberg noch nicht anrufen können, weil mich Nürnberg brauch te. Vor einigen Tagen haben Maria und ich unsere Interzonen- Pässe bekommen. Wenn es jetzt zeitlich möglich wäre, würden wir am liebsten nach Düsseldorf zu Lotte, nach weissenthurm zu Paul, und zum Schluss nach Pyrmont zu unserer iammi fahren, um sie von dort nach München zu holen. Vielleicht klappt es Anfang Juli, denn im August macht der Würfel in beiden Häusern eine Pause, die mit 14tägigen Gastspielen ausgefüllt werden. Die restlichen 14 Tage werden gebrauc für die Renovierung der Theater. Vor längerer Zeit kam auch das März- Paket,- das angekündigte Januar Paket ist noch nicht da, desgleichen noch nicht das Care- Paket, aber da es bekanntlich wieder Stockungen gab, wird hoffentlich auch die Januar- Sendung noch ankommen. Das herrliche Paket, das Ihr in Eurem letten Brief angemeldet hebt, mit dem vielen Honig, dem Kaffee usw. erwarten wir ebenfalls von Tag zu Tag. Ich habe gerade uren Brief nicht zur hand, kann also auch nicht auf Einzelheiten eingehen. Die vielen Drucksachen- Sendungen sind übrigens alle angekommen. Es ist f uns, Maria und mich, äusserst interessant, und wir lesen jede Zeil mit besonderem Interesse, weil uns dadurch allmählich ein Bild entsteht vom Wesen, Denken, und Leben in den Staaten. Wenn möglich, dann schickt uns auch weiterhin solche Ausschnitte aus allen Bezirken der Publizistik. Ich bin leider in den letzten Wochen nicht mehr dazu gekommen, Ausschnitte zu schicken, weil mein eigenes Archiv ebenfalls liegenblieb. Aber die Zeitungen sind alle aufgehoben, und auch wenn das eine oder andere nicht mehr aktuell sein wird, soll es demnächst doch noch an Buch abgehen. Kurz vor meiner Abfahrt von München nach Nürnberg habe ich noch mit de dem Münchener Operndirektor Leitner, einen sehr guten Kapellmeister und Pianisten, mehrere Unterredungen gehabt, weil ich mit seiner Unterstützung einen grossen Debussy- Abend veranstalten will, für die französische Kolonie und für die Arbeitsgemeinschaft Frankreich der Kulturliga. Da das so schlecht zu lesen ist, schreibe ich noch einmal:... mit dem Münchener Operndirektor Leitner, einen sehr guten Kapellmeister und Pianisten, mehrere Unterredungen gehebt, weil ich mit seiner Unterstützung einen grossen Debussy- Abend veranstalten will, für die französische Kolonie und für die Arbeitsgemeinschaft Frankreich der Kulturliga. Und zwar soll Debussyy konzertant vorgetragen und von dem rumenischen Tänzer Cornes, mit dem wir befreundet sind, getanzterden. Cornea seinerseits ist wieder ein Freund und Landsmann des- zwischen berühmt gewordenen Dirigenten der Berliner Philharmoniker, Sergiu Celibidache, der Anfang Juni nach Bayern und auch nach München kommen wird. Ich werde ihn kennenlernen. Vielleicht kann man es so arrangieren, dass er in irgend einer Form bei der Debussy- Veran staltung mitwirkt. Wir haben jetzt längere Zeit so schönen Sonnenschein gehabt, dass jeder Mensch, trotz Moskau und viel er anderer Dinge, gar keine Lust hat, daran zu denken, in welcher schlechten Zeit er eigentlich lebt. Aber die Lage macht sich jetzt auch auf dem Vergnügungssektor sehr bemerkbar. Während bis vor einiger Zeit die Leute noch immer einmal ein paar Mark für einen Kinor, Theater- oder Cabaret- Besuch riskierten, rechnen sie bereits mit jedem Pfennig. Bin Ober, der noch zur Jahreswende wöchentlich fast 300 Mark Trinkgeld hatte, bekommt jetzt pro Woche nicht mehr als 20 Mark. Auch unsere beiden Häuser in München und Nürnberg sind nur noch halb voll. Hinzu kommt die Jahreszeit, die die Menschen gottseidank in die Luft und in die Sonne hinaustreibt, weil Luft und Sonne immer noch die besten Kräfte spender sind, wenigstens bis zu bestimmten Grenzen. Und wenn die He schen noch etwas Geld übrig heben, versuchen sie, dafür schwarz etwas zum Essen zu kau Das ist das Problem. Leider. Und wenn dieses Problem nicht gelöst wird, und zwar möglichst bald, sehe ich schwarz. Der jetzige Zustand ist ohne Bombenkrieg, ohne schlaflose Nächte, mit hellen Strassen und mit den tau send Friedens- Andeutungen weitaus schlimmer als die ganzen vergangenen fünf Kriegsjahre. Mir tut es vor allem weh, wenn ich die Jugend sehe. Ich habe zwar noch den ersten Weltkrieg vor Augen, wo ich von Klettenberg zum Barbarossaplatz wanderte, mit einem Eimer be waffnet, und die Massens peisung abholte. Aber trotz unserer täglich z zugeteilten zwei Scheiben Brot wurde man mit dei Limer voll Graupen mit Pflaumen satt. Ich kenne viele Menschen, die über die Wiesen gehe und nach bestimmten Pflanzen su hen, aus denen sie sich Suppen kochen Gibt es in der Welt tatsächlich so wenig Lebensmittel, oder in Europa oder woran liegt das? Noch einmal: ich sehe schwarz, schwarz für die werdende Demokratie, die auf dem Todesbett geboren wurde, genau wie die Weimarer Republik, die eigentlich nicht recht gehen und stehen konnte, weil viel zu viel vom ersten Weltkrieg übriggeblieben war. Diesmal ist es schlimmer: diesmal ist die Naziideologie verkapselt zurückgeblieben. Und die neuen demokratischen Führer gehen zu einem grossen Teil ohne Beispiel voran, Oberbürgermeister bestellen grossartige Banketts, es gibt offizielle Festessen, bei denen des Markenproblem nicht existiert. Bei allem Verständnis für dile Notwendigkeit. der Repräsentation: dann soll man das ganz heimlich machen. Am besten aber überhaupt nicht. Genug für heute. Bald mehr und schöneres. Seid alle herzlichst umarmt von Surem Fritz und Maria am 15.5.47 2 Pfd. Zucker, Pfd. Kakao, 1 Pfd. Fett, 1 Pfd. Trockenmilch, Leberwurst( in Dose) 1 Pfd. Kaffee, Pfd. Schokolade, Sacharin, Zahncream, Rasierklingen, Alaunstein, Schnuersenkel, Kleiderfarbe, Fband fuer Schreibmaschine Naehmasch, Nadeln( Rund- und Flachkolben), Feuerstein, 1 Paar Socken, Stopfgarn, 2 St. Seife MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, M. Y. den 27.Mai 1947 Fritz, mein lieber Junge und liebste Maria, K: wir machen uns gegenseitig selten; bei mir weiss ich die Ursachen. Es ist das Uebermass von Arbeit, mit dem ich nicht fertig werde. Dass es bei Euch nicht Gleichgueltigkeit oder Verstimmung ist, dessen bin ich sicher und so warte ich geduldig, bis Ihr wieder etwas von Euch hoeren lasst. Ist inzwischen Marias Mutter bei Euch? Und habt Ihr etwas, was Euch besonders drueckt, neben der taeglichen Misere, mit der Ihr( jung und elastisch) immer noch besser fertig werdet, als tausend Andere?--- Inzwischen habe ich Drucksachen geschickt, noch und noch, wuesste gerne- von irgend einer Seite- ob das klappt.--- Von Meerfelds kann ich melden, dass Rolf nun endlich aus Frankreich( Kr.- Gefangenschaft) zurueckgekehrt ist.Grosse Freude- mehr Ernaehrungssorgen.Else schreibt: Papierlappen haben wir genug...... Wenn ich Lesbares auswaehle, dann will ich damit nur informieren, keine Ansicht aussern.Manchmal meine ich, wenn ich es frisch lese, das koennte mal einen Einblick vermitteln und das Lehen und Denken hier in diesem Land etwas belichten. Aber wenn es dann abgeschickt ist, dann ist es mir, als sei es schon am naechsten Tage aкtigie antiqiert, habe nicht mal mehr dokumentarischen Wert, weil es doch uralt wird bis es ankommt.---- Aber ich will, aus Zeitmangel, kurz sein. Zweck des Schreibens ist, neben den schoenen Gruessen und besten Wuenschen, die ich ach so gerne dem Papier mitgebe, auch die Mitteilung dass( siehe Zettel) .. Recht so? Sonst geht hier alles seinen gewohnten Gang.Die Nachrichten von drueben intressieren uns sehr.Ausgang der verschiedenen Wahlen-( gewohnte Klaenge) Enweihung des Karl Marx- Hauses in Trier mit Zeitungsbericht und Bildmaterial, Artikeln usw.Parteitag in Nurnberg bevorstehend.--- Uebrigend- dort wird Friedrich Stampfer hinkommen. Eine Frauenkonferenz ist auch mit dem Parteitag verbunden. Eine Reichskonferenz der AW hat bereits in Kassel stattgefunden, ich erwarte Berichte.--- Dazwischen Nachrichten ueber die Ernaehrungslage- das betruebt uns sehr, auch wir moechten da bald eine freundlichere Aussicht haben und uebr vieles andere, was eng damit verbunden scheint. Heute mache ich Schluss mit den schoensten Gruessen und besten Wuenschen Eure grosse Matti Kaethe ist im Augenblick nicht zuhause, sie war krank, hatte Darmgrippe und dann bald darauf eine Erkaeltung mit hohem Fieber, sodass der Arzt eine Ausspannung fuer dringend ratsam hielt, zumal sie als" public health nurse" einen anstrengenden Beruf hat. Aber sie hat vor ihrer Abfahrt noch die faelligen Pakete fertig gemacht, so habt Ihr auch in dieser Form von ihr einen Gruss. für Quil Fritz und Maria 17. April 1947 5 Pfd Honig 1 P. Pudding 2 Pfd Kaffee Sacharine Pfd Eipulver 2 P. Zigaretten Stickgarn Sticknadeln Maschinen- Nadeln fuer Singer- Maschine Naehgarn den 30.April 1947 Fritz, mein lieber Junge, liebste Maria, bitte seid nicht boese, ueber die Kuerze des Briefes, es ist deshalb nicht weniger herzlich gemeintZeitmangel.--- Kathe hatte eine Darm- und Magengrippe, Euer Paket und andere sollten schon frueher abgehen.We cannot help it, it is an emergency.--- Ich hatte zweimal eine boese Erkaeltung, es ist nun vorbei, war nicht angenehm.War auch ein bischen mit der Kuechenleiter umgefallen und hatte mir das Ichias- Bein verprellt. Ist alles wieder gut. Die Arbeit ist natuerlich liegen geblieben.Arbeit, das ist Briefe schreiben, Emil bezeichnete sich als die kernige, deutsche Eiche in diesem Lazaret.-Aber ich habe fleissig Lesestoff geschickt, hoffentlich habt Ihr bekommen. Hat nun Maria ihre liebe Mutter schon da? Ich hoffe, Ihr lasst uns meine Suende nicht entgelten und schreibt bald wieder.---- Angeheftet der Zettel fuer ein suesses Paket und die Erfuellung ausgesprochener, kleiner Wuensche. Ich hoffe sehr, dass es recht ist.? Heute kam ein Zeitungsblatt" Sueddeutsche Zeitung Nr.26. Herzlichst von und Dreien MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y. foal And Griff Eure gr. Mutti Lieber Fritz, liebe Maria, . alten nun habe ich schon 14 Tage wieder, meine betreut(in meiner Eigenschaft als Pflegerm in einer halb amtlichen Organisation) and fühlte mich baumstark da briege ich heute plötzlich"Nachwesen" zur Grippe, wurde sich auch auch in einem . nicht. gliederschmerzen Husten Kopfweh usw. ¿Qué cómo? sodaß ich den hölben 1. Mai und Bett zu- . gebracht habe, aber zum Abend wird's hoffentlich so sein, daß ich zur MaO- feur gehen kann.- Ich wünsche Euch vor allem Fritz, daß er alles Gute, das Schias mal wieds los wird. Herzlichst Kât Eure ! Fritz und Maria am 27.Maerz 1947 1 Pfd Zucker, Pfd Gries, 1 Oel, Pfd Tee, Pfd Kakao, 6 Kerzen, Pfd Suppen- Einlage, 1 Pfd Salami, 3 Does'chen Milch, 3 St. Seife, Pfd Schokolade, Pfd. Kaffee pulver 1 Paar Socken, 2. P. Zigaretten Care- Paket bestellt am 24, Maerz 47. 6---Notiz: Reis fehlte, weil die Pakete nur 11 engl Pfund wiegen duerfen.War wahrscheinl.zu schwer geworden, musste etwas heraus genommen werden, ist vergessen worden zu st streichen. DAR MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y. Liebster Fritz, liebste Maria, den 14.April 1947 " Both of the nephews" sind eingetrudett, nachdem sie sich in Muenchen noch bis zum 1.April Zeit gelassen hatten. Dann reissten sie sehr schnell, waren schon am 12.April hier, per Flugzeug.-- Many hearty thanks for the good wishes.But I am 68 now, not 69 Years old. Alright, it does'nt matter. But I next year, I would'nt like to be 70, when I really am not.--- Also liebster Junge, Dein Ischias hat sich wieder gemeldet, das ist nicht gut. Mein morsches linkes Bein macht mir ebenfalls Kummer.Ich habe mir den Luxus gestattet, mit der Kuechenleiter umzufallen und auf das kranke Bein.So hat es die Verprellung sehr uebel genommen und ist darueber hinaus sehr rebellisch geworden. Das aussert sich nicht mehr in der Form, wie die frueheren akuten Anfaelle, aber es genuegt vollkommen, um mir den Schlaf zu vertreiben und die Laune zu verderben. Ich habe soeben noch Eure Briefe durchgesehen, die von Maria, mit der Anlage von Walter Aub.Schade, es war zu spaet nach Weignacht, ich haette es gerne ( mit Erlaubnis) in eine Zeitung gebracht, aber die" Stimmung" war schon verflogen. Ich hebe es auf.(?) Mir rieselte es ueber den Ruecken, als ich es wieder ueberlas.--- Den Brief vom 21. Jan. und vom 15.I.dazu( Maria) hebe ich fuer eine stillere Stunde auf, ebenso Deine beideh Briefe( Fritz) vom 3.und 16.Maerz.Ich kann mich noch immer nicht konzentrieren. Das Bein, eine Erkaeltung, Aerger( ausserhalb des Hauses bei meiner Arbeit fuer D.) eine Darmgrippe von Kaethe haben mich mit meiner umfangreichen Post, die sich taeglich unheimlich vermehrt, sehr in Rueckstand gebracht.--- Nehmt die Versicherung, dass wir an allem lebhaften Anteil nehmen, was Ihr uns schreibt.Wir wuenschten nur, mehr tun zu koennen, nicht nur in Richtung Pakete, sondern an anderem Beistand. Nun ist Pit Stern tot.Emil empfand ihn als einen guten Freund, den er wegen seiner besonders guten Charakteranlagen sehr schaetzte.Auch ich schaetzte ihn sehr, als Mensch, als Suchenden, vor allem aber wegen seiner anstaendigen menschlichen Grundhaltung.-- Schade-- Ich lege en einen Nachruf der Neuen Volkszeitung bei, der ihm gerecht wird. Bekommt Ihr meine Drucksachensendungen? Seid beide herzlich gegruesst.Nein lieber Fritz, wir wollen es nicht tragisch nehmen, wenn Du Dir was von der Seele schreibst. Wir haben Verstaendnis dafuer.--- Wenn man solche Briefe bekommt, wie sie mir z.B.Louise Schroeder u.a. schreiben, dann kann man es nicht tragisch nehemen, wenn Ihr beide( vollkommen berechtigt) gegen das Schicksal rebelliert. Nur eine Stelle aus einem Brief: "...... es ist schwer, sehr schwer, so vielen helfen zu sollen, wenn die Haende leer sind. Es fehlt ueberall und so ist es kein Wunder wenn viele ueber" Wassersuppen" klagen.Aber noch schlimmer ist der Mangel an Decken. Die ausgebomten Menschen haben- sowie auch ich- bis zum Jahre 1944 an Stelle der verlorenen Decken usw.ein Kopfkissen und eine sogenannte Wolldecke erhalten; spaeter aber ueberhaupt nichts mehr.-- So kommen Menschen, Alte, aber auch Kinder, mit erfrorenen Gliedern zum Zwecke der Amputation ins Krankenhaus und andere werden tot aufgefunden, erfroren. Diese taeglichen Nachrichten von erfrorenen Menschen zehren an unseren Nerven. Der Himmel mag geben, dass dieser Winter endlich ein Ende hat:" Dieser und aehnliche Briefe, die ich von Menschen, die helfen wollen und sollen, bekomme, laufen mir nach, ich stehe dauernd unter diesem Eindruck und unter dem Gefuehl der Ohnmacht.---- Deshalb verzeiht mir, wenn ich es heute kurz mache. Nehmt unsere schoensten Gruesse von Kaethe, Emil und von Eurer Anlage Lettel 2 Pakete grassen Mutti 16. Maerz 1947. Meine liebe grosse Mutti, Dein letzter Brief vom 4. Maerz mit dem kleinen Zettelchen, der den Inhalt eines neuen Pakets ankuendigt, war an Maria gerichtet, aber ich werde ihn beantworten, denn Maria ist mit den Arbeiten als Kostuemberaterin fuer das von Schweikart inszenierte Theaterstueck" Der Staatsmann und die Kuehe" beschaeftigt,- und diese beratende Beschaeftigung sieht so aus, dass Maria von Behoerde zu Behoerde jagt, um Bezugscheine aufzutreiben, und wenn sie die Scheine hat, jagt sie den Materialien nach( so faehrt sie morgen wegen des Stoffes fuer einen Schotten- Rock fuer eine Schauspielerin nach Augsburg). Eben sitzt sie mir gegenueber an einer HandNaehmaschine und baut aus einem alten weissen Kittel fuer dasselbe Stueck eine englische Schwesterntracht. Am 26. Maerz, also in zehn Tagen, ist die Premiere und alles ueberstanden. Dann wird sie sich etwas Ruhe goennen. Vielleich faehrt sie fuer wenige Tage in die Allgaeuer Gegend zu Bekannten, um dort auszuspannen und eventuell einige Aquarelle zu malen. Hast Du zu Deinem gestrigen Geburtstag den kurzen Zettel von den both nephews bekommen? Es waere schoen gewesen. Vor einigen Tagen besuchte ich Ernest Langendorff, um ihn fuer meine Verlagsangelegenhei zu bemuehen. Ich habe mit ihm ganz offen gesprochen und ihm gesagt, dass mich einige amerikanische Herren regelrecht bewusst getaeuscht haetten( um kein haerteres Wort zu gebrauchen). Er kennt die ganzen Z usammenhaenge und hat mir versprochen, einmal festzustellen, wo die ganze Sache haengengeblieben ist, und warum.- Als ich z. B. dem Pruefungsausschuss meine letzte Stellungnahme ueberreichen wollte und diese Stellungnahme vorher einem zustaendigen amerikanischen Sachbearbeiter( den ich selbst von meiner frueheren Taetigkeit her sehr gut kenne und mit dem ich mich ausgezeichnet stand) zeigte, meinte er, dass es vollkommen zwecklos sei, den Pruefungsausschuss zu bemuehen. Er sprach so hochnaesiguebermuetig, er liess mich so bewusst fuehlen, was fuer ein kuemmerlicher, geschlagener, bedeutungsloser deutscher Wurm ich sei, dass M aria( die diese Szene miterlebte) an zu schlucken fing und leicht rot anlief. Das bedeutet bei ihrem Beherrschungsvermoegen sehr viel. Und als ich fragte, was ich denn nun tun koennte, mit wem ich mich unterhalten, wer mir einen Rat, oder zumindest eine ganz klare Antwort geben koennte( nachdem ich mehr als ein Jahr lang mit klaren Antworten an der Nase herumgefuehrt wurde), bekam ich zur Antwort: " Das kann ich Ihnen nicht sagen. Warten Sie ab."- Wie lange? 15 Jahre? Was habe ich denn jetzt verbrochen? War es falsch, fast zwei Jahre ( sagen wir: anderthalb) fuer das Theatre Control Office und die Intelligence Section zu arbeiten und alle privaten Plaene zurueckzustellen? War es nicht richtig, im Auftrage der Amerikaner den Deutschen zu helfen?- Ich verstehe manche Schwierigkeit, aber ich verstehe es nicht, dass man im letzten Jahr 20 Verlagslizenzen erteilte, aber mir dauernd sagte, es gaebe keine Lizenzen, weil kein Papier da sei. Und a nn erschienen lustig und frog 1uter neue Blaetter und Schriften. - 2- Aber Du sagst, ich soll die Ohren steif halten. Und wie ich das mache. Ich bekomme meine Verlags- Lizenz ( Ausrufungszeichen. Diese Maschine hat keins). Und schicke allerhand Gedrucktes. Es regt mich an, wir finden alles schon allein deshalb interessant, weil es aus einer anderen Atmosphaere kommt, mag es sich um nuechterne Lohn- Artikel ueber die Industrie oder um sonst was handeln. Wir raetseln nicht, wir freuen uns. Auch wir stecken ab und zu was ein an Euch. Nehmt das genau so.Ich wusste garnicht, dass Klara Bohm- Schuch gestorben war. Von Maria habe ich noch in meinem Familienalbum Aufnahmen aus Berlin- Britz mit Ringelspiel um Baeumchen und so. Hast Du ihre Adresse? Wer ist ihr Mann? Lotte schweigt auch an mich. Hoffentlich hat Paul, als er sie in Duesseldorf besuchte, ihr etwas mitbringen koennen. Ich will Paul selbst brieflich fragen, wie er Lotte und Meerfelds angetroffen hat. Ich kann ja von hier aus auch nicht helfen, wenn Paul uns besucht haette, haette er uns geldlos, kartoffellos, brotlos, aber gottlob nicht kopflos angetroffen. Geld bekommen wir in den naechsten Tagen, sodass es wieder eine Weile reicht. Kartoffeln wird es jetzt, wo die Kaelte vorbei ist, auch wieder geben. Brot haben wir uns jetzt etwas besorgen koennen, sodass M aria etwas mit auf ihre Augsburg- Fahrt nehmen kann.- Unsere Wohnung sieht ganz manierlich aus, weil ich viel herumgemurkst habe, aber hoffentlich ist Rolf bald aus der Kriegsgefangenschaft zurueck. Dann muss er sich wahrscheinlich zuerst etwas erholen ( es fragt sich nur: wie).- Beinahe waere ich wegen einer Foto- Geschichte nach Duesseldorf gefahren, es hat sich aber zerschlagen. Aber vielleicht koennen wir im Fruehjahr eine Rundreise machen, die wir damit abschliessen, dass wir Marias Mammi mit nach Muenchen bringen. Sie leidet sehr unter Asthma. Hoffentlich ist Muenchen klimatisch ertraeglich fuer sie. Kennst Du Mr. Leonard Felsenthal, der mit Ernest Langendorf in der Press Section der ICD gearbeitet hat? Felsenthal rauschte vor wenigen Wochen nach den Staaten ab, ich dachte, er wuerde nie wiederkommen, und sah ihn jetzt bei Langendorf wieder, wo er erzaehlte, dass er auf einem meeting war, wo er Dich von ferne gesehen hat. Langendorf machte ihm scherzhaft Vorwuerfe, dass Felsenthal nicht mit Dir gesprochen hat, denn Du haettest ihn sicher ueber Langendorf und mich ausgefragt. Er will es das naechste Mal, wenn er hinueberfabart, nachholen. Unter den Ausschnitten in der New Yorker Staatszeitung war auch ein kleiner Artikel ueber die Europa- eise einiger amerikanischer Zeitungs verleger, angefuehrt von dem Chief editor und general manager des San Francisco Chronicle, Paul C.F. Smith, der einen Plan entwickelte, deutsche Journalisten fuer ein halbes oder ein ganzes Jahr nach Enerika zu holen, damit sie an Ort und Stelle in den demokratischen Journalismus hineinfaenden. Ich habe an Paul C.F.Smith einen Brief geschrieben, in dem ich mitteilte, dass ich zwar nicht im KZ gesessen haette, dass ich einigermassen heil an Geist und Koerper durch die Nazi- und Nazikriegszeit hindurchgekommen sei, dass ich mit Van Loon und mit der Intelligence gearbeitet haette, im Augenblick auf meine Verlagslizenz wartete, was noch lange dauern koennte, da es bereits sehr lange dauern wuerde, und dass ich die Idee, deutsche Journalisten nach Amerika zu holen, grossartig faende. Am liebsten wuerde ich zu diesen Journalisten gehoeren. Mr. Smith hat mir jetzt kurz und freundlich geschrieben, dass diese Idee wahrscheinlich erst in einigen Monaten verwirklich wuerde, dass er sich aber meinen Namen auf . -3· geschrieben habe und dass ich ueberzeugt sein koennte, im Ja- Falle dazuzugehoeren. Ich habe uebrigens angegeben, dass meine Angehoerigen die und diejenigen seien und in N.Y. lebten, und dass er sich notfalls jede weitere Information dort holen koennen. Vielleicht wird er sich einmal gelegentlich an Euch wenden. Kannst Du mir nicht mal etwas aus Deinem Arbeitsrhythmus schreiben? Gelegentlich. Ich weiss so ungefaehr, was Du zu tun hast, was zu Deinen Aufgaben gehoert. Aber eben nur ungefaehr. Wir haben schon so viel aus unserer A tmosphaere heraus geschildert,- eigentlich muesst Ihr uns in unserem heutigen Milieu und in unserer Haltung schon sehr genau kennen. Was macht Kaethchen? Ich haette gerne einmal von ihr direkt ein paar Zeilen, man spuert dann die persoenliche Sprache und kommt sich etwas naeher, d.h. wir kommen ihr etwas naeher, denn wir muessen uns auch bei ihr fuer so vieles bedanken, womit sie uns geholfen hat. An Robert und die" Jungens" muesste ich auch mal wieder schreiben, ich habe zwar auf meinen letzten Brief an Paul keine Antwort bekommen, aber er wird mit den Sorgen um seine Wiener Braut zu tun haben. Ist sie inzwischen drueben angekommen? Seid Ihr in staendiger Verbindung mit Ida und Robert? Dies war ein verhaeltnismaessig stiller Vorfruehlings- Sonntag, ich habe nicht viel getan, sondern mich etwas ausgeruht. Dafuer bin ich morgen wieder heftig unterwegs. So gleicht sich das aus. Ich verfolge mit groesster Aufmerksamkeit die Moskauer Konferenz. Die Truman- Rede war nicht nur faellig, sondern ueberfaellig, und traegt in ihrer Klarheit hoffentlich dazu bei, zwischen den beiden grossen Partnern USA und USSR das Verhaeltnis zu schaffen, das eine friedlie che Entwicklung der Dinge garantiert. Maria hat von einem Bekannten aus Berlin jetzt den Rest ihrer Aquarelle mitgebracht bekommen, u.a. auch eine kleine Stickerei. Sie ist sehr froh, dass zumindest dieser Restbestand ihrer kuenstlerischen Arbeiten gerettet wurde. Wenn sie noch dazu kommt, einige modernere Sa hen zu machen, werden wir eine Ausstellung veranstalten. Darueber wird es aber wahrscheinlich Herbst werden.( Oder wir machen diese Ausstellung bereits in einem anderen Land, oder unter ganz anderen Umstaenden, da man heute nie weiss, was morgen sein wird, denn beruhigen wird sich Deutschland vielleicht, wenn es glueckt, in 5 Jahren, vielleicht auch erst in zehn. Pessimisten sagen: ueberhaupt nicht mehr. Seid alle herzlichst gegruesst, auch von Maria, und nehmt unsere Jammerbriefe nicht zu tragisch, aber wir haben die Absicht, mit unserer Arbeitsleistung weiter zukommen, und nicht mit Schiebung,- quessen deshalb jeder fuer zwei arbeiten, und haben durchschnittlich jeder nur die Haelfte oder nur ein Viertel des Normal- Verbrauchs- quantums, und wenn dann mal ein ganz tiefer Tiefpunkt kommt, stoehnt man gerne mal etwas. Aber sobald man gestoehnt hat, fuehlt man sich schon erleichtert. Aber wir wollen in Z ukunft nur ganz selten ueber diese mtteriellen Mankos stoehnen. Oder ueberhaupt nicht mehr hoerbar, sondern nur noch fuer uns. An jeden von Euch die herzlichsten Gruesse von Euren beiden, d.h. von uns beiden, von Maria und von mir, E urem 16. Maerz 1947. . Meine liebe grosse Mutti, Dein letzter Brief vom 4. Maerz mit dem kleinen Zettelchen, der den Inhalt eines neuen Pakets ankuendigt, war an Maria gerichtet, aber ich werde ihn beantworten, denn Maria ist mit den Arbeiten als Kostuemberaterin fuer das von Schweikart inszenierte Theaterstueck" Der Staatsmann und die Kuehe" beschaeftigt,- und diese beratende Beschaeftigung sieht so aus, dass Maria von Behoerde zu Behoerde jagt, um Bezugscheine aufzutreiben, und wenn sie die Scheine hat, jagt sie den Materialien nach( so faehrt sie morgen wegen des Stoffes fuer einen Schotten- Rock fuer eine Schauspielerin nach Augsburg). Eben sitzt sie mir gegenueber an einer HandNaehmaschine und baut aus einem alten weissen Kittel fuer dasselbe Stueck eine englische Schwesterntracht. Am 26. Maerz, also in zehn Tagen, ist die Premiere und alles ueberstanden. Dann wird sie sich etwas Ruhe goennen. Vielleich faehrt sie fuer wenige Tage in die Allgaeuer Gegend zu Bekannten, um dort auszuspannen und eventuell einige Aquarelle zu malen. Hast Du zu Deinem gestrigen Geburtstag den kurzen Zettel von den both nephews bekommen? Es waere schoen gewesen. Vor einigen Tagen besuchte ich Ernest Langendorff, um ihn fuer meine Verlagsangelegenhei zu bemuehen. Ich habe mit ihm ganz offen gesprochen und ihm gesagt, dass mich einige amerikanische Herren regelrecht bewusst getaeuscht haett en( um kein haerteres Wort zu gebrauchen). Er kennt die ganzen Zusammenhaenge und hat mir versprochen, einmal festzustellen, wo die ganze Sache haengengeblieben ist, und warum.- Als ich z.B. dem Pruefungsausschuss meine letzte Stellungnahme ueberreichen wollte und diese Stellungnahme vorher einem zustaendigen amerikanischen Sachbearbeiter( den ich selbst von meiner frueheren Taetigkeit her sehr gut kenne und mit dem ich mich ausgezeichnet stand) zeigte, meinte er, dass es vollkommen zwecklos sei, den Pruefungsausschuss zu bemuehen. Er sprach so hochnaesiguebermuetig, er liess mich so bewusst fuehlen, was fuer ein kuemmerlicher, geschlagener, bedeutungsloser deutscher Wurm ich sei, dass Maria( die diese Szene miterlebte) an zu schlucken fing und leicht rot anlief. Das bedeutet bei ihrem Beherrschungsvermoegen sehr viel. Und als ich fragte, was ich denn nun tun koennte, mit wem ich mich unterhalten, wer mir einen Rat, oder zumindest eine ganz klare wort geben koennte( nachdem ich mehr als ein Jahr lang mit klaren Antworten an der Nase herumgefuehrt wurde), bekam ich zur Antwort: " Das kann ich Ihnen nicht sagen. Warten Sie ab."- Wie lange? 15 Jahre? AntWas habe ich denn jetzt verbrochen? War es falsch, fast zwei Jahre ( sagen wir: anderthalb) fuer das Theatre Control Office und die Intelligence Section zu arbeiten und alle privaten Plaene zurueckzustellen? War es nicht richtig, im Auftrage der Amerikaner den Deutschen zu helfen?- Ich verstehe manche Schwierigkeit, aber ich verstehe es nicht, dass man im letzten Jahr 20 Verlagslizenzen erteilte, aber mir dauernd sagte, es gaebe keine Lizenzen, weil kein Papier da sei. Und d nn erschienen lustig und frog 1uter neue Blaetter und Schriften. - 2- Aber Du sagst, ich soll die Ohren steif halten. Und wie ich das mache. Ich bekomme meine Verlags- Lizenz ( Ausrufungszeichen. Diese Maschine hat keins). Und schicke allerhand Gedrucktes. Es regt mich an, wir finden alles schon allein deshalb interessant, weil es aus einer anderen Atmosphaere kommt, mag es sich um nuechterne Lohn- Artikel ueber die Industrie oder um sonst was handeln. Wir raetseln nicht, wir freuen uns. Auch wir stecken ab und zu was ein an Euch. Nehmt das genau so.Ich wusste garnicht, dass Klara Bohm- Schuch gestorben war. Von Maria habe ich noch in meinem Familienalbum Aufnahmen aus Berlin- Britz mit Ringelspiel um Baeumchen und so. Hast Du ihre Adresse? Wer ist ihr Mann? Lotte schweigt auch an mich. Hoffentlich hat Paul, als er sie in Duesseldorf besuchte, ihr etwas mitbringen koennen. Ich will Paul selbst brieflich fragen, wie er Lotte und Meerfelds angetroffen hat. Ich kann ja von hier aus auch nicht helfen, wenn Paul uns besucht haette, haette er uns geldlos, kartoffellos, brotlos, aber gottlob nicht kopflos angetroffen. Geld bekommen wir in den naechsten Tagen, sodass es wieder eine Weile reicht. Kartoffeln wird es jetzt, wo die Kaelte vorbei ist, auch wieder geben. Brot haben wir uns jetzt etwas besorgen koennen, sodass M aria etwas mit auf ihre Augsburg- Fahrt nehmen kann.- Unsere Wohnung sieht ganz manierlich aus, weil ich viel herumgemurkst habe, aber hoffentlich ist Rolf bald aus der Kriegsgefangenschaft zurueck. Dann muss er sich wahrscheinlich zuerst etwas erholen ( es fragt sich mur: wie).- Beinahe waere ich wegen einer Foto- Geschichte nach Duesseldorf gefahren, es hat sich aber zerschlagen. Aber vielleicht koennen wir im Fruehjahr eine Rundreise machen, die wir damit abschliessen, dass wir Marias Mammi mit nach Muenchen bringen. Się leidet sehr unter Asthma. Hoffentlich ist Muenchen klimatisch ertraeglich fuer sie. Kennst Du Mr. Leonard Felsenthal, der mit Ernest Langendorf in der Press Section der ICD gearbeitet hat? Felsenthal rauschte vor wenigen Wochen nach den Staaten ab, ich dachte, er wuerde nie wiederkom men, und sah ihn jetzt bei Langendorf wieder, wo er erzaehlte, dass er auf einem meeting war, wo er Dich von ferne gesehen hat. Langendorf machte ihm scherzhaft Vorwuerfe, dass Felsenthal nicht mit Dir gesprochen hat, denn Duk haettest ihn sicher ueber Langendorf und mich ausgefragt. Er will es das naechste Mal, wenn er hinueberfahhrt, nachholen. Unter den Ausschnitten in der New Yorker Staatszeitung war auch ein kleiner Artikel ueber die Europa- eise einiger amerikanischer Zeitungs verleger, angefuehrt von dem Chief editor und general manager des San Francisco Chronicle, Paul C.F.Smith, der einen Plan entwickelte, deutsche Journalisten fuer ein halbes oder ein ganzes Jahr nach Anerika zu holen, damit sie an Ort und Stelle in den demokratischen Journalismus hineinfaenden. Ich habe an Paul C.F.Smith einen Brief geschrieben, in dem ich mitteilte, dass ich zwar nicht im KZ gesessen haette, dass ich einigermassen heil an Geist und Koerper durch die Nazi- und Nazikriegszeit hindurchgekommen sei, dass ich mit Van Loon und mit der Intelligence gearbeitet haette, im Augenblick auf meine Verlagslizenz wartete, was noch lange dauern koennte, da es bereits sehr lange dauern wuerde, und dass ich die Idee, deutsche Journalisten nach Amerika zu holen, grossartig faende. Am liebsten wuerde ich zu diesen Journalisten gehoeren. Mr. Smith hat mir jetzt kurz und freundlich geschrieben, dass diese Idee wahrscheinlich erst in einigen Monaten verwirklich wuerde, dass er sich aber meinen Namen auf - 3- geschrieben habe und dass ich ueberzeugt sein koennte, im Ja- Falle dazuzugehoeren. Ich habe uebrigens angegeben, dass meine Angehoerigen die und diejenigen seien und in N.Y. lebten, und dass er sich notfalls jede weitere Information dort holen koennen. Vielleicht wird er sich einmal gelegentlich an Euch wenden. Kannst Du mir nicht mal etwas aus Deinem Arbeitsrhythmus schreiben? Gelegentlich. Ich weiss so ungefaehr, was Du zu tun hast, was zu Deinen Aufgaben gehoert. Aber eben nur ungefaehr. Wir haben schon so viel aus unserer A tmosphaere heraus geschildert,- eigentlich muesst Ihr uns in unserem heutigen Milieu und in unserer Haltung schon sehr genau kennen. Was macht Kaethchen? Ich haette gerne einmal von ihr direkt ein paar Zeilen, man spuert dann die persoenliche Sprache und kommt sich etwas naeher, d.h. wir kommen ihr etwas naeher, denn wir muessen uns auch bei ihr fuer so vieles bedanken, womit sie uns geholfen hat. An Robert und die" Jungens" muesste ich auch mal wieder schreiben, ich habe zwar auf meinen letzten Brief an Paul keine Antwort bekommen, aber er wird mit den Sorgen um seine Wiener Braut zu tun haben. Ist sie inzwischen drueben angekommen? Seid Ihr in staendiger Verbindung mit Ida und Robert? Dies war ein verhaeltnismaessig stiller Vorfruehlings- Sonntag, ich habe nicht viel getan, sondern mich etwas ausgeruht. Dafuer bin ich morgen wieder heftig unterwegs. So gleicht sich das aus. Ich verfolge mit groesster Aufmerksamkeit die Moskauer Konferenz. Die Truman- Rede war nicht nur faellig, sondern ueberfaellig, und traegt in ihrer Klarheit hoffentlich dazu bei, zwischen den beiden grossen Partnern USA und USSR das Verhaeltnis zu schaffen, das eine friedlie che Entwicklung der Dinge garantiert. Maria hat von einem Bekannten aus Berlin jetzt den Rest ihrer Aquarelle mitgebracht bekommen, u.a. auch eine kleine Stickerei. Sie ist sehr froh, dass zumindest dieser Restbestand ihrer kuenstlerischen Arbeiten gerettet wurde. Wenn sie noch dazu kommt, einige modernere Sa hen zu machen, werden wir eine Ausstellung veranstalten. Darueber wird es aber wahrscheinlich Herbst werden.( Oder wir machen diese Ausstellung bereits in einem anderen Land, oder unter ganz anderen Umsta enden, da man heute nie weiss, was morgen sein wird, denn beruhigen wird sich Deutschland vielleicht, wenn es glueckt, in 5 Jahren, vielleicht auch erst in zehn. Pessimisten sagen: ueberhaupt nicht mehr. Seid alle herzlichst gegruesst, auch von Maria, und nehmt unsere Jammerbriefe nicht zu tragisch, aber wir haben die Absicht, mit unserer Arbeitsleistung weiterzukommen, und nicht mit Schiebung,- quessen deshalb jeder fuer zwei arbeiten, und haben durchschnittlich jeder nur die Haelfte oder nur ein Viertel des Normal- Verbrauchs- quuntums, und wenn dann mal ein ganz tiefer Tiefpunkt kommt, stoehnt man gerne mal etwas. Aber sobald man gestoehnt hat, fuehlt man sich schon erleichtert. Aber wir wollen in Z ukunft nur ganz selten ueber diese mtteriellen Mankos stoehnen. Oder ueberhaupt nicht mehr hoerbar, sondern nur noch fuer uns. An jeden von Euch die herzlichsten Gruesse von Euren beiden, d.h. von uns beiden, von Maria und von mir, E urem Fritz und Maria am 27. Febr.1947 1 Bose Speck, 1 Pfund Kaffee, Dose Trockenmileh, 1 Pfund Haferflocken, Pfd suesser Kakao, 1 Dose Honig, 1 Paeckchen Tee, 2 Paeckchen Puddingpulve 3/4 Pfd. Schokolade( schon gesuesst, nur mit 10 Maggi- Wuerfel,( Milch aufkochen) 2 Zahnbuersten, 2 Rasierseife, 1 Zahnpas 2 St. Seife, 2 P. Zigaretten MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y. Meine liebe Matia, den 4.Maerz 1947 bitte, bitte, Ihr muesst beide Geduld mit mir haben. Ich schreibe, trotz Euter deprimierten Brief, nur schnell, weil ich eine bestimmte Reihenfolge erreichen muss und die" Zettelchen" loswerden will. Der angeheftete wird Euch hoffentlich Freude machen. Wenn ich Luft holen kann, der Berg neben meinem Schreibtisch kleiner geworden ist, dann schreibe ich wieder Richtige Briefe. Inzwischen schicke ich allerhand Gedrucktes, weil wir das jetzt duerfen. Nicht daran herum raetseln, ich schicke wenn ich beim taegl.Lesen an Euch denke.Mag nicht alles intressant, mag manches ueberholt, manches ueberfluessig sein. Dann nehmt den guten Willen fuer die Tat. Und Fritz, lieber Junge, halt die Ohren steif, es hilft alles nicht. Gestern bekam ich einen langen und anstaendigen Brief von Willi Schuch, dem Mann der verstorbenen Klara Bohm Schuch.Hast Du das lange Maedel, die Maria Schuch im Gedaechtnis? Sie ist verheiratet und hat drei Kinder, darunter ein Zwillingspaar.Sie evakuierte waehrend der Bombardierungen und sitzt heute noch auf einem Dorf, wodurch die Kinder wahrscheinlich vor dem aergsten Hungern geschuetzt sind.So klang es durch, trotz Grossvater- Sehnsucht. Lotte schweigt in allen Sprachen, Paul schreibt liebe Briefe, er hat Lotte gesehen, die er grade nicht gut antraf, hatte ausser etwas Brot und eine letzte Erbsensuppe ohne was drin, grade nichts im Haus und auch kein Geld.Er war auch bei Meerfelds, die ausser Kartoffeln nichts hatten. Auch die Wohnung soll wuest aussehen, sie war doch sehr lange ohne Aufsicht und ist ausserdem stark zerstoert. Und es sind alte Leute, die nicht selbst basteln koennen. Aber Rolf soll nun aus der Gefangenschaft kommen, vielleicht ist er schon da. Hoffentlich hast Du liebe Maria nun bald Deine liebe Mutter dort, ich antworte Dir bestimmt bald. Mit Emil bin ich nicht sehr zufrieden, er liesst diesen Brief nicht. 40527 Herzlichst immer Eure grasse Mutti " 3. March 1947. Dear" grosse Mutti", this small letter only contains our best wishes for your 69th birthday, and we hope, that it will arrive in time. A big letter will follow, with the statement of the receival of two parcels, one with the shoes for me and Maria, and the other, which we got some days ago, with wonderful nurrishing things. I got the same sickness which I had last year and with which I had to stay in bed nearly three months, but I am already feeling much better, I can move an ride with the car and look for a lot of professional things. Probably I will write the next four pages tomorrow. We are thinking of you all as we do it always, and especially at the 15th of March. Yours both nephews Fritzmichael Roehl Muenchen 9- Harlaching* Haselburgstr.6* 40857 Mrs. Marie Juchacz 339 East, 173rd Street New York 57, N.Y. 3. Maerz 1947. Meine liebe grosse Mutti, liebes Kaethchen, lieber Emil, jetzt bin ich endlich mal wieder so weit: es hatte sich mal wieder so viel ereignet, und ausserdem geht es nach wie vor so bergauf und bergab, dass man ein haessliches Schwindelgefuehl nicht mehr loswird. Von irgend einer Stabilisierung ist nichts zu spueren, im Gegenteil. Und trotzdem kann man mit etwas mehr Optimismus, als eigentlich erlaubt ist, und mit der Intensitaet, die Maria und ich bis jetzt noch hatten, doch immer ein ganz kleines Stueck weiterkommen. So bekam ich Anfang Januar meine Lizenz als Veranstalter, Military Government Information Control License Nr. 1405, und die Lizenz als Verleger ist mir trotz Papiermangel so fest zugesagt worden, dass ich beschloss, E nde Januar mit der Arbeit bei der Intelligence Section aufzuhoeren. Es wurde Anfang Februar, weil die Registrierung aller Kuenstler noch nicht abgeschlossen war. Und da jetzt nur noch im wesentlichen Spruchkammerfaelle durchliefen, und ich ganz und gar kein Jurist bin, da ich ausserdem mit dem Filmkameramann Heinz Schnackertz angefangen hatte, einen bild journalistischen Laden aufzuziehen und man nicht zwei Herren dienen kann und ich die Tag- Arbeit bei der Militaer- Regierung und die Nachtarbeit zu Hause trotz des Nachschubs von Euch nicht mehr haette durchhalten koennen, konzentriere ich mich zur Zeit darauf, einige gute Reportagen durchfotografieren zu lassen. Wir haben Herrn Schnakkertz den eigentlich fuer meinen Verlag zweckentfremdeten Raum voruebergehend als Laboratorium zur Verfuegung gestellt, ich habe mich um die Einrichtung dieses Laboratoriums gekuemmert, denn es musste eine tischaehnliche Arbeitsmoeglichkeit organisiert werden, auf die man Entwickler- und Fixierwannen stellen kann, Leitungen mit Schaltern und Steckern mussten gelegt werden, d.h, dass diese Leitungen, Schalter und Stecker zuerst organisiert werden mussten, und dann musste man jemanden finden, der alles fachmaennisch montiert. Ich erzaehle Euch diese Details, weil sie einen kleinen Einblick geben in unseren taeglichen Arbeitsanfall unvorhergesehener Art.- Jetzt steht das Laboratorium, und wir fangen mit einer laufenden" Bildproduktion" an. Vorerst gibt es noch einmal eine kleine Stockung, denn mitten in der Planung wurde Herr Schnackertz krank und lag nebenan im Zimmer, das Maria laufend fuer ihn heizen musste, auf der Nase, ich legte mich am naechsten Morgen mit Ischias- Schmerzen hin, die ploetzlich wieder so schlimm waren wie im Vorjahr. Wir hatten also kein Laboratorium, sondern ein Sanatorium, und Maria lief von Ofen zu Ofen, schleppte Holz heran, lief zum Anstellen zum Einkaufen, und in gelegentlichen ruhigen Minuten stand sie gebueckt ueber ihrem kleinen Zeichentisch und entwarf sehr, sehr schoene Plakate. Dann stand sie wieder in der Kueche und zauberte mit Brot, etwas getrocknetem Obst und einer Schokoladentunke einen Brot- Pudding zurecht, oder buk aus etwas Mehl mit kosherem Fett ein omelette d'eau sucre, und so sind wir mal wieder bis heute davon gekommen. Da man unter den heutigen Verhaeltnissen in Deutschland selbst bei staerkster Forcierung aller schoenen Plaene nur bruchstueckweise weiterkommt,-wenn das, was man erreicht, ueberhaupt als Weiterkommen bezeichnet werden kann-, haben sich viele Menschen regelrecht zum Winterschlaf hingelegt. Sie bleiben bis mittags in den Betten, weil es . - 2- darin am waermsten ist, heizen dann mit den paar Stueckchen Holz, die ihnen als Tagesration bleiben, schnell den Ofen ein, auf dem sie sich eine Kleinigkeit zum Essen bereiten, dann packen sie sich etwas in eine Aktentasche, gehen auf den schwarzen Markt, verkaufen zwei Paeckchen Zigaretten a 80 Mark, bezahlen von den 160 Mark ihre Miete, das bischen Gas und Licht, und ihre Lebensversicherung, und legen sich dann fuer den est des Monats wieder ins Bett, denn zu arbeiten lohnt sich nicht. Eine gutbezahlte Stenotypistin bekommt netto 150 Mark ausbezahlt, und die verdient sie sich schneller und leichter, wenn sie sich von ihrem Freund zwei Paeckchen Zigaretten schenken laesst. Man k nn es aber auchso machen wie wir: morgens geht es los, man telefoniert mit t usend Leuten egen irgend welcher Termine, und ein kleiner Teil dieser tausend Leute ist genau so veranlagt wie man selbst es ist. Dann wird besprochen, welche Druckerei dieses oder jennes Plakat drucken kann, woher sie das Papier dafuer bekommt, wohin die Gasts iel- Tournee gehen soll, usw. Auf meinen persoenlichen Fall bezogen bedeutet das: ich habe die Absicht, mit dem rumaenischen Taenzer Vergiu Cornea( einem Freund des beruehmten Dirigenten der Berliner Philharmoniker Sergiu Celibidache), einen Debussy- Tanzabend in Muenchen zu starten und dann durch einige groessere Staedte laufen zu lassen. Das Tanzprogramm steht fest. Jetzt habe ich mich zuerst einmal mit dem franzoesischen Verbindung soffizier bei der Milita erregierung unterhalten, ob man dieser Veranstaltung nicht einen ersten deutsch- franzoesischen Gemeinschafts- Akzent geb en kann, denn es gibt so viele deutsch- amerikanische Z usammenarbeitsGebiete, wie z. B. einen deutsch- amerikanischen Maedchen- Club, eine deutsch- amerikanische Jugend- 8 usammenarbeit, amerikanische Theaterstuecke werden hier aufgefuehrt, man zeigt uns amerikanische Filme, man hat eine amerikanische Ausstellung aufgezogen, Wissenschaftler gehen nach Amerika, Deutsche aus Amerika kommen nach Deutschland rueck, amerikanische Zeitungen und Zeitschriften werden hergeschickt, kurz und gut: man hat hier in der amerikanischen Zone das Gefuehl, das die Staaten die Problematik genauestens erkennen und auch bestrebt sind, materiell und geistig xxx jede erdenkliche Hilfe zu bringen. Und wir spueren diese Hilfe tagtaeglich. Die Franzosen sind- als zweimal bitter enttaeuschte Nachbarn- nicht nur misstaauisch, sondern auch zurueckhaltend. Das aeussert sich in der grossen inner- und aussenpolitischen franzoesischen Haltung, das aeussern aber auch einzelne Franzosen bei muendlichen Unterhaltungen. So habe ich mich mit dem franzoesischen Verbindungsoffizier hervorragend unterhalten, wir sind uns menschlich nahe gekommen. Aber wir sind eben nur zwei Menschen, und in einer privaten Unterhaltung nicht die Vertreter zweier Nationen. Abgesehen davon, dass Maria der bezaubernden acht jaehrigen Tochter dieses Offiziers zwei mal woechentlich MalUnterricht gibt und Maria ihrerseits mit der Faau dieses Offiziers ein ebenso warmes menschliches Verhaeltnis gefunden hat. Aber ausserhalb dieser privaten A tmosphaere erheben sich sofort scheinbar unueberwindliche Schranken. Warum kann man nicht versuchen, auf seine besondere Art dazu beizutragen, dass diese Schranken auf eine moeglichst natuerliche Art und Weise fallen?- Also schickte mich der franzoesische Verbindung soffizier zum Generalkonsul, mit dem ich mich gleichermassen gut unterhielt, der mir aber offiziell nicht unter die Arme greifen kann, sondern alles das, was irgendwelche kulturellen franzoesischen Interessen betrifft, ueber die Arbeitsgemeinschaft Frankreich der deutschen Kulturliga laufen laesst. So empfahl er mich waerm - 3- tens an den Praesidenten dieser Kulturliga- Arbeitsgemeinschaft, Prof. Weber, der zwischen der franzoesischen und amerikanischen Zone hin und herpendelt, der also nicht leicht zu erreichen ist, was aber doch geschafft wurde und mit dem ich zu heute Vormittag verabredet war. Nun ist aber unser Telefon seit vier Tagen gestoert( die Kaelte ist zu tief in den Boden gedrungen und hat ein Erdkabel laediert, die Reparaturen koennen also unter Umstaenden wochenlang dauern), der Wagen, mit dem Herr Schnackertz mich heute frueh abholen wollte, ist nicht gekommen, und gegen zwoelf erfuhr ich, dass er irgendwo liegengeblieben ist, mit der Strassenbahn zu fahren war nicht mehr moeglich, da das fast zwei Stunden mit dem entsprechenden Fussweg dauert, telefonieren konnte man nicht, da mein Apaarat der einzige ist, der in der naeheren und weiteren Umgebung steht, jetzt geht das Rennen von vorne los. Aber einmal werde ich den Professor erwischen, dann wird man sich auch ueber die Zusammenarbeit einigen, dann kann alles vorbereitet werden, und wenn es das Schicksal will, koennen sich die Deutschen und Franzosen ein wenig ueber Debussy vermittels eines Taenzers naehern. Zu meinen Verlagsplaenen: der Chief von Inform tion Control, Col. Ma c Mahon, der mir in die Hand versprochen hatte, dass ich meine Verlagslizenz auf jeden Fall so chnell wie moeglich bekomme und der entsprechen de Anweisungen an die zustaendige Section gegeben hatte, ist nach Hessen versetzt worden. Seine Anweisung hat scheinbar keine Cueltigkeit mehr. Ausserdem muss sich am 5. Maerz ein Ausschuss konstituieren, der fuer weitere Verlagslizenzen die Vorpruefung und Vorberatung uebernehmen muss. An diesen Pruefungsausschuss muss ich mich wenden( wenn er sich konstituiert hat, wenn er ein Buero in Muenchen gefunden hat, wenn eine Sekretaerin engagiert ist, wenn Telefon liegt, wenn der Ausschuss Briefpapier, Aktendeckel, Tinte, Federhalter und einen Stempel- und last not least auch dann mit der Arbeit begonnen hat. Wenn man die weitere Entwicklung dieses Falles den anormalen Umstaenden entsprechend normal betrachtet, wird der Ausschuss vielleicht Ende April so weit sein, um ueber die ersten Faelle zu ber ten. Da ich Privatmann bin und kein ehemaliger Verleger, komme ich ganz zum Schluss an die Reihe, wenn es bereits so viele Verlage gibt, dass Privatideen nicht mehr beruecksichtigt werden koennen. Das nennt sich dann, der neuerstehenden Demokratie entsprechend:" Freies Spiel der Kraefte". Bis dahin schreiben wir vielleicht April 1948. Ich habe dann genau drei Jahre gebraucht, um mich ueberzeugen zu lassen, dass ich einem Hirngespinst nachgelaufen bin. Und im wesentlichen nur deshalb, weil dieser von mir keine Flasche Schnaps erhalten hat, weil ein anderer keine Stange Zigaretten bekam, weil ein Dritter nicht mit mehreren Pfund Kaffee geschmiert wurde, weil der Vierte nicht mit einer Dose Fett bestochen wurde. Weil ich naemlich in meiner Idiotie keinen schwarzen Markt unterstuetzte, sondern aus Selbsterhaltungstrieb das Fett in der eigenen Pfanne aufbrauchte, den Kaffee selbst trank und die Zigaretten selbst rauchte. Ein anderes praktisches Beispiel: eine Nazi- Familie in Muenchen hat ein Haus, dessen Dach zerstoert ist, und einen Sohn, der in Amerika lebt, Amerikaner ist und sehr viel Geld verdient. Diesem reichen Sohn wird das Haus ueberschrieben. Es kann also nicht mehr beschlagnahmt werden, ist amerik nisches Eigentum. Der reiche Sohn schickt jetzt Paket auf Paket, jede Woche mindestens zwei sehr umfangreiche. Mit dem Inhalt dieser Pakete wird das Haus neu aufgebaut. Man bekommt dafuer alle notwendigen Baumaterialien, man bekommt die Handwerker, weil man ihnen zum Fruehstueck Bohnenkaffee mit Sahne und Zucker und aus weissem Mehl mit Buchsenmilch in schoenem Fett gebacknne Plaetzchen, zum Mittagessen umfangreiche und nahrhafte Buechsenmahlzeiten, zum Nachmittag wie - 4-. der so etwas wie zum Fruehstueck, und zum Abend wieder so etwas wie zuMittag, vorsetzen kann. Ausserdem fuer jeden der zehn Handwerker pro Tag je zehn Zigaretten.- Das Haus ist fertig, die oberste Etage und das Dach sind ausgebaut. Aber wenn man alles das, was dieser Mann aufgewendet hat, auf dem schwarzen Markt gekauft haette, waere so etwas wie ein Vermoegen dabei draufgegangen. Vor einigen Tagen las ich in der Zeitung folgende Schwarzmarkt- Preise: 1 Pfd. Butter 140.-, 1 Pfd. Sp.ck 160.-, 1 Brot 15.-, 1 Pfd. Fleisch 20.-, 1 Paket Zigaretten 80.-, 1 Flasche Schnaps 300.-, ein kleiner Riegel Schokolade 40.-, 1 Pfd. Kaffee 280.-, 1 8- Unz.Buechse soluble 300.-, 1 Pfd. Marmelade 80.-, 1 Pfd. Zucker 90.-, usw. Da die Rationen jetzt wieder gekuerzt wurden, werden diese Preise rapide steigen. Und ich frage Euch: welcher normal verdienende Mensch kann sich zusaetzlich fuer diese Preise etwas kaufen? Deshalb jubeln wir, wenn wir von Euch ein Paeckchen bekommen, in dem sich etwas Fett, Kaffee, Zucker, und ein paar Zigaretten befinden. Wir wollen den Dank nicht vergessen fuer das Paeckchen mit den zwei Paar SSchuhen, die braunen Schuhe passen mir wie angegossen, sie kamen zur rechten Zeit, denn meine Schuhe mussten zum Schuster, und ein normaler Reparaturgang dauert drei Monate. Die Schuhe fuer Maria waren zu klein, wir haben entfernte Bekannte, die sehr viel Esserei aus Amerika geschickt bekommen, und der Dame passten die Schuhe so genau, dass wir sie wertmaessig gegen Essbares eingetauscht haben. Seid nicht traurig deswegen, aber fuer uns war es die Loesung. Das letzte Paket enthielt alles, was auf dem Slip angegeben war, his auf den Reis, der aber nicht fehlte, sondern nicht eingepackt war. Ich habe das Paeckchen, das jungfraeulich auf dem Zollamt lag, dort erst geoeffnet. Wenn Ihr uns noch einmal etwas schicken solltet, dann in erster Linie Fett, Kaffee( damit die Nerven durchhalten), Kakao, Zucker( Sacharin tuts auch), ein paar Zigaretten( fuer mich als Medizin), und in Abstaenden dann etwas von den Dingen, die immer fehlen: Zahnpaste, Seife, schwarze und braune Schnuersenkel, vielleicht einige Feuersteine fuer unser Feuerzeug( weil es hier naemlich keine Streichhoelzer gibt. Neulich haben wir eine ewige ogen- Flamme einige Tage sorgsam gehuetet, weil uns die Streichhoelzer ausgegangen waren). Die Buechse mit dem Oel im vorletzten Paket war laut Maria ungemein rationell, desgleichen das koshere Pflanzenfett im letzten Paket. Mit den getrockneten" ruechten hat Maria die Brotpuddings schmackhaft gemacht, und nach besonderen Arbeitsschlachten gab es zur Belohnung eine Sauce aus Kochschokolade darueber. Da Maria sich ab und zu mal eine Naehmaschine borgen muss, um unsere Klamotten zu flicken, und dabei Nadeln draufgehen, wuerde sie sich freuen, wenn Ihr mal ein paar Nadeln fuer Lang- und Rundschiff beifuegen koenntet, mit Flach- und Rundkolben. Und wenn Ihr irgendwo Stickgarne herumliegen habt, Maria ist ein dankbarer Abnehmer fuer ihre Stickereien. Naechstens bekommt Ihr ein Foto von einer Stickerei, die sie fuer die Schauspielerin Maria Nicklisch, die mit dem Schriftsteller und Regisseur Hans Schreikart verheiratet ist, zu deren Geburtstag am 26. Januar gemacht hat. Stickgarne in allen Pastell- Toenen, Seidentwiste, oder so etwas wie Filoflos( deutscher Name) sind kostbare Arbeitsutensilien. Wit sind vielleicht verrueckt, dass wir von Stickgarnen schreiben und nicht sagen: stopft jedes Loch mit Essbarem zu.- Hoover sagt als Amerikaner, der trotz allem nicht den Einblick in das Detail hat wie die - 5- . Betroffenen Deutschen, dass die Lage katastrophal sei. Das ist milde ausgedrueckt. Die Lage ist hoffnungslos. Nooh nie war der Naehrboden fuer antidemokratische Stroemungen in Deutschland guenstiger als jetzt. Es kommt uns auch merkwuerdig vor, wenn von den zwei Tellern und Tassen, die sich noch bei der Familie Roehl befinden, Herr Mueller aus Russland 5 Teller und 5 Tassen, Herr Schulze aus Frankreich 3 Teller und 3 Tassen, Herr Lehmann aus England 4 Teller und 4 Tassen, und die Maiers und Krauses und Schmidts aus den vielen anderen Laendern die Reste der Roehlschen Fabrik haben wollen, in der man vielleicht die verlangten Teller und Tassen herstellen koennte, wenn man die Familie Roehl liesse. Und wenn man ihr das Material dafuer gaebe. Aber wir warten auf den Fruehling, in jeder Beziehung: auf den jahreszeitlichen, auf den politischen, auf den wirtschaftlichen, kulturellen und ganz besonders auf den menschlichen Fruehling. Vom jahreszeitlichen Fruehling wissen wir, dass er auf jeden Fall kommt. Das steht im Kalender, und das trifft ein. Aber das trifft nicht auf die Kalender zu, die sich in Aktentaschen von Diplomaten befinden. Umsomehr bewundere ich die Gesamtheit der gepruegelten Deutschen, denen es zum groessten Teil unendlich schwerer geht als Maria und mir. Sie haben etwas vom ersten Klang demokratischer Glocken gehoert, und horchen nun dem Klang nach, ohne noch auf die Misstoene zu achten, die sich von anderer Seite einmischen. Sie haben genug vom Nationalsozialismus, die Mitlaeuferchen, aber sie waren als Masse immer das Zuenglein an der Waage der innerpolitischen Entscheidungen. Wenn man diese durch sie selbst verschuldet hart gestrafte Menschheit in Deutschland, die durch einen besonders harten Winter und die dadurch verursachten Begleitumstaende wie Ausfall von Lebensmittelund Kohletransporten, von Licht uns Gas und Arbeit und Kraft, nicht doch noch zumindest so lange stuetzt, bis sie alleine stehen und sich bewegen kann, werden wir in jeder Beziehung ein lazarettreifes Volk bleiben, das auf die Pflege durch auslaendische Schwestern angewiesen sein wird. Und da geht der Krug auch nur so lange zum Gesundbrunnen, bis er bricht. Bis beide brechen. Das sind keine pessimistischen Gedanken, sondern das ueberlegt man sich am Rande seiner Arbeit Tag fuer Tag, weil man ja wieder im Begriff ist, ein politisch reifes Volk zu werden. Der Einzelne mag sich noch fuer so reif halten, so lange die anderen nicht auf gleichen Ebenen denken, so lange wird es Unreife geben. Unreife bedeutet Bevormundung. Bevormundung ist ein Zeichen von Unselbstaendigkeit. Und Unselbstaendigkeit ist ein Beweis fuer das Angewiesenssin auf die Hilfe der anderen. Hier beisst sich die Katze in den Schwanz. Hier wird das deutsche Problem ueber das europaeische Problem zum Problem der gesamten" enschheit, und kann also nur durch die gesamte Menschhei geloest werden. Anfaenge sind gemacht. Und ich glaube, dass es viele Deutsche gibt, die wenn man es ihnen erlaubt- im Voelkerorchester in der richtigen Melodie mitmusizieren. Im Fruehjahr fahre ich zu Paul, zu Lotte, durch Deutschland. Dann bluehen die Baeume. Dann bluehen auch die ersten grossen Hoffnungen. Wir gruessen Euch alle ganz, ganz herzlich, und danken Euch fuer E ure Hilfe, die fuer uns so viel bedeutet, wie Ihr selbst es vielleicht garnicht bewusst seid. Das kann sich bei uns in einem Kaffee rausch bis zu traenenstroemenden Orgien ausweiten. Kann.-Aber wir be herrschen uns. Und umarmen Euch, Eure Fritzmichael Roehl* Muenchen 9- Harlaching Haselburgstr.6* 40857 Mrs. Marie Juchacz 339 East, 173rd Street. New York 57, N.Y. 3. Maerz 1947. • Meine liebe grosse Mutti, liebes Kaethchen, lieber Emil, jetzt bin ich endlich mal wieder so weit: es hatte sich mal wieder so viel ereignet, und ausserdem geht es nach wie vor so bergauf und bergab, dass man ein haessliches Schwindelgefuehl nicht mehr loswird. Von irgend einer Stabilisierung ist nichts zu spueren, im Gegenteil. Und trotzdem kann man mit etwas mehr Optimismus, als eigentlich erlaubt ist, und mit der Intensitaet, die Maria und ich bis jetzt noch hatten, doch immer ein ganz kleines Stueck weiterkommen. So bekam ich Anfang Januar meine Lizenz als Veranstalter, Military Government Information Control License Nr. 1405, und die Lizenz als Verleger ist mir trotz Papiermangel so fest zugesagt worden, dass ich beschloss, E nde Januar mit der Arbeit bei der Intelligence Section aufzuhoeren. Es wurde Anfang Februar, weil die Registrierung aller Kuenstler noch nicht abgeschlossen war. Und da jetzt nur noch im wesentlichen Spruchkammerfaelle durchliefen, und ich ganz und gar kein Jurist bin, da ich ausserdem mit dem Filmkameramann Heinz Schnackertz angefangen hatte, einen bild journalistischen Laden aufzuziehen und man nicht zwei Herren dienen kann und ich die Tag- Arbeit bei der Militaer- Regierung und die Nachtarbeit zu Hause trotz des Nachschubs von Euch nicht mehr haette durchhalten koennen, konzentriere ich mich zur Zeit darauf, einige gute Reportagen durchfotografieren zu lassen. Wir haben Herrn Schnakkertz den eigentlich fuer meinen Verlag zweckentfremdeten Raum voruebergehend als Laboratorium zur Verfuegung gestellt, ich habe mich um die Einrichtung dieses Laboratoriums gekuemmert, denn es musste eine tischaehnliche Arbeitsmoeglichkeit organisiert werden, auf die man Entwickler- und Fixierwannen stellen kann, Leitungen mit Schaltern und Steckern mussten gelegt werden, d.h. dass diese Leitungen, Schalter und Stecker zuerst organisiert werden mussten, und dann musste man jemanden finden, der alles fachmaennisch montiert. Ich erzaehle Euch diese Details, weil sie einen kleinen Einblick geben in unseren taeglichen Arbeitsanfall unvorhergesehener Art.- Jetzt steht das Laboratorium, und wir fangen mit einer laufenden" Bildproduktion" an. Vorerst gibt es noch einmal eine kleine Stockung, denn mitten in der Planung wurde Herr Schnackertz krank und lag nebenan im Zimmer, das Maria laufend fuer ihn heizen musste, auf der Nase, ich legte mich am naechsten Morgen mit Ischias- Schmerzen hin, die ploetzlich wieder so schlimm waren wie im Vorjahr. Wir hatten also kein Laboratorium, sondern ein Sanatorium, und Maria lief von Ofen zu Ofen, schleppte Holz heran, lief zum Anstellen zum Einkaufen, und in gelegentlichen ruhigen Minuten stand sie gebueckt ueber ihrem kleinen Zeichentisch und entwarf sehr, sehr schoene Plakate. Dann stand sie wieder in der Kueche und zauberte mit Brot, etwas getrocknetem Obst und einer Schokoladentunke einen Brot- Pudding zurecht, oder buk aus etwas Mehl mit kosherem Fett ein omelette d'eau sucre, und so sind wir mal wieder bis heute davon gekommen. Da man unter den heutigen Verhaeltnissen in Deutschland selbst bei staerkster Forcierung aller schoenen Plaene nur bruchstueckweise weiterkommt,-wenn das, was man erreicht, ueberhaupt als Weiterkommen bezeichnet werden kann-, haben sich viele Menschen regelrecht zum Winterschlaf hingelegt. Sie bleiben bis mittags in den Betten, weil es - 2- darin am waermsten ist, heizen dann mit den paar Stueckchen Holz, die ihnen als Tagesration bleiben, schnell den Ofen ein, auf dem sie sich eine Kleinigkeit zum Essen bereiten, dann packen sie sich etwas in eine Aktentasche, gehen auf den schwarzen Markt, verkaufen zwei Paeckchen Zigaretten a 80 Mark, bezahlen von den 160 Mark ihre Miete, das bischen Gas und Licht, und ihre Lebensversicherung, und legen sich dann fuer den est des Monats wieder ins Bett, denn zu arbeiten lohnt sich nicht. Eine gutbezahlte Stenotypistin bekommt netto 150 Mark ausbezahlt, und die verdient sie sich schneller und leichter, wenn sie sich von ihrem Freund zwei Paeckchen Zigaretten schenken laesst. Man k nn es aber auchso machen wie wir: morgens geht es los, man telefoniert mit tusend Leuten egen irgend welcher Termine, und ein kleiner Teil dieser tausend Leute ist genau so veranlagt wie man selbst es ist. Dann wird besprochen, welche Druckerei dieses oder jenes Plakat drucken kann, woher sie das Papier dafuer bekommt, wohin die Gasts iel- Tournee gehen soll, usw. Auf meinen persoenlichen Fall bezogen bedeutet das: ich habe die Absicht, mit dem rumaenischen Taenzer Vergiu Cornea( einem Freund des beruehmten Dirigenten der Berliner Philharmoniker Sergiu Celibidache), einen Debussy- Tanzabend in Muenchen zu starten und dann durch einige groessere Staedte laufen zu lassen. Das Tanzprogramm steht fest. Jetzt habe ich mich zuerst einmal mit dem franzoesischen Verbindung soffizier bei der Milita erregierung unterhalten, ob man dieser Veranstaltung nicht einen ersten deutsch- franzoesischen Gemeinschafts- Akzent geben kann, denn es gibt so viele deutsch- amerikanische Z usammenarbeitsGebiete, wie z.B. einen deutsch- amerikanischen Maedchen- Club, eine deutsch- amerikanische Jugend- Z usammenarbeit, amerikanische Theaterstuecke werden hier aufgefuehrt, man zeigt uns amerikanische Filme, man hat eine amerikanische Ausstellung aufgezogen, Wissenschaftler gehen nach Amerika, Deutsche aus Amerika kommen nach Deutschland rueck, amerikanische Zeitungen und Zeitschriften werden hergeschickt, kurz und gut: man hat hier in der amerikanischen Zone das Gefuehl, das die Staaten die Problematik genauestens erkennen und auch bestrebt sind, materiell und geistig xxx jede erdenkliche Hilfe zu bringen. Und wir spueren diese Hilfe tagtaeglich. Die Franzosen sind- als zweimal bitter enttaeuschte Nachbarn- nicht nur misstaauisch, sondern auch zurueckhaltend. Das aeussert sich in der grossen inner- und aussenpolitischen franzoesischen Haltung, das aeussern aber auch einzelne Franzosen bei muendlichen Unterhaltungen. So habe ich mich mit dem franzoesischen Verbindungsoffizier hervorragend unterhalten, wir sind uns menschlich nahe gekommen. Aber wir sind eben nur zwei Menschen, und in einer privaten Unterhaltung nicht die Vertreter zweier Nationen. Abgesehen davon, dass Maria der bezaubernden acht jaehrigen Tochter dieses Offiziers zwei mal woechentlich MalUnterricht gibt und Maria ihrerseits mit der Faau dieses Offiziers ein ebenso warmes menschliches Verhaeltnis gefunden hat. Aber ausserhalb dieser privaten A tmosphaere erheben sich sofort scheinbar unueberwindliche Schranken. Warum kann man nicht versuchen, auf seine besondere Art dazu beizutragen, dass diese Schranken auf eine moeglichst natuerliche Art und Weise fallen?- Also schickte mich der franzoesische Verbindung soffizier zum Generalkonsul, mit dem ich mich gleichermassen gut unterhielt, der mir aber offiziell nicht unter die Arme greifen kann, sondern alles das, was irgendwelche kulturellen fran zoesischen Interessen betrifft, ueber die Arbeitsgemeinschaft Frankreich der deutschen Kulturliga laufen laesst. So empfahl er mich waer - 3- tens an den Praesidenten dieser Kulturliga- Arbeitsgemeinschaft, Prof. Weber, der zwischen der franzoesischen und amerikanischen Zone hin und herpendelt, der also nicht leicht zu erreichen ist, was aber doch geschafft wurde und mit dem ich zu heute Vormittag verabredet war. Nun ist aber unser Telefon seit vier Tagen gestoert( die Kaelte ist zu tief in den Boden gedrungen und hat ein Erdkabel laediert, die Reparaturen koennen also unter Umstaenden wochenlang dauern), der Wagen, mit dem Herr Schnackertz mich heute frueh abholen wollte, ist nicht gekommen, und gegen zwoelf erfuhr ich, dass er irgendwo liegengeblieben ist, mit der Strassenbahn zu fahren war nicht mehr moeglich, da das fast zwei Stunden mit dem entsprechenden Fussweg dauert, telefonieren konnte man nicht, da mein Apaarat der einzige ist, der in der naeheren und weiteren Umgebung steht, jetzt geht das Rennen von vorne los. Aber einmal werde ich den Professor erwischen, dann wird man sich auch ueber die Zusammenarbeit einigen, dann kann alles vorbereitet werden, und wenn es das Schicksal will, koennen sich die Deutschen und Franzosen ein wenig ueber Debussy vermittels eines Taenzers naehern. Zu meinen Verlagsplaenen: der Chief von Inform tion Control, Col. Ma c Mahon, der mir in die Hand versprochen hatte, dass ich meine Verlagslizenz auf jeden Fall so chnell wie moeglich bekomme und der entsprechen de Anweisungen an die zustaendige Section gegeben hatte, ist nach Hessen versetzt worden. Seine Anweisung hat scheinbar keine Gueltigkeit mehr. Ausserdem muss sich am 5. Maerz ein Ausschuss konstituieren, der fuer weitere Verlagslizenzen die Vorpruefung und Vorberatung uebernehmen muss. An diesen Pruefungsausschuss muss ich mich wenden( wenn er sich konstituiert hat, wenn er ein Buero in Muenchen gefunden hat, wenn eine Sekretaerin engagiert ist, wenn Telefon liegt, wenn der Ausschuss Briefpapier, Aktendeckel, Tinte, Federhalter und einen Stempel- und last not least auch dann mit der Arbeit begonnen hat. Wenn man die weitere Entwicklung dieses Falles den anormalen Umstaenden entsprechend normal betrachtet, wird der Ausschuss vielleicht Ende April so weit sein, um ueber die ersten Faelle zu ber ten. Da ich Privatmann bin und kein ehemaliger Verleger, komme ich ganz zum Schluss an die Reihe, wenn es bereits so viele Verlage gibt, dass Privatideen nicht mehr beruecksichtigt werden koennen. Das nennt sich dann, der neuerstehenden Demokratie entsprechend:" Freies Spiel der Kraefte". Bis dahin schreiben wir vielleicht April 1948. Ich habe dann genau drei Jahre gebraucht, un mich ueberzeugen zu lassen, dass ich einem Hirngespinst nachgelaufen bin. Und im wesentlichen nur deshalb, weil dieser von mir keine Flasche Schnaps erhalten hat, weil ein anderer keine Stange Zigaretten bekam, weil ein Dritter nicht mit mehreren Pfund Kaffee geschmiert wurde, weil der Vierte nicht mit einer Dose Fett bestochen wurde. Weil ich naemlich in meiner Idiotie keinen schwarzen Markt unterstuetzte, sondern aus Selbsterhaltungstrieb das Fett in der eigenen Pfanne aufbrauchte, den Kaffee selbst trank und die Zigaretten selbst rauchte. Ein anderes praktisches Beispiel: eine Nazi- Familie in Muenchen hat ein Haus, dessen Dach zerstoert ist, und einen Sohn, der in Amerika lebt, Amerikaner ist und sehr viel Geld verdient. Diesem reichen Sohn wird das Haus ueberschrieben. Es kann also nicht mehr beschlagnahmt werden, ist amerik nisches Eigentum. Der reiche Sohn schickt jetzt Paket auf Paket, Jede Woche mindestens zwei sehr umfangreiche. Mit dem Inhalt dieser P akete wird das Haus neu aufgebaut. Man bekommt dafuer alle notwendigen Baumaterialien, man bekommt die Handwerker, weil man ihnen zum Fruehstueck Bohnenkaffee mit Sahne und Zucker und aus weissem Mehl mit Buchsenmilch in schoenen Fett gebacknne Plaetzchen, zum Mittagessen umfangreiche und nahrhafte Buechsenmahlzeiten, zum Nachmittag wie der so etwas wie zum Fruehstueck, und zum Abend wieder so etwas wie zulittag, vorsetzen kann. Ausserdem fuer jeden der zehn Handwerker pro Tag je zehn Zigaretten.- Das Haus ist fertig, die oberste Etage und das Dach sind ausgebaut. Aber wenn man alles das, was dieser Mann aufgewendet hat, auf dem schwarzen Markt gekauft haette, waere so etwas wie ein Vermoegen dabei draufgegangen. Vor einigen Tagen las ich in der Zeitung folgende Schwarzmarkt- Preise: 1 Pfd. Butter 140.-, 1 Pfd. Speck 160.-, 1 Brot 15.-, 1 Pfd. Fleisch 20.-, 1 Paket Zigaretten 80.-, 1 Flasche Schnaps 300.-, ein kleiner Riegel Schokolade 40.-, 1 Pfd. Kaffee 280.-, 18- Unz.Buechse soluble 300.-, 1 Pfd. Marmelade 80.-, 1 Pfd. Zucker 90.-, usw. Da die Rationen jetzt wieder gekuerzt wurden, werden diese Preise rapide steigen. Und ich frage Euch: welcher normal verdienende Mensch kann sich zusaetzlich fuer diese Preise etwas kaufen? Deshalb Jubeln wir, wenn wir von Euch ein Paeckchen bekommen, in dem sich etwas Fett, Kaffee, Zucker, und ein paar Zigaretten befinden. Wir wollen den Dank nicht vergessen fuer das Paeckchen mit den zwei Paar SSchuhen, die braunen Schuhe passen mir wie angegossen, sie kamen zur rechten Zeit, denn meine Schuhe mussten zum Schuster, und ein A normaler Reparaturgang dauert drei Monate. Die Schuhe fuer Maria waren zu klein, wir haben entfernte Bekannte, die sehr viel Esserei aus Amerika geschickt bekommen, und der Dame passten die Schuhe so genau, dass wir sie wertmaessig gegen Essbares eingetauscht haben. Seid nicht traurig deswegen, aber fuer uns war es die Loesung. Das letzte Paket enthielt alles, was auf dem Slip angegeben war, his auf den eis, der aber nicht fehlte, sondern nicht eingepackt war. Ich habe das Paeckchen, das jungfraeulich auf dem Zollamt lag, dort erst geoeffnet. Wenn Ihr uns noch einmal etwas schicken solltet, dann in erster Linie Fett, Kaffee( damit die Nerven durchhalten), Kakao, Zucker( Sacharin tuts auch), ein paar Zigaretten( fuer mich als Medizin), und in Abstaenden dann etwas von den Dingen, die immer fehlen: Zahnpaste, Seife, schwarze und braune Schnuersenkel, vielleicht einige Feuersteine fuer unser Feuerzeug( weil es hier naemlich keine Streichhoelzer gibt. Neulich haben wir eine ewige ogen- Flamme einige Tage sorgsam gehuetet, weil uns die Streichhoelzer ausgegangen waren). Die Buechse mit dem Oel im vorletzten Paket war laut Maria ungemein rationell, desgleichen das koshere Pflanzenfett im letzten Paket. Mit den getrockneten" ruechten hat Maria die Brotpuddings schmackhaft gemacht, und nach besonderen Arbeitsschlachten gab es zur Belohnung eine Sauce aus Kochschokolade darueber. Da Maria sich ab und zu mal eine Nachmaschine borgen muss, um unsere Klamotten zu flicken, und dabei Nadeln draufgehen, wuerde sie sich freuen, wenn Ihr mal ein paar Nadeln fuer Lang- und Rundschiff beifuegen koenntet, mit Flach- und Rundkolben. Und wenn Ihr irgendwo Stickgarne herumliegen habt, Maria ist ein dankbarer Abnehmer fuer ihre Stickereien. Naechstens bekommt Ihr ein Foto von einer Stickerei, die sie fuer die Schauspielerin Maria Nicklisch, die mit dem Schriftsteller und Regisseur Hans Sch eikart verheiratet ist, zu deren Geburtstag am 26. Januar gemacht hat. Stickgarne in allen Pastell- Toenen, Seidentwiste, oder so etwas wie Filoflos( deutscher Name) sind kostbare Arbeitsutensilien. Wit sind vielleicht verrueckt, dass wir von Stickgarnen schreiben und nicht sagen: stopft jedes Loch mit Essbarem zu.