4; ng r. on gs 1 It of, and g: ift z. T Cit 51. te m ei cs 0= 8, 0. il 1. Nr. 174. 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,36 M., monatl. 1,10 M., möchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pig. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen aft: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Montagsausgabe Vorwärts 5 Pfennig 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Stolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Verfamminungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das fettgebrudte Wort 20 Big.( guläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes waitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstraße 69. Fernsprecher: Amt Moritplatz, Mr. 1983. Montag, den 29. Juni 1914. Expedition: S. 68, Lindenftraße 69. Fernsprecher: Amt Moritplak. Nr. 1984. Der österreichische Thronfolger und seine Frau erschossen! Bomben- und Pistolen- Attentate serbischer Nationalisten in Serajewo. Die Täter verhaftet. Serajewo, 28. Juni. Während der Politik, die Beck wenigstens versucht hatte. Das Ministerium| Grundlage der ganzen auswärtigen Politik gemacht worden. Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand Stürgkh, das das Parlament zugrunde gerichtet hat und ab- Aber immer mehr erweist es sich nicht als eine Quelle der mit der Herzogin von Hohenberg heute solutistisch mit dem Paragraph 14 wirtschaftet, galt vor allem vormittag durch die Straßen der Stadt fuhr, hat als sein Werk. Stärkung, sondern als eine Quelle der Schwäche. Das Problem Desterreich erhebt sich immer drohender zu einer ein Individuum aus nächster Nähe aus einer War Franz Ferdinand so die Hoffnung aller Reaktionäre Gefahr für den Frieden Europas. Soll diese GePistole auf die Höchsten Herrschaften me h- in der inneren Politik, so war er zugleich der Träger des so- fahr nicht zur fürchterlichen Wirklichkeit werden, so müssen rere Schüsse abgefeuert. Beide wurden tö d- genannten österreichischen Imperialismus. Unablässig betrieb wir mit aller Kraft trachten, mit Frankreich und Eng. lich getroffen und verschieden nach er die Vermehrungen der Rüstungen und besonders auf die land in freundschaftliches Einbernehmen zu wenigen Minuten. Schaffung einer starken Flotte war sein Ehrgeiz gerichtet. gelangen. Die osteuropäische Gefahr kann nur Serajewo, 28. Juni. Als der Thronfolger Die raschen Heeresvermehrungen überstiegen nicht nur die durch die westeuropäische Verständigung Erzherzog Franz Ferdinand mit seiner finanzielle Leistungskraft Desterreichs, sondern führten auch überwunden werden. Auch für Deutschland bedeuten die Schüsse von Serajewo Gemahlin, der Herzogin von Hohenberg, sich immer wieder zu parlamentarischen Krisen in Desterreich wie heute vormittag zum Empfange in das Rathaus in Ungarn. Zugleich verschärfte die Schaffung der Marine eine ernste Warnung! begab, wurde gegen das Automobil ei ne den italienisch- österreichischen Gegensatz. Die Italiener beBombe geschleudert, die der Erzherzog trachteten den klerikalen Thronfolger mit Mißtrauen und; mit dem Arme zurückstieß. Die Bombe ex- zeitweise mit Feindschaft. Aber mit noch viel leidenschaftplodierte, nachdem das erzherzogliche Auto- licherer Gegnerschaft wurde sein Verhalten während der letzten mobil die Stelle passiert hatte. Die in dem Balkankrise von den Süd slawen verfolgt. Franz Ferdinand eip ist 19 Jahre alt und aus Grahovo im Bezirk Livno gebürtig. nachfolgenden Automobil befindlichen beiden galt und während der ersten Phase des Krieges gewiß mit Er gab bei seinem Verhör an, schon lange die Absicht gehabt zu Herren, Graf Boos- Walded und der Flügel- Recht als Haupt der Kriegspartei. Die Serben sahen sich haben, irgendeine hohe Person adjutant des Landeschefs Oberstleutnant Me- durch das Verhalten Oesterreichs von dem Ziel ihrer Wünsche, Das Attentat. Die nationalistischen Motive. Serajewo, 28. Juni. Der Attentäter Gavrilo Prin= aus nationalistischen Motiven zu britten Attentäter Verhör, die Bombe von einem Anarchisten in Belgrad, Das Bombenattentat. rizzi, wurden leicht verlegt. Bom Publikum dem freien Ausgang nach der Adria, abgesperrt, und leiden- au töten. Er habe heute auf die Borbeifahrt des Graheranga auf wurden sechs Personen mehr oder weniger schaftlich flammte ihr Haß gegen den Träger dieser Politik dem Appel- Quai gewartet, und als das Automobil auf der Rückkehr schwer verletzt. Der Attentäter ist ein Typo- auf. Und diese Gefühle fanden nur allzu lebhaften Widerhall beim Einbiegen vom Rathaus in die Franz- Joseph- Gasse die Fahrt berlangsamen mußte, den Anschlag ausgeführt. Einen Moment graph aus Trebinje namens Cabri- bei den Serben in Desterreichs Grenzen. Die reaktionäre österreichische Regierungspolitik fann habe er gezögert, da auch die Herzogin von Hohenberg novic. Er wurde sofort festgenommen. Nach dem festlichen Empfange im Rathaus mit dem Lebensproblem Desterreichs, der Nationalitäten- fich im Automobil befand, dann aber rasch zwei Schüsse abgegeben. Auch der 21 jährige Typograph Nedeljko Cabri sekte der Thronfolger mit seiner Gemahlin frage, nicht fertig werden. Die Unterdrückung der Nationali- r leugnet, komplisen gehabt au haben. die Rundfahrt fort. Ein Gymnasia ft der täten ist die eigentliche Ursache der immerwährenden öfter- novic, deffen Bombenanschlag mißlungen ist, erklärte, teinen achten Klasse namens Princip aus Gra- reichischen Krise. Nur ein völliger Bruch mit dem bisherigen komplisen gehabt zu haben. Er trug beim Verhör ein sehr hovo feuerte aus einer Browningpistole mehrere Regierungssystem, die Gewährung völliger demokratischer synisches Wesen zur Schau. Cabrinovic war nach dem Attentat in Schüsse auf das erzherzogliche Automobil ab. Der nationaler Selbstverwaltung könnte den österreichischen den Miljadafluß gesprungen und suchte zu entweichen. Wachleute Thronfolger Franz Ferdinand wurde im Staat retten, wenn es für diesen überlebten Nationalitäten- und Berfonen aus dem Publikum sprangen ihm jedoch nach und Gesicht, die Herzogin von Hohenberg 3wangsstaat überhaupt noch eine Rettung gibt. Die Anfänge nahmen ihn feft. Wenige Schritte vom Schauplatz des zweiten durch einen Schuß in den Unterleib verletzt. Erz- dieser Entwicklung, die durch die Einführung des gleichen Attentats wurde eine unwirksam gebliebene Bombe herzog Franz Ferdinand und die Frau Herzogin Wahlrechts gegeben sind, sind aber sowohl in Desterreich als aufgefunden. Sie dürfte von einem wurden in den Konak überführt und sind dort auch in Ungarn von den Regierungen wieder vernichtet worden. Und das gerade zu der Zeit, wo das Selbstgefühl, weggeworfen worden sein, nachdem er gesehen hatte, daß der Der Attentäter Princip hat den Verletzungen erlegen. Auch der zweite Attentäter wurde verhaftet. besonders der Südslawen, durch die Waffenerfolge der Bal- Anschlag Princips gelungen war. zweite Attentäter wurde verhaftet. fanstaaten eine außerordentliche Stärkung erfahren hat. längere Zeit in Belgrad studiert. Cabrinowic erklärte bei seinem Die erbitterte Menge hat die beiden Attentäter Heißer als je lebte der Nationalismus in den südslawischen beffen Namen er nicht kenne, erhalten(?) zu haben. nahezu gelyncht. Völkern auf. Die Hoffnung, innerhalb Desterreichs zu freiem Ueberraschung und Grauen, Unwille über die nationalen Dasein und nationaler Kultur zu gelangen, war Sinnlosigkeit solch individueller Gewalttat, die auch die Frau verflogen. Feindschaft gegen Desterreich, Haß gegen die Wien, 28. Juni. Heute vormittag um 10 Uhr traf das des ersehnten Opfers nicht verschont, wedt die Kunde dieser Unterdrückungspolitik beherrscht die österreichischen Süd-, grausamen Tat. Und dann denken wir an den greifen Mann, flawen. Sie träumen von der Vereinigung mit Serbien zu erzherzogliche Paar aus Ilisze in Serajewo ein, wo ein großzu artiger Empfang vorbereitet war. Unweit des Bahnhofs det auf dem alten vermorschenden Kaiserthron sigt, der eben einem großen südslawischen Staat. In dieser Atmo- wurde die Bombe geworfen, von der der Thronfolger und erst schwere Krankheit überwunden hat. Sein Bruder Kaiser sphäre nationalistischer Leidenschaft ist der seine Gemahlin noch verschont blieben, durch welche elf Mar von Meriko erschossen, die Gattin getötet, der Sohn Plan entstanden, in einem Repräsentanten der österreichischen Personen aus dem Publikum, davon sechs schwer und ermordet und jetzt auch der Neffe und Nachfolger von Herrschaftsidee die Unterdrückungspolitik selbst zu treffen. fünf leicht verlebt wurden. Die beiden OffiSo fällt Franz Ferdinand als Opfer ziere des Gefolges follen schwer verlett sein. Troßtragischen Schauern umwittert erscheint dieses alte Haupt eines falschen überlebten Systems, dessen sicht- dem fuhr das Erzherzogspaar nach dem Rathause weiter. der alten Tynastie. Ein trauriger Lebensabend Sinnlos und nutzlos erscheint uns die Lat. Aber wie barster Träger er war. Er fällt, aber man muß fürchten, daß er in jedem Sinne nuklos und sinnlos geopfert ward sie möglich? Noch fehlen die Einzelheiten, die ein abschließendes worden ist. Denn so schrill diese Schüsse auch knatterten, sie Urteil ermöglichen; doch sind die Motive der Täter leicht zu werden von denen, die sie hören müßten, kaum gehört werden. erklären, und die Todesschüsse knallen den Regierungen Die Hoffnung, daß die Regierenden in Desterreich die Kraft und die Einsicht finden werden, das falsche System zu verDesterreich- Ungarns eine furchtbare Warnung ins Ohr. Serbische Fanatiker, junge unreife Nationalisten, lassen und allen Nationen in einem demokratischen Staat ein find die Attentäter gewesen. Franz Ferdinand fiel erträgliches Heim zu bereiten, diese Hoffnung ist nur gering. als Opfer der österreichisch ungarischen und diesen Nationen selbst, deren Nationalbewußtsein sich so riesig rasch entwickelt hat, erscheint Desterreich selbst immer Balkan- und Nationalitätenpolitif. Der österreichische Thronfolger hat in den letzten Jahren mehr als Unmöglichkeit. Nicht in Desterreich ihre nationalen und seine Gemahlin. oft genug in die politischen Ereignisse eingegriffen, um ein Ideale zu erreichen, sondern gegen Desterreich ihre national! Wien, 28. Juni. Die Neue Freie Presse" bringt folgende Urteil über seine politische Haltung zu ermöglichen. Er galt Selbständigkeit zu erkämpfen, ist ihnen heute Streben und als unbedingter Vertreter des Klerikalismus. Er betonte nach Biel. Die Schüsse, die den Thronfolgernieder- Ginzelheiten über die erschütternde Tragödie in Serajewo: außen nicht nur sehr stark seine persönliche Frömmigkeit, son- gest redt haben, sie trafen auch den Glauben Nach dem ersten Attentat, bei dem der Flügeladjutant Oberstleutdas Automobil halten. Nachdem er erfahren hatte, um was es sich dern trat auch als Schüßer und Förderer der klerikalen Ver- an die Forteristenz dieses alten, veralteten nant b. Merizzi am Halse verwundet wurde, ließ der Erzherzog handele, fuhr er nach dem Rathause. Dort erwarteten ihn die Geeine öffentlich hervor. Den Christlich- Sozialen war er ein Staates. Wenn dem aber so ist, wenn dieses Attentat die entfeb- meinderäte mit dem Bürgermeister an der Spize. Der Bürgerzuverlässiger Protektor, und ihr Parteiorgan, die„ Reichspost", hatte namentlich in allen Fragen der auswärtigen Politik in- liche Krise vor Europa enthüllt, in der sich dieser Staat be- meister wollte eine Ansprache halten. Als er sich hierzu anſchidte, time Beziehungen zu dem Thronfolger. Durch seine Ver- findet, der zerrissen ist und zerspalten in allen seinen aus- fagte der Erzherzog