Ur. 172. 31. Jahrg. Hbonnemcnts-Bcdingun9fn; H JbI ßic Tnfcrtlons- Gebühr »bonnemcntZ- ProiS pränumerando: jHM �df �JBW/ fBEt|H BS BH>-* beträgt fiir die sechägcspaliene Kolonel- Vicrteljährl. S.30 Wt, Mona«. UV Kf, I WW WW f/ WW WW" BH.�J Zeile ober bereu Raum CO Pfg.. N'bchentlich 28 Psg. frei ins Haus.>B»— X/ MWW 7��// politische»IIb gewerfschaflliche Vereins- Einzelne Nummer S Pfg. Sonmags- �Hm||qHH| WW|H WW V) WW>W WW HB WW HB(X. WW W> // u»b Versammluugs-Slnz eigen 30 Pfg. Nummer mit illustrierter Sonntags, sSOTSsj I>W WW WW>W MW �W WM WM WW)£/„Kleine Hnzeigen", ba? fettgedrurkle Vellage.Die Neue Welt'>0 P-g. Past- WWW I WW I WW WW LW WW WW WW WW MM WW � WW WU Mfew Wert 20 P,g. i zulässig 2 fettgebnufte klbonnement: 1,10 Mar! pro Monat. I WW I �W �W �W MW �W t WM WW �W WW �W �K�W�W�W/ Worte), weitere Wort 10 P-g. Eingerragen in die Peil-Zeitung-. � WW| 1 Mi HB ItBbA jFwiC M?0>> MW|M Stellengesuche und Schlnsstellenan- Preisliste. Unter Kreuzbanb für MM I WW I WWt-��Wv««WM)- MWHM- MWWe, IW"▼/ WW zeigen das erste Wort 10 Pjg., sebes Teutschland und Oesterreich. Ungarn �W I HKi �WS/ �M�WX // weitere Wort 5 Psg. Worte über löBuch- 2.30 Mark, für das übrige Ausland I�DW�b 7j/ S W�B\ // staben zahlen für zwei Worte. Inserate s Marl pro Monat. Postabomiemeiits—--—\y nir die nächste Rummer müisen bis nehmen an: Belgien. Tänemark. rS1 /f f____ S. ▼/ 5 Uhr nachmittags in der Erpedition Holland, Italien, Luxemburg. Portugal,( V/J------------->. abgegeben werden. Die Expedition ist Rumänien. Schweden und die Schweiz.-» V____-x� J___ j—'•' in- 7 Uhr abends geöffifet. Nerlinvv Vollesltlslkl. NOS Zcntralorgan der fozialdcmokratirchcn Partei Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68» Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritiplat;. Nr. 1983. Gewerkschaftskongreß unö Sozialpolitik. Tie Kommis des deutschen Unternehlnertums, soweit sie in der Presse verwendet werden, sind mit unserem Gewerkschaftskongreß gar nicht zufrieden. Tas kann den Gewerkschaftskongreß nur mit Stolz erfüllen, denn er würde seineu Aufgaben nicht vollkommen gerecht werden, wenn er nicht den Scharfmachern Sorge bereiten würde. Von höchstepl Nutzen ist die Widerlegung der Fälschungen der öffentlichen Meinung durch die Unternehmerverbände und durch die gewissenlosen Federn, die in ihrem Dienste stehen. Ten„Berliner Politischen Nachrichten" sind die Aus- führungen des Vertreters des Zcntralarbeitersekretariats auf dem Gewerkschaftskongreß, vor allem die Nachweisungen des Genossen Wissel!, daß die Klagen der Industrie über die sozialen Lasten unbegriindet sind, überaus unbequem. Merkwürdig ist es. daß sich diese Angriffe des Organs des Zentralvcrbandes deutscher Industrieller wie der Reichs- regierung nur gegen das Referat des Genossen Wissell richten. Waruni lvurde der Genosse R 0 b e r t S ch m i d t übergangen? Noch ausführlicher als Wissell hatte Robert Schmidt in einer langen, mit ausgezeichneten Beispielen belegten Rede schon die Notwendigkeit der Sozialpolitik begründet. Nach den „Berliner Politischen Nachrichten" soll es nicht wahr sein, was die Vertreter der„Sozialpolitischen Abteilung" der Generalkommission und des Zentralarbeiterausschufses aus- geführt haben, daß die deutsche Industrie die sozialen Lasten leicht tragen könne. Tiese Scharfmacherkommis stellen sich taub und blind gegenüber der gewaltigen Steigerung des Nationalrcichtums in Teutschland, der doch nur eine Steige- rung des Einkommens der Reichen ist. Wissen sie nicht, was aus den Berichten der Großbanken, vor allem aus den Steigerungen ihrer Tepots, hervorgeht: wissen sie nicht, daß der bekannteste literarische Vertreter der Kartelle, Stein- m a n n* B ii ch e r. erst vor wenigen Monaten in einer eigenen Schrift gegen die Kleinmütigkeit der deutschen Großkapitalistcn gewettert und ihnen vorgerechnet hat, daß in keinem europäischen Lande die Steigerung des National- rcichtums so gewaltig und so groß ist wie in Teutschland. daß Frankreich und England, diese berühmten Muster gc- waltigen Reichtums, heute von Teutschland in der Steige- rungsrate überholt werden? Wissen die Leute vom Zentral- verband deutscher Industrieller nicht, in wie gewaltiger Weise die deutschen Ausfuhrzahlen sprunghast in die Höhe gehen? Wollen sie der deutschen Arbeiterschaft verhehlen, daß man in allen Ländern die gewaltig wachsende Industrie- kraft Teutschlands bestaunt und beneidet? Wissen sie nicht, daß in allen Berichten der Handelskammern Englands und Frankreichs, Oesterreich-Ungarns und der Schweiz immer wieder gejammert wird, daß die so billig arbeitende deutsche Industrie trotz aller Schutzzölle die Produktionscntwicklung dieser Staaten hemmt, daß immer mehr deutsche Produkte in diese Länder eindringen und daß mit keiner Industrie der Welt auf dem Weltmärkte der Kampf so schwer zu führen ist wie gerade mit der deutschen. Damit ist doch deutlich gesagt und statistisch durch unsere Aiissuhrzahlcn klar er- wiesen, daß die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie über allen Zweifel erhaben ist. Gerade in der Periode, seit der von deutscher Sozialpolitik überhaupt gesprochen werden kann, wurde sie übermächtig. Tic gleichen Einwendungen, die gegen unsere Forderung einer?srbeitsIoscnversicherung, eines?kormalarbeitstages, eines höheren Schutzes der Frauen »nd Kinder gemacht werden, die gleichen Einwendungen haben die Bueck, Beniner und Genossen seit den ersten An- regungen für die deutsche Arbeiterversicherung gemacht. !stn ben Mitteilungen des Zcntralverbandes deutscher Jndu- strieller kann man seit mehr als 39 Jahren die Schablonen finden für die Einwendungen, die in den„Berliner Poli- tischen Nachrichten" aus Anlaß der sozialpolitischen Erörtc- rungen auf unserem Gewerkschaftskongreß gemacht werden. Unsere deutsche Industrie liefert um hunderte Millionen Produkte nach dem Orient, nach dem äußersten Osten und den südamerikanischen Staaten, also nach Ländern, in denen her Arbeiterschutz und die Arbeiterversicherung, die Fabrik- lnspektion und Gewerbegerichte, alle diese von unseren Unter- nehmern so gehaßten Einrichtungen sich nicht finden. Warum errichteten unsere Unternehmer incht in jenen Ländern mit dem idealen Zustande völliger Freiheit von jeder Sozial- Politik Fabriken? Warum lassen sie ihre Waren in Deutsch- kand herstellen von diesen unzufriedenen, gewerkschaftlich organisierten Arbeitern, die um höhere Löhne und um kürzere Arbeitszeit känipfen, die für die staatliche Fortführung der Sozialpolitik unaufhörlich bemüht sind, deren Vertreter im Parlament ununterbrochen auf die Regierung einwirken, damit das, was an Arbeiterschutz und an Arbeiter- Versicherung in Teutschland existiert, auch wirklich durch- geführt werde? Tas muß doch wohl seine triftigen Gründe haben! Deutschlands In du st riccnt Wicklung und die W e l t st e ll u n g der deutschen In d u st r i c hängen eben auf das innigste von diesen Ar- Sonnabend, den Ä7. Juni 1914. Ibeitcrn ab! Man kann in der Türkei und in China, man kann in Siam und in Bolivien nicht die deutschen Waren herstellen, weder in derselben Qualität, noch in der- selben Billigkeit wie in Teutschland: die deutschen A r b e i t,c r sind die wichtigste Voraussetzung für die W e l t st c l I n n g der deutsch e n Jndu st ri e. Tie Entwicklung unserer Großbetriebe, die tief durch- dachte Organisation innerhalb der industriellen Unter- nehmungen, die ununterbrochene technische Vervollkomm- nung der Maschinerie hängen auf ckas engste zusammen mit dieser, den Unternehmern so unsympathischen Un- Zufriedenheit der deutschen Industriearbeiter. Wo bcdürfuis- lose Kulis arbeiten, wo Halbindianer in der Tretmühle von der Peitsche angetrieben werden, dort fehlt den Kapi- listen der Trieb nach Vervollkommnung der Industrie. Gerade die Forderungen der Arbeiter, gerade die sozial- politischen Pflichten treiben diese Industrie zu einer immer höheren Steigerung der Leistungsfähigkeit. Das lehrt uns die Jndustriegeschichte Großbritanieiis, das lehrt uns die Jndustriegeschichte der Neu-England-Staaten und später auch die der übrigen Staaten in der nordamerikanischen Union, das lehrt uns die Jndustriegeschichte in der Schweiz und später als in England die Jndustriegeschichte Teutschlands. Tic überaus sein ansgedachtcn, immer wieder durch neue und leistungsfähigere Typs vervollkommneten Spezial- Maschinen in allen deutschen Industrien wären in der Türkei oder in China unmöglich. Erst das Erwachen der Arbeiter, erst ihre Unzufriedenheit, erst die Ucberwindung ihrer ver-S fluchten Bedürfnislosigkeit und sie Steigerung der poli- tischen Macht des Proletariats zwangen das Unternehmer- tum zu diesen höchsten Leistungen, wie wir sie in den amerikanischen, englischen, deutschen und schweizerischen Industriezentren sehen und um die sie von den zurück- gebliebeueren Ländern und deren Fabrikanten beneidet werden. Nicht die Arbciterschntzlosigkeit, sondern der Arbeiter- schütz, nicht die Zufriedenheit der Arbeiter, sondern ihre Unzufriedenheit, nicht die Rechtlosigkeit der Arbeiter, son- dern ihr politisches Machtbewußtsein steigerten den Antrieb zur glänzendsten Jndustricentfaltnng. Das ist für jeder- mann klar, der weiß, welche Wirtschaftsgebiete in unserer Zeit die führenden sind und welche in ihrer Entwicklung trotz aller Anstrengungen ihrer Regierungen— wir verweisen auf Ungarn und Rußland— zurückgeblieben sind. Wenn man die deutschen Unternehmer über die Lasten der Sozialpolitik jammern hört, die angeblich die Entwick- lung der deutschen Industrie hemmen sollen, dann muß man, wenn man lediglich das und nichts anderes von der Welt kennt, in dem Glauben leben, als ob nur in Teutschland Sozialpolitik gemacht würde, als ob die übrigen Staaten noch in dem Zustand verharrten, in dem Deutschland etwa zur Zeit der Gründung des Norddeutschen Bundes war. Es ist gerade ein Verdienst Robert Schmidts, daß er auf eine Reihe von Ländern hingewiesen hat, die im Vergleich zu dem Schneckengang deutscher Sozialpolitik einen erheb- lich rascheren Fortschritt dieser Gesetzgebung in anderen Staaten zeigen. Robert Schmidt hat bewiesen, daß Zweige der Sozialopolitik, die in Teutschland noch gar nicht in An- griff genommen sind, in anderen Staaten aufs sorgsamste gepflegt werden, und daß dort, wo das Deutsche Reich das Verdienst hat, neue Bahnen eröffnet zu haben, auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung, andere Staaten in ihren sozialpolitischen Leistungen viel weiter gegangen sind. Daß diese Nachweisungen an einer so hervorragenden Stelle, wie es der Kongreß der Gewerkschaften Teutschlands ist, den„Berliner Politischen Nachrichten" und ihren Hinter- männcrn unbequem sind, kann man wohl begreifen. Wenn aber dieses Blatt über maßlose Uebertreibungcn und Ent- stellungcn zetert, so kann man nur die Frechheit bewundern, mit der dieser Söldling des Kapitalismus den Tatsachen Gewalt antut. Er entrüstet sich darüber, daß man nicht die Schriften der Schwcighoffer, Steller, Kind auf dem Gewerkschaftskongreß zitiert hat. Tas fehlte gerade noch, daß diese tendenziöse Tarstellung über die sozialpolitische Bedeutung der deutschen Industrie Kredit durch eine Zi- tierung in dem Arbeiterparlament erhielte! Tic„Berliner Politischen Nachrichten" leugnen in dein angeführten Artikel nicht nur die Wirkung der Sozialpolitik, sondern auch die Tatsachen des Steuerwcscns. Sic stellen es so dar, als ob die steuerlichen Lasten durch soziale Zwecke ihre gegenwärtige Höbe erreicht haben. In unserem Reiche des Militarismus und'der agrarischen Liebcsgabenpolitik, der Verteuerung des täglichen Brotes und der Unterbindung des Fleischgcnusses davon zu reden, daß die Aufwendungen für soziale Zwecke die Steuerlasten verursacht hätten, ist mehr als kühn. Daß die Kommunalsteuern infolge von Armen- und Schullasten in die Höhe gestiegen sind, ist richtig, aber die Entwicklung der Industrie hat aus kleinen Orten große Industriezentren gemacht, hat Millionen von Menschen aus der alten Heimat in die Mietskasernen anderer Städte gezwungen. Tie ganzen Lasten hierfür haben nicht die Unternehmer, haben die Gemeinden zu tragen gehabt. Was die Heercsvermehrungen, was die-Neubcwaffnungcn, was die Kriegsschiffsbauten, was die Luftflotten, was die Weltpolitik, was die imperialistischen Bestrebungen für die Steuerpolitik bedeuten, weiß jeder politische ABC-Schiitze. Expedition: SRI. 68» L.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Btoriliplali, Nr. 1981. Aber die„Berliner Politischen Nachrichten" wollen die Sozialpolitik für die Steuerbclastung verantwortlich machen. lieber die steigende Mehrbelastung des Kapitalismus jam- mern die„Berliner Politischen Nachrichten", die für den lückenlosen Zolltarif eintreten und die die Verteuerung der Lebenshaltung der Arbeiter durch Zolle ohne zeden Wider- sprach hinnahmen. Der Gewerkschaftskongreß protestiert und wird pro- testieren gegen alle Machenschaften, die die Hintermänner der„Berliner Politischen Nachrichten" pflegen. Deshalb ist der Haß der Scharfmacher gegen diese so bedeutsame Tagung begreiflich. Mit um so größerer Begeisterung wird die Arbeiterklasse das, was der Kongreß beschließt, und die Beweggründe der Beschlüsse in sich aufnehmen und verarbeiten und zu ihrem Leitstern machen in dem Kampf gegen alle Scharfmacher und gegen alle, die ihn stützen. Grenzstreitigkeiten unö Mbeiterinteresten. M ü n ch e n, 26. Juni 1?1». Vielen Erwartungen widersprach das verhälluiSmätzig rasche Tempo der Erörterung über die Greuzstreitigkeiten: deshalb konnte man erstaunt sein, daß heute diese Debatie wieder ansgenonmien wurde. Ihr erfreulicher Abschluß ist vor ollen Dingen den Metall« arbeitern zu perdanken, die in einer Sitzung ihrer Delegierten am gestrigen Abend eine Resolution formuliert hatten, die in höherem Maße als die vorliegenden Anträge einen Miitelweg zwischen den widerstreilenden Anschauungen bahnen wollte. Schlicke begründete diesen Antrag, der eine zienrl ich lebhaue Eröricrung Hervorries, die aber geiragen war von dein Streben, eine Mehr- heit für den Ausgleich zu finden und den Antrag der Metallarbeiicr, den Schlicke selbst ergänzte, den Bedürfnissen möglichst anzit« passen. Sicherlich ist man min zu einem besseren und freundlicheren Abschluß der Erörterungen über die Greitzstreitigkeitsii gekommen. Es zeigte sich ans allen Seiten ein höherer Grad v'o» Entgegen« kommen als in den vergangenen Debatten. Aber daß das letzte Wort über die Grenzstreiügleiten gesprochen wäre, glaub! iiiemand. L e g i e n gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß man sich nach drei Jahren, vielleicht schon früher, wieder mit dieser Frage beschäftigen würde. Das wesentliche Ergebnis ist, daß nun die Schiedsgerichte die Greuzstreitigkeiten ans Grund der Beschlüsse der Gewerkschakts- kongresse entscheiden sollen, und daß diese Schiedsgerichtsurteile durch ein Revisionsverfahren, nicht durch eine Berufung angefochten werden können. Ein weiterer Ausbau gewerkschaftlicher Institutionen ist damit zu verzeichnen. Können diese neuen Einrichtungen auch keinen Ausgleich zwischen den bestehenden Einrichtungen der Gewerkschaften und den durch die Entwicklung de? Kapitalismus sich ergebenden Notwendigkeiten schaffen, so werden sie doch beruhigend, versöhncud und zum mindesten aufschiebend auf die Streitigkeiten einwirken. Daß aber, so groß auch das Ergebnis dieser Beschlußfassung zu werten ist, auch heute noch nicht ein alle Teile befriedigende? System geschaffen wurde, geht aus den Erklärungen der Leiter des Fabrik- arbeiter- und des Geincindearbeiterverbandes hervor. Auch die Bc« richtigung, die über die Lrganisationszugehörigkeit der Metallarbeiter in den Zigarettenfabriken gegeben wurde, beleuchtet nach Abschluß der Debatte die Fortdauer der Schwierigkeiten, die aber jetzt gemildert und gemindert werden dürsten. Tann kam die neuerliche Erörterung über die Greuzstreitigkeiten und die Diskussion über den ArbcitSwilligenschutz und den Unter« nehmer-Terrorismus heran. Eine von Leipziger Metallarbeitern gestellte Resolution wollte die Schlickesche Resolution durch einige dazugefügte Sätze ergänzen, die zum Schluß verlangen, daß der M a s s c n st r e i k als Mittel zur Verteidigung des Koalilions« rechtes in Anspruch genomnien wird. Genosse L e i p a r t wider- sprach dieser letzten Forderung, weil durch diese Erörterung ein Widerspruch gegen einen Beschluß dieses Gewerkschaftskongresses hervor- gerufen würde, der bei Feststellung der Tagesordnung eine Erörterung der Massenstrcikfrage abgelehnt hatte. Vielleicht zogen die Metall- arbeiter aus diesem Grunde diesen Teil ihrer neuen Resolution zurück und ließen durch ihren Sprecher Lieb ma n n den übrigen Teil be- gründen, nachdem in aufregender Weise der Stettiner Schauer vom Terrorismus der Unternehmer gegen die Arbeiter in Pommern gesprochen hatte. Mit der größten Anteilnahme folgte der Kongreß den Darlegungen des Genossen Fröhlich, der ein Märtyrer der Gewerkschaftsbeweguiig dank der Zeugenschaft eines der Staats- anwaltschast besonders glaubwürdig erscheinenden Zuhälters Ivurdc. In eindrucksvollen Worten sprach Leipart die Sympathie des ganzen KongresieS diesem Opfer eines besonders„glaubwürdigen" Lumpen- Proletariers auS. Sehr bemerkenswert waren auch die Ausführungen des Genossen Knoll, der nachwies, daß die maßgebenden Regierungsstellen in Preußen die Tarifvertragsabschlüsse bekämpften, obgleich ja sozialpolitische Illusionäre diese als Friedensdokument gepriesen hätten. Den zweiten Teil der Sitzung füllten die Referate über die Be» strebungen des Verbandes Deutscher Arbeitsnachweise aus. lieber diese Frage referierte der Holzarbeiter Adam Neumaua. Er geigte, ivicdicl die sehr gerühmten Sozialpolitikcr, so der Geheimrat Areund, die Arbeitsnachweise dem Einfluß, ja jeder Mitbestimmung der Arbeiter vollständig entwinden wollen. Ein überalls reiches Material gruppierte er geschickt � zu einem interessanten Bild wohlüberlegter und von den Arbeitern noch lange nicht genug gewürdigter RechtloSmachnng der nach Arbeitsgelegenheit suchenden Arbeiter. Für die Beurteilung der bürgerlichen Sozialpolitik, wie zur Steigerung des Mißtrauens der Arbeiter gegen die Vorschläge, die von dem Verband deutscher Arbeitsnachweise gemacht werden, wird das Referat von Neumann viele wertvollen Dienste leisten. An das umfangreiche Referat schloß sich eine lange Debatte an. Metall- arbeiter, Bauarbeiter, Gastwirtsgehilfen u. a. nahmen zu der Frage der Arbeitsvermittelung Stellung, wobei sich mancherlei Verschieden- heiten in der Stellung zu den Freundschen Vorschlägen ergab. Die von Neumann vorgeschlagene Resolution fand jedoch' einstimmige Annahme. Der albanische /lufstanö. Tie Tatsache, das? die erdrückende Mehrzahl der albanischen Stämme mit schußfcrtigen Gewehren gegen ihren auf- gezwungenen Fürsten steht, beginnt zu einer akuten europäischen Gefahr zu werden. Die schwarz-gelbe Hetzpresse verlangt, daß die internationalen Streitkräfte zu einem ge- schlosscnen Angriff gegen die Albaner geführt werden sollen. Das hieße zu den bisherigen Dummheiten der inter- nationalen Diplomatie noch das Verbrechen fügen. Das einzige, was die Völker Europas in der gegebenen, völlig verfahrenen Sittiation verlangen müssen, ist die schleunigste Abdankung und Abreise dieses, unglückseligeit Dilettanten, der jemals auf einem wackeligen Fürstenthron gesessen. Mag er unter dem Schutze der internationalen Marinemannschaften sich nlit Kind und Kegel auf einem Dampfer einschiffen; es ist schon genug Blut um ihn geflossen. Es ist um jeden Schuß schade, der jetzt noch um eine völlig tote Sache los- geht. Geradezu verbrecherisch iväre es, das Morden wieder aufzunehmen, noch schlimmer aber, mit dem Blute europäischer Soldaten die albanischen Felsen zu besprengen. Mögen öfter- rcichische und deutsche Abenteurer und Desperados sich zu einer Schutzgarde des bankrotten Fürsten hergeben, für die Völker Europas kann es nur eins geben: Sie haben ihren Negierenden nachdrücklicher denn je zuzurufen: die Hände weg von Albanien. Eine österreichische Verlegcnheitomeldung. Turazzo, 26. Juni, 9 Uhr abends.(Meldung des Wiener K. 5k. Telegraphen Korr.-BurcauS). Die auswärts verbreitete Meldung, daß Prenk Bibdoda gefangengenommen und gegen Ehrenwort freigelassen worden sei, ist aus der Luft gc- griffen.(?) In der vergangenen Nacht, soivie im Laufe des Tages hat sich nichts Beincrkenswcrtes ereignet. Die Ausrodungen auf der Sunipffläche und die übrigen Befestigung� arbeiten werden eifrig fortgesetzt. Der Waffenstillstand ist bis hellte abend verlängert worden. Inzwischen laufen aus dem Süden fortwährend ungünstige. jedoch nicht genau kontrollierbare Nachrichten ein. So scheint sich der Fall Bcrats noch nicht zu bestätigen, jedenfalls sind aber diese Stadt und Ficri g e f ä h r d e t. Valona ist noch nicht bedroht. Ismail Kemal soll in Valona und in den südlichen Gebieten, wo er Einfluß besitzt, eifrig bemüht sein, ein Freiwilligcnkorps zu sammeln, um den vorrückenden Aufständischen entgegen- zutreten. Mit den Aufständischen fanden heut keine Verhandlungen statt: die Lage ist im allgemeinen ungeklärt. Für morgen früh ist ein a l l ge m e i n c r Artillerie- angriff geplant, während die Stadtbatterieu die feindlichen Stellungen am Rasbill bombardieren sollen, soll die„Her- z e gj) iv i n a" die Stellungen in der Richtung auf Kavaja bei Sasso Bianca beschießen. Keine Verhandlungen mehr. Wien, 26. Juni. Nach einer der„Neuen Freien Presse" aus Durazzo zugegangenen Meldung sollen die Verhandlungen mit den Napoleon III. unö sein Heer. Die soziale Grundlage, auf der sich die Herrschast Louis Bon apartes erhob, war die Erschöpfung der Arbeiterklasse nach dem grausamen Aderlaß der Junischlacht, die Erbitterung der bäuer- lichen Klasse gegen die Julirevolution und die Republik und der Profittaumcl der Bourgeoisie in den Jahren des industriellen Auf- fchwungS nach dem Staatsstreich. Das Mittel aber, mit dem der Dezembermann herrschte, war das Heer. Auf das Heer hatte er sich »nt Hilfe ehrgeiziger und unzufriedener Generale gestützt, als er am 2. Dezember 1851 die Kammer auseinanderjagte und die Ver- fassung über den Haufen warf, das Heer diente ihm als Bollwerk gegen die Flut der sozialen Revolution, deren Branden doch zu- weilen in seine unruhigen Träume tönte, das Heer war eS, das als Werkzeug seiner auswärtigen Politik durch Siege über die„Erbfeinde" dem Kaiserreich den Glanz der nötigen„Gloire" zu verleihen hatte, und mit dem Zusammenbruch des Heeres vollzog sich 1S70 auf den Feldern von Wörth. Metz und Scdan auch der Zu- iammenbruch des Empire. Da ist es von Interesse, de» Wechsel- beziehungen zwischen Wehrverfassung und Staatsverfassung während des zweiten Kaiserreichs nachzugehen, wie sie Max v. Szczepansli in einem anregenden Werke aufdeckt.*) Wenn der Verfasser auch nicht mit dem Oel des historischen Materialismus gesalbt und seine Weltanschauung auch konservativ gerichtet ist, so betrachtet er doch keineswegs die Dinge vom beschränkten Stand- punkt des beschränkten Militärs. Delbrücks kriegswissenschaftliche Arbeiten hat er mit Nutzen gelesen, er weiß um die soziale Gliederung eines Volkes in Klaffen recht wohl Bescheid und kehrt mit Recht ein Wort TreitschkeS dahin um, daß die Staats- Verfassung ändern,, die Grundlagen der Heeresverfassung ändern heiße. Da S z c z e p a n s k i zudem die Gabe klarer und packender Darstellung besitzt und einen Stil schreibt, um den mancher Berufs- literat diesen Offizier beneiden könnte, so ist die Lektüre des Buches für jeden von Gewinn, der dem behandelten Gegenstand nur etwas Interesse entgegenbringt. Das allgemein« Stimmrecht, das die Februarrevolution von 1848 ollen Franzosen im Alter von mehr als einundzwanzig Jahren gebracht hatte, machte auch vor den Toren der Kaserne nicht Halt: *) Max v. Szczepansli: Napoleon HI. und sein Heer. Gin Beitrag zu den Wechselbeziehungen zwischen Wehrverfasfung und Staatsverfassung während deS zweiten Kaiserreichs der Franzosen. Karl WinterS UmversttätSbuchhandlung, Heidelberg ISIS. Aufständischen aus Betreiben der holländischen Offiziere endgültig abgebrochen wordeil sein. Die Aufstandsbcwegung in Südalbanicn. .Wien, den 26. Juni. Oesterrerch-Ungarn und Italien haben ihre Kriegsschiffe von Durazzo nach Valona ent- sandt, um die fremden Staatsangehörigen zu schützen eventuell an Bord zu nehmen. Aus S k u t a r i ist der Stadt- kommandant Philips in Durazzo eingetroffen und hat den Fürsten davon verständigt, daß unter den Muselmanen in Skutari eine aufständische Bewegung im Gange sei, deren Ausbruch stündlich zu erwarten ist. Oesterreichische Treibereiell. Wien, 26. Juni. Der„R c i ch s p o st" wird über Castel- nuovo telegraphiert: Die Lage in Durazzo ist sehr ernst. Zum ersten Male nahmen an den Friedensverhandlungen auch katholische Priester teil. Angesichts der unsicheren Lage er- scheint die Stellung geniischter internationaler Truppen für die militärische Aktion des Fürsten alleinige Rettung zu ermöglichen. Die Rebellen verschanzen sich auf den Raspulhöhen. Der ucuestc Schwindel. Wien, 26. Juni. Für da? F r e i w i l l i g e n k o r p s für Albanien, zu dessen Bildung von privater Seite ein Aufruf erlassen ist, haben sich im Laufe des Tages 1206 Personen gemeldet. Ins- gesamt sollen 1660 Mann zusammengebracht werden. Eine große Zahl der Freiwilligen sind ehemalige Offiziere sowie Studenten und A e r z t e. Am Sonntag früh soll eine Kolonne nach Durazzo abgehen.