Kr. 166, RbonnemtntS'Redingungd): IltiMücmcnlä- PrciZ tnänrnnfimba: BicrlclMrl. 3�0 M, monall. 1,10 Mk, vöchemlllb 38 Pig. frei WZ HauZ. Einzelne Nummer 5 Psg. gonntagä. nsmmer mit illustrierter SomüägJ. Sctlage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Nbonncment: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-ZeitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 3.50 Marl, für da- übrige kluSIand * Marl pro Monat. Postabonncmcm; nehmen an: Belgren. Däncuiarl, rolland.Jwlicn. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, 31. Jahrg. «»eilt täglich. ffG% yQ> s- Verlinev VolllSblntt. Die Infertions-- Gebühr beträgt für die sechsgejpaltonc Kolonel- zeilc oder deren Raum 00 Prg., für politische und gewerlschastliche Bercius- und Bcrsninnitnngs-Zlnzcigcn"0 Pig. „Kleine Mnreigtn". bn-S scitgedrintle Wort 3U P-g., zulässig llsctlgedruikte Worte), jedes iveitcre Wort l0 P>g. Stellengesuche und Schlafstelle»ai:> zeigen das erste Wort ü, Psg., jede- weitcre Wort ö Psg. Worte über lö stach- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die niichslc Rmimier luüjsen bis I» Uhr nachmittag- in der Exvedition abgegeben werden. Die Erbedilion ist Vis> Uhr abends geuffncl, Telegramm-Ztdrcsse: „Sttislilemebkiit Ksssti", Zentralorgan der rozuldemokratifchen Partei Deutfchtands. Redaktion: 8Lll. 68, Linden Strasse 69. Kernsprecher: Amt Moristplast. Nr. IS8Z. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morit-Plast, Nr. 198 1. Das Parlament öer Arbeit. Ein Parlament der Arbeit wie kein zweites in Deutschland möglich ist, soll zu einem Ivahren Tag der„schaffenden Stände" in einer Hauptstadt deutscher Kunst, die sich aber auch immer mehr zu einem Zentrum deutscher Industrie entwickelt, in der größten Stadt Sud- deutschlands, in München zusammentreten. In ernsten Tagen, umdreut von Gesahren, in einer Zeit der?iot und der Arbeits- losigkeit kommt der neunte Kongreß der Gewerkschaften Teutschlands zu einer bedeutungsvollen Tagung zusammen. Es bedarf keiner Reklame für den deutschen Gewerkschaftskongreß wie er für die„nationalen" Arbeitstage, freilich nutzlos, gemacht wird. Der Kongreß der deutschen Gewerkschaften vertritt nicht eine zusammengewürfelte Menge gleichgültiger und für die Bestrebungen der Arbeiterklasse wenig, oft gar nicht in Betracht kommender Organisationen. Tie 2 öWOlX) gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sind eine Realität, sie sind die kräftige Macht der Arbeiterschaft in ihren Kämpfen um höheren Lohn, um kürzere Arbeitszeit, um den höchsten Anteil an der Kultur, der in der kapitalistischen ivc,,cn Gegner über uns sprechen 9 Vermutlich würden sie einen derartigen Kongreß mit einer Hammelherde und die Führer als unkontrollierte Diktatoren und die ganze Arbeitermaise als eine rechtlose Horde bezeickinen' All das ist wahrlich nicht der Fall. Wir haben Ausemanderjetzungen notwendig und weil sie eben erforderlich sind, um deswillen halten wir unsere Kongresse ab. Es gibt immer wieder Neues zu erörtern, weil wir eben, wie es der merkwürdige Sprachgebrauch sagt, eine Bewegung'sind. Wir sind keine tote Masse, wir smd�lm ständigen Wachstum und auch in ständiger Anpassung an die sich immer ändernden wirtschaftlichen Lebensbedingungen der Arbeiter begriffen.-... Es wäre das größte Unglück für die Arbeiterbewegung im allgemeinen, mr die ge- werkschaftliche in besonderem, wollte sie sich versteifen, wurde sie verknöchern, wurde sie nicht ununterbrochen die Notwendigkeit empfinden, sich der veränderten und wachsenden Macht der Gegner anzupassen. Diese Anpassung kann aber mcht mit gleichmäßiger Raschheit für alle Arbeitergruppen erfolgen, weil ja auch der Kapitalismus nicht in allen Landesteilen und in allen Industrien eine gleich rasche Entwicklung hat und weil ja auch diese Entwicklung iiichk von den gleichen Ausaängen verläuft. Co ergibt sich aus diesen durchaus nicht von uns zu bestimmenden Entwicklungsstadicii des Kapitalismus eine große Verschiedenartigkeit der tat- sächlich bestehenden und der von den einzelnen Arbeitergruppen für die nahe Zukunft für notwendig erachteten organisatorischen Gestaltungen. Hier liegt die tiefere Ursache der im- zweifelhaft vorhandenen Streitpunkte innerhalb der deutschen Geiverkschastsloelt. Aber nicht nur der tatsächliche Stand und die zu gelvörtigende Entwicklung des KapftaliSmus in den einzelnen Industrien erklären uns die Differenzen innerhalb der Gelverkschaftsbewegung, die wieder einmal und sicherlich nicht zum letztenmal in München zum Aüstrag komnien Werden, sondern auch das Werden, die Geschichte unserer Gewerkschaften. Gewerkschaften. Die Gewerkschaften sind Zusaiiimenfassungen der Arbeiter nach Berufen zur Vertretung ihrer Interesse» im Rahmen des Arbeitsverhältnisse?. So sagte man vor 46 Jahren, als die Gelverkschaften gegründet wurden, so sagte noch die überwiegende Mehr- zahl der Arbeiter, aber freilich schon lange nicht mehr alle gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, als vor L2 Jahren,»ach dem Falle des Sozialistengesetzes in Halberstadt, die Organisation der Gelverkschaften von ucuem ernstlich erörtert und eingehend besprochen wurde. Viele Aenderungen haben die Gelverkschaften erfahren durch die große Konzentrierung der Organisationen, deren Zahl ja seit dem Falle des Sozialistengesetzes immer geringer lvurde, während ihre Mitglieberzayl ganz gewaltig gestiegen war. Zuin Teil waren es Zn- sammenfassungen von Arbeiterorganisaftoneli. deren Mitglieder in der gleichen Industrie tntig waren, so daß dem Uiiteruehmertum eine stärker konzentrierte Organisation gegenübertrat. zum Teil war aber dieser Ltoilzeiitrationsprozeß die Anlehnung schwacher, zum Teil beruft- sremder Gelverkschaftsorgauisationeil an eine kräftigere Organisation, wodurch diese finanziell zwar gehoben, aber sonst im Kampfe gegen das Unternehmertum doch nicht lociter gefördert lvurde. Immer wieder von nenem Wurde in den Grenz st reitigkciten das Problem der Organisation anfgelvorfe» und fast iminer hat bisher das historisch Gewordene den Sieg über das kampfmäßig Ideale davongetragen. Freilich kommt man durch das THeoretisieren über diese Schwierigkeiten nicht hinweg n»d ebenso wenig durch das Aburteilen über au- gebliche Zurückgebliebenheit, die oft nur das noch nicht Begriffene ist. Alle unsere Gelverkschaften sind natürlich erwachsen aus lvirtschaftlichen Rotlveiidigkeiten, aber niemand wird unterschätzen wollen, welch jahrelange, mühevolle, opferreiche Arbeit die Voraussetzung jeder gewerkschaftlichen Organisation ist. Jede dieser Organisationen isc auch eine tatsächliche Zusainmenballung von Menschen, Beziehungen, Interessen, agitatorischen Er- inncrungen und organisatorischen Hoffnungen. Dieses straffe Gewebe, das jahrelange Arbeit erzeugt hat, läßt sich nicht einfach zerschneiden und zerreißen- Man kann ein entschiedencr Vcrfechker der aufs höchste ausgebildeten Betriebsorganisation scin und sich doch dagegen wehren müssen, daß diese durch einen Machtspruch erzwungen werde. Sicherlich ist die Berilfsorganisatioil das Geschichtlichgclvordene und von der Unteruehmerorganisatioii gewaltig überholte. So sehr wir bedauern müssen, daß diese Bmlfsorganisation den Bedürfnissen des »fi /vv* /» /» V-» C* 4-«t** JFf.*«»-—-"-f'—---- 0 �---"'' Kapitalismus uns noch abzwingen wird, gehört unserer Ucbcrzeilgung nach die Zukunft derGewerk- schaftcn. aber der Münchener Gewerkschaftskongreß wird bestimmt sein nicht durch diese Zu- kimft. sondern durch die Gegenwart, durch die bedeutsame Tatsache, daß wir gewaltige, zum Teil hunderttausende Mitglieder zählende Gelverkschaftsorgauisationen erreicht haben, die erwachsen sind und ihre Bedeutung heute noch haben als B er u f s 0 r g a n i s a ti 0 n c n. ** fr Wir haben uns mit dieser Frage, die mir einen von sehr vielen Punkten der Tages- ordnung bildet, so eingehend befaßt, weil sie das wesentlichste Streitobjekt imd das sicherlich bedeutsamste in der ganzen Tagesordnung des Kongresses bildet. Hier handelt es sich nicht um Verwaltungsfragen oder Theorien, nicht um Bestätiguiigen und bessere Formulierungen dessen, was die Gewerkschaften heute erfüllt, hier handelt es sich um einen wirklichen, grotzeil Differenzpunkt der Gewerkschaften, der alle ihre großen Streit- fragen durchdringt..Hier handelt es sich eben um die große Frage der A n p a s s u n g der Gelverkschaften an den auf höchster Entwicklungsstufe stehenden Kapitalismus. Hier ist der Ausgangspunkt der Fragen, der mit dem Problenic der Demokratie und Bureankratie der Gewerkschaften, mit der geänderten Strategie, mit der immer vorsichtigeren Taktik der Gewerkschaften auf das innigste, wenn auch nicht für jeden sofort erkennbar zusammenhängt. Dem Gelverkschaftskoiigreß sind auch weitere wichtige und zugleich wegen der verschiedenen Absichten und Interessen der in ihren Aufgaben. Mitteln und Kampfesmöglichkeiteli sehr voneinander abweichenden Gewerkschaften schlver zu lösende Probleme zur Erörterniig und Beschlußfassung vorgelegt. Weit weniger sind es Fragen, die aus theoretische oder prinzipielle Verschiedenheiten des Standpunktes schließen lassen, als Fragen, die Wege» der sehr abweichenden Vorteile, die sie großen oder kleinen Gewerkschaften, solchen mit starken und solchen mit noch nicht erstarkten Arbeitgebervcrbändcn, anderen mit guter, und wieder anderen mit schlechter finanzieller Grundlage bringen können, sehr verschiedene Würdigung erfahren lvcrdcn. In einem freilich sehr entfernten Zusammenhange mit der immer wieder geforderten Einheitsorganisation steht der Versuch nach einer größeren K 0 n z e n t r a t i 0 n der finanziellen Mittel zur stistematischeu Unterstützung von Gewerkschaften, die in besonders schweren, für alle Gewerkschaften wichtigen Kämpfen stchen. Schon oft lvurde das versucht der wachsende Ilmfang des Kampfes, die Drohungen der Uiiternehnier mit den Riesen- und Gcneralaussverrungen nötigen zu derartigen Vorschlägen, die in anderen Ländern und vor allem im Solidaritätsfonds des österreichischen Rcichsgewcrkschaftsfonds ihr Vorbild haben. Auch sonst erscheint eine finanzielle Stärkung der in der Generalkommission verkörperten Zentrali- sationen wünschenswert, so zur Wahrung der beruflich nicht getrennten Interessen der Arbeiter den Organen der Reichsversicherungsordnung gegenüber. Die Gcneralko m Mission soll eine neue Verfassung erhalten, aber es wird dies weniger eine neue, als eine klarere und zusammengefaßte Formulierung der für sie schon jetzt geltenden Bestimmungen sein. Straffere Organisation in allenGIiedcrndesGcwerkschaftskörpcrs zwingt die wachsende Macht derGegner auf. Auch alle Streitigkeiten innerhalb unserer Gewerkschastswelt sollen künftig mehr noch als bisher vermieden werden; dieserAufgabe soll eine ausgebildete Schiedsgerichtsinstitutiondienen. Gewaltig sind unsere Gewerkschaften nach außen gewachsen,— möge der Münchener Gewerkschaftskongreß die innere Kräftigung und die weitestgehende Solidarität der gewerk- schastlich organisierten Arbeiterschaft herbeiführen! Mbeitswilligensihich und Unternehmerterrorismus. Von Alexander Schlicke. Solange es in Teutschland ein Koalitionsrecht gibt, be- mühen sich vor allem die großindustriellen Unternehmer, den Arbeitern die Ausübung dieses Rechts zu erschweren oder gar unmöglich zu machen. Dieses Ziel ist bis auf den heutigen Tag das gleiche geblieben und wird es auch für die fernere Zukunft bleiben; gewechselt hat nur die Methode und das Tempo der Propaganda. Ueber letztere entscheidet cher Uin- fang, in dem die Arbeiter das Koalitionsrecht ausüben. So- lange die Gewerkschaften noch klein waren, solange sich ihr Einfluß nur auf einige tausend Berufsgenossen erstreckte, hatten auch die Unternehmer keinen Anlaß, sich zu organi- sieren und, soweit sie überhaupt gegen das Koalitionsrecht an- kämpften, führte jeder Unternehmer oder jede Unternehmer- grufipe für sich den Kampf nach eigenem Ermessen. Mit der Zunahme der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter wächst auch die Unternchmerorganisation, und Hand in Hand damit geht eine größere Vereinheitlichung ihrer Propaganda. Von dem Augenblick an läßt sich aber auch erkennen, daß es sich bei dieser nicht um„Unterdrückung etwaiger Auswüchse und Mißbrauche" bei Ausübung des Koalitionsrechts, sondern um die Unterdrückung des Koalitionsrechts selbst handelt. Tie Grundanschauung der Unternehmer icher die Stellung der Arbeiter im heutigen Arbeitsprozeß ist unvereinbar mit der Ausübung des Koalitions'rechts durch die Arbeiter. Die Ausübung des Koalitionsrechts durch die Ar- beiter hat zum Ziele die Gleichberechtigung der Arbeiter auf wirtschaftlichem Gebiet, und diese Gleichberechtigung ist nach den Anschauungen des großindustriellen Unternehmertums ein Unding. Dies hat der verstorbene Generalsekretär des Zentralverbandes Deutscher Industrieller, B u e ck, ans der Arbeitsnachweiskonferenz 1898 in Leipzig selbst ausgesprochen: '„D ie(.»! s e i ch b e r c ck t i g u ii g des Arbeiters ist ein Schlagwort, mit dem ein ungeheurer Unfug getrieben wird....««ehr richtig!) Gleichberechtigt ist der Arbeiter mit dem Arbeitgeber in unserer Politik; vor Gesetz und Recht ist der Arbeiter mit dem Arbeitgeber gleich- bedeutend; gleichberechtigt aufdem Gebiete des sozialen und wirtsch östlichen Lebens ist der Arbeiter nicht und kann es niemals sein!...* Entsprechend dieser Auffassung hat dann dieser Redner in seiner im Jahre 1904 herausgegebenen Druckschrift:„Die Organisation der Arbeitgeber" auf Seite 17 Bestrafung der Arbeiter wegen Koalitionszwanges und dementsprechend? Aendcrung der gesetzlichen Bestimmungen verlangt, in der- selben Druckschrift auf Seite 81 den Arbeitgebern aber emp- fohlen,„die Rstchterfüllung der den Mitgliedern durch die Satzungen des Verbandes auferlegten Verpflichtungen mit satznngsgemäßen Geldstrafen zu ahnden" und diese Strafen durch bei der Bank des Verbandes zu hinterlegende Wechsel, die der Vorstand vorkominendenfalls in Umlauf setzen kann, sicherzustellen. Also Bestrafung eines K o alt- tionszwangs a n den Arbeitern, freie Aus- übnng eines solchen Zwangs für die Arbeit- g e b c r und dennoch die Behauptung, daß nach„Gesetz im!) Recht der Arbeiter mit dem Arbeitgeber gleichbedeutend ist" Gerade dieser Widerspruch läßt klar und deutlich erkennen, wie wenig Ernst es den Unternehmern mit ihrer Behauptung ist, nur den..Mißbräuchen" bei Ausübung des Koalition» rechts, nicht aber diesem selbst entgegentreten zu wollen. In einem Rechtsstaat, nach dessen Verfassung vor dem Gesetz ja alle Bürger gleich sein sollen, können es die Unter nehmer nur wagen, eine Forderung auf Beseitigung des Koali tionsrechts zu stellen, wenn sie erwarten dürfen, daß die öffent liche Meinung hinter ihnen steht. Solange das nicht der Fall ist, müssen sie auf Umwegen zum Ziele zu gelangen suchen. Sie tun dies durch ihre seit Jahren entfaltete Propa ganda für verstärkten Arbeitswilligen schntz und f ü r U n t e r d r ü ck u n g c i n es von den organi s i e r t e n Arbeitern ausgeübten K o a l i t i o it s- z w a n g s, des sogenannten Terrorismns. Mit der wachsen- den Stärke der Arbeitgeberverbände hat diese Propaganda auch gewaltig an Stoßkraft gewonnen. Während früher die Unternehmer allein standen, erfreuen sie sich jetzt der Gefolg schaft der Klein- und Mittclunternehmcr, des Hansabundes und einiger politischer Parteien. Die von diesen Interessen . gruppen an die Gesetzgebung gestellten Forderungen laufen hinaus auf: 1.. Vollständiges Verbot des StrdkpostenstehenS. 2. Beschleunigung des Strafverfahrens bei Strcikvcrgehen. ck Verschärfung der Strafbestimmungen des ß 153. der Ge- ivcrbeordnung und der 8Z 2ckZ, 241 des Strafgesetzbuches. Nach dem Grundsatze variaüo delectat(Mannigfaltig feit ergötzt) stellt natürlich jede Gruppe andere Forderungen, deren Kern aber immer wieder eine der obigen ist. Auch wollen einige Gruppen lieber die Polizei für das Verbot des Streikpostcnstehens in Anspruch nehmen, weil sich bisher noch kein Reichstag den Unternehmerwünschen geneigt gezeigt hat. Trotz dieser Mißerfolge ist die Propaganda aber doch nicht ohne Erfolg geblieben. Sie hat nicht nur bisher fernstehende Gruppen zmn Anschluß veranlaßt, hat nicht nur Polizei- und Regierungsverordnungen gegen die Ausübung des Koalitions- rechts gezeitigt, sondern sie hat auch die Recht- s p r e ch u n g zuungunsten der Arbeiter b e e i n- flußt und das Rechtsentpfinden weiter K r e�s e des Volkes erschüttert. «soll der Gewerkschaftskongreß diese Dinge ruhig gehen lassen, soll er ruhig zusehen, wie durch eine gewissenlose Hetze . und lügenhafte Agitation noch weitere Volkskreise in ihren Auffassungen vergiftet, wie die Arbeiter in ihren Vereini- gungsbcstrebungen gehindert werden? Das kann er und darf er nickt, und genau wie auf seiner letzten Tagung in Dresden gegen die Verschlechterung einzelner Bestimmungen des Straf- rechtes zuungunsten der gewerkschaftlichen Betätigung muß er diesmal Einspruch erheben gegen die gewissenlose Irre- führung der öffentlichen Meinung und weiter Volkskreise, wie sie von den Unternehmern und ihren Verbänden unter dcm'Schlagwort„f ü r A r b e i t s w i l l i g e n s ch u tz g e g e n A r b e i t e r t e r r o r i s m u s" betrieben wird. Er muß der Oeffentlichkeit zeigen, daß gerade die Unternehmer die am wenigsten Berufenen sind, solches Verlangen zu stellen, daß gerade sie es sind, die an den organisierten Ar- beitern eine Betätigung bestraft wissen wollen, die sie f ü r f i ch a l s s c l b st v e r st ä n d l i ch e s R e ch t i n?l n s p r u ch nehme n. Von der Erkenntnis ausgehend, daß die Zu- sammenfassung einer Personenmehrheit zur Erreichung eines die Unternehmer in ihren Wirtschaftlichen! präsidialen. Gutachten für polnisch erklärt worden sind. Tie ZKtl Bereinigungen den schärfsten n u r d e n k b a r e n'«ww.»«,,,.«ta»m, ärfceitemtmm D r u ck. a u f ihre M i t g l i e d est und die, die es we r d e n s o l l e n. Eintreibung hoher Konventionalstrafen vermittels Sola- Wechsel auf Sicht beim kündigungslosen Rücktritt von der Organisation, gesellschaftliche Aechtung, wirtschaftliche Schädi- gung durch Material, und Lieferantensperre bei Fernbleiben von der Vereinigung, Kreditunterbindung, unlauterer Weit- bewerb durch Schundpreise, planmäßige Untergrabung des guten Rufes der Konkurrenz und ihrer Erzeugnisse g�egen widerspenstige Außenseiter, das sind die auch an dieser stelle mehrfach besprochenen und daher bekannten Zwangsmittel des organisierten Unternehmertums gegen Andersgesinnte. Können diese Mittel, deren Anwendung durch Beschlüsse u n d S a tz u n g e n o f f e n i n A u s s i ch t g e st e l l t, a l s o mit denen gedroht wird, auch nicht immer straf- rechtlich erfaßt werden, so werden sie dadurch nicht einwand- freier und ihres Charakters als T e r r o r i s m.u s durchaus nicht entkleidet. Nicht minder kraß tritt der Terrorismns der Unter- nehmer gegen die Arbeiter selbst zutage. Organisationszwang in gelben Werkvereinen bei«strafe der Zurücksetzung bei der Arbeit oder Entlassung, monatelange Ausschließung ihre Interessen vertretender Arbeiter von den Arbeitsplätzen durch schwarze Listen und Sperrung der Arbeitsnachweise, Ent- lassung von Arbeitern wegen Aufgabe der Arbeit im gleichen Betriebe durch Familienangehörige oder deren Zugehörigkeit zur Organisation, das sind die Zwangsmittel, die das Unter nehmertu m f ach täglich u n d in aller Oeffentlichkeit ungestraft anwend e n kann. Wenn trotz dieser feststehenden Tatsachen der Ruf nach verstärktem Arbeitswilligenschutz lind zum Kampf gegen den Arbeiterterrorismus immer und immer erschallt, so zweifellos auch in der Nebeltabsicht, die allgemeine Aufmerksamkeit von dem eigenen Terrorismus abzttlenken. Es ist nämlich dem Unternehmertum kein Geheimnis, daß die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sowohl aus gesetzlichen als aus organi- satorischen Gründen einen Terrorismus nicht ausüben können und ihre Erfolge nicht diesem, sondern der Ueber- z e u g u n g s t r e u e i h r e r M i t g l i e d e r v e r d a n k e n. Sei wissen auch nur zu gut. daß der heute den Arbeitswilligen und ihren Vermittlern ohne Ansehen ihrer Person u n d o h n e R ü ck s j ch t a u f i h r V o r l c b e n g e w ä h r t e Schutz durch Behörden und Gerichte in Verbindung mit dem das Koalitionsrecht einschränkenden 8 133 der Gewerbeordnung in ihnen eine Selbstüberhebung hervorruft, die häufig die ausschließliche Ursache etwaiger Zusammenstöße tnit streikenden und ausgesperrten Arbeitern ist. Gerade darin liegt die an Gewissenlosigkeit grenzende Unaufrichtigkeit der von Untcrnehmerseite eingeleiteten Propaganda. Sie ver- allgemeinert hier und da vorkommende Streikvergehen ein- zelner Personen oder Personenmehrheiten und übertreibt sie ins Maßlose. Sie verschweigt, daß heute schon solche Vor- kommnisse, besonders aber Arbeitswilligen zugefügte wört- liche und tätliche Beleidigungen, von den Gerichten diel strenger bestraft werden wie gleichartige Delikte im übrigen bürgerlichen Leben. Sie läßt die zahllosen.Hcrausforderungen Arbeitswilliger an streikende und ausgesperrte Arbeiter un- erwähnt und übersieht absichtlich die hervorragende Rolle, die Arbeitswillige als Zeugen vor Gericht häufig quf. Anstiften der Unternehmer spielen. Wider besseres Wissen erweckt sie in der Oeffentlichkeit den Glauben, daß der Arbeitswillige zu wenig Schutz genieße, während gerade das Gegenteil der Fall ist und der streikende und ausgesperrte Arbeiter schutzlos Be lästigungen, ja sogar Bedrohungen durch die häufig von den Unternehmern mit allen möglichen Waffen aus g e r ü st e t e n Arbeitswilligen ausgesetzt ist. Ist hier nicht der Ort, auf Einzelheiten einzugehen, so wird der Gewerkschaftskongreß in diese Dinge hineinleuchten müssen. Selbstverständlich wird er es nicht tun, um etwa vorgekommene Roheitsdelikte und sonstige grobe Beleidi gungen zu beschönigen, sondern nur um zu beweisen, daß solche Delikte heute eber zu strenge als zu milde bestraft werden. Er wird die Agitation des Unternehmertums zurückweisen, anstatt Beschränkung des Koalitionsrechts dessen Erweiterung fordern und gegen die heutige Rechtsprechung und die offen sichtliche Bevorzugung arbeitswilliger gegenüber streikenden und ausgesperrten Arbeitern durch Behörden und Gerichte entschieden Verwahrung einlegen müssen. Damit wird er das öffentliche Gewissen zu schärfen, die Verzagtheit in den eigenen Reihen aber zu bannen suchen. Dies wird der Kongreß aber nur erreichen können, wenn die, die ihn bilden, auch hinter ihm stehen nicht nur während der Tagung, sondern auch später und jederzeit. Unablässig müssen die Ge- werkschaften der Propaganda der Unternchmerverbände die gewerkschaftliche Agitation entgegenstellen und immer und immer wieder darailf hinweisen, daß die Arbeiterschaft, heute weit entfernt, auf wirtschaftlichem Gebiete gleichberechtigt zu sein, n o ch n i ch t e i n m a l„v o r G e s e tz u n d R e ch t m i t dem Arbeitgeber gleichbedeutend" i st. Die Handhabung des Vereins- gesetzes. Von August Brey. Tos Reichsvercinsgesetz hat den gewerkschaftlichen Verbänden der Arbeiter freie Bahn zur Werbearbeit und zur Verwirklichung der gowerkschaftlichen Ziele nickt gebracht. Diese Frucht voni Baume des Bülowblockes zeitigte vielmehr Schwierigkeiten, die man früher selbst in Preußen nicht kannte. Die kleinliche gehässige Unterdrückungspolitik der„reichsvereinsgesetzlosen" Zeit ist wieder erstanden. Die Bestrebungen zur geistigen und moralischen Festigung der proletarische» Jugend, die Arbeitergesangvercine, die sportlichen Gebilde der Arbeiter, die politische Organisation, die gewertschaftlichen Verbände, alles fühlt die Polizeifaust. Von den die Fortcntwickclung hemmenden Bestimmungen des Vereins- gesetzes sind befreit: die wirtschaftlichen und politischen Organi- sationen des Bürgertums und der Junker, sie kommeu nicht zur Anwendung auf die Arbeiterorganisationen, die im Schatten der bürgerlichen Parteien blühen, wachsen und gedeihen wollen, sie sind nicht da für die gelben„Arbeiterverbände", die sich den Kapitalisten als Schutzgarde zur Seite gestellt haben. Die Handhabung des Vereinsgesctzes ist zu einem Ausnahmerecht gegen die vorwärts- und aufwärts st lebende Ar- b e i t e r k l a s s e geworden. der ju gelverblichen Betrieben als Arbeiter und Arbeiterinnen tätigen jungen Leute im Alter von Iii bis 18 Jahren wird man mit 600 000 eher zu niedrig als zu.hoch einschätzen; aus dieser Schar lastet der kapitalistische Frondienst. Tie Not des Lebens zwingt sie, für bessere Arbeitsbedingungen. zu sorgen. Die Teuerung teilt ihnen schmale Bissen des täglichen Brotes zu. Aus Rücksicht auf ihr körperliches Wohl ist die Verkürzung der Arbeits- zeit, sind geregelte Pausen erforderlich. Tic erwachsenen Arbeiter haben darauf zu achten, daß ihnen in den Jugendlichen keine Schmutzkonkurrenten erstehen. Die Erziehung der jugendlichen Personen für die gewerkschaftliche Organisation ist also eine zwin- gende Notwendigkeit, da die Jugendlichen den Wirkungen des freien Arbeitsvertrages ausgesetzt ifind; auch das ist ein Ausfluß des bürgerlichen Rechtes. Aber die Nützung dieses Rechtes ist abhängig von dem Eon, essen der preußisch deutschen Polizei. Bei Beratung>des Vcreinszesetzes forderte die Sozialdemo- ? ratio Schutz gegen behördliche Saalabtreiberei. Der damalige Staatssekretär, jetzige Reichskanzler von Bethmann Hollivcg. er- klärte die Einarbeitung dieses Schutzes in das Gesetz für cinerc legislativen Fehler. Es sei„Mißbrauch der Amtsgewalt, wenn ein Beamter lediglich aus der Tatsache, daß Personen die Räume für Vereine und Versammlungen hergegeben haben, den Grund entnimmt die Erlaubnis zur Abhaltung von Zustbakkeiten oder dergleichen..... vorzuenthalten oder zu entziehen". Ti.cj.sr Mißbrauch der Amtsgewalt werde durch das geltende Reckst bestraft. Solcher Mißbrauch liegt dutzendfach vor. Ein sächsischer Bürger- meister zwang den Wirt, in dessen Lokal der Verband der Blumen- arbeitcr im Vorjahre seinen Berbandstag abhielt, die Telegienen sofort aus dem Lokal zu weisen. Er halte Entziehung der Tanz- erlanbnis angedroht. Das Gesamtkolleg der zuständigen königlich- sächsischen Kreishauptmannschaft fand„keinem. ausreichenden Grund, etwas im Sinne der erhobenen Beschwerde zu verfügen. da das Verhalten des Bürgermeisters Dr. Winkler zu Anständen keinen Anlaß gegeben habe".— Ein Amtmann in Dützen in West- falen erteilt auf Jahre hinaus die Erlaubnis für Volksfeste an die Wirte und hält es dabei„für selbstverständlich, daß diejenigen Wirte ausscheiden, in deren Lokalen sozialdemokratische Vereini- gungen tagen". So fürchten die Beamten die Strafen, die nach 8 WO des Strafgesetzbuches aus Amtsmißbrauch ruhen. Von der Anmeldepflicht ausgeschlossen sollen Versammlungen sein, die zur Erörterung von Verabredungen und Vereinigungen zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbestsbedingungen ver- anstaltet werden. So steht es ausdrücklich im Gesetz. Aber nach Tausenden zählen die Veranstalter von gewerkschaftlichen Ver- saminlungen, die bestrast wurden, weil sie die Anmel- dung unterließen, zu denen sie das Gesetz gar nicht verpflichtet. Der Charakter der öffentlichen Versammlung gilt schon als ge- geben, wenn 20 Personen anwesend sind und wenn der Veranstalter oder Redner in dem Betriebe nicht tätig ist, dessen Arbeiter zur Versammlung geladen sind. Und tvas ist nicht alles politisch! Tie Erwähnung der Gcwerbcgerichte ist nach einem Gerichtserkenntnis hohe Politik, und das Äuslegen von Statuten und Zeitungen ist „Aufreizung der arbeitenden Klasse zum Anstürmen gegen be- stehende Staatseinrichtungen". Mit der Kennzeichnung der gelverk- schaftlichcn Versammlungen als öffentliche und politische will man ihnen die polizeiliche Uebertvachung aufzwingen. Die Folgen sind dann; die Arb«iler kömicn bei der Vorberatmig von Lohnbewc- gungen unbewacht keine taktischen Maßnahmen treffen, die Unter- nchmer dagegen schmieden ihre Pläne in den verschwiegenen Räumen ihrer Bureaus. Mit einer Ungeniertheit, die Staunen erregt, besprechen die Gelben in ihren Versammlungen die Erzielung ihnen genehmer Wahlen für die Gemeindeverwaltung. Landes- und Reichsgesetz- gebung; alle Zweige der Politik werden jahrein jahraus durch den Hansabund, die Unternehmerverbände und den Bund der Landwirte behandelt. Den letzteren hat sta ein deutsches Gericht für unpolitisch erklärt, während den übrigen genannten Verbänden ob ihrer politischen Tätigkeit noch kein Härchen gekrümmt worden ist. Anders weht der Wind gegen die freien Gewerkschaften, ob» wohl sie peinlich bestrebt sind, über jene Linie nicht hinauszugcl�n, auf der wirtschaftliche Fragen mit allgemein tvirtschaftspoliti- schen ineinander fließen können. Der Angelpunkt ihrer Tätigkeit nt der Arbeitsvertrag, das Arbeitsverhältnis. Wo es sich um prägen des Arbeiterschutzes bandelte, haben besondere, aus dem Rahmen der Organisation fallende Konferenzen die Forderungen beschlossen. Trotzdem ist hieraus und aus vereinzelten Eingäben an die Gesetzgebung, die nebenbei bemerkt nie vollen Erfolg hatten« von Polizei und Gerichten auf politische Tätigkeit geschlossen worden. Eine einsichtige Ausführung der Gesetze und eine von sozialem Geist erfüllte Rechtsprechung müßte den Gewerkschaften ausdrücklich das Recht sichern, der Gesetzgebung Wege für den Arbeiterschutz zu zeigen. Die Unternchmerverbände haben sich dieses Recht längst angemaßt. Es den Arbeitern veriveigern, heißt sie rechtlich schlechter stellen als die Unternehmer dastehen, und die «achrunde bei der Gesetzgebung ausschließen. Wegen Ermittelung des angeblichen Tatbestandes hat man sici? um Auskunft an die verbissensten Feinde der Organisation ge- wandt, an Polizeipräsidenten und Organisationen des Unternehmer- tums.(Handelskammern.) Auch Zahlstellen der christlichen Per- bände trugen ihr«cheitlein zum Holzstöße der Politischcrtlärung bei. Und was hat man da auf Grund von Gutachten und Um- fragen festgestellt? Die Verbandspresse hat Artikel zu den Reichs- lagswahlen gebracht. Dazu ist alle fünf Jahre einmal Gelegenheit geboten. Diese Artikel haben den Arbeiterschutz, die soziale Gesetz» gedun� in den �Vordergrund gestellt. Also Tinge, die in den Arbeitsverhältnissen ihren Ausgangspunkt haben und die gelegewt- ch öu behandeln, ein Reicksgerichtsurteil � aus dem Jahre 1892 WWW! WWW Alle polizeilichen Plagen früherer Zeiten sind wieder er- bestimmten Zweckes ohne Zwang und Beschränkung der per- standen. Als neu kommt hinzu das Verbot der Aufnahme von sönlichen. Freiheit überhaupt nicht möglich ist, betätigen!.Personen unter 18 Jahren für solche Vereine, die nach Polizei- zur Tätigkeit der gewerkschaftliche» Organisationen gerechnet hat. Aber selbit wenn man im polizeilichen Uebereifer diese Einschrän« Jung nicht gelten lassen will, ändert ein Gcwcrkschaftsblatt,-das X" t5 ,?<�te" Unter Äderten von Artikeln rein wirtschaftlichen Inhaltes lagen wir ein halbes Dutzend brachte, die über politische Fragen handelten, seine Tendenz, nur gewerkschaftlichen Grund- latzen zu dienen? Nur Kurzssthtigdeit, gepaart, mit unlöschbarcm Haß gegen d,e Arbeiterbewegung, kann diese Frage bejahen. Genau w liegt es mit den übrigen„politischen" Sünden der Gewcrk, chatten. Di- Verbände, über die man die Bolftisch- crk.arung verhängt, verfügen zusammen wohl üvcr 4000 Zweig- ■>CrtC|l'!f't�tC Cb au� chvölftnal soviel Mitgliederversammlungen ia.>r ich bringen. Aus diesem Meere von Versammlungen tauchen nun einige heraus, in denen der Anschluß an die Parteiorgani- wmeren b€r Parteipresse empfohlen worden ist- * r� se f f bat diese Empfehlung angeordnet, sie werden als Entgleisungen gewürdigt. Ohne sie hat die Partei reinen einzigen organisierten Parteigenossen, die Presse keinen einzigen �eser weniger. Jeder Kenner der Verhältnisse weiß, daß , ich die Partei zur Stärkung ihrer Organisation und Gewinnung von Lesern besonderer Werpe- miriel bedient. Tausende von gewerkschaftlichen Vcrsackm- tungen dienen ausschließlich dem Zweck, die Aribeitsverbält- Nif sc zu erörtern. Dieser Zweck ändert sich nicht, weil c» Nr. 166. 