in scharfem Tone zu ihm:„ Herr BürgerHeiratung mit der Gräfin Choteck stand er auch in nahen Be- einanderstrebenden Teilen, dem nichts gemeinsam ist, als die meister, da tommt man nach Serajewo, um einen Besuch zu machen, und man wirft auf einen Bomben. Das ist e m= hichungen zu den böhmischen Feudalherren, den mächtigen schon zermürbten Mittel der Unterdrückung, dann bedeutet das pörend!" Nach einer Pauſe ſagte er:„ So, jetzt können Sie Trägern aller reaktionären Bestrebungen. Auf seinen Ein- grause Ereignis von Serajewo auch für uns eine ernste sprechen." Der Bürgermeister hielt dann eine Ansprache an den fluß führte man den Sturz des Wahlrechtsministers Beck Mahnung. Allzusehr hat eine stümperhafte Politik die Erzherzog, der hierauf erwiderte. Das Publikum, das inzwischen zurück und die Abkehr von einer die Bedürfnisse des Volkes Geschicke unseres Volkes mit denen Desterreichs verknüpft. von dem Attentat erfahren hatte, brach in begeisterte Ziviorufe auf berücksichtigenden und die nationalen Gegensätze vermittelnden| Das Bündnis mit Desterreich ist von unseren Regierenden zur den Erzherzog aus. Nach der Besichtigung des Rathauses, die eine d Nach dem Verlassen des Rathauses sollen sie beabsichtigt haben, den Verlegten einen Besuch abzustatten. Am Hauptplat von Serajewo sprang plötzlich ein junger, gut gekleideter Mann aus dem Publikum hervor und gab auf das erzherzogliche Paar zwei Schüsse ab, von denen der eine den Erzherzog- Thronfolger nahe der Schläfe, der andere die Herzogin von Hohenberg in den Unterleib traf. Das Automobil sette die Fahrt nach dem Konak in beschleunigtem Tempo fort. Hier waren sofort Aerzte zur Stelle; doch war jegliche Hilfeleistung unmöglich. Gleich nach dem Gintreffen im Konat verschieden der Erzherzog Thronfolger Weitere Einzelheiten. halbe Stunde dauerte, wollte der Erzherzog in das Garnison- 11. Juli 1900 morganatisch vermählt mit Sophie Gräfin| Und was geschah? Ein paar Wochen später erhielt Bernhard lazarett fahren, um den verwundeten Oberstleutnant zu besuchen. Chotek, Herzogin von Hohenberg, geboren 1. März 1868. von seinem Schwager die Aufforderung, seinen Erlaß sofort zurüdAls der Erzherzog an der Ecke der Franz- Josef- Gasse und der Durch den Tod seines Onkels ist Erzherzog Karl Franz zunehmen, worauf Bernhard die Brocken hinschmiß und sich den Rudolf- Gasse angelangt war, wurde auf ihn in rascher Aufein- Joseph plötzlich zum Thronfolger der Donau- Monarchien 3ylinder auffezte. Er hatte sich den Kampf gegen die Soldatenanderfolge von einem Individuum, namens Gavrila Princip berufen worden. Er steht im 27. Lebensjahre. Seit dem schinder anders vorgestellt. beide Attentäter sind Serben zwei Revolverschüsse 21. Oktober 1911 ist er mit der Prinzessin Zita von Parma Und warum sollte der Erlaß zurückgezogen werden? Ist der abgegeben. Der erste Schuß, welcher durch das Automobil durch vermählt. Der Ehe ist ein Sohn entsprossen, der kleine Erz- Kampf gegen die Militärmißhandlungen nicht von Wilhelm selber ging, durchbohrte die rechte Bauchseite der Herzogin, der zweite herzog Franz Joseph Otto, der am 20. November 1912 ge- als die dringendste Pflicht der Gegenwart bezeichnet worden, Schuß traf den Erzherzog neben der Kehle und durchbohrte die boren wurde. Der neue Thronfolger ist der Sohn des ver- ebenso dringend wir die Reform des preußischen Wahlrechts? Halsschlagader. Die Herzogin war sofort bewußtlos und fiel dem storbenen Erzherzogs Otto und dessen Gemahlin der Prin- Gewiß doch! Versteht sich! Aber wer wird denn gleich so derb Erzherzog in den Schoß. Der Erzherzog verlor nach einigen Se- zessin Maria Josepha von Sachsen. zugreifen! Natürlich! Zunächst, so suchte man später offiziös kunden das Bewußtsein. Das Automobil fuhr in den Konak. Im den Rausschmiß Bernhards zu beschönigen, sei es unerträglich für Konat leisteten Oberstabsarzt Wolfgang und Regimentsarzt Payer die preußische Disziplin, daß der Erlaß auch den Mannschaften die erste Hilfe, doch gaben der Erzherzog und die Herzogin von werden, und diese sollten dann die Mannschaften in diesem Sinne" instruieren. Sodann aber, und das war das schwerste Verbrechen, war der Erlaß an die Oeffentlichkeit gekommen, wofür freilich der standhafte Prinz nichts konnte. Hohenberg keine Lebenszeichen mehr von fich. Der Spitalfomman. Wie man die Soldatenschinder vorgelesen werden follte. Er dürfte nur den Offizieren vorgelejen dant Oberstabsarzt Arnstein stellte den Eintritt des Todes fest. Hierauf wurde seitens der Zivil- und Militärbehörden der Tatbestand aufgenommen. bekämpft. Daß in unserem glorreichen Kriegsheer die Mannschaften Die Bombe. gemißhandelt werden, oder, genauer gesagt, daß nicht bloß Glend unserer politischen Verhältnisse sprach aus diesem offiziöſen Der ganze Dünkel der Offizierskaste und zugleich das ganze Serajewo, 28. Juni. Zu dem ersten Anschlag wird noch gelegentlich, sondern unausgesetzt Mißhandlungen borkommen, gemeldet: Die Bombe war eine sogenannte Flaschen bombe, das hat der derzeitige Kriegsminister selber eingestanden. Wers Schwaß. Die„ Deffentlichkeit", das heißt doch wohl das deutsche mit Nägeln und gehacktem Blei gefüllt. Die Explosion war von nicht glaubt, lese das amtliche Protokoll der 250. Reichstagssigung Volt, wird vom Militarismus behandelt wie der Erbfeind, dent großer Heftigkeit. In einem in der Nähe befindlichen Geschäftsladen vom 6. Mai 1914 nach, dort wird er es bestätigt finden. Und daß man jede Kenntnis des militärischen Lebens und seiner internen wurden die eisernen Rolläden an mehreren Stellen durchschlagen. gegen diese fortgesetzten Soldatenschindereien kräftig vorgegangen Vorgänge abzuschneiden sucht. Man behandelt das Heer der allEs wurden etwa 20 Personen zumeist leicht verletzt. Im Laufe wird, das hat uns derselbe Herr Kriegsminister in der gleichen gemeinen Wehrpflicht heute noch so, wie die preußischen Despoten des Nachmittags meldete sich noch eine Reihe weiterer Personen, Sizung gar brünstig beteuert. meist mit geringfügigen Verlegungen. Ein Beamter der Landesregierung, namens Reich, hat schwere Verlegungen durch Sprengstücke an den Beinen erlitten. Panik in Serajewo. einst ihre Söldnerheere behandelten, als nach dem Worte Rüstows Noch kräftiger aber als gegen die Soldatenschinder geht man in der Zusammensetzung der Mannschaft das Strolchentum überzuweilen gegen die vor, die gegen die Soldatenschinder vorgehen! wog und auch als Offiziere nur Strolche brauchbar waren. Das Das hat am eigenen Leibe der durch den jezigen Thronwechsel in Heer gilt als Privateigentum des Königs, und wie in diesem Heere Meiningen zum Herzog dieses fleinen Ländchens aufgerückte Erb- die Pest der Soldatenschinderei bekämpft wird, das ist lediglich Serajewo, 28. Juni. Das doppelte Attentat mit seinen traumar einst der Kommandeur des 6. Armeekorps in Breslau. Außer- fümmern. Das ganze aber nennt man in Preußen:„ Volksheer"! prinz erfahren. Er ist der Schwager des deutschen Kaisers und Sache der Heeresleitung. Die Nation hat sich darum nicht zu rigen Folgen hat mit jähem Schlage die Festesfreude, in der sich dem verfügt er über eine klassische Bildung, die für jeden anderen Und dann das Verbrechen, den Mannschaften den Erlaß selber die Bevölkerung der Stadt befand, in die unbeschreiblichste Bestür- Menschen schon höchst ehrenwert wäre, für einen deutschen Prinzen vorlesen zu lassen! Womöglich würden sie dadurch aufgereizt, fich zung und Verwirrung verwandelt. Eine allgemeine Panit hat ein- aber direkt märchenhaft ist. In hösischen Kreisen, wo man fröhlich die Schindereien nicht wie bisher schweigend gefallen zu lassen. gesetzt. Auch die Behörden verloren vollständig den Kopf. Die nach Herrn v. Falkenhayns Parole lebt:„ Uns kann die janze Schließlich bekämen die„ erls" noch den Eindruck, daß sie nicht Polizeiorgane und die Gendarmen gingen nach dem Kultur jestohlen werden", mofierte man sich reichlich über Bern- blog Objekt, sondern auch Subjekt beim preußischen Kommis find, Attentat mit der größten Energie gegen die in den Straßen be- hard von Meiningen und nannte ihn spöttisch den Gelehrten". daß sie Rechte haben, und Staatsbürger bleiben auch im Waffenrod. findliche Zuschauermenge vor. Alles versuchte von dem Appellquai, Allein Bernhard war kein„ Gelehrter" von der Rasse der Stuben- Das aber rüttelt an dem Fundament des heutigen Heersystems, an wo sich das Attentat ereignete, in die Seitenstraßen zu entfliehen. Hocker und wenn er es für nötig hielt, griff er auch mal kräftig die Kadaverdisziplin. Deswegen mußte Bernhard schnell verschwin= Die Menge staute sich jedoch und eine große Anzahl von Leuten durch. So auch einmal in der Frage der Soldatenschinder. Aber den und sein Erlaz mit ihm. Lieber den Soldatenschindern Tauwurde zu Boden gerissen und verletzt. hierbei zog er den Kürzeren. Moloch ließ sich ungestraft auch nicht sende armer wehrloser Opfer darbringen, als das Kadavergefühl von einem Schwager des Kaisers und einem kommandierenden der„ Kerls" zu lodern. General am Bart zupfen. Bei seinem Kampfe gegen die SoldatenSchinder flog Bernhard in den Sand. Er mußte den bunten Rock auszichen und konnte darüber philosophische Betrachtungen anstellen, daß man alles mit Maßen treiben soll, auch den Kampf gegen die Soldatenschinder. Verhaftungen. Serajewo, 28. Juni. Die Straßen sind wie ausgestorben. Militärpatrouillen mit aufgepflanztem Seitengewehr und scharfgeladenen Gewehren durchziehen die Stadt. Die serbischen Klubs wurden geschlossen und eine große Anzahl von Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Attentäter kennen sich nicht; die Polizei glaubt jedoch, daß beide Mitglieder von groß- serbischen Kampfes organisationen sind. Die Mitteilung an den Kaiser. Politische Uebersicht. Die neue Marinevorlage. Eine glänzendere Satire gegen die Soldatenschinder konnte es nicht geben, als es die Erlebnisse Bernhards von Meiningen als fommandierender General darstellen. Dabei hätte auch die strikteste Durchführung seines Erlasses selbstredend noch lange nicht die Militärmißhandlungen zum Verschwinden gebracht. Dazu ist das ordentliche Zunahme der Soldatenschindereien festgestellt. Er vervielleicht ein wenig verringert. Aber selbst das ist dem heutigen Schon am 6. Februar 1890 hatte Wilhelm II. eine außer- heutige Militärsystem überhaupt unfähig. Wohl aber hätte er sie langte eine unbedingte Verurteilung der uniformierten Verbrecher System unmöglich. So bleibt denn dem Militarismus nichts übrig und machte die Vorgesetzten für die fortgesetten Quälereien und als ein blödes Plappern gegen die Soldatenschinder, seit JahrBad Ischl, 28. Juni. Der Kaiser wurde sofort von dem systematischen Mizhandlungen verantwortlich. Wie sich von selbst zehnten immer wieder dieselben ranzigen Phrasen, und KriminalAbleben des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin berstand, blieb dieser Erlaß des obersten Kriegsherrn ohne jede prozesse gegen jeden, der an den Ernst dieses heiteren Feldzuges verständigt. Als ihm die Nachricht mitgeteilt wurde, weinte er Wirkung. Es wurde sogar immer schlimmer! Nach einem reich gegen die Soldatenschinder zweifelt. und brach in die Worte aus:„ Entseßlich! entsetzlich! lichen Jahrzehnt mußte man feststellen, daß in der Armee die SolAuf dieser Welt ist mir nichts erspart geblieben." Datenschinder immer frecher ihr Unwesen trieben, daß die MißhandEr zog sich tief erschüttert in seine Zimmer zurück und befahl, die lungen nicht ab-, sondern zugenommen hatten. Da ereignete sich Dispositionen für die Rückreise