- Hoover sagt als Ame rikaner, der trotz allem nicht den Einblick in das Detail hat wie die - 5- . Betroffenen Deutschen, dass die Lage katastrophal sei. Das ist milde ausgedrueckt. Die Lage ist hoffnungslos. Nooh nie war der Naehrboden fuer antidemokratische Stroemungen in Deutschland guenstiger als jetzt. Es kommt uns auch merkwuerdig vor, wenn von den zwei Tellern und Tassen, die sich noch bei der Familie Roehl befinden, Herr Mueller aus Russland 5 Teller und 5 Tassen, Herr Schulze aus Frankreich 3 Teller und 3 Tassen, Herr Lehmann aus England 4 Teller und 4 Tassen, und die Maiers und Krauses und Schmidts aus den vielen anderen Laendern die Reste der Roehlschen Fabrik haben wollen, in der man vielleicht die verlangten Teller und Tassen herstellen koennte, wenn man die Familie Roehl liesse. Und wenn man ihr das Material dafuer gaebe. Aber wir warten auf den Fruehling, in jeder Beziehung: auf den Jahreszeitlichen, auf den politischen, auf den wirtschaftlichen, kulturellen und ganz besonders auf den menschlichen Fruehling. Vom jahreszeitlichen Fruehling wissen wir, dass er auf jeden Fall kommt. Das steht im Kalender, und das trifft ein. Aber das trifft nicht auf die Kalender zu, die sich in Aktentaschen von Diplomaten befinden. Umsomehr bewundere ich die Gesamtheit der gepruegelten Deutschen, denen es zum groessten Teil unendlich schwerer geht als Maria und mir. Sie haben etwas vom ersten Klang demokratischer Glocken gehoert, und horchen nun dem Klang nach, ohne noch auf die Misstoene zu achten, die sich von anderer Seite einmischen. Sie haben genug vom Nationalsozialismus, die Mitlaeuferchen, aber sie waren als Masse immer das Zuenglein an der Waage der innerpolitischen Entscheidungen. Wenn man diese durch sie selbst verschuldet hart gestrafte Menschheit in Deutschland, die durch einen besonders harten Winter und die dadurch verursachten Begleitumstaende wie Ausfall von Lebensmittelund Kohletransporten, von Licht uns Gas und Arbeit und Kraft, nicht doch noch zumindest so lange stuetzt, bis sie alleine stehen und sich bewegen kann, werden wir in jeder Beziehung ein lazarettreifes Volk bleiben, das auf die Pflege durch auslaendische Schwestern angewiesen sein wird. Und da geht der Krug auch nur so lange zum Gesundbrunnen, bis er bricht. Bis beide brechen. Das sind keine pessimistischen Gedanken, sondern das ueberlegt man sich am Rande seiner Arbeit Tag fuer Tag, weil man ja wieder im Begriff ist, ein politisch reifes Volk zu werden. Der Einzelne mag sich noch fuer so reif halten, so lange die anderen nicht auf gleichen Ebenen denken, so lange wird es Ünreife geben. Unreife bedeutet BeVormundung. Bevormundung ist ein Zeichen von Unselbstaendigkeit. Und Unselbstaendigkeit ist ein Beweis fuer das Angewiesenssin auf die Hilfe der anderen. Hier beisst sich die Katze in den Schwanz. Hier wird das deutsche Problem ueber das europaeische Problem zum Problem der gesamten" enschheit, und kann also nur durch die gesamte Menschheit geloest werden. Anfaenge sind gemacht. Und ich glaube, dass es viele Deutsche gibt, die- wenn man es ihnen erlaubt- im Voelkerorchester in der richtigen Melodie mitmusizieren. Im Fruehjahr fahre ich zu Paul, zu Lotte, durch Deutschland. Dann bluehen die Baeume. Dann bluehen auch die ersten grossen Hoffnungen. Wir gruessen Euch alle ganz, ganz herzlich, und danken Euch fuer E ure Hilfe, die fuer uns so viel bedeutet, wie Ihr selbst es vielleicht garnicht bewusst seid. Das kann sich bei uns in einem Kaffeerausch bis zu traenenstroemenden Orgien ausweiten. Kann.- Aber wir beherrschen uns. Und umarmen Euch, Eure - 6- PS: E in Musikstudent muss sein Examen machen, schreibt eine Arbeit ueber Mozart, und weiss nicht, wo er zwei ihm noch fehlende Buecher herbekommen soll. Es handelt sich um: 1. A. Einstein: Wolfgang Amadeus Moz rt( angeblich in London erschie nen) 2. F.H. Marks: Questions on Mozarts piano sonatas, London 1929. Das ist nur eine Anfrage, der Ihr vielleicht einmal nachgehen koenntet, wenn es der Zufall will. Maria sagt:" Schade um das Gewicht der Buecher", a ber obwohl uns der Student so fremd ist wie Praesident Truman, habe ich eine grosse Schwaeche: ich helfe tausend Menschen, und wenn es zu spaet ist, denke ich mal an mich.- Deshalb habe ich nach Marias Meinung auch noch nicht meine Verlagslizenz. Ich fuerchte, sie hat ein wenig Recht. Aber das soll jetzt anders werden." Ab morgen wird gespart" stand auf unserer Kinder- Sparbuechse. - 6- PS: E in Musikstudent muss sein Examen machen, schreibt eine Arbeit ueber Mozart, und weiss nicht, wo er zwei ihm noch fehlende Buecher herbekommen soll. Es handelt sich um: 1. A. Einstein: Wolfgang Amadeus Moz rt( angeblich in London erschie nen) 2. F.H. Marks: Questions on Mozarts piano sonatas, London 1929. Das ist nur eine Anfrage, der Ihr vielleicht einmal nachgehen koenntet, wenn es der Zufall will, Maria sagt:" Schade um das Gewicht der Buecher", a ber obwohl uns der Student so fremd ist wie Praesident Truman, habe ich eine grosse Schwaeche: ich helfe tausend Menschen, und wenn es zu spaet ist, denke ich mal an mich. Deshalb habe ich nach Marias Meinung auch noch nicht meine Verlagslizenz. Ich fuerchte, sie hat ein wenig Recht. Aber das soll jetzt anders werden." Ab morgen wird gespart" stand auf unserer Kinder- Sparbuechse. - 6- PS: E in Musikstudent muss sein Examen machen, schreibt eine Arbeit ueber Mozart, und weiss nicht, wo er zwei ihm noch fehlende Buecher herbekommen soll. Es handelt sich um: 1. A. Einstein: Wolfgang Amadeus Moz rt( angeblich in London erschie nen) 2. F.H.Marks: Questions on Mozarts piano sonatas, London 1929. Das ist nur eine Anfrage, der Ihr vielleicht einmal nachgehen koenntet, wenn es der Zufall will. Maria sagt:" Schade um das Gewicht der Buecher", a ber obwohl uns der Student so fremd ist wie Praesident Truman, habe ich eine grosse Schwaeche: ich helfe tausend Menschen, und wenn es zu spaet ist, denke ich mal an mich.- Deshalb habe ich nach Marias Meinung auch noch nicht meine Verlagslizenz. Ich fuerchte, sie hat ein wenig Recht. Aber das soll jetzt anders werden." Ab morgen wird gespart" stand auf unserer Kinder- Sparbuechse. . INSTRUCTIONS GIVEN BY SENDER Dispositions de l'expéditeur Senders must provide for an alterna tive disposition, striking out the requests not employed. as follows: IF UNDELIVERABLE AS ADDRESSED Au cas de non- livraison, le colis doit étre Livré à M ( A) Deliver to Mrs. Rochl Haselburgstr.6. ( B) Abandon. Abandonné ( C) Return to sender. Return charges Renvoyé à l'expediteur, qui s' engage à guaranteed. payer les frais de retour. EMIL KIRSCHMANN Signature of RD STREET Signature de l' NEW YORK 57, N. Y. ( Address of SenderAdresse de l'expéditeur) COUPON STAMP OF OFFICE OF ORIGIN ( Timbre du Bureau d'Origine) D Paketzustellamt Arnulfstraße 62 elefon Nr. 791/754 Zollsendung. 1. Die Abgabe der vorliegenden Zollsendung erfolgt g Rückgabe dieser Benachrichtigung bei Vorlage entsprechenden Ausweises beim Postzollamt Mün Arnulfstr. 62/1( Straßenbahnlinie 3, Haltestelle A straße- Hackerbrücke) an Werktagen vom Montag Freitag von 8-15 Uhr, am Samstag von 8-12 U 2. Der Empfänger wird gebeten, möglichst umge spätestens aber innerhalb 7 Tagen die Sendung zollen zu lassen. CISE SAXEL FRA UNITED STATES POSTAGE WEB 24 47 CALLE 0 05 AMOUNT PALE E SINBO εε SINBO ε bogs- 10gs VWORS SWORL BARROS SERES CELINE 9+ 61-9+ 81 PROGRES PE Mr. Fritzmichael Roehl Haselburgstrasse 6 Harlaching Munich 9 American Zone of Occupation Germany Returned for additional postage Postage due..... 1.0...... Total postage required..15 Rate. Per each ½ ounce. CENSORANCISCO. PASSED 10475 GERMANY SAN FEB 25 1130PM 1947 RINCON CHRONICLE WANT ADS WORK GEORGE WASHINGTON 1789-1797 AIR MAIL CENT 1 SA P CALIF ANNEX OPENED BY San Francisco Chronicle OFFICE OF PAUL C. SMITH SAN FRANCISCO AILS MIL. CEN.- CIVIL MAILS OFFICE OF PAUL C. SMITH San Francisco Chronicle SAN FRANCISCO February 24, 1947 Mr. Fritzmichael Roehl Haselburgstrasse 6, Harlaching, Munich 9, American Zone of Occupation Germany Dear Mr. Roehl: This will acknowledge your letter of January 21st. The plan for bringing German journalists to this country is still in the very early stages and it will be some months before any action can be taken. I shall keep your letter on file, however, and you may be sure that your name will receive consideration at the proper time. you did. Thank you for writing as Sincerely yours, Editor and C South Huuth General Manager Fritz u. Maria 9. Januar 1947 1 Pfd Fett 1 # 1+ # Zucker Marmelade 1 # 1 1 1 1 4 Kaffee Dose Kaffeepulver Pfd Aprikose Dose Leberpaste Pfd Reis == Pfirisische Schokolade Kockschokolade Paeckchen Zigaretten MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y. уми den 9.Februar 1947 Fritz, mein lieber Junge und liebste Maria, Ihr seid sehr stiefmuetterlich behandelt worden, ich habe Euch lange nicht geschrieben, Euch nicht, auch Lotte und Paul, manche andere haben warten muessen. Es war zwangsläufig, ich ertrank in Briefen und Berichten, musste mir aber- grade deshalb- erst mal eine regelrechte Registratur bauen, nach Alphabeth und sachlich geordnet, mit Schluessel.Ich fand nicht mehr zureckt, musste suchen, suchen, zum verrueckt werden. Nun bin ich- im Rohen- fertig, mir ist schon wohler.--- Es kam dann eine ziemliche Pause in der Auslandspost, die Kaelte, die Winterstuerme, dafuer aber wurden wir dann auf einmal sehr gesegnet.Aber Eure Nachrichten blieben aus? Warum? Es ist doch nichts passiert? Ich hoffe auf bald. Am 9. Jan.ging ein Paket ab, Zettel anbei. Inzwischen schrieb mir Lily Kaeser einen sehr netten Brief, u.a. dass Du Dich nicht bei ihr gemeldet habest.Sie ist eine kluge Frau. Und ein Mensch.Hedwig Wachenheim hatte in Muenchen zu tun und hat sie gesehen, sie schrieb mir.Auch, dass sie Dich wohl mal aufsuchen oder sich bei Dir melden wolle, wenn sie wieder mal dort sei. Paul schrieb, dass er einen Brief von Dir habe, mit der Ankuendigung Deines Besuches im Fruehjahr.Geht Maria mit Dir? er Mr Morrison wollte uns besuchen, das schrieb ich Euch. Aber war angemeldet zu 9 Uhr eines abends.Dann telephoniette er um 9 1/2 Uhr, er sei noch drueben in New Jersey, es wuerde jawohl zu spaet werden, wenn er jetzt noch kaeme. Er hatte sicher eine Fahrt von 1 1/2 Stunden, wenn alles klappte und er den Weg( den ich ihm beschrieben hatte gleich fand.Wir vereinbarten dann, dass er sich wieder melden wolle, um den neuen Termin zu bestimmen. Dabei ist es geblieben.New York ist auch fuer junge Leute eine grosse Stadt und ermuedend. Ich haette ihn sehr gerne kennen gelernt, schade. Wenn Du Drucksachen bekommst, fange um Gottes willen nicht an zu raetseln, was ich mir wohl bei dem einen oder anderen gedacht habe, als ich es fuer Dich zurueck legte.Nichts weiter denke ich mir dabei, als das eine: das koennte vielleicht den Fritz, das vielleicht die Maria oder beide zugleich intressieren. Es ist so, als wenn wir uns im Hause was ankreuzen und uns gegenseitig auf den Platz legen. Nur ist es so, dass wenn es nach vielen Wochen zu Euch kommt, es vielleicht zu diesem Zeitpunkt seine Aktualitaet verloren hat. Das kann man dann nicht aendern. Mehr woll ich Euch beiden heute nicht schreiben, ich muss aufholen. Mein Kaestchen mit" unerledigt" läuft ueber und es kommt taeglich was dazu. Immer Eure hendrich Grüße, Kale 20 find scht ein weiteres. in Doſſereitun grasse ilu Mu Hi Staats- Zeiling 20. De 2. 46 4 ( Aus gestrigen letzten Ausgaben) Journalisten aus Reich nach hier ( Meldung der" Associated Press") SAN FRANCISCO, 19. Dez. Ein Plan, deutsche Journalisten nach den Vereinigten Staaten zu bringen, wo sie durch Mitarbeit an amerikanischen Zeitungen die Demokratie erlernen sollen, wurde heute von Paul C. Smith, dem Chefredakteur des" San Francisco ronicle". bekanntgegeben, der rzlich von einer unter Armeeauspizien stattgefundenen EuropaReise zurückgekehrt ist. Der Plan könnte in Kraft gesetzt werden, sobald ein Friedensvertrag mit Deutschland unterzeichnet ist und der Status früherer feindlicher Ausländer feststeht. Eine Reihe amerikanischer Zeitungsverleger, die die Reise mit Smith machten, haben sich informell auf die Durchführung dieises Plans geeinigt. Unter den Verlegern befanden sich: Palmer Hoyt von der" Denver Post", Barry Bingham von der" Louisville Times", James Kearney Jr. von der" Trenton Times", Philipp Parish vom" Portland Oregonian" und Manchester Boddy von der " Los Angeles Daily News". ." Die Idee ist, deutsche Journalisten auf ein Jahr nach Amerika zu bringen," so erläuterte Smith. " Sie würden in- und außerhalb amerikanische Redakteure. Sie werden vielleicht ersucht, besondere Artikel zur Interpretation der Nachrichten aus Europa zu schreiben. Aber der Hauptzweck besteht darin, daß sie durch die Zusammenarbeit mit Amerikanern an amerikanischen Zeitungen die Demokratie lernen. Sie werden die freie Presse entdecken und werden, besser als durch die längsten Vorträge, aus eigener Erfahrung lernen, was eine freie Presse für das Leben einer Nation bedeutet." - Smith sagte, er habe in Deutschland Zeitungsverleger und Redakteure gesprochen, von denen einige, obwohl sie verhältnismäßig jung waren, fast die gesamten Kriegsjahre in Konzentrationslagern zugebracht hatten, weil sie sich schriftlich. oder mündlich im nazi feindlichen Sinne betätigt haben." Ich würde mich freuen, jeden von diesen an meiner Zeitung zu beschäftigen." Weiter sagte Smith, daß über den Plan mit amerikanischen Offizieren in Deutschland geS hen habe, die hinsichtlich der möglichen Hilfe für eine Umerziehung des deutschen Volkes begeistert waren." Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland wären sie die Grundpfeiler in der Schaffung einer freien Presse", so erklärte er. er Harkt 3 AS FACHGESCHÄFT Für Feine Schokoladen nntags geschlossen Feiertage! , Gäste, für Alle en wir mit Rumgeschmack n m. 1 Dtzd.$ 1.hachts- L The Hildebrand Shop 1371 AVENUE of the AMERICAS NEW YORK 19 N. Y D Geöffnet 9-7 Uhr; So Für die I Für die Gastgeberi em Schokolade Kirschen al Karto Karto Fritzmichael Roehl, Kuenchen 9- Harlaching, Haselburgstrasse 6 Germany/ American Zone Tel. 40 857 To Mr. Paul C. Smith Chief Editor San Francisco Chronicle San Francisco/ U.S.A. 21st January, 1947. Dear Mr. Smith, from my relations, who are living in New York, I got the Staatszeitung New York of the 20th December, 1945, in which I found an article with your really splendid idea of bringing German newspapermen for one year to America. I imagine that not only youself but also the other editors and publishers, who were in your company on your European trip, will have a lot of letters from German journalists, who are interested in learning the real democratic journalism in the most democratic country all over the world. Though I was not sent to a Concentration Camp by the nais, it was rather difficult for me to work as journalist during the time from 1933 till 1940, when I was called up for military service. As son of the socialistic member of the Prussian Parliament, Elisabeth Kirschmann- Roehl, and the Ministerialrat Emil Kirschmann, who was co- worker of Carl Severing and who was member of the Reichstag, and as nephew of Marie Juchacz, member of parliament, founder of the" Arbeiter- Wohlfahrt", I had a hard time up from 1933, when my step- father and my aunt had to flee to France and in 1940- from there to the States. My intention to join them at Saarbruecken in 1934 could not be realized, the boundaries already being controled intensely by the Gestapo. So I stayed in Germany where I tried to work with non political. trade- papers and magazines, had to change my job several times to escape disagreeable checking, was sometimes fired, worked as switchboard- operator with the army in France and Greece from 1940 till 1945, was employed at the Theatre Control Office of DISCC, later Information Control Div. and helped build up a new cultural life, changed to Intelligence Section where I became head of the Clearance Sub- Section and where I am working since now. I don't know if you have any influence on the selection of German journalists who probably after the treaty of peace will be sent to the States( if your plan than will or can be realized). But if you are able to give me in time some information, I would be very thankful. The address of my relations is: Mrs. Marie Juchacz, Mr. Emil Kirschmann, 339 East, 173rd Street, New York 57, N.Y. They can give you any further information about me. Sincerely yours 21 San 47 Meine liebe grosse Mutti, gerade brachte mir der Postbote Euren Brief vom 17 Dez. und obschon ich eigentlich heute keine Zeit haben duerfte fuer Briefe, muss ich doch gleich antworten. Vor einigen Tagen schrieb ich Fuch einen recht deprimi e ten Brief und heute tut es mir beinahe leid, dass ich ihn abschickte. A ber rstens hat Muenchen ein schrecklich anstrengendes Klima, an einemo Tag sitzt man bereits im Badeanzug in der Sonne, am naechsten sing lo Grad, das strapaziert sehr. Und dann ist es wirklich so, dass infolgelis nd Schnee alles stagniert. Eure ruehrende Hilfe, die A nkuendigung eines neuen Paketes mit so unwahrscheinlichem Inhalt gibt einem wieder neuen Mut. Wir sind auch nicht etwa wegen unseres persoenlichen Nichtvorwaert- kommens wegen so geknickt gewesen, aber die allgemeine Lage ist ja fuer Menschen mit offenen A ugen wie ein A lpdruck. In einen Artikel von Wat t her Kiaulehn zitiert er S aetze eines A merikanischen Schriftstellers: Wohltaetigkeit loest nie Probleme, verewigt sie nur. Man kann das soziale lend nicht durch Behandling mit Einzelschecks aus der alt schaffen." Das Empfinden hat man sehr oft bei allen heutigen Bemuehungen, dass es sich meist nur um" E Inzelschecks handelt. Und dochist jeder der ein persoenliches Paeckchen bekommt" gerettet". Gestern ueberlegten Mike und ich den Wert der deutschen Jahresernachrun g in Carepakete ungerechnet. Dabei ergab sich folgendes: Jahreszuteilung 46 12100 Gr Fleisch Fett Kaese Weissbrot 5150 2200 7200 8400 2500 Zucker ***** 93000 Schwarzbot Naehrmittel( Gries oder Haferflocken, Suppenerzeugnisse) 130550 Gramm- 260 deutsche Pfund. D as C arepaket hat etwa 26 Pfund Lebensmittel, folglich bekamen wir im Jahr lo Carepakete. E in C arepaketsind lo Tagerationen, also bekamen wir fuer 360 Tage loo Tagesratinen. Jetzt kommen ja natuerlich in der Woche etwa 8 Pfund Kartoffeln in/ dér/ Voché dazu, taeglich einsiebtelliter agermilch, und im Jahr 33 Eier. A ber jetzt bedenkt, wasein Carepakete e ntnaelt an Fett, an Fleisch, an Zucker, Kaffee etc. Na ja. Man kann natuerlich nicht P fund gegen Pfund setzen sonder muesste Kalorie gegen Kalorie rechnen, aber dazu sind wir mangels Kalorien Hicht instande das schaffen wir nachts um ein nicht mehr.A ber selbst diese Rechnung ist ganz lustig. Ihr koennt Euch also vorstellen, wie tief beglub wir ueber jedes Paket sind. Wir sind auch garnicht mehr stolz, dass es uns kraenkt, wenn uns Gaeste ein paeckchen 2 igaretten schenken oder einen 5 c Riegel S chokolade, nur denken wir immer, dass es Euch ja garnicht leicht fallen kann abzugeben, Ihr muesst es ja alles auch schwer erarbei ten, eben nur, der Unterschied besteht, dass man bei Euch wahrscheinlich die geschickten Dinge selbstversta endlich kauft, waehrend man hier von Geschenken zaehrt.( Han schreibt das ja mit e, vielleicht dachte ich aber an Z ae hre und schrieb es daher falsch. Nun aber genug von Essbarem, aber wenn man nie satt wird, sondern nach j jeder Mahlze it das heimliche Gefuehl hat," jetzt moechte ich was Anstaen diges e sssen", sind das eben welterschuetternde Probleme. Trotzdem muesst Ihr E uch nicht denken, dass wir jemals Truebsal blasen, dazu haben wir nie Zeit und sind auch viel zu aktiv dafuer. Und verstehen es bestim jede Situation lebenswert zu gestalten. Unser Zuhause auch ohne dicke Te ppiche und bequeme S elsel soviel A nziehendes fuer alle Freunde und alle Fremden. Und wahrscheinlich hast Durecht, dass wuerden wir verstehn in jedem Lande zu arrangieren. Denn in Berlin sassen bei Einladungen auch sogenannte Feine Leu te bei uns auf Polstern auf dem Fussboden. Die meisten Menschen sind ja gluecklich, wenn sie ihren angelernten Umgangston ablegen deuerfen. Dabei pflegt es naemlich bei wirklichen Kuenstlern nich etwa in dem inne Boheme zuzugehen, wie vielleicht geglaubt wird. 21 Sam 47 Wie schade, dass wir Euch das nicht demonstrieren koennen. Aber noch be steht fuer uns ja keine Change nach overthere. Wir wuerden eine gebotene C hanee natu rlich ergreifen. Und uns bestimmt drueben schnell durchsetzen, alle beide, denn Micha ist technisch aeusserst gewandt und wirklih be schlagen. Und beherrscht genug Umwege, die zu seinem Ziel fuehren. Sie he jetzt" P hotographik". Kann er mangels Papier die Zeitschrift noch nicht verwirklichen, so legt er sih eben das dazugehoerige Archiv an, inde er juurnalistisch mit einem Kameramann und einem Fotografen zusam menarbeitet. Wenn wir die 12 Jahre ucberstanden haben, werden wir auch die naechsten paar Jahre, bis man die schlimmsten Kriegsnachwirkungen ueber standen hat, durchhalten koennen. Und wem verdanken wir das? Die 12 Jah re de m" Fue hnzler", wie meine Mutti ihn aus Fuehrer und Kanzler kom biniert zu nennen pflegte, und das Durchhaltenkoennen Euch. Uebrigens hoffe ich meine Mutti als Gast im Maerz/ A pril herholen zu koennen. Ich miss dann einmal zu Bekannten in die Berge fahren und malen. Aus Paris bekam ich einige Blatt aquarellpapier, von Euch habe ich Farhen, jetzt muss ich unbe dingt wieder einmal malen. Meine Mutti muss dann Mike bekochen, sie kann es grossartig, auf baltisch- russische Art mit saurer Sahne e te. ie ein russisches Kriegskochbuch von 1916 schrieb," hat man kein Fleisch, nehme man S pe ck, tue ordentlich Butter in die Pfanne und brate den Speck goldbraun. Das kann aber erst wahr werden, wenn das Reiten nicht so schlimm mehr ist, denn bis Bad Pyrmont, wo meine Mutti im A ltersheim Neubethesda lebt, faehrt man eine Nacht und einen Tag, dort gibt es wegen Ueberfuellung durch Fluechtlinge bestimmt kein Bett, bedeutet eine zweit e durchwachte Nacht und zurueck die dritte. Das laesst sich nur in der war men Jahreszeit bewerkstelligen. Wie ueberhaupt hoffentlich vieles in der waermeren Jahreszeit doch durchfuehrbar sein wird. Ich habe zur Zeit eine reizende Beschaeftigung. Zweimal in der Woche k kommt dien 3 jaehrige kleine Franzcesin zu mir und zeichnet. Ein sehr talentiertes und bezauberndes kleines Geschoepf. Der Vater ist hier franz Verbindungsoffizier. Ich frische meine franz. S prachkenntnisse auf und amusiere mich grossartig. Dabei faellt mir eine andere herrliche Kindergeschichte ein. E iner Vier jaehrigen wurden Vorhaltungen gemacht, dass sie vor Tisch gar nicht mehr so schoen betet: Komm Herr Jesu, sei unser Gast" Worauf die Kleine meinte;" man kann den armen Herren Jesu doch nicht so oft belaestigen fuer solch ein Essen!"-- ielleicht kann ich Euch mal ein Feuilleton schicken ueber heutige Kinder und den Weihnachtsmann, das ein Freund von uns, walter A ub, schrieb Zahiekan. Daraus spricht der ganze Jammer Europas, dass naemlich die. Kinder nicht unbe schadet durch diese Zeit gingen. Mike laesst herzlich gruessen, der A ufbau von Fotographik, der zur Zei t noch neben dem Office laeuft, beansprucht seine ganze Energie und vor al lem Ze it. A ber bald schreibt er, selbst. Bis dahin tausend D ank fuer alles. Herzlichste Gruesse an E mil und Kacthe und D ich vor allem. Deine dankbare S chade, dass Joe nicht funktioniert hat, hoffentlich hat er nur aufgescho ben und nicht aufgehoben. ㅍ 27 Jan 47 Stief Kinder mit alten Gesichtern und Weihnachtsmann mit Bart, Pelz und feln.. A ugen, die in Naechten wach lagen auf irgendeinem Wagen, dru ueber eine elende S trasse fuhrmit einem S ack oder alten Koffer, weit h hinten die Heimat. A ugen die vor S chreck aufgerissen waren, wenn Maenn kamen mit Gewe hren und barschen Stimmen. Augen, die weinten, wenn der H Hunger weh tat und die Kaelte. Kinder mit vor Schrein ausgepraegten M Muendern/ unddWangen, die von Traenen eine gefallen waren. A us diesen Gesichtern spricht es Weihnachtsmann. A ber ihr Freuen und La chen ist nur ein Versuch/ und wenn ihre A ugen weit geoeffnet sind und mi ihrem Mund mitsprechen von dem A bend und von den Nuessen und A epfeln, reissen sie sie weit auf, wie sie es gewohnt sind aus den einsamen Naech ten ueber den Strassen. Wenn ihre Stimme spricht, birgt sich hinter jenem Erzaehlen der Schrei, nicht um eine kaputte Puppe oder din S chaukelpferd, der Schrei um den Vater, der ploetzlich umfaellt und tot ist. Und dann sprechen die selben Augen die an Toten vorbeigingen vom Weihnacht mann. E in Paar Nuesse und ein altes Bilderbuch und sie erzaehlen davon, als waeré es eine neue Welt, die hinter jenen Strassen liegt und nichts weissvon brennenden Haeusern und Vertreiebensein. Ihre kleinen mageren Ha Haende greifen danach, zerren an ihr, dass sie hier bleibt und nicht ebe a so au nichts wird, wie all die anderen Dinge. Und wie sie e raaehlen und voll Freude sind, tritt hinter sie eine alte Frau mit einem kleinen Kop f, um den ein Tuch so fest gebundeh ist, dass man glaubt, sie haette keine Haare. Sicher sind sie grau und so duenn dass man die weisse Kopfhaut an vielen Stellen sieht. Noch kleiner ist da Gesicht, mit winzigen Augen, einer ase, die nicht einmal Spitz istund einem Mund, der das Oeffnen verlernthat. Und Haende, kleine verkrueppele Haende, die in weiten antetaschen stecken, Taschen, die von altem Brot. so gedehntsind, dass sich die Haende verlieren. Wenn man sie auch nicht sieht und wenn sie versteckt sind, sie scheinen immer leicht nach vorne gestre ckt und haben hohle Flaechen, denn die A ugen sind von dem vielen Bitten so hilflos geblieben und lassen sich nicht verstecken, wie die Haende in den geweiteten Taschen. Fuesse, die in alten rissigen S chuhen verlernt haben auseinanderzugehen und nun zusammnebleiben, als wuerde n sie immer frieren. Und wie die Kinder vom Weihnachtsmann erzaehlen und sich ihre alten Gesich ter beleben, erstickt ploetzlich das Wort in ihrem und und sie fue hlen wie es ploetzlich ah sie herantritt, jenes endlose Wandern unter unter bedecktem Himmel, jener eiskalte Wind, der sich in die Wangen hineinfrisst und das Stehen und Warten auf Pahnhoefen und vor zerstoerten Bruekken. Mit ihren Haenden greifen sie schnell nach dem pfel, der auf dem Tisch liegt und ihre Augen hasten nach dem Bilderbuch, als fuerchten sie, die alte koenne sie greifen und mitnehmen. Und wenn sie auch schuechtern weitergeht und ihren klienen Kopf verloren in die Schultern zieht, sie bleibt, wie die aufgerissenen A ugen, der verzerrte und und die eingefallenen Wangen. Fritz und Maria 5.Dez. 46 2 Paar Schuhe, 2 P. Einlegsohlen Schuhcream, 2 Paar Socle n arbbaender Apricosen Feigen il Kaffee Seife Marzipan Zucker Tee den 17.Dezember 1946 • Meine liebe Maria, es war Freude in unserem Haus, zweimal besondere Freude in dieseme Monat.Einmal, als die Bilder hier ankamen. Das war ein Stueck von Dir, was Dich uns naeher brachte. Die Zeichnungen sind lieb und fein, sie sind wirklich neugeschaffen, sind viel mehr als Reproduktionen fuer mein Auge.Sie verlieren auch nicht an Leben durch die filigrane Feinheit der Zeichnungen und dass sie Emil gefallen hat er dadurch ausgedrueckt dass er sagte," ich moechte sie am liebsten in einem ganz schmalen Rahmen alle in eine Reihe haengen.Wir haben sie( die Bilder unseren Freunden gezeigt, wo sie Beifall fanden, ehrlichen, nicht nur so hingesagt.Kaethe freut sich mit uns.--- Die zweite Freude war Dein Brief. Doch kannst Du Briefe schreiben, fuer mich kannst Du es.Es ist wie eine Zeichnung.Wie schwer hast Du Dich mit dem CARE- paket abgeschleppt. Ich sehe Dich dabei.Auch das Unangenehme kommt schliesslich hinter uns und man kann eine story draus machen.----- Am Donnerstag abend will Joe Morrison zu uns kommen, ich bin gespannt. Vielleicht schicke ich diesen Brief erst nachdem ah. Es ist Dienstag abend.-- Wo lebt Deine Mutter?--- Fein ist der Sprung von der Kartoffelstory zur Kunstzeitschrift, Graphische Kunst und Zeitschrift und dann zugleich ueber das grosse Wasser. Natuerlich muesst Ihr an die Realisierbarkeit glauben, ohne Optimismus ist doch ueberhaupt keine Kraft da, Optimismus ist auch eine Schwester der Phantasie und ohne beides gibt es wohl kaum ein kunstlerisches Koennen.--- Aber ich glaube, auch Amerika wuerde Dich vielleicht in mancher Beziehung in mancher Beziehung angenehm enttaueschen. Es kommt auf die Menschen an.Auch hier wird es Neben grosser Steifheit und einer gewissen formalen Korrektheit in manchen Kreisen auch Moeglichkeiten geben, die ueberraschen. Es ist ein Land mit Demokratie des Denkens und Fuehlens.Und ich habe mir oft sagen lassen, dass man die Einladung zu einem grossartigen dinner dadurch erwiedern kann, dass man in sein moebliertes Zimmer nur zum dessert einladet.Unbefangenheit, Grazie, die Kunst auch aus einem arm eingerichteten Raum etwas schoenes und anmutiges zu schaffen die Kunst des Umganges mit Menschen, das sind( bei allen Unterschieden) doch internationale Eigenschaften und Menschen, die einander anziehen finden sich ueberall zusammen. Und Lebenskunst auch.Nur hat sie nicht jeder.Das alles laesst sich brieflich nicht erschoepfend ausdruecken, man muss sich dabei ansehen koennen und den anderen sofort hoeren.----- Wenn ich vom durchsetzen" hier in Amerika gesprochen habe, so dachte ich aber nicht daran, dass es irgend etwas mit der persoenlichen Eignung etwas zu tun hat( trotzdem ich jetzt sehe, dass ich vielleicht einem intuitiven Gefuehl gefolgt bin) aber ich sah einfach die verschiedenen Schicksale in meiner Erinnerung abrollen und kam zu den Schluessen nach den Berufsgruppen: Aus fuehrende Kunst und Kunstgewerbe auf der einen Seite und Zeitungswesen in Verbindung mit irgendwelcher Kunst auf der anderen Seite. Und dann bemuehte ich mich doch- nachdem wir die Fragen durchgesprochen hatten, ein guter, objektiver Ratgeber Und Gruss zu sein.----- Und Emil will ich sehr gut zureden, dass er sich Bilder machen laesst, dann sollt Ihr von jedem eins haben.--- Dein Brief ist schnell hier gewesen, er ging nicht ganz 4 Wochen.--- Das Zettelchen Heini and zeigt Euch an, was unterwegs ist. Auch die Farben muessen bald in Deiseinen Vater ner Hand sein, sie kommen besonders. Ich hoffe, dass sie richtig sind. anden Aber ich meine doch, dass Du uns durch Deinen Brief nun soviel naeher deutlicher geworden bist und auch wir freuen uns sehr auf das Kennenlernen durch sehen und sprechen. und ein gutes Weihnachtsfest und Neues Jahr für Euch beide. GANZ HERZLICH DEINE grasse M. Hi Die mein lieber Fritz will ich nur noch mitteilen, dass wir Deinen Brief vom 27.Oktober erhalten haben. Ich gehe aus Zeitmangel, nicht aus In- tresselosigkeit heute nicht darauf ein. Es intressiert uns alles sehr, um was Du Dich so heiss bemuehst und ich kann mir nicht anders denken, als dass Du doch zu einem Ziel kommen musst. Bitte halte uns weiter auf dem Laufenden. Dank fuer die diversen Verfassungen und Dank fuer den Sollmann-Brief, den ich ihm schicken werde. Ich kenne denßganzen Briefwechsel, also auch den Brief von Jean, der den Sollmannschen ausgeloest hat.S.wird sich sehr freuen, dass er solche Beachtung findet. Ich denke, er wird doch eines Tages fuer Vorlesungen herueber kommen. Heute bleibe ich mit ganz herzlichen Gruessen Deine grosse M„#, L. Fritz, l. Maria, ganz viel herzl. Grüße the und gute Münch. von Käle furer her Das machste Mal Schreibe ich mehr. Es eilt heut- Morrison kam nicht. Er telefonert, dann wurde abgemacht, wann er kommen Ist er ab. Schade. sollte und denn Aber vielleicht. babsightdese bestaatsnechi groedanig basensidre habbnzudnited mewatienten Heins hadigido brantablesde Saunders weichtet nine Heng undochio Koen Labbefbunkeroverbringen sb DEL AF de Der info bornbusadémi Sibras adreck in einer Kurve flash Dano schlaeftands wochenlang in den gleichen Laken, disvormingeds die Vater hat bereits einen aeschenbine Pneumotorax, A Junge schlaft mit ihm zusamme versagen. So man Laken hat. der Maria Roehl Menchen 9 Haselburgstrasse 6 Liebe Grosse Mutti, lieber Emil, den 15.1.1947 wir haetten Euch laengst wieder schreiben muessen, aber Micha kann sich nicht dazu entschliessen. Entweder muessten wir heuchen oder jammern, und da uns dieses nicht liegt, koennen wir nur schweigen. Nicht dass es uns besonders schlecht geht im Hinblick auf die Umwelt in der wir leben, aber es geht in keinster Weise vorwaerts. Das enttaeuscht und deprimiert. Wir muessen Euch erst einmal herzlich danken fuer das Weihnachtspaket. Wir duerfen gar nicht sagen, welch Luecken es fuellt, D. h. aufgehoben haben wir fuer Weihnachten nichts, es war in drei Tagen verschlungen, Uns voellig unbekannte Genue sse waren ja drin. Dabei fehltees durch die Kaelte bedingt sogar an Brot. Kartoffeln haben wir nur so schlechte, dass man in nor malen Zeiten nicht mal Schweine damit fuettern wuerde. Was soll ich a aber darueber schreiben, solange nicht grundlegende Besserungen komme ist es zum Verzweifeln, Mein Schwager ist tuberkulose-verdaechtig ins Hazarett eingeliefert worden. Noch weiss ich nicht, was ihm fehlt Der Kleine sieht auch wie ein Skelett aus. Wir haben keine Verwandte auf dem Lande, wie die meisten Bayern, weshalb Bayern wohl als das gelobte Land gilt. Trotzdem muss ich bei Berichten, dass man ohne A nstehen Gemuese bekommt, oder Fruchtsaft nach Wahl, nur laecheln. Ge muese gab es 3 Wochen im Hochsommer ohne Anstehen, da fast alle Gemuese im eigenen Beet gepflanzt hatten. Dabei nuetzt Cemuese in Wasser gekocht garnichts, wenn man aufsteht, ist man nur hungriger Und Saft gab es im Jahre 46 eine ganze Dose fuer 2 Menschen. koennte Heute habe ich meine Karten fuer 14 Tage abgekauft( bis auf Brot) Kocher fueguen anbegern anr einem faset vinkeiner Handtasche Platz. & Dies alles waer ja zu ertragen, wenn man einen Fortschritt sache. Mike hat noch keine Aussicht auf seine Verlagslizenz, es fehlt das Papier. Trozdem hoert er in office auf un d will versuchen, mit einem Fotografen zusammen mit Reportagen irgenwie Beruflich hereinzukommen. Ich kann und will nicht weiterschreiben, ich muesste sonst nachdenken und das fuehrt zu nichts. Wir Deutsche haben ja auch keinen Ueberblick und ich als Frau begreife die Zusammenhaenge vielleicht erst recht nich Der Bericht von Dennen ist fast zu rosig noch geschrieben. Vor allem danke ich Euch herzlich fuer die Farben, die mir von hier zugeschickt wurden. + Mike ist aus beruflichen Gruenden im Theater, kaum noch z m Vergnuegen. da die Theater ungeheizt sind. Trotzdem sind sie voll, da es zuhause ja auch kalt ist, und man im Theater auf Stunden abgelenkt wird. Ew ir muehen uns mit allem denkbaren Eifer und der noetigen A usdauer. Und wir bewundern Buren Einsatz fuer dies trestlose Deutschland. dioffantlich bringt der Frieden und die Aussicht auf Wiederaufbau, Das ist alles, was wir erhoffen. Selbst wenn der Zonenanschluss ersteinmal wieder laut AF N wohl eine Lebensmittelkuerzung bringen muss. Aus dem gelobten L and hoert man hier von Materialverknappung und Preissteigerung. Ist es irgendwo anders? Undere Nachbarn wollen auch En irgendein Land auswandern, das demokratisch regiert wird und wo ie Aussicht auf berufliche Freiheit( hier hindert die Not daran) besteht. Wir sagten uns bisher, wenn in der Welt ein allgemeiner Erieden einziehen wird, muesste man auch hier am demokratischen AufBauarbeit mitmachen koennen. Was uns aber nicht hindern wuerde jede uswanderung sghangaza parafonydd Latusteiger on Paul kanin enn wir irgendeinen eg und 368HP; wird Micha vielleicht faehig sein, zu schreiben. Bis dahin herzlichst Eure International RESCUE& RELIEF COMMITTEE INCORPORATED 103 PARK AVENUE, NEW YORK 17 2-7916• CABLE ADDRESS: INTERELIEF LEXINGTON HONORARY CHAIRMAN Charles A. Beard CHAIRMAN L. Hollingsworth Wood TREASURER David F. Seiferheld EXECUTIVE SECRETARY Sheba Strunsky IONAL COMMITTEE Luigi Antonini Roger Baldwin Abraham Bluestein Paul F. Brissenden Joseph Buttinger James B. Carey Stuart Chase George S. Counts Frank Crowninshield Margaret De Silver John Dewey Lewis Gannett Harry Gideonse James G. Heller John Haynes Holmes William H. Kilpatrick Frank Kingdon Freda Kirchwey Wesley C. Mitchell Reinhold Niebuhr John Dos Passos Cecilia Razovsky Victor Reuther Abba Hillel Silver Upton Sinclair Sterling D. Spero Monroe Sweetland Dorothy Thompson Oswald G. Villard Ingrid Warburg Samuel Wolchok Mrs. Marie Juchacz 339 East 173rd Street New York, N.Y. Dear Mrs. Juchacz: November 12th, 1946 You are invited to be our guest at a labor luncheon LABOR'S HOUR IN EUROPE at the Henry Hudson Hotel on Saturday, November 23rd at 12:30 P.M. At this luncheon the International Rescue& Relief Committee is honoring Luigi Antonini, Julius Hochman and Irving Brown, all recently returned from Europe. They will give off- the- record reports on the present activities of the European labor movement. We hope you will accept this invitation knowing of your already expressed interest in the problem of Europe's displaced trade unionists. Enclosed is your ticket. Please advise the IRRC office- LE 2-7916- that you will attend. Sincerely yours, Sheta Storumally Sheba Strunsky Executive Secretary Registered With The President's War Relief Control Board Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstrasse 6/ American Tel. 40 857 Zone 22. Bezember 1946. Lieber Onkel Robert, liebe Tante Ida, lieber Paul( Du als erster bzw.dritter, weil Du u s am deutlichsten in Erinnerung bist), und lieber Robert ud Georg nebst Familien, aus dem Datum dieses Briefes seht Ihr, dass Weihnachten vor der Tuere steht, dass wir mit unseren Gruessennund Wuenschen zu Weihnachten und zu Neujahr viel zu spaet kommen, aber dass wir zumindest in Gedanken auch bei Euch drueben sind, obwohl wir gar keine Vorstellung haben, wie es Euch allen im allgemeinen und im besonderen geht. Ihr habt damals die Bruecke wieder zu E mil und Mie geschlagen, weil ich eines Nachts zur rechten Zeit E ure Adresse traeumte und der gute Capt. Van Loon, der schon seit einem halben Jahr aus der Armee entlassen u d in New York ist, machte den postillon d'amour de famille. In diesem Jahr haben wir keine netten amerikanischen Freunde um diese Z eit, die von sich aus mithelfen koennten, dem Weihnachts- und Neujahrsfest einen freundlicheren Schimmer zu geben. Meine Vorgesetzten haben so viel mit sich selbst zu tun, u d inzwischen hat sich die Lage hier in Deutschland so geaendert, dass die wenigen Amerikaner, die die gleichen Interessen hatten wie wir, inzwischen entlassen sind, und dass wir mit den neuen Herren keinen intensiveren Kontakt bekommen, und auch nicht bekommen wollen. So werden Maria und ich uns alleine an unseren geschmueckten Baum setzen, an dem keine Kerzen sind, weil es in Deutschland keine gibt, wir werden uns Gutscheine an Stelle von Geschenken hinlegen: Gutschein auf ein glueckliches Ueberstehen aller Wiederwaertigkeiten, Gutschein auf einen beruflichen Erfolg, Gutschein auf alles das, was man sich gegenseitig wuenscht. Dann werden wir unser gebratenes Kaninchen aus der Roehre ziehen( icn nabe es mit viel Geduld bis in den kalten Winter hinein grossgefuettert), werden den aus einer Sonderzuteilung Gries kunstvoll hergerichteten Pudding hinterherwandern lassen, besonders schmackhaft gemacht durch eine Sauce aus Marmelade, die sich in einem Care- Paket befand, dann werden wir die bis jetzt sorgsam gehueteten Paketreste nahrh fter Art auf die zwei Feiertage aufteilen und uns den Magen verderben. Aber ganz so schlimm wird es nicht: wir haben unsere wieder ganz huebsch gewordene Wohnu g, hab en genug Holz und Kohle organisiert, um staendig we- nigstens ein Zimmer ganz warm zu haben, ich habe meine Arbeit im Office, so lange, bis ich meine eigene Verleger- und Veranstalter- Lizenz habe, und Maria macht bezaubernde kuenstlerische Arbeiten, hat z.B. vor einigen Tagen eine suesse Sickerei fertiggemacht, die Morgenroete auf einer rosa Muschel auf blauem, perlenden Wasser, das Ganze in einem Goldrahmen. Sieht wunderbar aus. Es gaebe be timmt einen Liebhaber, der es Maria abkaufen wuerde, aber es gehoert zu einem Z yklus, der erst ganz und gar fertig sein muss: der Morgen, der Mittag, der Abend, und die Nacht. Bis die Nacht fertig sein wird, feiern wir vielleicht schon wieder Weihnachten 1947. Aber sonst geht es uns gut, tausendmal besser als den Fluechtlingen, die in Lagern hausen,- tausendmal besser als den vielen, die keine Angehoerigen in Amerika haben und niemals privat ккk Pakete bekommen haben, wie es z.B. Mie, E mil und Kaethchen Fey in wunderbar ruehrender Weise fuer uns taten. Wo' doch die New Yorker bestimmt selbst nichts haben. Wir hoffen auf das naechste Jahr, und wenn sich auch dann noch nicht viel geaendert haben sollte, hoffen wir auf das uebernaechste Jahr. Wir haben das tausend jaehrige Reich ueberstanden, werden 1so auch mit den Truemmern dieser hinterlassenschaft irgendwie fertig werden. Das ist unser fester Vorsatz, mit dem wir, auch in Gedanken an Euch, ins neue Jahr 1947 gehen. Euch allen herzlichste Gruesse. schreibt einmal an Euren Anneliese Lehmann hat noch folgende Dinge zurueckzugeben: 1 1 1 1 1 1 1 1 Herrenhemd Damenbluse Paar Sockenhalter Hemdchen( von einer Damen- Garnitur) Unterrock Paab Damenschluepfer( slips) Garnitur Herren- Unterwaesche Sonnenbrille 1 Taschentuch Fett Nuesse 1 Stueck Seife 2. Paeckchen Kakao 1 Paeckchen Nudelsuppe Fritz und Maria ( direkt) 4.Nov. 46 1 Pfd, getr. Pflaumen 1 Ring Feigen 1 Paeckchen Feigen Pfd Cacao Bordens instant coffee 1 gezuckerte Milch 1 Pfd Butter 1 Pfd" Butterlinsen"( Bonbons) 3 Stangen" Tastyeast" 1 Pfd Mandeln loo Sacharin Tabletten 2 Zahnbuersten 1 Zahncream 1 Rasiercream 2 P. Rasierklingen 1 Alaunstein 1 Karton Chesterfield 1 Faar Struempfe fuer Maria 1 Paar Struempfe fuer Fritz. Maria Roehl, Muenchen 9, Haselburgstrasse 6, Ruf 40857 t 2013 Liebe grosse Mutti, lieber Emil, liebe Kaethe, stens to secon Wenngleich Ihr auch gar nicht wollt, dass wir uns ueberschwaenglich bedanken und grosse Worte mir auch gar nicht liegen, so muesste ich es dennoch tun, um Euch den Wert zu beweisen, den alle geschickten Dinge fuer uns haben. A ber ein russisches Bopné chwort sagt: nicht teuer ist den Geschenk, sondern teuer ist Deine Liebe. Und da wir aus allen S endungen die Liebe herausfuehlen mit der die Dinge besorgt und geschickt wurden, deshalb sind wir so geruehrt und dankbar. Ich habe so sehr lange geschwiegen, aber erstens ist Nchreiben Michas S pezialitaet( er tut es mit Wonne) zweitens habe ich Hemmungen an en schen zu schreiben, die es so gut koennen, meine Beziehung zuR Schrif gilt ja nur der Form nicht dem Inhalt. Und Drittens- die Zeit. Man muss sich wie ein Korkenzieher durch dieses" eben zwaergeln( ein richtiges Wort passt hier nicht hin). Bis man an das Lebenselixier ge lingt, sind immer noch einige Windungen zu durchwuergen. Man wird auch leicht verdreht dabei. A ber seit Micha wieder Ddarf" wuergen wir un s mit wildem Eifer und mit ausgesprochenem Vergnuegen durch das ach so komplizierte Leben. Dabei haben uns Eure Pakete wunderbar geholfen Wenn auch das Carepaket jetzt erst kam, das Gefuehl, es ist eins im Rollen, hat uns geholfen, wir haben daraufhin gewagt unsere fuer den schwierigen Winter zurueckgehaltenen Reserven zu verbrauchen. Inzwi schen ist auch das eine Paketvom lo Deeptember ingetroffen. Wir hab a gelebt wie im Frieden. Vom grossen Carepaket haben wir allerdings die Haelfte fuer Weihnachten vor uns selbst versteckt. Ich wuesste kaum, wie wir ohne diese Hilfe durchgekommen waeren, denn seit e tli chen Wochen haben wir keine Kartoffeln. Tran sportprobleme scheints --- E ben klingelt die Nachbarin: wir sollen unsere Kartoffeln beim L Lieferanten Helen. Auch dies Problem waere geloest. Der gute Micha kann sich also gleich mit Handkarren auf den Weg machen und die 5 Zentner Kartoffeln herschleifen. Leider laeuft unser Wagen noch immer nicht. Die deutschen und amerikanischen Dienststelen waren sich ueber die Zustaendigkeit noch nicht einig. Ein Drama war das A bholen des C arepakets. Es wiegt mit der festen wasserdichten Verpackung fast einen halben Zentner. Micha hatte kein Ze it. Bis 5 musste es geholt sein. Ich schleifte es bis zu einer S trassenbahn. die Anschlussbahn fiel wegen S torung aus. Es fing ploe tzlich an mit dem ersten Schneegestoeber, der natuerlich m mehr ein Eisregen war. Schliesslich, als ich patschnass war und es stockdunkel war, hat mich ein Lastwagenfahrer auf dem S choss alle anderen P laetze hatte er schon vergeben) mitgenommen. Er konnte ja nicht sehn dass ich nicht mehr 20 bin. Haette ich nicht gewusst was dies Paket uns bedeutet, haette ich geheult, so aechzte ich jubeln nach hause. Micha kam aus einer Premiere, in der er voll S orge an m mein Fortkommen gedacht hatte- und dann war bei uns Weihnachten. Ueber berufliche Dinge hat icha ja schon geschrieben. Inzwischen iind Vater und Sohn Hoppe ueber die S trasse in ein moebliertes Zimme gezogen.. Micha braucht unser drittes Zimmer als Redaktionsraum. Hoppes haben es drueben sehr nett. Die Leute sind nett, bei denen sie Wohnen. Und der Weg zu mir ist fuer Heini nicht weit Ich muss doch etwas auf ihn aufpassen, Vater liesse ihn zu leicht verschlamp a Z um Trostdafuer, dass ich von ihm verlange, dass er sich auch die -bed im A nzug nicht sichtbaren Teile des Koerpers waescht, bekommt er ein Butterbråt oder sonst etwas Gutes.Vater Hoppe ist ab ersten Janu ar zwar wieder arbeitslos, weil die Firman nach S tuttgart verzieht A ber da er von meiner S cwester einen Pelz verkaufen konnte, ist er nicht weiter beruemmert. Er will pausieren, da in der Schneezeit 3 die S trassenbahnfahrerei eine Kathastro one ist. Michas" ffice zieht erfreulicherweise hierher in die Naehe ins grosse gut geheizte Verwaltungsgebaede der Mil. Reg. Er kann dadurch fast eine Stunde laenger schlafen. Kann mittags nachhause kommen und ist kurz vor 6 zuhause, statt nach sieben Uhr. Und faehrt nur dr drei nicht ueberfuellte Haltestellen weit. Das bedeutet eine unglaub liche Kraftersparnis. Ich tue zur Zeit ja berurlich nichts, was mich restlos verschlingt. So habe ich Zeit fuer Haushalt und aehnliche Scherze. Dadurch dass M Nicha im Office eine markenfreie Mahlzeit hat und ich mehr Zeit fue A nsteherei habe und for allem durch Eure Hilfe haben wir uns wieder ganz gut erholt. Macht E uch also um unsere Gesundheit keine Sorgen. A uf jedenfall sind wir trotz schlnkester Linie wieder faehig so aktiv zu sein, wie es unser Lebensbeduerfnis ist. A llerdings geht e nur mit Hilfe von Kaffee, dass man durchscnittlich mit 6 S tunden S Schlaf auskommt. Amerikanische Gaeste bringen ihren Kaffee selbst m mit, meist bleibt dann noch ein Rest fuer die naechsten Naechte. Und eben Eure Pakete. Ihr seht, ich muss sie schon wieder erwaehnen. A Propos Kaffee. S acha Greiner ist ein leiblicher Vetter von mir. Russischer Emigrant seit 19. Frau Russin. Leben m. E. in sehr guten Verhaeltnissen. Ich habe weniger Beziehung zu ihnen. Will auch nichts direktes. Spaeter, wenn D acapo laeuft, ergeben sich vielleicht beruflicheIebegofchkeitenmeiñehluttde dhms selbsts schedébenird Als wir denenmehreEwuehntenewaenggenohickt ihebenreko4weniger euhindundamorhau denetzen, warsbir 39uthebésggbenkaffezdinferent dierementeelthmakran keunten.koennen. Joe M orrisey allerdings hat Ambitionen in Bezug a auf hier. Er studiert zur Z eit wieder Verwaltungswissenschaft oder Nationaloekonomie. Er ist 26 Jahre alt und aufgeschlossen und intelli gent und damals ein ruehrender Helfer gewesen. Ich habe ihm geschrieb ben.( Mein erster englischer Brief, ohne Lexikon und Michas Helfe, und nur mit einem Fehler.) 17. Nov. Sonntag morgen. Die Kartoffelholerei kam gestern dazwischen, zwar bekamen wir nur jeder einen Zentner, aber der Rest wird auch schon mal kommen. Dann kam ein Bekannter von uns, ein Gebrauchsgraphiker, der sich mit Mich a darueber unterhalten hat, ob Micha eventuell als Verleger auch eine Zeitschrift ueber die Graphischen Kuenste herausgeben will. Ihr seht wir haben viel Plaene, ihre Verwirklichung kostet bestimmt viel Kraft und Zeit, aber sie sind bestimmt realisierbar und zwar in nicht zu weiter Ferne.. Wenn also Micha von einem Tripp nach over there geschrie ben hat, dann meint er wirklich nur" Besuch".. Weil er Sehnsucht hat E uch wiederzusehn. Und weil wir immer gern und viel gereist sind, un Europa schon kennen. Aber wenn wir uns wieder neu settlen wollen, dann hier. Und hinueberfahren wollen wir nur mit einem gewissen Hin tergrund( Internationale Kunstzeitschrift, also mit einem geistigen Kapital in de Tasche( Ein anderes wird man nicht schaffenkoennen) Aber bei aller Pleite in Deutschland brauchen wir auf unseren geisti gen Standart nicht zu verzichten. Wir besuchen jede Premiere, jedes K Konzert, haben Verkehr mit Menschen, die uns anregen und die Format haben. Die irgendwie zur E lite gehoeren. Darauf wuerden wir nicht gern verzichten. Hier sind diese Dinge moeglich ohne grossartige Einladungen, ohne materielle Genuesse. Drueben kann das nicht moegl lich sein. Dort kann man einen Prominenten Mann nicht in ein primi tives ungeheiztes Z immer bitten, hier ist es moeglich. Ich glaube beinahe hier ist es leichter fuer Menschen unserer Art als drueben. Auch wenn man hungern muss. Wir muessen zwar Schlange stehen, Kartoffel im Karren heranschleifen, wir haben auch ein halbes Jahrgebraucht bis unsere Wohnung wieder heil war. Aber wir sassen derweil im eigenen G Garten in der Sonne. . . D.H. Micha und meine Assistentin reperierten das Haus, ich hatte al erste wieder Arbeit und verdiente Geld. E s mag also stimmen, dass Ihr glaubt, ich wuerde mich am ehesten durchsetzen. Meine kaufmaennis schen Talente kenne ich nicht. Aber ich habe immer Anschluss gefund den wie ich es wollte. Ohne aufs Geld zu achten das kam von selbst. Kamen loo Rm, hats gereicht, kamen 1000, hats auch gereicht. Ich hatte noch nie garnichts.( Kann auch mal passieren, aber ich glaube ich wuerde auch da einen Ausweg erfinden) Von meiner Mutti habe ich eine unheimliche Vitalitaet geerbt, vielleicht ein baltisches Erbteil. Wi weit die Gesundheit bei den Strapazengie man mitgemacht hat, mithaelt kann man nicht voraussehn. Trotzdem nehme ich das Leben nicht etwa le leicht, denn wir Balten haben ein schwieriges Gemisch in usn von preussischer Korrektheit und russischer Weite. Aber wahrscheinlich bin ich dann doch ganz anders, als Ihr Euch nun uaf Grund dieses Briefes vorstellt. Auf alle Faelle hoffe ich sehr, dass wir unsrecht bald kennen lernen. E ure Briefe haben mich ganz stark beeindruckt. Leider haben wir noch kein Foto von Euch allen.. Der Vetter Paul hat te eins dabei, auf dem E mil abegbildet war. A ber Bilder sind eben d doch nur Momentaufnahemn. Ich sehe auf jedem anders aus, wird behau tet, vielleicht weil ich mir z. B. vom Friseur jedesmal eine andere Haarfrisur machen lasse. Ich bin sehr" neugierig", nicht dass mich etwa anderer Leut verschlossene Schubladen reizen, in denen sowieso nie was Amuesantes drin ist, aber mich reizt das Neue, und ich will den wichtigen Dingen auf den Grund kommen, wieso und weshalb. Ich liebe Ue berraschungen nicht und Zauberkuenstler und Bricks aergern mich masslos, aufcallen Gebieten. So nun genug fuer heute, Micha will auch noch einen Gruss und Dank dazuschreiben. E s umarmt Euch alle voll Dankbarkeit herzlichst yb Eure E ntschuldigt bitte die Schreberei, aber die Maschine springt immerzu und dann kann ich es auch nicht gut, weil ich es nie getan habe, und dann ist es kompliziert, dass man viel schneller denkt als schreibt. Darufhin haben Micha und ich uns ausgedacht, in welcher Form in Kue r ze Briefetelefonieren koennen muesste, damit sie dann nicht 7 Wochen brauchen, und manstaendig alte Briefe durchwuehlen muss nach Fragen u und eventuell Verlorengegangenem. I hr lieben Guten, grosse Mutti, Kaethchen und Emil,- Maria hat soooo viel geschrieben, und ich koennte noch viel mehr schreiben, aber der heutige Sonntagsrest ist fuer geschaeftliche Erledigungen vorgesehen, die schon lange gemacht werden muessen.- Dieser Brief wird E uch vielleicht noch zu Weihnachten erreichen, vielleicht zwischen Weihnach ten und Neujahr: deshalb abschliessend herzlichste Weihnachtsgruess e Euch allen, einen guten neuen Jahresanfang, und ein folgendes Jahr mit E rfuellungen, wie wir alle sie uns wuenschen: Ihr drueben fuer E uren Aufgabenkreis, und wir hier fuer den unsrigen. Ein Bruchteil aller Hoffnungen wird sich erfuellen, hinter dem sich die Enttaeuschungen vielleicht verbergen, aber fuer uns hat immer nur das Gute gezaehlt.- Wenn am Heiligabend in unserem warmen Zimmer ein kleines Baeumchen auf dem Tisch steht, vielleicht sogar mit einer Kerze dran ( einen kleinen Stummel haben wir noch fuer diesen Zweck), dann werden sich manche gegenseitigen Gedanken finden, wir werden an Euch denken, an Lotte und Paul, an E ure und unsere Freunde, an Marias Mammi und ihre Angehoerigen, und dann wird es sehr versoehnlich durch die Welt klingen. Vielleicht koennen wir E uch zu Weihnachten sogar eine ganz kleine Freude machen. Mal sehen. Seid herzlichst gegruesst, in einem bald folgenden Brief werde ich auf vieles antworten und von neuen Moeglichkeiten erzaehlen, und seid bedankt fuer E ure grossen Herzen, Euer Warst Du bei Elisabeth Kaeser? Ich war genoetigt, ihr inzischen zu schreiben, weil ich einer Organisation gefaellig sein wollte. Dabei habe ich von Dir gespr chen. MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET NEW YORK 57, N. Y. den 1.November 1946 Fritz mein lieber Junge und liebe Maria, ich habe zwei Briefe vor mir, den, der am 6.9.von Dir lieber Fritz geschrieben wurde und den vom 20.September.Zum ersten Absatz, in dem Du von Euch- und in Verbindung mit Dir und Maria von Mutti sprichst Vielleicht sind noch in der Muenchner Bibliothek alte Zeitungsbaende erhalten geblieben, darunter" Die Frau und ihr Haus" woran Mutti seinerzeit-zusammen mit Frau Else Wirminghaus und anderen- eine Zeitlang mitgearbeitet hat. Ich-und Emil natuerlich- wir waren immer sehr stolz und froh ueber den klaren, gradezu klassisch einfachen Stil, den Mutti schrieb, sie konnte wirklich einen Artikel schreiben, an dem hinterher aber auch garnichts zu aendern und auszusetzen war, kein Wort war zu viel, kaum je war ein superlativ angewandt und wenn ja einmal, dann war es immer nur eine bescheidene und/ notwendige Unterstreichung, niemals mehr.In jedem Jahr erleben wir aufs neue-ohne davon zu sprechen- ihren letzten Lebensmonat, den damals tragischen Wahlkampf, dessen Ergebnis sie noch zur Kenntnis nahm, die Arbeit, der sie sich in diesen Augustwochen-in die ihr 42, Geburtstag fiel- noch tapfer unterzog.Sie war sicher schon leidend, niemand wusste es. Am Wahlsonntag, den 13.September brachte man sie ins Krankenhaus, und es waren 07 qualvolle Tage in denen wir wohl ihre grosse Not mit erlebten, aber niemand von uns sich bis zum letzten Tag diesen Ausgang vorstellte. Wir freuen uns, wenn Ihr gluecklich seid, man soll auch keine Stunde des Eng wa Glueckes versaeumen, wenn es irgend moeglich ist. Das sagt sich am Ende eines ausgefuellten( irgendwie ausgefuellten Lebens) und in der Erkenntnis des man weiss, dass es richtig ist. Alters, deshalb leicht, weil ************************** Der Brief, der von dem Inhaltsverzeichnis des Bei- pakets begleitet war, war vom 12. Juni und war sehr kurz.Ihr habt ihn, scheints, nicht erhalten. Das Wesentlichste daraus: ..heute bekommt Ihr wieder ein slip... hoffentlich laesst die Anlieferung nicht zu lange auf sich warten... Hoffentlich bist Du inzwischen von Deinem Ischias befreit...... hoffe dass in den Hosen des grauen .und dass Maria Anzugs soviel drin ist, dass die Laenge heraus kommt.. um alles tragen kann, was Kaethe fuer sie besorgt hat. Ich bin nicht faehig alles zu besorgen und bin froh, dass Kaethe sich in die Beduerfnisse drueben so gut hineindenken kann, sonst wuerden unsere Sendungen/ noch viel unvollkomdass wir alle Brief- und Bildersendungen mener ausfallen----- ich nehme an von Euch haben.... in einer stillen Stunde will ich durchkontrollieren. Es ist zwar alles beisammen, aber ich muss zuviel auf kleinem Raum verstauene- oder mei ne Korrespondenz ist fuer meine Verhaeltnisse zu gross, wie Du es ansehen w willst. Doch halt... eben als ich zum Schluss rueste fallen meine Augen noch auf eine Stelle Deines Briefes vom 25., in dem Du schreibst: Die Adresse von 60 Sascha Greiner.... Ich musste nun doch deswegen und weil mir die Zusammenhaenge so voellig fremd vorkommen, die Briefe durchgehen. Ich habe nichts darauf bezuegliches gefunden.So muss also mindestens ein Brief nicht zu uns sieh eingekommen sein. Du erwaenst auch Joe Morrissey, Jersey City? Bitte mal in Deinem" Archiv" nach, ich will es auch tun, habe mir die Stelle rot angestrichen... ****************** ***** So, dass ist im Telegramms til das Wesentliche aus dem Brief mit dem slip, Du wirst daran sehen koennen, ob Du ihn seinerzeit erhalten hast oder nicht.Aber Du siehst auch weiter daraus, dass mich die Adressensache dauernd beschaeftigt hat.--- Ich werde nun an Mr Sascha( oder vielleicht richtiger Alexander Greiner c/ o Steinway and Sons, 109 West, 57th Street, New York, N.Y. schreiben. Das haette, bei dem Fehlen sovieler Irrtuemer und verlorener Briefe schon laengst geschehen koennen.Wobei mir aber doch auch auffaellt, dass Ihr das viel schneller ohne mich erreicht haettet, denn die Forma Steinway and Sons in New York haette die Post sicher gefunden.---- Etwas weiteres lehrt mich * սւկ տսո IOA s տ nz) ա eule I ա զօ 8 գտ ll! ԱՅԱԹ ԱՅԱԱՅ սզ l ոց սսօ գտոտոյ I ոոԺ տԱ Յա ԴՅԱԴ ԴԺ * sun on p *** Je to be • -2Fritz und Maria 1.Nov.46 das Kapitel" Verlorene Briefe" auch noch: Man soll sich wiederholen und wenn man sich wiederholt, dann soll man dabei aufkommende Adressen und Tatsachen auch so wiederholen, dass sie vom anderen verstanden werden koennen. Nun noch zu dem " offenen Wort"( auf der ersten Seite Dures Briefes vom 6.9., ziemlich am Schluss: ich meinte damit, dass Maria eigentlich zum ersten mal die Frage nach Euren Beduerfnissen und der Art, wie Euch zu helfen sei, und( am besten) womit, offen ausgesprochen hat. Dafuer habe ich ihr gedankt. Das ist doch sehr einfach? Nun lass mich alles andere uebergehen( um noch alles sagst, ich denke wir haben uns gut verstanden Ich komme nun zu Euren Wuenschen, btr.des Herueberkommens. Es ist selbstverstaendlich, dass wir Euch gerne kommen sehen und dass wir alles das tun was wir tun koennen, um Euch die Erfuellung eines solchen Wunsches ermoeglichen zu helfen. Darueber brauchen keine Worte verloren werden. Aber es ist ebenso selbstverstaendlich, dass wir gemeinsam auch alle Schwierigkeiten besprechen. Wir haben es hier muendlich getan, Ihr habt es Euch dort vorgestellt. Nun muessen wir es gegenseitig schriftlich tun, nur dann mit Schwierigkeiten fertig werden.-- Zuerst ist es Euch klar, dass die Einreisekann man erlaubnis in Eurem Fall nicht leicht gegeben wird. Ihr seid keine displaced persons seid nicht juedisch usw.--Ich sprach mit einer einflussreichen Person aus den Kreisen der Quaker in Philadelphia( nahm eine Gelegenheit wahr) man hat mir gesagt, es sei jetzt fast unmoeglich.--- In einem anderen Fall hoerte ich als Auskunft( es handelte sich dabei um ganz nahe Blutsverwandtschaft, was den Fall an ich schon guenstiger macht) dass der Betreffende immerhin schon seine Anmeldung auf dem Konsulat versuchen( oder vollziehen?) godte, damit er dann, wenn die Bedingungen sich lockern, schon eingetragen ist.------ Dann zu den affidavits. Emil ist jetzt vor einiger Zeit regulaer eingewandert.Er hat dazu das affidavit von seinem Bruder Robert und dessen Sohn in Anspruch genommen.--- Ich schrieb Dir schon einmal, dass der Paul Kirschmann, der Soldat, der Euch damals von Wien aus besucht hat, sich dort in W.eine Frau angeschafft haben. Es ist eine funge Ww.mit einem 4 jaehrigen Kind. Der Paul hat schon die Fahrkarte bezahlt und man hat ihm beim Kauf gesagt, dass er damit rechnen koenne, dass die Frau-vielleichtsechs Wochen nach beendigtem Streik dort abfahren koenne. Aber hiermit ist Robert nun auch noch als affidavitgeber in Anspruch genommen. So koennen wir jetzt mit dieser Frage nicht an ihn heran.Aber ich halte das nicht einmal fuer die groesste Schwierigkeit den garant" zu finden, viel groesser ist doch die Schwierigkeit, die darin liegt, den Angehoerigen einer so total besiegten Nation schon Einreisemoeglichkeiten zu geben, noch dazu, solange noch soviele Bevorrechtete vorhanden sind. Ein Freund von uns, der schon sozusagen im Begriff ist wieder nach Deutschland zurueckzugehen, will noch gerne seinen in England lebenden Sohn, den er als Knabe dorthin gegeben hat und der inzwischen ein Mann geworden ist, vor seiner Abreise wieder sehen. Die Einreisemoeglichkeit wird seit einem Jahr ganz intensiv betriebis jetzt ohne Erfolg und der Vater hat sich entschlossen zu versuchenden Reiseweg ueber England nehmen zu duerfen, um den Sohn dort wieder zu sehen.Du siehst, hier handelt es sich um Eltern und Sohn.Dafuer hat man in USA sehr viel uebrig. Fuer angeheiratete Kinder und" Wahlverwandtschaften dagegen nichts, moegen sie tausendmal echter sein, als ganz enge Blutsbande.-- Nachdem ich anfange, in meinem Gedächtniskatalog zu blaettern, koennte ich noch Faelle aus unserem nachsten Bekanntenkreis aufzaehlen, aber Du glaubst mir ja auch ohne viele Beispiele.----- Also, die Quintessenz aus dem Vorgehenden ist: Eintragen lassen, versuchen den Buergen zu finden, und zu versuchen etwas weiter zu kommen und das Ziel zu erreichen, ohne sich in dortigen Berufs- und sonstigen Dispositionen dadurch stoeren zu lassen, aber auch ohne die Hoffnungen zu hoch wuchern zu lassen. ---- Nun komme ich zu den Berufsaussichten hier. Wenn" Einwanderung" moeglich ist, ist sie dem" Besuch" vorzuziehen. Der Zweck des Herkommens ist ja, sich umzusehen, ob ein Setteln und ein befriedigendes Arbeiten moeglich ist. Warum dann" Einwanderung"? Als wir z.B.1941 hier ankamen, war es den visitors nicht erlaubt erwerbstaetig zu sein. Das wurde, als der Krieg fuer USA da war, geaendert, kann aber doch jederzeit wieder in Kraft treten. Das ist nur ein Grund, es gibt mehr, will nicht zu breit werden. Wichtiger sind die Aussichten ueberhaupt. Dass man auch fuer hier essay on a sun чод pune e' Mit dem gezuckerten Obst, ist hier, nicht bei Else Pfau, etwas passiert, Du kannst nicht damit rechnen, aber es geht morgen( nicht satz dafuer) ein neues Pak an Euch ab.Siehe slip nur als Er-3Fritz und Maria, l.Nov.46 eine Wirtschaftskrise fuerchtet, ist Euch nicht neu. Dass sie kommt, scheint uns sicher, wie lange siedauern wird, wie gross sie sein wird, wielange ihr Ausbruch sich hinauszoegert, kann man nicht wissen, es sei auch nur nebenbei erwaehnt, dem kann man nirgends entgehen. Es ist natuerlich empfindlich, wenn das zusammenfaellt mit einem neuen Setteln.---- Aber---- Amerika ist fuer sehr viele ein sehr hartes Land.Es ist ein schoenes Land mit seiner Freiheit des Handelns, es ist ein .schoenes und beglueckendes Land mit seinem landschaftlichen und landwirtschaftlichen Reichtum, mit seinen Bodenschaetzen und mit seinen Schoenheiten. Aber es kann grausam enttaueschend sein fuer Menschen, die mit irgend welchen unerfuellbaren( fuer sie nicht erfuellbaren) Illusionen herkommen. Ich wir, haben natuerlich kein abschliessendes Urteil. Dass wir keine Verantwortung Tuer das Gelingen Eures Vorhabens uebernehmen koennen, wisst Ihr( wissen wir doch allesamt Ihr und wir) wodurch etwa eine Enttaueschung entstehen könnte) Dass wir uns bei Rat und Hilfe aber doch bis zu einem gewissen Grade mit verantwortlich fuehlen, wisst Ihr ebenfalls.--- Ich bin sicher, wir haben die Erfahrungen, die man hier machen kann, noch nicht alle ausgeschoepft, wir haben nur unsere Emigrantenerfahrungen, das ist schon sehr viel, das ist aber nicht erschoepfend. Wir koennen aber nur aus den eignen Erfahrungen sprechen, natuerlich einschlissl. denen der Freunde und Bekannten. Da sehe ich, dass Juristen, Schriftsteller, Nationaloekonomen, ueberhaupt sogenannte" freie Berufe" am schlechtesten weggekommen sind.Aerzte, die noch Energie uns Spannkraft genug haben, eine theoretische Wiederholung( wobei an das Gedaechtnis grosse Anforderungen gestellt werden) und Pruefung durchzumachen, koennen arbeiten. Juristen haben, waehrend der Krieg im Gange war, desk work" tun koennen, waren nicht sehr gluecklich dabei, weil es mit ihrer frueheren Arbeit nicht zu vergleichen war, die meisten von ihnen aber haben dann etwas anderes versuchen muessen. Einige wenige sind die Stufen der Verwendung hoch geklettert und sind( vielleicht!! auch, was den inneren Gehalt ihrer Taetigkeit betrifft) gut daran. Das Gleiche- nur noch in einem etwas unguenstigent Masstabe- gilt fuer Schriftsteller, die nationaloekonomisch, philosophisch, philologisch geschult waren und sind.-- Gluecklich derjenige unter den politischen refugees, der einmal ein richtiges Handwerk gelernt hatte und noch koerperlich ruestig genug war, um bei den Anfaengen seiner Jugend wieder zu beginnen. Schreiner, Metallarbeiter, vor allem Werkzeugmacher, Guertler usw. Ihnen kam der Krieg mit seinem staerkeren Bedarf zu Hilfe, sie behaupten sich auch heute noch. Die Anderen, die nur oder fast nur, geistig geschult waren, kamen, auch dann, wenn sie sich durch eine gewisse Geschicklichkeit und Handfertigkeit auszeichneten, xxx nur die xrkeit als ungelernter oder angelernter Arbeiter in Frage. Die Bezahlung ist entsprechend geringer. Ich will keine Namen nennen, aber unter unseren Freunden ist ein sehr hoher politischer Mann( aus frueherer Zeit) er arbeitet in einer Fabrik. Er gehoert nicht zu den am schlechtesten bezahlten, aber, da die Leute doch ihre( kulturellen oder civilisatorischen) Beduerfnisse nicht herabschrauben wollen, arbeitet die nicht mehr junge und auch nicht uebermaessig gesunde Frau auch noch mit.Ein Bekannter, Redakteur mit sehr kleinem Gehalt( es ist auch eine sehr kleine Zeitung mit kleiner Auflage) macht seine Arbeit im Umherziehen, dass heisst, er at redet monatelang im ganzen Lande herum in Versammlungen, die ihm von" agencies" organisiert werden. Das kann fuer zwei bis drei Jahre deshalb intressant sein, weil man das Land und seine Leute, die Lebensbedingungen in allen Teilen des Landes und die Mentalitaet der Bevoelkerung dabei kennen lernen kann, wenn man die Augen offen haelt und als freier Schriftsteller noch sehr fleissig dabei ist( sein kann) Natuerlich muss man dazu aber auch noch eine Reihe Vorbedingungen mit in dieses" Geschaeft" bringen, die nicht ein jeder hat.Ich lernte Aerzte kennen, die sich nicht mehr elastisch genug fuehlten, die in die Fabrik gehen. Ich kenne einen Arzt, der auch schon drueben nicht praktizierte, weil er wissenschaftlich und statistisch auf dem Gebiet der Gewerbhygiene und der sozialen Krankheiten arbeitete.Vor einiger Zeit traf Emil ihn als Depeschenaustraegerer er ist nicht einmal Deutscher, haette es insofern leichter haben koennen, wenn er frueher praktiziert haette, Pech. Das Bild wuerde noch viel plastischer wirken, wenn ich Dir den einen oder anderen mit Namen nennen wollte. Aber alle, die beim schreiben, jetzt an mir vorueberziehen, oder fast Fritz und Maria, 1.Nov.46 alle, sind nuechterne, klar denkende Menschen. Sie wissen, dass ihnen mit ihrem Hierherkommen das Leben gerettet wurde. Sie machen aus den Dingen das Beste. Was anderes ist es mit der Jugend, die hier noch Schueler sein kann und hin- einwaechst." Der Grad" und die hier abgeschlossene Bildung macht sehr viel, fast alles aus. Natuerlich gibt es bei allem, was ich aufzaehlte, Ausnahmen. Sehr gross §§ Begabungen, verbunden mit Glueck und der vielleicht erreichbaren Protektion haben in der Summe den"Erfolg" herbeigefuehrt.--Verstehst Du mich richtig? Ich will Dich nicht in eine Resignation treiben, dazu bist Du(an Jahren und sonst) zu jung. Ich will aber auch nicht, dass Du mit so grossen Erwartungen an- gefüellt bist, dass die Entäuschung nicht zu ueberwinden ist, wenn Ihr den Schritt tut. – Du musst ganz nuechtern wissen, wenn Deine Erwartungen sich nicht realisieren lassen, musst Du auch bereit sein, Dein"Share" in Eurer Kameradschaft mit Fabrikarbeit oder etwas anderem praktischen zu verbinden.-- Damit habe ich Dir aber auch die allgemeine Einstellung hier in diesem Land angedeutet. Man wuerde Dich ueberhaupt nicht verstehen, wolltest Du Dich neber ein Nicht- erreichen eines gesteckten Zieles beklagen-auch dann nicht,wenn Du es in die Worte kleidest,(ur als Beisiel genommen), dass man doch gerne etwas vernuenftiges tun moechte. Du hast es am leichtesten,wenn Du mit der Einstellung herkommst, dass Du eventuell als disheswasher oder als shoeblack Dein Brot ver- dienen xxxx und nicht dabei murren willst. Es ist auch etwas schoenes in dieser Achtung vor der Arbeit, wie sie doch deutlich spuerbar ist. Und wer dann die Kraft und Jugend hat, um daraus eine Tugend zu machen und sein eigentliches Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren, ist doch noch einmal gut dran.--Bei dieser Gelegenheit noch ein Beispiel:Eine Bekannte von uns, war drueben immer Se- kretaerin gewesen. Sie galt als besonders gut in ihrem Fach, weil sie mitdachte und infolgedessen auch selbstaendig handeln konnte. Das machte sie besonders wertvoll in ihrem Beruf. Solche Stellen gab es natuerlich hier nicht fuer sie. Vielleicht haette sie es auch geschafft(mit Geduld)hoeher ging ja ihr Ehrgeiz nicht. Aber um als Stenotypistin hier anzufangen, langte es bei ihr nicht. Es werden(in puncto sauberes Schreiben und Schnelligkeit) sehr grosse Leistungen verlangt, die sie nicht aufbringen konnte. Nervoeser Anschlag an der Maschine vertippen usw, ist nur fuer den Privatgebrauch zulaessig. Auf das Mitdenken der Auslaenderin aber kam es so wenig an, als auf ihr selbständiges Handeln. So hat sie, weil sie doch essen und wohnen musste, in einer Kleiderfabrik Faeden abge- schnitten, immerfort Faeden abzuschneiden macht truebselig. Das Buromaedchen in derwagencymaber war bass verwundert, dass unsere Freundin ihr nicht mit dem Ausdruck" of highest happiness about her nice job" entgegentrat. Auch dieses Maedel hat ihr Ziel erreicht, vorläufig wenigstens, aber sie ist auch nun 6 JHR im Land und das ist doch eine lange Zeit. Was anderes scheint es mir-wieder nach den Beispielen die wir erlebten-- mit Maria zu sein.Eine starke kuenstlerische Begabung, verbunden mit praktischen Sinn und handwerklichen Koennen, innerlich bereit es mit dem Kunstgewerbe geschaeftlich zu versuchen, mit ge- nuegend Ideen ausgestattet(wie es mit dem Geschäftssinn ist, weiss ich nicht, aber das koennte durch einen zweiten Menschen ersetzt werden, wenn man ver- steht ihn zu suchen-- wie es ja ueberhaupt nur Voraussetzungen sind, die ich hier anwende)da habe ich schon gesehen, dass Frauen mit Geschick, Fleiss und Ausdauer, etwas erreicht haben. Erreicht, damit meine ich, sie verdienen was sie brauchen aber ich meine damit noch viel mehr, sie sind auch zufrieden in ihrer Arbeit, die ihnen das Brot gibt. Und diese Arbeit ist auch nicht so auf- reibend, dass jemand, der dazu noch faehig ist, an seiner Kunstlerschaft weiter arbeitet? Besonders, soweit es sich um weibliche Kleidung, Schmuck und eventuel "kennen, kunstgewerblichen Hausrat handelt. Und wenn man sich immer wieder auf neue Dinge umstellen kann. Nach der Schilderung von Fritz-liebste Maria-muesstest Du ja dieser Mensch sein.