31. Jahrgang. i Kkilme des Jutmärts" f nlinet öollisliliilt. Sanntag, 21. Juni 1914. Das Ergebnis öes Pferöehanöelprozesses. Tic Verhandlungen gegen unsere drei Redaktcure mußten leider gestern infolge einer plötzlichen Erkrankung des Oberst- leutnants Haack, dessen Aussage mit Spannung erwartet wurde, vertagt werden. Ter Prozeß hat ein Bild der kapitalistischen Verseuchung entrollt, wie selbst wir es kaum für möglich gehalten hätten. Tie mühsame Pferdezucht der kleinen Besitzer und der Pfcrdezüchter in Ostpreußen sieht sich durch reiche Händler firmen bedrängt, ja in ihrer Existenz geradezu bedroht. Der Züchter hat die schwierige, langwierige Arbeit, den Profit hat das Kapital, und offenbar nicht zu knapp. Und dazu trägt der Militarismus das meiste bei. Nach dem Gesamt- cindruck, den der Prozeß machte, inögen die Gewinne, die die von der Militärverwaltung begünstigte Firma-iande- lowski u. Rachmann aus dem Ankauf und Verkauf von Pferden zog, iäbrlich Hunderttausende betragen. Tie leider„hochpatriotische" Bevölkerung in Ostpreußen sieht niit Staunen, wie es dort von Jähr zu Jahr dem Züchter schlechter geht und wie bei den Remontekommissioncn enorm viel Pferde der Firma zu teueren Preisen abge- nommen werden. Sie schiebt den Rückgang der Pferdezucht in Ostpreußen auf die Art des Remonteankaufs. Und s i e h a t R e ch t. Tie Beweisaufnahme zeigte zum Beispiel, daß neben den allgemeinen, allen zugänglichen Märkten, insbesondere im vergangenen Jähre noch Privatmärkrc für Händler stattge- funden haben. Ausgedeckt wurde, wie der Züchter infolge des Verhaltens der Militärbehörde, die sein Pferd zurückweist. sich veranlaßt sieht, um leben zu können, feine Pferde weit unter dem regulären Verkaufspreis an den Händler zu ver- kaufen. Wir erinnern an den Besitzer Warnat, dessen Pferd bei der Remonte zurückgewiesen wird. Ter Besitzer verkauft dos Pferd, dessen Wert der Tierarzt auf 1400 M. geschätzt hat. für 1100 M. an die Händlerfirma. Ein anderer Be- sitzer, Simon, erlebt ebenfalls das Schicksal, daß sein Pferd von der Remontekommission zurückgewiesen wird. Er ver- kauft es für 1000 M. an die Firma und diese verkauft es unter dem Beteuern, das Pferd habe sie selbst soviel gekostet, einige Stunden später für 1130 M. an die Remontekommission. Hätte die Militärverwaltung, anstatt selbst die Angabe der Durchschnittspreise im vermeintlichen„ertaatsinteresse" zu verweigern, genaue Angaben über den Ankaufspreis ihrer Pferde bei den Händlern gemacht, so wäre es vielleicht nicht allzu schwer gewesen, an der Hand ordnungsmäßig geführter Bücher, wie sie das Gesetz den Firmen vorschreibt, genau festzustellen, welch ungeheuere Werte mühelos und ohne Arbeit den Pferdehändlersirmen zufallen, während die Züchter vergeblich ihre Arbeit aufgewendet haben. Nicht nur die ungewöhnliche Art des Vorgehens bei der Remonte ist schuld an der schweren Beachtciligung der Ziich- ter. Tie gestrige Verhandlung, insbesondere die Gutachten des Majors v. Rundstedt und des Rittmeisters von Rotenhan zeigen, daß daneben ein auffallender Mangel an Verständnis für die Pferdezucht in Ostpreußen bei für die Remonte maß- gebenden Militärpersonen obgewaltet hat. Was insbesondere der Major v. Rundstedt über den„schandbaren" Zustand der Pferdepslege in Ostpreußen darlegte, wird so manchem Be- sitzer und Pferdezüchtcr in Ostpreußen die Ailgen darüber öffnen, daß der, dem die Behörde ein Amt gibt, dadurch keines- Wegs ilmner in der Lage ist, die mühsame Arbeit Anderer und den Erfolg der Arbeil anderer richtig zu würdigen. So Manchem konservativen Bauern und Pfcrdezüchter wird durch jene Gutachten, noch viel mehr aber durch den Gcsamtiichalt der Prozeßvcrhandlungen klar geworden sein, ob der ärger- liche Ausdruck eines Züchters berechtigt war,„der Major sollte lieber Ferkel als Pferde kaufen". Dem„Vorwärts" war zur Last gelegt, daß er klipp und klar zum Ausdruck brachte, die Remonte arbeite nicht Hand in Hand mit dem Züchter, der da arbeitet, sondern mit dem Händler, der da besitzt. Tie Beweisaufnahme hat dies weit iiber alle Er Wartungen hinaus bestätigt. Tie Militärbehörde und Staatsanwaltschaft meinten allerdings, darin liege der Vor Wurf, die Herren arbeiteten aus persönlichen! Interesse, ge wissermaßen als Bestochene für die Firma. Davon stand in unfern Artikeln kein Wort. Daß aber der Major v. Rund- siedt und auch sein Vorgänger Hand in Hand mit der Firma gearbeitet haben, dürfte nach der Beweisaufnahme unmöglich noch bestritten werden können. Jede reinlich gehaltene Kommunalverwaltung schreibt vor:Vjon den Lieferungen für dle Kommune nmssen die Magistratsinitglieder und Stadt- verordneten sich fernhalten. Verpönt ist ferner jede private Verbindung mit Leuten, über deren Aufträge für die Kom- Wune man zu bestimmen hat. Und>vas sehen wir in Ost- Vrcußen bei der Remontekommission? Es ist gang und gäbe und gilt als ganz selbstverständlich, daß die Herren von der Remonte bei den Pferdehändlern, bei denen sie den B c- barf für den Staat teilweise decken, auch für ihre Person Pferde kaufen. Tie Pferde werden dann zugeritten und weiter verkauft. Der Major v. Rundstedt gab an, er habe es so mit nicht weniger als 14 Pferden gemacht. Durch- fchnittlich habe er an jedem Pferd„nur 314.28 Mark" ver- dient. Tos macht also die Kleinigkeit von rund "000 Mark. Wie viele Züchter haben durch ihre jahrelange wühsame Arbeit im vergangenen Jahr so viel verdient, wie wer der Major v. Rundstedt dadurch, daß er täglich eine Stunde lang ein von der Firma gekauftes Pferd zuritt? Ter.Major hatte selbst, wie er als Zeuge bekundet, die Empfindung, die Firma wolle ihn durch besonders billige Preise bei guter Laune halten. Er gab deshalb in einzelnen Fällen 200, 230 und 300 M. mehr als von ihm verlangt wurde. Er fühlte instinktiv, daß die Inhaber der Firma, denen er keinen großen Drang nach Wahrheitsliebe zutraute, ihm besonders gefällig sein wollten, und er merkte gar nicht, wie sie ihm, noch weniger, wie er der Firma nutzte, ständig gefällig waren. In wieviel Fällen ein Pferd, das eben bei einem Zuchter zurückgewiesen wurde, durch ihn von der Firma dann gekauft wurde, weiß er offenbar nicht. Gar lustig klang es gestern, als ex selbst als Sachverständiger glaubte darlegen zu müssen, wie leicht es ist, ein minderwertiges Tier so zu frisieren daß selbst ein Regimentskominandeur völlig getäuscht wird Ob die Firma die vom Major vorgetragenen Mittel angc wendet hat, wissen wir nicht. Hat sie sie angewendet, so dürfte ein Major nicht minder, wie ein Regimentskomman dcur durch sie getäuscht werden können. Weit, weit schlimmer als solche Kniffe von Roßtäuschern sind aber die Praktiken, die in der Beweisaufnahme gegen die Firma festgestellt sind. Wie eine Komödie hörte sich die köstliche Schiebung an, bei der die Firma ihre bereits gc- musterten Pferde durch scheinbare Besitzer nochmals vorstellen läßt. Und so inanche andere Tricks der Firma sind ja durch die Beweisaufnahme bereits aufgedeckt. Und was für eine Firma! Großkanfleutc, die nach ihrer Behauptung keine ordentlichen Bücher führen. Großkauf- leute. die mit einem Mate ein etwas brenzliches„Konto Haack" überhaupt nicht geführt haben wollen, Großkaufleute. deren Bekundungen mit der Verpflichtung, unter ihrem Eide nichts zu verschweigen, in einen argen Widerspruch gerieten Aber Großkaufleute, deren junger Sproß infolge des Reich tums der Firnia ruhig ausrufen kann:„Uns kann keiner. Der Prozeß hat so mannigfaltig interessante Bilder für die Verquickung von Kapitalismus mit Militarismus geliefert daß er für die Gegenden mit kleinen Besitzern ein präch tiges Aufklärnngsinatcrial über die Zustände, ivic sie wirklich sind, liefert. In Ostpreußen sprechen nach den Bekundungen der Zeugen echt patriotische Anhänger der heutigen Gesell schaftsordnung ständig davon, daß der arbeitende Züchter so aiißerordentlich gegen den kapitalkrästigm Händler bcnach teiligt sei. Es ist das Tagesgespräch, �ie wissen aber nicht wie diese Benachteiligung zu erklären ist. Sie ahnen nichts von dem tiefen Zusaminenhang zwischen Kapitalismus und Militarisnius. Sic hatten bislang nur die dunkle Einpfin düng, daß, lver den Militarismus stärkt, auch den Kapitalis mus stärkt und den Arbeitenden gegenüber dem Besitzenden benachteiligt. Prächtig, daß die Aktion, die der Kriegsminister gegen den„Vorwärts" durch seinen Strafantrag eingeleitet hat jenen der Sozialdemokratie noch so fernstehenden Schichten nunmehr die Erkenntnis des Zusammenhangs zwischen Militarismus und Kapitalisinus in die Gehirne hineiw häinmert. Prächtig, daß so der Kriegsniinister ferner die Erkenntnis verbreiten hilft: nur die Sozialdemokratie kann die Schäden der heutigen Wirtschaftsordnung beseitigen, nur sie bekämpft unerschrocken die Schäden des Kapitalismus imd Militarismus. Tank dem Herrn Kriegsminister! Der albanische /tufstanö. Der gründlich verfahrene Karren der albanischen Re gierung ist in den letzten beiden Tagen wieder einen Schritt vorwärts nach rückwärts gekommen. Die Aufständischen sind tatsächlich die Herren der Situation. Wenn es sich um ein Volk iin modernen Sinne handeln würde und nicht um eine Anzahl von Stämmen, die zusammen- und wieder aus einanderlaufen, wie das bei den Albanern der Fall ist, so wäre der Todeskampf des Fürstentums von der Diplomaten Gnaden schon längst ausgckänipft. Das eine ist jedenfalls gewiß: von einer Besserung der Lage des Fürsten kann keine Rede sein. Im Gegenteil. Die Aufständischen scheinen in Turazzo selbst Parteigänger zu haben, die die allgemeine Anarchie noch vergrößern. Wohl scheint die Regierung im geheimen in Unterhandlungen mit den Aufständischen go treten zu sein und mohammedanische Priester in das feinde liche Lager gesandt zu haben, aber es klingt sehr wahrscheim lich, daß die Ausständischcn mit dem Fürsten nichts mehr zu tun haben und nur mit den Vertretern der Mächte verhandeln wollen. Falscher Alarm und Unterhandlungen. Turazz», Itz. Juni. schiff und Flugzeug stürzten in die Tiefe. Bei der Katastrophe haben n e u n M e n s ch e n ihr L c b e n e i n- gebüßt. Die sieben Insassen des Luftschiffes wurden völlig verkohlt unter den brennenden Trümmern des Luftschiffes hervorgeholt, ebenso fanden die b e i d c n Insassen des Flugzeuges bei dein Absturz ihren Tod. Der Hergang öer Katastrophe. Um 8 Uhr früh war der Körting-Lenkballon von der Ballon- halle Fischamend behufs aero- photogrammctischer Aufnahmen auf- gestiegen. In der Gondel hatten Platz genommen Hauptmann Hauswirth, Oberleutnant Hofstetter, Oberleutnant Breuer, Leutnant H a i d i n g e r, Korporal H a d i m a. Gefreiter Weber und Ingenieur K a m in e r e r. Das Lust- schiff beschrieb seine Kreise in der Umgegend von Fischamend und steuerte sodann gegen Enzersdorf und gegen den historischen Königsberg. Um S'/z Uhr war der F e l d p i l o t Leutnant P f l a tz mit den, Fregatten- I e u t n a n t B u ch k a als Beobachter auf dem erst kürzlich von der Heeresberwaliung angekauften Farm an- Doppeldecker vom Flugfelde Fischamend aufgestiegen, um den Ballon zu verfolgen. Er'u m k r e i st e mehrmals den Ballon und suchte ihn sodann zu überfliegen. Bei diesem Versuche st reifte er die Ballon- hülle, welche einen Riß erhielt. Es erfolgte eine furchtbare Explosion. Der Ballon ging sofort in Flammen auf. Sowohl der Ballon als der Aeroplan stürzten aus etwa 400 Meter Höhe in die Tiefe und blieben am Ab- hang des Königsberges zertrümmert, etwa 10 Meter von einander entfernt, liegen. Sämtliche Insassen des Ballons wurden als ver- kohlte Leichen aufgefunden. Oberleutnant Pflatz und Fregattenleutnant Buchta sind gleichfalls tot, ihre Körper sind furchtbar verstümmelt. Hauptmann Hauswirth war einer der ältesten Luftschifferoffiziere und seit Bestehen der Luftschiffer- abteilung in Fischamend dieser zugeteilt. Oberleutnant Pflatz war einer der hervorragendsten Feldpiloten. Darstellung eines Augenzeugen. Ueber die Katastrophe bei Kleinschwechat berichtet ein Augen- zeuge: Der Aeroplan und das Luftschiff manövrierten in der Nähe von Kleinschwechat ungefähr eine Stunde laug. Sie machten ver- chiedene Evolutionen. Bald war der Aeroplan iiber dem Luftschiff, bald unter ihm, bald umkreiste er das Luft- 'chiff. Plötzlich gegen 10 Uhr traf zum Entsetzen aller Zuschauer auf dem Felde das Flugzeug das Luftschiff in die Seite. Eine blitz- artige Stichflamme schoß sofort hervor. Beide Luftfahrzeuge waren im Nu in Flammen gehüllt und stürzten im nächsten Augenblick zu Boden. Die auf den Feldern beschäftigten Arbeiter eilten, zum Teil mit Fuhrwerke», sogleich zur Unglücksstelle wo sich ihnen ein entsetzlicher Anblick bot. Die Insassen der Luftfahrzeuge lagen, b i s zur Unkenntlichkeit verkohlt auf dem Boden, die Uniformstücke waren in Fetzen gerissen, und keiner von ihnen zeigte Spure» von Lebe». Sehr rasch trafen auch aus Wien Automobile mit Offizieren. Mannschaften und auck Aerzte» ein. Die veruuglücklcn Luflfahrzeuge lagen in einer Entfernung von 50 Schritt von einander. Die Lustfahrzcuge waren f a st v o I l st ä n d i g verbrannt, die Eisenteile verbogen und größtenteils tief in die Erde eingebohrt Das Benzinreservoir des Luftschiffes hatte sich ebenfalls in den Boden eingegraben, und man mußle jeden Augenblick eine neue Z x V l o I i o ii befürchten. Die Leichen der Offiziere und Mann- chaften wurden auf Lastautomobilen, welche man aus Fischamend herbeigeholt hatte, weggeschafft. . u"«"6 Augenzeuge» berichten, daß sie außer dem Feuerscheine eine heftige Detonation wahrgenommen hätten und daß sie c n t- letzl.che Schreie und Hilferufe aus der Gondel des Ballons gehört hatten. Als sie dann die Ungliicksstelle erreichten, waren die Hilferufe derstummt, und man fand nur noch die Leichen vor. Ucber die Ursache der Katastrophe wird berichtet, daß das dicht über dem Lustschiff schwebende Flugzeug durch den Sog, den durch die Propeller verursachten Wirbelwind, an das Luft- schiff herangezogen wurde. ** ♦ Das Militärluftschiff Körting-Wimpassing wurde im Jahre 1910 für die Heeresverwaltung hergestellt. Das Luftschiff war«ZS Meter lang und hatte 10>/z Meter größten Durchmesser. Es faßte 3600 Kubikmeter Gas und hatte zwei Luftsäcke, einen im vorderen und einen im hinteren Gasraum, die dem Schiff ein Aussteigen bis zu 1600 Metern gestatteten. Das Luftschiff war halb starr und diente nur für Schul- und Uebungszwecke. Die österreichische HeereS- Verwaltung verfügt jetzt nur noch über einen im Jahre 1909 her- gestellten unstarren Parseval. Moröversuch gegen einen Streikleiter straffrei. Tas Geschworenengericht in Graz hat dicser�Tage ein Urteil gefällt, welches mit der klar erwiesenen Tat in so schroffem WiDerspruch steht, daß man es nicht anders denn als Ausfluß der Klassenjustiz bezeichnen kann.— Ein Streikbrecher saß auf der Anklagebank. Er gab selbst zu, daß er einen wohlüberlegten Anschlag gegen den Ttrcikleitcr ausgeführt hat. Dennoch haben die Ge- schworenen den Angeklagten des Mordversuchs nicht schuldig erklärt. Tie Tat hat sich im wesentlichen so ab- gespielt: Der Schneidcrgehilfe M a t t a s ch i tz war früher Mit- glied des österreichischen Schneidervcrbandes. Er trat aus und als in Graz ein Streik geführt wurde, machte auch Mattaschitz denselben mit und trat wieder in den Verband ein. Unterstützung konnte er unter diesen Umständen nicht bekommen, er versprach aber, sich aus seinen Ersparnissen zu erhalten. Tie reichten aber nicht lange und so nahm Malta- schitz Streikarbeit am Von Kollegen darauf aufmcrk- sam gemacht, daß sein Name in der Liste der Streikbrecher veröffentlicht werden könnte, geriet M a t t a s ch i tz so in Wut, daß er erklärte, er lverde noch einen kalt machen. Tiefe Drohung konnte sich den Umständen nach nur auf den Sekretär des Schneidervcrbandes, Kasel, beziehen. Später wiederholte Mattaschitz seine Drohung. Kasel ersuchte die Polizei um Schutz, aber diese beachtete das Ersuchen gar nicht. Eines Abends führte Mattaschitz seine Drohung tatsächlich aus. Er steckte einen niit drei scharfen Patronen geladenen Revolver zu sich und lauerte Kasel vor dessen Wohnung auf. Als Kasel über die Straße ging, trat ihm Mattaschitz entgegen und fragte ihn, ob er ihn als Streik- brecher in die Zeitung geben werde. Während dieser Worte drückte Mattaschitz mit der rechten Hand in der Rocktasche den Knopf der Pistole hinein, wodurch die Sicherung zurück- geschoben wurde. Als Kasel antwortete:„Ich nicht, da ich Dich nicht arbeiten gesehen Habel" riß Mattaschitz die Pistole aus der Tasche, hielt sie gegen K o s e l, so daß die Mündung der Waffe nur dreißig Zentimeter von der 33 r u st des Kosel entfernt war, und drückte los. Ter Schuß traf Kosel m i t t e n i n d i e B r u st. Als dieser sich umdrehte und die Flucht ergriff, eilte ihm Mattaschitz zehn Schritte mit erhobener Hand nach und wollte noch einmal auf i h n schießen. Dies gelang ihm aber nicht, weil die Waffe versagte. Durch den Schuß wurde K o s e l in die Mitte des Brust- beins getroffen, aber nur leicht verletzt. Daß der Mordbube seine Absicht, Kasel zu töten, nicht erreichte, das hat dieser einem glücklichen Zufall zu danken. Durch den Anprall an einen Westenknopf wurde die Wucht des Ge- schosses geiuildert. Mattaschitz hat nach anfänglichem Leugnen. u n> umwunden zugegeben, daß er die Absicht hatte, K o s e l z u töten. Wie er angab, wollte er das Beispiel des Kunschak nachahmen, der seinerzeit den Genossen Schichmeier in Wien meuchlings erschossen hat. Trotz dieses Eingeständnisses hat die Mehrheit der Ge- schworenen den Zlngeklagten des Mordversuchs ni-cht schuldig befunden. Von dieser Anklage wurde er frei- gesprochen und nur wegen unbefugten Waffen. tragens zu einer Woche Arrest verurteilt, die durch die Untersuchungshaft verbüßt ist. Der Mordgeselle war ein Streikbrecher, das Opfer, welches er sich ausersehen hatte, der Leiter des Streiks. So erklärt sich auch dieses Klassenurteil. politische Ueberstcht. Alpdrücken beim Zentrum. Nach dem Verhallen der aufgeregten Parlamcntskämpfe hat das führende Zentrumsblatt Zeit zu einer Slrt Selbst- einkehr gefunden. Die„Kölnische Volkszeitung" findet, daß die.. Gegenwirkungen" gegen den Aufstieg der Arbeiter be- denklich erstarken, nnd sie klagt: .Worunter die Arbeiter in letzter Linie leiden, das ist der BureaukratiSmuS der Verwaltung und die aufgeregte Härte der Rechtsprechung". Das Blatt gibt auch zu, daß die Vorteile der Wirtschaft- lichen Enstoicklung vor allem der Groß und Schwerindustrie zugute komme, die heute schon die Konjunktur bis zu einem gewissen Grade„machen" könne: Die Ueberlegenheit der Großindustrie oder genauer der Schwerindustrie ist eine Folge ihrer gewaltigen Konzentration. Diese Konzentration hat aber nicht bloß Wirtschaft- liche Folgen, sondern auch solche sozialer Art. die sehr in die Wagschale fallen. Schließlich'„macht" auch hier die Groß- und Schwerindustrie„die Konjunktur". In doppeltem Sinne. Di« letzten Jahr« wiesen, bei aller Anspannung deS Marktes, eine teilweise erschreckende Arbeitslosigkeit auf. Man kann darin den von rein geschäftlichen Gesichtspunkten diktierten Einfluß der großen Industrie erkennen, die nicht nur mit Vorliebe ausländische und jugendliche Arbeiter heranzieht, sondern auch ihre mächtigen Arbeitsnachweise zu un- erbittlichen AuslesebureauS ausbaut, was einem immer st ackeren Stillsetzen älterer Arbeiter gleichkommt. Nimmt man dazu die Wirkungen der gerade auch in der Groß- industrie wirksamen wissenschastlichen Betriebsführung(Tahlor- System), so läßt sich sagen, daß wir mit einer auto- matischansteigendenZahlinländischerArbeitS- losen zu rechnen haben. Bis zu der Erkenntnis, daß diese EntWickelung zum Schaden der Arbeiter und Angestellten durch die Wirtschafts- Politik des Zentrums mächtig gefördert wird, reicht es freilich nicht. Aber es graut dem Zentrum doch vor den Folgen der wachsenden Herrschaft des Jndustriefeudalismus, und die „Kölnische Volkszeitung" warnt deshalb: Das alles sollte wohl bedacht, werden, wenn die Oeffentlich- keit zu dem gegenwärtigen Kampf der Arbeiter um das Koalitionsrecht, das sie mit Grund ihr fun- damentalsteS Recht nennt. Stellung nimmt. Die vor uns liegende Periode des politischen Lebens wird zu einem guten Teil mit den Begleiterscheinungen dieses Kampfes ausgefüllt sein. Wie ernst die Arbeiterschaft die Dinge ansieht, beweist ein dieser Tage durch die Arbeiterpresse gegangener Aufruf der christlichen Gewerkschaften. Die Lage ist eben so, daß die be- so n neue Arbeiterschaft die ernstesten Besürch- tungen hegen muß, weil immer eine Menge von unruhigen Elementen auf die Gelegenheit lauert, von der durch öffentlichen Kampf erzeugten Hitze die stärksten Wellen für ihre Sonder- bestrebungen einzufangen. Das ist sehr schön und richtig, aber das Zentrum hätte ja dann im Parlament bei der Kritik der Streikurteile, bei den Forderungen nach der Sicherung des Koalitionsrechts, bei dem Verlangen nach Arbeitslosenversicherung u. a. m. an unserer Seite stehen müssen. Die Industrie- und Agrar- feudalen des Zentrums gestatten aber höchstens ihren A r- b e i t e r abgeordneten demagogische Extratouren. Vertagung des Luxemburg-Prozefses. Ter gegen die Genossin Dr. Rosa Luxemburg au den 27. Juni vor dem Reichsgericht anberaumte Termin ist auf den 22. Ottober vertagt. Hund, halt die Schnauze! Ein Wahlidyll aus Labiau-Wehlau. Der Wahlkampf in Labiau-Wehlau fängt gut an. Donnerstag- nachmittag begab sich ein Königsberger Genoffe zum Gemeinde- Vorsteher Preuß in Peter-walde, um die Wählerlisten abzu- schreiben. Als der Herr Gemeindevorsteher, ein großer starker Mann, hörte, was unser Genosse wollte, ging er fort und schimpfte. Der Genosse schritt hinter ihm her und fragte ihn, ob er bald zurück- kehre. Darauf erhielt er zur Antwort:„Hund, halt die Schnauzel Oder ich haue Dir in die Fresse, daß Dich der Teufel holt!!" Unser Genosse verlor die Ruhe nicht, sondern sagte:„Was fällt Ihnen denn ein! Es ist mein gutes Recht, daß ich mich an Sie wende und die Wählerliste abschreibe." Jetzt bekam der Gemeindevorsteher, der zweifellos eine Zierde der konservativen Partei ist, einen förmlichen Wutanfall. Er schimpfte und schlug nach dem Genossen. In- zwischen waren beide auf der Landstraße angelangt, und in Gegenwart der Nachbarschaft tobte der Gemeindevorsteher weiter und wieder hieß es: Halt dieSchnauze oderich schlag Dich, daß Dich der Teufel holt! Jetzt ging der Genosse zum Gendarmerie-Wachtmeister und dieser wunderte sich, daß Preuß nicht wisse, daß die Listen für jedermann auszuliegen hätten. Denn eS wäre doch noch kurz vorher eine Verfügung des Landrats erschienen, die darauf hin- gewiesen hätte. Zusammen mit dem Wachtmeister begab sich der Genosse zum Gemeindevorsteher. Zweimal versuchten sie, Einsicht in die Listen zu nehmen, doch einen Erfolg erzielten sie nicht. Um 6 Uhr abends sagte man, der Gemeindevorsteher sei beim Einfahren des Heues! Und um 7>/z Uhr hieß es, der Herr Vor st eher lade das Heu ab! So wurde es der Sozialdemokratie unmöglich gemacht, die Listen abzuschreiben. Selbstverständlich wird mit dem Gemeindevorsteher Preuß noch ein recht deutliches Wort geredet werden.' Die Kehrseite zu der vorstehend geschilderten amtlichen Wahl« rechtsbeschränlung zeigt die„Wehlauer Zeitung"; sie teilt mit, daß der konservative Kreisverein Wehlau an eine große Menge Wähler, besonders an Beamte und Geschäftsleute, ein Schreiben folgenden Inhalts richtete: „Hierdurch bitte ich Sie höflichst, gestatten zu wollen, daß Ihr Name uuter den demnächst zu veröffentlichenden Wahl- aufruf gesetzt wird. Sofern Sie nicht umgehend ablehnen, werde ich annehmen, daß Sie mit der Verwendung Ihres Namens im obigen Sinne einverstanden sind. Hochachtungsvoll Der Vorfitzende: Voigt." Natürlich werden wenige der abhängigen Adressaten den Mut haben, das Ansinnen zurückzuweisen. Steuerobstruktion des bayerischen Reichsrats? Ter„Bayerische Kurier" kündigt am Sonnabend in auf- älliger Weise eine Steiicrvbstrnktion des Reichsrats an. Es >l in konservativen Reichsratskreisen eine starke Strömung gegen jedwede Stcneroperation, namentlich wo es sich um Erweiterung alter oder Einführung neuer Steuern handelt. Die vorgelegten Steuerpläne der Regierung seien direkt ge> 'ährlich. Man sage sich, daß die inoderne Staatswirtschaft mit der enormen Anstrengung der Steuerkraft die konser- vativen Parteien zugunsten des Radikalismus zerstöre. Der Staat müsse sich nach der Decke strecken, und die Regierung öll ihr Budget danach einrichten. Tas ist also geradezu die Ankündigung einer feudalen S t e u e r v e r w e i g e r ,l n g. Man darf diese Information )es klerikalen Blattes als den ersten Streich der Zentrums- Opposition auffassen, jede etwaige Absicht der Regierung, die Hungergehälter der Landlehrer aufzubessern. im Keime zu ersticken._ Die Besoldungsreform. Fortschrittliche Politiker haben das sehr begreifliche Bedürfnis, den Umfall, den die ReichStagsfraktion ihrer Partei in der Frage der Besolduiigsreform vorgenommen hat, zu beschönigen. Zu diesem Zwecke wenden sie jedoch ein gänzlich untaugliches Mittel an: sie machen nämlich den krampfhaften Versuch, die Haltung unserer ReichStagsfraktion in einen künstliche» Gegensatz zu bringen zu der Haltung, die die sozialdemokratische Fraktion deS Lreutzischen Abgeordnetenhauses in der Besoldungsfrage eingenommen hat. In Wirklichkeit besteht ein solcher Gegensatz natürlich nicht. Genau wie die sozialdemokratische ReichStagsfraktion die von der Regierung vorgeschlagenen Gehaltsaufbesserungen für Reichs- beamte für gänzlich ungenügend erklärte, so ließ auch die sozialdemokratische Fraktion der preußischen Duma von vorn- herein keinen Zweifel daran aufkommen, daß sie das, was die preußische Regierung an Gehaltsaufbesserungen vorschlug, für ein ganz und gar unzulängliches Stück- und Flick- werk halte. Genau wie unsere Reichtagsfraktion machte auch die preußische Fraktion im Plenum wie in der Kommission zahlreiche Verbesserungsborschläge. Genau wie die ReichStagsfraktion, for- dertc auch die preußische Fraktion die bürgerlichen Parteien immer von neuem auf, dem auch hier ausgesprochenen„Unannehmbar" der Regierung gegenüber festzubleiben. Ter Unterschied zwischen Reichstag und preußischem Landtag war eben nur der. daß im Reichstage Ivenigstens beim Zentrum diese Stackeustärkung von Erfolg begleitet war, während im preußischen Junkcrparlaincnt alle bürgerlichen Fraktionen ohne jede Ausnahme vor dem Stirn- runzeln der Regierung aus der Stelle in die Knie sanken— auch das Zentrum! Im Reichstage war in der Kommission eine wcjcnt- lichc Verbesserung der Regierungsvorlage zustande gekommen, auf die alle Parteien sich von vornbcrein festgelegt hatten; unter diesen Umständen Ivar es natürlich undenkbar, daß die Sozial- demokratic hinter die Kommisstonsbeschlüsse zurückging. Im preußischen Abgeordnetenhause dagegen war Weder in der Kommission noch im Plenum trotz der eifrigsten Bemühungen der Sozialdemokratie eine solche Verbesserung durchzusetzen gewesen. Es lag also bei der zweiten und dritten Lesung nur der Regie- rungsentwurf vor, nicht, wie im Reichstage, dieser Entwurf und außerdem noch eine verbesserte Faffung. So blieb der sozial- demokratischen Fraktion nichts anderes übrig, als schließlich dem EntWurfe, der immerhin einige geringfügige Verbesserungen des bestehenden Zustandes brachte, zuzustimmen, nachdem es wenigstens gelungen war. dem Gesetze rückwirkende Kraft vom 1. April 1911 an zu verleihen. Mit einem Wort, die Haltung unserer prcußi- schen Landtagsfraktion war durch die Tatsack, e bestimmt, daß dort im Gegensatz zum Reichstage von vornherein nicht die mindeste Aussicht vorhanden War, mehr zu erreichen, als die Rcgicrungs, vorlag« bot.-... Man darf eben nie außer acht lassen, daß in diesem Hause des Dreiklaffenlvahlrechts auch das Zentrum noch weit Volks- feindlicher auftritt, als im Reichstage, und daß die 10 sozial- demokratischen Abgeordneten einer geschlossenen Phalanx von 433 bürgerlichni Abgeordneten gegenüberstehen. Mangelhafte Aufklärung. Wir teilten neulich die Maßregelung des Rechtsanwalts Dr. Fischer, der den D u a l a S Rechtshilfe geleistet hatte, mit und forderten Aufklärung. DaS offiziöse Telegraphenbureau teill nun- mehr mit: Die Zulassung eines Rechtsanwalts ist jüngst durch die zuständigen Dienststellen im Schutzgebiet wider- rufen worden. Verschiedene Blätter hatten daran die Vermutung geknüpft, daß es sich um eine Nachwirkung deS bekannten Duala- Kon flikts handle. Demgegenüber berichtet der Gouverneur. daß zwischen jenem Widerruf und der Dualasache keinerlei Zusammenhang bestehe. Warum gibt aber der Gouverneur nicht an, weshalb nun eigent« lich jene seltsame Maßregelung erfolgt ist i Aus Lindenaus Garnisou. Beim Kriegsgericht in T r i e r vergeht kaum eine Sitzung, die sich nicht mit Mißhandlungen beschästigen muß. Dort jagt ein Mihhandlungsprozetz geradezu den anderen. So hielt am 16. Juni das OberkriegSgericht in Trier eine Sitzung ab, um an dem Tage allein über acht angeklagte Soldaten wegen Mißhandlung zu urteilen, lind was dieser Tatsache noch erhöhte Bedeutung vcr- leiht, ist der Umstand, daß diese acht Angeklagten- sämtlich von einem Regiment waren, dem neuen Jägerregiment Nr. 7. Durch die erfolgten Mißhandlungen sind zwei Rekruten zur Fahnenflucht getrieben worden. Zunächst standen drei„alte Leute" der zweiten Schwadron unter Anklage, fortgesetzt der Mißhandlung von Rekruten sich schuldig gemacht zu haben. Tas Kriegsgericht hatte daher alle drei mit folgenden Strafen belegt: 14 Tage Mittclarrest, 15 Tage strengen Arrest und 3 Wochen strengen Arrest. Gegen dieses Urteil hatte der Gerichtsherr Berufung eingelegt, weil ihm die Strafen zu niedrig waren; die Angeklagten hatten ebenfalls Berufung eingelegt und wollten freigesprochen sein. ES sei hier auch vorweg bemertt, daß die Mißhandlungen erst ans Tageslicht kamen, als ein Rekrut desertierte. Ter betreffende Rekrut, der inzwischen zu 6 Monaten Gefängnis veruteilt worden ist, gab nun von seinem Leiden folgende Schilde» rung: Weil er sich eines Tage» weigerte, einem„alten" Mann seine Stiefel zu putzen, wurde er von diesem mit einem Lanzcnriemen, an dessen Ende sich eine dicke Lederkugcl befindet, geschlagen. Und weil er die Absicht hatte, sich dagegen zu beschweren, wurde er erst recht von den alten Leuten gepeinigt. Insbesondere der Haupt- schuldige, der bereits wegen der gleichen Vergehen mit 4 Wochen strengem Arrest vorbestraft ist, hat den Unglücklichen in der rohcstcn Weise mißhandelt. Mit den schweren Reitstiefeln hatte er ihn ins Gesäß, in die Hüften usw. getreten. Obwohl ein Teil der Miß- Handlungen auch von anderen Kameraden gesehen worden sein mußten, wußten die meisten Zeugen nichts; nur von einem Kamc- raden wurden sie bestätigt. AIS daraufhin der VerhandlungSleitcr die beiden Mißhandelten fragte, warum sie sich denn nicht beschwert hätten, erfolgten die bezeichnenden Antworten:„I ch h a t t e Angst, mich zu beschweren!" und:„Wenn man sichbe schwort, dann wird man noch mehr geschlagen!"— Das OberkriegSgericht kam denn auch zu einer allerdings nur unwesentlichen Erhöhung der Strafen der ersten Instanz. Aber ein Moment mujj unter allen Umständen noch hervor- gehoben werden: das Verhalten deS Rittmeisters dieser Schwadron, eines Herrn V. Venzky. In der ersten Instanz hat er die Miß- Handlungen mit der„strengen Zucht" seiner alten Leute zu er- klären gesucht: er sei mit seinen Leuten aus der Mark Brandenburg nach Trier gekommen, und diese Leute seien meistenteils Bauern und an streng« Zucht und fleißige Arbeit gewöhnt; die aus der Gegend von Rheinland und Westfalen stammenden Rekruten aber seien zumeist aus der Industrie und ihnen falle daher, weil sie nicht so streng erzogen seien, der Dienst sehr schwer und daher entstünden die Mißhandlungen. Richtig ist daran nur, daß allerdings die Soldaten aus Westdeutschland nicht gewöhnt sind, sich als Erwachsene in der Art züchtigen zu lassen, wie es auf den Gütern der oft- elbischen Junker üblich ist. Der Rittmeister v. Venzky bezeichnete den Hauptschuldigen, der als Peiniger der Rekruten allgemein bc- tanni war, als seinen besten Soldaten. Auch das ist charaklc- ristisch. Der zweite Fall lag ähnlich: hier waren 5 Mann angeklagt, einen Rekruten durch ihre Mißhandlung zur Fahnenflucht ge- trieben zu haben. Die Rekruten mußten sich in eine Acihe auf- stellen, die Hände seitwärts gestreckt, dann kommandierte einer Kehrt, wobei sich die Leute gegenseitig ins Gesicht schlugen. Wer diesen Befehl besonders gut ausführte, konnte abtreten. Obwohl diese Angaben bereits vom Gericht der ersten Instanz als richtig angenommen wurtzen, hatte dasselbe gegen zwei An- geklagte das Verfahren einstellen müssen, well die Möglichkeit vorlag, daß ein Irrtum in den Personen vorlag. Tic Mißhand- lungen sind morgens ganz früh oder abends geschehen, so daß auch der Mißhandelte zugab, daß er sich in den Personen irren tonnte. Die übrigen drei Angeklagten aber wurden freigesprochen, weil nur einfache Körperverletzung vorlag und hier ein Straf- antrag des Mißhandelten nicht vorlag. Nr. 166. 31. Iahrgimg. 