nach Schönbrunn zu treffen. im Jahre 1903 im Bezirk des 6. Korps eine jener typischen SolDie Bestürzung und Teilnahme der Bevölkerung gibt sich hier in datentragödien. Der Kanonier Heinrich in Breslau wurde von feinem Unteroffizier bis aufs Blut gequält, so daß er sich das Leben besonderer Weise kund. nahm. Der Unteroffizier fam wie üblich mit einer sehr gelinden Strafe davon. Diesen Vorfall nahm der kommandierende General Bernhard von Meinigen zum Anlaß, in einem Korpsbefehl gegen die Soldatenschinder vorzugehen. Es entspreche keineswegs den Wünschen der Vorgesetzten, wenn sich die Soldaten eine ehrenrührige Behandlung gefallen ließen und dazu noch schwiegen. Gerade durch ihr Schweigen provozieren die Mannschaften die Mißhandlungen, fie sollten jede derartige Quälerei unbedingt zur Meldung bringen. Da aber der General seine Pappenheimer kannte, so fügte er die Weisung hinzu, daß jede Beschwerde über erlittene Mißhandlungen sofort dem Korpskommando zu melden sei, damit dieses die eventuelle Versetzung des Beschwerdeführers in einen anderen Truppenteil verfügen könne. Dieser Erlaß sei sämtlichen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften jährlich mindestens dreimal vorzulesen und die Mannschaften seien immer wieder, besonders in den Instruktionsstunden, auf ihre Pflicht hinzuweisen, Die Nachricht in Wien. Wien, 28. Juni. In den ersten Nachmittagsstunden verbreiteten sich die Gerüchte von einem in Serajewo erfolgten Attentat auf den Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gemahlin, welche gegen 3 Uhr nachmittags ihre offizielle Bestätigung fanden. Die erschütternde Nachricht wurde alsbald durch Extrablätter in der ganzen Stadt bekanntgemacht. Ueberall, wo Festlichkeiten stattfanden, wurden dieselben sofort abgebrochen. Allgemein herrscht die größte Bestürzung, die auch in den aus den Provinzen einlaufenden Meldungen zum Ausdruck kommt. Die Thronfolge. Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich- Efte war der älteste Sohn aus der zweiten Ehe des verstorbenen Erzherzogs Karl Ludwig, des Bruders des Kaisers. Er war geboren am 18. Dezember 1863 in Graz und war am Mißhandlungen zu meiden. Strategie gegen den inneren Feind. Oberleutnant Kurt Roehler, kommandiert zum Großen Generalstab der Armee, hatte Besuch. Sein Spezi von der Kadettenanstalt, der gleichzeitig mit ihm den Sprung aus der Groß- Lichterfelder Selekta in ein Regiment Seiner Majestät gemacht hatte, war zu einer Plauderstunde gekommen. Auch Erich Vetter hatte die breiten farmosinbergnügten Streifen an seiner Hose. Aber die gelben Knöpfe seiner Litewka fündeten seine Zugehörigkeit zum Kriegsministerium an. Nach fast zwölfjährigem Frontdienst in verschiedenen Garnisonen hatten sich die beiden Freunde in Berlin wieder gefunden. Sie waren beide eifrige, für ihren Beruf begeisterte Offiziere, die ob ihrer„ Büffelei" oft von den Kameraden im Kasino aufgezogen waren. Aber sie wollten beide heraus aus der Ochsentour. Ueber die Kriegsakademie hinweg hatte sie ihr Schifflein in die vielbegehrten Kommandos zum Generalstabe und zum Kriegsministerium und somit auf die Stufe zur höheren Wacht getragen. Die beiden angehenden Feldherren hatten es sich in dem großen Arbeitszimmers Kurt Roehlers bequem gemacht. Der Bursche hatte Wisky und und Selters, sowie Zigarren und Zigaretten auf ein Tischchen zwischen die Klubjessel gestellt. | ich mich ja jetzt um andere Dinge zu kümmern, seit ich in das Dezernat für die innere Mobilmachung gekommen bin." " Ja," meinte Better,„ darüber wollte ich mit Dir mal reden. Es trifft sich doch eigentlich sein, daß Du in dies Ressort gestiegen bist und ich der Presseabteilung im Kriegsministerium zugewiesen bin. Spezialauftrag: sozialistische Presse durchstöbern. Habe da einen genialen Gedanken gehabt: Wie wäre es, wenn wir uns beide gemeinsam an die Ausarbeitung einer Denkschrift, geheim naturellement, machten:„ Politische, strategische und taktische Aufgaben der Armee in Aufruhrzeiten" oder so ähnlich." " Der Generalstäbler sah den Kameraden etwas unsicher an. Machst Du wieder einen von Deinen faulen Witzen?" „ Nein," versicherte Vetter, ich meine es bitterernst. Die Konjunktur ist gut. Das Massenstreifgeplärr der Roten wird jcht auf höhere Anweisung bei uns in der Presseabteilung ganz besonders scharf unter die Lupe genommen. | " Die von einer Zentrumsforrespondenz gebrachte Meldung, es sei eine neue Marinevorlage in Vorbereitung, wird in einem halbamtlichen„ Dementi" bestätigt. Der„ Berliner Lokalanzeiger" schreibt: von der Vorbereitung für eine Flottenvorlage fönne feine Rede sein, aber: " Zur Durchführung der im Flottengesetz vorgesehenen planmäßigen Indiensthaltungen, im besonderen der Auslandsschiffe, im Rahmen dieses Gesezes und mit vorhandenen Schiffen ist wie bereits seit längerer Zeit bekannt ist noch eine Mannschaftsvermehrung erforderlich. Auf die Notwendigkeit einer baldigen Vermehrung der im Auslande befindlichen Schiffe hat Großadmiral v. Tirpitz bereits im letzten Reichstage hingewiesen." fordern wird, werden wir auch noch erfahren. Reichstag hilf! Also die Flottenvorlage kommt. Welche Kosten sie erDie Germania" bemerkt zu dem Dementi: Etwas Wahres ist also doch an der Korrespondenznachricht, die wir gestern wiedergegeben haben: Es steht jetzt schon nicht nur eine Mannschaftsvermehrung, sondern auch eine Vermehrung " Wohl zumute oder nicht wohl zumute," entgegnete Roehler. „ Wir haben einfach unsere Pflicht als Offizier zu tun. Je schneller und derber man in solchen Fällen zupakt, desto eher hat der Krakeel ein Ende. Lies mal den Schlußband des russischen Generalstabswerks über den Krieg gegen die Japs. Es ist einfach auf die Bäume zu klettern, wie sie da die Moskowiter- Generale in Sibirien und in der Mandschurei von den Revolutionären, meuternden Reservisten und streifenden Eisenbahnern haben ins Bockshorn jagen lassen. Wenn die russischen Revolluzzer damals das Ausnuten ebenjogut verstanden hätten wie das Aufheben, wenn sie einen großen, einHeitlichen Plan und eine starke, umfassende Organisation gehabt hätten, dann hätten sie mit Hilfe der ihnen zur Verfügung stehenden Bahnlinien einige hunderttausend Mann nach Westrußland werfen fönnen und heute sähe es dann drüben im Zarenreiche verdammt anders aus. Aber auch hier ist für uns die Lehre: Zupaden, feste und schnell zupaden." " Bei uns wird dieser Rummel auch sehr ernst genommen," unterbrach Roehler. Better hatte eine Zeitlang nachdenklich den Rauchwolfen seiner Pläne über Truppenbeförderung und Truppenverwendung in Zeiten daß es einmal bei uns soweit kommt. Aber seit ich den ehren" Wir sind seit einiger Zeit feste dabei, alle 3igarre nachgeblickt. Ich glaube ja nicht recht," ſagte er dann, des Belagerungszustandes genau nachzuprüfen oder zu ergänzen. vollen Auftrag habe, im Pressedezernat die roten Hezblätter durchVor einigen Tagen find Berichte unserer Geheimagenten auszuschnüffeln, habe ich das unbehagliche Gefühl, daß da unten Italien gekommen über die Verwendung der Armee beim letzten Kräfte am Werke sind, von denen wir eigentlich verflucht wenig Generalstreit. Jetzt heißt es, aus den Vorgängen da unten die Nuzanwendung für uns zu ziehen." Ahnung haben." „ Na, da kann man höchstens lernen, wie es nicht gemacht„ Ach was!" warf der Generalstäbler ein. Ich glaube, die " Na, Ihr in Eurer Mobilmachungsabteilung seid wohl jetzt werden darf," sagte Vetter lachend.„ Kannst Du Dir vorstellen, Kerle wissen selbst noch nicht recht, was sie wollen mit ihrem mächtig im Drud?", sagte Erich Better, lehnte sich behaglich im daß ein föniglich preußischer Generalmajor mit seinem Stabe sich Massenstreifgequatsch. Ich habe auch die Zeitungen verfolgt, aber Sessel zurück und blies lachend den Rauch seiner Zigarette von sich. einfach von einer Bande rebellischer Arbeiter gefangen nehmen ein rechtes Bild kann ich mir von der Geschichte nicht machen. „ Wieso?" fragte der Generalstäbler etwas erstaunt. läßt und ihnen seinen Heldenschwert ausliefert, wie es der General Die Hauptsache ist, daß wir ganz genau wissen, was wir wollen. Nun, Ihr müßt doch jetzt die ganzen Mobilmachungspläne gegen gliardi im Makkaronilande getan hat? Oder daß ein preußischer Du hattest doch übrigens bloß die Aufgabe, Anklagematerial den verehrten östlichen Gegner über den Haufen werfen. Das 12. Oberst die aufsässige Bande mit seinen Kerls fraternisieren läßt, für das Kriegsministerium aus den Sozialistenblättern herausund das 19. Armeekorps scheiden doch jezt aus Guren Kalkulationen wie es in der Romagna, da man ein bißchen Republik spielen zutlauben. Deinem Wissensdrang scheint das aber nicht zu ge= nügen, sonst wärst Du nicht auf die famose Denkschriftidee gefür den Aufmarsch an der Ostfront aus, nachdem der sächsische Kriegs- wollte, vorgekommen iſt?" herr bei seinem Besuche im Wutkilande sich so mächtig beim Selbst-" Nein, so was wird es bei uns sicherlich nicht geben," ent- kommen, die mir immer sympathischer wird. Viel Glück habt Ihr herrscher aller Reußen angebiedert hat." gegnete Roehler. Gerade die skandalösen Vorgänge da unten mit Gurer Anklagekampagne, die Guer neuer Herr inszeniert hat, Roehler lachte.„ Na, wenn wir unsere Rüstungs- und Mobili- zwingen uns ja, unsere Pläne genau nachzuprüfen, damit schnell nicht. Die ostpreußische Remontegeschichte ist doch eine ziemlich sierungsarbeiten nach den fürstlichen Besuchen, Tafelreden, Trink- und rücksichtslos dazwischen gepfeffert werden kann, wenn das faule Kiste." sprüchen und Telegrammen orientieren wollten, wären wir nicht rebellische Pack bei uns einmal aufzumuden wagt." Better zuckte die Achseln.„ Was willst Du, mit dem Pferdeschlecht aufgeschmissen. Das ist doch nur Futter für die Zeitungs- Vetter war ernst geworden." Natürlich, anders geht es in handel ist das immer so lala gewesen. Und Du weißt so gut wie frizen. Du weißt ja, daß unsere Aufmarschpläne für die Ost- solchem Falle nicht. Aber ich muß Dir ehrlich sagen, caro amico, ich, daß viele Kameraden von der Kavallerie und Artillerie in und für die Westfront so tadellos auf dem Laufenden gehalten besonders wohl fühle ich mich bei dem Gedanken nicht, einmal dem Geschäft machen und es mit dem geriebensten Pferdejuden werden und daß unsere Arbeit nicht davon berührt wird, wenn gegen das eigene Volk losgehen zu müssen. Lieber wäre es mir aufnehmen. Aber Recht dürfen doch die roten Schmierfinken auf irgend ein Potentat in Gefühlstönen schwelgt. Im übrigen habe schon, es ginge gegen die Turkos und Kojaken." keinen Fall behalten." " Ai tig al CI ba de di 23 d fo fr Do 111 2 h ft D D 111 CU fo " ດ tr if t I 17 11 h f 11 C S Я ber im Auslande befindlichen Schiffe in Aussicht. Und was tommt später? Wir werden ja sehen." Das Zentrum wird sehen und schließlich alles bewilligen. Nieder mit dem Militarismus! Der albanische Aufstand. Rathause ist doch nicht unbekannt; die Presse nimmt davon stets Notiz. Die Verhandlungen. In den Vororten Berlins wird unseres Wissens nur im Durazzo, 28. Juni. Oberst Philipps ist gestern nachmittag Charlottenburger und Schöneberger Rathaus zu Beginn des von den Verhandlungen mit den Aufständischen zurüd- Jahres gehocht. In Neukölln, in Lichtenberg und anderen gefehrt und hat dem Fürsten und sodann der Kontrollkommission Orten kommt man ohne dem aus. Es ist eine ganz überBericht erstattet. Danach haben die Aufständischen, deren sämtliche flüssige Zeremonie, die Beratungen im Stadtverordnetenjaal Führer bei den Verhandlungen anwesend waren, ihre früher der alljährlich mit