____ Arbeiterpartei unö öuöget. London, 23. Juni(Eig. Ber.) Eine eigenartige Lage ist im Unterhause durch das Manövrieren der Regierung mit der Finanzbill entstanden. Man wird sich erinnern, daß das Budget dieses Jahres bemerkenswerte Nelierungeu enthielt. Ten Kern bildeten die Staatszuschüsse, die den Gemeinden zur Durchführung der zahlreichen kulturellen und sozialen Aufgaben, die ihnen das Parlament in den letzten Jahren zugewiesen hat, ge- währt werden sollten. In bewegenden Worten schilderte Herr Lloyd George in seiner Budgetredc die Not der Geineinden, und großes Lob wurde ihm wegen seiner staatsmännischen Klllgheit gespendet. Nun ist der ganze Plan zu Wasser ge- worden; die Regierung hat den Plan, der sich auf die Ver- teilnng der Staatszuschüsse bezieht, zurückgezogen, und die Gemeinden haben das Nachsehen und müssen sich mit den, Trost begnügen, daß die Regierung im nächsten Jahre, falls sie dann noch leben sollte, das Projekt wieder einbringen wird. Das Fallenlassen der Zuschüsse hat natürlich eine Herabsetzling der Einnahmen notwendig gemacht, und die Regierung hat das Budget wieder ins Gleichgewicht gebracht, indem sie die Einkommensteuer für die höchsten Einkommen herabsetzte. Daß sie gerade den Besitzern der kräftigsten Schultern eiitgegenkaiii, ist kein Zufall; denn sie ist zu dem Schritt von den frondierenden liberalen Millionären gc- trieben worden, die unter dein Deckmantel des finanziellen Purismus dem Budget den Krieg erklärt hatten, Etwa 15. oder 26 reiche liberale Parlamentarier schlössen sich vor etlichen Tagen zusammen und erklärten, daß das Parlament zuerst die den Staatszuschiissen zugrunde liegenden Prin- zipien feststellen und annehmen müßte, ehe man das Geld von den Steuerzahlern erhebe. Sie protestierten mithin gegen die van Lloyd George eingeführte Methode, unter dem Deckmantel einer Finanzbill, der die Lords ja nichts anhaben können, Reformen einzuführen, die Geld kosten. Sie drohten, im Parlament gegen die Regierung zu dcmon- slrieren, was zur Folge hatte, daß die Regierung gleich ohne Zeremonie miificl. Sie ließ das beanstandete Projekt sollen und brachte den entrüsteten und sittenstrengen Millionären ein Sühneopfer in Gestalt der reduzierten Einkommensteuer. Tie Entscheidung des Speakers, daß das Budget nicht ord- niingsmäßig eingebracht worden sei, daß aber die versäumten Formalitäten noch nachgeholt werden könnten, half der Rc- gierung einigermaßen über den verwirrenden Rückzug hinweg. Nun haben die Konservativen zu der ziveiten Lesung jeder Soldat war Wähler, jede Militärperson wählbar. In der Kammer zwischen 1848 und 1351 saßen denn nicht wenige Generale und Offiziere aller Grade, deren politische Färbung vom äußersten Royalismus bis zum wütendsten Republikanismus reichte— der Unterosfizier B o i ch o t, dem man für den Verzicht auf sein Mandat vergeblich die Osfiziersepauletten anbot, nannte sich sogar einen Sozialisten. Was die Stimmung des ganzen HeereS im Jahre 1848 anging, so war daS Offizierkorps im allgemeinen monarchistisch ge- sinnt, die Masse der Soldaten dagegen republikanisch überzeugt oder schon sozialistisch gesprenkelt. Immerhin gelang cS Louis Bona- parte verhältnismäßig leicht, durch ein paar gewissenlose Abenteurer vom Schlage des Generals St. A r n a u d die Bajonette für den Staatsstreich in Bewegung zu setzen. Da aber das Heer nicht nur ein politisches Objekt in den Händen des Staatsstreichlers, sondern durch das Wahlrecht auch politisches Subjekt war, mußte es durch Teilnahme an dem Plebiszit über die gewaltsame Verfassungsänderung des 2. Dezember noch im besonderen seineu Willen kund- geben. Dabei stimmten rund 3S 666 Man», also etwa ein Zehntel der Armee, mit Nein, und zwar zeigt unS ein Bericht des späteren Marschalls Mac Malfon über die Abstimmung der Garnison von Oran, wie die politische Meinung in den einzelnen Truppen- teilen war: die Infanterie stimmte überiviegend mit Ja, die Zuaven und das 2. Regiment Ehasseurs d'Afrique gänz- lich mit Ja, die Artillerie zur Hälfte mit Nein, das Genie- detachement lPionicre) in der Mehrheil mit Nein und die Disziplinar- und Arbeitssoldaten alle mit Nein. Die Truppenteile, die sich im wesentlichen aus der Bauernklasse rekrutierten, hoben also Louis Bonaparte zustimmend auf den Schild, die Waffengattungen, die nicht wenige städtische Handwerker und Arbeiter in ihren Reihen zählten, verwarfen ihn ebenso wie die in den DiSziplinarabteilungen untergebrachten Revoltierer gegen die herrschende Ordnung.- Die erste Handlung der neuen Regierung war ein Dekret, das die Auslösung der Nationalgarde in ihrer bisherigen Form verfügte und sie in wesentlich bedeutungsloserer Gestalt wieder aufleben ließ. Die Nationalgarde unter Ludwig Philipp—„wohlgenährte Helden", spottete Heine,„mit großen Bärenmützen, worin Krämerköpfe stecken"— war nicht nur eine Art Heeresreserve, sondern vor allem nach einem Wort Casimir- PerierS die „große Armee der öffentlichen Ordnung". Aber gerade in den Februartagen von 1848 hatte die Nationalgarde, schwankend und unzufrieden mit dem Regime deS Bürgerkönigs, den ersten Anstoß zum Abfall der Linientruppen gegeben. Ein Kaiser von deS Staats- streichs Gnaden wie'Napoleon III. wollte daher auf keinen Fall etwas mit Streitkräften zu tun haben, die nichts anderes als be- waffnete Bürger, als das Volk in Waffen waren— er bedurfte der Finanzbill ein Amendement eingebracht, in dein die sofortige Unterstützung der Gemeinden aus Staatsmitteln gefordert wird. Tie Arbeiterpartei, die diese Forderung ebenfalls erhebt, wird aber für dieses Amendement nicht stimmen können, da es auch eine Verurteilung der vor- geschlagenen neuen Gemeindesteuerveranlagnng, bei der der Bauplatzwert eines Grundstücks als Grundlage dienen soll, enthält. Sie hat daher beschlossen, sich bei der Abstimmung der Stimine zu enthalten, um so ihrem Protest gegen das Fallenlassen der Staatszuschüsse für die Gemeinden und die Entlastung der hohen Einkommen Ausdruck zu verleihen. Sie verlangt die Ermäßigung der indirekten Steuern. ES ist auch wahrscheinlich, daß einige Liberale eine ähnliche Haltung einnehmen oder, gar für das konservative Amcnde- ment stimmen werden. Jedenfalls befindet sich die Regierung in einer kritischen Lage. Ein weiteres Moment, daß Be- achtung verdient, ist der Beschluß der liberalen Plutokraten, auch fürderhin zusammenzuhalten, um die Finanzpolitik ihrer Partei zu überwachen. * London, 26. Juni.(PrivattclcgramiN d e s „Vorwärts"). Die Regierimg kam gestern bei der Ab- stimmung über das konservative Budgetaincndement nahe an den Rand des Verderbens. Abends hieß es, daß die Re- gierung fallen würde, aber es gelang ihr dennoch, die Mehr- heit der Kammer für sich zu gewinnen. Die gewöhnliche Mehrheit bei wichtigen Anlässen schwankt zwischen 80 und 94. Das entscheidende Moment war die Stimmenthaltung der Arbeiterpartei, die gegen die Zurückziehung der staatlichen Zuschüsse für die Gemeinden und die Herabsetzung der Einkommensteuer der Höchstbestcuertcn protestierte. Auch konnte sie für das konservative Amendement nicht stimmen. Der Dienstag gefaßte Beschluß, sich der Stimme zu enthalten, wurde gestern in der Fraktionssitzung der Arbeiterpartei wieder besprochen. Einzelne Mitglieder der Fraktion sollen auch dafür gewesen sein, die Regierung zu unterstützen, aber die Drohung der Sozialisten, in diesem Falle für das konservative Amendement zu stimmen, soll zur Auf- rechterhaltung des Beschlusses vom Dienstag geführt haben. „Daily Citizen" meint, die Abstimmung Habs der Regierung eine Lektion gegeben, die sie nicht so leicht vergessen werde und fügt hinzu:„Es sind die reichen Liberalen, die als Sieger aus dem Kampfe hervorgegangen sind. Sic sind es, die man auf Kosten der Arbeiter und Arbeiterinnen versöhnt hat. Wenn Herr Lloyd George beredt die Missetaten der Reichen verurteilt, meint er natürlich die konservativen Reichen und nicht die seiner eigenen Partei."___ politische Ueberslcht. Eine neue Flottcnvorlage'( Von angeblich glaubwürdiger Seite wird einer ZcntmmS- korrcspondenz mitgeteilt, daß derzeit in den beteiligten Reichs- rcssorts Vorbereitungen zu einer neuen Flottennovclle ge- pflogen ivcrden. Das Reichsmarineamt sei schon mit seinen Entwürfen fertig: jetzt handle es sich darum, die Zustimmung deS Kaisers zu erhalten, die aus der Kieler Woche erfolgen soll. Die Zentrumskorrespondenz bemerkt Hierzu: „Dann darf das Reichsschatzamt sich den Kopf zerbrechen, wo« her es die Gelder nimmt. Ob der Bundesrat von einer solchen Borlage sehr erfreut sein wird, angesichts deS Fehlbetrages von 150 Millionen Mark beim Wehrbeitrag? Ob der neue Kriegs- minister nicht auch noch einige„Lücken" entdeckt, wenn sein Kollege von der See die Rüstungen verstärkt? Wir warten alles in Rnbe ab; wir wissen auch, daß das übliche Dementi einer nichr orientierten Stelle kommen wird, aber im kommenden Winter wird sich zeige», wer recht hat. Uns genügt es, jetzt schon auf diese Pläne hingewiesen zu haben, damit die Steuerzahler beizeiten sich einrichten können." Die Zentrnms-Korrcspondenz sollte mit ihrer Kritik vorsichtiger sein. Wir werden es wieder erleben, daß das Zentrum ivie bisher bei der neuen Flotten- oder Hecresvorlage zunächst etwas Opposition treiben wird, um dann die Steuerzahler um so sicherer einseifen zu können. Das Zentrum wird also vielmehr der Waffen gegen das Volk und konnte deshalb nur ein Prätorianerarmee gebrauchen, denn sein Regierungsprogramm deckie sich mit der nüchternen Formel: Militärherrschast im Innern, aus- wältige Kriege!„Der Ursprung des zweiten Kaiserreichs", sagt Szczepanski,„wies dessen Staatsoberhaupt einfach darauf hin, die Gesellschaft durch die Massen, die Massen durch das Heer zu be- herrschen oder doch wenigstens in Schach zu halten." Um das Heer mit dem Geist allzeit willfährigen Prätorianer- tums zu durchsäuern, wurde zunächst das Wahlrecht der Militär- Personen sehr eingeschränkt: fast nur noch bei Plebisziten kam eS zur Geltung. Zum zweiten förderte man mit allen Mitteln die Trennung von Heer und Volk: häufige Versetzungen ließen leinen Truppenteil in einer Garnison heimisch werden. Zum dritten diente die Schaffung einer kaiserlichen Garde als Elitetruppe ganz der Be- günstigung des Prätorianertums. Bor allem aber und in erster Reihe bedeutete das Heeresgcsetz von 1855 den Uebergang zum Söldnerheer. Die allgemeine Wehrpflicht hatte es zwar vordem nicht gegeben, doch jetzt durchlöcherte die Ein- sührung des Loskausfsrcchts und des„ rvugaxoweM" iWiederverpflichtnngj die jährliche Konskription. Wer sich vom Waffendienst loskaufte, brauchte keinen Stellvertreter mehr zu stellen, sondern der Staat sorgte dafür, meist in der Art, daß ein Mann, der seine sieben Jahre abgedient hatte, sich für hohe Dienst- Prämien anfsj neue verpflichtete. Das gab einen Stamm Triarier, die sich überall, in der Krim wie in Italien, in China wie in Mexiko herumgeschlagen hatten, und von der rechten Prätorianergefiiinung erfüllt waren, aber zugleich wurden dadurch weite Volkskreise dem Heerwesen gänzlich entfremdet. Jnnerpolitisch war daS, vom Standpunkte Bon apartes gesehen, sehr gut:„Indem es dem Bürger« tum die Befreiung vom Dienst in weitgehendster Weise ermöglichte, entzog das Gesetz den nicht besitzenden Klassen die kräftigsten, ver- wegensten und tüchtigsten Elemente und erzog sie zur Gegnerschaft gegen diejenige», welche die republikanischen Freiheiten unter sozio- listischen Konsequenzen zu betonen nicht aufhören wollte«." Aber daß dieses System töricht und verderblich war, sobald das Heer als Werkzeug der auswärtigen Politik in Frage kam, zeigte sich in erschreckender Weise in dem äußerlich so„glorreichen" Feldzug von 1859: nach der Niederlage der Oesterreicher hatte die französische Arinee den Verlust eines Zehntels ihrer Gesamtstärke zu beklagen und war, da bei dem herrschenden System ihr Nachschub nur ans nnonS gebildeten jungen Leuten bestehen konnte, ganz und gar unfähig, auch den Preußen, die am Tage von Solferino mobil« gemacht hatten, die Spitze zu bieten. Zur selben Zeit, als Napoleon mit dem Liberalismus zu liebäugeln begann, dachte er also an eine HeereSreorgamsation. Aber ein Versuch, Ar. 172. 31. Iahrgaug. 1. Crilojf drs„Hotiüärts" Herlim Bolblilnlt. Aonnabtnd, 27. Juni 1914. Gewerkschaftliches. Ein anmaßender Unternehmer. Der Reöatteur, Drucker und Verleger deä ,.N eurnarllcr �5 1 öd t B I a 1 1 c§" sowie auch Drucker des amilichen Kreis- Blattes in Neumarkt in Schlesien Beschäftigte Bis vor kurzem einen im Verbände der Deutschen Buchdrucker organisierten Ge- Bilsen. Da die Verhältnisse im Betriebe der amtlichen Kreisblatt- Druckerei viel zu wünschen übrig liehen und alles andere als i a r i f- m ä h i g bis aus die Entlohnung waren, kritisierte der Gehilse diese Zustände, woraus'der Chef— Groda ist sein Name— das„unbotmäßige" Verband-Mitglied einfach ans das Straßenpslaster setzte. Das Bekanntwerden der Entlassung und deren Ursachen mögen Groda sehr unangenehm gewesen sein. Er sann aus Abhilfe und verfiel schließlich auf ein Mittel, das ebenso originell wie ungesetz- lich ist. Groda schrieb nämlich an den Entlassenen: „Sie haben wiederholt über mein Geschäft und meine Person unwahre Aeußerungen getan, über geheime geschästl Verhältnisse gesprochen, unwahre Berichte abgegeben. Sic haben wiederholt meine Leute gegen mich zu beeinflussen. Angehörige meiner Leute in gleicher ungünstiger Weise gegen mich angespornt. Mir geschästl. Aerger und Verdruß bereitet. Meine G e- duld ist nun zu Ende. Ich fordere Sir aus, Reumarkt sofort zu verlassen und zu schweigen. Sollte ich Sie am 21. Juni noch hier finden, dann zwingen Sie mich, diese Angelegenheit der Staatsanwaltschaft zur weiteren Verfolgung zu übergeben. Die Folgen dürften Sie sich dann selbst zuzuschreiben haben." Dos muß man dem Unternebmer Groda lassen: Als Rehakteur und Verleger eines amtlichen Ärcisblattes hat er seinen Auftrag- gcbern den Polizeistil trefflich abgeguckt. Nach Form und Inhalt sieht sein Brief einer polizeilichen Verfügung verteufelt ähnlich. Aber so weit sind wir denn doch noch nicht, daß ein Unternehmer >— mag er auch ein Kreisblatt herausgeben— einen ihm unbequemen Mitmenschen einfach aus der Stadt ausweisen darf. Soweit gehen ja nicht einmal die Bcftignisse der preußischen Polizei. Natürlich hat Gröbas Schreiben auf den Empfänger keine andere als eine erweiternde Wirkung ausgeübt. Da aber der Brief den Tat- bestand der Nötigung darstellt, so hat ihn der Empfänger der Staats- anwaltschaft übergeben, in der Ueberzeugung, daß der so oft zuun- recht gegen gewerkschaftlich tätige Arbeiter angewandte Nötigungs- Paragraph hn diesem Falle mit vollem Recht angewandt werden muß. Serlin unö UmgegenS. Der Paritätische Arbeitsnachweis für das Berliner Gastwirts- gcwerbe wird am 1. Juli in dem Gebäude des allgemeinen Arbeitsnachweises in der Rückerstratze eröffnet werden. Dem gast- wirtschaftlichen Arbeitsnachweis sind die verschiedenen Branchen- abteilungen des Verbandes der Gastwirtsgehilfcn angeschlossen, auf feiten der Arbeitgeber die Verbände der deutschen� und der Bcr- lincr Gastwirte, der Verband der freien Gast- und Schankwirte und die Köcheinnung. Die zahlreichen blauen, gelben und sonstigen Gehilfenverbände und-vereinchcn bleiben dem Nachweis fern, sie wollen es auch in Zukunft versuchen, mit Hilfe eigener Nachweise ihre Existenz aufrechtzuerhalten. Der Verband der Gastwirtsgehilfcn hat den Anschluß voll- zogen, obgleich er gerade jetzt durch die zahlreichen Tarifverträge, die er in den letzten Jahren abschließen konnte, einen erheblichen Teil des Arbeitsmarktcs im GastwirtsgetOerbe beherrscht. Er tat dies, um desto besser noch als bisher die gewerbsmäßige Stellenvermittelung bekämpfen zu können, die, nachdem ein öffentlicher Llrbeitsnachweis für das Gewerbe besteht,' auf Grund des Stellenvermittlergesetzes von 1910, leicht ausgeschaltet werden kann. Tie starken Bedenken, die bei den Gewerkschaften infolge der bekannten unfreundlichen Haltung des �Verbandes deutscher Arbeitsnachweise gegenüber den paritätischen Facharbeits- nachweisen, in der letzten Zeit auftauchen mußten, haben die Gast- Wirtsgehilfen schließlich überwunden in der Hoffnung, damit den Interessen des gesamten Berufes am besten dienen zu können. Tic Beendigung des Streiks der Rohrer haben wir in der gestrigen Nummer mitgeteilt. Die Mitteilung enthält aber einen Irrtum. Die Versammlung hat die Zugeständnisse der Unter- nehmer nicht angenommen, sondern mit ö7 gegen 44 Stimmen ab- gelehnt. Die Mehrheit bildeten die Lokalisten, während die Minder- hcit den vom Vertreter des Deutschen Bauarbeiterverbandes vor- getragenen Gründen folgte. Unter diesen Umständen erklärte dann der Vertreter des Deutschen Bauarbeiterverbandes, daß für dessen Mitglieder der Streik beendet ist. Aus dem Fleischcrgcwcrbc. Tie Tarifkommission an der Nase herumzuführen versuchte der Fleischermeister Schreiber, Kant- straße 23, Rummelsburg. Viermal war nun die Kommission vor- stellig, bis endlich Herr Schreiber offen erklärte, k e i ne n Tarif- v�e r t r a g abzuschließen. Bei der ersten Vorsprache war Herr Schreiber mit dem Tarifvertrag einverstanden, wenn nur einer bewilligt, dann bewillige ich auch, erklärte er. Als der erste Fleischermeister in Rummelsburg bewilligt hatte, wurde die Koin- Mission wieder vorstellig und nun hatte Herr Schreiber die Aus- rede, er wolle erst mit den anderen Meistern sprechen, damit alle bewilligen. Am nächsten Tage sprach die Kommission wieder vor, da hatte Herr Schreiber in einer Zeit, wo nichts zu tun ist, keine Zeit und nun endlich geht er mit der Sprache heraus, daß er nie bewilligen wird. Die Sperre bleibt somit über die Firma Schreiber bestehen. Ferner sind in Rummelsburg die Firmen: Fcnske, Sonntagstr. 1, Gcngclbach, Mozartstraße und T i e I, Türrschmidtstraßc, wegen Nichtanerkennung des Tarifvcr- träges für organisierte Fleischergesellen gesperrt. Tic Tarifkommission. deutsches Reich. �leischernicister gegen Tarifverträge. Ter Arbcitgcbcr-Schntzvcrband für das deutsche Fleischer- gcwerbe hat auf seiner Generalversammlung am 23. Juni in Tanzig seinem Herzen durch Schimpfen auf den Zcntralverband der Fleischer, dessen Streiks und Tarifbcwegungcn sowie auf die Boykotts Luft gemacht. Tie Boykotts liegen den Zunftmeistern besonders schwer im Magen. Dem Schutzverband gehören 776 Mitglieder, die 2293 Gesellen beschäftigen, an. Es sind also vorwiegend größere Betriebe, die kleinen scheinen auf diesen sehr kostspieligen„Schutz"vcrband zu verzichten. Wenn man die Zahl der Fleischernieister in Betracht zieht, so ist die Mitglicderzahl sehr minimal sallein der Deutsche Fleischer-(Meister) Verband hat über 4ö 900 Mitglieder). Tie Erfolge des Zentralverbandes, der schon manchen zum Tarifabschluß gezwungen, machten den Herren viel 5lopfzcrbrcchcn. Einer erklärte,„da die Regierung es nicht für notwendig befunden hat, einen Normalarbeitstag im Fleischer- gewcrbc einzuführen, werden wir freiwillig auch keine Vcrbcssc- rangen gewähren." Folgende Resolution.wurde einstimmig an- genommen: „Die Generalversammlung weist auf die Gefahren hin, die durch den Abschluß van Tarifverträgen für die Betricbsführung des einzelnen und die Jnnungscinrichtungcn entstehen. Sie warnt auf das eindringlichste davor, ini besonderen im Higblick auf die Zukunft und die Prosperität des Gewerbes. Diese Versammlung hat wieder einmal bewiesen, daß alles Gerede von gutem Einvernehmen nur Schaumschlägerei ist, um die Gesellen von der Organisation abzuhalten. Wollen die Gesellen bessere Verhältnisse, so dürfen sie sich nicht auf die Meister der- lassen, sondern müssen Mitglied des Zentralvcrbandcs der Fleischer werden. I» der Maschjuciifabrik Ehlinge» drohen ernste Differenzen auszubrechen. Da die Firma versucht, durch die Arbeitsnachweise der Industriellen Arbeiter zu bekommen, sei auf die Differenzen verwiesen. Die Metallarbeiter allerorts werden ersucht, Arbeits- angcbotc von der Maschinenfabrik Eßlingen nicht zu berücksichtigen. KuslanS. Ein Klassenurteil. Brüssel, 25. Juni.(Eig. Ber.) Seit Jahren kämpft die organisierte Arbeiterschaft Belgiens für die Abschaffung des bc- rüchtigten Artikels 310, der angeblich dazu bestellt ist, die Freiheit der Arbeit zu beschützen, in Wahrheit aber dazu mißbraucht wird, die Kämpfer der Arbeiterklasse unschädlich zu machen, die Organi- sationsmacht zu brechen. Unter. Anwendung des genannten Paragraphen wurde soeben ein Tendcnzurteil gegen die Führer des„Z e e m a n s bw n d", der Organisation der Antwerpener Seeleute, vom Antwerpener Gc- richt gefällt. 58 Angehörige der Arbeiterklasse, darunter Schon- k e r e n, dgr Präsident, und Mahl m n n n, der Sekretär des „Zeemansbond", standen in einem Monstreprozeß, zu dem Dutzende von Zeugen geladen waren, vor Gericht, um sich wegen zwei und drei Jahre zurückliegender Borgänge zu verantworten. Es läßt sich, von allen anderen lingehcuerlichkeitcn dieses Prozesses ab- gesehen, erraten, zu welcher Faree in einem solchen Fall die Zeugen- aussagen herabsanken. Den Hauptangeklagten wurde u. a. zur Last gelegt, Gelder aus der Kasse der Organisation der Seeleute ini Jahre 1911 und 1912 — anläßlich der letzten Streikbewegung— zu Repressalien gegen die Schiffsrceder und die Gelben verwendet zu haben. Ten übrigen Angeklagten wurden Einschüchterung, Bedrohung, Brand- stiftung auf Schiffen usw. zur Last gelegt. Aber mit den Bc- weisen, zumal bei der Brandstiftung, hat es sehr gehapert. Selbst der Prokurator mußte einem Zeugen entgegnen, daß in dem be- treffenden Fall„nichts nachgewiesen werden konnte"; und auf die Frage Mahlmanns, ob einer der Organisierten bei dem Brand auf dem Schiff gewesen sei, mußte der Zeuge mit einem„Nein" antworten. Interessant war die Aussage des A n t w e r p e n e r Bürger- m c i st e r s und Ehcfs der Polizei, De V o s, der während des Streiks zwischen den Schiffsreedern und den Delegierten der Streikpartei die Verhandlungen geführt hat, der sich durchaus z u st i in m e n d über die damalige Haltung des„Zeemansbond" aussprach und erklärte, ihm nichts zur Last legen zu können. Im selben Sinne äußerte sich ein Mitglied des Antwerpener Ge- mcindekollegiums. In der Tat hat dieser Prozeß bewiesen, daß die Organisation und ihre Führer allenthalben als beruhigender und vermittelnder Faktor gewirkt haben. Tie Justiz hat die Arbeit der Kämpfer auf ihre Weise anerkannt: sie bat Mahlmann, der schon früher wegen derselben Vorfälle zu 2 Monaten verurteilt worden war, zu fünf Monaten, Schonkeren zu vier Monaten, einen dritten Vertrauensmann zu zwei Mo- n a t e n und über 50 Mitangeklagte zu 300 Tagen und insgesamt zu fast tausend Frank Geldstrafe verurteilt! Die belgische Gclvcrkschaftskom Mission pro- testiert in einem Aufruf gegen das Schandurteil und ruft die Ar- beiterschaft zum Kampf gegen den 8 310 auf. Alle Organisationen sollen das Urteil auf die Tagesordnung setzen und dagegen pro- testieren. Die nächste Generalversammlung der Gewerkschafts- kommission wird über eine weitere Aktion beraten. Sohnkämpfe der englischen Sandarbeiter. In verschiedenen Teilen Englands, insbesondere in den Gras- schaften Essex und Northamptonshire, spielen sich erbitterte wirtschaftliche Kämpfe zwischen den Landarbeitern und den Grundbe- sitzern bczw. Pächtern ab. Den Anlaß zu diesen Kämpfen gab die tyrannische Haltung gewisser Grundherren, die Bestrebungen zu» Organisierung der Landarbeiter durch Maßregelungen, Entlassungen und Wohnungsvertreibungen zu berhiu- dern siicktcn. Diese Vergewaltigungen lenkten die önentliche Aus- nierksamkeit auf die in letzter Zeit sehr energische Tätigkeit des Land- arbefterverbandes, und die Arbeiter antworteten mit der Forderung von allgemeinen Lohnerhöhungen und des freien S o ii ii a d e n d u a ch>in t t.a g s. In Essex befind sn sich jetzt schon etwa 1000, in Northamptonshire etwa 500 Landarbeiter in Streik, und die Bewegung droht sich weiter auszudehnen. Auch in der Griif- schaft Herefordshire in Südwestengland hat eine ernste Lohn» Bewegung begonnen. Das Parlamentarische Komitee des Ge- Werks chasiskongres sc s hat dem Landarbeit erVerband, der jetzt 25 000 Mitglieder zählt. 3000 M. zur Verfügung gestelli; verschiedene VerusSvcrbände dürften diesem guten Beispiel folgen. kleines Feuilleton. Wchrbeitrag. Ein älterer Genosse ging mit mir spazieren. Es geht ihm zurzeit sehr schlecht. Von seinen beiden Söhnen, die früher das Ihrige zum Haushalt redlich mit beigetragen haben, kam der eine vor zwei Jahren zu einem.Kavallerieregiment und der andere voriges Jahr zur Infanterie. Wir sprachen von diesem und dem und kamen auch auf den Wehrbeitrag. Mein älterer Freund wurde ganz gegen seine sonstige Geivohnbeit erregt. „Menscht" sagte er,„was machen die für'n Bebau mit ihrem Wehrbeitrag. Da soll die Kruppen sieben Millionen bezahlt haben. Man möcht ihr gleich'n Denkmal setzen von wegen die paar Pimperlinge, was die sieben Millionen für sie sind, �qck Hab mehr an Wehrbeitrag bezahlt und zahl' in die nächsten anderthalb Jahr noch mehr als die Kruppen— im Verhältnis natürlich." „Wieso?" fragte ich. � � „Wieso?" entgegnete mein Freund,„na horch mal zu nno rechen Dir'S nach. Meine Jungens haben jeder die Woche v" die dreißig Mark verdient. Die sind für drei und zwee Jahre ichon mal weg. Wcnn's Urlaub gibt, wollen sie kommen. Ich tage, bat is recht so. Sie kommen dann mal wieder unter Menschen unv für'n paar Tage prägen sie sich wieder ein, wo sie hingehören, als „Na, die Urlaubsreife zahlt ja jetzt, ivenigstens eine pfahrt, soviel ich weiß, die Militärbehörde," sagte ich. � � „So siehst Tu aus!" antwortete mein Freund.„Tic Hungens schreiben immer erst um das Fahrgeld; sie müssen es auslegen, und wenn sie vom Urlaub zurück sind, dann kriegen lie s ersi m der Kaserne wieder. Aber ick krieg' es nicht wieder,-rat kannsie Dir denken. Ich kann's ja den Jungens nich verdenken; wat die Löhnung is, dat is ja doch nur'n Bettel. Dann schickt Mutter alle paar Wochen an die Jungens ein Paket und eene oder zwee Mark steckt sie mit mang. Dat sagt sie nich; aber ick weeß ct.