2, KnlU des.Kmörls" Serlisn WKsM. Zosvtag, Zl.Ium 1914. Gewerkschaftliches. Terrorismus gegen Innungsmitglieöer. Nicht Arbeiter sind es. die sich mit terroristischen Maß- nahmen gegen Jnnungsmeister gewandt haben, sondern Jnnungsvorstände und Jnnungsversammlungcn haben beim vorjährigen Tarifkampf im Molcrgewerbe hohe Geldstrafen gegen diejenigen Malermeister verhängt, welche die von den Innungen beschlossenen Kampfmaßregcln gegen die Arbeiter nicht durchgeführt hatten. Wer also nach der Polizei, dem Staatsanwalt, dem Strafrichter und dem Gesetz geber ruft, damit der angeblich von Arbeitern verübte Terrorismus seine Sühne finde, der möge auch die hier an geführten Beispiele beachten. Sie beziehen �ich auf die vor jährige Aussperrung der Maler und sind nur eine kleine Auslese aus der reichen Fülle ähnlicher Vorkommnisse. Die Hagener Zwangsinnung gab ihren zögernden Mit gliedern einzeln bekannt:„Da Sie, wie uns zu Ohren ge- kommen ist, noch nicht dem Beschlutz nachgekommen sind, die organisierten Gehilfen zu entlassen, fordern wir Sie auf, dieses sofort zu bewirken. Ausserdem zahlen Sie eine Geldstrafe von 20 M." Die Bielefelder Zwangsinnung dekretierte:„Jeder Gehilfe, welcher sich weigert einen Revers zu unterschreiben, mutz entlassen werden. Die Düren er AwangSinnung schrieb:„Wird ein organi- sierter Gehilfe nicht entlassen oder ein solcher eingestellt, so ist in die JnnungSkaffe für jeden einzelnen Fall eine Strafe von 20 M. zu zahlen." Tas gleiche Vorgehen beliebten die Zwangsinnungen im gesamten Reiche fast allgemein: zum Teil unter An- drohung von Geldstrafen bis zu 20(1 M. Half das nichts, so drohte nian mit der Materialsperre, mit der Abtreibung von Arbeiten durch die sich solidarisch erklärenden Bauarbeitgeber, organisierten Industriellen und Behörden und mit der Ab- schneidung des Kredits. Nicht nur die Nichtbcfolgung der Aussperrung, auch das Verleihen der Gerüste und die Aus- führung von Arbeiten, die von einem anderen Meister an- gefangen wurden, ist verboten und mit den schlimmsten Uebeln bedroht worden. Tie Bielefelder Zwangsinnung crlietz folgende Be- kanntmachung:„Es ist den Jnnungsmitglicdern verboten, Ge- rüste oder Zubehörteile an solche Personen zu verleihen oder für sie aufzustellen, bei denen die Befürchtung vorliegt, datz sie den allgemeinen Interessen unserer Mitglieder wirtschaftlichen Schaden zufügen.— Bei Uebertretung vorstehender Beschlüsse wird die höchstzulässige Strafe in jedem Einzelfalle zur Sln- Wendung gebracht." Die D ü r e n e r Zwangsinnung gab folgenden Beschluh s.>arch Zirkular bekannt:„Sollte ein Meister Arbeiten über- tfcchmen und ausführen, welche ein Kollege schon im Auftrag hatte, so muh er sich der von der Versammlung angesetzten Strafe unterziehen. Diese beträgt für jeden eingestellten Ge- Hilfen 20 M., für jede unberechtigte Ausführung der Arbeit 20 Proz. der RechnungSsumm«. Auf alle Fälle beträgt die Strafe 100 M. für jede ausgeführte Arbeit." Die Zwangsinnung zu Bielefeld versandte folgendes vielsagende Rundschreiben:„Vou der Ueberwachungskommission ist festgestellt worden, datz Sic den Anordnungen und Beschlüssen des Vorstandes sowie der Jnnungsvcrsammlungen nicht Folge geleistet haben.— Der Vorstand hat Sie deshalb in Strafe genommen und für Sie eine einmalige Ordnungsstrafe in Höbe von 20 M. festgesetzt.— Die Strafe ist unverzüglich an die Kasse unserer Innung zu zahlen. Gleichzeitig wird Ihnen hiermit aufgegeben, bei Vermeidung weiterer Ordnungsstrafen nunmehr, und zwar bis spätestens morgen abend 6 Uhr, den erlassenen Vorschriften und Beschlüssen Folge zu lcssten." In Dessau wurden einem Unternehmer 000 M. Kon- ventionalstrafe angedroht, wenn er einen Gehilfen nicht aus- sperre. Er muhte hierauf aussperren, trostdem er nicht einmal den schuldigen Lohn zahlen konnte. �,.... In Cbarlottenburg drohten die Malermeister der Stadwevwaltung, ihre Ehrenämter niederzulegen, wenn Ge- meindearbciten an Unorgamsiertc vergeben würden._ . Der Redakteur einer Fachzeilschrist wurde gezwungen, seinen Posten niederzulegen, weil er einer anderen Unternehmrrorgani- sation als dem Arbeitgebcrverband angehörte und weil er nicht mit aussperrte.— In Rheinland und Westfalen müssen die Farbenhändler unter dem Drucke des fortdauernden Boykotts feste Jahresbeiträge an den Arbcitgeberverband und damit auch indirekt in die mit diesem eng verbundenen und gemeinsam verwalteten Zwangsinnungen zahlen. Es wird ganz ungeniert schon seit Jahren eine schwarze Liste solcher Händler geführt, die sich nicht tributpflichtig machen lassen wollen. Auch die Jnnungskrankenkassen wurden gemißbraucht als Kampfmittel gegen die Meister, welche dem Jnnungs- kerror zu trotzen wagten. Wer seine Gehilfen nicht bei der Krankenkasse abmeldete, dem wurden„scharfe Maßnahmen" angedroht. So mancher Arbeitgeber ist durch den von den Innungen betriebenen Terrorismus schwer geschädigt, ja ruiniert worden. Auf Beschwerden, die gegen das Treiben der Innungen bei den Aufsichtsbehörden eingereicht wurden, ergingen die widersprechendsten Bescheide. Während einige Behörden das Vorgehen der Innungen als ungesetzlich erklärten, hatten andere nichts dagegen einzuwenden. Am 16. April 1913 mußte selbst Handclsministcr v. Sydow im preußischen Abgeordnetenhaus unter Berufung auf§>11 der Gewerbeordnung das Vorgehen der Zwangsinnungen für ungesetzlich erklären. Aber die Macher der ungesetzlichen Jnnungsmaßnahmen wlirdcn nicht nur nicht zur Verant- Wartung gezogen wie Hunderte von Arbeitern wegen viel geringfügigerer Vergehen, sondern sie pfiffen auch auf die Entscheide der Behörden und auf die Erklärung des Herrn v. Sydow. So hieß es in dem offiziellen Organ der in Be- tracht kommenden Malermeister: „Wenn die Aufsichtsbehörden in einzelnen Städten auch alles daransepen, die Beschlüsse der Zivangsinnungen aufzuheben, wonach die Mitglieder bei 20 M. gehalten sind, die organisierten Gehilfen zu entlassen, so haben sich unsere Obermeister der Zwangsinnung hierdurch nicht verblüffen lassen, sondern die Be- schlüssc sind noch allenthalben in Kraft." Und die Düsseldorfer Zwangsinnung u. a. be- schloß trotz der Erklärung des Ministers: „Die Jnnungsvcrsammlung hält an dem Beschluß vom 10. März ausdrücklich fest und erweitert ihn dahin, datz auch das Unterzeichnen der Sondertarise gegen die Standesebre verstößt und von der Innung verboten wird. Für die Uebertretung dieses Beschlusses wird die stcktutenmätzige Strafe von 20 M. festgesetzt." Meistens sind diese Strafen tatsächlich eingetrieben worden. Die terroristischen Maßnahmen der Malerinnungen, die mit den Arbeitgcberverbänden, diesen ausgesprochenen Kampfesorganisationen, Hand in Hand gingen� sind seiner- zeit öffentlich gekennzeichnet worden, aber kein Staatsanwalt fand sich, der die Leute zur Verantwortung gezogen hätte, welche, um eine geschlossene Kampffront gegen die Arbeiter zu fornlicren, selbst vor Ungesetzlichkeiten nicht zurück- schreckten. Indes:„Wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe." Solange dieser Grundsatz gilt, bestraft man Ar- beiter, welche einen Streikbrecher schief ansehen, und läßt Unternehmer laufen, welche die Außenseiter ihrer Klasse in schärfster und noch dazu ungesetzlicher Weise terrorisieren. verlin und Umgegend. Streik der Steinsetzer in Eberswalde. Weil die Steinsetzer im Jnnungsbczirk Eberswaldc einen von den dortigen Unternehmern ausgearbeiteten und ihnen zur Unter- schrift vorgelegten Sondcrtarif, der sich mit dem Grotz-Berliner Vertrag nicht deckt, nicht anerkennen wollten, ist es bei der Firma Jungc-Ebcrswalde zum Streik gekommen, der in den nächsten Tagen jedenfalls weitere Kreise ziehen wird. Wie verlautet, soll sich der Stcinsetzmeister Arndt-Oranienburg erboten haben, eine Anzabl Streikbrecher a»S den Kreisen der Magdeburger Steinsetzer herbeischaffen zu wollen. Es wird hier- mlt an alle Steinsetzer da? Ersuchen gerichtet, einem solchen Ansinnen nicht Iolge zu leisten, sondern ihren Kampfcsbrüdcrn vollste Solidarität zu bewahren. Als Kampfgebiet kommt der ganze Jnnungsbezirk Eberswaldc in Betracht. Zuzug dorthin ist also streng fernzuhalten. �_ Achtung, Putzer? Wiederholt ist an dieser Stelle darauf hin- gewiesen, datz der Schulhausbau Pallas- Ecke Elsholzstratzc, Unter- nehmer Firma Lauenburg, wegen Lohudisterenzcn für Putzer ge- sperrt ist. Uns wird nun mitgeteilt, datz für die nächste Woche Putzer nach dort gesucht werden. Wir machen daraus aufmerksam, datz die Differenzen noch nicht beigelegt sind, die Sperre also nach wie vor weiterbesteht. Deutscher Bauarbeiterverband. ScktionSlcitung der Putzer. Achtung, Gastwirtsgrhilfen! Das Restaurant„Fürst Bülow", Spezialausschank der Dortmunder Aktienbrauerci, Potsdamer Straße 45, ist für organisierte Gehilfen gesperrt. Tor Geschäfts- führcr genannten Betriebes, Herr Müller, hat die Forderungen der Kollegen abgelehnt und die nachgesuchten Verhandlungen damit beantwortet, daß er alle Kollegen, hauptsächlich wegen ihrer Zu- gehörigkcit zum Verbände, aussperrte. Verband der GastwirtSgehilfen. Deutsches Neich. Die Glasarbeiteraussperrung in der Lausitz beendet. Zwischen dem Schutzverband deutscher Glasfabriken in Dresden und dem Zcntralverband der Glasarbeiter ist am 18. Juni in Dresden folgendes vereinbart worden: Die Aussperrung unter- bleibt, und die bereits bestehende Aussperrung in Gruppe III des Schutzverbandes der Glasfabriken wird am 4. Juli aufgehoben, ebenso nehmen die ausgesperrten und die streitenden Ar- beiter bis zum 4. Juli die Arbeit wieder auf, nachdem dafür folgende Voraussetzungen erfüllt sind: Die Arbeitszeit beträgt in Raufcha, Kohlfurt und in allen denjenigen Betrieben, wo sie bisher in dieser Ausdehnung bestanden hat, 954 Stunden. Die Parteien erklären sich bereit, am l. Oktober über eine Regelung der Arbeitszeit und über die Aufstellungen von Richtlinien, nach denen künftig entstehende Differenzen erledigt werden sollen, in Unterhandlungen zu treten. Tie Rauschaer Fabrikanten halten die den?lrbeitern freiwillig bereits gemachten Zugeständnisse auf- recht, wohingegen von den Arbeitern die darüber hinausgehenden Lohn- und sonstigen Forderungen fallen gelassen werden. � Der Schutzverband der Glasfabriken verpflichtet sich, für die Zeit bis 1. Oktober Angriffe auf die Interessen der Arbeiter oder Ver- fchlechtcrungen der bestehenden Arbeitsbedingungen zu verhindern. Damit ist ein überaus folgenschwerer Kamps vermieden worden, der beiden Teilen ungeheure Opfer auferlegt hätte. Mit der Dachdcckerzwangsinnnng in Aachen haben die Ge- Hilfen einen Tarifvertrag auf drei Jahre abgeschlossen. Der Stundenlohn beträgt ab 1. Juli 54 Pf., ab 1. April 1915 57 Pf. und ab 1. April 1910 00 Pf. Damit tritt eine Erhöhung des Lohnes um mindestens 10 Pf. pro Stunde ein. Tie wöchentliche Arbeitszeit beträgt 58 Stunden. Die Firma F. H. Krämer, Lederwarenfabrik in Zwickau, hat vor kurzem sie Akkordarbeit in ihrem Betriebe zur Einführung gebracht. Die Akkordsätze sind aber so niedrig, datz die Arbeiter dabei nicht auf den früheren Wochenlohn kommen und auch die versprochenen Einstellungslöhue nicht erreicht lverden. Eine Versammlung der Arbeiter stellte an die Firma die Forderung, Mindestlöhne von 21 bis 28 M. zu garantieren. Buchbinder. Portefeuiller und Lederarbeiter werden ersucht, zurzeit bei der Firma Krämer Ar- beitSangebote abzulehnen._ Christliche Streikbrechervermittelung. In Nr. 19 des Organs des christlichen HolzarbeiierverbandeS befindet sich ein Inserat, in dem Kastenmachcr und Helfer für eine süddeutsche Karosseriefabrik gesucht werden. Ein Arbeiter bewarb sich darauf um die Stelle und erhielt aus Köln vom Zentral- verband christlicher Holzarbeiter folgende Mitteilung: Werter Kollege! Die Wagenfabrik Regnin in Magdeburg, die Karosseriefabrik Reuter in Stuttgart und die Union in Dortmund stellen gegenwärtig Stellmacher, Kasten- wacher und Kastenhelser ein. Wende dlch bitte an die Orts- Verwaltung der betr. Zahlstelle, welche dir die nähere Auskunft geben kann. Besten Gruß Th. Weyers. Wehers ist Angestellter des Zentralverbandes christlicher Holz- arbeitcr in Köln a. Rh. Sein Brief wird dadurch gekennzeichnet. datz bei der Firma Reuter die?lrbeitcr schon seit zwei Monaten im Streik stehen. Unter den Streikenden befindet sich auch ein christlich Organisierter. Das gibt dem christlichen Arbeiterverrat noch eine ganz, besondere Färbung. kleines Feuilleton. Der Sieger Kin«. Man lieft jetzt allerorten,„datz der Sieges- zug de« Kino« auch vor den Palästen nicht halt gemacht hat, sondern bi» zu den Thronen der Könige vorgedrungen ist und mitten m den Schlössern der gekrönten Häupter seinen Sitz au?geichlagen hat. Der Held I Er hat beileib« nicht Palastpforten eingerannt und hat nicht gebuhlt um die Gunst gekrönter Häupter. Er kam. er wurde gesehen und siegte. Früher, vor Jahren, hat n ein elende« Winkeldasein gefristet, jetzt aber haust er mitten ,n königlichen Schlossern. So z. B hat er den lebensfrohen König von Spanien zum„wahren Kinomanen" gemacht. Der König selber nennt sich so. Er hat in seinem Palast in Madrid emen groyen Billardsaal zum Kino umgewandelt und gibt dem Kinematographen. so viel« kann. zu tun. Es soll kein Tag vergehen, ohne dotz er Stündchen in seinem Kino zubringt. Er sieht am liebsten /»lbst im Film und läßt sich stet« d,e neuesten Ausnahmen. d,e ,hn in den mannigfaltigsten Tätigkeiten zeigen, vorführen. Es macht dem König wenig Sorge, wie da« Boll seine Re- gierungstätigkeit aufnimmt. Er mutz nur. um sich köstlich amüsieren zu können sehen, datz der Kinooperateur alle« sehr gut aufnimmt. Zu den Herrschern. die dem Kino gleichgültig gegenüberstehen. zählt der Za? der Präsident von Thina und der Khedive..Doch sie inleressieren sich nur deshalb nicht für ihn, weil sie noch nicht sime Bekanntschaft gemacht haben." HS bleibt aber zu hoffen, daß die Filmfritzen auch im Palast des Blutzaren sehr bald.siegreich ziehen werden. Stilblüten und geistig- Verkrnppelung. Wieder einmal marschiert -in- Sammlung von Slilblüten durch die bürgerliche Presse d.e aus den Suffatzheften der Kleinen stammen. � Es soll ohne weiteres zugegeben werden, dotz diese Stilblüten sehr droll.a wirken. Aber sieht denn niemand, dotz diese Drolligkeit-,nen sehr ernsthaften Hintergrund besitzt? Wenn da» �nd natürlich spricht fordert e« leich! drollige Ansichten zutage, niemals°ber bildet eS Satze. die durch ihr« Verkrüppelung kom.fch wirken. Da»«nb ist im all- gemeinen ein iebr auter Erzähler, weil es plastisch denkt und in leteet Mitteilung herzhafte Anschaulichkeit erstrebt. Wirken se,n- sprachlichen Sätze komisch. s° ist-- ledigl ch darum«nl unser Auf. satzunterricht so traurig verschroben.st. Unsere Frende an derart.g n kindlichen Stilblüten gleicht auf-»' Haar der Freude der Chinefin 9..''fr"».«*»*.,;■ wen wir oa« komisch und freuen.......—,---------- he die Frage, ob wir nicht besser taten, über d>e Traurigkelt unserer Pädagogik zu weinen, als über die Drolligkeit der Stil- bluten zu lachen. Die kulturwidrige LustiarkeitSsteucr. Sieben Hamburger Theater- direktoren, darunter die Leiter des Stadttheaters und des Deutschen Schauspielhauses, haben an den Hamburger Senat eine Eingabe gerichtet, worin sie um Entlastung von oer LustbarkeiiSsteuer er- suchen, durch die ihre Institute zum finanziellen Ruin gebracht worden sind. Seit Einführung der Lustbarkeitssteuer, 1. Januar 1912, haben die sieben. Bühnen 841 000 M. zahlen müssen. Sie verlangen jetzt Staatszuschutz oder Befreiung von der Steuer.— Die Sozial- demokraten in der Bürgerschaft haben diese schädliche Wirkung der LustbarkeitSsteuer vorhergesagt und haben dagegen gestimmt. Die bürgerliche Mehrheit war dafür. Theater. Kleine» Theater. Sommergastspiel: Der Klex, Lust- spiel von Ewald Cranz. Die Komödie des Herrn Cranz stellt nicht gewöhnliche Ansprüche an die Geduld, ohne doch die de« Publikums, wie es schien, zu erschöpfen. Das Stück spielt laut Theaterzetiel in einer Berliner Bororlvilla, deren Bewohner aber zum Zeichen, datz sie nicht nach dem«lliagsmatzstab menschlicher ZurechuungSsähigkeit beurteilt werden wollen. Biedermeierkostüm trogen und glatte Reimverse reden. Ein Familienvater, der sich die Weste mit einem Tintenfatz verziert und deshalb dieses Kleidungsstück abgelegt hat, wird von der noch jungen 'Hausgouvernante, die noch mangelhafter als er angezogen ist, überrascht, und diese» zufällige Zusammentreffen wiederum wird von der eifersüchtigen Hausfrau.entdeckt", die alsbald Verrat schreit und sich scheiden lassen will. Der Schein gibt ihr recht. Indes, man soll sich nicht an den Schein halten..Das vor» zudemonstrieren, ersinnt der Bruder ein äußerst einfaches Rezept. besten Trefflichkeit auch dem lindlich betrübten Gemüt des ungerechl verfolgten Gatten sofort einleuchtet. Ein Schauspieler und oft be- währter Ton Juan wird angeworben, der unter dem Bette der Gnädigen versteckt zur Nachtzeit hervorkriechen und den galanten Einbrecher mimen soll. In dieser mit endlosen Vorbereitungen erkauften Szene gibt« dann zum Schlüsse endlich einigen Schwankulk Pariser Art. Das Bukett, mit dessen Ueberreichung der hübsche RäuberSmaun seine indiskreten Fragen nach Geld und Juwelen einleitet, besänftigt die au« dem Schlaf Geschreckte, stimmt sie vertraulich. Er darf e» sich gemütlich machen, neben dem Bette, ein Gla» Wein aufs Wohl der Schönen leeren. Dann stürmt der Ehemann ins Schlafgemach voll strahlenden Triumphe«, datz diese Situation entschieden einen noch erheblich mehr kompromittierenden Eindruck mache, als die, in der ihn seine Frau betroffen: und das nun wechselwei« von seiner Unschuld überzeugte Ehepaar kann sich voll freudiger Gerührtheit in die Arme fallen. Herr Karchow und Erna Liebenthal exekutierten die Haujjtfzenen mit humoristischem Geschick. At. Hümme und Satire. Junke rkult ur. Die Regierung in Stettin setzte den Beginn des Schulunterrichts auf dem Lande auf O1/, Uhr statt auf 0 Uhr fest. Darob große Erregung der Agrarier. Versammlung, in der ein Herr v. Sydow aus Zirkow eine Resolution einbrachte, die die Sätze enthielt:.Da? Vieh kann dann nur eine Stunde fressen und der Milchertrag geht dabei zurück I Für die Erziehung ist da» Hüten sehr wichtig l' Diese Herren vom Geblüt- Sind von edelstem Geniüte Und des Volkes duftsste Blüie! Was? die Schule soll beginnen Um halb sieben in der Früh' I? Ist man gänzlich denn von Sinnen: Wie gedeiht dann unser Vieh I? Rücksicht nimmt man auf die Kinderl Aber an der Junker Rinder Denkt man oben leider minder: Frißt die Kuh nur eine Stunde, Ist da« uu« ein schwerer Schlag: Denn da« schlägt so manche Wund« Dem Erlös vom Milchertrag. Wir sind Rind«— nicht Kinderzüchter Und das menschliche Gelichter— Seh n die Herren Unterrichter Da« nicht ein— ist un« gegeben, Datz tS sorge spät und früh Durch ein emsig fleißig Leben Für den Junker und sein Vieh. Kindern in den Schulen lehren, Heißt erwecken ihr Begehren Und den schlimmen Geist vermehren! Gebt die Kinder zu den Rindern In die Lehre— unser Vieh Ist sehr wichtig diesen Kindern Und erzieht und bildet sie. ArbeitSktnder unterrichten— Wir in Pommern drauf verzichten. Höher stehet unser Dichten, Unser Trachten, unser Schreien. Wir erklären früh und spat: Nur durchs Rindvieh kann gedeihen Em gesunder Junke, staat!-Sepp. Notizen« Konzerte de« Philharmoni. Ichen Orchester». Da» Berliner Philharmonisch« Orchester ver- KuslanS. Tie Gewerkschaftsbewegung i« Bulgarien. ?n dcr zweiten Juniwockc wurde in Sofia der 10. Kongreß tc8 sozialistischen Gcwcrkschaftkbnndes abgehalten. Das war die erste Tagung nach dem Balkankrieg, der die gesanitc Arbeiter- bcwegung des Landes in der schwersten Weise geschädigt hatte. Der Gewertschaftöbund wurde 1904 mit 1500 Mitgliedern, verteilt in 42 Ortsgruppen, gegründet. Im August 1912, vor dem Ausbruch des Krieges, zählte er schon 23S Ortsgruppen mit 8460 Mitgliedern. Am Schlüsse des Jahres 1913, also vier Monate nach der Tcmobilisation und drei Monate nach dcr Aushebung des Belagerungszustandes und der Pressezensur, konnten 169 Orts- gruppcn mit 5088 Mitgliedern, darunter 276 weibliche, wieder- hergestellt werden. Ter Bund erlitt durch den Krieg folgende Ver- luste: 172 Mitglieder dcr Gewerkschaften sind getötet, 435 ver- blieben in dem Rumänien abgetretenen Gebiete Dobrudscha und ungefähr 250 sind nach dem Kriege aus Bulgarien ausgewandert. Am 20. März 1911 zählte. dcr Bund der Gewerkschaften schon 176 Ortsgruppen mit 6563 Mitgliedern, darunter 414 weibliche. In den zehn Jahren seines Bestehens hatte der Gewerkschasts- kund 680 Streiks zu führen, woran 32 519 Arbeiter beteiligt waren. An Streikunterstützungen sind 70 125,96 Franken verausgabt. Von den Streiks endeten 217(60 Proz.) mit vollem, 115 mit teilweisem Erfolg und 308 sind verloren. Es sei jedoch bemerkt, daß auch die meisten Streiks, die nicht mit einem unmittelbaren Erfolg abge- schloffen werden konnten, die Arbeitsverhältnisse nachträglich zu- gunsten der Arbeiter beeinflußt haben. Ter Balkankrieg ruinierte mit einem Male die gesamte Ar- beiterbcwcgung. Mehr als 90 Proz. der organisierten Arbeiter und fast alle Gewerkschaftsfunktionäre mußten auf das Schlacht- fcld ziehen. Die meisten Arbeiterheime waren für Militärzwecke reguiricrt. Ter Belagerungszustand und die rücksichtslose Presse- zensur legten die öffentliche Betätigung dcr Organisation völlig lahni und machten das Erscheinen der Arbeiterpresse unmöglich. Das einzige, was getan werden konnte, war eine Verbindung zwischen den verbliebenen Mitgliedern zu unterhalten, heiniliche Konferenzen zu verqnstalten. für die Aufbewahrung des Archivs und dcr Kafscnbcstände dcr Organisationen zu sorgen, die not- leidenden Familien der Genossen, die im Kriege ivaren, nach Kräften zu unterstützen und womöglich unter den unorganisierten Arbeitern und Arbeiterinnen, zu agitieren. Tie Genosien und Gc- nossinncn taten in dieser Richtung nicbr, als zu erwarten lvar. Während des entsetzlichen elsmonatigcn Krieges wurden nicht nur die Organisationen vor einer totalen Vernichtung bewahrt, sondern die ihr noch verbliebenen Mitglieder, ungefähr 500, von denen die meisten jüngere Arbeiter und vorwiegend Arbeiterinnen waren, zerstreut in den verschiedenen Orten des Landes, vermochten unter der Leitung nur eines Mitsfliedes dcx gewerkschattlichen Zentrale rund 3000 Franken an regulären Mitgliedsbeiträgen und rund 5000 Franken a» freiwilligen Beiträgen für den Fonds zur Unter- stützung von kranken, arbeitslosen und verwundeten Arbeitern sowie notleidenden Arbeiterfamilien zu leisten. Außerdem sind während der Kriegsperiode auch ungefähr 300 neue Mitglieder, meistens weibliche, für die Organisation geivonneu. Aach der Tcmobilisation und insbesondere nack dcr Aushebung des Belagerungszustandes ging es sofort au de» Aufbau der Or- ganisation. Dabei gab es unsägliche Sclwierigkeiten, denn die Not dcr vom Kriegsschauplatz Zurückkehrenden und ihrer Familien war groß. Dazu kamen noch die beiden Sobranjcwahlesi, welche die Kräfte der Partei in höchstein Matze in Anspruch nahmen. Und doch gelang es, befriedigende Erfolge zu erzielen. Ende April dieses Jahres zählte dcr Grivcrkschafisbund schon"ö84 Mitglieder, die sich auf die 13 Bcrufsvcrbäude wie folgt verteilen: Transport- arbciter 1295, Fabrikarbeiter 902, Metallarbeiter 706, Holzarbeiter 683, Textilarbeiter 671, Tabakarbeiter 398, Bergarbeiter 325, Schneider 642, Handlungsgehilfen 546, Bucharbeitxx- 211, Schuh- und Lederarbeiter 954, Bauarbeiter 167 und Friseurgebilfen sge- gründet zu Beginn dieses Jabres) 84.— Nur für anderthalb Monate, also pon Mitte März bis Ende April, sind über 1000 Mit- pliedcr neugewonnen. Es bestehen nunmehr die besten Aussichten, daß der Gewerkfchaftsbund das laufende Jahr mit einem Mit- gllederstand von mehr als 10 000 abschließen wird. Ter Kongreß, dcr aus 126 Telegiertcn bestand, verhandelte unter anderem nachstehende Punkte der Tagesordnung:„Den Kamps um Arbciterschutzgesctzc im Parlament und die Berufs- verbände",„Tic Teuerung und die Arbeitcrlöbne",„Tie Organi- sation der Arbeiterinnen",„Tic Einigung der Gewerkschastsbewc- gung in Zusammenhang mit der Mission des Genossen Karl Legien". Tie Resolution über den letzteren Punkt, die nach einer lebhaften Debatte einstimmig angenommen wurde, spricht sich für die Einberufung eines gemeinsamen Kongresses beider Richtungen aus, um daran die Verschmelzung dcr einigen„weitherzigen" Bcrufsgruppcn niit den entsprechenden sozialistischen Zentralver- bänden praktisch durchzuführen. anstaltet in den Monate» Juli, August und September je neun Konzerte. Der Eintrittspreis beträgt wiederum 30. Pf. pro Person. Eintrittskarten sind je einen Monat im voraus zu haben im Bureau der G e w e r k s ch a s t S k o m m i s s i o n, Engelufer 13, Zimmer 13, l. Etage, wochentäglich von 9—>/*1 Uhr vormittags und von t— 0,8 Uhr nachmittags, außer Sonnabends nachmittags. Außer- dem findet noch ein Verkauf der Billetts in der Zigarrenhandlung von Paul Horfcki, Eugelufer IS, statt. Bemerkt wird, daß am Tage des jeweiligen Kouzeris Billetts an oben genannten Stellen nicht mehr erhältlich sind, sondern nur noch an der Abendkasse. � Theaterchronik. Die Sachse-Oper im Schiller» Theater 0. wird u. a. folgende Opern in ihren Spielplan auf» nehmen: Die Zauberflöte von W. A. Mozart. Die Stumme von Portici von D. T. C. Auber. Der Prophet von Mcyerbeer. Von Werken Richard Wagners wird zunächst Tonnhäuser, der Sänger» krieg auf Wartburg, mit Otto Fanger in der Titelpartie, gegeben, In die musikalische Leitung teilen sich wie im Vorjahre die Kapell» meister OSkar Braun und Alfred Tchink.— Die Meisterin des heroischen Stils, Adele Sandrock, wurde für das Deutsche Künstlertheater Sozietät auf mehrere Jahre verpflichtet. — Der Schweinepriester, eine neue Komödie von Her- mann Essig, die am Münchener Schauspielhause aufgeführt werden sollte, wurde von der Zensur verboten. — Eine neue Polarexvedition wird wahrscheinlich der dänische Forscher.Knud R a S m u s s e n, der Grönlandsahrer, unternehmen. Zwei Jahre soll sie dauern. Von RaSmussenS Eskimo- station auf Kap Dork wird sie ausgehen. Da der Generaldirektor der nordischen Filmgesellschaft Ole Olsen die Fahrt veranlaßt hat und bezahlen wird, wird RaSmusien auch für daS Kino zu arbeiten haben. Hoffentlich wird er ffch nicht mißbrauchen lassen. — Die Stinkpiftole. In Paris ist jetzt die Polizei mit Pistolen ausgerüstet worden, die beim Abfeuern einen derartig üblen Geruch verbreiten, daß die Pdrson, der das Geschoß zugedacht war, davon in Ohnmacht fällt. Die Polizisten schützen»ich mit Rauchhelmen. — Erlaub Norden skiöld, den die Beni-Jndianer in Lolivia massakriert haben sollten, lebt und befindet sich in Sicherheit. — 20 Millionen für ein Schmarrnstück. Eine solche Rieseneinnahme zog. wie jetzt anläßlich des Todes des englischen Bühnenautors Branden TbomaS mitgeteilt wird, dessen Schwank .CharleyZ Tante". Es dürste dies wohl eine der einträglichsten Tanten gewesen sein, die je geboren wurden. Und man sieht doch, daß vieles in der Welt besser geworden ist. Denn noch gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts muhte ein freilich nicht ganz so erfolg- reicher Dichter wie Brandon Thomas ein Theaterstück. daS seither auch öfter nicht ohne Beifall aufgeführt worden ist, für einige Taler verkaufen, um nicht zu verhungern. Diese» Stück war allerdings politisch nicht ganz so heiter und einwandfrei wie„CharleyS Tante". 9# war der»FieSko' von Friedrich Schiller. verbanöstag öer Srauerei- und Mühlen- arbeite?. Hamburg, 19. Juni. Am letzten Berhandlungstage berichtete die am Tage zuvor ein- gesetzte Ncunerkommission über die Finanzresorm. Tic Kommission stimmt im großen und ganzen der Borstandsvorlagc zu; nur in wenigen Punkten schlägt dcr Berichterstatter Grimm- Dresden Abänderungen vor. In einer lebhasten Aussprache, die sich an diesen Bericht schloß, beanstandeten mehrere Redner die neuen Bestimmungen über den öfteren Bezug von Erwerbslofenunterstützung. Ter Porstand hat bei diesen Bestimmungen beabsichtigt, den Verband vor Kassen- mardern zu bewähren. Von den Rednern wurde allgemein be- fürchtet, daß hierdurch mehr die älteren Kollegen, die vielleicht jähr- zehntelang der Hilfe des Verbandes nicht bedurften, benachteiligt werden könnten. Von S u p p e r- Bielefeld und Genossen lief folgender Antrag ein: „Es wird ein fakultativer Beitrag von 70 Pf. eingeführt. In diese Beitragsklaffe können Kollege» mit einem Wochenverdienft von 27 M. eintreten. Tic Krankcnuntcrstützung beträgt bei diesem Beitrag ILO M. pro Tag. die Arbeiisloscnunterstützung 1,75 M., Streikunterstützung pro Woche 27 M. oder pro Tag 3 M.; für Frau und Kinder gelten dieselben Unterstützungssätze wie in der 60-Pf.-Beitragsklasse. Die Stcrbcuriterstützung beträgt 120 M." Mit 59 gegen 5 Stimmen wird beschlossen, daß der Wochcnbeitrag bei einem wöchentlichen Verdienst von 18 M. 40 Pf., bei einem Wochenverdienst. von 18— 24 M. 50 Pf. und bei mehr als 24 M. 60 Pf. betragen soll. Der Antrag S u p p e r wird, ebenfalls in namentlicher Abstimmung, mit 35 gegen 29 Stimmen angenommen. In Zukunft gibt es also drei obligatorische»nd eine fakultative Beitragsklaffe. Die Verkündung des letzten Absrimmungsresultats wird von dcr Mehrheit mit stürmischem Beifall begleitet. Im übrigen wird die Vorstandsvorlage angenommen mit dcr einen Aendcrung, daß in dcr zweiten Klasse das Krankengeld 1 M. und in der dritten Klasse 1,lO M. beträgt. Hieraus werden die übrigen Anträge zum Statut bc- raten. Abgelehnt wird die regelmäßige Abhaltung von Bezirks- konfcrcnzcn; diese sollen nur bei Bedarf zusammentretest. Ueber die Anträge der Zahlstellen Dortmund und Görlitz auf Schassung eines Beirats geht der Verbandstag zur Tagesordnung über, nachdem E tz e l sich lebhaft dagegen gewandt hatte. Künftig sollen die V e r b a n d s t a g e nicht alle zwei, sondern alle drei Jahre einberufen werden, wie es Hauptverwaltung und eine Anzahl Ortsverwaltungen beantragt� hatten. Zum Schlüsse wird dem Statut noch eine Bestimmung cingezügt, wonach der Vorstand die Streik- b e w i l l i g u n'g ablehnen kann, wenn das Organisationsverhält- nis ungünstig ist. Sie muß abgelehnt werden, wenn nicht minde- stens zwei Drittel der für die Bewegung in Betracht kommenden Vcrbandsmitglieder'für den Streik gestimmt haben.— Die neuen Verbandssatzungcn treten am l. Oktober 1914 in Wirksamkeit. Es werden daraus verschiedene Anträge erledigt. Zu den Vereinbarungen mit den Genossenschaften wird folgende Resolution einstimmig angenommen: „Ter 19. Verbandstag des Brauerei- und Mühlenarbeiterverbandes bedauert die Tatsache, daß die Vereinbarungen, die zwischen dem Zentralverband deutscher Konsumvereine und dem Verband der Brauerei- und Mühlenarbciter getroffen wurden, nicht immer so ausgelegt werden, wie dies im Interesse der Weitercntwickelung und der Verbesserung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse dcr Mühlenarbeiter notwendig ist. Dcr Verbandstag beauftragt deshalb den Vcrbandsvorstand, bei dem Zentralvcrband deutscher Konsumvereine dahin zu wirken, daß zur Lieferung an die Genossenschast nur solche Mühlensirmcn zugelassen werden, bei denen die Lohn- und Arbeitsverhältnisse tarislicb geregelt sind, den Arbeitern das Koalitionsrecht gewährleistet wird und Disse- renzen mit der Firma nicht bestehen. Glauben die Genosien- schaften. daß sie gezwungen find, auch andere Mühlen zur Liefe- rung heranzuziehen, so muß darüber vorher eine Verständigung mit dem Brauerei- und Mühlcnarveiterverband herbeigeführt werden." Zur Verschmelzungssrage liegen Anträge aus den Zahlstellen Hamburg, Halle, Leipzig, Uelzen und Würzburg vor. Durch sie soll der Hauptvorftand beauftragt werden, mit den Ver� bänden der Böttcher und Bäcker wegen der Bildung eines Industrie Verbandes für Rahrungs- und Genußmittel in Verbindung zu treten. Ter BerbandSvorsitzcnde erklärt, daß sich dcr Vorstand bisher schon in dieser Hinsicht bemübt habe und es gegebenenfalls auch weiter tun werde; es muffe aber der EntWickelung Rechnung ge- tragen werden. Bei der Wahl des H a u p t v o r st a n d e s werden sämtliche Beamte einstimmig wiedergewählt. Sitz des Ausschusses bleibt Frankfurt; Wittich wird als Vorsitzender wiedergewählt. Ter nächste Verbandstag ist 1917 in Stuttgart. Mus Znöustrie und Handel. Die Lebeusmittelteuerung. Das Preußische Statistische Jahrbuch veröffentlicht in seinem neueste» Jahrgang eine Zusammenstellung der Jahresdurchschnitts- preise einiger wichtiger Lebensmittel in Preußen seit dem Jahre 18lS. Wir geben daraus den folgenden Auszug wieder. ES kostete in Preußen: Roggen f®lj: Rind, f cht». x'ch�. Etz- Rogg.