course life Name: Marie Juchacz adress: born: March 15 1879 in Landsberg on the Warthe Germany rationality: stateless. relatives: I have no relatives in America I completed elementary school and worked as a murse in a sanatorium and as a dressmaker. I” 1913 I became a Secretary of the Social Demovatic Party of Cologne with the special responsibility of organizing work among women. From the out break of the war until 1917, I was active ex-afficio in the weldare work tor children and matters, affected by the war. In the spring of 1911 I was made a member of the National Execative Committee of the German Social Democratic Party and head of the Women's Bureau of this organisation When the war ended, I was made a member of the German National Assembly at Weimar. "fram the end of the war until the Nazis" came to power in 1933 I was a member of the German Parliament(Reichstag) During this period I continued to serve as head of the Women's Bureau of the Social Denocratic Party. In December 1919 I was an af the founders of the Labor Welfare Association.(Arbeiter-Wohlfahor) which was the welfare organisation of labor throughout all of Germany. I remainder I remained a member of the Executive Committee of this association until 1933, the association induded more than 10,000 voluntary working in all of the cities of Germany and in rural districts at the time Hitler came to power in 1933. Amang other activities, the Labor. Welfare Association maintained homes far. children homes for convalescents homes for maladjusted girls, and a school for training socialwarkers. I was also, one of the publishers of thea monthly Magazine. Die Arbeiter-Wohlfahrt In May 1933 I emigrated to the Saar District, There I helped in the struggle for maintaining the status gud in the Saar Plebiscite, and efablish conducted an eating place at which and refugees active in the Saar fight against Hitler could get their meals. After the Plebiscite I emGrated to France and lived in Alsace where I was one of the editors of the"Freiheit-Korrespondent" (Freedom Papers) an anti-Hitler news bulletin After the French collapse in June 1940. I went to Southern France where I had charge of house keeping arrangements at a small cooperative establishment. In March 1941 I left France for the United State: My first wish in America is to learn the language so that I, through what knowledge and experience I have, my serve the country which has so kindly given efforts ta maintain demacracy. ne refuge in Marie zuchacz au Maria Robl Meine liebe Maria, den 27.0kt.1950 als ich am vergangenen Freitag, also vor genau 8 Tagen in unsere Düsseldorfer Klause zurück kehrte( nach monatelanger Abwesenheit, nur mit ganz kleinen Unterbrechungen) lag auf meinem Tisch ein verheissendes Päckchen mit Deinem Absender. Was es enthielt weisst Du.Ich bin sehr glücklich darüber.Nicht hur, weil es so schön ist und weil es mir so gut tun wird, es gebrauchen zu können, sonder weil es ein Stück aus Deiner geschickten Hand ist, was seinen Wert für mich erhöht. Gestern, am Nachmittag kam Käthe nach einer Reise zurück, die vier Wochen gedauert hat.Sie war zuerst bei ihren Leuten in Saarbrücken und dann in Bensheim, wo sie ihrer Schwester Else bei ihrem Umzug half.Nun werden wir einige Zeit beisammen sein, weil ich die löbliche Absicht habe einmal zuhause zu bleiben. Ja, ich war unruhig, weil Fritz nicht schrieb und Paul war es auch,-sehr-. Paul hängt sehr an Fritz und ist traurig, dass er ihm nicht helfen kann. Das kann er wirklich nicht bei seinem kleinen Gehalt und der Belastung durch die Familie. Es ist doch eine grosse Erleichterung für mich, dass ich doch wenigstens( immer noch) zu leben habe und infolgedessen unabhängig bin. Solange ich mich rühren kann, ist es ein wenig reichlicher und hinterher wird es mit meiner kleinen Rente, knapper sein. Das schadet aber nichts, wenn es mir nur die innere und ässere Unabhängigkeit sichert.Solche Gedanken hätte ich vor kurzer Zeit noch nicht ausgesprochen. Ich werde sie auch jetzt nicht oft aussern. Aber es ist mir nun einmal so in die Finger gelaufen, als Reflexion aller Gedanken und Empfindungender letzten zwei Jahre.So lasse ich es denn stehen, Du wirst es schon nicht missverstehen. Ich weiss, es ist alles zeitbedingt, auch die ewigen Verlegenheiten von Fritz und die Schwierigkeiten die Lotte hat, trotz ihres selbstgewählten, und für eine Frau doch wirklich schönen Berufes als Juristin.So habe ich mir wirklich vieles versagt, um der Lotte und dem Paul, die von beiden erwünschte, Ausbildung zu sichern und die kleine Mutti und Emil waren auch nicht kleinlich..... ach Schwamm drüber. Und bitte, der Fritz braucht sich nun wirklich nicht besonders sorgen, wenn er mir das Geld( den Rest) nicht zurück geben kann. Es war ja gut, dass ich es zufällig hatte, weil endlich meine Angestelltenversicherung in Ordnung gekommen war und dabei auch noch eine Nachzahlung heraus sprang.Fatal wäre es nur gewesen, wenn ich mir das Geld für ihn hätte leihen oder dafür gutsagen müssen..... Doch so ist es ja gut. Ja, Paul hatte sich gesorgt und es verging kein Tag an dem er nicht ein oder zweimal mit einem tiefen Seufzer sich daran erinnerte, dass Fritz noch immer nicht geschrieben hätte. Bis ich dann die paar Erinnerungszeilen schrieb.Aber besser ist es danach nicht geworden, denn er malte sie seine Verlegenheiten himmelhoch aus und sagte, er konne so nicht leben. Er sieht das natürlich aus seiner Perspektive und muss es auch so sehen. Und ich muss sagen, dass ich froh darüber bin, dass er sich so peinlich vor Schulden hütet.Zwischen ihm und Hanna gäbe es ja niemals das kameradschaftliche Zusammenstehen, er wäre dann immer mit seiner Last allein. Das hat ihn, zusammen mit seinem speziellen Beruf und seinen regelmässigen aber immer kleinen Einkünften wohl so geformt. Aber ich bin froh darüber, bin ich doch in diesem einen Fall die innere Sorge los.--- Rudolf macht sich gut in der Baumschule.Er hat-neben der harten( nicht immer intressanten) Arbeit, auch theoretisches Intresse. Ich glaube nachträglich, auch aus gelegentlichen Aeusserungen vom Helmuth, dass es nicht nur am Rudolf lag. Der Lehrerin war der über das Mass lange Junge nicht lieb, der katholischen Lehrerschaft sind die evangelischen( nicht einmal frommen) Kinder des nicht sehr beliebten" Netteguts" nicht angenehm, dazu gilt der Vater sogar noch als Sozialdemokrat.Wenn er auch nicht besonders hervortritt so ist das doch anrüchig.Kam hinzu, dass im ganzen letzten Jahr die Kinder unter dem Mutter- Vater- Verhältnis litten, dass die Mutter gegen den Besuch dieser Schule war.Auch haben sie sich gegenseitig gestört, in der Familie hielt man den Jüngeren( fälschlich) für kluger und ermahnte ihn gelegentl. seinem Bruder zu helfen. Psychologisch ein unmöglicher Zustand. . Jetzt meine ich hat es der anschmiegsamere Helmuth in der Schule leichter, das Familienverhältnis ist besser, die Mutter achtet da- rauf, dass H. seine Arbeiten regelmässig macht, d.h. sie hat eine an- dere Einstellung zum Schulbesuch ihres Lieblingssohnes H.-- Ist ja Unsinn, dass ich Dir das alles schreibe.-- Nur soll Fritz die Hanna nicht mehr an ihre Dämlichkeiten vom vergangenen Jahr erinnern auch nicht durch eine gelegentliche Nebenbei-Aeusserung. Diese Erinnerungen sind beschämend.(Ihr Verhalten war während des ganzen Jahres nicht das eines normalen Menschen und sie erinnert sich sicher nicht gerne daran, noch weniger lässt sie sich gerne daran erinnern.) Unsere Wohnungsangelegenheit in Düsseldorf hat sich zufällig angenehm weiter entwickelt. Meine Zimmernachbarin musste aus familiären Gründen ihr Zimmer aufgeben, zu ihren Eltern gehen. Für sie war die schöne Unab- hängigkeit vorbei, für uns war es ein Glllok,für die andere Nachbarin ein empfindlicher Schmerz. Denn mit Hilfe von Lotte, in meiner und der besagten anderen Nachbarin Abwesenheit sprach das Wohnungsamt Käthe dieses Zimmer mit Kücke und Balkon zu. Wir braichten nunr eine mit Ta- pete zugeklebte Tür aufschneiden und das"appartment" war fertig. Es ist alles noch ein bischen kahl und verbesserungsbedürftig, auch sonst für unser Einkommen(?) ein wenig teuer, na u.s.w. Aber K. ist nicht nach gylt gegangen, demnächst tritt sie wahrscheinlich eine Lehre in einem hiesigen Krankenhaus an, das ist aber noch in der Entwicklung, auch mit der Anrechnung ihrer NYer Lehre und Praxis. Käthe lässt herzlich grüssen In der Sache mit dem Knaben kann ich schlecht raten. Ich weiss nicht ein solches Heim, dass nach diesen kurzen Angaben für das Kind passen würde Herr Höfner soll doch einmal an den: Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt, Hannover, Kümmelstr. 