-emn kommt noch dies und dct. Kost immer Geld. Und nu rcckicn-.nr mal zusammen, wat dat in die drei und zwee Jahr' ausmacht. in weeßt, meine Laube, wo ick hatte, ist drufs gegangen, die paar Pimpcrlinge, wo man uff der Sparkasse hatte, sind bald alle,-iie Jungcns haben mich. Du kannst et glooben oder nich,� Arbeitsverdienst, der ihnen entgangen ist und der uns �'ochcv in die Höhe gebracht hatte, schon gut an die viertausend Mark ge- kostet und sie kosten mich noch mehr in die anderthalb Jahre, wo sie noch beim Kommiß sind. Siehste, dat is mein Wchrbeitrag, meiner von eenem Arbeiter, der wöchentlich noch keene sünfund- dreißig Mark rauskriegt. Tat is mehr im Verhältnis, als die Kruppen zahlt. Und die hat von die Sache noch ihren Profit mehr Soldaten, desto besser geht dat Geschäft bei ihr. Bei uns Ar- beiter aber is dat anners— je mehr Soldaten, desto mehr Steuern und desto schlechter dat Geschäft, und schließlich kriegen wir noch von die Jungens, wo wir beim Kommiß haben und für die wir unseren Wchrbeitrag zahlen müssen, ufs Kommando nc blaue Bohne in den Bauch gejagt. Na, wenigstens wat Warmes und der~-an.! vom Staat für unseren Wchrbeitrag an Geld und an unsern »nfctnl- Ein künstlerischer Film. Tie Theoretiker des Kinos haben oft darauf hingewiesen, daß der Film seiner Natur nach für die Wiedergabe belebter Schattenbilder besonders geeignet wäre. In der Praxis aber sind Versuche bisher fast garnicht hervorgetreten. Das liegt wohl daran, daß jedes Flimmern der Ränder um so störender wirkt, wenn alle Helligkeitsunterschiede fortfallen und nur der scharfe Kontur des Schattenbildes gegen den helleren Hinter- grund steht. Die Technik hat heute auch diese Schwierigkeit über- wunden. Das zeigte ein Schattenspiel, das die Äontinental-Kunst- s«jin-Gesellschaft dieser Tage herausgebracht hat. Rechtsanwalt Wittgenstein und Privatdozent Dr. Michcler in Brauiischweig sind die Begründer der„Braunschweiger Schattenspiele", zu denen auch das reizende Märchen„Die verzauberte Flöle", von Günter Clausen eingerichtet, gehört. Es ist nicht der Inhalt des Spiels, der so fesselt, — dieser ist sogar wenig originell— sondern die entzückende Grazie der reinen Bewegung. Man glaubl, Konewkas Schattenrisse zum ..Sommernachtslraum" oder Heinrich Wolfs„Erzählungen einer kleinen Schere" seien plötzlich lebendig geworden. Hier eröffnet sich ein aussichtsreicher Weg für die Kinematographie, hier ist ganz offenbar ein wenn auch kleines Gebiet gefunden, wo sich Kino und Kunst wirklich miteinander versöhnen können. Tie Angst vor dem Militärstaat. In ihren Lebenserinnerungen schildert Berta von Suttner, wie es ihr erging, bis sie ihren Ro- man„Die Waffen nieder" an die Oeffentlichkeit brachte. Es Ivar ihr nicht bange; mehrere Blätter hatten sie gebeten, Manuskripte einzuschicken, und die große Wochenschrift, die ihre früheren Arbeiten gebracht und ihr nie etwas abgelehnt hatte, würde wohl auch dieses Manuskript annehmen. Zuversichtlich schickte sie es ein. �Jhr Staunen war nicht gering, als die Antwort einlief:„Gnädige Frau! Mit Bedauern sehen wir uns veranlaßt, Ihnen das lhicr einige Komplimente) Manuskript zurückzuschicken. Große Kreise unserer Leser würden sich durch den Inhalt verletzt fühlen." So versuchte sie es denn bei einer anderen Redaktion; dasselbe Resultat. Und noch bei einigen: einstimmig abgelehnt! In einer der mit mehr oder weniger Höflichkeiten überzuckerten Antworten hieß es:„Trotz aller dieser Vorzüge ist es ganz aus- geschlossen, daß der Roman in einem Militärstaat veröffentlicht werde." Sic verzichtete also auf den Zeitungsabdruck und beschloß den Roman als Buch erscheinen zu lassen, und sie schickte das viel- gereiste Manuskript an ihren rcichsdeutfchcn Verleger. Der zögerte lange; der Roman schien ihm zu gefährlich. In Deutschland ging man gerade streng gegen alle Schriften vor, die eine Auflehnung gegen bestehende Institutionen enthielten. Der Verleger riet, das Manuskript einem erfahrenen Staatsmann zur Durchsicht zu geben mit der Bitte, alles zu streichen, was Anstoß erregen könnte. Gegen diese Zumutung schrie sie entrüstet auf. Einejülrbeit, mit der sie sich allen Groll und allen Schmerz von der Seele geschrieben hatte, die ihr die geheiligte„befte.hende In- siitution" des Krieges eingeflößt hatte, eine Arbeit, die, was immer ihr Wert oder Unwert fei, doch das eine Verdienst hatte, heiß empfunden und rückhaltlos aufrichtig zu sein, auf diplomatisch- opportunistische Weise zustutzen zu lassen, sie nach den Regeln der verächtlichsten aller Künste, nämlich der Kunst, es allen recht zu machen, umzumodeln: nein, lieber in den Ofen damit! So möge sie wenigstens den Titel ändern, schlug der Verleger vor. Nein! Der Titel umfasse in drei Worten den ganzen Zweck des Buches; auch an ihm dürfe keine Silbe geändert werden. Nach diesem Ultimatum fügte sich der Verleger; der Roman erschien und hatte den Erfolg, den wir kennen. Die Retterin. Der Fürst von Albanien ist kein verlorener Mann. Einen, Wiener Blatt wird ans Graz folgendes depeschiert: Eine Bestellung, die wegen der Person des Auftraggebers besonderes Interesse erregt, wird dieser Tage abgeliefert werden. Es ist dies eine Ziehharmonika, die der Fürst von Albanien bei einer Grazer Firma bestellt hat. Sie wurde nach seinen eigenen Angaben aus« geführt. Die Lieferung pressiert, denn der Mbret wird auch bald geliefert sein. Er hat mit den Aufständischen einen kurzen Waffenstillstand geschlossen. Sie geben ihm noch einmal Luft, bevor sie ihm die Kehle vollends zuschnüren. Das„Konzert" der Mächte läßt sich nickt erweichen, und der Fürst wird seine letzte Zuflucht zu der Zieh- Harmonika nehmen müssen. Er soll„auf ihr" ein Virtuose sein. Die anierikanisckcn Varietes engagieren jetzt vielfach als erst- Nassige Attraktion Männer, die im Slaatslebeu eine größere Rolle gespielt haben und von sich reden machten. In feine m Lande ist der Fürst Wilhelm nur mehr eine Null, aber auf der Vareitebühne wird er mit seiner Harmonika eine Nummer bedeuten, die ziehen wird, wie wenige mehr. Notizen. — Die erste Million Bugra pilger wurde am Donnerstag— also innerhalb sieben Wochen— vollzählig. — Theaterchronik. Die Sachse-Oper im Schiller- Theater 0. beginnt ihre diesjährige Spielzeit mit Richard Wagners „Tannhäuser". Inszeniert wird das Werk von Leopold Sachse musikalische Leitung: OSkar Braun. Die Titelparlic singt Otto Fenger' — Märkische Steinzeit. Eine Siedlung aus der Stein-' zeit wurde am Göttinger See bei Neutöplitz aufgedeckt. Ihr Alter wird auf 5000 Jahr geschätzt. — Der Dürer b und hat seit Jahr und Tag einen Prozeß gegen Angriffe geführt, die ihm vorwarfen, er mache unter dem „Deckmantel der Gemeinnützigkeit" Privatgeschäfte. Den Prozeß gewann er. und jetzt hat er seine Art anläßlich einer Steuer- angelegenheit auch obrigkeitlich prüfen lassen. Das sächsische Finanz- inmisterium hat ihm bestätigt, daß er„ausschließlich gcincimtiitzine Zwecke" verfolge. s u — Der umherziehende Scherenschleifer ist in Amerika auch dem Zuge der Zeit gefolgt und bat sich den Auto- mobilmotor dwnstbar gemacht. Die„Umschau" berichtet darüber: Ist auch das Gelahrt auverst primitiv, so gestattet es ihm doch, daß ?:4.Qn!l ren Karren leibst schieben zu müssen, stolz auf seinein sitze thronen kann, wahrend der Motor den Wagen fortbewegt. Be- k�mt er Gegenstande zu schleifen, so schaltet er den Motor auf die . itssp'i. l"m-.®r kann aljo jetzt seine ganze Aufnierksamkeit vi riTr- ei- widmen, wahrend er früher noch die Bewegung des SchleifjteinS durch Treten mit chem Fuße bewirken mußte. Neben größerer Schnelligkeit zeichnet sich deshalb die gelieferte Arbeit durch größere Gute aus als früher. r- 77. ki r A rnu nd s en S N o r d p o l f a h r t hat das norwegische Slorthmg emen Kredit von 200 000 Kronen bewilligt. der große Seuthener Mäöchenhänölerprozeß. (Teleyraphischer Bericht.) B e u t h c n, 26. Juni. Der große Beuthencr Mädchenhändlerprozeß gegen den Agenten Tamucl Lubelsti aus Mhslowitz hat heute vor der ersten Straf- kammer des hiesigen Landgerichts begonnen. Er hat schon einmal, im Februar, das hiesige Gericht beschäftigt und endete mit der Verurteilung Lubelskis wegen versuchten Mädchenhandels, Kup- pelei, Vergehens gegen das Auswaudcrungsgesetz und Bestechung in ztvci Fällen zu insgesamt 9 Jahren Zuchthaus und l2 WH) M. Geldstrafe. Gegen dieses Urteil legte Lubelsti Revision beim Reichsgericht ein. Das Reichsgericht hat am Ib. Mai das Urteil zum größten Teil und die Verurteilung zu einer so hohen Strafe insgesamt aufgehoben. Der Hintergrund, der gerade diesem Mädchenhändlerprozeß ein so weitgehendes allgemeines Interesse gibt, ist der schwunghafte AuSwandercrschmuggcl, den eine Reihe von sogenannten Grenz- machern an der Drcikaiserecke betreiben. Sie haben es sich zur Aufgabe gesetzt, die russischen Auswanderer, die nach Amerika aus- wandern wollen und auf diesem Wege deutsches Gebiet passieren müssen, zu unterstützen und ihnen, auch wenn sie keinen Paß be- saßen, die Auswanderung aus Rußland zu ermöglichen. Da sie sich für ihre Dienste von jedem Auswanderer ein paar Rubel geben lassen, so ist das Einkommen der besonders geschickten Grenz- macher angesichts der ungeheuren Ausivanderung aus Rußland naturgemäß ein sehr großes, und der Angeklagte Samuel Lubelski galt lange Zeit hindurch als der bei weitem geschickteste und bc- kanntcste aller Grenzmacher. Obwohl ihm der ständige Aufenthalt in Myslowitz vom Regierungspräsidenten in Oppeln verboten war, lvohnte er doch in Myslowitz in einem jüdischen Hotel bei einem Speiscwirt Cohn, mit dem er aber nach seinem Wegzug in Diffc- renzcn geriet. Der eigentliche staatlich konzessionierte Auswandc- rungsagent in Myslowitz ist der Spediteur Max Weichmann, der zugleich Vertreter der Hamburg— Amerika-Linie und des Nord- deutschen Lloyd in Myslowitz ist. Dieser Weichmann wiederum geriet in Streit mit einem Grenzmacher Olvzi Goldberg aus Russisch-Polcn, und zlvar deshalb, weil Goldbcrg die russischen Aus- ' waiidercr nicht den genannten beiden deutschen Schiffahrtsgcsell- schaften, sondern der österreichische» Canadian Pacific-Gesellschaft zuführte. Im Laufe dieser Differenzen erstatteten Cohn und Gold- brrg gegen Lubelsti Anzeige wegen Mädchenhandels, und Lubelski wurde im Mai 1913 verhaftet. Tatsächlich befanden sich fast in jedem russischen Auswanderer- trupp eine Reihe junger hübscher Mädchen, mit denen nach den Feststellungen des ersten Urteils Lubelski einen umfangreichen Handel getrieben hat. Er soll-einmal in Verbindung gestanden haben mit russischen Agenten, die ihm die Mädchen zuführten, und auf der anderen Seite mit Vertretern südamerikanischer Freuden- Häuser, in die die Mädchen auf diese Weise verschleppt werden sollten. Das erste Urteil stellte fest, daß ein Teil der Mädchen frei- willig sich nach Südamerika hat verschicken lassen. Ein anderer Teil aber soll zur Auswanderung durch falsche Vorspiegelungen ver- leitet worden sein. Ans diesem Grunde ist das Gericht zu einer Verurteilung Lubelskis wegen Kuppelei und im einheitlichen Zu- sammenhang damit wegen Mädchenhandels gekommen. Weiter hat das Gericht angenommen, daß Lubelski, um sein dunkles Gewerbe zu verheinilichcu, zwei Polizcibcamte. und zwar den Polizcikom- miffar Tcllc und den Gcndarmc» Manct bestochen hat. Das Reichsgericht hat gesagt, daß die Verurteilung wegen Mädchenhandels aus Mangel au ausreichendem Material unbc- gründet gewesen sei, dagegen hätten die Feststellungen für eine Annahme der Kuppelei genügt. Trotzdem hat das Reichsgericht auch hier eine Rrnprüfung aller zugrunde liegenden Tatsachen angeordnet. Die Verteidigung des Angeklagten tvill nachtveisen, daß die Annahme, Lubelski habe mit russischen Mädchcnagenten und südamerikanischen Bordcllbesitzcru in Verbindung gestanden, auf einer böswilligen Phantasie der Zeugcngruppe Goldberg-Cohu beruht und daß Lubelski tatsächlich nichts anderes ist als ein aller- diugs sehr bewanderter Grenzmacher. Zu der Verurteilung wegen Bestechung hat das Reichsgericht erklärt, das) die Verurteilung an sich einwandfrei erfolgt ist. Trotzdem hat das Reichsgericht aber erklärt, daß es für die Frage des Strafmaßes nicht gleichgültig sei, zu welchem Zweck die Polizeibcamten bestochen worden sind. Daher muß auch in dieser Frage jetzt-irneut verhandelt werden. Die Vorinstanz bat allein Ivcgen dieser beiden Bestechungen auf eine Gestingnisstrafe von 6 Jahren erkannt und wegen des Vergehens gegen das Aus- wanderungsgcsctz, das darin gesehen wurde, daß Lubelski nicht den erforderlichen Erlaubnisschein als Auswanderungsagent besaß, auf 9 Monate Gefängnis und 6WX) M. Geldstrafe. Das Reichsgericht hat erklärt, daß auf so hohe Strafe offensichtlich nicht erkannt war- den wäre. loenn das Gericht nicht in Lubelski einen gewerbsmäßigen Mädchenhändler erblickt hätte. Die Sensation des ersten Prozesses bildeten die Angriffe, die gegen den konzessionierten Auswanderungsagenten Weichmann ausgesprochen wurden. Es wurde behauptet, daß Weichmann, der Mitglied der Handelskammer ist und sich in der dortigen Gegend eincS großen Ansehens erfreut, das Treiben mit Lubelski be- günstigt habe. Auch die Stimmung des Gerichts gegen Weichmann war derartig scharf, daß Weichmann wegen Verdacht der Begünjli- gung des Lubclskischen Treibens in Haft genommen wurde. Aus der Haft ist Weichmann bald wieder entlassen worden. In der Folge aber wurde gegen ihn und einen seiner Angestellten wegen Bestechung und Beihilfe zum Mädchenhandel ein Strafverfahren eingeleitet, das aber noch nicht beendet ist. Ter Untersuchungs- richter will jetzt erst das Ergebnis der Verhandlung gegen. Lubelski abwarten, ehe er sich über eine eventuelle Einstellung schlüssig macht. Den Vorsitz in der Verhandlung führt Landgerichtsdirektor Lamby, die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Tzscheutschler, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Patrzek-Beuthen und Rechts- anwalt Dr. Alsberg-Berlin. Der Angeklagte Samuel Lubelski ist jetzt 45 Jahre alt und ist in Niwka bei Bendzin in Russisch-Polen geboren. Er ist russischer Staatsangehöriger und betreibt das Auswanderungsgeschäft seit 17 Jahren und zwar zunächst von Warschau aus, bis er 1916 wegen dieser in Rußland verbotenen Tätigkeit auf administrativem Wege nach Archangelsk verschickt wurde. Von dort entfloh er und kam nach Myslowitz, während seine Familie während dieser ganzen Zeit in Jenzor� einem galizischen Dorf in der Nähe der preußischen Grenze, verblieb. Sein großes Organisationstalent und die wich- tigen Verbindungen, die er sich durch seine langjährige Tätigkeit in Rußland verschafft hatte, verschafften ihm den weitaus größten Teil des Auswandcrungsgeschäfts. Jeder Auswanderer soll an ihn 12 Rubel Grcnzgeld gezahlt haben. Er verdiente jährlich durch- schnittlich etwa 40 000 M. und auch seine Unterschmuggler hatten beträchtliche Einnahmen. Durch die Zunahme des Auswanderungs- geschäfts über Myslowitz stiegen naturgemäß auch die Einnahmen der von Weichmann vertretenen Schiffsgcsellschaftcn. Der Angeklagte bestreitet ganz entschieden, Mädchenhändlcr zu sein und wehrt sich heftig gegen die Anklage, die ihm eine jahrelange und sehr umfangreiche Tätigkeit auf diesem Gebiet vorwirft und ihm zum Vorwurf macht, mitgeholfen zu haben, die in jedem aufhaltenden jungen, mm hübschen jüdischen und in argentinische Freudenhäuser zu Auswandcrcrtrupp sich Mädchen abzusondern bringen. Als Sachverständiger für die Frage des Mädchenhandels ist von der Staatsanwaltschaft der Grenzkommissar Polizeirat Mädler geladen worden, während die Verteidigung als Sachverständigen für diesen Punkt den Dezernenten für Mädchenhandel im Berliner Polizeipräsidium, Kriminalkommissar Dr. Kopp, geladen hat. Die Zahl der geladenen Zeugen beträgt etwa 80; ein großer Teil davon stammt aus Russisch-Polen und ist der deutschen Sprache nicht mächtig, so daß ihre Vernehmung mit Hilfe eines Dolmetschers durchgeführt werden mutz. Die Zeugen setzen sich aus allen Bevölkerungsklasscn und aus vier Nationen zusammen: Deutschen, Oestcrreichcrn, Russen und Polen. Unter ihnen befinden sich österreichische Gendarmen und Grenzwächtcr in ihren schmucken kleidsamen Uniformen und böh- mische Bauern und Bäuerinnen mit ihren schreiend bunten Kleidern und grellfarbigen Tüchern sowie russische Schmuggler und vor allem eine große Zahl preußischer Grenz- und Polizcibeamter. Außerdem ist der Bürgermeister von Myolowib Dr. Heuser als Zeuge geladen, der in der Stadtverordnetenversammlung von Mys- lowitz gegen die Feststellung des ersten Gerichtes, Myslowitz sei ein Torad» für den internationalen Mädchenhandel, schärfste Verwahrung eingelegt hat. Ter Hauptbelastungszeuge Goldberg fvhlt, und mit ihm eine ganze Reihe ausländischer Zeugen. Einzelne ausländische Zeugen haben ihre Frauen ge- schickt, die dem Gericht die Erklärung abgeben, ihre Männer kämen nicht, weil sie befürchten müßten, beim Ucberschreitrn der prcu- ßischen Grenze verhaftet zu werden. Verteidiger Dr. Alsberg-Berlin bittet auch, in eine Ergänzung der Beweisaufnahme einzutreten über die Frag- der Bestechung. Wenn das Reichsgericht die getroffenen Feststellungen auch als gc- nügend erachtet hat, so ist es doch für das Strafmaß von Wichtig- keit, zu erfahren, in welchem Umfange und aus welchen Motiven der Angeklagte Polizeibeamte bestochen hat. Das erste Urteil hat angenommen, daß der Angeklagte die Polizeibeamte» bestochen hat, um seinen Mädchenhandel zu verbergen. Es wäre doch ein Unding, wenn jetzt eine Verurteilung wegen Mädchenhandels nicht mehr erfolgen könnte und wenn die Bestechung von Polizeibcamten zur Duldung des Mädchenhandels bestehen bleibe. Vorsitzender: Gegen neue ergänzende Feststellungen ist nichts einzuwenden. Aber die einmal getroffenen Feststellungen können wir nicht erschüttern. — Rechtsanwalt Dr. Alsberg: Die Verteidigung steht auf dem Standpunkt, daß nicht der Angeklagte an den Polizeikommissar Selle herangetreten, sondern daß umgekehrt der Polizcikommiffar Scllc an den Angeklagten heran- getreten ist. Es ist doch etwas ganz anderes, ob man einen Beamten zu Pflicht- Widrigkeiten erst verleitet, oder ob der Angeklagte selbst an jemand herantritt. Bevor in die Vernehmung des Angeklagten eingetreten wird, beantragt Erster Staatsanwalt Tzscheutsch den Ausschluß der Lcfscntlichkeit, und zwar für die Dauer der ganzen Verhandlung.?s handelt sich nur um Mädchenhandel und Kuppelei, also um Delikte, deren öffentliche Erörterung der öffentlichen Sittlichkeit schwere Gefahren zufügen würde. Im Laufe der letzten Verhandlung bildete der Mädchenhandel das Tagesgespräch von Beuthen und es wurde so- gar ein Film gezeigt, der den Namen trug:„Der Mädchenhändler". Das wollen wir diesmal vermeiden. Verteidiger: Wir wider- sprechen dem Ausschluß der Ocffcntlichkcit entschieden. Das öffent- liche Verfahren ist ein Grundrecht des Angeklagten, und auf dieses Grundrecht darf nur in Ausnahmefäueie verzichtet werden. Ge- rade in diesem �alle hat l)er Angeklagte ein dringendes Interesse an der öffentlichen Verhandlung. Er ist in öffentlicher Verhandlung verurteilt worden und hat nun ein Interesse daran, daß jetzt in voller Oefsentlichkeit die ganze Wahrheit an den Tag kommt. Im vorliegenden Falle hat der Angeklagte nun ein ganz besonderes Interesse an der öffentlichen Verhandlung. Die Oefsentlichkeit ist geschassen Ivorden als Kontrolle für die Tätigkeit des Gerichts und die Aussagen der Zeugen. Die Zeugen werden ganz anders aus- sagen, wenn sie wissen, daß ihre Aussagen von der Oefsentlichkeit kontrolliert werden. Das Gericht beschließt nach kurzer Beratung, die Oefsentlichkeit während der ganzen Verhandlung wegen Gefährdung der Sittlich- keit auszuschließen. Die Verhandlungen werden fünf Tage in Anspruch nehmen. Ter Ausschluß der Oefsentlichkeit ist im Interesse crner Verhinderung des Mädchenhandels außerordentlich zu bc- dauern. Ein Interesse an einer geheimen Verhandlung niögen bestochene Beamte und Auswanderungsagcnten haben. Das öffentliche Interesse erheischt vollste Oefsentlichkeit. Soziales. Aus der bergbaulichen Unfallstatistik. Nach dem soeben veröffentlichten Bericht der Sektion II der Knappschaftsberufsgenossenschaft waren im Jahre 1913 im Ober- bergamtsbezirk Dortmund in 271 Betrieben 401 042 Personen be- schäftigt. Davon entfallen 397 794 auf Steinkohlengruben, der Resl verteilt sich auf Eiscnsteingruben u. dergl. Die Zahl der Versicherten hat sich um 34 401 oder 9,38 Proz. gegen das Vorjahr vermehrt. Im Laufe des Jahres»vurden 66 381 Unfälle iiihrer Karl Jähme und Genossin G Paula Jcndrzejousti V zur Hochzeltsscicr die herzlichste© Gratulation. U Die Genossen u. Genossinnen des Bezirks 799a w p Todes-Anzeigen Sozialdemokratischer Verein l.[|.l.Beri.i{£ichstags-Wahlkreis. Nachruf. Am Freitag, den 19. Juni, ver- starb imser Mitglied, der Kauf- inann Ludwig Blankenburg Holstcincr User 16. Ghre feinem Zlndenken! •204/3 Der Boritaud. Deutseher Metallarbeiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Muglied, der Drücker Richard Birth JablonSklstr. 30, am 23. d. MIS. am Gehirnschlag gestorben ist. Shre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 27. Juni, nachinittagS 4 Uhr. von der Leichenhalle de» St. Nikolai- Kirchhoses in der Prenzlauer Allee aus statt. Rege Beteiligung erwartet 121/3 Die Drtsrerwaitung. Statt besonderer Anaelge. Dienstagabend 8'/, Uhr verschied nach langem, schwerem Leiden mein inniggeliebter Mann und guter Vater, Sohn, Bruder und Schwiegersohn, der Optiker Otto Helming im vollendeten 30. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an itlarir Henning geb. Schubert. Kndolf Henning nebst k ran. Ilax Henning. (»nistav Schubert nebst Fran. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. Juni, nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Oe- meinde-Friedhofas(Mariendorfor Weg) aus statt. Danksagung. für die Beweise herzlicher?cil« nähme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes und unseres Vaters iMP Hart Abert sagen wir allen Verwandten. Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Luise Abert nebst Kindern. .»»»»»». Deutscher Transportarbeiter-Verbanil. Bezirksverwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern ferner zur Nachrichr, baß unser Kollege, der Drochkensührer August Tschierschke am 22. Juni im Alter von 71 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 27. Juni, naa>- mittags 1 Uhr. von der Leichen- balle des Gemeinde-Friedhoss in Buch aus statt Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverwaitung. Nachruf I Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- führer lZolllieb Langmann im Alter von 63 Jahren verstorben ist. Shrr seinem««denken! 66/3 Die Bezirksverwaltung. Volks-Feuerbestattungs-Yerein Am 23, d. MIs verstarb unser Mitglied, der Steindcuckcr Herr liorenz ItÖNel Berlin, Rochowstr. 13 Die Einäscherung stndet heute nachmiltaA 5 Uhr im Treptower Krematorium statt. Rege Beteiligung erwartet 286/18 Der Borstand. 1 Mark wtohenlllcv« Tellethhini liefere elegente Am 25. d. Mls. oerstarb nach kurzer, schwerer Krankheit im 35.Lebensjahre meine imiiggelicbte Frau und treusorgende Mutter Eitnms Bothur. Dies zeigen tiesbetrübt hiermit an die trauernden Hinterbliebenen Franz Kothnr, . 13. Di« Beerdigung findet Montag, den 29. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des II. Schöne- berger iiädttschen Friedhofes. Blanke Hölle, aus statt. 144A 'Herren-: jModen* � fertlf und nach Med : Julius: Fabian: Sebnoidermcieter J Gr. Frankfurter Str. 37, ii• • Turmstr. 18. i, kein Laden 5 • Kottbuser StrasseU, nur J • 2. 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Wassertorstr. 31(llg. und 129. Gemeindeschule). S. Reiche nberger Str. 131/132(145. und 151. Gemeindeschule), 6. Broiitberger Str. 13/14(87./9S. Gemeindeschule), 7. Blumenstr. 77(V. Hilfsschule), S. Sckertstr. 16(SSS. und 271. Gemeindeschule), 9. Danziger Str. 23(16g./197. Gemeinde- schule), 19. Kastanienaklee 82(15./171. Gemeindeschule), 11. Stral- sunder Str. 54 und Bcrnaucr Str. 89/99 s61./148. und 35. Ge- meindcschule), 12. Auguststr. 67/68(45. Gemeindeschule), 18. Pflug- strahe 12(111./186. Gemeindcschule), 14. Ruheplatzstr. 5/7(19,/166. Gemcindeschule), 15. Ouitzoivstr. 115(1Ö8./182. Gemeindeschule). Außerdem werden während derselben Zeit auch auf den Spiel- Plätzen außerhalb Berlins, und zwar in Blankenfelde l und ll, Buch, HohenschSnhauscn-Wartenberg, im Plänterwald(Treptow) und auf dem Spielgelände des Ausschusses der vier Berliner Turn- goue im Grunewald bei Eichkamp, werktäglich Kcrienspiel« für die Gemeindcschulkinder abgehalten. «Sammelpunkte für die Kinder sind folgende Schulhöfe: l. für Blankenfelde l: 1. Keibelstr. 31/32, 2. Prenzlauer Allee 227/228, 3. Thristburger Str. 14, 4. Senefelderstr. 6/7, 5 Gveifenhagener«Str. 26, 6. Sonnenburger Str. 21, 7. Driesener Straße 22. II. für Blankenfelde ll: 1. Gipsstr. 23», 2. Stralsunder Straße 54, 3. Christianiastr. 36/39, 4. Prinzen-Allce 8, 5. Stephanstraße 27, 6. Müllerstr. 158/159, 7. tderberger Str. 57/69. III. für Buch: 1. Kesselstr. 3/4, 2. Gartettstr. 197*, 3. Ackerstraße 67, 4. Müllerstr. 48, 5. Schulstr. 09/109, 6. Puttufer Str. 23, 7. Pank st r. 29/22. IV. für Hohen schönhausen- Wartenberg: 1. Mar- kuSstraße 49, 2. Bkemeler Str. 25, 3. Große Frankfurter Str. 23, 4. Straßmannstr. 6, 5. Petersburger Str. 3, 6. Olivaerstr. 19, 7. Höchstestr. 34/35. V. für Plänterwald: 1. Alte Jakobstr. 127, 2. Schmid- straßc 38, 3. Britzer Str. 17/18, 4. Reichenberger Str. 131/132, 5. Wrangelstr. 128, 6.«Tchlesischestr. 4. 7. Naglerstr. 8. VI. für Grunewald: 1. Bremer Str. 13/17, 2. Waldenser Straße 29/21, 3. Turmstr. 86, 4. Levetzowstr. 26, 5. Derfflinger- straße 18a, 6. Culnrstr. 15, 7. Gneisenaustr. 