-«er im Jahr- zogOXo. toff. st-ffch flc-'ch aät,t£ f|�a{ butter mehl per SR. Vsemnge pro Kilo«chock 1816/20 152— 66 79—— 146—— 1821/30 87— 47 64—— 102—— 1831/40 101— 52 62—— 110—— 1841/50 123— 57 71—— 119—— 1851/60 166— 70 92—— 147—— 1861/70 155— 87 104—— 178—— 1873 166— 113 126 184 183 248 30 354 1880 193 7 114 122 171 164 220 33 322 1885 143 5 119 120 171 171 212 26 327 1890 170 6 126 139 188 181 221 29 352 1895 121 5 128 126 164 159 207 22 356 1900 143 5 126 129 156 153 224 26 383 1905 147 6 143 154 176 169 289 25 424 1910 150 8 159 162 190 187 267 29 457 1913 165 8 181 173 203 192 274 80 540' Was auch hier wieder al« charakteristisch inS Aug« fällt, ist das unterschiedslose Ansieigen aller Preise seit dem Jahr« 1905, daS heißt seit der Wirkung des neuen Zolltarifs von 1902. Berfchlte Kolonialgründung. Gelegentlich der Kolonialdebatten im Reichstag« 1910 wurde von einigen bürgerlichen Rednern darauf hingewiesen, daß in Südwest- asrika unerschöpfliche Marmorsteinbrüche erschlossen werden könnten, und zwar in der Gegend von Habis. Damals war der Steinbruch- besitzer Dr. G o l l e r auS Münchberg(Oberfranken) noch Mitglied drt Reichstages, und et hatte zu Reklamezwecken die Ausstellung einiger Marmorplättchen im ReichStagSgebäud« veranlaßt. Die bürgerliche Presse brachte über diesen„wundervollen" Marmor spaltenlauge Berichte, gleichzeitig wurde darauf verwiesen, daß zum Ausbeuten der Marmorberge eine Aktiengesellschaft gegründet werden sollte. ES wurden famoS ausgestattete Prospekte über da« Marmor- vorkommen herausgegeben, und der beigegebene Lageplan erweckte den Anschein, als ob eS in Habi«, Karibiv, Ravachab und Kubas «norme Marmorbcege gebe. Die Gründung der Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von drei Millionen Mark kam alsbald zustande. An die tausend Personen waren eS. die da» Aktienkapital zeichneten: sie wurden verlockt durch den Rummel der bürgerlichen Presse und durch die geschickt inszenierte Gesteinsausstellung im Reichstage. Aber nun stellt sich heraus, daß das Unternehmen, welches laut Prospekt 23 Proz. Dividende abwerfen sollte, völlig unrentabel ist, und daß die Aktionäre mit dem Verluste eines großen Teile? der Einzahlungen rechnen müssen. Am 26. Mai d. I. fand in Hamburg dre Haupt- Versammlung der„Afrika-Marmor-Kölonialgesellschaft" statt. Einige Aktionäre machten Opposition, besonders der Steinmetzmeister Hammond-Norden aus Hamburg und legte dar, daß die ganze Gründung völlig verfehlt sei und daß bei der Gründung selbst nicht mit dernötigensachmäiinischen Sicherheit versahren wurde. DieKritik hatan- scheinend nichts gefruchtet, denn Herr Hammond-Norden erläßt nun im„Deutschen Steinbildhauer"(Nr. 25 vom 18. Juni) einen offenen Brief an den Aufsichtsrat und Vorstand. Er schreibst: „Bei der Gesellschaft handelt eS sich um eine Fehlgründung, aus der wenige Herren einen Kapitalnutzen fanden auf Kosten der großen Reihe kleiner Anteileigner, die bei der Gründung � Ihrer Gesellschaft veranlaßt worden sind, mit ihrem Kapital, in der Mehrheit Spargeldern, sich an Ihrer Gesellschaft zu beteiligen, ge- stützt und begeistert durch einen Prospekt, dessen Inhalt und Zahlen sich zur Genüge als vollständig falsch erwiesen haben.... Ich weise Sie darauf hin, daß drei Mitglieder das danialigen, desr Prospekl unterzeichnenden Syndikates noch heute in Ihren Reihen. d. h. im Aussichtsrnte der Gesellschaft fitzen und der damalige Treuhänder des Syndikats heule der Vorstand Ihrer jetzigen mit so argen Verlusten arbeitenden Gesellschaft ist.... Sollte eS denn in unserem deutschen Vaterlande regieruugs- seitig gutgeheißen werden, wenn über 2 228 000 M. in einem Kolonialunternehmen investiert werden, um 5—6 Jahre lang nichl nur keinen Nutzen daraus zu siude», sondern Jahr für Jahr enorme Verluste zu erleiden. Das in kleinen Summen hergegebene Kapital von drei Millionen Mark wird binnen kurzem vollständig aufgezehri und verloren sein." Die Kolonialpatrioten werden über die Kritik des angesehenen Fachmannes in der deutschen Steinindustrie sehr wenig erbaut sein. Die Steinbrüche sind schon seit 2'/« Jahren im Betriebe,, die maschinelle Einrichtung soll gut sein, aber eS konnten erst 55 Kubikmeter Marmor zum Gcsaintwerte von 20 000 M. abgesetzt werde». Di« koloniale Gründung hat versagt, die kleinen Leute find um ihr Geld gebracht, während einige geschickte Macher einen schönen Batzen Geld verdient haben. Soziales. Pfingstheiligabeud auf einem ostclbische« Gute. Wie auf einem ostelbischcn Gut daß„heilige Pfingstfest� eingeläutet wurde, zeigt nachstehende Sittenschilderung: Auf dem Gute des Herr» Kühl in Gr. K ö s l in bei Rastenburg ist feil dem 1. März ein Schweinefiitterer tätig. Er hat laut Vertrag neben anderen Naturalien auch Brennmaterialien zu erhalten. Diese waren der Familie in der Woche vor Pfingsten ausgegangen. Am Psingstheiligabend bat der Mann den Jm'pektor um eine Klobe Holz. Sie wurde dem Manne bewilligt; der In» fpektor sagte, der Junge der Familie solle das Holz holen. Der dreizehn Jahre alte Sohn des SchweinefüttererS entnahm dann den Holzvorräten des Gutsbesitzers eine Klobe. Auf 'einem Heimgange zur elterlichen Wohnung rief der Gutsbesitzer Kühl dem Jungen zu, er solle das Holz hinlegen. Das tat auch der Knabe. Darauf kam Herr Kühl, der Leutnant der Reserve ist, auf da« Kind zrr und schlug auf es mit einem dicken Stock ei». Daun sprang der Hund des Gutsbesitzers hinzu und biß den Knaben in den Unterleib, so dafxdie Gedärme Hera ir Straten. Der Arzt Tiesler aus Rastenburg mußte geholt werden und leistete dem armen Kinde die erste Hilfe. Der Knabe war aber so schwer verletzt, daß er sofort im Aut» nach dem KreiSkrankenhauie in Rastenburg gebracht werden maßte. Der Junge muß jetzt noch da« Bett hüten; ob er jeitials wieder völlig gesund werden wird, steht dahin. Diese Untat hat in der ganzen Umgegend große Entrüstung hervorgerufen. Gegen den Herrn ist Strafantrag gestellt; man wird abwarten, was für eine Strafe erfolgen wird. Vor kurzem haben hier wegen einer DenkmalSanpinsestlng vier Personen zu- summen 5'/, Jahre Gefängnis mit Rücksicht auf die„Roheit" ihrer Tat erhalten. Wieviel wird der Herr Leutnant für daS wirk» liche Roheitsvergehen erhalten? UebrigeuS hat derselbe Gutsbesitzer vor wenigen Wochen einer Frau e,ne Anzahl Stockhiebe versetzt, so daß sie grün und blau war. Auf demselben Gul wurden einem Schweiuefütterer an Hundesteuer in zwei Raten 15 Marl vom Lohn abgezogen. Die Frau erkundigte sich daraus im Kreishause, wie hoch denn die Hundesteuer sei. Darauf wurde ihr gesagt, daß die Steuer drei Mark betrage. Als sie das auf dem Gute an zuständiger Stelle mitteilte, wurden ihr die 15 M. zurück- gegeben. Wahrlich ein Dorado, die Heimat der Junker! Diese Zustände bestehen in einem christlichen„Rechtsstaats" und werden als„gottgegebene Ordnung" verteidigt. Und wer sie beseitigen und menschenwürdige Verhältnisse schaffen will, wird als vaterlandsloser Geselle gehetzt und verfolgt. Rücksichtslos den Ouell solcher zum Himmel schreiender Zustände ableiten. ist Menschenrecht. Dies Mcnschenrecht wacht die Sozial- demokratie zu einer Mcnschenpflicht. Und sie wird trotz des Gekläffs der Ordnungsnieute in ihrem Bestreben siegen. Versammlungen. Ter neue preußische Minister und der Kamps gegen da» Koalitionsrecht. Dies Thema wurde in einer sehr stark besuchten öffentlichen Versammlung erörtert, die am Freitag im Germaniasaal tagte. Dcr Referent, Genosse Hugo Heincma n n, wies darauf bin, daß kurz vor Pfingsten dcr preußische Minister des Innern im Herrenhaus eine Rede gehalten habe, in der er Grundfragen dcr preußischen Politik darlegte. Diese Rede bedeute Sturm, sie sei eine Herausforderung des Proletariats. Dieses müsse die Heraus- fordcrung annehmen und nchnie sie auch aus. und er, Redner, hofsc, daß daS Beispiel des 6. Kreises im ganzen Lande Widerhall finden werde. Was dcr Minister über den Arveiswilligcnschutz gesagt habe, sei viel schlimmer als die Aenßcrungcn über das Wahlrecht, deshalb, weil da zum Ausdruck komme, daß man Rechte, die wir nicht haben, uns nicht geben will, während uns hier Rechte, die wir haben, genommen we-den sollen. Schon Bebel habe aber gesagt: dasjenige Volk sci ein Hundsfott, daß sich Rechte, die eS hat, nehmen lasse. Tarnm müssen wir Front machen gegen die Gefahr, die aus den Acnßerungen des Ministers klinge. Mit rücksichtslosester Ossenhcii fei ja vom Minister der Kampf gegen die Sozialdemo- kratie, der Schutz dcr Arbeitswilligen sowie die Beseitigung des Strcikpostcnstehcns angekündigt und bei den letzten beiden Punkten besonders die Unterstützung der Unternehmer erwünscht worden. Dieses Konzept müsse verdorben werden und der heutige Abend sei der Anfang dazu. Ter Redner ging auf die Geschichte der Unter- nchmerbcstrebuugen im Kamps gegen Mc. Arbeitet: ein, kennzeichnete die Methoden der Arbeiterfciirde, wie Aushungern mittels dcr Arbeitsnachweise, dcr schwarzen Listen, der Aussperrungen, alles Mittel, die mit unerhörter Härte geübt worden sind. Ihr Ziel aber hätten sie doch nicht erreicht, darum seien sie zu dem Grundsatz übergegangen: teile und herrsche, und kauften den Arbeitern das Koatltionsrccht ab, indem sie gelbe Gewerkschaften schufen. Tics konnten aber nur einzelne, leistungsfähige Betriebe aussührcn. Andererseits lasse sich ein Volk, daß ein Sozialistengesetz siegreich hestaiiden habe, nicht verkaufen und die Masse dcr deutschen Ar- heiter sei viel zu klug und nicht so korrumpiert, als daß sie ihr heiligstes Recht für ein Linscngcricht hergäbe. Darum dcr. Ruf nach Staatshilse, dcr Ruf nach dem Zuchthaus. Wenn gejogk werde, tcä 1 ichige Recht reiche nicht au-, so heiße das einfach, daß man den Arbeitern das Koalitionsrechl ganz nehmen wolle. Ter neue �trafgesctzcntwurf solle denn auch dem kommenden neuen Reichs- iage als erstes großes Gesetz vorgelegt werden. Tie Grundzüge desselben find bereits bekannt geworden und stellen das Uncrhör- teste vor, was aus diesem Gebiete bisher geleistet worden sei. �enn dieser Entwurf Gesetz werden sollte, so kämen wir in einen Zustand, wie er in keinem Kulistaate vorhanden sei. Sollen doch u. o. Arbeiter au- gemeinnützigen Betrieben, wenn sie streiken, uiit Zuchthaus bis zu kö Iahren bestratt werden. sStnnttische Ptui- juic.) Tie Gewerkschaften hätten bisher alle Vorsicht geübt, doch rave alles nichts genutzt, sie seien doch für politisch erklärt worden. ®cgcn den Strafgcsetzentwurf müßten die stärksten gesetzlichen -üttel� die uns zur Verfügung ständen, angewendet werden. Redner t&cist unter stürmischer Zustimmung darauf hin,- daß die Anwendung dieser Mittel erfolgen könne, sobald die Gewerkschaften den Kampf 'uit ausnähmen. Tie Gewerkschaften könnten auch gar nicht anders, frcnn sie nicht den Ast absägen lassen wollten, aus dein sie sitzen. DaS treffe hier zu. Man habe die Führer der Arbeiterschaft Bremser genannt, wohl mit Unrecht. Jetzt gelte der Kampf um unsere Ideale, um unser heiliges Recht.. Rüsten wir, dann wird. der Minister ans Granit beißen.(Stfirmischer Beifall.) In der Diskussion ergänzte noch Genosse Lüdemann die Ausführungen de- Referenten. Mit einer markigen Ansprache und einem Hock aus die Sozial- demokratie schloß der Vorsitzende Stäsflcr die eindrucksvolle Versammlung. Eingegangene Druckschriften. Monistisches( *tntä Volks- Tteawr:.öaiw Hucke« dein. . Abends 8'/. lihr: "cucs Volks. T healcr Montag, Diens- 'l'g, Mittwoch, Freitag, Tonn abend: . L<>nS Hnckebcin. Donnerstag: - dwria Fri cdbammer._ Schiller-Theater 0. OVallner-Theater). Tonntag, abends 8' Uhr: ei-Isuokt«»- �Iinlk'er»'. >, Montag, abends 8 Ubr: vnlsoolitei'.�kinliei'n. Schlller-Ihealer fei, C'harlottenbnre. Eonnkog, abends 8 Uhr: HellisK'nw ald. Montag, abends 8 Uhr: Kleln- Klv». '�terio der Köniiirlitzer Straße Täglich 8 Uhr: Mr. Wn. berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. �tZedkZXükZtlertbester 'dendsegoe Strabo 70/71, am Zoo. i Kasse: Nollendorf 1383. Täglich 8 Uhr: >eppe vom Berge. Nter am Nolleniortplate S. 1 S'/. Uhr: Oer Juxbaron. . era.lleiilefldaiilioeiiitlicke. rnnta� nachm. 3 Uhr(kl. Preise) obends 8 Uhr zum 108. Male lden müde . heodor. 'rher: Tanzgastspiel Mist Keen. heater des Westens. i Lpern-Zhklus"ML 'kr King l>.«idelnngen. Dienstag, 23. Juni, 8 Uhr: . vsz Kdeiogoll!. fotieli-WilliEliiistiHlt. Theater. K, Anfang 8'/. Uhr. PK" e Scheidungs-Ehe. i i OSE=THEATE ?roBe Frantiurler®tr. 132. tischen Rimmel u. Erde Ansang 8 Uhr. ontaf); Philippine Welser. Um.«uf der Gartenbuhne— ,.?d um dir Spree. Gr. Revue. Konzert, Spezialitäten. Vadstrahe 58. . Heute Sonntag: Uitternachtsmädcheu. Ausstattungsstück m. Ges. u. Tanz Uhzltdi nene Spezialitäten. (fkn, "Öffnung 2 Uhr. Ans. l'/�JJHt, Arbeiter- Raucherbund --- für Berlin nnd Umhegend.-----;—: Sonntag, den 28. Juni 1914, in sämtlichen Räumen der Brauerei Friedrichshain: 19. Stiflungs- u. Sommerfest verbunden mit großem Instrumental- u.Vnkal-Konzerl unter Mitwirkung des Berliner Tonkünstlcr-Orchesters, Dirigent Herr Musikdirektor i'ritz Blume,, des Männergesangvereins„Ana- Kreon 1 856"(M. d. D. A.-S.-B.) Dirigent Herr Sühring sowie 286/11* Auftreten erstklassiger Spezialitäten. Anfang 3 Uhr. Hierzu ladet ein Oer Vorstand. M Am Frled- richshaln 20 32 4 Am Königstor A Schweizergarten Heute sowie täglich:' HazZ K Konzert � Theater K; Nene Kün�tlerspeziali täten Ball— Volksbelustungen Anfang 4 Uhr. X Entree 30 Pf. An d. Woctientag. ist das EiaEirssement an Vereine ztt Vergeben. Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Heute Sonntag sowie täglich: Gr. Extra- Konzert und Variete-Vorstellung 16 erstklassige Variete=Nummern (voIlMtündig neues Projgramm). Konzert Anfang 4 Uhr. Entree 25 Pf. Variete 6 Uhr. Im Riesen-Festsaal: Gr. Ball Anfang 4 Uhr. .GäPeft] zdi i ng pal ast Müllerslr. 182-183 täglich, grosses KünsHer- KonzerK Anfang 4 Uhr. Inh.: C. Sittsamstein. Schwarzer Adler. Lichtenberg, am Ringbahnhof Frankfurter Allee. Vom I«.— SO. Jnni: Konzert u. VarietesVorstellung. KaMtspicl Xenmann-I.llipataner-Tronp. MV The 3 Liuna.."WM Worin Brothera.-ME Bruno GrUneberg, Grotesk-Komiker mit eigenem Repertoire und eine Reihe anderer Kunstkräfte. kä Berliner f Klndl- Brauerei- Ausschank HermannstraBe 214/18 Neukölln Eernspr.: Noukälln 79 Oekonom: Robert Bergner. Bontag, Donnerstag, Sonnabend u. Sonntag: Großes Garten-Konzert � Jeden Sonntag M» ,» 1 1 n. Donnerstag: XgcmA** Bmwoch: Kinder-Freudenfest. | Große Verlosung von wertvollen Gegenständen,. Fackeft.üg, Bonbonregen, Kasperletheater. Entree Inkl. Eos 15 Pf. Anfang 4 Ubr. Große Berliner Kunstausstellung Mai-September 1914 Mai-September im Landesausstellungs-Gebäude. PROTEKTOR DER KÖNIG KON WÜRTTEMBERG AUSSTELLUNG FÜR GGSUNÜREITSPFLEGE STUTTGART 1914 MAI BIS ENDE OKTOBER Volkstümliche Gesundheitslehre, Darstellungen über ~ den Organismus des Menschen, Ernährung und Wohnung, Hygiene im täglichen Leben, Mutter, Säugling und Kind. W'iasensghpftlißjhe, Hjstorischg, iz. Literarische Abteilung, Erzeugnisse angewandter Hygiene. 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Die griechisch-türkische Spannung. Türkisches Entgegeukommen. Konstantinopel, 19. Juni.(Meldung des Reuterschen Bureau».) 'uf indirektem Wege wird aus autorisierter Quelle gemeldet, daß Pforte ihren Gesandten in Athen beauftragt habe, die griechische "'gierung zu verständigen, daß die Pforte die zur Auswanderung �zwungenen Griechen zurückkehren lassen und ihnen Ersatz ihres Schadens verbürgen werde. Man glaubt hier, daß diese Mitteilung, t°«in sie sich bestätige, einen wichtigen Schritt zurLösung der gegen» Tilgen schweren Krisi» bedeute. Die griechischen Ansprüche. Athen, 19. Juni. Die„Agence d'Athenes" meldet: Die amt- chen Athener Kreise halten die Antwort der Pforte, soweit sie sich "uf jenen Punkt der griechischen Note bezieht, der die Einstellung " Berfolgung der Griechen durch unverzüglich wirksame Maßregeln ""langt, für befriedigend- hinsichtlich des zweiten Punktes der Pi'chischen Note, welcher die Rückkehr der Flüchtlinge und die Rück- Gebe ihrer Güter fordert, wird die türkische Antwortnote als vage Tteilt. Sie kann infolgedessen nicht als die griechische Forderung 'tnedigend angesehen werden. DnS Athener Kabinett wird weiter j�f der vollständigen Erfüllung dieser Forderung bestehen. Griechen« .li kann sich nicht mit dem einfachen Einstellen der Verfolgung frieden geben und die Tatsache mit Schweigen übergehen, da es � um die Existenz und Erhaltung von mehr als 150 000 in Griechen« eingetroffenen Flüchtlingen handelt. Der mexikam'fthe Konflikt. Ein Ultimatum der Vereinigten Staaten. . Niagara Falls, 20. Juni. Die Erklärung der amerikani- tdlen Delegierten, daß die. Einsetzung eines Präsidenten in Txiko, der aus den Reihen der Rebellen hervorgegangen �tre, dajj einzige Mittel sei, den Feindseligkeiten ein Ende .�setzen und weiteres Blutvergießen zu verhindern, war ein "llt i m a t u m. Falls die Delegierten Hucrtas nicht auf die Tcrikanischen Forderungen eingehen, so wird die V c r- s ittlungskonferenz heute oder Montag zu Ende lktn. Eine Maßregelung. . Taltill», 20. Juni. Carranza hat den Kriegssekretär in l'inem Kabinett General Angele» wegen Ungehorsams ab» ''letzt. General Angeles kommandiert Villa s Artillerie. Günstige Aussichten. � Washington, 20. Juni. Nach einer Erklärung des Präsidenten Wilson über die gestrige Sitzung der Vermiitelungskonferenz ist Aussicht auf Erfolg der Bermittelung günstiger. Vertagung der mexikanischen Präsidentenwahl. Mexiko, 20. Juni. Der Minister des Innern teilt mit, c beabsichtige der.Hammer vorzuschlagen, die Präsidenten- Thlcu, die am 4. Juli stattfinden sollten, bis zur Becndi- Lung der Konferenz in Niagara Falls zu verschieben. Frankreich. Die Presse über das Anleihegesetz. „ Paris, 20. Juni. Der gestrige Kammerbcschluß über die "ll-Mili El» ext« Anleihe wird in der Presse eifrig r?rtcrt. Die gemäßigten Blätter behaupten, daß diese An- tkihe gegenwärtig unter ungünstigeren Bedingungen durch- •J-iührt werden niüsse, als dies vor sechs Monaten der Fall Deesen wäre, wo sie den Radikalen einen Vorwand zum Sturze des Ministeriums Barthou geboten habe. Tic radi- wie» Blätter erklären, die Anleihe könne, nur eine vorüber- Atzendes Aushilfsmittcl bleiben. So schreibt die„L a n- n e"; Wenn die Deputierten der Linken wirklich ent- Glossen sind, dem Wunsche des Landes zu entsprechen, dann werden sie, um dein Staate die demnächst erforderlichen 1200 Millionen zu verschaffen, zu dem einzigen gerechten und demokratischen Mittel greifen müssen, zu einer Wehr- "euerwieinDeutschland. . I a u r ö s sagt in der„Huinanit6": Tie Mehrheit T Kammer hat die außerordentliche Wehrsteuer verweigert, welch? das deutsche Bürgertum willig auf sich genommen bat. T-sr Finanzminister hat klagend zugeben müssen, daß er über selnes jener steuerpolitischen Mittel verfüg?, welches den deutschen gestattet habe, sich in drei Jahren einer Bürde zu �tledigcn, welche auf dem französischen Volke ein Viertel- wyrhundert lasten wird. .. Der..Radieal" spricht die Ueberzeiigung aus, daß ?te Anleihe mehrfach überzeichnet werden wird. Man werde fwvn wieder einmal sehen können, daß Frankreich noch ""wer den Titel eines„Bankiers der Welt" für sich in An- wruch nehmen darf. Italien. Ein Erfolg der Agitation gegen die Strafkompagnien. Rom, den 16. Juni.(Eigener Bericht). Die Agitation gegen •' Strafkompagnien hatte ihren direkten und konkreten Anlaß in Zuweisung des Gen. Moroni an eine Strafkompagnie. Moroni T einmal in einem Kino in Mailand„eS lebe Turati. nieder das *etl* gerufen war und dafür zu 75 Tagen Gefängnis verurteilt worden. ™ er dann eingezogen wurde, genoß er besondere Beaufsichtigung und wurde der Strafkompagnie zugeteilt, als sich herausstellte, daß '' Mitarbeiter de».Avanti" war. Moroni ist nun gestern in Frei- fT gesetzt worden, weil angeblich seine Gesundheit es nicht erlaubt, uß er länger seiner Dienstpflicht genügt. Dem„Giornale d'Jtolia" Tolge ist die Freilassung schon seit dem 2S. Mai beschlossen und wurde durch den Generalstreik verspätet. Da der Generalstreik am • Juni proklamiert wurde, ist e» schwer, an diese Verspätung zu Jiwuben. Und scheint ti plausibler, anzunehmen, daß der General« Tik die Freilassung verfrüht hat. Rußland. Russische Gerichtsbarkeit. . In diesen Tagen fanden in R i g a die Sitzungen der Delegation Petersburger Gericht» statt; zur Verhandlung standen mehrere Allagen wegen politischen.Vergehens". Es handelte sich um Auf« Tvahrung und Verbreitung von sozialdemokratischer Literatur und um die Zugehörigkeit zur sozialdemolratischen Partei. Fast sämtliche Angeklagte stehen im jugendliche» Alter von 16 bi» 20. Jahren, bloß einige haben etwa das 25. Lebensjahr überschritten. Obwohl die Anklage nur auf Aussage von Polizeibeamten aufgebaut war und obwohl keine genügenden Beweise vorhanden waren, wurden sämtliche Angeklagte verurteilt; vielen wurde sogar die lange UntersuchungS- Haft nicht einmal angerechnet. DaS Strafmaß beziffert sich von sechs Monaten bis auf drei Jahre Festungshaft, insgesamt werden 20 Augeklagte(darunter fünf weibliche) zu 32 Jahren Festungshaft und 2Vz Jahren Gefängnis verurteilt; gegen fünf Angeklagte wurde auf Verbannung nach Sibirien und Aberkennung aller Rechte erkannt. Auf solche Weise glaubt man die Unzufriedenheit in der Arbeiterschaft beseitigen zu können. WaS außerhalb Rußlands als ganz selbstverständlich angesehen wird, dafür wirft man in Rußland junge, gesunde Menschen in den Kerker und deportiert sie nach den sibirischen Eiswüsten, wo sie unter körperlichen und seelischen Qualen dahinsiechen. Ms öer Partei. Internationaler Sozialistenkongrest Wien 1914, Das vorbereitende Komitee des Internationalen Sozialisten- kongresses benötigt die Namen und Adressen aller Genossen und Ge- nossinnen, die im August als Delegierte nach Wien kommen. Die Beschaffung von passenden und preiswerten Wohnungen ist bei den Wiener Hotelverhältuissen und gerade in der Reisezeit mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Das Kongreßkomitee, daSin Verbindung mit den Wiener Hoteliers arbeitet, wird aber die Teil- nehmer des KongresieS zufriedenstellen können, wenn die Anmeldung der Delegierten sobald als möglich erfolgt. Wir ersuchen daher alle Delegierten aus Deutschland, uns ungesäumt ihren Namen und ihre Adresse mitzuteilen. Berlin, den 20. Juni 1914. Mit Parteigruß Der Parteivorstand Berlin S�V. 68, Lindenstraße 8. Genosse Ludwig Ouessel schreibt uns: J» der Nummer des„Vorwärts" vom 17. Juni werden in einer Notiz unter der Spitzmarkc„Eine grobe Taktlosigkeit" schwere Vorwürfe gegen mich erhoben, die ich nicht unwidersprochen lassen darf.. Zunächst muß ich energisch Verwahrung dagegen einlegen, daß das Recht des einzelnen Parteigenossen, Kritik an der Haltung unserer Reichstagsfraktion zu üben, von der Redaktion des„Bor- Wörth" mit der Bemer'ung zu beschneiden versucht wird,„daß der Hetze der Gegner gegenüber die Partei die Reihen schließt und den Feinden die geschlossene Front zeigt." Mit dieser Phrase wird der radikalen Mehrheit unserer ReichstagSfraktion ein Freibrief für jede Torheit ausgestellt und jeder sachlichen Kritik der LebenS- faden abgeschnitten. Wer die politischen Ereignisse der letzten Jahre verfolgt hat, der weiß,"daß die Gegner so leicht keinen Bc- schlutz der radikalen Mehrl?eil vorübergehen lassen, ohne mit einer Hetze darauf zu antworten. Soll also die Tatsache, daß unsere Gegner gegen Beschlüsse der radikalen Richtung hetzen, zum Kri- terium dafür werden, ob man die radikale Mehrheit unserer Reichstagsfraktion kritisieren darf oder nicht, so heißt das nickt« anderes als den Radikalismus in unserer Reichstagsfraktion für sakrosankt zu erklären, da sich so leicht kein vom Geist deö Radi- kaliSmus getragener Beschlutz unserer ReichStagsfraktion anführen läßt, der den Gegnern nicht Stoff zu einer Hetze gegeben hätte. Statt uns Reformisten jene vieldeutige Formel für unser Ver- halten zu geben, hätte die Redaktion unseres Zentralorgans lieber offen dekretieren können: die R e f o r in i st e n haben das Maul zu halten oder über jede Torheit der Radi- kalen s i ch so zu äußern, als od sie sie selbst be- gangen hätten. Ich bedauere, auf diese freundliche Zu» mutung des„Vorwärts" nicht eingehen zu können und halte an dem parteigenössischen Recht der Meinungsfreiheit auch weiter- hin fest. Ich muß weiter ganz entschieden in Abrede stellen, daß ich den Gegnern„mit neuen Argumenten zu Hilfe gekommen" bin. Ich habe in dem Artikel„Kaiscrhoch und Parteipressc"(Sozia.- listischc Monatshefte, 12. u. 13. Heft) in durchaus sachlicher Weise über die Haltung unserer Parteiprcsse zur Frage des Sitzen- blcibcns beim Kaiscrhoch referiert. Tag ich dabei die unrichtigen und schiefen Bebauptungcn der radikalen Vorwärtsredaktion von meinem reformistischen Standpunkt aus kritisiert habe, ist aller- dings richtig; damit habe ich aber nur dasselbe getan, was die Porwärtsrcdaktcur als ihr gutes Recht den Reformisten gegenüber stets reichlich in Anspruch genommen haben. Allerdings halte ich an der Auffassung fest, daß unsere Fraktion nicht gut beraten war, als sie eine Aenderung unserer Taktik bei monarchischen Kund- gedungen eintreten ließ. Daß diese neue Taktik des Radikalismus der Partei nicht den geringsten Nutzen bringen konnte, wohl aber den Scharfmachern reichlich Wasset auf ihre Mühlen leiten würde, ist von mir und fast der Hälfte unserer Reichstagsabgeordneten, von denen ein Teil übrigens zum äußersten radikalen Flügel gehört, klar vorausgesehen worden. Diesen Tatbestand den Partei- genossen mitzuteilen und ihnen zu zeigen, daß die Ereignisse uns in allen stücken recht gegeben haben: das halte ich für meine partcigenössische Pflicht. • ES fällt uns natürlich nicht ein, irgendeinem Parteigenossen das Recht zur Kritik bestreiten zu wollen. Aber dieses Recht enthebt auch keinen Parteigenossen der Pflicht, die politische Wirkung seiner«Kritik in einer bestimmten Situation zu prüfen und sich der Verantwortung bewußt zu sein, wenn er gegen eine bestimmte Aktion der Partei Front«nacht. Dieses Verant- wortungsgefiihl haben wir bei Genossen Ouessel vermißt, und an dieser Meinung kann uns auch die bewegliche Klage über Mcinungsbeschränkung, die sich immer einstellt, wenn andere Argumente fehlen, nicht irre machen. Höher als das Reckt des einzelnen, sein Herz auszuschiitten, steht das Gesamtinteresse der Partei, die von allen ihren Mitgliedern fordern kann, in einem bestimmten Moment nicht das Spiel der Gegner zu erleichtern. Was Ouessel gesagt hat, war übrigens bereits von anderen gesagt worden, und so war die Wiederholung angesichts der fortdauernden und sich verstärkenden Hetze erst recht eine grobe Taktlosigkeit. Kommunalwahlen. Bei der Wahl der zweiten Klasse zum Bürgerausschuß in Pforzheim i. B. hatte unsere Partei weiteren Erfolg. Auf die ozialdcmokratische Liste entfielen 828 Stimmen, 267 mehr wie vor drei Jahren. Die Gegner erhielten 2096 Stimmen, die Zunahme beträgt 18. Unsere Partei erhält vier Mandate gegen bisher drei. Im ganzen verfügt die Sozialdemokratie auf dem Rathaus über 28 Sitze.— In F r e i b u r g i. B. verlor unsere Partei bei 137 aus die sozialdemokratische Liste abgegebenen Sümmen den bisher inne- gehabten Sitz in der 2. Klasse. Die sozialistische Bewegung in den Bereinigten Staate» von Nordamerika. Das Nationaltomitee der sozialistischen Partei der Vereinigten Staaten hat soeben seine Jahressitzung im Sherman-Hotel zu Chicago abgehalten. Da» Nationalkomitce vertritt gewissermaßen unsere Parteitage, da sich der Einberufung von Parteitagen infolge der großen Entfernungen Schwierigkeiten entgegensetzen. Der Sekretär des Komitees, Genosse 2 a n f e r s i e k, konsta- ticrte in seinem Bericht, daß die Mitglicderzahl der Partei im März und April 1914 104581 betrug. Im Jahre 1913� waren in den Monaten Mai und Juni nur 82 624 Parteimitglieder vorhan- den. In den zehn letzten Monaten bis zum Zusammentritt des Komitees wurden durch die Propaganda-Abteilung mehr als 5 Mil- lionen Flugblätter und Propagandaschristcn verteilt. In Zukunft werden die Propagandaschristcn immer in einer Auflage von einer Million hergestellt. Tie Einnahmen der Partei betrugen im verflossenen Geschäftsjahr 16 880 Dollars. Dabei sind nicht ge- rechnet die Einnahme der an die Partei angeschlopeiien 11 fremd- sprachigen Gruppen, von denen z. B. die Gruppe der finnländischen Genossen allein für die Streikenden der Kupferbergwerke von Michi- gan 20 000 Tallars gezahlt hat. Um die. Propaganda für die Wahlen energisch und umfassend beireibeu zu können, schlug Genosse Lanfersiek vor, einen Spezialfonds zu bilden, wozu alle Parteimitglieder einen Tagelohn in Höhe von 2,05 Tollars bei- tragen sollen. Der Vorschlag wurde angenommen. Die sozialistische Presse in den Vereinigten Staaten zählt gegenwärtig 11 Tageszeitungen, von denen jedoch nur 2 in englischer Sprache erscheinen. Die übrigen 9 Zeitungen ge- hören den Sektionen der anderssprachigen Genossen. Die ungarische Tageszeitung„Elove" erscheint in New Dort in einer Auflage von 9000 Exemplaren und deckt seine Unkosten. Die tschechischen Ge- iiosscn haben fünf Blätter, darunter eine Tageszeitung. DaS Zentralorgan der Partei,„The Party Buildev", war bis heute ein emfaches Mitteilungsblatt. In Zukunft soll es wöchentlich er- scheinen und ein großes Wochenblatt für Nachrichten und für die Propaganda sein. Es soll seine Spalten allen Genossen öffnen, die Fragen des Parteilcbens behandeln wollen. Die Versammlung des Nationalkomitees in Chicago war eine der wichtigsten, welche bisbcr von der Ptirtei veranstaltet worden sind. Alle Entscheidungen wurden fast einstimmig beschlossen. Fragen der Taktik standen diesmal nicht auf der Tagesordnung. Tie Debatten waren im allgemeinen sehr kurz, so daß es möglich war, Beschlüsse üoer zahlreiche Gegenstände zu fassen. Unter den Beschlüssen waren die wichtigsten: die Gründung einer sozialistischen Presse, die im Eigentum und in der Verwaltung der Partei ver- bleibe: die. Errichtung eines Parteigebäudcs in Chicago, wo die Zentralinstanzen der Partei ihren Sitz haben; die Schaffung eines Fonds zuc Unterstützung der Kinder von Streitenden; die Organi- sation des demnächstigen Wahlfeldzuges; die Veröffentlichung von Büchern� Broschüren, Streiffchriftcn und Propagandablättern nach einem der bisberigen Erfahrung entnommenen System; die Ver- anstaltung einer Versammlung in' Wasbington. um die sozialistischen Kräfte des Landes zu vereinigen; die Diskussion eines Vorschlages, sozialistische Parteiorgane auf genossenschaftlicher Grundlage zu er- richten; die Eröffnung einer Enquete, um eine energische Be- kämpfung des Mkoholisnms durchzuführen; die Beratung eines Vorschlages, die sozialistische Jugend der Parteiorganisation anzu- schließen usw. Das Nationalkomitce beschloß ferner, daß die soziallstliche Partei in Verbindung mit der Union der Bergardeiter von Amerika, der Föderation der Bergleute des Westens und der Föderation der Arbeit von Pennsylvanien in kürzester Frist in Washington eine Riesenversammlung veranstalte, um die Verabschiedung der Ar- beiterschutzgcsctzgebung zu fördern und um Maßnahmen zu fordern, damit Arbeitermorde, wie sie in Colorado, Michigan un-d Virginicn in letzter Zeit stattgefunden haben, unmöglich werden. Der Ver- sammlung sollen Delegierte aus Staaten der Union und von allen großen Arbcitervcrcinigungcn Amerikas beiwohnen. Dann wählte das Nationalkomitce noch die Delegierten für den Internationalen Soziali st entongreß in Wien, die den Auftrag haben, dem Wiener Kongreß vorzuschlagen, den nächsten Internationalen Kongreß im Jahre 1917 tu den Vereinigten Staaten abzuhalten._«- polizeiliches, Gerichtliches usw. Der beleidigte Schutzmann. Einen Schutzmann soll der Verantwortliche der Breslauer VolkSwacht Genosse F ö r st e r wieder einmal beleidigt haben. Dieser Schutzmann Hatto einen Kutjcher angehalten, weil er ohne Licht auf der falschen Seite der Straße fuhr. Bei dieser Gelegen- heit sammelten sich Leute an und der Schutzmann fühlte sich dabei nach seiner Angäbe„von hinten berührt". Er zog seinen Säbel, schlug aber nicht, weil die Umstehenden schnell bei Seite sprangen. Das Verhalten des Schutzmanns bezeichnete die Volks- ivacht als nervös. Darin soll die Beleidigung liegen, die der Staatsanwalt mit 3 Woche» Gefängnis gesühnt wissen wollte. Das Gericht erkannte auf 1 00 M a r k G e l d st r a s e mit der Begründung, daß der Schutzmann berechtigt gewesen wäre, den Säbel zu ziehen. AIS ob das nicht immer bei Schutzleuten der Fall wäre. Haussuchung. Auf richterliche Anordnung wurde in der P r i v a t w o h n u n g eines Redakteurs und später auch iu den Rcdaktionsräumen unsere« Waldenburgcr Parteiblattes, der„Schlcsischen Bergwacht", eine Haussuchung nach Manuskripten vorgenommen. Gesucht wurde nach einem Artikel, durch den ein schlc-si scher Großgrundbesitzer beleidigt sein sollte. Gefunden wurde nichts.-_ Der neue Kurs. Gegen D a n z i g c r Genossen sind zurzeit zwölf Strafvcr» fahren im Gange. Als größter Sünder marschiert der Partei» sekretär Georg Leu mit sieben Fällen an der Spitze. Seine Frau, die Genossin Ä ä t e Leu, soll in einem Falle, der Kasseufuhrcr Adolf B a r t c l in zwei Fällen den Staat ins Wanken gebracht haben. Der Gcwerkschaftsbcamtc Brill und der Redakteur Schröder schließen mit je einer Anklage den Reigen, Letzte Nachrichten. Arbeitrrfraiirn beim englischen Ministerpräsidenten. London, 20. Juni.