einem Kaiserhoch einzuleiten. Wir haben Sontrollkommission abgegebenen Erklärungen wiederholt, daß sie sicherlich nicht das geringste dagegen, wenn unsere Gegner den über Fragen zweiten Ranges zu verhandeln wünschten, aber nicht Kaiser anhochen, wenn sie unter sich sind; in feuchtfröhlicher über die Frage, ob der gegenwärtige Fürst die Herrschaft Stimmung geht das sogar am besten. Mögen sie sich die behalten solle oder nicht. Sie fügten hinzu, daß sie zwar Durazzo Kehlen heiser schreien, unseren Segen haben sie; aber uns aus Rücksicht auf die vielen dort anwesenden Fremden nicht an sollen sie mit ihrer widerlichen Anhocherei und ihrer heuchlerigreifen, aber auch die Waffen nicht niederlegen würden, schen Entrüstung zufrieden lassen. bis sie ihre Absichten durchgesetzt hätten. Außerdem forderten die Aufständischen eine Zusammensetzung der internationalen Regierung derart, daß ihr auch Albanesen als Mitglieder angehörten. Keine Aenderung. Diesen Montag beginnt vor dem Landgericht II in Berlin der Prozeß gegen die Genoffin Luxemburg. Seit der Zaberner Affäre ist man nervös geworden im Kriegsministerium. Die mächtige deutsche Armee, deren journalistische Verteidiger sie lieber heute als morgen im Kriege gegen zwei Fronten sehen möchten, kann nun einmal die Kritik nicht vertragen. Und Herr v. Falkenhayn hat offen bar, wie weiland der eiserne Kanzler sagte, die gerichtliche Verfolgung der Kritiker gleich engros herstellen lassen. Das Kesseltreiben gegen die Genossin Luxemburg ist von besonderem Interesse, weil diese Prozesse sich so schön ergänzen. In Frankfurt a. M. sprach unsere Genossin gegen, den Krieg, und der Herr Staatsanwalt fand, daß sie damit an dem Lebensnerv des heutigen Staates rüttelte. Prompt Schulpflichtige Kinder als Zettelverteiler. wurde sie ob solcher Missetat zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt, wobei Gestern hatte der Lokalanzeiger" eine Ertraausgabe freilich das Gericht die Paragraphen so hübsch durcheinander brachte, veranstaltet über das Attentat auf den Erzherzog Ferdinand daß das Reichsgericht kaum wird umhin können, den Urteilsspruch Durazzo, 27. Juni. In der Lage ist keine Aenderung und seine Gemahlin, die er an dem schönen Sonntagnacheingetreten. Die Nacht und der Vormittag verliefen ohne Zwischen- mittag an verschiedenen Stellen der Stadt verteilen ließ. Jetzt handelt es sich um Soldatenmißhandlungen: Genojjin fall. In der Gegend des Dorfes Juba, nordöstlich von Durazzo, Wir sahen unter den Verteilern zahlreiche schulpflichtige KinLuremburg hatte in Freiburg in einer Rede erklärt, diese Mig- stiegen starte Rauchwolten empor. Man vermutet, daß das der, die sich als Ertrablattverteiler betätigten. Beim Lokalhandlungen seien alltägliche Erscheinungen. Zum allgemeinen Er- Dorf in Flammen steht. Prenk Bib Doda ist in stetem anzeiger" ist das kein Wunder, werden doch auch beim Zeistaunen wird darob wegen Beleidigung der Offiziere und Unter- Borrüden begriffen und steht mit Achmed Beh Mati, welcher tungsaustragen schulpflichtige Kinder beschäftigt. Die sind offiziere Anklage erhoben. Gewöhnliche Sterbliche find baß erstaunt sich in Kruja befindet, in Verbindung, um einen gemeinsamen auch billiger als Erwachsene. Und das ist doch die Hauptsache! umzustoßen. ob dieser Anklage, denn wer nicht Augen und Ohren mit Gewalt zumacht, der weiß ja, daß die Kriegsgerichte gerade jetzt mit Volldampf arbeiten und mit all den Fällen von Soldatenschindereien gar nicht Vorstoß zu vereinbaren. fertig werden können. Der Herr Kriegsminister erklärte erst im Mai Ein Frauenmord im Falkenhagener Forst? d. J. im Reichstage, daß er mit allen Mitteln an der Ausrottung der systematischen Mißhandlungen" arbeite. Seit Jahren hören wir die Versicherung, daß gegen die Mißhandlungen gewirkt wird. Wenn trotzdem der Kriegsminister, dem doch eine gewaltige Macht zusteht, ihrer nicht Herr werden kann, so ist damit eben gesagt, daß sie ein dem System des Militarismus notwendig anhaftender Krebsschaden sind, daß sie nicht auszurotten sind, solange das System besteht. Wer das nicht zugibt, würde die absolute Unfähigkeit der Militärbehörden konstatieren, denn an dem guten Willen, die Mizhandlungen zu beseitigen, darf man nach all den feierlichen Versicherungen nicht zweifeln. Aber das tut nichts: Wer über Mißhandlungen schreibt oder spricht, wird vor den Kadi gezerrt, denn der„ Lebensnerv" ist halt überempfindlich, wie der bloßgelegte Nerv in einem hohlen Zahn. Es kennzeichnet die politischen Zustände im neuen Deutschland, daß gegen die Greuel der Soldatenschinderei die Sozialdemo= tratie ganz allein den Kampf führen muß. Die bürgerlichen Parteien haben das längst aufgegeben. Seit Wochen vergeht, wie gesagt, fein Tag, an dem nicht ein Kriegsgericht die Schuldigen wegen Mißhandlungen verurteilt, aber auch in der freisinnigen Presse wird man bergebens auch nur die Registrierung dieser Fälle suchen. Mit christlicher Liebe wird über diese Schandtaten geschwiegen. Die Sozialdemokratie allein legt den Finger in die Wunde. Sie muß dabei zugleich eines der wichtigsten bürgerlichen Rechte, das Recht der öffentlichen Kritik, verteidigen, das man zu vernichten sucht. Zu den unvergänglichsten Verdiensten Bebels gehört es, daß er systematisch im Reichstag diese Greuel brandmarkte. Die Tribüne des Parlaments war die Arena, auf der sich unsere Genossen mit dem Militarismus auseinandersetzten. Jezt hat der Kriegsminister dafür gesorgt, daß auch der Gerichtssaal die Stätte wird, wo dieser Kampf geführt werden kann. Ein Massenaufgebot von Zeugen hat sich der Verteidigung, welche von den Rechtsanwälten Dr. Kurt Rosenfeld- Berlin und Levy Frankfurt geführt wird, zur Verfügung gestellt, um über die Zustände in der Armee nach dieser Richtung hin genaue Aussagen 31 machen. Die Opfer des Systems melden sich zu Worte; sie selbst werden dem Kriegsminister und allen Verfechtern des Militarismus die Wahrheit sagen. Das Gericht hat allerdings die Ladung aller Zeugen abgelehnt, ebenso den Antrag auf Einforderung von Urteilen der Kriegsgerichte aus den letzten sechs Jahren, in welchen Tausende bon Mißhandlungsfällen festgestellt sind. Infolgedessen hat die Verteidigung selbst die Zeugen geladen, und zwar vorläufig 106. Weitere Hunderte stehen zur Verfügung. Wie immer der Prozeß ausgehen mag, die Sozialdemokratie wird im Dienste der Menschheit den Kampf gegen Krieg und Militarismus samt all seinen Greueln weiterführen. Gerade dieser Prozeß wird zum Signal werden für einen noch zehnfach schärfer geführten Kampf mit der Losung: Nieder mit dem Militarismus! 1000 Mart Belohnung. Ueber die Auffindung einer Frauenleiche im Falfenhagener Forst haben wir kurz berichtet. Wir teilten daran anschließend zugleich mit, daß diese zu Mordgerüchten Veranlassung gab. Die weiteren Ermittelungen der Kriminalpolizei sowie das Ergebnis der inzwischen stattgefundenen Obduktion haben nun ergeben, daß man es hier tatsächlich mit einem schweren Verbrechen zu tun hat. gestern im Laufe des Tages gelang es, die Persönlichkeit der zunächst unbekannten Toten festzustellen und noch am späten Nachmittag wurde an den Anschlagsäulen folgende öffentliche Bekanntmachung angeschlagen: 1000 Mark Belohnung. Am 25. Juni gegen 8% Uhr ist im Jagen 50 der Königlichen Falfenhagener Forst, Schußbezirk Finfenfrug, die Leiche der unverehelichten Schneiderin Frieda Kliem, 1. März 1375 zu Pankow geboren, Franzstraße 5, 4 Treppen wohnhaft gewesen, auf dem Bauche liegend mit weit nach vorn gestreckten Händen aufgefunden worden. Die Leiche lag verstedt hinter einer dicken Eiche, mit dem linken Fuß im Eichengestrüpp, 8 Meter vom vielbegangenen Gestellweg entfernt. Beschreibung: 1,50 Meter groß, blaues Kostüm mit weißem Epißenfragen, weiße Strepebluse, hohe schwarze Schnürstiefel. Neben der Leiche Tag der schwarze, mit schwarzem Samtband und Rosenstrauß geschmüdte Strohhut, herrührend von der Firma Modehaus Wilhelm Meßner, NO.. Große Frankfurter Straße. In der rechten Kniekehle befand sich ein grüner Sonnenschirm mit schwarzem Blechknopf. Die Verstorbene hatte am Ringfinger der rechten Hand zwei goldene ungezeichnete nur mit dem Stempel 33 versehene Trauringe, an der linken Hand einen unechten Ring mit blauem Stein und zwei Perlen. Die Lage der Leiche und der Befund der Obduktion, die die Zertrümmerung des Unterfiefers ergeben hat, macht es zur Wahrscheinlichkeit, daß die Verstorbene das Opfer eines Verbrechens und vom Tatort zu dem vom Wege aus ziemlich verstedt liegenden Fundort geschleppt worden ist.. Die Tat ist etwa am 17. oder 18. Juni d. J. geschehen. Alle Personen, die zur Aufklärung des an der Aufgefundenen begangenen Verbrechens und zur Ermittelung des Täters nähere Angaben machen können, werden gebeten, sich an die Königliche Staatsanwaltschaft III in Berlin zu B. 8. J. 916. 14 oder an den Königl. Kriminalfommissar Kaufmann, Zimmer 391 des Königl. Polizei- Präsidiums Berlin, zu wenden. Der Königl. Regierungspräsident in Potsdam hat auf die Ermittelung des Täters die Belohnung von 1000 Mt. ausgesetzt. Aus Groß- Berlin. Zum Ehrungszwang. Mit dem Fahrrad acht Meter tief abgestürzt. Auf eine entsetzliche Weise hat in der Nacht zum Sonntag der 35 Jahre alte Schlosser Friedrich Schmidt aus der Humboldtstr. 9, in Grunewald seinen Tod gefunden. Er stürzte auf seinem Zivei= rad vor den Augen seiner Frau in den Bauschacht der Nord- Südbahn an der Ecke der Chaussee- und Invalidenstraße, brach sich dabei das Genick und verstarb auf der Stelle. Schmidt war verheiratet und Vater von fünf noch schulpflichtigen Kindern. Er hatte in der Humboldtstraße die Pförtnerstelle, die jedoch von seiner Frau versehen wurde, während er am Wedding als Schlosser arbeitete. Sonnabendabend begab er sich von dort zu seiner Schwiegermutter, die in der Reinickendorfer Straße wohnt. Hier traf er seine Frau und suchte dann mit ihr später eine Schankwirtschaft in der Nähe auf, wo er bis kurz nach 2 Uhr blieb. Seine Frau bestieg jest einen Wagen der Straßenbahnlinie 34, um damit nach dem Bahnhof Friedrichstraße und von hier aus weiter nach ihrer Wohnung zu fahren. Ihr Mann schwang sich auf sein Fahrrad und folgte der Bahn. Um den Wagen nicht aus den Augen zu verlieren, folgte er diesem auch, als er die für Fuhrmerke und Radfahrer gesperrte Chausseestraße entlang fuhr. Vor dem Hause Nr. 110 fuhr die Straßenbahn langsamer und jetzt wollte Schmidt, vielleicht weil er nicht mehr schnell genug stoppen konnte, vorfahren. Der Schacht ist hier jedoch nur zwischen den Schienen und ungefähr ½ Meter neben diesen mit Bohlen bedeckt. Schmidt fuhr nun über diese hinweg und stürzte kopfüber in die Tiefe. Straßenpassanten, die den schrecklichen Vorfall sahen, bargen den Verunglückten, doch fonnte ein hinzugerufener Arzt nur noch seinen Tod feststellen. Die Familie steht jetzt, ihre Ernährers beraubt, völlig mittellos da. Ihre augenblickliche Lage ist um so schlimmer, als dem Verunglückten von einem„ Samariter" bei der Bergung der Zeiche auch noch der Wochenlohn in Höhe von 30 M. gestohlen worden ist. Von der Straßenbahn überfahren und getötet. Am Sonnabendabend hatte der Arbeiter Marquardt in Ser Siemensstadt die Straßenbahn benutzt und wollte nach dem Absteigen die Bahngleise kreuzen. Dabei übersah er das Herannahen eines Straßenbahnwagens der Linie Spandau- NonnendanimFürstenbrunn. Er wurde von dem Wagen erfaßt, zu Boden. geschleudert und schaver verletzt. In hoffnungslosem Zustande brachte man den Verunglückten nach dem Krankenhaus Westend, wo cr bald nach der Einlieferung verstarb. Beim Baden ertrunken. Im Freibad Scharfenberg bei Tegelort fand gestern nachmittag gegen 4 Uhr der 15jährige Emil Tiese aus Tegel, Tresfomstr. 