7. Leider ist der neue in Aussicht genommene Spielplatz in der Wuhlheide noch nicht so weit fertiggestellt, daß er zu diesen Ferien in Benutzung genommen werden kann. Die Kinder haben sich an den Spieltagen bis spätestens 7% Uhr auf einem der vorstehend aufgeführten Sommelhöfe einzu- finden. Jedes Kind hat mindesten« 29 Pf. als Beitrag zur Fahrt nach dem Außenspielplatz und die nötige Zehrung mitzubringen. Die über 19 Jahre alten Kinder, die nach dem unter III aufge» führten Spielplatz Buch hinausbefördert werden wollen, haben als Fahrbeitrag mindesten« 39 Pf. zu entrichten. Wenn mehrere Kinder derselben Familie diesen Außenspielplatz besuchen, ist der Ober- leiter ermächtigt, 39 Pf., 29 Pf, und 19 Pf. Fahrtteitrag zu nehmen. Bei den übrigen Außcnspielplätzen soll da« dritte und weitere Kind derselben Familie unentgelt- l i ch hinausgeführt werden. Alle Kinder erhalten unentgeltlich auf den Außenfpielplätzen mittags Suppe, dann einen halben Liter Milch und nachmittags Kaffee und zwei Schnecken. Wie in den Borjahren, so sollen auch in diesem Jahre für den Besuch der Außenspielplätze Freikarten bewilligt werden. In der Regel soll diese Vergünstigung nur solchen Kindern, die frei« MittagSfpeisung vom Magistrat erhalten, und ferner nur bei wirk- lich vorhandener Bedürftigkeit, vor allem den Waisen, Halbwaisen, Pflegekindern und Kindern von Eheverlassenen gewährt werden. Anträge sind schon jetzt an die«Schulleiter zu richten. Die Kinder dürfen Trinkgeschirr au« Gla« oder Porzellan in keinem Falle mitbringen. Emaillebecher sind am praktischsten, weil sie unzerbrechlich sind. Auf den Außenfpielplätzen können sich die Kinder nach Herzenslust tummeln. Frei von jedem lästigen Schulzwang geben sich die Kinder ungebunden dem Spiel und der Erholung hin und nach verhältnismäßig kurzer Zeit sind die bis- herigen Blaßgesichter in bräunlich gefärbte Kinder verwandelt. Die Teilnahm« der Kinder an den städtischen Ferienspielen kann im Interesse der Kinder nur bestens empfohlen werden. Nur müßte der Magistrat bei der Ausgabe der Freikarteü recht frei- gebig sein, freigebiger, al« er bisher immer war. * Ferienspiele des Turnvereins Fichte. �>er in Arbeiterkreisen bekannte Turnverein„Fichte" hält an den F e ri e n so n n tage n für die in Berlin zurückbleibende Schuljugend die beliebten Kinderspiele ab. An den S o n n t a g- Vormittagen werden Turnerinnen und Turner die Kinder, Mädchen wie Knaben, von den Sammelstellen abholen und zu den Spielplätzen führen, wo sie mit Bewegungsspielen die Zeit bis zum Mittag ausfüllen. Nach Beendigung der Spiele wird mit fröhlichem Gesang der Heimmarsch angetreten. Nähere Angaben erfolgen in der Freitag-Nummer nächster Woche. Fichteturnerinnen und-turner werden di« ihr anvertraute Jugend vor jeder Gefahr bewahren. Parteiangelegenheiten. Preftkommission. Alle Zuschriften, die für die Preßkommission bestimmt sind, sind zu richten an den Obmann, Genossen Gustav Häußer, Dieffenbachstraße 74. Genosse Gustav Heinrichs, der bisherige Obmann, ist krank- hSstShalber aus der Preßkommission ausgeschieden. Es tvird gebeten, die neue Adresse zu beachten. S. SreiS. Juaendsektion. Am 28, Juni findet eine Wanderung nach dem Blumemal statt. Fahrt nach Tiefenset— Miltelsee— Samen- grund— Kesselsee— Gielsdorfer Mühle-Fänger- und Bötzsee-Straus- °era, Tresspunkt 6 Uhr vor dem Wriezener Bahnsteig. 06 daselbst S,S0 Uhr. Proviant, Kocher. Decken sind mitzubringen. Gast« sind willkommen. vierter Wahlkreis. Die Jugendsekti-n de« Slidosten» veranstaltet worgen Sonntag einen 0u»flug: Birkenwerder— Grabowsee. Treff- vunk» 7 Uhr morgens Görlitzer Bahnhof(Sanität, wache). Fahrgeld Pf. Liederbuch und Kocher bitte mitbringen. b. Abteilung. Am Sonntag, den 28. Juni, vormittags g'/» Uhr, Nndet für die Genosien und Genossinnen der b.«btetlung eine«e- nchtigung de, Krematorium« in Treptow-Baumschulenweg statt. Treffpunkt 8'/, Uhr bei Erb«. Vaumschulenstr. 14. Lichtenberg: Jugendsektion. Sonntag, den 28. Juni, gemein- samer Besuch des S o in in e r f e st e S in„MenteS Volksgarten", Röderstraße. Tresspunkt mittags 2 Uhr bei Pickenhagen.— Unsere Jugendsektionsversammlung findet nicht DienStag, sondern DonnerS- tag. den 2. Juli, statt. Vortrag über Feuerbestattung. Referent: Genosse Trinis. Vereinsangelegenheiten. Sonntag, den 6. Juli, Badepartie nach dem Vogelsdorfer See. Treffpunkt Ecke Frankfurter Allee und Riederbarnimer Straße. Ab- marsch früh 5.39 Uhr, für Nachzügler 6.15 Schlesischer Bahnhof. Ecke Madaistratze. Wilmersdorf. Montag, den 29. Juni, abends 8'/, Uhr: Wahl« vereinsversammlung im.Viktoriaaarten", Wilhelmsaue 11. TageS- ordnung: Der Massenstreik und die Staatserhaltenden.(Zur bevor- stehenden Urabstimmung.) Referent: Genosse Max Groger. Berichte von der Kreis- und Verbandsgeneralversammlung. Neuwahl de« 1. Schriftführers. Kinderferienspiele. Parteiangelegenheiten. Vritz-Buckow. Sonntag, den 28. Juni, nachmittag« 5 Uhr, in Buckow, im Saal von Kloxin, öffentliche Versammlung. Vortrag der Genossin Demmning:„Die Frau in ihrer wirtschaftlichen Stellung einst und jetzt." Die Britzer Genossinnen und Genossen werden um regen Besuch gebeteit. öerliner Nachrichten. Die Sparbüchse. Hans hatte seinen ersten Sechser geschenkt bekommen. Das war für thn ein Vergnügen. Er baute Luftschlösser und quälte Muttern so lange, bis sie ihm eine blecherne Sparbüchse kaufte. Hei... als das Sechservermögen in dem engen Blechspalt verschwand und mit hellem Klingen auf. schlug, blitzten des Kleinen Augen glänzend auf. Noch ein Weilchen ließ er den Sechser, der nicht wieder zum Vorschein kommen wollte, lustig in seincni Blechhause klappern und freute sich auf Vorschuß über den Zuwachs. Sechser auf Sechser fand sein stilles Plätzchen, manchmal war's auch ein Groschen. Tapfer verbiß sich Hans die Kindeslust, nwl einen Sechser zu vernaschen. Wenn es so weiter ging, mußte er nach seiner kindlichen Auffassung sicher Millionär werden. Eines Tages war die Sparbüchse, als Hans wieder pro- bieren wollte, verschwunden.„Ich habe sie eingeschlossen...", hatte die Mutter mit abgewandteni Gesicht gesagt.„Na, Du kannst sie mir doch wenigstens mal zeigen, kannst sie mal schütteln", bat Hänschen. Wieder drehte sich die Mutter um und brachte ihren Jungen auf andere Gedanken. Von nun an fragte er nicht mehr, brachte aber jeden Sechser, den er sich durch kleine Botengänge verdiente, treu zu Muttern. Die Monate schwanden. Da kam HanS im Juni, als die Rosen blühten und dufteten, froh erhitzt von der Schule angestürmt.„Mutter, wir machen mit unserem Lehrer einen Ausflug... ioeit weg, mit dem Dampfer, hat er ge- sagt,... wer eine Mark mitbringt, kann mitfahren. Liebes gutes Muttchen, gib mir die Mark aus meiner Sparbüchse!" Erschrocken zuckte die Mutter zusammen.„Wann sollst Du die Märk mitbringen? Morgen, Übermorgen? Ja doch, ja... ich gebe sie Tie... muß erst den Schlüssel zur Spar- büchsc suchen..." Hans jubelte und ging spielen. Wenn er wüßte,... nein, er darf es nicht wissen. Eine Mark, eine ganze Mark wollte der Junge haben, von seinem er» sparten„Vermögen", von seinem Eigentum, und es war doch kein Pfennig im Hause, nicht mal der erste Sechser mehr in der Sparbüchse. Vater war schon wochenlang arbeltsloS. WaS fragen da die hungrigen Mäulchen, wo das Geld her- kommt. Essen wollen sie, essen... essen, sich satt essen. Und eines Mittags, als der Vater wieder erfolglos vom Arbeitsnachweis nach Hause kam und die Not sich ankündete, hatte Mutter mit zuckenden Fingern nach der Sparbüchse des Jungen gegriffen. Ach. wie das schrillte, als der winzige Schlüssel ins Schloß fuhr! Als ob das kleine Blechgehäuse einen großen Schmerz empfände! Da lag stumpf blinkend das Vermögen, von dem Hans reich zu werden träumte. Nein, es mußte sein. Geld kann man nicht esseil... und der Junge wird ja nichts merken. Mehr als fünf Mark,... das bringt über die größte Not für ein paar Tage hinweg. Wie ans einer Sünde ertappt, verbarg Mutter die leere Sparbüchse in der tiefsten Ecke des Wäscheschrankes. Er darf ja nichts merken, der sparsame Junge, und vom Wochen- lohn, den Vater heimbringt, wird bald die Büchse wieder gefüllt... Nein, er hat nichts gemerkt, der Hans, als er acht Tage später seine Mark haben wollte. Er hat seine Mark, die Mutter bangenden Herzens zusamnienborgte, richtig erhalten, hat seine Sommerfahrt mitmachen dürfen... für sein Geld. Feldblumen. Nun ist die Zeit wieder gekommen, däß in den Straßenzügen der inneren Siadt von schmächtigen Kinderhänden kleine Feld. blumensträuße feilgehalten werden: Raden, Kornblumen und die weißen Sterne der Kamille. Viele Worte pflegen die kleinen Händler nicht zu machen. Nur ein Enlgegcnstrccken der bunten Blumenpracht macht sich bemerkbar, und wenn du dann aufmerk- sam geworden bist, erhaschst du vielleicht noch einen schüchtern- verlegenen Blick aus stumm bittenden Kinderaugen. Nicht weit her holen die dürstig genährten, barfüßigen Prole- tarierkinder ihre lachenden Sommettlumen. Wo draußen vor den Toren der Stadt noch ein Ackerfeld sein Leben fristet oder ein wenig begangener Wiesenrand sich hinzieht, da heimst die kleine Gesellschaft ihre„Ware" ein. Und sie kennen sich dort gut au«, wissen um die geheimsten Wege, wo sie kein Feldhüter und kein Gendarm erwischen kann, und haben mit großstädtischer Findigkeit diejenigen Stellen ausgesiöbert, an denen die bunte Pracht am üppigsten gedeiht. Meist sind es Mädchen, die auf die„Blumensuche" gehen. Flink wie die Wiesel huschen sie durch die sich nun bald gelb färbenden Halme. Ihre blonden Zöpfe leuchten zivischen den Nehren. Ihre kitinen, braunen Arme bewegen sich eifrig auf und nieder. Und wenn sie einen stattlichen Buschen beisammen haben, dann lachen die großen blauen Kinderaugen und die rot erhitzten Köpfe mit dem zerzausten Blondhaar versenken sich für Augen- blicke, den süßen Duft der Pflanzen einsaugend, in di>e bunten Blumenwunder. Rasch werden am Wegrand die Blumen noch ein wenig zum Strauß geordnet und an den Stielen mit einem Grashalm zu- sammengebunden. Man vergleicht die kleinen Sträuße mitein- ander,«Scherzworte fliegen her und hin, und das Kinderlachen will gar nicht müde werden. Dann geht«s der Stadt zu. Oft ist t» titt ganz beträchtlicher Weg, eine halbe Stund« und mehr! Aber die kleinen Füße sind nicht so leicht matt zu machen. Proletarier- linder der Großstadt sind an Entfernungen gewöhnt. Aber das Glänzen, das inmitten der Felder die Sommersonne um die blon- den Mädchenscheitel flocht, verblaßt zusehend«. Auch in den Augen verdunkelt der helle«Schein. Die«Schultern senken sich und die Arme führen mit sichtlicher«Schwere ihre Bewegungen auS, als ob die Feldblumensträuße, welche die Hände halten, mit jedem Schritte zur drückenden Last würden. Die Gruppen, in denen sie von den Feldern gekommen, haben sich aufgelöst. Einzeln schreiten sie nun ihren Weg. Die hageren Aermchen erscheinen gegtcnüAer der bunten Blumcnpracht noch dünner, noch abgezehrter. Schüchtern heben sich die Blicke zu den Vorübergehenden empor. Und nur ganz selten wagt ein feines Stimmchen die scheue Frage zu hauchen:„Sträußchen gefällig?" Maikäferstation. Eine drollige Namensbezeichnung soll eine Station der städtischen Nord-Südbahn erhalten. Das Garde-Füsilier» regiment hat beim Magistrat beantragt, die in der Nähe der Kaserne liegende Station der Nord-Südbahn zur Erinnerung an die volkstümliche Benennung des Regiments„Maiküfer- station" zu benennen. Der Magistrat hat dem Vorschlag der Verkehrsdeputation entsprechend beschlossen, der Station diese Benennung zu geben. Das Regiment der Maikäfer soll durch diese Bezeichnung verewigt werden. Danach muß angenommen werden, daß die Bezeichnung„Maikäfer" von dem Regiment als eine besondere Ehrung betrachtet wird. Nun gibt es in Berlin noch andere Regimentsbezeichnungen. Diese Regimenter müssen sich ranhalten, damit die übrigen Stationen auch ihre Namen erhalten.__ Tie Berliner Biersteuer vor dem Obervcrwaltnngs- Bericht. Vor dem 2. Senat des Oberverwaltungsgerichts wurde gestern die Verwaltungsstreitklage wegen der Berliner Bier- und Kinematographensteuer verhandelt. Die Biersteuerordnung der Stadt Berlin vom 8. März 1913 ist, wie erinnerlich, durch die Entscheidung des Bezirks- ausschusses Berlin in erster Instanz für rechtsungültig erklärt worden, da der Begriff des Einbringens von auswärtigem Bier der erforderlichen Bestimmtheit entbehrt. Durch die Rechtsungültigkeit dieses Begriffes werden abex die Grund- lagen der Steuerordnung derartig erschüttert, daß diese in vollem Umfang der Rechtsgültigkeit entbehrt. Der Bezirks- ausschuß ließ es infolgedessen dahingestellt sein, ob nicht auch sonstige Momente, insbesondere die Bestimmung über die Ausfuhrvergütung oder die Verletzung auf Grund der Gleich- Mäßigkeit der Besteuerung dahin führen muß, der Ordnung die Rcchtswirksamkeit abzusprechen. Der Berliner Magistrat hat gegen diese Entscheidung Revision eingelegt. Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Sachen der Biersteucrordnung lautete: Die Entscheidung des Bezirksausschusses wird auf- gehoben und die Sache an den Bezirksausschuß zurück» verwiesen. Die Steuerordnung sei gültig, nur die Höhe der Steuerbeträge müßte der Vordcrrichter nachprüfen. Die Gültigkeit der Berliner Lustbarkeitssteuerordiiung vom 8. März 1913 unterlag am Freitag ebenfalls der Nach- Prüfung des O b e r v e r w a l t u n g s g e r i ch t s als Re- Visionsinstanz, daneben noch die Unterfrage der Auslegung des§ 4 Abs. 2. Das Oberver waltungsgericht wies zunächst gleich dem Bezirksausschuß die Klagen des Zirkus Busch auf Freistellung von 19 421 M. und von 6139 M. Lustbar- keitsstcuer ab, und ebenso die Klage des Wintergartens auf Freistellung von 5510 M. In den Sachen mebrerer Kinos(Cinämagesellschaft. Hulke usw.), wo der Bezirksausschuß im Hinblick auf 8 4 Abs. 2 der Steiierordnimg auf Freistellung erkannt hatte, hob das Oberverwaltungsaericht das Urteil bes Bezirksausschusses auf und wies die Freistelliingsansprüche dieser Kläger ebenfalls endgültig ab. In der Sache des Herrn Titius wurde auf Zurückverweisung an die Vorinstanz erkannt._ Bom städtischen Bestattungswesen. Der Stadt Berlin unwürdige Zustände haben sich auf dem städtischen Friedhof in der Müller- Ecke Seestraße herausgebildet. Der städtische Friedhof grenzt an seiner einen Seite an den Friedhof der Philtppus-Apostelgemeinde. Er wird zugleich von dem Inspektor der Kirchengemeinde verwaltet. Bei Trauerfeiern muß die Kapelle des Philippus�ApostelkirchhofeS benutzt werden, da die Stadt Berlin auf ihrem Friedhof eine Halle zur Abhaltung von Trauerfeiern nicht besitzt. Auf diese Weise wird die Stadt Zu» treiberin der Kirche. Von Angehörigen, welche«ine Trauerfeier mit einem Laien als Sprecher wünschten, wurde verlangt, daß sie die Erlaubnis des Herrn Superintendenten Friedrichs, Philippstraße wohnhaft, einholen mutzten. Diese Erlaubnis zur Benutzung der Kapelle, gegen eine Gebühr von 5 M., wurde bisher Nach tinigem Hin und Her von Herrn Friedrichs erteilt. Neuerdings haben sich nun wohl die Fälle vermehrt, in denen Hinterbliebene nicht Theologen, sondern einen Laien alS Sprecher bei Beerdigungen wünschten, und so wird nun von den Hinter- bliebcnen verlangt, außer der Erlaubnis de« Herrn«Supcrinten- denten auch noch von einigen GemeindekirchenratSmitgliedern die Erlaubnis zur Benutzung der Halle, welche längst bezahlt ist, ein- zuholcn. Wer da weiß, was für Laufereien der Todesfall.eines An- gehörigen verursacht. Wird es verstehen, wenn die Betreffenden nicht erbaut davon sind, von der Philippstraße nach dem Neuen Tor, von dort nach der Bremer Straße und von da endlich wieder nach der Philippstraße geschickt zu werden. Gewiß kann man es den Theologen nachfühlen, daß sie nicht sehr erfreut von der Tatsache sind, daß sie auch bei Beisetzungen Verstorbener immer mehr und mehr ausgeschaltet werden. Ebenso kann man verstehen, daß sie ihve Kapelle nicht Laien überlassen wollen. Andererseits ist es aber doch auch wohl das gute Recht der Leidtragenden, denjenigen sprechen zu lassen, der ihnen geistig am nächsten steht. Um aus dieser unangenehmen Lage des Antichambriere«« bei den Leitern der Philippus-Apostclgemeinde herauszukommen, kann man von der Stadt Wohl verlangen, daß entweder ein Abkommen mit der Philippus-Apostelgemeinde dahingehend getroffen wird, daß die Halle aus dem Friedhofsbureau des Rathauses nicht nur de- zechlt. sondern auch in bindender Form für die Feier fejigeniacht tvird, Sollte das aber nicht geben, wird die Stadt Verlin mit ihrem Millioncncrar doch auch noch ein paar Hunden Mark für eine Fach- werkhallc auf ihrem Friedhof ausgeben können. Um so mehr, als der Friedhof noch aus Jahre hinaus nicht voll belegt fein wird. Abgeändert muh der fetzige Zustand aber auf jeden Fall werden. Magistrat und B.E.W. Ter Magistrat kann über die ferneren Beziehungen der Stadt zu den B.E.W, noch inimer nicht ins Reine kommen, obwohl die Situation so klar liegt wie selten. Es kann gar keinen anderen Weg geben als den, die B.E.W, in eigene Regie der Stadt zu nehmen. Es gibt gar keine andere Möglichkeit, sich aus der Um- klammerung der allmächtigen Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft zu befreien und die Interessen der Bürgerschaft zu wabrcn, als die Berstadtlichung der B.E.W. Es ist schon viel kostbare Zeit ver- schwendet worden durch die Zauderpolitik des Magistrats. Allerdings reichen die Interessen der A.E.B, sehr weit und es lvird sich zeigen, wie weit sie im Schostc des Berliner Magistrats einen bestimmenden Einfluß auszuüben in der Sage sind. Tie Beratungen des Magistrats über die zukünftige Versor- gung der Stadt mit Elektrizität gelangten auch gestern nicht zu Ende; sie werden indessen ohne Rücksicht auf die Sommerpause fortgesetzt. Aus Wien wird telegraphiert: Wien. 22. Juni. Eine heute abgehaltene außerordentliche Generalversammlung der Allgemeinen Oesterreichischen Elektrizitätsgcsellschast beschloß aus Antrag des Berwaltungsratcs die Liquidation uyd die Uebergabe dcS Unternehmens mit Ende Juni an die Gemeinde Wien gegen einen Gesamtablösungsbetrag von zirka 12% Millionen Kronen. Todessturz aus dem vierte« Itocktvcrk. Ein tragischer Unfall mir tödlichem Ausgang hat sich gestern mittag in der Reichenbcrger Straße abgespielt. In dem Haus« fSa hatte die neunjährige Tochter Margarete des Bauarbeiters Krüger aus der im vierten Stock belegenen Wohnung aus den Hof binabgcsehcn, um dem Spiel eines Leierkastenmannes zuzuhören. Während nun unten die Weisen eines lustigen Walzers erklangen, ertönte plötzlich ein markerschütternder Schrei; die kleine K. hatte im Fenster das Gleichgewicht verloren und war kopfüber in den .00 sie mit zerschmetterten Gliedern liegen blieb. Aui dem Transport zur HilsSwachc am Görlitzer Bahnhof üarb das Kind. Stadtbahnstedderer. Mit einem..Entlastungszeugen" arbeitete ein Fledderer, der ertappt und unschädlich gemacht wurde. Ein schlafender Fahrgast der Stadtbahn entdeckte, als er erwachte, daß ihm das Portemonnaie gestohlen worden war. Nur ein Mitfahrender konnte der Tieb sein, der sich noch im Abteil befand. Der Bestohlenc sagte dem Mitreisenden die Tat auf den Kopf zu. Der Mann bestritt aber ebenso entschieden jede Schuld und berief sich auf einen zuzeiten Fahrgast, der in der Ecke saß und seine Zeitung las. Dieser Reisende trat denn auch mit aller Bestimmtheit für den Verdächtigen ein. Ter Bestohlenc veranlaßte aber, daß beide Fahrgäste nach der Wache gebracht wurden. Hier entpuppte sich der Verdächtige als ein wiederholt vorbestrafter Fledderer Koch, der als„Spezialist" bekannt ist. und der Entlastungszeuge als ein alter Einbrecher, der unter dem Spitznamen„Pfcrdcamandus" bekannt ist. Beide wurden in Haft behalten.__ c Noch ein falscher Arzt treM setzt in Groß-Berlin sein Unwesen. Einer Zimmervermictcrin stellte er sich als Arzt von außerhalb vor, der eine große Praxis besitze und hierher gekommen sei, um sich an der Charite weiter fortzubilden. Als er dann am nächsten Tage einen Augenblick allein in der Wohnung war, raffte er Bertsachen und Äleidungs- stücke zusammen und verschwand aus Nimmerwiedersehen. Ter Jyunfc eines ffrauenbcins in Pichelsdorf veranlaßte Gerüchte von einem geheimnisvollen Fraucnmord. Es hieß, cm Bein, das bei Pichelsdorf aus dem Wasier gelandet wurde, sei„kunstgerecht" durch Mcsserschnitte von dem Oberkörper abgetrennt worden. Aus Veranlassung der zuständigen Staats- anwaltschaft begab sich ein Kriminalkommissar sowie ein Gerichtsarzt nach dem Fundort. Beide stellten fest, daß von einer kunst- gerechten Abtrennung keine Rede sein kann. Das' Bein ist ohne Zweifel durch eine Schiffsschraube von dem Körper abgeschlagen worden. Der fehlende Körper ist noch nicht gefunden. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern in den Morgen- stunden in der Brancrei Patzcnhoser(Abt. Spandau). Der Böttcher G. erlitt beim Pichen derartig schwere Verbrennungen im Gesicht, Brust und an den Unterarmen, daß er nach Anlegung eines Notverbandes sofort nach einer Klinik geschafft werden mußte. Wie verlautet, wird dies aus hie in letzter Zeit allgemein Platz gegriffene Antreibcrei zurückgeführt. Ein anderer schwerer Betrirbsunfoll ereignete sich gestern abend kurz nach 8 Uhr in der Turbinensabrik der Allgemeinen Elcktrizitätsgcscllschaft in der Huitenstr. kl. Ter 3l Jahre alte Schlosser MichaelPerczyski aus der Frankfurter Chaussee kv hatte dort den Austrag, die Laufkatze eines Kraus mit Benzin zu reinigen. Aus bisber noch ungeklärte Weise kam der Bezinbehälter mit Feuer in Berührung und explodierte. Tie hochaufschießendcn Flammen ergrifftn den Schlosser und bald glich dieser einer Feuer- säule. Auf. sein Hilfegesckrei eilten in der Nähe beschäftigte Ar- beiter hinzu, löschten die Flammen und sorgten, nachdem ein Arzt binzugeruscn worden war, für seine Ucberführung nach der Charit«. Perczypski hat am ganzen Körper schwere Brandwunden erlitten und liegt schwer danieder. Er ist verheiratet und Fa- milicnvatcr. Neuerung im Straßenbahnverkchr. Tie Große Berliner Straßenbahn teilt folgendes mit: Nach landeSpolizeilichcr Abnahme der Ncubauitreckc ans dem Kaiserdamm in Charlottenburg wird vom 2 8.' Juni d. I. ab k. die Linie O vom Zoologischen Garten über Hardenbergstraßc, Bismarckstraßc und Kaiserdamm bis zum Bahnhof Heerstraße verlängert, 2. die Linie U Kupfer- graben— Halenscc vom Sop'hic-Eharlottc-Platz ab ebenfalls über den Kaiserdamm bis zum Bahnhos Heerstraße geführt, 3. die Linie 7. vom Stuttgarter Platz über Leonhardstraße, Holtzendorff- straße, Joachim-Friedrich-Strahe und Kurfürstendamm bis zum Ringbahnhof Halensee verlängert.— Im Verkehr nach und vom Bahnhof Heerstraße werden folgende Umiteigetarifstrcckcn cingc- richtet: l/llmstcigestelle Knie: Gotztowskybrücke— Bahnhof Heer- ftratze kO Pf. 2. Nmiteigestelle Bismarck-, Ecke Wilmcrsdorfer Straße: Sybelstraßc— Bahnhof Heerstraße 10 Pf.,_ Bahnhof Jungfernheide— Bahnhof Heerstraße 10 Pf., Wilmersdorier Straße, Ecke Kurfürstendamm— Bahnhof�Hecrstraße 10 Pf.— 3. Umsteige- stelle Sophie-Charlotte-Platz: Straßenbahnhof Westend— Bahnhof Heerstraße 10 Pf., Kantstraße, Ecke Wilmersdorfer Straße bis Bahnhof Heerstraße 10 Pf. Kleine Nachrichten. Im Tiergarten versuchte sich der 23 Jahre alte Kaufmann L. zu erschießen. Passanten, die einen Knall hörten, fanden ihn mit einer schweren Verletzung an der Brust besinnungslos aus einer Bank liegen und sorgten für seine lieber- fiihrung nach der Charite.— Aus unbekannter Ursache erhängte sich der 30 Jahre alte Arbeiter K. aus der Friedrichsscldcr Straße in seiner Kellerwobnung am Fensterriegel.—(frbanjt bat sich auch, ebenfalls in feiner Wohnung, der 22 Jahre alte Schornstein- feger T. aus der Wolgaster Slratze 12.— Nerven krankbeit trieb den 39 Jahre alten Schneider R. aus der Tilsitcr Straße in den Tod. Er vergiftete sich mit Gas.— Aus der Straße vom Tode überrascht wurde in der Stcinstraße der 37 Jabre alte Händler Hempel aus Frankfurt a. O., der eben erst von dort zu vorüber- gehendem Aufenthalt hier angekommen�war.— Erschossen hat sich der 64 jährige Rentenempfänger G. Sch. ans der«chönwaldcr Straße 4. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht.— Wegen einps langwierigen, schmerzbasten Leidens hat sich, der in Steglitz wohnende Sekretär a. T. K. W. durch einen Schuß ins Herz getötet. Gesperrt. Die AndreaSstraße von der Großen Frankfurter Straße bis zur Blumcnstraße wirb wegen Pflasterarbeitcn vom 29. d. M. bis auf weitere- sür Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Gerichtszeitung. Tas Plakat an der Friedhofsmauer. . In einer Nacht der Roten Woche wurden von un- bekannter Seite an der Friedhofsmauer des Friedhofs der Freireligiösen Gemeinde in der Pappcl-Allee zu Berlin 16 Plakate angeklebt, worauf zu lesen war: „Das Anschlagen des Plakats für die Rote Woche ist polizeilich verboten worden. Es enthielt die Aufschrift: Tretet dem Wahlverein bei, abonniert auf den Vorwärts." Dieses Plakat entsprach der Wahrheit. Von Adolf Harndt als dem Friedhofsinspektor verlangte dann die Polizeibehörde die Entfernung der 16 Plakate. Harndt hielt sich zur Entfernung der Plakate nicht für verpflichtet und erhob wegen der vvlizeilichen Verfügung Beschwerde. Der Oberpräsident verwarf d'ie Beschwerde. Harndt klagte nunmehr gegen den Oberpräsidenten beim Oberverwaltungs- grrickt. Zur Begründung der Klage wurde unter anderem geltend gemacht, daß die fraglichen Plakate keinen unzulässigen Inhalt hätten und daß ihr Verbleiben an der Friedhofsmauer auch im übrigen nicht die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit stören könnte. Ferner sei sehr fraglich, ob der von der Judikatur ausge- stellte Grundsatz von der Haftung Dritter, die über ein Grund- stück die tatsächliche Herrschaft ausübten, in der angegebenen All- gemcinheit richtig wäre. Das Oberverwaltungsgericht wies dir Klage Hörndls am Dannerstag mit folgender Begründung ab: Der 8 6 des preußischen Preßgeietzes, deffen Geltung noch fortdauere, bestimme: Anschlagzctlet und Plakate, welche einen anderen Inhalt babcn, als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen, über öffeutliche Vergnügungen, über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen, über Verkäufe und andere Nachrichten für den gewerblichen Verkehr, dürfen nicht an- geschlagen, angeheftet oder in sonstiger Weise öffentlich ausge- stellt werden." Ferner bestimme§ 1 der Berliner Plakat-Polizci- Verordnung, daß öftcntliche Anzeigen auf öftentlichcn Straßen und Plätzen nur an den dazu bestimmten Vorrichtungen(Plakat- säulcn) angebracht werden dürften. Nun fielen die hier in Rede stehenden Plakate nach ihrem Inhalt in keine der Kategorien, die nach Z 9 des preußischen Prcßgesetzes überhaupt nur angeschlagen werden dürften. Und die Stelle, wo die Plakate angebracht worden seien, sei keine solche, die nach der erwähnten Berliner Plakat-Polizeiverordnung(vom 26. Januar 1880) für Plakate an öffentlichen Straßen und Plätzen zulässig wäre. Somit verstoße das Anschlagen der fraglichen 16 Plakate an der Friedhofsmauer gegen zwei Berbotsgesetze und habe damit einen der öffentlichen Ordnung widersprechenden Zu- stand geschaffen, zu deffen Beseitigung die Polizei nach§ 10, Teil 2, Titel 17 des Allgemeinen Landrechts befugt und verpflichtet gewesen sei. Sachlich rechtfertige sich damit die Verfügung.