(Pritzattelegramm des„V o r» wärts".) Der englisch« Miilistcrpräsidcut, der sich seit langem weigert, die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen zu empfangen, empfing heute eine Deputation der Londoner Arbeite- rinnen. Frau Scurr, die die Deputation cinführtc, mahnte As q u i th daran, daß die Arbeiterinnen das Wahlrecht für alle Frauen über 21 Jahre verlangten. Diese Forderung habe der Minister selbst als die am besten verständliche bezeicbnet. Tie Arbeiterinnen wüßten, daß Asquith gegen das Frauenstimmrecht sei, aber er möge sich erinnern, daß große Staatsmänner in kritischen Zeiten die eigene Meinung hinter das Gc- mernwohl zurückgestellt hätten, wie Wellington bei der Reformbill und Peel bei den Korngcsetzen. Nach Frau Scurr schilderten eine Reihe Arbeiterinnen in rührenden Worten ihr hartes Los und wiesen auf die Notwendigkeit der Vertretung der Frauen im Parlament hin. Die Deputation verlangte die unbedingte Freisetzung ihrer Führerin Fräulein Sylvia Pankhurst, die man wegen Reden eingesperrt habe, die nicht heftiger gewesen seien als die des Sir Edward Carson. Asquith antwortete in versöhnlichem Sinne, ver- neinte die Notwendigkeit der Frauenvertretung für den Wirtschaft- lichen Schutz der Frau, erklärte sich aber entschieden für das de- mokratische Frauenstimmrecht, falls das Frauenstimm- recht eingeführt werden sollte; er meinte, man dürfe mit der Frage nicht tändeln. In bezug auf unbedingte Freilassung des Fräulein Pankhurst versprach er, mit dem Minister des Innern Rücksprache zu nehmen. So endete eine der interessantesten Episoden im Emanzi- pationskampfc der englischen Frauen. Tchwcres Bauunglück. Hamborn, 20. Juni. Auf der Zeche Neumühl stürzten heute Nachmittag beim Kaminbau zwei Arbeiter aus 50 Meter Höhe in den Kamin; sie waren so f o r t t o t. Ein dritter Arbeitex klammerte sich an das Gerüst und konnte gerettet werden, 'fflurlffeißiälftc' des i��rüheren Preises und vielfach nc*� billiger verkaufen wiV Ja itvnflufiZrkfiut einen sehr großen Teil unserer bekannt vorzüglichen Konfektion- h BxiraL- Angebot für Loden- Kleidung Loden-Mäntel bewahrte Qualitäten IS�mIS m21«28 M. Loden-Mantel 13�" Loden-Capes mit Capuchon und Trägern, ca. 130 cm lang m.975«II h13«16 Loden-Kostüme vorzüglich verarbeitet 195* 2450 H 29 M 38 M. Loden-Röcke nur praktische Formen Loden- ÜIS Loden- Q50 0 Rock.; ö M. 6" 850 1050 Rock. Loden-« Q50 Kostüm 1 j 10 Mark monlitlichc Teilzahlung liefert elegante >>errengarderobe nach Mag, eigenes «lofilag. Per Kasse Preisermäßigung. schneidcrmst., jokt SVi 47, Treibundstr. 47. an der Bellealliancestr. u. Tcmpclhofer Feld. l.0» nun , Äeitunx s«""! 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Aber mit diesem Verfügungsiecht" ift int Zeitalter der Organisation Men und Berufsständo praktisch nicht durchzudringen, (■wen nicht nur die Gewerkschaften, sondern � vwl höherem Maße die Unternehmer einsehen müssen, � wehr die beiderseitigen Organisafionen der Unter- und Arbeiter gleichmäßig erstarkt sind, je mehr müßten - aus hxjn Boden der Verständigung zusammenfinden, einzelnen Streitfrage wegen die ganze ihren Begleiterscheinungen und Folgen werden konnte. Und außerdem werden derartige vAjen nicht nach Rechtsgrundsätzcn, sondern lediglich »5? vorhandenen Machtverhältnissen entschieden. der o�e b*e Gewerkschaften zu ihrer heutigen Haltunc in, �rbeitsnachweisfrage gelangten, nämlich, das Interesse einer geordneten und gut funkfio Arbeitsvermittlung nöfig ist. den Arbeitsnachweis ./"aipfen der beiderseitigen Parteien auf dem Arbeits- ü �'entziehen, ihn auf neutrales Gebiet zu stellen und voller Wahrung der Gleichberechtigung von beiden an dessen Ausbau und Ausgestaltung zu wirken, vcr all- großen Unternehmerverbände den Arbeitsnachweis ihnen zu Gebote stehenden Machtmitteln an Pch zu und der Arbeiterschaft jegliche Mitwirkung bei dessen oder Verwaltung streitig zu machen. In mehreren hatte dieses Streben infolge der ungleichen Macht- jlw- starken Erfolg. Die Kämpfe um den Arbeits- °>s wehrten sich, die Arbeiter ließen sich nicht wider- jvf an die Wand drücken und machten ihre Rechte geltend. ä der Ausbreitung der Tarifgemeinichaften und auf «öden wurden die Scharfmachergelüste der Unter- ivJ�'aer mehr zurückgedrängt und dem von den Ge- ,°lten vertretenen Prinzip der paritätischen Arbeits- lsnÄ"3 im weiten Maße das Feld erobert. Nach der �anstik war im Jahre 1912 bei 1691 Tarifgemeinschaften titih �un9 eines bestimmten Arbeitsnachweises beiderseits ferner war in 292 Tarifverträgen die Bestimmung uen daß paritätische Arbeitsnachwelse angestrebt werden �.„Der zunehmende Einfluß der Arbeiterorganisation tritt zj uch auf dem Gebiete des Arbeitsnachweises augenfällig Erscheinung. Die paritätischen Facljarbeitsnachweise Neben der Aufgabe, der Arbeitsvermittlung zu dienen, r�bewußt zu sein, daß sie als ein Teil des Tarif- gelten und dessen Einhaltung mit uberwachen müssen. loK Senug für unsere Scharfmacher, alle Minen springen um dieser Vermittlungsart das Wasser abzugraben, iftT nicht nur deshalb bekämpft, weil dabei die Arbeiten L T8 gleiche Recht wie die Unternehmer m Anspruch � sondern auch aus sehr naheliegenden materiellen Gründen. der von den Unternehmern gegen die parttStlschen �'snachweise ins Werk gesetzten Hetze beteiligten und de- x" sich noch heute mit besonderer Bravour auch die ckerschcn und christlichen Gewerkschaften._ Diese Q�sationen sind sich wohl bewußt, datz sie m Jrer Schwäche auf die Gestaltung der«rbeits i--organisatton keinen nennenswerten Einfluß au->iibeii selbst dann nicht, wenn ihnen alle Rechte einer Berel-» ,ei eingeräumt werden. Ihnen ist es aber auch um Re?i-Unfl der Arbeitsvermittelung nicht zu tun, sie der- Z ut sich als Organisation bestimmte Vorrechte, obwohl Eitzen, dgb solche an einem wirklich paittatiichen ,''"achioeis niemals statthast sein können, sie de» nun die Ablehnung ihrer Sonderanspruche, um >!s Sängerschaft gegen den paritätischen Arbeitsmichwew machen. Ter Arbeitsnachweis ist von den Gegnern ps�vertschaften zum Tummelplatz des Organisafion� . herabgedrücki worden. An diesem Kampfe. der stch ... die machtvolle Entwickelung der freien GcwerkichasG richtet, beteiligen sich in neuerer Zeit nicht nur die � c tV Regierungen, sondern auch der Bor st an difl�°ndes deutscher Arbeitsnachweise. Von Vorstand wurde dem preußischen Minister auf semen datiS-«ne Auskunft über die Einrichtungen beifimmter s°fLscher Tarifarbeitsnachweise erteilt, die ihm � einem tief/�Sen Einschreiten gegen die e Nachwel,e den Vorwand iCl Diesem ersten Streich folgte bald der zwecke und C diesmal von Dr. Freund, dem Vorsitzenden de» Ver- diesen Grundsätzeii etwa widersetzen sollten, ivollte Dr. Freund vermittels des Stcllenvermittlergcsetzes zu Leihe rücken. Noch ist die Diskussion über diese Freundschen Vorschläge, die übrigens von der Berliner Arbeiterschaft einmütig zurück gewiesen worden sind, nicht abgeschlossen, da tritt der Herr schon wieder mit einer neuen Aktion auf den Plan, indem er der Oeffentlichkeit'einen Vorschlag äuf Schaffung eines deutschen A r b e i t s n a ch>v e i s g e s e tz e s unterbreitet. Dieser Vorschlag qualifiziert sich bei näherem Zusehen aber mals als ein Versuch, der Arbeiterschaft weitere Knebel anzu legen und den Gewerkschaften den mühsam erkämpften, leider nur erst geringen Einfluß bei der Arbeitsvermittlung restlos zu nehmen. Das will Dr. Freund erreichen durch Mono polisierung der sogenannten öffentlichen Arbeitsnachweise, wie sie von den Gemeinden errichtet oder■ noch zu. errichten find. Alsdann sollen diese Nachweise zu'großen über das ganze Reich ausgedehnten Arbeitsnachweisvcrbänden ausgestaltet-und unter der Bezeich nückg„ L a n d e s a r b e i t S ä m t e r � als öffentlich-rechtliche Korporationen anerkannt werden; ferner sollen sie mit gc nügend Geldmitteln. st a a t.l i ch subventioniert sowie mit Z w an g s b e s u g n i s s c n zur Durchführung der Arbeits Nachweisorganisation ausgerüstet werden. Diese Zwangs- befugnissc sollen sich u. a. erstrecken auf die Schließung vorhandener.Arbeitsnachweise jeder Art sowie auf die Genehmigungspflicht für alle Arten von Arbeitsvermittelung. Dem fügt Dr. Freund hinzu:„Zahl reich sind— die kleinen Arbeitsnachweise der Arbeit geber und Arbeiter, un zweckmäßige Einrichtungen, die häufig Nebenzwecke verfolgen——- Die Schließung dieser ach weise kann zuni großen regelt für den sozialen Frieden gereichen. Doch das schließt nicht aus. daß auch einseitige Arbeits nachweise, welche wirklich gut organisiert sind und unparteiisch geleitet werden, erhalten bleiben." Das zeigt uns schon, in welchem Geiste die Gesetzgebung mobil gemacht werden soll. Darnach sollen die Arbeitsnachweise der Gewerkschaften sowie auch die paritätischen Facharbcits nachweise als„unzweckmäßige Einrichtungen" betrachtet und behandelt werden— die ganze Tendenz der Freundschen Vorschläge läßt darüber keinen Zweifel—, während den Maßregelungsburcaus der Eisen- und Kohlenbarone die gesetzliche Anerkennung zuteil werden soll. Denn auf letztere bezieht sich' die Bezeichnung von den gut organt sierten, unparteiisch geleiteten einseitigen Arbeits nachweisen, die erhalten bleiben sollen. Vor den großen Uickernehmernachweisen soll Halt gemacht, der Einfluß der .Bureaukpatie, der Unternehmer und der gegnerischen Gewehr sckiaften bei der Arbeitsvermittelung soll gestärkt und der Ent Wickelung der freien Gewerkschaften auf diesem Wege entgegen gearbeitet tverden. Die deutschen Gewerkschaften werden auch diesen Fehde Handschuh aufnehmen und dem Kampfe nicht ausweichen zwar nach wie vor bereit, ihre Hand zur Mitarbeit an der Ausgestaltung des Arbeits zu bieten, sie sind auch bereit, die gesetzliche mit fördern zu helfen. Sie lehnen es aber ebenso energisch ab. Versuche zu unterstützen, die darauf hinaus laufen, den öffentlichen Arbeitsnachweis in den Dienst einseitiger Unternehmerintereffen zu stellen oder ihn unter völliger Aus schaltung der Arbeiterschaft der alleinigen Herrschaft der Bureaukratie auszuliefern. Wenn es darauf ankommt, Be strebungen zu bekämpfen, die sich unter der Maske der Parität gegen die Gleichberechtigung der Arbeiter kehren, dann werden die Arbeiter ihre Rechte zu verteidigen wissen. Ste sind praktischen Nachweises Regelung s>ch � Deutscher Arbeitsnachweile, selbst ausgeführt, welcher eine„Reorganisation" des Berliner Zenttalarbecks- tzt?>ses heranmachte. Seine Vorschläge gipfelten dem de». e!1' den Berliner varitätii'cken Arbeitsnachweisen, welche det»,'�ntralardeitsnachweis angeschlossen sind w--------- zu schlagen und d, »w v. ändern au •l dlevhbar zu machen die Selbst- diese Nachweise Das Recht der Tarifverträge. Von Theodor Lcipart. Nach 8 106 der Gewerbeordnung soll die Festsetzung der Vcr- hältnisse zwischen den selbständigen Gewerbetreibenden und den getverblichen Arbeitern„Gegetistand freier Uebereinkünft" sein. Der Wortlaut dieser gesetzlichen Vorschrift sagt nicht, datz die Uebereinkünft von dem einzelnen Unternehmer mit jedem einzelnen Arbeiter getroffen werden mutz, aber im der Praxis und besonders in der juristischen Auslegung durch die Gewerbegerichte hat sich der Begriff des aus der„freien Uebereinkünft" entstehenden Arbeitsvertrages sv herausgebildet, datz es sich dabei in jedem Falle lediglich um einen Einzelvertrag handelt. Ein Tarifvertrag ist hiernach kein Arbeitsvertrag. Der Be- griff des Tarifvertrages ist den Lesern genügend bekannt; wir ver- stehen darunter eine Vereinbarung über die Verhältnisse zwischen Unternehmer und Arbeitern, die nicht von den Einzelpersonen, sondern von einer Personenmehrheit getroffen worden ist.. Sehr häufig sind es nicht die Organisationen, welche den Tarifvertrag abgeschlossen haben. Uebcr die Hälfte' aller bestehenden Tarifverträge sind, soweit die Arbeitgebcrseite in Frage kommt, nur mit Einzelunternehmern für je einen Betrieb abgeschlossen. Auf der Arbeiterseite steht aber auch in diesen Fällen stets eine Mehrheit von Personen, vertreten in der großen Mehrzahl der Fälle durch die gewerkschaftliche Organisation. Etwas über ein. Viertel aller Tarifverträge gilt für je 2 bis 10 Betriebe. Der Rest der Tarif- vertrüge, ungefähr ein Fünftel aller bestehenden, hat. Geltung für mehr als 10 Betriebe. Zwischen P e r b ä n o.c n der Arbeiter und Verbänden der Arbeitgeber sind nur LS Proz. der Tarifverträge abgeschlossen, in der überwiegenden Mehrzahl der Falle stehen also den Gewerkschaften als Bertragskontrahenten nur eine oder mehrere Firmen gegenüber. Das Recht, den Arbeitsvertrag nach freier Ucberein» k u n f t abzuschließen, hat in Verbindung mit- dem durch§ 152 der Gewerbeordnung gewährten Recht der Arbeitscin- stellung zwecks Erlangung günstiger Lohn- und Arbettsbc- dingungen zu den Lohnkämpfen und schließlich zum Abschluß von Tarifverträgen geführt. Tie absolute Freiheit des persönlichen Arbeitsvertrages ist durch den Z 152, der eine Verabredung und Vereinigung zum Vehufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsvedingungen ausdrücklich zuläßt, wesentlich einge- schränkt. Es dürfen nur kein körperlicher Zwang, keine Drohungen, Ehrverletzungen oder Verrufserklärungen angewendet werden (§ 153), sonst aber ist eine Einwirkung auf die personliche Freiheit beim Äbschlutz des Arbeitsvertrages erlaubt und im Gesetz direkt vorgesehen. Tie Gewerkschaften sowohl wie die Arbeitgeberverbände sind also nach dem Gesetz durchaus berechtigt, ihre Mitglieder zur Ein» Haltung eines abgeschlossenen Tarifvertrages zu verpflichten. Es kann auch im allgemeinen kein Zweifel darüber obwalten, datz es der Wille der� beiderseitigen Vertragsparteien. ist, den einmal abgeschlossenen Tarifvertrag zu halten und seine Bestimmungen an Stelle der einzelnen Arbeitsverträge gelten zu lassen. Aber nicht alle Arbeitgeber und leider auch, nicht alle Arbeiter gehören der Organisation an. Ein Zwang auf solche Außenstehenden kann aus der Hand Aufschlagen � ausgeübt werden. Aber auch viele organisierte Arbeitgeber �--G�� machcn. De�enigen Nachweisen, die sich! fügen{ich nur widerwillig, und wenn die Konjunktur ihnen günstig ist. suchen sie den-Verixog zu umgehen, zahlen sie den vertrag- lichen Lobn nicht mehr. Da in der großen Mehrzahl nur Einzel- firmen der Gewerkschaft als Pcrtragskontrahcnicii gegenüberstehen, bei denen eine Einwirkung durch die Arbeitgevcrorganisatiou von vornherein wegfällt, so würden namentlich in Zeiten schlechter Kon- junktur die Tarifverträge bloß aus dem Papier stehen, weirn die Gewerkschaften sie nicht schost mit ihrer eigenen Macht zu schützen vermöchten. Die Gewerbcgerichte haben sich im Anfang meistens auf den Standpunkt gestellt, datz die Tarifverträge dort. Ivo sie eingeführt sind, auch zu gelten haben. Aber dann ist das juristische Gewissen der gelehrten Richter erwacht und heute lehnen alle einmütig diesen Standpunkt ab,. sie halten die Tarifverträge für ab- dingbar. Tie Vertragsfreiheit der Person darf nach ihrer Meinung mcht im geringsten angetastet werden, jeder Arveitgever hat also das Recht, trotz dcr Geltung des Tarifvertrages mit jedem seiner Arbeiter.einen ganz entgegengesetzten Arbeitsvertrag zu vereinbaren....... Dckc Unterschied in der Bedeutung des Tarifvertrages und des Arbeitsvertrages nach dieser Auffassung, die jetzt allgemein bei den Juristen zur Geltung gelangt ist, zeigt sich bc- sonders kratz in folgendem Beispiel: Ein Uukcrnehmer hol mit einigen Ausgelernten eine gegen den Tarifvertrag verstoßende Lohnvereinbarung getroffen. Die von der Gewerffchaft angerufene Schlichtungskommission versagt zunächst, weil die Arbeitgeber in derselben nicht die Courage haben, ihren im Unrecht befindlichen Kollegen zu verurteilen. Es wird daher zu einer zweiten Sitzung gemäß vertraglicher Vorschrift der Vorsitzcude des Gcwerbegerichts als Schiedsrichter hinzugezogen. Dessen Schiedsspruch lautet natürlich, da die Vertragsverletzung völlig klarliegt, zugunsten dcr klagenden Arbeiter. Ter Unternehmer ist jetzt also durch die Schlichtungskommission unter dem Vorsitz des Unparteiischen ver- urteilt, die Lohndifferenz nachzuzahlen. Aber— er zahlt trotzdem nicht, und so reichen die betroffenen Arbeiter die ordent- liche Klage bei dem Gewerbegericht-ein.- Hier aber werden sie von dein gleichen Richter mit der Klage abgewiesen, mit der Begründung, datz die in Frage stehende Vereinbarung zlvar gegen den Tarifvertrag verstoße, aber deshalb doch nicht nu- gesetzlich sei.'„Das Gewerbegericht kann und wird nie- mals aussprechen, daß die zwischen den Orgatlisationen der Arbeitnehnter und Arbeitgeber abgeschlossenen Verträge die nach den Grundsätzen des bürgerlichen Rechts gewährleistete Ver- tragsfrciheit ausschließen." Nur wenn keine besonderen Vereinbarungen vorliegen, sei anzunehmen, daß es der Wille der Parteien war, die Bestimmungen der Tarifverträge dem Arbeits- Verhältnis zugrunde zu legen. Im vorliegenden Falle aber habe eine g-ültige und für die Parteien bindende Ab- rede bestanden, damit falle der Klageanspruch. Solche Beispiele liegen bereits in großer Zahl vor. Hinzu tritt noch, daß auch der Arbeitsordnung ein primäres Recht vor dem Tarifvertrag zuerkannt wird. Daß dies widersinnig und unhaltbar ist, hat man selbst auf feiten der Arbeitgeber eingesehen. So hat das Kartell der Arbeitgeberverbände für das Bau- gewerbe in Groß- Berlin im März 1911 eine Petition an den Reichstag eingereicht mit dem Ersuchen, in Z 134 der Gewerbeordnung zu bestimmen, daß in Betrieben, deren Lohn- und Arbeits- bedingungcn durch Tarifvertrag geregelt sind, der Erlaß der Ar- beitsordnung unterbleiben kann. Daß jeder größere Arbeitgeber, so heißt es in der Begründung der Petition, die Arbeitsbedingungen selbst als Arbeitsordnung erläßt, sei mit dem Wesen der Tarif- Verträge unvereinbar. Vornehmlich die Einheitlichkeit der Arbeits- bedingnngeu mache die Tarifverträge für die Arbeitgeber wertvoll. Unter den Bauarbeitern in Berlin gebe es eine Gruppe, der es eine Feude wäre, die Einheitlichkeit der Tarifbedingungen zu durch- löchern. Unter dem Druck solcher Arbeiter könnten leicht Arbeits- ordnungen zustande kommen, die recht wesentlich vom Tarifvertrag abweichen. Wie aber sollten die Verbände die Verantwortung für Vertragsverletzungen tragest� wenn solche Verstöße durch die gesetz- liche Geltung der Arbeitsordnungen geradezu sanktioniert werden. Die Tarifverträge hätten den Vorteil, daß die Gesamtheit der Ar- beiterschaft über ihre Annahme oder Ablehnung abstimmt,, während bei der Arbeitsordnung die Arbeiter des Betriebes nur das Recht haben, gehört zu werden. Ich führe diese Stimme aus dem Arbeitgeberlager hier deswegen an, weil sie im Vergleich zu dem vorerwähnten Gc- Werbegerichtsurteil gerade recht deutlich zeigt, wie es mit der„nach den Grundsätzen des bürgerlichen Rechts gewährleisteten Ver- tragsfrciheit" in der Praxis des Arbeiterlcbcns wirklich aus- sieht. Schon allein das Wort„Arbeitsordnung" ruft in uns alle die bekannten Bilder von Unfreiheit, Unternehinerwillkür und Herrenrecht wach; von dem wahren Begriff der„Vertragsfreiheit" bleibt dabei für den Arbeiter wirklich nichts übrig. Aber auch wenn eine abweichende Arbeitsordnung oder eine anderweitige Vereinbarung nicht vorhanden ist, bleibt die Frage, ob dann wenigstens in Streitfällen der Tarifvertrag gilt, immer noch der Entscheidung des Richters überlassen. Absolute rechtliche Geltung haben die. Tarifverträge heute nur, wenn die Haftung der Gewerkschaften für eine Vertragsverletzung der Arbeiter in Frage kommt. Wenn die Gewerkschaft ihre Mitglieder bei der Gel- tcndmachung von Ansprüchen und Forderungen unterstützt, die nach Ansicht des Richters gegen den Tarifvertrag verstoßen, so haben Nach den wiederholten Entscheidungen des Reichsgerichts sowohl die einzelnen Arbeitgeber als auch der ALbeitgeberverband vollen An» pruch auf Ersatz des Schadens, den sie nachzuweisen vermögen. Im nmgetehrten Falle steht das Recht auf Schadenersatz natürlich auch dcr Gewerkschaft und ihren Mitgliedern bei Vertragsbrüchen dcr Arbeitgeber zu; doch kann sich ein solcher Anspruch nur gegen die Organisation der Arbeitgeber richten und natürlich nur dann er« hoben weden, wenn derselben nachzuweisen ist, daß sie den Vertrags- bruch unterstützt hat. Bisher hat jedoch ein solcher Beweis wohl noch in keinem Falle geführt werden können, weil die Unternehmer zu ihrem Glück nicht in dem gleichen Maße wie die Arbeiter bei Arbeitskonflikten aus die Unterstützung ihrer Organisation wiesen sind. Zudem darf hierbei nicht übersehen werden, daß die Geiperk- schaften als nicht rechtsfähige Vereine wohl verklagt werden, aber selbst nicht klagen können. Eine Gewerkschaft muß in solchem Falle also ihre Ansprüche zuerst an eine juristische Person, zum Beispiel an ihren Kassierer oder ein anderes Vorstandsmitglied, auf dem Wege dcr Zession übertragen, bevor von einer Echadenenntzklaae überhaupt die Rode sein kann. Mit Vorstehendem sind die bedeutsamen Fragen des Turifrechts nur in sehr beschränktem Maße angedeutet. Es ist jedoch nickt möglich, im Rahmen dieser kurzen Abhandlung auf die Einzelheiten naher einzugehen. Die Frage dcr gesetzlichen Reaeluna der Tarifverträge hat in den letzten Jahren schon eine sehr umfangreiche Literatur erzeugt, und die. verschiedenartigsten Vor- Ichlage h-ersur liegen beerts vor. Die G e w e r k s ch a f t e n als die zunächst Beteiligten, haben es bisher abgelehnt, d.e H.lse der Gesetz- gcbiing n d'.e, er Frage anzurufen. Der Gewerkschaftskongreß in München w.rd sich zum ersten Male mit diesen sckwierige» Problemen beschäftigen, deren Bedeutung für die weitere Entwicke- lung der--.arisvertrage und damit zugleich auch für die Bcstrc- bung-n S"r w.rkmmen Verbesserung der Arbeits- und Lebensver- Haltnisse der Arbeiter von niemand verkannt werden darj. a»ge» A. WERTHEIM G. M. B. H. Ht.l Leipziger Straße Königstraße! v�sand- Abteilung Leipziger str. 132.137\ Rosenthaler Straße Moritzj Kostümr öcKe-So nder- An g e b Moderne Fassons zu enorm billigen Preisen aus einfarbigen Waschstoffen Serie I: aus Frotte, weiß, kariert und gestreift, und anderen Waschstoffen, zum Teil Tunikaf 1.90 Serie II: Serie III: Serie IV: Serie»25 Serie VI.'�J« Bb*?r�era P hell und dunkel, diverse Fassons mit modernen Verzierungen.,.. Angebot! 1 JD SllL 21—£1 r\ � 6 1 blau und schwarz, diverse Fassons..... durchschnittlich 9 Bademäntel weifi Kräuselstoff, mit farbigem Län�sbesatz... 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Es gehört zu den beliebtesten Argumenten des Liberalismus, eine grundsätzliche sozialdemotratische Kritik als phantastisch, un- Politisch, als eine Sünde gegen den heiligen Geist der„realen Politik" hinzustellen. Geht aber ein wenn auch noch so schüchterner Reform- ansah der Regierung dem Liberalismus gegen den Strich, so findet er nicht Worte genug, einen solchen Versuch in Grund und Boden zu verdammen— im Namen der grundsätzlichen Forderung, die nur in vollem Umfang und nicht in„Abschlagszahlungen" akzeptiert wird. Nach diesem Rezept gebt Dr. E. v. T h s z k a, der Spezial- gelehrte des„Berliner Tageblatts" für kommunalpolitische Fragen, in Nr. 302 des Blattes gegen den Ausgleich der Volisschullasten in �roß-B erlin vor. Die Regierung Hai in ihrem Entwurf zur Ab- anderung des Kommunalabgabengesetzes einen Paragraphen(§ 53a) porgeschlagen, daß bei Gemeinden, die ein einheitliches Wirtschafts- gebiet bilden, der Regierungspräftdent— für Berlin der Ober- Präsident— berechtigt sein soll,„sie zur gemeinsamen Aufbringung eines Teiles der Volksschullasten zu einem Ausgleich sverband Zusammenzulegen". Dieser Vorschlag ist natürlich weit entfernt, voll- kommen zu sein— denn er soll der Regierung die Zuschuhleistung abnehmen—, und wir Sozialdemokraten sind die letzten, die sich JJiit einem solchen„Ausgleich zufriedengeben würden. Aber vom Standpunkt der liberalen„Realpolitik" müßte gerade ein solcher Vorschlag als„Teilzahlung", als Ansatz zu einer„allmählichen Reform" begrüßt werden. Wie kommt es nun, daß der Leitartikler bes liberalen„Weltblattes" die Schleusen seiner Beredsamkeit öffnet, um den Regierungsvorschlag in Grund und Boden zu verdammen? �kag der Grundgedanke dieser Kritik, wonach der Ausgleich der Bolksschullasten auf ganz Preußen ausgedehnt und die Verantwor- tung für die Volksschulbildung vom Staate übernommen werden soll, noch so richtig sein, so treten bei der Beweisführung doch die eigentlichen Motive dieser plötzlichen prinzipiellen Kritik bes Mosseblattes zutage. Hinter dem liberalen Wortschwall der Opposition gegen die Regierung tritt einfach der reaktionäre Pferde- suß des Berliner Kommunalliberalismus hervor. Dr. C. v. Tvszka gibt in seinem Artikel selbst zu, es liege »sicher eine gewisse Ungerechtigkeit und Härte gegenüber brn kinderreichen und mindcrleistungsfähigen Orten" in dem Um Albert Kran legt Wert darauf, daß sein Name in der Liste nach- getragen wird, da schon wiederholt Irrtümer entstanden sind.— Das kleine Gewcrlschaftshaus, An der Stralauer Brücke 3, hat eben- falls den Besitzer gewechselt. Der jetzige Inhaber Otto Stein stellt das Lokal zu den üblichen Bedingungen zur Verfügung. Dagegen verweigert uns der neue Inhaber des Lokals..Wilhelmsgarten" in Tcmpclhof, Berliner Straße 49, sein Lokal. Ist also nach wie vor gesperrt._ Dritter Wahlkreis. Heute findet ein Familienausflug nach Kiekemal bei Köpenick statt. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr im Lokal „Zum Heidetrug"(Jnh. Dräger), Köpenicker Allee 97. 5. Kreis, 5. Abteilung. Gemeinsamer Ausflug nach Spindlers- seid/ Treffpunkt: Cafe Ruhwald. Abfahrt der Züge: 18 Minuten nach jeder vollen Stunde. Sechster Wahlkreis. Die Versammlungen der jugendlichen Mitglieder von 18 bisLI Jahren finden am Mittwoch, den 24. Juni, in folgenden Lokalen stakt: Strack, Schönhauser Allee 134b. Referent: Genosse Karl Mermuth. Zum Vortrag gelangt: Alte und neue Internationale. Kaczerowski, Ravenestratze 6. Referent: Wilhelm Paetzel. Thema: Die letzten 59 Jahre deutsche Sozialdemokratie. Franke, Badstraße 19. Vortrag der Genossin Regina Rubens über: Dichter der Märzrevolution. Schröder, Stromstraße 3ß. Referent: Erwin Neumann. Wir ersuchen die Bezirksführer, in ihren Bezirken dafür Sorge zu tragen, daß die jugendlichen Mitglieder auf diese Versamm- lungen aufmerksam gemacht und eingeladen werden. Charlvttenburg. Am Freitag, den 26. Juni, abends 8H Uhr. findet die Generalversammlung des Vereins„Arbeiter-Jugend- heim" im Volkshause statt. Auf der Tagesordnung steht die Vor- größerung des jetzigen Jugendheims. Erklärung. Die Darstellung des Wahlvereinsvorstandes von Neukölln bestätigt bis auf Nebensächlichkeiten das, was ich in der Charlottenburger Wahlvcreinsversammlung ausgeführt habe. Die Neuköllner Genossen haben in ihrer Gesamtheit zu den Charlottenburger Reorganisationsvorschlägen nicht Stellung ge- nommen, sondern nur eine Funktionärsitzung. Wenn diese Genossen der Ansicht waren, daß eine erneute Erörterung der Reorganisations- frage auf der Kreisgeneralversammlung unzweckmäßig war, so hätte es genügt, Ivenn die Neuköllner Delegierten dem Antrage des Kreisvorstandes beigetreten wären, der unsere Anträge an die Reorganisationskommission überwiesen wissen wollte. Zu einer Ablehnung unserer Vorschläge fehlte ihnen das Mandat der Gesamtheit der Neuköllner Genossen. Wir Charlottenburger sind ..■■■„-■,„--------........... aber der Ansicht, daß in solch wichtigen Fragen nur die Gesamtheit stände, daß diese Orte die Mittel für das Volksschulwesen auf- � der Parteigenossen das Recht der Entscheidung hat. «ringen müssen. Selbst bei den weit größeren Aufwendungen der Fritz Ohlhof. festlichen Berliner Vororte, auf den Kopf des Schülers berechnet, Stralau. Dienstag, den 23. Juni, abends 8!4 Uhr, bei paben beispielsweise die östlichen Vororte(Neukölln und Lichtenberg) Steinicke, Alt-Stralau 6, Mitgliederversammlung des Wahl- .doch eine weit höhere Quote des Steuersolls für Zwecke deS öffent- Vereins. Tagesordnung: Bericht von der Kreis-General- und -.......... Verbands-Generalversammlung. Vereinsangelegcnheiten. Verschiedenes. Zchlendorf(Wanirseebahn). Am Dienstag, den 23. d. M.. abends Uhr, findet bej Miklei, Potsdamer Straße 25, die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. TaAessrdnung: U Vortrag des Genossen W ü ck e über„Klassenkämpfe in Deutsch- l a n d". 2. Bericht von der Kreis-Generalversammlung. 3. Dis- kussion. 4. Wahl des Bildungsausschusses, ö. Vereinsangelegen- heiten und Verschiedenes. üchen Volksschulwesens aufzuwenden als jene". Trotzdem hält er � nicht für gerechtfertigt, daß die westlichen Vorstädte (Shailotlenburg, Schöneberg, Wilmersdorf) nach dem Vorschlag der Regierung Zuschüsse für das Volisschulwesen Neuköllns, Lichtenbergs Und anderer östlicher Vororte zahlen sollen.„Selbst die Begründung zu dem Entwurf weiß kein anderes Argument anzuführen, als daß Rentnerstädte eben reicher sind als die Orte mit starker Arbeiter- Bevölkerung. Aber die Tatsache allein, daß jemand reicher ist als °in anderer, begründet nie und nimmer einen Zahlungsanspruch. Eine solche Argumentation würde die Prinzipien unseres Wirt- ichaftslebens auf den Kopf stellen." Man faßt sich unwillkürlich an den Kopf, wenn man diesen öden Aufguß des Manchesterliberalismus � einem Blatte liest, das immerhin einigen Anspruch auf soziale Erkenntnis, auf modernes Empfurden erhebt. In einem Augen- Rick, wo selbst die Regierung sich genötigt sieht, die„Ungerechtigkeit Und Härte gegenüber den kinderreichen und minderleistungsfähigen �rten" durch die Heranziehung der reichen Rentnerstädte ein wenig Kr mildern; in einer Zeit, wo die soziale Zusammengehörigkeit aller feile des Groß-Berliner Gemeinwesens allgemein ancrlannt und Re Unerträglichkeit der künstlichen Trennung dieser Glieder des Groß-Berliner Organismus immer heftiger empfunden wird, wird Re praktische Konsequenz aus dieser Erkenntnis, oder richtiger nur Tie Gebiete um den Müggelsee haben sich im Laufe der letzten Jahre mehr und mehr zu den beliebtesten Aufent- Haltsort der Berliner des Ostens und Südens entwickelt. Vom Schlesischen Bahnhof für 20 Pf. zu erreichen, ist Friedrichshagen der Ausgangspunkt der Wanderung rund um den See. Die Entfernung beträgt vom Bahnhof aus um den See 13 Kilometer und wird von Familien und it.--r„ minder geübten Füßgängern gern zurückgelegt, da sich die kleiner Schritt zu dieser.ilonicquenz fast als Umwälzung der vielen Lokale und Dampferanlegestellen am .unseres Wirtschaftslebens" erklärt.„So wird man— doziert � leicht unterbrechen läßt. Herr v. Tyszka— auch hier zu fragen haben, was hat°enn. Schon die mit Linden und Maulbeerbäumen bepflanzte Merlin den östlichen Vororten zu v e r d a n I c n. daß � H�vtstraße Friedrichshagens macht einen angenehmen Ein- es zu Beiträgen für diese heranziehen will? Was haben Am See vermittelt eine 25V Personen fassende Dampf- öerliner Nachrichten. Müggellanüschast. Reukölln, Lichtenberg und die anberen Ostorte für Berlin und die �estljchxu Vororte getan, daß sie ein Geschenk erhalten sollen? jöu diesem Bekenntnis einer schönen Mannesseele ist die ganze Plattheit unseres hauptstädtischen Liberalismus enthalten, der selbst �.Uterdas Niveau der provinziellen Kirchturmspolitik gesunken 'ft- In der Tat, was haben die Arbeiterbataillone der östlichen Pororte für Berlin und oie westlichen Rentnerstädte getan?„Man kann— bemerkt Herr v. TySzka— höchstens sagen, die Vororte Rtben der Stadl Berlin ihr Aufblühen zu verdanken, nicht um- gekehrt." Hier tritt also in verblümter Form die Auffassung von °er schöpferischen, alles beherrschenden Rolle des Kapitals, und nebensächlichen, abhängigen Rolle der Arbeit zutage. Nicht lo Arbeit der ungezählten Scharen der Schaffenden hat Berlin Rie alle anderen Schöpfungen des neuzeitlichen Kapitalismus �orporgehaben und in einem einheitlichen Organislnus zusammen- �schweißt; nicht die Arbeitenden haben das Riesengebäude der �keimillionenstadt mit all ihrer glänzenden Kultur zurechtgezimmert ünd deq Drohnen, den Nichtstuern, den„Rentnern. die Existenz- Möglichkeit geschaffen, sondern diese erheben Anspruch darauf, nicht �ur als die Herren und Gebieter, sondern auch als die eigentlichen �chöpfex. Riesenwerkes zu gelten, für die auch die schüchternste Anbahnung eines sozialen„Ausgleichs" als Angriff auf die Grund- logen der bestehenden Gesellschaftsordnung erscheint. Von diesem Gesichtspunkt gesehen, wächst die„grundsätzliche" Kritik des Libe- folismus an dem Ausgleichsvorschlag der Regierung weit über den Ausgangspunkt dieser Kritik hinaus. In ihr spiegelt sich die grundsätzliche Gegnerschaft wider, die die Apologeten des Kapitalis- !"us gegen jede weitere Ausdehnung des sozialen Gedankens, gegen Schritt der historischen Entwickelung empfinden. parteiangelegenheiten. Zur Lokalliste. v,. In RüderSdorf-Kalkberge hat das Lokal Schützenhaui" den «eittzer gewechselt. Der neue Inhaber August Noack stellt uns das- «?lde ebenfalls zu allen Veranstaltungen zur Verfugung.