—F—Auf alles andere in dem Brief von 20. Sept. gehe ich nicht ein, Wir haben es zur Kenntnis genommen. Wir sind auch froh darueber, dass-aus dem Vertrauen zu uns-Dinge des Erlebens von der Seelegeschrieben werden. Ich weiss, dass der Mensch damit so leicht nicht fertig werden kann. Wir wollen gerne, Dein Kamerad wird bestimmt dabei helfen.--Zum Kapit& C X vielleicht etwas mehr. F Mit Kunstzeitschiften habe ich, hier+ dort, keine Erfahrung. -5Fritz und Maria, 1.Nov. 1946 Baketsendungen noch etwas angeheftet ist ein slip. Fuer die Farben suche ich einen Weg, oder eine Gelegenheit.Etwas, was nicht zu den Lebensnotwendigkeiten gehoert, koennte unter den Begriff" commercial" fallen. Wir wollen Euch mit Verbotenem keine Unannehmlichkeiten machen. Deshalb kann man ja( nicht wegen" commercial" sondern wegen Verbot) auch keine Druckschriften und Bilder schicken. Troesten wir uns, die Zeit kommt auch. Aber-- fuer unsere bescheidenen Sendungen nicht ueberschwaenglich danken- bitte nicht. Auch nicht von spaeterem Ersatz sprechen. Materielle Dinge waren zwischen uns niemals Gegenstand der Eroerterung.Selbstverstaendliches geschah immer.Und menschliche Anstaendigkeit ist doch auch selbstverstaendlich. Wenn wir nicht mehr schicken, wisst Ihr, dass nicht Mehr moeglich war und ist. In diesen gewohnten Streifen passt auch die Kaethe-unser Hausgenosse- hinein.--- Auch von Kranksein sprechen wir nicht mehr als unbedingt notwendig ist, um unsere Freunde zu unterrichten.Mitleid auessern wir nicht laut, hoechstens zeigen wir Verstaendnis. Das geht oft mit einem eingeflochtenen Satz, vielleicht einmal mit einem guten Rat, wenn wir ihn geben koennen.---- Auf Lohn und Gegengabe wird- auch nicht leise- gerechnet. Dass wir untereinander- soweit wir Freunde sind- die selbstverstaendliche anversteht staendige Gesinnung und menschl.Handlungs faehigkeit voraussetzen sich von selbst.----- Sage dem Heinz, dass wir ihn ums Himmelswillen seiner Marken nicht berauben wollen, wir sind ja gar keine Sammler.Es wird mir Freude machen, seine kleine Sammlung zu bereichern, soweit das moeglich ist.Aber- auch in seinem Intresse wuensche ich, dass das CARE- paket nun endlich da sein moege. --- Ich haette mich gefreut, wenn Du, lieber Fritz, bei Paul eine Zeitlang Erntearbeit gemacht haettest.Als wir in Suedfrankreich waren, hat Emil, Kaethe und einge andere Mitglieder unseres Haushaltes im Mais und im Holz gearbeitet. Emil hat sich dabei wirklich gluecklich gefuehlt, er sagte, das gaebe so ein Gefuehl mit der Erde verbunden zu sein und dabei etwas ganz nuetzliches zu tun, was den Anderen auch zugute kommt. Wir Stadtpflanzen lassen immer die Anderen fuer uns arbeiten und dann schimpfen wir auf die egoistischen Bauern usw Unsere franzoesischen Bauern waren so menschlich anstaendig im Umgang mit uns, dass wir auch heute noch, immer mit Vergnuegen, von dieser Zeit sprechen.-- Paul, der ja kein besitzender Bauer ist aber trotzdem doch ein Bauer, weil er so mit seiner Arbeit verbunden ist, ueberrascht mich immer wieder aufs neue und sehr angemehm, durch seine soziale Einstellung, sein gesundes Urteil ueber die allgemeinen und die politischen Verhaeltnisse. Er ist in politischer Beziehung vollig ambitionslos, aber durchaus gesund.--- Die Kinder scheinen ihnen Freude zu machen und es ist ein Glueck, dass sie, wenn sie auch sehr einfach leben muessen, doch etwas mehr zu essen haben als der Durchschnitt. Von Lotte selbst weiss ich wenig, Paul schickte mir einen Zettel mit, den sie ihm schrieb.Danach hat sie Wohnungssorgen, wahrscheinlich drohende Beschlagnahme, wobei allem Anschein nach, die Sache schon lange schwebt und sie dauernd in Aufregung heelt. Das ist fuer einen Rechtsanwalt keine Kleinigkeit.... Aber von Else Meerfeld erhielten wir einen Brief:".... Wenn ich mit Lotte zusammen war, war es immer ein Glueckstag.Tapfer und treu hat sie alle Schwierigkeiten, Not und Tod dazu ueberwunden. Bei aller Hetze der Jahre ist sie ein feiner, frischer Mensch, der mitten im Leben steht, geblieben. Ihre treue Hilfe fuer Menschen in Gefahr, wird sich gewiss, so oder so, lohnen. Wenn ich in Bonn bin, fahre ich zu ihr.. Meerfelds wohnen in Bonn, Baumschulweg 25.Jean ist 75 Jahre alt. Rolf ist zum grossen Schmerz der Beiden noch in franz.Gefangenschaft.Leon Blum setzte sich schon fuer ihn ein, die Quaker haben allerhand mobilisiert, bisher vergeblich. Else schreibt auch, dass Ihr, Du und Rolf, sich fast einmal vor Jahren in Aschaffenburg getroffen haettet, Du aber musstest frueher abfahren.--- So mache ich denn Schluss.Herzlichst Euch beiden und ebenso Gruesse an Heinz und seinen Vater. Eure grasse Mutti Herzliche zunesse Käthe here. Weihnachts genſte fuce Enil. 11 * Du nennst den August Kirschmann ploetzlich Paul.Hoffentlich hast Dunicht sc an ihn geschrieben, vielleicht war es nur ein Schreibfehler in dem Brief an uns. 10.Sept.46 Fritz u. Maria_( direct) 1 Paar Schuhe, 3 St, Seife, 2 Pfd. Zucker, Pfd. Cacao, 1 Dose Sardinen, 5 P. Lucky Strike 2 Puddingpulver, 1 Dose Oel, 1 Pfd. Pfirsiche, Pfd. Schokolade, 5 verschiedene Gewuerze, 3 Instant Coffee 1 Care Paket bestellt am 30. Juli 1946 ( wahrscheinlich schon mal mitge( teilt.) den 30.Oktober 1946 x oder railroad Station, sie Fritz, mein lieber Junge und liebe Maria, XIX Soeben erhielten wir am Fruehstueckstisch den Brief vom 20 September Ihr seht, dass die Briefe von dort fast immer noch 7 Wochen unterwegs sind, waehrend beispielsweise der Postdienst von Hamburg und Bremen nur 4 Wochen in Anspruch nimmt. Da kann man nichts machen.Paul schreibt, dass er meine airmail in zwei Tagen hat.---- Der Brief vom 6.September kam vor einer Woche Nun gehe ich rueckwaerts mit der Bestaetigung der Briefe von Euch, das ist keine kleine Arbeit, aber sie muss gemacht werden, XXXXXX trotzdem ich das Gestaendnis vorweg schicken muss, dass alles, was nur ein wenig nach St.Bürokratius riecht, nur mit groesster Ueberwindung von mir angefasst wird--- Soeben faehrt durch unsere Strasse ein kleines Waegelchen. Es wird zwar durch einen Motor bewegt, aber es erscheint mir, gemessen an der kostbaren Last, die es traegt, doch winzig klein.Obenauf wehen wohl 30-40 kleine sar- spangled banner lustig im Wind.Sie kroenen ein ganz kleines Karussel mit winzig kleinen Pferdchen ausgestattet, dazu gemacht Zwei- allerhoechstens Oreijaehrige auf sich reiten zu machen. In der Mitte ist die Drehorgel.Sie halten damit an den Plaetzen, wo die Mutter und Grossmuetter mit den Kleinen in der Sonne sitzen. Es ist hier noch so warm, dass die alten Leute und die vorgenannten sich noch standenlang in der Sonne aufhalten koennen( sitzend) Die Luft aber ist noch gefuellt mit der beruechtigten" humidity", die das atmen so schwer macht. Das findet man in Europa nicht in diesem Mass.--- Zurueck zu den emfangenem Briefen.-- Da ist ein Brief vom 19.August.-- Du erwaehnst darin noch einmal Sascha Greiner, einen Alex W.Greiner habe ich jetzt im Manhattan- Telephonbuch festgestellt als: 325 E.57th Strasse wohnend.--- Ich gehe der Sache weiter nach. Greater New York hat wohl 6-7 dicke Telephonbuecher, davon bekommen wir regular nur das von der Bronx, wo wir wohnen und Anschluss haben. Die anderen kann man auf Bestellung und gegen Bezahlung bekommen, andernfalls steckt man sich einen Zettel ein und geht unterwegs in einen Drugstore Aber dies- deshalb in Klammern- nur als kleine Fortsetzung ueber postalischen Unterricht in einem frueheren Brief und nur zum Scherz Dann ist angekommen der Brief vom 14. Juli, in dem Du uns mitteilst, dass die Angelegenheit, die uns allen soviel Kummer machte, endlich zu Deiner vollen Zufriedenheit erledigt ist. Dann ist angelangt der Brief vom 4. Juli und ein kleiner Nachschrieb vom 5. Juli. Das betrifft die bestaetigte, leider nicht vollstaendige Sendung mit Hindernissen. Dazu wirst Du in diesem Brieden Durchschlag des Zettels finden, der damals nicht bis zu Dir durchgedrungen ist-. ( Ich klebe ihn auf diese Rueckseite.) Dann kommt, rueckwaerts geblaettert, ein handschriftlicher Brief, der von einer sehr depressiven Stimmung zeugt.-- Ich ueberfliege ihn und mache dazu noch eine akute Mitteilung: Ich weiss positiv, dass mehr mit der Beschleunigung und schliesslichen Erledigung Deiner Angelegenheit be fast war, als Du annimmst. Dass er mit Dir nicht einx gehend darueber korrespondieren konnte, Dir gegenueber auch eine sehr formelle Anrede gebrauchen musste, ist doch ganz klar und bedarf keiner Erkaerung.Du haettest ihm trotzdem ein paar Zeilen ueber die guenstige Erledigung schreiben sollen, er hat es verdient.--- Ich bin gerne bereit, ein paar Zeilen, die Du mir zuschickst, weiter zu leiten.--- Dann folgt der Brief vom 13. Juni, in dem Du einen Brief, den Du am 25/26, den Du verloren glaubst, zum groessten Teil wieder gibst.Auch die Anlage eines Briefes an R.K. vom 9.Juni ist in meiner Hand.Copy natuerlich. Nun kommt ein Brief vom 26.Mai, doch halt! Zuvor ist der liebe Brief von Maria an mich vom 11. Juni zu registrieren, auf den ich in meinen Briefen an Euch immer nur indirekt einging. Ich wollte ihn nicht direkt erwaehnen, weil mir Maria geschrieben hatte, dass Du davon nichts weisst. Nachdem sie es Dir aber gesagt hat, erwaehne ich ihn hiermit ebenfalls. FVom 28. April ist der kleine english a Brief, MMMXX, der mir soviele Unruhe machte, weil der laengere, vom 25 nicht 26 April, allem Anschein nach frueher abging aber hier sehr viel spaeter einlief. ( Siehe 9 Zeilen vorher) in diesem Brief) Nun bleibt nur noch zu erwaehnen ein Brief vom 22.2., einer ohne Datum aber mit Poststempel vom 15.2. und Dein erster Brief vom 19.12.Dazu kommt noch der B.an Robert, den Du uns in Abschrift schicktest, er ist vom 29.1. FAber das ist schon nicht überall. eine Wiederholung 2401 Todox0.00 deb siteli edot bau sanul redeli niem, sti redmete os ov el neb dostaxoeudedeu me tw netleide medeo XXX bala agowiednu grofoodoon nommt daal drobnov oteli ob easb, idee uII nenool A un temer bau gudma nov danet od 80 reb eaisaloigeied breTeaw dedor 108 60.0 Nougan ni ein Anzug( in Beinen und Aermeln ist soviel drin, dass sich auslassen lohnt.) ein Schlafanzug( zum dotlachen) zwei Paar Slacks drei Hemden, X zwei Polohemden, ein Kleid, eine Blouse,+ eine Wolljacke, ein Strumpfbandguertel, ein Paar Struempre,( Nylons!!!!) ein Paar Sockenhalter, zwei Paar Schuhe, vier Paar Socken, eine Kravatte, ein Paar Handschuhe, X eine Garnitur( Hemd und Hose, warm) ein Unterrock, drei Paar Unterwaesche( Herren) X zwei Hosen, 1X X ein Buestenhalter, 1 x eine Sonnebrille. zwei Paar Strumpfschoner, secks Taschentuecher, 1x eine Wachstuchschuerze, ein Paar Shorts, Stopfgarn, Knoepfe, fuenf Karten Druckknoepfe, eine Karte Stecknadeln, zwei Paeckchen Naehnadel: drei Paar Schuersenkel, drei Gummiband, zwei Traegerband, drei Karten Knoepfe, eine Karte Hak und Oesen, acht Naehgarn, vier Paeckchen schwarz Kleiderfarbe, vier Paeckchen, Farbent faerber, Schokolade, Backpulver, Fett, Nuesse, Kaffee, 1X vier Stueck Seife, ein Paket Seifenflocken, ein Paket Seifenpulver, ein Karton Chesterfield( zehn Paketchen, ein Rest Stoff, Kaese, Trockenmilch, zwei Dosen Zitronensaft, eine Dose Wuerstchen, vier Paeckchen Kakao, zwei Nudelsuppen, x Schoenen Gruss und guten Appetit, Mutti Kaete Emil Jed negeT tows ni Itsm ad1esloot not eneg M mela neda, Jisdik ente EX ofdoe gewTOV ainbлee$ 290 286019 1 rud doeln au His 928 91ean Houb niedobre ao 100s.wed Usnedo.ntelsatsaw foob te nest, but m Homey usb, JeBase 1e3ebal.nedfoam Us MacOID DATE ID OF La eto gab, mis oa doon A not fattusе ендос теб пі Dimestidosuted teb Embasin nt Jhola co DO-- Jaus.Q1 mov 191 8 doi edad remisi. xel ennow eaa12.24898 Iel ssib- Idow Jel bm nendow iw ow, x01 foxed guidesed messy bru nouto ni 2591T9JAU dey fstaoq ieder austeatio s Jar ans( do s Ite tiedebeintu nelLov Diodos romtet te bnu Bee egtbnsstellov doin alerte aeb gainoans100 easib toe tuli edsIx NoI 1818 18dopebmar fosni bay and egetitiodsd ted disilmegetegna remis ogastrol redeurs broren* etaeum meiosides 96914 9 mebstoff milt Jastfeed netbiov es tan to hellce fel usted low, dalotieaus as me uneb, teft nonte 19 03eInAsib mounted.ts nie Jauno r.dot II mov dom na shis nov Jei un emot doux Added nedolidsaeg stell to endeswie, Jad gaz .19inle tedesca Leiv Idee Told Teds 3aigde Toner noan nionoena melle.Ides ats nemesWIS US Hoon un disid nu( to easibai( Tentov noffe edele. 193819 nie bnu.9.81 nov Jeqriedam rede his enfo Tente,.8.88 mov 191 -odoe toadA ni aasbredo me.va tab foon Jamon use.SI.CI mov tetr 1.es mov dal to. xxxxx -2- 30.Oktober 46 Uff-das war eine Arbeit. Folgen meine Briefe. November 5.45--Nov.6. von Emil 14. November.-- 10. Jan.-- 19.Jan.-- 22. Maerz.-- 17. Mai, da bestaetigte ich, dass der Brief vom 25. April nun angelangt sei, 14. May, in dem ich den engl.geschrie benen Brief bestraetigte und den vom 25. April vermisste, wodurch wir ueber die Art Deiner Erkrankung beunruhigt waren.-- Der Brief mit dem Datun 17.Mai war aber verspaetet abgegangen, wie ich im Brief vom 12. Juni auch bemerkte. Dann folgt einer am 28. Juni, dann vom 23. Juli, vom 16. August--28. August erster Luftpostbrief--(der nach Deiner Mitteilung erst am 19. Sept. zu Euch gelangt ist(was hat dann airmail fuer einen Wert, findet Ihr nicht auch?) folgt als- dann ein Brief vom 12.September, der auch als Luftpostbrief abgeschickt wur- de. Die Pause bis heute ist wider willen etwas lang geworden. Als ich aus meinem Sommeraufenthalt zurueck kam, musste ich in Sachen Arbeiter-Wohlfahrt gleich nach Chicago fahren-inzwischen war ich in Pendle Hill, das ist eine Quaker- schule im State Pensyvania(nicht so sehr weit, aber in der Provinz) dort ist Sollmann politischer Lehrer an diesem ganz internationalen Institut und ich hatte dort einen Vortrag(ebenfalls ueber Arbeiter-Wohlfahrt) Meine gesamte Sommerkorrespondenz harrt noch der Einordnung und es ist durchaus moeglich(zwar nicht wahrscheinlich) dass sich da ein Zettelchen(unsere Korre spondenz betreffend) verkruemelt hat) Ich habe das immer gesondert gehalten. Aber ich habe in den"Ferien mehrere hundert Briefe und reports geschrieben, Das letzte nur zur Illustration gesagt. Inzwischen laufen natuerlich neue Briefe ein, alte sind noch unbeantwortet geblieben und aus der organisato- rischen Arbeit ergibt,sich automatisch neue Schreiharbeit.Das Lesen der Zeitung will ich auch nicht gern versauemen, nicht gerne, aner es geschieht jetzt doch schon mal. Ich bin nun die ganze vor mir liegende Post durchgegangen. Im Brief vom 25. April finde ich das erste Wort ueber Greiner:"Die Adresse von Sasché (Alexander)Greiner, einem Vetter von Maria, die ich Euch mitteilte, muss noch stimmen, denn angeblich hat er bereits Verbindung mit Marias Verwandten. Nur scheint da etwas mit den Vermittlungsadressen nicht geklappt zu haben. Und unser Freund Joe Morrisey aus Jersey City? Habt Ihr schön einmal dorthin gefuehlt?" — Dann folgt eine Stelle im Brief vom 19. August, nachdem Du festgestellt hast, dass uns beiden zwischen durch Post fehlt:"Die Anschrift des Vetters von Maria, Sascha Greiner, Direktor bei Steinway and sons habe ich mehrfach mitgeteilt."-- Das sind die beiden Angaben, die mich nicht veranlasst haben, etwas zu tun, es fehlt da sicher zwischendurch eine wichti- gere Mitteilung, sonst waere etwas gesehen.(Aber siehe erste Seite dieses Br. Ich wills jetzt versuchen. In dem gleichen Brief steht aber auch die Adresse von Mr. Gerard, Willem van Loon, ich will auch versuchen mit ihm in Verbindung zu kommen, hoffentlich gelingt es. **^ x^ x x x^^ x xx x^ xx x xx^ x Dieser Brief XXX(19Aug.) hat uns viel mehr dadurch beschäeftigt, dass Du davon geschrieben hast, dass Ihr beide mit Eiterbeulen und Maria auch mit Ohnmachten zu tun habt. Ich kenne, wir kennen das aus den diversen Berichten und wir waren neben unserer Unruhe um Euch doch froh, dass das CARE-paket bestellt war. // Du hast Recht mit dem Streik, das"Opfer" besteht aber in der/Zeit- ankommen diese Pakete bestimmt einmal. Wir haben jetzt eigenhaendig unterschriebene Quittungen aus Frankreich in der Hand gehabt. Das hat 5 Monate gedaueret, bis der Absender mit diesen Quittungen benachrichtigt wurde. Der Betrieb ist aber sehr ordentlich, bis jetzt noch langsam, I verlorenen II am 30. Juli ein direktes Postpaket ist am 10. Sept. auf gegeven. Kaethe ist uns ein lieber Hausgenosse, ich moechte, dass Du sie moeglichst immer mit einem freundl.Wort erwaehnst.Das ist nicht leicht, fuer ul ist sie ein Aber versuche einmal Dir einen huebschen, frischen Begriff, deshalb fliesst es ihm natuerlich zu. Menschen v zustellen, der in jeder Beziehung ein Mutti t H -3inzwischen 31.Oktober Die ersten beiden Seiten sehen entsetzlich aus, soviele Tippfehler hab ich gemacht.--- Einmal habe ich auch ueber irgend einen Freund ein Bild von mit an Euch geschickt, das weiss ich genau, ich kann aber trotz allen Suchens nicht feststellen an wen es war.Es war eine gute- nicht retuschierte Laienaufnahmen. Emil und Kathe Fey waren nicht gut geraten, deshalb unterblieb die Sendung. Da Du das Bild nicht bekommen hast, muss das-zusammen mit den anderen nachgehe geholt werden. Auch die Farben fuer Maria, die ich durch einen befreundeten Maler besorgen lies, weil ich nichts davon verstehen, liegen noch hier.Auch an die versprochnen Farbbaender denke ich. Nun bitte ich Euch um einen Gefallen: Sprecht nicht, oder hoechstens so obenhin und im Tone der Hoffnung von Emils Krankheit. Damit Ihr Euch den Kopf nicht mehr zerbrecht und nichts geheimnissvolles dahinter sehen braucht das Folngende: Es ist eine Arteriosclerose, das heisst eine Erkrankung der Arterien, der XXXXXXXXXX so wichtigen Gefaesse. Das hat Nieren und Herz ergriffen, das letztere weniger. Das sind einfach Abnuetzungserscheinungen im normalen Leben beginnt das und endet oft in hohem Alter ohne zu grosse Beschwerden zu machen. Wenn man-wie Emil- durch Temperament und Ueberarbeit dauernd mehr Kraft ausgibt, als man wieder ersetzt, tritt ein solcher Zustand frueher ein und entwickelt sich schneller.Dann wird er gefaehrlicher.Bei Emil sind es ( nach aerztlicher Meinung) drei Umstaende, die der Krankheit" foerdernd" nachhalfen. Erstens, die verhaeltnismaessige Jugend beim Beginn, zweitens die beosonderen Strapazen in der Emigration, drittens, das hiesige Klima. Dem letzteren wird die groesste Wirkung zugeschrieben.-- Ich kenne eine ganze Anzahl feinnerviger, besonders intelligenter Leute aus unseren Kreisen, die ganz яploetzlich und aus einer fuer den Laien nicht sichtbaren Ursache ausgeloescht Swaren.Ausserdem ist das auch fuer" Eingeborene Amerikaner" keine seltene UrPsache, wie mir Emils Arzt versichert, er kennt aus eigner Anschauung 30 jahrige mit fatalem Ausgang.---- Aber bitte, bitte, schreibe nichts darueber.Emil ist doch ein intelligenter Mann, der seinen Zustand erkennt, sich natuerlich, wie alle Kranke, wenn es wieder mal etwas besser geht, einer neuen Hoffnung hingibt. Und Hoffnung ist das einzige, was ihm das bischen Dasein ertraeglich macht. Auch kann er kein Mitleid ertragen, das regt ihn auf. Er ist in staendiger Beobachtung und Behandlung von zwei uns berfreundeten Aerzten, die auch in der Richtung" Hoffnung und Zuversicht" einig sind und uns so instruieren. Das darf nicht von aussen gestoert werden, auch nicht in der besten Absicht. Dass das nicht leicht ist fuer mich, nehmt zur Kenntniss, ohne darauf einzugehen. Und warum soll ich mir Sorgen machen( meinetwegen) wegen morgen? Und etwa gar darueber sprechen? Das ist ueberfluessig. Emil bekommt dieses Blatt nicht zu sehen.Morgen gehe ich auf auf Deine Briefe vom 6.und vom 20.September ein, da wird er dann wahrscheinlich einen Gruss anfuegen.-- Wir haben die Frage Eurer Einwanderungswuensche von allen Seiten besprochen, das konnte ich nicht so aus dem Stegreif behandeln. Das Kennt morgenren. Ich habe so verstanden: Alexander( Sascha) Greiner ist ein Vetter von Maria, mit dem sie in Verbindung kommen moechte. Ich werde ihn ueber die Firma: Steinway and Sons mit einem kurzen Brief zu erreichen suchen.-- Das ist mir nun in Zweck und Persoenlichkeit ein Begriff, dann tue ich es gerne.Aber an leine so bekannte Konzert- und Piano- Firma haettet Ihr doch ruhig schon laengst schreiben koennen, sie als Adresse fuer einen ihrer leitenden Leute benuetzen koennen. Das waere auch ohne Strasse und Nummer gegangen." Steinway and Sons, 109 West, 57th Street, New York, N.Y.--- Auch van Loon ist mir ein Begriff, ich hoffe Zeit zu finden an ihn heran zu kommen. Aber in welchem Sinne ich z.B. an Joe Morrissey schreiben sollte, von dem ich keinen Beruf, keine Taetigkeit weiss? Das einzige waere, ihm einen freundl.Dankbrief zu schreiben, inspiriert durch die wenigen Zeilen in Deinem Brief vom 20.September mit den mageren Bemerkungen.--- Wenn ich Dir damit nuetzen kann tue ich es sehr, sehr gerne.Wenn ich auch Dir sage, meine ich natuerlich immer Euch. Also, die Ergaenzung bekommst Du, Ihr in einem richtigen Antwortbrief auf Eure letzten beiden Briefe und von diesem wird, direkt, nicht erwaehnt. Mit allen guten Wuenschen Eure grasse Mu H, Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstr.6, 40 857 27. Oktober 1946. Meine liebe grosse Mutti und lieber Emil, diesmal ist sehr, sehr viel Zeit vergangen seit meinem letzten Brief vom 20. September, was weniger an Schreibfaulheit lag, als vielmehr an der Fuelle von Arbeit. Die Zeit ist so schnell vergangen, dass wir jetzt auf einmal hier im beginnenden Winter stecken, mit ersten Nachtfrosten, mit Heizen- muessen und den vielen anderen Dingen, die ein Winter beschert. Als ich Euch am 6. September schrieb, war der erste Luftpostbrief von Euch vom 28. August noch nicht da. Er brauchte 14 Tage. Ich will zuerst auf ihn antworten. Du schreibst, dass einige Post an uns unterwegs ist, aber es kam nach diesem Brief vom 28. August nur noch ein weiterer Luftpostbrief vom 12. September, der nur zehny Tage brauchte, also am 22. September hier war. Den ersten air- mailBrief habe ich an sich am 20. September schon beantwortet. Ich muss korrigieren, dass ich nicht an Paul Kirschmann nach Idar- 0. schrieb, sondern nan A ugust. Ich glaube, ich machte diesen Fehler zwei Mal. Den Trip ueber die geoeffnete englische Grenze zu Paul in die franzoesische Zone kann ich im Augenblick nicht machen, danich keinen einzigen Tag entbehrlich bin. Paul hat mir mit zwei Zeilen geantwortet, hat also meinen letzten Brief erhalten. Von Lotte habe ich nichts gehoert. Sie bekam ebenfalls einen langen Brief. Zu Deinem 2. air- mail- Brief vom 12. September: ich werde mich im Laufe der naechsten Zeit mit allen Menschen, die Du erwaehnst, in Verbindung setzen. Teilweise werde ich sogar beruflich dies oder jenes mit ihnen zu tun haben. Toni Pfuelfs Schicksal war mir beIcannt.- Von den Quakern hat sich noch niemand an mich gewendet. Es ist eine Kommission hier gewesen und hat Schulen und andere Einrichtungen in Bayern besichtigt. Ich erfuhr aus der Presse, nachdem die Besuche stattgefunden hatten, konnte also nicht mehr feststellen, ob es sich bei dieser Kommission um die Quaker handelte, die sich an Sollmann wandten. Um aber in Zukunft solche Vermittlungen zu erleichtern, gebe ich meine dienstliche Anschrift an: Information Control Division, Intelligence, Munich Detachment, Hubertusstrasse 4, Munich, Tel. 35 084/85. Mein Team Chief ist Mr. Hans Lynd. Sollte aus irgend einem sehr dringenden Grunde eine schnelle Nachricht an mich gehen muessen, ist er bestimmt genau so gerne bereit wie seinerzeit Gerard Willem Van loon. Habt Ihr mal von ihm etwas gehoert? Er ist in New York, ich schrieb ihm einmal, bekam aber keine Antwort. In den naechsten Tagen muss ich ihm sowieso ausfuehrlicher schreiben, weil die Erteilung von zwei Lizenzen an mich in greifbare Naehe gerueckt ist: einmal fuer eine Theater- und Konzert- Direktion, und dann die Verlag slizenz fuer die internationale Kunstzeitschrift. Beruflich hat sich fuer Maria insofern etwas geaendert, als sie ihre Mitarbeit als Buehnenbildnerin beim" Bunten Wuerfel" eingestellt hat. Die beiden leitenden Herren dieser Kleinkunstbuehne haben scheinbar kein Interesse daran, ein gutes Kleinkunstprogramm zu bieten, sondern wollen mit unterdurchschnittlichem Niveau moeglichst viel Geld verdienen. Und da Maria ihren guten Namen nicht aufs Spiel setzen will, hat sie kurzerhand aufgehoert, was sie ja auch konnte, weil ich wieder einen job hatte. Dieser job hat aber insofern einen Haken, als ich zwar seit dem 5. August bei der ICD arbeite, bis heute aber noch keinen Pfennig Geld bekommen habe. Da die Bearbeitung meiner Einstellung bei ICD bis zum 18. September dauerte, soll ich nur ab 18. September bezahlt werden. Ich haette also anderthalb Monate umsonst gearbeitet. Mal sehen, wie das auslaeuft. Nur: unsere Kalkulation wurde, da wir von der Hand in den Mund leben, umgeworfen, der Wirt hat keine Miete bekommen, verschiedene andere Loecher sind noch offen, aber die werden wir schon zustopfen. Das ist unsere geringste Sorge. Die groesste Sorge ist - 2- . und bleibt E mil, und da Du seit dem 12. September nicht mehr geschrieben hast, sind wir nur noch unruhiger. Und das ist- ganz offen gesagt der Hauptgrund, weshalb wir seit dem 20. September eine Schreibpause machten. Euch in jedem Brief zu schreiben, dass auch von Euren Paketen nichts angekommen ist, haette Euch ebenfalls zusaetzlich noch mutloser gemacht. Aber gestern bekamen wir eine Mitteilung von der Caritas, von der die Care- Pakete betreut werden, dass wir von Emil Kirschmann, N.Y., unter der Nummer 115897 ein Liebesgabenpaket erhielten und es abholen koennen. Heute war Sonntag, morgen gehe ich dort vorbei. Es scheint das Care- Paket zu sein, das Ihr im Juli in Auftrag gegeben habt. Das haette dann sehr lange gedauert. Wir werden sofort einen zweiten Brief hinterherschicken mit einer genauen Beschreibung unserer Freude, aber die dreimonatige Vorfreude war fast genau so schoen. Ich habe inzwischen mit Mr. Norden, dem Chief Editor des amerikanischen, in deutscher Sprache herausgegebenen illustrierten Magazins" Heute", Fuehlung aufgenommen und mich sehr gut mit ihm unterhalten. Er erbat sich Vorschlaege ueber die Ausgestaltung der Zeitschrift, ich setzte ihm einige Themen und grundsaetzliche Dinge auf, und er hat sich gefreut. Am liebsten moechte er mich zum 1. November in die Redaktion von" Heute" holen, weil er meint, dass ich mit meiner Verlagslizenz doch noch nicht sofort etwas anfangen kann, weil kein Papier da ist. Vielleicht hat er recht. Auf jeden Fall soll ich mit einem mir befreundeten Fotografen in freier Mitarbeit, die sofort beginnt, einige von mir vorgeschlagene Themen inszenieren. In der kommenden Woche wollen wir damit anfangen. Dann hat mir der kaufmaennische Direktor des" Bunten Wuerfels", der sich in Nuernberg ein zweites Theater herrichten will, die kuenstlerische eitu g dieses Hauses angetragen. Ich habe mal gross zuegig ja gesagt, aber bevor nicht praktische Schritte fuer die Herrichtung unternommen wurden, ist alles nur planende Theorie. Und warum soll ich den Leuten die Freude verderben, mit mir rechnen zu duerfen. Wenn es vielleicht in einem Jahr so weit ist, bin ich vielleicht garnicht mehr hier. Oder er hat jemanden gefunden, von dem er sich mehr verspricht. Aber den Plan, mit meiner Theater- Lizenz eine Morgenstern- Veranstaltung zu starten, halte ich nicht nur fest, sondern gehe bereits an aie praktische Verwirklichung. Ich will diese, Sache, die sich" das grosse La- lu- la"( n.ch einem Gedicht Morgenst.) nennt, mit einem Schauspieler und einem Taenzer( Vergiu Cornea, dem Ballettmeister der Bukarester Staatsoper, mit dem ich befreundet bin) inszenieren, mit einer ganz neu zu komponierenden Musik, und in einer ganz neuen inszenatorischen Auffassung, ohne viel Dekoration, nur mit viel Licht- u d Schatten- Wirkungen, u d mit wenigen Requisiten, als pars pro toto. Wir haben uns schon zu einem Kollektiv zusammengefunden, das Programm in seinem Ablauf und in seiner Inszenierungsform steht fest, die Konzeption der Musik ist fertig, morgen Nachmittag habe ich eine Regie- Sitzung, und vielleicht fangen wir unmittelbar danach mit der praktischen ProbenArbeit an. M aria gehoert als Buehnenbildnerin und als kritische Mitarbeiterin selbstversta endlich mit zum Kollektiv. Ich schreibe Euch etwas ausfuehrlicher von diesen Dingen, damit Ihr einmal seht, womit ich mich, wenn ich einen Arbeitstag im Buero, der von morgens 8.30 bis abends 17.30 dauert, hinter mich gebracht habe, nebenbei unter anderem noch beschaeftige. Es gehoert auch dazu eine gute Portion Idealismus, den ich aber habe, wahrscheinlich von der ganzen Familie, nur mit dem Unterschied, dass er sich etwas verlagert hat in ein Gebiet, das mir auf Grund meiner beruflichen Taetigkeit seit 1934 etwas naeher gerueckt ist. Eigentlich: zwangslaeufig naeher ruecken musste, denn es war lange Zeit am unpolitischsten, und man konnte stillen, aber permanenten Widerstand leisten. Ich habe in diesem Brief mit A bsicht mit keinem Wort von meinen - 3- persoenlichen Eindruecken und Meinungen ueber die letzten politischen Ereignisse gesprochen, obwohl gerade in den letzten vier Wochen sehr viel geschehen ist, was fuer die naechste Zukunft grosse Perspektiven ankuendigt. Abgesehen von Nuernberg, seinem gesprochenen und vollstreckten Urteil, haben so entscheidende Wahlen mit bso entscheidenden Ergebnissen stattgefunden, dass Ihr drueben mit Kommentaren von allen Seiten reichlich versorgt werdet. Auf meine persoenliche Meinung kommt es dabei nicht mehr an, denn ich gehoere eindeutig in das eine Lager, das jede staatlich gelenkte einseitige Parteipolitik ablehnt.- Es geht sowieso ebenfalls in den folgenden Tagen ein Umschlag mit elips an Euch ab. Vielleicht sind es auch zwei oder drei Umschlaege, weil es viele Clips sind, die Euch interessieren. Die Auswahl der clips laesst auf meine persoenliche Meinung alle Rueckschluesse zu. Liebe grosse Mutti und lieber Emil, es ist Sonntag Abend, die Mitternacht kuendigt sich an, ich habe heute im Hause allerlei gemurkst was ich mir fuer Sonntags, aufheben muss, weil es werktags keine freie Zeit dafuer gibt. Dazu gehoert die Reparatur einer Stehlampe fuer Marias Arbeitstisch, denn die letzte 100 Watt- Birne ist durchgeknallt, und Maria sitzt bis in die spaete Nacht un zeichnet und malt, hat heute drei Plakat- E ntwuerfe gemacht fuer den KulturVerband Mainfranken, hat einige Schilder gezeichnet fuer unsere Dienststelle, und sitzt augenblicklich ueber unserem Haus- Buch, in das viele Ausschnitte und Eintragungen nachzuholen sind. Ich will, wenn ich mit diesem Brief fertig bin, noch an die clips herangehen, bevor die Zeitungen voreilig verheizt werden. Morgen ist ein wilder Tag fuer mich, weil ich neben der ArbeitsZ eit im Buero sehr viel erledigen will, abends ist Premiere in dem literarischen Kabarett" Die Schaubude", vormittags will ich zwischen durch das Paket abholen, muss bei einer Spruchkammer vorbei, was ich nur schaffen kann, wenn ich mir fuer eine Stu de unseren DienstWagen nehme. Nachmittags ist die Regiesitzung. Ein richtiger Wirbel, der zwar anstrengt, aber Freude macht, weil ich weiss, dass etwas Positives dabei herauskommen wird, und unsere Zeit kann auch auf dem Gbiet der vielen verschiedenen Kuenste sehr viel Posivitismus gebrauchen, schon deshalb, weil von so vielen( von viel zu vielen) doch sehr viel Mist gemacht wird, weil diesen" enschen das Verdienen mehr ist als das Verdienst. Ich umarme Euch, Maria wunnscht mit mir fuer E mil schnellste Rekonvaleszenz, damit er wieder so aktiv sein kann wie ehedem, Dir selbst von uns beiden das Herzlichste( und unser Dank fuer das C arepaket folgt in den naechsten Tagen, wenn wir uns wie die Kinder unterm Weihnachtsbaum morgen davor setzne und auspacken und dabei schon einiges in uns hineinpacken), Dein . Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstr.6, 4) 857 27. Oktober 1946. Meine liebe grosse Mutti und lieber Emil, . diesmal ist sehr, sehr viel Zeit vergangen seit meinem letzten Brief vom 20. September, was weniger an Schreibfaulheit lag, als vielmehr an der Fuelle von Arbeit. Die Zeit ist so schnell vergangen, dass wir jetzt auf einmal hier im beginnenden Winter stecken, mit ersten Nachtfrosten, mit Heizen- muessen und den vielen anderen Dingen, die ein Winter beschert. Als ich Euch am 6. September schrieb, war der erste Luftpostbrief von Euch vom 28. August noch nicht da. Er brauchte 14 Tage. Ich will zuerst auf ihn antworten. Du schreibst, dass einige Post an uns unterwegs ist, aber es kam nach diesem Brief vom 28. August nur noch ein weiterer Luftpostbrief vom 12. September, der nur zehn Tage brauchte, also am 22. September hier war. Den ersten air- mailBrief habe ich an sich am 20. September schon beantwortet. Ich muss korrigieren, dass ich nicht an Paul Kirschmann nach Idar- 0. schrieb, sondern nan A ugust. Ich glaube, ich machte diesen Fehler zwei Mal. Den Trip ueber die geoeffnete englische Grenze zu Paul in die franzoesische Zone kann ich im Augenblick nicht machen, danich keinen einzigen Tag entbehrlich bin. Paul hat mir mit zwei Zeilen geantwortet, hat also meinen letzten Brief erhalten. Von Lotte habe ich nichts gehoert. Sie bekam ebenfalls einen langen Brief. Zu D einem 2. air- mail- Brief vom 12. September: ich werde mich im Laufe der naechsten Zeit mit allen Menschen, die Du erwaehnst, in Verbindung setzen. Teilweise werde ich sogar beruflich dies oder jenes mit ihnen zu tun haben. Toni Pfuelfs Schicksal war mir bekannt.- Von den Quakern hat sich noch niemand an mich gewendet. Es ist eine Kommission hier gewesen und hat Schulen und andere Einrichtungen in Bayern besichtigt. Ich erfuhr aus der Presse, nachdem die Besuche stattgefunden hatten, konnte also nicht mehr feststellen, ob es sich bei dieser Kommission um die Quaker handelte, die sich an Sollmann wandten. Um aber in Zukunft solche Vermittlungen zu erleichtern, gebe ich meine dienstliche Anschrift an: Information Control Division, Intelligence, Munich Detachment, Hubertusstrasse 4, Munich, Tel. 35 084/85. Mein Team Chief ist Mr. Hans Lynd. Sollte aus irgend einem sehr dringenden Grunde eine schnelle Nachricht an mich gehen muessen, ist er bestimmt genau so gerne bereit wie seinerzeit Gerard Willem Van loon. Habt Ihr mal van ihm etwas gehoert? Er ist in New York, ich schrieb ihm einmal, bekam aber keine Antwort. In den naechsten Tagen muss ich ihm sowieso ausfuehrlicher schreiben, weil die Erteilung von zwei Lizenzen an mich in greifbare Naehe gerueckt ist: einmal fuer eine Theater- und Konzert- Direktion, und dann die Verlagslizenz fuer die internationale Kunstzeitschrift. Beruflich hat sich fuer Maria insofern etwas geaendert, als sie ihre Mitarbeit als Buehnenbildnerin beim" Bunten Wuerfel" eingestellt hat. Die beiden leitenden Herren dieser Kleinkunstbuehne haben scheinbar kein Interesse daran, ein gutes Kleinkunstprogramm zu bieten, sondern wollen mit unterdurchschnittlichem Niveau moeglichst viel Geld verdienen. Und da Maria ihren guten Namen nicht aufs Spiel setzen will, hat sie kurzerhand aufgehoert, was sie ja auch konnte, weil ich wieder einen job hatte. Dieser job hat aber insofern einen Haken, als ich zwar seit dem 5. August bei der ICD arbeite, bis heute aber noch keinen Pfennig Geld bekommen habe. Da die Bearbeitung meiner E instellung bei ICD bis zum 18. September dauerte, soll ich nur ab 18. September bezahlt werden. Ich haette also anderthalb Monate umsonst gearbeitet. Mal sehen, wie das auslaeuft. Nur: unsere Kalkulation wurde, da wir von der Hand in den Mund leben, umgeworfen, der Wirt hat keine Miete bekommen, verschiedene andere Loecher sind noch offen, aber die werden wir schon zustopfen. Das ist unsere geringste Sorge. Die groesste Sorge ist し - 2- • und bleibt E mil, und da Du seit dem 12. September nicht mehr geschrieben hast, sind wir nur noch unruhiger. Und das ist- ganz offen gesagt der Hauptgrund, weshalb wir seit dem 20. September eine Schreibpause machten. Euch in jedem Brief zu schreiben, dass auch von Euren Paketen nichts angekommen ist, haette Euch ebenfalls zusaetzlich noch mutloser gemacht. Aber gestern bekamen wir eine Mitteilung von der Caritas, von der die Care- Pakete betreut werden, dass wir von Emil Kirschmann, N.Y., unter der Nummer 115897 ein Liebesgabenpaket erhielten und es abholen koennen. Heute war Sonntag, morgen gehe ich dort vorbei. Es scheint das Care- Paket zu sein, das Ihr im Juli in Auftrag gegeben habt. Das haette dann sehr lange gedauert. Wir werden sofort einen zweiten Brief hinterherschicken mit einer genauen Beschreibung unserer Freude, aber die dreimonatige Vorfreude war fast genau so schoen. Ich habe inzwischen mit Mr. Norden, dem Chief Editor des amerikanischen, in deutscher Sprache herausgegebenen illustrierten Magazins" Heute", Fuehlung aufgenommen und mich sehr gut mit ihm unterhalten. Er erbat sich Vorschlaege ueber die Ausgestaltu g der Zeitschrift, ich setzte ihm einige Themen und grundsaetzliche Dinge auf, und er hat sich gefreut. Am liebsten moechte er mich zum 1. November in die Redaktion von" Heute" holen, weil er meint, dass ich mit meiner Verlagslizenz doch noch nicht sofort etwas anfangen kann, weil kein Papier da ist. Vielleicht hat er recht. Auf jeden Fall soll ich mit einem mir befreundeten Fotografen in freier Mitarbeit, die sofort beginnt, einige von mir vorgeschlagene Themen inszenieren. In der kommenden Woche wollen wir damit anfangen. Dann hat mir der kaufmaennische Direktor des" Bunten Wuerfels", der sich in Nuernberg ein zweites Theater herrichten will, die kuenstlerische eitu g dieses Hauses angetragen. Ich habe mal gross zuegig ja gesagt, aber bevor nicht praktische Schritte fuer die Herrichtung unternommen wurden, ist alles nur planende Theorie. Und warum soll ich den Leuten die Freude verderben, mit mir rechnen zu duerfen. Wenn es vielleicht in einem Jahr so weit ist, bin ich vielleicht garnicht mehr hier. Oder er hat jemanden gefunden, von dem er sich mehr verspricht. Aber den Plan, mit meiner Theater- Lizenz eine Morgenstern- Veranstaltung zu starten, halte ich nicht nur fest, sondern gehe bereits an die praktische Verwirklichung. Ich will diese, Sache, die sich" das grosse La- lu- la"( n..eh einem Gedicht Morgenst.) nennt, mit einem Schauspieler und einem Taenzer( Vergiu Cornea, dem Ballettmeister der Bukarester Staatsoper, mit dem ich befreundet bin) inszenieren, mit einer ganz neu zu komponierenden Musik, und in einer ganz neuen inszenatorischen Auffassung, ohne viel Dekoration, nur mit viel Licht- und Schatten- Wirkungen, u d mit wenigen Requisiten, als pars pro toto. Wir haben uns schon zu einem Kollektiv zusammengefunden, das Programm in seinem Ablauf und in seiner Inszenierungsform steht fest, die Konzeption der Musik ist fertig, morgen Nachmittag habe ich eine Regie- Sitzung, und vielleicht fangen wir unmittelbar danach mit der praktischen ProbenArbeit an. M aria gehoert als Buehnenbildnerin und als kritische Mitarbeiterin selbstversta endlich mit zum Kollektiv. Ich schreibe Euch etwas ausfuehrlicher von diesen Dingen, damit Ihr einmal seht, womit ich mich, wenn ich einen Arbeitstag im Buero, der von morgens 8.30 bis abends 17.30 dauert, hinter mich gebracht habe, nebenbei unter anderem noch beschaeftige. Es gehoert auch dazu eine gute Portion Idealismus, den ich aber habe, wahrscheinlich von der ganzen Familie, nur mit dem Unterschied, dass er sich etwas verlagert hat in ein Gebiet, das mir auf Grund meiner beruflichen Taetigkeit seit 1934 etwas naeher gerueckt ist. Eigentlich: zwangslaeufig naeher ruecken musste, denn es war lange Zeit am unpolitischsten, und man konnte stillen, aber permanenten Widerstand leisten. Ich habe in diesem Brief mit Absicht mit keinem Wort von meinen - 3- persoenlichen Eindruecken und Meinungen ueber die letzten politischen Ereignisse gesprochen, obwohl gerade in den letzten vier Wochen sehr viel geschehen ist, was fuer die naechste Zukunft grosse Perspektiven ankuendigt. Abgesehen von Nuernberg, seinem gesprochenen und vollstreckten Urteil, haben so entscheidende Wahlen mit bso entscheidenden Ergebnissen stattgefunden, dass Ihr drueben mit Kommentaren von allen Seiten reichlich versorgt werdet. Auf meine persoenliche Meinung kommt es dabei nicht mehr an, denn ich gehoere eindeutig in das eine Lager, das jede staatlich gelenkte einseitige Parteipolitik ablehnt. Es geht sowieso ebenfalls in den folgenden Tagen ein Umschlag mit clips an Euch ab. Vielleicht sind es auch zwei oder drei Umschlaege, weil es viele Clips sind, die Euch interessieren. Die Auswahl der clips laesst auf meine persoenliche Meinung alle Rueckschluesse zu. Liebe grosse Mutti und lieber Emil, es ist Sonntag Abend, die Mitternacht kuendigt sich an, ich habe heute im Hause allerlei gemurkst was ich mir fuer Sonntags aufheben muss, weil es werktags keine freie Zeit dafuer gibt. Dazu gehoert die Reparatur einer Stehlampe fuer Marias Arbeitstisch, denn die letzte 100 Watt- Birne ist durchgeknallt, und Maria sitzt bis in die spaete Nacht un zeichnet und malt, hat heute drei Plakat- E ntwuerfe gemacht fuer den KulturVerband Mainfranken, hat einige Schilder gezeichnet fuer unsere Dienststelle, und sitzt augenblicklich ueber unserem Haus- Buch, in das viele Ausschnitte und Eintragungen nachzuholen sind. Ich will, wenn ich mit diesem Brief fertig bin, noch an die clips herangehen, bevor die Zeitungen voreilig verheizt werden. Morgen ist ein wilder Tag fuer mich, weil ich neben der ArbeitsZ eit im Buero sehr viel erledigen will, abends ist Premiere in dem literarischen Kabarett" Die Schaubude", vormittags will ich zwischen durch das Paket abholen, muss bei einer Spruchkammer vorbei, was ich nur schaffen kann, wenn ich mir fuer eine Stu de unseren DienstWagen nehme. Nachmittags ist die Regiesitzung. Ein richtiger Wirbel, der zwar anstrengt, aber Freude macht, weil ich weiss, dass etwas Positives dabei herauskommen wird, und unsere Zeit kann auch auf dem Gbiet der vielen verschiedenen Kuenste sehr viel Posivitismus gebrauchen, schon deshalb, weil von so vielen( von viel zu vielen) doch sehr viel Mist gemacht wird, weil diesen" enschen das Verdienen mehr ist als das Verdienst. Ich umarme Euch, Maria wunnscht mit mir fuer E mil schnellste Rekonvaleszenz, damit er wieder so aktiv sein kann wie ehedem, Dir selbst von uns beiden das Herzlichste( und unser Dank fuer das C arepaket folgt in den naechsten Tagen, wenn wir uns wie die Kinder unterm Weihnachtsbaum morgen davor setzne und auspacken und dabei schon einiges in uns hineinpacken), Dein Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstr.6, Tel. 40 857 GERMAN. Germany/ American Zone 20. September 1946. Meine liebe grosse Mutti, gestern kam Dein Brief vom 28. August( air mail), mit der Ankuendigung, dass weitere Post an uns unterwegs ist. Wir haben noch nichts bekommen und warten jeden Tag darauf. Was mich am meisten beunruhigt, ist das, was Du ueber Emils Gesundheitszustand schreibst. Umsomehr bin ich besorgt, weil ich weiss, dass Emil der Verdiener ist, und wenn er voruebergehend ausfaellt, muesst Ihr Euch teuflisch nach der Decke strecken. Kann Robert nicht etwas helfen? Wir haben nicht die geringsten Vorstellungen ueber irgendwelche Moeglichkeiten, die Euch beiden betagten, schwergeprueften Menschen das letzte Restchen Eures Lebens leichter machen koennten, am besten so leicht, dass en von einem verhaeltnis maessig ruhigen Lebensabend sprechen koennte.Und genau so, wie Euch drueben die Haende gebunden sind, um uns zu helfen, genau so geht es uns fuer Euch. Wir koennen Briefe schreiben, mit trostvollen, zuversichtlichen Worten, aber wenn es eine Moeglichkeit gibt, dass sowohl Emil als auch Dir geholfen wird, dann tatsaechlich nur drueben bei Euch. Heinz, mein angeheirateter Neffe, sagt tausend Dank fuer die Briefmarke, er ist bis jetzt noch nicht dazu gekommen, eine kleine Sammlung zusammenzustellen. Was bisher geschah, wurde von mir gemacht. Heinz trennt sich ungerne und schwer von seinen Schaetzen, und dadurch soll sich angeblich der wahre Sammler vor den gewoehnlichen sterblichen Markenhaendlern auszeichnen.- Ich weiss noch ganz genau, wie Ihr alle, Du und Mutti, Marken fuer mich gesammelt habt. Ich weiss auch noch, dass ich einmal aus jungenshafter Leichtsinnigkeit bei irgendwem Marken gestohlen haben, die wir sehr leichtsinnig aus grossen, dicken Alben entfernten und nachher- wenn auch schweren Herzens zurueckgeben mussten. Und die Bogen vom 11. August 1919 habe ich lange Zeit gehuetet, bis sie verlorengingen, zusammen mit meiner sehr umfangreichen Notgeldsammlung, deren groesster und schoenster Teil 1933 bei der Beschlagnahme der Koelner Wohnung den Nazis in die Haene fiel. Du wirst kaum glauben, dass ich noch einige Kleinigkeiten habe, die von Euch stammen, so die Keramik- Dose mit den Tieren, das hoelzerhe Zigaretten- Etui, das mir Emil vor genau 19 Jahren schenkte, der Fuellfederhalter, den mir unsere rothaarige dicke Bertha in Koepenick schenkte und der auch sein Alter von mindestens 20 Jahren hat, und von Mutti ein ganz kleines, auf Duenndruck hergestelltes Exemplar von Goethes" Hermann und Dorothea", mit einer Widmung von Mutti anlaesslich des in Weimar begangenen Verfassungstages 1919. Diese kleinen Dinge habe ich gehuetet, so gut es ging. Vieles sah und fand ich nicht wieder, liegt in Berlin unter den Truemmern der Jahre 1943-45, oder ging schon 1933 bei den Unruhen um unser Koepenicker Haus verloren. Aus der Bibliothek habe ich einiges retten koennen und mit mir herumgeschleppt, es in vielen, vielen Bunkern verteilt, um es vor Zerstoerung durch Bombeneinwirkung zu hieten. Jetzt stehen einige Kisten auf unserem Speicher, und wenn ich einmal Platz haben sollte( der Platz waere da, aber das Moebel fehlt), dann packe ich aus, und kann Euch dann sagen, was alles da ist.(" Das freie Wort" Ernst Heilmanns in mehreren Exemplaren, Ossietzkis" Weltbuehne", Lily Brauns gesammelte Werke, die Biography Otto Brauns, eine ganze Reihe von Reichstags- und Landtags- Handbuechern, viele sozialistische Monathefte, Liong Feuchtwangers" Juedischer Krieg", Knickerbockers Russland- Buecher" Der rote -2Handel lockt" und" Der rote Handel droht", mir faellt im Augenblick gerade diese" Liste" ein). Aber Du waerst bestimmt interessiert daran, zu wissen, was unsere Rest- Bibliothek enthaelXt. Was Du mir wegen Paul schreibst, ist unzutreffend. Ich habe mehrere Male an Paul geschrieben, auf meinen ersten Brief bekam ich Antwort, auf die anderen nicht mehr. Das fiel in die Zeit der" gebundenen Haende", und sowohl Paul als auch Lotte wollte ich darueber nichts sagen, weil beide sicher mit sich selbst genug zu schaffen haben. Auch an Paul Kirschmann nach Oberstein habe ich nichts geschrieben. Seit einigen Wochen bin ich nun wieder im job hier, mache die Sub Clearance bei ICD, und habe vor 14 Tagen, in den ersten freien Minuten, die ich hatte, sowohl an Lotte und Paul, als auch an Paul Kirschmann( der mich- wie ich berichtete- vor kurzem ueberraschend be suuhte) geschrieben. Jetzt warte ich auf Antwort. Ich kann mir nicht denken, dass die drei oder vier letzten Briefe an Paul und auch an Lotte verlorengingen. Ich warte. Aber beide duerfen nicht sagen, dass ich mich rar mache. Im Gegenteil: ich bin ein fleissiger Schreiber, weil ich gerne wieder ganz festen Kontakt habe mit uns allen. Jetzt, wo die Zonengrenzen zwischen der amerikanischen und britischen Zone offen sind, trage ich mich ernsthaft mit dem Gedanken, Paul einen Besuch zu machen. Es laeuft zwar gerade eine grosse Aktion bei mir, und fuer einen solchen Trip braucht man mindestens eine Woche, von der allein vier bis fuenf Tage fuer die Fahrt draufgehen, sodass ich einen eintaegigen Besuch machen koennte. Das sind immer Strapazen, man muss sich verpfàbgsmaessig fuer eine laengere Zeit eindecken, weil man nicht weiss, ob, wann und wo und wie man unterwegs etwas zu futtern bekommt, und eigentlich wollte ich das dann machen, wenn ich mir eine ration aus einem Care- Paket einstecken kann. Dann gehts leichter, und man uebersteht es besser. Liebe grosse Mutti, Ihr beschwert uns garnicht mit Eurem Kummer, im Gegenteil: genau so offen, wie wir Euch ueber alle unsere persoenlichen Angelegenheiten beiichten, genau so bitten wir Euch, uns mit allen Details zu versorgen, wenn sie auch noch so schwer und bitter sind. Und deshalb ist es auch richtig, dass Du Emils schlechten Gesundheitszustand erwaehnst, denn so wie Ihr Euch Sorgen um uns macht, so sind wir um Euch besorgt, und meine Maria genau so sehr, denn sie gehoert, obwohl sie Euch and Ihr sie nicht kennt, so eng zur Familie, weil sie an allem als ganzer Mensch teilnimmt, was mich angeht, was zu meinem" Kreis" gehoert. Als gestern Dein Luftpost brief ankam, rief mich Maria sofort an und las mir die Stelle ueber Emils Gesundheitszustand vor, weil sie spuerte, dass dies die wichtigste Mitteilung dieses Briefes war, und fuegte aus sich heraus einen beunruhigten Kommentar hinzu. Sie hat noch immer keine Ruhe und fragt mich dauernd, was ihm fehlen koennte, ob er schon einmal eine ernsthafte Krankheit gehabt habe, ob er durch die ganzen Ereignisse des staendig auf der Flucht- seins, der Emigration usw. nervisch gehandicapt sein koennte, ob es die Bronchien sind, von denen er schon frueher geplagt wurde( ich erzaehlte ihr einige Male davon, dass Emil auch zur Kur frueher mal in Bad Ems war usw.). Aber nicht nur dieses innere Mitgehen und Mitfuehlen mit meinem familiaeren und sonstigen Problemen beweist ihre Zugehoerigkeit zu" uns". Es sind im wahrsten Sinne des Wortes tausend" unbeschreibliche" Kleinigkeiten. Es gibt nur eins: Ihr muesstet Maria kennenlernen! Das ist selbst ihr grosser Wunsch, den sie noch nie ausgesprochen hat, der sich aber in vielen beilaeufigen Aeusserungen verraet. Der Sommer war bei uns verhaeltnismaessig kurz, und teilweise nicht so, wie man sich einen Sommer vorstellt. Aber der Ernte ist das - 3- das Wetter gut bekommen, und darauf kommt es uns( und den Alliierten) an. etzt kommt der schoene sueddeutsche Herbst, an dem es noch richtige warme Sommertage gibt, wo man sich in der Sporthose in die Sonne setzen kann, damit man zumindest gesund aussieht, etwas braungebrannt, so dass der ungesunde, etwas untererna ehrte Teint kaschiert wird.- Maria hat sich fuer Mitte Oktober in einer Pension angemeldet, sie muss unbedingt ausspannen, muss einmal das machen, was ihr ganzes Kuenstlertum ausmacht: ma len. Wir haben aus Berlin die erfreuliche Nachricht bekommen, dass sich viele ihrer frueheren Aquarelle in einem Bunker, der unter Wasser stand, auf einem noch nicht ueberspuelten Schrank angefunden haben und sichergestellt werden konnten. Wir haben jetzt veranlasst, dass wir die Sachen x nach Muenchen bekommen. Wenn demnaechst, wie es verlautet, auch der umgekehrte postalische Weg nach overthere fuer groessere Postsendungen moeglic ist, werden wir Euch einige Bilder von Maria schicken, damit Ihr von ihrer tuenstlerischen Arbeit einen direkten Eindruck bekommt. Ihr koennt Euch ja einige Bilder fuer Euch selbst aufhaengen, und die anderen an Freunde, die Sinn dafuer haben, weitergeben. Ich weiss zwar nicht, wie es dann mit dem Versand solcher Dinge, sein wird, weil das ja letzten Endes Wertgegenstaende sind, aber darueber wird es ja dann, wenn es so weit ist, Bestimmungen geben, an die wir uns halten koennen. Wie ich gestern Abend beim Durchblaettern der Korrespondenz festgestellt h habe, duerfte ein Brief vom 20. Maerz nicht angekommen sein. Er war sehr umfangreich und enthielt sehr viele Fotos aus unserer Wohnung, von Maria und mir. Die Bilder, die Ihr bereits bestaetigt habt, wurden spaeter abgeschickt, nachdem wir ahnten, dass der erste Schub nicht angekommen sein duerfte. CDieser Brief enthielt die Daten ueber Joe Morrissey und Greiner.Jetzt sind wieder von Marias Arbeiten im" Bunten Wuerfel" Aufnahmen gemacht worden, ich will kleinere Vergroesserungen machen lassen und sie Stueck fuer Stueck im Rahmen der erlaubten Gewichtsmengen herueberschikken.- Und wir warten auf ein Bild von Euch! Ueber Joe Morrissey schrieb ich damals, dass er- als die fraternization erlaubt wurde einer der ersten war, die an unserem persoenlichen Ergehen den lebhaftesten Anteil nah men, dass er uns oft aufsuchte und sich interessiert ueber alles mit uns unterhielt. Er erlebte gewissermassen die ganze Zeit mit, in der wir Leider versuchten, wieder festeren Boden unter die Fuesse zu bekommen. habe ich doch, ich habe sie bei mir: seine Adresse ist: Mr. Joseph MorAlexander Greiner rissey, 112 Duncan Aue., Jersey City, 6, New Jersey. ist ein Vetter von Maria und lebt seit sehr, sehr langer Zeit in New York. Er war in einer leitenden Stellung bei Steinway und sons, arrangierte die Konzerte. Seine Adresse habe ich nicht zur Hand. Telefonisch muesste sich das feststellen lassen. Im naechsten Brief gebe ich noch einmal genauere Angaben, diesen Brief schreibe ich gerade in der Mittagspause im Office. An Frau Pfau werde ich ueber Wochenende schreiben, noch bevor das von Dir angekuendigte Trockenobst- Paeckchen angekommen ist.- Das Care- Paket dueri te dem Schiffstreik bisher zum Opfer gefallen sein. Hoffentlich kommt es ueberhaupt noch an, denn es waere nicht nur deshalb ein Jammer, weil uns Zusaetze verlorengingen, sondern weil Ihr es Euch abgespart habt. Das ist fast noch schlimmer. Emil wird wahrscheinlich diesen Brief unbedingt selbst lesen wollen und mit Dir schimpfen, weil Du doch von seiner Krankheit geschrieben hast. und gottlob- geschehen ist, soll er wissen, Aber jetzt, wo es einmal dass sein Schicksal unser Schicksal ist. Jetzt ist diese Anteilnahme ja wieder moeglich und erlaubt! Wenn das ein Trost fuer ihn ist, soll er auch daran gesund werden! Wir gruessen Euch beide von ganzem Herzen. Maria sagt; meine Worte sand auch ihre worle. s - Cür. Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstr.6, Tel. 40 857 GERMAN Germany/ American Zone 20. September 1946. Meine liebe grosse Mutti, gestern kam Dein Brief vom 23. August( air mail), mit der Ankuendigung, dass weitere Post an uns unterwegs ist. Wir haben noch nichts bekommen und warten jeden Tag darauf. Was mich am meisten beunruhigt, ist das, was Du ueber Emils Gesundheitszustand schreibst. Umsomehr bin ich besorgt, weil ich weiss, dass Emil der Verdiener ist, und wenn er voruebergehend ausfaellt, muesst Ihr Euch teuflisch nach der Decke strecken. Kann Robert nicht etwas helfen? Wir haben nicht die geringsten Vorstellungen ueber irgendwelche Moeglichkeiten, die Euch beiden betagten, schwergeprueften Menschen das letzte Restchen Eures Lebens leichter machen koennten, am besten so leicht, dass n von einem verhaeltnis maessig ruhigen Lebensabend sprechen koennte.Und genau so, wie Euch drueben die Haende gebunden sind, um uns zu helfen, genau so geht es uns fuer Euch. Wir koennen Briefe schreiben, mit trostvollen, zuversichtlichen Worten, aber wenn es eine Moeglichkeit gibt, dass sowohl Emil als auch Dir geholfen wird, dann tatsaechlich mur drueben bei Euch. Heinz, mein angeheirateter Neffe, sagt tausend Dank fuer die Briefmarke, er ist bis jetzt noch nicht dazu gekommen, eine kleine Sammlung zusammenzustellen. Was bisher geschah, wurde von mir gemacht. Heinz trennt sich ungerne und schwer von seinen Schaetzen, und dadurch soll sich angeblich der wahre Sammler vor den gewoehnlichen sterblichen Markenhaendlern auszeichnen.. Ich weiss noch ganz genau, wie Ihr alle, Du und Mutti, Marken fuer mich gesammelt habt. Ich weiss auch noch, dass ich einmal aus jungenshafter Leichtsinnigkeit bei irgendwem Marken gestohlen haben, die wir sehr leichtsinnig aus grossen, dicken Alben entfernten und nachher- wenn auch schweren Herzens zurueckgeben mussten. Und die Bogen von 11. August 1919 habe ich lange Zeit gehuetet, bis sie verlorengingen, zusammen mit meiner sehr umfangreichen Notgeldsammlung, deren groesster und schonster Teil 1933 bei der Beschlagnahme der Koelner Wohnung den Nazis in die Haenfiel. Du wirst kaum glauben, dass ich noch einige Kleinigkeiten habe, die von Euch stammen, so die Keramik- Dose mit den Tieren, das hoelzerhe Zigaretten- Etui, das mir Emil vor genau 19 Jahren schenkte, der Fuellfederhalter, den mir unsere rothaarige dicke Bertha in Koepenick schenkte und der auch sein Alter von mindestens 20 Jahren hat, und von Mutti ein ganz kleines, auf Duenndruck hergestelltes Exemplar von Goethes" Hermann und Dorothea' mit einer Widmung von Mutti anlaesslich des in Weimar begangenen Verfassungstag es 1919. Diese kleinen Dinge habe ich gehuetet, so gut es ging. Vieles sah und fand ich nicht wieder, liegt in Berlin unter den Truemmern der Jahre 1943-45, oder ging schon 1933 bei den Unruhen um unser Koepenicker Haus verloren. Aus der Bibliothek habe ich einiges retten koennen und mit mir herumgeschleppt, es in vielen, vielen Bunkern verteilt, um es vor Zerstoerung durch Bombeneinwirkung zu hieten. Jetzt stehen einige Kisten auf unserem Speicher, und wenn ich einmal Platz haben sollte( der Platz waere da, aber das Moebel fehlt), dann packe ich aus, und kann Euch dann sagen, was alles da ist.(" Das freie Wort" Ernst Heilmanns in mehreren Exemplaren, Ossietzkis" Weltbuehne", Lily Brauns gesammelte Werke, die Biography Otto Brauns, eine ganze Reihe von Reichstags- und Landtags- Handbuechern, viele sozialistische Mona thefte, Liong Feuchtwangers" Juedischer Krieg", Knickerbockers Russland- Buecher" Der rote - 2- Handel lockt" und" Der rote Handel droht" mir faellt im Augenblick gerade diese" Liste" ein). Aber Du waerst bestimmt interessiert daran, zu wissen, was unsere Rest- Bibliothek enthaelxt. Was Du mix wegen Paul schreibst, ist unzutreffend. Ich habe mehrere Male an Paul geschrieben, auf meinen ersten Brief bekam ich Antwort, auf die anderen nicht mehr. Das fiel in die Zeit der" gebundenen Haende" und sowohl Paul als auch Lotte wollte ich darueber nichts sagen, weil beide sicher mit sich selbst genug zu schaffen haben. Auch an Paul Kirsch. mann nach Oberstein habe ich nichts geschrieben. Seit einigen Wochen bin ich nun wieder im job hier, mache die Sub Clearance bei ICD, und habe vor 14 Tagen, in den ersten freien Minuten, die ich hatte, sowohl an Lotte und Paul, als auch an Paul Kirschmann( der mich wie ich berichtete- vor kurzem ueberraschend besanhte) geschrieben. Jetzt warte ich auf Antwort. Ich kann mir nicht denken, dass die drei oder vier letzten Briefe an Paul und auch an Lotte verlorengingen. Ich warte. Aber beide duerfen nicht sagen, dass ich mich rar mache. Im Gegenteil: ich bin ein fleissiger Schreiber, weil ich gerne wieder ganz festen Kontakt habe mit uns allen. Jetzt, wo die Zonengrenzen zwischen der amerikanischen und britischen Zone offen sind, trage ich mich ernsthaft mit dem Gedanken, Paul einen Besuch zu machen. Es laeuft zwar gerade eine grosse Aktion bei mir, und fuer einen solchen Trip braucht man mindestens eine Woche, von der allein vier bis fuenf Tage fuer die Fahrt draufgehen, sodass ich einen eintaegigen Besuch machen koennte. Das sind immer Strapazen, man muss sich verpfangsmaessig fuer eine laengere Zeit eindecken, weil man nicht weiss, ob, wann und wo und wie man unterwegs etwas zu futtern bekommt, und eigentlich wollte ich das dann machen, wenn ich mir eine ration aus einem Care- Paket einstecken kann. Dann gehts leichter, und man uebersteht es besser. Liebe grosse Mutti, Ihr beschwert uns garnicht mit Eurem Kummer, im Cegenteil: genau so offen, wie wir Euch ueber alle unsere persoenlichen Angelegenheiten bettchten, genau so bitten wir Euch, uns mit allen Details zu versorgen, wenn sie auch noch so schwer und bitter sind. Und deshalb ist es auch richtig, dass Du Emils schlechten Gesundheitszustand erwaehnst, denn so wie Ihr Euch Sorgen un uns macht, so sind wir um Buch besorgt, und meine Maria genau so sehr, denn sie gehoert, obwohl sie Euch und Ihr sie nicht kennt, so eng zur Familie, weil sie an allem als ganzer Mensch teilnimmt, was mich angeht, was zu meinem" Kreis" gehoert. Als gestern Dein Luftpost brief ankam, rief mich Maria sofort an und las mir die Stelle ueber Emils Gesundheitszustand vor, weil sie spuerte, dass dies die wichtigste Mitteilung dieses Briefes war, und fuegte aus sich heraus einen beunruhigten Kommentar hinzu. Sie hat noch immer keine Ruhe und fragt mich dauernd, was ihm fehlen koennte, ob er schon einmal eine ernsthafte Krankheit gehabt habe, ob er durch die ganzen Ereignisse des staendig auf der Flucht- seins, der Emigration usw. nervisch gehandicapt sein koennte, ob es die Bronchien sind, von denen er schon frueher geplagt wurde( ich erzaehlte ihr einige Male davon, dass Emil auch zur Kur frue her mal in Bad Ems war usw.). Aber nicht nur dieses innere Mitgehen und Mitfuehlen mit meinen familiaeren und sonstigen Problemen beweist ihre Zugehoerigkeit zu" uns". Es sind im wahrsten Sinne des Wortes tausend" unbeschreibliche" Kleinigkeiten. Es gibt nur eins: Ihr muesstet Maria kennenlernen! Das ist selbst ihr grosser Wunsch, den sie noch nie ausgesprochen hat, der sich aber in vielen beilaeufigen Aeusserungen verraet. Der Sommer war bei uns verhaeltnismaessig kurz, und teilweise nicht so, wie man sich einen Sommer vorstellt. Aber der Ernte ist das -3das Wetter gut bekommen, und darauf kommt es uns( und den Alliierten) an. etzt kommt der schoene sueddeutsche Herbst, an dem es noch richtige warme Sommertage gibt, wo man sich in der Sporthose in die Sonne setzen kann, damit man zumindest gesund aussieht, etwas braungebrannt, so dass der ungesunde, etwas unterernaehrte Teint kaschiert wird.- Maria hat sich fuer Mitte Oktober in einer Pension angemeldet, sie muss unbedingt ausspannen, muss einmal das machen, was ihr ganzes Kuenstlertum ausmacht: ma len. Wir haben aus Berlin die erfreuliche Nachricht bekommen, dass sich viele ihrer frueheren Aquarelle in einem Bunker, der unter Wasser stand auf einem noch nicht ueberspuelten Schrank angefunden haben und sichergestellt werden konnten. Wir haben jetzt veranlasst, dass wir die Sachen m nach Muenchen bekommen. Wenn demnaechst, wie es verlautet, auch der umgekehrte postalische Weg nach overthere fuer groessere Fostsendungen moeglic ist, werden wir Euch einige Bilder von Maria schicken, damit Ihr von ihrer kuenstlerischen Arbeit einen direkten Eindruck bekommt. Ihr koennt Euch ja inige Bilder fuer Euch selbst aufhaengen, und die anderen an Freunde, die Sinn dafuer haben, weitergeben. Ich weiss zwar nicht, wie es dann mit dem Versand solcher Dinge sein wird, weil das ja letzten Endes Wertgegenstaende sind, aber darueber wird es ja dann, wenn es so weit ist, Bestimmungen geben, an die wir uns halten koennen. Wie ich gestern Abend bein Durchblaettern der Korrespondenz festgestellt ha habe, duerfte ein Brief vom 20. Maerz nicht angekommen sein. Er war sehr umfangreich und enthielt sehr viele Fotos aus unserer Wohnung, von Maria und mir. Die Bilder, die Ihr bereits bestaetigt habt, wurden spaeter abgeschickt, nachdem wir ahnten, dass der erste Schub nicht angekommen sein duerfte. Dieser Brief enthielt die Daten ueber Joe Morrissey und Greiner.Jetzt sind wieder von Marias Arbeiten im" Bunten Wuerfel" Aufnahmen gemacht worden, ich will kleinere Vergroesserungen machen lassen und sie Stueck fuer Stueck im Rahmen der erlaubten Gewichtsmengen herueberschikken. Und wir warten auf ein Bild von Euch! Ueber Joe Morrissey schrieb ich damals, dass er als die fraternization erlaubt wurde einer der ersten war, die an unserem persoenlichen Ergehen den lebhaftesten Anteil nahmen, dass er uns oft aufsuchte und sich interessiert ueber alles mit uns unterhielt. Er erlebte gewissermassen die ganze Zeit mit, in der wir versuchten, wieder festeren Boden unter die Fuesse zu bekommen.-Heider habe ich- doch, ich habe sie bei mir seine Adresse ist: Mr. Joseph Morrissey, 112 Duncan Aue., Jersey City, 6, New Jersey.- Alexander Greiner ist ein Vetter von Maria und lebt seit sehr, sehr langer Zeit in New York. Er war in einer leitenden Stellung bei Steinway und sons, arrangierte die Konzerte. Seine Adresse habe ich nicht zur Hand. Telefonisch muesste sich das feststellen lassen. Im naechsten Brief gebe ich noch einmal genauere Angaben, diesen Brief schreibe ich gerade in der Mittagspause im Office. An Frau Pfau werde ich ueber Wochenende schreiben, noch bevor das von Dir angekuendigte Trockenobst- Paeckchen angekommen ist.- Das Care- Paket duerf te dem Schiffstreik bisher zum Opfer gefallen sein. Hoffentlich kommt es ueberhaupt noch an, denn es waere nicht nur deshalb ein Jammer, weil uns Zusaetze verlorengingen, sondern weil Ihr es Euch abgespart habt. Das ist fast noch schlimmer. Emil wird wahrscheinlich diesen Brief unbedingt selbst lesen wollen und mit Dir schimpfen, weil Du doch von seiner Krankheit geschrieben hast. Aber jetzt, wo es einmal und gottlob geschehen ist, soll er wissen, dass sein Schicksal unser Schicksal ist. Jetzt ist diese Anteilnahme ja wieder moeglich und erlaubt! Wenn das ein Trost fuer ihn ist, soll er auch daran gesund werden! Wir gruessen Euch beide von ganzem Herzen. Maria sagt meine worte sind auch ihre Worte! September 12,1946 Fritz, mein lieber Junge und liebe Maria, heute bestaetige ich nur den Brief von 18. Juli, den vom 24, mit den Namen der Abgeordneten und nachdem noch einige clips, die ohne Brief eintrudelten, sie kamen einige Tage später an. Ausserdem erwaehne je mit Dank den Brief von Maria, den ich nur nenne, weil Du ihn erwachnst, ich bin in meinen Antworten indirekt darauf eingegangen, werde aber nun, in den naechsten Tagen Maria direkt antworten. Fuer heute nur soviel, dass ich mich ueber das Vertrauen seh gefreut habe und ganz herzliche danke.--Von den Abgeordneten kenne ich viele dem Namen nach von frueher, aber nur manche sind mir heute noch ein Begriff. Noegner, natuerlich, Rosshaupter. Sehr bekannt ist mir Lily Kaeser-Kuenchen. Sie ist Hochschullehrerin und hatte den Titel Professor. Sie war eine Freundin von Toni Pfuelf, von der Du jawohl weisst, dass Sie sich kurz nach den Machtantritt Hitlers das Leben nahm, Durch die Toni bin ich in das Haus der Lily gekommen. Neulich frug mich Soll mann, ob ich ihm Bayrische Adressen nennen koenne fuer Quaker, die in Schulfragen nach dort fahren. Dabei habe ich ihm Deine Adresse angegeben, mit der Bemerkung, dass Du bestimmt fuer jede Hilfe in dieser Frage bereit sein wuerdest, etwa Personen nennen, wege zeigen usw. Ich habe Dein Einverstaendniss und Deine Bereitschaft vorausgesetzt, Du weisst also Bescheid, wenn sich jemand an Dich wendet. Dann habe ich auf Geratewohl Lily Kaeser gehannt ich sehe jetzt, dass ihr richtiger Habe Elisabe ist) fuer den Fall, dass sie den Schlamassel ueberlebt„haette, wusste ich dass Sie, als wohlbekannte und geachtete Persoenlichkeit leichtaufzuf inden sein wuerde. Du kannst sie aufsuchen und ihr Gruesse von mir bringen. Ich freue mich, dass sie ? Sind mir noch: Rosa Oh da ist und in der Arbeit steht. Ein lebendiger Begriff Aschenbrenner und Lina Armon, letztere aus Nuernberg. Mit Waldemar v. Knoeringen stand Emil in unserer franz.Zeit in indirekter Fuehlung. Solltest Du ihn mal spre- chen, kannst Du ihm neben Emils Namen an Franz Boegler erinnern, der jetzt in der Pfalz ist, dann erinnert er sich der Zusammenhänge sicher. Auch sonst kenne ich einige: Indemann, Gentner, Wimmer usw, aber sie sind mir ferner gerueckt. Dass Lorenz Riedmiller lebt. Er war bei uns totgesagt!!—Clips waren in der spaeteren Sendung, die ich oben erwaehnte, 5 an Zahl in dem Umschlag, Sie haben mich intressiert, tun es noch. Besten Dank. Auch Lotte versorgt uns mit solchen Sachen-- nur-- bei ihr ist das Ersatz fuer Briefe, was ja wohl nicht ganz das Richtige ist. August sagt, dass er in Punkto Antworten keine guten Erfahrungen mit unserer Lotte gemacht haette. Ich habe ihm schon geschrieben, dass er sich mit mir troesten kann, ich haette seit vielen Monaten schon keinen Brief mehr erhalten. Dabei schreibe ich immerzu, es geht mir fast wie einem Brunnen, der austrocknen muss, wenn er gar keine Mahrung mehr bekommt Wenn mir nicht von dritten Seiten immer wieder bestaetigt wuerde, ein wie anstaen- diger, hilfsbereiter, praktisch nie versagender Mensch sie sei, koennte ich bei ihrer notorischen Schweigsamkeit verzweifeln.—Gestern ist ein Paket an Euch abgegangen. Ich werde nun, wenn der grosse Streik der Lastfahrer, Seeleute usw wieder zuende geht, einen grossen Posten Auslandspost erhalten, die mir auch von Euch Kunde bringt uns erzaehlt, was Ihr denn nun von unseren Sendungen(ausser dem erbrochenen fössen Paket) erhalten habt.—— Deine Briefe gehen regulaer 6-7 Wochen. Von Hamburg ueberhaupt aus der Gegend kommen briefliche Sendungen schon in vier Wochen an. Wenn Du also meinst das(nach Marx, den wir herzlich zu gruessen bitten) Emil den Posten eines Regierungspraesidenten negiert haben muss, weil es schon drei Monate her sein moegen, seit einem solchen Angebot, so bewegst Du Dich zeitlich bestimmt noch in Ir. tuemern. Ueberlege mal: Deine Briefe dauern 7 Wochen, 8 Tage Pause bis zur Antwort und dann die Reisezeit fuer die Antwort von 4-7 Wochen. Aber—an Emil ist eine offizielle Anfrage nicht gekommen, wohl viele Briefe, aus denen hervorgeht, dass ihm jeder Posten, den er selber wuenscht, offen stehen wuerde, wenn er herueber kaeme. Nun--bisher war ein Herueberkommen ueberhaupt nicht noeglich, weil die Gesuche(ein solches muss man stellen) garnicht genehmigt wurden, Gruende kann man sich nur denken. Uns wird darueber keine Auskunft. Erst in der allerletzten Zeit gehen eine Anzahl Leute herueber, darunter Baerensprung, an den Du Bich wohl erinnerst, er war in Magdeburg Polizeipraesident, als Du in der Schule warst. Hat er mich nicht seinerz. nach Letzlingen gefahren, als ich zu einer Gelegenheit nach dort kam? Mir ist es so. B. war eine Zeitlang in China. Seine Frau und Kinder blieben dort, als er nach USA kam. Jetzt sind sie bereits in D. und er faehrt von hier herueber. Er hat noch bei Braunschweig ein Gut und kann sich abwartend die ihn genehme Arbeit aussuchen "Grusse ihm. Sage ihm, wir freuen uns, dass erlebt Der einzige Grund, der Emil sehr zoegern laesst, einen Antrag zu stellen, ist sein wirklich sehr schlechter Gesundheitszustand.Sonst fuehlt er sehr stark die moralische Pflicht seine, unsere Freunde nicht im Stich zu lassen bei ihrer schwiehtigen Taetigkeit.Die Posten amtlicher Art koennen an sich nicht locken. Wir wissen, dass es alles Opfer sind, die jetzt dort" regieren".Aber auch Opfer zu sein, ganz bewusst, kann einen Sinn haben in einer solchen Zeit, wo es zur Notwendigkeit geworden ist, den Duenger fuer eine Zukunft abzugeben.Nur-- man kann nicht herueber kommen mit dem Bewusstsein, dass man nicht Arbeit leisten kann, die viel Energie verbraucht, diese Energie aber aus organischen Gruenden nicht vorhanden ist. Ich hoffe, Du verstehst mich und stellst nicht viele Fragen die bittere Tatsache ist fuer Emil schmerzlich genug.