14, den Tod. Der junge Mann war eine Strecke geschwommen und ging dann plötzlich vor den Augen der anderen Badegäste unter. Sofort von Samaritern angestellte Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Ein herbeigeholter Arzt konnte nur noch den bereits eingetretenen Tod feststellen. Wahrscheinlich ist der Ertrunkene einem Herzschlag erlegen. Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis DienstagWir werden über die Verhandlungen ausführlich berichten. Seit Wochen machen unsere bürgerlichen Gegner in Ent. rüstung über das Sißenbleiben der Sozialdemokraten im Kleine Nachrichten. Aus dem Landwehrkanal gelandet wurde .Recht so!" sagte der Generalftäbler lachend. Ich glaubte vor Reichstag beim Kaiserhoch. Unsere Gegner sind nicht damit hin, Du sympathifierst schon mit der Schwefelbande. Für den Sohn zufrieden, daß sie selber bei jeder Gelegenheit Hurra! schreien, gestern vormittag die Leiche eines Mannes, der als ein 31 Jahre alter einer Offizierfamilie, die seit fünf Generationen im Dienste von wenn sie eine prinzliche Kutsche sehen, sie wollen unter allen Musiklehrer Karl Frant aus der. Frobenstraße festgestellt wurde. S. M. steht, wäre das immerhin eine respektable Richtung. Aber ich Umständen auch andere Leute zwingen, in Ehrfurcht aller- Hunger und lange Entbehrung haben den Mann, der verheiratet weiß, daß Du keine Anlagen hast, ein Gädke zu werden. Behalten untertänigst zu ersterben, wenn sie das für notwendig halten. war, in den Tod getrieben. Frant stammte von begüterten Eltern, die aber von ihm nichts mehr wissen wollten, weil er gegen den Es wird jetzt so hingestellt, als wäre es etwas ganz Funkel- Willen der Mutter ein armes Mädchen geheiratet hatte. Auf der wir also die Denkschrift im Auge." " Ja, gerade die Denkschrift veranlaßt mich, etwas tiefer in die nagelneues, was sich da im Reichstage ereignet hat, das furcht Straße vom Tode überrascht wurde gestern vormittag um 10 1hr rote Gedankenwelt und Phraseologie einzubringen, wenn einem bar gerochen werden müßte. In Wirklichkeit ist das Gegenteil ein unbekannter Mann von etwa 30 Jahren, der seinem Aeußeren nach dem Arbeiterstande angehört zu haben scheint. Der Mann beim Lesen der Hekblätter und Schriften auch oft die Galle über- der Fall. Unser Berliner Kommunalfreisinn läßt sich bekanntlich in wurde vor dem Hause Turmstraße 63 plötzlich von einem Blutsturz läuft. Es ist dabei rein als ob man in eine andere Welt hineinsähe. Was die Kerls übrigens ihren Lesern für Darstellungen seiner Ehrfurcht vor dem Kaiserhause so leicht nicht über- befallen und verstarb an seinen Folgen. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Der Unbekannte ist 1,70 Meter groß, über uns vorſetzen, ist geradezu zum Heulen. Die Offiziere sind nach treffen, das beweisen schon die alljährlich dem Kaiser zu seinem hat graumeliertes Haar, einen blonden Schnurrbart und blaue diesen Zeitungsfrißen entweder Trottel oder Fakten oder Leute- Geburtstag zugehenden Gratulationsadressen der allerunter- Augen und trug eine Joppe, dunkle Weste und Hose, braune Stoffschinder, oder wir werden mit dem Maßstabe des noch nicht stuben- tänigst erſterbenden Stadtverordneten der Haupt- und Re- schuhe und eine blaue Dedelmüße. sidenzstadt Berlin. Unser Kommunalfreisinn fann es sich trot reinen jungen Dachses Forstner gemessen." Um so besser," warf Roehler ein.„ Wenn die Bande dann ein- seinem angeblich angeborenen Männerstolz vor Königs mal ein Tänzlein wagen will, werden sie zu ihrer Ueberraschung thronen auch nicht verkneifen, alljährlich zu Beginn des mittag: Etwas fühler, zunächst ziemlich trübe und besonders östlich um so schneller merken, daß die meisten von uns ihr Geschäft noch Jahres die Stadtverordnetenversammlung mit einem Hoch auf der Oder an vielen Orten leichte Regenfälle; strichweise Gewitter; sehr gut verstehen. Um aber wieder auf besagte Denkschrift zu den vielgeliebten Kaiser zu beginnen. Die Sozialdemokraten später im Westen beginnende neue Aufheiterung. rüdzukommen. Grundgedanke derselben muß bleiben, was schon sind bei diesem Kaiser hoch stets sitengeblieben, heute Grundgedanke unserer Aufruhrmobilisation ist. Der alte wenn sie sich schon im Saale befanden. Bekanntlich finden alle zwei Jahre Ergänzungswahlen Wellington hat es seinerzeit dem alten Wilhelm beigebracht, als Zu Beginn des der als Monsieur Lehmann vor der achtundvierziger Kanaille nach zur Stadtverordnetenversammlung statt. England austniff: die Truppe so Jahres werden die neu- bzw. wiedergewählten Stadtverordna sagen wir entre nous lange als möglich in der Kaserne konfigniert und so lange als mög- neten in ihr Amt eingeführt und verpflichtet. Bei diesem Aft lich von der Berührung mit der auffässigen Krapüle fernhalten. Sie sind die übrigen Stadtverordneten im Saale. Nach der Verdurch fortwährende Appells und Probealarmierungen in Rage brin- pflichtung begeben sich die Stadtväter auf ihre Pläße und nach gen, daß auch die, die vor der Dienstzeit rötlich angelaufen waren, Vollzug der Vorsteherwahlen bringt der Vorsteher das Hoch auf in helle Wut gegen die Radaufritzen draußen geraten. Und dann, den Kaiser aus. In diesem Falle besteht bei der sozialdemowenn es nottut, raus aus dem Loche wie das Donnerwetter, Ma- kratischen Fraktion seit mehr denn zwei Jahr schinengewehre und noch einmal Maschinengewehre in die Straßen! zehnten der Brauch, im Saale zu bleiben und Und im Nu sind Barrikaden und Revoluzzer weggespritzt wie der sien zu bleiben. Asphaltstaub vom Sprengwagen." So einfach liegen die Dinge denn doch nicht mehr," entgegnete Better nachdenklich.„ Die drüben im roten Lager sind auch so schlau, daß sie die achtundvierziger Methoden nicht mehr einfach Kopieren. Es gibt da noch eine ganze Menge Probleme zu erörtern.. Der Generalitäbler hatte nach der Uhr gesehen. Donnerwetter, schon so spät.- Sprechen die Sache später noch gründSo eine Dentschrift wäre eine famose Empfehlung für das Avancement. Aber ich habe eine Verabredung für den Regimentsabend der 20. Grenadiere im Landwehrkasino. Kommst Du mit?" 2 Ernst. Letzte Nachrichten. Der Sicherheitsdienst in Serajewo. Wien, 28. Juni. Ueber den Sicherheitsdienst in Serajewo wird von privater Seite gemeldet: Aus Anlaß des Aufenthalts des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin wurden schon seit acht Tagen die Polizeimaßnahmen sehr streng gehandhabt. Jeder nur halbwegs Verdächtige und jeder, der von auswärts fam, mußte sich durch besondere Legitimationspapiere ausweisen. Vorgestern wurden 37 verdächtige Personen in Haft gesetzt. Die Vorkehrungen der Behörden gingen so weit, daß hinter dem Militärspalier keine Ansammlungen des Publikums geduldet wurden; ebenso war es streng verboten, daj die Fenster besetzt wurden. Sogar jeder Blumenschmuck an den Fenstern und auf den Balkonen mußte entfernt werden. Im anderen Jahre, wenn Einführungen nicht erfolgen, betreten die sozialdemokratischen Stadtverordneten den Saal nach Erledigung der Hocherei. Wer diese lang geübte Praris kennt, wundert sich eigentlich über das Geschrei, das jetzt über Ueber 1000 Gendarmen waren aus dem Innern des Landes unsere Genossen im Reichstage erhoben wird. Ob Kaiserhoch hier, ob Kaiserhoch dort: die Sache bleibt dieselbe, höchstens in die Stadt zusammengezogen worden, um den Sicherheitsdienst mit dem Unterschied, daß den sozialdemokratischen Reichstags zu verstärken. Wie ferner verlautet, sollen dem Erzherzog schon abgeordneten die Immunität für sich haben, die Stadtverord- vor Beginn der großen Manöver zahlreiche Warnungen neten aber nicht. zugegangen sein. Der Erzherzog soll, als ihm die Gefahr einer Der Hinweis zeigt aber, welch unglaublicher Heuchelei die Teilnahme an den Manövern vor Augen geführt wurde, erklärt bürgerliche Presse fähig ist. Denn das Sißenbleiben der haben, er sei entschlossen, unterallen Umständen an den Manövern sozialdemokratischen Stadtverordneten beim Kaiserhoch im teilzunehmen und vor Drohungen nicht zurückweichen. Theater. Montag, den 29. Juni 1914. Anfang 4%, Uhr. Voigt: Theater. Das Mitternachtsmädchen. Aniang 5 Uhr. Paffage- Theater. Kino- Varieté. Potsdamer Naturtheater. Potsdam. Anfang 7 Uhr. Westen. Siegfried. Anfang 755 Uhr. AltMetropol. Die Reise um die Welt in 40 Tagen. Anfang 8 Uhr. Urania. In den Dolomiten. Deutsches Opernhaus. Der Waffenschmied. Deutsches Künstler Theater. Jeppe vom Berge. Leffing. Das Märchen vom Wolf. Theater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. Schiller O. Mein erlauchter Ahnherr. Geffentliche politische Versammlungen. Die schönsten Punkte des Spreewalds werden auf der am Sonntag, den 12. Juli, stattfindenden Spreewaldfahrt des Arbeiter- Wandervereins Berlin besucht. Keine Fußwanderung. Mehrstündige Kahnfahrt durch den prächtigen Erlenwald. Teilnehmerkarten a 5,75 M. für Bahnfahrt III. Klasse und Kahnfahrt find in unseren Zahlstellen F. Wählisch, Staliger Str. 22( Amt Morigplatz 12 542) und G. Weihnacht, 21 Zentrum 1787) zu haben. 1/9 Oeffentl. Volksversammlung Verlangen Sie unser ausführliches Program? im Dienstag, den 30. Juni 1914, abends pünktlich 8 Uhr, Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24. Tagesordnung: Aus russischen Kerkern. Ein Hilferuf! Die Leiden der politischen Gefangenen Rußlands. Vortrag des Schriftstellers Ernst Reuter mit erläuternden Lichtbildern. Schiller Charlottenburg. Klein Zu der Versammlung werden Eintrittskarten zum Preise von 20 Pf. verausgabt, Eva. Berliner. Wie einst im Mai. Königgräßer Straße. Mr. Bu. Thalia. Wenn der Frühling fommt. Moje. Der Silberkönig. Montis Operetten. Als ich noch im Flügellleide. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Palaft- Theater. Barieté und Lichtspiele. Berliner Prater- Theater. Grigri. Anfang 8, Uhr. Kleines. Der Kleds. Theater am Nollendorfplatz. Der Jurbaron. die in nachfolgenden Ausgabestellen zu haben sind: Bigarrengeschäft Schröder, Hagelberger Straße 54/55. Bigarrengeschäft Horsch Engelufer 15. Bigarrengeschäft Baumann, Rungestraße 30. Bureau des 4. Wahlkreises, Stralauer Platz 10/11. Von 9-1 und 5-7 Uhr. Vorwärts"-Spedition, Petersburger Plaz 4. Bigarrengeschäft Schneider, Hufelandstraße 30. Borwärts"-Spedition Mars, Greifenhagener Straße 22. Zigarrengeschäft Pinner, Trescowstraße 36. Restauration Dieseler, Brunnenstraße 150, im Hof. Restauration Friedrich, Gerichtstr. 19. Restauration von Paersch, Oldenburger Straße 10. Der Ueberschuß wird dem Deutschen Hilfsverein für die politiLuftspielhaus. Die spanische Fliege. fchen Gefangenen Rußlands zugewendet. Friedrich Wilhelmstädtisches. Die Scheidungsehe. Luisen. Wenn edle Herzen bluten. Walhalla. Die Schrecken der Fremdenlegion. Folies Caprice. Die Leibwäscherin. Die Amordragoner. Das Bett Napoleons. AH da staun' ich. Anfang 8%, Ubr. Neues Volts. Theater. Feldhammer. Maria Residenz. Die verflirte Liebe. Admiralspalaft. Im Tangoflub. Anfang 9 Uhr. Cines Nollendorf: Theater, Das Mirakel. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62 Wanderkarten hält stets vorrätig Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69( Laden) 199/ 20* Spezialarzt Dr. med. Karl Reinhardt. Der Einberufer: Eugen Ernst, Lindenstraße 2. f. Geschlechtskrankheiten, Harnleiden, Schwäche, Ehrlich- Hata- Kuren, Blutund Harn- Untersuchungen. Institute: Neanderstraße 12 nahe d. Köpenicker Straße. Sprechst. 