4 schreiben. Vielleicht kann man ihm raten. Es ist ja auch eine Geldfrage. Hat sich denn ein Kinderpsychologe schon mal mit dem Jungen beschäftigt? Manchmal sind es ja nur kleine Entwicklungsstörungen.—So traten in den letzten Wochen Eltern an mich heran. Nach ärztlicher Erkenntnis handelte es sich im die Ueberwucherung der Schilddrüse durch eine kindliche Entwicklungsdrüse. Eine krasse Luftver änderung soll(nach Hoffnung des Arztes) hier Hilfe bringen, um die Ent- wicklung der 12jährigen zu normalisiren. Da konnte ich einfach ein Ver- zeichnis unserer Heime für Kindererholung geben und es den Eltern und dem Arzt überlassen eine Auswahl zu treffen. Also: Herr Höfner muss mit einem passenden Arzt und dem besagten Hauptausschuss oder einer an; deren Organisation zusammen wirken, um sich, seiner Familie und vor allem dem Kind zu helfen. Es ist schade, dass Du mit Herrn Bouillon aus München nach zu einem Accord wegen Deines Wohnheimes* gekommen bist. Aber vielleicht ist es Dir und der Entwicklung der Schule günstiger, wenn Caritas die Hände dazwischen hat? « Wohnheim in Neula geplant. Von Inneren Mission gehörtig Dass Fritz sein Lebensversicherung kündigen musste, der Schulden wegen, tut mir schrecklich leid. Und dass er, der Praktische, sich nicht Milch und Eier verschafft und richtig und zur rechten Zeit zubereitet, ist nicht gut, auch keine Beruhigung für Dich, es sollte auch nicht so sein. Er sollte auch Deinetwegen, auch wegen der seelischen Belastung die es ir Dich ist, sehr viel Dizipun üben, um mit dem Alleinsein so gut fertig zu werden, wie das möglich ist Ich komme mir vor, wie eine alte morali- sierende Tante, die ich doch garnicht bin, auch nicht sein will. Aber das spricht alles aus meiner tiefen Sorge heraus.—— Paula Petrasch-Keller /ist eine vielseitig gebildete und verständnisvolle Person. Sie ist sich in Án sogar klar darüber, dass durch die Bindung Deiner Mutter“ an das Heim flem und ihr Wohlfühlen dort, eine Lockerung der Familienbindungen entstehen Schlonmuss. Das ist ein psychologischer Prozess bei alten Leuten, der unabänderlich ist. Es ist auch nichts dagegen zu machen.— Aber die Hauptsache ist Wieser doch immer, dass der alte Mensch sich restlos wohlfühlt und dass Du die thau seelische Belastung los wirst, die Du bei Deiner harten und so schönen, weil schöpferischen Arbeit wirklich nicht gut gebrauchen kannst. bu Wir denken und sprechen viel von Euch. Forchheim Herzlichst Eure o überhaupt (sehr primitiv!) zu Privatheim Bad Hombus gr. M. gewechselt. ent Rotel Fritzmichael Neppert an Frau Pastor 19. April 1956. (schriegermutter) 3 Meine liebe Mammi, so lange hast Du nun nichts mehr von mir gehört, und es war so unendlich viel Ünerfreuliches, dass ich lieber garnicht ge- schrieben habe. Aber das ist nicht recht von einem Schwiegersohn gehandelt. Deinen letzten Brief habe ich vor mir liegen. Er ist vom 30. Januar, aus der Zeit, als grosse Mutti starb.- Ich bin, alsn ich Deinen Brief bekam, gerade auf dem Weg zum Bahnhof gewesen, um nach Düsseldorf zu fahren. Es waren die Tage der grausamen Kälte, im Zug xxx waren die Heizungen eingefroren, es war eine so abscheuliche Nacht- fahrt, dass ich- unabhängig von dem Schock, den ich durch grosse Mut- tis Tod erhalten hatte- völlig gerädert in Düsseldorf ankam. In der Nacht der Fahrt hatte ich natürlich kein Auge zumachen können. In Düs- seldorf musste ich mir einen Schwarzen Rock mit Weste kaufen, einen schwarzen Mantel, und einen schwarzen Hut. Da alles so gut angezogen zum Begräbnis erscheinen würde, bestanden alle darauf, dass ich gute Sachen kaufe. So gingen dafür fast 500.00 Mark hin,- und wie oft zie- he ich denn schwarz an!? Mittags fuhren wir von Düsseldorf nach Köln, wo die Einäscherungsfeier stattfand. Das Kramatorium war nicht geheizt, die Blumen der Kränze waren alle gefroren, auch der Kranz, den Lotte und ich zusammen der grossen Mutti noch ans Grab legten. Und ich weiss genau, dass die grosse Mutti das alles für töricht gehalten hätte. Ich weiss, dass sie gesagt hätte, daß eine kleine Blume genügen würde, und dass man das Geld für etwas anderes ausgeben solle. Aber nun war das einmal ſo, und jetzt ist es vorbei, obwohl ich wünschte, dass ich Jetzt die 750.00 Mark hätte, die das alles gekostet hat. Die Beerdigung hat ja die Arbeiterwohlfahrt gezahlt, das war sie der grossen Mutti auch schuldig. Nach der Einäscherung war man noch im kleineren Kreis zusam men, und abends bin ich dann wieder in den Zug gestiegen, und die Rück fahrt war noch schlimmer, weil die ganze Sache mich doch sehr stark mitgenommen hatte, weil der Zug restlos ausgefroren war, und man noch nicht einmal die Toiletten benutzen konnte, weil alles bei der Kälte geplatzt war.- So kam ich nach der zweiten schlaflosen Nacht nach Mün chen zurück. Ich habe mich dann wieder langsam etwas erholt, Frau Marie Juchacz San Remo- Strasse Düsseldorf Oberkassel vau LO Januar 1956. Liebe grosse Mutti, Käthe wird schon wieder auf Norderney sein.- Gib uns bitte ihre Anschrift, wir wollen einiges nachholen. Ein Unglück kommt selten allein: einige Tage vor Weihnachten fuhr ich mit dem Bayerischen Fernsehfunk nach Naila, um Aussenaufnahmen für eine Fernsehsendung über die Schule und ihre Arbeit zu machen( ich habe angefangen, für den Bayerischen Fernsehfunk zu arbeiten, und hoffe, dass sich daraus meine berufliche Zukunft entwikkelt, weil diese Tätigkeit alles heberherrt was ich auf dem Ge biet der Publizistik- Presse, Verlag, Film, Funk, Foto- gelernt habe). Da ich mit meinem verkehrsunfall behinderten Bein noch nicht so kann, wie ich meinem Temperament entsprechend möchte, knackste ich bei den Aufnahmen mit dem linken schwachen Bein zusammen und holte mir im Fussgelenk eine Distorsion mit Bluterguss, angerissener Sehne und anderen Kleinigkeiten. Trotzdem machte ich( entgegen dem Rat des Arztes) die Aufnahmen fertig, denn die Verantwortung war zu gross. Immerhin hat sich der Funk mit dieser Fahrt in Unkosten gest stürzt. Maria kam mit nach München und kümmert sich um mich. Das waren unsere Weihnachtstage. Und wir hatten soooo viel vor. wollten vielen Menschen zumindest eine kleine Freude machen. Wei man nie genug an Freude geben kann. Schwann darüber. Die Aktion der" Neuen Sammlung" verlief mit unwahrscheinlichem Erfolg: akle eingegangenen Schriftstücke haben den( leider völlig ungeeigneten) Referenten überzeugt, dass Maria Neppert- Boehlandeine recht tuechtige Frau sein muss. Dottlob hat es den politischen Kurswechsel gegeben, dessen kulturpolitische Orientierung sich zwar noch nicht am ministeriellen Horizont abzeichnet, aber er garantiert bereits die Toleranz. Der keleine Verein in Naila ist in seine Grenzen zurückgewiesen. Marias Kampf geht jetzt darum, wieder die Ebene zu erobern, die wir seinerzeit gemeinsam mit dem damaligen Referenten( der inzwischen pensioniert ist) mit dem modernen Schulbau und dem modernen Unterrichtsplan geschaffen hatten. Oberfinanzdirektionen, Rechnungshöfe und andere Organe haben sich inzwischen eingeschlaltet und umfangreiche Schriftsätze losgelassen, die ebenso ausführlich beantwortet werden müssen. Das war unsere- Marias und meine Arbeit während der Weihanchtsfeiertage( dann fuhr Maria einige Tage nach Naila, um Industriemodelle zu zaubern), und ab 3. Januar. Heute Vormittag sind wir mit der Entgegnung an den Obersten Rechnungshof fertig geworden, heute Mittag fuhr Maria nach Nailazurück. End ich benutze den ausklingenden Tag zu diesem Brief an Dich, denn in den nächsten Tagen komme ich nicht dazu, Dir zu schreiben. Maria wird Dir noch einen Erinnerungszettel schicken, dass am 18. Januar( ein Dienstag) abends um 21.15 Uhr über das Bundes- Fernsehprogrammeine Fernsehsendung läuft:" Naila Hängt an vielen Fäden". 100 - - Das Manuskript zu dieser Sendung habe ich geschrieben. Unter einem Preudonym. Hast Du in Düsseldorf gelegenheit, FernsehFunk zu erleben"( das bisherige Programm Bundesprogramm war zumeist recht trostlos)?-Sieh Dür- wenn möglich- diese Sendung an. Ich glaube, dass sie nicht schlecht wird. Dein Urteil würde mich interessieren. Du siehst immer so klar. Allmählich fange ichieder mit meiner Fotoarbeit an, es laufen schon wieder einige Dinge, sodass ich die traurige Zeit endlich hinter mich bringen konnte, traurig deshalb, weil die Versicherung des Amerikaners, der den Unfall verschuldete, eine bisher viermonatige Verzögerungstaktik betrieb. Bis Ende Januar soll alles geregelt werden, dann sind alle Löcher zugestopft, und ich kann ohne seelisch- materielle Belastung weitermachen. Bisher fehlte mir das Gefühl dieser für meine Arbeit wichtigen Freiheit. Ich mache Dir einen Vorschlag Crasse Mutth echial an Käthe. Ich schreibe ihn gelichzeitig fin sie-- So machen es Maria und ich auch, wir informieren uns über alles durch ständigen Austausch.