--- Ich bin 1.noch recht kraeftig, 2.habe ich hier nachdem der Schlamassel vorueber ist, im Intresse meiner Freunde in D.sehr viel zu tun und fuelle damit mein Leben vollkommen aus, sodass auch kein Heimweh aufkommen kann.Dass ich Euch alle und Pauls Kinder dazu noch einmal#e gerne sehen moechte, steht auf einem anderen Blatt.Im uebrigen hat uns sowohl Paul, wie auch Else Pfau- Fey Kathe Fey's Schwester in Bensheim- Auerbach an der Bergstr Wohnung angeboten, falls wir kommen wollen.Paul ist nicht weit von Kobl. entfernt, faellt mir dabei eben ein, er ist sogar amtlich nach dort zustaendig. Ich will Schluss machen, weil ich heute abend noch eine Sitzung der AW habe. Nur noch eine Sache, ich nehme mir dann in den naechsten Tagen Deine Briefe wieder vor und schreibe weiter.---- Ich kenne Manfred Ackermann, den Vater red gut. Wir hatten zeitweise sogar manches miteinander zu tun.Wenn Dir Peter A. XXXXX gefaellig sein will? Es waere sehr schoen летом зав. Gute Gruesse fuer Euch beide, Eure Join grosse Mutt: 615 noloiv dios anton Lass mich nur noch einmal sagen, dass ich sehr froh bin, weil Deine letzten Briefe nun um so viel erfreulicher sind, als vordem. Ich bin froh und gluecklich darueber. ILOV MRS. MARIE JUCHACZ 339 EAST 173rd STREET e NEW YORK 57, N. Y. 10. h xodor monke redo. 6000 Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstrasse 6, Tel. 40 857. Germany/ American Zone 6.9.46. Meine liebe grosse Mutti, bester Emil, wir bekamen mit unsagbarer Freude Euren Brief vom 23. Juli, der auf fuenf ausfuehrlichen Seiten noch einmal und diesmal doch unter ganz anderen Gesichtspunkten Euer ganzes Leben und Erleben von der Emigration 1933v bis zur gegenwaertigsten Gegenwart schilderte. Ihr habt also weitere Bilder bekommen und Euch darueber gefreut, und wir werden Euch auch immer wieder Bilder schicken, denn zusammen mit dem geschriebenen Wort verdichten sie die Atmosphaere, in der wir leben, arbeiten und kaempfen, in der wir hoffen und streben, weil wir uns trotz unserer 40 Jahre( ich bin 38, Maria ist zwei Jahre aelter als ich und sieht fuenf Jahre juenger aus als ich doch noch jung genug fuehlen. Als Mutti starb, war sie 42 Jahre alt, und ich hatte damals die Vorstellung, dass sie unwahrscheinlich jung war. Heute, bei meinem Alter, weiss ich, dass diese damalige Vorstellung richtig war, denn koerperliche und heistige Jugend sind zwei grundsaetzlich verschiedene Dinge. Maria ist heiter und leichtbeschwingt, ein ganz und gar wesensmaessig gluecklicher Mensch, der aber auf Grund eines ausgepraegten kuenstlerischen Betaetigungstriebs mit dem erforderlichen Ernst zu Werke geht. Das Schmuckstueck auf dem einen Foto ist tatsaechlich alt, eine Hand- Arbeit vom Balkan, von wo wir es uns von einer unserer Reisen mitbrachten. Wir haben uns viel zusammengetragen, auch Maria und ich hatten Sammler- Instinkte, nicht fuer Briefmarken, sondern fuer alte Drucke und Stiche, fuer seltene kuenstlerische und kunsthandwerkliche Kostbarkeiten, wir trugen uns manches Stueck zusammen, aber wir klagen nicht, dass wir alles verloren haben, weil wir Besitz- Menschen sind, die sich an alles klammern. Im Gegenteil: ich stehe genau wie Ihr auf dem Standpunkt, und Maria ist der gleichen Meinung, dass es voellig verfehlt ist, verlorenem Besitz nachzujammern. Selbstverstaendlich freuen wir uns, wenn wir hoeren, dass hier noch etwas von unseren Sachen lebt, oder dort, wie z. B. jetzt, als wir erfuhren, dass sich in Berlin noch Aquarelle von Maria angefunden haben, und in einer Kiste in Oesterreich ebenfalls. So verhielten wir uns auch, als wir fast zur gleichen Zeit im vorigen Jahr nach dem Zusammenbruch in Muenchen ankamen und unsere Wohnung mit ihren Restbestaenden reichlich trostlos aussah. Wir spuckten in die Haende und improvisierten uns mit einigem Geschick schnell etwas zusammen, um uns dann in dieser uns wieder selbstgezimmerten Atmosphaere so wohl zu fuehlen, dass wir daraus die Kraft holten, mit allen anfaenglichen Schwierig- und Widerwaertigkeiten fertig zu werden oder zumindest sie leichter anzupacken und zu bewaeltigen. Ihr habt vielleicht inzwischen den Brief bekommen, indem ich ueber die etwas missglueckte Ankunft des Bei- Paketes berichtete. Einen grossen Teil der herausgenommenen Dinge duerften wir ja wieder zurueckbekommen haben. Von dem Telegramm ist mir etwas mitgeteilt worden, ich konnte mir aber nichts zusammenreimen. Einen Brief mit einem Zettel ueber den Inhalt des Bei- Paketes haben wir auch nicht bekommen, und warten noch auf die Mitteilung des Inhalts, damit wir eventuell noch nachhaken koennen, denn die betreffende Dame, die den Unsinn angestiftet und das Paket geoeffnet hat, ist noch immer in greifbarer Naehe. Sammelt Ihr unsere Korrespondenz? Ich habe alles aufgehoben, was bisher ankam, weil es erstens fuer mich sehr wertvoll ist, denn ich blaettere des oefteren in den Briefen herum, und weil ich zweitens vergleichen kann, worauf Ihr geantwortet habt, was also angekommen ist und was nicht.- Den einen Satz ueber die offenen Worte habe ich nicht ganz verstanden in Earem letzten Brief. Es heisst da:" Und so habe ich denn ueber ein offenes Wort meine grosse Freude gehabt, ich danke dafuer, 1.M." Grundsaetzlich noch einmal folgendes: ich habe einige Male redht verzweifelt geschrieben, und es klang nicht sehr hoffnungsvoll, was ich fuer mich und Marie fuer die Zukunft erwartete. Ich war aber frog, diese Verzweiflung einmal niederschreiben zu koennen, wobei mir klar war, dass ich Tage oder Wochen spacter mich wieder - 2- so bekrabbeln wuerde, um mit der Misere fertig zu werden, was mir ja auch inzwischen gelungen ist. Und wenn ich noch zehn oder zwanzig Mal von vorne anfangen muss, dann fange ich eben von vorne an, so oft es notwendig ist. Nur: wenn man so ganz und gar ohnmaechtig ist, wenn man tausend Moeglichkeiten sieht, wenn alle Voraussetzungen da sind, und die Haende und der Verstand sind gefesselt, und dazu noch aus Gruenden, die keine sind, dann kommt es einem eben mal hoch. Ums omehr kann ich mich in Deine und in Emils seelische Lage hineinfuehlen, in die mannigfaltigsten und meist unerfreulichen Situationen, weil Ihr ja seit 1933 dauernd auf der Flucht seid, und weil Ihr gesehen habt, dass alles das, was Ihr neu anfangt, nur ein Uebergang sein konnte, und Ihr habt trotzdem so gehandelt, als ob es kein Vebergang sei, sondern wieder etwas Neues. Und dass ich ein gut Teil von Eurer Erziehung und Geisteshaltung in mir erhalten habe, mag daraus hervorgehen, dass ich trotz der groessten Schwierigkeiten, Versuchungen und scheinbaren Moeglichkeiten unabhaengig geblieben bin und mir dadurch die Moeglichkeit verschaffte, immer dann aufzuhoeren und fortzugehen, wenn das, was man von mir verlangte oder was sich als unvereinbar mit meinen Vorstellungen ankuendigte, mir nicht mehr gefallen konnte. Wenn ich auch Deinen Satz, grosse Mutti, mit den offenen Worten an Maria nicht ganz verstehe, so verstehe ich doch die offenen Worte dieses ganzen Briefes, und es war gut und notwendig, dass sie einmal so rueckhaltlos geschrieben wurden. Ich sehe mehr und mehr in Euer vergangenes und gegenwaertiges Leben hinein, ich kenne Euren Kampf ums Dasein, ich fuehle Euch trotz aller Gastfreundschaft die Fremdheit nach, die Euch umgibt, und weiss aber auch, dass Ihr trotz allem dem Land und seinen enschen dankbar seid. Trotzdem trage ich mich mit dem" edanken, so schnell wie moeglich hinueberzufahren. Es waere moeglich, wenn jemand die Buergschaft uebernaehme, und wenn man klar sehen wuerde, wie die Ueberfahrt- Kosten fuer zwei Personen aufgebracht werden koennten. Da Eure citizenship noch umstritten ist, wuerde wahrscheinlich als Buerge nur Robert in Frage kommen.- Dass Maria und ich uns trotz der unwahrscheinlichen Schwierigkeiten setteln koennen, halte ich bei unserem Arbeitstemperament und bei unserer Geschicklichkeit fuer durchfuehrbar. Dass Ihr uns keine Schwierigkeiten machen werdet, ist eigentlich so selbstverstaendlich. Und dass Ihr uns die richtigen Ratschlaege geben kocnnt, hoffen wir von ganzem Herzen, dass Ihr es tut. Unseren theoretischen Ueberlegungen sahen so aus, dass ich auf jeden Fall zuerst einmal hier meine Zeitschrift herausbringe, um damit in Deutschland ein Fundament zu schaffen, dass mir eventuell drueben den Boden etwas ebnen koennte. Ich kann mir naemlich vorstellen, dass eine internationale Kunstzeitschrift auch in Amerika ein bestimm tes Echo findet, und dass ich fuer meine eigene Zeitschrift in Amerika und von Amerika aus arbeiten kann. Maria hat in Erwaegung erzogen, ein Atalier fuer gemalte Kleider aufzumachen. Da sie unwahrscheinlich schoene Seidenmalereien gemacht hat und bei geschickter publicity das der dernier cri sein koennte, glaubt sie, damit Erfolg haben zu koennen. Wir glauben also nur, und wissen garnichts. Und wissen nur das eine, dass auf jeden Fall etwas Anfangskapital notwendig ist, und dass wir das nicht haben. Ein solcher Schritt will wohl ueberlegt sein, ob man alle Bruecken hier hinter sich abbricht, ob man sich die Harlachinger Enklave irgendwie erhaelt, ob man fuer eine dafuer erforderliche Zeit nur" besuchsweise" hinueberfaehrt, usw. Ich habe bereits einige Adressen von Freunden, und koennte, bis es so weit ist, noch manche Beziehung auftun. Wie weit derartige Beziehungen aber geeignet sind, einem weiterzuhelfen, kann ich jetzt nicht ahnen und sagen. Nehmt beide doch bitte einmal ganz sachlich und klar zu diesem Problem Stellung, weil es naemlich wichtig fuer uns ist, ganz klar zu sehen und weil sich nach Eurer Stellungnahme im wesentlichen unser Verhalten fuer die naechsten Monate richten wird. Dass Emil nicht mehr der Gesuendeste ist, habe ich mit einigem Schrecken erfahren, als ich mir damals seinen an seine Freunde gerichteten Rundbrief durchlas. Ich wagte aber nicht, genauer zu fragen. Paul Kirschmann zeigte mir bei seinem Muenchener Aufenthalt ein in Meriden gemachtes Bild von Emil, auf dem ich nur zu deutlich die Spuren der Strapazen und Kaempfe ablesen konnte. Mein Traum waere es. im Fruehiahr mit Maria hinucherzufahren 3392 -3einem halbjaehrigen Aufenthalt schon so weit zu sein, dass wir sagen koennten: so, liebe grosse Mutti und lieber Emil, jetzt widmet Euch in den letzten ahren Eures kampfreichen, unruhigen Daseins den Dingen, die Euch am Herzen liegen, ohne dass Ihr auf irgend welche fuer dieses weitere Leben notwendigen materiellen Ueberlegung gen Ruecksicht nehmen muesst, denn wir, Maria und ich, verdienen so viel, dass wir alle auskommen.- Ist das ein Wunschtraum? Ich sage" nein", denn was man richtig will, kann man im allgemeinen schaffen. Manchmal zwar nicht ganz alleine, aber der Ehrgeiz, alle Kredite gutverzinst einmal zurueckzuzahlen, ist niemals ein schlechter Ehrgeiz gewesen. Und nun noch etwas zur ins Korn geworfenen Flinte und sum" In die Politik hinueberwechseln". Ich sage vielleicht einmal dummerweise, dass ich drauf und dran bin, die Flinte ins Korn zu werfen, aber das ist wie mit den" enschen, die dauernd davon spree chen, dass sie sich jeden Augenblick aufhaengen wollen und die dann hundert Jahre alt werden. Man sollte das am besten auch nicht sagen und Flinte Flinte sein lasssen, aber wenn das Barometer mal ganz tief gerutscht ist, wird man vor lauter scheinbarer Aussichtslosigkeit etwas hilflos. Das ist ein Zustand aehnlich dem, der mich kurz vor Toresschluss, im April 1945, in Straubing bei Regensburg, am Bahnhofsgelaende ueberfiel. Wir lagen dort zu 128 Personen auf einem Gelaendes tueck von etwa loo Quadratmetern, dicht am Bahndamm neben einem typischen Ortsfriedhof, und warteten unsere Zeit ab, um einige Stunden spaeter unsere Marschverpflegung abzuholen. Da zogen mehrere viermotorige Geschwader am Horizont auf, kamen naeher, ein Kamerad sagte: jetzt geht es wieder nach Regensburg, auf den Nachschub. Und nach einer Weile ich:" Wenn die jetzt ausklinken, dann hat es uns". Und sie klinkten aus, eine Welle nach der anderen, von links kommend, von rechts, vorne und hinten.Kaum hatte sich der Rauch des Einschlags bzw. der Einschlaege verzogen, pfiff es von neuem vom Himmel herunter. Sehen konnte man nichts, hoeren konnte, an nichts. Ich sprang von Kraterloch zu Kraterloch, wurde hochgerissen, weggeschleudert, die Brocken flogen mir wie Hagel um die Ohren, dauernd war ich mit meinem Kameraden in Verbindung, wir riefen uns beim Aufspringen, Weiterspringen, Verstecken in den Bombenloechern die Richtung zu, landeten auf dem Friedhof, der im gleichen Augenblick von vielen anderen aufeinanderfolgenden Wellen umgepfluegt wurde. Einmal lag ich zwischen drei grossen Grabsteinen, links und rechts ein langer, und vor mir ein hoher. Den vierten von etwa einem Zentnergewicht schleuderte mir der Luftdruck aufs Kreuz, und das war meine Rettung, denn der naechste Segen, der zentimeterscharf neben den Steinen das Erdreich forttrug, ging ueber die schuetzenden Steine und ueber mich hinweg. Ich hatte Prellungen, war etwas geschunden, und als ich dann einige Minuten spaeter auf das freie Ackerland hinauslief, den naechsten ausklinkenden Wellen entgegen, und mein Kamerad in groesserer Entfernung in gleicher Richtung, spuerte ich ebenfalls nichts von Angst, sondern eben nur von der Hilflosigkeit, mit der man da nun uerfeldein laeuft und sich sagt: bis jetzt hat es mich nicht erwischt, warum denn nur in der allerletzten Minute. Als ich mir einige Stunden spaeter das Gelaende, auf dem wir zuerst gelegen hatten, ansah, wollte ich es nicht gleuben, dass ich mit noch einem" enschen das Glueck hatte, aus diesem Hexenkessel herausgekommen zu sein. Wir swei waren von den 128 Menschen uebrig geblieben. Und das hundert Quadratmeter grosse Stueckchen Land war ein wund aufgerissenes Stueckchen Erde mit den wild verstreuten Resten von 126 Menschen. Als ich das sah, war ich betaeubt hilflos, und es dauerte bis in den naechsten Tag hinein, um damit fertig und davon wieder frei zu werden. Ganz frei davon bin ich heute noch nicht, obwohl ich gottlob nicht mehr davon traeume. Ebenso hilflos war ich 1943 in Berlin, als ich einmal 20 Minuten lang mit Frauen und Kindern und einem alten Mann verscbuettet war und keine Moeglichkeit sah, heraus zukommen. Mit der gezogenen Pistole hielt ich eine wahnsinnig gewordene Frau in Schach und disponierte kurz entschlossen so, wie ich es fuer richtig hielt, und kam mit 11 von den Eingekellerten heraus. Acht blieben zurueck und wurden vor unseren Augen verschue ctet. 14Auch da war ich hilflos, denn meine Kraft reichte nicht aus, um das zusammengestuerzte Haus so schnell abzutragen, dass die Verschuetteten gerettet werden koennter Ausserdem hinderten mich die Tiefflieger daran, das Feuer der Bordwaffen, und die un mich herum zusammenbrechenden Haeuser, die von Phosphor verbrannten Menschen, die ich dann die ganze Nacht hindurch mit einem Wagen aufsammelte und in Krankenhaeu ser fuhr. 14 Tage lang war ich damals im sogenannten" Raeum- Einsatz", und immer waehr rend der Dauer der Angriffe. Hunderte von Menschen hat es vor meinen Augen erschlagen, und ich war hilflos. Auch vor einem Vierteljahr war ich hilflos, denn" not to be employed" ist wie ein eingestuerztes Haus, unter dem man begraben liegt. Es kann nur Hilfe von auss en kommen. Und wenn man noch die Geistesgegenwart und die Kraft hat, Laute von sich zu geben, die von Aussenstehenden bemerkt werden und die dann eingreifen, geht es. Aber man weiss ja selbst nicht, dass es geht. In einem solchen Zustand wirdt man in Gedanken die Flinte ins Korn, oder man spricht datron, es tun zu wollen. Aber in dem Augenblick, wo man hoert, dass von aussen gebuddelt wird, hat man mehr Kraft als viele" enschen zusammen. Versteht Ihr mich etwas? Und mit dem" Hinueberwechseln" ist es so: ich bin politisch nicht nur brennend an allen Dingen interessiert, sondern habe das grosse Beduerfnis, mit beiden Haenden zuzufassen. Das kann man in direkter Partei- Aufbauarbeit, man kann das aber auch in der Form, die fuer das gebrochene Deutschland nicht die schlechteste ist: den Menschen Kontakt mit der Politik geben, wo man geht und steht und mit allem, was man sagt und tut. Ihr kennt nicht die Gespraeche junger Menschen auf der Strassenbahn, wie sie verwirrt ist und irrt. Druecke solchen jungen" enschen ein Flugblatt in die" and, sie werfen es fort. Fordere sie auf, politisch aktiv zu werden, sie lachen Dich aus.- Wenn Du Dich aber fast unbemerkt in die Diskussiod einschaltest, kannst Du bald- ohne als Partei- Propagandaredner erkannt zu werden- den Diskussionsfaden in die eigene Hand nehmen und das Gespraech in eine Richtung bringen, die positiv, aufklaerend, befruchtend ist. Es ist ja so0000 schwer, gerade die Jugend zu erfassen, und auf sie kommt es nach meiner Meinung in allererster Linie an. Die Erwachsenen haben 12 Jahre lang so geschrien, jetzt schreinen sie anders. Und wenn es sich ergaebe, wuerden sie uebermorgen wieder ganz anders bruellen. Das ist die geistig muede gemachte Buergermasse, die nur die eigenen vier Waende sieht, und darin den Kochtopf, auf dem Herd, die Kartoffel- und Kohlenkisten gefuellt, und in der Speisekammer von Freunden vom Land diese oder jene Kleinig keit. Politik? Um Gotteswillen, das hatten wir seit 1933. etzt wollen wir einstweilen mal eine Weile garnichts. Nur was zu essen, und moeglichst lange keine Ar beit, mit der wir schlecht verdienen, sondern unseren Schwarzhandel, der uns von 365 Tagen im Jahr 300 Ferientage garantiert. Die Amerikaner? Sie nehmen uns alles, und geben uns als Trost ein paar Konserven oder Buechsengemuese und Trockenmilch. Die Zeitungen? Luegen genau so wie frueher.- Die in Bildung begriffene egierung? Das sind Parteibonzen, die in die eigene Tasche wirtschaften.- Der deutsche Durchschnittsmensch ist politisch restlos verdorben. Die neue politische Erziehung wird vielleicht einmal bei der jetzt heranwachsenden Generation wirksam werden. Hinueberwechseln in die Politik hiess damals in meinem Brief: aus der defensiven Passivitaet in die agressive Aktivitaet uebergehen. Aber auch bei dieser Argumentation werdet Ihr noch ein Haar finden, und wenn ja, dann auch mit Recht, denn von dreuben sieht es anders aus als von hier. Es gilt nicht, ein deutsches Problem zu loesen, sondern ein Zonenproblem. Ausserdem haben wir noch immer Waffenstillstand, und keinen Frieden. Trotzdem ist das Werk, das die Aktivisten Schumacher, H oegner usw. bereits vollbracht haben, gewaltig, denn ohne sie wuerden die Probleme Ruhr, Osten, Parteien, Verwaltung, Wirtschaftseinheit, usw. ganz anders und weniger befriedigend geloest werden. Aber nicht zu viel von diesen persoanlichsten politischen Gedanken. Darueber unterhalten wir uns, wenn wir bei Euch sind, ja? Dein Nachsatz, grosse Mutti, mit den Paketen ist so etwas wie Testament. Wir warten froh und geduldig. An Else Pfau werde ich schreiben.- Euch umarmen wir herzlichst. Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstrasse 6, Tel. 40 857. Germany/ American Zone 6.9.46. Meine liebe grosse Mutti, bester Emil, . wir bekamen mit unsagbarer Freude Euren Brief vom 23. Juli, der auf fuenf ausfuehrlichen Seiten noch einmal und diesmal doch unter ganz anderen Gesichtspunkten Euer ganzes Leben und Erleben von der Emigration 1933v bis zur gegenwaertigsten Gegenwart schilderte. Ihr habt also weitere Bilder bekommen und Buch darueber gefreut, und wir werden Euch auch immer wieder Bilder schicken, denn zusammen mit dem geschriebenen Wort verdichten sie die Atmosphaere, in der wir leben, arbeiten und kaempfen, in der wir hoffen und streben, weil wir uns trotz unserer 40 Jahre( ich bin 38, Maria ist zwei Jahre aelter als ich und sieht fuenf Jahre juenger aus als ich doch noch jung genug fuehlen. Als Mutti starb, war sie 42 Jahre alt, und ich hatte damals die Vorstellung, dass sie unwahrscheinlich jung war. Heute, bei meinem Alter, weiss ich, dass diese damalige Vorstellung richtig war, denn koerperliche und heistige Jugend sind zwei grundsaetzlich verschiedene Dinge. Maria ist heiter und leichtbeschwingt, ein ganz und gar wesensmaessig gluecklicher Mensch, der aber auf Grund eines ausgepraegten kuenstlerischen Betaetigungstriebs mit dem erforderlichen Ernst zu Werke geht. Das Schmuckstueck auf dem einen Foto ist tatsaechlich alt, eine Hand- Arbeit vom Balkan, von wo wir es uns von einer unserer Reisen mitbrachten. Wir haben uns viel zusammengetragen, auch Maria und ich hatten Sammler- Instinkte, nicht fuer Briefmarken, sondern fuer alte Drucke und Stiche, fuer seltene kuenstlerische und kunsthandwerkliche Kostbarkeiten, wir trugen uns manches Stueck zusammen, aber wir klagen nicht, dass wir alles verloren haben, weil wir Besitz- Menschen sind, die sich an alles klammern. Im Gegenteil: ich stehe genau wie Ihr auf dem Standpunkt, und Maria ist der gleichen Meinung, dass es voellig verfehlt ist, verlorenem Besitz nachzujammern. Selbstverstaendlich freuen wir uns, wenn wir hoeren, dass hier noch etwas von unseren Sachen lebt, oder dort, wie z.B. jetzt, als wir erfuhren, dass sich in Berlin noch Aquarelle von Maria angefunden haben, und in einer Kiste in Oesterreich ebenfalls. So verhielten wir uns auch, als wir fast zur gleichen Zeit im vorigen Jahr nach dem Zusammenbruch in Muenchen ankamen und unsere Wohnung mit ihren Restbestaenden reichlich trostlos aussah. Wir spuckten in die Haende und improvisierten uns mit einigem Geschick schnell etwas zusammen, um uns dann in dieser uns wieder selbstgezimmerten Atmosphaere so wohl zu fuehlen, dass wir daraus die Kraft holten, mit llen anfaenglichen Schwierig- und Widerwaertigkeiten fertig zu werden oder zumindest sie leichter anzupacken und zu bewaeltigen. Ihr habt vielleicht inzwischen den Brief bekommen, indem ich ueber die etwas missglueckte Ankunft des Bei- Paketes berichtete. Einen grossen Teil der herausgenommenen Dinge duerften wir ja wieder zurueckbekommen haben. Von dem Telegramm ist mir etwas mitgeteilt worden, ich konnte mir aber nichts zusammenreimen. Einen Brief mit einem Zettel ueber den Inhalt des Bei- Paketes haben wir auch nicht bekommen, und warten noch auf die Mitteilung des Inhalts, damit wir eventuell noch nachhaken koennen, denn die betreffende Dame, die den Unsinn angestiftet und das Paket geoeffnet hat, ist noch immer in greifbarer Naehe. Sammelt Ihr unsere Korrespondenz? Ich habe alles aufgehoben, was bisher ankam, weil es erstens fuer mich sehr wertvoll ist, denn ich blaettere des oefteren in den Briefen herum, und weil ich zweitens vergleichen kann, worauf Ihr geantwortet habt, was also angekommen ist und was nicht.- Den einen Satz ueber die offenen Worte habe ich nicht ganz verstanden in Eurem letzten Brief. Es heisst da:" Und so habe ich denn ueber ein offenes Wort meine grosse Freude gehabt, ich danke dafuer, 1.M." Grundaaetzlich noch einmal folgendes: ich habe einige Male recht verzweifelt geschrieben, und es klang nicht sehr hoffnungsvoll, was ich fuer mich und Marie fuer die Zukunft erwartete. Ich war aber froh, diese Verzweiflung einmal niederschreiben zu koennen, wobei mir klar war, dass ich Tage oder Wochen spaeter mich wieder - 2- so bekrabbeln wuerde, um mit der Misere fertig zu werden, was mir ja auch inzwischen gelungen ist. Und wenn ich noch zehn oder zwanzig Mal von vorne anfangen muss, dann fange ich eben von vorne an, so oft es notwendig ist. Nur: wenn man so ganz und gar ohnmaechtig ist, wenn man tausend Moeglichkeiten sieht, wenn alle Voraussetzungen da sind, und die Haende und der Verst and sind gefesselt, und dazu noch aus Gruenden, die keine sind, dann kommt es einem eben mal hoch. Ums amehr kann ich mich in Peine und in Emils seelische Lage hineinfuehlen, in die mannigfaltigsten und meist unerfreulichen Situationen, weil Ihr ja seit 1933 dauernd auf der Flucht seid, und weil Ihr gesehen habt, dass alles das, was Ihr neu anfangt, nur ein Uebergang sein konnte, und Ihr habt trotzdem so gehandelt, als ob es kein Uebergang sei, sondern wieder etwas Neues. Und dass ich ein gut Teil von Eurer Erziehung und Geisteshaltung in mir erhalten habe, mag daraus hervorgehen, dass ich trotz der groessten Schwierigkeiten, Versuchungen und scheinbaren Moeglichkeiten unabhaengig geblieben bin und mir dadurch die Moeglichkeit verschaffte, immer dann aufzuhoeren und fortzugehen, wenn das, was man von mir verlangte oder was sich als unvereinbar mit meinen Vorstellungen ankuendigte, mir nicht mehr gefallen konnte. Wenn ich auch Deinen Satz, grosse Mutti, mit den offenen Worten an Maria nicht ganz verstehe, so verstehe ich doch die offenen Worte dieses ganzen Briefes, und es war gut und notwendig, dass sie einmal so rueckhaltlos geschrieben wurden. Ich sehe mehr und mehr in Euer vergangenes und gegenwaertiges Leben hinein, ich kenne Euren Kampf ums Dasein, ich fuehle Euch trotz aller Gastfreundschaft die Fremdheit nach, die Euch umgibt, und weiss aber auch, dass Ihr trotz allem dem Land und seinen enschen dankbar seid. Trotzdem trage ich mich mit dem" edanken, so schnell wie moeglich hinueberzufahren. Es waere moeglich, wenn jemand die Buergschaft uebernaehme, und wenn man klar sehen wuerde, wie die Ueberfahrt- Kosten fuer zwei Personen aufgebracht werden koennten. Da Eure citizenship noch umstritten ist, wuerde wahrscheinlich als Buerge nur Robert in Frage kommen.- Dass Maria und ich uns trotz der unwahrscheinlichen Schwierig keiten setteln koennen, halte ich bei unserem Arbeitstemperament und bei unserer Geschicklichkeit fuer durchfuehrbar. Dass Ihr uns keine Schwierigkeiten machen werdet, ist eigentlich so selbstverstaendlich. Und dass Ihr uns die richtigen Ratschlaege geben koennt, hoffen wir von ganzem Herzen, dass Ihr es tut. Unseren theoretischen Ueberlegungen sahen so aus, dass ich auf jeden Fall zuerst einmal hier meine Zeitschrift herausbringe, um damit in Deutschland ein Fundament zu schaffen, dass mir eventuell drueben den Boden etwas ebnen koennte. Ich kann mir naemlich vorstellen, dass eine internationale Kunstzeitschrift auch in Amerika ein bestimmtes Echo findet, und dass ich fuer meine eigene Zeitschrift in Amerika und von Amerika aus arbeiten kann. Maria hat in Erwaegung erzogen, ein Atalier fuer gemalte Kleider aufzumachen. Da sie unwahrscheinlich schoene Seidenmalereien gemacht hat und bei geschickter publicity das der dernier cri sein koennte, glaubt sie, damit Erfolg haben zu koennen. Wir glauben also nur, und wissen garnichts. Und wissen nur das eine, dass auf jeden Fall etwas Anfangskapital notwendig ist, und dass wir das nicht haben. Ein solcher Schritt will wohl ueberlegt sein, ob man alle Bruecken hier hinter sich abbricht, ob man sich die Harlachinger Enklave irgendwie erhaelt, ob man fuer eine dafuer erforderliche Zeit nur" besuchsweise" hinueberfaehrt, usw. Ich habe bereits einige Adressen von Freunden, und koennte, bis es so weit ist, noch manche Beziehung auftun. Wie weit derartige Beziehungen aber geeignet sind, einem weiterzuhelfen, kann ich jetzt nicht ahnen und sagen. Nehmt beide doch bitte einmal ganz sachlich und klar zu diesem Problem Stellung, weil es naemlich wichtig fuer uns ist, ganz klar zu sehen und weil sich nach Eurer Stellungnahme im wesentlichen unser Verhalten fuer die naechsten Monate richten wird. Dass Emil nicht mehr der Gesuendeste ist, habe ich mit einigem Schrecken erfahren, als ich mir damals seinen an seine Freunde gerichteten Rundbrief durchlas. Ich wagte aber nicht, genauer zu fragen. Paul Kirschmann zeigte mir bei seinem Muenchener Aufenthalt ein in Meriden gemachtes Bild von Emil, auf dem ich nur zu deutlich die Spuren der Strapazen und Kaempfe ablesen konnte. Mein Traum where 02 -3einem halbjaehrigen Aufenthalt schon so weit zu sein, dass wir sagen koennten: so, liebe grosse Mutti und lieber Emil, jetzt widmet Euch in den letzten" ahren Fures kampfreichen, unruhigen Daseins den Dingen, die Euch am Herzen liegen, ohne dass Ihr auf irgend welche fuer dieses weitere Leben notwendigen materiellen Ueberlegung gen Ruecksicht nehmen muesst, denn wir, Maria und ich, verdienen so viel, dass wir alle auskommen.- Ist das ein Wunschtraum? Ich sage" nein", denn was man richtig will, kann man im allgemeinen schaffen. Manchmal zwar nicht ganz alleine, aber der Ehrgeiz, alle Kredite gutverzinst einmal zurueckzuzahlen, ist niemals ein schlechter Ehrgeiz gewesen. Und nun noch etwas zur ins Korn geworfenen Flinte und sum" In die Politik hinueberwechseln". Ich sage vielleicht einmal dummerweise, dass ich drauf und dran bin, die Flinte ins Korn zu werfen, aber das ist wie mit den Menschen, die dauernd davon spree chen, dass sie sich jeden Augenblick aufhaengen wollen und die dann hundert Jahre alt werden. Man sollte das am besten auch nicht sagen und Flinte Flinte sein lasssen, aber wenn das Barometer mal ganz tief gerutscht ist, wird man vor lauter scheinbarer Aussichtslosigkeit etwas hilflos. Das ist ein Zustand aehnlich dem, der mich kurz vor Toresschluss, im April 1945, in Straubing bei Regensburg, am Bahnhofsgelaende ueberfiel. Wir lagen dort zu 128 Personen auf einem Gelaendestueck von etwa 100 Quadratmetern, dicht am Bahndamm neben einem typischen Ortsfriedhof, und warteten unsere Zeit ab, um einige Stunden spaeter unsere Marschverpflegung abzuholen. Da zogen mehrere viermotorige Geschwader am Horizont auf, kamen naeher, ein Kamerad sagte: jetzt geht es wieder nach Regensburg, auf den Nachschub. Und nach einer Weile ich:" Wenn die jetzt ausklinken, dann hat es uns". Und sie klinkten aus, eine Welle nach der anderen, von links kommend, von rechts, vorne und hinten.Kaum hatte sich der Rauch des Einschlags bzw. der Einschlaege verzogen, pfiff es von neuem vom Himmel herunter. Sehen konnte man nichts, hoeren konnte, an nichts. Ich sprang von Kraterloch zu Kraterloch, wurde hochgerissen, weggeschleudert, die Brocken flogen mir wie Hagel um die Ohren, dauernd war ich mit meinem Kameraden in Verbindung, wir riefen uns beim Aufspringen, Weiterspringen, Verstecken in den Bombenloechern die Richtung zu, landeten auf dem Friedhof, der im gleichen Augenblick von vielen anderen aufeinanderfolgenden Wellen umgepfluegt wurde. Einmal lag ich zwischen drei grossen Grabsteinen, links und rechts ein langer, und vor mir ein hoher. Den vierten von etwa einem Zentnergewicht schleuderte mir der Luftdruck aufs Kreuz, und das war meine Rettung, denn der naechste Segen, der zentimeterscharf neben den Steinen das Erdreich forttrug, ging ueber die schuetzenden Steine und ueber mich hinweg. Ich hatte Prellungen, war etwas geschunden, und als ich dann einige Minuten spaeter auf das freie Ackerland hinauslief, den naechsten ausklinkenden Wellen entgegen, und mein Kamerad in groesserer Entfernung in gleicher Richtung, spuerte ich ebenfalls nichts von Angst, sondern eben nur von der Hilflo sigkeit, mit der man da nun uerfeldein laeuft und sich sagt: bis jetzt hat es mich nicht erwischt, warum denn nur in der allerletzten Minute. Als ich mir einige Stunden spaeter das Gelaende, auf dem wir zuerst gelegen hatten, ansah, wollte ich es nicht gleuben, dass ich mit noch einem" enschen das Glueck hatte, aus diesem Hexenkessel herausgekommen zu sein. Wir swei waren von den 128 Menschen uebrig geblieben. Und das hundert Quadratmeter grosse Stueckchen Land war ein wund aufgerissenes Stueckchen Erde mit den wild verstreuten Resten von 126 Menschen. Als ich das sah, war ich betaeubt hilflos, und es dauerte bis in den naechsten Tag hinein, um damit fertig und davon wieder frei zu werden. Ganz frei davon bin ich heute noch nicht, obwohl ich gottlob nicht mehr davon traeume. Ebenso hilflos war ich 1943 in Berlin, als ich einmal 20 Minuten lang mit Frauen und Kindern und einem alten Mann verscbuettet war und keine Moeglichkeit sah, herauszukommen. Mit der gezogenen Pistole hielt ich eine wahnsinnig gewordene Frau in Schach und disponierte kurz entschlossen so, wie ich es fuer richtig hielt, und kam mit 11 von den Eingekellerten heraus. Acht blieben zurueck und wurden vor unseren Augen verschuectet. 14Auch da war ich hilflos, denn meine Kraft reichte nicht aus, um das zusammengestuerzte Haus so schnell abzutragen, dass die Verschuetteten gerettet werden koennter Ausserdem hinderten mich die Tiefflieger daran, das Feuer der Bordwaffen, und die um mich herum zusammenbrechenden Haeuser, die von Phosphor verbrannten Menschen, die ich dann die ganze Nacht hindurch mit einem Wagen aufsammelte und in Krankenhaeu ser fuhr. 14 Tage lang war ich damals im sogenannten" Raeum- Einsatz", und immer waeh rend der Dauer der Angriffe. Hunderte von Menschen hat es vor meinen Augen erschla gen, und ich war hilflos. Auch vor einem Vierteljahr war ich hilflos, denn" not to be employed" ist wie ein eingestuerztes Haus, unter dem man begraben liegt. Es kann nur Hilfe von aussen kommen. Und wenn man noch die Geistesgegenwart und die Kraft hat, Laute von sich zu geben, die von Aussenstehenden bemerkt worden und die dann eingreifen, geht es. Aber man weiss ja selbst nicht, dass es geht. In einem solchen Zustand wirdt man in Gedanken die Flinte ins Korn, oder man spricht davon, es tun zu wollen. Aber in dem Augenblick, wo man hoert, dass von aussen gebuddelt wird, hat man mehr Kraft als viele" enschen zusammen. Versteht Ihr mich etwas? sie Und mit dem" Hinueberwechseln" ist es so: ich bin politisch nicht nur brennend on allen Dingen interessiert, sondern habe das grosse Beduerfnis, mit beiden Haenden zuzufassen. Das kann man in direkter Partei- Aufbauarbeit, man kann das aber auch in der Form, die fuer das gebrochene Deutschland nicht die schlechteste ist: den Menschen Kontakt mit der Politik geben, wo man gcht und steht und mit allem, was man sagt und tut. Ihr konnt nicht die Gespraeche junger" enschen auf der Strassenbahn, wie sie verwirrt ist und irrt. Druecke solchen jungen" enschen ein Flugblatt in die" and, sie werfen es fort. Fordere sie auf, politisch aktiv zu werden, lachen Dich aus.- Wenn Du Dich aber fast unbemerkt in die Diskussion einschaltest, kannst Du bald- ohne als Partei- Propagandaredner erkannt zu werden- den Diskussionsfaden in die eigene Hand nehmen und das Ces praech in eine Richtung bringen, die positiv, aufklaerend, befruchtend ist. Es ist ja sooooo schwer, gerade die Jugend zu erfassen, und auf sie kommt es nach meiner Meinung in allererster Linie an. Die Erwachsenen haben 12 Jahre lang so geschrien, jetzt schreinen sie anders. Und wenn es sich ergaebe, wuerden sie uebermorgen wieder ganz anders bruellen. Das ist die geistig muede gemachte Buergermasse, die nur die eigenen vier Waende sieht, und darin den Kochtopf, auf dem Herd, die Kartoffel- und Kohlenkisten gefuellt, und in der Speisekammer von Freunden von Land diese oder jene Kleinig keit. Politik? Um Gotteswillen, das hatten wir seit 1933." etzt wollen wir einstweilen mal eine Weile garnichts. Nur was zu essen, und moeglichst lange keine Arbeit, mit der wir schlecht verdienen, sondern unseren Schwarzhandel, der uns von 365 Tagen im Jahr 300 Ferientage garantiert. Die Amerikaner? Sie nehmen uns alles, und geben uns als Trost ein paar Konserven oder Buechsengemuese und Trockenmilch. Die Zeitungen? Luegen genau so wie frue her.- Die in Bildung begriffene" egierung? Das sind Parteibonzen, die in die eigene Tasche wirtschaften.- Der deutsche Durch schnittsmensch ist politisch restlos verdorben. Die neue politische Erziehung wird vielleicht einmal bei der jetzt heranwachsenden Generation wirksam werden. Hinueberwechseln in die Politik hiess damals in meinem Brief: aus der defensiven Passivitaet in die agressive Aktivitaet uebergehen. Aber auch bei dieser Argumentation werdet Ihr noch ein Haar finden, und wenn ja, dann auch mit Recht, denn von dreuben sieht es anders aus als von hier. Es gilt nicht, ein deutsches Problem zu loesen, sondern ein Zonenproblem. Ausserdem haben wir noch immer Waffenstillstand, und keinen Frieden. Trotzdem ist das Werk, das die Aktivisten Schumacher, H oegner usw. bereits vollbracht haben, gewaltig, denn ohne sie wuerden die Probleme Ruhr, Osten, Parteien, Verwaltung, Wirtschaftseinheit usw. ganz anders und weniger befriedigend geloest werden. Aber nicht zu viel von diesen persoanlichsten politischen Gedanken. Darueber unterhalten wir uns, wenn wir bei Euch sind, ja? Dein Nachsatz, grosse Mutti, mit den Paketen ist so etwas wie Testament. Wir warten froh und geduldig.-An Else Pfau werde ich schreiben- Ench umarmen wir herzlichst MRS. MARIE JUCHACZ son octisanat 339 EAST 173rd STREET To bao ni deffect and ab hru deffror loadistise mecefb NEW YORK 57, N. Y3 29 Teasd den 28. August 1946 an Fritz, mein lieber Junge und liebe Maria, es ist zwar einige Post an Dich Euch unterwegs, vielleicht auch schon in Eurer Hand. Aber ich will doch den ersten Tag, an dem uns ersten Tag benuetzen, an dem es uns erlaubt ist, Luftpost zu schicken. Die Marke soll fuer den Heinz eine Freude sein, es wurde hier bekannt gegeben, dass Markensammler, die Wert darauf legen sie zu besitzen, ihre Freunde bitten sollten, sie zurueck zu schicken. Ich habe Paul und Lotte gebeten, das zu tun, damit ich hier Freunden, die mir gefaellig sind, auch mal eine Freude machen kann. Und so bin ich froh, dass ich auch dem Heinz mal einen kleinen Wunsch erfuellen kann.--- Du lieber Junge, wirst es nicht mehr wissen, wie Deine Mutter und ich Euch am ersten deutschen Verfassungstage ganze Bogen mit allen nur erhaeltlichen Marken haben abstempeln lassen. Das ist sicher schon verloren gegangen ehe Hitler kam, denn ich kann mich nicht erinnern, dass bei einem von Euch die" Sammlerleidenschaft" ueberwogen haette. Aber das kommt mir nur so beim Schreiben in den Sinn.--- Ich bekam einen Brief von Sollmann an Jean Meerfeld, mit der Bitte, dass Emil und ich ihn lese, bevor er weiter befoerdert wuerde. Das ist wirklich eine bequeme Art sich gegenseitig zu unterrichten, wenn es zeitlich nicht so genau darauf ankommt. In diesem Brief teilte Sollman u.a. auch mit, dass r den Versuch machen könnte, den Rolf entweder aus der frnz. Ariegsgefangenenschaft frei zu bekommen oder ihm doch sein Los zu erleichtern.--- Du wirst nun energiegeladen dabei sein, Dir wieder eine Zukunft aufzubauen. Ich hoffe, dass Ihr inzwischen auch das CARE- Paket erhalten werdet, dass Euch ueber eine Zeit zusaetzlich hinweg helfen wird. Wenn wir doch noch viel mehr tun koennten,---- Aber bitte schreibt mir, schreibt uns doch regelmaessig, wie es um Euch, in Luch aussieht. --- Mit Emil steht es zur Stunde garnicht gut. Ich soll es eigentlich nicht sagen, aber es laueft mir zwischendurch doch immer wieder unter, dann spreche ich es aus. Und es hat ja schliesslich auch keinen Zweck es ganz zu verschweigen, dass er wirklich sehr leidend ist und dass- was noch schlimmer ist sein Leiden augenscheinlich nicht zum Stillstand zu bringen ist. Landaufenthalt und vollkommene. Ruhe, koerperlich und auch seelisch, sagen die Aerzte, an denen wir Emigranten hier keinen Mangel haben, sie sind gut, die ehemals deutschen Aerzte und sie helfen so kameradschaftlich dazu und sind mit viel persoenlichem Intresse beteiligt. In dieser Beziehung koennen wir beruhigt sein, dass nichts unterlassen wird, was helfen kann oder was ihm Erleichterung schafft.Aber ich bitte auch Dich lieber Fritz, von diesen Dingen nichts zu erwaehnen.Emil hat es wirklich nicht gerne, wenn er weiss, dass ich davon schreibe oder zu jemand davon spreche, dass er krank ist, er hat immer Angst, dass ich dann etwas mitteile ueber seinen Zustand, was ihm renthalten bleibt. Und das ist auch so, weil er doch auch die Hoffnung braucht. --Habe ich nun zuviel gekloent? Es ist sicher nicht schoen Euch noch zu beschweren mit unserem Kummer, aber schliesslich gibt es Situationen, in denen man nicht alles verschweigen kann.--- Heute las ich wieder einmal einen Artikel, in dem einer der Ueberlebenden aus dem Haubach- Mierendorf aber auch Trott- Kreis ueber die damaligen fehlgeschlagenen Plaene schrieb. Was hat das alles fuer besonders kostbares Menschenleben gekostet, es wird einem immer wieder weh ums Herz, wenn man darueber liest und sich vorstellt, wieviel Blut und wieviel materielle Werte haetten gespart werden koennen. Aber das fuehrt schon zu weit fuer den Umfang dieses Briefes, der eilig ist.---- Hatte ich schon erwaehnt, dass Payl mir schrieb, dass man Dich eigentlich garnicht mehr kennt? Du scheinst Dich doch bei ihm sehr rar zu machen. Aber ich mache Dir natuerlich keine Vorwuerfe, tu, wozu Dein Herz Dich treibt.--- Wir haben hier einen schoenen, aber fruehen Herbst, der aber ganz anders ist, als der deutsche. Man spricht hier von dem" Indian Sommer", so ist z.B.der Monat November, den wir am meisten fuerchteten, hier fast der schoenste Monat des Jahres, mit seinen unbeschreibliche schoenen bunten Bildern. Auch jetzt, im Augenblick ist es sehr schoen und das Laub beginnt sich schon zu faerben. Trotzdem kann ich keine Stunde die Bilder der Zerstoerung ver_ gessen, die uns i die uns taeglich in Wort und Schrift uebermittelt werden. Nehmt heute mit diesem Geschreibsel vorlieb und seid ganz herzlich gegruesst von Deiner Eurer grasse Muti I nob Noob II foi o 0.bed cotto oa, Norry: declletve center monte Is ented shad - deoxy, medita coyments ted assb.m ibra bourbox lid on bn. hajush 100220 do i Hade -nederlegt ebaus wie folgt run Jariw dates and fee toob tabo nemexed us fexec I betono need t aux die onto teden doua caz.objawiedze dex 1-0 ab Noura doar led lety Toon doob mns.briw med s asped to a sineste as floc de Iding one end tus as drate It le dor edostça mbebeert doobedo Ibne doar ve aile ha nammoxIIov bru Ideasbedactalim dola Holistados noted sia bgu odse gefedue Jgirl Jod sasexjni verificare aIsmode thatim bnt Jety i na bro of femal ah dodoaberom redeti doi dome did dot redne urednote mtaa teho ng Is to anana sede elgets for deb, Jasimi Jad dus de oa doua oa dota rodaje dei aap isivus murt Hot dam mensh demolitio as jy deel en dime Ledri penje Immia bein does t Jo- JJ017 doce de 11obre to ill- tos de mah Bungbedalt delle cafe ob dau 211s art ted arw.dorioa ere eget elmbolb today and shalw Tommi metrie britaxan medeine deres corteo atsboos 9 Je] to reborn asasib ol Jane do oblitante foi em Pacb, feito tted over te oesten i enorm doi 13. se mit tednov. fdfeit dat se mind uso, nedsuti ted. Hengo foe nents reid geded, Tiv-obieletal probe se rede teh, fre not wasto. Sor Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstrasse 6 Tel. 40 857. Liebe grosse Mutti, lieber Emil, 19. August 46. den Antwortbrief von Mi vom 28. Juni, der eine Antwort auf meinen Brief vom 26. Mai war, habe ich erhalten. Ich habe weder den Brief vom 12. Juni bekommen, noch den dazugehoerigen Zettel. Ausserdem habe ich jetzt auf Grund der Luecken festgestellt, dass eine Menge Post von mir nicht angekommen ist. Die Anschrift des Vetters von Maria, Sascha Greiner, Direktor bei Steinway and sons, habe ich mehrfach mite geteilt. Ich danke Dir, grosse Mutti, fuer den anschaulichen Unterricht ueber die postalische Ordnung der civilian U.S. mail, und ueber den Bericht von der grossen Hitze. Ist denn Emil nun auch fuer vier Wochen in die Catskils gefahren? Mir ist klar, dass Ihr nicht im geringsten im Ueberfluss lebt, deshalb haben wir auch mit um so groesserer Dankbarkeit alles das, was Ihr uns bisher geschickt habt, angenommen, weil wir wissen, dass es unter el genen persoenlichen Opfern abgespart und abgegeben wird. Deshalb sollt Ihr auch keine kostspieligen Dinge mehr schicken, zumal die Preise fuer Kleidung und sehnliche Dinge sehr hochgeklettert sind. Wenn Ihr mal etwas einpackt, dann nur das, was uns ernaehrungsmaessig auf die Beine hilft. Dazu wuerde gehoeren: Fett oder Oel, damit man etwas braten kann. Wenn wir uns Mehl und Wasser mit frockenei zusammenruehren, oder auch nur Mehl und Wasser, und haben eine Kleinigkeit Fett, koennen wir uns zum Fruehstueck statt gekochter Kartoffeln( die allerdings jetzt auch ausgegangen sind) mal ein Omelette machen. Als Narkotika fuer die Nerven sind Kaffee und Tee immer sehr erwünscht, genau so Zigaretten. Und wenn dann gelegentlich mal ein Stueck Seife dabei ist, Zahnpasta, ein paar Ka emme, oder etwas von diesen Kleinigkeiten des Alltags, die in Deutsc land noch nicht hergestellt und verkauft werden, schreien wir auch vor Freude.- Aber noch einmal: nur dann, wenn es Euch tatsaechlich nicht abgeht, denn ich weiss, dass Emil und Kaete hart arbeiten und hart verdienen muessen. Der inhaltlich rot geschriebene Brief ist inzwischen umfangrichan Euch abgegangen. Ich habe jetzt, so lange ich auf meine Lizenz warten muss, wieder im Office angefangen, allerdings nicht in der Theatre Section, sondern in einer anderen Abteilung, in der es etwas ruhiger, aber gleichermassen interessant zugeht. Van Loon ist inzwischen in New York eingetroffen. Seine Anschrift: Gerard Willem Van Loon, 409 East 52nd Street, New York 22, N.Y., Tel. EL 53899. Setzt Ihr Euch einmal mit ihm in Verbindung? Er kann Euch wahnsinnig viel von Maria und mir erzaehlen, war oefters hei uns in Harlaching, kennt unser Leben, unsere Atmosphaere, alles. Ich muss schliessen, da es Samstag ist, ich gerade eine Pause und die Bueromaschine benutzt habe, und jetzt runter zum Lastwagen muss, der uns in die Stadt faehrt. In den naechsten Tagen ausfuehrliches und mehr, ja? Alles Herzliche! Euer Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstrasse 6 Tel. 40 857. Liebe grosse Mutti, lieber Emil, 19. August 46. den Antwort brief von Mi vom 28. Juni, der eine Antwort auf meinen Brief vom 26. Mai war, habe ich erhalten. Ich habe weder den Brief vom 12. Juni bekommen, noch den dazugehoerigen Zettel. Ausserdem habe ich jetzt auf Grund der Luecken festgestellt, dass eine Menge Post von mir nicht angekommen ist. Die Anschrift des Vetters von Maria, Sascha Greiner, Direktor bei Steinway and sons, habe ich mehrfach mite geteilt. Ich danke Dir, grosse Mutti, fuer den anschaulichen Unterricht ueber die postalische Ordnung der civilian U.S. mail, und ueber den Bericht von der grossen Hitze. Ist denn Emil nun auch fuer vier Wochen in die Catskils gefahren? Mir ist klar, dass Ihr nicht im geringsten im Ueberfluss lebt, deshalb haben wir auch mit um so groesserer Dankbarkeit alles das, was Ihr uns bisher geschickt habt, angenommen, weil wir wissen, dass es unter ei genen persoenlichen Opfern abgespart und abgegeben wird. Deshalb sollt Ihr auch keine kostspieligen Dinge mehr schicken, zumal die Preise fuer Kleidung und aehnliche Dinge sehr hochgeklettert sind. Wenn Ihr mal etwas einpackt, dann nur das, was uns ernaehrungsmaessig auf die Beine hilft. Dazu wuerde gehoeren: Fett oder Oel, damit man etwas braten kann. Wenn wir uns Mehl und Wasser mit Trockenei zusammenruehren, oder auch nur Mehl und Wasser, und haben eine Kleinigkeit Fett, koennen wir uns zum Fruehstueck statt gekochter Kartoffeln( die allerdings jetzt auch ausgegangen sind) mal ein Omelette machen. Als Narkotika fuer die Nerven sind Kaffee und Tee immer sehr erwünscht, genau so Zigaretten. Und wenn dann gelegentlich mal ein Stueck Seife dabei ist, Zahnpasta, ein paar Kaemme, oder etwas von diesen Kleinigkeiten des Alltags, die in Deutschland noch nicht hergestellt und verkauft werden, schreien wir auch vor Freude.- Aber noch einmal: nur dann, wenn es Euch tatsaechlich nicht abgeht, denn ich weiss, dass Emil und Kaete hart arbeiten und hart verdienen muessen. Der inhaltlich rot geschriebene Brief ist inzwischen umfangreichan Euch abgegangen. Ich habe jetzt, so lange ich auf meine Lizenz warten muss, wieder im Office angefangen, allerdings nicht in der Theatre Section, sondern in einer anderen Abteilung, in der es etwas ruhiger, aber gleichermassen interessant zugeht. Van Loon ist inzwischen in New York eingetroffen. Seine Anschrift: Gerard Willem Van Loon, 409 East 52nd Street, New York 22, N.Y., Tel. EL 53899. Setzt Ihr Euch einmal mit ihm in Verbindung? Er kann Euch wahnsinnig viel von Maria und mir erzaehlen, war oefters hei uns in Harlaching, kennt unser Leben, unsere Atmosphaere, alles. Ich muss schliessen, da es Samstag ist, ich gerade eine Pause und die Bueromaschine benutzt habe, und jetzt runter zum Lastwagen muss, der uns in die Stadt faehrt. In den naechsten Tagen ausfuehrliches und mehr, ja? Alles Herzliche! Euer Fritz, mein lieber Junge und liebe Maria, den 16.August 1946 zuerst meinen herzlichsten Glueckwunsch. Ich bekam die beiden frohen Briefe hierher in mein laendliches Tuskulum. Gestern nachmittag kamen sie an, Ich habe sie sofort als" Special Delivery" nach New York geschickt, damit Emil bund unsere Freundin Kaethe die Freude, sobald als moeglich haben. Da am Samstag die Post nur einmal und Sonntags garnicht bestellt wird( das ist in ganz USA so) wollte ich dafuer sorgen, dass sie den Brief bestimmt bekommen. Endlich hat diese Nervenqual fuer Dich ein Ende, auch fuer Maria, und schliesslich auch fuer uns.Ich schreibe heute noch ein paar freundliche Zeilen an Kempner, Du wirst es ja auch getan haben. Das ist an sich nicht das Wichtigste, aber fuer den Fall dass er Dir XXXXXXX.helfen wollte, ist es doch richtig so. Er ist hier unter uns Emigranten eine der groesseren Nummern und doch eigentlich in einer beneidenswerten Position, weil er als Jude und Sozialist diesen Kreaturen gegenueber stehen kann und er ist mit seinen internen Kenntnissen und seinem guten Gedaechtnis und scharfem Verststand berufen zu dieser Rolle. Gut, dass Du Lotte einen Durchschlag Deines Briefes geschokt hast, wie ich sie kenne, hat sie sich sicher sehr grosse Sorge um Dich gemacht. Wenn ich gestern noch haette schreiben koennen, waere sicher ein ganz verrueckter Brief heraus. gekommen, wenn eine Nacht dazwischen liegt, dann wird man auch bei meiner Jugend etwas ruhiger und besonnener, Emil kann so ein bischen Freude gut gebrauchen, der Arme, er ist, so scheint es mir in der letztén Zeit, sich der Schwere und des Ernstes seiner Krankheit so recht bewusst geworden und es wird im besten Fall sehr viele Muehe kosten, um ihm wieder ein bischen freudiges Vertrauen beizubringen. Es kommen woechentlich mindestens einige Briefe, in denen ihm gesagt wird, dass man auf ihn und sein Kommen, seine Mitarbeit, seinen guten Rat wartet. Das freut ihn natuerlich, es tut dei ihm aber auch weh und bei manchen Briefen moechte ich wuenschen, dass er sie ueberhaupt nicht bekaeme, weil die Gemuetserschuetterungen doch an ihm nagen, Das ist nicht gut.Manchmal habe ich die Hoffnung, dass, wenn er nur einige Jahre ohne Erregungen und ohne Attacken seiner Krankheit ueberstehen wuerde, er noch lange leben und auch das Seinige noch tun koennte. Aber es kommen 1 immer wieder so akute Erscheinungen seiner Krankheit dazwischen, von denen er , sich dann sehr lange nicht erholen kann, dass ich doch leider erkennen muss, dass der K.- Prozess nicht zum Stillstand gekommen ist. Das macht dann mutlos, mich( das ist nicht so schlimm, ich kann mich zusammen reissen) ihn, das ist natuerlich viel schlimmer, Nur-- meine Bitte: nichts erwaehnen, dass ich ueberhaupt darueber schreibe, er mag das nicht, er will dann alles wissen, was ich ueber ihn geschrieben habe, das ist das Misstrauen des intelligenten Kranken, der natuerlich weiss, dass man ihm etwas vorenthaelt.--- Emil hat ein solches Geschick wirklich nicht verdient, seine aktive Intelligenz ist nur durch den einsichtigen Verstand zu kontrollieren und so ist er natuerlich immer unterrichtet ueber sich selbst. Das macht ihn immer wieder abruecken von der Selbst taeuschung, die jeder Kranke notwendig hat, um Psychologische Abwehrstoffe zu entwickeln.---- Doch lasst uns von etwas Freudigerem sprechen. Dass ich mich ueber Deine Rehabilitierung unendlich freue, kann ich kaum in Worten ausdruecken. Ich weiss was es fuer Dich bedeutet hat.Nun wirst Du wieder frischen Lebensmut haben- und Dein Kamerad mit Dir, es sieht sicher fuer Dich alles anders aus.--- Dass Ihr nun auch das Paket bekommen habt und anscheinend doch alles- mindestens aber das Meiste in Euren Haenden ist- freut mich ebenfalls von ganzem Herzen. Wir haben uns von hier aus noch alle Muehe gegeben, um es Euch zu sichern, das wirst Du inzwischen sicher aus meinen diversen Brifen, gesehen haben. Nun werdet Ihr auch die folgenden Sachen bekommen, von denen schon frueher Erwaehnung war und das wird dann etwas Substantielleres sein. Ich hoffe,---- Paul hat mir geschrieben, dass er auf einer landwirtschaftlichen Tagung war, ich glaube in Stuttgart, aber wahrscheinlich hat seine Zeit oder Erlaubnis nicht ausgereicht, um Dich zu besuchen. Aber er teilt weiter mit, dass August Kirschman demnaechst" eine Reise tun wird" und dabei XXX auch nach Muenchen kommen wird. Ich hoffe, er war schon da und zu einem Zeitpun punkt, wo er glueckliche Menschen angetroffen hat.--- Soeben bekomme ich einen Brief von Paul und seiner Frau Hanna. Paul schreibt, dass er auch seine Sorgen hat 3B woertlich ... selten gut stand unsere Ernte und wir hatten alle Hoffnung, den kommenden Winter- besser zu ueberstehen und vielen Menschen von diesem Betrieb aus helfen zu koennen Ein Hagelwetter, wie es die aeltesten Menschen hier noch nicht erlebt haben, hat unsere Ernte zum grossen Teil vernichtet und wir stehen vor unglaublichen Schwierigkeiten. Ich habe rund 1000 Menschen in der Anstalt zu versorgen und gebe darueber hinaus noch taeglich 400 liter Milch an die Stadt Andernach ab. Gemuese fuer jetzt und fuer den Winter ist vernichtet. So das Obst, der ganze Hafer fuer meine Pferde. Natuerlich auch die Haferflocken, die ich mir daraus fuer die Kranken machen lasse.Obst, Erbsen, Bohnen, Raps, 100% zerschlagen, Gerste, Weizen, Roggen 50% vernichtet. Die kommende Saat, Viehfutter ist in Frage gestellt. Wir sind als Notstandsgebiet erklaert worden, wissen aber durch die Zoneneinteilung nicht, wie uns geholfen werden kann. Bei Tag und Nacht werden die noch vorhandenen Reste vom Feld gestohlen, Vieh auf der Weide geschlachtet. Es hat bald keinen Sinn meh etwas zu pflanzen, denn selbst die jungen Gemuesepflanzen werden gleich nach -dem Pflanzen geholt......"------ Das ist das Wesentlichste, aber ich finde, dass es materiell und moralisch ein erschuetterndes Bild ist, weil er, Paul, es so einfach aus dem Erlebnis heraus schreibt. Das Unglueck will es, dass es die franzo esische Zone ist, er schreibt, dass ein grosser Teil des Kreises Mayen, dazu das ganze Gebiet Andernach, Neuwied und Koblenz zu Notstandsgebieten erklaert wurden und auch besonders stark betroffen sind.---- Seine au Hanna schreibt mir auch, Sie laesst ihre ganze Erschuetterung durchblicken ueber die moralische Verfassung der Jugend, aber es freut mich besonders, dass sie sagt, dass dieser Zustand nicht eher gebessert werden koennte, ehe nicht dieser Mangel und diese Form des Kampfes um das taegliche Brot, die mit dem furchtbaren Mangel entstehen muss, behoben sei.---- Ich wuenschte natuelich, dass Du mehr mit Paul in Verbindung waerest, er schreibt so nebenbei, dass er Dich kaum noch kennt.---- Ich bekomme auch jetzt recht viele Brief aus Koeln, heute einen vn der nun 70jaehrigen Emma Bertold. Els Meerfeld hat mir geschrieben, Jean und sie leben in Goenningen im Kreis Reutlingen in Wuertemberg, werden aber so bald als moeglich, d.h.wenn die alte, stark beschaedigte Wohnung fertig ist, wieder nach Bonn gehen, Jean M. ist in seine alten Rechte eingesetztd.h. er bezieht deine volle Pension als ehemaliger Beigeordneter der Stadt Koeln. Er ist nun ueber 70 Jahre, scheint geistig noch vollkommen frisch.Um Rolf haben sie grossen Kummer, er ist noch in franzoesischer Gefanenschaft und alle Bemuehungen ihn freizubekommen, haben bisher nichts genuetzt.Weisst Du, dass Rolf verheiretet war und geschieden ist. Lotte hat die Sache als Rechtsanwalt vertreten.--Goerlinger ist jetzt 1.Beigeordneter in Koeln, d.h.er ist in der Stellung, die Jean M. frueher hatte.--- Heute habe ich nicht wen ger als 6 Auslandsbriefe bekommen, bei der Bearbeitung entstehen dadurch sicher die doppelte Zahl, weil manches weiter zu leiten oder auch sachlich fuer die Arbeiter- Wohlfahrt zu bearbeiten ist Gestern waren es vier. Ebenso gewichtig und wichtig. So waechst mein anerledigter Arbeitshaufen von Tag zu Tag. Ich werde immen an einen Roman in der" Berliner Illustrierten" erinnert,- -o selige Zeit-, er hiess:" Und so verbringst Du Deine kurzen Tage." Nun muss ich schliessen und Du verstehst das ja denn auh. Dir und Deinem Kameradeddy Heinzund seinem Vater meine besten Gruesse.--Ich bin bald wiezuhause, dann schreibt Dir Emil auch wieder einen Gruss an. der auch Soeben lese ich in der Zeitung, dass die CARE- Pakete nun schneller ausgegeben werden sollen, es seien nun schon viele 1000 in Deutschland, hoffen wir. Meine besten Gruesse und Wuensche Eure grasse Mutt: Fritz, mein lieber Junge, den 1.August 1946 soeben erhielt ich einen Brief, datiert vom 13.7%, nein Juni, Ich antworte postwendend und moeglichst kurz, Dieser Brief von Dir ging geschlagene 7 Wochen. Durch die lange Zeit kommen soviele Irrtuemer, weil man immer in der Illusion schreibt, dass der andere Teil seinen Brief schon hat.--- So wirst Du inzwischen-hoffentlich- auch aus der Art meiner Antworten erfahren haben, dass ich besagten Brif vom 25. April nachtraeglich erhalten habe, sonst haette ich in meinen Antworten nicht darauf eingehen koennen.--Wir werden Dir mit den Farben fuer Maria dann auch zwei Farbbaender mitschicken, vielleicht versoehnst Du den freundlichen Leiher der Maschine dann damit-- Nur-- auch das wird natuerlich wieder eine laaaange Zeit dauern, o mein Gott, es ist natuerlich fuer uns hier keinxx fak* x* x* x* xx gutes Gefuehl zu wissen, dass unsere Lieben auf eine Hilfe durch ganz xxxbestimmte Dinge so sehnsuechtig warten und wir keennen den Dingen doch keine Fluegel geben. Aber hoffentlich wird es dann auch das richtige Band sein, wir muessen es ja auf gut Glueck versuchen.--- Es tut mir so leid, dass Du den ganzen Brief abgeschrieben hast, um ihn( er war ja wirklich sehr wichtig) bestimmt zu uns zu bringen.--- Aber ein Passus in diesem Brief veranlasste mich ein zweites mal, darauf hinzuweisen, dass ich anscheinend nicht alles bekommen habe. Damit nicht wieder ein Irrtum vorkommt, schreibe ich diesen Passus ab:" Die Adresse von Sasha( Alexander) Greiner, die ich Euch mitteilte, muss noch stimmen, denn angeblich hat er bereits Verbindung mit Marias Verwandtschaft. Nur scheint da etwas mit den Vermittlungsadressen nicht geklappt zu haben. Und unser Freund Joe Morisy aus Jersey City? Habt Ihr einmal dorthin gefuehlt?"-- Ich habe seinerzeit, sofort nach Empfang des Briefes vom 25.April Deine, das heisst die von Dir erhaltenen Briefe nachgesehen und darueber nichts gefunden. So kann ich nicht eher etwas unternehmen, weil mir diese Angaben keinen Fingerzeig geben. Bitte ergaenze diese Angaben sachlich, damit ich Euch damit weiter helfen kann, wenn es moeglich ist. An Kempner habe ich am 26.Juli geschrieben. Ich hoffe mit Dir.---- Am 23, Juli, vor einer Woche, habe ich Euch einen sehr langen Brief geschrieben. Bitte versteht ihn richtig. Er ist nicht lehrhaft gemeint- nur geschrieben aus dem Gefuehl, nicht nur materiell, so weit es geht, helfen zu muessen, sondern auch seelisch. Nun ist mir bange, ob ich auch richtig verstanden werde. In diesem Brief schreibe ich noch einmal- zum wievielten mal?-ueber das grosse Paket, an das ich Euretwegen so richtig mein Herz gehaengt habe, dann kuendige ich Euch ein CARE-Paket an( das ist so ein 15 dollar- parcel von dem Du am Schluss Denes heutigen Briefes sprichst. Da es in vier bis sechs Wochen nach der Bestellung bestimmt in den Haenden der Adressaten sein soll, ist zu hoffen, dass Ihr es bald habt. Dann schreibe ich Euch etwas ueber Pfund paeckchen von Auerbach, Else Fey, jetzt Pfau. Nun will Emil in den naechsten Tagen auch zwei Pakete ueber das" Schweizer- Arbeiter Hilfswerk" bestellen, sie sind nicht so gross, aber das soll(!) auch schnell gehen.--Aber beachtet: das ist jetzt eine Wiederholung aus dem vorigen Brief. Emils Gesundheit macht mir in diesen Tagen grosse Sorge, er hat wirklich in den letzten Jahren sehr verloren. Aber bitte erwaehne das in Deinen Briefen nicht, kein Patient hat es gerne, wenn ueber seine Gesundheit, resp. Krankheit gesprochen wird, ohne dass er selber daran beteiligt wird. Vielleicht komme ich spaeter einmal darauf zurueck, ohne Anfrage. Mir geht es-meinem Alter entsprechend-gut. Mit den besten Wuenschen fuer Euch und Eure Hausgenossen Eure grosse Mutti X and stuff den 23.Juli 1946 Dear Fritz- Miecha and Maria, I want to tell you, that I got something. Nein, ich kann nicht sagen: the pictuer's are nice. Ich werde Gefuehle wie Freude und Leid, nie in der anderen Sprache ausdruecken koennen. Das liegt nicht an der Sprache, sondern an meinem Unvermoegen in den Geist einer anderen Sprache einzudringen. Dagegen kann ich nicht mehr an, das liegt daran, dass ich zu alt geworden bin, ehe ich mich ernsthaft mit dem Ausdrucksmittel des anderen Landes beschaeftigte. Aber- wir sind sehr froh mit den Bildern, die uns mehr vermitteln, als Ihr vielleicht glaubtet. Deshalb sage ich es.Maria als Arbeiterin, bei ihrem Werk, die ernste Frau, MM im einfachen Kleid, mit dem schoenen augenscheinlich alten(?) Schmuckstueck, die ich mir nach der fluechtigen Schilderung von Paul Kirschmann heiter und leichbeschwingt vorgestellt habe. Die satyrischen Zeichnungen erscheinen mir lustig und herb zugleich. Ist das Blumenstueck an der Wand auch eine eigne Arbeit? Das waere dann etwas ganz anderes. Und Du mein Junge, bist ein ernster Mann geworden, das Leben zeichnet seine Linien,--- Briefmarken fein. Wir sind keine Sammler und ich habe nie in meinem Leben einen Sammlerinstinkt gehabt, mit Ausnahme von schoenem Porzellan, guten kunstgewerblichen Schmuckstuecken und Bildern. Und da war ich und waren wir( Lisbeth und Emil)" aus guten Gruenden" immer sehr bescheiden. Aber Emil sagte sofort: das gibt sicher ein Care- Paket. Das soll es auch werden. Und als Gegenleistung werde ich aber nun wirklich fuer Euren jungen Freund oefter etwas in einen Umschlag stecken, fuer seine Sammlung, das kann dann bei Gelegenheit mitgegeben werden.------ Als die Nachricht von der Abreise" Bei" kam, hat es Emil noch mit einem Telegramm versucht, 27. Juni, es waere intressant zu wissen, ob Ihr wohl noch etwas davon erfahren habt und ob es etwas genuetzt hat. ---- So ein grosses Paket soll doch moeglichst nicht verloren gehen, und immerhin, es wurde auch etwas zum Essen mit eingepackt. Und heute ist das erste Care- Paket fuer Euch aufgegeben, in diesen small parcels ist ja doch wirklich was drin, no fancy things, but some real things to eat. Das wird auch den Heinz freuen, der ganz recht hat, wenn er meint, dass die Vitamine allein nichts sind, wenn man nicht was zu essen hat.Mit den Vitaminen ist es so, wie mit der vornehmen Zurueckhaltung. Sie sind gut, wenn man sie mit dem Futter bekommt- und die vornehme Zurueckhaltung ist eine gute menschliche Eigenschaft, die geuebt werden soll so weit es irgend geht.Es kommen aber auch Situationen im Leben der Menschen, wo man Freunden gegenueber diese" Zurueckhaltung" zurück stellen muss, sonst ist man nicht mehr offen, frei und natuerlich.---- Und so habe ich denn auch ueber ein offnes Wort meine grosse Freude gehabt, ich danke dafuer, L.M ---- Heute ist alles Massens chicksal, lieber Fritz. Bitte sei nicht boese. Ich ill garnicht kleiner machen, was Ihr-auch heute noch- erleben muesst. Ich habe, ls ich Deinen Brief vom 26.Mai soeben noch einmal ueberflog, schnell mal im Geist nachrechnen wollen-- wie oft- ich von neuem und ganz von unten auf- wieder anfangen musste. Da habe ich mich verheddert, weil ich es tatsaechlich kaum noch zusammen bringen kann. Manchmal war es zum verzweifeln- so schien es miraber am Ende sind die Erinnerungen daran so verblasst, dass ich heute nicht mehr weiss, warum es denn eigentlich so zum Verzweifeln war.( Ich moechte noch einen anderen Vergleich einschalten, ich hoffe dass Du, dass Ihr mich da ganz richtig versteht.) Ich bekomme z. B. sehr viele Briefe von Freunden und Genossen, und die meisten von ihnen teilen mir dabei mit: ich, wir, habe( n) alles verloren, einmal, zweimal, dreimal, wir sind ausgebomt, ausgebrannt, mussten auswandern und alles zurueck lassen, Was ich dabei bedaure ist, dass Menschen unter unhygienischen Verhaeltnissen leben muessen, dass sie keine schoene, keine zweckmaessige Behausung haben, in der sie ein gesundes Leben fuehren und arbeiten koennen, Aber der Verlust des" Besitzes" an sich, kann mich nicht ruehren. Als ich einmal in einer ganz besonderen seelischen und wirtschaftlich gefaehrdeten Situation war( es ist sehr lange her, Du warst damals noch nicht geboren, Deine Mutter noch sehr jung, aber auch damals schon mein Freund und guter Kamerad, viel mehr als eine Schwester es gewoehnlich ist) da hat mir eine einfache Frau- mit gutem, praktischen Verstand- gesagt: liebe Marie, Du darfst Dein Herz niemals an Lumpen haengen, nicht an die toten, nicht an die lebenden. Wenn Du dich, -2Deine Aufgabe, Deine Kinder, Dein Selbst retten willst, dann sieh Dich nicht um, sondern vorwaerts."-- Das Leben war sehr mannigfaltig, auch in seiner Not und in seinen Verlusten, die immer wieder aufs neue zu ueberwinden waren. Bei allen Rueckschlaegen ging es doch vorwaerts, Schritt um Schritt. Zwei Weltkriege, dazwischen die Moeglichekeit des Aufbauens und Schaffens, der Zusammenbruch einer Lebensarbeit, die das Fruchtbarste und Schoenste, zugleich das Muehevollste und Widerstandsreichste, mit Erfolgen und Entaeuscherg, in sich schloss.Der lange Leidensweg der Emigration mit allem was dazu gehoert eingeschlossen die Sorgen um Euch, die ich nicht sehen, mit denen ich ihr schreckliches Erleben nicht teilen durfte.-- Erinnerst Du Dich an mein Haeuschen in Koepenick? Es war mir lieb wie ein Lebendes.Deine Mutter und ich hatten es umgeschaffen, fuer uns und Euch. Es gab mir das Gefuehl des Zuhauseseins, das ich sonst in Berlin in dem Jammer des verwanzten," moeblierten" Zimmers nicht bekommen konnte, wir hatten nach dem Krieg eine Wohnungsnot( die wir damals fuer gewaltig gross hielten. Ich habe trotzdem um diesen" Besitz" keine Traene geweint, nicht einmal darueber gesprochen. Nur zweimal in meinem Leben bin ich fast zusammen gebrochen. Das einemal, als Deine liebe Mutter starb. Wir waren in der Idee, in der Durchfuehrung zusammengewachsen wie zu einem Koerper, waren Freunde, ergaenzten einander, verstanden uns, trugen alles gemeinsam und selbstversta endlich was schwer war. Ich musste mich mit der haertesten Kraft zusammenreissen, um wieder ich selbst zu sein, fuer mich und andere, fuer die selbstgewaehlte Arbeit, fuer die gemeinsame Idee.( Ich spreche in diesem Zusammenhang mit voller Absicht nur von mir, trotzdem es nahe laege, auch das wir mitanzuwenden) Das zweite mal war es, als mit dem Kommen Hitlers meine Lebensarbeit( siehe oben) zerstoert war, Jahrelang hatte ich das kommen sehen und dann war es doch unfassbar.Es war nichts materiellès, was ich bedauerte, es war der Zusammenbruch einer Lebensleistung, die auf keinen Fall von mir wiederholt werden konnte. Ein Band zerriss, das mich mit vielen Menschen in gemeinsamer, aufbauender Arbeit und in gemeinsamer Idee verband. Ein grosser Teil dieser Menschen blieb zurueck, der groesste, im ungewissen. Ichging ins Ungewisse, mit meinem Koefferchen in der Hand und dem Kleid, was ich auf dem Koerper hatte. Aber noch einmal, es waren nicht die fehlenden, materiellen Dinge, die mit Sorge machten, es war der Zusammenbruch dessen, was ich als Ganzes liebte, woran ich glaubte. Ich war nicht unkritische dabei. Ich suchte Fehler bei mir und den Freunden, ich suchte die Fehler, die wir als Bewegung gemacht hatten. Ich war traurig, dass ich niemand fand, mit dem ich alles, was mich bedraengte, ruhig und sachlich besprechen konnte, um fuer mich selbst zur Klarheit, zum Erkennen der Dinge zu kommen. Ich betaeuble mich in einer koerperlichen Arbeit, der ich nicht mehr gewachsen war, weil der alternde Koerper sich nicht mehr ungestraft darauf umstellen liess.Und ich- die ich mein Leben lang auch wirtschaftlich auf eigneh Fuessen gestanden hatte, wurde abhaengig.Auch das war bitter. Man muss sehr stark in sich selber verankert sein-und- besser noch- so war es fuer mich, treue Kameradschaft neben sich haben, um auch das ertragen zu koennen,--Die Jahre im oestlichen Frankreich waren dann verhaeltnismaessig ruhig fuer mich. Da ich den Haushalt fuer eine groesse Anzahl von Personen fuehrte, wobei ich mir bei aller kameradschaftlichen Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe sagen durfte, dass ich meinen Platz ausfuelle, war es auch seelisch ertraeglich XX fuer mich Den Krieg sahen wir mit unerbitterlicher Sicherheit immer naeher ruecken. Jeden politischen Fehler erlebten wir schmerzhaft klar, wir erlebeten alles das gemeinsam, es war qualvoll, aber wir waren nicht allein, wir sassen in einem Kreis bei einander und hatten Verbindung mit gleichgesinnten Freunden. Materiell war es nicht leicht, besonders nicht fuer die Maenner. Ich habe damals besonders die moralische Staerke Emils schaetzen gelernt. Wie er sich mit eiserner Konsequenz seine innere Unabhaengigkeit bewahrt und gesichert hat. Natuerlich war es selbstverstandlich so, fuer ihn und fuer mich. So waren wir ja von zuhause aus, durch Veranlagung und dann zuletzt durch die Bewegung, der wir dienten, erzogen worden. Aber bewusst wurden wir und dessen erstganz, als die Vorteile winkten, die eventuell aus einem Abweichen aus dieser Innerlich vorgeschriebenen Linie entstehen wuerden. Und wenn es einem in Sturm und Drang bewusst wird, dann waechst man daran,----- Der Krieg kam, wir sassen hinter der Maginot- Linie Dank unserer Freundschaften erlebten wir weiter alles bewusst Tausser E -3mit, was der armen Menschheit von der Weltgeschichte beschert wurde. Mai 1940 kam. Emil und sein Freund waren grade in Luxemburg, als wir in Muelhausen am Radio hoerten, was passiert war.Es waren drei Tage der Hoechsten inneren Angst und Sannung ohne Nachricht- bis wir die beiden Maenner nach einigen Erlebnissen und Strapazen wieder sahen. Und dann, kurze Zeit darauf begann auch fuer uns wieder einmal- diesmal die grosse muehevolle Flucht durch Frankreich. Es war ein Volk von Millionen, dass sich aus dem Osten, aus dem Norden und aus Paris in einer unbeschreiblichen Panik nach dem Sueden Frankreichs zu, bewegte. Die Zahl der Deutschen unter ihnen, die Zahl der" Politischen" war dabei verschwindend klein.