— Die Polizei habe aber auch dem Kläger die Beseitigung des ordnungs- widrigen Zustandcs aufgeben können. Er habe dazu angehalten werden können, entweder als Miteigentümer des Friedhofsgrund- stücks, wozu die Mauer gehöre, oder in seiner Eigenschaft als Ver- Walter, der mit den Mitteln deS Eigentümers über das Grundstück zu verfügen imstande war. Der langen Gründe kurzer Sinn: Wer die Wahrheit verbreitet, kann„im öffentlichen Interesse" von der Polizei zur Entfernung des die Wahrheit enthaltenden Plakats an- gehalten werden. Ein famoser Rechtsstaat! Heiratsschwindler. Glück bei Frauen in ganz ungewöhnlichem Maße hat der 46 Jahre alte„Schriftsteller" Franz H 0 tz e n, der gestern unter der Anklage des Betruges und der u n- befugten Führung des Toktortitels vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Land- gcrichtsdirektors Jacob stand. Ter Angeklagte stammte aus eincr� Försterfamilie. Er hat mehrere Semester Medizin studiert, das Studium aber abgebrochen. Dem Angeklagten standen die Mittel zur Vollendung seines Studiums zur Verfügung, er verjubelte sie aber und lebte von Be-. trügereien gegen Frauen und Mädchen. Es liegt ein großes Re- gister von alleinstehenden Frauen bei den Akten, auf die der An» geklagte einen bestimmenden Einfluß ausgeübt hat und deren Mitleid in bewundernswerter Weise zu erwecken verstand. Er knüpften mit ihnen auf der Straße, in einer Postanstalt, bei Wert- heim oder wo sich sonst die Gelegenheit bot, Bekanntschaft an, stellte sich als..Toktor.Hotzen" und praktischer Arzt vor, erzäblie dann allerlei Schwindel. Durch licberiswürdigcs Wesen, manch- mal auch durch den Hinweis aus die Möglichkeit einer Heira: haben ihm die mitleidigen Damen, die mit ihm in rein freundschaftlichen Verkehr getreten sind, recht große summen in Form von Darlehen oder Geschenken gegeben. Eine Verkäuferin Hab ihm ohne Be- sinnen 3900 M. als Darlehen und will diese Summe voll zurück- erhalten haben. Eine angejahrte Beamtcnwitwe lieh ihm 390 M. eine damals 46jährige Beamtenwitwe, die auf eine Heiratsannonce bin mit ihm in Verkehr getreten war, hat ihm„aus Mitleid" und weil er„einen überaus günstigen Eindruck" aus sie machte, 2006 Mark vorgeschossen, die er ralcnwcisc wieder abgetragen haben soll; eine ältere Jungfrau hat ihm„aus Mitleid" 290 M. gegeben. eine andere 799 M., eine Witwe, die er im Vorortzug nach Pots- dam kennen gelernt hatte, 1399 M., eine Witwe in Heidelberg, die mit ihm längere Zeit in mündlichem und schriftlichem Verkehr gc- standen, hat ihn im Laufe der Zeit fortgesetzt mit Geldbeträgen in Höbe von mehr als 19 999 M. unterstützt; von einer anderen Witwe entlich er 2999 M., ans deren Rückzahlung sie später aus Mitleid verzichtete. Alle diese Fälle mutzten aus dein Strafverfahren aus- scheiden, da diese sämtlichen Zeugen sich nicht betrogen fühlte», sondern dabei blieben, daß sie die Gcldopfer freiwillig gebrawt hätten, um dem arnien Manne, der ihr ganzes Mitleid erregt hätte, zu helfen. Zur Anklage stand ein ganz merkwürdiger Fall. An eine 69ji>hrige Hauptmannswitwe mil weißem Haar schlängelte er sich heran. Bor dem Gerichtsvorsitzenden lag gestern ein Päckchen Briefe, in welchen der Angeklagte in Lberschwänglicher, schwülstiger Weise seine Bewunderung ihres Charakters und ihrer Güte auS� drückte. In der Tat har er durch sein einschmeichelndes, liebens- würdiges Wesen die ältliche Dame ganz für sich zu gewinnen ge- wüßt. Gestern erklärte sie vor Gericht, daß dieses Wesen Lug, Trug und Heuchelei gewesen sei. Ter Angeklagte habe ihr eine Bibel geschenkt und gesagt, daß er morgens und abends ein Kapiicl daraus lese; mit salbungsvollen Worten habe er gesagt:„Gottes Arm habe sie beide zusammengeführt" und dergleichen mehr, kurz, er habe sich so in ihr Inneres hineingelogen, daß sie sich ihm gegen- über wie in der Hypnose befunden habe. Sie habe ihn beinahe wie ein höheres Wesen betrachtet und über ihren verswrbenen Ehemann gestellt. Sic sei ihm in absolut idealer Weise zugetan gewesen, und da er überaus krank und leidend sein wollte, alles Mögliche sür seine Pflege getan. Aus ihren Mitteln habe er für 79 M. sanatogcn in kurzer Zeit vertilgt, aus ihren Mitteln sei er nach Baden-Badcn gegangen, während sie hübsch zu Hause blieb, und erst zu spät habe sie erfahren, daß alles, was er ihr so schön vcrerzählte, Unwahreit gewesen. Die Zeugin hat dem Angeklagten gegen einen Schuldschein 8999 M., dann nochmals 2999 M.» und endlich 699 M., im ganzen also 19 699 M. hingegeben und bis jetzt noch nichts zurückerhalten.— Der staatsanwalts-Asscffor Haffert beantragte 1 Jabr Gc- flingilis und 2 Wochen Haft sowie 3 Jahre Ehrverlust.— Das Gericht verqrteilte den Angeklagten zu 19 Monaten Gefängnis und 2 Wochen Haft sowie 3 Jahre Ehrverlust. 2 Monate und 2 Wochen wurden als verbüßt erachtet._ Ein Schutzmann als liebevoller Ehemann. Unter der Anklage der Nötigung und der Körperverletzung, begangen an der eigenen Ehefrau, hatte sich vor dem Münchencr Schöffengericht der frühere Schutzmann Hammel zu verantworten. Ter Angeklagte zog vor einigen Jahren, als er noch Witwer war, zu einem Ehepaar und trat bald zu der Frau in intime Be- ziehungcn. Auch als er feine zweite Frau geheiratet hatte, fetzte er die Rolle als Hausfreund fort. Er soll sogar in Gegenwart seiner Geliebten seiner Frau Zumutungen gestellt haben, die einen schweren Angriff auf deren weibliche Ehre bedeuteten, doch gelang es in diesem Punkte nicht, den Angetlagten zu überführen. Da- gegen wurde festgestellt, daß Hammel seine Frau in der unmenschlichsten Weise behandelt hatte. Er. schlug mit allen möglichen Gegenstänocu aus die Frau ein, so daß diese am ganzen Leibe blutunterlaufene Flecken baue. Drei Jahre lang hielt die Frau das Martyrium aus, bis die fortwährenden Mißhandlungen des Angeklagten endlich zier Anzeige gebracht wurden. In der Ver- Handlung behauptete der Angeklagte, daß seine Frau ihn gereizt habe, da sie faul und dem Trünke ergeben gewesen sei. Durch Zeugen wurde festgestellt, daß diese Behauptung nicht der Wahrheit entsprach. Ter Amtsanwalt beantragte für die, wie er sagte, bestialische Handlungsweise des Angeklagten 1 Jahr 9 Monate Ge- fängnis. Das Gericht berücksichtigte die bisherige Unbcscholtcnhcit des Angeklagten und erkannte auf 7 Monate Gefängnis. Eine besonders kräftige Ordnungsstütz. stand in der Person des 39 jährigen Stadtsekretärs Ernst R ep e tz k i aus Creuzburg vor dein Schwurgericht in Oppeln. R. hat in seiner Eigenschaft als Kassierer des Kriegcrvereins Kreuzburg und des KreistricgcrverbandcS 900 M. Bereinsgcldrr unterschlagen. Außerdem bat diese Kriegervercinsleuchte in 22 Fällen Amtsgeldcr unterschlagen, in 12 Fällen Akten beiseite geschafft, Urkunden gefälscht und fälschlich angefertigt. Für diesen kräftigen, aber übel duftenden Blumenstrauß von Verbrechen erhielt die Ordnungsleuchte 1 Jahr und 9 Monate Zuchthaus. Drei Monate wurden aus die Untersuchungshaft angerechnet. Vcrsäumnng der Strasstundc als SchulvcrfäumniS. Das Eindringen eines Sperlings in die Schulstubc einer ?Nädchcnschllle in Duisburg hatte unter den Kindern eine lebhaste Erregung hervorgerufen. Bei dieser Gelegenheit soll sich die Tochter des Kaufmanns Habich ungehörig benommen haben. Es wurde über sie eine Strasstunve verhängt, die sie am Rachmittag absitzen sollte. Ter Vater hielt sie aber vom Besuch der Strafstunde ob, weil er eine Verpflichtung nicht anerkannte.— Die Strafkammer in Duisburg verurteilte ihn wegen unberechtigter Schulversäumnis der Tochter. Das Kammcrgcricht verwarf jetzt die Revision des Angeklagten mit der Begründung, daß die strasstundc als Pslichtstunde anzu- sehen sei und daß der Pater da? Kind deshalb zum Besuch der Strasstundc hätte anhalten müssen. Freireligioie Gemeinde. Sonntag, den 28. Juni, vormittags 3 Übe, Pappelallec 12—17; Neukölln,„Jdealpa'mgc-: Tegel, Bahnhositr. 12, und Ober-schönewcidc, Klaraitr. S: Freireligiöse Borlesung.— Vormittags 11 Uhr, Kleine Franksurlcr Str. 6; Vortrag von Herrn Dr. A. Bern- stein:„Reaktionäre Gewalten im Kamps gegen die freien Gedanken."— Damen und Herren als Gäste willkommen Allgemeine Kranken- und Stcrbekaffe der Metallarbeiter. niie«»MO 41T.S. 10651 i AXIepold, Antonair. 1.Milchhdlg' 4$ eigsc« Detsilg«ithifte 1 F. HAGEM 22 Werlte ufeetelles 82 Wim, Pleü. BottergroBbiilg. Berlin O. 27, Alexanderat. 12 .(HicleicbcrHiOFara'MIbrl.Sg}! Kosmaila, E., 48eÄ«t. Frlt» Mnth, Butterhandlung. „Nordstern" „Mercur" Paul Reiflme Berlin 3.59. T.AmtMoritxp] Direkterimport. Lieferant riel Konsum-Vereine. Tcrl.Sls OlfsTt». Butter en gros 11.2180 Carl Riemer r �e,B� Schönwald. St.20. Schröter, F. J��43Dcrhau(8»lflleij4��MB GusLSctiuiizessoun Paul Jarraachy Sprengelstr. 33 Jendroyko, Immsnuelkirehstr. 10 fr. Jendreyko, Ohmstr. 9. O. Jeske. Libauerstr. 1 Fr. Jimffy Elbestr. 6 Neukölln B. Kaatnak, Lichtenbergerstr.ai A. Kelb, Rostockerstr. 31. F. Kleaewetter, SrkiTelbeinerstr. 15. R. Klinke, Weißens., Lehderst.120. 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Fortsetzung s. nächst« Seite, Fortsetzung des Bezugsquellen-Verzeichnisses oiHereien „Schwelzerhof", Meierei und Milehkuranstalt. Emdener Str. 46.:: T«l. II 2565. Flr» Teurich, Brunnenstr. 54. H.T reger,Tegel,Bahnhofßt.7-8 Wodrlcn, Putbusserstr. 85. B» Zblnden, Palliaadenstr. 63 j F. Bartels. ü«nehlpilr.S(lBt«t.T.8lt7 C.Bemer, Kitk«,!. 29 O.Fahrenknig.NtiköllaWilttrstr. U Paul Schur, G.m b.g..Dirtnmtr.l)a.8l Pau�chuTi�nUJIJJirliaa� gyj�gHünnsEißnS A. Ax, H.Weigel Niclfl.. AdalbtiKtr. 91 GjXiebsekJlMjkMisrr»� ilänrunssKiinsl H. John� Wörtherstr. 89. lianiielMdine��&Mt'.�'. t h MapgarlnsündHtinstHünig Manmaicninen S£lcßJ�Coni£;ljMai!cr8UiJU4; I�Mabrikun�� Rossien-MSbel Kastanien-Allee 57 Gustav Richter Kdpenldi, Qrünauerstr. 9 Tlele IVcHf. r«hl««|*HckMtraiy�� Bellmann, GoIInowstf. 86 Waschmoach. Ed. Hruda, Frister«S: Roßmann" Nivhinaschinen, Rogenthalerttr.il Littauer N&hmasdi., äpandaa 5 Jabre Garantie, Teilzahlung Nahm. pg.-Geech. ,Pots44sem tr. 1 0. 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Juni 1»14, abends ft Uhr: Kranchen- Nersammlung �er MetalldrLcker Kerlms«. Umgegend im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Tagesordnung: i Welche Vorteile bietet uns die Einführung der Hauskassierung'{ 2. Diskussion. 3. Branchcnangelegenheisen und Verschiedenes. Montag, den 29. Juni 1014, abends H Uhr: Kranchen- Uersammlung der Maschinenschlosser » V» Oi-tsvei-avnltonjr It<-t-fl>r. muiikinsttumenten- Meiler. Mittwoch, den 1. Juli, abends Uhr, im Lokal„Süd-Ost", Waldemarstr. 75: Bra»»chen- Bersammlnng. Tagesordnung: I. ZSas hat der diesjährige BerbandStag in Dresden für neue Beschlüsse gefaht. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Verschiedenes. Zu dieser außerordentlich wichtigen Versammlung muß jeder Ver- bandSfollege erscheinen._____ Achtung! Bibliothek. Achtung! Tieselbe bleibt wegen Inventur einige Zeit geschlossen. Tie Kollege« werden ersucht, die Bibliotheksbücher einzultefern. gg/lt__ Die Ortsverwaltung. den Mufiker-Jestsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 31(gr. Saal) Tagesordnung: i. Vortrag. 2. Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedenes. --— Ohne Mitgliedsbuch(ein Zutritt.———— Montag, den 29. Juni 1914, abends 8'/, Uhr: Kranchen- Kersammlung, öllrr in de» EjstnkMrujitlliilS-WrrbMtll btschäftigitn .Irbeitrr souiir Fnhrltnhlmontrnrr u. griftr- im Englischen Hof, Alexanderstraße 270. Tagesordnung: l. Vortrag des Kollegen?l. Wnschick» 2. Disfuision. S. Branchenangelegenheilen und Verschiedenes. Montag, den Ä9. Juni 1914, abends Uhr: Kezirks- Nersammlung für Westen und Kchonederg— im Vereinshaus Schöneberg, Hauptstraße 5. Tagesordnung: l- Stellungnahme zur Einführung der Hanskassierung. 2 Diskussion —- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.- is. Zahlreichen Besuch obiger Versammlungen erwartet Die OrtMTerwaUnnc- Krankenkasse der Personen- Kohnfuhr- werks- Innung »u Berlin. Bekanntmachung. Von den Arbettnebmern ist nur ein Vorschlag sür die Wahl der Mit- glieder deS KasfenvorslandeS ein- gegangen, dessen Gültigfeit seinerseit vom Vorstande anerkannt>viirde. Dte aus dem Wahlvorschlag der Ar beitnebmer unter 1—6 bezeichneten Herren gelten als gewählt. 1. Julius Hennig, 2. Max Baumgart, 3. Willi Krause, 4. Friedrich Barth, 5. Karl Kunde, 6, Friedrich Oehlschläger. Die Wahl der Vorstandsmitglieder der Arbeitgeber am 18. Juni 1314 hat folgende« Wahlresullat ergeben i. Wilhelm ArndS, 2. Ludwig Streu, 3. Heinrich Pritsch. 275/13 Einsprüche gegen die Gültigkeit der Wahl sind innerhalb zwei Wochen nach Bekanntgabe dieser Bekannt- machung bei dem Vorstände oder dem VersicherungSamte Berlin zu er- heben i das letztere entscheidet. B e r l i n. den 25. Juni 1314. Guatav Rose, Alfred Helterhoff, Vorsitzender. Schristsührer. UffeiaSibetten, Holzrahmenmatratzen, Kinderbetten| billigst an Private. Katalog jrei. ElN(Mim»it»«UtiI„-Ht,8uhs i.Thür wöchentl. 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Verlagsanstalt Paul Singer St So., Berlin SW. Die Finnen Ernst Jnngc. Xiedcr-Schftnhansen, Kaisc<» z � weg 6, und kQhrUckvr �hrrnct, ktlnrsohner n. Uittkau jjg Oranlonbarg sind gesperrt, weil sich diese Firmen beharrlich weigert den durch den Schiedsspruch des Berliner Einigungsanits zustande 51 lvjnpx kommenen Taiisvertrag aiizuerkkiiiien. In Betracht kommen die Bauslellc>> linisQi-n t-g. XlScken- 8ch»nh»nsen; Ii»n«Ils»tloi>* Der grabien» Erunzüsisch Hachholz und Blankenfelde I., Oranienburg: Berliner Str.,.Kühlenstr., Eehnitzstl 9ta�col Die Bewegung wird noch weiteren Umfang aunchmcn, da auch die FirA>>>sijh� Wl'llhelni Eangen, Wilhelmsruh bei Berlin den Tarif Ib nicht anerkannt hat, obwohl sie nach den Bestimmungen des tz 12 d'>si bis zum 31. März 1914 gültigen TarisvertragS den Schiedsspruch"i erkennen müßte. Wir bitten deshalb alle Arbeitsuchende, diese Firn�: baf|c, bis aus weiteres streng z« meiden. Tie Bezirksleitung� 5C !!c der ."rti ( '-M- Z V I ur ,n tl23 lch den bisher gemachten Erfahrungen die neue irlagc bewilligen, um so energischer mutz das arbeitende ° l k g c gen eine neue B e l a st u n g P r o t e st Theben._ Ter ostpreuhische Pferdehandcl. Die„Kreuz-Zeitung' und die„Deutsche Tageszeitung" suchen Schweigen über die Ergebnisse des PferdehandelprozesseS in cht verlegener Weise zu rechtfertigen. Die„Kreuz-Zeitung" ünt, die anständige Presse sei nicht in der Lage, in ein webendes Gerichtsversahren einzugreifen. In ähnlicher Weise reibt die.Deutsche Tageszeitung" und führt an, datz r Oertel, den Ivir zitiert hatten, im Urlaub weile. l» schlechtes Fechterstück. SS ist uns gar nicht eingefallen, * diesen konservativen Zeitungen zu verlangen, sie sollen in ein webendes Verfahren eingreifen. Im Gegenteil: wir haben diese inständige Art der Hetze gegen Unschuldige, die diese Blätter wohnheitsmätzig betreiben, stets verurteilt. Diese Blätter waren mit, die z. B. in das schwebende Verfahren wegen groben Unfugs 8en die Bepinseler des Kaiser-Friedrich-Denkmals eingriffen und !> einfachen groben Unfug zu einer Sachbeschädigung stempelten. »selben Blätter sind es, die in einer Unzahl anderer Fälle schwebende Versahren eingegriffen oder auch überhaupt nicht / stierende Verbrechen gegen politische Gegner erfunden haben. »ser Tage erst hat die„Deutsche Tageszeitung" sich zu der Ver- ntung der Infamie verstiegen, sozialdemokratische Abgeordnete tlen Landesverrat geübt und Landesverrat sei die Konsequenz r Anschauungen der Sozialdemokratie. Aehnliche Fälle lassen sich Unmenge anführen. Was die genannten Zeitungen im Pferde« lndelprozetz nicht getan haben im Gegensatz zu dem Vorgehen 'ständiger Zeitungen ist. datz sie die ausserordentlichen if'tändc, die der Prozess bereits evident aufgedeckt hat, durch Ver- weigen zu beschönigen sucht. Die„Deutsche Tageszeitung" will «dlngs erst als festgestellt wissen, was nachher der Richter im | teil feststellen wurde! Recht bequem, die schon aus der eidlichen T7,!'tiage des Majors v. Rundftedt folgende ungeheuerliche Be .staniW�...... X St oft' i, Ouen fl.'ffi 3 e. ingt!«' ckgrascm 2516# er D inen auernä' ilse. 85/11* erkstait' n). Ifen! 3 für espcrrt! erstiorii :ct. Fieli» jehilfC reC: tunz* h ■»'l q eiligung der Züchter zugunsten der Händler als nicht geschehen erachten. Militär und Zivil in Elsaß-Lothringen. •j-- it Die Zwischenfälle in Elsass-Lothringen nehmen kein Ende. vornl' ,Um hat sich die Bevölkerung über den einen Fall beruhigt, ist '25156 kn ein neuer da. Vor einigen Tagen ging durch die elsass- iiäbeneS thrrngische Presse die Nachricht, wonach ein Ulanenoffizier in !>thringcn einen Fuhrmann, der seinen Weg kreuzte, mit der -"13 leitpeitfchc geschlagen habe, worauf der Fuhrmann den Schlag tviderte. Der Offizier habe dann einen Unteroffizier und zehn kirn geholt,, die den geschlagenen Fuhrmann sistiertcn. Die Äierungsfreundlichc Presse hatte sofort einen Bericht bei der "nd. der den Vorfall ganz anders darstellte und den- Offizier 'türlich als unsckuldigen Engel aufmarschieren licss. Nun schreibt 'k Fuhrmann, ein Lnndmann aus twr Nähe von St. Avold, "wrein Ttrassburgcr Parteiorgan den Sachverhalt über das Ren- i»re mit dem Ulanenoffizier. Danach hat der Fuhrmann sgcndcs dem Gcrichtsoffizier zu Protokoll gegeben: „Ich fuhr am Montag, den 15. Juni, von der Porzelletter Niühle nach St. Avold. In der Mitte des Weges begegnete mir i'er Leutnant Zander. Ohne weiter ein Wort zu sagen, ritt derselbe an mir vorüber und rief mir zu: ,.He". Der Leutnant litt zirka 500 Meter weiter, kam dann aber im vollsten Galopp Zurück und hielt das andere Fuhrwerk, das mein Knecht leitete, tuit folgenden Worten an:„Wissen Sic nicht, dass dieser Weg derbsten ist?" Der Knecht gab zur Antwort:„Das weiss ich Mt, ich bin fremd lster!"� Tarauf sagte der Leutnant:„Ich werde Sie mit 30 W. viVttSolliercn lassen" und jorderte.glcsch- Wütig vom Knecht meinen Nänten. AIS er wiederholt den Zainen verlangte, gebrauchte er die Ausdrücke„dreckiger Hammel".„Dreckbauer" und hielt drohend die Reitpeitsche in der Hand. Da mir die drohende Haltung des Leuknants auf- iiel, hielt ich ebenfalls den Peitschenstock, der im Wagen lag, bereit. Der Leutnant ritt dann zu mir vor und schlug ohne irden verangcgangenen Wortwechsel mir mit der Reitpeitsche das Gesicht und auf die Hand. Diese beiden Schläge er- widerte ich mit einem Peitschenstockschlag auf den Rücken des Leutnants, worauf derselbe im vollsten Galopp davonritt. Der Äeg. welcher S Meter breit ist, hat also das Galoppieren nicht beeinträchtigt. Am Waldrand war der Leutnant Zander ab- licsesscn. Als wir, mein Knecht und ich, �hinkamen, lief der Leutnant mit seinem Pferde am Zügel zu Fuss, nach der in der irähe gelegenen Artillcriekasernc. Daselbst kommandierte er Kben Vizcwachtmeistcr. mehrere Unteroffiziere und 10 Mann, x»! mich mit meinem Fuhrwerk anzuhalten, was ich mix aber wicht so ohne weiteres gefallen liess. Der Leutnant ließ blank ' im Jahre 1861 gemacht wurde, durch Ausbildung von ,«xlatzreservisten eine Auffrischung des Heeres vorzunehmen, � brie nickt zu dem gewünschten Erfolg, zudem alle Schichten '■* französischen Volkes von einer tiefen FriedenSstimmung beseelt ,"en. Erst nach Königgrätz. aU eS offenbar wurde, dass Bis- °r ck drauf und. dran war. unter rücksichtslosestem Gebrauch seiner ./ lbogen die Einigung Deutschlands durchzusetzen, gelang es dem �"egsminister Marschall Niel, die Zustimmung der Kammer für �" Heercsreorganisation zu erhalten. Am 1. Februar 1868 trat n!£,'« neue Wehrgesetz in Kraft. daS die Erneuerung der Dienstverträge ebe»"�agement) und damit deS alten Soldaten, den Troupier, ab- „at"ftte- die Wirkung dieser Bestimmung konnte sich aber erst in "i bis fünf Jahren geltend machen— das ferner die Stell- Adelung wieder einführte und Mobilgarden, eine neue, im Feld �wendbare Auflage der alten Nationalgarde schuf. Aber daS war noch 'wer nicht das Boll in Waffen und dem Grundsatz der allgemeinen "T�flicht war man. waS die aktive Armee anging, kaum � gekommen:„Das französische Heer blieb auch nach der neuen '"q i."atzordnung eine aus besonders für diesen Beruf bestnnmten ciijc' kisgenossen zusammengesetzte Streitmacht, die für ihre Ergänzung 'di>Ä>!> Verstärkung im Kriegsfalle mit brauchbarerem Ersatz als bls- ~J' vz ausgestattet werden sollte. Der nationale Waffendienst(in der - �ilgarde) blieb nach wie vor eine Aushilfe in Frankreicb, nicht »eeo° Wirkliche Grundlage der Wehrkraft deS Landes". Warum eine DSSv* gliche Heeresorganisation auf Grundlage der allgemeinen Wehr- Nile'cht nicyt durchführbar war, hatte Friedrich Engels schon Dezember 1866 in einem Briefe an Karl Marx dar- .»"'L'gt:„Von dem Augenblick an. wo irgend eine Art Wehrpflicht in Frankreich eingeführt wird, Hort �rätorianertum von selbst«uf, und die bis 30 Prozent rs-enlistock ksUavs(alter Soldaten mit ,"Sagernent), die jetzt in der französischen Armee dienen, ver- - 5 binden zum grössten Teil". So werde durch eine HeereS- ellc Armee vollständig„entbonapartisiert". . Derart vollzog sich an dem Neffen deS ersten Napoleon e.n unerbittlicher historischer Dialektik: Vor auswärtigen i-e kstrophen vermochte er seinen Thron zu retten, indem er mit Führung der allgemeinen Wehrpflicht daS Heer.entbonapartisterte d schlagkräftiger machte. Da aber daS„entbonapartisierte Heer ''! i," Ttützmittel seines Despotismus sein konnte, bedeutete die Ein- ? der allgemeinen Wehrpflicht die innere Katastrophe. �.less irw Dagegen die allgemeine Wehrpflicht beiseite, so behielt die Armee "i den Charakter einer Prätorianertruppe. versagte aber einem - iuir allgemeinen Wehrpflicht gegenüber im Felde, und die a u s- ?" t i g e Katastrophe im Kriegsfall war unvermeidlich. Und so 'chah efc nw, J �Meiner iaiK1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!lllllllllllßl,!IIIIIIIIII!!IIII!||||!|WIW||||||| Extra'Angebot Eingrott. f_ VT*>!/i.inrr f"r OXauIfaua» und Posten l-eaer-is.ieiaung KraftdroschkenfUhrer Leder-Mäntel— Joppen— Hosen teilweise bis 0/ im Preise ■i'W/ O herabgesetzt Ein Posten Strohhüte... 10, 29, 90, 80 � Ein Posten Panama-Hüte........... 5 2= Ein Posten Oberhemden, feingemustert f® Ein Posten Kragen, 4-fach, in 4 Formen 39 P'; Ein Posten Manschetten.... das Paar 20 P1: Ein Posten Servlfeurs............ 13 b'' Ein Posten Krawatten........... 10?!' Ein Posten Selbstbinder, gelitten..... 20 P1 Ein Posten Hüte, schwarz, steif.... f? Ein Posten Mützen....... 20, 49, 79 P!' Ein Posten Knaben-Mützen........ Ein Posten Schirme, 2 Jahre Garantie Ein Posten Schirme, Rein Gloria-Seide 1000 Tage Garantie, moderne Griffe Ein Posten Schlaf-Anzüge(Pyjamas).. 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Ein Antrag L i e b ur a n u»Leipzig(Metallarbeiter) will der Resolution hinzufügen:„Gegenüber den Bestrebungen, den Arbeitern das Koalitionsrecht zu verschlechtern, betont der Gewerkschaftskongreß, daß er in dem unbeschränktem Koalitionsrecht ein Grundrecht der Arbeiterichast und die Vorbedingung für ihren kulturellen Aufstieg erblickt. Daher erklärt es der Kongreß für die Pflicht der Arbeiter- fchafr. dieses Grundrecht gegen alle Angriffe der Gegner mit allen ihr zu Gebote stehenden Kampfmitteln zu verteidigen. Der Gewerk- fchaftskongreß erkennt an. daß zur Verteidigung dieses Grundrechts der Arbeiterklasse unter Umständen auch der M a s s e n st r e i k in Anwendung kommen kann." Vorsitzender Leipart: Der Kongreß hat es von Anbeginn ab» gelehnt, die Massenstreikfrage zu erörtern. Dieser Entschluß ist darauf zurückzuführen, daß der Gewerkschaftskongreß den Grundsatz der gewerkschaftlichen Praris aufrecht erhalten wollte. tvonach es unklug erscheinen müßte, taktische Maßnahmen und unsere Kampfmittel in der notwendigen Abwehr- und Angriffstendenz vor aller Oeffentlichkeit zu erörtern und vorher festzulegen.(Sehr richtig!) Da der Kongreß eine Erörterung der Masfenstreiksrage ab- gclchiit har, erhebt sich die Frage, ob er den Antrag Liebmann trotzdem erörtert wissen wolle.(Lebhafte Zurufe: Nein! nein!) Licbmaiut-Leipzig lMetallarbeiter): Wir ziehen den Satz zurück, um eine einmütige Kundgebung des Kongresses h e r b e i z u f ü h r e». Gegenüber den imnier heftiger werdcndeir Angriffen der Scharfmacher und der Regierungen ans das Koalitionsrechl ist die Arbeiterschaft verpflichtet, dieses Recht mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen. Das, was der Resolution Schlicke noch fehlt und was unbedingt in dieser Situation gesagt werden muß, soll durch unseren Antrag auS- gesprochen werden, um dessen Annahme ich ersuche. Tchauer-Stettin iBauarbeiter) weist auf den organisierten Terrorismus der pommerschen Landherren und des pommerschen Bau» Herrenverbandes hiu, dessen Gründer, Herzberg, den Arbeitern befahl, die HerrschastSkutsche zu grüßen, ob sie nun leer oder besetzt sei. lHeiterkeit.) Der Pommersche Bauherrenverband legt allen Baumeistern, die für seine Mitglieder arbeiten, die Verpflichtung auf, keine sozialdemokratisch organisierten Arbeiter zu beschäftigen. Was sozialdemokratisch ist. bestimmt der Aufsichtsrat. Der Pommersche Bauherrenverband ist eine durchaus konservativ- Gründung. Bauunternehmern, die mit d-n freien Gewerkschaften Verträge abschließen, werden S Proz. der Bausumme abgezogen. Die Tätigkeit dieser Terrorismusorganisation zeigt sich auch in den Aussperrungen. Dem Einfluß des Bauherren- Verbandes ist es auch gelungen, die Justiz zu beeinflussen. In Treptow o. d. Rcga bat man den kleinen Grundbesitzerverein zu einem Floltenvortrag dcS Landrats von Thadden-Bregaff zufamnien- geholt und sie nachher so bearbeitet, daß sie beschlossen, nur solchen ilnternehmern Arbeit zu geben, die sozialdemokratische Arbeiter nicht beschäftigen. Der Magistrat dieser Stadt erteilte einem Bauunter- »ehmer den Zuschlag nur unter der besonderen Bedingung, daß bei den Unternehmern Mitglieder des Deutschen Bauarbeiterverbandes nicht, beschäftigt werden dürseu. Für jeden Fall, der Zuwiderhandlung N>ird ein KautionSobzug von 10 M. angekündigt. lHört! hört'!) Tie soll man sich gegen ein derartige? Vorgehen wenden, wenn der "andrat. der Bürgermeister und der AmtSrichter�bei der Gründung dieser Terroristenörganisation zugegen waren? So sieht man, wer Terroriömus treibt. Der letzte Redner ist der Sekretär des Bauarberterverbandes >n Köln. Fröhlich, der durch das Urteil des Schwurgerichts in dem Land- icicdensbruchprozeß auf die Aussage des vielfach und schwer vorbestraften Robert Hauptmann zu mehrjähriger schwerer Freiheits Urafe verurteilt worden war und diese Strafe vor kurzem abgebüßt Hai. Er betont, daß die Klagen des Unternehmertums über Terroris» Mus oer Wahrheit ins Gesicht schlagen. Daß das Unternehmertum »ns bekämpft, nehmen wir ihm nicht übel, aber das können wir ver �ngen, daß dabei anständige Mittel angewendet werden. In der -Arbeitgeber-Zeitung" werden den Richtern geradezu Fingerzeige ge- heben, wie sie die„Hetzer" hinter sichere Mauern schaffen können. -Vtnlerfrontmarschälle" nennt uns die.Kölnische Zeitung", dieses Urding der Rückgrallosigkeit und Falschheit. Gerade diese Blätter ll>?d die einzige Lektüre der Staatsanwälte, Richter und der in den Geschworenengerichten sitzenden Unternehmer. Bei so einseitiger In» wrination braucht man sich nicht über die Urteile zu wundern. "wt mit papiernen Protesten dürfen wir uns solchen Urteilen hegrnüber begnügen, sondern der Massen st reik müßte die Ant- Wort sein. Leipart: Genosse Fröhlich hat die ungeheure Strafe, zu der er berurteilt imirde bereits abgebüßt. Er hat das Schickial aller derer neiellt, die ähnliche schwere Opfer für die Arbeiterbewegung haben bringen müssen. Der ganze Kongreß wird damit einverstanden sein, wenn ich der- Genossen Fröhlich unsere wärm st e �hrnpathie ausdrücke.