- Und gib mir Käthes Adresse. Ich habe schon manches Mal daran gedacht, ob Käthe nicht Norderney mit München vertauschen könnte, zumindest für einige Zeit. Von München nach Düsseldorf ist es genau so weit wie von Norderney. Auch in Süddeutschland gibt es eine AW mit Plätzen, an denen ein Mensch wie Käthe gebraucht wird. Da- wie ich hoffe- Käthe diesen Brief bekommen wird, erfährt sie von meinen Gedanken. München ist schön, eine lebendige Stadt, mit einer noch schöneren Umgebung. Und für Käthe wäre es wichtig, einmal eine andere Luft zu atmen. Ausserdem wäre es schön, sie in meiner Nähe zu haben. Und mit meinem Wagen fährt man ebenso schnell einmal nach Düsseldorf und zurück, zu einem verlängerten Wochenende, sodass ich Dich ebenfalls öfter sehen würde.( Ausserdem über die Bergstrasse). Späte Einfälle zu später Stunde. Man soll sie äussern, finde ich. Du wolltest in Kürze das Wichtigste.- Ich schreibe selten genug. Wäre den 76. Geburtstag nich eine Gelegenheit, entre famille das nachtuholen, was- Dir wohlverdientermassen zum 75 offiziell# zu_ gedacht" wurde? Marias und meine Gedanken sind dieselben, sie kann diesen Brief nicht unterschreiben, Aber sie tat es heute morgen, als wir, wie so oft, von Dir sprachen. Alle guten Wünsche, liebe grosse Mutti, von uns beiden, an Dich, und an Käthe, die diesen Brief erhält, sobald ich die Adresse habe, Dein ( Durch schlag eines Briefes von Fritzmichael Röhl an Marie Juchacz zum 76. Geburtstag) ( Da unleserlich neu getippt. Ohne inhaltliche Korrektur oder Streichungen, leldiglich Umlaute getippt, die auf FMR's àiten alten ameri_ kanischen Maschine fehlten, daher die ungleich langen Zeilen.) 24.5.79. Mastia Rald sen. Nippert Barkland Palegexemplar UNSERE ARBEIT Das Blatt für die Helfer, Förderer und Mitglieder der AW AD Bonn, August 1960 5. Jahrgang, Nummer 8 Herausgeber: Arbeiterwohlfahrt, Hauptausschuß e. V. Z 6831 E Soziale Aufgaben in Indien ( Zu unserem Bericht S. 4-5) Foto: Pressestelle der Indischen Botschaft Unser Brief: Liebe Freunde! In diesem Monat wird unter eine Freundschaft, die in den dunklen Jahren der inneren und äußeren Not begann, ein Siegel gesetzt werden, das die Dauer und Beständigkeit dieser Beziehung verbürgt. Ich meine die Freundschaft zwischen zwei Wohlfahrtsverbänden, von denen der eine in Amerika, der andere in Deutschland seinen Sitz hat: Das Unitarian Service Committee( USC) Boston und der Hauptausschuß der Arbeiterwohlfahrt ( AW) in Bonn. Damals, vor mehr als 10 Jahren, kamen Delegierte des USC zu uns nach Deutschland, um zu fragen, wie sie uns außer materieller Hilfe- sonst noch Beistand leisten könnten. Damals begann die Freundschaft, und sie fand ihren äußeren Ausdruck in der Veranstaltung einer langen Reihe von Seminaren. Zu diesen Seminaren sandte das USC erfahrene Fachleute der sozialen Wissenschaft und Praxis. Diese machten unsere Mitarbeiter und Freunde, die in den vorausgegangenen Jahren der beruflichen Isolierung von der in der Welt vorgegangenen Entwicklung ausgeschlossen gewesen waren, mit den Auffassungen und Vorstellungen moderner Sozialarbeit bekannt. - Siebzehn solcher Seminare fanden in denJahren 1949-1953 statt, mehr als 450 Männer und Frauen, von denen viele an sehr hervorgehobener Stelle der öffentlichen Fürsorge oder der AW stehen, nahmen daran teil. Sie alle denken heute noch mit aufrichtiger Dankbarkeit an jene Arbeitswochen zurück, in denen wir gemeinsam mit den amerikanischen Kollegen uns bemühten, die sozialen Auffassungen und Inhalte der Vergangenheit zu analysieren, vor allem aber uns über das klar zu werden, was in unserer Zeit notwendig ist, um auch von der Seite der sozialen Arbeit her, die in den Menschen angerichteten seelischen Verwüstungen zu heilen. Wir suchten gemeinsam nach neuen Wegen, nach Methoden, mit denen wir besser und erfolgreicher helfen könnten, mit größerer Sachkunde, mit vertieften psychologischen Einsichten, nach pädagogischen Grundsätzen, die im Schmelzofen der Erfahrungen und Einsichten unserer Tage befreit worden waren von den Vorurteilen einer überwundenen Zeit. Wir wurden uns darüber einig, daß Hilfe nur dann auch die Eigenkräfte des Hilfesuchenden zu aktivieren vermag, wenn sie in einer Weise geschieht, die den anderen nicht demütigt, ihn nicht zum Almosenempfänger degradiert, sondern in einer Art geleistet wird, die ohne Vorbehalte, ohne Bedingungen gerade auch den Gefährdeten, den schon Gestrauchelten brüderlich annimmt. Und wir suchten gemeinsam nach Wegen, wie auch im weiten Bereich der sozialen Arbeit- die ja letzten Endes aus nichts anderem besteht als aus hilfreicher menschlicher Begegnung- durch die Art und Qualität dieser menschlichen Begegnungen ein Beitrag dazu geleistet. werden könne, daß das Schreckliche, das Unmenschliche der Vergangenheit sich nicht wiederholt. Die Würde des Menschen, seine Freiheit müssen auch in der sozialen Arbeit respektiert werden, Toleranz als ein Wesenselement der Demokratie muß auch die Beziehung zum hilfesuchenden Mitmenschen bestimmen. Diese und ähnliche Gedanken lagen allen Überlegungen, auch den spezifisch fach2 lichen zugrunde, über die in diesen 17 Seminaren diskutiert, gestritten und gerungen wurde. Mehr als 10 Jahre sind seit dem Beginn dieser Zusammenarbeit zweier Wohlfahrtsverbände vergangen, die auf zwei verschiedenen Kontinenten beheimatet sind. Damals waren wir die ausschließlich Empfangenden. Wir haben weiter gearbeitet; wir hier, unsere Freunde in den USA. Und nun werden wir uns in diesem Monat mit 12 nach einer Pause von 7 Jahren amerikanischen Freunden wieder treffen. Wir werden vom 16.- 27. August in unserem Zentralschulungsheim in Rösrath zusammenkommen, um über die Probleme zu sprechen, die die Welt von heute der sozialen Arbeit stellt. Aber der Kreis wird größer gezogen sein als in den Seminaren, die wir bis 1953 gemeinsam durchführten. Auch aus der Schweiz, aus Österreich, Belgien und England werden Persönlichkeiten aus den verschiedensten Bereichen der Sozialarbeit Gäste des Hauptausschusses der Arbeiterwohlfahrt sein; zusammen mit den Teilnehmern aus der Bundesrepublik wird dieses Internationale Seminar für Sozialarbeit 70 Personen umfassen. Das Saatkorn, das vor mehr als 10 Jahren gelegt worden ist, ist aufgegangen und hat Frucht getragen. Könnten wir auf andere Weise besser danken? In unserer Zeit und Welt, die, wie wir es in diesen Tagen wieder mit erschreckender Deutlichkeit erfahren, sich in einem konstanten Zustand der Labilität und Gefährdung befindet, brauchen wir nichts so notwendig wie gute Beziehungen und Freundschaft zwischen Menschen und Organisationen in aller Welt. Unser Seminar in Rösrath ist nur ein kleiner Beitrag dazu, er erhält seinen Wert aber durch die Gesinnung, die alle Beteiligten beseelt. Ihre Glückliche Familien schaffen glückliche Menschen Von der Arbeit der Mütterschule der AW in Minden - Mit Unterstützung des Sozialministeriums des Landes Nordrhein- Westfalen, des Landesverbandes Westfalen- Lippe, der Stadt und des Kreises Minden hat die Arbeiterwohlfahrt, Bezirk östliches Westfalen Kreis- und Ortsausschuẞ Minden in der Stadt Minden eine Mütterschule als institutionelle Einrichtung der Familienpflege geschaffen. Diese Einrichtung wendet sich an alle Mütter, die jungen und die alten Mütter, die, die das erste Kind erwarten, und die, die schon viele Kinder haben, die berufstätigen Mütter und die Mütter, die den Vater mitersetzen müssen, die Mütter mit kleinen und die Mütter mit heranwachsenden Kindern, an Großmütter und Frauen, die ihren Beruf in der Familie ausüben. Dazu kommen die Mädchen über 18 Jahre und die Bräute, die auf die Aufgaben in Ehe und Familie zugehen. Ebenso wendet sie sich an die Väter und Verlobten, wenn Fragen und Aufgaben durchdacht und durchgesprochen werden die unmittelbar die gemeinsame Verantwortung von Mann und Frau betreffen wie Erziehungsfragen, Berufsfragen, staatsbürgerliche Fragen, Wohnungsfragen, Fragen der Freizeitgestaltung. Bei allem, was diese Mütterschule aus dem Lebens- und Aufgabenbereich der Familie mitlebend und mitdenkend aufgreift, ist entscheidend, daß ein deutliches Bild in der lebendigen Begegnung mit den Müttern als Leitbild entwickelt wird, das den Aufgaben der Familie in der heutigen Gesellschaft entspricht. Diese Mütterschule macht ernst damit, daß sie eine Stätte der Erwachsenenbildung ist. Es geht gewiß auch um eine reale Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten, aber immer muß sie so geschehen, daß dabei eine innere Bildung sich vollzieht, die zu