~-er Inhaber des Restaurant„Zur Linde" in Grunhaide be« Erkner fähre die Ueberfahrt. Von der Südseite her grüßen die bewaldeten sagen- umwobenen Müggelberge mit den Aussichtstürmen. In vorslawischer Zeit� sollen den Scmonen, dein mächtigsten Volksstamm der Sueven. die Müggelgebirge, die einst mit den Püttbergen einen Gebirgszug bildeten, ein sicherer Wohn- sitz gewesen sein. Wer über kräftige Beine verfügt, kann einen Aufstieg unternehmen. Durch die Bllrgerheide geht es, vorbei an einem kleinen Weiher, genannt Teufelssee, der aber gar nicht so teuflisch aussieht, in dessen unergründlicher Tiefe aber ein Schloß mit einer schönen Prinzessin im tausendjährigen Schlafe ruhen soll. In stürmischen Nächten hört man angeblich die Klagelaute der verwunschenen Königs- tochter. Zieht man es vor. sich am Ufer zu halten, so wandert man auf glattem Wege, immer unter Erlen- und Eichen- bllschen. In der Mitte des Sees ziehen lange Schlepvzügc langsam ihre Bahn und vorbei an ihnen fliegen die flinken Motorboote, Ruderboote und Segler. Im Schilf quarren die Frösche und piepen einige Vögel. In den Wipfeln der Bäume schlägt der Fink seine Weisen, und von fern hört man den Kuckuck rufen. Zahlreiche Bänke laden zum Ausruhen ein. Wir wandern weiter am Slldufer entlang uvd kommen bald an die Stelle, die sich zum Freibad zu entwickeln be- ginnt und sich vom Restaurant Prinzengarten bis nach Rahnsdorf erstreckt. Zwischen dem Erlengebüsch sind zahl- reiche Zelte, und im seichten Wasser tummeln sich Männlein und Weiblein— also ein wirkliches Freibad. Aber wie lange noch? Rahnsdorf wird kommen, häßliche Drahtzäune er- richten. Vorschriften erlassen und somit ein freies Baden un- möglich machen! Bald kommen wir an die Kleine Müggel, die etwas versteckt liegt und bei stürmischem Wetter gern von Wassersportlern aufgesucht wird. Wir sind am�zerklüfteten Ostufer des großen Müggel- sees, da wo die Spree einmündet. Hier befindet sich eine Rettungsstation, die von den Wassersportvereinen unter- halten wird und bei starkem Winde durch Hochziehen eines Balles den Booten zu verstehen gibt, daß das Befahren des Sees mit Gefahr verbunden ist— auch bei Unglücksfällen Rettungsmannschaften sendet. An der Spreemündung liegt das alte Fischerdorf Rahnsdorf. Das kleine Dorf gruppiert sich malerisch um die im Jahre 1887 erbaute Kirche. Zum Dorfe gehört die Billenkolonie Rahnsdorf-Mühle, nach der dortigen alten Wassermühle benannt. Um nach Rahnsdorf zu gelangen, mutz man sich nach einem der zahlreichen Lokale übersetzen lassen, wenn man es nicht vorzieht, mit der Fähre zurück nach Friedrichshagen zu fahren. Am Nordufer erstreckt sich das von den Gemeinden Rahnsdorf und Friedrichshagen verwaltete Freibad, das immer mehr der Zielpunkt taufender Badelustiger ist und sich mit seinen Anlagen harmonisch dem Gelände anpaßt. Vor dem Freibad liegt, unter alten Bäumen versteckt, die Försterei Müggelsee. Unweit davon, au der Ehaussco nach Friedrichshagen, befindet sich ein Kreuz, das die Stelle an- zeigt, wo der unglückliche Förster erschossen wurde, dessen Mörder man noch nicht gefunden hat. Ter beste Weg ist der am See dahinführende, wo sich noch vor einigen Jahren un- gezählte Badende tummelten, die man jetzt hinter die Draht- zäune verbannt hat. Bald ist man wieder in Friedrichshagen. Als erstes Gebäude fällt uns auf: die Seezeichen-Versuchsanstalt, dann die Biologische Anstalt, der die Aufgabe zufällt, alle zur Belebung der Binnenfischerei nötigen Forschungen und Ver- suche zu unternehmen. Die Wasserwerke bilden einen kleinen Ortsteil für sich und liefern, mit dem Wasserwerk in Tegel und dem zukünftigen in der Wuhlheide, Berlin das nötige. Wasser. Ein ausgedehnter Fährbetrieb, wie ihn kein Binnensee besitzt, vermittelt die Verbindung nach allen Himmelsrich- tungen. Die Müggellandschaft ist ein beliebter Ferien- aufenthalt für solche, die sich keine Badereise leisten können. Städtische Kleingärten. Nachdem die Anlage von Kleingärten(Laubenkolonien) auf dem früheren Rieselland an der Stettiner Bahn bei Blankenburg in weiten Kreisen außerordentliches Interesse und Anklang gefunden hat, beabsichfigt die Verwaltung der Stadt- guter auch im Süden von Berlin— unmittelbar am Bahnhof Teltow— auf dem zur Gütsverwaltung Osdorf gehörigen Gut Heinersdorf Kleingärten anzulegen. Es wird beabsichtigt, mehrere hundert Gärten in der Weise einzurichten, daß man den sich für diese Kleingärten Meldenden im Spätherbst Holz auS städtischen Forsten billig in Hcinersdorf zur Verfügung stellt, damit die Bewerber sich während der Wintermonate das Land einzäunen und Lauben errichten können. Die Pächter werden dabei weitestgehende Unterstützung bezüglich gärtnerischer Be- ratung und Anlieferung alles Erforderlichen finden. Ein in der Mitte des zur Gartenanlage bestimmten Geländes liegendes Birkenwäldchen soll zu einem Spielplatz P!r Liä Kinder der Besucher usw. hergerichtet werden. Obstbäume und Sträucher werden auf Wunsch aus der städtischen Paumschnle in Heinersdorf preisivert geliefert. Die jährliche Pacht soll pro' Quadratmeter I'/z Pf. betragen. Die Gutsverwaltung Osdorf hat ein Mustergärtchen auf dem zur Verpachtung kommenden Gelände angelegt, um den Pachtlustigen zu zeigen, in welcher Weise die Anlage gedacht ist. Ein Plan des ganzen Geländes liegt beim Gastwirt Scholz am Bahnhof Teltow aus. auch werden dort alle weiteren Auskünfte gern erteilt. Vom Freibad Adlershof. Uns wird geschrieben: Das Freibad Adlershof, zwischen Ncp- tunshain und Spindlersfeld gelegen, wird hauptsächlich von linder- reichen Proletaricrfamilien besucht, weil es, im Gegensatz zu den Freibädern Grünau, Friedrichshagen und Wannsee, billiger zu erreichen ist. Auch ich gehöre mit meiner Familie(7 Personen) zu den ständigen Besuchern dieses Freibades. Am letzten Sonn- tag erlebten wir nun eine schwere Enttäuschung. Die Besucher haben nämlich bis vor ganz kurzer Zeit gegen angemessene Be- zahlung allerhand Erfrischungen vom Pächter des Freibades er- halten. Es gab eine Flasche bayrisch oder Malzbier zu kaufen, Seiter und Bilzbrause, die beliebten„Knobländer", und zum Schluß konnte man auch Kaffee kochen, Liter 69 Pf., eine An- nehmlichkeit, die in keinem anderen Freibad geboten wird. Am letzten Sonntag war die Bude buchstäblich mit Brettern vernagelt. Der Pächter erklärte, er solle jeden Badegast, der ein Glas Bier trinken oder Kaffee kochen. wolle, nach dem Lokal Neptunshain verweisen. Dieser„gute. Rat" fand die„gebührende" Würdigung. besonders waren unsere Frauen sehr entrüstet/ daß uns dadurch die Freibadgelcgenheit erschwert wird. DaS Verbot ist um so unverständlicher, als sich aus dem Verkauf von Bier usw. keinerlei Unzuträglichlciten ergeben haben. Ein Kind geschändet. Mit der Auftlärung eines brutalen Verbrechen? ist die Kriminalpolizei beschäftigt. Tie in der Hauptstraße in Reinickcn- darf bei den Eltern wohnhafte siebenjährig« Schülerin Martha G. zeigte in den letzten Tagen ein krankhaftes Wesen. Als man der Ursache auf die Spur gehen wollte, erzählte die Kleine, sie sei in der Veltener Straße von einem fremden Mann angesprochen und nach einem abgelegenen Feldgrundstück verschleppt worden. Dort sei der Unbekannte über sie hergefallen, habe sie zu Boden ge» schlagen und sich an ihr vergangen. Es stellte sich bei dem un- glücklichen Kind dann eine schwere Geschlechtskrankheit ein, so daß die Angaben der Kleinen leider eine allzu krasse Bestätigung fanden. Ter rohe Attentäter hat sein wehrlos am Boden liegendes Opfer auch gewürgt. Der gemeingefährliche Bursche wird als ein Mensch von etwa 25 Jahre» mit rötlichem Schnurrbart und blassem Gesicht beschrieben. Er trug eine dunkle Mütze und dunklen. abgetragenen Jackettanzug. Die Mütze trug eine mehrstellige Zahl. Bisher ist es der Polizei noch nicht gelungen, den Täter zu ver. haften. Ballonlandung am Bahnhof Bellevue. Eine eigenartige, nicht ungefährliche Landung hatten gestern vormittag drei Offizier» des 1. Luftschiffer-Bataillons in Ret. nickendorf zu bestehen. Die Offiziere waren gegen 11 Uhr vor- mittags mit dem 1299 Kubikmeter fassenden Militärfreiballon „Vogel in Reinickendorf aufgestiegen, um eine Uebungsfahrt zu machen. Der Ballon, der nicht allzu prall gefüllt war, flieg sehr schlecht, und die Insassen mutzten von Anfang an viel Ballast opfern, um über das Häusermecr Berlins hinwegzukommend und hielten sich in einer Höhe von 800 bis 000 Metern. Man konnte deutlich erkennen, datz der Ballon, dessen Ventil offenbar nicht ganz in Ordnung war, stetig sank. Die Offiziere mutzten einen Tack Ballast nach dem andern entleeren, um wenigstens über die Stadt hinwegzukommen. Ihre Bemühungen blieben jedoch erfolg- los, da über Moabit eine abwärtssiihrcndc Luftströmung den Frei- kallon erfaßte und alle Gewichtscrleichterung dagegen nichts half. Die Insassen warfen schließlich selbst die Instrumente über Bord, um wenigstens bis zum Tiergarten zu kommen und dort zwischen den Bäumen zu landen. Die Offiziere bereiteten alles für den Abstieg vor und entrollten auch das Schleppseil, mit dem sie eine Strecke weit über dem Boden dahinfuhren. In der Nahe der Gleise des Bahnhofes Bcllebue drohte der Ballon aufzusetzen, machte jedoch noch einen Sprung und verfing sich mit dem Schleppseil an dem Giebel des Hauses Brückcnallee ül. Da die Landung in der sehr belebten und von Stratzenbahndrähten überspannten Straße Wohl zu einer Katastrophe geführt hätte, kappte der Führer kurz entschlossen das Schleppseil, und jo gelang es ihm, den Ballon noch dreißig Meter weiter zu bringen. Der„Vogel" landete schließlich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Bellevuc. Sobald der Korb den Boden berührt hatte, eilten mehrere Passanten her- bei und hielten die Gondel so lange fest, bis die Offiziere die Reißleine gezogen hatten und das Gas ausgeströmt war. Die FeueNvehr aus dem Depot in der Turinstraße eilte ebenfalls schnell mit dem Mannschaftswagen zu Hilfe und brachte die Hülle und den Korb nach dem Depot, von Ivo aus beide in den nächsten .Tagen dem Bataillon zugestellt werden. Tic Insassen des Ballons kamen glücklicherweise ohne Verletzungen davon. Ein tödlicher Automobilunfall hat sich am Freitagnachmittag im Norden Berlins ereignet. Auf dem Nettelbeckplatz spielten nach- mittags zahlreiche Kinder, darunter auch die 6jährige Gertrud Schmidt aus der Gartenstratze. Im Eifer des Spieles lief das Mädchen gegen ein herannahendes Lastautomobil und geriet unter das Gefährt. Das eine Vorderrad des schweren Kraftwagens ging, obwohl der Chauffeur mit aller Kraft bremste, dem bedauernswerten Kinde über den Hals hinweg, so daß die Kleine auf der Stelle ge- tötet wurde. Die Leiche der Verunglückten wurde polizeilich be- schlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Fuhrwerk der All- gemeinen OmnibusgeseUsÄaft und einem Slratzenbahnzuge hat sich gestern vormittag gegen ll29 Uhr in der Köpenicker Straße ereignet. Ein beladener Fouragcwagen der Omnibusgesellschast, der aus dem Torwege des Grundstücks Köpenicker Straße 24 herauskam, stieß mit großer Wucht gegen die Seitenwand des Beiwagens eines in dem- selben Augenblick in der Richtung nach Treptow vorbeifahrenden StraßendahnzugeS der Linie 83. Der Anprall erfolgte mit solcher Gewalt, daß die Deichsel die Seitenwand durchschlug und die erste Sitzreihe des BahnwagenS hochhob. Die dort sitzenden Passagiere wurden von den Plätzen geschleudert und erlitten Verletzungen. Drei von ihnen wurden nach dem Krankenhause Bethanien gebracht, wo ihnen Verbände angelegt wurden; sie konnten bis auf eine Dame nach ihren Wohnungen entlassen werden. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Benutzung für jedermann, 80, Ädalbertstroße 4l. In der Zeit von, 22. Juni bis 1. Juli inkl. werden in der Ausleihbibliothel keine Bücher verliehen. Die in den Händen der Leser befindlichen Bücher müssen zum Zweck der Jnvemuraufnahme bis zum 24. d. M. zurückgegeben werden. Der Lesesaal, in dem 618 Zeitungen und Zeitschrisien aller Parteien und Richtungen ausliegen, ist nach wie vor abends von b'/e bis 10 Uhr geöffnet. Arbeiterbildungsschule Berlin. Die Mitglieder werden dringend ersucht, alle noch ausstehenden Bibliotheksbücher in dieser Woche ab- zuliefern. Die städtische VolkSbadeanstalt in der Gartenstraße 5 ist nach beendetem Umbau wieder eröffnet worden. Im kleinen Raubtierhaus des Zoologischen Gartens ist ein Indischer Dachs ausgekommen und bildet nun im Berein mit seinen japanischen und amerikanischen Verwandten eine sehr interessante Reihe verschiedener geographischer Vertreter dieser merkwürdigen Raubtiere. Die Dachse fallen durch eine eigentümliche„Verkehrt- särbung" auf. indem bei ihnen nicht, wie gewöhnlich bei den Tieren, der Rücken dunkler ist, als der Bauch, sondern umgekehrt die Ober- 'eile hell, die Unterseite einschließlich der Beine dunlel ist. Am stärksten ist dieser Gegensatz ausgeprägt beim Indischen Dachse, der oben fast weiß, unten aber fast schwarz ist. Verloren gegangen ist der Aufnahmegebührenblock Serie Y Nr. 18 003 bis 18 026 der Volkssürsorge, Gewertschafltich-Genossen- schaftliche Verficherungsakliengesellschafl, Hamburg. Der eventuelle Finder wird gebeten, diesen Block der RechnungSstelle I, Berlin 80. 16, Engelufer 18, III. geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends. abzugeben. Vorläufig werden die Quittungen des Blocks für un- güllig erklärt._ Vorortnachrichten. Die Staötgemeinüe Neukölln als Wähler. Das in kommunalen Kreisen Aufsehen erregende Urteil des Potsdamer Bezirksausschusses gegen die Neuköllner Stadtverordneten- Versammlung liegt jetzt schriftlich vor. Der Bezirksausschuß hat zunächst festgestellt, daß die Stadtgemeinde eine juristische Person sei, welche StaatSsieuern entrichtet, da nach anerkannter Auslegung die fingierten Staatssteuern der Stadt anzurechnen siud.� Die Hauptfrage sei, ob eine Stadt an sich selbst Gemeindesteuern zahlen könne. Der Bezirksausschuß hat die Frage bejaht, im Gegensatz zum Ober- Verwaltungsgericht. Er geht dabei von der Ansicht aus, daß die Stadtgemeinde Neukölln sowohl für ihre Gewerbebetriebe als auch für ihren privaten Grundbesitz eine regelrechte Steuerveranlagung vornehme. Auch werde von den betr. Deputationen Anweisung ge- geben, die Steuern an die Steuerkasse abzuführen. Wenn auch diese Formen der Steuerveranlagung und Erhebung nicht allein ausschlug- gebend sind. Da bei diesen Formen die Grundsätze einer ordentlichen kaufmännischen Wirtschast innegehalten werden, so würde eine Streichung der Gemeindeabgaben des städtlscheu Besitzes als unzu- lässig erscheinen. Auch die Ansicht, daß die Steuerfeststellungen nur aus rechnerischen Gründen erfolgen, könne nicht als stichhaltig anerkannt werden, da hierbei das Verfahren des Magistrats ins Auge zu fassen sei. Der GruudstückserwerbsfondS hat eine Höhe von mehr als 31 Millionen Mark. Würden diese Steuern abgesetzt, so würde dies einen erheblichen Ausfall bedeuten, der in anderer Weise gedeckt werden müßte. Der Bezirksausschuß hat deshalb angenommen, daß die Stadt Neukölln direkte Gemeindcabgaben entrichtet. Ihre Steuerleistung beträgt sür 1913 an Steuern 227 850,16 M. Der höchstbesteuerte Einwohner zahlt aber nur 34 875,90 M. an Steuern. Damit sind die Boraussetzungen des H 8 der Sleuerordnung erfüllt und Neukölln ist in die Liste der stimmfähigen Bürger aufzunehmen.- Dieses Urteil ist so ungeheuerlich, daß eS, wenn es Rechtskraft erlangte, eine große Wahlrechtsbeschränkung in allen preußischen Kommunen nach sich ziehen würde, da ja alle Gemeinden über Großbetriebe und umfangreichen Grundbesitz verfügen. Vorläufig hat ja das O. B. G. noch nicht gesprochen, es kann diese Enffcheidung kaum bestätigen. Anders liegt jedoch die Frage, ob die Neuköllner Stadtverordnetenversammlung Berufung bei der höchsten Instanz einlegen wird. Es besteht die Absicht in bürger- lichen Kreisen, das Urteil rechtskrästig werden zu lassen. Dann kann man bei der bevorstehenden Aufstellung der Wählerliste die Stadt- gemeinde in die Wählerliste eintragen und die Wahle» im November nach diesen ungültigen Wählerlisten vornehmen. Es fülchten eben die bürgerlichen Vertreter die Mehrheit zu verlieren, da der Sozial- demokratie nur noch vier Sitze an der Majorität fehlen. Zwei Mandate im 5. Bezirk der II. Abteilung müssen ihr sowieso zufallen. Das Bürgertum wird daher wieder versuchen, durch eine Neu- anflöge des Wahlrechtsraubes Gewalt vor Recht ergehen zu lassen. In einer Drahtrolle erhängt hat sich der 57 Jahre alte Arbeiter R. D. aus der Erckstraße. D., der in einer Eisenfabrik von Schulz in der Hasenheide 9 arbeitete, wurde seit Vormittag vernüßt. Als man nachmittags eine Rolle Draht brauchte, fand man ihn im Drahtkcller erhängt auf. Die großen 1 Meter hohen Drahtrollen sind dort übereinander aufgestapelr. D. war nun auf einen Stapel hinaufgeklettert, hatte ein Stück Holz über die Oeffnnng einer Rolle hinübergelegt und sich daran erhängt. D. hinterläßt eine Frau mit fünf unerwachsenen Kindern, und ein Zuwachs steht kurz bevor. Adlershof. Aus der Gcmeindevcrtretcrsitzung. In der letzten Sitzung be- schloß die Gemeindevertretung, die Zahl der Mitglieder für das Kuratorium der höheren Schule um vier zu erhöhen. Gewählt wurden ein Schöffe und drei Gcmeindevertretcr, unter letzteren auch der Genosse Zabel. Die vom Gemeindevorstand nachgesuchte Ge- nehmigung der abgeänderten Ortssatzung fand aber nicht die Gc- nehmigung der Regierung. Das Kuratorium soll nur zwei um Mit- gliedcr vermehrt werden lein Schöffe und ein GemeindevertreterZ. Hier zeigt sich wieder einmal, wie wenig Selbstverwaltung die Ge- meinden noch haben. Einstimmig beschließen die Gemeindcvcrtreter eine Vermehrung um vier Mitglieder, die Regierung erklärt, ihr müßt mit ztoei auskommen, trotzdem die Vertreter der Regierung doch sicher über die in der Gemeinde zu verrichtenden Arbeiten nicht so unterrichtet sein können, als die Gemeindeverwaltung. Es lvird behauptet, die Genehmigung sei nur deshalb nicht erteilt worden, weil ein„Sozialdemokrat" mit vorgeschlagen sei. Genosse Klodt führte in der Sitzung aus, daß die Regierung wohl nur aus Gerech- tigkeit die Zahl auf zwei festgesetzt habe. Alle Abteilungen haben schon je einen Vertreter im Kuratorium zu sitzen, nur die dritte noch nicht, und da will die Regierung sicher, datz auch diese Ab- teilung gleich stark vertreten ist. Aus Vorschlag des Redners, dem nur Schöffe Müller widersprach, wurde der Schösse Hofsmann und wieder Genosse Zabel geioählt. Für die Einrichtung der am 1. April. d. I. errichteten Fortbildungsschule bewilligte die Vertretung 1060 M. Da am 1. Oktober der dritte Erweiterungsbau der 2. Gemeindeschule fertiggestellt loird, ersuchte der Gemeindevorsteher um die Schaffung einer ztoeiten Schuldienerstelle. Die Vertretung konnte in ihrer Mehrheit die Notwendigkeit nicht anerkennen und lehnte den zweiten Schuldiener wegen der etwa 700 M. pro Jahr entstehenden Mehrkosten ab. Der Gcmeindegärtner soll, mit ent- sprechender Aushilfe, die Schuldiencrstelle mit erledigen. Mit der Beisetzung von vier Aschenurnen aus dem hiesigen Friedhofe erklärte sich die Vertretung einverstanden, als Gebühren soll pro Urne 10 M. erhoben werden. Dem Ausbau der neuen Straßen aus dem Boden- sledtschen Gelände, im Bannkreis des neuen Rathauses, stimmte die Gemeindevertretung zu. Eine längere Aussprache knüpfte sich an den Vorschlag des Bau- und Verkehrsausschusses, die Straße mit Ouaritepflaster zu befestigen. Einige Redner, besonders der «chöffe Müller, erklärten diese Art Pflasterung als unbrauchbar. Da die Quaritepflasterung noch keineswegs durchgeprüft ist, auch die Kaiser-Wilhelm-Straßc, welch« mit der gleichen Befestigung ver- sehen ist, über die Haltbarkeit noch keine Schlüsse zuläßt, wurde auf Vorschlag unserer Genossen für die neuen Straßen Stampf- asphalt gewählt. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war der „Rathausbau". Trotzdem bereits bis zum 1. April 1916 das Rat- Haus zur Benutzung fertig sein muß, versuchten einige bürgerliche Vertreter, die Beratung noch bis nach den Ferien zu vertagen. Unsere Genossen traten dem energisch entgegen. Sie wiesen darauf bin, datz die Angelegenheit schon zu lange verschleppt sei, nachher werde dann wieder über Hals und Kops gebaut. Durch die Ge- winnung der„Galgenfrist", wie Genosse Zabel ausführte, wird nicht das Interesse der Gemeinde gewahrt, sondern lediglich die Gefahr heraufbeschworen, den Bau zu verteuern. Diesen Argumenten konnte sich die Mehrheit nicht verschließen und man trat in die Beratung ein. Auf Vorschlag eines Gemeindevertretcrs sollen zwei Lesungen stattfinden. Als Hauptfragen kommen:„Die Einrichtung dcS Ratskellers und die Bauausführung, Errichtung durch das Bau- amt der Gemeinde oder Ausschreibung" in Betracht. Die Vertreter der zweiten Abteilung lehnen jetzt die Errichtung ganz ab, weil sie keine„Budike" schassen wollen. Ein Teil der ersten Slbteilung so- wohl als unsere Genossen sprachen sich für den Ratskeller aus.— Noch heftiger als beim Ratskeller platzten die Gegensätze bei der Beratung der Bauausführung aufeinander. Nach einer Berechnung des Gemeindebaumeisters kann die Gemeinde beim Bau 15 000 bis 16 000 M. sparen, wenn sie denselben vom Gemeindebauamt aus- führen läßt. Ter Ncubautcn-Ausschutz empfiehlt daher, dem Ge- meindebauamt die Ausführung zu übertragen. Alle bürgerlichen Redner, mit Ausnahme des Schössen Mendelssohn, traten diesem Beschlüsse entgegen und empfahlen, den Bau auszuschreiben. Unsere Genossen wiesen daraus hin, datz Gemeinden auch bei Aus- schreibungen schon üble Erfahrungen gemacht haben und man darum erst die Arbeiten und Vorschläge des Bauamts prüfen müsse. Nach langer Debatte wurde diese Angelegenheit verlassen.— Dem Vorschlag, der verlängerten Moltkestratze den Namen..Steininger- stratze" zu geben, wurde abgelehnt. Es soll der ganze Stratzenzug den Namen..Moltkestratze" führen. Tie Umnumerierung soll der- art erfolgen, daß aus der einen Seite die geraden und auf der ande- reu die ungraden Nummern zählen. Mehrere Beschwerden über mangelhafte Stratzenreinigung und Besprengung wurden dem zu- ständigen Ausschutz überwiesen. Weihense«. Aus der Gemeindevrrtrctersitzung. Auch in der letzten Sitzung mutzte mit Spannung auf das Erscheinen des 16. Torfvaters gewartet werden, um die Beschlußfähigkeit konstatieren zu können. Die öffentliche Sitzung brachte den Erlaß einer Polizeiverordnung, wonach die Bautiefe zu errichtender Grundstücke in der Berliner Allee, Gr. Seestratze und Parkslratzc, soweit diese Straßen den Weißen See begrenzen, auf 20 Meter beschränkt wird. Ausnahmen hiervon können durch den BczirksauSschutz gestattet werden. In der geheimen Sitzung handelte es sich wieder um Verkäufe der Gemeinde gehörigen Grundstücksparzellen zur privaten Bebauung. Dabei entfuhr einun Vertreter der Fortschrittlichen das Gestand- nis. daß die Hypothekenkommission z« der Ansicht gekommen sei, vorläufig keine Gelneindegrundstücke mehr zum Verkauf vorzu- schlagen, da dem W o h n u n g s b e d ü r f n i s Weißen secs zurzeit Genüge geschehen sci. Worauf diese Schiven- kung zurückzuführen ist, steht noch nicht fest. An dem vergnügten Schmunzeln des unabhängigen Fraktionsvorsitzenden konnte man jedenfalls feststellen, datz die ehedem feindlichen Brüder auf dem Wege der Verständigung wieder einen Schritt weiter gelangt sind. Auch die Neuregelung des Abfuhrwesens gab unseren Genossen Gelegenheit darzutun, daß jetziger günstigste Zeitpunkt gekommen sei, nicht nur die Abfuhr des Stratzenschmutzes, sondern auch die des Hausmülls in eigene Regie zu übernehmen. Köstlich, war wieder der Einerseits- und Andererseits-Standpunkt der Fort- s ch r i t t l i ch e n anzuhören. Noch köstlicher war es, datz fest- gestellt werden konnte, daß der Wortführer der Unabhängigen, der sich noch vor einiger Zeit für die Ueberiiahlne in eigene Regie ausgesprochen hatte, jetzt plötzlich davon nichts mehr wissen will. Aber cmi köstlichsten war das Zugeständnis eines höheren Ge- meindchcamten, hex glatt darlegte� daß ein Regiebetrieb immer teurer werde, als ein von« Privatkapitallsten betriebenes Unter* nehmen, da eine Genieindcverwaltung viel zu schwerfällig arbeite. Beschlossen wurde, die Vergebung auszuschreiben. Daß die Wöitzenseer Bank wieder den Schluß der Sitzung machte, versteht sich bei der großen Beliebtheit, der sich dieses Institut erfreut, von selbst. Nowawe». Gemeindevertretersitzung. Nach einem Bericht des Schöijeu Steiner betrug der Umsatz des von der Gemeinde eingerichtete.! Seesischverkaufs in der Zeit vom 19. August 1913 bis zum 19. Mal d. J. ivsgesaint 21 270 Pfund. Jin Durchschnitt kostete das Pfund See- fisch 20 Pf. Der Ausgabe von 4355,46 M. steht eine Einnahme von 43 05,93 M. gegenüber, so datz ein Fehlbetrag von 49,53 M. zu ver- zeichnen ist, der jedoch durch Frachtermätzigung und Verkauf der leeren Körbe gedeckt werden konnte. Durch einen Beschlutz vom Jahre 1910 ist die Umzugsentschädigung für die Lehrpersonen bcc Volksschulen wie folgt festgesetzt: Für die ersten 30 Kilometer 2 R-l 1 pro Kilometer, von 31 bis 75 Kilometer 1,50 M. pro Kilometer, M datz als Höchstbetrag 127,50 M. gezahlt wurden. Da aber Lehrern ohne eigenen Hausstand, insbesondere unverheirateten Lehrern, ms der Regel geringere Umzugskostcn entstehen, sü wurde aus Vorschlag der Finanzkommission beschloffen, den Lehrern ohne eigene« Hausstand in Zukunft nur zwei Drittel der vorstehenden Sätze z« gewähren.— Die Abführung der Regenwässer von dem Schul- grundstück Priesterstratze 24 hat� bisher dauernd zu Klagen AnleF gegeben, da die vorhandenen t-ickcrschächte nicht ausreichten,«>« vei Regenwetter, besonders aber im Winter und Frühjahr, dcii Schulhos zu entwässern, so datz dieser zuweilen einem c-ee ylicb- Die im Freien gelegenen Abortc konnten an Regentagen nur durch Anlage von Uebcrbrückungen zugänglich� gemacht werden. Um eine gründliche und dauernde Abhilfe zu schassen, beschloß die Vertretung den Anschlntz des Schulgrundstücks an die Regenrohrleitung in de: Priesterstratze.— Die Aufnahme der Regenwässer der jms Klein- Glienickcr Gebiet belegenen Tom» und Hemann-Ende-Stratze so« unter der Bedingung erfolgen, datz vom dortigen Amtsvorfteher die beantragte ivegepolizcilichc Genehmigung zur Durchlegung dtt Kanalisationsrohre in der Domstratzc erteilt wird.— Am Schlug des öffentlichen Teils der Sitzung richtete Gcmeindevertrete: Schneider unter Hinweis auf die von der katholischen Gemeinde geforderte Errichtung einer eigenen Schule an den Bürgermeister die Anfrage, ob die Gemeinde mehr als drei Klassen einrichte« müsse und ob die katholischen Eltern trotz Bestehens einer eigenen Schule ihre Kinder wieder in die evangelische Schule schicke« dürften. Im übrigen bedauerte er, ganz abgesehen von den cnt- stehenden Kosten, die Errichtung der Schule, weil die Kinder der katholischen Eltern doch unmöglich in einer dreiklassigcn Schule das lernen könnten, wie bisher in der siebcnklassigen. In Anbetracht der zu erwartenden Nachteile hätten die katholischen Eltern alle lirsacht, gegen die Errichtung der Schule zu protestieren. Der Bürgermeister erwiderte, datz die Forderung der katholischen Gemeinde gesetzlich berechtigt sci, da die erforderliche Mindcstzabl von 120 schulpflichtigc« Kindern bereits um etwa 30 überschritten sei. Vorerst solle dcc Unterricht mit einer Klasse begonnen werden und erst nach««� nach die zweite und dritte Klasse angefügt werden. Da sür jede Klasse eine Höchstfrequenz von 60 Schülern vorgeschrieben sei, wurde die Gemeinde nach Ueberschreitung der Zahl von 180 Schüler» natürlich zur Einrichtung der vierten'Klasse gezwungen sein; vor' läufig sei daran jedoch noch nicht zu denken: Nach Einrichtung einst eigrnen Schule hätten die katholischen Eltern nicht das Recht, die Aufnahme ihrer Kinder in die evangelischen Volksschulen zu vcr' langen. Genosse Neumann frug an, wem die Petition zuerst z«' gegangen sei, der Gemeinde oder iler Regierung, und gab seinrt Verwunderung darüber Ausdruck, datz die Petition sogar vv« Eltern unterzeichnet worden ist, die ihre Kinder aufs Realgym««' sium schicken, also an der. Errichtung der Schule gar kein Jnteresst haben können; derartigv. Unlerscbrijteu seien doch wohl kaum bi' rechtigt. Seiner Meinung nach dürsten die katholischen. Kinder sens wohl äüch weiterhin die cvangeltschen Schulen besuchen. jcdeR müßten die betreffenden Eltern boreist aus der katholische« Kirchengemeinschaft ausscheiden. Ter Bürgermeister teilte in seine: Antwort mit, datz die Petition zunächst der Gemeinde und da«« der Regierung zugegangen sei; das Ministerium habe sie schlietzb� nochmals der Gemeinde zwecks Rückäutzeruna zugestellt. Z«� Unterschrift seien auch Eltern berechtigt, die lein unmittelbares Interesse an der katholischen Schule hätten. Der„Freie Männerchor" veranstaltet am �heutigen Sonntag'«j „Vollsgartcn", Priesterstratze 31, ein großes Sommer konzer. unter Mitwirkung des„Freien Männerchors Potsdam". de° „Schöneberger Männerchors", der„Gesundbrunner Hamnonic (105 Sänger) und des Berliner Sinfonie-LrchesterS unter Leitung seines Dirigenten. Herrn Maximilian Fischer. Da sich der v«:' anstaltende Verein bisher stets an Arbeitersestlichkeiten gern be- teiligt hat, so ist ihm ein recht zahlreicher Besuch zu wünschen. Be- ginn des Konzerts nachmittags 4 Uhr. Eintrittskarten kosten ii« Vorverkauf 30 Pf., an der Kasse 40 Pf. Trebbin. Stadlvcrordnetensitzung. Die lange vorbereitete Baugebühren- crdnung wurde angenommen. Der Bau eines Feuerwehrgerätc- Hauses fand nicht die Zustimmung der Versammlung. Te>« Arbciterturnverein„Vorwärts" wird der städtische Turnplatz zur Abhaltung eines Festes überlassen. Es wird zur Bedingung(st' macht, daß die Marktkomniission das Standgeld einzieht, der Pias nicht abgegrenzt, niemand der Zutritt verweigert und kein Fest- platzbeitrag erhoben werden darf. Dem Ortsverein der Buch' drucker werden 50 M. als Beihilfe zuni Besuch der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik in Leipzig bewilligt. Für die Fluß- badeanstalt werden 50 M. bewilligt. Der Schulsparkasse silst von der Krcissparkasse 25 M. für Sparprämien überwiesen worden- Auf Antrag des Magistrats werden zum gleichen Zweck 80 bewilligt. Zur Prüfung der Jahrcsrechnung für 1912 werden auch die Gen. Heintze und Richter gewählt. Den Lehrern wird bei Er- lrantung das anderthalbfache Krankenkassengeld gewährt. Spandau. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Vor Eintritt in dst Tagesordnung brachte der Vorsteher ein Gesuch des sozialdemokrati- scheu Frauenvercins um freie Strahenbahnfahrt der Kinder zu dc« in diesem Jahre stattfindenden Fericnspielen zur Verlesung. All« Kinder, die sich melden, werden ohne Rücksicht auf die Partv- Zugehörigkeit der Eltern angenommen und für genügende AuftickÜ beim Spielen ist Sorge getragen. Da der Magistrat das Gesuch ohne Angabc von Gründen abgelehnt hatte, wurde dasselbe z«« wcitcreil Beratung einem.Ausschutz überwiesen. Hieraus gab dct Vorsteher noch die Erklärung ab, daß er einem in der vorige« Sitzung erteilten Ruf zur Sache gegen den Stadtv. Pieck nicht aus' rechterhalten könne. Tie erste Vorlage betraf den Ausbau der Seegefelder Straß'- Der Magistrat gab bekannt, daß er den Beschluß gesaßt habe, de«- Ausbau der Straße auf ein Jahr zu vertagen, weil die Anliege« ihre Vorgärten nicht unentgeltlich abtreten wollen. Alle Redist« kritisierten das Verhalten des Magistrats, der die Angelegenhell verschleppen wolle, weil drei Anlieger ihre Vorgärten nicht unc«t' geltlich abtreten wolle». Die Straße befinde sich in einem be- jammernswerten Zustande; seit 1879 sei das Pflaster nicht lpiede: erneuert worden. Fuhrwerke fahren vielfach auf dem Bürgersteig- der sich ebenfalls in miserablem Zustande befinde. Solle d>« Straßenbahn bis zum Bahnhof Spandau-West nicht eine tote Kapitalsanlage sein, so müsse die Straßenbahn bis zur Fabrik vo« Orenstein u. Koppel verlängert werden. Stadtbaurat GeoenSlcbc« führte aus, datz das Projekt deS Ausbaues der Seegcfelder Stra?� und der Einbau eine: zweigleisigen Straßenbahn sich auf 542 61«. Mark belaufe. Ein anderes billigeres Projett belaufe sich a«l 325 000 M. Ferner sei der zweigleisige Ausbau der Nonnendamw) bahn und die Anlegung, ein er Straßenbahnlinie nach dem Fricdbol geplant, Ta der Magistrat noch andere kostspieligere Projefte � Nr. 166. 31. Jahrgang. 4. Wage des Jotmirtö" ßttlinet MMlalt. Sonntag, 21. Juni 1914. Gstpreußisther pferöehanöel. Dritter Bcrhandlungstag. In dem Prozeß gegen die„V o r w ä r t s"- Redaktcure Genoffen Leid, Mermuth, Mielepp ging gestern die Beweisaufnahme weiter. Vor dem Richtertisch stehen drei reichlich große Koffer, die aus Königsberg von einem Beamten des dortigen Polizeipräsidiums über Rächt nach Berlin gebracht worden sind. Sic enchalten die auf Be- schluß des Gerichts beschlagnahmten Geschäftsbücher der Pferdehändlerfirma Sandels wski u. R a ch m a n n, in denen nach dem Konto Haack gesucht und auch das Konto v. Rundstedt ge- prüft werden soll.' Oberstleutnant Haack erkrankt. Beim Zeugenaufruf ergibt sich, daß Remonteinspektor O b e r st- leurnant�Haack, der zum Vormittag als Zeuge geladen ist, fehlt.