--Ihr- ich meine das deutsche Volk, hat nachdem viel schlimmeres erlebt, Teile davon hast Du, anderes haben Andere geschildert.Wenn man mitten drin ist, sieht man nur den Ausschnitt, den man selber erlebt. Aber ich darf trotzdem sagen: wir, die wir seit jeher gewoehnt sind, uns einen Ueberblick ueber das Ganze zu verschaffer hatten auch in diesem Fall die Erleichterung( die seelische meine ich) des " Ueber den Dingen stehen Koennens".-- In Muelhausen hatten wir ein fuer neun Personen eingerichtetes schoenes Haus( in dem wir auch noch Gaeste unterbringen konnten, die in dieser Zeit nicht gerne ins Hotel gingen) zuruecklassen muessen. Das Haus war natuerlich nur gemietet, aber das, was drin war, bedeutete fuer uns arme Haescher ein wenig menschliche Behaglichkeit und die Moeglichkeit des Arbeitens nach unserem Herzen. Wir hatten Fetwas mehr an Gepaeck mitgenommen, als eigentlich vorgeschrieben war, mit dem grossen Erfolg, dass wir endlich, nach zehn erlebnissreichen Tagen mit Nichts ******** ankamen. Ich hatte ein dreckiges zerschlissenes Kleid an, die Waesche die ich in Muelhausen angezogen hatte,( es war" sehr gescheiter" Weise nicht die Beste und in der Hand hatte ich ein Marktnetz mit ein Paar ReserveSchuhen. Allen anderen von unserem" Buneh" ging es nicht viel besser. So landeten wir in einem sued franzo esischen Dorf, bekamen freundlicherweise ein verlassenes Bauernhaus angewiesen, es waren zwei Zimmer und Kueche. Wir bekamen sogar aus Latten und Laettchen zusammengeheftete Patentmoebel und Strohsaecke und waren gluecklich in unserem" Herren" und" Damenzimmer" mit 4 und 5" Betten" drin und der Kueche, in der wir an einem Riesenkamin, der die Tiefe des ganzen Hause einnahm am offnen Feuer kochten. Damals habe ich Gymnastik gemacht, naemlich beim Kochen( Buecken und Aufrichten ohne Ende) Das Holz war nass und qualmte, wir waren froh, dass ein wirklich sehr liebenswuerdiger Bauer und erlaubte, seinen Wald von dem Holz zu sauebern, das sonst im jahrelangen Verrottungsprozess den neuen Kompost bildete. Auch sonst gab es Moeglichkeiten des Holzgewinnens, in legaler Arbeit. Sie war nicht leicht, besonders nicht fuer Emil, der schon damals nicht in so sehr guter gesundheitlicher Verfassung war, waehrend sein Kollege und Freund viel kraeftiger war. Dass man von selbst geflueckten Brombeeren und Pilzen, von allerhand wilden Krauetern, von den Ertraegnissen eines im Sueden Frankreiche noch schnell angelegten Gartens einen Teil seines Lebendunterhaltes fristen kam und mindestens das frugale Mahl verbessern und bereichern kann, hatten wir sehr bald weg. Dass man sich aber im Sueden Frankreichs erst ein Klo bauen muss, mit dem wir dann hoechstes Aufsehen erregten, mussten wir erst lernen. Der Buergermeister und die Nachbaren waren uns gut gesinnt, sie passten auch fuer uns auf, ob eine Gefahr im Anzuge war. Schliesslich ging es trotzdem nicht mehr( obgleich der Teil noch nicht occupiert war) und man verstand es, dass wir die Gelegenheit nach hier zu kommen, benuetzen wollte Wenn das so einfach gewesen waere.Emil gehoerte zu denen, die von den Vichy- Leuten" an der Ausreise verhindert" werden sollten. Das war der Term fuer eine bestimmte Spezies von Freunden. Aber auch fuer uns anderen war es nicht so leicht. Etwas fehlte immer und war nicht zu beschaffen, doch diese Einzelheiten fuehren zu weit. Wir gehoerten zu denen, die auf einem Frachtdampfer ueber die Insel Martinique abfahren durften, Kaethe und ich am 24.Maerz 41, Emil acht Tage spaeter. Auf der paradiesischen Martinique wurden wir noch fuer einige Wochen interniert. Zusammen mit Emil landeten wir dann am 29.Man in New York-- wir beide aelteren nur mit einem Besucher- Visum, das eigentlich Fa die Flucht die Erlaubnis zur Aus reise usw. das portugisische Einreise" das spanische Durchreise Visa, F Kaethe wanderte gleich richtig ein. FF, auch die ganz grossen. -4( undhier nicht zur Arbeit berechtigte, nach den Bestimmungen nach einem halben Jahr erledigt ist, zweimal fuer je ein halbes Jahr erneuert werden kann, aber durch den inzwischen ausgebrochenen Krieg( den fuer dieses Land) fuer Leute unserer Art immer wieder verlaengert wurde( So ist es auch gekommen, dass ich erst seit einem Jahr regulaer eingewandert bin, waehrend Emil sogar mit seinen Papieren in eine grosse" Umstellung auf Friedensverhaeltnisse" hinein gekommen ist, sodass sein Fall noch schwebt.----- Amerika ist fuer mein Gefuehl ein grosses, schoenes, intressantes Land.Es ist in seiner Art gut geordnet. Als Fremde, als Enemy Alien haben wir nichts ausstehen muessen, es ging alles ohne die kleinste Unannehmlichkeit, im Gegensatz zu Frankreich, wo( auch X schon lange vor der Vichy- Regierung) viele unserer Freunde manches Bittere 2 erfahren mussten und wo jeder einzelne zufrieden war, wenn alles halbwegs glatt abging. Trotzdem denken wir an das noble franzoesische Volk gerne und mit groesster Dankbarkeit zurueck, wir haben manchen lieben Freund dort dazu gewonnen. Emil waere ohne eine treue Freundschaft niemals gluecklich herausgekommen.Hanna Kirchner, unsere Mitarbeiterin, ist ausgeliefert und hingerichtet worden.( In diesem Zusammenhang will ich noch eine Auskunft miteinfuegen. Du erwaehnst Theo Haubach und fraegst, ob er wohl noch in Leip zig ist. Danach weisst Du nicht, dass er zu den Opfern des Hitler- Anschlags gehoert.Erfist hingerichtet worden. Es ist einer weniger, von denen, auf die wir unsere Hoffnung gesetzt haben)--- Aber ich will auf Amerika zurueck kommen, Es ist nicht nur gross, schoen und intressant, es war auch fuer uns das Land der grossen, noblen Hilfsbereitschaft, das Land mit der PionierTradition, in dem man den Neuankoemmlingen die Haende reicht.--Aber-- es war ein Aber dabei bie frueheren Einwanderer, die in dieses Land kamen, betraten es doch als ersehntes Ziel, man wollte hierbleiben. War man selber nicht mehr jung, dann brachte man Kinder mit, die hier setteln wollten. Man stellte sich auf harte Arbeit und Hierbleiben ein. Die Katerogie, die jetzt als refugees hierher kamen, war eine andere Spezialitaet. Sie waren nicht mehr jung, sie kamen als Aerzte, Juristen, Schriftsteller, Politiker, Nationaloekonomen Manchen Aerzten, die noch Energie und Faehigkeit genug hatten, kam der Umstand des Krieges zu Hilfe.Sie durften noch einmal in die Schule gehen und Pruefung machen Fuer die meisten der Anderen reichte die" hilfsbereite Pioniereinstellung" nicht aus.Warum nicht? Unsere menschliche Erziehung war schon sehr viel langer zurueck) abgeschlossen. Wir hatten uns innerlich dabei nicht darauf eingestellt, nach dem neuen Land zu gehen. Unse re Gedanken waren rueckwaerts gerichtet und konnten sich beim besten Willen nicht von der Heimat und dem europaischen Geschehen loesen. Dass man sich trotzdem einen job aufbauen musste, war uns klar. Aber: welchen, was fuer einen? Ich konnte z. B. als Hausmutter in ein Kinderheim gehen, im Westten des Landes. Losgeloest von der menschlichen und geistigen Gemeinschaft, mit einen job, dem ich koerperlich vielleicht nicht mehr, vielleich doch noch unter ungeheurer Anstrengung und Willenskraft gewachsen war. Oder ich konnte mich irgendwo( privat oder Heim) als Koechin oder Kuechengehilfin versuchen( mit denselben menschlichen Opfern, siehe vorher. Emil wollte das nicht. Es ware fuer ihn und fuer mich nicht gut gewesen. Zu anfang versuchte er es mit der Schriftstellerei.Er kam hier an, beladen mit reifen Erinnerungen, mit" Material", im Kopf und auf dem Papier.Es wurde niedergeschrieben, Verbindungen gesucht." Es ist so nicht brauchbar, muss fuer am. Bederfnisse umgearbeitet werden."-- usw, usw.Es wurde nicht mehr gesehen. So ging es unendlich weiter.Es wurde ein Lehrkursdurchgemacht in Metallbearbeitung, Schmuck, Kunstgewerbe. Der Krieg kam, das Metall wurde fuer andere Zwec ke gebraucht. Emil ging in eine Fabrik, Holzknoepfe mit kunstgewerblichem Anstrich. Der eine der" Emigranten"-unternehmer machte aus dem kleinen" 17 fast kunstgewerblichen Werkstaette eine" Fabrik" und eine Pleite. Ein Jahr lang kam mrl nachhause mit$ 20-- die Woche, manchmal weniger, niemals mehr, aber mit der Lunge voll Holzstaub.Exhaustoren gab es nicht.--Manche der Freunde kamen voru ebergehend unter bei schlecht bezahlter" research-" Arbeit.Manche von ihnen sind heute wieder arbeitslos, manche machen die " Fabrikerfahrungen" erst heute, nachdem sie sich frueger, ein wenig hoch naechste Woche auch noch ein jetzt fuer the American Zone zugelassenes 11 Pfund Paket ab, dessen Bestellung ja wahrscheinlich etwas laenger dauern wird. Wir sehen einer A gungen entgegen. vort und spaeteren BestaetiRober Kemp./ Hast Du an Stelle Ich schreibe ein paar zeilen an Bei" nicht jemand andre. 2. B. für Drucks? -5muetig und mit augenblicklichem Erfolg dagegen gewehrt haben. Was mir bei all der Misery an Emil gefiel, war, dass er auch hierbei niemals seine innere Unabhaengigkeit aufgab. Das haette vielleicht mal fuer den Augenblick eine Erleichterung gebracht, auf die Dauer macht sich das aber niemals bezahlt. Dass er heute als salesman in Synthetischen Steinen" sein, unser, Leben macht" verdankt er einem Gluecksumstand, aber auch dem Tatsache, dass er es fueher " gelernt" hat und dass er dann schliesslich noch elastisch und kaufmennisch genuegend geschult und gewandt war, um seinem Jugendfreund, der ein Lapidaer ist und als solcher einen Betrieb hat, genuegend helfen kann FF- Dass Emil nicht mehr der Gesuendeste ist, ist vielleicht auch schon bis zu Dir gedrungen. Die jahrelang ueber Gebuehr ausgegebene Kraft, besonders waehrend " Hitlers Kampfjahren" und die Emigration haben an unseren Kraeften gezehrt. Ich weiss, dass es vielen drueben so und schlimmer geht, deshalb sprechen wir auch nicht gerne darueber.Aber so wie ich es hier tue, muss es ja doch einmal geschehen, man kann es doch nicht ganz verschweigen, das waere auch insofern ein Unrecht, als viele Leute nicht verstehen, warum wir noch nicht wieder dort sind. Natuerlich spricht, wie jeder Kundige mittlerweile weiss, auch bei dem Rueckkehrwillen die" hoehere Gewalt" ein Woertchen mit. Hier laufen viele herum, die alles was in ihrer Kraft steht, versucht habenum zurueckz kehren.--- Warum ich Dir alles so ausfuehrlich schreibe? Ich wollte Dir in Deiner seelischen Not ein wenig helfen, leider kann ich, ko ennen wir nicht viel mehr tun. Dann aber bin ich auch ins Plaudern gekommen und es sprangen Erinnerungen auf, die dieser Neigung zum Plaudern entgegen kamen. So bin ich oben schliesslich zu dem nicht ausgesprochnen Schluss gekommen, dass Amerika fuer uns auch ein hartes Land ist. Nicht fuer alle. Viele sind als Schrifsteller, Professoren, Geschaeftsleute usw weiter gekommen und" gut gesetteltt".Und Du darfst beileibe nicht denken, dass ich Dir abraten will von dem Versuch einmal hierher zu kommen. Das saehe mir ja auch garnicht aehnlich, im Gegenteil, wir brauchen doch wohl kaum zu betonen, wie lieb es uns waere, jemand von Euch, am liebsten alle, hier zu haben.--- Nur einige Passagen in Deinen Briefen gefallen mir nicht, z. B. das Wort" Flinte ins Korn werfem" kann ich nicht ausstehen. Was Du politisch sagst, ist gut beobachtet und wahrscheinlich das Meiste richtigbeurteilt.Aber- in die Politik eines Tags hinuebrwechseln"? Das kann man doch nur, wenn es einem von innen heraus. dazu treibt. Politik ist kein Beruf, hoechstens eine Berufung. Und als Beruf neben der Berufung darf man sie nur dann ueben, wenn man durch das Vertrauen der Anderen dazu ausersehen wird. Es geht zwar auch andersrum, aber dann ist es eben nicht das Richtige. Diese Vereinigung von Beruf und Berufung ist nur wenigen beschieden.----- Nun noch die Zusammenstellung der praktischen Dinge 1.das grosse Paket, mit der Erfuellung der meisten Eurer Wuensche, mit der Ausnahme der Farben! Ich hoffe, dass es ankommt.2.das Care- Paket, zum richtig sattessen und zur Berfreiung der Hausfrau von der grossen Sorge staendig drei Maenner( siehst Du Heinz sattmachen zu sollen. Ich hoffe hierbei ebenfalls, Dann werdet Ihr von Else Pfau, geborene Fey aus Auerbach/ Bensheim an der Bergstrasse, Darmstaedterstr 91, ein oder zweimal ein Pfundpaeckchen mit getrocknetem Obst erhalten. Wohlschmeckende Vitamine Schliesslich will Emil Euch in den allernaechsten Tagen ueber das" Schweizer- Arbeiter Hilfswerk" zwei Pakete bestellen. Dass ich den Dingen Fluegel geben moechte, koennt Ihr Euch denken. Es ist ein scheussliches Gefuehl, nicht schnell helfen zu koennen.--Weil noch etwas Platz ist: Das mit Paul ist gar kein schlechter Gedanke, behalte ihn nur im Auge, und fuehre den Plan aus, wenn es noetig werden sollte, Paul und auch Lotte werden Dir gerne behilflich sein. Und wenn man noch eine Hoffnung dieser und aehnlicher Art hat, dann spricht man nicht vom" Flinte ins Korn" werden und denkt auch nicht daran! So mein liebster Fritz und liebste Maria bin ich, sind wir mit guten Wuenschen Eure grosse Mutti Folgen die Anmerkungen: Else Pfau ist die Schwester von Kaethe Fey, sie war uns eine treue Mitarbeiterin in der Heimat, wir verdanken ihr viel. FC Kaethe ist hier eine Zeitlang in einen Haushalt gegangen, dann hat sie Krankenpflege erlernt, so konnten wir wieder zusammen leben. FFA Emil schickt 9 mit Kaethes Hilfe // Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstr. 6, Tel. 40857 24. Juli 1946. Liebe grosse Mutti, lieber Emil, , es ist zwar noch keine Entscheidung gefallen, ob und wann und wo ich wieder anfangen werde, um die Zeit bis zur Irteilung der Lizenz fuer meine Zeitschrift zu ueberbruecken, aber aber dass ich in den naechsten Tagen wieder mit einem Job in einer amerikanischen Dienststelle rechnen kann, weiss ich schon jetzt ganz genau. Dann laeuft auch das kleine Waegelchen wieder, das uns vieles in diesem harten Leben erleichtern hilft. Maria kann das ganze Material, das sie auf umsta endlichste Art und Weise von hier aus der Wohnung zum Bunten Wuerfel schleppen muss, wieder mit dem Wagen transportieren, und auf mancher Hin- und Rueckfahrt kann man einen der uvielen Wege erledigen, die tagtaeglich eigentlich zu machen sind. Von dort muss man sich Kartoffeln abholen, von einer anderen Stelle Brennholz. Hauptsache, Kartoffeln und Brennholz sind tat saechli, ch vorhanden. Vorgestern ich hatte gerade meinen Brief an Euch mit dem Bericht ueber Augusts Besuch bei mir in den Kasten geworfen- rief mich mein Freund Hannbeck an und teilte mir mit, dass ein Brief fuer mich da sei. Er war am 26. Juni abgestempelt und enthiel die beiden Artikel fuer den Vorsitzenden bzw. Geschaeftsfuehrer der AW in Muenchen bzw. Bayern, den Radio- Artikel von Tania Long( ich kenne Tania Long, hat e vor genau einem Jahr mit ihr verhandel um fuer Radio Muenchen nicht nur Schallplatten zur Verfuegung zu stellen, sondern auch, um meine Dienste Radio Muenchen zur Verfuegung zu stellen. Damals wurden alle meiner Vorschlaege strik abgelehnt, u.a. auch mit dem Hinweis, dass kein einziges deutsches Lied, das seit 1933 ueber irgend einen deutschen Sender gegangen sei, gesendet wuerde. Ich hielt das fuer undurchfuehrbar, weil ich tatsaechlich inzwischen ja auch Musik- und Senderfachmann geworden bin. Und es hat sich herausgestellt, dass Radio Muenchen heute nicht mehr ohne aeltere deutsche Lieder auskommt und dass auch inzwischen einige meiner Vorschlaege, wenn auch nicht in der Art, wie ich sie verwirklicht haette, aufgegriffen und durchgefuehrt wurden. Abgesehen davon, dass die Meinungen ueber Radio Muenchen- trotz jener oder dieser Massnahme gegen dieses, Jenes, diesen oder jenen- heute noch sehr kritisch beurteilt wird und noch lange nicht das Sender- Format hat, das es in Anbetracht des gewaltigen personellen Aufwands haben muesste. Viele Deutsche sind halt so( und das liegt ganz allgemein in der menschlichen Veranlagung), dass sie- sobald sie eine Funktion oder einen Posten haben, paepstlicher werden als der Papst, in engerem Sinne amerikanischer als die Amerikaner. Wenn es heisst, dass die Amerikaner die Erfinder des Fragebogens sind, dann sind die Deutschen die Erfinder der Behoerden, auf denen Papiere verteilt werden, damit man mit diesen Papieren zu anderen Behoerden gehen kann, die einem mit einem Stempel bestaetigen, dass man rechtmaessiger Papierbesitzter und damit in der Lage ist, das Anrecht auf das Herumstehen in irgendwelchen anderen Wartezimmern irgendwelcher anderen Behoerden erworben zu haben. In diesen anderen Wartezimmern der anderen Behoerden wartet man darauf, ein weiteres Papierchen zu erwerben, dass einen berechtigt( siehe oben, usw.). - Den So viel ueber Radio, Behoerden, Fragebogen und andere Papierchen. einen Zeitungsausschnit ueber die Einwanderungsberechtigung nach Nordamerika, also in die USA., verstehe ich so, dass Soldaten, die erst ab 1. September 1941, also eit dem Tage der Kriegserklaerung Deutschlands an Amerika, in den Milita erdienst eingezogen werden, kein Einwanderungsrecht haben, dass diejenigen, die vor dem 1. September 1941 bereits eingezogen waren, davon nicht betroffen werden. Ist das richtig verstanden? Ich bin zum 1. April 1940 eingezogen worden, zu den Telefonsoldaten, und musste bis auf die kurzfristigen Unterbrechungen als Dolmetscher in den zwei Lagern- auf einem switchboard stoepseln.- Aber da es ja noch nicht so weit ist, sind das alles noch vorbereitende theoretische Diskussionen. - 2- V or einigen Tagen telefonierte ich mit Franz Marx jun., ehemals in Koeln, von dem ich fuer Emil herzliche Gruesse bestellen soll. Marx sitzt hier auf dem Gesch. Zimmer der SPD, von ihm bekam ich die vorlaeufige Anschrift der A W, der ich die beiden Artikel von gr.Mutti ueber die AW und den Paketversand geben will. Auf der AW sitzt ein mir bis dahin nochnunbekannter Herr Leimeier. Lorenz Riedmiller ist in die Verfassunggebende Landesversammlung gewaehlt worden. Er ist in Augsburg. Eine Liste ueber die SPD- und anderen Mitglieder der Landesversammlung fuege ich bei, vielleicht kennt Ihr doch den einen oder anderen. Schreibt mir ueberhaupt, welche Art von Material Ihr eventuell gebrauchen koennt, ich schicke es Euch im Rahmen der gewichtmae ssig gezogenen postalischen Grenzen. Marx erzaehlte mir auch, dass man Dir, Emil, den Posten des Regierungspraesidenten in Koblenz angeboten habe. Da das vor drei Mona en gewesen sein soll, nehme ich an, dass Du negativ darauf reagiert hast. Mir ist das, wenn es so ist, aus mancherlei Gruenden versta endlich. Du kannst die grosse Mutti nicht alleine in New York sitzen lassen und in Deutschland Deiner Wege gehen. Und ob Mi. mit nach Koblenz gehen koennte, mag fuer unsere jetzt 67- Jaehrige nicht unbedingt das Richtige sein. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass Ihr drueben bleiben sollt, denn die Pionierarbeit, die es hier unter den undankbarsten Verhaeltnissen zu leisten gilt, muss, von Menschen bewerkstelligt werden, die noch sehr, sehr jung sind und sich einmal im spaeteren Alter rechtfertigen koennen. Wenn Ihr beide Euren Lebensabend damit beschliessen wollt, Eure letzte Gesundheit noch einmal- so wie Ihr es ja schon einmal in der Zei bis 1933 gemacht habt aufs Spiel zu setzen, dann geht Ihr hier in Deutschland einmal von der Buehne als Menschen, die noch zur alten Garde gehoerten und u bedingt mit den( angeblichvor 1933 erprobten demokratisch- republikanischen) Methoden, die nach Meinung Vieler eben heute keine Gueltigkeit mehr haben, etwas aufzubauen, was aufzubauen durch tausend Widerwaertigkeiten nicht moeglich ist. Zu diesen zwangslaeufigen Widerwaertigkeiten gehoeren die noch immer bestehenden Z onen- und damit Wirtschaftsgrenzen, dazu gehoeren die sowohl politisch als auch verwaltu gsmaessig voellig unterschiedlich ausgerichteten einzelnen Zonen, die sich innerlich am ehesten in den englischen und amerikanischen Bezirken gleichen. Nehm Euch einmal einen meiner Briefe zur Hand, die ich zu Anfang dieses Jahres geschrieben habe und in denen ich sagte, dass es unerhoert schwer sein wird, in den verschiedenen Z onen aufzubauen, und wenn das bis zu bestimmten Anfangsgrenzen geschehen ist nach A ufhebung der Zonengrenzen den natuerlichen, politisch und wirtschaftlich nicht gewalttaetigen, sondern normalen Ausgleich der Z onen untereinander herbeizufuehren. Bis das geschehen ist, vergehen mindestens noch zwei bis drei Jahre. Und erst nach zwei bis drei Jahren kann man daran denken, so etwas wie ein deutsches Reichs- Gesicht mit einem A usdruck zu formen, der in die uebrigen europaeischen Gesichter einigermassen hineinpasst. Aber auch dann wird es noch nich so weit sein, denn ich bin kein Prophet, sondern ein ganz nuechtern denkender politischer" aie- die russische Zone wird eine Ausnahme machen. Das heisst: Deutschland wird sich eines schoenen( oder schlechten) Tages in zwei eindeutige Haelften spalten, in die amerikanisch- englischfranzoesische, und in die russische Haelfte, die dem demokratisch aufzubauenden Deutschland verlorengeht, denn schon jetzt zeichnen sich die Linien ab, die einmal ganz klare Konturen annehmen werden, wenn es heisst, dass das oestliche Deutschland als Republik in den Nationen- Verband der Union der Sozialistischen Sowjet- Republiken aufgenommen wurde. Dann sitzt Russland endgueltig in Deutschland, und dann muessen auch Amerika, England und Frankreich endgueltig in eutschland sitzen. Das bedeutet aber, dass dann Deutschland in seiner westlichen Haelfte zwar als ein geschlossener Wirtschaftsverband dasteht, in seiner politischen Konstruktion aber ganz und gar amerikanisch- Englisch- Branzoesisch ausgerichtet sein wird. Und das be deutet weiterhin: kein politisches E igenleben. Es muss nicht unbedingt so kommen, wie ich es hier schildere, aber das ist - 3- die eine Richtung einer Entwicklung, welche die normal zu erklaerenden latenten Spannungen zwischen Ost und West beruecksichtigt, ohne damit nun das Gespenst eines dritten Weltkrieges heraufzubeschwoeren. Dass Voelker miteinander friedlich um die Festigung ihrer Einfluesse in bestimmten Laendern oder- was Deutschland betrifft- in bestimmten Landesteilen ringen, duerfte im Zeitalter der Atombombe nur versta endlich sein. Da ja sogar das Leben eines jeden einzelnen Mensch Kampf ist, ist auch das Leben von Menschengruppen und ganzen Nationen letzten Endes nur Existenzkampf, und nach diesem schlimmsten aller Kriege wird man ja so weit sein, dass man das Schwert endgueltig in die Scheide gesteckt hat. Ich erschlage ja auch nicht Herrn Mueller, weil ich sein Nachfolger werden will, sondern ich versuche bestenfalls, nachzuweisen, dass Herr Mueller nicht der richtige Mann ist. Ich kaempfe mit sachlichen Waffen gegen ihn, er kaempft mit sachlichen Waffen gegen mich, und wird er einmal unsachlich, dann ueberzeugt er nur noch mehr die Menschen die auf meiner Seite gegen Herrn Mueller stehen.- Willst Du nichtmein Bruder sein, dann schlag ich Dir den Schaedel ein- das ist ein ueberholter UrwaldStandpunkt. Im Jahrhundert des ballyhoo, auch des politischen ballyhoo, in dem man mit Kultur, Zivilisation und anderen schoenen, fortschriftlich anmutenden Dingen beleckt wurde, mordet man sich gegenseitig nicht so primitiv. Maria, die soeben die beiden ersten Seiten gelesen hat, meint ganz richtig, dass ich viel zu viel von diesen meinen persoenlichen Meinungen spreche, al s von unserem persoenlichen Leben. Aber das gehoert zu meinem persoenlichen Leben und Erleben wie die 1250 Kalorien zur Erhaltung dieses persoenlichen Lebens. Lebt in N.Y. nicht ein Genosse Ackermann? Der mal in Wien eine Rolle gespielt hat? Sein Sphn ist hier draussen in Dachau beim war crimes, und als eine Bekannte von uns, Christine Voigt, die draussen in Dachau im Fotolabor arbeitet, dem P eter mal erzaehlte, dass sie mit uns befreundet sei und dass unsere relations over there lebten und so und so hiessen, rief er bei dem Namen Juchacz: Oh, thats Marie J.- I guess I know her, perhaps not personally, but my father knows her exactly, I am sure.- Peter ist fuer mich jederzeit ueber D achau zu erreichen. W enn das zu einer neuen Verbindung fuehren sollte, waere das nicht schlecht, denn Christine pendelt dauernd zwischen Dachau und Mu enchen hin und her.- Obwohl der gute H.E.Beine inzwischen abgefahren ist, habe ich die letzten Drucksachen noch bekommen. Aber Ihr werdet ja inzwischen die verschiedenen Briefe von mir bekommen haben, in denen ich mitteilte, dass Beine ab 15. Juli fuer mich nicht mehr greifbar ist. Das soll fuer heute genuegen. Bin neugierig, wie lange so die verschiedenen Briefe von mir brauchen, und ob sie ueberhaupt ankommen. Ich will noch einmal kurz zusammenstellen: De n englisch geschriebenen Brief vom 28. April hattet Ihr bestaetigt und mitgeteilt, dass der zwei( bzw. drei) Tage vorher abgeschickte vier Seiten lange Brief nicht angekommen sei. Danach gingen ab: am 26. Mai, 2 Seiten, mit Bestaetigung Eures Br.v.12.4. am 11. Juni( sagt Maria, hat sie an Euch geschrieben, ich weiss davon nichts). am 13. am 20. am 4. am 14. am 18. am 24. Juni, vier Seiten, mit Best. Eur.Br.v.12.5., in dem Ihr nach d.Br.vom 26.( 25.) 4. fragt. Dieser Br. vom 13.6.enthaelt wichtigs en Auszug d.Br.v.25. Juni, handgeschr., mit 5 Bildern von uns. Juli, 3,5 Seiten, mit Aufzaehlung ueber erh. PaketInhalt, u.m.Nachtrag vom 5.7. Juli, Juli, 1 Seite, mit endg. pos. E ntsch, ueber mich Juli, 2 Seiten, mit Ber.ueber Augusts Besuch Juli, 3 S eiten, naemlich diesen Brief, den ich mit den herzlichsten Gruessen_fuer Euch beide und mit dem Wunsch, dass wir uns spaetestens im naechsten Fruehjahr wiedersehen, abschliesse. Immer Euer Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstr.6, Tel.40857 24. Juli 1946. Liebe grosse Mutti, lieber Emil, es ist zwar noch keine Entscheidung gefallen, ob und wann und wo ich wieder anfangen werde, um die Zeit bis zur rteilung der Lizenz fuer meine Zeitschrift zu ueberbruecken, aber dass ich in den naechsten Tagen wieder mit einem Job in einer amerikanischen Dienststelle rechnen kann, weiss ich schon jetzt ganz genau. Dann laeuft auch das kleine Waegelchen wieder, das uns vieles in diesem harten Leben erleichtern hilft. Maria kann das ganze Material, das sie auf umsta endlichste Art und Weise von hier aus der Wohnung zum Bunten Wuerfel schleppen muss, wieder mit dem Wagen transportieren, und auf mancher Hin- und Rueckfahrt kann man einen der vielen Wege erledigen, die tagtaeglich eigentlich zu machen sind. Von dort muss man sich Kartoffeln abholen, von einer anderen Stelle Brennholz. Hauptsache, Kartoffeln und Brennholz sind ta tsa ech 1 i, c h vorhanden. Vorgestern- ich hatte gerade meinen Brief an Euch mit dem Bericht ueber Augusts Besuch bei mir in den Kasten geworfen rief mich mein Freund Hannbeck an und teilte mir mit, dass ein Brief fuer mich da sei. Er war am 26. Juni abgestempelt und enthiel die beiden Artikel fuer den Vorsitzenden bzw. Geschaeftsfuehrer der AW in Muenchen bzw. Bayern, den Radio- Artikel von Tania Long( ich kenne Tania Long, hat e vor genau einem Jahr mit ihr verhandel um fuer Radio Muenchen nicht nur Schallplatten zur Verfuegung zu stellen, sondern auch, um meine Dienste Radio Muenchen zur Verfuegung zu stellen. Damals wurden alle meiner Vorschlaege strik abgelehnt, u.a. auch mit dem Hinweis, dass kein einziges deutsches Lied, das seit 1933 ueber irgend einen deutschen Sender gegangen sei, gesendet wuerde. Ich hielt das fuer undurchfuehrbar, weil ich tatsaechlich inzwischen ja auch Musik- und Sender fachmann geworden bin. Und es hat sich herausgestellt, dass Radio Muenchen heute nicht mehr ohne aeltere deutsche Lieder auskommt und dass auch inzwischen einige meiner Vorschlaege, wenn auch nicht in der Art, wie ich sie verwirklicht haette, aufgegriffen und durchgefuehrt wurden. Abgesehen davon, dass die Meinungen ueber Radio Muenchen- trotz jener oder dieser Massnahme gegen dieses, Jenes, diesen oder jenen- heute noch sehr kritisch beurteilt wird und noch lange nicht das Sender- Format hat, das es in Anbetracht des gewaltigen personellen Aufwands haben muesste. Viele Deutsche sind halt so( und das liegt ganz allgemein in der menschlichen Veranlagung), dass sie sobald sie eine Funktion oder einen Posten haben, paepstlicher werden als der Papst, in engerem Sinne amerikanischer als die Amerikaner. Wenn es heisst, dass die Amerikaner die Erfinder des Fragebogens sind, dann sind die Deutschen die Erfinder der Behoerden, auf denen Papiere verteilt werden, damit man mit diesen Papieren zu anderen Behoerden gehen kann, die einem mit einem Stempel bestaetigen, dass man rechtmaessiger Papierbesitzter und damit in der Lage ist, das Anrecht auf das Herumstehen in irgendwelchen anderen Wartezimmern irgendwelcher and e- ren Behoerden erworben zu haben. In diesen anderen Wartezimmern der anderen Behoerden wartet man darauf, ein weiteres Papierchen zu erwerben, dass einen berechtigt( siehe oben, usw.). - So viel ueber Radio, Behoerden, Fragebogen und andere Papierchen. Den einen Zeitungsausschnit ueber die Einwanderungsberechtigung nach Nordamerika, also in die USA., verstehe ich so, dass Soldaten, die erst ab 1. September 1941, also eit dem Tage der Kriegserklaerung Deutschlands an Amerika, in den Militaerdienst eingezogen werden, kein Einwanderungsrecht haben, dass diejenigen, die vor dem 1. September 1941 bereits eingezogen waren, davon nicht betroffen werden. Ist das richtig verstanden? Ich bin zum 1. April 1940 eingezogen worden, zu den Telefonsoldaten, und musste bis auf die kurzfristigen Unterbrechungen als Dolmetscher in den zwei Lagern auf einem switchboard stoepseln.- Aber da es ja noch nicht so weit ist, sind das alles noch vorbereitende theoretische Diskussionen. - 2- V or einigen Tagen telefonierte ich mit Franz Marx jun., ehemals in Koeln, von dem ich fuer Emil herzliche Gruesse bestellen soll. Marx sitzt hier auf dem Gesch. Zimmer der SPD, von ihm bekam ich die vorlaeufige Anschrift der A W, der ich die beiden Artikel von gr.Mutti ueber die AW und den Paketversand geben will. Auf der AW sitzt ein mir bis dahin nochnunbekannter Herr Leimeier. Lorenz Riedmiller ist in die Verfassunggebende Landesversammlung gewaehlt worden. Er ist in Augsburg. Eine Liste ueber die SPD- und anderen Mitglieder der Landesversammlung fuege ich bei, vielleicht kennt Ihr doch den einen oder anderen. Schreibt mir ueberhaupt, welche Art von Material Ihr eventuell gebrauchen koennt, ich schicke es Euch im Rahmen der gewichtmae ssig gezogenen postalischen Grenzen. Marx erzaehlte mir auch, dass man Dir, Emil, den Posten des Regierungspraesidenten in Koblenz angeboten habe. Da das vor drei Mona en gewesen sein soll, nehme ich an, dass Du negativ darauf reagiert hast. Mir ist das, wenn es so ist, aus mancherlei Gruenden versta endlich. Du kannst die grosse Mutti nicht alleine in New York sitzen lassen und in Deutschland Deiner Wege gehen. Und ob Mi. mit nach Koblenz gehen koennte, mag fuer unsere jetzt 67- Jaehrige nicht unbedingt das Richtige sein. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass Ihr drueben bleiben sollt, denn die Pionierarbeit, die es hier unter den undankbarsten Verhaeltnissen zu leisten gilt, muss, von Menschen bewerkstelligt werden, die noch sehr, sehr jung sind und sich einmal im spaeteren Alter rechtfertigen koennen. Wenn Ihr beide Euren Lebensabend damit beschliessen wollt, Eure letzte Gesundheit noch einmal- so wie Ihr es ja schon einmal in der Zei bis 1933 gemacht habt aufs Spiel zu setzen, dann geht Ihr hier in Deutschland einmal von der Buehne als Menschen, die noch zur alten Garde gehoerten und u bedingt mit den( angeblichvor 1933 erprobten demokratisch- republikanischen) Methoden, die nach Meinung Vieler eben heute keine Gueltigkeit mehr haben, etwas aufzubauen, was aufzubauen durch tausend Widerwaertigkeiten nicht moeglich ist. Zu diesen zwangslaeufigen Widerwaertigkeiten gehoeren die noch immer bestehenden Z onen- und damit Wirtschaftsgrenzen, dazu gehoeren die sowohl politisch als auch verwaltu gsmaessig voellig unterschiedlich ausgerichteten einzelnen Zonen, die sich innerlich am ehesten in den englischen und amerikanischen Bezirken gleichen. Nehm Euch einmal einen meiner Briefe zur Hand, die ich zu Anfang dieses Jahres geschrieben habe und in denen ich sagte, dass es unerhoert schwer sein wird, in den verschiedenen Z onen aufzubauen, und wenn das bis zu bestimmten Anfangsgrenzen geschehen ist nach A ufhebung der Zonengrenzen den natuerlichen, politisch und wirtschaftlich nicht gewalttaetigen, sondern normalen Ausgleich der Z onen untereinander herbeizufuehren, Bis das geschehen ist, vergehen mindestens noch zwei bis drei Jahre. Und erst nach zwei bis drei Jahren kann man daran denken, so etwas wie ein deutsches Reichs- Gesicht mit einem A usdruck zu formen, der in die uebrigen europaeischen Gesichter einigermassen hineinpasst. Aber auch dann wird es noch nich so weit sein, denn ich bin kein Prophet, sondern ein ganz nuechtern denkender politischer" aie- die russische Zone wird eine Ausnahme machen. Das heisst: Deutschland wird sich eines schoenen( oder schlechten) Tages in zwei eindeutige Haelften spalten, in die amerikanisch- englischfranzoesische, und in die russische Haelfte, die dem demokratisch aufzubauenden Deutschland verlorengeht, denn schon jetzt zeichnen sich die Linien ab, die einmal ganz klare Konturen annehmen werden, wenn es heisst, dass das oestliche Deutschland als Republik in den Nationen- Verband der Union der Sozialistischen Sowjet- Republiken aufgenommen wurde. Dann sitzt Russland endgueltig in Deutschland, und dann muessen auch Amerika, England und Frankreich endgueltig in Deutschland sitzen. Das bedeutet aber, dass dann Deutschland in seiner westlichen Haelfte zwar als ein geschlossener Wirtschaftsverband dasteht, in seiner politischen Konstruktion aber ganz und gar amerikanisch- Englisch- Branzoesisch ausgerichtet sein wird. Und das be- deutet weiterhin: kein politisches E igenleben. Es muss nicht unbedingt so kommen, wie ich es hier schildere, aber das ist - 3- die eine Richtung einer Entwicklung, welche die normal zu erkleerenden latenten Spannungen zwischen Ost und West beruecksichtigt, ohne damit nun das Gespenst eines dritten Weltkrieges heraufzubeschwoeren. Dass Voelker miteinander friedlich um die Festigung ihrer Einfluesse in bestimmten Laendern oder was Deutschland betrifft in bestimmten Landesteilen ringen, duerfte im Zeitalter der Atombombe nur versta endlich sein. Da ja sogar das Leben eines jeden einzelnen Mensch Kampf ist, ist auch das Leben von Menschengruppen und ganzen Nationen letzten Endes nur Existenzkampf, und nach diesem schlimmsten aller Kriege wird man ja so weit sein, dass man das Schwert endgueltig in die Scheide gesteckt hat. Ich erschlage ja auch nicht Herrn Mueller, weil ich sein Nachfolger werden will, sondern ich versuche bestenfalls, nachzuweisen, dass Herr Mueller nicht der richtige Mann ist. Ich kaempfe mit sachlichen Waffen gegen ihn, er kaempft mit sachlichen Waffen gegen mich, und wird er einmal unsachlich, dann ueberzeugt er nur noch mehr die Menschen, die auf meiner Seite gegen Herrn Mueller stehen.- Willst Du nichtmein Bruder sein, dann schlag ich Dir den Schaedel ein- das ist ein ueberholter UrwaldStandpunkt. Im Jahrhundert des ballyhoo, auch des politischen ballyhoo, in dem man mit Kultur, Zivilisation und anderen schoenen, fortschriftlich anmutenden Dingen beleckt wurde, mordet man sich gegenseitig nicht so primitiv. Maria, die soeben die beiden ersten Seiten gelesen hat, meint ganz richtig, dass ich viel zu viel von diesen meinen perscenlichen Meinungen spreche, von unserem persoenlichen Leben. Aber das gehoert zu meinem persoenlichen Leben und Erleben wie die 1250 Kalorien zur Erhaltung dieses persoenlichen Lebens. al s Lebt in N.Y. nicht ein Genosse Ackermann? Der mal in Wien eine Rolle gespielt hat? Sein Sohn ist hier draussen in Dachau beim war crimes, und als eine Bekannte von uns, Christine Voigt, die draussen in Dachau im Fotolabor arbeitet, dem P eter mal erzaehlte, dass sie mit uns befreundet sei und dass unsere relations over there lebten und so und so hiessen, rief er bei dem Namen JuchacZ Oh, thats Marie J.- I guess I know her, perhaps not personally, but my father knows her exactly, I am sure.- P eter ist fuer mich jederzeit ueber D achau zu erreichen. Wenn das zu einer neuen Verbindung fuehren sollte, waere das nicht schlecht, denn Christine pendelt dauernd zwischen Dachau und Mu enchen hin und her.- Obwohl der gute H.E.Beine inzwischen abgefaren ist, habe ich die letzten Drucksachen noch bekommen. Aber Ihr werdet ja inzwischen die verschiedenen Briefe von mir bekommen haben, in denen ich mitteilte, dass Beine ab 15. Juli fuer mich nicht mehr greifbar ist. Das soll fuer heute genuegen. Bin neugierig, wie lange so die verschiedenen Briefe von mir brauchen, und ob sie ueberhaupt ankommen. Ich will noch einmal kurz zusammenstellen: De n englisch geschriebenen Brief vom 28. April hattet Ihr bestaetigt und mitgeteilt, dass der zwei( bzw. drei) Tage vorher abgeschickte vier Seiten lange Brief nicht angekommen sei. Danach gingen ab: am 26. Mai, 2 Seiten, mit Bestaetigung Eures Br.v.12.4. am 11. Juni( sagt Maria, hat sie an Euch geschrieben, ich weiss davon nichts). am 13. am 20. am 4. am 14. am 18. am 24. Juni, vier Seiten, mit Best.Eur.Br.v.12.5., in dem Ihr nach d.Br.vom 26.( 25.) 4. fragt. Dieser Br. vom 13.6.enthaelt wichtigs en Auszug d.Br.v.25. J uni, handgeschr., mit 5 Bildern von uns. Juli, 3,5 Seiten, mit Aufzaehlung ueber erh. PaketInhalt, u.m. Nachtrag vom 5.7. Juli, 1 Seite, mit endg. pos.E ntsch. ueber mich Juli, 2 Seiten, mit Ber.ueber Augusts Besuch Juli, 3 S eiten, naemlich diesen Brief, den ich mit den herzlichsten Gruessen fuer Euch beide und mit dem Wunsch, dass wir uns spaetestens im naechsten Frueh jahr wiedersehen, abschliesse. Immer Euer STAATS- ZEITUNG UND HEROLD, DEN 9. JUNI 1946 Fritz In der Begründung für diesen Vorschlag heißt es:" In den Bestimmungen des Gesetzes vom 20. Juni 1941 war die Verweigerung jeglicher Art von Visen durch den diplomatischen oder Konsularbeamten der U. S. gegenüber Personen, die die öffentliche SicherW die Gassett- Vorlage in Solche Personen sollen auch heit der Vereinigten Staaten zu der Form, in der sie dem Abge- nicht für die Erlangung der gefährden verdächtig sind, vorgeordnetenhause in Washington von Staatsbürgerschaft der U. S. in sehen. Aber in den Immigrationsdem Einwanderungs- und Einbür- Betracht kommen; der Entwurf gesetzen war dies niemals als ein gerungsausschuß zugeleitet wurde, schlägt zu diesem Behufe die Hin- Grund für den Ausschluß durchim Plenum Anklang findet, wird zufügung eines neuen Absatzes, geführt worden. Mit anderen das Einwanderungsgesetz vom Nr. 306A, zum Nationalitätsakt Worten: Wenn es einem AuslänJahre 1917 folgende Änderungen des Jahres 1940 vor. Dagegen der gelungen war, einen Konsul sollen sie von beiden Bestimmun- zu täuschen und sich ein EinwanAusschluss von Nazis und Feindsoldaten von Immigration erfahren: Ben: 1. Personen, die seit dem 7. Dezember 1941 in den bewaffneten Streitkräften eines Landes gedient haben, das sich mit den Vereinigten Staaten im Kriege befand, und Von der Zulassung sind außer gen befreit werden, wenn sie ihre derungsvisum zu verschaffen, so Ausländern der schon in den gel-" Feindschaft und Opposition ge- konnte dieser Mann, selbst wenn tenden Bestimmungen bezeich- gen Nazismus und Faschismus" ein Immigrationsinspektor hinterneten Kategorien noch Angehörige in der Zeit vom 7. Dezember 1941 her entdeckt hatte, daß seine Anfolgender Gruppen auszuschlie- bis 8. Mai 1945 unzweifelhaft wesenheit hier die öffentliche Sinachweisen können. Dasselbe gilt cherheit gefährden könnte, nach für den Fall, daß sie einen Be- dem geltenden Gesetz nicht von weis dafür zu liefern vermögen, der Einwanderung ausgeschlossen daß ihr Dienst in den feindlichen werden, falls nicht ein anderer, Streitkräften unfreiwillig erfolgte davon unabhängiger, Grund für Ferner wurde die Einbeziehung seinen Ausschluß gefunden einer dritten Gruppe von nicht wurde." 2. Personen, die jemals Mitglieder einwanderungszulässigen Personen der Nazipartei, der Faschisti- vorgeschlagen, nämlich solchen, schen Partei, der Gestapo, der" von denen der Attorney General SS( Schutz- Staffel) und der weiß oder zu glauben Grund hat, Sturmabteilung) gewesen daß sie versuchen, zwecks Tätigsin oder noch sind; ferner keiten nach den Vereinigten Staa" Mitglieder irgendeiner anderen ten zu kommen, die die öffentOrganisation oder Parteigruppe, liche Sicherheit der Vereinigten die den Nazismus oder Fa- Staaten in Gefahr bringen." Dieschismus unterstützte oder noch ser Zusatz soll vor der bekannten unterstützt, sowie jede, Person, Klausel gegen die Anarchisten die von der Kriegsverbrechen- und Vertreter oder Verteidiger Kommission der Vereinten Na- von Doktrinen zum gewaltsamen tionen als Kriegsverbrecher er- Sturz der Regierung der U. S. einklärt worden ist." gefügt werden. MUNSTER für Fritz GOTTINGEN HALBERSTADT ESSEN NORDHAUSEN RHEYDT .KOLN AACHEN BONN KASSEL HEILIGENSTADT LEIPZIG EISENACH MARBURG HERSFELD FULDA KOBLENZ MEININGEN PLAUEN LIMBURG PROM FRANKFURT WIESBADEN COBURG OKULMBACH MAINZ DARMSTADT TRIER FR. LAMPERTHEIM MANNHEIM SAARBRÜCKEN WEIDEN NURNBERG FURTH KARLSRUHE U.S. ZONE ETTUNGEN STUTTGART BADENBADEN FREIBURG FR. ORRACH ZW PLAT KOSSU OULM AUGSBURG MONCHEN BAD ASCHAU. REICHER OBERAMMERGAU KAUFBEUREN FRIEDRICHS HAFEN OBERSTDORF a e Fritz NEW YORK TIMES, WEDNESDAY, FEBRUARY 6, 1946, CAMOUFLAGE SEEN IN USE OF GERMANS ' Democratic' Gains Are Called glaring example was a letter from one named Helga Norbert of Nuremberg, who wrote thanking the station for letting her hear once again her beloved Fuehrer's voice. The letter was written as a result of an anti- Nazi broadcast in which from Adolf Hitler's excerpts speeches were put on from recordShield for Redeployment- ings with comments to show how Munich Radio Case Cited By TANIA LONG ridiculous his prognostications had been. Yet Helga Norbert wrote: " The ideas of this man who in six years created a flowering Reich out of a people almost destroyed by misery*** will live MUNICH, Germany, Feb. 5 on in the hearts of his youth, whatonths hence the Munich ever lies are said. Fou By Wireless to THE NEW YORK TIMES. Military government officials, radio, now operated by Americans, press control officers or officers will be turned back to the Germans in charge of German radio stations subject only to supervisory control. in other words, all the men who The reason for this, as for other work closely with the Germanssimilar instances of American point out that after twelve years withdrawal from control of the of nazism and nearly six years of Germans, is that the Germans have war the Reich is practically empty developed so rapidly that it is safe of men or women capable of carryto do so. But in the opinion of ing out the sort of reorganization fmany officials responsible for the the Allies want to see accomre- education of the German peo- plished in Germany. e у e ple this is pure camouflage to hide the true effects of redeployment. As matters stand today it will be a miracle if by June 1 enough competent and trustworthy Germans can be found to carry on an active policy of re- education toward a democratic way of life and away from nazism and militarism. At present there are ten Americans in charge of the station, which employs about 300 persons. After nine months' effort they have been able to find and train six trustworthy, capable Germans for key positions, of whick re are more than tyenty. By J1 the Americans will be reduced to four, with no authority to interfere in the management of the station, which has 740,000 paid subscribers and many times that number of listeners, except after the event. Meanwhile, there is considerable evidence to show that the Germans are not yet ready to take control. One of Munich's radio news editors was discharged because he took advantage of his position to put on the air political propaganda for the Christian Social Union, although he knew this was prohibited at the time. And when Harold Braun, wellknown movie director, was asked by the Munich radio to direct an anti- Nazi and anti- militarist radio sketch he refused on the ground that one of the characters made German militarism look ridiculous. Some of the letters received by the Munich radio station similarly show that many Bavarians are still totally unregenerate. The most THE NEW YORK TIMES, WEDNESDAY, FEBRUARY ZED Only 100 Years Old Today, RUMANIA RECEIVES LICE in the tion ent elayed) hot be oday a police, swept ns into police StanisMinisatedly Newsclosely going erican Forowski Says He'll Live to Be 150 U.S. RECOGNITION Continued From Page 1 ed of Mr. Vishinsky, W. Avere Harriman, our Ambassador to th Soviet Union, and Sir Archiba Clark Kerr, then British Amba sador in Moscow and now Amba sador- designate to the Unite States. Their report is understoo to be to the effect that Buchares has accomplished a reasonabl compliance with the b cond tions of a representativ overr ment and assurances of free ele tions and freedom of press, speech assembly and religion. Present Leader Prints Demands BUCHAREST, Rumania, Feb. ( Reuter)-General elections fo Rumania before May 1 were de manded by Emil Hatieganu, Na tional peasant leader and membe of the Cabinet, in the opening is sue today of his party's orga Dreptatea, first Opposition new paper to appear following the a surances of democratic freedom in Rumania. M. Hatieganu urged that th elections should be supervised an Allied commission. " Only in this way will we ha a guarantee of genuinely free ele 946 tions," he added. is toith Regarding the Four Freedor M. Hatieganu stated: " The Government has said will respect these freedoms day practice, however, apart from a proving publication of O new papers( Dreptatea a the N ark tional Liberal paper, Liberalu nothing has ben realized." om his des Calling for abolition of the pr d," ent state of siege, M. Hatiega ula demanded dissolution of all arm parliamentary formations and pa nd ty police organizations and" ne co, tralization" of police and securi des organs. Mr. feet me 29 Peasant Leader Prints Demands By Cable to THE NEW YORK TIMES. BUCHAREST, Feb. 5- Premi Groza's office indicated today tha 1 of it will propose Richard Franas and and ince his and has hich tead, vici, present Minister to Switze land, as diplomatic representati in London. For the Washingto post it will ask accreditation f Vasile Stoica, general secretary the Foreign Office here. The Old Way Wins in Wiscons join- MADISON, Wis., Feb. 5( U.P.) The Wisconsin Public Servi Commission decided today th modern automatic telephon brew e reenti social Several Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstr.6- Tel. 40857 18. Juli 1946. Liebe grosse Mutti, lieber Emil, meine Briefe an Euch jagen sich, aber man ist so gluecklich, dass wieder so etwas wie eine Familie beisammen ist, wenn auch unwahrscheinlich viel Wasser dazwischen liegt. Sobald irgend eine Kleinigkeit sich ereignet, sollt Ihr es wissen, und dabei wuenscht man, dass die Briefe hoechstens acht Tage brauchen, aber es werden entschieden mehr sein, viele Wochen sicherlich. - Gestern gab es zweierlei groessere frohe Ueberraschungen, wenn auch am Tag zuvor ein kleiner Wermutstropfen in den Kelch meiner ansonsten inneren Freude fiel. Vorgestern hatte ich eine Besprechung wegen meiner Kunstzeitschrift da capo und man riet mir, mich mit einem bereits bestehenden Kaeseblatt zu kuppeln, um diesem Blaettchen ein gediegeneres Format zu geben, denn eine zweite Theaterzeitschrift koenne man nicht zulassen. dass aus mancherlei Gruenden, Papierknappheit, keine Moeglichkeiten zur Mag sein, Herstellung von Klischees usw., eine zweite Zeitschrift eine voruebergehende Belastung darstellt fuer die Wirtschaft, vohedxx man nicht weiss, ob das, was sie bei dem Leserkreis erreichen will, dazu nicht doch in einem ganz gesunden Verhaeltnis steht, aber ich kann unmoeglich meine persoenlichsten, sehr weit reichenden Beziehungen zu den besten Mitarbeitern fuer ein Murks- Blaettchen bereitstellen. Dann warte ich lieber, bis die wirtschaftliche Lage sich auch auf diesem Gebiet etwas gebessert hat, was in dem Augenblick eintritt, in dem die Zonengrenzen fallen.- Trotzdem wird mein Projekt nach wie vor diskutiert und bearbeitet, vielleicht gibt es doch noch eine Ueberraschung. A ber etwas Wichtiges: durch Vermittlung eines amerikanischen Abteilungsleiters, mit dem ich im Theatre bControl Office viel zusammenarbeiten musste, wurde ich an einen Mr. C. empfohlen, der sich mit mir eingehend unterhielt und mir riet, mein Zeitschriften- Projekt ganz eisern zu verfolgen und keine Zugestaendnisse zu machen, selbst wenn es sich bis zur Lizenzerteilung noch ein halbes Jahr oder noch laenger hinziehen sollte. Die Wartezeit koennte ich dami ausfuellen, dass ich in einer seiner Abteilungen arbeite. Er sitzt im Stab der Information Control Division, also nicht weit vom frueheren Schuss( Theatre Control gehoert ja auch zu ICD), ausserdem arbeiten diese Abteilungen nicht weit von hier in einem grossen Gebaeudekomplex, Fussweg eine Viertelstu de( mit dem Wagen, der dann auch wieder laufen soll, knapp 5/ Minuten), was sich alles sehr guenstig anhoert. Darueberhinaus gibt es jeden Mittag eine zusaetzliche, nicht schlechte Mittagsmahlzeit, was allerdings- wenn ich ganz ehrlich sein soll- nicht den geringsten Reiz auf mich ausueben wuerde, wenn mir die Arbeit nicht zusagt. D enn XXXXX nur des Frasses wegen zu arbeiten ist unbefriedigend, stur ud toetend. Ich soll in einigen Tagen Bescheid bekommen, ob etwas daraus wird.( In einigen Tagen ist also wieder ein Brief an Euch faellig, ich komme durch die sich ueberstuerzenden Ereignisse mit der Korrespondenz garnich mit). - Die zweite Freude: gestern Vormittag stand ploetzlich August Kirschmann vor der Wohnung stuere. Ich war nicht zu Hause, Maria machte ihm auf und erkannte ihn sofort, denn sie sah ihn zum letzten Mal, als er uns im Jahre 1938 in Berlin besuchte. Es gab selbstversta endlich sehr viel zu erzaehlen, und wir tauschten unsere guten und schlechten Erlebnisse aus und verglichen u seren Kampf ums Dasein, wobei wir feststellten, dass trotz Zonengrenzen die groesste Problematik in allen Zonen die gleiche ist: wo bekommt man die Kalorien her, und wie. Er hatte mir in einem Brief, der nicht angekommen ist, geschrieben, dass er im Jahre 1942 in der Renatastrasse 48 als Wehrmachtsbeamter gearbeite hat, also in dem gleichen Haus und fast in dem gleichen Buero, in dem ich im Theatre Control Office gesessen habe. Bis 1944 war er in Muenchen. Und wusste nicht, dass ich -2hier eine Wohnung hatte. Es waere damals fuer ihn und fuer mich vieles leichter gewesen, denn er suchte ein annehmbares Quartier, da er zivil wohnen und leben durfte, und ich suchte einen guten Mieter, auf den man sich verlassen konnte und der die Garantie fuer die gute Pflege unseres Eigentums gewesen waere. Dadurch waere uns mancher Aerger erspart und manches kostbare Stueck in u serer Wohnung erhalten geblieben. Dadurch, dass us wildfremde Menschen hier eingewiesen wurden, verschwanden einige sehr schoene Zeichnungen von den Waanden, unser Glasgeschirr schrumpfte bis auf einige Wenigkeiten zusammen, meine Schmalfilmkamera wurde aus ihrem Versteck gebuddelt und davongetragen, und auch anderswie ging vieles kaputt und wurde viel ruiniert, was nicht geschehen waere, wenn August hier gewohnt haette. Wenn.....- Tempi passati. Darueber zu weinen hat keinen Zweck. Aber provoziert durch Augusts Besuch mal kurz daran denken ist seelisch und moralisch tragbar und erlaubt. A ugust erzaehlte mir, dass er korrespondenzmaessig mit Lotte die denkbar schlechtesten Erfahrungen gemacht hat, weil sie nie reagierte. Mit Paul in Weissenthurm hat er staendige Fuehlung, hat ihn auch gerade im rechten Augenblick einmal besucht, recht insofern, als Paul gerade eine 2 Zentnersau geschlachtet hatte. Ihm soll es durch das Gut von uns allen am besten gehen, und ich freue mich am meisten darueber wegen der beiden Jungens von Paul, die gottseidank kraeftig heranwachsen und dem vielen Schweren, was auch dieser Jugend noch einmal entgegentreten wird, wenigstens koerperlich stark gegenueberstehen und es deshalb auch mit mehr Widerstandskraft bewaeltigen werden koennen. A ugust wollte versuchen, hier in Muenchen wieder einige Geschaeftsverbindungen anzuknuepfen, was aber misslang, da alle frueheren Partner ausgebombt und dadurch vom Erdboden u d aus dem Geschaeftsleben verschwunden sind. Er hat hier uebernachtet, konnte noch das Erfreuliche, das sich mir bietet( hoffentlich), mit auf den Weg nehmen, und fuhr heute frueh ueber Augsburg und Nuernberg, wo er noch einige Leute aufsuchen will, weiter und nach Hause.- Es waren schoene, wenn auch wenige Stunden, und ich habe mich sehr gefreut, weil ich wieder einmal merkte, wie schoen es doch ist, wenn man sich von Angesicht zu Angesich gegenueber sitzt und alles das geradeheraus und ehrlich sagen zu koennen, was einen bewegt.- Er macht in Idar- Oberstein den Vorsitzenden der SPD- Ortsgruppe, die jetzt schon mehr Mitglieder hat als 1932, ist etwas bekuemmert ueber die Aktivitaet der Kommunisten, die ueber erhebliche Geldmittel verfuegen muessen, denn sie leiste en sich in Id.- Obst. jetzt sogar den siebenten festen Partelangestellten mit einem Monatsgehalt von RM 450.00. Das ist im Rahmen der sonstigen Lohnverhaeltnisse nicht nur ein hoher Betrag, sondern im Rahmen der personellen Leistungsfaehigkeiten der politischen Parteien beinahe schon Luxus. A ugust zerbri h sich den Kopf, wie die KPD das anstellt, weil er verzweifelt nach Mitteln und Wegen sucht, um mit den Einnahmen aus den Mitgliedsbeitraegen- er bekommt sonst von keiner Seite oder von der Zentrale irgendeinen Zuschuss den bestmoeglichst arbeitenden A pparat hinzustellen. Ich habe ihm gesagt, dass hier auf dem Gebiet der Mitgliederwerbung noch garnicht gearbeitet wird, zumindest nich durch die SPD. Neulich hoerte ich einem Gespraech zweier juengerer Menschen auf der Strassenbahn zu, die sich ueber die Parteien und ihre Programme u terhielten. Der eine meinte, dass die SPD- so wie er es aus den zur Kenntnis durch Plakataushang gebrachten Mitteilungen entnehme die politisch, wirtschaftlich und weltanschaulich gesuendeste Einstellung zu allen Problemen der Gegenwart habe. I ch schaltete mich ein und sagte:" Warum werden Sie dann nicht Mitglied dieser Partei?"- E r:" Das sagen Sie so. Wo soll ich mich denn aufnehmen lassen? Nirgendswo findet man die Adresse eines Bueros oder einer Ortsgruppe" - Und der junge Mann hatte leider Recht. Man hoert irgendwie mal etwas von der bereits wieder bestehenden ArbeiterWohlfahrt, aber wer, wo, fuer wen und wie sie arbeitet ist unergruendlich. In puncto Werbung gilt es nochn a 1 1 es nachzuholen. Aber das ist auch wieder ein Frage des Geldes, des Papiers, des Drucks, also: wirtschaftlich gehandicapt. Genug fuer heute. Alle herzlichsten Gruesse Euch beiden, Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Harlaching, Haselburgstr.6 Haselburgstr.6- Tel.40857 18. Juli 1946. Liebe grosse Mutti, lieber Emil, meine Briefe an Euch jagen sich, aber man ist so gluecklich, dass wieder so etwas wie eine Familie beisammen ist, wenn auch unwahrscheinlich viel Wasser dazwischen liegt. Sobald irgend eine Kleinigkeit sich ereignet, sollt Ihr es wissen, und dabei wuenscht man, dass die Briefe hoechstens acht Tage brauchen, aber es werden entschieden mehr sein, viele Wochen sicherlich. Gestern gab es zweierlei groessere frohe Ueberraschungen, wenn auch am Tag zuvor ein kleiner Wermutstropfen in den Kelch meiner ansonsten inneren Freude fiel. Vorgestern hatte ich eine Besprechung wegen meiner Kunstzeitschrift da capo und man riet mir, mich mit einem bereits bestehenden Kaeseblatt zu kuppeln, um diesem Blaettchen ein gediegeneres Format zu geben, denn eine zweite Theaterzeitschrift koenne man nicht zulassen. dass aus mancherlei Gruenden, Papierknappheit, keine Moeglichkeiten zur Mag sein, Herstellung von Klischees usw., eine zweite Zeitschrift eine voruebergehende Belastung darstellt fuer die Wirtschaft, vohefuк man nicht weiss, ob das, was sie bei dem Leserkreis erreichen will, dazu nicht doch in einem ganz gesunden Verhaeltnis steht, aber ich kann unmoeglich meine persoenlichsten, sehr weit reichenden Beziehungen zu den besten Mitarbeitern fuer ein Murks- Blaettchen bereitstellen. Dann warte ich lieber, bis die wirtschaftliche Lage sich auch auf diesem Gebiet etwas gebessert hat, was in dem Augenblick eintritt, in dem die Zonengrenzen fallen.- Trotzdem wird mein Projekt nach wie vor diskutiert und bearbeitet, vielleicht gibt es doch noch eine Ueberraschung. A ber etwas Wichtiges: durch Vermittlung eines amerikanischen Abteilungsleiters, mit dem ich im Theatre bControl Office viel zusammenarbeiten musste, wurde ich an einen Mr. C. empfohlen, der sich mit mir eingehend unterhielt und mir riet, mein Zeitschriften- Projekt ganz eisern zu verfolgen und keine Zugestaendnisse zu machen, selbst wenn es sich bis zur Lizenzerteilung noch ein halbes Jahr oder noch laenger hinziehen sollte. Die Wartezeit koennte ich dami ausfuellen, dass ich in einer seiner Abteilungen arbeite. Er sitzt im Stab der Information Control Division, also nicht weit vom frueheren Schuss( Theatre Control gehoert ja auch zu ICD), ausserdem arbeiten diese Abteilungen nicht weit von hier in einem grossen Gebaeudekomplex, Fussweg eine Viertelstu de( mit dem Wagen, der dann auch wieder laufen soll, knapp 5/ Minuten), was sich alles sehr guenstig anhoert. Darueberhinaus gibt es jeden Mittag eine zusaetzliche, nicht schlechte Mittagsmahlzeit, was allerdings- wenn ich ganz ehrlich sein soll nicht den geringsten Reiz auf mich ausueben wuerde, wenn mir die Arbeit nicht zusagt. D enn жXиxx nur des Frasses wegen zu arbeiten ist unbefriedigend, stur ud toetend. Ich soll in einigen Tagen Bescheid bekommen, ob etwas daraus wird.( In einigen Tagen ist also wieder ein Brief an Euch faellig, ich komme durch die sich ueberstuerzenden Ereignisse mit der Korrespondenz garnicht mit). Die zweite Freude: gestern Vormittag stand ploetzlich August Kirschmann vor der Wohnung stuere. Ich war nicht zu Hause, Maria machte ihm auf und erkannte ihn sofort, denn sie sah ihn zum letzten Mal, als er uns im Jahre 1938 in Berlin besuchte. Es gab selbstversta endlich sehr viel zu erzaehlen, und wir tauschten unsere guten und schlechten Erlebnisse aus und verglichen u seren Kampf ums Dasein, wobei wir feststellten, dass trotz Zonengrenzen die groesste Problematik in allen Zonen die gleiche ist: wo bekommt man die Kalorien her, und wie. Er hatte mir in einem Brief, der nicht angekommen ist, geschrieben, dass er im Jahre 1942 in der Renatastrasse 48 als Wehrmachtsbeamter gearbeite hat, also in dem gleichen Haus und fast in dem gleichen Buero, in dem ich im Theatre Control Office gesessen habe. Bis 1944 war er in Muenchen. Und wusste nicht, dass ich - 2- hier eine Wohnung hatte. Es waere damals fuer ihn und fuer mich vieles leichter gewesen, denn er suchte ein annehmbares Quartier, da er zivil wohnen und leben durfte, und ich suchte einen guten Mieter, auf den man sich verlassen konnte und der die Garantie fuer die gute Pflege unseres Eigentums gewesen waere. Dadurch waere uns mancher Aerger erspart und manches kostbare Stueck in u serer Wohnung erhalten geblieben. Dadurch, dass us wildfremde Menschen hier eingewiesen wurden, verschwanden einige sehr schoene Zeichnungen von den Waanden, unser Glasgeschirr schrumpfte bis auf einige Wenigkeiten zusammen, meine Schmalfilmkamera wurde aus ihrem Versteck gebuddelt und davongetragen, und auch anderswie ging vieles kaputt und wurde viel ruiniert, was nicht geschehen waere, wenn August hier gewohnt haette. Wennn.. Tempi passati. Darueber zu weinen hat keinen Zweck. Aber provoziert durch Augusts Besuch mal kurz daran denken ist seelisch und moralisch tragbar und erlaubt. A ugust erzaehlte mir, dass er korrespondenzmaessig mit Lotte die denkbar schlechtesten Erfahrungen gemacht hat, weil sie nie reagierte. Mit Paul in Weissenthurm hat er staendige Fuehlung, hat ihn auch gerade im rechten Augenblick einmal besucht, recht insofern, als Paul gerade eine 2 Zentnersau geschlachtet hatte. Ihm soll es durch das Gut von uns allen am besten gehen, und ich freue mich am meisten darueber wegen der beiden Jungens von Paul, die gottseidank kraeftig heranwachsen und dem vielen Schweren, was auch dieser Jugend noch einmal entgegentreten wird, wenigstens koerperlich stark gegenueberstehen und es deshalb auch mit mehr Widerstandskraft bewaeltigen werden koennen. A ugust wollte versuchen, hier in Muenchen wieder einige Geschaeftsverbindungen anzuknuepfen, was aber misslang, da alle frueheren Partner ausgebombt und dadurch vom Erdboden ud aus dem Geschaeftsleben verschwunden sind. Er hat hier uebernachtet, konnte noch das Erfreuliche, das sich mir bietet( hoffentlich), mit auf den Weg nehmen, und fuhr heute frueh ueber Augsburg und Nuernberg, wo er noch einige Leute aufsuchen will, weiter und nach Hause.- Es waren schoene, wenn auch wenige Stunden, und ich habe mich sehr gefreut, weil ich wieder einmal merkte, wie schoen es doch ist, wenn man sich von Angesicht zu Angesich gegenueber sitzt und alles das geradeheraus und ehrlich sagen zu koennen, was einen bewegt.- Er macht in Idar- Oberstein den Vorsitzenden der SPD- Ortsgruppe, die jetzt schon mehr Mitglieder hat als 1932, ist etwas bekuemmert ueber die Aktivitaet der Kommunisten, die ueber erhebliche Geldmittel verfuegen muessen, denn sie leiste en sich in Id.- Obst. jetzt sogar den siebenten festen Partelangestellten mit einem Monatsgehalt von RM 450.00. Das ist im Rahmen der sonstigen Lohnverhaeltnisse nicht nur ein hoher Betrag, sondern im Rahmen der personellen L eistungsfaehigkeiten der politischen Parteien beinahe schon Luxus. A ugust zerbri h sich den Kopf, sich den Kopf, wie die KPD das anstellt, weil er verzweifelt nach Mitteln und Wegen sucht, um mit den Einnahmen aus den Mitgliedsbeitraegen- er bekommt sonst von keiner Seite oder von der Zentrale irgendeinen Zuschuss- den bestmoeglichst arbeitenden A pparat hinzustellen. Ich habe ihm gesagt, dass hier auf dem Gebiet der Mitgliederwerbung noch garnicht gearbeitet wird, zumindest nich durch die SPD. Neulich hoerte ich einem Gespraech zweier juengerer Menschen auf der Strassenbahn zu, die sich ueber die Parteien und ihre Programme u terhielten. Der eine meinte, dass die SPD so wie er es aus den zur Kenntnis durch Plakataushang gebrachten Mitteilungen entnehme die politisch, wirtschaftlich und weltanschaulich gesuendeste Einstellung zu allen Problemen der Gegenwart habe. I ch schaltete mich ein und sagte:" Warum werden Sie dann nicht Mitglied dieser Partei?"- E r:" Das sagen Sie so. Wo soll ich mich denn aufnehmen lassen? Nirgendswo findet man die Adresse eines Bueros oder einer Ortsgruppe". Und der junge Mann hatte leider Recht. Man hoert irgendwie mal etwas von der bereits wieder bestehenden ArbeiterW ohlfahrt, aber wer, wo, fuer wen und wie sie arbeitet ist unergruendlich. In puncto Werbung gilt es nochn a 11 es nachzuholen. Aber das ist auch wieder ein Frage des Geldes, des Papiers, des Drucks, also: wirtschaftlich gehandicapt. Genug fuer heute. Alle herzlichsten Gruesse Euch beiden, Fritzmichael Röhl, München 9 München 9- Harlaching, Haselburgstr. 6- Tel. 40 857 14. Juli 1946. Liebe grosse Mutti und lieber Emil, die grosse Entscheidung ist gefallen: ich habe auf den Tag genau fünf Monate lang mit dem Damokles- Schwert über mir umsonst alle möglichen Ängste ausgestanden und mir grösste Sorgen gemacht. Irgendwie erreichte ich es, dass ich mit einem entscheidenden Herrn noch einmal eine sehr gründliche Aussprache haben sollte. Ich packte da alles ins zwischen verlorengegangen war, noch einmal alles zusammen, was ich an Formularen ausgefüllt und ansonsten schriftlich zusammengetragen hatte, und ging dann zu dem Rendezvous. Der Herr war aber grindlich und sagte, dass er erst einmal nachschauen wolle, ob sich in den Akten des Hauses nicht doch etwas anfände,- und er fand etwas, worüber er den Kopf schüttelte, weil es in einem Umschlag steckte, den nie ein Mensch zu sehen bekommen hatte. Er hielt es für notwendig, alles genauestens zu studieren und bestellte mich auf den nächsten Tag. Die Unterhaltung war gründlich und ausgiebig, und als ich mich verabschiedete, machte er eine so positive Andeutung, dass ich sehr beruhigt nach Hause ging.- Gestern kam das schriftliche Ergebnis: ein general approval, Ich habe stante pede sowohl meinen Antrag für die Zeitschrift als auch für den Veranstaltungsdienst ausgearbeitet, die halbe Nacht hindurch, und eingereicht. Einer der Herren in meinem früheren Office meinte schon vor längerer Zeit, dass ich nach erfolgter Approbation unbedingt- und sei es auch nur für wenige Wochen- ins Office zurückmisse, als Rehabilitierung, da ich ja in den fünf Monaten manchem Gerücht ausgesetzt gewesen bin. Diese Frage soll morgen geklärt werden, da mittlerweile der staff des Office personell zusammengestrichen wurde und Neueinstellungen nicht mehr vorgenommen werden. Aber vielleicht macht man bei mir eine Ausnahme, eine verdiente Ausnahme, wodurch ich bis zur Erteilung meiner Lizenz noch zu einem sicheren Monatsverdienst käme. Mal abwarten, wie sich das entwickelt. Wenn nicht, ist es auch nicht so tragisch, Ich muss jetzt nur noch die Zeitschrift durchkämpfen, was auch nicht ganz leicht sein wird, und dann werde ich mein eigener Herr. Bis zum Herbst soll es so weit sein. Maria wollte Euch selbst wegen des letzten grossen und warmen Segens schreiben, hatte aber in den letzten Tagen so viel zu tun, und wurde ausserdem vom Haushalt etwas aufgefressen, da unsere Wäscherei geplatzt ist und wir selbst ganz grosse Wäsche machten, was für Maria aber ein besonderes Vergnügen war, da sie endlich einmal wieder richtig in Seifenschaum pantschen und durch die fabelhafte Qualität des Pulvers nur halb so viel Arbeit hatte. Ausserdem ist sie wieder so glücklich und zuversichtlich wie ehedem, weil sie weiss, dass Sie sich wieder, was eine künftige Arbeit für mich anbetrifft, auf positive Dinge freuen kann. Das ist mehr wert, als man mitunter wahrhaben will. Konnte Heute Vormittag hörten wir uns den Bandura- Chor an, uer zum ersten Mal yor die deutsche Öffentlichkeit trat, nachdem er xxxx selbst aus displaced persons bestehend- bisher nur in Lagern vor DP's gesungen hatte. Eine lange nicht so gute Kopie wie der Donkosaken- Chor von Serge Jaroff. Solche Dinge waren einmalig. Auch die Art, warum und wie ein Land wie Deutschland in eine Katastrophe hineingeriet, wird einmalig sein. Wir haben uns diese Maschine für eine Sonntag- Nacht aus dem" Würfel" geborgt, um wichtigste Korrespondenz und andere Schreiberei zu erledigen. Ein grosser Teil ist noch zu erledigen,- und die Nacht ist bald herum. Deshalb nur diesen kurzen, aber bisher inhaltsreichsten Brief, mit den schönsten und glücklichsten Grüssen, von Maria und von Eurem Lotte bekommt von diesem Brief eine Kopie. _ Fritzmichael Röhl, München 9- Harlaching, Haselburgstr. 6- Tel. 40 857 14. Juli 1946. Liebe grosse Mutti und lieber Emil, die grosse Entscheidung ist gefallen: ich habe auf den Tag genau fünf Monate lang mit dem Damokles- Schwert über mir umsonst alle mög lichen Ängste ausgestanden und mir grösste Sorgen gemacht. Irgendwie erreichte ich es, dass ich mit einem entscheidenden Herrn noch einmal eine sehr gründliche Aussprache haben sollte. Ich packte- da alles ins zwischen verlorengegangen war, noch einmal alles zusammen, was ich an Formularen ausgefüllt und ansonsten schriftlich zusammengetragen hatte, und ging dann zu dem Rendezvous. Der Herr war aber grindlich und sagte, dass er erst einmal nachschauen wolle, ob sich in den Akten des Hauses nicht doch etwas anfände, und er fand etwas, worüber er den Kopf schüttelte, weil es in einem Umschlag steckte, den nie ein Mensch zu sehen bekommen hatte. Er hielt es für notwendig, alles genauestens zu studieren und bestellte mich auf den nächsten Tag. Die Unterhaltung war gründlich und ausgiebig, und als ich mich verabschiedete, machte er eine so positive Andeutung, dass ich sehr beruhigt nach Hause ging.- Gestern kam das schriftliche Ergebnis: ein general approval. Ich habe stante pede sowohl meinen Antrag für die Zeitschrift als auch für den Veranstaltungsdienst ausgearbeitet, die halbe Nacht hindurch, und eingereicht. Einer der Herren in meinem früheren Office meinte schon vor längerer Z eit, dass ich nach erfolgter Approbation unbedingt- und sei es auch nur für wenige Wochen- ins Office zurückmüsse, als Rehabilitierung, da ich ja in den fünf Monaten manchem Gerücht ausgesetzt gewesen bin. Diese Frage soll morgen geklärt werden, da mittlerweile der staff des Office personell zusammengestrichen wurde und Neueinstellungen nicht mehr vorgenommen werden. Aber vielleicht macht man bei mir eine Ausnahme, eine verdiente Ausnahme, wodurch ich bis zur Erteilung meiner Lizenz noch zu einem sicheren Monatsverdienst käme. Mal abwarten, wie sich das entwickelt. Wenn nicht, ist es auch nicht so tragisch. Ich muss jetzt nur noch die Zeitschrift durchkämpfen, was auch nicht ganz leicht sein wird, und dann werde ich mein eigener Herr. Bis zum Herbst soll es so weit sein. Maria wollte Buch selbst wegen des letzten grossen und warmen Segens schreiben, hatte aber in den letzten Tagen so viel zu tun, und wurde ausserdem vom Haushalt etwas aufgefressen, da unsere Wäscherei geplatzt ist und wir selbst ganz grosse Wäsche machten, was für Maria aber ein besonderes Vergnügen war, da sie endlich einmal wieder richtig in Seifenschaum pantschen und durch die fabelhafte Qualität des Pulvers nur konnte halb so viel Arbeit hatte. Ausserdem ist sie wieder so glücklich und zuversichtlich wie ehedem, weil sie weiss, dass Sie sich wieder, was eine künftige Arbeit für mich anbetrifft, auf positive Dinge freuen kann. Das ist mehr wert, als man mitunter wahrhaben will. Heute Vormittag hörten wir uns den Bandura- Chor an, der zum ersten Mal vor die deutsche Öffentlichkeit trat, nachdem er xxxxx selbst aus displaced persons bestehend bisher nur in Lagern vor DP's gesungen hatte. Eine lange nicht so gute Kopie wie der Donkosaken- Chor von Serge Jaroff. Solche Dinge waren einmalig. Auch die Art, warum und wie ein Land wie Deutschland in eine Katastrophe hineingeriet, wird einmalig sein. Wir haben uns diese Maschine für eine Sonntag- Nacht aus dem" Würfel" geborgt, um wichtigste Korrespondenz und andere Schreiberei zu erledigen. Ein grosser Teil ist noch zu erledigen,- und die Nacht ist bald herum. Deshalb nur diesen kurzen, aber bisher inhaltsreichsten Brief, mit den schönsten und glücklichsten Grüssen, von Maria und von Eurem Lotte bekommt von diesem Brief eine Kopie. 