verantwortlichem selbständigem Handeln und echten Entscheidungen befähigt. hove herke Die Mütterschule soll Freude an der Familie und an den Familienaufgaben wecken und entfalten. Sie muß dazu beitragen, daß die Familie in der heutigen Zeit einen neuen Aufforderungscharakter bekommt. Darüber hinaus wird sie allen Teilnehmern Gelegenheit geben, sich in einer ihrem Alter, ihrer Lebenserfahrung und ihrer Lebenssituation angemessenen Weise für die Anforderung in Beruf, Ehe, Mutterschaft, Haus und Familie fähig und bereit zu machen. Nur glückliche Familien schaffen glückliche Menschen. Die im Kursus bereitete Mahlzeit vereinigt fröhlichen Tischrunde. die jungen Frauen und Mädchen zu einer Fotos: Archivbild Die Mütterschule Minden als Modelleinrichtung vermittelt in elf Kursusgruppen Kenntnisse und Fähigkeiten auf allen Gebieten des familiären Lebens. Vom Kochen über die Haushaltspflege, von der Erziehung über die Säuglingspflege, vom Nähen bis zu Fragen der modernen Geselligkeit spannt sich der weitgehende Rahmen. Fragen der Kosmetik und der Körperpflege, Probleme des Umganges mit Menschen im Berufs- und Privatleben und Anregungen, wie mit selbstgefertigten Kostbarkeiten nach eigenem Entwurf das Heim verschönert werden kann, sind weitere Themenkreise dieser Einrichtung. Bei der Behandlung all dieser Fragen, selbst bei der Vermittlung ganz konkreter Fähigkeiten und Kenntnisse wird darauf Wert gelegt, daß im Mittelpunkt aller Bemühungen der einzelne Mensch steht, der sich in die Gemeinschaft der Familie und darüber hinaus in die Gemeinschaft unseres Volkes gestellt sieht. Seit Inbetriebnahme der Mütterschule haben bereits 1500 Mädchen, Frauen, Mütter und Großmütter, Verlobte und Väter an den verschiedensten Kursen teilgenommen. Immer mehr setzt sich auch bei ihnen die Erkenntnis durch, daß die Familie als Hort engster menschlicher Gemeinschaft nicht nur eine geschenkte Kostbarkeit des Lebens ist, sondern auch Pflichten und Anforderungen stellt. Ihnen als Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Mütterschule ist diese Einrichtung nicht nur eine Stätte der Bildung, sondern auch eine Stätte der Begegnung geworden. So steht über dem Wirken der Mütterschule Minden der Satz:„ Glückliche Familien schaffen glückliche Menschen." M. B. Später wird man im eigenen Haushalt manches Familienfest mit hübsch verzierten kleinen Leckereien verschönern, wie man es hier in der Mütterschule gelernt hat. Dank an Care In den vergangenen 14 Jahren ist der Name CARE tief ins Bewußtsein der Deutschen eingedrungen. Am 5. Juni 1946 begann die Tätigkeit dieser großen amerikanischen Hilfsorganisation, die ausschließlich aus Privatspenden erhalten wird. ,, Hinter jedem Dollar steht die persönliche Hilfsbereitschaft eines Amerikaners oder Kanadiers", dieser Satz aus dem Abschlußbericht sollte nie vergessen werden. CARE hat nun seine Tätigkeit in Deutschland beendet. In den vierzehn Jahren sind Spenden im Werte von rund 350 Millionen DM nach Deutschland gekommen. Mit einer CARE- STIFTUNG in Usis Poto Unit, Bad Godesberg Höhe von 500 000 DM verabschiedet sich die Care- Organisation von den Deutschen. nun Im Namen der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege dankte Frau Lotte Lemke dem Care- Präsidenten Harald S. Miners und seinen Mitarbeitern für die großzügige Hilfe und überreichte eine Auswahl von Trachtenpuppen aus allen Teilen Deutschlands als äußeres Zeichen der Dankbarkeit, die nicht nur materiell zu bewerten ist, sondern die auch dazu beigetragen hat, die persönliche Freundschaft zwischen Deutschen und Amerikanern zu stärken. Zum 12. Mal Amerikanische Studenten als Helfer bei der Arbeiterwohlfahrt Seit 1949 kommen durch Vermittlung des Universalist Service Committee, Boston ( USA), junge Menschen für etwa sechs Wochen als freiwillige Helfer in die Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt nach Deutschland. In diesem Sommer sind es 25 amerikanische Studenten und Studentinnen, die in den Flüchtlingslagern Stukenbrock und Waldbröl im Jugendwerk Druhwald sowie in der Ferienerholung für Flüchtlingskinder auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald tätig sein werden. Die Gruppe traf am 27. Juni in Hamburg ein und flog am nächsten Tag zunächst nach Berlin, um die Situation dieser Stadt, die immer im Weltgespräch ist, aus eigener Anschauung kennenzulernen. Unser nebenstehendes Bild zeigt sie im Flüchtlingslager Berlin- Kladow, das ihnen von der Vorsitzenden der AW der Stadt Berlin, Frau Ida Wolff, gezeigt wurde. Foto: Telegraf, Berlin 3 10:00 Kinderkrippe einer indischen Wohlfahrtseinrichtung in Dhanabad Fotos: Pressestelle der Indischen Botschaft Indien- man kann auch mit geringen Mitteln wirksam helfen! Indien steht in der Entwicklung zu einem modernen Industriestaat. Während auf der einen Seite unter der Führung meist ausländischer Ingenieure und Vorarbeiter gewaltige Staudämme, Kraftwerke und Industrieanlagen entstehen, leben in vielen Dörfern, die abseits liegen, die Menschen noch wie vor Jahrhunderten. In weiten Gebieten herrscht bittere Not. Deshalb muẞ neben der wirtschaftlichen Entwicklungshilfe auch die Hilfe auf sozialem Gebiete stehen. Vor vierzig Jahren hat die Arbeiterwohlfahrt unter überaus schweren Bedingungen ihren Aufbau begonnen. In den Anfangszeiten waren es einfache Einrichtungen: Beratungsstellen, Nähstuben, Kindergärten und Kinderhorte, die den Ausgangspunkt zur heutigen Entwicklung der sozialen Arbeit bildeten. Nun will die AW helfen, daß in Indien ähnliche einfache Einrichtungen geschaffen werden. Der Hauptvorstand der Arbeiterwohlfahrt hat Geld zur Verfügung gestellt, mit welchem etwa einhundert Nähstuben eingerichtet werden sollen, die- wie es in den Anfangszeiten der Arbeiterwohlfahrt war auch in Indien Zentren der sozialen und kulturellen Arbeit bilden sollen. - Darüber hinaus steht der Hauptausschuß der Arbeiterwohlfahrt mit einer deutschen Sozialarbeiterin, die in Indien lebt 4 und arbeitet, in Verbindung, um sich über Möglichkeiten zu unterrichten, wie auch mit geringen Mitteln geholfen werden kann. Da ist z. B. das Dorf Kollappaddi, ein äuBerst armes kleines Dorf, in dem etwa dreißig Familien leben. Man möchte hier eine Gemeindeschwester anstellen. Mit einem jährlichen Zuschuß von nur 225,- DM zu ihrem Gehalt könnte dieses Problem gelöst werden. hier heute noch recht gering und soll Das Wissen der Frauen und Männer ist durch Erwachsenenbildung erweitert und gefördert werden. Aber dafür werden Wandtafeln, Schiefertafeln und Lesetafeln benötigt. Mit einer Summe von 195 DM wäre auch das zu beschaffen! Lehrmittel - - - Eine wirtschaftliche Hilfe und die damit verbundene bessere Ernährung sind für dieses arme Dorf natürlich vordringlich. Wenn Kollappaddi dreißig Hühner und sechs Hähne erhielte die Kosten betrügen etwa 120 DM wäre damit der Grundstock zu einer guten Hühnerzucht gelegt und könnte zu einer Bereicherung der mehr als bescheiden gedeckten Tische beitragen. - Zur Weckung und Förderung des Selbsthilfe- Willens könnte das Geschenk von fünfzehn Spinnrädern für das Dorf Kollappaddi von großem Nutzen sein, da sie den Familien durch den Verkauf der Garne einen kleinen Verdienst sicherten. - * - - - Ein Waisenhaus braucht wie die Sozialarbeiterin schreibt dringend die Hilfe eines guten Paten. 128 Kinder leben dort; alle Arbeiten im Hause verrichten sie selbst und schlafen wie landesüblich den, die Hausmutter mit ihren zwölf auf Matten am BoHelferinnen mitten unter ihnen. Die meisten Jungen und Mädchen sind echte Schreckliches erlebt. Für diese Kinder Findelkinder und haben unvorstellbar werden dringend wollene Sweater gebraucht; in den kühlen Monaten JuliAugust erkranken die Kinder in ihrer leichten Kleidung regelmäßig an Grippe. Auch haben die Kinder kaum Spielzeug im Waisenhaus; wenn nur schon das Material dafür geliefert würde, die Herstellung wollen die Hausmutter und ihre Helferinnen mit den Kindern gemeinsam unternehmen. Mit einer Summe von 820 DM könnte dem Waisenhaus geholfen werden. * Das Los der verlassenen Frauen und jungen Witwen ist in Indien besonders hart. Deshalb strebt man an, diese Frauen auszubilden und einem Beruf zuzuführen. Mit relativ geringen Mitteln wäre ihre Ausbildung in dem schon bestehenden „ Heim für verlassene Frauen" zu finanzieren. In diesem Heim werden Lehr INT נננ In den Dörfern werden die Bewohner von einem Beauftragten der Regierung in allen Fragen des Haushalts beraten. gänge für Schneidern, kunstgewerbliches Handweben, Herstellung von Handdrukken sowie von Kinderspielzeug' abgehalten. Ferner können die jungen Frauen dort Maschineschreiben, Stenographie und Buchführung lernen. Gerade diese