(Lebhasler Beifall.) � � Knoll(Bew-ralkommission) erinnert an den Terrorismus behord- ucher Organe gegen die Arbeiterbewegung. Dies müssen besonders 2* Steinietzer auskosten, die viel mit den Behörden zu tun haben. Geschadet hat cS uns ja nicht, sondern uns nur weiter gebracht. �ll war eine Aussperrung der Steinsetzer in Merseburg. Da kün- b'lUe die königliche Kreisbauverwaltung den nicht aussperrenden ""ternehmern an sie hätten sich dem aussperrenden Unternehmer- verband anzuschließen, sonst würde ihnen die Arbeit entzogen werden. ist auch latiächlich verfahren worden. Wir haben eine umfang- �iche Denkschrift an den Ministerpräsidenten von Belhmann Hollweg, v» den preußischen Minister des Innern, an den Oberprasidcnten 'er Provinz jiimen a'iuuuv------------ Sachten, an die 3 Regierungsprairdenten und an den tzrovinziallgndtag geschickt, worin wir uns über die Maiznahmen 'eichwerten. Wir warten heute noch auf Antwort..(Hört! hört!) Eine hroße Anzahl Krcisbauverwalluugen undKommunalbauämter verpflich- die Unternehmer ausdrücklich, keine oiganffierten Steinsetzer zu �e'chäsligen und keinen Tarif niit unserem Verbände abzuschließen. .v haben in unserer Beschwerde das Verhalten der Behörde>o hii'childert, daß wir eine Anklage wegen Bcamtcnbcleidigung hätten ''kommen müssen, wenn nicht alles erweislich gewesen wäre. Eine -'«.läge ist nicht erfolgt. Es ist ein höchst verwerfliches«ystem herrschenden Klassen, den Arbeitern die größten Lumpen und �rräter an ihrer Klasse als die vortrefflichsten Menschen hinzusiellen. Tas würde aus Deutschland werden, wenn es in einen Verteidigungs- '"'vg geriete und die Arbeiter sich dann an den Grundsätzen halten wollten, säst der Verräter etwas Vortreffliches sei! Aber die Erziehung nach vtchen Grundsätzen, wie sie von der Unternehmerklasse verkündet 'Verden, muß ein Geschlecht von Lumpen und moralischen Desperados Zeugen. Zum Glück hat die deutsche Arbeiterschaft einen solchen ironds von moralischer Ktast, daß sie sich niemals daS Gefühl "Nlmpfen wird:' der größte Lump ist der größte Tugendbold. Beifall.) w o �chlußantrag wird angenommen.— In seinem Schluß- Schlicke darauf hin. daß die Unternehmer beschloffen haben, wie einem Protokoll bekannt geworden sei. die Mitglieder ihrer �vrbgnde zu verpflichten, bei jeder Gelegenheit, auf jeder Tagung. besonders aber, wenn sie in öffentlichen Stellungen in den Kommu- nalverwaltnngen, auf Kreis- oder Provinziallairdtage»� tätig sind, aus den angeblichen ungeheuren Terrorismus der Gewerkschaften hin- zuweisen und eine Verstärkung deS Arbeitswilligenschutzes zu fordern. Diesem Beispiele müssen wir folgen und auch unsererseits jede Ge- legenheit benutzen, um den Nachweis zu führen, daß gerade diese Agitation der Unternehmer nichts weiter ist als eine gewissenlose Hetze. Der Antrag Liebniann ist in meinem Antrage gewisser- inaßen mit enthalten. Mein Antrag legt den Hauptnachdruck auf die Aufklärung der Massen, weil das die Voraussetzung für jede zielbewußte Aktion ist. Die Aufrüttelung der Arbeiter ist die Hauptsache. Hoffentlich nimmt der Kongreß meinen Antrag ein stimmig an. Der Antrag Lieb mann wird abgelehnt, die Reso- lution Schlicke einstimmig angenommen. Vorsitzender Leipart: Die Abstimmung über den Antrag Lieb- mann ist nicht so aufzufassen, als ob der Kongreß nicht der Meinung wäre, als müsse nicht jeder einzelne seine ganze Kraft in den Dienst der Abwehr maßregeln gegen die Verkümmern Ii g des Koalitionsrechts stellen.(Lebhafte Zustimmung.) Der Abschnitt A des Regulativs(Allgemeines) wird a n g e n o m m e n, nachdem vorher in getrennter Abstimmung gegen die Stimmen des Fabrikarbeiterverbandes die Numnier H angenommen worden ist, wonach sich das Zusammenwirken der gewerk- schaftlichen Zentralverbände auch erstrecken soll auf die Abgrenzung der Organiiations- und Agitationsgebieie der Gewerkschaften und die Entscheidung dieser Grenzstreitigkeiten gemäß den Beschlüssen des Gewerkschaftskongresses. Zu dem Abschnitt L des Regulativs wegen Erledigung»on Grenzstreitigkeiten liegen zahlreiche Anträge vor. Zunächst wird namentlich abgestimmt über den Antrag des Fabrikarbeiterverbandes, dem ersten Satze:„Die gewerkschaftliche Entwicklung vollzieht sich unverkennbar in der Richtung des Zu- sammenschlusses der Organisationen zu großen, leistungsfähigen Ver- bänden, und die fortschreitende Technik bedingt mehr als bisher die Zuführung der ungelernten und Hilfsarbeiter zu den für sie zu- ständigen Berufs- bezw. Jndustrieverbänden" folgenden Zusatz zu geben:„sowie andererseits die Zuführung der gelernten Arbeiter in die für sie zuständigen Verbände der ungelernten." Der Antrag wird mit 367 Stimmen, die 2 210 l>65 Mitglieder vertreten, gegen 74 Stimmen mit 309 643 Mitgliedern abgelehnt. Auf Antrag der Metallarbeiter wird über die Frage der Ein- führung einer Berufungsinstanz gegen die schiedsgerichtlichen Urteile nochmals die Debatte eröffnet. Die Metallarbeiter beantragen folgende Fassung:„Die Entscheidung des Schiedsgerichts ist end- gültig und bindend, sofern sie nicht innerhalb eines Monats nach Zustellung des Schiedsspruchs durch Beschwerde angefochten wird. Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts ist Beschwerde an die Vorständekonferenz nur zulässig, wenn diese Beschwerde durch Verstöße gegen bestehende gewerkschaftliche Grundiätze und im Versahren begründet ist. Die Vorständekonferenz hat die Beschwerde- gründe zu prüfen, sie kann Zurückweisung an ein Schiedsgericht oder Abweisung der Beschwerde beschließen." Schlicke-Stuttgart: Schon in. der Vorständekonferenz habe ich auf die Notwendigkeit, eine weitere Instanz zu schaffen, hingewiesen, sobald wir das Schiedsgericht zu zwingendem Recht machen. Hoffent- lich wird in.prsm nickt allzuviel Gebrauch von der Einrichtung der Schiedsgerichte gemacht, und hoffentlich einigen sich die streitenden, Parteien in Zukunft untereinander. Ein, Schiedsgericht kann auch beim besten Willen ein für die Entscheidung wichtige« Moment übersehe», es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die Führung der Verhandlungen einmal zu wünschen übrig läßt. Da muß die Mög- lichkeit der Revision gegeben sein. Kloth-Berlin: Gründe dafür, daß gewerkschaftliche Grundsätze verletzt oder daß daS Versahren nicht richtig gewesen sei, werden sich immer finden lasten. Auf jeden Fall darf nicht jede Beschwerde für zulässig erachtet werden, sondern nur gegen solche Urteile, die nicht mit Dreiviertelmajorität gefällt worden sind. Umbreit: Ich will der Einführung eines Revisionsverfahrens nicht widersprechen. Gegen die Einführung der Berufung aber wäre ich, weil durch sie die Autorität der Schiedsgerichte gemindert wird, die dann nur immer Durchgangsstationen wären. Nun beantragen die Metallarbeiter zu meinem lebhaften Bedauern, daß sich das Revisionsverfahren auf die Prüfung des Verfahrens selber erstrecken soll. Aber das Versahren selber ist nicht festgelegt worden. Redner bittet die Metallarbeiter dringend, in ihrem Antrage den Satz„im Verfahren begründet ist" zu streichen. Saupe-Berlin(Kupferschmied) erklärt sich gegen den Antrag der Metallarbeiter. Giebel-Berlin tritt für den Antrag Schlicke ein. Legten: Die Annahme des Antrages der Metallarbeiter ist in der gegebenen Situation zweckmäßig, um den Frieden in den Organisationen zu sichern. Tun wir das und tragen damit den Wünschen eines Teils der Organisationen Rechnung, dann kommt es auf das eine Wort, das Umbreit bemängelt, auch nicht an. Döblin-Berlin(Buchdrucker): In der jetzigen Situation müssen die Gewerkschaften einig sein. Dieser Einigkeit dient der Antrag Schlicke, er bringt uns aus dem Dilemma heraus. Schlicke-Stuttgart(Metallarbeiter) polemisiert gegen Umbreit in der Frage der Anfechtung wegen Fehlern des Verfahrens: wir denken dabei hypothetisch an eine mögliche mangelhafte Beweiserhebung oder Parleilichkeit des Vorsitzenden. Ein Schlußantrag wird angenommen. Die vom Vorsitzenden Leipart gestellte Vorfrage, ob in Zukunft Schiedsgerichte zur Entscheidung«on Grenzstreitigkette» eingesebt werden sollen, wirb mit großer Mehrheit gegen die Stimmen ber Fabrikarbeiter bejaht. Der Antrag 23— die Schiedsgerichte haben sich an die gewerk- schaftlicken Grundlätze zu halten-- wird von den Transport- „rbeitern zurückgezogen, nachdem der Vorsitzende Leipart unter der Zustimmung des Kongresses diefe Forderung als selbstverständlich erklärt hat. ES folgt die namentliche Abstimmung über den An- trag 22, ob gegen Schiedssprüche die Berufung an die Vorstände- konferenz, da« heißt die sacklicke Nackprüfung des Schiedsspruchs in vollem Umfange gestaltet werden fall. Der Antrag wird mit 379 Stimmen gegen 65 Stimmen ab- gelehnt und sodann in einfacher Abstimmung der Antrag Schlicke mit großer Mehrheit angenommen. Ebenso der Abschnitt„Grenz- strcitigkeiten" des Regulativs.. Die Anträge K. 2, K. 3 und K. 4. die wünschen, daß der Kongreß sich im Sinne der Betriebsorganisation ausspreche, werden gegen die Stimmen der Fabrik- und Gemeindearbeiter abgelehnt. Antrag K. 5, der die Generalkommission beauftragen will, mehr als bisher die Verschmelzung verwandter Verbände in Industrie- verbände zu fördern, wird abgelehnt. Die Anträge K 8, K. 13, K. 18, K. 19, die durch die Be- stimmung des Regulativs über Grenzstreitigkeiten und über die Er»' ledigung von Uebergriffen zum großen Teil erledigt sind, werden vom Metallarbsiterverband zurückgezogen. ' Der Antrag X. 19(Buchbinder) auf einheitliche Regelung der UebertrittSbedingungen und gleichmäßige Gestaltung der Sarenzzeiten wird der Vorständekonferenz überwiesen. Darauf wird in der Schlußabstimmung da« ganze Regulativ für das Zusammenwirken der Gewerkschaften Deutschlands gegen die Stimmen der Fabrik- und Gemeindearbeiter angenommen. Vrey(Fabrikarbeiterverband) verliest folgende Erklärung: Die Vertreter des Verbandes der Fabrikarbeiter bedauern die Ab- lehnung aller Anträge, die der Betriebsorganisation die Wege ebnen sollte». Sie sind auch nach der Enlsckeidung des Gewerkschaft-- kongresses der Auffassung, daß die Betriebsorganisation als Grund- läge der industrielle» Verbände norwendig ,st und durch die Ko»zeiitrotioii der Gütercrzeugung sowie durch die Entwicklung der Technik immer mehr nolwendig wird. Die Vertreter des Fabrikarbeiterverbandes sind ferne? der Auffassung, daß die Ent« scheidilng des Gewerkschaftskongresses eine Vermehrung der Diffe- renzetl und Streitigkeiten innerhalb der Gewerkschaften zur Folge haben wird. Als einen Versuch, wenigstens zu einein Teile diese Differenzen zu beheben oder zu mildern, betrachten die Unterzeichneten die wiederholte Erklärung des Vorsitzenden der Gencralkominission, daß diejenigen gelernten Arbeiter den Orgailistioiten der ungelernten überwiesen werden sollen, die zur Stärkung der Kampffähigkeit dieser Organisationen wesentlich beitragen. Wir sprechen deshalb die be- stimmte Erwartung aus, daß die Verbände der gelernten Arbeiter im Sinne der Erklärung de- Vorsitzenden der Generalkommission handeln. Weiter erklären die Unterzeichneten, daß nach ihrer Auffassung die Bildung der Zwangsschicdsgerickie das gewerkschaftliche Zu- sammeiiivirkeii. damit aber auck daS Zusammenarbeiten des Verbands der Fabrikarbeiter mit den übrigen der Gcneralkommissioii an- geschlossenen Gewerkschaften außerordentlich erschwert; sie lehnen deshalb nachdrücklich die Veraiittvorluiig für alle Folgen dieser Be- schlüsse ab.(Folgen die Untersckriften.) Diese Erklärung wird mit Unruhe und: Zwischenrufen aufgenommen. Heckmann(Gemeindearbeiterverband) erklärt, daß er sich der eben abgegebenen Erklärung Breys a n s ch l i e ß e. Wir sind nach lvie vor der Meinung, daß für die Organisation der Gemeinde- arbeiter nur die Betriebsorganisation in Frage kommt. Vorsitzender Leipart: Der Kongreß hat diese Erklärungen entgegcngenomnien. Ich glaube die Pflicht zu haben, darauf zu antworte», daß die Mehrheit des Kongresses die bisher gefaßten Be- schlüsse nach reislicher Ueberlegung und in der festen Üeberzeugung gefaßt hat. damit dem Wohle der gesamten GewerkschaftSbewegunz zu dienen.(Lebhafter Beifall.) Rcichel-Stuttgart(Metallarbeiterverband) bezeichnet die gestrige Mitteilung Legiens, daß der Vorstand des MctallarbeiterverbandcS in die Abtretung der Zigarettenmaschinensiihrcr bereits eingewilligt habe, als einen Irrtum. Es ist das eine Sache der Zukunft. Einstweilen haben wir uns dahin entschieden, daß die Hilfs- arbeiterinnen an den Zigarettenmaschinen unbestreitbar zum Tabakarbeiterverband gehören. Damit ist die Beratung des Regulativs erledigt. Ueber die Bestrebungen des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise referiert A. Rruman«. Er bespricht die Organisation des öffentlichen Arbeitsnachweises, dessen 16 Arbeitsnachweisverbände mit den ihnen angeschlossenen 339 Arbeitsnachweisen von Dr. Freund als die gesetzlichen Träger der deutschen ArbeitSnachweisorganisationen vor- geschlagen werden. Nachweislich sind darunter außer den gemein« nützigen Arbeitsnachweisen solche der Herbergen zur Heimat, der WanderarbeitSstätten, Gesiudevernnttlung-ftellen, Arbeitsnachweise der LandwirtschaftSkammcrn. des Ostmarkenvereins, der Arbeiterkolonien, der Heimatlosen-Asyle. Nachweise des Evangelischen Frauen- bundes und sonstiger religiösen und gemeinnütziger Vereine. sowie der deutschen Landarbeiterzentrale, die durch 39 Aemter die ausländischen Wanderarbeiter vermittelt. Die Arbeiterschaft ist bei allen diesen Arbeitsnachweisen, die diesen Namen gar nicht ber- dienen, in keiner Weise vertreten. Die Neutralität dieser Arbeits- nochweise, die sich mit der Neutralität der Burcaukratie und der Justiz deckt, darf nicht mit Parität verwechselt werden. Seitens der Arbeiter wurde den öffentlichen Nachweisen ein weitgehendes Ver- trauen entgegengebracht, weil es in erster Linie galt, das Scharf- machertum zurückzudrängen und den öffentlichen Nachweis auf eine breite Basis zu stellen. Die Arbeitgeberverbände haben von Anfang an der Tätigkeit der öffentlichen Nachweise entgegengewirkt; die öffentlichen Nachweise aber erwidern das Vertrauen der Gewerk- schaften mit dem unztveideutigsten Mißtrauen. In ihnen herrscht vielfach ein arbeiter- und gewerkschaftsfeindlicher Geist. So lange nur die Unternehmer gegen die paritätischen Arbeitsnachweise aufgetreten sind, hätten wir uns darüber nicht sonderlich aufgeregt, aber heute wissen wir, daß die Hebe gegen dir paritätischen Nachweise von dem angeblich parirätischen Verbände deutscher Arbeitsnachweise Arm in Arm mit den preußischen Ministerien des Innern und für Handel und Gewerbe geführt wird. Auch die praktische Vermitte- lungStätigkeit der öffentlichen Nachweise ist nicht geeignet, das Ver- trauen der Arbeiter zu ihnen zu erhöhen. Ganz offensichtlich unter- stutzt z. B. das Stuttgarter Städtische Arbeilsaml das Bestreben der Unternehmer, in der schlechten Geschäftszeit die Löhne zu drücken und die tariflich geregelten Arbeitsbedingungen zu durch- brechen. Man erklärt Arbeiter, die wegen ihres Eintretens für den Tarifvertrag das Unglück der Arbeitslosigkeit zu spüren be- kommen, für arbeitsscheu und schließt sie für kürzere oder längere Zeit von der Arbeitsvermittlung aus.(Hört! hört!) Man bat sogar erklärt, daß die Arbeiter unter Umständen bei der gegenwärtigen Lage des Arbeitsinarkts für einen geringeren Lohn als den seitherigen arbeiten müssen. Aehnliche Fälle sind auch aus anderen Städten bekannt. Trotzdem wollen wir auch weiterhin an der Ausgestaltung der öffentlichen Arbeitsnachweise mitarbeiten, natürlich unter gewissen Kautelen dafür, daß die Interessen der Arbeiterklasse und ihrer Or- ganliationen nicht geschädigt werden. Dieses wichtige Gebiet darf nicht den Unternehmern oder sonstigen unverantwortlichen Kreisen zur Be- kämpfung oder Wehrlosmachung der Arbeiterschaft ausgeliefert werden. der ArbeitsnachweiH nach dem Willen der Unternehmer ein Kampfodlekt sein, dann wird auch die Arbeiterschaft kämpfen müssen. (Sehr wahr!)" 'e'ne Gegner der gesetzlichen Arbeitsvermittelung, muhen aber vor allen Dingen darauf bestehen, daß alle paritätisch orgamsierten gemeinnützigen Arbeitsnachweise anerkannt und zu geiiiemsgmem Wirken verpflichtet werden, insbesondere müssen die c* t v en 2:arif= 0ter Facharbeitsnachweise als wertvolle Errungen- schast der Arbeiter anerkannt und geschützt werden. Der Kampk für eine wirklich geregelte Arbeitsvermittelung ist zugleich ein Kampf gegen die fundamentalen Grundsätze aller Arbeitgeberverbände, die nach wie vor jede Parität verwerfen. Wir lassen uns in diesem Kampfe auch nicht beirren durch die unverständige Haltung der C h r, st l> ch e n u n d d e r H i r s ch- D u n ck e r s ch e n. die lederzeit bereit waren, jede Niederträchtigkeit gegen die paritätischen Aroeitsnachweise nach besten Kräften zu fördern. Trotzdem marschiert Tarif- oder Facht» b-itSiiachweW. dem 1912 bereits ibvi Tarifgememschasten mit insgesamt 231000 Beschäftigten an- geschloffen lind. Die reichsgesetzliche Regelung der Arbeitsvermittelung ist bereits auf früheren Gewerkschaftskongressen lebhaft erörtert worden, allerdings mußten wir dem Entwurf des Schoneberger Oberbürgermeisters DominicuS. den er 1908 der Generalversamm- lirng dc$ JßeroanbeS der ArbeitSnachl�eise vorlegte, schwere Bedenken �.ll/llknstcllen. Nach der Denkschrift der Generalkommission von -r,. Internationale Konferenz zur Bekämpfung der Arbeits- loftgleit betont, daß wohl die beste Lösung der Arbeitsnachweis- m der Tarifvercinigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf paritätischer Grundlage zu erblicken sei unter Anerkennung der� Selbstverwaltung dieser Tarifarbeitsnachweise. Die �volle Unabhängigkeit der paritätischen Facharbeitsnachweise ist der Bureaukratie unangenehm und deshalb soll sie beseitigt werden. Die Chrfftlichen und die Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften wollen keine Verpflichtung Mr Benutzung solcher Nachweise anerkorinen. Wir haben ihnen die Mtarbeit nicht streitig gemacht, aber wir treten ihnen entgegen, wenn sie den Nachweisen den Krieg erklären. Zu schwach, um aus eigener Kraft einen Einfluß' auf die Verwaltung des Nachweises beanspruchen zu können, will man fie der Bureau- kratie ausliefern in der Erwartung, daß von dieser Stelle der Kämpf gegen die freien Gelverkschaften schon richtig geführt und den anderen Organisationseinrichtungeu liebevoll unter die Arme ge- griffen wird. Die Reformwünsche Dr. Freunds, des Vorsitzenden des Arbeitsnachweisverbandes, sind genügend er- kennbar ait dem 8 2, der von ihm ausgearbeiteten Grundsätze, wo- nach, wenn ein allgenieiner, das ganze Gewerbe umfassender Tarif- vertrag besteht, durch Beschluß»es Kuratoriums bestimmt iverden kann, daß die Arbeitsvermittlung nur zu den tariflichen Arbeits- bedingungen erfolgt. Ob die Voraussetzung dafür vor- liegt, enlschoidet der Träger des Allgemeinen Arbeitsnachweises, das heißt man will die selbständige Vertragsfreiheit des Arbeiters den Ilnternehmerorganisationen gegenüber entziehen und die Tarif- Verträge selbst und ihren Bestand den Leitern der Bureaukratie aus- liefern. Ein solcher Arbeitsnachweis könnte jederzeit die Tarif- Verträge über den Haufen rennen und die Vertragsparteien sollen ruhig zusehen müssen, wie die von ihnen als Teil für den Tarif- vertrag geschaffenen Arbeitsnachweise zu Vertragsbruchszwecken miß- braucht werden. Derartiges müssen wir natürlich zurückweisen und es muß uns zu energischer Abwehr gegen so ausgestaltete öffentliche Ar- bettsnachweise veranlassen. Das hat Herr Freund �eahnt und er hat daher folgende Falle aufgestellt: Facharbcitsnachweise, welche die Vertragsgrundlage nicht be- folgen, können, auch wenn sie paritätisch organisiert sind, als öffentlich und in ausreichendem Umfang bestehend im Sinne des ArbeitsvermittelungsgesetzeS nicht angesehen werden. Das ist die Polizeiknute gegen die paritätischen Nachweise, die sich dem Willen Dr. Freunds nicht fügen wollen. Nun. wenn man uns diesen Kampf aufdrängt, sind wir bereit, ihn auszunehmen. Wir sind dazu gezwungen, wenn die not- wendige und nützliche öffentliche Arbeitsvermittlung arbeiter- und gewerkschaftsfeindlich mißbraucht wird. Da Dr. Freund unseren Widerstand gegen seine Pläne kennt, so erwartet er die Er- füllung scinerFordcrilngcn voilderGesetzgebung. Er will die öffentlichen Arbeitsnachweise monopolisieren. ihnen eine ähnliche Stellung wie den Handelskammern verschaffen, die Landesarbeitsämler vermehren und ihnen dann noch die richtige Organisation geben, insbeiondcre ZwangSbefugniffe, ferner� die Schließung von vorhandenen Arbeitsnachweisen und die Ge- iiehmigungSpflicht für jedes Unternehmen für Arbeitsvermittlung. Ein lückenloses Netz öffentlicher Nachweise soll das Deutsche Reich umspannen, ln denen aber die staatlichen Behörden allein zu be- stimmen haben sollen, während daneben höchstens noch die Unter- »ehmcrarbeiisnachweisc und die der patriotischen Vereine usw. ge- duldet werdm sollen. Alle möglichen Leute sollen darin vertreten sein, nur die Arbeiter nicht. Das ist die Unparteilichkeit dieser Nach- weife. Dr. Freund selbst spricht davon, daß der Arbeits- markt die ganz« Persönlichkeit des Menschen erfasse, und trotzdem soll er ebenso ivenig gehört und gefragt werden, wie Pferde und Ochsen aus dem Viehmarkt. Wir iv o l l e n de», Ausbau deS öffentlichen Nachweises aus paritätischer Grundlage unsere Kräfte widmen, aber wir verlangen auch Anerkennung unserer Mitarbeit nicht nur von den Gesetzgeber», sondern auch von den Trägem des öffentlichen Arbeits- Nachweises. tLebhafter Beifall.) Der Referent unterbreitet dem Kongreß folgende Resolution: .Die Bestrebungen des Verbandes Deutscher Arbeitsnachweise, eine gesetzliche Regelung der Arbeitsvermittlung im Sinne des Lffent- lichen Arbeitsnachweismonopols durch Bureaukratisierung der Arbeits- nachweise und der Beseitigung der paritätischen Verwaltung herbei- zuführen, sind geeignet, der Arbeiterklasse den mühsam errungene» Einfluß aus die Arbeitsvermittlung illusorisch zu machen. Die Gewerkschaften wollen grundsätzlich, daß der Arbeitsnach- weis den Jnteressenkämpfen zwischen Unternehmern und Arbeitern entzogen werde. Sie weisen de» Anspruch der Unternehmer, allein den Arbeitsnachweis zu beherrschen und ihn ihren einseitigen Interessen dienstbar zu machen, entschieden zurück und erkennen die beste Lösung des Arbeitsnachweisstreites in einer gesetzlichen Regelung, die alle paritätisch organisierten, gemeinnützigen Arbeits- nachweise anerkennen, und zu gemeinsamem Wirken verpflichtet. Die tariflichen Facharbeitsnachweise sind loertvolle Errungenschaften der Arbeiterschaft, die von dem Vertrauen und der Mitarbeit beider Parteien gelragen, einen weit größeren Einfluß auf den beruflichen Arbeitsmarkt ausüben können, als öffentliche Arbeitsnachweise. Sie vermitteln nicht nur Arbeitsgelegenheit und Arbeitskräste, sondern gewährleisten auch die Durchführung tariflich geregelter Arbeits- Verhältnisse, die zugleich dem wohlverstandenen Interesse der Arbeit- geber und dem Wohle des ganzen Gewerbes dienen. In der Be- kämpfung dieser tariflichen Facharbeiisnachweise durch den Verband Deutscher Arbeitsnachweise erblickt der Kongreß eine verhängnisvolle Schädigung der gesamten Arbeitsvermittelung, wie auch der gesunden Entwickclung des Arbeitsrechtes auf paritätischer Grundlage. Die Vorschläge des Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Ar- beitSnachweise, die darauf gerichtet sind, in einer öffentlich-rechtlichen Organisation der Arbeitövermittelung den Einfluß der Bureaukratie wie auch der Unternchiner zu stärken und selbst einseitige Unter- nehmernachweise zuzulassen, den Einfluß der Arbeiter dagegen zu schwächen und völlig lahm zu legen, weist der Kongreß mit großer Entschiedenheit zurück." In der Diskussion nimmt l-Berlin tGastwirtSaebilse) das Wort: Es ist charakte- JSoctzftfK ristisch für Deutschland, das Land der Sozialreform, daß der Referent es unterlassen hat, in dieser Frage die Gesetzgebung anzurufen und sogar davor warnen mußte. In England besteht seit einer Reihe von Jahren ein ArbeitsnachweiSgesctz, das den Forderungen der Gewerkschasten entspricht, lieber das ganze Land ist ein Netz von Arbeitsämtern gebreitet, in denen die Beamten der