5-7, Sonntags 10-11. Potsdamer Str. 117 a. d. Lützowstr., Sprechst./, 11-2. Für Frauen: 11-1 Uhr. u. 8-10 U. abds., Sonnt. 11-1. Vorzügl. Nachweislich vollkommenstes Heilverfahren. Dauererfolge, auch bei schwersten, veraltetsten Fällen. Keine Berufsstörung. Mäßige Preise. Teilzahlung gestattet. im eigenen Interesse 48 Seiten starke Man verlange Broschüre gratis und franko per Post i. verschloss. Kuvert, auch i. d. Instituten während d. Sprechst. gratis erhältl. Weitere Auskünfte i. d. Sprechstund. kostenlos. vor minderwert. Heilverfahren u. ungeheuerWarnung licher Preisforderung angeblicher Spezialärzte. ( ohne BerufsEhrlich- Hata- Kur Störung) nach neuester, erfolgreichster Methode.( Siehe Broschüre.) Mikroskop. und chem. Blut- und Harn- Untersuchung. Buchhandlung Vorwärts = Lindenstraße 69. Soeben erschien: Gegen den staatlichen Gebärzwang Reden des Reichstagsabgeordneten Genossen August Brey, d. Genossen Dr. Silberstein u. der Genossin Luise Zietz. Preis brosch. 15 Pf. M ,, O, meine Beine!" So hört man oft klagen. Aber warum ermüden Sie so schnell? Weil Sie keine Absätze Continental tragen! Lassen Sie sich raten und verlangen Sie vom Schuhmacher ausdrücklich die enorm haltbaren Absätze Continental Nike TAG Cigaretten In Freien Stunden Raucht Tag- Zigaretten der Tabakarbeitergenossenschaft Stuttgart Qualitätsware Einziges Arbeiterunternehmen der Zigarettenindustrie Deutschlands. Depot für Wiederverkäufer Paul Horsch, Engel- Ufer 15 Gewerkschaftshaus. Engroslager für Zigarren u. Zigaretten. ,, Gegen die Schundliteratur!" heißt die Parole der illustrierten Wochenschrift, In Freien Stun ben", bie es sich zur Aufgabe gefeht hat, der Arbeiterschaft gute, feffelnde und volkstümliche - Einbanddecken liefert auf Wunsch der Verlag und so wird den Abonnenten die Möglichkeit geboten, sich allmählich für billiges Geld eine Unterhaltungsbibliothek zuzulegen, in der die besten Romane der Weltliteratur vertreten sind. Der Hauptroman wird stets von Künstlerhand illustriert. Jedes Heft bringt die Fortsetzungen von mindestens zwei Romanen und bietet baneben fürzere Erzählungen und belehrenden Unterhaltungsstoff aus den verschiedenartigsten Wissensgebieten. Vielen Auffäßen werden erläuternde Abbildungen beigegeben. Kleinere Notizen der mannigfachsten Art schließen sich an, und fürs Lachen sorgt ständig Scherz und Satire." Zum letzten Heft eines jeden halben Jahres wird gratis ein künstlerisches Bild( Wandschmud) geliefert. In Freien Stunden" erscheint wöchentlich in einem Heft von 24 Seiten und foftet 10 Pfennig. Wir bitten die Parteigenossen und Genofsinnen, für die Verbreitung der Freien Stunden" und damit für die Eindämmung der Schundliteratur zu wirfen! Romane zu vermitteln. Die Wochenhefte tönnen pro Halbjahr in einem Bande vereinigt werden 1 Mit dem 1. Juli( Seft 27) beginnt als Hauptroman zu erscheinen: Roman von== Wilibald Alexis Die Hosen des Herrn von Bredow Tochinken! Tochinken hüte di! Kriegen wi di, so hangen wi di! hake di wid fangen wij Illuffriert von Mar Engert:: Wilibald Alexis, der märkische Scott", schildert in diesem höchst amüsanten Roman ben brandenburgischen Junter aus jener Zeit, da man dem Kurfürsten Joachim 1. das bekannte Wort an die Tür schrieb: Jochimfen! Jochimten, hüte Di! Kriegen wi Di, so hangen wi Di!". In starter Gestaltungskraft zeichnet der Autor hier eine ganze Reihe jener Urväter des heutigen Adels, die es als schwere Beeinträchtigung ihrer Rechte" empfanden, daß ihnen das Strauchritterhandwerk gelegt wurde. Höchst anschaulich führt er uns vor, wie ihre Urwüchsigkeit und Willfür sich erst schwer mit dem Hof befreunden fonnten, wie manchem das Partett im Kurfürstenschloß noch zu glatt war, um sicher darauf stehen zu fönnen. In einer der Hauptfiguren des Romans, dem Ritter Lindenberg, gibt er ein flassisches Beispiel für die Macht der alten Raubinstinkte, die selbst diesen gewandten Hofmann urplöhlich wieder überwältigen und ihm ben Hals fosten. Trotzdem die geschilderten Ereignisse Jahrhunderte hinter uns liegen, fommen und die Juntertypen merkwürdig bekannt vor. Dieselbe Art fikt noch heute im Preußischen Abgeordnetenhause und wehrt sich wie damals gegen gleiches Recht, gegen Wissen, Aufflärung und Fortschritt! Nur daß sie heute mit ihren Fürsten einiger find als dazumal, da die Junker zunächst vergeblich forderten, der Kurfürst folle sich nur auf sie stützen mit der selbstverständlichen Boraussetzung, daß er sie nach Belieben und Willkür schalten und walten laffe. Hat der Roman so seine ernste historische Bedeutung, so ist er doch, wie schon der Titel andeutet, großenteils auf einen sehr humoristischen Ton gestimmt. Die schidsalsschwangeren Hosen des eß und trintfrohen Herrn von Bredow, die sich von Generation zu Generation als föstliches Erbfeil vererben, spielen eine höchst bedeutungsbolle Rolle in dem Geschehen und setzen die Lachmustein des Lesers oft in heftige Bewegung. Der Verfasser verfügt über eine starte satirische Ader, und da fommen neben den Junfern und dem schlappen Bürgertum die Pfaffen aller Sorten ganz besonders schlecht weg. Alles in allem: die Abonnenten der Freien Stunden" werden diesen Roman mit Genuß lesen, und wer ihn schon fennt, hat hier Gelegenheit, sich auf billige Weise eine illustrierte Ausgabe zuzulegen. Neben dem Hauptroman beginnt in Heft 27: Novelle von Der Brautmarsch Björnstjerne Björnson Dies ist eine feine, stimmungsvolle Geschichte von der Liebe Freud' und Leid, in der immer wieder ein Brautmarsch antlingt, den Ole Haugen, ein armer Häusler und Spielmann, erdacht und oft gespielt hat. Die Novelle selbst ist faft wie ein Lied ein heiter- trauriges Lieb von der großen Naturfraft, die sich allen inneren und äußeren Hemmungen zum Troß mit elementarer Gewalt durchsetzt. Jede Woche erscheint ein 24 Seiten startes Beft, reich illustriert, zum Preise von 10 pf. Alle Abonnenten erhalten am Schluß des Jahres ein hübsches Kunstblatt vollständig kostenlos Der unten angefügte Bestellfchein möge recht eifrig zur Aufgabe von Bestellungen benutzt werden *** Der Unterzeichnete bestellt bei der Buchhandlung Borwärts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69: " In Freien Stunden" nebst einer Gratis Kunstbeilage zum Preise von 10 Pf. wöchentlich frei ins Haus Name: Ort u. Wohnung: Dieser Bestellschein tann auch dem Zeitungsbolen mitgegeben werden Hierzu 1 Beilage Berantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neutölln, Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin, Drud u. Verlag: Borwärts Baul Singer& C Berlin SW 10 5 P n. t Nr. 174 31. Jahrgang. Beseler Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Der Sündenbock. Montag, 29. Juni 1914. Justiz Ministerium Zeitun www Die große Sammlung". Wenn nichts mehr zu verfangen, scheint Trotz allem Drohn und Wettern, Womit man sonst den innern Feind" Versucht hat zu zerschmettern " Dann legt der Bürger aus der Hand Die Bruderzwifttrompete Und bläft zum„ Sammeln" durch das Land Auf sanfter Hirtenflöte, Es ziehen durch den ganzen Gau Die faulften Sammelköppe Und schütteln klimpernd mit Radau Die großen Sammeltöppe. Der Junker und der Pfaff, die zwei, Sie machen mit' nem Rüßchen Dem Liberalen ei ei ei Der ziert sich noch ein bißchen! Wie es dem armen Beseler ergehen soll! Der Fuhrmann schmalzt, der Zedlig schmalzt, Erzberger trommelt Rammlung Und auf dem linken Flügel balzt Herr Eickhoff für die„ Sammlung". Doch fürcht' ich, wenn zum Herbst die Welt Betielt die Sammeltöppe, Entdeckt man in dem baren Geld Diverse Hosenknöppe! Knax. Vom Spargel und anderen Dingen. Der Spargel ist eine Frucht, die besonders wegen ihres schmackhaften Stopfes beliebt ist. Es gibt Spargel mit Röpfen und ohne. Im letteren Falle sind sie enthauptet worden, und es ist eine Art Klassenteilung eingetreten: die Stangen find proletarischer Natur und gut genug zur Suppe, wohingegen die Köpfe in aristokratischer Butter oder holländischer Sauce genossen werden. Wie aber werden Spargel genossen? Wer bürgerliche Beitungen liest, erfährt alljährlich zur Spargelzeit aus tiefgründigen Feuilletons, daß es sich bier um eine Wissenschaft handelt, um ein Problem, an dem fozusagen das Schicksal der Nation hängt, weshalb diese Frage auch nicht unterm Strich behandelt werden sollte. Sie ist schwer genug für einen Leitartikel. Seitdem ich ein paar dieser Abhandlungen gelesen babe, I den politischen und wirtschaftlichen Dingen die Richtung nach find meine Nächte schlaflos, und am Tage verstede ich mein rückwärts zu weisen. Antlitz vor den Kulturmenschen, und wenn mal Spargel auf meinen Tisch kommt, breche ich in Tränen aus. Darin werden sie begreiflicherweise von allen bedruckten Papieren unterstüßt, welchen die Rückseite der Menschheit am besten zusagt. Denn, hört meinen Notschrei: Wie ist man Spargel?! Soll ich die Köpfe abbeißen und die Stangen über die Wer beispielsweise einem Fürsten die Neverenz verAchsel weg an die Wand schmeißen, wie jene hohe erotische weigert, sollte nach ihnen wie ein Suppenspargel behandelt, Persönlichkeit, die beim Prinzen von Wales zu Gast war und das heißt, um einen Kopf fürzer gemacht werden. auch nicht wußte-? Es heißt, der Prinz und die Hofleute Auch der politische Massenstreit ist ein Gemüse, in das häten es dem Gast nachgemacht, um ihn nicht in Verlegenheit iene Herren allzugern die Finger steckten. Sie fürchten mur zu setzen, und die Lakaien hinter den Stühlen seien furchtsam noch das Verbrennen, sind aber drauf und dran, eine Barazusammengefrochen, als das Spargelbombardement begann. graphensauce zu brauen, die das Gericht ungenießbar machen Wir glauben das, weil es uns die Fürsten menschlich soll. Sie sind bereit, jedes Gesez atavistisch zu revidieren. näherbringt, aber unsere Apanage gestattet uns solche Scherze nicht. Es kommt eben, wenn man die Dinge dieser Welt betrachtet, alles auf den Blick an. Ob er nach vorwärts oder nach rückwärts geht. Ob man in sich einen Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts oder einen Höhlenbewohner mit Chemisette sieht. Immerhin muß man sich doch bemühen, das edle Bei spiel der oberen und gebildeten Schichten richtig in sich auf zunehmen. Wenn schon bürgerliche Blätter so auf dem Rien sind und dieser Kulturfrage ihre ernsteste Aufmerksamkeit Dieser weiß beispielsweise nichts von einem Vereinsrecht, widmen, wollen wir uns auch nicht lumpen lassen. Weshalb und das Wahlrecht, die Streitfreiheit und dergleichen Sachen hiermit vorgeschlagen sei, die Frage auf einem Fortschritt- find ihm ein Scheuel und Greuel. Davon muß der Weg nach lichen Parteitag zu behandeln, sintemalen es um den Fort- hinten freigemacht werden. schritt der Menschheit geht. Es ist die große Aufgabe aller Rückwärtser, den wirk. Es ist mir noch nicht ganz klar, warum Messer und Gabel lichen Höhlenbewohnern der Festzeit ihren Platz am Tische mit Efel verworfen werden. Aber sie werden. Den Bahn- des Lebens zu verbauen und zu verekeln. stocher soll man anscheinend auch nicht gebrauchen. Demnach bekennt sich die Mehrzahl der besseren Leute offenbar den mittellosen Gesellschaftsschichten ausgeprägt. Die Sucht zu schwelgen ist bekanntlich besonders stark in Man ist zu dem anmutigen Brauch, alle fünf Finger oder doch einige nicht mehr mit Suppenspargel zufrieden, man will auch die in die holländische Sauce zu tunken, sich eine Stange herauszuangeln und sie schlürfend den Nachen hinabgleiten zu Köpfe. laffen. Gerade aus dem Lande des Spargels, aus Braunschweig, Diefer Rüdfall in die Gepflogenheiten der Kirgisen und wurde hier kürzlich ein klassisches