Ausbildung ist sehr aussichtsreich, da kaufmännisch geschulte Frauen leicht in eine Stelle vermittelt werden können. Die Ausbildung dauert 18 Monate und kostet monatlich einschließlich In einem Heim für behinderte und hilfsbedürftige Kinder nehmen diejenigen, die noch nicht das schulpflichtige Alter erreicht haben, an den Spielen im Kindergarten teil. Lebensunterhalt 25 DM. Die Schülerinnen leben sehr einfach. Sie wohnen zu sechs in einem Raum, ihr Hab und Gut, die Schlafmatte, die Wolldecke, die man in den kühleren Monaten braucht, und ein kleiner Koffer sind in Regalen an der Wand untergebracht. Die eineinhalbjährige Ausbildung für eine Schülerin kostet insgesamt 450 DM. Gerade hier wäre eine Patenschaft sehr erwünscht, denn sie trägt dazu bei, daß eine junge indische Frau selbständig ihr Brot verdient und nicht mehr auf die Mildtätigkeit anderer Menschen angewiesen ist. * Diese Beispiele zeigen, daß auch mit relativ kleinen Mitteln, wenn sie richtig angesetzt werden, wirksam geholfen und die Selbsthilfe angeregt werden kann. Die Arbeiterwohlfahrt hat mit der Übernahme der vorstehend geschilderten drei Projekte einen ersten Schritt getan. Zu den neuen Bestrebungen, die Arbeitskraft und Gesundheit der erwerbstätigen Bevölkerung zu erhalten, gehören neben Erziehungsmaßnahmen auch hygienische Einrichtungen. Brausebad für die Bergarbeiter zur Verfügung. Mit Wasserwagen wird das kostbare Trinkwasser ausgefahren. Es wird ohne Bezahlung Auf den Jharia Kohlengruben steht dieses an die Bevölkerung verteilt. DLD 5379 5 ст. Sie lebten für eine bessere Welt Worin eigentlich bestand der Reiz dieser Persönlichkeit? War es ihre echte Weiblichkeit, war es ihr starkes, nie von ihr verleugnetes Gefühl, das sich mit klugem Urteil verband? Und was war sie besonders für unsere Bewegung? Elisabeth hatte außer ihrer liebenswürdigen, klugen Persönlichkeit und ihrem starken sozialen Verantwortungsbewußtsein einen besonders stark ausgeprägten Schönheitssinn und eine natürliche Begabung für kunstgewerbliche Gestaltung. Sie war das jüngste Kind eines Zimmermeisters, der schon bei ihrer Geburt seine Selbständigkeit der industriellen Entwicklung der Zeit hatte zum Opfer bringen müssen. Er war nicht kapitalkräftig genug, sein Geschäft in der mittelgroßen märkischen Stadt zu halten, hatte wohl auch nicht die robusten Ellenbogen, den scharfen geschäftlichen Konkurrenzkampf der nachsiebziger Jahre bestehen zu können. Aber die Änderung der sozialen Lage änderte nichts am Lebenszuschnitt der Familie, denn es war schon vorher knapp gewesen, und auch nichts an dem guten, harmonischen Familienleben. Die Mutter war klug, wenn auch ängstlich, aber sie übte gute Lebenskunst. Der Vater hatte Sinn für das Schöne und strebte nach menschlicher und beruflicher Entwicklung. Wie gerne wäre Elisabeth länger zur Schule gegangen, aber sie mußte sich mit den gegebenen Verhältnissen abfinden. Dafür fand sie im Umgang mit den ebenfalls aufstrebenden Geschwistern Anregungen und Gelegenheit zur Weiterentwicklung ihres regen Geistes. Sie lernte die Arbeiterbewegung kennen, es war alles Offenbarung für sie. Mit 16 Jahren ging sie mit der geliebten Schwester nach Berlin und lernte dort die sozialistische Frauenbewegung kennen. Eine zu frühe, ungute Ehe löste sie wieder auf; wahrheitsliebend, mutig und konsequent in menschlichen Dingen, wahrte sie die ihr eigene menschliche Würde. Ab 1908, nachdem das Vereinsrecht die Möglichkeit dazu gab, zählte sie mit ihren knapp 20 Jahren zu den begehrtesten Rednerinnen der sozialistischen Frauenbewegung. Von Berlin wurde sie 1913 ins Rheinland verschlagen, wo Elisabeth sich bald so wohl fühlte, als sei sie dort geboren. Sie fand in Köln auch den richtigen Lebensgefährten, der ihr und dem sie das Möglichste an menschlicher Erfüllung gab. Dann kam der Krieg. Das Helfenkönnen, das aus innerem Drang heraus Helfenmüssen war ihre Art, den Krieg zu ertragen. Sie hatte inzwischen Verbindung mit der„, Rheinischen Zeitung" gefunden, und die Mitarbeit an der Frauenbeilage war eines ihrer Mittel, zu helfen und aufzuklären. So, als sie schrieb, es gelte Front zu machen gegen den Geist, der die Unterstützung empfangenden Kriegerfrauen wie Ortsarme behandeln wolle. Im Streit um die Zusammenarbeit mit bürgerlichen Frauen stand sie auf der Seite derer, die eine solche Möglichkeit nicht verneinten. Ihr wichtigster Beitrag zu unserer Sache neben ihrer aufopfernden Tätigkeit in der Arbeiterwohlfahrt, in Jugend- und Fürsorge- war, daß sie einen Weg zur Gestaltung des äußeren arbeit 6 - - Elisabeth Kirschmann- Roehl In dieser Nummer beginnen wir mit der Veröffentlichung von Lebensbildern führender sozialistischer Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts. Marie Juchacz hat alle diese Frauen gekannt und mit ihnen zusammengearbeitet. Sie waren Wegbereiterinnen der neuen Zeit, Vorkämpferinnen für Fortschritt, soziales Denken und die politische Gleichberechtigung der Frauen. Sie hatten es damals nicht leicht sich durchzusetzen. Damals wie heute gilt aber das, was sie sich als Ziel ihrer Arbeit gesetzt hatten: Die Überwindung der Not, die Beseitigung der Benachteiligung der wirtschaftlich Schwachen, die Heranbildung der Jugend zu freien und glücklichen Menschen. Sie lebten, wie auch der Titel des Buches besagt, für eine bessere Welt. Wir eröffnen diese Reihe mit dem Lebensbild der Schwester von Marie Juchacz, Elisabeth Kirschmann- Roehl. ( Marie Juchacz:„ Sie lebten für ein bessere Welt", Verlag: J. H. W. Dietz Nachf. GmbH, Berlin und Hannover, 166 S. Preis DM 9,80) Lebens der Arbeiterfamilie wies. Ihr Vater hatte ihr manches von seiner gediegenen handwerklichen Begabung, seinem Schönheitssinn und seinem Kulturinteresse vererbt. Elisabeth richtete sich nach dem Grundsatz: ,, Was schön ist, muß auch zweckmäßig sein, und nur das Zweckmäßige ist wirklich schön." Nach diesem Grundsatz machte sie ihre Vorschläge zur Wohnungskultur und warb in Wort und Schrift bei den Genossinnen für Einfachheit und Klarheit der Linienführung. Da war eine Zeitschrift„ Die Frau und ihr Haus", die von der Werbestelle für Deutsche Frauenkultur, Köln, herausgegeben wurde. Elisabeth hatte den Plan, das Material, das ihr durch die Mitarbeit an der Zeitschrift zur Verfügung stand, für eine Beilage zur„ Gleichheit" auszunutzen. Aber auch wenn die alles verschlingende Inflation nicht diesem Beginnen ein frühes Ende gesetzt hätte, wäre es eine sehr mühevolle und vielleicht wenig erfolgreiche Arbeit geworden. Die Arbeiterfrau war noch zu wenig vorbereitet, sich für das Einfache, das zweckmäßig Schöne zu entscheiden. Für zu viele war noch immer die falsche Pracht der Gründerjahre, die Pracht aus zweiter Hand eine Verlockung, weil es die einzige Pracht, der einzige Schmuck war, den sie kannten. Die Zeit war zu kurz, in den aus dem Dunkel der Lohnknechtschaft aufstrebenden Schichten Sinn für Form und Maß zu erwecken. In sich selbst hatte Elisabeth diesen Sinn zu schöner Vollendung entwickelt. In ihrem schlichten Arbeitszimmer hatte sie eine erlesene kleine Bibliothek, Kunstmappen und Notizen gesammelt. Auf ihren Reisen, die ja meist politischen Zweck hatten, versäumte sie nie, eine Stunde für sich allein in einem Museum, einem Dom, einer Kunststätte zu verbringen. 1919 schickte die Sozialdemokratische Partei des Rheinlandes die 31jährige in die Nationalversammlung nach Weimar, später in den preußischen Landtag. Außerdem wurde sie in Köln als Stadtverordnete aufgestellt. Im Preußischen Landtag war sie ab 1928 Vorsitzende des Sozialpolitischen Ausschusses, in der Arbeiterwohlfahrt Mitglied des Hauptausschusses und Leiterin der Anstaltskommission. Unermüdlich pendelte sie jede Woche zwischen Berlin und Köln hin und her. Dabei mußte sie neben der Parlamentsarbeit Zeit finden, die Heime der Arbeiterwohlfahrt zu kontrollieren. Mit der rheinischen Arbeiterbewegung und ihren Frauen war sie ganz eng verbunden. Wenn man von einem Menschen mit Sicherheit sagen konnte, daß er von einem großen Kreis anerkannt und geliebt wurde, so war es hier bestimmt der Fall. Das gab ihrer Arbeit Gewicht und Erfolg. Man stößt im Rheinland auch heute immer wieder auf Menschen, die sich ihrer erinnern und bedauern, daß sie schon so früh aus ihrem besten Wirken gerissen wurde. Es war ein kurzes Frauenleben, von dem hier berichtet wurde. Im Wahlkampf 1930, der den Nationalsozialisten ihren ersten großen Erfolg brachte, hat sie noch tapfer mitgestritten. Dann zwang eine tückische Krankheit sie plötzlich nieder, und der Wahlsonntag fand sie schon im Krankenhaus. Eine Woche später schlossen sich die klaren Augen für immer. Vielleicht war sie ein Liebling der Götter, die ihr