Gewerkschaften als Bermittlungsbeamte in Gebändelt wirken, die auch in anderen Fällen Institute im Interesse der Arbeiterklasse umfassen. Diese Arbeitsnachweise nehmen auch auf die Tarife und die Streilklausel Rücksicht, Wollen wir in Deutschland eine wirkliche Sozialreform, so müssen wir gesetzlich geregelle Arbeitsnochweise verlangen, Hinter dem Verband der Deutschen Arbeitsnachweise steht die preußische Regierung, und eS ist nicht ganz richtig, den Dr. Freund zun, Popanz zu machen, zum eigentlichen Träger der unfreundlichen Haltung gegenüber den paritätischen Nachweisen. Dr. Freund und seine Freunde sind die Geschobenen und die preußische Regierung unter st ützt den Verband der Arbeitsnachweise, dem die Mittel fehlen, mit 10 000 M., damit der Verband ihren Intentionen folgt. Auch unsere Konkurrenzgewerkichaflen tragen dazu bei, daß die Stimmung gegen die paritätischen Arbeitsnachweise geht. So werden die christ lichen Gastwirtsgehilfen in Berlin gewarnt, dem paritätischen Arbeitsnachweis beizutreten, die Hirsch-Dunckerschen gleichfalls. Die Gastwirtsgehilfen sind nun gerade ein beliebtes Ausbeutungsobjekt für die gewerblichen Stellenvermittler. Wo aber gut fundierte Arbeitsnachweise bestehen, ist es die Pflicht der Regierung, gewerb liche Stellenvermittler nicht mebr zu konzessionieren. Das wäre von besonderem Wert für die Gastwirtsgchilfen. Aber da wird behauptet, die freigewerkschaftlichen Verbände wollten mit den paritätischen Arbeitsnachweisen nur Terrorismus � üben und ihre Alleinherrschaft sichern. Nun besteht auch in unseren Kreisen eine Strömung, die sich an den paritätischen Arbeitsnächweisen nicht mehr beteiligen will und auch den gewerkschaftlichen und paritätischen Arbeitsnachweis zurücktreiben möchte. So sehr aber auch die Freunde und Genossen gegen uns arbeiten, so große Schwierigkeiten uns die Regierung bereitet, wir müssen doch mit helfen und werden uns aus den paritätischen Arbeitsnachweisen nicht ausschalten lassen, weil sonst die Hirsch-Dunckerschen, die Gelben und Christlichen da einziehen würden. Der Verband der Gastwirtsgehilfen, der einen sehr hübschen Arbeitsnachweis hatte, hat ihn dennoch aufgegeben, um sich am paritätischen Arbeitsnachweis zu beteiligen. Eohcn-Berlin jMetallarbeiter) hält es für besser, wenn den Gewerkschaften die gesetzliche Regelung möglichst lange vom Halse bleibt, die ihnen nur neue Hindernisse bringen würde. Wir sind gezwungen, uns auf die eigene Kraft, auf die Macht der Gcwerk- schaften zu stützen und Front gegen die Art zu machen, wie die Unternehmer die Arbeitsvermittelung betreiben. Was Winnig in der»Neuen Zeit" über die gesetzliche Regelung sagt, kann ich nicht unterschreiben. Er erwartet davon sogar eine Eindämmung der gelben Gefahr. Aber die Behörden subventionieren geradezu die gelbe Bewegung. Der bekannte Magistratsrat Wölbling machte den Vorschlag. Beamte mit der.Leitung der gesetzliche» Arbeitsnachweise zu betrauen, und dann würde es so ähnlich werden wie bei den Ortskrankenkassen. Wölbling ist dabei ein Gegner de§ Dr. Freund. Auch die interlokale Regelung de« Arbeitsnachweises Bei uns, so wie sie vorgeschlagei, wird, sehr zurückhaltend stimmen. wird dieser Regelung würden wir keine Möglichkeit haben, fest- zustellen, ob-in einem Orte,»ach dem von der Großstadt her Arbeitskräfte verlangt werden, eine wirkliche Nachfrage besteht, oder ob man diesen Bedarf nur angibt, um konkurrierende Arbeiter als Lohndrücker heranzuziehen. Die Großunternehmernachweise richten sich darauf ein, bei der gesetzlichen Regelung der Arbeitsnachweise gerade eine Rolle zu spielen. Nach außen hin geben fie sich den Anschein, als ob sie ganz unparteiisch vermittelten, früher wurde ein mißliebiger Metallarbeiter vom Arbeitsnachweis der Metallindustriellen ohne weiteres auf längere Zeit zurückgewiesen: jetzt vermittelt der Arbeitsnachweis, schickt die Arbeitsuchenden in die Betriebe, und dort wird dem Mann gesagt, er werbe nicht«ingestellt. So haben �ie ffMißkiebtgen bloß noch den Weg- zUe Fabrik offen,' aber nach außen hm wahrt der großindustrielle Arbeitsnachweis seine Unparteilichkeit. Umbreit: Die Gewerkschaften halten nach wie vor im Prinzip an der gesetzlichen Regelung der Arbeitsnachweise fest, aber wir akzeptieren nicht jede geietzliihe Regelung, vor allem nicht die Frenndsche. Der Verband der Arbeitsnachweise setzt sich in der Hauptsache zusammen aus Arbeitsnachweisen für Ungelernte und Dienstboten. Er bietet nicht die Grundlage für die allgemeine Regelung des Arbeitsnachweises. Di« Interessen der Großindustrie erfordern OualitätZarbeiter. und ohne die Arbeitsnachweise für Oualitälsarbeiter bleibt jede gesetzliche Regelung Stückwerk. Allerdings unterstützt die Großindustrie die Freundichen Vorschläge. Wir wollen keine geietzliche Regelung unter Preisgabe des Einfluffes der organisierten Arbeiter, sondern nur im Sinne einer weiteren Entwicklung in sozialer Hinsicht. Wir wollen also die weitere Aus- breit ung der tariflich geregelten Art von Ar- b e i t s v e r m i t t e l u n g. in ihr sehen wir die beste Vorbereitung für eine gesetzliche wirklich soziale Regelung der Arbeitsnachweise, Hartwig- Hamburg jBauarbeiter) wendet sich gegen die Be- merkungcn Neumanns und Eohen» über einen von Winnig in der „Neuen Zeit" veröffentlichten Artikel, worin sich Winnig gegen die reichsgesetzliche Regelung der Arbeitsnachweise ausgesprochen hat. Winnig erklärt hierzu, daß er zu dieser Ueberzeugung dadurch gekommen sei. daß die Richtung der gelben Vereine stark gefördert wird und daß dadurch die Arbeitsnachweise in verschiedenen Groß- industrien von den Unternehmern beherrscht werden. Auch bei den besten Hoffnungen für die Zukunft kann doch keiner von uns glauben, daß wir in absehbarer � Zeit dieses Arbeitsnachweismonopol der Industriellen brechen können. Hier ist ein Fall, wo die politische Bewegung der Arbeiterklasse die gewerkschaftliche ergänzen inuß. Ich stimme durchaus der Resolution Neumann bei, aber ich habe in der „Neuen Zeit" nicht über die gesetzliche Regelung der Arbeitsnachweis- frage geschrieben, sondern nur darüber, wie wir die gelbe Bewegung bekämpfen können. Das kann ineineS Erachten« nur dadurch ge- schehen, daß wir das Monopol des Uniernehmertums auf dem Gebiete des Arbeitsnachweises brechen, und das kann wiederum nur gc- schehen durch das politische Instrument der Arbeiter- k l a s s e. die mit diesem Zustand und mit den Plänen des Dr. Freund aufräumen muß. Nach einem Schlußwort des Referenten N e u m a n n wird seine Resolution e i n st i m m i g angenommen. Am Schluß der Sitzung werden die Vorschläge für die Wahl der Generalkommission kur� besprochen. Die Wahl selbst findet morgen früh statt. Von einigen Rednern wurde gewünscht, daß alle Mitglieder der Generalkommijsion in Berlin wohnen sollen; dem wurde entgegengehalten, daß dann diejenigen Verbände, die ihren Sitz außerhalb Berlins haben, von der Vertretung in der General- kommisston ausgeschlossen würden. Die weiteren Verhandlungen werden auf Sonnabend vertragt. Mus Inöustrie unö Handel. Tic Barrescrvcn der Banken. Die„Nordd. Allg. Ztg." vom Freitag abend macht nähere Aus- führungen zu dem Verlangen der Reichsbank auf Erhöhung der Barreserven der deutsche» Banken. Ter Reichsbank-Präsident habe in einer Besprechung oin 18. d. M. zunächst den Berluier Grog- danken empfohlen, die Deckung ihrer fremden Gelder durch den Barvorrat allmählich auf 10 Proz'. zu verstärken,«pätcr soll auch an die Provinzialbankcn mit der nötigen Unterschiedlichkeit heran- getreten werden. Für die Ausfüllung dieser Barreserven werde ein Zeitraum von zwei Jahren für ausreichend erachtet. Die an- zusammelnden Kassenreservcn seien aber nicht als eiserner Bestand gedacht, sondern sollten zur freien Verfügung der Banken stehen, die sie in flüssigen Zeiten nach Möglichkeit auffüllen könnten, um in Zeiten der Anspannung davon Gebrauch zu machen. Dann heißt es in dem RcgicrungÄlatt weiter:»Die Reichs- bank vertritt den Standpunk, daß nicht länger damit gezögert iverden darf, die von ihr als nötig erachtete Erhöhung der Bar- reserven der Kreditbanken(Kasse und Guthaben bei Noten- und Abrechnungsvanken) zur Durchführung zu bringen, und daß di« Zeitverhältnisse für diese Durchführung außerordentlich günstig liegen und siekohne besondere Störungen für unser Wirtschasts- leben ermöglichen. Tie wirtschaftliche und finanzielle Enttvicklnng Deutschlands ist in ruhigere, durch die Abschwächuny der industriellen Konjunktur und die größere Flüssigkeit am Geldmarkte gekennzeichnete Bahnen eingelenkt und beginnt einer größeren Lianidität unserer Volkswirtschaft die Wege zu ebnen. Ileberdies darf erwartet werden, daß nach der acwalfigen Expansion unserer großen Gewerbe auch die nächste Aufstiegsperiode nicht so große .Kapitalinvesticrungen fordern wird wie die vergangene. Ein weiteres Hinausschieben der zu ergreifenden Maßnahmen, deren Durchführung nur mit der gebotenen Schonung innerhalb eineS längeren Zeitraumes möglich sein wird, könnte leicht Verhängnis- voll werden."_ Großgrundbesitz und Mittelstand. Dieser Tage fand in der oberschlcsischen Stadt Jauer der Ver- bandstag der selbständigen Müller statt. In den Debatten wurde lebhafte Klage über die deutsche Zollpolitik geführt und in einer Resolution ei» völliges Verbot der Getreideausfuhr aus Deutschland verlaugt. Es wurde weiter die Richtigkeit des Be- richts der Schweidnitzer Handelskammer bestätigt, wonach die Junker das gute Getreide an Frankeich und Rußland verkaufen, das dort teil� zur Verproviantierung des Militärs und teils als Schweinc- futter verwendet wird. Wird durch diese Praxis, bei der für de» heimischen Verbrauch nur die minderwertigen Äetreidesorten ver« arbeitet werde», die Müllerei schon schwer geschädigt, so tun die Agrarier in dieser Beziehung noch ein übriges. Der Bericht sagt � .hierzu folgendes: „Bittere Klagen wurden geführt über die Konkurrenz,� die dem Müllergewerbe seitens des Großgrundbesitzes" durch das gewerbsmäßige Schroten des Getreides gegen Bezahlung erwächst. Durch Anschluß an die elektrischen lleberlandzentralen kämen die Landwirte in die Lage, aus dem Getreideschroten ein Gewerbe zu machen, und ihre günstige wirtschaftlich« Lage— infolge guter Ernten, Getreide- zölle usw.— gestatte ihnen, sich die nötigen Maschinen anzu« schaffen. Eine Beschwerde der Hirschberger Müller-Jnnung beim Landrat blieb ohne Erfolg." Der Bund der Landwirte wird natürlich nach wie vor beteuern. daß er der beste Freund des Mittelstandes sei. Er wird es auch dann noch tu», wenn alle Welt weiß, daß er seinen agrarischen Mitgliedern durch seine»Elektrotechnische Ahteilung" und durch die Liescrung der für die Müllerei nötigen Maschinen, Ouetschen, Schrotmühlen usw. vollständige Nebenbetriebe einrichten läßt, also anfängt, eine planmäßige Betriebs- konzentrafion größten Stils vorzunehmen. Aber langsam dämmert auch im landwirtschaftlichen Mittelstand die Erkenntnis von der bedenklichen.Freundschaft" der Junker, und schließlich wird die sozialdemokratische Aufklärungsarbeit auch hier nicht ohne Erfolg bleiben. LpesislsrÄ vi», med. WockenfnB, Friedrichstc. 125(Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-ICur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung.* Spr. vorm. 10— 8 ab- Sonnt. 8— 10. 3o M Stomo Die Wochenschrist für Arbeikerfamllien wöchentlich 1 Heft für 10 Pf. Montag, den 29. d. Mts. ■iwmHiiMiMiiiMiiiiuiiwiisiiiiuimiiiuuiuimiiPNiiuauuln!uiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiuiuiiiimiumuHuiiiMiiiiiitiN»iimHMiiiiiiiMiiaiuuiiiuuiiuiuiaiiiuiuiiuiuiuuiauHiiMuaiuuuiiiiUHiaiuwu beginnt unser Saifon-Ausverkauf MiiiiuMuuiiuutiuiiuMiiiiuiumiwuuuuumMimuuwiuuuuMUUuitmuiiMUiuuuüuaiuuiiiihuiiwuuuiuuutiii f Enorm billige Preise! Nr. 172. 31. Jahrg. KtMks KeilM te Jurniärts" ßr 5Ok«-WM 27. Juni(911 Vorortnachrichten. Wahlrechtssturm im Neuköllner Nathause. Ter Oberbürgermeister auf der Anklagebank. Die sozialdemokratische Fraktion hatte der Stadtverordneten- Versammlung folgenden Antrag unterbreitet: „Die Stadtverordnetenversammlung beaustragt den Herrn Stadwerordnetenvorsteher, in der Verwaltungsstreitsache Hüffler gegen die Stadtverordnetenversammlung das Urteil des Bezirks- äusschusses durch Einspruch an das Oberverwaltungsgericht an- zufechten." Stadtv. G r o g e r sSoz.) begründete den Antrag und führte aus Prinzipiell hat sich die Stadtverordnetenversammlung schon festgelegt dadurch,»daß sie den vorjährigen Einspruch gegen die Gültigkeit der Wählerliste zurückgewiesen hat. Nun hat aber die Tagespresse be- richtet, daß die bürgerlichen Fraktionen diesen Antrag ablehnen werden. Damit würden sie zeigen, daß ihnen Recht und Gerechtig keit nichts gilt, und daß sie als ernste Politiker nicht bezeichnet werden können.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Wider e�cuch bei den Bürgerlichen.) Was gilt Ihnen Recht und Gerechtig- keit l Das find für Sie nur iubaltlose Worte! Blindwütiger Haß gegen die Sozialdemokratie beseelt Sie bei Ihren Beschlüssen. Gesetz und Recht sind Ihnen Zwirnsfäden, die Sie mit rauher Hand zerreißen, wenn es Ihnen paßt.(Sehr richtig! bei den Sozial demokraten. Stürmischer Widerspruch auf der anderen Seite!) Bei allen Ihren Wahlrechtsräubereien haben Sie sich unter die Fittiche des Magistrats begeben. Und mit welchem Erfolg? Nieder- läge imf Niederlage haben Sie davongetragen und heule stehen Sie da als die blamierten Europäer.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten, Zwisckienrufc bei den Bürgerlichen!> Jedoch da für haben Sie jedes Gefühl verloren. Auch in dem jetzigen Kampf hat sich wieder der Oberbürgermeister Kaiser an die Spitze des Bürgertums gestellt. Einst ging ihm von seiner Magdeburger Tätig- keit der Ruf eines aufrechten Liberalen voraus, jedoch hat er alle aus ihn gesetzten Hoffnungen getäuscht.(Sehr richtig! bei den Soz.) Sein Grundsatz ist: Der Zweck heiligt die Mittel. Damals als er noch Stadtrat in Magdeburg war und sich um die Stellung de? Bürgermeisters von Brandenburg bewarb, verpflichtete er sich auf Ehre ir wort, nientals einer Verschlechterung des Wahlrechts zuzustimmen oder in die Wege zu leiten. Nach seinem Durchfall in Brandenburg bewarb er sich um die Stellung de? Bürgermeisters von Rixdorf. Unseren Magde- bnrger Parteigenossen, die wieder seine Kandidatur unterstützen sollten, gab er nochmals dieselbe ehren wörtliche Per- f i ch e r u n g ab.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Unter der Verwaltung dieses Mannes sind dann in Neu- kvlln alle Attentate auf das Bürgerrecht ausgeübt worden Ein Mann, der so treulos zu seinem Ehrenwort steht, ist für un§ erledigt!(Stürmische Zustimmung bei den So zialdemokraten, lebhaste Zwislbenrufe bei den Bürgerlichen.) Es entsteht ein allgemeines Stimmengewirr. Die Bürgerlichen springen erregt von ihren Sitzen. Jede weitere Ver Handlung ist unmöglich. Der Vorsteher unterbricht die Sitzung auf 1 U M i n u t e n. Nach Wiedereröffnung der Sitzung erteilt der Vorsteher dem Redner einen Ordnungsruf und droht, falls er seine persönlichen Angriffe fortsetzt, die Versammlung zu fragen, ob dem Redner das Wort entzogen werden soll.) Der Redner fährt dann fort: Der Ordnungsruf ändere an der Sache nichts. Er kon- statiere, daß nur auf Grund dieses Ehrenwortes der jetzige Oberbürgermeister Kaiser bei seiner Wahl die Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion erhielt. Der Oberbürgermeister sei aber für die fortgesetzten Wahlrechtsräubereien verantwortlich, und ohne seine Zustimmung wären diese Attentate nicht ausgeführt worden. Redner kritisiert dann das Urteil des Bezirksausschusses und kommt zu dem Ergebnis, daß es nach der bisherigen Rechtsprechung des Lberverwal'tungSgerichts nicht aufrecht zu erhalten sei. Er kommt zu dem Schluß: Aber es handelt sich ja auch in dem vorliegenden »Fall gar nicht um Rechts fragen sondern um Macht fragen. Die Parole lautet jetzt für Sie: Zeit gewonnen— alles ge- Wonnen! Sie wollen mit allen Mitteln und unter allen Umständen eine sozialdemokratische Mehrheit in der Stadt- verordnetenversammlung verhindern. Vorläufig sind Sie uns noch zahlenmäßig überlegen. Wir werden aber den Kampf führen, wie wir ihn für notwendig halten, und müssen Ihnen die Verantwortung für die Folgen überlassen. Ihre Handlungen sind Faustschläge in das Gesicht unserer Bevölkerung. Diese wird die von uns zu er« greifenden Matznahmen zu würdigen wissen. Sie haben den Kamps heraufbeschworen, wir werden ihn aufnehmen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hieraus nahm Oberbürgermeister Kaiser das Wort und er- klärte: Ich lege Wert darauf, festzustellen, daß ich mich keineswegs gegen die der Stadtverordnelenversammlung gegenüber über- vommenen Pflichten vergangen habe und lege Wert darauf, dies don den bürgerliiben Fraktionen bestätigt zu hören.(Gelächter und Znrufe bei den Sozialdemokraten.) Um die Wahlrechtsangelegen- heiten habe ich mich nie gekümmert. Justizrat Abraham(Alte Bürgerl.): Namens beider bürger- licher Fraktionen habe ich zu erklären, daß weder im allgemeinen >wch in, besonderen für uns Veranlassung vorliegt, dem Antrage der Sozialdemokratie zuzustimmen. Es gereicht der Stadt nicht zum Ruhme, wenn sie andauernd Prozesse sührt. Wenn es sich darum handelt, die Frage zu entscheiden, ob der Gemeinde das Recht zusteht, sich als Wähler in die Wählerliste einzutragen, so mögen das die Parteien oder andere Gemeinden dem Oberverwaltungs- gericht zur Entscheidung unterbreiten. In meiner dreißig- lahrigen Praxis als Anwalt habe ich gefunden, daß sich nur die beschiveren, die sich im Unrecht fühlen. Wir müßten besonders gutmütig sein, wenn wir Ihren Antrag annehmen. Für andere braucht man nicht gutmütig sein. Zu gut sein— ist närrisch! Und das könne man von den Bürgerlichen nicht erwarten. Je inehr �achteile die Sozialdemokratie hat, je mehr Vorteile haben die bürgerlichen!(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Also Macht geht bor Recht!)— Justizrat Jakob söhn(Komm. Fortschritt): Wir haben die Prüfung der Frage selbst vorgenommen. Uns ist vom Oberbürgermeister keine Weisung zugegangen.(Gelächter. Zurufe bon den Sozialdeinokraten: So ungeschickt ist der Ober nicht!) �-er Bezirksausschuß hat mit zutreffenden Gründen die Auffassung des Oberverwaltungsgerichts widerlegt. In den Kreisen des Bürger- 'Ums würde eS nicht verstanden werden, wenn unsere Fraktion dem Zutrage zustimmen würde. Das würde als Rückgratlosigkeit und Schwäche aufgefaßt werden.(Zurufe bei den Soz.: Schöne Liberale!>— Stadtv. Scholz(Soz.): Gegenüber der Behauptung des Oberbürgermeisters habe er zu erklären, daß in den Wahlrechts- a'ten Notizen enthalten sind, in denen ausdrücklich vermerkt ist, daß de», Oberbürgermeister die Akten vor der iveiteren Erledigung vor- Zulegen seien. Daraus gehe hervor, daß die Erklärung desselben nickit zutreffend und daß nichts ohne seinen Willen geschehen sei.(Hört! hört! ?■ d. Soz.) Gegenüber dem Justizrat Abraham müsse er bemerken, daß es durchaus nichts Neues sei, wenn diesmal die sozialdemokratische Frak- noi, einen besonderen Antrag gestellt habe. In früheren Fällen, wo 'o sozialdemokratische Partei gegen die Maßnahmen des Magistrats dder der Stadtverordnetenversammlung klagte, habe der Vorsteher keinen Beschluß der Stadtverordnetenversammlung herbeigeführt, sondern ohne Auftrag derselben selbständig gehandelt. Diesmal sei«in besonderer Antrag notwendig gewesen, um der Katze die Schelle um- huhängcn. Herr Abraham habe heute nicht als Jurist, sondern Politiker gesprochen. In dankenswerter Weise habe er seinen Stasdpunst klar vertreten; Macht geht vor Recht. AuS dem Rechts- streit, der durch das Vorgehen des Magistrats hervorgerufen sei, würden noch mehr Prozesse entstehen, die den Bürgerlichen nicht zur Ehre gereichen werden. Der Grundsatz, den heute Justizrat Abraham aufgestellt habe, sei: Was Ihr Nachteil ist, ist unser Vorteil, bedeutet nichts anderes als den Standpunkt der flagranten Rechtsbeugung.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Streitfrage sei heute die: Ob die Stadt das Recht habe, aus sich selbst Stenern zahlen zu können? Darüber liegen drei klare Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts vor, die das mit aller Entschiedenheit verneinen. Justizrät Jakobsohn habe sich über die Rechtslage doch nicht genügend informiert, wenn er uns glauben machen wolle, daß seine juristischen Darlegungen einer ernsten Prüfung standhalten würden. Wenn das Urteil des Bezirks- äusschusses Rechtskrast erlangen würde, müßte das die tollsten Konsequenzen nach sich ziehen. Berlin zum Beispiel mit seinen gewerblichen Anlagen und seinem großen Eigentum an Grund und Boden würde dann einen so gewaltigen Einfluß auf die Gestaltung der Wählerliste ausüben, daß die Rechte der Bürger dadurch erheblich beeinträchtigt würden. Redner schließt: Mit Ihrem heutigen Beschluß wird bezweckt, mindestens ein Jahr Zeit zu gewinnen, das ist Ihnen die Hauptsache. Im übrigen konstatieren Sie durch die Tat Gewalt geht vor Recht!(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Stadtv. Dr. S i l b e r st e i n(Soz.) geißelt noch die Haltung der Liberalen, vor allen derjenige», die Mitglieder der Fortschrittlichen Partei sind und nicht wagen, für den Antrag der Sozialdemokraten zu stimmen. Unter dem Beifall der sozial- demokratischen Fraktion schließt er: Sie sind würdig, daß Olden burg-Januschau Ehrenmitglied Ihrer Fraktion wird.' Wir sind doch stärker als Sie, weil Recht und Moral auf unserer Seite liegen. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag der sozial- demokratischen Fraktion mit 38 gegen W Stimmen abgelehnt. Die vom Magistrat beantragte Erhöhung der Ver- P f leg u n gssätze im Krankenhaus von 3 M. auf 3,30 M. führte wiederum zu sehr erregten Debatten. Gegen die Magistrats- Vorlage wandte sich Stadtv. S i l b e r st e i n(Soz.). Er habe er- wartet, daß der Magistrat auch in der Oeffentlichkeil seine Vorlage mündlich begründen würde.(Zuruf von den Bänken der Bürger- lichen: Ist ja in der Vorlage geschehen I) Ja, aber so schwächlich, daß das als Begründung nicht angesehen werden könne. Es sei eine unzutreffende Behauptung, wenn in der Vorlage gesagt wird, die Nachbarstädte wollten auch die gleiche Erhöhung der Verpflegungs- sätze vornehmen. Rur der Kreis Teltow habe das getan. Erst werde den Leuten das Wahlrecht geraubt und dann verteuert man der ärmeren Bevölkerung die Kurkosten im Krankenhause. Die Vorlage weist zwar darauf hin, daß ja die Kassen die Zeche zahlen müßten. Der Erfolg solcher Maßnahmen sei, daß die Kassen die Beiträge er- höhen imißten. Dann aber müßten wieder die Arbeiter bluten, während die Angehörigen der besitzenden Klasse, die im Krankenhause die erste oder zweite Klasse belegen, noch von der Stadt Geschenke erhielten. Das muß in den ärmeren Kreisen der Bevölkerung eine gerechte Entrüstung hervorrufen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Stadtrat M i e r betonte, daß die Gemeinde in der Kranken- fürsorge das tut. was überhaupt getan werden könne. Die anders- lautenden Vorwürfe von Silberstein seien unberechtigt. Da? tranken- hanS komme fast ausschließlich den Minderbemittelten zugute. Die Anregungen zur Erhöhung der Kurkosten seien von anderen Ge- meinden gegeben worden.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Von welchen denn?) Von Reinicrendorf! Auch Berlin habe sich bereit erklärt, in eine Revision seiner Verpflegungssätze ein- zutreten. Nicht die Neuköllner Bevölkerung trüge die Erhöhung, sondern die Kassen und besonder? die Berliner. Auch die Vertreter Dr. Müller(Alt. Bürgerl.) und Dr. Borchardt (Komm.-Fortschr.) traten für die Magistrat-vorlage ein.— Stadtv. Conrad(Soz.) hob hervor, daß die Krankenkassen den Städten in der Krankenfürforge vorangehen. In großem Maßstabe hätten sie Erholungs- und Genesungsheime geschaffen. Die Krankenkassen könnten nicht gezwungen iverden, ihre Kranken in Krankenhäusern unterzubringen.(Zuruf bei den Bürgerlichen: Leider I) Die vom Stadtrat M i e r aufgestellten Ziffern seien unzutreffend. Unzutreffend sei eS auch, wenn gesagt werde, durch die geplante Erhöhung werde die Neuköllner Bevölkerung nicht getroffen. Dnrck das Vorgehen des Magistrats und der bürgerlichen Mehrheit würden die Kassen gezwungen werden, ihre Beiträge zu erhöhen. In namentlicher Abstimmung wurde die Magistratsvorlage mit 38 gegen 28 Stimmen der Sozialdemokratie angenommen. Neukölln. Arbciter-Sportkartcll. Auf Anweisung des hiesigen Magistrats findet die Einweihung des städtischen isportplatzes am Sonntag, den 28. Juni, nicht statt. Alle für diesen Tag getroffenen Veranstal- tungen sind demnach gegenstandslos geworden. Eharlottendurg. Auf dem Wege zum Dienst schwer verunglückt ist vorgestern nachmittag der Postschaffner Adolf Bergemann aus der Eschen- Allee 28. Als B. die Berliner Straße auf einem Zweirade entlang fuhr, stieß er an der Ecke der Leibnizstraße gegen einen im Wege liegenden Stein und stürzte infolge des Anpralles von der Maschine. B. zog sich einen Bruch des rechten Kniegelenks und erhebliche Haut- abschürfungen zu. Der Verunglückte erhielt auf der nahen Unfall- tation die erste Hilfe und wurde von dort nach dem Krankenhause Westend gebracht. Adlershof. „Aus riissischen Kerkern", lieber dieses Thema hält am Donnerstag, den 2. Juli, abends 8V2 Uhr, in einer öffentlichen Versammlung bei Wöllstein, Bismarckstr. 73/73, Genosse Reuter einen Lichtbildervortrag. Eintrittskarten zum Preise von 20 Pf. sind erhältlich bei den Bezirksführcrn, der ,.Vorwärts"-Spedition Bismarckstr. 28 und beim Genossen. August Beck, Bismarckstr. 