Beispiel berichtet. Wüstenaraber, die sich bekanntlich ihre geschmorten Hammel- Da bat man aus einem großen Spargelader einen Hafen beine ebenfalls mit der Faust aus dem Topf langen, ist nur ein Reichen ein kleines von jenem Atavismus, der sich auf vielen Gebieten breit macht in der Absicht, uns langsam aber sicher in die Kindheitsperiode der Menschheit zurüd zuführen. für Luftschiffe gemacht. Troßdem wucherte der Spargel unbekümmert weiter. Der Luftschiffahrtsverein ließ es geschehen, aber das leckere Volk war sofort auf dem Plak, um bier gratis zu ernten. Eine geordnete Obrigkeit kann das nicht mit ansehen. Eine geordnete Obrigkeit hat die Pflicht, Schwelgereien Daß uns da die besseren Leute vorangehen, ist nur in der Ordnung. Die Befißenden und Gebildeten sind nun einmal zu verhindern; schon Rom ging daran zugrunde. die Originale, das gemeine Volk der Abklatsch. Die besseren Damen zum Beispiel ziehen immer weniger an und werden nur durch die Interessen und den Einfluß der Modehändler zunächst noch davon abgehalten, am Feigenblatt Genüge zu finden und sich die Reiher- und Gänsefedern, die sie auf dem Sut tragen, in's offene Saar zu stecken. Bis in die höchsten Regierungsfreise erstreckt sich die atavistische Tendenz, die wir beim modernen Spargelessen bemerken. Denn überall heißt die Parole: Zurück zu primitiven Zuständen! Weshalb sich die hohen Denkerstirnen der Scheinräte in tiefe Falten legen und über allerhand Möglichkeiten finnen, Darum mußten die proletarischen Feinschmecker zu Baaren getrieben werden. Polizei zu Fuß und Pferde, Kri minelle, Nachtwächter und Polizeihunde sorgten dafür, daß der gestochene Spargel von Pferdehufen in den Dreď getreten wurde, Zwar ist es richtig, daß der Spargel dem Besitzer des Feldes im Wege war. Er wollte ihn forthaben, sintemalen dies Gemüse sonst zu Büschen emporschießt und scharlachrote Beeren trägt. Es trifft zu, daß reiche Nahrungsmittel dem Verderben ausgefeßt waren, trozdem sie zahlreichen Familien auf Tage den Hunger vertreiben konnten. Aber das eben geht nicht an. Aus F. Engels Briefen an Joh. Ph. Becker. Lieber Alter! London, 1. April 1880. Hiermit zeige ich Dir an, daß ich bei der Post eine Postanweisung für Dich auf 4 Pfund, soll sein 100 Franken 80 Cents herausgenommen habe und Dir guten Empfang davon wünsche. Hoffentlich geht es mit Deiner und Deiner Frau Gesundheit besser, nachdem der bissige Winter glücklich vorüber ist. Hier geht's soso, Frau Marr ist noch immer nicht, wie sie sein sollte, und auch Marg fönnte besser sein, nach dem Winter hat er immer seine schlechteste Zeit, ein Krampfhusten hindert ihn am Schlafen. demokrat". " die für gefeßlos erklärt, die der Polizeiwillfür mit gebundenen Hän-| den und Füßen überliefert sind, für eine richtige Vertretung ansehen! Drittens die philisterhafte Kleinbürgerei des Sozialdemokrat", die sie billigen. In jedem Brief schreiben sie uns, wir sollen ja nur keinen Berichten glauben, als seien Spaltungen oder Meinungsverschiedenheiten unter der Partei ausgebrochen, aber jeder, der von Deutschland kommt, versichert, die Leute seien ganz irr gemacht durch dies Benehmen der Führer und keineswegs damit einverstanden. Das ist auch bei dem Charakter unserer Arbeiter, der sich so famos bewährt, nicht anders möglich. Die deutsche Bewegung hat das Eigne, daß alle Fehler der Führung stets durch die Massen wieder gut gemacht sind, und das wird wohl auch diesmal so sein. Nun, halt Dich tapfer und las mal von Dir hören, Borkheim ist noch ziemlich im alten hilflosen Zustand. Dein F. E. Ramsgate, 17. August 1880. Lieber Alier! Erst heute wird mir Deine Postto te hierher nachgeschickt, und ich habe sofort eine Postanweisung über zwei Pfund Sterling, also 50 Franken einige Centimes für Dich herausgenommen( und darin meine Londoner Adresse angegeben). Es versteht sich ganz von selbst, daß wir Dich nicht aus dem Hause werfen lassen, während wir uns hier im Seebad neue Gesundheit holen. Du brauchst wegen der paar Groschen gar kein solches Wesen zu machen, dergleichen versteht sich von selbst unter alten Kriegskameraden, die seit 40 Jahren unter derselben Fahne fechten und auf dieselben Signale hören. Wir sind alle hier, Marr, seine Frau, seine Töchter nebst Männern und Kindern, und der Aufenthalt thut namentlich Marr gut, ich hoffe, er wird wieder ganz frisch. Seine Frau ist leider seit längerer Zeit leidend, hält sich aber möglichst munter. Ich werde nächste Woche wieder nach London gehen, aber Marr soll so lange hierbleiben wie irgend möglich. Im übrigen geht's hier wieder her wie Anno 1850. Der Arbeiterverein spaltet sich in allerlei Parteien hie Most, hie Radkow und wir haben Mühe genug, uns nicht in dies Getriebe hineinzerren zu lassen. Lauter Stürme im Glase Wasser, die für die dabei Beteiligten einen teilweise recht guten Einfluß haben mögen, indem sie zu ihrer Fortbildung beitragen, aber für den Gang der Welt ist es ziemlich gleichgültig, ob hundert deutsche Arbeiter hier sich für diese oder jene Seite aussprechen. Wenn sie noch einen Einfluß auf die Engländer ausüben könnten aber davon ist ja gar keine Rede. Most in seinem konfusen Tatendrang fann keine Ruhe halten, aber auch schlechterdings nichts fertig bringen; die Leute in Deutschland wollen nun einmal nicht einsehen, daß jetzt der Moment zur Revolution gekommen, weil Most aus Deutschland hinausgemaßregelt ist. Die Freiheit" soll mit oller Gewalt das revolutionärste Blatt der Welt werden, aber das bringt man damit nicht fertig, daß man das bloße Wort Revolution in jeder Zeile wiederholt. Glücklicherweise ist es ziemlich Wurst, was in dem Blatt steht und was nicht. Dasselbe gilt von dem Züricher Organ, das heute Revolution predigt, morgen den Apropos ich soll Dir noch sagen, daß wegen der Briefe ein gewaltsamen Umsturz für das größte Unglück erklärt, einerseits großer Irrthum herrscht. Marr hat nie Briefe von Dir aufzuAngst hat, von Mosts großen Worten überholt zu werden, anderer- heben gehabt, wohl aber Borkheim sollte welche von Dir haben und seits fürchtet, die Arbeiter möchten seine eigenen großen Worte Du hast Mary, noch als Frau Marr bei Dir in Genf war, durch ernst nehmen. Nun wähle einer zwischen der hohlen Schreierei sie auffordern laffen, sie sich von Borfheim geben zu lassen. Nun der Freiheit" und der beschränkten Philisterhaftigkeit des„ Sozial- aber behauptet Borkheim, nie welche von Dir erhalten zu haben; so; Ich fürchte, unsere Freunde in Deutschland täuschen sich über wie die Sache also eigentlich liegt, ist uns hier unverständlich. Also hoffe ich, daß Du jezt wenigstens momentan aus dem die Art der Organisation, die unter den jezigen Umständen aufärgsten Bech bist und einige Ruhe erhältst. Besten Gruß von uns recht zu halten ist. Daß die größten Parlamentsmitglieder sich allen und besonders von Deinem F. Engels. on die Spitze stellen, weil sonst keine Leitung da ist, dagegen habe ich nichts. Aber den strammen Gehorsam, den die alte für diesen Zweck gewählte Parteileitung fordern konnte, fönnen sic nicht fordern und auch nicht durchsetzen. Am wenigsten unter den jezigen Umständen, ohne Preſſe, ohne Massenzusammenkünfte. Je loser die Organisation jetzt dem Anschein nach ist, desto fester ist sie in Wirklichkeit. Statt dessen soll das alte System beibehalten werden, die Parteileitung entscheidet endgültig, obwohl kein Kongreß da ist, sie zu korrigieren( oder nötigenfalls sie abzusetzen) und wer einen von ihnen angreift, der ist ein Keber. Dabei wissen die Besten selbst, daß unter ihnen auch allerhand unfähige und auch sonst nicht ganz foschere Leute sind, und sie müssen doch sehr beschränkt sein, wenn sie nicht einsehen, daß in ihrem Organ nicht sie das Kommando führen, sondern Höchberg vermöge seines Geldsacks und neben ihm seine Mitphilister Schramm und Bernstein. Meiner Ansicht nach ist die alte Partei samt ihrer früheren Organisation am End. Wenn die europäische Bewegung, wie zu erwarten, bald wieder in Gang tommt, dann tritt die große Masse des deutschen Proletariats in sie ein, dann sind die 500 000 Mann von Anno 1878 der gebildete, geschulte Kern dieser Masse, dann wird aber auch die alte aus Lassalleschen Traditionen überkommene stramme Organisation" ein Hemmschuh, der zivar einen Wagen aufhalten fonnte, aber den man keiner Lawine anlegen kann. Dabei machen die Leute lauter Sachen, die ganz geeignet sind, die Partei zu sprengen. Erstens soll die Partei die alten Agitatoren und Redakteure fortdauernd unterhalten, indem sie eine ganze Menge Zeitungen aufgehalft bekommt, in denen gar nichts steht, als was in jedem bürgerlichen Käseblatt zu lesen. Und das sollen die Arbeiter auf die Dauer so mitmachen! Zweitens treten sie im Reichstag und im sächsischen Landtag meist so zahm auf, daß sie sich und die Partei vor der ganzen Welt blamieren, machen der beftchenden Regierung„ positive" Vorschläge, wie sie es besser machen tann in kleinen Detailfragen usw. Und das sollen die Arbeiter, Man hat Kaffee- und Kornlager in Brand gesteckt und Reisladungen in's Meer versenkt troß allen Hungers. Der Hunger muß der Welt erhalten bleiben! Er ist die zähmende Peitsche für alle, die den Weg nach rüdwärts nicht mitmachen wollen. Die Welt aber will rückwärts! Wenigstens die, die sie regieren. Also darf das Volf auch keinen Spargel essen. Was für Gedanken können einem Hungrigen aufsteigen, wenn er womöglich mit Gabel und Messer hantiert und Köpfe abfäbelt?! Denn das ist es ja eben: die Hungrigen verstehen ihn nicht zu essen. Die Hungrigen haben überhaupt so sonderbare Anfchauungen und Gebräuche. Ein knurrender Magen ist ein ganz verdanmmtes Ding. Er hat seine eigene Logif. Deshalb wäre es auch nicht verwunderlich, wenn der zertretene Braunschweiger Spargel tros seiner Vernichtung rote Beeren treibt. Bei Wahlen und dergleichen. Zwei Missetäter. Bon Arkadi Awertschento. Pan. Den schlafenden Bezirkskommissar Buchwostow weďte der Gendarm mit der Mitteilung, die Bauern hätten soeben zwei Gefangene zum Verhör eingeliefert: Saweli Sechshütter und einen Unbekannten, der sich standhaft weigerte, seinen Namen zu nennen. Der mitgesandte Bericht des Gemeindeamtes besagte: die zwei Uebeltäter hätten sich der Verletzung der Bestimmungen des Strafgesetzbuchs über die Sicherheit des Leibes und des Lebens, schuldig gemacht". Lieber Alter! London, 12. Oftober 1880. Von Liebknecht höre ich, daß es Dir noch immer an Moneten mangelt, sie aber augenblicklich Dir nicht helfen können. Da trifft es sich gut, daß ich gerade eben eine fünf Pfund Note für Dich zurückzulegen im Stande war, die ich mich beeilt habe, Dir in eine Bostanweisung für Frs. 126,- zu verwandeln und wovon ich guten und baldigen Empfang wünsche, sowie auch, daß es Dir über die ersten Schwierigkeiten soweit weghelfe, bis die Leipziger etwas für Dich thun können. Es ist ihre verfluchte Schuldigkeit, Du bist doch wahrhaftig ebensosehr ein Opfer des Ausnahmegesetzes wie die brotlos gewordenen Agitatoren in Deutschland. Liebknecht war hier und hat versprochen, daß die Haltung des Züricher Blattes eine andere und der früheren Haltung der Partei entsprechende werden soll. Wenn das geschieht, so ist das Alles, was wir verlangen. Lebwohl und halt Dich tapfer Lieber Alter! Dein alter F. Engels. London, 24. Dezember 1880. In aller Gile die Anzeige, daß ich soeben eine Bostanweisung für Dich, fünf Pfund Sterling gleich Frs. 126,-, herausgenommen habe, die Du hoffentlich erhalten. Als Liebknecht hier war, machte ich ihm den Marsch, daß man Dich bei Vertheilung