5. Juli 1946. Ihr Guten, es hat einen Tag laenger gedauert, um genau dahinterzukommen, wie der Paketraub vor sich ging und auslief. Gestern Nachmittag war ich beim Colonel, der sich die groesste Muehe gab, mir die geklauten Sachen zurueckguverschaffen. Ich weiss nun nicht, ob ich tatsaechlich alles zurueckbekommen habe, aber es waren: 1 braun karierter Schlafanzug 1 kurzer Damenslip 1 Damenschluepfer 1 Buestenhalter 1 gr. Tafel Schokolade lo Pakete Zigaretten( es war zwar die Army Camel, aber besser als garnichts). Das war alles. Ich muss schliessen, da ich gleich von meinem ehemaligen Office aus mit dem Wagen in meine direction genommen werden kann. Euch alles Herzlichste immer Euer Fritzmichael Röhl, München 9 Harlaching, Haselburgstr.6 40857 4. Juli 1946. Ihr beiden Guten, liebe grosse Mutti und lieber Emil, Ihr meint es wirklich zu gut mit uns! Als Ihr uns einmal vor längerer Zeit schriebt, wir sollten Euch unsere Wünsche mitteilen, Masse und Grössen usw., da haben wir das nur zögernd getan, weil wir wissen, dass Ihr selbst nicht an Ueberfluss leidet und Euch alles, was ein Paket enthält, selbst mühselig zusammenarbeiten müsst. Aber wir schrieben dann alle Einzelheiten, weil wir glaubten, gelegentlich in einem kleineren Paket einmal dies oder das zu finden. Was für eine Freude war es, als wir uns gestern Abend von unserem Bekannten, Herrn Hannbeck, das Riesenpaket abholten, das die Sekretärin von B. bei ihm abgeliefert hatte. Es wurde zwar unter etwas mysteriösen Umständen dort abgegeben, die Sekretärin sagte, dess das Paket in Heidelberg in der Postzentrale oder auf dem Weg von dort nach hier erbrochen worden sei, was mich sofort stutzig machte, denn ich weiss, dass die APO's bestimmter Nummern in Münc hen sind und dass der Mail- Service der Armee ausgezeichnet arbeitet. Das Paket war tatsächlich erbrochen, und ich nahm es nach Hause, um erst einmal festzustellen, was es enthielt. Und dann wunderte ich mich, dass es keine einzige Zigarette und nicht das geringste Stückchen Schokolade oder eine andere Süssigkeit enthielt, obwohl Ihr beide unseren damaligen Brief als Sammel-" Bestellung aufgefasst haben müsst, denn es enthielt tatsächlich all das, worum wir gebeten hatten, bis auf verschiedene Kleinigkeiten. Ich teilte meinem Fraunde Hannbeck mit, dass nach meiner Meinung dem Paket entwendet sein müssen: Zigaretten, Schokolade, Damen- Un terwäsche, eventuell Damenstrümpfe, vielleicht ein Schlafanzug usw. Hannbeck schickte heute morgen seine Frau zum Colonel, der aus allen Wolken fiel und sagte, dass seine Sekretärin ihm erzählt habe, dass Frau Röhl während seiner Abwesenhe it dort gewesen sei, um das Paket abzuholen, und dass besagte Frau Röhl der Sekretärin lo Pakete Chesterfield, eine Tafel Schokolade, zwei Schlüpfer, ei-. nen Büstenhalter usw. geschenkt habe, aus Freude, dass das Paket angekommen sei. Frau Hannbeck wusste sofort, dass die Sekret- rin das Paket erbrochen hatte, denn sie hatte dem Colonel die lo Pakete Chesterfield gegeben und defür lo Wehrmachts packungen Camel ( mit gelber Banderole) erhalten, weil der Colonel lieber die Chesterfield raucht. Der Colonel zeigte einige der Packungen. Er liess seine Sekretärin kommen, die mich in seiner und Frau Hannbe cks Gegenwart anrief, um mir zu sagen, dass sich einige dieser Dinge angefunden hatten. Da ich nicht weiss, was das Paket enthiel, zähle ich im folgenden alles auf, was wir ausgepackt haben. Morgen Nachmittag, wenn ich die gestohlenen Dinge zurückerhalte, füge ich diese Sachen ebenfa lls in einer zusätzlichen Aufstellung an, sodass Ihr genau feststellen könnt, ob wir alles bekommen haben al er nicht. Ich bitte Euch, dann umgehend zu schreiben, denn obwohl der Colonel am 15. Juli entlassen wird, könnte ich mich dennoch an die Sekretärin wen den, um mir die restlichen Dinge bzw. einen Ersatz dafür geben zu lassen, denn ich weiss, dass die Dame alles besitzt, was man gebrauchen kann, um ein fantastisches black market life zu füh ren. Der Colonel hat die Dame selbstverständlich gefeuert und sich bereiterklärt, alles das, was fehlt und nicht zurückgegeben wird, zu ersetzen. Aber bis zum 15. Juli kann ich das ja leider nicht feststenmal die Aufstellung dessen, was ich tatsächlich erhielt: . 2 Herrensporthemden( blau und rot kariert) sonsti 1 Paar Herrenschuhe, schwarz 1 1 Paar 2 2 4 Paar Damenschuhe, Wildleder weinrot Herren- Shorts, weiss Herren- Trikot- Unterhemdchen Herren- Slips6Unterhöschen) Paar Herrensocken( 2 schwarz, 1 rot, 1 grau) 1 Herrenschlips, Seide, weinrot 3 2 1 1 1 1 1 1 1 -53 2 Herrentaschentüchery weiss Herrentaschentücher, bunt Paar Damenhandschuhe, weinrot Sommerhose, blau weiss gestreift Sommerhose, grün Herren- Sommeranzug, grau Damen- Seidenkleid, schwarz Küchenschürze, abwaschbar Trikot- Sportoberteile mit halblangen Aermeln I ROTE grosses Stück geblümter Flanell, in der Mitte eingeschnitten 1 Wolljacke, schwarz Hüftgürtel Paar Foots Eeze für Damen ent Pakete Seifenpulver( Pulver und Lux) 1 Paket Milchpulver 1 2 ford 3 Stk. Seife, Super Floating 2 1 Paket Kaffee, gemahlen 1 Dose Backpulver 2 Dosen Lemon Juice 1 Paket Käse 1 Dose Würstchen 2 1 4 4 + INTS 1 staid .80 kl. Päckchen Kakao Päckchen Beef Noodle Soup Mix Päckchen Entfärber Päckchen Färbemittel, schwarz Schachtel mit lo versch. Röllchen Stopftwist 1 Karton mit versch. Rollen Nähgarn( schwarz, weiss und grün), Gummiband, Trägerbändchen, Schnürsenkeln( schwarz), Druckknöpfen, Cesen, Perlmutknöpfen, Stecknadeln Die Dame hat zugegeben, dass sie dem Paket entnahm: lo 2 1 2 1 Päckchen Chesterfield Pyjama Schlüpfer Büstenhalter 1 gr. Tafel Schokolade BISFE Diese Dinge soll ich morgen Nachmittag zurückbekommen, aber das schreibe ich nachträglich noch genau auf, damit meine Aufstellung vollständig ist und, Euch einen genauen Ueberblick gibt. Angeblich soll sie auch noch ein Paar Damenstrümpfe haben. Doch nun zu den Dingen selbst: wir, Maria und ich, haben nachträg lich meinen Geburtstag gefeiert, haben uns einen schönen Kaffee aufgebrüht und uns dann gegenseitig eine Modenschau vorgeführt, wie die Kinder, und haben uns auch wie die Kinder gefreut. Maria standen die Tränen in den Augen, denn sie meint, sie hatte das ja garnicht verdient, weil sie doch nur eine entfernte, hineingeheiratete Verwandte s ei, während auf der anderen Seite Lotte und Pau einen entschiedeneren Anspruch auf die Dinge hätten, die ihr durch Euch zugedacht wurden. Aber ich will so ungefähr jedes Stück einmal direkt vornehmen: . . -2- Das Paket muss am 21. oder 22. Mai abgegangen sein, denn die New York Times hatte das Datum vom 21. Mai, und Coronet war ebenfalls vom Mai. Die vier Liliputs machen mir grosses Vergnügen, ich habe sie noch zu einer Zeit, als sie bereits in Deutschland verboten waren, lesen können und mich über manche journalistische Pfiffigkeit, über Triers Titelzeichnungen und viele interessante Aufsätze gefreut. Umso grösser mein jetziges Vergnügen daran.Die Mierendorff- Broschüre, die ebenfalls beilag, besitze ich jetzt zwei Mal. Charles A. Beard schreibt übrigens in der in München gedruckten Neuen Zeitung, die amerikanischerseits gemacht wird und sehr gut redigiert und inhaltlich fabelhaft aufgebaut ist. Bei der Neuen Zeitung ist ausser Erich Kästner auch noch Egon Jamesson alias Egon Jacobsohn, zu dem Dr. Kempner mich im Jahre 1932 schickte, um bei der BZ mitarbeiten zu können. Bekanntlich ging ich aber dann zu Mosse, Das Buch von Elliot Paul" The Last Time I Saw Paris" ist eine Bereicherung unserer noch bescheidenen aber schon wieder im Aufbau befindlichen Bibliothek, denn Maria und ich kennen und lieben( liebten) diese Stadt, waren beide gemeinsam dort, besuchten die Exposition Internationale im Jahre 1937, und ich kam als Soldat zwei Mal durch Frankreich und nach Paris, Maria war während des Krieges ebenfalls dort. Gottseidank, dass sie im Augenblick über einem Plakat- Entwurf für die Münchener Volkshochschule brütet, sodass ich das Buch zuerst lesen werde, obwohl ich mich über Arbeit nicht beklagen kann, denn ich nutze die Brach- Zeit, um für manches vorzusorgen und um manches in Ordnung zu bringen. Also: die beiden Herrensporthemden( blau und rot kariert) sind zauberhaft und gerade das Richtige für mich, und nicht nur flir diese Jahreszeit. Ich habe mir, nachdem Maria bei den Shorts noch nachts die Knöpfe nachnähte, heute flir das hochsommerliche Wetter die Höschen mit dem blau karierten Hemd angezogen, dazu weisse( alte) Soldatensocken, deren Füsslinge im wahrsten Sinne des Wortes noch tragbar sind, angezogen, und ein Paar alte blaue Sandaletten, die ich noch aus Jugoslavien aus dem Jahre 1946 besitze. Damit bin ich heute stolz herumgelaufen und kam mir fantastisch angezogen vor.- Die schwarzen Herrenschuhe sind wunderb bar, aber leider, leider- sehr, sehr gross. Zwei Nummern mindestens. Ich habe sie mit den dicksten doppeltem Socken anprobiert, aber ich schwimme doch darin herum. Morgen oder übermorgen werde ich versuchen, in einer Tauschzentrale diese Schuhe gegen ein gleichwertiges passendes Paar umzutauschen. Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, wird es beim zweiten Mal funktionieren.Die weinroten Wildleder- Halbschuhe passen Maria wie angegossen, sie hat sich das schwarze Kleidchen angezogen, aus Jux die Schürze vorgebunden, sich eine amerikanische Frisur aufgesteckt, und war sowohl wegen des ungewohnten modischen Anblicks als auch wegen der unbeschreiblichen Freude kaum wiederzuerkennen. Die Slips und Unterhemdchen passen mir selbstverständlich wie nach Mass, desgleichen die Socken, obwohl auch sie etwas gross sind. Aber sie sitzen gut. Eure Schuhgrösse, die Ihr ausgesucht habt, war 13. Ich glaube, ich habe höchstens 11, also umgerechnet 44- 44,5. Von den fünf Herrentaschentüchern muss das erste bald in die Wasche, denn es ist ein Vergnügen, sich in ein weisses Tuch zu schneuzen, nachdem man mehr als fünf Jahre lang bunte, grobe Wehrmachtstücher benutzte. Der rote Schlips steht ausgezeichnet auf dem gelbweissen Seidenhamd, das ich zu meinem schwarzen Anzug zu tragen pflege( das wurde alles ausprobiert in der Nacht!), Maria stend mit den roten Handschuhen vor dem Spiegel, um gleich darauf die ersten notwendigen Aenderungen vorzunehmen bzw. vorzub bereiten: die bleu- weiss- gestreifte Sommerhose passt ihr, die grüne passt mir nicht ganz, weil sie in der Hüfte zu weit ist, aber das ist bereits aufgetrennt, zurechtgeschnitten, zusammenge heftet, und zum Wochenende geht Maria zu einer Nachbarin, die eine Nähmaschine hat, um alles fertigzumachen. Wir nehmen an, dass die beiden Trikot- Sport- Oberteile mit den halblangen Aermeln zu diesen beiden Hosen angezogen werden sollen. Vielleicht entsteht der raus aber auch- wenn die Sekretärin morgen die Dinge zurückgibt. - ein Schlafanzug. Des füge ich diesem Brief aber noch an. Den Herren- Sommeranzug hat Maria mir ebenfalls sofort anprobiert( wir sins feierten dieses Riesenpaket bis nachts um vier Uhr), die Hose ist .zu kurz, hat aber genug Umschlag, um auf die richtige Länge geHot bracht zu werden. Der Rock ist in den Schultern etwas knapp und in der Hüfte etwas weit, aber auch das ist kein Problem, wir haben den Anzug heute Nachmittag beim Schneider des" Bunten Würfels" vorbeigebracht, ihm einige Zigaretten versprochen( de wir inzwisch nooit en ja erfuhren, dass wir welche zurückbekommen), und er wird mir noiden Anzug ändern, sodass auch dieses Problem ohne Umstände eine the vollkommene Lösung findet. Herrlich! Ein Sommeranzug! Die Welt kann manchmal doch wieder recht schön sein, trotz aller Misere und trotz" heute so und morgen so"- Von dem schwarzen Seidenkleid sagte ich schon, dass sich Maria derin so wohlfühlt, als ob der Schneider ihr es gestern wunschgemäss fertiggestellt hätte.Maria und ich werden, abwechselnd mit der Küchenschürze angetan, Küchendienst machen und Geschirrspülen, und auch das ist ein Sonnenstrahl, der uns beide erwarmt.- Aus dem grossen geblümten und x etwas eingeschnittenen Flanell- Stück möchte sich Maria am liebsten zwei Nachthemdchen bauen. Und wenn sie das glaubt, wird sie das auch machen. Sowas geht sehr fix bei ihr. Dass ihr die schwarze Wolljacke bei Kühle Bauch und Nieren wärmt, wird beitragen, ihr e Gesundheit und Arbeitskraft zu erhalten, die sie Euch am liebsten so bald als möglich einmal vorführen möchte. Da fallt mir nebenbei etwas ein: soll sie Euch einmal ein Aquarell malen? Wir könnten es über US- Forces- Mail schicken, irgend jemanden, der uns dafür seinen Absender leiht, finden wir schon.- Der Hüftgürtel macht sie übrigens so schlank, dass ihr nichts mehr passt. Alles ist zu weit, aber da sie jetzt selten Strümpfe trägt und bei kühlem Wetter mehr anhat, wird sie an ihren Kleidern nichts zu ändern haben. Vielleicht hat sie bis zum Herbst auch wieder etwas zugenommen. Die Foots- Eeze sind nach ihrer Mitteilung äuss rst praktisch und angenehm, besonders in Schuhen ohne Strümpfe.- Das Paket Seifenpulver hatte sich innerhalb des Pakets in Wohlgefallen aufgelöst, ab er wir haben alles gein säuberlich zusammengeschlittelt und abgel klopft, sodass von dem Inhalt nur ein Bruchteil aus einigen Ritzen verlorenging.- Ich habe von meiner letzten Dienstreise noch etwas Mehl, zum Sonntag wird Maria mit Eurem Backpulver sich an einem Kuchen versuchen, Sacharin und Eipulver haben wir noch, und Euer Milchpulver wird sich darin ebenfalls gut ausnehmen. So sparen wir etwas Brot, mit dem sowieso kein Mensch auskommt.- Eine der beiden Dosen Lemon Juice haben wir heute Abend aufgemacht, aber mit Sacharin schmeckt es nicht, und sauer löschtnes viel besser den Durst, Am Käse haben wir selbstverständlich auch schon genascht. Würstchen und Noodle Soup kommen beim nächsten fühlbaren RationsLoch an die Reihe.- Entfärber und Färbemittel sind grossartig, ich kann dadurch einige alte Soldatenstücke wieder verwendungsfähig machen. Zum Wochenende wollen wir das mal ausprobieren. Die Dose mit den Nähsachen ist natürlich für Maria ein Lustgarten, sie fing wie gesagt nachts gleich an und schnitt, heftete, nähte. Sie sitzt nebenan und arbeitet an dem Hochschul- Plakat, ich habe mir heute Abend aus dem Bunten Würfel diese Maschine entliehen, die ich morgen frühb zurückgeben muss, aber ich will die genze Nacht durcharbeiten, um alles zu erledigen, einige wichtige Korrespondenz- Dinge, Steuer- Aufstellungen, Registrier- Formulare usw. Die kleine amerikanische Maschine musste ich zurückgeben, ausserdem war sie reparatur- reif. 09 . . - 3- Wir beide wissen nicht, wie wir Euch denken sollen. Ihr habt keine Vorstellung, wie erschlagen wir über die Fille waren, und wie notwendig tatsächlich jedes einzelne Stück ist, das Ihr uns schicktet. Wir knobeln an dem Problem herum, in irgend einer Form Eure Grossmut n und Eure auf keinen Fall einer materiellen Ueberfülle entspringende Gebefreudigkeit auszugleichen durch etwas, was wir Euch gehen könnten. Aber was und wie!?!?!- Vielleicht ist es erst dann möglich, wenn wir Euch einmal aufsuchen over there. Ihr wisst, dass wir diesen Wunsch nach wie vor haben. Und auch so lange haben werden, bis er sich doch noch einmal verwirklichen lässt.- Wir sagen Euch beiden und auch Käthehen den ganzen tiefempfundenen Dank, weil Ihr uns das Leben leichter macht in einer Form, wie Ihr das vielleicht kaum nachempfinden könnt. Unsere Lage war in den letzten vier Wochen so miserabel, nicht etwa deshalb, weil es knapp zuging, aber weil sich eine Schwierigkeit nach der anderen auf Grund der, Euch bekannten Situation vor uns aufbaute und sogar Marias künstlerische Tätigkeit, die unser aller nervus rerum zur Zeit ist, in Mitleidenschaft zu ziehen drohte. Mit dem Eintreffen Eures Pakets ist scheibbar eine Wendung eingetreten, wir haben unser einziges Vermögen, den Wapen, endgültig für uns gerettet, wenn wir ihn auch wegen mangelnder Betankungszulassung augenblick lich nicht fahren können. Aber er bleibt uns erhalten, und das ist sehr viel wert! Ausserdem habe ich festgestellt, dass Kempner in meiner Seche nicht weiterkommt, weil es bei dieser Stelle in München keine einzige Unterlage über den Fall mehr gibt. Da ist alles rest- und spurlos verschwunden, Kempner wird also nie mit einem Beric ht rechnen können. Und erst auf Grund eines Berichtes hätte er weitere Schritte unternehmen können. Und da hat sich nun heute eine Möglichkeit ergeben, meine Angelegenheit erneut zur Sprache zu bringen. Ich habe noch einmal alle Unterlagen zusammengetragen, der bearbeitende Herr ist noch einmal bearbeitet worden und wird sich am kommenden Montag noch einmal mit mir unterhalten, mit dem Versprechen, diese Sache zu irgend einem Ergebnis zu bringen, damit ich weiss, wo ich dran bin, ob ich grundsätzlich nicht darf, oder nur nicht in einem Office, ob ich meine Zeitschriftenlizenz beantragen und demnach auch erhalten kann, oder ob das für mich nicht in Frage kommt.- Heute in acht Tagen werde ich hoffentlich so klar sehen, dass ich Euch einen endgültigen Bescheid geben kann. Je nach dem Entscheid werde ich erkennen, welche Zukunft mir für meine letztes Lebensdrittel bleibt. Gefühlsmässig bin ich einigermassen zuversichtlich. Der bearbeitende Herr soll sehr nett sein, vernünftig, und vielen Argumenten zugänglich. Der vergangene Wahlsonntag stand im Zeichen von Peter und Paul- Feiertag am Samstag und vom arbeitsfreien folgenden Sonntag, d.h. geringere Wahlbeteiligung. Hier in Harlaching haben die meisten Menschen- es geht in die Tausende aus Protest gegen die Beschlagnahme- Aktion nicht gewählt. Wie töricht und kurzsichtig. Man kann beinahe sagen: ein Glück, dass diese Leute nicht wählten, denn sie erkennen nicht ihre Lage, sie wissen nicht, dass sie Angehörige eines restlos geschlagenen Volkes sind. Andererseits mag sie diese Geschlagenheit im Unterbewusstsein so quälen, dass sie falsche Wut- und Rachegelüste haben und nicht bedenken, dass sie durch eine politische Gleichgültigkeit nicht der Besatzungsbehörde, sondern sich selbst schaden, um so mehr, als es sich bei diesen Wahlen um die Zusammensetzung der verfassunggebenden Landesversammlungen handelte. Mich het das Wahlergebnis trotzdem nicht überrascht, und ich glaube sogar, dass die SPD unter Berücksichtigung der besonderen Umstände sehr gut abgeschnitten hat. Den Kommunisten blieb ein beachtlicher Erfolg versagt. Gottseidank. Auf jeden Fall nimmt die politische Struktur mehr und mehr das Gesicht politischer Willenskundgebung und Meinungsäusserung an, egal ob so oder so. Die endgültige, wirkliche Klärung zeichnet sich erst in zwei Jahren ab, wenn die Zonengrenzen so ausgelöscht sind, dass sie nur noch Abgrenzungslinien territorialer Besatzungs- Verhältnisse darstellen. Bis dahin haben sich auch die vielen anderen Probleme, die eine solide Grundsteinlegung eines politischen Fundaments bedeuten, in diesem Sinne gelöst, es gibt keine Evakuierten und keine Flüchtlinge mehr, die Wirtschaft hat sich im Rahmen der ihr belassenen Produktionsmöglichkeiten konsolidiert,- die Entnazifizierung ist abgeschlossen, Saar- und Ruhrfrage sind bis dahin vielleicht schon im Rahmen ein nes Friedensvertrages geklärt, wir haben dann vielleicht schon ausser den länderregierungen eine für den restlichen" Gesamtkomplex Deutschla nd" politisch- gesetzliche, also staatsrechtliche Reichsregierung, und einen festgelegten Lebensstandard für die weiteren zehn Jahre. Die Abzeichnung dieses Standards für die nähere Zukunft wird ausschlaggebend sein für die gesamtpolitische Orientuerung dessen, was dann Deutschland heisst. Ihr Lieben,- ich muss diesen Brief beenden, es warten noch einige komplizierte Maschinenschrift- Arbeiten, und das Ding mes morgen früh wieder im" Würfel" sein. Jetzt geht ja samt 1 inche samt 1 imc he Post direkt, sou- ss in Zukunft( Gott und die Bayerische Post mögen dafür sorgen) haine Diebstahle men vorkommen werden. Seid tausendmal und noch einmal und immer wieder bedankt, Ihr habt uns in dem guten halben Jahr unseres Wiederfingens unendlich viel geholfen und uns manche schwere Stunde leichter gemacht. Wir werden Euch des nie vergessen. Mit den herzlichsten Grissen sind wir beide Eure mit heissem Dank erfüllten Sorgenkinder, die einmal ganz und gar Freudenkinder sein wolln, und Fritzmichael Röhl, München 9- Harlaching, Haselburgstr.6- 40857 4. Juli 1946. Ihr beiden Guten, liebe grosse Mutti und lieber Emil, Ihr meint es wirklich zu gut mit uns!- Als Ihr uns einmal vor längerer Zeit schriebt, wir sollten Euch unsere Wünsche mitteilen, Masse und Grössen usw., da haben wir das nur zögernd getan, weil wir wissen, dass Ihr selbst nicht an Ueberfluss leidet und Euch alles, was ein Paket enthält, selbst mühselig zusammenarbeiten müsst. Aber wir schrieben dann alle Einzelheiten, weil wir glaubten, gelegentlich in einem kleineren Paket einmal dies oder das zu finden. Was für eine Freude war es, als wir uns gestern Abend von unserem Bekannten, Herrn Hannbeck, des Riesenpaket abholten, das die Sekretärin von B. bei ihm abgeliefert hatte. Es wurde zwar unter etwas mysteriösen Umständen dort abgegeben, die Sekretärin sagte, dess das Paket in Heidelberg in der Postzentrale oder auf dem Weg von dort nach hier erbrochen worden sei, was mich sofort stutzig machte, denn ich weiss, dass die APO's bestimmter Nummern in Münc hen sind und dass der Mail- Service der Armee ausgezeichnet arbeitet. Das Paket wer tatsächlich erbrochen, und ich nahm es nach Hause, um erst einmal festzustellen, was es enthielt. Und dann wunderte ich mich, dass es keine einzige Zigarette und nicht das geringste Stückchen Schokolade oder eine andere Süssigkeit enthielt, obwohl Ihr beide unseren damaligen Brief als Sammel-" Bestellung aufgefasst haben müsst, denn es enthielt tatsächlich all das, worum wir gebeten hatten, bis auf verschiedene Kleinigkeiten. Ich teilte meinem Freunde Hannbeck mit, dass nach, meiner Meinung dem Paket entwendet sein müssen: Zigaretten, Schokolade, Damen- Un terwäsche, eventuell Damenstrümpfe, vielleicht ein Schlafanzug usw. Hannbeck schickte heute morgen seine Freu zum Colonel, der aus allen Wolken fiel und sagte, dass seine Sekretärin ihm erzählt habe, dass Frau Röhl während seiner Abwesenhe it dort gewesen sei, um das Paket abzuholen, und dass besagte Frau Röhl der Sekretärin lo Pakete Chesterfield, eine Tafel Schokolade, zwei Schlüpfer, einen Büstenhalter usw. geschenkt habe, eue Freude, dass das Paket angekommen sei. Frau Hannbeck wusste sofort, dass die Sekretarin das Paket erbrochen hatte, denn sie hatte dem Colonel die lo Pakete Chesterfield gegeben und defür lo Wehrmachtspackungen Camel ( mit gelber Banderole) erhalten, weil der Colonel lieber die Chesterfield raucht. Der Colonel zeigte einige der Packungen. Er liess seine Sekretärin kommen, die mich in seiner und Frau Hannbe cks Gegenwart anrief, um mir zu sagen, dass sich einige dieser Dinge angefunden hatten. Da ich nicht weiss, was das Paket enthiel, zähle ich im folgenden alles auf, was wir ausgepackt haben. Morgen Nachmittag, wenn ich die gestohlenen Dinge zurückerhalte, füge ich diese Sachen ebenfa 11s in einer zusätzlichen Aufstellung an, sodass Ihr genau feststellen könnt, ob wir alles bekommen haben al er nicht. Ich bitte Euch, dann umgehend zu schreiben, denn obwohl der Colonel am 15. Juli entlassen wird, könnte ich mich dennoch en die Sekretärin wen den, um mir die restlichen Dinge bzw. einen Ersatz dafür geben zu lassen, denn ich weiss, dass die Dame alles besitzt, was man gebrauchen kann, um ein fantastisches black market life zu füh ren. Der Colonel hat die Dame selbstverständlich gefeuert und sich bereiterklärt, alles das, was fehlt und nicht zurückgegeben wird, zu ersetzen. Aber bis zum 15. Juli kann ich das ja leider nicht feststellen. zdettel Aber zuerst einmal die Aufstellung dessen, was ich tatsächlich erhielt: 2 1 1 1 2 2 4 1 3 2 1 1 1 1 1 1 2 1 1 1 2 3 2 Herrensporthemden( blau und rot kariert) Paar Herrenschuhe, schwarz Paar Damenschuhe, Wildleder weinrot Herren- Shorts, weiss Herren- Trikot- Unterhemdchen Herren- Slips( Unterhöschen) Paar Herrens ocken( 2 schwarz, 1 rot, 1 grau) Herrenschlips, Seide, weinrot Herrenteschentücher weiss Herrentaschentücher, bunt Paar Damenhandschuhe, weinrot Sommerhose, blau weiss gestreift Sommerhose, grün Herren- Sommeranzug, grau Damen- Seidenkleid, schwarz Küchenschürze, abwaschbar Trikot- Sportoberteile mit halblangen Aermeln grosses Stück geblümter Flanell, in der Mitte eingeschnitten Wolljacke, schwarz Hüftgirtel Paar Foots Eeze für Damen Stk. Seife, Super Floating Pakete Seifenpulver( Pulver und Lux) Paket Milchpulver 1 Paket Kaffee, gemahlen - 1 --I 1 Dose Backpulver 2 Dosen Lemon Juice 11 Paket Käse 1 Dose Würstchen 2 kl. Päckchen Kakao ono 1 4 Päckchen Beef Noodle Soup Mix Päckchen Entfärber 4Packchen Färbemittel, schwarz 1 Schachtel mit lo versch. Röllchen Stopftwist 1 Karton mit versch. Rollen Nähgarn( schwarz, weiss und grün), Gummiband, Trägerbändchen, Schnürsenkeln( schwarz), Druckknöpfen, Oesen, Perlmutknöpfen, Stecknadeln titel Die Dame hat, zugegeben, dass sie dem Paket entnahm: 8 AN lo 1 2 1 1 Päckchen Chesterfield Pyjama Schlüpfer Büstenhalter gr. Tafel Schokolade Diese Dinge soll ich morgen Nachmittag zurückbekommen, aber das schreibe ich nachträglich noch genau auf, damit meine Aufstellung do nas vollständig ist und Euch einen genauen Ueberblick gibt. Angeblich soll sie auch noch ein Paar Damenstrümpfe haben. 包 Doch nun zu den Dingen selbst: wir, Maria und ich, haben nachträg lich meinen Geburtstag gefeiert, haben uns einen schönen Kaffee aufgebrüht und uns dann gegenseitig eine Modenschau vorgeführt, wie die Kinder, und haben uns auch wie die Kinder gefreut. Maria standen die Tränen in den Augen, denn sie meint, sie hätte das ja garnicht verdient, weil sie doch nur eine entfernte, hineingeheiratete Verwandtes ei, während auf der anderen Seite Lotte und Pau 1 einen entschiedeneren Anspruch auf die Dinge hätten, die ihr durch Euch zugedacht wurden. Aber ich will so ungefähr jedes Stück einmal direkt vornehmen: -2Das Paket muss am 21. oder 22. Mai abgegangen sein, denn die New York Times hatte das Datum vom 21. Mai, und Coronet war ebenfalls vom Mai. Die vier Liliputs machen mir grosses Vergnügen, ich habe sie noch zu einer Zeit, als sie bereits in Deutschland verboten waren, lesen können und mich über manche journalistische Pfiffigkeit, über Triers Titelzeichnungen und viele interessante Aufsätze gefreut. Umso grösser mein jetziges Vergnügen daran.Die Mierendorff- Broschüre, die ebenfalls beilag, besitze ich jetzt zwei Mal. Charles A. Beard schreibt übrigens in der in München gedruckten Neuen Zeitung, die amerikanischerseits gemacht wird und sehr gut redigiert und inhaltlich fabelhaft aufgebaut ist. Bei der Neuen Zeitung ist ausser Erich Kästner auch noch Egon Jamesson alias Egon Jacobsohn, zu dem Dr. Kempner mich im Jahre 1932 schickte, um bei der BZ mitarbeiten zu können. Bekanntlich ging ich aber dann zu Mosse.- Das Buch von Elliot Paul" The Last Time I Saw Paris" ist eine Bereicherung unserer noch bescheidenen aber schon wieder im Aufbau befindlichen Bibliothek, denn Maria und ich kennen und lieben( liebten) diese Stadt, waren beide gemeinsam dort, besuchten die Exposition Internationale im Jahre 1937, und ich kam als Soldat zwei Mal durch Frankreich und nach Paris, Maria war während des Krieges ebenfalls dort. Gottseidanky dass sie im Augenblick über einem Plakat- Entwurf für die Münchener Volkshochschule brütet, sodass ich das Buch zuerst lesen werde, obwohl ich mich über Arbeit nicht beklagen kann, denn ich nutze die Bracn- Zeit, um für manches vorzusorgen und um manches in Ordnung zu bringen. Also: die beiden Herrensporthenden( blau und rot kariert) sind zauberhaft und gerade das Richtige für mich, und nicht nur für diese Jahreszeit. Ich habe mir, nachdem Maria bei den Shorts noch nachts die Knöpfe nachnähte, heute für das hochsommerliche Wetter die Höschen mit dem blau karierten Hemd angezogen, dazu weisse( alte) Soldatensocken, deren Füsslinge im wahrsten Sinne des Wortes noch tragbar sind, angezogen, und ein Paar alte blaue Sandaletten, die ich noch aus Jugoslavien aus dem Jahre 1946 besitze. Damit bin ich heute stolz herumgelaufen und kam mir fantastisch angezogen vor.- Die schwarzen Herrenschuhe sind wunderb bar, aber lei er, leider sehr, sehr gross. Zwei Nummern mindestens. Ich habe sie mit den dicksten doppeltem Socken anprobiert, aber ich schwimme doch darin herum. Morgen oder übermoren werde ich versuchen, in einer Tauschzentrale diese Schuhe gegen ein gleichwertiges passendes Paar umzutauschen. Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, wird es beim zweiten Mal funktionieren.Die weinroten Wildleder- Halbschuhe passen Maria wie angegossen, sie hat sich das schwarze Kleidchen angezogen, aus Jux die Schürze vorgebunden, sich eine amerikanische Frisur aufgesteckt, und war sowohl wegen des ungewohnten modischen Anblicks als auch wegen der unbeschreiblichen Freude kaum wiederzuerkennen. Die Slips und Unterhemdchen passen mir selbstverständlich wie nach Mass, desgleichen die Socken, obwohl auch sie etwas gross sind Aber sie sitzen gut. Eure Schuhgrösse, die Ihr ausgesucht habt, wer 13. Ich glaube, ich habe höchstens 11, also ungerechnet 44 44,5. Von den fünf Herrentaschentüchern muss das erste bald in die Wesche, denn es ist ein Vergnügen, sich in ein weisses Tuch zu schneuzen, nachdem man mehr als fünf Jahre lang bunte, grobe Wehrmachtstücher benutzte. Der rote Schlips steht ausgezeichnet auf dem gelbweissen Seidenhamd, das ich zu meinem schwarzen Anzug zu tragen pflege( das wurde alles ausprobiert in der Nacht!), Maria stend mit den roten Handschuhen vor dem Spiegel, um gleich darauf die ersten notwendigen Aenderungen vorzunehmen bzw. vorzub bereiten: die bleu- weiss- gestreifte Sommerhose passt ihr, die grüne passt mir nicht ganz, weil sie in der Hüfte zu weit ist, aber das ist bereits aufgetrennt, zurechtseschnitten 2118ammences heftet, und zum Wochenende geht Maria zu einer Nachbarin, die eine Nähmaschine het, um alles fertigzumachen. Wir nehmen an, dass die beiden Trikot- Sport- Oberteile mit den halblangen Aermeln zu diesen beiden Hosen angezogen werden sollen. Vielleicht entsteht da raus aber auch wenn die Sekretärin morgen die Dinge zurückgibt ein Schlafanzug. Des füge ich diesem Brief aber noch an. Den Herren- Sommeranzug hat Maria mir ebenfalls sofort anprobiert( wir feierten dieses Riesenpaket his nachts un vier Uhr), die Hose ist zu kurz, hat aber genug Umschlag, um auf die richtige Länge gebracht zu werden. Der Rock ist in den Schultern etwas knapp und in der Hüfte etwas weit, aber auch das ist kein Problem, wir haben den Anzug heute Nachmittag beim Schneider des" Bunten Würfels" vorbeigebracht, ihm einige Zigaretten versprochen( de wir inzwisch en ja erfuhren, dass wir welche zurückbekommen), und er wird mir den Anzug ändern, sodass auch dieses Problem ohne Umstande eine vollkommene Lösung findet. Herrlich! Ein Sommeranzug! Die Welt kann manchmal doch wieder recht schon sein, trotz aller Misere und trotz" heute so und morgen so". Von dem schwarzen Seidenkleid sagte ich schon, dass sich Maria derin so wohlfühlt, als ob der Schneider ihr es gestern wunschgemäss fertiggestellt hatte. Maria und ich werden, abwechselnd mit der Küchenschürze angetan, Küchendienst machen und Geschirr spülen, und auch das ist ein Sonnenstrahl, der uns beide ery rmt.- Aus dem grossen geblümten und etwas eingeschnittenen Flanell- Stick möchte sich Maria am liebsten zwei Nachthemdchen bauen. Und wenn sie das glaubt, wird sie das auch machen. Sowas geht sehr fix bei ihr. Dass ihr die schwar ze Wolljacke bei Kühle Bauch und Nieren wärmt, wird beitragen, ihr e Gesundheit und Arbeitskraft zu erhalten, die sie Euch am liebsten so bald als möglich einmal vorführen möchte. Da fallt mir nebenbei etwas ein: soll sie Euch einmal ein Aquarell malen? Wir könnten es über US- Forces- Mail schicken, irgend jemanden, der uns dafür seinen Absender leiht, finden wir schon.- Der Hüftgürtel macht sie librigens so schlank, dass ihr nichts mehr passt. Alles ist zu weit, aber da sie jetzt selten Strümpfe trigt und bei kühlem Wetter mehr anhat, wird sie an ihren Kleidern nichts zu ändern haben.Vielleicht hat sie bis zum Herbst auch wieder etwas zugenommen. Die Foots- Eeze sind nach ihrer Mitteilung auss rst praktisch und angenehm, besonders in Schuhen ohne Strümpfe. Das Paket Seifenpul ver hatte sich innerhalb des Pakets in Wohlgefallen aufgelöst, a er wir haben alles gein säuberlich zusammengeschüttelt und abget klopft, sodass von dem Inhalt nur ein Bruchteil aus einigen Ritzen verlorenging.- Ich habe von meiner letzten Dienstreise noch etwas Mehl, zum Sonntag wird Maria mit Eurem Backpulver sich an einem Kuchen versuchen, Sacharin und Eipulver haben wir noch, und Euer Milchpulver wird sich darin ebenfalls gut ausnehmen. So sparen wir etwas Brot, mit dem sowieso kein Mensch auskommt. Eine der beiden Dosen Lemon Juice haben wir heute Abend aufgemacht, aber mit Sacharin schmeckt es nicht, und sauer löschtnes viel besser den Durst. Am Kase haben wir selbstverständlich auch schon genascht. Wirstchen und Noodle Soup kommen beim nächsten fühlbaren RationsLoch an die Reihe.- Entfärber und Färbemittel sind grossartig, ich kann dadurch einige alte Soldstenstücke wieder verwendungsfähig machen. Zum Wochenende wollen wir das mal ausprobieren.- Die Dose mit den Nähsachen ist natürlich für Marie ein Lustgarten, sie fing wie gesagt nachts gleich an und schnitt, heftete, nähte. Sie sitzt nebenan und arbeitet an dem Hochschul- Plakat, ich habe mir heute Abend aus dem Bunten Würfel diese Maschine entliehen, die ich morgen frühbzurückgeben muss, aber ich will die ganze Nacht durcharbeiten, um alles zu erledigen, einige wichtige Korrespondenz- Dinge, Steuer- Aufstellungen, Registrier- Formulare usw. Die kleine amerikanische Maschine musste ich zurückgeben, ausserdem war sie reparatur- reif. - . al E920- 3- Wir beide wissen nicht, wie wir Euch denken sollen. Ihr habt keine Vorstellung, wie erschlagen wir über die Fülle waren, und wie notwendig tatsächlich jedes einzelne Stick ist, das Ihr uns schicktet. Wir knobeln an dem Problem herum, in irgend einer Form Eure Grossmut t und Eure auf keinen Fall einer. materiellen Ueberfülle entspringende Gebefreudigkeit auszugleichen durch etwas, was wir Euch geben könnten. Aber was und wie!?!?! Vielleicht ist es erst dann möglich, wenn wir Euch einmal aufsuchen overthere. Ihr wisst, dass wir diesen Wunsch nach wie vor haben. Und auch so lange haben werden, bis er sich doch noch einmal verwirklichen lässt. Wir sagen Euch beiden und auch Kathchen den ganzen tiefempfundenen Dank, weil Ihr uns das Leben leichter macht in einer Form, wie Ihr das vielleicht kaum nachempfinden könnt. Unsere Lage war in den letzten vier Wochen so miserabel, nicht etwa deshalb, meil es knapp zuging, aber weil sich eine Schwierigkeit nach der anderen auf Grund der Euch bekannten Situation vor uns aufbaute und sogar Marine künstlerische Tätigkeit, die unser aller nervus rerum zur Zeit ist, in Mitleidenschaft zu ziehen drohte. Mit dem Eintreffen Eures Pakets ist scheihbar eine Wendung eingetreten, wir haben unser einziges Vermögen, den Wagen, endgültig für uns gerettet, wenn wir ihn auch wegen mangelnder Betankungszulassung augenblick lich nicht fahren können. Aber er bleibt uns erhalten, und das ist sehr viel wert!-Ausserdem habe ich festgestellt, dass Kempner in meiner Seche nicht weiterkommt, weil es bei dieser Stelle in München keine einzige Unterlage über den Fall mehr gibt. Da ist alles rest- und spurlos verschwunden, Kempner wird also nie mit einem Beric ht rechnen können. Und erst auf Grund eines Berichtes hätte er weitere Schritte unternehmen können. Und da hat sich nun heute eine Möglichkeit ergeben, meine Angelegenheit erneut zur Sprache zu bringen. Ich habe noch einmal alle Unterlagen zusammengetragen, der bearbeitende Herr ist noch einmal bearbeitet worden und wird sich am kommenden Montag noch einmal mit mir unterhalten, mit dem Versprechen, diese Sache zu irgend einem Ergebnis zu bringen, damit ich weiss, wo ich dran bin,- ob ich grundsätzlich nicht darf, oder nur nicht in einem Office, ob ich meine Zeitschriftenlizenz beantragen und demnach auch erhalten kann, oder ob das für mich nicht in Frage kommt. Heute in acht Tagen werde ich hoffentlich so klar sehen, dass ich Euch einen endgültigen Bescheid geben kann. Je nach dem Entscheid werde ich erkennen, welche Zukunft mir für meing letztes Lebensdrittel bleibt. Gefühlsmässig bin ich einigermassen zuversichtlich. Der bearbeitende Herr soll sehr nett sein, vernünftig, und vielen Argumenten zugänglich. N Der vergangene Wahlsonntag stand im Zeichen von Peter und Paul- Feiertag am Samstag und vom arbeitsfreien folgenden Sonntag, d.h. geringere Wahlbeteiligung. Hier in Harlaching haben die meisten Menschen- es geht in die Tausende- aus Protest gegen die Beschlagnahme- Aktion nicht gewählt. Wie töricht und kurzsichtig. Man kann beinahe sagen: ein Glück, dass diese Leute nicht wählten, denn sie erkennen nicht ihre Lage, sie wissen nicht, dass sie Angehörige eines restlos geschlagenen Volkes sind. Andererseits mag sie diese Geschlagenheit im Unterbewusstsein so quälen, dass sie falsche Wut- und Rachegelliste haben und nicht bedenken, dass sie durch eine politische Gleichgültigkeit nicht der Besatzungsbehörde, sondern sich selbst schaden, um so mehr, als es sich bei diesen Wahlen um die Zusammensetzung der verfassunggebenden Landesversammlungen handelte. Mich het das Wahlergebnis trotzdem nicht überrascht, und ich glaube sogar, dass die SPD unter Berücksichtigung der besonderen Umstände sehr gut abgeschnitten hat. Den Kommunisten blieb ein beachtlicher Erfolg versagt. Gottseidank. Auf jeden Fall nimmt die politische Struktur mehr und mehr des Gesicht politischer Willenskundgebung und Meinungsäusserung an, egel ob so oder so. Die endgültige, wirkliche Klärung zeichnet sich erst in zwei Jahren ab, wenn die Zonengrenzen so ausgelöscht sind, dass sie nur noch Abgrenzungslinien territorialer Besatzungs- Verhältnisse darstellen. Bis dahin haben sich auch die vielen anderen Probleme, die eine solide Grundsteinlegung eines politischen Fundements bedeuten, in diesem Sinne gelöst, es gibt keine Evakuierten und keine Flüchtlinge mehr, die Wirtschaft hat sich im Rahmen der ihr belassenen Produktionsmöglichkeiten konsolidiert, die Entnazifizierung ist abgeschlossen, Sear- und Ruhrfrage sind bis dahin vielleicht schon im Rahmen ein nes Friedensvertrages geklärt, wir haben dann vielleicht schon ausser den Länderregierungen eine für den restlichen" Gesamtkomplex Deutschla nd" politisch- gesetzliche, also staatsrechtliche Reichsregierung, und einen festgelegten Lebensstandard für die weiteren zehn Jahre. Die Abzeichnung dieses Standards für die nähere Zukunft wird ausschlaggebend sein für die gesamtpolitische Orientuerung dessen, wee dann Deutschland heisst. Re Ihr Lieben, ich muss diesen Brief beenden, es warten noch einige komplizierte Maschinenschrift- Arbeiten, und das Ding muss morgen früh wieder im" Würfel" sein. Jetzt geht ja samt 1 ime he Post direkt, souess in Zukunft( Gott und die Bayerische Post mögen dafür sorgen) keine Diebstahle menn vor kommen werden. Seiu tausendmal und noch einanl und immer wieder bedankt, Ihr habt uns in dem guten halben Jahr unseres Wiederfingens unendlich viel geholfen und uns manche schwere Stunde leichter gemacht. Wir werden Euch des nie vergessen. Mit den herzlichsten Grüssen sind wir beide Eure mit heissem Dank erfüllten Sorgenkinder, die einmal ganz und går Freudenkinder sein wolln, und Mrs Marie Juchacz 339 East, 173rd Street New York 57, N.Y. Fritz, mein lieber Junge, liebe Maria, den 28.Juni, 1946 da hat man nun geglaubt, dass man zwei lieben Menschen eine Freude machen kann und nun besteht die Gefahr, dass das wieder zu Essig wird. Ich hoffe, Du hast meinen Brief, datiert vom 12. Juni no ch bekommen? Und den Zettel auch? Dein Brief vom 26.Mai hat mir Emil nachgeschickt.Wohin fraegst Du? In die Catskils.Das sind Berge, in der Luftlinie nicht so sehr weit entfernt von N.Y., also auch im selben Breitegrad, aber doch so hoch, dass man unter der Hitze nicht mehr so sehr leidet. Frueher hat man in der Zeitung immer etwas ueber die" Hitzewellen" gelesen, die NY heimsuchen, aber man hat sich doch keine Vorstellung machen koennen. Ich war in Suedfrankreich, dort ist es auch ganz schoen warm.Meine Neuralgiene sind dort viel besser geworden. Dann waren wir auf der Fahrt von Marseille nach hier 5 Wochen auf der Insel Martinique, im Lager. Das ist tropisch, dazu hatten wir kein Süsswasser, aber die Hitze hat mir auch dort nicht soviel ausgemacht. Hier ist es nur die Hoehe von Neapel.Stell1 Dir vor 95 Fahrenheit im Schatten. Das sind95-32-63, geteilt durch 9- 7 und mal 5, das sind 35 grad Celsius. Mit 28 grad bekamt Ihr frueher hitzefrei. Aber die Hitze in den Steinmauern ist nicht das Schlimmste.Wenn die Luft dann einen Feuchtigkeitsgrad hat von 75-95, dann kannst Du kaum atmen, die Kleidung klebt Dir am Leibe fest, das Herz muss aus ganzer Kraft pumpen und Du brauchst eine ungeheure Kraft nur fuer die einfachsten Funktionen des Lebens. Als wir nach NY kamen, es war am 29.Mai, ging es sofort weiter nach Meriden im State Connecticut( Conn). Dort ist es auch heiss im Sommer, aber wie alle amerikanischen Provinzstaedte, ist auch Meriden weit auseinander gezogen, mit vielen Gruenflaechen. Und wenn es sehr heiss war, spannte Robert am Abend das Auto an und es ging ein Stueck hinaus. Da wehte einem der Wind um die Ohren und ausserdem gabs in der Regel Eiscream.--Von dort ging ich nach dem Mittelwesten in eine Quaekerschule zum Englisch lernen. Es war noch weit mehr auf dem Lande/ als das in Meriden der Fall/ gewesen war.--So lernte ich in den ersten beiden Sommern nichts von der beruehmten/ beruechtigten NYer Hitze kennen, wohl Emil, der inzwischen laengst in NY in einem der Brownstone- Haues er in einem" moeblierten Zimmer" sass, der aber sich nicht beklagte.So habe ich dann geglaubt, als die verschiedenen Leute, von denen ich wusste dass sie Auch kein Geld hatten, das sei eine so besondere Sorte von Snobismus-- wenn sie sagten" man" koenne doch nicht den ganzen Sommer in NY verbringen!" Heute weiss ich es besser, man kann, wenn man muss, natuerlich. Aber wenn XX Dein Herz pumpt, wenn Dich Schwindel plagt, Dein Schlaf aus lauter Phantasien besteht, dann faengst Du beizeiten an nach einer billigen Gelegenheit zu suchen. Und so sind mir auch in diesem Jahre Freunde mit dem Preis sehr weit entgegen gekommen und ich habe mit Emils und Kaetes Hilfe( die die beiden Verdiener sind) die Moeglichkeit, die schlimmsten Monate hier zu verbringen. Ihnen tut es auch not, sie kommen auch fuer 4 Wochen her, leider geht es des Berufes wegen nicht laenger.Und ich binder Parasit, der von den Anderen schmarotzt.... Nun werde ich Dir noch eine Geography- Stunde gebenWenn man schreibt: New York, NY, oder New York N.Y., dann bedeutet das; New York im im State New York. Die beiden Buchstaben sind die richtige, offizielle Abkuerzing fuer den so sehr wichtigen State, in dem ein Ort liegt. Robert wohnt im State Connecticut, abgekuerzt Conn. Es gibt Staedte gleichen Namens, wichtig ist fuer die Post jedesmal der State. Bei New York macht das vielleicht nicht soviel aus, aber jeder schreibt • -2- die beiden Buchstaben, das ist zu einem Ritus geworden. New York City zu schreiben, ist noch so eine Gewohnheit aus frueherer Zeit und ist eigentlich nicht richtig, trotzdem die Adresse dann gefunden wird. Wohl aber gibt es Stadte, die offiziell so heissen, z. Beispiel Iowa City, Iowa, Fuer den State Iowa gibt es keine Abkuerzung, und die Stadt, die frueher die Hauptstadt dieses States war(jetzt ist es" des Mois, Iowa) hat§City als Bezeichnung beibehalten. Die Hauptstadt des States N.Y. ist Albany, Ny Wenn Du aber nach Washington schreibst, dann setzt Du die Worte D.C. dazu, das bedeutet"District of Columbia", es gibt in den U,S. neben den 48 States, einen District of Columbia und es existiert noch das Territorium Alaska. Unter den 48 States ist auch einer, der den Namen Washington hat und den Ort Berlin oder andere aus Europa mitgebrachte Ortsbezeichnungen findest Du mehrfach in in diesem grossen, ausgedehn- ten Land, aber wenn man die Regeln befolgt, die sich herausgearbeitet haben, findet die Post ohne Muehe den richtigen Adressaten.-- Dass ich Dir grade heute schreibe-und so ausfuehrlich, hat seine Ursache darin, dass Du in diesen Tagen Geburtstag hattest und meine besten Wuensche folglich besonders intensiv bei Dir sind, aber auch darin, dass ich nach Deinem Brief vom 26. Mai vermuten kann, dass Du Dich bei unserem gemeinsamen Freund Robert befindest. Du kannst Dir wohl vorstellen, dass ich auf den rot geschriebenen Brief warte, sehnlichst warte, dass Euer gemeinsames Schicksal uns am Herzen liegt, weisst Du, ohne dass ich es Dir versichere,—— Ida Braun, sie ist sicher jetzt in Berlin, Das ist mir ein wenig leid, denn sie hat in ruehrender Weise sich um Lotte gesorgt, mir war das eine grosse Beruhigung, Briefe schreiben kann sie nicht, wie wir es gewohnt sind, es ist so ein drueber weg huschen. Aber Du bist noch kein"Weiser", der die Menschen so nimmt, wie sie der Herrgott geschaffen hat. Sonst haettest Du Dich durch die scheinbare Kuehle nicht irritieren lassen.—Du hast mir nicht geschrieben, was Deine Neuralgie macht. Darf ich das als gutes Zeichen nehmen? Ich hoffe sehr.-- Lotte schweigt sich immer ziemlich lange aus, Paul schreibt, dass sie zu ihm kommen wollte, um sich ein paar Tage auszuruhen, aber bis jetzt noch nicht gekommen sei. Wie es scheint steckt sie in toller Arbeit. Da kann man nichts machen und ich draenge sie nicht, weiss ich doch, dass ein sp tapferer und hilfsbereiter Mensch in ihr steckt, aber auch ein eigenwilliger, den man laufen lassen muss. Paul scheint mit seinem Los sehr zufrieden zu sein, auch Hanni, ich bin froh darueber,-- Mit Paul Loebe stehe ich in Verbindung, natuerlich nicht mehr, als das bei den heutigen postalischen Verhaeltnissen moeg. lich ist. Man teilt sich mit, dass man aneinander denkt, Anteil nimmt usw. Ein richtiger Gedankenaustausch ueber gemeinsame Interessen ist ja leider nicht moeglich,—Der Brief an Dich vom 12. Juni ist in jeder Beziehung wichtig und ich waere froh zu wissen, dass Du(Ihr) ihn er- halten habt. Er ist sehr kurz, meldet Euch, das ein Paket unterwegs ist, und ich frage darin nach Dingen, die in einem frueheren Brief von Dir gestanden haben muessen, der auch jetzt noch nicht hier ist, also sicher verloren ging. Auch der Inhalt des parcels ist dort angegeben. Es waere wirklich schade,wenn... Bilder habe ich Euch bestaetigt, es sind eine gane Reihe, die mir freundlicherweise uebermittelt wurden.-- Wenn sich van Loon melden wird, werde ich mich sehr freuen. Es guesst Euch beide herzlich Eure gr. Mtt Sagt Eurem jungen Hausgenossen, dass ich fuer ihn Briefmarken sammeln will und wenn es dann spaeter erlaubt ist sie zu senden, werde ich das tun. x z. Beispiel erwähnt Du Sascha(Alexander) Greiner ich weiss nichts darüber. An 11/1- Emil am 20.6. über Beine-Oder. 366/20 Bieser: u.(39 " 5 19 (41 Bericht über kumpners Antwort, Gedanken übers wollen und können, Arbeiter-Wohlfahrt-Org. in Bayem. Randbemerkung über Boxkampf Louis/ Conn. 21 Mahlzeiten mit 200 gr. Flersch, Bau des Raminchenstalls mit zusätzlichen Kalovien. Omfrage, ob mit Ihr und Cascha Greiner im Verbindung gesitzt. ve hükûd itdi. Tânî çevn-içün sene D S. C. F. . . . — ma'at mehrsehr? Oroostend conséquisse with him. 8 prò- tolufhelen- w'achd maiâr fui mette le İᷓngi mì siyâhınıyla ıdığımışdı, şehr şeyi müdâh-ı sizi I don't."Ois hann aunolho is of Johans from aheirumbrin . Ád bhir sok sine ós sgrifu d . obtinuit Fritzmichael Röhl, München 9- Harlaching, Haselburgstr. 6- 40 857 Tel. 13. Juni 1946. 0038 Liebe grosse Mutti und lieber Emil, gestern bekam ich den Brief vom 12. Mai, in dem Ihr nach dem nicht angekommenen Brief vom 26. April fragt, weshalb Ihr aus dem zwei Tage später, geschriebenen kurzen englischen Brief nicht seilau wurdet. Ich will im folgenden einen wesentlichen Auszug aus dem Brief vom 26. April geben( erstammt übrigens vom 25. April. Darin hiess es u.a. " An Buch gingen Briefe ab am 20, März( drei Seiten), am 22. Februar ( 3,5 Seiten), am 29. Januar( 2 Seiten), und zwischendurch ein handgeschriebener Brief ohne Datum mit den Bildern von Paul Kirschmann-bei uns in München. Von Euch kamen: zwei Briefe über Lotte vom 22. und 25. März( mit dem Celben Paket- slip), ein Brief vom 19. Januar, zwei Briefé vom 10. Januar, und ein Brief vom 5. November. Paul brachte uns das Paket von Onkel Robert und Tante Ida, und heute kam das Beine- Paket, der Irrläufer, mit dem kleinen Heft von Van Loon und dem auf dem gelben Slip angekündigten wunderbaren Inhalt. Langendorf hat das Reventlow- Paket nicht nuns reitens eleitet. Die Mieren dorf- Broschüre ist noch nicht angeko en, Dies wäre das ganz Mitchinter dem unger beider Hanz steht wie hin den soh haben Worten, die 1 Tuch bisher schreiben konnten. Tausend Dank für Eure Briefe von 22. und 35. März.- Ich weiss genau, dass die Stelle, die mir die Suppe el ebrockt hat, auf direkteste Teisung handelt. Ich weiss auch, dev.b. nicht das V.b. nicht zuviel unternehmen kann, obwohl er elnen betrachtlichen apparat in Perbeune etzte, der bis zum obersten Chief hinaufreicht, der aber auchchicht mehr machen als darum ersuchen khim, einem besonderen Fall noch einmal che besondere, Behandlung zu widmen. Das ist jetzt geschehen, und nun warten wir auf das Ergebnis. Ich bin also inzwischen mit keiner einzigen Planung weitergekommen, nicht mit da capo, nicht mit Thest, rstücken, nicht init kabarettistischen Sketchen, nicht mit Gedichten, Novellen, Romamen, - um damit zugleich, den für mein ferneres Leben vorgeselichen Arbeitskreis zu umreissen, ganz zuschreigen von den" Nebenarbeit" im Theatre Control Office", die so abasehen soll, dass ich die gesamte Wortgestal ung aller geistigen Dinge leite, als da sind: mon tliche Littell ngen für die Theaterunternehmer als Lizenzbetreuung, Artikel für Zeitungen und Zeitschriften, Textierung des gesamten Bild- Dienstes usw. Arbeit also in Hülle und Fülle. , Ich warte. Ich habe nicht im ersten Anlajf damals an Euch geschrieben, die 2r preussischen Ueber chlafstunden lagen schon einige Tage hinter mir. Ich habe nur alles das geschrieben, was ich dachte und noch heute denke. Im Gegenteil: ich gehe heute sogar noch weiter. Um auch die letzte( ,,,, und jetzt lasse ich etwas aus. ...). Ich arte. Ich mieste sowieso warten, denn auf Grund der besonderen Umstände, unter denen ich mehrere Nächte verbringen musste, wurde mir der Rest von dem gegeben, was man bei Wehrmachts versäumt hatte: ich bekam damals merkwürdige Schmerzen im Kreuz, die vorübergehend abklangen, was ich für einen vorübergehenden Muskelkater hielt, weil ich zwischendurch einige ziemliche Holzbrocken per Hand transportierte.( Vorsorge für en kommenden Winter). Hetzt sind diese Schmerzen aber so schlimm geworden, dass ich mich wie gelähmt ins Bett leg en usste. Gestern krabbelte ich zum Arzt, und der stellte zu meiner Freu de einen Bluterguss im entzündeten Ischiasnerv fest. Du, Tante Mi, hast doch in Köpenick so heftig darunter gelitten. Wie bist Du das losgeworden? Der an sich gute Arzt verschrieb mir eine ausnahmsweise in der Apotheke zu habende Salbe zum Einreiben, warme Einwicklungen( natürliche, nicht elektrische Wärme), Heizflaschen, Spaziergänge mit dem Stock, und eine tüchtige Portion Geduld für das nächte Vierteljahr. Ich habe Lotte mit allen Mitteilungen über dies und das verschont.Sie hat erstens ihre eigenen Sorgen, kann mir zweitens nicht helfen, und wäre unnütz beunruhigt. Ich werde ihr auch beruhigend schreiben, und bitte Euch, auch nichts zu sagen. Vielleicht ist sowieso sehr bald die endliche Klärung da. Dann kann ich es ja nachholen. です be ir schon dankeschön gesagt für das B.- Paket? Wenn es auch zwei Tage nach Ostern kam, so war es doch richtige Ostern. Wir wissen, dass Ihr nicht in Reichtümern schwelgt und dass jed s einzelne Stuek, das Ihr mit Freude eingepackt habt, und das wir mit noch grösserer Freude auswickeln, abgespart ist, weil Ihr wisst, dass Ihr nicht mit einfachem Dank abzustattende Hilfe leistet, obwohl In nicht nur an Maria und mich denkt, sondern an Lotte, Paul, und viele andere. Desto schwerer fällt es uns, irgend einen unsch, zu äussern. Wenn Ihr alle Bedürfnisse befriedigen wolltet, müsstet Ihr einen Geldkacker haben, mit dessen Hilfe Ihr kistenreise Dinge nach D utschland schickt. Trotzdem äusser ir einige Wünsche, nicht, damit diese mun ungehend erfüllt werden, aber vielleicht lässt sich das eine oder andere al etwas bellegen. Maria ist eine grosse auberin, macht aus verbrannten Stoffresten sehr pchöne Schlafanzuge(... hier hatte Mariaprot pierend mit and dazuCegehrieben: sie hätte einen einzen, meinen einzigen, so zusammenCebaut), aus irgen einem Abfall entsteht ne Bluse, aus einer alten unansehnlichen Gardine ein Somerfähnchen,- nur eins hat sie noch nicht fertig abracht: aus mehreren Patron zerfebzter Strümpfe ein neues Paar zu machen. Sie lebt auf verhältnismässi grossem Fusse, hat europäische Schuhgrösse 41, demnach Strumpf grösse 10.- Besitzt Emil einen abgetragenen Sommeranzug? Maria würde ihn wenden und mir einen neuen daraus bauen. Ein altes helles Hemd von Emil, das ich zum einzigen schwarzen Anzug tragen könnte, täte es ebenfalls. Kragengrösse 41. Und dann fehlt: Gummiband( mit und ohne Löchern) Nahar nebst Näh- und Stecknadela, Backpulver, Fürbemittel zum Selbetfarben( charz- und blau fur stoffe und Leder),- für Marias Beruf: Aquarellfarben( als Kasten oder in Packungen( mit echt Kobalt Blau), für mich Sockenhal ter ettl. ein Pyjama- Stoff mit Knöpfen( im allgemeinen baut Maria Knöpfe aus Stoff),- und um Euch den letzten Schreck zu versetzen: ich habe Schuhgrösse 44, 5, Marias Grösse für Hemdchen ist 42 für Höschen ( Latchmal und hat lang Deene), ihre Handschuhgrösse, ist 7 und ihre Sonnenbrille, auf disle bei Arbeiten in Freien angewiesen ist und war und die schr chöne und grosse Glaser hette, ist schon 016 15 Just.. Was une sonst noch fehlt? Alles Orricts, all durch die Gegend, haben alarl 2 toffelments aus enus aus fünf Gungen anden ohne der man jerkt, dass es off In ren, Auch darin die' unwahrscheinlich vielseitige laria eine unbortreffliche Meisterin, Sie wird Tuch hoffentlich so gefallen, wie sie mir nach zehn jährigen Zusammenleben und, Ticken noch.. inter gefällt. Die Adresse von Sabha( Alexander) Greiner, zelnen Vetten von Maria, die els much mitteilte, muss noch stienen, denn angeblich hat er bereits 주 Verbindung mit Marias Verwandtschaft. Nur scheint da et as mit den Ver mittlungsadressen nicht geklappt zu haben. Und unser Freund Joe Morise dus Jersey City? Habt Ihr einmal dorthin gefühlt? Zu den Bildern, die wir Euch schickten: die ersten( kleinen) Bilder Salon einer Wohnun mit Clare Waldoff usw..waren in einem sogenannten von Privatleuten gemacht, di neben den Direktionsräume des Bunten Würfels liegt. Am 20. März ging ein grösserer Schub Bilder ab, die in Bilder zet en unsere Inserentuskulum gemacht wurden. Diese heim"-liche Atmosphäre und Sphäre. Dann schickten wir Euch einmal -2einige Plakete und ein Heft 91d Munich, das Maris gemacht hat. Ist das das angekommen? T Zur Zeit stroncelich mich an, ingendwo eine Schreibsephine rauf zutreien. Bis jetzt konnte ich mir ab und zu eine bongen. Wenn einmal gröss isere Serdingen, möglich sein sollten, müsste man einem finden. Ich weinnicht, ob das ein Devisenvergehen ist, wenn man dafür Goldschuck sschicken würde, aber das wäne dann gegebenfallstein Aequivalent. Wisesagt Ihr zu der vorentschten Parteien- bage? Das gehört meines Ercoacht ne sudden von mir nueinen meinerereton Bridfesangekündigten -cao Beistige Verunrungen; in die le sanggläufig, hineinat puern ntis sen, so lange man nicht nur, irussischen Sektor Berlins etwas beggiessen. Ane C1gondern ag die ganze nze Tragikusmacht so lange in Norden andere Gesichtspunkte gelte als in Süden Deutschlands. Und im Osten wieder ganz andere ls in Wegten. Anstatt als Sozialdemokrat bestre bt zu sein, fiber die Zonen hin eg zuerst einmal eine mit Hand und Fuss und Gehirn aufgezogene Farbe organisation tufzubauen, gründet man eine Dinheitspartei, setzt den einen Vorstand ab, scalzesst die anderen aus, Herr Ebert denkt anders als Herr Lobe, und Herr Schumacher anders als Herr Högner, und alle zusammen- deno z niers 1s die Amerikaner und Engländer. Ueberschrift: Einigung. Oh weh! Ich halte die Sozialiatische inheitspartei Deutsc lands für einetobgeborenes ind, oder zu mindest für ein Baby, das auf einem Einheitspartei togs einige hochtrabende Phrasen lalite, sich ausgerechnet den uten, alten" Vorwärts" a Kindertrobete aussuckte, und sich eines schönen Tage in einen Winkel Verklecheff und heitenes ind, teil niemandth 141e 111. Vielicht- irre ich mich, aber auf Grund eines daufender feiten angsAläufig geschulten politischen Feitblicks claube ich eher; dass sich ab Taale diejenigen irren, die sich weil es bequemer ist dicht so viel Kopfzerbrechengmacht angeistigen Vierande berich aligen Zoner turmeln und glauben, dass ich die durch die entstandenen und noch entstehenden Unterschiede und Di Totes bei Aufhebung der Zonin in incher Forelilleren. Aber Cor de Carn, beginnt er unerfrulich sto danerpoliti Genosir jemals erschien ré nit Cemsidor, Seffericit, cie ausin denk rer jeweigreizen. repen eines Le rirdigerScheur del 11efern verden. Aber das echt durch die Notis hernuf beschworen en irus in unserem Antica digte, lur er Virft Deutsche auf unserem Tegu einer in Europa ale clienerinten und in der Weltwirtschaft als anerkant konkurrierenden Demokratie um weitere hře zurück, Vi- 11 icht isties tatsächlich de- r Geher tion vorbehalten, ein neues demokratisches Deutschland zu bauen, die vor zehn Jahren geboren wurde und in zehn Jahren selbständige politische Denkfähigkeit besitzt. So ungefähr denke ich über diesen Funkt. Ich habe schon einige meiner Gedanken zu Euch hinbergeschrieben, vielleicht schreibt Ihr mir mal Zure Antwort darauf. Ihr habt einen anderen Abstand zur innerdeutschen Entwicklung als ich. Ich muss schliessen, durch das Sitzen an der Faschine, hit ich schon ganz stelf geworden. Ich habe fast Angit, aufzustehen. Tante Du kennst ds. Wir man bel richtiger Behandlung soetas ieder vollkommen los? Ich muss wieder voll bewegungsfähig verden, denn Laria kann unmöglich das Scick 1 von vier enseñen materiell steuern ihr eifenes, neins, das unseres 63 Jahre alten arbeitslosen Schragers, der era verbalos ist, für den virinochier keine Beschäftigungefunden ha--ben, und das unseres 13 jährigen Neffen, der uns manche Sorgeaber trotzdem sehr viel Freude macht, weil er ein hübscher, intelligenter, teinperamentvoller Junge ist, der schon dn ganzen Rest der erhalengebliebehen Bucher ver chlann hat, von de Costers Till Sulandregel angefancon, Viber Oscar Tildes Märchen, bis zu Feuchtwanger's Jud Leden Krieg t Hider vier inhaltsretche Wells der Welt, erfreuliche, bedrickende, erleicherstehende, dankende und bittende Briefseiten geworden, Nehmt und ternde, . haes nicht tragisch, was vielleicht so klingt. vielleicht so klingt. Ihr habt nämlich recht: wir sind jung( Maria wird am 5. Ma140 Jahre alt, ich im Juni 38) ben bewiesenermassen( wenn nicht gerade is cniasgehenat) schwung, Ver--trauen, Hoffnung, Optimismus, und den grossen Wunsch, Euch zu besuchen, Vorläufig dürfen nur polnische( oder überhaupt ausländische) KZle er und amerikanische Staatsbürger hinüberfahren, aber ich hoffe, dass.. doch einmal eine Erweiterung gemacht wird und alle die, die Angehörige drüben haben, wenn auch nur zu Besuch hinüberdürfen. Sobald Ihr etwas darüber erfahren soltet und glaubt, dasssch das kautionsmässig us. machen liesse, schreibt uns! Auch wenn ich deenen Brief geschrieben hbe, so ist jedes Wort gleichermassen von Maria. Wir umarmen Euch Guten mit der ganzen Dankbarkeit, die sich nur eben durch dieses wort ausdrücken lässt. Eine andere Form werden wir zu einer anderen Zeit finden,-wenn diese Zeit da ist. In Liebe und mit allen Grüssen, auch an Käthe, durch deren Tüchtigkeit wir uns auch über alles freuen können, was uns erreibt, " Das war bis auf einige kleinere Auslassungen- der Inhalt des Briefes vom 25. April. Ihr seht kein Autounfall, nicht Beunruhigendes.- Und sonst gibt es .keine Veränderung, leider. Ich habe vor einigen Tagen noch einmal an empner geshhrieben, weil manches natürlich problematisch wird. Die Verpflichtungen des täglichen Lebens laufen ja weiter. Aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, so habe ich auch im Falle Kempner keine Hoffnung mehr, dass er helfen kann. dass er helfen kann. Dazu ist inzwischen seit meinem Besuch bei ihm in Nürnberg wieder zu viel Zeit vergangen( 4 Wochen insgesamt). Was werden soll, weiss ich nicht. Van Loon ist gestern für zehn Tage nach London geflogen, um diesen kleinen Erlaub zur Verabschiedung von seinen Freunden zu benutzen. Wenn er zurückkomt, packt er sein Sachen und fährt hinüb r. Dann habe ich niemanden, der an mir interessiert ist. Ich trage mich insgeheim mit der Hoffnung, dass Ihr jetzt die amerikanische Staatsbürgerschaft erwerben könnt. Das würde uns allen, Lotte, Paul und mir, vielleicht et-.. was helfen. Maria und ich haben die ganz feste Absicht, einmal unsere Zelte hier abzubrechen und hinüberzukom en. Am liebsten schon im kommenden Frith jahr. Aber auch das wäre nur möglich, wenn ausser Eure erfolgten Einbürgerung meine Angelegenheit klargestellt ist. Maria hat schon einige Hale versucht, direkt an Euch zu schreiben, hat aber noch keine ruhire Minute dafür gefunden. Vielleicht macht sie es doch in den nächsten Tagen. Könnt Ihr mal an Kempner schreiben? Sact ihm, er wäre der einzige n1 Letate, auf den ich meine wirklich allerletzte Hoffnung setze. Ansonsten besteht meine Produktivität darin, möglichst nicht zu ver11 elfeln. Auch das konnt sein. Und jetzt warten wir allen Ernetes geduldig und mit Ausdauer auf das nächste Paket. Wie kann man Euch einen Ausleich geben? Ich schliesse mit einem Stoss- Seufzer. Immer Euer Einen ganz brutalen Nachsatz: habt Ihr von den Möglichkeiten, 15 Dol las einzuzahlen, fir die man hier ein Piket bekommt, gehört? Habt Ihr die 15 Dollars? Wir leben nämlich in den nächsten 14 Tagen nur von Kartoffeln( gottseidank, dass elche da sind). Alles andere ist zu Ende: Brot Fett, Fleisch. Nicht arbeiten können und dürfen ist doppelt schlimm, wenn man dabei verhungert. Maria 31, Horlaching, ching, Hiselbur Haselbur str. 6T14: 40 857 11. Juni 1946. 4 Liebe grosse lutti, sigentlich wollte ich schon lange einen Brief an Euch schreiben um mich vorzustellen, und von mir eini zu be- N richten, ich habe es aber immer wieder hinausgeschoben, weil ich hoffte, einen heiteren, optimistischen Brief schreiben zu können, wie es eigentlich meine Art ist. Heute aber zwingt mich die Sorge um Micha an die Maschine, ich sehe voll Verzweifelung, wie er täglich elender wird. Ich stehe völlig hilflos daneben und weiss nicht, wie ich ihm helfen kann, Diese elende Wartereicht einen nervisch ne restlos fertig, Mike wollte aufs Land genn, um dort bei besserer Verpflegungwde sieh etwas zu erholenB_ Kempner riet ihm ab- ersoll hier greifbar sein Bekannte wollten einen Kuraufenthalt in Kissingen vermitteln auf Kempners Rat hin blieb like hier. Das ist jetzt auch Du Mieden drei Wochen her und nichts ript sich. Was soll man nur unter nehmen? Vielleicht aus Verbitterung viellelob welleer körperlich nicht dazu imstande ist, aber Mike ist zu keiner schöpferischen Tätigkeit zu bewegen. Das deprimiert mich ammeisten! Welch elende Zeitvergeudung! Und jetzt kommt der Grund, weshalb ich schreibe wenn es Euch möglich ist, schickt doch bitte etwas zu essen. Viel leicht findet licha, wenn er mal richtig satt ist, seinen Optinisius wiederich bitte nicht für mich, ich bitte mir für icha, Er selbst weis nicht, dass ich diesen Hilfeschrei nach over there schicke, und dass ich Euch die Kopie seines letzten Schreibens an Kempner mitschicke, um Euch ein ungefähres Bild von seiner Seelenverfassung zu geben, Ich weiss nicht einmal, ob ich Recht daran tue, Euch von diesen Sorgen zu schreiben, denn bestimmt ist es auch für Euch nicht einfach, es hat ja ein jeder irgendwelche Kümmernisse. Wir haben uns in den letzten 12 Jahren und vor allem in den Kriegs jahren daran gewöhnt, nicht viel an das Morgen zu denken. Aber immer noch hatte man die stille Hoffnung, dass es einst anders kommen würde, dass man einmal wieder planvoll und zielvoll leben könnte. Und jetzte Wir habenzwar noch die Wohnungn sogar der Wagen, aber schwebt nicht über uns allen Täglich die Angst, dass dies oder jenes beschlagnahmt werden muss? Ein Häuserkaree von uns entfernt läuft der Stacheldraht, der die Wohnblocks umgibt, in denen die Zivilverwaltung wohnen wird. Die liete dieser Blocks mussten alles Mobiliar drin lassen. Natürlich können wir nicht erwarten, dass Amerika ausser der Unrra Verpflegung sich noch de Wohnungseinrichtungen mitbringt. Aber wen es trifft, der wird sich, wahrscheinlich allen Vernunftsgründen verschliessen, Vor allem gerade dar, der nichts ve loren habens ist aber doch trostlos, dass das Leben fast nur noch aus Sorge um die Trhaltung des täglichen Lebens besteht: wo bekomme ich die mir zugeriesene Heizung her? Was mache ich wenn meine letzte elektrische Birne zum Zeichnen auch noch kaputt geht? Wie soll ich Strümpfe stopfen, wenn ich in einem halben Jahr für 20 Pfg entweder schwarzes oder weissesNähgarn kaufen kann? Wie werde ich diesen Brief jemals zuende bringen, women Farbbind tlos vereact? ioann ich aus alten Tischtüchern Laken zusammen flicken, wenn mir die Nachbarn ihre Nähmaschine nicht mehr geben veil, die die letzte Nadel eingespannt haben? Und wie soll ich mich revanchieren? All diese Dinge sind aber einfacher, wenn ich aus einem amerikanischen Liebesgaben paket eine Kleinigkeit mitbringe, dann bekom benuthenen Handkarren fürs Holzfahren leichter und darf die Nähmaschia benutzen, vielleicht schenkt mir ein Nachbar sogar eine Birne. Micha ist ja Gott sei Dank sehr praktisch und hilft mir im Hause enorm sich mit Haushaltskrempel obschon es mich traurig macht, dass er beschäftig, u die Zeit totzue ua die Zerozulagen) Underbeloser Swag Gen bepflanz.. HeL Kabe de Fritzmichael Röhl, Minchen Harlaching, Haselburgstr.6 40 857 26. Mai 1940. Mrs. Marie Juchacz 339 East 173rd Street New York 57, N.Y. Liebe grosse Mutti, bester Emil, Euer Brief vom 13. April kam vor zehn Tagen an, brauchte also etwa 5 Wochen. Das geht. Ich habe nicht gleich antworten können, da ich gerade unterwegs war. Lotte hatte mir die Adresse von Dr. Kempner in Nürnberg gegeben, ich schickte ihm einen kleinen Brief, und in seiner Antwort bat er mich, ihn zu besuchen. Ich schilderte ihm den ganzen Sachverhalt, und er versprach, sofort etwas zu unternehmen. Den Start seiner Unternehmung erlebte ich noch, fuhr nach München zurück,- und jetzt warte ich. Habe schon einige Male mit ihm telefoniert, aber er konnte mir noch nichts sagen. Soll ihn am 28./29. noch einmal anrufen.- Bin neugierig, ob er etwas machen kann. Wenn nicht, dann gibt es keinen Weg mehr. Wahrscheinlich gehe ich dann in die englische oder französische Zone, wo man den Soldaten gegenüber, die während des Krieges einmal den befehl bekamen, 8 Monate-lang als Sonderführer( G) in Kriegsgefangenenlagern zu dolmetschen, etwas grosszügiger eingestellt ist. Zumal ich mohgewiesen habe, dass ich in diesen acht Monaten nicht dolmetschte, sondern den Franzosen an allen Ecken und Kanten half. Sch ann drüber.