31 (Konsumverkaufsstelle). Ter Ueberschuß wird dem Deutschen Hilfs- verein für die.politischen Gefangenen Rußlands übermittelt. Arbeitslose haben gegen Vorzeigung der Arbeitslosenkartc freien Zutritt. Steglitz. Tic freie Turnerschast kann am Sonntag, den 28. Juni, auf ein zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Ter Verein, der trotz aller Schikane weiter kräftig blüht und gedeiht, will sein Stiftungs- -est durch ein-»oininerfest würdig begehen. Er veranstaltet ein großes Gartcnkonzcrt mit Spezialitäten und turnerischen Auffüh- rnngen, Faustball, Wettspielen und Kinderspielen. Die Arbeiter- schaft von Steglitz und Umgegend wird gebeten, dem Verein, der bei allen Veranstaltungen zur Verfügung steht, ihre Unterstützung angedcihen zu lassen. Lichtcrfelve. Das Stiftungsfest des hiesigen Arbeitergesangvercins„Männer- chor" findet am Sonntag in Wahrendorfs und Richters Festsälcn unter Mitwirkung von ca. 20 Bundesvereinen statt. Neben einzelnen Chören(bis ca. 200 Sänger) werden auch Massenchöre von 2000 Sängern ihre Vorträge zu Gehör bringen. Um 2VH Uhr findet der Sängerfestzug im Orte statt. Ober-Schönclveide. Am Montag, den 29. Juni, von 1 bis 0 Uhr nachmittags findet in der Turnhalle der Gemcindeschulc in der Frischcnstratzc eine Ersatzwahl kür die zweite Wählcrklasse statt. Die Parteigenossen werden aufgefordert, an der Wahl teilzunehmen und für Herrn Ladewig einzutreten. Die Stellungnahme der sozialdemokratischen Organisation ist gegeben durch den Umstand, daß die A. E. G. durch ihre Beamten eine Mittelstandspartei grün- den ließ zu dem Zweck, einen dem Großkapital ergebenen Gemeinde- verordneten zu wählen. Der Herr Direktor Pcierlö lehnt zivar die Urheberschaft dieser Mittelstaichspartei ab. Es stimmt aber doch bedenklich, wenn er- wiesenermaßen den Mitgliedern des Wahlkomitees gestattet ist, die Wahlarbeiten in den Bureaus der A. E. G. zu mache». Auch die Autos der A. E. G. werden benutzt, um Wahlgeschäfte zu treiben. So wurde den Forenscn, die ihre Vollmachten den seitherigen Inhabern des Mandats gegeben hatten, mitgeteilt, daß durch das innige Znsammenarbeiten der zweiten Klasse mit den Sozialdemo- traten die Gemcindelasten immer größere würden. Das noch in weiter Ferne liegende Projekt einer Volksbadeanstalt im Betrage von 725 000 M. muß ebenfalls herhalten, die Wähler graulich zu machen. Sehr schlimm ist es jedoch, wenn einem bei der A. E. G. angestellten Grundbesitzer bedeutet wurde, für die Mittelstands- Partei einzutreten oder die Stellung zu verlieren. Herr Direktor Peierls verurteilte zwar ein solches Verhalten seiner Schützlinge, aber das Interesse des Vertreters des Großkapitals cm dieser Mittclstandspartei, die sich in der Hauptsache ans Beamten der A. E. G. zusammensetzt, läßt vermuten, daß es sich nur um ein platonisches Verurteilen handelt. Die Mittelstandsgründung richtet sich nicht zuletzt gegen die Sozialdemokratie. Durch einsichtiges Verhalten der zweiten Klasse ist es unseren Vertretern gelungen, mit gleicher Besetzung an den Kommissionen und Delegationen teilzunehmen. Dem Großkapital gefällt dieser Zustand nicht. Deshalb die Gründung der Mittel- standspartei von A. E. G/s Gnaden. Unsere Genossen können durch zahlreiche Teilnahme an der Wahl diesen Plan der A. E. G. durchkreuzen, wenn sie Mann für Mann Herrn Ladcwig ihre Stimme geben. Spandau. KaufmannSgcrichtsnmhlcn. Die Wahlen der Beisitzer zum Kaufmannsgcricht in Spandau finden am Montag, den 28. Juni, statt. Wahlberechtigt ist jeder Handlungsgehilfe, der am Tage der Wahl das 23. Lebensjahr erreicht bzw. überschritten hat und in Spandau beschästigt ist. Als WaWlegitimation gilt eine Bescheinigung des Chefs oder der Polizeibehörde, aus der hervorgeht, daß der Betreffende als Handlungsgehilfe beschäftigt ist. Gewählt wird in folgenden Lokalen: für die Wähler der Innenstadt im Hotel zum Stern, Potsdamer Straße 33, in der Zeit von Z412 Uhr vormittag s�b i s VtS Uhr nachmittags, nir die Wähler der Stadtteile G a r t c n s e l d, Ha s e l h 0 r st und s t c r n f e l d im Restaurant Waldschlößchen, Barthel, H a s e l h 0 r st, in der Zeit von 4 bis 3 Uhr nachmittags, für die Wähler der Siemensstadt ohne Rücksicht auf den Namen der Wähler entlveder im Restaurant Ron neu da mm- Kasino, Schmidt, Nonnendamin-Allce, Ecke Rohrdamm oder im Restaurant Schlotzbräu, Wischmann, Siemcnsstraße, Ecke Reisstraße, in der Zeit von 4 bis 6 Uhr nachmittags. Diaßgebend für das Wahllokal ist die Beschäftigungsstellc. Die Liste des Zentralver- bandes der Handlungsgehilfen hat die Nr. 3. Jeder klassenbetvußte Handlungsgehilfe wählt Liste 3. Das«»vorsichtige Umgeben mit einer Schußwaffe hat wiederum einen schweren Unglücksfall herbeigeführt. Auf dem Feftungs- gelände in der Nähe des Bauplatzes für das neue Lyzeum spielten gestern nachmittag mehrere Knaben. Einer der Jungen, der 12jährige«ohn eines Rcstaurateurs, hatte ein sogenanntes Diana» gewehr bei sich, aus dem er mit Bleikugeln schoß. Eine der Kugeln traf den Iljährigen Fritz Brandt in den linken Unterschenkel und verletzte ihn schwer. Passanten brachten den Knaben zu einem in der Nähe wohnenden Arzt, der einen Nowcrband anlegte und die sofortige Einlieferung des Verunglückten in das städtische Kranken- Haus verfügte. Tort mußte sofort eine Operation vorgenommen werden, um das Geschoß zu entfernen. Nowawe«. Gcwerkschaftskartell. Tic letzte Sitzung beschäftigte sich mit den Vorarbeiten zu dem am kommenden Sonntag, den 28. Juni, stattfindenden Gewertschaftsfest. Unter anderem wurde beschlossen, bei dem Feste eine Sammlung vorzunehmen, deren Ertrag der „Kommission für die Weihnachtsbescheerung der Waisenkinder ver» storbener Partei- und Gewerkschaftsgcnosscn" überwiesen werden soll. Tic Festteilnchmer versammeln sich bis 2 Uhr bei Singer zum gemeinsamen Auszug nach dem Festplatze an der Berliner Straße. Tie Abrechnung von der Maifeier ergab ein erhebliches Defizit. Da am Orte gegenwärtig eine rege Bautätigkeit herrscht und von verschiedenen Bauten Klagen erhoben werden, beschloß das Kartell in nächster Zeit eine Baiitenkontrollc vorzunehmen. Tic Handlungsgehilfen ersuchten um tatkräftige Unterstützung in ihrem Kampf»m Verkürzung der Arveitszeit. Da jetzt, nachdem die Mehrheit des Reichstages die Sonntagsruhe avgelehnt hat, auch die übrigen Handliingsgchilfcnverbändc versuchen, durch Eingaben an den Bürgermeister, den Ladenschluß des Sonnabends ebenfalls auf 8 Uhr festzusetzen, ist es Pflicht der freien Handlungsgehilfen, auch ihr möglichstes zu tun. Sie werden deshalb ebenfalls eine Eingabe an das Bürgermeisteramt machxn und dort für den Sonnavcndsachtuhrladcnschluß und für eine Verkürzung der Sonn- tagsarbeitszeit bis zu 2 Stunden wirken. Dazu sei aber vor allem eine tatkräftige Hilfe des kaufenden Publikums nötig. Ms aller Welt. wie rührenö. In diesen Tagen finden auf den schleswig-holsteinschen Schlacht» feldern Erinnerungsfeiern an den Krieg von 1864 statt. Auch auS Berlin und der Mark ist am Freitag ein Sonderzng mit Veteranen, die an der Erstürmung der Düppeler Schanzen teilgenommen haben, nach den Schlachtfeldern abgegangen. Vor der Abfahrt fand ein Appell der alten Krieger in der Siegesallce am Denkmal Wilhelms I. statt. Jft der..patriotischen" Presse finden wir die üblichen spaltenlangcn Berichte über den Appell und die Abfahrt. Den Vogel aber schießt, wie immer, wenn es sich um das Bekenntnis zum Byzantinismus handelt, das liberale„Berliner Tageblatt" mit seinem Bericht ab. Dort heißt es unter anderen lyrischen Lobgcsängcn: „Ehe sie ans die Fahrt zur Halbjahrhundcrtfeier in Sonder- ' bürg gingen, wollten sie sich versammeln vor den Augen ihres alten Kricgsseld Herrn. Milde blickt dieser von seinem Postament, den Feldstecher in der herabhängenden Hand, über seine alten Krieger, und fast könnte man glauben, daß unter den vielen, von B c g e i st e r u n g er- iu l l t e n Blicken der Marmor wie Pygmalions Statue sich belebt, daß der alte Kaiser die Hand zum Selmrand führt und h e r u n t e r r u f t:„Guten Morgen, Grenadiere! Viel Freude auf die Fahrt!" Die Redaktion des„Lokal-Anzeiger" blickt voll kleinliche« Neides auf ihre Kollegen aus der Jcrusalcmer Straße. Gegen solche, man möchte fast sagen, orientalische Phantast« mühen sich sämtliche Schinocks aus der Zimmerstraße vergeblich. Absturz zweier deutschen Militärflugzeuge. Am Freitag früh stürzte auf dem Flugplätze in Metz der Flieger-Musketier G r u n o w von der Metzer Fliegerabteilung, der bereits zwei gelungene Flüge unternommen hatte, bei einem dritten Fluge aus einer Höhe von-t 0 Meter ab und wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Ein ähnliches Unglück hat sich am Freitag nachmittag in B i t s ch in Lothringen zugetragen.— Ein Militärflugzeug stürzte beim Wiederaufstieg nach einer Zwischenlandung aus einer Höhe von 1l)Meter ob. Der Führer konnte sich durch Abspringen retten. Der Beobachter, Major Büchner vom Infanterieregiment Nr. 66, wurde g e- tötet, wie es heißt, infolge Explosion des Motors. Juristen unter sich. Unserem Bochumer Parteiblatt entnehmen mir:„Von jemand, zu dem wir auf Grund langjähriger Bekanntschaft ein un- bedingte» Vertrauen haben, wird uns folgender Vorfall gemeldet: � In einem hiesigen besseren Lokale saßen zwei Juristen und unter- hielten sich über ihr Handwerk„auf dem Kotten". Tie sprachen so laut, daß ich ihrer Unterhaltung folgen mutzte. Sie erzählten dies und jenes aus ihrer Praxis und von den Vorgängen beim AmtS- und Landgericht, woraus man mancherlei erfuhr. Tie Herren waren anscheinend beide sehr gut unterrichtet. Sie kamen dann im Lause des Gesprächs auf einen Herrn Landgerichts- d i r e k t o r zu sprechen und nannten ihn mit Namen, doch wollen wir diesen hier nicht nennen. Dieser Herr Landgerichtsdircktor sei in der Form den Angeklagten und Verteidigern gegenüber außerordentlich freundlich und entgegenkommend, halte aber darauf, daß Freisprechungen sehr selten herauskämen. So habe er selbst zu einem Bochumer Juristen erzählt, daß er über seine Fkeisprechungen Buch führe. Dieses Jahr wären es schon vier; mehr dürften es nicht werden. Es handelt sich, wie wir ausdrücklich hervorheben, nicht etwa um einen Staatsanwalt, für den wäre es verständlich, da es für ihn die Voraussetzung bedeutete, keine leichtfertigen Anklagen zu erheben, wenn aber ein Gerichtsvorfitzender so etwas von sich sagt, dann steht man starr, dann weiß man in der Tat nicht mehr, was man dazu sagen soll." Kulturarbeit in de» Kolonien. In Deutfch-Ostasrika wurde kürzlich bei der Station M a n e n o M b a n g u ein Kassenbote von Eingeborenen überfallen, seiner Bar- schaft beraubt und dann ermordet. Der Polizeibehörde ist es ge- lungcn, alle fünf an dem Raubmord Beteiligten festzunehineu. Sie wurden von dem Eingeborenenrichter sämtlich zum Tode durch den Strang verurteilt. Eine Stadt in Flammen. Ein Riesenbrand, der bis jetzt einen Schaden von etwa lOO Millionen Mark verursacht hat, ist am Tonuerstag in Salem im Staate Massachusetts in einer Schuhfabrik ausgekommen. Die halbe Stadt ist verwüstet worden. Das Feuer wütete am Freitag nachmittag immer noch, doch glaubt man seiner Herr zu sein. 10006 Menschen sind obdachlos. In der Masonstraße explodierten die Oel- t a n k s, zerstörten die Oelwerke und 13 Häuser; 30 Per- foncn wurden ins Hospital gebracht. Das Waisenhaus und das Hospital ist zerstört Ivorden. Die In- fassen wurden in Sicherheit gebracht. Kleine Notizen. Automobiliiufälle. Freitag nachmittag geriet da? Automöbll des praktischen Arztes Dr. H i l t b r c n n e r aus Borgoloh zwischen Voxtrup und Luftringen in die Weise eines in der Näbe liegenden Kalkwerkes. Dabei stürzte der Kraftwagen um und Dr. Hilt- brenner kam unter, den Wagen zu liegen. Er wurde ge» tötet.— In Teitelbach rannte ein Automobil gegen einen Baum. Ter Besitzer des Autos, Herr L a n n i g, wurde herauSgeschkeudert und war aufderStellc tot. Ter Wagen wurde zertrümmert. Schwerer Unfall in der englischen Marine. An Bord de» eng- lischeu Linienschiffes„Monarch" ereignete sich Freitag früh ein schwerer Unglücksfall beim Auswinden einer Barkasse infolge Bruches eines Kettengliedes. Drei Schiffsjungen wur- den getötet, drei schlver verletzt. Erdbeben auf Sumatra. Ein heftiges Erdbeben hat auf Sumatra großen Schaden angerichtet. Alle T'clegraphen- linien sind beschädigt, ein Unterseekabel ist ge- b r o ch e n. Viele Häuser, auch Regierungsgcbäude, sind einge- stürzt. Zahlreiche Menschen sind der Katastrophe zum Opfer gefallen. Eisenbahnunglück in Rußland. Infolge von Unterspülung durch eineu über die Ufer gctrctencu Fluß entgleiste auf der Mineral- wasserzlveigbahn der W l a d i k a w k a s b a h n ein von zwei Loko- Motiven gezogener Eisenbahnzug. Eine Lokomotive fiel mit dem Tankwagen in den Fluß, wobei drei Personen getötet, zwei lebensgefährlich und eine leicht verletzt wurden. Drei Personen wurden von der Strömung mit s o r t g e- r i s s en. Schreckenstat eines Tobsüchtigen. In St. Maxime im De- partement Bar schnitt ein plötzlich tobsüchtig gewordener Kranker dem Arzt Dr. P o r r e t mit einem Rasiermesser die Kehle durch und biß einem Gendarmen, der ihn festnehmen wollte, d i e Nase ab. Ein anderer Gendarm schoß hierauf den Wahnsinnigen mit einem Revolver nieder. Ucbcrschwcinmungen in Ehina. Ter Peikiang und der S ik i a il g sind über die Ufer getreten. Ter Wasserstand ist der höchste seit einem halben Jahrhundert. Viele Dörfer in den Distrikten Kwongchow und schiuhiny sind infolge von Dainmbrüchcn durch Wasser z c r st ö r t worden. Tau sende von Menschen sind obdachlos.____ Sitzungstage der Stadt» und Gemeindevertretungen. Lichterfeld c. Montag, den SS. Juni, nachm. 6 Uhr, Im RathnuSsaal, Schillerst ratze. Tiefe Sitzungen sind öffenllich. Jeder GemcindeangrhSrige ist de- icchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Hrieftaften üer Redaktion. Tie Iurtstlsche S»rea>stunde slndrt Linde» strafte SV,»orn vier Treppr» — Fahrstuhl—, wo-bcntaglich»an 4V6 diS Nhr adendö, Sonnabend?, iion iVi: bis ü Uhr nlienb? statt. Jeder fit den Bricfiastcn bestimmten Anfrage Iii ein«uchstabc und eine zahl al? Merlzetaen brtzufiigrn. Brieflich« Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine AbonntmcntSqnittung beigefügt Ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen tragt man in der Sprechstunde vor. M. K. Die Staalsiiiiwaiischait würde die Strafverfolgung wahr- icheinüch ablehnen. Sic können nach voraufgegaiigcnem Sühnetermin Prioatllage beim Schöffengericht erheben. Die Klage kann auch aus dem Okiich! zu Protokoll erklärt werden. DaZ Gericht erfordert einen Kosten- voi schütz von U At.— 31. H. 16!J. Wenn der AuSeimi tiders etzung?» termin vereinbart b't. sind Sie an dem Gewinn, der bi? dahin einkommt, noch beteiligt. Aus dem Gesellschasisuermögcii sind zunächst die Verbind- lichleiten zu decken. Alsdann hat jeder Teilhaber die Einlage unoerzinst *u beanspruchet». Das dann noch verbleibende Gesellichastsvcrmöge» fällt jedem zur Hälfte zu. Anspruch aus die Hälfte der Provifion haben Sie nur dann, wenn Vermiltelungsgeschäste zu dem Geschäftsbetriebe gehören. — 0. 2. 2H. Sie können etwa die Hätftc zurückfordern.—@. X. 6. 1. Nur dann, ivcmt die Kraiikeiikafsc mit der Ilcbcrsührung einverstanden tvar. 2. Bei dem Virficheruiigsaml.— dl. C. 7. 1. Bei einem Vermögen von mehr als 6000 M. 2. Das Gels ist sicher. 3. Sie sind berechtigt, die Mitgliedschaft bei der ftaije freiwillig fortzusetzen. — Jan. iji>. Sie haben gegen den Ag enten, für den stall, datz das Geld abgeiiesert ist, gegen die Verficherungsgeiellschasi einen Anspruch aus Rück- zahluua.— Olt. tlir. Die Steuerpfticht erlischt mit Ende Kalenderjahr inig. stalls sich die Veranlagung am das ganze Steilerjahr, a!!o auch auf das erili' Quartal I!Ho erstreckt, reklamieren Sie bei der Kirchenbehörde. — Vogel ISO. Dagegen wird sich nichts imt lasten.— Cf. K. 48. sie können die Zahlung des jchicnden Betrages verlangen, eventuell auch durch Klage bei dem Amtsgericht geltend machew — L>. F. lOU. Es bleibt nur übrig, sich an die Krankenkasse zu wenden. — Vebrl. t. Wenn Sie sich mit der Firma nicht anders einigen, sind Sie zur W-ilerzahlung verpfiichtei. baben auch keinen Anspruch aus Rück- nähme der Maschine. 2. Ja, bei C. Lenz, Haienheide 20, zu erfragen. Die unentgelliichen Kurse dauern 4 Wochen.— P. H 69. Wiederholen Sie die Ansrage und geben Sie noch an, wo der erste Ehewohnsitz gewesen ist.— M. W. 40. Wir hallen Sie sür berechtigt, die gesamte Leitung zu cnt- angemessen erscheinen.— S. P. 91. Ja.— E. K. 2a. Für den Fall der Pfändung können Sic intervenieren.— 91. P. 30. Die Bestimmung im Mittsvertrag ist matzgebend.— 91t. L. 36. B. 1. Ja, unier Jnne- haliung der vertraglichen Kündigungsfrist. 2. und 3. Dazu ist der Neffe berechtigt.— 31. L. 25. 1. Nein. 2. Etwa 3 M 3. sie können einen Posta u strag aufgeben; falls dieser nicht eingelöst wird, bleiben nur gerichi liche Schritte übrig.— Ute.«22. In der Regel wird-ine dreijährige Tätigkeilsdauer als Öehiise beanlpruchl.— St. fil. 2. 1. und 2. Ja, Geldoder Gefängnisstrase. 3. Bei der Staaisanwallschast.— E. M. 100. Die dortigen Verhältnisse sind imgesähr denjenigen InDeutschland entsprechend. Natürlich ist man dort auch Zufälligkeileii ausgesetzt wie hier. In Organi- ialionsaugclcgcnheitcn erkundigen Sie sich am besten bei Ihrer Organisation._ Wetterprognose für Sonnabend, den 27. Juni 19*14. Gin wenig wärmer bei mätzigen westlichen Winden und veränderlicher Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WettcrauSsichten für daS mittlere Norddeutschland bis Sonntagmittag: Allmählich wärmer, zunächst grötzicnteil» heiler und trocken, später im Westen beginnende neue Zunahme der. Bewölkung. Wasterftands-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässertunde. mitgeteilt vom BerNner Netterbureau Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor . Krassen Frankiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Dordamm Elbe, Leitmeritz Dresden , Barbv Magdeburg am S-.S. ein 136 St :i9 78 69 217 282 576 373 389 188 176 157 seit 24. 6. cm1) -18 J-l -3 -i-2 0 +15 —4 +2 ±2 +24 »)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. Amtlicher Marktbericht der städlilchen Marktballen-Direktion über den Grotzhandel in den Zeniral-Marklballen.(Ohne Verbindlichlcit> Freitag, den 26. Juni. Fleisch: Rindfleisch per 50 lex? M.: Ochsen fleisch la 72-84, da. IIa 60—71, do. lila 07-66; Bullcnsleisch la 70—78, do. II» 62—60; Kühe, seit 48—56, do, mager 35— 45, Fresser 00— 65, do. Holl. 60— 60; Bullen, dän, 40—60. Kalbfleisch: Doppellender 107—127; Mastkälber la 88—100, do, IIa 72—82; Kälber gcr, gen. 42—58. Hammel- fleisch: Mastlämmer 90—92; Hammel la 77— 89, do. IIa 79—76, do. austral.—; Schafe 76—80. Schweinefleisch 52—58.— Eier: Landeicr Schock 3.50—3,80; Trinteier 4,00—4,20.— Butter: Molkereibulter per 50 kp 90—100; Landbulier 70—80.— Gemüse, Inländisches: Rhabarber, Hamb. 100 Bund 1,76— 3,50, do, hiesiger 1,60—2,00; Kartoffeln, inuxnul» bonura 50 kg 3,75— 4,00, Wohllmann 3,00—8,25, runde, weiße 3,00—3,25, Dabcrschc 3,50-3.75; Porree, Schock 1,00-1,50; Spinat 50 kg 5,00—7,00: Schoten 7,00—10,00; Mohrrüben, Schockbund 1,00—1,50; Champignon 50 kg 30,00—33; Noblrabi, Schock 0,40— 0,70; Wirsingkohl, rhcin. 100 Köpft 00,00—00,00; do. hiesiger Schock 5,00—7,00; Blumenkohl. Erfnrlcr 100 Sick 10,00—20,00; Meerreina, Schock 8,00—14,00; Pelerstlienwuczel, neue. Schock- bniid 1,00—3,00; Radieschen 0,50—1,00: Salat, Schock 1,00—2,00; Zwiebeln, Schockbund 0,60—0,70; Tomalcn: 50 kg 30,00; Piesserlingc 35,00— 38,00; Spargel. Beelitzer I 50 kg 30,00—50,00, do, II 15,00—25,00, do, III 2,00 „Segen die öchundUUratur!" heißt die porole der illustrierten Wochenschrift»In Freien Stun- den»', die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, der Ardeiterschafi gute, fesselnde und volkstümliche Romane zu vermitteln. Die Wochenheste können pro Halbjahr in einem Lande vereinigt werden— Einbanddecken lieferk auf Wunsch der Aerlag—, und so wird den Abonnenten die Möglichkeit geboten, sich allmählich für billiges Geld eine ilnterhaltungSbibliothek zuzulegen, in der die besten Romane der Weltliteratur vertreten sind, Oer Hauptroman wird stets von Künstlerhand illustriert. Jedes Heft bringt die Fortsetzungen von mindestens zwei Romanen und bietet daneben kürzere Erzählungen und belehrenden ilnterhaltungsstoff auS den verschiedenartigsten Wissensgebieten. Vielen Aufsähen werden erläuternde Abbildungen beigegeben. Kleinere Notizen der mannigfachsten Art schließen sich an, und fürs Hachen sorgt ständig»Scherz und Satire," Zum letzten Heft eineS jeden halben JahreS wird gratis ein künstlerisches Bild(Wandschmuck) gelieferi.»In Freien Stunden" erscheint wöchentlich in einem Heft von 24 Seiten und kostet 40 Pfennig. Wir bitten die Parteigenossen und Genossinnen, für die Verbreitung der»Freien Stunden" und damit für die Eindämmung der Schundliteratur zu wirken! Roman von---- Mllbalv Alexis Mit dem i. Iuli(Heft 27) beginnt als Haupiroman zu erscheinen: Sie Hosen des Serm von Vredoiv Aufirkert von JNax Sngett u Wilibald Alexis, der»märkische Scott", schildert in diesem höchst amüsanten Roman den brandenburgischen Junker auS jener Zelt, da man dem Kurfürsten Joachim l. daS bekannte Wort an die Tür schrieb:»Jochimken! Iochimken, hüte Oil Kriegen wi Di, so hangen wi Oi!"— In starker GestattungSkrast zeichnet der Autor hier eine ganze Reihe jener tkrväter des heutigen AdelS, die eS als schwere Beeinträchtigung ihrer»Rechte" empfanden, daß ihnen das Strauchritterhandwert gelegt wurde. Höchst anschaulich führt er uns vor, wie ihre Llrwüchsigkeit und Willkür sich erst schwer mit dem Hof befreunden tonnten, wie manchem das Parkett im Kurfürstenschloß noch zu glatt war, um sicher darauf stehen zu können. I» einer der Hauptfiguren deS Romans, dem Ritter Dindenberg, gibt er ein klassisches Beispiel für die Macht der alten Raubinstintte, die selbst diesen gewandten Hofmann urplötzlich wieder überwältigen und Ihm den HalS kosten. Trotzdem die geschilderten Ereignisse Iahrhunderte hinter uns liegen, kommen unS die Zunkertypen merkwürdig bekannt vor. Dieselbe Art sitzt noch heute im preußischen Adgeordnetenhause und wehrt sich wie damals gegen gleiches Recht, gegen Wissen, Auf« klärung und Fortschritt! Nur daß sie heute mit Ihren Fürsten einiger sind als dazumal, da die Junker zunächst vergeblich forderten, der Kurfürst solle sich nur auf sie stützen— mit der selbstverständlichen Voraussetzung, daß er sie nach Belieben und Willkür schalten und walten lasse.— Hat der Roman so seine ernste historische Bedeutung, so ist er doch, wie schon der Titel andeutet, großenteils auf einen sehr humoristischen Ton gestimmt. Die schicksalsschwangeren Hosen deS eß- und trintfrohen Herrn von Bredow, die sich von Generation zu Gene« ration als köstliches Erbteil vererben, spielen eine höchst bedeutungs- volle Rolle in dem Geschehen und sehen die TachmuSkeln deS OeserS oft In heftige Bewegung. Der Verfasser verfügt über eine starke satirische Ader, und da kommen neben den Zunkern und dem schlappen Bürgertum die pfaffen aller Sorten ganz besonders schlecht weg. Alles in allem: die Abonnenten der„Freien Stunden" werben diesen Roman mit Genuß lesen, und wer ihn schon lennt, hat hier Gelegenheit, sich aus billige Weise eine illustrierte Ausgabe zuzulegen. Zede Woche erscheint ein 24 Seiten starkes best, reich illuffttett, zum Vreite von 10 vi. Alle Abonnenten erhalten am Schluß des Jahres ein hübsches Kunstblatt vollständig kostenlos Oer unten angefügte Bestellschein möge recht eifrig zur Aufgabe von Bestellungen benutzt werden...... Neben dem Hauptroman beginnt in Heft 27: Der ArauiMüsich»öcm!»(»n Dies ist eine feine, stimmungsvolle Geschichte von der Diebe Freud' und Teid, in der immer wieder ein Brautmarsch anklingt, den Ole Haugen, ein armer HäuSler und Spielmann, erdacht und oft gespielt hat. Die Novelle selbst ist fast wie ein Oied— ein heiter-trauriges Oied von der großen Naturtrast, die sich allen inneren und äußeren Hemmungen zum Trotz mit elementarer Gewalt durchsetzt. Oer llnierzeichneie bestellt bei der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Ondenstr. 69: „Ln Freien Giunden" nebst einer Gratis- Kunstbeilage zum preise von 10 ps. wöchentlich frei inö Haus Name:, i Ort u. Wohnung:________________________________ Oieftr Brffiflfitztfii feuu taS de» Ze9»u«e»ol«i mitgeeet» wwtwi bis 8,00, bo. im] ort. tO, CO— 20,00, sonNIger blesiffer 1 20,00—30,00. do. II 8,00—15,00, bo. III 3,C0 5,00. Pustbohntn 50 kft 12,00 biZ 11,00. AuSIZndlsche». Sartoffcln, kanarische 50 lex 12,00 bis 11,00, bo. Äalla-, neue 10,00—13,00, bo. ital. lange neue 10 00 bi» 11,00, bo. ital nmbf, neue 8,00—11,00, bo. nngarifche 7 00—8 00 Tomate» kanarilcht, Kiste 2,00-2,50, bo. italienische.'<0 ke 10,00—11,—,'bo französische 10,00—12,00; Blumenkohl, hollänbischer Ta 100 Stkick 20,00 bis 28,00, bo. IIa 5,00—8,00; Zwiebeln, ägyptische 50 kff 18,00—20,00, bo. italienische 11,00-16,00; Scholen, ttai. 00,00— OO.QO; Gurken, Holl. 100 Stück 1,00-11,00, Bohnen, grsine, Ital, 60 kg 6,00-10,00, Mo, französische 14,00 bi» 16,00, bo. ital. Beutel ca. B kg 1,00-1,20, bo. una. Beutel 0,40—1,00. WachSbohnen. italienische BO kg 25,00-28,00.— Obst unb Süb. s r ü ch l e. Kirschen 50 kg sranzösische 00,00—00,00, italienische 00,00 bi» 00,00, Thüringer 10,00—14,00, schlefische 8,00—12,00, babische 00,00 bis 00,00, Wcrbersche 10,(«-14,00, holländische, saure 12,00—16,00; Slcpscl, australische, Kiste 8,00—13,00. Erbbceren, hollänbische, 50 kg 18,00—22,00, Dresdener, Kanne 0,40— 0,50, babische, 50 kg 00, 00— 00,00, Mctzer 25,00—28,00, Werbersche 15,00-25,00, Beelitzer 15,00—28,00, er 22,00- 35,00, Wald erbbceren 60,00—80,00; Stachelbeeren, sranzösische 18,00—35,00; Pflaumen, italienische 1��2500; Mispeln, ilalicniiche 10,00—14,00; Bananen, Jamaika lS.00— Äl,00> 1400-1800- Erdnüsse 28,00—30,00; AnanaS 06,00—90,00, Zltiuncn, Messina 300' Stück 8,00-12,00, Messina 360 Llück 7,50-11,00, Mesima 150 Stück 6,00-10,00. Lachmann& Scholz Turmstr. 76 Warenhaus OUostr. 1 95 > Geeignete Artikel für die Ferien und Reise » Ungi'in Haar. ca. lOcmUDg, aar.... Doppelzopf„Edith'*«0 cm lang nur 5— Jl. Doppelzopf obna Kord, 110cm Ig., nur 12—M. Vorfubrnog obna Kauftwang.— Welbl. BcdltD. v.'t vergOta bei Voneis.«Hen�r Annonce. Haarhaus Richard Laub, Xenkölln, Berliner Str. 103, a. Herm.-Pl.. Belle- Allianoe-Str. 05, zwisob. Barutber- u. GneUenauetr. Scpur. Halon« für Haarförben, Kopfwäschen, Ondulieren usw. 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