die bitteren Jahre, die nun kamen, ersparen wollten. AW- Kindergruppen in Duisburg In den letzten Jahren sind in vielen Orten der Bundesrepublik Kinder- und Jugendgruppen der AW entstanden. Seit zehn Monaten hat sich auch die Duisburger Arbeiterwohlfahrt dieser sicherlich nicht leichten Aufgabe angenommen. In intensiver Kleinarbeit wurden die Vorbereitungen getroffen, zu denen in erster Linie die Werbung und Schulung von Mitarbeitern zählte. Innerhalb kurzer Zeit konnte ein Kreis von 25 Helfern gewonnen werden, der sich für den Aufbau der Kindergruppen zur Verfügung stellte. Heute bestehen in den einzelnen Duisburger Stadtbezirken bereits 13 feste Gruppen, in denen rund 180 Kinder zusammengefaßt sind. Das Programm der Kindergruppen ist sehr abwechslungsreich und vielgestaltig. Man findet auf dem Programm neben den vielbegehrten Gemeinschaftsspielen Singen und Musizieren, Stegreifspiel, Film und Tanz. Wanderungen und Fahrten gehören zu den Höhepunkten und schaffen die schönsten Gemeinschaftserlebnisse. Einige Gruppen wollen einen Schritt weiter gehen und Hilfeleistungen erfüllen. Eine Anzahl„ Kummerkästen" sind bereits aufgestellt. Mit beachtlichem Eifer sind die Kinder dabei, die im Kummerkasten vorgefundenen Wünsche zu erfüllen. So bunt das Bild der Gruppenmitglieder auf Grund ihrer sozialen Herkunft ist, so abwechslungsreich sind auch die BeUnser Kalenderbild rufe der ehrenamtlichen Gruppenleiter. Unter denen sind Handwerker, Angestellte, Arbeiter, Gymnasiasten und ausgebildete Pädagogen wie Kindergärtnerinnen und Fürsorger. Sie alle stellen einen erheblichen Teil ihrer Freizeit in den Dienst der Kinder. Die Belastung der Mitarbeiter ist groß. Sie müssen nicht nur ihren Gruppennachmittag vorbereiten und durchführen. Die Kinder erwarten auch ihre Bereitschaft für Wanderungen und Fahrten an Wochenenden oder andere gemeinsame Vorhaben über die Gruppenstunde hinaus. - Allein Lust und Liebe reichen nicht aus, um diese Aufgaben auf die Dauer zufriedenstellend zu erfüllen. Intensive Schulungen sind erforderlich, um den Gruppenleitern das notwendige Rüstzeug für ihre verantwortungsvolle Arbeit zu geben. So sind viele Wochenenden ausgefüllt mit emsigem Lernen. Das Schulungsprogramm ist so reichhaltig wie das Programm der Gruppen. Die Gruppenleiter schwingen selbst das Tanzbein, um neue Gemeinschaftstänze einzuüben. Immer neue Spiele, Lieder und andere Programm- Möglichkeiten werden überlegt und erprobt. Natürlich stehen auch pädagogische Probleme auf dem Lehrgangsprogramm, um in gemeinsamer Arbeit Klärung und Vertiefung zu erfahren. Der Gewinnung und Schulung von fähigen Junghelfern wird große Sorgfalt zugewendet. Jungen und Mädchen im Alter von 15, 16 oder 17 Jahren praktizieren in den Kindergruppen und machen dort ihre ersten pädagogischen Erfahrungen. In Lehrgängen werden diese ausgewertet und neue Aufgaben erschlossen. Mit diesen Bemühungen ist die Hoffnung verknüpft, daß aus den Junghelfern später fähige Gruppenleiter werden. Jedoch erwartet den Gruppenleiter bei der Arbeiterwohlfahrt nicht nur Arbeit. Die Mitarbeiter treffen sich gelegentlich und führen unter sich" manches nette Vorhaben durch. Nicht selten findet man sie auf gemeinsamer Wanderung oder Fahrt. Wie in vielen anderen Gruppen schmiedet man auch in den Kindergruppen der Arbeiterwohlfahrt Zukunftspläne. In den Sommerferien nehmen sie gemeinschaftlich an einem großen Ferienzeltlager teil. In den nächsten Jahren wollen sie das Ruhrgebiet verlassen und ihre Zelte im Sauerland oder Teutoburger Wald aufschlagen. Die Arbeiterwohlfahrt hat mit der Durchführung der Kindergruppenarbeit eine sehr schwierige, jedoch auch schöne Aufgabe übernommen. Über 180 Kinder, Jungen und Mädel im Alter von 7 bis 13 Jahren verdanken den Bemühungen der ehrenamtlichen Helfer frohe und interessante Stunden in kleinen und gut geleiteten Gruppengemeinschaften. W. B. Alfred Partikel geb. 1888 in Goldap( Ostpr.) 1945 verschollen >> Heuernte«- Radierung » Die Zeichnung ist die erste Niederschrift der künstlerischen Intention; frei und unbehindert folgt der Stift der Phantasie des Künstlers.«<( Max Liebermann 1847-1935) Der seit 1945 verschollene ostpreußische Maler Alfred Partikel läßt uns in dieser Radierung eine Naturstudie erkennen, die er unmittelbar in die Zinkplatte geritzt hat. Bewegt und lebendig wirkt dadurch der Nadelstrich und betont das Frische und Kräftige der jungen ostpreußischen Bäuerin, die leicht und behend das duftende Heu wegträgt. EP 7 Der AW- Berater Unter dieser Rubrik werden wir an Hand von praktischen Fällen fürsorgerechtliche, jugendrechtliche Fragen sowie Probleme aus dem Gebiet der Versorgung und Versicherung behandeln. Der„, AW- Berater" soll dem ehrenamtlichen Helfer Anregungen geben und sein Wissen um die konkreten Hilfsmöglichkeiten, die die verschiedenen Sozialgesetze bieten, erweitern. Höhere Mieten durch das Zweite Bundesmietengesetz Das Leben wird teurer, diesmal auf Beschluß des Bundestags. Bundeswohnungsbauminister Lücke hat seinen Plan durchgesetzt, mit vielen Veränderungen allerdings, welche sich durch Korrekturen des Parlaments ergaben. Das heftig umstrittene und von vielen Bundesbürgern mit banger Sorge erwartete Gesetz über den Abbau der Wohnungszwangswirtschaft und über ein soziales Mietund Wohnrecht wurde am 23. Juni 1960 verkündet( BGBl. S. 389) und ist am 1. Juli 1960 in Kraft getreten. Dieses Ge2. Weitere Erhöhung bis zur Tabellenmiete (§ 4) a) Das Zweite Wohnungsmietengesetz sieht neben der generellen Anhebung der Mieten um 15 Prozent für den Altwohnungsbau auch eine Angleichung der sehr unterschiedlichen Mieten vor. Ist nämlich die um 15 Prozent erhöhte Grundmiete ( cben Ziff. 1) niedriger als die Tabellenmiete, ist der Vermieter berechtigt, eine weitere Erhöhung um den Unterschiedsbetrag also bis zur Richtsatzmiete-, 2. in Städten mit 100 000 und mehr Einwohnern für eine abgeschlossene Wohnung mit 6 oder mehr Wohnräumen einschließlich Küche, 3. in Gebäuden mit nicht mehr als 2 abgeschlossenen Wohnungen, wenn der Eigentümer im Gebäude wohnt, oder 4. wenn die monatliche Grundmiete folgenden Betrag übersteigt in Gemeinden mit Einwohnern unter 20 000 20 000 bis unter 100 000 bei Mietverhältnissen über 4 Wohnräume einschl. 5 3 Küche 2 -40, 35, 25,- -, 50,45,- 32,50 setzeswerk, Lücke- Plan genannt, 29 Sei- jedoch um nicht mehr als 20 Prozent der 100 000 u. mehr 70,- 65,- 60,- 45,- ten des Bundesgesetzblattes füllend, enthält 3 Gesetze( Art. I: Zweites Bundesmietengesetz; Art. VII: Gesetz über die Gewährung von Miet- und Lastenbeihilfen; Art. VIII: Gesetz über Bindungen für öffentlich geförderte Wohnungen) und greift in 6 bereits bestehende Gesetze ändernd ein. Es hebt nicht weniger als 5 Gesetze und 9 Verordnungen auf! Wir werden uns an dieser Stelle noch mehrfach mit seinen Auswirkungen zu beschäftigen haben. An erster Stelle rangiert das Zweite Bundesmietengesetz( Art. I) mit dem Zweck, die Mieten für preisgebundenen Wohnraum zu erhöhen um schließlich nach Ablauf seiner Geltungsdauer( 31. 12. 1965) auf gesetzliche Preisbindungen zu verzichten. um 15 Prozent erhöhten Grundmiete vorzunehmen. b) Eine Küche ist dann nicht als Wohnraum mitzuzählen, wenn sie weniger als 6 qm hat, dies gilt auch für andere Räume; Die Richtsatzmiete beträgt je qm Wohn- bb) fläche und Monat: In Großstädten über 100 000 Einwohner In Gemeinden von 20 000 bis unter 100 000 Einwohner In Gemeinden unter 20 000 Einwohner DM Bei Wohnungen mit Sammelheizung und Bad 1,60 Bei Wohnungen mit Sammelheizung ohne Bad 1,30 Bei Wohnungen ohne in allen übrigen Fällen der Altbauwohnungen erst am 1. Januar 1963(§ 3). II. Für einen Wohnraum, der in der Zeit vom 21. 6. 1948 bis 31. 12. 1949 bezugsfertig geworden ist, gelten künftig die üblichen mietpreisrechtlichen Bestimmungen des Ersten WohnungsbaugesetDM zes, wodurch Gleichstellung mit den zwischen dem 1. 1. 1950 und dem 31. 12. 1956 1,45 1,30 bezogenen Wohnungen erreicht wurde. 1,15 1,05 DM III. Bei Wohnungen, die nach den VorschrifSammelheizung mit Bad 1,30 1,15 1,05 ten des Ersten Wohnungsbaugesetzes Wie wirkt sich dieses Gesetz auf den Bei Wohnungen ohne Geldbeutel des Mieters aus? I. Die Masse der Mieter wohnt in Altbauwohnungen, in Wohnraum also, der bis zum 20. 6. 1948( Währungsreform) bezugsfertig geworden ist. Hier darf die Miete um 15 Prozent erhöht werden. Darüber hinaus kommt eine weitere Erhöhung bis zu den Sätzen der Tabellenmiete in Frage, höchstens jedoch bis zu 20 Prozent der um 15 Prozent bereits erhöhten Grundmiete: 1. Mietpreiserhöhung um 15 Prozent ( Mietzuschlag) a) Der Mietzuschlag ist von der am 30. 6. 1960 geltenden Grundmiete zu berechnen. b) Sammelheizung und ohne Bad, mit Toilette in der Wohnung • ( zwischen dem 1. 