( Aber zum Kotzen ist es trotz dem). Lotte, die Durchschlag dieses Briefes erhält, kann mir nicht helfen. Ich habe hier meine von mir selbst wieder aufgebaute Wohnung, Maria hat hier ihre Arbeit, ich habe ein halbes Jahr lang den Boden für meine Zeitschrift vorbereitet und alle Vorbereitungen mit reichlichen Kosten aufwand hier getroffen. In eine andere Zone wandern heisst: völlig mit tellos von hier fortziehen irgendwhhin, wo man erst wieder- für eine Unterkunft sorgen muss, dann für ein Verdienst,- und dann sind wahr scheinlich wieder zwei Jahre vergangen. Ich würde nichts sagen, wenn.. ich ein Nazi wärel Aber die ehemaligen Pg.s sitzen stellenweise noch immer in ihren Aemtern, weil sie im Augenblick unentbehrlich sind, aber ein nachgewiesenermassen hundertprozentiger Anti- Nazi wie ich bekommt das Signum:" Not to be employed". Weil ich französischen Kriegsgefangenen das Leben hinter Stacheldraht erträglich machte, ihnen alles beson te, und einigen die Flucht ermöglichte. Aber das soll das letzte Mal sein, dass ich mich noch einmal in diese verflixte Verbitterung hineinschreibe. Emil mag recht haben: Roosevelt war ein ganz grosser Mann dieser Erde. Aber dass auf Grund einer Verfügung von Washington ein Dolmetscher im Range eines Sonderführers( G) ein Dreck sein soll, leuchtet mir nicht ein. Wenn ich Front- Dolmetscher gewesen wäre, Gefangene geprügelt und sadistisch verhört hätte! Ich würde sagen: jawohl, es geschieht mir recht. Jetzt tut es mir leid, dass ieh 1934 nicht bei Euch im Saargebiet geblieben bin und die Emigration mit Euch durchlebt habe. Sie wäre nicht schwerer gewesen als manches narte deutsche Nazi- Jahr, und ich würde dann von New York aus sagen können: da haben sich- diese deutschen Idioten ja was Schönes eingebrockt. Nein, ich bin froh, dass ich in Deutschland blieb und aushielt, wenn auch meine Anti- Tätigkeit über den Freundeskreis nicht hinausging( sonst könnte ich diesen Brief hier nicht schreiben). Vielleicht habe ich doch noch einmal eine Chance. Die Anschrift von Col. H.E.Beine gilt nicht mehr. Er ist( oder wird) discharged, Da jetzt der direkte Weg auch für Päckchen geöffet werden soll, wird es also hoffentlich in Zukunft nur normale postalische Verzögerungen und keine Rücksenungen geben. Eigentlich wollte Maria Euch schreibn, aber sie steckt augenblicklich mitten in den Arbeiten für die Dekorationen des neuen Programs für den" Bunten Würfel". Am 8. Juni ist neue Premiere. Icn helfe mit, so gut es geht. Ausder Umgebung von Nürnberg habe ich mir zwei Kaninchen mitgebracht, die von unserem dreizehnjährigen Heinz, der mit seinem arbeitslosen Vater noch immer bei uns lebt, gross- und fettgezogen werden sollen. In den nächsten Tagen bauen wir einen vernünftigen Stall mitder Mögliouxeit, Nachwuchs grosszualenen, neinz ist leluchschaftlicher Briefmarken- Sammler, wenn in briefe bekomme suite, hebt die Marken bitte auf, falas Euch das nicht zu vi 1 Arbeit macht. Und schickt gelegentlich ein paar mit. Das sind zwar keine Kalorien, aber vielleicht kann er elche daraus machen. Ich habe einen Foto- Aparat geliehen bekommen( mein schöner Kodak Reti na II wurde mir beim Uebertritt in amerikanische Gefangenschaft leider von einem Offizier abgenommen), mache auch mal mon Heinz und seinen Kaninchen ein Bild, datit Ihr auch ein richtiges" Bild" von der ganzen Familie bekommt. Lotte schreibt mir nur in Telegram- Sätzen. Ich habe von Ihr nicht die geringste bDetail- Vorstellung. Ebensowenig von Paul. Noch reniger von August und Klärchen. Jeder wird so viel mit sich selbst zu tun haben, daas es zu ausführlicheren Darstellungen nicht mehr reicht. Auf jeden Fall hören wir voneinander. Die Antwort von Ida Braun an mich war befremdend kühl und nichtssagend. Ich habe ihr auch nicht mehr geschrieben. ** BA Morgen sind hier Gemeindewahlen. Mit einem zweiten Umschlag genen 2 Mitteilungsblätter der SPD und Christl.Soz, Union an Euch. In die Union werden sich nicht nur die Katholiken retten, die einst Nazis waren, auch die Nazis, die jetzt wieder Katholiken sein können, werden sich-in diese grosse" Sammelpartel" retten, eines schönen Tages werden die Bayerischen Geschicke von der Union als Mehrheitspartel gesteuert, und dann sind alle Nicht- Bayern a priori Ausländer. Oh whh! Bei Dr. Kempner trff ich Karl Severing, wir haben von früher und jetzt gesprochen, er fragte nach Euch, und ob Ihr nicht kommen wollt. Ich meinte, dass das zu entscheiden nicht sehr einfach sei, denn noch mehr als in Deutschland selbst muss man sich als, Deutscher in Amerika sehr genau überlegen, ob man in die französische, englische, russische oder amerikanische Zone" heimkehren" will, oder in das vier- gespaltene Berlin. Bevor Ihr Euch entscheidet, nach Deutschland zu kommen, lasst erst einmal entschieden werden, ob einer von uns einmal nach Amerika komen kann, zu einem Besuch, oder ganz und gar als Einwanderer. Ich trage mich immer mehr mit diesem Gedanken. Und Maria sagt sofort ja, und baut sich mit ihren Fähigkeiten in 5 Minuten einen neuen Job auf. Zukunftsmusik. Besser als traurige Gegenwarts- und Hassgesänge. Wieder mal ein Brief mit unangenehmem Akzent. Aber der Brief mit der Mitteilung, dass alles in bester Ordnung ist und dass ir ung hemmt und ungestört und wenn auch unter noch so ridrigen Umständen arbeiten können, arbeiten, dieser Brief wird dann rot geschrieben! Das Herzlichste Euch beiden, von uns beiden, und Fritzmichael Röhem ATLG) The Minster Uhrbachims, as abbas 400357 6 .begrsdoelb btw Iloa nebrew Jehlöe dous gew etxerib. 5b46 nego elemon run Jinuxus at do Itnettod oals ee 339 East 173rd Street ETRUCTION MOTTEE MULTя Елcu acμLеp sex are aped K лшg кедше Идcкаеuдu@ eu Repeu nejledА nеb mi nejjim dol I MA Low nea" ob 1 Jeg Be Jug oe O neben asb STOжed etб Jim etfed noI.ere Imer even Jai inul. Liebe, grosse Mutti bester Emil Join medonine revs mods are noa ladania i rebantell neatdaries lev etb FFA for brauchto floatwa 5 me I foefen -38 Bri antreten dente need for men da ich gerade nege fausey Boo empner Adresse in seiner Ant prt ba dom JedAI IV Us Join asb dou ich hat fridich, Tews bata as Jim Issq nie do II negel 1t under Unternehmung A UT TION TO OLLISTO penommen ROTT porous souguer og KOST ** TopTek 86pepp ate L gerie for a LTDen Start etwas zu unternehmen. Den Start sein er zur rebels nene buniek nou em dous anosm ue in u LoRea Biquor fed fed time konnte noch ri 981 mort fine Mabig eine wes meh. wahrgenere ian Aque fa af hen dann in die englische oder französische Zone, Zumar nebet iuAid iuAide 0 ern o geegnatededo Betgonda den ber- zum K Rashes ich 1en Ecken und Kanten half, Sch aur drab al-sedan) in bnu Intex bne beried is nom as mud 861 Hv 346910s trotz Lotte, die Durchs fideia noinU hibridos. doI erhalt neertserir date Of arten dybhin -dolara zonder Блез He46fen. hebyseine Kosten wo man erst wieder- für erd 2009 Big mit - und ann sind wahrschemes bu Bej, DL Komoner fast for or a le 2 wenn.. SICzen Steller hoch a.b Arti azi Isa passiona en fch bekommt Kresgefangesbeso do lindo do buff mem non megapas doente tenth Tea da: Teas for Tebo die alger selesam S Koue KOGU su SU cuentato gene Beanby TI BAOL Hoopergerac ems Oaiese C penfangs fofo fare f peeper ofera fear fee BеLst Autoalase be that im adam ein. Wenn ich Front- Dolmetscher gewesen wäre, Gefert efte sadistisch verhör dieser Erde. cher im icht It und PAINT BIS H geschieht mir recht. Jetzt tut es mir leid, dass ich 1934 nicht bei Fuch, im reb stima e feit rein Jungede au in ash bad feels aebabe. nejiedu neba bir de door rosa Nein, fer als macres 181 Le 562 naberr binge or dent. 9 Jie di s Treat perfe Jahr, ch die se KQUUGU ich bin froh, dass ich in Deutschland blieb und, Bushel to wenn Hotels auch meine Anti- Tätigkeit über den Freunde nici inausging( sonst könnte ich diesen Brief hier nicht schreiben). Vielleicht habe ich doch noch einmal eine Chanceled OV baw Ө NEW JERSEY NEWARK JERSEY CITY BAYONNE RICHMOND STAAT NEW YORK MANHATTAN HUDSON- FLUSS WESTCHESTER COUNTY BRONX QUEENS UNO TERRITORIUM Stadtgebiet von New York BROOKLYN CONNECTICUT LONG ISLAND SUND LONG ISLAND ATLANTISCHER OZEAN 10 km Unsere Karte des Groß- New Yorker Gebiets zeigt den Sitz der UNO, den Verlauf der Autobahnen und die wichtigsten Brücken und Tunnels. Die Zahlen bezeichnen unsere Abbildungen auf den folgenden Seiten. 2. Die George- Washington- Brücke, die 1931 fertiggestellt wurde, führt über den Hudson von der Man hattan- Halbinsel zum nördlichen Teil New Jerseys. Die Spannweite beträgt 1100 Meter, sie ist dami die drittlängste Hängebrücke der Welt. Die meisten Fahrzeuge, die die Brücke überqueren, kommer vom Henry Hudson Parkway, der auch dem Holland- Tunnel und dem Lincoln- Tunnel den meisten Verkeh zuleitet. Sie verbindet diese Straße mit dem Straßennetz New Jerseys. In jeder Fahrtrichtung hat die Brücke drei Fahrbahnen, die durch Inselbänder voneinander abgeteilt sind. Durch Brückengebühren sollen die Baukosten nach und nach gedeckt werden. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Brücke beträgt 48 km/ st. Im Jahre 1940 überquerten 82 Millionen Fahrzeuge, darunter viele Autobusse und Nutzfahrzeuge. die Brücke 5. New York hat fünf Stadtbezirke, Manhattan, Brooklyn( bevölkerungsmäßig der größte), Queens( ausdehnungsmäßig der größte), Bronx und Richmond. Die Triborough- Brücke( Triborough bedeutet: drei Stadtbezirke) besteht in Wirklichkeit aus einem ganzen Brückenkomplex, und verbindet Manhattan( links), Bronx( oben), und Queens( rechts). Der Hauptteil des Brückensystems ist eine Hängebrücke mit einer Spannweite von 420 Metern. Eine Zugbrücke überquert den Harlemfluß. In der Mitte befindet sich die RandallInsel mit Parkanlagen und New Yorks städtischem Stadion. Der East River Drive, die Autobahn, die entlang des East River durch Manhattan führt, mündet direkt auf die Brücke. Sie wurde im Jahre 1936 fertiggestellt und kostete 60 Millionen Dollar. Neben der Triborough- Brücke läuft die Hell- Gate- Eisenbahnbrücke. 18 May 14, 1946 Fritz, mein lieber Junge, vor ungefaehr einer Woche erhielt ich Deinen kurzen, englisch geschriebenen Brief vom 28.April datiert. Du beziehst Dich darin auf einen zwei Tage frueher geschriebenen Brief, der aber bis heute noch nicht eingetroffen ist. Dadurch ist die Information sehr unvollstaendig. Ich bin in den letzten Tagen wohl 6-8 mal taeglich herunter an the mailbox gelaufen, immer vergeblich.Frage: Ist der Brief denselben Weg gegangen? Ich schrieb Dir am 12.April durch die Post und am 22.und 25.Maerz antworteten Emil und ich in je einem besonderen Brief auf Deinen Brief vom 22.Februar, der uns natuerlich in grosse Unruhe versetzt hatte.Weil wir wegen der Befoerderung nun etwas unsicher waren, haben wir den Brief ueber Lotte geleitet, auch in der Hoffnung, dass die, zwar vielbeschaeftigte, aber doch immer sehr hilfsberette Lotte Dir vielleicht behilflich sein koennte.Wobei wir auch an Robert Kempner gedacht haben. Ich will nun" in der Sache" nicht viele Fragen stellen, bin ich doch der Hoffnung, dass der vermisste Brief doch bald ankommen wird. Da wuerde ich mit Fragen nur Unruhe stiften, die Pausen, in denen man die Briefe erhaelten kann, sind so unendlich lang. Du wirst inzwischen sicher den Brief von Lotte bekommen haben und wir werden hoffentlich bald im Besitz Deines Briefes sein.---- Unruhig macht mich-- ausserdem-- aber doch der letzte Absatz Deines kurzen Zettels, worin Du schreibst, dass Du die meiste Zeit im Bett verbringst, Dich nur langsam bewegen kannst, und dass Dir das Schreiben sehr schwer faellt. Ich moechte nun wirklich gerne wissen, was los ist, bist Du schwer krank? Hast Du einen Unfall gehabt, ist vielleicht was mit dem Wagen passiert? Das-- und anderes*. sind die Fragen die nun quaelen.- Wenn ich doch endlich den" vier Seiten langen Brief vom 26.April" in den Haenden haette. ( unterwegs bin, Sobald ich" for shopping" sollst Du die gewuenschte Mappe haben, dies ist ja nur eine Andeutung und keine Mappe oder Karte. Wir wohnen mitten in der Bronx( und mitten unter ostjuedischem Publikum) aber von der UNO haben wir doch nichts bemerkt, dazu sind die Entfernungen noch zu gross.--- Robert kann uns in zwei und einer halben Stunde erreichen, er kommt öfter her, weil er hier zu tun hat.Es ist direkte Bahnverbindung.Er ist nicht ein so kuehner Autofahrer, wie seine Soehne und zieht fuer solche Strecken die Eisenbahn vor. ist das heute nicht mehr. Einmal war Paul schon mit ihm hier, er ist nun vom Militaer entlassen und wird bald anfangen zu arbeiten.Er hat sich in Wien eine Frau gesucht, es wird noch Schwierigkeiten geben, sie herzubringen.- So einfach wie frueher, Es intressiert uns alles sehr, was Du an Gedanken ueber die Entwicklung drueben auesserst. Es waren schon viele Leute von drueben hier, richtiger, sie sind jetzt hier. Viele haben so gearbeitet, wie z.B.Langendorf es tut, oder aehnlich. Wir holen sie, damit sie in kleinen Versammlungen reden, oder im Freundeskreis in einer Wohnung, wo man nach Herzenslust Fragen stellen kann. Da es Leute sind, die Deutschland von frueher genau kennen, gibt es auch manchen Aufschluss. Dazu kommt die umfangreiche Korrespondenz, die jeder von uns hat. Und doch- es ist und bleibt ein ungenaues Bild.Arme deutsche Jugend, die keine Zukunft vor sich hat und heute unter dem Hunger und der Aussichtslosikeit leidet.-- Aber abgesehen von der politischen Entwicklung-- zuerst muss wohl die Nahrungskrise geloest werden und eine gewisse wirtschaftliche Regelung muss erst Platz greifen. Aber da sind wir schon wieder angelangt bei der Katze, die sich in den Schwanz beisst- eins ist immer ahhaengig vom anderen.--- Dass ich hier fleissig und betriebsam in der" Arbeiter- Wohlfahrt, N.Y. arbeite, weisst Du? Ich sende Dir( nicht per airmail) einiges Schriftliche, darunter auch die Mierendorf- Broschuere.Ein Paket soll auch in den naechsten Tagen an Dich abgehen. Herzlichst fuer Dich und Deine Maria Eure grasse Matt! Colonel H. E. Beine 011910 c/ o Roehl/ Hannbeck Q.M.Section H. 9 Third U.S.Army A.P.O. 403 c/ o P.M. New york City 28. April 1946. My dears! There was a great mistake in my last letter I wrote two days ago. I forgot one parcel I got over Langendorfand with which you announced the small book of Hendrik Van Loon, which I recieved now with the last parcel. It was the 3rd one. In the last issue of a newspaper edited by Inf. Contr.Div. under the title" Heute" I found the attached map of New york, and I beg you to send it back with a note of the situation of the 173rd Street in 339 East. If it is possible please send me a special map of New york City and the neighbourhood. And tell me in the near of which bigger town Meriden is situated. Yesterday I gave another report to Capt. Van Loon, it was the biggest I wrote since now, and I hope it was the last one. It containded all those details I already gave you in my first report XXX of the new situation. Most of the time I stay in bed, or I am moving on like a snake, and it is a little bit hard to typewrite, I felt it when I finished the four- page- letter of the 26th. Therefore as always the best to you all, yours Colonel H. E. Beine 011910 c/ o Fritzmichael Röhl/ Hannbeck Q.M.Section H. 9 Third U.S.Army A.P.O. 403 c/ o P.M.New York City 25. April 1946 Liebegrosse Tante Mi- Muutti, bester Emil, zuerst: es kann alles über die Beine- Adresse gehen, aussen nur an den Colonel adressiert, auf den zweiten eigentlichen Umschlag innen den Zusatz Fm. Röhl/ Hannbeck, Dann läufts. Noch eins: wenn auf dem Absender steht:" Kirschmann- Röhl/ Hannbeck läuft's noch besser. An Euchgingen Briefe ab am 20. März( 3 Seiten), am 22. Februar( 3,5 Seiten), am 29. Januar( a Seiten), und zwischendurch ein kurzer Brief ohne Datum, handgeschrieben, mit den Bildern von Paul Kirsch ann bei uns in München. Von Euch kamen: zwei Briefe über Lotte vom 22. und 25. März mit dem gelben Pakete- slip), ein Brief vom 19. Januar, zwei Briefe vom 10. Januar, und ein Brief vom 5. November. Paul brachte uns das Paket von Onkel Robert und Tante Ida, und heute kam das Beine- Paket, der Irrläufer, mit dem Kleinen Heft von Van Loon und dem auf dem gelben Slip angekündigten wunderbaren Inhalt. Langendorf hat das Reventlow- Paket nicht an uns weitergeleitet. Die MierendorfBroschüre ist noch nicht angekommen.- Dies wäre das ganz Nühtern- Sachliche hinter dem unser beider Herz steht wie hinter den schönsten Worten, die ir Euch bisher schreiben konnten. Tausend Dank für Eure Briefe vom 23. und 25. März. Ich weiss genau, dass die Stelle, die mir die Suppe eingebrockt hat, auf direkteste Weisung handelt. Ich weiss auch, dass V.L. nicht allzuviel unternehmen kann, obwohl er einen beträchtlichen Apparat in Bewegung setzte, der bis zum obersten Chief hinaufreicht, der aber auch nicht mehrmachen als dirum ersuchen kann, einembesonderen Fall noch einmal eine besondere Behandlung zu widmen. Das ist jetzt geschehen, und nun warten wir auf das Ergebnis. Ich bin also inzwischen mit keiner einzigen Planung weitergekommen, nicht mit da capo, nicht mit Theaterstücken, nicht mit kabarettistischen Sketschen, nicht mit Gedichten, Novellen, Romanen, um damit zugleich den für mein ferneres Leben vorgesehenen Arbeitskreis zu umreissen, ganz zu schweigen von der Nebenarbeit" im Theatre Contra Office, die so aussehen soll, dass ich die gesamte Wortgestaltung aller geistigen Dinge leite, ale da sind: monatliche Mitteilungen für die Theater- Unternehmer als Lizenzbetreuung, Artikel für Zeitungen und Zeitschriften, Textierung des gesamten Bild- Dienstes, usw.- Arbeit also in Hülle und Fülle. Ich warte. Ich habe nicht im ersten Anlauf an Euch damals geschrieben, die 24 preussischen Ueberschlaf- Stunden lagen schon enige Tage hinter mir. Ich habenur alles das geschrieben, was ich dachte, und noch heute denke. Im Gegenteil: ich gehe heute sogar noch weiter. Um auch die letzte amerikanische bürokratische entnazifizierungs- und entmilitarisierungshungrige Seele zu befriedigen, wird es das Beste sein, wenn man alle hartgesottenen Anti- Nazis von meinem Kaliber kurzerhand in ein Lager steckt und dort mit besonderen Methoden so lange behandelt, bis aus ihnen verbitterte Nazis geworden sind. Dann sind sie entnazifizie rungsreif, und dem Gesetz kann allseits Genüge getan werden. Ich warte.Ich musste sowieso warten, denn auf Grund der besonderen Umstände, unter denenich mehrere Nächte verbringen musste, wurde mir der Rest von dem gegeben, was man bei Wehrmachts versäumt hatte: ich bekam damals merkwürdige Schmerzen im Kreuz, die vorübergehend abklangen, was ich für einen vorübergehenden Muskelkater hielt, weil ich zwischendurch einige ziemliche Holzbrocken per Hand transportierte( Vorsorge für den kommen len Winter). Jetzt sind diese Schmerzen aber so schlimm geworden, dass ich mich wie gelähmt ins Bett legen musste. Gestern krabbelte ich zum Arzt, und der stellte zu meiner Freuie einen Bluterguss im entzündeten Ischias- Nerv fest. Du, Tante 1, hast doch in Copenick so heftig darunter gelitten. Wie bist Du das losgeworden? Der.. an sich gute Arzt verschrieb mir eine ausnahmsweise in der Apotheke noch erhältliche Salbe zum Einreiben, warme Einwickelungen( natürliche, en nicht elektrische Wärme), Heizflaschen, Spaziergange mit dem Stock, und eine tüchtige rortion Geduld für das näch te Viertel janr. Ich habe Lotte mit allen Mitteilungen über dies und das verschont. S hat erstens inre eigenen Sorgen, kann mir zweitens nicht helfen, und wäre unnütz beunruhigt. Ich werde ihr auch beruhigend schreiben, und bitte Euch, auch nichts zu sagen. Vielleicht ist sowieso sehr bald die endliche Klärung da, Dannkann ich es ja nachholen. Haben wir schon dankeschön gesagt für das B.- Paket? Wenn es auch zwei Tage nach Ostern kam, so war es doch richtige Ostern. Wir wissen, dass Ihr nicht in Reichtümern schwelgt und dass jedes einzelne Stück, das Ihr eingepackt habt mit Freude, und das wir mit noch grösserer Freude auswickeln, abgespart ist, weil Ihr wisst, dass Ihr nicht mit einfachem Dank abzustannende Hilfe leistet, obwohl Ihr nicht nur an Maria und mich denkt, sondern an Lotte, Paul, an viele andere. Desto schwerer fällt es uns, irgend einen Wunsch zu äussern. Wenn Ihr alle Be-dürfnisse befriedigen wolltet, müsstet Ihr einen Geldkacker haben, mit dessen Hilfe Ihr kistenweise Dinge nach Deutschland schickt. Trotzdem äussern wir einige Wünsche, nicht, damit diese nun umgehend erfüllt werden, aber vieleicht lässt sich das eine oder andere mal beilegen. Maria ist eine grosse Zauberin, macht aus verbrannten Stoffresten sehr schöne Schlafanzüge, aus irgend einem Abfall entsteht eine Bluse, a einer alten unansehnlichen Gardine ein Sommerfähnchen,- nur eins hat sie noch nicht fertiggebracht: aus mehreren Paaren zerfetzter Strümpfe ein neues Paar zu machen. Sie lebt auf verhältnismässig grossem Fusse, hat europäische Schuhgrösse 41, demnach Strumpfgrösse 10.- Besitzt Emil einen abgetragenen Sommer- Anzug? Maria würde ihn wenden und mir einen neuen daraus bauen. Ein altes helles Hemd von Emil, das ich zum einzigen schwarzen Anzug tragen könnte, täte es ebenfalls. Kragengrösse 41. Und dann fehlt: Gummiband( mit und ohne Löchern), Nähgarn nebst Nähnadeln und Stecknadeln, Backpulver, Färbemittel zum Selbst- Färben ( schwarz und blau, für Stoffe und Leder),- für Marias Beruf: Aquarellned farben, als Kasten oder in einzelnen Packungen( mit echt Kobalt blaul), für mich Sockenhalter, für mich evtl, einen Pyjama- Stoff mit Knöpfen ( im allgemeinen baut Maria Knöpfe aus Stoff),- und um Euch den letzten Schreck zu versetzen: ich habe Schuhgrösse 44 1/9, Marias Grösse-für Hemdchen ist 42, für- Höschen 44( Maria ist schmal und hat lange Beene), ihre Handschuhgrösse ist 7 1/2, und ihre Sonnenbrille, auf die sie beim Arbeiten im Freinen angewiesen ist und war und die sehr schöne und grosse Gläser hatte, ist schon seit langem kaputt.- Was -st uns sonst noch fehlt?- Alles, oder nichts. Wir improvis eren uns dura -8die Gegend, haben allerlei gute Einfälle, die beim Anfertigen von Gardinenstangen aus Eisenstäben, die aus Guss- Zement herausgerlaubt werden, anfangen, und bei der Herstellung köstlichster KartoffelMenüs aus fünf Gängen enden, ohne dass man merkt, dass es Kartoffeln waren. Auch darin ist die unwahrscheinlich vielseitige Maria eine unübertreffliche Meisterin. Sie wird Euch hoffentlich so gefallen, wie sie mir nach zehnjährigen Zusammenleben und Wirken noch immer gefällt. Die Adresse von Sascha( Alexander) Greiner, einem Vetter von Maria, die ich Euch mitteilte, muss noch stim en, dennangeblich hat er bereits Verbindung mit Marias Verwandtschaft. Nur scheint da etwas mit den Vermittlungs- Adressen nicht geklappt zu haben. Und unser Freund Joe Morissey aus Jersey City? Habt Ihr einmal dorthin gefühlt? Zu den Bildern, die wir Euch schickten die ersten( kleinen) Bilder mit Claire Waldoff usw. waren in einem sogenannten" Salon einer Wohnung von Privatleuten gemacht, die neben den Direktionsräumen liegt. Am 20. März ging ein grösserer Schub Bilder ab, die in unserem Tuskulum gemacht urden. Diese Bilder zeigen unsere" heim"-liche Sphäre und Athmosphäre. Dann schickten wir Euch einmal einige Plakate und ein Heft." Old Munich" das Maria gemacht hat. Is das angekommen? 410 Zur Zeit strenge ich mich an, irgendwo eine Schreibmaschine aufzutreiben. Bis jetzt konnte ich mr ab und zu eine borgen. Wenn einmal grössere Sendungen möglich sein sollten, müsste man einen Weg finden. Ich weiss nicht, ob das ein Devisenvergenen ist, wenn man dafür Goldschmuc schicken würde, aber das wäre dann gegebenenfalls ein Aequivalent. Was sagt Ihr zu der vermantschten Parteien- Lage? Das gehört meines Erachtens zu den von mir in einem meiner ersten Briefe angekündigten geistigen Verwirrungen, in die wir zwangsläufig hineinsteuern müssen, so lange man nicht nur im russischen Sektor Berlins etwas beschliessen kann, was im englischen, a erikanischen oder französischen keine Gültigkeit hat, sondern as die ganze Tragik ausmacht so lange im Norden andere Gesichtspunkte gelten als im Süden Deutschlands. Und im Osten wieder ganz andere als im Testen. Anstatt als Sozialdemokrat bestrebt zu sein, über die Zonen hinweg zuerst einmal eine mit Hand und-Fuss und Gehirn aufgezogene Parteiorganisation aufzubauen, gründet man eine Einheitspartei, setzt den einen Vorstand ab, schliesst die anderen aus, Herr Ebert denkt anders als Herr Löbe, und Herr Schumacher anders als Herr Högner, und alle zusammen denken ganz anders als die Amerikaner und Engländer. Ueberschrift: Einigung. Oh weh! Ich halte die Sozialistische Einheitspartel Deutschlands für ein totgeborenes Kind, oder zumindest für ein Baby, das auf einem Einheitsparteitag einige hochtrabende Phrasen lallte, sich ausgerechnet den guten, alten sozialdemokratischen" Vorwärts" als Kindertrompete aussuchte, und sich eines schönen Tages in einen Winkel verkriecnen und heulen wird, weil niemand mit ihm spielen will. Vielleicht irre ichmich, aber auf Grund eines im Laufe der Zeit zwangsläufig geschulten politischen Weltblicks glaube ich eher, dass sich alle diejenigen irren, die sich weil es bequemer ist und nicht so viel Kopf zerbrechen und Arbeit macht im geistigen Vier- Wände- Bereich ihrer jeweiligen Zone tummeln und glauben, dass sich die durch die Zonengrenzen entstandenen und noch entstehenden Unterschiede und Differenzen eines Tages bei Aufhebung der Zonen in irgend einer Form assimilieren. Aber gerade dann beginnt der unerfreulichste innerpolitische Klein- Krieg, den wir jemals erlebten und mit dem wir der Oeffentlichkeit, die ausserhalb Deutschlands sowieso mitleidig auf uns herunterblickt, ein denkbar unwürdiges Schauspiel liefern werden. Aber das macht dem durch die Nazis herauf beschwo renen Minus in unserem Ansehen hoffentlich nichts aus. Nur: es wirft uns Deutsche auf unserem Weg zu einer in Europa als gültig- anerkannten und in der Welt irtschaft als anerkannt konkurrierenden Demokratie um weitere Jahre zurück. Vielleicht ist es tatsächlich der vorbehalten, ein neues demokratisches Deutschland zu bauen, die vor 10 Generation Jahren geboren wurde und in 10 Jahren selbständige politische Denkfähig keit besitzt. So ungefähr denke ich über diesen Punkt. Ich habe schon einige meine Gedanken zu Euch hinübergeschrieben, vielleicht schreibt Ihr mir ein; mal Eure Antwort darauf. Ihr habt einen anderen Abstand zur innerdeut schen Entwicklung als ich. Ich muss schliessen, durch das Sitzen an der Maschine bin ich ganz stelf geworden, ich habe fist Angst, aufzustehen. Tante Mi, Du kennst das. Wird man beirichtiger Behandlung so etwas wieder vollkommen los Ich muss wieder voll1 bewegungsfähig werden, denn Maria kann unmöglich das Schicksal von vier Menschen materiell steuern ihr eigenes, meins, das unseres 63 Jahre alten erwerbslosen Schwagers,-für den wir noch immer keine Beschäftigung gefunden haben, und das unseres 13 jährigen Neffen, der uns manche Sorge, aber trotzdem sehr viel Freude macht.. well*** er ein hübscher, intelligenter, temperamentvoller Junge 1st, der schon den ganzen Rest der erhalten gebliebenen Bücher verschlungen hat, von de Cost rs Till ulenspiegel angefangen, über Oscar Wildes Märchen, bis zu Feucht angers Jüdischem Krieg und H.G.Wells' Geschichte der Welt. Es sind wieder vier inhaltsreiche, erfreuliche, bedrückende, erleichternde, verstehende, dankende und bittende Briefseiten geworden. Nehmt es nicht tragisch, was vielleicht so klingt. Ihr habt nämlich recht: wir sind jung( Maria wird am 5. Mai 40 Jahre alt, ich in Juni 38), habe bewiesenermassen( wenn nicht gerade ischias- gehemmt) Schwung, Vertrauen, eas Hoffnung, Optimismus, und den grossen Wunsch, Euch zu besuchen. Vorläufig dürfen nur polnische( oder überhaupt ausländische) KZ'ler und- am rikanische Statsbürger hinüberfahren, aber ich hoffe, dass doch einm Deine Erweiterung gemacht wird und alle die hinüberdürfen, die Angehörige drüben haben. erfahren solltet und glaubt, dass sich das rklichen lässt, schreibt es uns! wenn auch nur zu Besuch Sobald Ihr etwas darüber. kautions- mässig usw. verwir Auch wenn ich diesen Brief geschrieben habe, so ist jedes Wort gleiche massen von Maria. Wir umarmen Euch guten mit der ganzen Dankbarkeit, die sich nur eben durch dieses Wort ausdrücken lässt. Eine andere Form werden wir zu einer anderen Zeit finden, wenn diese Zeit da ist. In Liebe und mit allen Grüssen, auch an Käthe, durch deren Tüchtigkeit wir uns über alles freuenkönnen, was uns erreicht, Euer und and as alle Jan itu saaor 10. d 62 us felv dou de Mrs. Marie Juchacz 339 EAST 173RD ST. NEW YORK 57, N. Y. TEL. TREMONT 2-4484 .si Tedsil den 12.April 1946 Fritz, mein lieber Junge, die Post hat nun offen und man kann sich etwas ueber das private Ergehen schreiben. Wir sind natuerlich in grosser Sorge um Dich und haetten gerne bald eine Nachricht von Dir. Ich habe in der gleichen Weise am Lotte geschrieben, habe sie gebeten sich doch um Dich und Dein Ergehen zu kuemmern. Vielleicht kann sie das tun, ich weiss ja nicht. Uns sind doch viele Dinge dort recht fremd. Ich hoffe, wir werden nun naechstens unseren Neffen Paul sehen, der wieder im Lande ist. Er ist bei seinen Eltern, das sind immerhin so zweiundeinhalb Bahnstunden von New York.Sage Deiner lieben Maria meine schoensten Gruesse und Wuensche, sie ist in unsere Sorge mit eingeschlossen.-- Schreibe uns ueber Euer Ergehen, was Ihr jetzt tun koennt ob Ihr gesund seid, womit man Euch, wenn auch die Paketpost offen ist, etwas helfen kann. Das ist kein leeres WAR Wort, wir meinen es wirklich so. -100dmexul ni Natuerlich war die Freude bei Onkel Robert und Tante Ida gross, als der Paul endlich wieder daheim war.Es ist eine komische Sache, wie klein und eng die Welt sein kann bei all der Weite, bei aller Ueberwindung der Weite und Groesse durch die modernen Verkehrsmittel.Man wird ein wenig traurig dabei, wenn man ploetzlich sieht, wie ein enger Raum die ganze Welt bedeutet. Ist es auch dort so? Ueberall? Trotz allem, was wir erlebten? Was sollen wir weiter schreiben. Auch hier ist alles eingeengt Seid sicher, dass wir mit unserem Denken, mit unseren waermsten Gefuehlen bei Euch sind und dass wir uns sehr freuen werden, wennn wir etwas angenehmes und Gutes von Euch hoeren, dass wir uns aber auch ueber Euer Vertrauen freuen, wenn es nicht nur Gutes.ist, was Ihr mitzuteilen habt. 2 Eure Eure to ta ted OV по gr. Mitti ル 293 to Lieber Fritz, liebe Maria, mass der grosse Mutti hat alles was uns im Zusammenhang mit Euch bewegt, schon gesagt. Mir bleibt, ( im Vertrauen, wie immer) nicht mehr viel zu sagen uebrig. Natuerlich ist, dass uns alles, was Euch angeht, interessiert, Auch das, was im allgemeinen als Kleinigkeit abtut und worueber man im allgemeinen nicht spricht. Aber nach so langen Jahren der Trennung, dabei lange Zeit, in der uns von den Nazis verbrecherischer Weise heraufbeschworene Krieg wie ein eiserner Vorhang voellig voneinander abschloss, ist auch das kleinste wichtig, mindestens interessant Solange wir die hervorragende Gastfreundschaft der Franzosen geniessen konnten, haben wir dann und wann wir durch einen Schleier doch noch etwas von dem uns vertrauten Deutschland sehen und hoeren koennen. Aber als wir auch dort unser Buendel schnueren mussten, war es ganz aus. Ich habe kurz nach unserer Ankunft hier an meinen Bruder August einen Brief geschrieben im Juni 1941, also vor der Kriegserklaerung Hitlers an Amerika-, ob der je angekommen ist, weiss ich nicht. Naechstens werde ich August danach fragen.- Ich werde einmal wenn die Zeit gekommen ist, genauer aufschreiben, was wir alleserlebten. Neben bitteren und harten Dingen -und ungefaehrlich war es auch nicht gerade, wenn man z. B. gerade an dem Tag und um die Stunde, wenn Hitler wieder einmal ein unschuldiges Land ueberfiel, dort war, wie am 10.Mai 1940 in Luxembourg- auch viel freundliches, menschliches, gutes. Ich habe schon einmal von den Bauern in den Pyrenaen gesprochen, bei denen wir nach unserer Flucht im Juni 1940 Unterschlupf fanden. Schon mehr als einmal habe ich gesagt, dort bei diesen geraden, aufrechten, aus einem Stueck geschnitzten Menschen koennte ich leben, mit ihnen in Feld und Wald sinnvolle Arbeit tun, mich mit ihnen freuen in der bescheidenen Weise, wie sie es gewoehnt sind. Mit unsern Nachbarn von damals stehen wir heute wieder und noch in Verbindung.- Und auch von hier werde ich dann sprechen. Von diesem grossen, schoenen, rei chen Land, das uns in so wundervoller Weise und mit einer unnachahmlichen fra Geste Zuflucht und Obdach gewaehrte. Heute vor einem Jahr ging was menschlich war von Roosevelt fuer immer von uns. Aber sein Geist und seine Ideen leben. Er war einer der groessten Maenner nicht nur dieses Landes, nein der Menschheit ueberhaupt. Von ihm und seinem Wirken wird in Wahrheit" erst die Nachwelt zeugen.." Wo in der Welt waere es sonst moeglich gewesen, dass wir Angehoerige einer Nation, die an dieses Land den Krieg erklaert hatte, voellig ungestoert leben und unserer Arbeit nachgehen konnten. Anfangs 1942 mussten wir als" Enemie Alien" registrieren. Und dann haben wir nichts mehr gehoert; nicht ein einziges Mal wurde ich oder jemand aus meinem Bekanntenkreis nach unserer Legitimation gefragt. Und niemand stoerte es, wenn auf der Strasse oder in Lokalen deutsch gesprochen wurde. Das ist gross, wie nur eins in der Freiheit gross gewordenes Volk gross sein kann. Aber darueber spaeter mehr. Heute nur noch viel herzliche und gute Gruesse, Wuensche fuer Euch beide und die Freunde und das Versprechen, bald wieder zu schreiben. Euer Emil NUN IST ES DOCH MEHR ABGEQUÄLT HAT. UND LANGER GEWORDEN, ALS ATSCH!!! DAS, WAS SICH GR. MOTTi Ernst Langendorf am 22.Jan. 46 ( eventuell fuer Frau Reventlov) 9 oz Schokolade, 1 Pfd, getrockenete Birnen, 1 St. Seife( gross) 1 P. Tee, 2 Teigwaren, 2 PalmoloveSeife 1 Pfd.Kaffe, 1 Pfd. Reis, 1 Leberpaste, 1 Dose Brotaufstrich, 1 Pfd.Zucker, 1 Dose Milch, 3 Cigaretten, 1 Dose Wuerstchen, 1 Brotaufstrich( Ham am 12. Januar fuer Fritz Roehl 1 Dose Kaffe, 1 P. Kaffee, 1 Dose Milch 1 Pfd, Fett, 1 Lebepaste, 1 P. Cacao, Olivenoil, 3 T. Schokolade, Aprikosen, 8 P. Chesterfield, 1 Oilsardinen, 1 P Tee, 1 Seife( gross) 1 P.Zucker, Dises Pak, kam zurueck am 28. Febr.mit Vermerk: No record und unleserlichen Initiales. An Col, Beine neu adressiert am 2, Maerz 1946. PRITZ Fritz, mein lieber Junge, 22.Maerz 1946 vor mir liegen drei Briefe von Dir, einer vom 29. Jan.an Robert Kirschmann gerichtet.Wir dachten erst, dass wir ihn weiter leiten muessten.Robert war grade am Tage des Briefempfangs hier( Meriden ist zwei Bahnstunden entfernt und sagte uns, dass er seinen Brief hat.So war es zugleich an uns gerichtet und wir freuten uns doppelt ueber all die schoenen Nachrichten. Von diesem Brief notierten wir uns auch die Adresse des Mr Beine. Dann ist da ein zweiter, sehr kurzer Brief, ers scheint in Eile geschrieben zu sein, trotz der drei sorfaeltig geschriebenen Adressen, denn er taegt gar kein Datum. Der Poststempel ist 15.Febr., eingegangen ist er am 11.Maerz. Er war also unverhaeltnissmaessig schnell hier.Er enthielt die Bilder, die uns wirklich sehr viel Freude machen.Sobald wir von uns picturs haben schicken wir sie Euch. Dass Ihr nun endlich untereinander Fuehlung habt, Ihr Kinder dort drueben, ist sehr schoen und ein besonderer Trost. Nichts ist so schlimm als sich ganz allein zu wissen. Ehe ich zu dem dritten Brief komme, will ich noch etwas ueber dqs Paket sagen, das Du bekommen hast.Wir schickten ungefaehr zur gleichen Zeit, d.h. in kurzen Abstaenden, an die Adresse von Langendorf, wohl drei oder vier Pakete.Darunter war eines fuer Dich, ens fuer Else Reventlow( ich weiss garnicht wo sie wohnt, weiss nur dass L.mit ihr Fuehlung hat. Ein drittes fuer Elso Pfau, geb.Fey an der Bergstr.Das fitt sollte wohl fuer L.selber sein oder zur freien Verfuegung, wenn erd den Inhalt nicht oder nicht ganz brauchen kann. Das machen hier viele so, wir sind froh, wenn wir eine solche Adresse haben und unsere Freunde brauchen doch Aufmunterung..... Nun kam aus nicht aufzuklaerenden Gruenden nach laengerer Zeit eins der Pakete zurueck.Als wir die unversehrte aeussere Huelle abmachten, war es das fuer Dich bestimmte und auch bezeichnete, dass wir Deinen Wuenschen entsprechend gefuellt hatten.Kaethe, die Unermuedliche und sorgsame, die ihre ganze freie Zeit und mehr als Paketmeister opfert, versah diesen unerwuenschten Rueckkehrer sofort mit der neu erhaltenen Adresse B... und expedierte es.So I hast Du also wahrscheinlich, so nehmen wir an, das fuer Else R.bestimmte erhalten.Gib aber bitte davon nichts an sie ab und mache keine Geschichten, die nur Konfusion stiften.An L.geht fuer E.R. ein neues Paket und ein dazu geschiebener Brief ab. Und nun lass bitte solche Fragen wie: Soll ich dritteln usw.Nein, Du sollst nicht.Man muss sich das Leben nicht noch umstaendlicher machen als es die Umstaende erfordern.Wir dritteln hier.Wir schwimmen nicht in Reichtuemern, aber wenn wir freiwillig XXXXX etwas schicken, dann geht es in Ordnung. Und wir entbehren selber nichts dabei, haben nur die Freude.-- So wirst Du auch, wenn Herr B.es bekommt, die Mierendorf- Broschuere darin finden. So, nun kommt der dritte Brief.Wir danken Euch beiden fuer die Bilder und das Program" Der Bunte Wuerfel".Gratuliere liebe Maria, es ist gut etwas schaffen zu koennen, wozu man die innere Berufung fuehlt.Die Bilder scheinen doch in Eurem Tuskulum gemacht zu sein, sie zeigen das Milieu.-- Und vielen herzlichen Dank fuer das Vertrauen, dass Du lieber Junge uns mit dem Brief schenkst.Es ist umso groesser und wird von uns so geschaetzt, weil Du weiss, dass wir Dir nicht helfen koennen, wir koennen nur an Dich und Deine Gesinnung glauben und Dir das sagen, dass wir an Dich glauben. Aber ich schicke diesen Brief ueber Lotte an Dich.Erstens, um sie zu informieren und zu fragen ob sie einen Weg sieht um Dir rechtlich zu helfen- und moralisch. Dann aber auch aus anderen Gruehden.Ob ich jetzt die Adresse B.benuetzen kann, hast Du nicht mitgeteilt.Unterleiter ist vielleicht schon auf dem Weg hierher. Langendorfs neue Adresse muss ich erst wieder bekommen usw.---- Ich muss Deinen Brief in seinem Teil, der sich mit der Entwicklung in der Heimat beschaeftigt, erst noch einmal ganz aufmerksam lesen, deshalb gehe ich darauf in diesem Zusammenhang nicht ein, sondern beschaenke mich auf das, was ich zu Deinen peroenlichen Sorgen zu sagen hatte. Es ist mir ein Trost zu hoeren, dass Dir Maria ein guter Kamerad ist. Immed Eure Grasse Mutti Liebster Fritz, liebste Maria, den 25. Maerz 1946 der letzte Brief hat uns sehr bekuemme rt, weniger, wegen der materiellen Schwierigkeiten, die mit der neuen Situation verbunden sind; die seelischen Depressionen, die damit verbundene Mutlosigkeit, sind schlimmer, viel schlimmer. Und deshalb ein Wort dazu: Lasst Euch nicht niederdruecken. Ihr seid durch schwere Kuemmernisse gegangen, habt Leid und Qual erduldet, habt sicher manchmal nur in eine Schwarzes Loch ohne den geringsten Schimmer licht gesehen und es hat doch ein Ostern fuer Euch gegeben. Wir verstehen, schon alle in die Anschuldigungen und dann spaeter der Urteilsspruch musste einen gewaltigen Schock ausloesen und wir begreiefen die Reaktionen.( Nebenbei: im alten preussisch en Militaerreglement gab es eine Bestimmung, dass der Soldat, bevor er sich wegen eines wirklichen oder vermeintlichen Unrechtes beschwerdefuehrend an die vorgesetzte Behoerde wenden konnte, erste vierundzwanzig Stunden ins Land gehen lassen musste. Das war eine weise Bestimmung.) Ak ich bin ueberzeugt, vierundzwanzig Stunden spaeter sah auch fuer Euch die Sache ein wenig anders aus. Ihr hattet Zeit, Euch mit den Vorwuerf en sachlich zu beschaeftigen und habt nicht mehr ausschliesslich gefuehlsmaessig reagiert, habr nicht nur mehr das Unrecht gesehen sondern auch die Hintergruende und Gruende, die zu dem sachlich nicht haltbaren Urte il fuehten.F- Darf ich einmal meine Meinung sagen, ohne die Maenner, die die Inverstigation machten zu kз*** и entschuldigen? Soviel ich weiss, wird die Untersuchung von einer bestimmten Stelle, auf die die Maenner, mit denen Du arbeitetest, gar keinen oder nur sehr beschraenkten Einfluss haben. Fuer diese Investigierungsstelle gelten die Bestimmungen, die fuer den besonderen Zweck ausgearbeitet wurden. Nach den international gleichmaessigen militaerischen Begriffen gehoert der Dolmetscher der feindlichen Armee, ganz glaich welche spesiellen Aufgaben er hatte, zur sogenannten Abwehr und es werden zur Beurteilung des Mannes und seiner Handlungen die Begriffe angewendet, die fuer die eigenen Leute in gleicher Position gelten. Dolmetscher werden sehr oft, vielleicht meistens dazu verwendet, militaerisch wichtige Auskuenfte von den Gefangenen zu erhalten. Sehr oft werden dabei Mittel angewendet, die im normalen Leben nicht als" fair" angesehen werden. Und so kommt es, dass Dolmetscher allgemein von vornherein als suspekt gelten. Und so hattest Du von vorneherein m.E. mit dieser Vore ingen ommenheit zu rechnen.- Aus Deinem Brief entnehme ich, dass Deine unmittelbaren amerikanischen Vorgesetzten ein gutes Verhaeltnis zu Dir haben. Sie konnten sich inzwischen nicht nur ein Urteil ueber Deine sachlichen Qualifikationen hilden, sondern haben Dich auch als Menschen kennen gelernt und konnten sich davon ueberzeugen, dass Du trotz Deiner Position in der Nazi- Armee immer und stets ein Antinazi gewesen bist. Und darauf musst Du bauen. Die Amerikaner im allgemeinen sind gerecht und scheue n sich nicht, ein Unrecht einzusehen und wiedergutzumachen. Wenn Du die Unterstuetzung des Herrn van Loon und anderer hast, wird das ganze boese Erlebnis bald wie ein schwerer Traum hinter Euch liegen.- Bitte, lasst alle dummen Gedanken fahren. Ihr seid beide noch jung und habt das Leben noch vor Euch. So leicht wirft man die Knarre nicht ins Korn und nicht selten sieht das was heute schwarz in schwarz erscheint morgen wieder grau und uebermorgen licht aus. Wir glauben an Dich und an Euch. Ihr muesst nur selber auch an Euch glauben. Fritz sagt, er sei uebe rzeugt auf seine Weise am Wiedeeaufbau nuetzlich sein zu koennen und etwas zu leisten. Also, bitte, hier ist eine Aufgabe. Ihr koennt aber nur Euren Teil zur Loe sung beitragen, wenn Ihr Vertrauen zu Euch selber habt.- Seht, die Jahre der Emigration waren fuer uns auch keine reine Zuckerlecke. Auch wir haben manchmal am Abend nicht gewusst, was das morgen bringen wuerde. Ich war das letzte halbe Jahr in Franreich von den franzo esischen Chergen der Gestapo staendig unter Beoach tung und es 7 ist mehr als ein Glueck, dass ich zum Schluss doch noch heil entweichen konnte. Und wir haben den Mut nicht einen Augenblick verloren. Nehmt Eure Herzen in die Hand, habt Mut und Vertrauen zu Euch selber und es wird alles gut werden. Und Du, lieber Fritz, denk an Deine Mutter Ich gruesse und umarme Euch beide Euer Rich 20. März 1946. Liebe grosse Mutti Tante Mi, lieber Emil, seit meinem letzten Brief an Euch habe ich keine Post mehr von drüben bekommen. Ich weiss nicht, ob und an wen Ihr geschrieben habt. Vielleicht geht auch ehmal etwas verloren.- Ich hätte in meinem letzten Brief bereits an Tantex Mi.s Geburtstag denken können, aber da ging es in menem Kopf reichlich verworren zu. Aber am 15. März habe ich an Dich gedacht, grosse Mutti, und dachte jedes Jahr daran, denn am 15. März 1936 sass ich mit Maria Neppert- Boehland in Berlin in einer Bar und unterhielt mich mit ihr inmitten von sehr schräger Tanzmusik, Stimmengewirr und schlürfender Tanzschritte, tanzte auch mit ihr, brachte sie nach Hause, sate brav auf Wiedersehen bis zum nächsten Morgen, und war am nächsten Morgen zum Frühstück da. Wenige Wochen später setzten wir uns in einen Eisenbahnzug, fuhren nach München, wo wir uns noch Dinge enkauften, die man baucht, wenn man gen Süden fährt, und waren einen Tag später in Venedig, das wir zwei Tage genossen, um dann mit einem jugoslavischen Dampfer die ganze dalmatische Küste entlangzufahren, bis herunter nach Hercegnovi in der Boka Cotorska, der Bucht von Catarro, in der eine mit Cypressen bestandene Insel liegt, die angeblich Modell gestanden hat für Böcklins Toteninsel. Mit dem Auto fuhrenwir dann nach Dubrovnik zurück, und setzten von dort zur Insel Korcula hinüber, auf der wir vier Wochen blieben und Gott und die Welt vergassen. Maria malte herrliche Aquarelle, ich fotografierte, schrieb, machte mit eher Schmalfilmkamera einige Kurzfilme, deren Originale ich noch heute habe. wischen sind lo Jahre vergangen. Auch die Schmal fimkamera ist vergangen, d.h. sie wurde annahmeweise gestohlen, denn als ich im Juni 1945 nach dreijähriger Abwesenheit nach München zurückkam, waren inzwischen so viele Menschen in meñen Sachen ein- und ausgegangen, und dabei war dann auch vieles mitgegangen. Und weil das vor genau lo Jahren am 15. März war, und weil ich damals zu Maria sagte, dass wir uns diesen Tag leicht merken könnten, denn es sei Dein eburtstag, deshalb deke ich an diesem Tag auch besonders liebevoll an Dich. Inzwischen hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Ich weiss nicht, ob Du den Brief bekommen hast, in dem ich mitteilte, dass Schwierigkeiten enstanden sind, weil auf Grund einer amerikanischen Verfügung alle Sonderführer eingespert wurden. Ich war ja nun auch einge Monate lang Sondeführer, aber als Dolmetscher in eiem Kriegsgfingnenlager. Ich schrieb Euch ausführ lich, was ich damals machte, um den franz. Kriegsgefagenen zu helfen, und wie ich ihnen wirklich half. da Meine amerikansche Dinststelle hatte sich nun bemüht, um diese Dige karzustellen, mit dem Ergebnis, dass ich noch einmal zu CIC vorgeladen wurde und dort mehr als eie halbe Stunde lang alles sagen konnte, was es zu sagen gab. Aber auf das Ergebnis dieser Vorladung warte ich heute noch. Vielleicht kommt es morgen oder überargen. Wenn es heisst, dass ich meie Arbeit fortsetzen kann, werde ich imTheatre Control Office weiterarbeiten, und Capt. Van Loon hat sich in ener Weise um mich bemüht, die fast schon väterlich it. Dann werde ich ehe Lizenz Sine Kunst- Zeitschrift beantragen, die ich inwithchen als Rubin Probenummer fertiggehabe. Ich schrieb auch schon davon. Sie heisst capo und befasst sich mit Theater, Musik, Tanz, Rundfunk, Kabarett, Keinkunst, Zirkus, Presse, Literatur, Film, Malerei, G@ aphik, Bildhauerei usw. Und da hätte ich gleich eine Bitte: wisst Ihr eie Möglichkeit, wie ich Material aller Art aus den genannten bieten aus Amerika bekommen kann? Ich denke an Text- und Bildmaterial, textliche Informationen über das, was sich in Amerika auf diesen Gebieten tut, Beiträge massgebender Persönlichkeiten, die ich später einmal, wenn ich in drei Sprachen erscheine, selbstverständlich auch englisch drucken will, Bildmaterial, das sich durch das Thema und die Art, wie das Thema fotografiert wurde, von der Schablone entfernt. So suche ich im Augenblick für ehe zweiseitige Veröffentlichung eine Luftaufnahme von New York, und dazu- gewissermassen als Rahmen- eie Aufstellung aller Arten von Theater, wie sie augenblicklich in New York spielen, sowohl der ernsten Theater, Oper und Schauspiel, als auch der Revuen, Cabarets, Shows usw. Ich könnte mir auch manches textlich Interessante aus irgendwelchen Zeitungen und Zeitschriften heraussuchen, wenn ich diese Zeitungen und Magazine hätte. Mein d a capo wird allerdings ene ausgesprochene Kust- Zeitschrift von hohem Niveau. Wenn Ihr mir da einige Tips, Praktische Ratschläge oder auch direkte Hilfe geben könntet, wäre ich Euch sehr, sehr dankbar. Nur müsste man dann noch den Weg finden, wie ich dieses Material bekomme. In diesem Falle liesse sich alles mühelos, da es ja ohne Brief denn ich abgige, an Van Loons Anschrift schicken, mit einem kleinen Vermerk" For da capo", werde durch Van Loon und Behr bereits lebhaft uherstützt. Durch Behr soll ich England- Material bekommen. Zur Zeit besteht allerdings keine Möglichkeit der Honorierung irgend einer Mitarbeit. Ich könnte bestenfalls - 2- Mitarbeit. Ich könnte bestenfalls eige Exemplare von da capo herüberschicke, was auch eine gute Werbung bei den an den Ereignissen in Deutschland iteressierten, im Ausland lebenden Deutschen wire. Aber das liegt alles noch etwas fern( nur, man muss so etwas rechtzeitig diskutieren). Ihr seht, dass ich trotz meiner augenblicklichen Lage- ich arbeite zur Zeit icht im Theate Control Office- den Kopf nicht siken lasse. A uch Maria behält ihn oban, und wie das aussieht, zeigen die Bilder, die zum grössten Teil est vor wenigen Tagen aufgenommen wurden. Das Bild" Mike Maria" war das Auftakt- Bild für ein Album, das wir zum Geburtstag Van Loons zusammengestellt haben. Das Plakat an der Wand ist das von Maria gemalte Eröffnungsplakat der Klenkunstbühne" Der bunte Würfel", die am glichen Tage von Van Lonas Geburts tag hre Pforten mit ein sehr hübschen Progamm öffnete. Bid Nr. 2 zeigt Maria beim Malen ener Moritat, die nicht nur gesungen und mit diesen Bildern vorgetragen wurde, sondern anschliessend an jeden Vers wurde der gesungene Vers von drei begabten jungen Leuten getanzt. Auf Bild Nr. 3 blättere ich das fast vollendete Vorlage- Heft von da capo durch, sehe reichlich elend aus, woran auch mei einziger guter schwarzer Anzug und das eizige weisse Hemd nichts ändern können. Ausserdem lag mit noch der Schock im Körper. Darüber noch eine Klenigkeit nachher. Erst die Bilder: auf Nr. 4 und 5 blättern Maria und ich in einem von uns für uns angelegten Album, in das alles hinenkommt, was uns menschlich d geistig getifft und bewegt, Einladungskarten von Theatern mit den dazugehörigen Kritikannd unserer eigenen Meinung, ein Bild eines uns befreundeten Tänzers mit eier klenen Zeichnung von Maria, einige Gedanken enes guten" enschen, mit dem wir eie Stunde verplauerten( wir haben enige wenige hr gute Menschen in unserem Kreis), ein besonders interessanter Brief enes guten Freun des, usw. Auf Bild 4 betrachtenwir uns gerade höchst interessiert enige Farbabbldungen moderner amerikanischer Malerei.- Zu Nr. 6 ist nicht viel zu sagen, nur: das und so Maria. Das gilt auch für Bld Nr. 7. 8a und 8b sind unverkenbar. Ich habe vor einigen Tagen en Bild von Mutti daneben gehalten nd eine sehr weitgehende Ähnlichkeit festgestellt. Bild Nr. 9 zeigt en klenes frugales Abendessen, das die Direktion des Bunten Wirfels der Renatastrasse gab. Ausser den beiden Direktoren und Gattinnnen und den drei Vertretern der Renatastrasse( Van Loon, Sgt. Behr und ich mit Maria) nahmen noch Claire Waldoff und Barnabas von Gezy teil. Ein ähnliches Bild ist schoneimal an Euch abgegangen. 82 ist Und zu der Kleinigkeit betr. Schock im Körper: ich muss mir" damals", es ist jetzt schon 6 Wochen her, in den acht Tagen, in denen ich in der kalten Zelle auf dem Boden hauste, etwas geholt haben, was icht Rheuma oder Ischias ist, sondern eine fantastische Nerven- Entzündug, die an manchen Tagen meine ganze rechterhintere Hälfte lahmlegte. Ich bin ganz und gar nicht zuperlich, und es muss schon recht heftig sei, wenn ich schlapp mache und mich hinlege, aber das war der Fall. Ich konnte an manchen Tagen nicht krauchen, und auch jetzt ist es noch nicht ganz überstanden, obwohl ich so tue, als sei nichts mehr. Aber auch das geht vorüber. rm Ein guter Junge mit Namen Joseph Morissey war in den Tagen des Überganges von den ersten Besatzungsschrecken bis zur mehr und mehr beginenden Fraternization unser treuester Freund, ohne dessen Hilfe wir mit tausend Dingen nicht fertiggeworden wären. Dieser Joe wurde eines ges plötzlich discharged, verliess uns und München, wir schriben ihm, und er uns, wir hickten ihm Kleingketen, aus denen er entnehmen konnte, dass wir an ihn dachten, aber jetzt ist der Faden plötzlich abgerissen. Vieleicht weiss er nicht, wohin er seie Briefe adressieren soll. Ich würde mich freuen( und er sich auch!), wenn Ihr von dort einmal Verbindung mit ihm aufn hmen wirdet. Er könnte Euch sehr viel erzählen, wie er uns hier antraf, wie er uns half, welche Freude wir an ihm hatten, und wie traurig es eigentich war, dass er so plötzlich fortmusste. Wir versprachen ihm, ihn zu besuchen, wenn wir eimal dri ben sein sollten. Er wollte mit uns sein wie mit Bruder und Rohwester. Und da er wirklich ein Prachtkerl ist, schreibt ihm dooh mal: Mr. Joseph Morissey, 112 Duncan Aue., Jersey City, 6, New Jersey. Eine zweite, diesmal verwandte Linie: ein Veter von Maria mit Namen Sascha Greiner, ameri kanischer Staatsbürger, drüben seit mehr als 15 Jahren, ist uns verlorengegangen. Als Marias Mutter das letzte Mal von ihm hörte, lautete seine Anschrift: Mr. Alexander W.Greiner, Steinway Hall 109 West, 57th Street, USA, Er war Steinway- Vertreter und arrangierte inst lerkonzerte. Reagieren wird er auf den Namen Adelhaid Neppert, das ist Marias Muter und seine Tante. Wenn Ihr darüber etwas feststellen könntet, wirdet Ihr Marias Angehörigen eine grosse Freude machen. Wenn Ihr ihn entdeckt, könnt ihr ihm folgendes mitteilens Seine Tante Adelhaid Neppert lebt in eiem Altersheim in Bad Pyrmont, sein Onkel Hermann Alexander Neppert ist im Herbst 1944 gestorben und liegt in Aargenau in der Nähe von Posen, wohin er evakuiert war und wo er wieder amtierte, begraben. Madlene ist zur Zeit arbeitslos und versucht, ehen Weg zu finden, um sich ihr ferneres Leben einzurichten. Musizieren -3wird sie einstweilen nicht, ihr Flügel sowie ihr anderes Gut hat den Krieg nicht überstan den. Alles andere wird ihm xinxitakke direkt von seinen anderen Angehörigen mitgetelt, wenn eine Verbindung hergestellt ist. Ich weiss icht, ob ich Euch schon mittelte, dass unsere" Familie" inzwischen Zuwachs bekommen hat: eine Schwester von Maria, Toni Hoppe, ist im Dezember plötzlich gestorben. Wir standen uns sehr, sehr gut mit ihr, sie hatte einen reizenden Jugen und einen schon sehr alten Mann. Diesen alten, 63jährigen Mann und den 13jährgen Jungen habenwir zu uns genommen, der Mann ist arbeitslos, und der Junge geht in der Woche zwei Mal für wenige Stunden in eine ungeheizte Schule, um sáh zu erkälten und nebenbei etwas zu lernen. Die Lage ist etwas eingeengt, in jeder Beziehung, der Vater ist plötzlich inerlich so alt geworden, weil sein Leben leergeworden ist, denn ein 13jähriger Sohn kann einer trauernden alten Seele nicht viel helfen, und das Verhältnis zwischen diesen beiden Menschenkidern ist wegen des Altersunterschieds recht problematisch. Aber Maria und ich komman mit dem Jungen ausgezeichnet zurecht, wenn es auch nicht einfach ist, die Kriegszeit, die das Kind erlebte und die überall ihre Spuren hiterliess, auszulöschen. Diese Jugend ist verhältnismässig wild aufgewachsen, die Eltern konnten sich nicht so um alles kümmern, wie es notwendig gewesen wäre. Aber der Bengel ist klug, begabt, geschickt, hat einen klaren Charakter und findet sich it seinen 13 Jahren wunderbar in der Welt zurecht. Wir erleben die schönsten Sachen mit ihm, und es macht ihm Freude, sich von uns erziehen zu lassen, und uns auch, Hoffen wir nur, dass ich bald wieder mitverdienen kann, sonst wird es für Maria allene zu viel, und ann haben wir vom Waffenstillstand und vom späteren Frieden und damit von unserem Leben arnichts mehr, wo es doch i unseren Köpfen nur so spukt von schönen Ideen und Möglichkeiten, aufzubauen, mitzuhelfen, Schönes zu formen. Lotte schrieb mir vor 14 Tagen ohen Brief, in dem sie einen guten Freund ankündigte, der sich bei mir melon wollte, und sich nicht gemeldet hat. Das ist schon der zweite Fall von Fehlalarm, Sie schreibt in ihren seltenen Briefen drei rätselvolle Sätze, und nie etwas von sich selbst. Aber sie scheint wieder arbeiten zu können, denn sie hat sich Briefbogen und Umschläge mit ihrer Anschrift als" Rechtsanwältin" drucken lassen. Also auch bei ihr gottlob ein neuer Anfang. Paul schrieb munter von seinem Gut, erzählte von seinen Buben und seiner Freude an der neuen, wenn auch harten Arbeit. Wenn die Zonengrenzen offen sind und man mit weniger Mihen sich bewegen kan als jetzt( jetzt ist es sowieso meist lebensgefährlich), werde ich ihn aufsuchen. Paul Kirschmann rief mich vor mehreren Tagen aus Linz an. Er war von sei em DeutschlandTrip aus Idar- Oberstein nach Wien zurückgekehrt und gleich nach Wien beordert, um von dort aus entlassen zu werden, was am 18. März vor sich gehen salte. Wenn Euch dieser Brief erreicht, wird er schon längst bei seiner Familie in eriden sein und mündlich von señen Bosuch bei uns berichtet haben. Noch heute geht ein Brief mit ähnlohen Fotos, wie sie diesem Brief beilieger an Onkel Robert ab. Damit das geschehen kan, muss ich jetzt schliessen. Diesen Brief nimmt ein Corporal mit, der discharged wird, aber die Absicht hat, als Civilian an sene Wirkungsstätte beim American orces Network zurückzukehren. Er wird diesen Brief wahrscheinlich von Boston aus befördern. Wenn er nach Deutschland zurückkehren sollte, steht mir seiene Anschrift zur Verfü gung. Wenn er...! Bis dahin misst Ihr beiden versuchen, mich so oder so brieflich zu erreichen. Irgendwie wird es schon geligen. Dr. Schumacher war heute in München und hat hier vor der SPD gesprochen. Leider kam eine berufliche Sache für Maria von auswärts dazwischen, sodass eh im letzten Augenblick undis ponieren musste und nicht hingehen konnte. Er hätte sich wahrscheinlich sehr gefreut. Aber auch diese Verbindung wird demnächst hergestellt. Lasst bald von Euch hören, und lasst mich nicht so lange warten wie ich Euch warten liess. Send herzlichst gegrüsst von Burem Maria, die Troue, sitzt nebenbei auf der Couch und legt sich ein neues Arciv über ihre neuen Arbeiten in diesem neuen Leben an. Bis jetzt sind es Plakete, Bühnenbilder, ein MünchenHeft( Old- Munich, das auch an Euch abging!), und einige andere Kleinigkeiten. Ihre Stärke ist allerdings dekorative Malerei.( Und ihr prächtiges Mensch- Sein). Sie grüsst Euch herzlichst. Sollten wir mal für einen Sprung rüberkommen zu Buch, malt sie einigen Leuten ein paar tolle Kleider. 20. März 1946. Liebe Tante Ida, lieber Onkel Robert, lieber Robert und vielleicht bist du als" Discharg ed" bereits engetroffen lieber Pauk, eben habe ich einen drei Seiten langen Brief an Mi und Emil nach New York geschrieben, und da die Mitternacht schon längst vorüber ist, wird dieser Brief nur kurz, aber insofern inhaltsreich, als er eine ganze Reihe Bilder enthält, die Euch bestimat Pudude machen. Die ganz kleinen Bilder wurden gemacht, als Paul auf seiner Fahrt von Wien nach Idar- Oberstein in München für eine Nacht Quartier machte, und die anderen Bilder lessen wir jetzt extra machen, um sie an Euch drüben zu schicken, Paul wird Euch erzählt haben, wie er uns hier angetroffen hat, was wir machen, wie wir versuchen, wieder Wurzeln zu schlagen, und wie es der übrigen in Deutschland zurückgebliebenen Familie geht. Inzwischen hat sich in meinem Leben einiges verändert, was hoffentlich nur vorübergehend ist. Emil und Mi können Euch Genaueres darüber mitteilen, ich möchte es in diesem Brief nicht noch einmal tun. Ich rechne nach wie vor ganz fest damit, dass es einmal möglich set wird, seine Angehörien wenn auch nur besuchsweise für kurze Zeit drüben aufzusuchen. Das ist der Tag, auf den ich mich am meisten freuen. Es heisst hier, dass man sich schon jetzt anmelden kann, um eventuell schon im Herbst damit rechnen zu können. Ich will in den nächsten Tagen genaue Erkundigungen einziehen, vielleicht ist irgend eine Bestätigung von drüben erforderlich, und das muss man sich rechtzeitig beschaffen. Ich gab Euch einmal die Anschrift von Colonel H.E.Beine an. Solltet Ihr an diese Adresse geschrieben haben, dann ist leider bis jetzt nichts angekommen. Das beste wird sein, wenn Ihr Eure Antwort an Capt. Van Loon richtet, der sie mir dann weitergibt, obwohl ich das gerade deshalb bisher vermeiden wollte, weil Van Loon ein so fabelhafter Mensch und fast wie ein Vater zu mir ist, sich in allen Dingen mit mir die grösste Mühe gibt und hilft, wo und wie er nur helfen kan. Aber gerade weil er anderen abgeschlagen hat, seine Anschrift zu benutzen, möchte auch ich so wenig wie möglich Gebrauch davon machen. Das wird sich aber im Laufe der Zeit alles irgendwie regeln. Ich teile Euch das rechtzeitig mit, damit in unserer nun wieder aufgenommenen Verbindung keine spürbare Lücke eintritt. Meine Frau Maria, die Euoh gerne alle kennenlernen will, und ich grüssen Euch alle gans herzlich und warten auf eine baldige Antwort an Euren Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching, Haselburgstrasse 6- 40 857 22/2/46 Sehr geehrter Herr Unterleitner, vielen herzlichen Dank fuer die Briefe. Leider bleiben Sie nicht mehr lange in Nuernberg, ich haette Sie sonst gar zu gerne missbraucht. Aber dieses eine Mel wird es noch gehen. Wenn ich nur noch eine andere Stelle wuesste, die den postillon de l'amour de la famille machen koennte.- Auf jeden Fall danke ich Ihnen auch meinerseits herzlichst fuer die Freude, die Sie meiner Frau und mir durch Ihre schoene Hilfsbereitschaft machen. Und dadurch auch meiner Tante und meinem Vater. Mit freundlichen Gruessen Nürnberg, den 17. Februar 1946 Geehrter Herr Rochl! Juchacz und Kirschmann haben mich gebeten diese Briefe zu übermitteln. Da ich sein werde. nicht mehr lange hürversuche ich fü so bald als möglich du Antwort an mich zu senden, üch für dann gerne bereit Sie weiter zu senden. Mit Genos, Unterhitner P. 5. Vorwenden für die auf dem Briefverwaltung angegebene Strecke. Herrn Fritz ROEHL MUENCHEN Renatastrasse 48 NUR 17. Hans Unterleitner b/ Josef Simon Nuernberg, Ziegelsteinstrasse 106 German 22/2/46 Thr guten Beiden, grosse Mutti und Emil, the der Postsegen heute war ueberwaeltigend, und kam zur rechten Zeit, denn ich befinde mich gerade auf einem trostlos tiefen Nullpunkt, seelisch, moralisch, beruflich, geistig. Zuerst von mir: vor genau acht Tagen bekam ich eine Vorladung zum CIC in Muenchen, glaubte, dass das im Zusammenhang mit meinem Lizenzantrag fuer den Veranstaltungsring und fuer meine geplante Kunstzeitschrift stuende, und fuhr vergnuegt hin, sagte Maria, dass ich sie eine halbe Stunde spaeter in der Stadt treffe, und wurde kurzerhand eingesperrt. Am naechsten Tag das erste Verhoer: wo, fuer wen und gegen wen ich in der Abwehr gearbeitet haette.- Zur Sache: ich kam Ende 1940 aus Frankreich zur Dolmets cher- Kompanie, machte meine Pruefung mit" 2" als Schriftkundiger, kam in ein Kriegsgefangenenlager, wurde dort nach einigen Monaten zum Sonderfuehrer( G) gemacht, d.i. gewoehnlicher Soldat im Range eines Unteroffiziers, half bei der Einrichtung des Lagers und beim Aufbau mit, um den Franzosen ein menschenwuerdiges Barackenlager zu bauen, arbeitete auch einige Tage in der Briefstelle, in der wir zu den Klaengen eines Foxtrots tausende von Briefen ungeles en stempelten, damit die Angehoerigen in Frankreich endlich erste Nachricht von ihren Vatern und Soehnen bekamen, half tatkraeftig bei der Einrichtung einer Hochschule im Lager mit, kuemmerte mich darum, dass die Musiker zu Instrument en kamen, die mit Geldern des I.R.Kr. gekauft wurden, sorgte dafuer, dass eine Unterhaltungsbaracke mit einer Buehne eingerichtet wurde, verschaffte den Gefangenen Kostueme und Materialien, um Buehnenbilder zu bauen, organisierte einige Reisen in benachbarte Staedte, Nuernberg und Wuerzburg, wo in deutschen Theatern fuer im Arbeitseinsatz stehende franzoesische Gefangene Vorstellungen gegeben wurden, stellte mit und aus deutschen Aameraden eine eigene kleine Variete- ruppe zusammen, die vor Deutschen, auch vor Zivilisten der naeheren Umgebung, von mir gebaute Programme auffuehrte( eine bezaubernde Moritat, Dschungel- Taenze, illustriert von amerikanischen Platten aus meinem Besitz, ein Schnuerstiefel- Ballett, getanzt von Kameraden, und entsprechend grotesk zum Traenenlachen, einige chariki er ende Sketchs, Blackouts usw.), machte eine Broschuere unter dem Namen" Der Stempel", in der ich alles und alle gehoerig durch den akao zog, fotografierte alle Kriegsgefangenen, damit die Angehoerigen in der Heimat auch einen bildlichen Eindruck bekamen, lieferte durchschnittlich im Monat einige tausend Vergroesserungen, die ich ausserhalb der zulaessigen Zahl von 4 Briefen und zwei Karten mit Hilfe still verteilter zusaetzlicher Briefformulare weiterbefoerderte, leitete einige Beschwerden von Kriegsgefangenen ohne Wissen meiner Vorgesetzten an das Int.Rote Kreuz nach Genf weiter, worauf einige Zeit spae ter ueberraschend Kommissionen erschienen, um die Maengel in Augens ch ein zu nehmen, half einem entflohenen Gefangenen, der mir nachts in den Weg lief, weiter, indem ich ihm noch einige Tips fuer sein Weiterkommen gab, obwohl bei seiner Festnahme eine Belohnung von vier Wochen Sonderurlaub gewinkt haette, kurz und gut: ich tat, was mir mein menschliches Gewissen vorschrieb, obwohl ich mehrere Maxie unmittelbar vor dem Kriegsgericht stand. Und jetzt wurde ich gestellt, gegen wen, fuer wen und in welcher Abwehroder Spionage- Abteilung ich gearbeitet haette.- Ich will Euch mit Einzelheiten verschonen. Fuer jemanden, der wie ich diese 12 Jahre mit fanatischer Zaehigkeit an seinem Glauben festgehalten hat, der schon 1935 wegen Eures Vermoegens zur Gestapo zitiert wurde, der immer ein rotes Kreuz hinter seinem Namen hatte und das unsagbare Glueck hatte, manchen auf ihn abgeschossenen toedlichen Pfeil abzulenken und nach dem Ausweichen wieder den Kopf hoch zu tragen, der vielen vernichtenden Gefahren dieses scheusslichen Krieges erfolgreich ausweichen konnte, weil er sich mit seiner Frau von Anbeginn des Unheils darueber klar war, zu den Ueberlebenden zu gehoeren, fuer mich war das schlimmer und abkuehlender als manche Hitler- Idiotie. Da sitze ich nun im amerikanischen Theatre Control Office, arbeite von morge frteh his aneet in die Nacht weil ich mir einbilde. trotz meiner 37 Lenze zu den jungen Menschen zu gehoeren, die den Schwung haben, mit dem Elend der Zeit und der Welt doch einmal fertig zu werden, und man gibt mir dann - 2- Gelegenheit, mehrere Tage bei kaerglichen Schwarbrot- Schnitten und WasserSuppen in einer kaltfeuchten, zugigen, unratduftenden Gefa engniszelle darueber nachzudenken, was ich wohl am besten anfange, wenn ich in einem Straflager sitze: ob ich mich aufhaenge, mir die Fulsader aufschneide, oder Verrueckt werde. Ja, liebe grosse Mutti und lieber Emil, und dann lese ich, nachdem ich vorgestern entlassen wurde, Eure schoenen Saetze der letzten Briefe:" Dein Brief, lieber Fritz, war was mich freute und erfrischte optimistisch.Ohne dieses Kraut kommen wir im allgemeinen und Ihr im besonderen drueben nicht aus. Ich bin sicher, dass Ihr, die Ihr durch diese Nazi- Hoelle gegangen seid, wisst, was Ihr wollt und was getan werden muss." Jawohl, lieber Emil, ich weiss das, sehr, sehr genau.- Aber ich darf nicht. Darf nicht mehr." Not to be employed" heisst der Urteilsspruch. Und wenn mich meine ame rikanischen Vorgesetzten nicht doch noch herauspauken, darf ich verhung ern oder wirklich kurzerhand Schlussmmachen. Maria geht jeden Schritt mit, den ich mache. Sie macht auch den allerletzten Schritt mit, wenn es so weit kommen sollte. Und Du, liebe grosse Mutti, hast eine berechtigte Bewunderung fuer die Kraef te, die sich regen, um neu aufzubauen, und gehst mit kuehnen Gedankenga engen einer sich neuzuformen den Arbeiterbewegung voraus.- Wenn Du Gute wuesstest, wie weit wir noch davon entfernt sind. Zu dieser Neuformung muessen erst die Voraussetzungen geschaffen werden, aber nicht durch eine Jugend, die nur den Nazismus kannte, und nicht durch diejenigen, die in KZ- Lagern vegetierten, auch nicht durch die, die es in der Heimat ueberstanden haben, und erst recht nicht durch die, die in der Fremde sich aengstigten, wie die restlos zerschmetterte Heimat alles das ueberstehen wuerde. Du hast recht:" So vieles liegt da in Widerstreit miteinander". Aber was in Widerstreit miteinander liegt, spielt sich nicht auf der Buehne ab, die" Deutschland" heisst. Es gibt ja gar kein Deutschland. Und erst recht noch keinen Frieden. Wir haben Waffenstillstand. Der Frieden wird erst diktiert. In einigen Jahren. Den Siegerstaaten mache ich im Prinzip nicht den geringsten Vorwurf: sie haben den Krieg ueber ein politisch unreifes to erichtes Volk gewonnen und ziehen alle Konsequenzen, um dieses Volk daran zu hindern, jemals wieder kriegerische Ambitionen zu entwickeln. Dazu gehoert die restlose Ausrottung aller nazistischen Ideologien und militaristischen Ueberbleibsel. Und auf diesem Gebiet den richtigen Weg zu gehen ist das Problem. Ich weiss keinen Vorschlag zu machen, um solche Wege zu finden. Aber man experimentiert. Da ist das Problem der Mitla eufer. Was soll man mit ihnen machen? Sie werden- und sind es zum Teil auch schon entnazifiziert, wurden wieder in den Wirtschaftsprozess eingeschaltet, und gehen mit tatsa echlicher Ruettigkeit ans Werk, denn es kann ihnen nichts mehr geschehen. Sie entwikkeln Initiative und Tatkraft. Und die anderen? Viele Urheber sitzen gottseidank hinter Schloss und Riegel. Je schneller man mit ihnen kurzen Prozess macht, desto besser. Ein ku emmerliches Aequivalent: 2 bis 3 Tausend gekoepfte Nazis, und lo Millionen Vergaste. Aber jetzt geht es weiter: es sitzen alle SS- Leute. Es werden alle einflussreicheren Pg's festgesetzt. Die militaristischen Zirkel sind dingfest gemacht. Dann kommt ploetzlich die Verfuegung, dass kurzerhand alle Sonderfuehrer zu arrestieren sind. Vielleicht heisst es in vier Wochen: alles ab Feldwebel aufwaerts ist a priori militaristisch. Wer bleibt uebrig? Die entnazifizierten Nazis, die ungestoert ihrer Arbeit nachgehen. Folgendes krasse Beispiel, das im Bereich des Moeglichen liegt: ich war als Nicht- Nazi bei der Bavaria als Leiter der Presseabteilung ein gut gehasster Mensch. An Verleumdungen und Denunziationen hat es nicht gefehlt. Damals, es war 1940, haette ich dem auf mich ausgeuebten Zwang, Nazi- Mitglied zu werden, nachgeben koennen. Ich waere U.K. gestellt worden, hae+ - 3- den Krieg im bombenverschont en Filmparadies Geiselga steig aus der Ferne miterlebt und anstatt zehn Mark in der Dekade als Wehrsold 800 bis 1000 Mark verdient, waere niemals Dolmetscher in einem franzoesischen Kriegsgefangenen- Lager geworden, haette jetzt einen White- wash- Antrag gestellt, liefe bluetenweiss und gut aufgebuegelt durch diese komische Weltgeschichte und ginge einer friedlichen Beschaeftigung nach, als kulturpolitischer Journalist an einer gut gehenden Zeitung, oder als Text- Autor eines bluehenden Cabarets, oder als Verfasser amuesanter Komoedien fuer die autorenhungrigen jungen Buehnen. Aber da ich gegen die Nazis ka empfte, meine sogenannte soldatische Pflicht nur so weit erfuellte, als es notwendig war, um weder den Deutschen, mir selbst oder dem Ausland zu schaden, als Dolmetscher jawohl, ich habe in der Abwehr gearbeitet: ich habe von den Franzosen abgewehrt, was sture, unsinnige, voelkerverletzende Anordnungen der Deutschen gegen Gut und Blut dieser Gefangenen planten. Und dann nehme ich mir wieder Deinen Brief vom 19. Januar zur Hand und lese Deine Gedanken,- und stelle fest: diese Welt, die so schoen sein koennte, ist so weit auseinandergespalten, dass niemand fuer sich allein diese Risse zusammenkitten kann. Da hilft nur ein einziger Kitt, der ausserdem gleichzeitig von allen in die Fugen geschmiert werden muss, und ganz besonders in die deutschen Fugen. Und auch von den Deutschen. Aber so weit sind wir noch nicht. Wir haben Waffenstillstand. Dann kommen Friedensvertraege. Dann kommen die Jahre ihrer Erfuellung. Und wenn wir dann noch Kraft und ausserdem die Lust haben,* x* x* mitzukitten, wird der Anfang zu einer Entwicklung gemacht, die sich heute scheinbar schon anbahnt aber nichts anderes ist als derVVersuch eines Simulanten, der todwund ist und so tut, als koenne er vor Kraft nicht laufen. Ich weiss nicht, ob es richtig ist, Euch alle diese Dinge zu schreiben, Euch damit das Herz schwer zu machen, und den von mir selbst ueber den Ozean hinuebergepflanzten Optimismus wieder zu entwurtzeln. Aber der Kreis von frueher het sich gottlob wieder geschlossen, Ihr lebt wieder in meiner Gedankenwelt, wir koenn en wieder von ganzem Herzen Anteil aneinander nehmen und uns perso enlich in aller Offenheit alles das sagen, was uns vielleicht weiterhilft, obwohl es scheinbar negativ klingt. Aber ich weiss, dass mich keine Gestapo fassen wird wegen meiner Gedanken, weil es keine Gestapo mehr gibt. Und ich weiss noch mehr, dass Ihr gluecklich seid, wenn ich mit der Bedrueckung des Augenblicks nicht alleine fertig werden will und kann, wxxxxxxx und zu Euch komme. So hart manches Wort in diesem Briefe klingen mag: wo gohobelt wird, fallen Spaene. Aber wenn das gute Holz so knapp ist, meine ich, dass es vermieden werden muesste, zu viel abzuhobeln. Und weil ich ausserdem davon ueberzeugt bin, dass jeder Uebergang kritische Situationen aus lo est, und weil es noch nicht einmal ein ganzes Jahr her ist, dass wir den Krieg verloren haben, und mir bis zu dem von mir im 70. Lebensjahr beschlossenen Tod noch immer 32 und ein Vierteljahr bleiben, also fast die Haelfte, bin ich- trotz allem- Optimist. Das soll genug sein fuers Erste. Ausserdem ist es 3 Uhr nachts, und es bleibt viel zu tun, morgen, uebermorgen, und in den folgenden 32 Jahren. Unendlichen Dank fuer das Paket. Langendorf schrieb dazu, dass es voellig zer drueckt ankam, er aber Reis und anderes doch noch so gut wie moeglich gerettet hat. Das Baendchen des Dichters Hendrik Willem Van Loon lag nicht dabei. Schade. Auch meinem Boss, dem Capt. Gerard Willem Van Loon, dem guten Sohn eines grossen aters, ha ette eine Diskussion darueber Freude gemacht. - 4- - Ich habe mich so festgeschrieben, dass ich zum Schluss das wirklich Persoenliche nur ganz kurz streifen kann.