— Staatsantoalt Töpfer teilt mit, daß Haack durch ein Unwohlsein, das chn plötzlich befallen hat, verhindert ist. Aus dem überreichten Attest des behandelnden Arztes geht nicht hervor, ob Haack verhandlungsfähig fei. Die Beendigung dieses Prozesses bängt aber gar nicht davon ab, daß Haack vernommen werde. Die Angeklagten hätten für ihre gegen v. Rundstedt gerichteten Angriffe auch dann einzustehen, wenn eine Verwechslung vorliege. Im Jnter- esse des Beleidigten und der Militärverwaltung müsse der Prozeß zu Ende gebracht werden. Deshalb beantragte der Staatsanwalt, dem Zeugen Haack einen Gerichtsarzt in die Wohnung zu schicken, der feststellen soll, ob Haack vernehmungsfähig ist und ob er an Ge- richtsstclle erscheinen oder, wenn nötig, in seiner Wohnung ver- nomnien werden kann.— Das vom Vorsitzenden verlesene Attest, ausgestellt am lg. Juni, gibt an, daß Haack unter Erscheinungen eines Schwindelanfallcs und einer Beeinträchtigung der Beweglich- keit der Arme und Beine erkrankt ist. Bis zur Herbeirufung eines Gerichtsarztes soll eine Prüfung der Geschäftsbücher versucht werden. Buchhalter Spieß, der die Bücher kennt, soll die Konten Haack und v. Rundstedt heraussuchen und vorlegen. Zu seinen Bekundungen vom vorhergehenden Tage will er eine Er- klärung abgeben. Aus den Zeitungen ersehe er, daß er oft gesagt habe:„Ich weiß nicht, ich iveiß nicht." Da sei er verwirrt gewesen, so daß er die Bücher nicht habe angeben können. Heute könne er das.— R.-A. H a a s e äußert seine Verwunderung darüber, daß Spieß nicht mal über die von ihm geführten Bücher Bescheid gc- wüßt habe.— Auch Zeuge Sandelowski will jetzt eine seiner Aussagen erläutern. Um die Abrechnungen zwischen ihm und seinem Sozius habe er„sich nie gekümmert", das habe„immer der Spieß besorgt." Alle Monate erhielt jeder der beiden Kompagnons einen Auszug. Dann fand die gleichmäßige Abrechnung unter Berück- sichtigung des zur Mirn'chaft verbrauchten statt, so daß wir beide gleichviel erhielten. Die Büchereinsicht vertagt. R.-A. Haase beantragt, für den Fall einer Vernehmung des Oberstleutnants Haack die auf ihn bezüglichen Feststellungen aus den Bückern erst nach seiner Vernehmung zu machen, weil ja, was hier verhandelt werde, sofort an die Oeffentlich- keit komme und auch zur Kenntnis HaackS gelan. gen könne.—'Das Gericht beschließt, die Einsichtnahme der Bücher noch aufzuschieben. Es Wird dann in der Zeugenvernehmung sorigefahren. Zeuge Bücherrevisor Weitkuhn aus Königsberg, Inhaber eines Agentur- und Äomviisswusgeschäfics. hat im Hin- bück auf all die Gerüchte, die über die Beziehungen des Remonte- kommissars Haack und auch seines Nachfolgers v. Rundstedt zu der Händlerfirma Sandelowski u. Rachmann überall i» und um Ko- nigsbcrg uinherschwirrtcn, die ihm vom Stallmeister Voß hierzu gemachten Angaben sorgfältig riotiert. Dem Gctrcidecinkäuscr Eigner, gegen den wegen seines im„Ostdeutschen Grenzboten" ver- «ffentlichten„Eingesandt" eine Untersuchung eingeleitet wurde, hat Weittuhn seine Notizen zur Verfügung gestellt. Er bat sich dabei leiten lassen von dem Wunsch, die Interessen der Pferde- Süchter zu vertreten, weil er immer wieder hat klagen hören, daß die Züchter vor dem Remontcmartt geradezu zittern, während die Händler aufkaufen, was sie kriegen können, und glatt verkaufen. Voß hat den Zeuge», als dieser andeutete, daß er seine Angaben diclleicht vor Gericht würde vertreten müssen, gebeten, ihn wegen seiner jetzigen Stellung als Reitlehrer möglichst zu schonen. Bc- stätigt hat Voß ihm aber, daß Sandelowski u. Rachmann von den Remontckäufen große Vorteile gehabt haben. Als Zeuge Wcitkuh» ihn nach Haack fragte, habe Voß nur geantwortet:„Ach, na, wissen Sie—!" Voß habe sich hierüber nicht weiter ausgesprochen, «l»cr durch eine Gebärde zu verstehen gegeben, daß er sich seine Gedanken machte. Erzählt habe Voß von schleunigen Ankäufen zahlreicher Pferde durch die Firma S. u. R., von abseits ausgeführten Vorstellungen zur Vermeidung von Aufsehen� ferner davon, daß Haack und sein Sohn Pferde von ihnen bekommen hältcn. Diese letztere Mitteilung habe er so verstehen müssen, daß Haack Vorteile von S. u. R. gehabt hätte. Auch von der unter auffälligen Umständen erfolgten Geldsendung aus Verlin habe ibm Voß erzählt, von dem Erstaunen des Buchhalters dar- über, daß jetzt plötzlich bezahlt werde, und von dem Verdacht, daß der Chef selber das Geld geschickt habe. An Haack seien jährlich 'in oder zwei Pferde gegeben worden, er nehme an: als Geschenk. Zu Voß hat Zeuge gesagt, das miiffc doch mal alles rauskommr», wenn man die Bücher beschlagnahmen würde. „Nein, das ist zu geschickt gemocht!" hat Voß ihm geantwortet. Zeuge stellt aus seinen Notizen fest, daß Voß ihm auch v. Rundstedts Beziehungen zu S. u. R. als zweifcll>aft geschildert hat. v. Rundstedt habe daraus im Jahre mindestens 6000 M. Verdienst. Auf eine Frage des Vorsitzen- den, ob das Provision sein solle, erklärt Zeuge, das glaube er nicht, es sei wohl Gewinn aus Wiederverkauf der bei der Firma gekauften Pkerde gemeint, v. Rundstedt sei, hat Bofi erzählt, vuch liej Oberstleutnant Haack in Berlin gewesen. Mit Bezug hier- auf solle der junge Sandelowski gesagt haben, gegen sie(die Firma I. it. R.) könne man gar nichts machen. Das Verfahren Pferde abseits vorstellen zu lassen, Ich nicht nur durch Haack, sondern„genau so" durch v. Rundstedt und v. Bichl geübt worden. Gegenüber dem Zeugen Weitkuhn Hot Boß es als sehr traurig bezeichnet, daß der kleine Züchter gegen den großen Händler ohnmächtig ist.— Zeuge Voß erklärt hierzu, daß, was er dem Weitkuhn erzählte, auf Mitteilungen vieler Züchter beruhte. Von Geschenken der Firma an den Vorsitzenden der Remontekommission sei in ganz Königsberg gesprochen worden. Major v. Rundstedt äußert sich über seine Pserdekäufe und-Verkäufe. Zeuge Voß bat einmal auf einer für v. Rundstedt bestimmten Ouiftung den Preis von 1200 M. gesehen. Das sei wobl eine Teilzahlung gewesen, erklärt v. Rundstedt, das betref- sende Pferd habe 2200 M, gekostet. Zu Voß hat aber Sandelowski Sesagt, er habe es dem Herrn Major für 1200 M. gelassen. Freilich habe Sandelowski, fügt später Boß hinzu, ihm über Preise auch an Besitzer„nie die Wahrheit gesagt." v. Rundstedt hat nachgerechnet, wieviel er selber an seinen Pferden profitiert hat. 514,28 M. pro Pferd betrage der Turchschnittsgewinn, wovon noch Futterkosten, Stand- gcld usw. abzuziehen seien. Als der neue Tattersall entstand, fährt der Major fort, wäre ich der erste gewesen, der dort geritten hätte, wenn nicht die An- griffe des Herrn Eigner erschienen wären. Da sagte ich mir: Nein, nun erst recht nicht, denn sonst hätte es wie ein Zugeständnis ausgesehen. Ich mußte bei Sandelowski u. Rachmann reiten, weil es der einzige Stall war. Zeuge W.: Niemand hat davon gesprochen, daß der Major nicht im neuen Tattersall reitet. Niemand hat gefragt: Warum kommt der Herr Major nicht her? Zeuge W e i t k u h n macht noch nähere Angaben über Erfahrungen der Pfcrdezüchtcr, die bei Remonieankäufcn berücksichtigt zu werden gehofft halten. Einer habe an Haack immer so auffallend schlecht verkauft, daß er die Zucht schon fast ausgeben wollte. Weil er jetzt gut verkaufe, habe er ihn(den Zeugen) gebeten, ihn nicht in die Sache hinein- zuziehen. Das ganze Remontegeschäft sei überhaupt Glückssache, nach Remontemärktcn habe er manchmal bei Landwirten helle Em- pörung gesehen. Uebcr die Firma S. u. R. und ihre„Wenn— bann"- Geschäfte sei viel gesprochen worden. Aus eine Frage des R.-A. Haase bestätigt Zeuge, daß die lleberzeugung herrschte, die Firma werde bevorzugt. Staatsanwalt Töpfer: Ich habe keinen Anlaß, hier den Anwalt der Firma S. u. R. zu spielen. Es ist aber eine an- gesehene Firma, die erste am Platz, die bei ihrem guten Pferde- Material eben bessere Preise erzielt.— Vor s.: Die Remonte- Märkte fanden eben nach der Ernte statt, da waren die Pferde der Besitzer abgetrieben, während die Händler ihre Pferde im Stall zu stehen hatten.— Zeuge W e i t k u h n: Mit Rücksicht auf die Wehrvorlagc und die notwendige Heeresverstärkung hatten im vorigen Jahr auch viele Bauern ihre Pferde für die Remontemärkte geschont.— R.-A. Haase weist auf die Fälle hin, wo Pferde zurückgewiesen, dann von � S. u. R. angekauft und ihnen schließlich doch als Remonten abgenommen worden seien. Besitzer hätten sich dahin geäußert, daß ein Pferd sich doch nicht in so kurzer Zeit „wenden" könne.— Zeuge bestätigt, das habe er wiederholt von sehr ernsten und gewissenhaften Landwirten aussprechen hören. Im Anschluß an die Vernehmung des Zeugen Weitkuhn über die ihm durch Voß gemachten Mitteilungen von Gerüchten und von Klagen der Besitzer sucht der Staatsanwalt es so hinzustellen, als ob der Zeuge Voß am vorhergehenden Tage nichts aus eigener Wissenschaft bekundet habe. Demgegenüber erfolgte folgende Fest- stellung durch den Verteidiger R.-A. Haase: Zeuge Voß! Haben Sie gestern, abgesehen von dem, was Sie nur von Besitzern und Stall- leuten gehört haben, aus eigener Beobachtung uns mit- geteilt: vor 3 oder 2>,z Fahren habe der frühere Remontcpräses erzählt, die Remontckomission sei denunziert worden, vorläufig würde er deshalb keine Pferde von der Firma kaufen. Beruhte dies aus eigener Wahrnehmung? Bleiben Sie dabei?— Zeuge Voß: Jawohl!— R.-A. Haas e: Sie erzählten dann, bei der Firma seien Pferde gemustert und dann sei besprochen, sie sollten von Besitzern vorgestellt werden. Stimmt auch das und sagen Sie das aus eigener Wahr- nehmung?— Zeuge Voß: Jawohl!— R.-A. Haase: War das, was Sie über die Gespräche mit dem Buchhalter Spieß mitteilten, Spieß haoe darüber geklagt: wenn er nach dem Verkaufspreis für Herrn Haack frage, dann gäben die Herren keine Antwort; ferner, was die Gcldbriesscndung anlangt, eigene Wahrnehmung? — Zeuge Voß: Jawohl!— E i n Beisitzer: Wenn es hieß. der Major Haack lause täglich Pferde, so vezog sich das wohl nur aus Remoutezwecke?— Zeuge: Ja, täglich sollte auch wohl nur heißen: häufig. Ter Staatsanwalt kommt noch einmal auf die SchicbungSassärc zurück. Er fragt: waren Sie bei einem Abkommen zwischen Räch- mann und dem damaligen Major Haack zugegen?— Nein.— R.-A. Haase: Die Pferde wurden doch gemustert, wenn die Pferde nicht mehr im Stalle waren, mußte der Zeuge sich doch sagen, der Major Haack hat sie vorher ausgesucht.— Vors.: Ich habe ja gestern dasselbe vorgehalten, daß es gar nicht anders denkbar ist, als daß auf Grund des Abkommens die Vorstellung stattgesunden hat.— ZcugcVoß: Jawohl, so war es. Der Zeuge bcftätigi weiter auf Befragen des Anwalts: auch die Affäre in dem Gasthof an der Fuchsbergcr Allee und mit den drei Kehlkopfpfcifcrn beruht auf eigener Wahrnehmung. Daß das Remontegeschäft Glückssache sei, bestreitet v. Run d- sied i. Glück habe aus die Dauer nur der Tüchtige, der den Ankauf der Fohlen und die Aufzucht versteht. In Ostpreußen sei das Pferde- Material der Besitzer so schandbar, wie in keiner anderen Provinz, behauptet er. Der Futterstand sei in Ostpreußen ein schlechter. Unrichtig sei, daß ein Pferd sich nicht innerhalb mehrerer Stunden ändern könne. Das fei möglich durch Frisieren. De»„Biestern" werde das Fell gesengt, die Nüsternhaare rasiert, der Schwanz gestutzt, der Kehlkopf ausgesengi. Dann sei es ein ganz anderes. Major Rundstedt führt mehrere Beispiele solchen Frisierens an. Ein Regimentskommandeur habe ein Pscrd ausrangiert und an den Händler verkauft und habe es dann selbst für höheren Preis wiedergekauft. In das Lob der Händler stimmt der Sachverständige v. R o t c n h a n ein. Den Händlern sei es bei ihrem größerem Kapital möglich, besseres Material zu haben und auch das Risiko der Gcwährsmängcl usw. leichter zu tragen.— Auf eine Anregung� de» R.-.A. Heine mann äußert sich hierzu auch der«ach verständige Hofer: Ostpreußen' ist ja dafür bekannt, daß es besonders gute Pferde hat. Das Viaterial wird dort auch gut gc- halten. Die Pferde sind unruhig, aber gut, sie sind anders als in der Mark, die der Major Ostpreußen vorzog, wo sich mehr Kalt- blüter befinden. Der Eindruck aus den Reuwntemärkten täuscht infolge der Unruhe der Pferde. Eine zu gute Mast verlange ja auch ferne' Remontekommission. Die wäre auch für die Musterung nicht gut, weil das Fleisch manche Mängel verdeckt. In keiner Weise halte ich für gerechtfertigt die Annahme des Majors v. Rundstedt und des Rittmeisters v. Rotenhan, dasi ein höherer Preis für den Händler als für den Besitzer sich rechtfertige. Ein größeres Risiko beim Händler liege keineswegs vor. Der Händler hat nur das Risiko für die 8 bis 14 Tage vom Ankauf bis zum Verkauf, aber der Besitzer, der Züchter, bat es drei Jahre lang zu tragen. Infolge- dessen gebührt dem Besitzer und Züchler der hö'ere Preis. Das ist die allgemeine Auffassung in Ostpreußen. Wenn der Sachverständige v. Rotenhan ausführte, daß der Züchler schwerer wie der Händler sonst an Ort und Stelle das Pferd verkaufen könne, so ist das doch ein Grund dafür, dem Besitzer einen höheren Preis anzurechnen, weil er eben dasselbe Risiko zu tragen har. Oberstleutnant v. haack nicht vernehmungsfähig. Inzwischen hat Gerichtsarzt Dr. Marx den ihm erteilten Auf- trag ausgeführt, den Oberstleutnant Haack in dessen Wohnung, Leib- nizstraße 56, zu untersuchen. Er hat ihn im Bett liegend mit einer Eisblase ans dem Kops und mit stark gerötetem Gesiebt vorgefunden, Räch Mitteilung der Ehefrau soll Haack schon seit 17 Jahren ein organisches Nervenleiden haben. Er ist am Freitag von einer Reise zurückgekehrt und hat infolge eines Schwindel- anfalls ins Bett gebracht werden müssen. Es liege ein organisches Leiden des Zentralnervensystems vor, das zu einer„Attacke" ge- führt hat, die man vielleicht als leichten Schlaganfall bezeichnen kann. Nach seinem Gutachten ist Haack bernehmungsunfähig und es erscheint auch sehr fraglich, ob die Vcrnehmungsfähigkcit schon in den nächsten Tagen so weit zu erreichen ist, daß er in seiner Wohnung vernommen werden könnte. Die Ehefrau hat angegeben, daß wohl die schwebende Angelegenheit ihn in diesen Zustand ver- setzt habe. .Nach der Mittagspause meldet sich der telegraphisck geladene Zeuge Oberleutnant Haack, Sohn des Oberstleutnants Haack.— Ob auf den Oberstleutnant verzichtet werden kann, darüber sind der Staatsanwalt und die Verteidiger verschiedener Meinung.— Staatsanwalt Töpfer bedauert, daß Oberstleutnant Haack die gegen ihn gerichteten Angriffe nicht sofort zurückweisen könne. Für die zur Verhandlung stehende Strafsache sei aber seine Vernehmung nicht nötig. Die Verteidiger Haase und H e i n e m a n n wollen auf diesen von der Staats- anwaltschaft vorgeschlagenen Zeugen nicht verzichten. Da er einst- weilen nicht vernehmungsfähig sei, so bleibe nur übrig, zu ver- tagen. Staatsauw alt Töpfer widerspricht. Es könne jetzt nicht von den Angeklagten eingewendet werden, daß in den Artikeln nicht v. Rundstedt. sondern Haack gemeint war. Haack scheide ganz aus, da die Vorwürfe sich auf Renwuteaukäufc bc- zogen, die tatsächlich unter v. Rundstedt stattfanden, v. Rundstedt sei ja auch nachher ausdrücklich genannt worden. Mit dem Antrag, Haack zu vernehmen, habe der Staatsanwalt ihm nur die Mög- lichkeit schaffen wollen, die gegen ihn gerichteten Angriffe sofort zurückzuweisen.— R.-A. Haase erwidert, Haacks Vernehmung sei durch die Beweisaufnahme notwendig geworden. Die Artikel sagen in allen Punkten die Wahrheit. Es sei nur darauf hinge- wiesen, nach der heutigen Beweisaufnahme hat der junge Sande- lowski nach einer Unterredung in Berlin gesagt:„Sie können gar nichts mache n." Ist das richtig, so liegt die Annahme sehr nahe, daß Major v. Rundstedt und der Oberstleutnant Haack über diese Dinge gesprochen haben. Vorsitzeuder: Tie Ver- Handlung hat doch bisher nicht ergeben, daß Major' v. Rundstedt unzulässige Vorteile gehabt hätte.— R.-A. Heinemaun; Da sind wir doch ganz anderer Ansicht. Wenn wir das im einzelnen darlegen wollten, so müßten wir schon jetzt unser Plaidoyer halten. Tie sämtlichen Behauptungen, die im Eröfsnungsbcschlutz als un- erweislich wahr bezeichnet sind, wird Haack als wahr bekunden müssen. Es handelt sich keineswegs nur um unzulässige Vorteile. Ucbrigens zieht auch das Kriegsministerium in dem Strafantrag die Grenze nicht so eng, nur einen Vorwurf direkten Vorteils an- zunehmen, sondern es spricht im allgemeinen von dem Vorwurf per- sönliches Interesses, Der Statsanwalt hat mit seinem Antrag auf Ladung des Oberstleutnants Haacks, dessen Aussagen als er- hcblich für die Angeklagten anerkannt; nur unter dieser Voraus- setzung war der Antrag sachgemäß. Durch die Erkrankung des Zeugen witd nicht plötzlich seine Aussage un- erheblich. Haacks Aussage ist insbesondere auch deshalb wichtig, Ireil sie ergeben mutz, ob Sandelowski und Rachmann, deren Aus- sagen für diesen Prozeß wesentlich sind, mit vollem Bewußtsein dem Gericht etwas Unwahres mitgeteilt haben. Das Gericht beschließt nach längerer Beratung, zu vertagen und neuen Termin erst anzusetzen, wenn Haacks'Terminfähigkeit feststeht. Geladen sollen werden dieselben Zeugen und Sach- verständigen, insbesondere die beiden Haack. Ein Bücherrevisor soll aus den beschlagnahmten Büchern von S. u. R. einen Auszug über die Konten Haack und v. Rundstedt machen und die Einkaufs- preise und Verkaufspreise der an Haack und v. Rundstedt verkauften Pferde feststellen. Nachdem R.-A. Haase noch die Erklärung abgegeben hat, daß er bei einer inzwischen versuchten erste» Durchsicht der Bücher eine vollständige Einkaufs- und Bcrkaufsbuchsührung vorgefunden hat, schließt der Vorsitzende die Sitzung. Urteil im Nennbahnkorruptions-prozeß. Das Gericht sprach gestern alle drei Angeklagte frei und erklärte die Staatskasse zur Entschädigung d c r Gendarmen für die erlittene Untersuchungshaft für verpflichtet. Der Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Tschierschke hatte gegen Haneberg drei Jahre Zuchthaus. Ent- fernung aus der Gendarmerie und Degradation, gegen Such- land 1>/z Jahre Zuchthaus und die gleichen Ncbenstrafen, gegen Exleben wegen nicht erwiesener Schuld die Freisprechung in Antrag gebracht. In der Urteilsbegründung, die kurz gehalten war, wurde hervorgehoben, zur Verurteilung wegen Bestechung sei die Feststellung von Einzelhandlungen erforderlich, und zwar Einzel- Handlungen, bei denen die Angeklagten als bestochen gelten konnten. Es mußte bei jeder Person mindestens ein bestimmter Fall der Bestechung angenommen werden, ehe eine Verurteilung eintreteu konnte. Auf Grund des Ergebnisses der Beweisaufnahme ist das Gericht jedoch nicht zu der Ueberzengimg gekommen, daß solche Einzelfälle vorlagen. Die Bekundungen der Zeugen Teuerkauf, Friedländer und Schulz waren nach der Ansicht des Gerichts als unglaubwürdig hinzustellen, und zwar in objektiver Beziehung. Un- glaubwürdig erscheine der Vorgang in Hoppegarte», die Vorgänge in dem Gehölz und die Vorgänge in dem Linderschen Lokal, in dem der Wachtmeister Schulz von den Buchmacher» Gelder bis zu 160 ivi. erhalten haben will. Das Ergebnis der Beweisaufnahme war nicht dazu angetan, um zu einer zweifelsfreien Verurteilung der Angeschuldigten führen zu können. Es ist daher ein Verschulden der Angeklagten nicht angenommen worden. Das Oberkriegsgericht hat die im ersten Urteil angenommenen Fälle ans tatsächlichen Gründen in bczug auf den erforderlichen Nachweis nicht fiir erbracht erachtet. Beweisende Tatsachen sind nicht festzustellen gewesen und so mußte die Freisprechung der Angeklagten erfolgen. Die Angeklagten Haneberg und Suchland wurden sofort aus der Untersuchungshaft, i» der sie über neun Monate gesessen, entlassen. *« * Die Freisprechung konnte man schon nach nach der gestern beschlossenen Nichtvereidigung der Hauptbelastungszeugeu an- nehmen. Das Gericht hat es abgelehnt, aus der Tatsache der Zeugnisverweigerung vieler Buchmacher und den all- gemeinen Bekundungen von Korruption, die eine Reihe Zeugen machten, zuungunsten der Angeklagten Schlüsse zu ziehen. Noch darüber hinaus hat das Gericht angenommen: da keine Schnld nack gewiesen ist, sind die Angeklagten unschuldig und haben deshalb Anspruch auf Entschädigung wegen der llntersiichungshaft. Wir möchten allen Angekla ten in Streik- und politischen Prozessen gleich bedenkliche Richter wünschen.__ Gerichtszeitung. Der Revolver. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts III stand der Maschinenarbeiter Theodor Schmidt unter der Anklage des Totschlags. Sfnt S. Fc�ruar hielt sich der Angeklagte in einem Kaffeelokal in der Gerichtstratze auf, wo auch der Arbeiter Bruno Rothenler mit seiner Braut weilte. Diese wurde vom Augeklagten belästigt, beschwerte sich darüber bei R. und dieser folgte dem Angeklagten, als er die Toilette aufsuchte. Tort kam es zu cincni Wortwechsel, in dessen Verlauf R. den Angeklagten an der Schulter packte. Schmidt zog plötzlich einen Revolver aus der Tasche und schoss seinen Gegner in den Kopf. Rothenler brach zusammen und war sofort tot. Tie Behauptung des Angeklagten, daß er in Notwehr gehandelt, wurde durch die Beweisaufnahme nicht bestätigt. Da- gegen ergab sich, datz er die Tat in angetrunkenem Zustande und in grosser Erregung begangen hatte. Die Geschworenen sprachen ihn deshalb nur der Körperverletzung mit Todeserfolg schuldig. Ter Angeklagte wurde zu zwei Jahren �Gefängnis verurteilt und drei Monate Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet. Das Messer. Vor demselben Schwurgericht hatte sich der Arbeiter Hermann Schulze wegen Körperverletzung mit Todcserfolg zu verantworten. Auf der Strecke der im Bau begriffenen Auwmobilstrasse durch den Grunewald wurde am 22. April die Leiche des Ehausseearbeiters äLrolck mit etwa neun Stichverleuungen aufgefunden. Es wurde zuerst ein Mord vermutet, bald aber konnte festgestellt werden, dass es sich um das S-pfcr eines Streites handelte. Der Getötete war "i der Arbeiterkantine mit dem jetzigen Angeklagten Schulze in Streit geraten, der solchen Charakter angenommen hatte, dass sich der Kantinenwirt veranlasst sah, die Streitenden aus dem Lokal zu verweisen. Der Zank setzte sich jedoch drausscn fort und auf dem Wege nach Nikolassee gerieten die beiden wieder hart anein- ander. Schütze zog dabei sein Messer und stach auf seinen Gegner ein, der blutend zusammenbrach und bald kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Als ihn Spaziergänger auffanden, war er bereits eine Leiche. Der Angeklagte, der ohne Erfolg behauptete, in der Notwehr gehandelt zu haben, wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Schutz gegen Schutzleute. Den Mangel an Schutz gegen Misshandlungen auf Po« lizciwachcn zeigte wieder einmal eine Strafsache gegen drei frühere Polizeisergeanten, welche am Freitag das Reichs- gcricht als Revisionsinstanz beschäftigte. Das Landgericht Bcuthcn, O.-S., hat am 18. Dezember v. I. die Polizeiscrgeantcn Johann Brzrzina und Emil Mönig tocgeu gemeinschaftlicher Körperverletzung zu sechs bzw. drei Monaten Ge- fängnis und den Polizeiscrgeantcn Julius Töpclt unter Zubilligung mildernder Umstände wegen Körperverletzung im Amte zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Die drei Angeklagten standen als Polizeibeamte im Dienste der Gemeinde Rohbcrg, und zwar Br. seit dem Jahre 1908, während die beiden anderen erst auf Probe eingestellt waren. Am Abend des 14. August v. I. hatte der Angeklagte T. Dienst und stand vor der Türe des Amtsgebäudes, als etwas nach 9 Uhr der in Scharleq wohnhaste Tischlcrgcselle Fischer in angetrunkenem Zustande auf ihn zukam und ihn bat, ihn doch auf der Wache einzusperren, da er das Reihen habe und wegen des herrschenden Regenwetters nicht nach Hause gehen könne. Als T. ihm darauf erwiderte, er solle doch mit der SirassenLahn fahren, sagte F., er haVe keinen Pfennig Geld mehr bei sich, und T. möge ihm wenigstens 19 Pf. leihen, für.die er am anderen Tage 39 Pf. zurückbekommen solle. Als F. der Auf- forderung des T.. sich zu entfernen, nicht nachkam, erklärte T. ibn für verhaftet, ergriff ihn beim Arm und führte ihn in die Polizei- wache ab. Nachdem T. hier die Türe geöffnet hatte, gab er F. einen Stoß, so dass dieser in das Wachlokal hineinfiel. In der Wackstube sass gerade der Angeklagte Br., der nun seinerseits F. am Kopfe packte und ihn nach vor» übcrdrllcktc. In diesem Augen- blicke trat der Angeklagte M. zur Türe herein. Da gab B, seinem Kollegen M. einen Wink, indem er dabei einen Blick auf einen auf einem Stuhl liegenden Gummischlauch warf. M. verstand den Blick, nahm den Gummischlauch und versetzte F., der von Br. immer noch in gebückter Stellung gehalten wurde, etwa 25 Schläge auf das Gesäß. Als M. endlich von F. ablieh, nahm Br. den Gummi- schlauch und versetzte mit diesem F. noch weitere sechs Hiebe, gab ihm alsdann ein paar Ohrfeigen und warf ihn schließlich zu Boden. Um F. alsdann wieder zum Aufstehen zu bewegen, begoß er ihn zu guter Lebt noch mit Wasser. F. war infolge der ihm zuteil gewordenen Mißhandlung acht Tage lang in ärztlicher Behandlung und zwei Wochen arbeits- unfähig. Der ihn behandelnde Arzt, der in der Hauptverhandlung als Sachverständiger vernommen wurde, hatte bekundet, dass er die Folgen einer derartig schweren Verletzung noch niemals gesehen habe. Ein Amisvergehen hat das Gericht nur bei dem Angeklagten T. für vorliegend erachtet, da dieser zur Zeit der Begehung der Tat, die in dem Hineinstossen des F. in die Wachstube bestand, sich im Dienste befand. Tie beiden anderen Angeklagten hatten jedoch erst von 19 Uhr an Dienst und waren nur, um sich für ihren Gang vorzubereiten, bereits etwa eine Viertelstunde vor Beginn ihres Dienstes auf dem Wachlokale erschienen. Das Gericht hat deshalb bei diesen beiden Angeklagten ein Vergehen im Amte nicht für vor- liegend erachtet, sondern sie nur einer gemeinschaftlich begangenen Körperverletzung für schuldig befunden. Tie zu Gefängnis ver- urteilten beiden Angeklagten legten gegen das milde Urteil Revision Das Reichsgericht erkannte auf Verwerfung des Rechtsmittels. ein Zrauen-�eseabenüe. Erster Wahlkreis. 1. bis 4. Abteilung bei Weihnacht, Mrünstr. 21. Vortrag des Genossen Dr. Grumach:»Die Unsälle im täglichen Leben".— S. Abt. bei Dressier. Altonaer Ztr. 20. Vortrag. Zweiter Wahlkreis. Montag, den 22. Juni, 81/, Nbr pünktlich in folgenden Lokalen: Wiemers, Btilowstr. 53. Genossin G'.üinach'»Die Frau in der Jetztzeit".— Zass, Horuftr. 2. Gen. Pieck:„Die Reichsgründung".— Fröhlich, Blücherstr. 56, Ecke Fontancpromcnade; Vortrag der Genossin Baader.— Lörisch, Markgrasenstr. 73. Genossin Wurm:»Die Frau im Christentum und Mittelalter". Dritter Kreis. 1., 2. u. S. Abt. bei Tinius, Ritterstr. 123. Referent: Genosse Leid über:»Fürsorgeerziehung". 3., 4., 6. u. 7. Abt. bei Henning, Alernndrinenstrasse 44. Genossin. Tietz über:„Sozialistische Erziehung im HaiiS".— 8.. 9. u. 10. Abteil, bei Hostmann, Spreehos-Kanline, Luster- hausener Str. 16. Baunischnlenwcg. Montag 8'/, Ubr bei Erbe, Ecke Ernftstrasse. Gc- nasse Schcstlcr spricht über.-»Geschichtliches zur Ehe". Bohnsdorf. Montag, den 22, Juni, abends 8>/, Uhr, in Villa Krahl. Vortrag:„AuS vortapitaltslischer Zeit", Borsigwaldc-Wittcnau. DicnStag, den 23, Juni, abends 8'/, Ubr, in den Borsiglvaldcr Festsäle». Vortrag der Genossin Alatschkc.— Mitt» looch, den 24. Juni, in Wittenau bei Wittchow, Oranienburger Str. 99/100, Vortrag der Genossin Arendsee. Briü-Buckow. RiitlvoS, den 24, d. M., abends 8'/. Uhr, bei BeK?, Chaussecstr, 97, Portrag der Genossin Frau M. Dcmmmng über:„Tie Frau im Altertum",~,. Eharlottenburg. 1. Gruppe bei Schelback, Komgin-Elisabeth-�tr. 6. Resercntin: Genossin Walln Zepter,— 2. Gruppe bei Höst, Nchringslr. 25. Gen Hitsc.— 3. Gruppe(Kietz) bei Bade. Kaijcrin-Augusta Allee 52. Gc- nosse Zippe spricht über.Klassenjustiz".— 3. Kruppe(Moabit) bei Ernst. Reuchlinstr, 6, Res. Gen. Dr. Rosenseld.— 4. Gruppe bei Liedtte, suarcz- strassc 4. Ref. Gen. Klappstein.— 5. u. 6. Gntppc im Volkshaus. Rosinen- flrassc 3. Res, Gen. Zcmpclburg:»Zweck mW Bedeutung der J-rienspiele", — 7, Gruppe bei Tbumack, Wiclandstr, 4. Genossin Duwell über:.Ril- arbeit der Frau im Wahlrcchtskamps",... »riedena». Wontag. den 22, d, Wts.. abends 8'/» Uhr, bei Jllubt. Haildjcrvstr. 60/61. Res, Gen. Fritz Gölschel über:»Warum smd wir sozial- demokratcn r Es müssen an diesem Abend die Liften für Fcrienaussluge abgerechnet werden,...... Hermsdorf. Mittwoch, den 24. Juni, abends S'l, Uhr, bei Eggebrecht, Albrechtstr, 1. Vortrag, Gen. Schrodek über:.Eiiideibsschnle". Köpenick. Dienstag, den 23, Juni, abends 8 Uhr, bd Rieck, Grünauer-, Ecke Schönerlinder Strasse. Vortrag der Genossin Ryneck:»Ist Kinderschutz Kulturarbeit Lichtenberg. Montag, den 22. Juni, im 1. und Z. Viertel: Vortrag »Mutter- und Säuglingsschutz" Gen, Richter über:»Glassorenner". Martendorf. Die Genossinnen iverden daraus aufmerksam gemacht. dass der Fraucnleseabcnd geteilt worden ist. Die 1. Abteilung tagt bat Bensebeck, Chauffcesnasse 27. Reserent ist Genossin Marie Böhm.— 2. Abteilung bei Seublein, Dorfstrasse 1. Resereitt:(»cnossin Elise Knobds. In beiden Leseabenden Vortrag über:»Kinder-Ferienspiele". Neukölln. Montag, den 22. Juni er., abends 8'/, Uhr. Thema« »Rechte undPstichten der Frau in der proletarischen I u g en d p s l c g e". 1. Bezirk bei Neugebauer, Sandcrstr. 11.(Reserentin trau Franke).— 2. Bezirk bei Krüger, Reuterstrasse 62(Emil Böhm).— Bezirk bei Meitzcl. Pannierstrasse 59(Frau Bormaim).— 4. Bezirk bei Krämer, Weserstr. 31(Paul Feller).— 5. Bezirk im Jdeal-Kaiino, Weichsel- slrassc 8(Luise Siedel).— 6. Bezirk bei Schwengel. Elbestr. 8(Siegmund völian).— 7. Bezirk bei Gohlle, Schönstedt-, Ecke Donaustrasse(Frau Scholz).— 8a Bezirk bei Kaiser, Wildenbruchftrasse 86(Frau Lietsch).— 8d Bezirk bei Gauter. Harzer Str. 86(Hermann Kunze.)— 9. Bezirk bei Bergemann, Goethcstr. 7(Ernst Bürde).— 10. Bezirk bei Schul,. Richard- straße 35(Frau Rummel).— 1l. Bezirk bei Busch. Böhmische-, Ecke Niemetz. strassc(Fritz Carl).— l2. Bezirk bei Müller. Thüringer Straß« 5(Richard Grobmanni.— 13. Bezirk bei Laube, Bendaftrasse 20(Frau Zeetze).— 14a Bezirk bei Felsch. Knesebeckstr. 48(Rich. Nowatowski).— 14b Bezirk bei Mebes, Emicr Str. 94(Rud. Schulz).— 15. Bezirk bei Beyer, Bode- strassc 27(Karl Schneider).— 16a Bezirk bei Miehlig, Okerstr. 8/9(Emil Bart).— 16b Bezirk Warthestr. 46(Alsred Wurbs).— 17. Bez. bei Winkler. Bodestr. 28(Helmut Schöulank).— 18. Bezirk bei Gcllert, Sleirnnetzstr. Et (Artur Bormann).— 19. Bez. bei Tappcrt. St-inmetzstr. 114(Karl Rohr).— 20. u. 21. Bezirk bei Bartsch. Hermannstr. 49(Frau Denkt u. Rich. Krille).— 22. Bezirk bei Richter, Mahlower Str. 8/9(Erich Lezinsky).— 23. Bezirk bei Müller. Mainzer-, Ecke Biebrichstrasse(Otto Franke).— 24. Bezirk bei Simon, Wistmannstr. 17(Fritz Koch)._ Ricder-Schöncweide. Dienstag, den 23. d. MtS., abends'/-Z Uhr, Im Restaurant von Bcngsch, Britzer Str. 17. Reinickendorf-Ost. Montagabend bei Sadau, Refidenzstr. 424. Vor- trag der Genossin Rüben über:„Die Frauen und die Presse". Reinickcndorf-West. Montag, den 22. Juni, im Jugendheim. Wach- Holderstrasse 44. Bortrag des Genosten H-ming über:..Konstmigenossenschast und ihre Gegner". Tegel. Montag, dm 22. Juni, abends 8>/. Uhr, im Jugendheim, Bahnhosstr. 15. Vortrag des Genossen Kahl:»Der Kamps der Frauen um die polnische Macht". Treptow. Montag 8'/, Uhr, Graetzstr. 49. Genosse Dr. Mass� Schütte über:»Deutsche Geschichte". IqDdj & 2, am Knöpfen 50 fup die QtommcrlollcÄe für Herren in braun Cncvrcaa ebannären m IS- 50 Neu eröffnet: Friedrlcmr: W« TdübenOr: ö?'« Filialen irfanen fclfcrt »«i i u i»iTrmmnr «» i«» i -T-rr-irrTTnrTTTnnrrvT-iririnril��» i m i« n- ttti. Landeshuter Leinen- und Qebild weberei F. V. Grünfeld GrößtesSpezHdhaus der Welt für Leinen u. Wüsche Berlin W, Leipziger Straße 20-22 Bettwäsche Tischwäsche Gartendecken Küchenwäsche Hauswäsche Badewäsche Damenwäsche Morgenröcke Morgenjacken Blusen Waschkleider Unterröcke Strümpfe Schürzen Inventur- Ausverka uf Aus allen Abteilungen in reicher Auswahl grosse Posten verbürgt guter Waren von W äsche j eder Art auch geeignet zur Zusammenstellung von Braut- Ausstattungen zu wesentlich zurückgesetzten Preisen! 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Z« der Versammlung werden Eintrittskarten zum Preise von SO Pf. verausgabt, die rn nachfolgenden Ausgabestellen zu haben sind: ZigarrcngcschSft Schröder, Hagelberger Straße 5-1/55. Zigarrcngcschäft Horsch. Engelufer 15. Zigarreugeschäft Baumann, Rungestraße 30. Bureau des 4. Wahlkreises, Stralauer Platz 10/11. Von 9—1 und 5—7 Uhr. „Borwärts"-Spedition, Petersburger Platz' 4. Zigarrengefchäft Schneider, Hufelandstraße 30. „Borwärts"-Spedition Mars, Greifenhagener Straße 22. Zigarrengefchäft Pinner, Tresckowstraße 36. Restauration Diefeler, Brunnenstraße ISO, im Hof. Restauration Friedrich, Gerichtstr. 19. Restauration von Paerfch, Oldenburger Straße 10. Der Ueberschuß wird dem Deutschen Hilfsverein für die politi- schen Gefangenen Rußlands zugewendet. * r,r\ n r»* �Ts__..... Sm- Sozialdemokratiselter AsrÄesmm. WB* Sitzung am Mittwoch, den St. Juni, abends» Uhr, im Restaurant Krziwanek, dlW 7, Mittelstr..