1. 1950 und dem 31. 12. 1956) mit öffentlichen Mitteln gefördert wurden, sieht das Gesetz eine Erhöhung 1,20 1,05 0,95 der bisherigen Richtsatzmiete um 0,10 DM im Monat je qm vor. Nach einer Frist von 3 Monaten ist allerdings eine nochmalige Mieterhöhung um höchstens 10 Pf möglich und zwar dann, wenn in Wirtschaftlichkeitsberechnung bei Bei Wohnungen ohne Sammelheizung und ohne Bad, mit Toilette im Hause, z. B. auf dem Treppenpodest... 1, 0,90 0,85 der Bei Wohnungen ohne Sammelheizung und ohne Bad und Toilette außerhalb des Hauses.. 0,80 0,70 0,65 Die Berechnung der Wohnfläche erfolgt nach der Ersten Berechnungsverordnung vom 20. 11. 1950/17. 10. 1957( BGBl. 1950 S. 753, 1957 S. 1719); betragen die anrechenbaren Grundflächen von Fluren, Dielen und sonstigen Nebenräumen mehr als 10 Prozent der Wohnfläche, so bleibt für die Berechnung die halbe Mehrfläche außer Betracht. c) aa) Grundmiete ist die preisrechtlich zulässige Miete, jedoch ohne Umlagen für Wasserverbrauch, Betriebskosten der zentralen Heizungs- und Warmwasser- Treffen die Voraussetzungen zu, kann versorgungsanlagen, laufende Mehrbe- die weitere Erhöhung verlangt werden lastungen seit dem 1. April 1945( z. B. durch Grundsteuererhöhungen), Untermietzuschläge, Zuschläge wegen Nutzung von Wohnraum zu anderen als Wohnungszwecken. Gegebenenfalls ist die im Juni 1960 bezahlte Miete vor Berechnung des Zuschlages um die vorgenannten Kosten zu kürzen. - der erstmaligen Bewilligung der öffentlichen Mittel die Eigenleistung mit weniger als 4 Prozent verzinst worden ist, oder wenn sich die Gesamtkosten in der Zwischenzeit durch Umstände, die der Vermieter nicht zu vertreten hat, erhöht haben. Keine der genannten Mieterhöhungen tritt von selbst ein. Der Vermieter muß dem Mieter vielmehr schriftlich erklären, um welchen Betrag sich die Miete erhöhen soll, wobei er die Zulässigkeit der geforderten Erhöhung nachweisen muß. Der Mieter hat Anspruch darauf, Einblick in die Berechnungsunterlagen zu bekommen. Die Erklärung muß bis zum 15. eines Monats abgegeben werden, dazugleich mit dem 15prozentigen Mietzu- mit die Mieterhöhung am 1. des daraufschlag ab 1. 7. bzw. 1. 8. 1960 1. in Gemeinden unter 100 000 Einwohnern für eine abgeschlossene Wohnung mit 5 oder mehr Wohnräumen einschließlich Küche, folgenden Monats in Kraft treten kann. Die gesetzlich zugelassenen Erhöhungen können daher in der Regel erst vom 1. August ab erhoben werden, sofern der Vermieter den Termin gewahrt hat. Hummel Herausgeber: Arbeiterwohlfahrt, Hauptausschuß e. V., Bonn; Schriftleitung Lotte Lemke, Bonn, Dottendorfer Straße 168. Die in Unsere Arbeit" veröffentlichten Arbeiten geben nicht unbedingt die Auffassung der Schriftleitung wieder. Für unverlangtes Manuskript keine Gewähr. Druck: WIDI- DRUCK, Offenbach am Main, Herrnstraße 61; Bezugsgebühr: vierteljährlich 0,69 DM einschl. Zustellgebühr. Bestellungen bei den Postämtern und AW Bonn, Dottendorfer Straße 168, Postverlag Bonn. DIE FRAU UND IHR HAUS 11. Jahrg. Heft 11 Elisabeth Kirschmann- Röhl t Am 21. September verschied nach kurzer schwerer Krankheit die Landtagsabgeordnete Elisabeth Kirschmann- Röhl. Sie war Vertreterin der sozialdemokratischen Partei für den Wahlkreis Köln- Aachen. 1919 wurde Frau Kirschmann zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt, kurz darauf in die Kölner Stadtverordnetenversammlung, der sie bis 1924 angehörte. Frau Kirschmann war in zweiter Ehe verheiratet mit dem Ministerialrat und Reichstagsabgeordneten Kirschmann. In ihrer politischen Wirksamkeit hat sie sich besonders für die Probleme des Westens verdienstvoll betätigt. Im Kreis der Kölner Frauen ist Elisabeth Kirschmann hochgeschätzt worden, namentlich auch durch ihre Betätigung während der Kriegszeit, wo sie ebenso wie ihre Schwester Marie Juchhacz die spätere Schöpferin der„ Arbeiterwohlfahrt" sich mit den Frauen aller Kreise in der Arbeit der Nationalen Frauengemeinschaft zusammenfand. - Mit unserer Werbestelle für Deutsche Frauenkultur war Elisabeth Kirschmann aufs engste verbunden. Wie Baronin Julie v. Dalwigk von den Anfängen unserer Bewegung an für die Landfrau„ Frauenkultur" zu schaffen suchte, so erstrebte Elisabeth Kirschmann diese für die breiten Kreise der Frauen der Arbeiterschicht. Im Jahre 1919 gründete sie in Gemeinschaft mit Klara Sander und Else Wirminghaus unsere Frau und ihr Hau". Es mag selten sein, daß Menschen, die aus ganz verschiedener Richtung kommen, sich so rasch und so vollkommen über ein gemeinsames Ziel einigen können, wie es hier der Fall war. In innigem Zusammenwirken mit der Werbestelle für deutsche Frauenkultur Köln hat Elisabeth Kirschmann dann eine Reihe von Jahren die Entwicklung unserer Zeitschrift aufs stärkste mit beeinfluß im Sinne der Hebung häuslicher Kultur der unbemittelten Schichten in bezug auf Kleidung, Hausrat, Gesundheitspflege. Sie war wohl die erste, die die Entlastung der schwer arbeitenden Frau und Mutter durch Mütterferien forderte eine Einstellung, in der sie sich aufs engste berührte mit den Forderungen Julie v. Dalwigks. Die Schwere der Zeiten brachte es mit sich, daß die gemeinsame Arbeit an unserer Zeitschrift, an der Elisabeth Kirschmann mit ihrem Herzen hing, zerstört wurde. Der Einfluß jedoch, den sie hier und in vielen schönen Stunden der Aussprache ausgeübt hat, wird nicht verloren gehen, sondern auch über ihren frühen Tod hinaus bei uns lebendig bleiben. Unsere Werbestelle trauert um die Mitarbeiterin und Freundin, diese lebens- und schaffensfrohe und für alles aufgeschlossene Frau, diese Lebenskünstlerin, die trotz aller Schwere und Bitternis unserer Zeit Freude und Schönheit suchte und allen, die ihr näher standen, Beglückung schenkte. Sie verband mit der Politikerin die starke frauliche Art, die sie hinführte über die Politik und ihre Dogmen und Formeln zu den im Menschlichen wurzelnden Aufgaben der Frau zu der Erkenntnis, daß hier Kräfte entfaltet werden müssen, die dem Volksganzen zugute kommen sollen. - Unsere Werbestelle wird Elisabeth Kirschmann- Röhl niemals vergessen. Else Wirminghaus Köln, November 1930 Elisabeth Kirschmann- Röhl Photo Unverdruß, Köln ARBEITER RIP WOHLFAHRT HEFT 19 BERLIN/ OKT. 1930 AUS DER ARBEITERWOHLFAHRT Elisabeth Kirschmann. Am Sonntag, dem 21. September, starb nach schmerzvollem zehntägigem Krankenlager Genossin Elisabeth Kirschmann, Mitglied des Preußischen Landtages, mit 42 Jahren. Sie war Vorsitzende der Anstaltskommission der Arbeiterwohlfahrt und als solche Mitglied des Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt. Elisabeth Kirschmann hat nie auf ihre Gesundheit oder körperliche Kraft Rücksicht genommen und bis zum Zusammenbruch in Wahlversammlungen gesprochen. Neben ihrer politischen Tätigkeit, die einen dauernden Wechsel zwischen ihrem Kölner Wahlkreis und Berlin bedingte, ist sie fast jede Woche zu den Heimen der Arbeiterwohlfahrt gefahren. Dabei war sie kein Mensch trockener Pflichterfüllung. Die Aufgabe war es, die sie zur Unermüdlichkeit reizte. Der ,, Immenhof" sollte ein sozialistisches Erziehungsheim werden. Die Arbeit, die dazu notwendig war und sie war nicht gering, tat sie im Drang zum Ziel. Wie ihre ganze Umgebung hat sie auch den Immenhof schön haben wollen und ihn aus eigenem Gestaltungsvermögen modern, praktisch und schön eingerichtet. Nur mit ihrer starken Liebe zur Sache konnte, was dort geleistet worden ist, geschaffen werden. Mit dieser Arbeitsfreude hat sie ihre Aufgabe in der Arbeiterwohlfahrt auch auf vielen anderen Arbeitsgebieten erfüllt. Sie hat die Arbeiterwohlfahrt im Oberrheinischen Bezirk aufgebaut. In die Ausbildungsarbeit brachte sie immer neue Ideen, regte andere durch sorgfältige Berichterstattung und Vorschläge für neue Methoden an. Die Leser dieser Zeitschrift haben ihre liebenswürdige und lebendige Art, ihre Gedanken niederzuschreiben, kennengelernt. Als Vorsitzende des sozialpolitischen Ausschusses der preußischen Landtagsfraktion seit 1928 hat sie mit sicherem Ueberblick die Arbeit geleitet, die Arbeitskräfte zusammengefaßt und auf einem bei der gegenwärtigen politischen Konstellation schwierigen Arbeitsgebiet die Fraktion zu Erfolgen geführt. Wer mit Elisabeth Kirschmann zusammen gearbeitet hat oder ihr durch Freundschaft verbunden war, entbehrt heute noch mehr als ihren unermüdlichen Gestaltungswillen. Sie war eine liebenswürdige, liebenswerte Frau, ein Mensch, in dessen Nähe zu sein wohltat. Die mütterliche Liebe, die sie den Gegenständen ihrer Arbeit zuwandte, hatte sie auch für die Menschen, mit denen sie arbeitete. Sie war immer bemüht, Mitarbeitern, Freunden und Anverwandten eine wohltuende