- Schickt mir auf jeden Fall die Mier endorf- Broschuere, und wenn moeglich noch einmal das Van Loon- Buechlein. Gruesst Dr. Paul Hertz, es wird wohl unser Hertz sein, der 1932 von der SA angepoebelt wurde, als die" SPD- Bonzen" in einem kuemmerlichen Auto zu vi er Mann vor dem Reichstag vorfuhren. Paul hat mir inzwischen auf meinen Brief geantwortet, ich bin gluecklich, dass er dort anfangen konnte, wo er 1933 aufho er en musste. Ich schrieb darueber in meinem letzten Brief. Bilder von Paul Kirschmanns Besuch bei mir in Muenchen auf seiner Reise von Wien Nach Idar- Oberstein gingen ebenfalls an Euch ab. Hoffentlich kommen sie an. Lotte hat noch immer nicht geantwortet, Ida Braun auch noch nicht. An Robert schrieb ich ausfuehrlich nach Meriden und schickte Euch einen Durchschlag.-- Dank fuer die herrlichen Dinge des Pakets, unsagbaren Dank. Aber tut, bitte, bitte, des Guten nicht zu viel. Deshalb schreiben wir jetzt auch nicht mehr, was uns fehlt. Soll ich den Inhalt dieses ersten Pakets in drei Teile zerlegen und an Lotte und Paul ein Drittel schicken? Bis zu Eurer Antwort werde ich nur mein Drittel angreifen. ww Ich bin gluecklich, dass Ihr aus meinen Brief en gespuert habt, was mir meine Frau Maria bedeutet, dass hier eine Zusammengehoerigkeit gewachsen ist, die im Menschlichen und Beruflichen in den schoensten Akkorden zusammenklang. Ihr standen Tra enen in den Augen, als sie Eure letzten Briefe las. And here comes the end, and in some hours begins a new day of our new life, which is the same wonderful old life as ever before, because it is life. I told you a lot of things, perhaps filled up with questions and problems which you kind both people can't understand, but it wood be the first case of misunderstanding. And therefore you must answer as quick as possible. We are waiting for your letters, we are longing to meet somewhere, the best would be overthere. All our best feelings, thoughts and wishes to both of you, yours dem wie es ren dar. Wirs Marie Juchacz 339 East, 173 Street New York 57, NY. cken, fure Fritz michael Röhl KE EVOIU- gewenhaften Vemulaicen Als gemeinschaft she nachlassig den 19. Januar 1946 tion vor sich gegangen ist dis Personen beruht, die Verfasspritz, mein lieber Junge( und liebe Maria) Dein Brief enthaelt in gedraeng ter der' Jalkuerze den en Inhalt langerndare- und was fuer einen Inhalt.Beim Lesen wird lich Neeinem son recht klar, dass manure igentlich alles weiss und im Grunde doch gar1 nicht mitten drin gesteckt hat. Als wir alle auf unserer Evolut nichts weiss, weil man nicht tionen und Strafge Flucht durch Frankreich waren, arne hungrige Bettler, dachten wir schon viel bgefaßzu erleben( win dankten es unserem Fuehrer) Aber an der gesamten deutschen Sen Ar Bevolkerung( einschliesslich derer die wir besonders und von ganzem Herzen Aunlieben ist das, wash unshund den Menschen Europas damals und spaeter geschah, tausendfachheimgesucht worden ge-- Es koennte nun bald genug sein.--- Heute morgen lass ich in der Zeitung, unter der Ueberschrift" Aus Truemmern werin der Nebenarbeit aus zerschoshat, diden Heime" wie man in Frankfurt- Riederwald schaftspsenen Hauesern neue baut und noch brauchbare herrichtet.-- Es steckt eine drückte Kraft in dieser Bevolkerung, die einem den Atem weg nimmt.--- 0b es moeglich Einführist- bei aller Bewunderung aus der Ferne sage ich das- das nationale Leben in Vertelurge sunder Form wieder aufzubauen- kann man heute bei allem bewunderungswuerdiegen Aufbaueifer noch nicht sagen. Sovieles liegt da im Widerstreit mite beinander. Da soll eine gesunde starke Arbeiterbewegung entstehen, ihr fehlen den Fabis jetzt noch die jungen Kraefte und die, die- na sagen wir meiner Generatiion nieure, aangehoeren- sind zu einem grossen Teil gewissermassen konservativ.( Wobei ich letzten der Tradition und Erfahrung natuerlich ihr Recht lasse) Aber in einer aufergeführt. stehenden Arbeiterbewegung muss das, was in der Vergangenheit wurzelt, durchdes Landsetzt sein von dem unruhigeren Geist der Jugend, die nicht so leicht vor den te, konnt" Schranken" zurueck weicht. Und diese neue, sich erst formende Bewegung ist dung alleschon belastet durch Administration und Verantwortung.Deshalb erscheint die ich vor soviel sich ihr mir alles So unendlich schwer, bei aller Bewunderung urc führt werdTatkraft und Aufbauwillen habe.--- Ich haette Dir noch so manches zu schreitischen ben ueber dieses Kapittel, aber wir wollen es nach und nach tun. in- der Arbeitseiniko politik, die genüber den Verhältnisse vollkommen verndert. Weiße Armeen und hat die so bensmittel derung nach? Art, 107 straft; der Aufkauf ind Weiter9 ständische Ich freue mich, dass Du nicht einsam bist, Einsamkeit ist, wenn alles so schwer Durchführist, wie eine Krankheit.So tutemir Lotte leid, ohne dass ich es ihr sage.Aber gewaltig, ihr ist doch durch die ganze, hinter uns liegende Pest, ihre eigentliche Leheblich abenser fuellung genommen worden. Wenn sie auch ein starker Mensch ist, wenn sie gleichmal auch einen sie aus fuellenden Beruf hat( sie ist von den Englaendern wieder lengelassen Zugelassen worden) so fehlt ihr doch das, was sie selber sich fuer ihr Leben gleichheit sehr gewuenscht hat und wie es scheint muss sie sich mit der Einsamkeit abfinden, trotz ihrer starken weiblichen Gaben und trotzdem sie einem Kamerabung en dan mit starken geistigen Anspruechen viel hatte geben koennen, abgesehen sie ist indevon ihren so sehr guten menschlichen Qualitaeten.--- Mit Paul ist es eigentlich lustig zu denken, dass er genau dort wieder anfaengt, wo er 1933 aufHier nur hoeren musste.Damals war er der naechste Anwaerter auf ein Amt als Gutsgefahr Verwalter in Rheinland und nun, nach 12 Jahren hat man ihm eine solche StelVerbrechen lung gegeben. Da er inzwischen allerlei Erfahrungen gesammelt hat, wird erunion bart auch mit den Schwierigkeiten eines solchen Amtes hoffentlich gut fertig werden.----- In das Paket, das fuer Euch unterwegs ist, liegt ein ganz kleines Fretheltsen Baendchen des Dichter Hendrik Willem van Loon. Du, Ihr, werdet Euch daran ren bestral freuen.Ich will sehen, dass ich die Broschuere ueber Carlo Mierendorf noch nicht gewisseinmal bekomme, sie ist entstanden aus einer Feier fuer ihn in New York. wenn es ver Zuckmeyer hat die Hauptrede auf seinen Freund gehalten. Sie kommt dann in langsamung das naechste Paket, Umseitig klebe ich zwei clips auf, die Dich vielleicht nach sich intressieren. Ich hoffe, dass Paul Kirschmann Dich bald aufsucht. nehmed mate Schaden zu- ganzen oder emes Pells deslerzlichst fuer Euch beide, die sogenannte Nach Art L buches Gro bezug auf wird 9 fügt: desgleichen, wenn es die mögens das heimliche Ausmahle Verletzung der FRITZ L.MARIAom in privaten Mühler nung oder der gesetzlic ge- ohne Leferung der Gato schützten Rechte und IntICH KANN IMMER NOCH NICHT einzelner Bürger bewirk wie iCH MÖCHTE. DESHALB NUR auch nur hätte bewirken SCHONE GRÜSSE U. Baue WÜNSCHE GUER Mutta, Marie eq pure around t New York Times, January 6 INEPT PROPAGANDA REPELS GERMANS People Hungry for News Are Bored by Allied NewsreelSubjects Found Untimely By GLADWIN HILL By Wireless to THE NEW YORK TIMES. BERLIN, Jan. 11( Delayed)-A trip to a newsreel showing in downtown Beerlin yielded today a clue to the Germans' seeming slowness in reacting to the Allies' far- flung efforts in" re- education." The Germans are hungry for plain, objective information about the outside world. In the traditional American view this should be a principal way of" re- educatTheir wants are far ing" them. from filled by the radio, with its informational limitations, and by the newly licensed German press, which is limited in newsprint and circulation and staffed by editors who in too many instances seem to be intellectual stooges, publishing to please the occupation authorities rather than the readers. The Germans are so informationhungry that there is an active black market in ordinary American magazines whose contents are not forbidden to the Germans but whose initial circulation was confined largely to soldiers. Against this background, a medium with great potentialities is the newsreel. A weekly newsreel, "" The World in Film," produced by American and British officers in Munich, is the principal Allied effort in this field to date. The result, in the opinion of a number of American observers, is calculated to repel, however, not only the Germans but also many of their erstwhile enemies. W. Military Shots to Dog Racing The Germans, hungry for broad information, are getting propaganda piled on with a heavier hand than was Joseph Goebbels' and relieved only by sequences approaching a new high in international boredom. A recent issue opened with Fleet Admiral Chester Nimitz' return to Washington, replete with marching men, guns and the general militarism we deplored when the Germans presented it. This was followed by a tiresome sequence on greyhound racing in England. There was a shot of a line of military government officers applauding a speech by another military government officer at the opening of a stock exchange. Finally there was a shot of some pertinence, of bells looted by the German Army being returned to Belgium. To no point, Germany's desolation is rubbed in by pictures of broken civilian refugees and released prisoners of war straggling in to Berlin- with no reference to the considerable constructive efforts of the German community to care for them. 13,1946 Rubbing It In Germany's loss of the war is emphasized by shots of German generals washing their clothes in a detention camp and of the Russians driving the Germans out of Vienna, with flashbacks of Adolf Hitler's voice. Finally, there are boring sequences of Moroccans wrestling in Algiers, the première of a Russian symphonic composition and Paris styles displayed in Sweden on doll mannequins because of the shortage of cloth, which is apparently supposed to show the Germans either that( 1) it does not pay to be neutral, because you wind up short of cloth or( 2) it does pay to be neutral, because you end up with Paris styles while the Germans do not. The German audience's reaction to all this was stony silence, which might be termed stoical, considering that this is being fed to them weekly under the label of" newsreel."( The previous week's reel opened with a four- minute sequence on a British Army track meet which in ennui was cruel punishment.) The American spectators evidenced more audible dissatisfaction. Whatever one thinks of the content of the film, the fact remains that it is barren of the news of the world it purports to purvey, news that the occupation authorities claim ve giving them by all available means. A New York Staats- Leitung and Herold 15, 1, 46 Alliierte Film- Propaganda in Deutschland' plump, ungeschickt' - - Mit ihren filmischen Bemühun-| mäßigen Eigentümern wiederzugen um Gewinnung des deutschen gestellt. Nicht recht einzusehen Publikums für die Demokratie war aber, welchem berechtigten. mit dem Bild scheinen die anglo- amerikanischen Bedürfnis dann Militärbehörden in Berlin und an- eines kläglichen, seinen Weg nach derswo in ihrer Okkupationszone Berlin nehmenden Flüchtlingszudeutsche Zivilpersonen und merkwürdig wenig Glück zu ha- ges Kriegsgefangene ben, wie man von einem der alli- entlassene ierten Filmproduktion in Mün- abgeholfen werden sollte, zumal chen zweifellos Wohlwollen ent- es dabei an jedem filmischen Hingegenbringenden amerikanischen weis auf die immerhin nicht ganz Beurteiler erfährt. Gladwin Hill, fruchtlosen Anstrengungen deutder Berliner Korrespondent der scher Gemeinwesen fehlt, das Los " New York Times", hat sich, wie solcher bejammernswerten Landser berichtet, in einem Berliner leute erträglich zu gestalten b- Kino von der Qualität der" WoEine sicherlich wohltuer chenrevue", die den Deutschen wechslung wir folgen dem Hillbildete danach unter dem Titel" Die Welt im schen Bericht Film" nun regelmäßig von das Bild eines dänischen Segelanglo- amerikanischer Seite gebo- schiffes vor der Küste Floridas, ten wird, sowie von der Aufnahme obwohl dem amerikanischen Bedieser Bilder durch die deutschen trachter Kinobesucher überzeugt, und sein Urteil lautet in beiderlei Hinsicht vernichtend:" Die Welt im Film" ist offensichtlich äußerst enttäuschend für alle Deutschen, die von der Wochenrevue über das Weltgeschehen unterrichtet werden wollen und Hill unterstreicht Um es den Deutschen zu allem wiederholt den Neuigkeiten- Heiß- Überfluß noch einmal einzutränhunger der deutschen Bevölke- ken, daß sie den Krieg verloren und sofern die auf die haben, zeigte man ihnen dann auf Projektionswand gezauberten Vor- der Projektionswand ein paar Gegänge der" Umerziehung" Deutsch- neräle ihrer einstigen Armee, wie lands dienen sollen, gibt Hill je- sie in einem Inteinierungslager nen Filmen keine bessere Zensur. selber ihre Leibwäsche waschen. Ja, er sagt ohne Umschweife, die und russische Kolonnen, die in Urheber dieser filmischen Abart Wien einrücken, während die letz" demokratischer" Propaganda fin- ten Nazis Reißaus nehmen, Nicht gen es noch plumper an, als Jo- einmal die bellende Stim seph Goebbels und seine" Reichs- lers, die von irgendwoher filmkammer" es mit ihrer Nazi- sen Vorgang hineinschallt bleibt dem Stimmungsmache im Film getan Ateliertrick hätten, und das will gewiß etwas schen Kino- Publikum hierbei erheißen. spart. rung - dabei sechs denkbare Episoden aus dem amerikanischen Leben einfielen, die für das hiesige Publikum immerhin von größeInteresse und Nutzen gerem wesen wären. Diese Generäle scheinen wirklich besiegt zu sein - - Hitdieein deutAm deprimierendsten ist es da- Das verbotene nämlich das bei, bei dieser Gelegenheit zu er- langweilige Genre kommt zum fahren, daß die neue( militärbe- Schluß noch mit einem Ringhördlich" lizensierte") deutsche kampf von Marokkanern in Algier. Presse genau so versagt, wie der der Erstaufführung einer russivon den Fachkräften der anglo- schen Symphonie und einer sonamerikanischen Okkupationsbe- derbaren" Pariser Modenschau" hörden gedrehte Film. Hill be- in einer Stadt Schwedens auf's hauptet geradezu, diese mit denkbar ermüdendste zur Geltung. oder von - an ihrer Seitenzahl, wie ihrer Ver- Sonderbar ist die Modenschau breitung in engen Grenzen blei- deshalb, weil sie in diesem Falle benden neuen Blätter von Jour- nur angedeutet wird, mit Zuhilfenalisten bedient würden, denen es nahme Mannequins. Vielden meint Hill hauptsächlich darauf anzukom- leicht sollte men scheine, den Okkupationsbe- Deutschen nahegebracht werden, hörden zu Gefallen zu schreiben. daß es sich nicht lohnt, in einem gleichgültig, ob der liebe Leser da- Weltkrieg neutral zu bleiben, wie bei auf seine Rechnung kommt der offensichtliche Mangel nicht. Der amerikanische Kleidertuch in Schweden darzuZeitungsmann belegt solche deut- tun scheint. Oder anders herum: sche Redakteure seinerseits mit Vielleicht wollte der Film gerade einem harten Prädikat: Er stem- den Nutzen der Neutralitätspolitik pelt sie nämlich als geistige Werk- demonstrieren, denn siehe da: Die ihre zeuge(" intellectual stooges") der Schweden bekommen nun alliierten Militärs ab. neuesten Pariser Toiletten, die das deutsche Fräulein, die deutsche Frau SO schmerzlich ent behren! Wie Hill" Die Welt im Bild" rezensiert Soweit es auf die englisch- amerikanische Filmpropaganda ankommt, schreibt er, daß sie" nach Ansicht vieler amerikanischer Beobachter darauf berechnet ist. nicht nur die Deutschen, sondern ebenso ihre früheren Feinde abzustoßen." Was dem hinsichtlich der Weltneuigkeiten grausam ausgehungerten deutschen Publikum nun von uns und den Briten geboten werde, sei statt echter Information vielmehr Propaganda. und diese sei noch täppischer, als das deutsche Kino- Publikum sie schon unter Goebbels gewohnt gewesen sei. Wenn aber die über die Flimmerwand huschende Propaganda wirklich einmal durch Veranschaulichung von Tagesneuigkeiten unterbrochen werde, SO habe man es immer mit Bildern zu tun, die einen" neuen Rekord auf dem Gebiet der internationalen Langweile" darstellten. - Die jüngste Nummer jener Wochenrevue beispielsweise, die Hill sich angesehen hat, begann mit der" Rückkehr des Admirals Nimitz nach Washington". Was den Deutschen hierbei an kriegerischem Pomp gezeigt wurde, scheint um nichts hinter dem militärischen Brimborium zurückgeblieben zu sein, das ihnen nachgerade" zum Hals heraushängt", und das auch den Alliierten sonst so mißfällt, dann nämlich, wenn der Militarismus sich auf deutscher Seite breit macht. Dem militärischen Bilde folgte die Wiedergabe eines Hunderennens irgendwo in England. Dann sah man, wie in einer deutschen Stadt die Effektenbörse wiedereröffnet wird und Offiziere der Militärverwaltung einer Ansprache eines anderen Offiziers ihrer eigenen Armee warm applaudieren. Gefallen lassen konnte man sich sicherlich das nächste Bild: Kirchenglocken, die von den Nazis irgendwo in Belgien geraubt worden waren, wurden ihren recht- 10. Jan. 1946 Lieber Fritz, liebe Maria, seht, wie bald wir in sogenannten guten Terms sind. Euer Brief kam gerade im rechten Augenblick:heute haben wir Gelegenheit die Ant- wort zu expedieren und im uebrigen schreibt Mieze, was so im allgemeinen zu sagen ist. Das Paket, von dem sie spricht, wird heute Abend von Kaethe gepackt O:d, wenn es sich irgend machen laesst, morgen zur Post gebracht. An sich mues sen wir einen"Request" haben-ich schrieb davon schon in meinem ersten Brief. aber wir werden es versuchen und da es Kaete gelungen ist, ganz gute Beziehun- gen zu den Postbeamten herzustellen, wird es auch gelingen.- Paul Kirschmann schrifte eine Neujahrskarte. Auf der vermerkte er, dass er noch keinen Kontakt zu Euch bekommen konnte. Inzwischen ist das wahrsche nlich geschehen. – Dein Brief, lieber Fritz, war anschaulich-Goethe's Mutter schrieb noch anschauli- cher, wie ich gerade in diesen Tagen erzwungener Bettruhe feststellen konnte. und, was mich freute und erfrischte, optimistisch. Ohne dieses Kraut kommen wir im allgemeinen und Ihr im besonderen drueben nicht aus. Und Ihr seid dazu in dem Stadium gelandet, in dem es richtig ist zu sagen: Besser etwas getan, und wenn es falsch ist, als garnichts auf die Beine bringen. Natuerlich muss man wissen, was man will. Und ich bin sicher, dass Ihr, die Ihr durch diese Nazi-Hoelle gegangen seid, wisst, was Ihr wollt undwas getan werden muss.- Robert K. wird Deine Brief erhalten. Du brauchst ihm also jetzt nicht zu schreiben. Aber er hat an Paul K. ein Paket fuer Euch geschickt; wenn das da ist, bitte ich, direkt nach Meriden zu schreiben. Die Adresse ist: Robert F. K., 41 Webster Street, Meriden, Conn. U.S.A.- Thats all for today. I am tired and my tiprwriter striks. Soon more and better. I want to tell you? many many things and have to Ok many questions about you and Maria. Love to both of you, Greetings from Kate. She went downtown for shopping. yours She is superviso- For our Parcel negatment and is just All the time she is getting true from her duties as a ἑϛὶτὶηη λυRțΟ. Mrs Marie Juchacz oder: Mr Emil Kirschmann 339 East, 173rd Str. New York 57, N.Y. den 10. Januar 1946 Mein lieber Junge, liebster Fritz, heute morgen kam Dein Brief. Er ist datiert vom 19.Dezember.Endlich.Geschrieben hatten wir Dir am 5.und am 14.Movember.Die lange Pause stellte alle unsere Berechnungen, die wir aus der Erfahrung beim Briefwechsel mit Freunden haben, auf den Kopf. Wir bekamen Angst, eine ganz gewoehnliche Angst, dass Dir noch nachtraeglich etwas unangenehmes passiert sein muesste.Was? das wussten wir nicht. Aber man hat solange Jahre in einer Welt gelebt, in der immer etwas unangenehmes passien konnte und auch passierte, dass man sich immer auf schlechte Nachrichten wappnete und auch hauefig solche bekam.--Meine Illusion war, dass Dein Kapitaen van Loon Dir sicher nicht nur unsere Briefe uebergeben- sondern Dir auch die Moeglichkeit geben wuerde, mit uns in Verbindung zu treten, vielleicht ueber seine Mutter.-- Doch genug, es wird sich jetzt sicher ueber den Genossen Unterleitner- Muenchen, und ueber Langendorf ein, wenn auch nicht zu haue figer, doch etwa regelmaessiger Austauschergeben. Bitte nimm das wahr, so weit es irgend geht, es ist bis jetzt die einzige Moeglichkeit mit seinen Lieben und seinen Freunden in Verbindung zu bleiben. Man ist sich gegenseiting so weit gefaellig, wie das irgend moeglich ist und wenn man selber diese Willigkeit hat, kann man sie ohne Skrupel von den Anderen annehmen. Wir stehen noch ganz unter dem starken Eindruck Deines Briefes, er wirkt auf mich noch so stark, dass ich noch nichts dazu sagen kann.So waere es vielleicht besser, 24 Stunden zu warten mit der Antwort.Aber ich treffe mich heute abend mit Dr. Paul Hertz, von dem ich weiss, dass er einen Brief an Unterleitner mit sich bringen will, um diesen Brief zum Transport anzufuegen------ Dein Kapitan wird Dich vielleicht auch in den naechsten Tagen davon unterrichten, dass wir schon bei seiner Mutter angefragt haben, ob etwas mit Dir ist.----- Da der Brief nicht lang werden wird, nur noch ganz sachlich: Lotte's Adresse: DuesseldorfOberkassel, Kaiser Wilhelm Ring.4--- Sie war ausgebrannt, hat jetzt die erste Wohnung.---- Paul's Adresse: Inspektor, Heil- und Pflege- Anstalt, Gut zur Nette, Andernach/ Weissenturm/ Rh. Hanna Juchacz( bis zum Fruehjahr noch mit den Kindern): Castelaun/ Hunsrueck, Hasenstr.131. Dann schadet es nicht zu wissen: Else Pfau, geborene Fey aus Saarbruecken, sie wohnt Ensheim- Auerbache an der Bergstrasse, Darmstaedterstr.91- und Lotti Fey, Saarbruecken, Graf Johann- Strasse 2. Das letztere sind Schwestern von Kaethe Fey, früher Saarbruecken, mit der wir hier in einer Gemeinschaft lehen, die eiene Fortsetzung von Frankreich ist.-Grenze ist, sich also auch von dort aus ein pass Saarbrücken nicht weit von der Franz.& Marie Briefwechseler wichtig. 11. 7 wissen. Unser Brief vom 5.11.hat Dir wohl den richtigen Eindruck vermittelt, dass wir hier sehr bescheiden leben. Aber trotzdem kannst Du, koennt Ihr, ruhig bescheidene Wuensche auessern. Wir haben- aus der Schicksals- Gemeinsehaft her, die uns mit sehr vielen Genossen aus dem Reich und von der Saar her verband, sehr vielen von hier aus unter die Arme gegriffen und tun es noch, soweit wie moeglich, auch schon nach Deutschland herueber.--- Es wird bestimmt in den allernaechsten Tagen ein parcel an Dich abgehenago¯XXXXXXXXXXXXXXXXX Ernst Langendorf, der fuer so viele Kameraden der liebenswuerdige Bote gewesen ist, wird sich uns in diesem Fall auch nicht versagen.---- Ich bin froh fuer Dich, dass Du nicht nur einen" Beruf", sondern augenscheinlich eine Berufung gefunden hast, das ist sehr viel. Und ich bin doppelt froh, dass Du einen Lebenskameraden zur Seite hast, der Dir nicht nur tragen hilft( auch das ist schon sehr viel) sondern augenscheinlich ein rechter Kamerad durch Dick und Duenn ist.--- Wie ist die Figur Deiner Frau, falls wir auch etwas an Kleidung und Waeschen schieken koennen. Deine Figur kennen wir. Zeichnet Eure Fuesse auf ein Stueck Papier und gebt ev.Spezialwuensche an. Wir werden erfuellen, was wir koennen---- Das ist alles fuer heute, mehr schaffe ich nicht.Nur noch ganz herzliche Gruesse.Wir hoffen sehr, dass uns unser Scsicksal mit Euch beiden zusammenfuehrt. Die grosse Mutti, X . Fritzmichael Roehl Mu en chen 9 Haselburgstr. 6 c/ o Colonel H.E.Beine 011910 Q.M. Section H.9 Third U.S.Army A.P.C. 403 c/ o P.M. New- York City 29. Januar 1946. Lieber Onkel Robert, liebe Tante Ida, lieber Georg und Robert, Ihr beiden Letzten werdet Euch auf mich kaum noch besinnen, und mir ist es auch nicht leicht gefallen, Euch auf den Bildern wiederzuerkennen, die Paul mir jetzt zeigen konnte.- Und da bin ich schon mitten im grossen Ereignis: Paul hatte, nachdem ueber meinen Capt. Van Loon die direkte Verbindung nach Wien hergestellt war, einige Male aus Wien in meinem Office angerufen und mitgeteilt, dass er bald kommen wuerde. Am letzten Donnerstag sprach ich mit ihm selbst, und er kuendigte sich fuer seinen grossen Deutschland- Trip fuer Freitag in Munich an. Am Freitag Abend verfehlten wir uns, aber am letzten Sonnabend, 26th, kam er zu mir nach Hause, und da gab es ein grosses Erzaehlen. Er ist ja der erste, von dem ich aus erster Quelle, und aus bester Quelle, hoere, wie es bei Euch drueben aussieht, was Ihr macht, wie es Euch allen geht, dass Georg und Robert geheiratet haben, wie Ihr auf den Bildern, die Paul mir zeigen konnte, ausseht, leider war kein Bild von Tante Mi dabei, nur von Emil. Paul hat in der Nacht von Samstag zum Sonntag bei mir ge schlafen, hat mich mit den hier sehr seltenen Zigaretten verwoehnt, und hat mir vor allen Dingen Euer Paket mit den Kostbarkeiten ueberreicht, was mir die Stimme des Dankes verschlagen hat. Es war so wie frueher zu Weihnachten, mit den Seltenheiten und doch frueheren Selbstverstaendlichkeiten kann man sich kaum abfinden, wenn alles ausgebreitet vor einem liegt. Ihr wisst garnicht, was fuer eine Freude Ihr uns damit gemacht habt, denn Bohnenkaffee, Spagetti, Corned Beef, Cheese, Soap- das sind lexikalische Begriffe fuer uns. Und Tea, and Cigarettes. My wife and me, we both were so glad and we dont know how to thank you. Perhaps there will come a time for us here in Germany.- Perhaps. Ich habe mir von meinem Schwager, der zur Zeit mit seinem 13jaehrigen Jungen bei mir lebt, einen zwar sehr primitiven Fotoaparat geliehen, hoffe aber, dass die Aufnahmen, die wir Paul, meine Frau Maria und ich gegenseitig von uns machten, doch etwas geworden sind, sodass wir Euch umgehend einige Aufnahmen schicken werden, sobald sie fertig sind. Das dauert hier selbstverstaendlich immer etwas laenger, weil es nicht mehr so wie frucher ist, aber ich habe das ueber einen amerikanischen Offizier machen lassen, und dann geht es natuerlich schneller. Die oben angegebene Adresse des Colonebb ist jetzt massgebend. Ihr koennt alles dorthin adressieren, in dem Briefumschlag muss a lerdings auf einem zweiten Umschlag die Anschrift befinden: Fritzmichael Roehl, Theatre Control Office, Munich, Renatastr. 48. Von Lotte und Faul habe ich Post beko men, erst einmal ganz kurze informatorische Mitteilungen, habe auf meine Antworten aber noch nichts gehoert. Paul will versuchen, ueber Cherkassel und Andernach zu fahren, um beide wenigstens fuer kurze Stunden zu erwischen. Von Eurem Paul habe ich jetzt auch erfahren, dass die Adresse von August in Idar- Oberstein noch besteht. Wenn ich nur die Zeit haette, oefters zu schreiben. n Ich arbeite vom fruehen Morgen bis spaet abends in meiner Dienststelle, die das gesamte im bayrischen Raum erbluehende Theaterleben lizenziiert und kontrolliert. Dazu gehoert natuerlich, dass man in alle Premieren de Theaters, Varietes und Cabarets hineingehen muss, und nicht nur in Muenchen, sondern auch in der naeheren und weiteren Umgebung. Gottseidank laeuft mein kleiner Ford, der sich seit 1938 trotz Garagen- Zusammensturz ganz gut gehalten hat und fuer den mir auch durch mein Office Treibstoff zur Verfuegung gestellt wird. Aber wenn man nicht aus Vergnuegen, sonder aus beruflichen ruenden dauernd ins Theater geht, ist das bestimmt kein Vergnuegen mehr. Ausserdem macht der Buero- Betrieb sehr viel Arbeit. Abel er macht auch Freude, und deshalb fuehle ich mich sehr wohl in der augenblicklichen Lage. des Ich moechte soooo gerne einmal und sei es auch noch so kurz mit meiner Frau zu Euch herueberkommen und Euch und Emil und Tante M1 in New York he suchen. Aber wann wird das einmal moeglich sein? Den beiden Newress Yorkern moechte ich bei dieser Gelegenheit raten, auf keinen Fall an 1- nen Besuch in Deutschland zu dentén. Nicht etwa, weil die Lebensbed gen tatsaechlich so hart sind wie nie zuvor und dass die zugeteilten Kalorien nicht im geringsten ausreichen. Nein, wir sind hier selbst mit uns noch nicht so weit, dass die Ideen, mit denen Emil und Tante Mi sich vielleicht tragen, sich nicht im geringsten verwirklichen lassen wuerden. Ob wir ueberhaupt einmal mit Erfolg den Weg zur guten Demokratie finden, ist ja nicht allein von uns abhaengig. Im Gegenteil: wir sind ein geschlagenes Volk, dom man ein Existenzminimum laesst, dessen, Leben abgegrenzt wird durch die Bestimmungen, die erst allmaehlich auf Grund der Potsdamer Beschluesse wirksam werden, wir leben in getrennten Zonen mit Hozwar grndsaetzlichen, aber im Detail doch sehr unterschiedlichen alliierten Verwaltungs- und Aufbau- Begriffen. Und des Detail ist in diesen Dingen ausschlaggebend fuer die Richtung der Entwicklung. Folglich laufen die Bestrebungen in die verschiedensten Richtungen, das heisst also: deutscherseits geht alles auseinander, anstatt zusammen. Wir sind im Begriff, uns von der Demokratie so schnell und so weit zu entfernen wie nie zuvor.- Es gibt zur Zeit eine sueddeutsche, norddeutsche, westliche und oestliche Demokratie, und ausserdem noch ein Vier- Zonen- konglomerat. Um von einer Demokratie zur anderen hin eberzugelangen, wos geistig geschehe n kann, ist aber auch der oertliche Grenzspaziergang notwendig. Und gibt es so viele Formulare, Barrieren, Hindernisse, Schwierigkeiten, dass jeder am liebsten auf seinem Stuehlchen sitzen bleibt, die Heende moeglichst in den Schoss legt, vom schwarzen Markt lebt und sich sagt: ein paar Dume, die die Fastanien fuer uns aus dem alliierten euer herausholen, wird es schon geben. Ja, Ihr Guten, das ist nur eine Bruchteil- Skizze meiner Meinung und meiner Beobachtungen. Und wenn ich trotzdem Optimist bin und auch bleibe, dann liegt das eben daran, dass ich mich trotz meiner 37 Jahre noch sehr, sehr jung fuehle, und meine um zwei Jahre aeltere Frau Maria hat ein so wunderbares Temperament und ist eine kuenstlerisch so begabte Frau, und innerlich genau sc Jung wie ich, dass ich fuer mich selbst und Maria nichts befuercute, son dern glaube, dass ich es richtig anfing, ale ich den Tatsachen nicht aus wich, sondern so zupackte, wie es gerade erforderlich war. Ich habe Ilaene. Crosse und schoene Plaene. Keine politischen Plaene. Wir sind noch unreifer geworden, als wir waren. Und ich bin kein politisch- fa natischer Aufllaerer. Ich will diesem Volk auf andere Art einmal unter di Arme greifen. Durch Vermittlung des Schoenen, dass es selbst in den Schwe sten Zeiten immer schon gegeben hat. Man muss nur in sich und in andere hineingreifen. Aber derueber beim naechsten Mal mehr. Seid alle herzlichst gegruesst von Maria und von Eurem 19/12/45 Liebe Tante Mi und grosse Mutti, lieber Emil, sondern vieldas wird nun nicht nur mein erster Gruss und Brief an Euch, leicht sogar noch ein Weihnachtsgeschenk, auf jeden Fall aber ein Wunsch zu einem neuen Jahr, und fuer mich selbst ein Wunsch zu einem neuen Leben, das vielleicht doch bald einmal wieder in eine Gemeinsamkeit muendet. Es gehoeren Tage und Naechte dazu, wenn man nach so langer Zeit, nach so qualvoll ereignisreicher Zeit, erzaehlen soll, was war. Es war sehr oft sehr trostlos, und ist es auch heute noch. Aber da ich mein optimistisches Gemuet durch alle Jahre hindurch gerettet habe, sehe ich auch jetzt ganz mutig und lustig in eine verhaeltnismaessig freudige Zukunft. Aber Tatsachen, Einzelheiten: ich bin right hand man von Capt. VAN LOON( er ist inzwischen befoerdert worden), sitze im Theatre Control Office des 6870 DISCC ( District Information Services Control Command), und bemuehe mich gemeinsam mit einigen reizenden amerikanischen Herren, das deutsche Theaterleben einigermassen fruchtbar als neues Kulturkind in eine neue Welt zu setzen. Aber da iese neue Welt hier selbst noch in Kinderschuhen geht, meistens sogar noch chlecht und recht stolpert, ist das ein sehr schwieriges, muehevolles Unterfangen.- Als ich damals es ist genau zwoelf Jahre her- aus Saarbruecken zurueckkam, hatte ich es noch eine Weile recht schwer, bis ich einigermassen wieder Fuss fasste. Die Gestapo interessierte sich fuer Emils Vermo egen, fuer meine Stellung zu Euch,-ueber meine Herkunft wollte man sehr oft etwas wissen, andere Leute halfen mit, mich bei der Gestapo ins rechte Licht zu setzen, aber ich machte brav und friedlich meine Filmfachzeitung, hielt auch mit meiner Meinung in entsprechenden Grenzen nicht zurueck, verbarg mich hinter dem Charakter der Fachzeitschrift als ausgesprochenes Filmblatt, und schlidderte so durch die Jahre hindurch. 1936 lernte ich Maria Neppert- Boehland kennen, eine sehr begabte Malerin und Grafikerin, machte 1936 mit ihr eine Hochzeitsreise durch Jugoslavien, heiratete 1938, als ich aus der Fachzeitung ausstieg, um im Deutschen Verlag( Ullstein) den" Stern" mitzugruenden, den wir sehr amerikanisch aufzogen, ging vom" Stern" zur Bavaria Filmgesellschaft in die Presseabteilung, hatte dort betraechtliche Schwierigkeiten, weil einigen massgebenden Obernazis meine Haltung zu genau bekannt war, und wurde Anfang 1940 zu den Soldaten abgeschoben, ging als Nachrichtensoldat nach Frankreich, kam als Dolmetscher zurueck und dolmetschte mich bis 1943 durch den Krieg hindurch, kam wieder zur ruppe, wechselte zum Soldatensender hinueber, wo ich gottlob auf Grund meiner Haltung nicht zur Propaganda kam, sondern ganz reine Unterhaltung machte, so im Stil der musical shows, was sehr viel Staub machte. In Skoplje in Mazedonien machte ich musikalische Programme in fuenf Sprachen, mit Mendelssohn, Tschaikowsky und anderen Verbotenen, aber das war schon hochgradige Rueckzugsstimmung. Als Letzter kam ich auch aus diesem Hexenkessel heraus, und meine Frau Maria, die mich staendig hoerte und der ich per Welle geschluesselte Mitteilungen machte, brauchte nicht allzu sehr in Aengsten zu sein. Im Oesterreichischen geriet ich in englische Gefangenschaft, kam dann in ein amerikanisches Lager, und Ende Juni nach Muenchen. In Berlin war ich schon 1943 total ausgebombt, ich war damals dabei und 20 Minuten lang verschuettet, machte waehrend der Bombenangriffe im sogenannten Katastropheneinsatz Rettungs dienst mit, grub Verschuettete aus, schleppte Phosphor- Verbrannte von einem Lazarett ins andere, riegelte den Berliner Zoo mit ab, aus dem die Wilden Tiere, durch das" euer noch wild er geworden, auszubrechen versuchten und auch ausbrauhen, klappte nach 14 Tagen zusammen, ja, das war ein wenig von dem, was dieser idiotische Krieg mir und uns bescherte, abgesehen davon, dass icht acht Monate lang im Lazarett lag, weil ich mir an der Rhone- Muendung den Unter leib als ich einmal bei einem Flusskabelbau lo Stunden lang im Februar im Was ser sein musste- so erkaeltete, dass ich schon aufgegeben wurde und nur durch den Wagemut eines Pariser Spezialisten noch einmal heil herauskam. Abgesehen von manch anderem Schlamassel, wo z.B. einmal von 220 Menschen zwei uebrig blieben, ein Kamerad und ich, obwohl wir mitten in einem halbstuendigen Bombent eppich auf einem Bahnhof lagen. 1019 eda Nachts erlebe ich jetzt sehr oft diese Dinge. Damals hatte ich keine Angst, aber jetzt wache ich ziemlich entsetzt und schweissgebadet auf. Auch das wird si ch eines Tages wieder legen. Gott seidank hatteich in Muenchen in einem kleinen Haeuschen eine Bleibe, die einigermassen heilgeblieben war. Das Dach war einige Male herunter, Fenster und Tueren herausgefetzt, Waende zusammengebrochen, aber ich habe gute zwei Monate lang aufgebaut, mir unter Muehen das Material organisiert, Maria war auch bald nach meiner Heimkehr aufgetaucht und machte tuechtig mit. Jetzt sind Waende und Deckan schneeweiss gekalkt, die Waende stehen, die Fensterrahmen sind drin und haben sogar Doppelscheiben, das Dach ist gedeckt, der Schornst ein steht wieder gerade und raucht sogar ein bissel, weil ich im Wald ordnungsgemaess ein paar Ba eume umlegte und nach Hause schleifte. Jetzt la euft auch mein kleines Auto fuer mein Office, das den Krieg nur leicht beschaedigt und leicht bestohlen ueberdauert hat, die arage ist wieder hochgebaut,-- und das alles unmittelbar nach der Katastrophe, bis heute, wo es noch immer nichts gibt, kein Material, garnichts. Aber ich gehe schon wieder mit einer Fuelle von Ideen schwanger, plane die Herausgabe einer Kunst- Zeitschrift, schlage mich mit den scheinbar unueberwindlichen Scjwierigkeiten herum, und werde auch das schaffen. Weil ich es mir vorgenommen habe. Maria macht fuer eine Kleinkunstbuehne, die demnaechat eroeffnet, Plakate, Programme und die Buehnenbilder, wir ersticken in Arb und verdien en dem Lohnnieveau entsprechend, und versuchen, das, was uns zu diesem oder jenem noch fehlt, eben durch ehrarbeit bis in die spaete Nacht noch heranzuschaffen. Heute kam nun Ernst Langendorf, er konnte mir nicht viel erza ehlen, weil er Euch lange nicht mehr gesehen hat, gab mir Tante Mi, s Brief und Emils verfielfaeltigtes Schreiben" Lieber Freund", und sagte, dass er an seine Adresse ein Paket schicken lassen koennte. Ich kenne Eure materielle Lage nicht, und es fa ellt mir deshalb auch schwer, irgend einen Wunsch zu aeussern; aber ich tue es trotzdem. Was uns am Leben erhalten kann, ist: Kaffee, Tee, Zucker, Zigaretten, und nicht zuletzt Schokolade. Wir haben fuer insgesamt vier Monate jetzt wieder ein Pfund Zucker bekommen, das andere gibt es nur auf dem schwarzen Markt, und die Preise koennen und wollen wir nicht bezahlen.-- Aber das ist nur ein ganz schuechtern geaeusserter Vorschlag. Zu Wilhelm Hoegner werde ich in diesen Tagen gehen. Goldschagg arbeitet hier an der Sueddeutschen Zeitung. Kennt Ihr ihn? Ueber Paul Loebe war zu seinem 70. Geburtstag ein langer Artikel in der Zeitung. Carlo Mierendorff ist, wie ich erst jetzt erfahren habe, nach seiner Entlassung aus dem KZ irgendwann, gestorben, ob natuerlich oder umgebracht habe ich nicht feststellen ko enne Lotte und Paul mit Familie habe ich ueber das Rote Kreuz suchen lassen, aber bis jetzt nichts gehoert. Vielleicht bekomme ich auf Grund Eur er Adressenangabe jetzt Nachricht. Ich habe sofort geschrieben. Paul be gegnete ich zum letzten Mal in Metz auf einer Fahrt aus Frankreich nach Deutschland, auf der ferme St. Symphorien. Mit Lotte habe ich sehr eifrig korrespondiert und aus Griechenland einige Male in Duesseldorf angerufen, aber dann hoerte es auf, weil sie wahrscheinlich auf Wanderschaft ging, von einer ausgebombten Unterkunft zur anderen.- Dr. Theo Haubach ist im Zusammenhang mit dem 22. Juli umgebracht worden. Wenn Ihr von irgend jemandem aus unserem frueheren Kreis hoert, der jetzt wieder Fuss fasst, dann schreibt es mir. Ihr koennt noch ueber Capt.Van Loons Anschrift berichten, oder ueber Langendorf. Ich selbst muss versuchen, ab und zu jemanden zu finden, der bereit ist, uns allen zu helfen. Von Onkel Roberts Sohn und meinem Cousin Paul bekam ich ueber Van Loon Post. V.L. hat ihm sofobt sehr nett geantwortet und ihm gleich einige Tips fuer Wien und den grossen Bekanntenkreis gegeben, den V.L. dort hat. Jetzt warte ich auf die naechste Antwort, oder auf das plaetzliche Auftacueh von Paul, der angekuendigt hat, dass er einen Trip nach Muenchen einmal versuchen will. Er hat auch meine Privatanschrift: Muenchen 9, Haselburgstrasse 6, Tel: 40857. Und meine Bueroanschrift: Muenchen, Renatastrasse 48. Gebt Robert Kenntnis von diesem Brief, auch er hatte mir sofort geschrieben, und ich kann ihm nicht extra danken, weil ich Lengendorf nicht belasten will. Ich empfinde es sowieso schon als besonderes Geschenk des Schicksals, dass ich nicht nur aus allem herausgekommen bin und meine Frau mir erhalten blieb, sondern dass ich auch weiss, dass Ihr lebt und dass ich ueberhaupt mit Euch in Verbindung sein kann. Schreibt recht bald, Ihr Guten. Und seid umarmt den 6.Dezember 1945 Lieber Ernst Langendorf, der Brief kam als zu schwer zurueck.Nun schicken wir die Drucksachen, die beigelegt waren, als gewoehnliche Sendung und dies hier" per airmail". Vor einiger Zeit( Ende Oktober) bekam ich einen Brief von Mrs Helen van Loon Nieuw Veere, Old Greenwich, Conn. Sie schrieb, dass ihr Stiefsohn ihr mitgeteilt haette, dass in seiner Office ein Fritz- Michael Roehl arbeite.(" Which means that he is in Munich and having to do with the German theatre and broad-casting") Fritz Roehl ist der Stiefsohn von Emil, Sohn meiner verstorbenen Schwester aus erster Ehe und mein Wahlsohn, er ist mit meinen Kindern zusammen aufgewachsen, sie betrachten sich als Geschwister. Die Adresse des Lieutenant ist 1st Lt.Gerard van Loon 0-1177676 6870 DISCC APO 403 c/ o Postmaster New York , Wir haben am 6.Devember an Fritz R.geschrieben, ueber Mr.van Loon, hoffen, dass er nicht nur den Brief an F.weiter gibt, sondern auch eine Antwort vermittelt. Aber vielleicht erlaubt es Dir Deine knappe Zeit doch Dich mal um Fr.zu kuemmern und uns ein paar Zeilen ueber ihn zu schreiben? Ich fuerchte, Du bekommst soviele solcher Wuensche, dass Du nicht weisst, wie Du sie alle erfuellen kannst. Aber trotzdem--- ich habs gewagt--- Vielen herzlichen Dank und schoene Gruesse Deine Marie Judacz MUNICH DETACHMENT 6870th DISTRICT INFORMATION SERVICES CONTROL COMMAND APO 403 US ARMY Dear Cpl. Kirschmann, 6 December 1945 VL/ mw Thank you very much for your letter. Mr. Röhl who sits right here in the same room with me and is my right hand man was overjoyed to hear from you and hopes very much that you will be able to make it here. Our address is Renatastrasse 48. We are in the Western or Nymphenburg sector of Munich. Mr. Röhl and his wife live at Haselburgstrasse 6, Munich 9. You can reach us by phone from Vienna by calling Frankfurt and then asking for Munich Military 2170. If you are interested in music an old friend of mine, the composer Alfred Uhl lives in Vienna at Schopenhauergasse 37. Other friends of mine there are Mr. and Mrs Waldemar Schmidtmann, Wohlebengasse 11, Vienna IV. Mrs. Schmidtmann is an American. I think you would find them very charming. I lived in Vienna for several years when I attended the Max Reinhardt Seminar in Schloss Schönbrunn. One of my erstwhile classmates, Vilma Degischer, is now at the Josefstadter Theater. Should you get an opportunity I wish you would try to look up Frau Prof. Dr. Lilly Hahn. Her last address was Landstrasse Hauptstrasse 136, Vienna III. She is the mother of another class- mate of mine, the actress Nora Minor, who is now here with her husband and two daughters. They are all well. I visited them a few evenings ago. Hope you get that TD and come to see us. GERARD W VAN LOON Capt. FA Vienna 28 November 1945 Dear Sir, My family recently notified me that you had been kind enough to write and tell them that Fritz Rohl was a civilan in your employe. On their behalf I want to thank you most sincerely for this news as it has done a great deal to relieve them of the uncertainty of Fritz's whereabouts. Naturally they were greatly concerned and now that burden has been lifted. I am very interested in somehow getting to Munich and contacting Fritz and I believe that somehow I shall be able to get there. At least I shall make the effort. I would greatly appreciate it if you would tell him that I am here in Vienna and am making an effort to see him as soon as possible. Just how I shall manage to get to Munich is at present a problem but perhaps I can get there on TDY through my office. I would therefore need an address at which I can contact Fritz and I will once more need to beg your assistance. I hope that I am not being too presumptious in making this request. . Sincerely yours, Paul Kirschmann Emil Kirschmann, 339 E- 173 Street New York 57, N.Y. USA 22, November 1945 Lieber Freund! - Bitte entschuldige, dass ich in letzter Zeit- wider willen aber tatsaechlich, schreibfaul war. Seit sechs Wochen.bin ich krank; vier Wochen musste ich fest im Bett sein. Die letzten zwei Wochen ging ich wieder etwas meiner Arbeit nach, sehr langsam und mit Unterbrechung. Bis ich wieder voll verwendungsfaehig bin, wird noch eine Weile ins Land gele n. Marie Juchacz hat einen grossen Teil der dringendsten schriftlichen Arbeit neben ihrer sonstigen fuer mich erledigt. Kaethe hat ihr Ressort- Pakete an die Freunde voll ausgefuehrt. Ich bitte mit dieser mir selbst sehr merkwuerdig erscheinenden Form des Briefwechsels von meiner Seite vorlaeufig zufrieden zu sein. Wie gross mein schriftlicher Verkehr mit den Freunden nach drueben ist, magst Du aus der Methode, die ich anwenden musste, erkennen; auch, wieviel Briefe unerledigt liegen bleiben mussten. Mir selbst ist das am unangenehmsten; Briefschulden druecken mich sehr. Mit Aufmerksamkeit und tiefer Freude haben wir verfolgt, wie aus dem Chaos allmaehlich sich wieder die Arbeiterbewegung formte. Erst, wie Ihr Euch in Frankreich gefunden und bewusst organisiert habt und dann der Wiederbeginn in Deutschland: Wir erlebten die Parteikonferenz in Hannover, von der uns Markscheffel einen sach- V lich ausgezeichneten und lebendig geschriebenen Bericht schickte, den wir hier verbreiteten; wir sahen, wie sich das gewerkschaftliche Leben neu organisierte; wir haben gerne notiert, dass ueberall die Arbeiterwohlfahrt aufersteht. Wir wissen, die Anfaenge sind hart. Nicht nur die besonderen Umstaende, unter denen sich die Wiedergeburt vollziehen muss, Besatzung, grausame wirtschaftliche Not, moralische Unzulaenglichkeit als Erbe der zwoelfjaehrigen Hitlerei, machen die Aufgabe fuer die Freunde drin fast unloesbar. Dazu kommt der Mangel an erfahrenen und brauchbaren Menschen, die bereit sind der Sache und nur der Sache zu dienen. Ich verstehe deshalb den Ruf, der sich in jedem Brief jedes Freundes findet: Wann kommst Du? Wir brauchen Hilfe! Wenn es nur auf den Entschluss ankaeme, waeren wahrscheinlich schon viele dem Ruf gefolgt. Doch es sprechen andere Faktoren das entscheidende Wort, Faktoren, auf die der einzelne Emigrant gar keinen Einfluss hat. Die massgebenden Stellen betrachten das als eine' politische Angelegenheit und es erscheint zur Zeit im Rahmen der augenblicklich noch gueltigen politischen Stroemung nicht opportun die Rueckkehr zu gestatten, Und so ist man gezwungen beiseite zu stehen, wo man gerne mithelfen moechte. Und so muss sich unsere -2Aktivitaet darauf beschraenken, den Bemuehungen drueben, ein neues besseres Deutschland aus den Truemmern zu schaffen, etwas Publizitaet zu geben. Das ist nicht leicht in einem Lande, in dem es. gar keine mit der europaeischen zu vergleichenden Arbeiterbewegung gibt. Kaum eine Presse, die sich uns fuer diesen Zweck zur Verfuegung stellt. Die Greueltaten der Nazis sind zu schlimm, und die Nachwirkungen der Kriegspropaganda zu nachhaltig, als dass fuer die Aufbauarbeit und Propaganda hierfuer schon die Bahn frei waere.. Bei genauem Hinsehen glaubt man manchmal den Silberstreifen am.. Horizont zu sehen. Am naechsten Tag kommt ein Rueckschlag. Dennoch: hierzu Land schlaegt nicht selten die Stimmung von einem zum anderen Tag um, wie das Wetter, Also, ich bin nicht hoffnungs los und jedenfalls wird in dem bescheidenen Rahmen, in dem wir arbeiten koennen, der Versuch energisch fortgesetzt, Sonst versuchen wir mit den schwachen Mitteln, die wir haben, unsere persoenliche Hilfe und die im Rahmen des" Workmen Circle"( einer Arbeiterkrankenkasse, Branch" Solidaritaet", Vorsitzende Marie Juchacz) fortzusetzen und auszubauen, Gegenwaertig sind wir damit beschaeftigt, die Vorbereitungen zu treffen, um, wenn die Tore nach Deutschland geoeffnet werden, unsere Aktion natuerlich nach dort auszudehnen Du siehst, lieber Freund, auch wir hier sind nicht ganz muessig Es ist und wir halten unsere Arbeit fuer wichtig und nuetzlich, notwendig, die durch Nazihandlungen und Kriegspropaganda vergiftete Atmosphaere in Amerika zu reinigen, wenn ein freies, demokratisches Deutschland leben soll. Viel herzliche Gruesse und gute Wuensche Dein( Euer) mil. . Mrs Marie Juchacz 339 East 173rd Street New York 57, N.Y. L.FRITZ, HEUTE NUA KURZ SCHÖNE . GRÜSSE BALD MI DBIN HERZLICHE den 14.November 1945 Eis BA eid IzalM I.nt onent 200 .8.8 iden D.A.E 8bI 8885 Mein lieber Fritz, liebster Junge, in meiner grossen Herzensfreude muss ich Dir sofort noch einmal schreiben. Ich hoffe, Du hast meinen Brief- und Emils natuerlich- schon in der Hand. Gestern nachmittag- es war Emils Geburtstag und wir waren ein wenig weh" Lotte Brother and muetig gestimmt, kam ein Telegramm von Ida Braun: family alright in Oberkassel." Wenn ich mir hinter Lotte ein Komma vorstelle, bleibt kein Zweifel mehr, dass sie alle dort irgendwo zusammen sind. Bitte-- innerhalb Deutschlands ist ja die Postverbindung geoeffnet.Schreibe doch aufs Geratewohl/ nach Duesseldorf- Oberkassel, vielleicht machst Du eine Notiz auf den Umschlag, dass man eventuell bei Frl Pulvermann nachfragen koennte. Ich erinnere mich, dass Lotte frueher dort gewohnt hat, ehe sie die Praxis aufmachte und Frl Pulvermann duerfte, falls sie lebt, in Oberkassel gut bekannt sein.---- Du kannst Dir vorstellen, dass es ein grosser Tag fuer mich war, ich bin sehr gluecklich, dass ich Euch am Leben weiss, wenn auch vieles dazwischen steht, was Ihr erlebt habt und was ich nur ahnen und mir vage vorstellen kann. F Der Sohn von Robert Kirschmann ist in Wien. Ich habe ihm mit gleicher Post geschrieben, Deine Adresse mitgeteilt, ihn gebete n Dir zu schreiben und Dich zu besuchen, wenn es irgend moeglich ist. Er spricht deut, Obersteiner Dialekt, wird jetzt noch etwas bayrisch dazu gelernt haben( er war in OberAmmergau) und wird jetzt etwas aufschnappen von den Wiener Maedchen.Was macht Dein Englisch? Die Adresse: Cpl.Paul Kirschmann 1.a. Co.U.S.F.A. Office of the Surgeon A.P.O. 777 c/ o. Postmaster New York, N.Y.---- ob das letztere fuer den dortigen Verkehr dazu gehoert, weiss ich natuerlich nicht. Ich nehme nicht an, dass die Briefe erst hier an eine Sammelstelle befoerdert werden.----- Dann schreibe ich noch an einen jungen" soldier" der auch in der Naehe ist, den ich und dessen Eltern ich kenne. Vielleicht ist es Dir ganz angenehm und ihm auch, w wenn Ihr Euch begegneb koennt. Er ist 19 Jahre alt und ein sehr netter und intelligenter Bursche. Seine Adresse: Privat Georg Krauthammer 42160691 H.Q. 9th Inf.Div. G.- 2.Section E.P.0.9. Postmaster New York So das ist fuer heute alles. Du siehst aber, dass ich an Dich denke, Emil genau wie ich.Wir warten auf das erste direkte Zeichen von Dir und freuen uns im Stillen darauf.--- Es ist so schoen Dir schreiben zu koennen, es ist ueberhaupt schoen in die Heimat hinueber Dinge sagen zu koennen, die man bis zum bestimmten Zeitpunkt nicht sagen( schreiben) durfte, weil man die Menschen, die man liebt nicht doppelt gefaehrden durfte. Das kommt mit, waehrend ich schreibe, ganz stark zum Bewusstsein. Des Abends, befor ich einschlafe, lese ich jetzt Hendrik Willem van Loon's Geography und erfreue mich daran.Er war einer der Grossen dieses Landes. Gute Grüsse, die grosse Mutt. Mrs Marie Juchacz 339 East 173rd Street New York 57, N.Y. L.FRITZ, HEUTE NUA KURZ SCHÖNE U. HERZLICHE GRÜSSE BALD ME DEIN den 14.November 1945 Eis Mein lieber Fritz, liebster Junge, in meiner grossen Herzensfreude muss ich Dir sofort noch einmal schreiben. Ich hoffe, Du hast meinen Brief- und Emils natuerlich- schon in der Hand. Gestern nachmittag- es war Emils Geburtstag und wir waren ein wenig wehmuetig gestimmt, kam ein Telegramm von Ida Braun:" Lotte Brother and family alright in Oberkassel." Wenn ich mir hinter Lotte ein Komma vorstelle, bleibt kein Zweifel mehr, dass sie alle dort irgendwo zusammen sind.Bitte-- innerhalb Deutschlands ist ja die Postverbindung geoeffnet.Schreibe doch aufs Geratewohl nen/ nach Duesseldorf- Oberkassel, vielleicht machst Du eine Notiz auf den Umschlag, dass man eventuell bei Frl Pulvermann nachfragen koennte. Ich erinnere mich, dass Lotte frueher dort gewohnt hat, ehe sie die Praxis aufmachte und Frl Pulvermann duerfte, falls sie lebt, in Oberkassel gut bekannt sein.---- Du kannst Dir vorstellen, dass es ein grosser Tag fuer mich war, ich bin sehr gluecklich, dass ich Euch am Leben weiss, wenn auch vieles dazwischen steht, was Ihr erlebt habt und was ich nur ahnen und mir vage vorstellen kann. F von azu de Die Adresse von Ida Braun, an die Du auch schreiben kannst, ist: Miss Ida Braun Fin.Int.Stats.Section Finance Div.Main H.Q. Control Commission for Germany B.E. Luebbecke/ Westfalen B.A.0.R. ze fuer den dort 11e befo Gez cu Ida Braun ist dort im" Civil Service"( Englische Zone), ich bin gluecklich dass ich ihre Adresse bekommen hatte. Da Du sie ja doch gut kennst, kannst Du ungeniert an sie schreiben. G.- 2.Section E.P.0.9. Postmaster New York So das ist fuer heute alles. Du siehst aber, dass ich an Dich denke, Emil genau wie ich.Wir warten auf das erste direkte Zeichen von Dir und freuen uns im Stillen darauf.--- Es ist so schoen Dir schreiben zu koennen, es ist ueberhaupt schoen in die Heimat hinueber Dinge sagen zu koennen, die man bis zum bestimmten Zeitpunkt nicht sagen( schreiben) durfte, weil man die Menschen, die man liebt nicht doppelt gefaehrden durfte. Das kommt mit, waehrend ich schreibe, ganz stark zum Bewusstsein. Des Abends, bevor ich einschlafe, lese ich jetzt Hendrik Willem van Loon's Geography und erfreue mich daran.Er war einer der Grossen dieses Landes. Gute Grüsse, die grosse Mutt. SCHLECHTE DEUTSCH. L. FRITZ D BITTE STOLPERE NICHT ÜBER DAS NACHSTE MAL WIRDS BESSER 3 Mr. Emil Kirschmann 339 East 173 Street New York 57 N.Y. - den 6. November 1945 Lieber Fritz, es war wirklich eine gute und liebe Ueberraschung, als uns Robert erst anrief und dann spaeter den Brief der Mutte Deinew" Boss" schickte. Bitte, sage Du Mr. van Loon noch einmal besonders auch in meinem ( unserm) Namen herzlichen Dank. Mieze( Deine" grosse Mutti" haben wir manches Mal grosse Froehlichkeit erzeugt, wenn wir die Geschich te erzaehlten, als Du als kleiner Junge bei Tietz in Koeln verloren gegangen warst und den um Dich besorgten Verkaeuferinnen weinend sagtest, als sie Dich fragten, ob Deine Mutter auch da sei:" Alle beede!" und auf die erstaunte Frage, ob Du zwei Muetter haettest, antwortetest:" Ja, ne grosse und ne kiяan kleene") hat in ihrem Brief alles gesagt, was gefuehlsmaessig gesagt werden, kann. Sie schreibt einen guten Brief und alles was sie sagt, gilt auch vormir, rich tiger: fuer mich. Um sich gegenseitig das zu sagen, was nach den langen Jahren der Trennung und des Erlebens in dieser Zeit wirklich gesagt werden muesste und koennte, muesste man sich doch gegenueber sitzen. Eine Nacht reichte nicht aus. Ja, lieber Junge, es sind in diesem Fruehjahr elf Jahre gewesen, als ich Dich betruebt von Saarbruecken nach Berlin zurueckfahren liess. Ich habe das-Deine Rueckkehr nach Deutschland- damals und spaeter immer fuer Unsinn gehalten, konnte aber Deinen Argumenten, vor allem dem, dass nicht alle herausgehen koennten undeinige drinnen bleibenmuessten nichts durchschlagendes entgegen setzen. Und seither haben wir nichts mehr direkt von Dir gehoert. Einige Male sahen wir Lotte in Saarbruecken und spaeter in Muelhausen- und sie erzaehlte uns einiges. Und spaeter noch einmal in einem Brief-wir waren schon in Amerika- von der Schwester Kaete's Du seist in der Naehe von Paul, der damals schon zurueck in Metz war, Soldat. Ich will hier in Kuerzeer zaehlen, was wir erlebten.( Von Dir kommt hoffentlich bald ein Brief mit Deinen Erlebnissen.) Nach dem Abstimmungsbe. trug an der Saar-es war ein Betrug und alle am damaligen Voelkerbundsrat Beteiligten sind schuldig- emigrierten wir nach Frankreich. Wir, das sind Mieze, Kaete( eine Schwester von Else Fey, die Dich einmal in Berlin besuchte ich, Max Braun und Frau und Georg Denicke( Vielleicht ist Dir Georg Decker eher ein Begriff) und Max Hofmann, den Du wahrscheinlich in Saarbruecken au gesehen undkennen lerntest. Es waren natuerlich viel viel mehr Leute, die vor den Nazis ausrueckyeen, aber ich zaehde nur die auf, mit denen wir in engstem Kontakt waren und zusammen lebten. Erst wohnten wir in der Naehe vor Metz, von dort gingen Brauns und Denicke nach Paris und wir mit Max Hofmann im Fruejahr 1936 nach Muelhausen. Dort arbeiteten wir, d.h. gaben unsere " Freigeits Korrespondenz", die sich im ganzen Ausland grossen Ansehens erf freute, heraus und machten illegale Arbeit. Muelhausen war ein guter Ort fue uns. Die Freunde dort waren ausserordentlich nett, hatten fuer unsere Arbeit grosses Interesse und waren hilfsbereit bis zum aeussersten. Wir hatten Verbindungsstellen entlang der ganzen Westgrenze und ich war viel unter wegs; von der Schweiz bis Holland, Dabei hatte ich viele Kontakte mit Freun den von drinnen. Und so kam es, dass th mit meinem Freund Max Hofmann zusammen auch gerade als die Deutschen in Luxemburg, Belgien und Holland einbrachen-am lo.Mai 1940- in Luxemburg war. Nur mit Glueck und mit Hilfe eines Freundes-der mir uebrigens spaeter auch half, aus Frankreich herauszukommen- kamen wir wieder heil in Muelhausen an, Dort blieben wir bis zum 14. Juni 1940, dem Tag an dem die Deutsch en in Paris einzogen, um in zehntaegiger Flucht schliesslich in den Pyrenaen( in der Naehe von Pau) zu landen. Dort, in einem gottverlassenen Dorf haben wir dann einige Monate - 2- beiden Bauern zugebracht. Diese franzo esich- baskischen Bauern sind ganz prachtvolle Menschen, stolz und frei ind Gestalt und Gebahren, treu und hilf bereit. Die Monate dort, in unmittelbarster Naehe der Demarkationslinie waren schoen und die Arbeit im freien war erholsam. Wir lebten dort in einem Haus, bestehend aus Kueche und zwei Raeumen. Wir, das sind in diesem Falle Mieze, Kaete, Margret Leuthe( Sekretaerin des Muelhauser" Republikaner", die seit Ausbruch des Krieges schon in Muelhausen bei uns lebte Max Hofmann und seine Familie( Frau Hofmann mit drei Kindern, zwei Jungs und einem Maedel war 1938 aus der CSR nach Muelhausen gekommen) und ich, im ganzen neun 1 Personen. Die beiden Raeume hatten wir einfach zu einem Damen- und einem Herrenzimmer abanzieren lassen, die Kueche war Wohn- und Essraum. Ganz atima allmaehlich wurden die Beziehungen zur anderen Welt wieder hergestellt. Das Durcheinander in Frankreich war damals wahrscheinlich nicht weniger schlimm, als es jetzt in Deutschland zu sein scheint. Aber wie wir Freunde fanden und wie wir gefunden wurden auch um die von amerikanischen Freunden besorgten" Dangervisen" in Marseille in Empfang zu nehmen- erzaehle ich spaeter, es wuerde fuer heute zuviel werden. Das war im September 1940, abgereist sind wir erst Ende Maerz 1941 und zwar getrennt. Mieze und Kaete am 24. Maerz ich am 31. Maerz. Unser Freund Hofmann waehlte einen anderen Weg-ueber Spanien und Portugal; erblieb in Portugal haengen und ist jetzt in England; die Frau mit den drei Kindern ist hier. Wir entschlossen uns erst nach Amerika zu gehen, d.h, von den Visen Gebrauch zu machen, nachdem wir durch einen gluecklichen Zufall festgestellt hatten, dass die Gestapo mehr an uns interessiert war, als angenehm sein konnte. Besonders mich schi sie auf dem Kieker zu haben. Als die beiden Frauen abfuhren, hatte ich noch kein Ausreisevisum aus Frankreich und konnte auch auf legalem Weg keins bekommen. Das war fuer die franzoesischen Behoerden in meinem Fall einfach verboten, Aber- ich bekam doch eins und zwar durch den Freund, den ich in einem anderen Zusammenhang schon erwaehnt habe. In Martinique traf ich dann die beiden Frauen wieder und mit vielen anderen Schicksalsgenossen fuhren wir dann nach vier resp. fuenf Wochen Lager nach Amerika wo wir am 29.Mai 1941, nach neunwoechentlicher Reise und zwar in New York ankamen. Mein Bruder Robert holte uns ab und noch in de gleichen Nacht fuhren wir mit ihm nach Hause. Dort in Meriden war es gut und ruhig und sehr freundlich. Kaete verliess uns zuerst; sie ging nach Northhampton zu Kindern, ich ging am 1. Dezember nach New York, um mich auf eigene Fuesse zu stellen, Mie fuhr anfangs Februar nach dem Mittelwesten in ein Heim der Quaeker, um die Sprache zu lernen. 1942 haben wir alle uns wieder in New York gefunden und nun leben wir zu dritt in einer bescheidenen Wohnung. Kaete ist Visiting nurse bei einer gemeinnuetzigen Einrichtung-sie hat Sprachexamen und Fachexamen gemacht und eine Licence erworben, ich betaetige mich als Salesman bei einem Bekannten aus meiner Heimat-ich verkaufe synthetische Stei ne an Juweliere und Ringfabrikanten- und Mieze steht dem kelien Haushalt vor und tut sonst sehr viel zuviel- was mit ihrer freuheren Taetigkeit zusammenhaengt. Auch ich habe das natuerlich nicht vergessen, pflege Verbindung mit vielen Freunden, die inzwischen wieder in Frankreich aufgetaucht sind und erreiche durch diese Freunde heute schon manchen Mann, an den Du frueher Briefe geschrieben hast. So, das ist in ganz rohen Umsissen unsere Geschichte; viel bleibt noch nachzuholen. Nur noch die Bemerkung: Das Leben hier war keine Zuckerlecke, aber sicher Gold gegenueber dem, was waehrend des Krieges von Euch ertragen werden musste. Jetzt noch eine materielle Sa che: wir ko ennen noch nicht mit Dir direkt verkehren, koennen Der auch kein Paket schicken. Aber das geht, wenn Du Mr van Loon bittest, er soll einen" Request" machen und bereit sein, fuer Dich den Empfaenger zu spie_ len. Bitte schreibe bald, vor allem, wie es Dir geht und was Du ueber Lotte und Paul weisst, resp. ueber sie erfahren kannst. Dort in Muenschen ist ein Freund von uns auch ein Emigrant- Sgt Ernst Langendorf. tetig Vielleicht siehst Du ihn, dann gruesse. Fuer heute allesgute und viel, viel herzliche Gruesse AUF EIN BALDIGES WIEDERSEHEN Lieber Fritz Röhl, wahrscheinlich haben wir uns a in Bahnhofstra e 80 gesehen aber out bald von Dir und hinter Euch ist, was durch das Nazi so viel liept da. Schachen! Hoff wirklich, etlicht. " HUTE AM. SOLD AT - Herzliche Grüsse IMMER DEIN system angerichtet wurde. Käthe Eint October 30th 1945 Lt. Gerard W. van Laon, My dear Lt. I wish to thank you heartily for your kindness to give us the information, that my nephew Fritz Michael Röhl is working in your Office. Wauld you please give this letter to him, which cantains information about his Family. thank gab again. very sincerly yours Robert Kirschmann, 41. Webster Str. Merckten kann Meridees, den 30tl. Oct. 1945 Lieber Fritz. Gestern erhielt ich einen Brief von Mrs. Hendrik van Loon mit der Nachricht, daß Du im Bürrow von Lt. von Loon beschäft bist; Und die Freundlichkeit mir die Adr. des Herrn Lt. anzugeben ermög licht mich Heute Dir ein paar Zeilen zu schreiben. Es sind viele Jahre her, seid wir etwas von einander hörten und in dieser fürchtbaren Zeit hat sich so unendlich viel und meistens bittetes für uns und die ganze Welt abgespielt.- So viel, daß man nur langsam und Stückereipe in die Einzelheiten gehen kam wenn man nicht ein Sammelsurium von Saurent Dingen auf dem Papier vereiengen will.- Darum will ich auch Heute mus auf die wichtigsten Dingen vor allen Dingen für Dich selbst, eingehen und später wieder in anderen Fragenweiterzumachen._ Also zunächst, Dieser kleine Brief von Mrs. van Laan brachte uns die Nachricht, daß Du lebst und hoffentlich gesund bist mit Dei ner Frau, die wir ja leider nicht kennen. Das machte uns große Freude und vor allen Dingen Deinen Lieben in New- hork.- Emil und Deine Tante Marie sind nämlich mit noch einer jungen Dame Namens Kathe Fey am 29ten Mai 1942 in New-York eingetroffen und haben 3/4 Jahr bei mir in Meriden gewohnt. Dann sind alle drei nach New-York gewandert, wo Sie sich häuslich niedergelassen haben und allen geht es gut. Ich habe selbstverständlich per Telf sofort mit Ihnen über Dein auftauchen gesprochen und Du wirst ganz bestimmt von Ihnen hören. Einzelheiten über Sie wirt Du von Ihnen erfahren, und ich will Dir vorläufig noch ein paar Mitteilun- gen von uns selbst machen. Von meinen Söhnen waren 2 Soldat. Robert war für 4 Jahre unten im Pacific und ist jetzt wieder daheim und verheiratet. Paul ist seit beinahe 3 Jahre in der Armee und jetzt irgendwo in Deutschland. Es war bis vor kurzem im Frankreich wurde aber kürzlich nach Deutschland versetzt. Aber wir haben seine neue Adr. noch nicht. Sobald wir dieselbe erfahren werden wir Ihn von Deinem Aufenthalt in Kenntniss setzen und vielleicht hat. Es dann do Möglichkeit Dich aufzusuchen. Georg hat nicht gedient und ist auch verheiratet und beide sind gesund. Daselbe kann ich von mir und Tante Ida sagen. Auf umwegen haben wir auch erfahren, daß Lotte und Paul mit Familie bis Waffenstillstandstag gesund waren. Dann hatte der vermitteler Contract verloren. Emils Adr. ist. Emil Kirschmann 339 East 173th St. New-York. N.J. Meine Adr. ist Robert Kirschmann 41. Webster Str. Meriden Cann Mitteilen kann ich Dir noch Kurz, daß mein Sohn Paul im Sept. dieses Jahres in Oberstein war und August+ Klara und alle von Tante Idas, e heite gesund angetroffen hat. Vieleicht konntest Du den Herrn Lt. bitten einen Brief an uns zu übermitteln wir waren glücklich etwas naheres von Dir oder Euch zu hören, sollten 2 Briefe zuviel sein, so schreibe an Emil und Es kann mich dann benachrichtigen. Mit vielen Grüßen und unseren besten Wünschen immer 8. Robert u. Tante Jsla. mir schon gegeben habe die" Es ist ein grosses, scheenes, freies- mir aber immer noc leben.Soviele Muehe i fremdes Land, in dem wir hier mdheit" zu ueberwinden, ich Sage bitte Herrn van Loon noch einmal meinen herzlichsten Dank fuer die liebensbringe es nicht fertig.Alte Baueme zu verpflanzen ist nicht so leicht. wuerdige Vermittlung und sei gegruesst von Deiner grasse M จา H Mrs Marie Juchacz 339 East, 173rd Street New York 57, N.Y. November 5,1945 Fritz, mein lieber Junge, war das eine liebe Ueberraschung, als die Botschaft von Frau van Loon ueber Robert, Meriden, Conn.hier bei uns ankam. Jetzt moechte ich Dir gegenueber sitzen, alles von Dir hoeren, was Du mir sagen moechtest, was ich gerne wissen moechte. Nicht nur all das Schreckliche was Du, was Ihr alle erlebt habt. Nein auch das andere, schoenere, bessere, was daneben geht und was man nicht verlieren darf. Der Nazi- Spuk ist zu ende- oder ist er es noch immer nicht? Aber die Waffen schweigen... Komische Sache, wir haben gar keine so grosse Erleichterung gespuert, als es endlich zuende war. Doch, es war schon eine Erleichterung zu wissen, dass nun keine Menschen mehr durch Bomben und auf andere Weise umgebracht werden. Aber-- es war da die Erinnerung an die Not von 1918 und die folgende Zeit.Und es war da das Wissen, dass nach diesem Krieg die Verhaeltnisse noch viel schlimmer sein wuerden, muessten, als es damals war. Und dann stand vor uns die Sorge um Euch- unsere Kinder- um die Freunde, die wir in D.und in Frankreich hatten zuruecklassen muessen.-- Welche Schicksale.Wir hoeren manches- natuerlich nicht alles, aber doch so viel, dass man schwer daran zu tragen hat. Dein persoenliches Schicksal. Vielleicht kannst Du uns darueber schreiben? Ich hoffe, dass nun bald doch die Post wieder in Gang kommen wird. Vor Jahren schrieb mir Lotte einmal Du seiest verheiratet? Weisst Du etwas ueber Lotte? Ueber Paul? Ich weiss nur, dass seine Frau Hanna nach langer Irrfahrt in Castellaun, im Hunsrueck, Hasenstrasse 131 gelandet sein soll. Dort ist sie mit den beiden Buben. Wenn ich nur Verbindung mit ihr haben koennte, dann gaebe das doch vielleicht einen Fingerzeig, der schliesslich zu Paul fuehrt, wenn er ueberhaupt lebt.Gretchen Henrion, Metz, St.Symphorien( Ferm) hat mir die Adresse geschrieben. Nach ihrer Meinung, vielmehr nach einer Kombination von Erzaehlungen, muss Paul den Deutschen ausgerueckt sein. Aber es ist bisher noch nichts daruber zu erfahren gewesen. Wenn Lotte noch in Duesseldorf waere, muesste ich eigentlich nach menschlichem Ermessen schon eine Nachricht ueber sie da sein, es sind schon die Namen von einer ganzen Anzahl von Freunden aufgetaucht. Ich kann immer nichts weiter sagen als dass die letzte Adresse Bismarstr.l gewesen sei.Warst Du jemals bei ihr ob das Haus noch steht ist ja sehr zweifelhaft, es war doch im Herzen der Stadt. Aber ich freue mich, freue mich so sehr, dass Du Dich an Robert erinnert hast und uns auf diese Weise eine Nachricht geben konntest. Und ich freue mich, dass Du doch- wie es scheint- arbeiten kannst. Manchmal, nein sehr oft habe ich das Gefuehl gefesselt zu sein, weil ich nicht dabei bin, wenn aus den Truemmern etwas aufgebaut wird. Aber wird denn ueberhaupt schon gebaut, entsteht denn schon was aus den Truemmern-- tausend Fragen, auf die es noch keine Antwort gibt. Armes Europa.Koennt Ihr nach dem Erleben der furchtbaren Jahre noch in internationalen terms denken? Wie stark muss man sein, um das nach diesen Jahren und nach dieser Abgschlossenheit zu koennen. Kannst Du mal zu Wilhelm Hoegner gehen und ihn von mir gruessen? Hast Du von Dr Schuhmacher gehoert und von der Tagung in Hannover? Von diesem Mann hatte ich mir immer viel versprochen und war beglueckt zu hoeren dass er lebt und er scheint- dem Naziterror zum Trotz- noch gewachsen und ausgereift zu sein.Er kann gesundheitlich kein Titan sein, ich wuensche ihm viele Helfer, wirkliche Helfer. Ich habe eine sehr grosse Korrespondenz mit deutschen Freunden in Frankreich. Ich mache hier mit sehr schwachen Kraeften, mobil, was ich erreichen kann- um Hilfe zu bringen-- mit sehr schwachen Kraeften.