�7/58. Tagesordnung: 1. Berichterstattung der am 6. Mai gewählten Kommiiiion. 2. Stellungnahme au den Kahlen aus Grund des Reichs- abkommcns. 3. LcrcinSangclegcnhcitcn. 286)14 I. 31.: Dr. Simmel. Bamnschulcnwcg. Ortsvcrwaltunsj Berlin. 199/19* Ter Einbcrufer: Engen Ernst, Lindenstraße 2. Kkrwaltullgsstellt Kerlin. N 54, Linienstr. 83—85. Telephon: Slmt Norden 185. 1239. 1987, 9714. Tienstag, den SS. Juni, abends 8'/, Uhr: Mitglieder-Uersammlung der Klempner in Obiglos Festsälen(grostcr Saal), früher Keller, Koppensträste SO. Tagesordnung: 1. Wahl eines Branchcnvertreters. 2. Wichtige Branchenangelcgcnheiten. .Ttitglicdsbnch logltimlort.———, In Anbetracht der äusterst wichtigen TageSordnnug ist das Erscheinen aller dringend notwendig. 120)14 Die Ortsverwaltonj). der Mittwoch, den 24. Juni, abends 8'/, Uhr, bei Voeker, Wcberstr. 17: Mitglieder Uerfammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Tclcgierte» vom Verbandstag in Hamburg. 2. Bericht und Neuwahl der Gaukommisnon. S. SSie stellt sich die Nollrgeuschaft zu dem Ansinnen einiger Unternehmer auf Vcr, läugcrnng der Arbeitszeit an den Wochentagen, um de» freien Sonnabeud-Nachmittag einzuführen. 4. Sonstige Acrbandsangclegrn- heiten und Verschiedenes. Vollzählige Teilnahme erwartet Die Lrtsverwaltnng. Morgen«vkontag, de» 22. Juni, -Our /OCuOjllDIg. abrndS«-/- Uhr. jindcu die Kon. ferenzc» der Ballichuhmacher sämtlicher Fabriken in den bekannten Pokalen statt.— Gintrittskartcn zur Sternwarte in Treptow a 30 Ps. stnd im Bureau zu haben. 163/15 J. Baer Baijstp.26F Baijstr.28prinV.-Aiie« Herren- und Knaben- Moden, Berufskleidung. LiHI�PK Elegante Paletots, Elegante Anzüge jeder Preislage. GrStofflager r. eleg. MaBanfertigung. SC Billigste, feste Preise reneisenaustraße ig.s 2 8. Gran, billigste a. beste L Bezugsquelle für•" )MSdelIeaerArt.k Kassa and Teilzahlung. Freie Gedookr« b elommenSic beimRauchen einer guten Zigarre. Empschlc meine velieiosa. >00 Stück 5,20 M. Versand der Nach- nähme od. 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Vörden: bei Büttner, Schwedter Str. 23. WelBensee: im Prälaten, Lehderstr. 122. Venkülln: im Ideal-Kasino, Weichselstr. 8. ßauti fehler. Bezirk I: bei Maabc, Fichtesir. 23. Laden- und Kontormöbcltifchler: im Englische» Hof, 3llexandcrstt. 27c. Die Kollegen ans salzenden Werkstätten sind besonders eingeladen: Fischer u. Co., Elisabethuscr; Rahn, Brunnenstraße: Gloglolvaky u. t5o., Müllerstraße. Kücbenmöbeltifcbler: im Englische., Hos. Mexanderstr. 27c. JMÖbelpoUerer: m den Andreas-Festsälen, Andreasstt. 21. Dienstag, den SS. Juni, abends Z'/s Uhr: ßaUtifchler. Bezirk II: bei Bradtner, Weidcnweg 85. Mittwoch, den S4. Juni: Stock- und �elluloidarbeiter: abends 6Uhr, im König stadt-Kasino, Holzmarktstr. 72. Kabmenmacber: abends 6 Uhr, im Tresdcner Garten, Dresdener Straße 45. Kamm- und klaarfcbmuckbrancbe: abmds s uhr, 6« Bringmann. Andrcasstr. 26. Bürften- u. pinfelmacbcr: abends s-/, uhr, bei Hcrmci, Holzmarktstr. 21. FalOUfiearbeUcr; abends 8>/s Uhr. bei Bocker. Wcberstr. 17. Donnerstag, den 25. Juni: Ofebler. Bezirk Charlottenbarg; abends$'/< Uhr, im BoltShaus, Rosincnstraße 5. Stellmacher: abends 8'l. Uhr, im RosentHnker Hof, Roscn- thalcr Straße 11/12. Montag, den AS. Juni, abends 8 Uhr: General- Versammlung im tiien-erkselKittgliaus, Eugeluser 15. 99/3___________ Die Ortsverwaltung. :::::: Die reellsten und solidesten:: OBEL Ä Jahren die' MölMIIl von SChUlZ, mit langjähriger Garantie zu äußerst billigen Kassenpreisen und gegen Zinsvergütung auch auf TeilzabKmg. Größte Auswahl in moderner Ausführung in aUen Preislagen —— von 240 bis 10 000 M. am Lager1.—--—- Bamtonlons Erstklassig fabriziert Hugo Stapk Berlin NO, Goorgcnkirchsirasse 3~b Begründer des Bandonionbaucs Berlins. Beste Tastcngelenko mit Spiralfeder. Grosses Noten- lager, Reparatur- Werkstatt. u ZahlungsPiieichterung:: K Diese Woche enorm billiger Verkauf einer großen Partie Echter Perser Tkxpicht!! Kklims!! Djidjims!! Gehet Wie!! »£ßjewel Berlins. Seit 882 nur Oranien-Straße 1§8 ges. gesch. 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In Betracht kommen die Baustellen: Itaiaerweg, Nieder- H+ctaönhauHen; Kanaliaatlona- graben. Französisch Buchholz und Blankenfelde I. 51., Oranienburg: Berliner Str., Btthlcnstr., Eebnitzstr. Tie Bewegung wird noch weiteren Nmsang annehmen, da auch die Firma 5Vllbelin Langen, Wlltaelmsrnh bei Bert in den Tarif noch nicht anerkannt hat, obwohl sie nach den Bestimmungen des ff 1Z dcS bis zum 31. März 1914 gültigen Tarisvertrags den Schiedsspruch an- erkennen müßte. Wir bitten deshalb alle Arbeitsncheiide, diese Firmen bis aus weiteres streng zu meiden. Die außerordentliche>versammlung am SZ. Juni fällt aus. Die nichtcrlcdigteu Anträge werde» in der Versammlmig am 12. Juli mit«riedigt. Die Bezirksleitung. Möblierte Schlasstelle bermieiet König, Friedrich jlraße 249, zweiter Hos, links III. Schlafstelle für.Herrcit bei Witwe Bahr, Ad>niralstraße'8 III. 2455b Möblierte Schlasstelle, ein Herr. Kramp, Dresdenerstraße 128/129, Kottbusertor.+40 Möblierte Schlafstelle. 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Die Mitglieder der städtischen Körperschaften und die Dezernenten sollen nach der Vor- läge allmonatlich ihre Auslagen an Stratzenbahnfahrten liquidieren. Tie Einrichtung erfolgt versuchsweise. Genehmigt wurde ein Nachtrag zum Ortsstatut für das Ge- Werbegericht, der lautet:„Wird ein zur Beilegung des Rechtsstreits abgeschlossener Vergleich aufgenommen oder wird der Rechtsstreit durch Zurücknahme der Klage ohne Entscheidung erledigt, so wird eine Gebühr nicht erhoben, auch wenn eine kontradiktorische Ver- Handlung vorhergegangen war." Mit der �Schaffung von Spielplätzen beschäftigten fish die Stadt- verordneten gelegentlich der Ucberlassung eines Teiles der Freiheits- wiesen an die Spandauer Turnerschast. Genosse Pieper betonte, daß seine Fraktion stets dafür eintrete, daß städtische Plätze gegen eine niedrige Anerkennungsgebühr allen Turnvereinen zur Verfügung gestellt werden. Bürgermeister Wolf stellte die Schaffung eines großen Sportplatzes in nahe Aussicht. Die Festsetzung der Fluchtlinie für die nördliche Seite der Schmidt-Knobelsdorf-Stratze rief eine längere Debatte hervor. Er- regung rief die Mitteilung hervor, daß der Militärsiskus, dem die Stadt stets großes Entgegenkommen gezeigt habe, die Einzäunung des Exerzierplatzes beabsichtige. Dadurch würde die Wilhelmstadt ihren Sprelplatz verlieren. Die Vorlage wurde abgelehnt. Zur Kenntnis genommen wurde, daß der Magistrat dem Be- schlutz der Stadtverordneten zugestimmt habe, wonach der sozial- demokratischen Fraktion ein Sitz im Vorstand oder Aufsichtsrat der neugegründeten Aktiengesellschaft Waldsiedlung eingeräumt werden soll. Britz-Bnekow. Der vom Deutschen Hilfsverein für die politischen Gefangenen Rußlands durch Schriftsteller Ernst Reuter gehaltene Lichtbilder- vortvcog hatte einen Massenbesuch zu verzeichnen. 800 Personen bewiesen ihre Anteilnahme an den für ihre Uederzeugung leidenden Märtyrern der Freiheitsbewegung gegen den Zarismus. Fürwahr ein wuchtiger Protest gegen die gerade jetzt wieder in Erscheinung tretenden Scharfmachcrgelüste unserer Junker. Ein namhafter Ueberschuh dürfte geblieben sein, der ebenso wie die veranstaltete Tellersammlung dem Hilfgverein überwiesen wurde und damit dazu beitragen dürste, die Leiden unserer Brü- der in Rußland zu lindern. Ncibliild sWIdkiNlikraMtt Wchliittkiiie Kerlius uad Zlmgrgend. Sekretariat: Berlin SW 68, Lindenftr. 3, Hof Nl, Aufgang IV, 3 Tr. Zentralvorftand für 1914/1915. A. Aktionsausschuh: Eugen Ernst, SW. 68, Lmdenstr. 2, erster Vorsitzender. Telephon Amt Moritzplatz, 1863. Max Groger, Berlin SW. 68, Lindcnstr. 3, zweiter Vorsitzender. Telephon: Amt Moritzplatz, 14 714. Theodor Fischer, SW. 68, Lindenftr. 3, Schriftführer. Telephon Amt Moritzplay. 4740 u. 4741. Emil BoeSkc, SW. 66, Lindenftr. 3, Kassierer. Telephon: Amt Moritzplatz, 4740 u. 4741. Karl Pctermaun, SW. 68. Rittersir. 4S. Heinrich Schröder, SW. 47. Hagelberger Str. S3/S4. Mathilde Wurm, W. 35, Steglitzer Str. 45. August Pohl, SO. 26, Raunynstr. 30. Paul Hoffmann, 0. 34. Königsberger Str. 28. Hermann Barenthin, 0. 17, Stralauer Platz 10/11. Willi Friedländcr, dl. 24. Elsasser Str. 25. Friedrich Stäffler, dl. 20. Panlstr. 6b. Hermann Müller, dl. 39, Gerichtstr. 71. Richard Herbst, dl. 58, Lettestr. 7. Minna Reichert, IlW. 52, Spenerstr. 16. Franz Thurow, Neukölln, Weserstr. 11. Alfred Scholz, Neukölln. W-isestr. 23. Emil Lehmann, Friedrichsfelde, Walderscestr. 26. Paul Brühl, 0. 112, Neue Bahnhofstr. 31. Gustav Häuster S. 59, Dicffenbachstr. 74. Obmann der Preßkommission. Karl Melle, 0.' 34, Tilsiter Str. 49, Obmann der SchredSgerichtS- Albert Hahnisch°"o. 54, Anguststr. 51, Obmann der Lokalkommission. Emil Basner, dl. 20. Prinzenallec 46», Obmann der Stadtverordneten und Gcmeindcvertreter... so» Paul Dobrohlaw, dl. 28, Swmemunder Str. 11, Obmann der Re> Richard' Seidel, SW. 68. Lindenftr. 3. Sekretär de« BezirksbildungS- ausschusieS. Telephon: Amt Moritzplatz. 4740 u. 4741. Richard Weimaun, SW. 66. Lindenftr, 3. Sekretär des BezirkSiugend- ausschusieS. Telephon: Amt Moritzplatz. 4740 u. 4741. Alle Briefe und Mitteilungen sind an Theodor Fischer iBerliner Verbandsbureau), SW. 68, Lindenftr. 3, Hof lu, Aufgang IV, 3 Treppen. alle Wert- und Geldsendungen an Emrl B-tSke (Berliner Verbandsburcau). SV. 68, Lindenftr. 3, Hof III, Ausgang IV, 3 Treppen zu richten. B. Preßkommission: Alfred Zaduk, Neukölln. Schillerpromenade 3. Hermann Clajus, W. 57, Kui fürstenftt.168. Gustav Häuster, S. 69, D.effcnbachstr. 74. Justin Braun. Neukölln. Jdealpassage 18. <�eorg Davidsohn, 0. 23, Kaiserjtr. 10. Max Sassen,!l0. 18, Paul-Heyse-Sir. 2. Bruno Lieste, O. 112, Simon-Dach-Str. 18. Agnes Fahrenmald, O. 34, Zorndorfer Str. 13. Gustav Hunfchcde, dlO. 55, Greifswalder Str. 162. Alfred Paersch, NW. 21, Oldenburger Str. 10. Kur' Roscnfcld, NW. 23, Holsteiner Ufer 20. «dam Bittorf. N. 28, Fehrbell.ner Str. 2a. Hermann Radtke. Neukölln. Neckarstr. 2. Friv Woick, Köpemck. Jägerstr 3. iliosa Luxemburg, Sudende. Lmdenstr. 2. A. Lestlc, Weißensee. Wörthstr. 15. Oskar' Wibkc, 0. 112, Grunberger Str. 9. Alle Mitteilungen und eventuelle Beschwerden den„Vorwätts" betreffend sind an den O b m a n n der Pretzkommisston Gustav Häuster, S. 69, Dieffenbachstr. 74. P richte«. C �chj�Kgerichtskommission t Albert Oehmigen. C. 2, S'-berstr. 15. Julius Meyer, NO. 65, Künsche Stn 12 Paul Jakob. SO. 36. Reichenberger Str. 123. Karl Melle, O. 34, Tilsiter Str. 49. Eugen Rosemann, NO. 55, Wmsstr. 68. Gustav L-uk-nt. N. 39, Nordufer � Elsnede Ryneck, Baumschulenweg. Kiesholzstr. 180. Ratzert Kuobloch, Schöneverg. Gotensir. 21. Hermann Elias, 0. 112, Blmnenthalstr. 24. Alle Anträge für die Schiedsgcrichtskommission sind an Karl Melle, 0. 34, Tilsiter Str. 49, zu richten. D. Lokalkommisfiou: Franz Lucht, SW. 68. Lindenftr. 2. Richard Reinhardt. S. 59, Urbanstr. 67. Gustav Müller, SO. 36, Grünauer Str. 26. Karl Rott, 0. 34, Straßmannstr. 29. Albert Höhnisch, 0. 54. Augustsir. 51. Solomon Joseph, NW. 21, Stromstr. 36. Karl Rohr, Neukölln. Neue Jonasstr. 38. vorn IV. Ernst Wcrkmann, Friedrichshogen, Köpenicker Str. 18. Anna Matschke, Nieder-Schönhausen, Blücherstr. 13. We Mitteilungen, Zuschriften und Beschwerden in Lokal-An- gelegenheiten für Berlin und Umgegend sind nur an den Obmann der Lokal-Kommission Albert Höhnisch, 0. 54, Augustfir. 51, zu richten. E. Revisoren: Alexander Fröhlich, N. 37, Weißeuburger Str. 29. Paul Burghardt, O. 34, Straßmannstr. 31. Paul Dobrohlaw, N. 28, Swinemünder Str. 11. Paul Weinmann, Berlin-Britz. Rochowstr. 2. Ernst Andrer, Weißensee, Gürtelstr. 24. Obmann der Revisoren ist: Paul Dobrohlaw, N. 28, Swinemünder Str. 11. Bezirks-Bildungsausschuß für Groß-Verlm: Obmann: Ernst Däumig, Lindenftr. 69. Schriftführer: Richard Seidel, Sekretär. Revisor: Emil Eichhorn. Mitglieder: Luise Kautsky, Mathilde Wurm, Dr. Silberstein. Alle Zuichristen usw. sind an den Sekretär des Bezirks-Bildungs- auSschuffes, SW. 68. Lindcnstr. 3. zu richten. Vorsitzende und Kassierer der Wahlvereine: 1. Kreis: Vorsitzender Karl Petcrmann, SW. 68. Rittersir. 49. Kassierer Max Bolzmann, SW. 29, Mittenwalder Str. 39. Vorsitzender Heinrich Schröder, SW. 47, Hagelberger Straße 53 54. Kassierer Gustav Schmidt, S. 61, Bärwaldstr. 42. Vorsitzender August Pohl, 80. 26. Naunynstr. 30. Kassierer Georg Felsmann, SO. 26, Oranienstr. 180. Vorsitzender Paul Hoffmann, O. 34, Königsberger Str. 28. Kassierer Hermann Barenthin, 0. 17, Stralauer Platz 10/11. Wahlvereinsburcau Telephon: Amt Königstadt 3759. Vorsitzender Willi Fricdländer, N. 24, Elsasser Str. 25. Kassierer Hermann Weise, NO. 43, Georgenkirchstr. 61. Vorfitzender Friedrich Stäffler, N. 20, Pankstr. 65. Schriftführer Hermann Müller, N. 39, Gerichtstr. 71. Kassierer Otto Frank, N. 39, Gerichtstr. 71, WahlverrinS- burerni. Telephon: Amt Norden, 2137. Teltow-BeeSkow: Borsitzender Franz Thurow, Neukölln. Weserstr. 11. Schriftführer Max Groger, SW. 68, Lindenftr. 3. Kassierer Alex Pagets, SW. 68. Lindenftr. 3, WahlvcreinS- burcau. Telephon: Amt Moritzplatz. 14 7l4. Nieder- Barnim: Vorsitzender Emil Lehmann, Friedrichsfelde, Walderscestr. 26. Kassierer Paul Brühl, 0. 112, Neue Bahnhofstr. 31, Wahlvereinsburcau. Telephon: Amt Königstadt, 3912. 2. 3. 4. 6. Vochen-Spielplan üer berliner Theater. Lessing-Ibeater. SonntagnachmiUag 3 Ubr: Professor Bernhardt. Allabendlich: Das Märchen vom Wolj.(Ans. 8 Uhr.) Berliner Tbearer. Allabendlich: Wie«inst im Mal.(Ans. 8 Mr.) Theater in der KöniggrStzer Straße. Allabendlich: Mr. Bu. (Ansang 8 Mr.) Dneater an der Weidend ammerbrücke. Sonntagnachmittag Z Uhr: Der müde Theodor. Allabendlich: Der müde Theodor.(Ansang 8 Uhr.) Lnstspieltzau«. Allabendlich: Die spanische Fliege.(Ans. 8llt Uhr.) Thalia- Tbeater. Sonntagnachmillag 3'/, Uhr: CharieyZ Tanie. Allabendlich: Wenn der Frühling kommt. lAnfang 8 Uhr.) Deutsches Künstler- Theater. Allabendlich: Jeppe vom Berge. (Ansang 8 Ubr) Deutsches Opernhaus. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Abends: Der Zigeunerbaron. Montag: Manon Lescaul. Dienstag: Jpbigcnia in Aulls. Mittwoch: Undine. Donnerstag: Da« Rheingold. Freilag. Sonnabend und Sonnlag: Der Zigeunerbaron. Montag: Jphigema in Aulis.(Ansang 8 Uhr.) NrueS Volketheaier.(Neue Freie Volksbühne.) Soimtagnochmittag 3 Uhr: Hans Huckcbein. Abends: Hans Huckebem. Montag bis Mittwoch: Hans Huckebem. Donnerstag: Maria Fiiedhammer. Freitag bis Sonn. tag: Hans Huckebein. Montag: Maria Friedhammer.(Ansang«'/, Uhr.) Theater des Westens. Sonntag und Montag geschlossen. Dienstag bi« Donnerstag: DaS Rheingold.(Ansang 8 Ubr.) Freitag bis Sonn- tag: Die Walküre. Montag: Siegiried.(Ansang?>/, Uhr.) Rcsidenz-Tbeatcr. Täglich: Tie verflixte Lrebe.(Ansang 8'/, Uhr.) Kleines Theater. Allabendlich: Der Klecks.(Ansang S'l, Ubr.) Luise»> Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Allwördens. Abends bis Frciiag: Der wilde gelbe Mohn. Sonnabend: Wenn edle Herzen blulen. Sonntag: In neues Glück. Montag: Wenn edle Herzen bluten.(Ansang 8'/, Uhr.) Schiller-Thrater O. Allabendlich; Mein erlauchter Ahnherr.(Ansang 8 Uhr.) Tchiller-Theater Eharlottenburg. Sonnlag: Heiligenwald. Mon< tag und DienSIag: Klein-Eoa. Mittwoch bis Sonnabend: Heiligenwald. Sonntag und Montag: Klein-Eva.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich- SÄilhelmftädtischeS Theater. Allabendlich: Die SchewungSehc.(Ansang 8>,, Uhr.) MontiS Operetten- Theater. Allabendlich: Alt ich noch im Flügellleide.(Ansang 8 Uhr.) Note» Tbeater. Sonntag: Zlvischcn Himmel und Erde. Montag: Philippine Welser. Dienstag: Zwischen Himmel und Erde. Mittwoch: Philippine Welser. Donnerstag und Freitag: Zwischen Himmel und Erde. Sonnabend bis Montag: Der Silberkönig.(Ansang 8 Uhr.) Tdearer am Nollendorfplatz. Allabendlich: Der Juxbaron.(Ansang 8'l4 Uhr.) Metrovol. Allabendlich: Di« Reise um die Welt in 40 Tagen.(An- fang 7.55 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Reichsdallen-Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang 8, Sonntags 7>/, Uhr.) Udmiralspaiaft. Sonntagnachmitiag 41/, Uhr und allabendlich 8'l, Uhr: Im Tangoklub. Palast am Zoo. Variete und Lichtspiele.(Täglich: 8 Uhr, Sonntag 4 Uhr.) Voigt- Theater. Täglich: Das MitteniachtSmädchm.(Anfang 4'/.»Hr.) Berliner Prater-Theater. Allabendlich: Krigri.(Ansang 8 Uhr). Eines Rollendorf-Theater. Die tolle Gräfin.(Ansang 7 Uhr.) Urania-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Mit dem„Imperator" nach New York. Sonntag: Zum Hochsmi der Jungfrau. Montag: In den Dolomiten. Dienstag: Krostglockiier, Gastciu, Salzburg. Mitlivoch: äum Hochfirn der Jungsrau. Donnerstag: In den Dolomiten Freitag: rogglockn er, Gastcill, Salzbmg. Sonnabend: Zum Hochfirn der Jung. frau. Sonntag: In den Dolomiten,(Ansang 8 Uhr.) Passage-Theater. Allabendlich b Ubr: Kino-Vautö. Folies tkaprice. Allabendlich: Die Leibwäscherin. Die Amor- dragoner. Das Bett Napoleon». Ah— da stauu' ich.(Ansang S>/« Uhr.) Mus aller Welt. Der Demokratie entgegen. Wir nähern uns mit Riesenschritten der Demokratie. Wie immer ist eS das„Berliner Tagebl.". das sich als unentwegte Vor- kSmpferin der Demokratie erveist. Natürlich nicht die Redaktion des Blatte?, die ist über die demokratische Sturm- und Drang- Periode längst hinaus und bemüht sich, durch doppelte Büßfertigkeit ihre Jugendefeleieu vergessen zu machen. Und darum wetzt sie ihren „demokratischen" und ganz gebildeten Schnabel mit Vorliebe am „Vorwärts".— Wirklich demokratisch ist aber die„Tageblatt"- Expedition. Sie nimmt das Geld von Jud und Christ, vom Bürgersmann und blaublütigsten Aristokraten. Im Heiratsmarkt des Inseratenteils preist das Schadchen seine Kalle in denselben Spalten an, wo vielzinkige Kroneninhaber sich ineistbietend verauklioniercn. Wie alter Käse und Schmierseife werden da Grafen und Barone ge- handelt. DaS ist wahre Demokratie! Dieser Tage ist ein ganz besonders Blaubliitiger dem Inseraten- chef in die Finger gelaufen. Er preist sich also in der Sonnabend- nummer an: Prinz auZ Jahrhunderte altem FiirsienhauZ, ohne Schulden. 40 Jahre alt, sehr solid, Sportsmann, wünscht sich zu verheiraten, und will dann seinem Stande gemäß auf- dreien. Direkte Offerten von Damen, auch Witwen, mit Vermögen nicht unter 10 Millionen, erbeten. Strengste Diskretion wird zugesichert und erbeten. Ein Prinz ohne Schulden? Das scheint uns verdächtigt Die Grubenkatastrophe in Kanada. Nach den letzten. Meldungen sind bei der bereits gestern gemeldeten Katastrophe auf der Hillcrestgrube insgesamt 286 Bergleute eingeschlossen Morden, von denen 41 gerettet werden konnten. Die Gesamtzahl der Ge- töteten beträgt 19 7 Man n. Die Explosion fand in einer Tiefe von 1299 Fuß statt. Sofort nach Eintreffen der Nachricht von dem Unglück in Calgary wurden Hilfszüge abgesandt. Lange Zeit konnten die Freiwilligen nicht zum Rettungswerk einfahren, da aus dem Schacht dichte Rauchwolken quollen und Flammeil empor- loderten. Die Rcttungsarbeiten werden durch die geiv altige F e u e r s b r u n st, die sich durch alle Schächte ausbreitet, äußerst erschwert. Man glaubt, daß mindestens eine Woche vergehen wird, bevor man an die Stellen Vordringen kann, wo die unglücklichen Arbeiter eingeschlossen sind. Die Hoff- nung, noch irgendwelche am Leben zu finden, ist sehr gering, da viele Bergleute wahrscheinlich durch die starke Rauch- entwicklung den Erstickungstod gefunden haben. Bisher konnten 75 Leichen an das Tageslicht geschafft werden, die einen entsetzlichen Anblick boten. Ihr Gesicht war vollkommen unkenntlich und ihr Körper wies die furchtbarsten Brandwunden auf. Aus dem Unglücksschacht entsteigen nach wie vor riesige Rauchsäulen, die sich über die ganze Gegend ausbreiten. Das Grubenunglück auf der Hillcrestmiue ist das schlimmste in der Geschichte Kanadas. Das Eisenbahnunglück in Schottland. ES steht jetzt ziemlich fest, daß bei dem Eisenbahnunglück bei Carr-Bridge 7 Personen ums Leben gekommen sind. Bier Leichen sind geborgen, davon war eine 5 Meilen von der Unglücksstelle weggeschwemmt worden. Drei Personen werden noch vermißt. Das Hochwasser hatte die Eisenbahnbrücke über den Fluß Batan, einen Nebenfluß des Dulnan, unterspült, und außerdem waren durch die Erschütterung der Brücke die Schienen leicht verbogen. Ein Wagen stürzte in den 50 Fuß unter der Brücke strömenden Fluß. Ein anderer Wagen hing unter der Brücke, wurde aber durch die Kuppelung festgehalten. Aus dem in den Fluß gestürzten Wagen wurde nur eine Person gerettet. Den in dem herabhängenden Wagen befindlichen Personen gelang eS mit Hilfe anderer Paffagiere, in Sicherheit zu kommen. Untergang eines Mississippidampfers. Wie aus St. Louis gemeldet wird, ist der Dampfer „ M a j e st i c", der dort tausend Ausflügler aus Alton(Illinois) gelandet hatte, bald darauf gegen den Turm der Wasserwerke am Mississippi gefahren und sofort gesunken. Etwa die Hälfte der 50 Mann starken Besatzung ist ertrunken. Aufforderung zum Selbstmord. Ein Abdeckereibesitzer erläßt im amtlichen KreiS- b l a t t eines ostpreußischen Kreises folgende Bekanntmachung: „Die Herren Viehbesitzer bitte ich, ihre Kadaver tele- phonisch anzumelden, da schriftliche Anmeldungen oft erst den dritten Tag bei mir anlangen und die Kadaver bei der großen Hitze in Fäulnis und großen Gestank übergehen und ich beim Transport derselben Ortschaften passieren muß, welche die Luft verunreinigen.* Ob die Herren Agrarier diesem freundlichen Ersuchen nachkommen werden? Es wird ja von ihnen nur verlangt, daß sie„ihre* Kadaver telephonisch anmelden, damit der Stilkünstler nicht Ortschaften zu passieren braucht, welche die Luft verunreinigen._ Kleine Notizen. . Folgenschwerer Gerüsttinsturz. In Seite udorf. Kreitz Lowenberg, ist das Baugerüst eines Scheunenneubaues eingestürzt. 16 Arbeiter wurden verletzt, einige schwer. Grubenunglück in Frankreich. In dem Bergwerk von Seron» bei Aubin sind bei einem Schachteinsturz zwei Berg- leute getötet worden. Ueberschwemmte Inseln. Die Inseln nördlich von Britisch Neu-Guinea sind von Gewitter, Erdbeben und lleber- schwemmung heimgesucht worden; Hunderte von Häusern sind eingestürzt und viele Eingeborene ertruuU». «Utternngsüberncht vom 20. Juni 1914 Swinemde. Hamburg Berlin Frantf. a.M München Wien 764 S 763 NO 764NO 7S8ISO 768, R» L halb bd 1, heiter Scheiter ptvollig kwlb bd Icheiter Haparanda.7K2lWSW Petersburg 766NW Scilly Aberdeen Pari» Äwolieul t wölken! sivollig r wollen! Iwolkenl Juni 1914. 761® 769© 763'5MD .. Wetterprognole kür Sonntag, den 21. Juni 1914. zunächst vielfach heiter bei ziemlich lebhasten südliche« binden, spliicr laugsam zunehmende Bewölkung und Gewitterneigung. Berliner Wette rbureau. �'»ittlere Rordbcutschlanb bis t Mang», überwiegend heiter, trocken und warm, nachöer otoorte furtjchrc'lenbe langsame Trübung, im Westen ziemlich zahlreiche, östlich der Oder mehr vereinzelte Gewitter mit etwa» Abkühlung. Sriefkasten öer Redaktion. Soeben erschienen: Führer durch das Familieurecht. .Heft 1: Tie rechtliche Stellung der Kinder, Ehegatten und Bcrwaudteu. Durch die Buchhandlung„Vorwärts" zum Preise von 30 Pf. zu beziehen. H. M. IN«. Aus Grund des Schuldscheins sind Sie ersatzpslichtij,.— Cr. ft.«8. Ja, Sie können aber im Enteignnngsversabreu die Tatsachen vorbringen, die siir einen höheren Wert sprechen.— H. M. 300. 1. Jalls ein Arzt Gcsundhcitsbeschädigung besürchtet, ist die Weigerung zulässig. •2. Falls Sic Ihre Bcbaiiplungen beweisen können, würde �das ausreichen und voraussichtlich der Mann sü: schuldig erklärt werden. Für die Kinder ist er alimentatioilvpflichtig. Sie könncli beim Vormundschastsgericht den Antrag stellen, daß Ihnen die Kinder verbleiben. 3. Stellen Sie bei(Se-< richt den Antrag aus Erlag einer einstweiligen Bersügung zum Zwecke der Herausgabe der machen.— HcrmSdorf. W. 8. sie sind nicht zahlungs- Pilichtig.— 2. T. 37. l. und 2. Dastir ist das Gutachten des Militär- arzkcs maßgebend. Für den Fall, dag eine Beurlaubung erfolgt, kann Wiedercinziehung geichchcn.— H. 3. 100. Ja.— 31. 3. IOÖ. Dazu waren Sic nicht berechtigt.— 3. 186. Ihre Veranlagung wäre unzulässig. Jedoch kann Ihre Eheirau veranlagt werden. Für den Fall, dag diese nicht zahlungssähig ist, sind Sic zahlungs- pslichtig.— F. F. 4. Ein Erbanspruch besteht hier nicht — 31. 8. Leider kann nichts weiter unternommen werden, da ein Rechts- anspruch nicht besteht.— P. 100. 1. Nein. 2. Ja.— W. S. 43. Die 30 Ps. Mahngebühren konnten gefordert werden, und zwar 10 Pf. sür die erste und 20 Ps. sür die zweite Mahnung.— A. 3V. 20. Eine Scheidungsklage hat Aussicht aus Erfolg. Unseres Erachtens find Sie.. auch zu« Alimentcnzahlung nicht verpflichtet. Versuchen Sie, ein Armenattest zu bekommen. Der Antrag ist beim Armen» orstcher Ihres Bezirks zu stellen. — E. K. 24. 1. Nein. 2. Zwischen 10 und 6 Uhr. wenn im MietS- vertrag nichts anderes bestimmt ist.— G. ft. 86. Das Verbot ist im- gerechtfertigt. Sie können nach wie vor klopscn, eventuell beim Amtsgericht eine einstweilige Verfügung beantragen.— Neuenhagcn 100. Ja.— Otto 34. 1. Ja. 2. Ja, die Kosten sind mininral.— Agnes 30. Leider nein.— Frau St. 35, Wollincr Str. 1. Etwa 300 M. 2.'L Jahr. 3. Polizeipräsidium, i. Nein. 5. Anstellung bis zum 30. Jähr zu- lässig. Da aber bis zur Einstellung einige Jähre vergeben, hat der Kursus nur Wert, wenn das Alter noch nicht in kurzem erreicht wird. •V, Leinen* undFrotte-Kostüme die ideale Hochsommer-Kleidung, durchweg gutes Material, hübsche moderne Fassons, vorzügliche Passform In Leinen: In Frotte 575 75O 075 �75 g75 12° 1475 1600 Popelin-Paletots besonders geeignet für Reite und Abend, die beliebten% und ganzlangen Fassons. Moderne Machart, cchöne Farben und reiche Verzierungen 075 075 � 1 50|400 Hochelegantes Frottekostöm aufs feinste verarbeitet 1475 Erst die überall mit großer Anstrengung veröffentlichten sogenannten Saison-AusverKaufs- Preise nähern sich den Preisen, wie wir sie Ihnen schon in regulären Zeiten bieten. Sie können daraus schließen, wie billig wir in der Tat sind, und was Sie an Preisen bei unserem demnächstigen Saison» Ausverkauf erwarten können, Leinen Kostüm nur 975 Sl Weiße Kleider janz entzückende Fastons in Voile, Krepp, FrottS und dem so beilebten Millefleur- Stoff Für Promenade und Rfunlon. 750 075 1 050 1 000 Königstraße 33 Am Bahnhof Alexanderplatz Blusen u. Röcke Eine Immense Auswahl in jedsm modernen Genre, vom allereinfachsten bis zum hocheleganten, zur Reisezeit, ganz bedeutend Im Preise ermäßigt 160 95 Pf an I von an * Sonntag» deschlosäent Chausseestr. 113 Beim Stettiner Bahnhof % Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer WshlvereiD Niederbanilm. Bezirk lilchtenberg. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied Julius Grewe Mainzer Str. 15, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes üi Marzahn aus statt. Abfahrt des Zuges 3.20 Uhr vom Bahnhos FriedrichSselde. Ten Genossen. ferner zur Nach- richt, daß unser Mitglied Rielianl Resse! Miiggclstr. 8, verstorben ist. tsihre seinem Andenken! Tic Beerdigung findet am onntag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofs in Adlershof aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 13/ t Die Bezirktleitung. iferh. d. Schneider, Schneiderinnen li. Wäsehearbeiter Deutschiands. Filiale Berlin. Unseren Milgiiedern hiermit zur Nachricht, daß der Kollege(Branche Dameukonseltion) Otto Lilielitdsl am 19. Juni er. im 35. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: � Tic Beerdigung findet heute Sonntag, den 21. Juni, nach. mittag« 5 Uhr, von der Halle des St. Pius-Kirchhoses, Hohenschön- Hauken, aus statt. 163/11 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Am 17. Juni verstarb unser Partesgenvsse Rudolf Schmidt Reuterstr 61, 2. Bezirk. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 21. Juni, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Thomas-Kirchhoses, Hermannslraßc, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 228/13. Der Borstand. Tischlerverein zu Berlin. Hierdurch die traurige Nach- richt, daß unser Kollege, der Tischler �idiarä Schmidt wohnhast Neukölln, Reuterstr. 61, im Alter von 49 Jahren ver- storben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 21. Juni, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des ThvMlls- Kirchhofes, Hermann- straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht _ Per Vorstand. Verband der Tapezierer Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Will! I�iexer am 17. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken: � Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2t. Juni, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Luisen- Kirchhos, Fürstenbrunncr Beg.slatt. Uin zahlreiche Beteiligung bittet 178/8 Bio Ortsverwaltung. Deulscher Hoizarheiterverhand. Zahlstelle Berlin. Branche der Einsetzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Vilhelm Paul Sparrstr. 29 im Alter von 54 Jahren gc- storben ist. 89,9 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Juni, nach- mittags 2*1, Uhr, von der Halle des städtischen FriedhoseS in der Müller- Ecke Secstraßc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Branchenkemmission. Dentscher flolzarheiter-Verhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Einsetzer Wilhelm Paul Sparrstr. 29, im Alter von 54 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Olndenken! Die Beerdigung findet am Monlag, den 22. Juni, nach- mittags 2'lt Uhr, von der Halle des städtischen Fnedhoscs in der Müllerstraße, Ecke«eestratzc, aus stall. Um rege Beteiligung wird er- sucht._ Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Wilhelm Schmohr JaHnstr. 2, im Alter von 46 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Juni, nach- mittags 3 Uhr, aus dem Heilig- Keuz-Kirchhos in Martendorf, Eisenacherstraße itatt. 89/7 Di« Ortsverwaltung. Zentraiverhaod der Schuhmacher Deutschiands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schoß- arbeiter TT. Chr. Hansen verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung sindet am Montag, den 22. Juni, nach- mittags 3>/, Uhr, von der Leichen- Halle des'Zcntral-FriedhoseS in Friedrichsfetde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 169/16 Tie OrtSverwaltung. Verband der Brauerei- n. Hühlen- arheiter u. vepw.ieruisgenessen Lrtsvcrwaltung Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nachricht, daß unser Kollege der Flaschenicllcrarbeitcr Christian Kernchen (Böhm. Brauhaus) verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung erfolgt heute, nachmittags 3 Uhr, aus dem Markus-Kirchhosin Hohen-Schön- Hausen, Berliner Str. 33—34. Rege Beteiligung erwartet Tie Ortsvcrwaltung. Allen Frunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine innig geliebte Frau Veronika Streschinski am Donnerstag, den 18. d. M., nach kurzem, schwerem Leiden sonst entschlafen ist. Um stilles Beileid bittend im Namen der Hinterbliebenen Eellx Streschinski. Die Beerdigung findet am Montag, den 21. Juni, nachmittags 5 Uhr. von der Halle des MichacltirchhoscS am Marien- dorser Weg aus statt. 109A Am Freitag, den 19. Juni. nachmillags 7 Uhr, entschlief nach langem, schwerem Leiden mein inniggeliebter Mann und treu- sorgender Vater, der Gasarbeiteb Friedrich Broschelt im Alter von 39 Jahren. Dies zeigt ticsbetrübt an Luise Broscheit geb. Ambros nebst Sohn. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Juni, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Neuköllner Genieinde-Fried- hoses am Mariendorser Weg aus statt. tierdurch die traurige Nachricht, mein Sohn, der Tischler Hermann ürun�vald am 17. Juni plötzlich verstorben ist. Dies zeigen an Karl Grunwald nebst Kindein. Die Beerdigung findet am Man- tag. den 22. Juni, nachmitlags 5 Uhr, auf dem EmmauS-Kirch- hos statt. 2456b Danksagung. Allen, sie uns bei der Beerdigung unseres Vaters, deS Tischlermeisters KsH Rommeck ihre Teilnahme bezeugt haben, ins« besondere dem Wahlvcrein Neukölln, dem Zentral-Raucherbund und der Tischler-Jnnuna, sagen wir unseren herzlichen Tank. 113A Familie Rommeck. Klnmeu- mid KranMderei Paul Krüger' Bruunenftr. 63. Tel. Norden 2394. Kranzspenden sowie sämtliche* ßUitmnarrangementd liefert schnell und billig Puul tiroza, Undenstr.69, SeOKpI.7203 gibt aus Eigenheim im Borort 4 bis 5000 M. als sichere erste Hypothek. Atex Buchholz, Berlin BIO., Kniprodestr. 19. £)pezialarzt s. Saut-, Harn-, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Bcinkranke jeder Art, Ehrlich Hata< Kuren in Ol. Homeyer-L? Untersuchung., Fäden t. Harn usw. Fiisdiichslr. 81,«S. Spi. 10—2, 5—9, Sonnt. 11—2. Honorar mäßig, auch'Teilzahl. Separates Tamenzimmer. 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