Umgebung zu schaffen. Scharfe persönliche Gegensätze glich sie durch ihre Herzlichkeit aus. Für Stunden erregender politischer Spannung wußte ich mir keinen besseren Kameraden. Mit klarem Urteil, im Gefühl ganz erfüllt von der Sache, blieb sie immer freundlich. Sie hat als junge Frau hart kämpfen müssen und große Arbeit geleistet in den letzten Jahren. Ihr Wesen aber blieb immer heiter, immer eine Freude für ihre Umgebung. In diesem ihrem Wesen liegt der andere Teil ihrer Bedeutung für die Arbeiterwohlfahrt und ihre Führerstellung im sozialpolitischen Ausschuß der preußischen Landtagsfraktion. Sie nahm sich mit ihrer ganzen Kraft und liebenswürdigen Güte der Sache und der Menschen an und darum ordneten sich diese gern ein. Ihr Tod ist für die Arbeiterwohlfahrt ein harter Schlag. Mitarbeiter und Freunde werden sie immer schmerzlich vermissen. Hedwig Wachenheim. Rheinische Zeitung Köln am Rhein Dienstag den 23. September 1930 Elisabeth Kirschmann- Röhl wird am Donnerstagmittag 3 Uhr von der Kapelle des Südfriedhofes aus beigesetzt. Von zahlreichen Stellen sind uns mündlich und schriftlich Beileidskundgebungen zugegangen. Einen besondern Dank richten der Bezirksausschuß für Arbeiter- Wohlfahrt der Obern Rheinproving sowie die Arbeiter- Wohlfahrt, Ortsausschuß Köln, unterschrieben Hölfen, Görlinger, Melind, an die Gestorbene. Sie sagen: Vor zehn Jahren sammelten sich um Elisabeth Kirschmann- Röhl wenige Männer und Frauen, um Wohlfahrtsarbeit im sozialistischen Sinne zu leisten. Als erste Vorsitzende leitete sie den Kölner Ortsausschuß, den Helferinnen und Helfern ein Beispiel unermüdlichen Schaffens im Dienste der seelisch, geistig und leiblich notleidenden Mitmenschen gebend. Als ihre politische und parlamentarische Tätigkeit sie mehr und mehr in Anspruch nahm, trat sie von der Leitung des Ortsausschusses zurück; als zweite Borsitzende blieb sie uns ein kluger Berater. Das Werden und der Aufstieg der Kölner Arbeiterwohlfahrt ist unverlöschlich mit dem Namen Elisabeth Kirschmann- Röhl verknüpft. Was sie der Kölner Arbeiterwohlfahrt, ihren Helferinnen und Helfern war, vermögen Worte nicht zu schildern. An ihrer Bahre geloben wir, das Werf in ihrem Geiste zu erhalten und auszubauen. Als Nachfolger der Genoffin Kirschmann Röhl tritt Genosse Lehrer Hans Kapperz( Aachen) in den Breußischen Landtag ein. EINE TRAUERFEIER für unsere gestorbene Führerin Elisabeth Kirschmann- Röhl wollen wir sozialdemokratischen Frauen am Mittwoch den 1. Oktober 1930, 19% Uhr, im großen Saale des Volkshauses, Köln, abhalten. Diese Trauerfeier soll eine Stunde des Gedenkens und des Werbens für die große Menschheitssache, den Sozialismus, sein, der Lisbeth Kirschmann ihr ganzes Leben geweiht hatte. Wir bitten, Freunde und Bekannte zu dieser Feier mit einzuladen. Noch einmal wollen wir an der Stätte, wo die Gestorbene so oft zu uns gesprochen hat, ihrer gedenken. 1. Trauermarsch Programm: 2. Vorspruch( Frau Ellie Beyer) Beethoven • 3. Chorgesang der Freien Chorvereinigung", Köln 4. Ansprache( Erau Martha Schipper) 5. ,, Ases Tod" aus„ Per Gynt", Suite I. . 6. Chorgesang der„, Freien Chorvereinigung", Köln 7. Sinfonie H- Moll( Unvollendete) • Grieg Schubert Die Arbeiterwohlfahrt insbesondere bittet alle ihre Helfer und Helferinnen, sich möglichst zahlreich an dieser Veranstaltung zu beteiligen. Frauenwelt Beclin d.1. Nov. 1930 Heft 22 Elisabeth Kirschmann- Röhl Es war im Dezember 1918. In unserer Stadt im Rheinland fand die erste öffentliche Frauenversammlung statt. Erst seit der Revolution in der Parteibewegung tätig, hatte ich bisher noch keiner großen Versammlung beigewohnt. Als Rednerin war Elisabeth Kirschmann- Roehl angesagt. Es fiel mir die Leitung zu. Ich saf zum erstenmal auf einem Podium vor vielen Hunderten Menschen, die unerbittlich uns wenige Frauen dort oben betrachteten. Mit großem Bangen kämpfend sprach ich die einleitenden Worte, erteilte dann der Genossin Kirschmann- Roehl das Wort. Auf einmal war alles verwandelt. Die viel hundertköpfige Schar zu unseren Füßen stand unter dem Bann der gesprochenen Worte. Meine Angst legte sich. Eine Stunde lang hielt die Rednerin die Menge mit ihren Ausführungen fest. Ihre warmherzige, gewinnende Stimme drang hinunter, ich spürte wie der Widerstand der Menge sank, es öffneten sich ihr die Herzen. Eben erst war der Krieg beendet, die Revolution kaum überwunden. Und von all dem Leid, daß das Volk, zumal die Frauen durchlitten hatten, zeugte der tief eindringende Vortrag. Diese Frau selbst hatte sich ja von unten auf durchkämpfen müssen, sich von der Volksschule an Wissen, Bildung, Existenz, ihr persönliches Glück Schritt für Schritt hart errungen. So fand alles, was sie sprach, Re- Als sonanz in ihr selbst und in ihren Hörern wieder. man sie in der Diskussion zu schlagen versuchte, gab sie Einwand für Einwand treffend zurück, überwand damit auch den letzten Gegner. Die Hochflut der politischen Arbeit legte sich, es begann die Zeit der sachlichen Tätigkeit mit unzähliger Kleinarbeit. Auch hier war Elisabeth Kirschmann- Roehl zur Stelle, bereit jede Klage anzuhören, nach Möglichkeit beizustehen. Sie weitete ihr eigenes Urteil zum Wohle der anderen. Es wurde mir vergönnt, innerhalb der politischen Arbeit dieser Frau nahe zu kommen. Und zu der Anerkennung ihrer politischen Tätigkeit trat die hohe Achtung vor ihrem menschlichen Sein. Niemand konnte sich dem Bann ihrer gewinnenden Herzlichkeit entziehen. Nach jedem Zusammensein mit ihr hatte man das Gefühl der persönlichen Bereicherung, sie konnte durch das Beispiel ihres Aufstiegs, in anderen. zaghafteren das Selbstbewußtsein stärken. Sie gehörte zu den seltenen Menschen, die sich selbst nicht schonen, sondern immer für andere da sind. Bei all ihrer politischen und agitatorischen Arbeit fand sie immer noch Zeit, sich selbst weiter zu bilden und an sich zu arbeiten. Ihr frühes Dahinscheiden hat eine tiefe Lücke gerissen, die weit über den Kreis ihrer Nächsten hinausgeht, uns alle kämpfenden Frauen betrifft. Else Scheuer- Insel. iurata Chaudio Tiuseppe tab-af'h an! b' remerkenan Conflum. F. Anvenmit VIENNA OF TO-DAY Olfang o Min. cf. 6.10. Ultern Witsen I don't Blinckh Dentz 15.7.19. Nu nicht werden. P.V. Nore Harman Cieckelman fait de Nº 4. . Jouku . Ouestre Valle En dit contenue 6 Zeitung ɔ adigh. any N samlt myn Ulliegen Jean Longue/ Ich hat der Wundel t . geführt werden. MARIE JUCHACZ SIE LEBTEN FÜR EINE BESSERE WELT >> LEBENSBILDER FÜHRENDER FRAUEN DES 19. UND 20. JAHRHUNDERTS< MARIE JUCHA CZ: SIE LEBTEN FÜR EINE BESSERE WELT Lebensbilder führender Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts 168 Seiten mit 31 Abbildungen Den tapferen Frauen, die für eine bessere Welt, eine Welt der Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit, lebten, als das noch schwer und gefährlich war, hat Marie Juchacz mit ihrem Buch ein Denkmal gesetzt. Diese Frauen, die in den Reihen der sozialistischen Bewegung mitkämpften, kamen aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten; sie hatten es alle schwer, sich durchzusetzen, die einen gegen die bittere Not, die ihnen alle Quellen der Bildung zu verschließen drohte, die anderen gegen die Vorurteile der Kreise, aus denen sie kamen. Das ruhige Glück der Fülle und Behaglichkeit hat keine von ihnen genossen, dafür wurde ihnen jene tiefe Beglückung zuteil, die dem Bewußtsein entspringt, eine hohe Mission zu erfüllen und einer edlen Sache zu dienen. Nicht jede der Vorkämpferinnen, deren Bild die Verfasserin mit schwesterlicher Liebe zeichnet, war eine begnadete Künstlerin wie Käthe Kollwitz, eine geniale Schriftstellerin wie Lily Braun oder eine tragische Figur von geschichtlicher Größe wie Rosa Luxemburg. Die meisten von ihnen kamen aus dem arbeitenden Volk, erwarben unter den größten Schwierigkeiten die notwendigen Bildungsmittel, um den Aufgaben, die sie sich gestellt hatten, gerecht zu werden; sie wirkten in ihrem Kreise bescheiden ohne Anspruch auf Glanz und Ruhm. Und doch sind es Gestalten, die ihres Charakters willen Bewunderung verdienen und zur Nacheiferung herausfordern. Man fühlt sich tief ergriffen, wenn man von ihrem Wirken, ihren Opfern und ihren Schicksalen liest. Es gibt wenige Bücher, von denen man sagen kann, daß die Welt durch sie besser würde, wenn nur alle, für die sie geschrieben sind, sie auch lesen wollten. Dieses ist eines von ihnen. Jeder Vater, der seiner erwachsenen Tochter, jeder Mann, der seiner Frau dieses Buch in die Hand legt, trägt damit bei zum Aufbau einer„ besseren Welt". Friedrich Stampfer Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger GmbH. Berlin und Hannover dkt. 1955 zu Maria und Fritzmichael d'e gr. M.