des Unterstüßungsfonds so gar nicht berüdsichtigte, Du seist ebenso gut und noch mehr ein Opfer des Socialistengesezes wie die vielen Berliner, darunter notorische Lumpen. Jetzt schreibt er mir: Für Becker wird gesorgt. Sich also zu, daß es geschieht und wenn nicht, und falls Du Dich genirst zu treten, schreib mir zwei Zeilen, ich besorgs für Dich. Besser Glück zum neuen Jahr Dein alter F. Engels. Was den zweiten Verbrecher betraf, so hatte man ihn in den Gemüsefeldern erwischt, wobei er sich nicht auszuweisen vermochte; eine Leibesvifitation förderte eine Bombe, einen Stoß Flugblätter und einen falschen roten Badenbart zutage. Buchwostow las den Bericht zu Ende, tat einen Pfiff durch die Zähne, traute sich das Kinn und murmelte: „ So ein Lumpenpad...' " Und es war in diesem Augenblick völlig unmöglich, aus seinem Mienenspiel zu schließen, wem die Bezeichnung„ Lumpenpack" zufam: den Bauern, die ihn aus dem Schlaf gestört hatten, oder Sechshütter, der dem Pächterssohn das Ohr abgerissen, oder dem unbekannten, der in den Gemüſefeldern sein geheimnisvolles Wesen Der Kommissar Buchwostow öffnete die Tür und rief hinaus: " Der Reihe nach vorführen!" trieb.. Ins Zimmer trat ein hochgewachsener, schwarzhaariger Mensch in kurzem Schafspelz, mit fleinen geschlitten Kalmüdenaugen. Er trat bis vor den Tisch, machte Halt und heftete den Blick beharrlich auf seine linte, flaffende Stiefelspite. Der Kommissar ging entschlossen auf ihn zu, warf seinen Kopf mit einem energischen Rud unter das Kinn zurüd und sagte stirnrunzelnd: Du Gin nettes Früchtchen! Ach, Du.. Sechshütter, Du! solltest von Rechts wegen nicht Sechhütter heißen, sondern. Buchwostow hatte eigentlich die Absicht, etwas sehr Wißiges zu sagen, das erstens den Namen Sechshütter verdrehen und zweitens eine Rüge seiner Untat enthalten sollte, anstatt dessen setzte er ganz unerwartet hinzu: 319 . sondern Schweinehund!" Dann ging er auf den Amtston über. " Du wirst also beschuldigt, in der Pächterwohnung alles zertrümmert zu haben, dem Sohn des Pächters ein Ohr abgerissen, den Gemeindeältesten verprügelt und dem Gendarmen zwei Zähne ausgeschlagen zu haben. Ist das wahr?" Der Angeklagte warf dem Kommissar von unten herauf einen Blick zu und antwortete: „ Ja, das ist wahr." Der Gefragte betrachtete den Kommissar abermals aufmerksam erwiderte unbeirrt: Weiter unten erzählte der Schreiber dann schon in menschlicher Sprache, wie ihm der Schnabel gewachsen war, die Verhafteten hätten sich unter aller Kritik benommen: so war Sechshütter in die " Hat man denn schon so etwas erlebt!" rief Buchwostow, die Behausung des jüdischen Pächters Salmann eingedrungen, hatte Hände zusammenschlagend." Jezt gesteht es der Kerl sogar noch alles kurz und flein geschlagen, die Pächtersfrau mit einem Brat- ein! Was hat Dir denn der Bächter getan?" pfannenstiel verletzt und deren Sohn ein Ohr abgerissen; ins Gemeindeamt transportiert, hatte er den Aeltesten verprügelt, dem Gendarmen zwei Zähne ausgeschlagen und zu guter Lezt versucht, seine des Schreibers vordere Griremitäten zu beschädigen... Das abgerissene Ohr und die Gendarmenzähne lagen, in einen schmußigen, blutdurchtränkten Zappen gewidelt, dem Bericht über Sechshütters Untaten bei. und „ Ich haue alle Juden, die ich zu fassen friege." „ Warum?" " Sie haben den Heiland gepeinigt und haben keine Achtung vor der Obrigkeit. Ich haue sie hauptsächlich für die Nichtachtung... Lieber Alter! 122 Regents Park Road N. Æ. London, 28. März 1881. Ich schicke Dir sofort Geld, sobald Du mich durch Angabe Deiner neuen Adresse dazu in den Stand sehest, diese muß ich ja angeben, und was ich im Précurseur von Adressen finde, scheint mir kaum zur Angabe geeignet, wenn nicht Schwierigkeiten daraus entstehen sollen. Sobald ich Antwort habe, erhältst Du sofort 100 Frs. und ausführliche Antwort von Deinem Bieber Alter? F. Engels. London, 4. April 1881. Ich schreibe Dir unmittelbar vor Postschluß, weil ich erst jetzt die Anweisung erhalte, vier Pfund Sterling= 100 Fr. 30 Cent., die Deine Adresse Dir hoffentlich ohne Verzug ausgezahlt werden. war mir unentbehrlich, da sie hier auf der Post verlangt wird, sonst gibts keine Anweisungen. Den Liebknecht werde ich wegen der falschen Versprechungen treten, die Leute müssen etwas für Dich tun. Im Uebrigen ist erfreulich, daß die Courage sich wieder bei unsern Leuten einstellt, eine Zeitlang hatten die Meiſten ſtarken Eisgang in der Hose; auch das Blatt macht sich ganz gut. Biedermann Most hat entschieden Schwein, seine Freiheit" pfiff auf dem letzten Loch, da muß ihr die englische Regierung in der glänzendsten Weise unter die Arme greifen. Man begreift solche kolossale Dumm heit nicht, aber wir haben halt die Liberalen am Ruder, und die sind jeder Dummheit und Gemeinheit fähig. Sie sind so hastig verfahren, daß sie noch gar nicht einmal wissen, unter welchem Gesetz sie den Most anklagen wollen! Aber Bismarck hatte diesen Coup für seine Sozialisten- Debatte im Reichstag nöthig, und da Gladstone, unser Premier, für den abgemurksten Alexander schwärmt, fand die Sache keine Schwierigkeit mehr. Desto mehr wird ihnen schwer werden, einen Anklageaft zu machen und noch mehr eine Jury zu fabriciren, die den Most verdonnert.3) Auf diese Weise wird Most wohlfeil ein berühmter Mann, wenn auch nur für kurze Zeit, und Bismard, wenn er sich auch jetzt ein wenig freut, erlebt doch wieder eine Blamage. Besten Gruß von Marg und Deinem Unsichtbar. F. Engels. Eben wollte die Jury nach Hause gehen. Da tam noch eine Sendung des berühmten Professors Erquiwisito. Jm Begleitbrief hieß es, er schicke noch ein Bild, das seinesgleichen nicht auf Erden habe. An diesem Bilde, hieß es weiter, würden sich die Stenner bon den Kunstphilistern scheiden. Denn dieses Bild, so sagte der Profeſſor Exquiwiſito, habe er mit ganz besonderen von ihm erfundenen Farben ausgeführt. bare Eigenschaft, daß sie nur dem Auge der berufenen Kenner in Diese Farben aber hätten die wunderdem Reich der Künste sichtbar wären. Die Kunstphilister aber sähen nur die nackte Leinwand. Während doch tatsächlich ein gewaltiges Drama der Menschheitsgeschichte auf dem Bilde die Ausführung erhalten habe, die er für sein tiefstes Werk halte. Und er ſei sicher, daß die Herren der Jury dies jofort erkennen würden. Die Herren von der Jury nickten. Dann packte der Diener das Bild aus. ,, Nein, jetzt eine solche Unverschämtheit," sagte er, der schickt den Rahmen mit der nackten Leinwand." Und die Herren der Jurh lächelten mitleidig über den ahnungsLosen Kunstphilister und vertieften sich lange in das aufgehängte Bild des berühmten Professors Exquiwisito. " Wundervoll," fagte einer. " 1 So plastisch ist dies gewaltige Drama der Menschheitsgeschichte noch niemals dargestellt worden," sagte ein anderer. „ Und sehen Sie nur die Leuchtkraft dieser Farben, Herr Kollege," sagte wieder einer. Mittelpunkt unserer Ausstellung bilden wird." Und nach einer Weile „ Ich bin überzeugt," sagte der Vorfißende,„ daß dieses Bild den fügte er hinzu:" Freilich nur für Stenner." Und dann übergab man den Begleitbrief des Professors Exquiwisito den Zeitungen. Als die Ausstellung eröffnet wurde, drängte sich alle Welt um das Bild. 25) Nach dem Attentat auf Alexander II. von Rußland sprach Most in seiner Freiheit von den gloriofen Dynamitbomben, welche bestimmt zu sein scheinen, die Menschheit von allem Uebel zu befreien". Trog Engels Erwartungen hat das Gericht Moſt zu 16 Monaten Zuchthaus„ berdonnert". " Hm..." machte der Kommissar. Trotzdem hast Du noch lange fein Recht, mir nichts, dir nichts über friedliche Menschen herzufallen!" „ Wieso nicht? Ich sage: nur Geduld, sage ich, Ihr Halunken, über kurz oder lang hängt Euch der Herr Gouverneur samt und sonders an den Galgen, und was antwortet mir der Kerl von Pächter darauf? Bah, meint er, was ist mir Dein Gouverneur? Den kann ich mir für drei Rubel kaufen!" „ Das hat er gejagt?" " Wie ich es sage! Warte nur, sage ich, alter Freund, wenn Deine Zäfterworte dem Herrn Kommissar zu Ohren fommen! Und er, der Schweinehund?- er grinst sich eins und sagt: wenn Guer Gouverneur drei Rubel kostet, dann kann ich den ganzen Kommissar für fünfzig Ropeten laufen. Ah, sage ich, so...?!" Der Kommissar brach unerwartet in Lachen aus. „ Und da hast Du ohne weiteres dem Jungen das Ohr abgerissen...?" „ Ohne weiteres. Wie es sich gehört! Ich sage mir so: wenn du meine Obrigkeit beleidigst, soll ich da etwa kein Recht haben, deiner Brut die Ohren abzureißen?! Das Recht habe ich! Ohne weiteres!" „ Hahaha! Ach, Du... närrischer Kauz! Du facelst also nicht lange, was? Aber höre mal, das Gemeindeamt schreibt doch, Du hättest das ganze Haus auf den Kopf gestellt. Warum haft Du denn die Pächtersfrau mit der Bratpfanne geschlagen?" " Sie hat allerlei Bemerkungen gemacht, Euer Wohlgeboren. Über Ihre Gattin... was die Tugendhaftigkeit anbelangt..." „ Ah so.." lächelte der Kommissar sauer. Gut. Darüber werden wir mal die Pächtersfrau hören. Was bloß schlimm ist, ist das eine, daß Du den Gemeindeältesten verprügelt und dem Gendarmen die Zähne ausgeschlagen hast. War denn das unbedingt nötig?" Die haben es redlich verdient. Ich sagte zu ihnen: Ihr habt fein Recht, mich einzusperren, denn ich habe mich ja nur für den Herrn Kommissar eingelegt. Und sie darauf: Für den Kommissar? Das ist auch recht was! Glaubst du etwa, das ist ein großes Tier? So, wie ich es sage: glaubst du etwa, das ist ein großes Tier? Na, das ist denn doch zu bunt! So sprecht ihr also von den Vorgesetzten?! Da holte ich eben aus..." " Hahaha, hahaha! Ja, ich sehe Du bist gar nicht dumm Du hast das Herz auf dem rechten Fled! Wir wollen also Dein Verfahren einstellen... Du kannst gehen, Sechshütter. Warte mal! Schnaps trinkst Du doch, was?" Der Kommissar tramte in seinen Taschen und fischte einen halben Rubel hervor." Da, zur Stärkung wird es wohl reichen." „Herrlich!' sagten sie. „Das wird»rem nie vergessen.' „So habe ich diesen gewalligen Stoff der Menschheitsgeschichte noch nie dargestellt gesehen." „Fast blind machen einen diese leuchtenden Farben!" „Man mutz sich freilich hinein vertiefen, um die ganze Größe zu erlennen." So ging die Rede hin und her. Und manche weinten vor Rührung. Und die Kritiker standen bis zum Dämmer vor dem lounderbaren Bild. Am anderen Tage aber stand es in allen Zeitungen:„Das Bild des Professors Erquiwisilo ist eine Tat, ist ein Markstein in der Ge- schichte der Malerei. Denn ganz abgesehen von dem gewaltigen Stoffe, den es behandelt..." Das wunderbarste aber war, daß kein Mensch von einer nackten Leinwand sprach. Dem hohen Protektor der Ausstellung ward dies mitgeteilt. „Königliche Hoheit, welch ein Zeichen für das alles umfaffende Kunstverständnis in Ihrem Lande!" Da wollte der Protektor, der ein aufrechter Mann war, das Bild selber sehen. Man führte ihn durch die Säle. „Was hängt denn da für ein nackter Leinwnndfetzen?" sagte er. Und es war eine große Bestürzung unter der Jury. Der Pro- tcktor also der einzige, der... ES war nicht auszudenken. Und nach der Besichtigung nahm der Oberzeremonienmeister allen Herren insgeheim den Eid ab, die Blamage des Protektors nicht bekannt- zugeben. Dieser aber schlvieg. Und als er feierlich die von der Jury festgesetzten Preise aus- teilte, sagte er: „Und vor allem freut es mich, Herr Professor von Exquiwisito, daß ich Ihnen für Ihr wunderbares Bild die goldene Medaille über- geben kann." Und er streckte ihm die leere Hand hin. Der Professor tat er- staunt. „Ach so," sagte der Protektor,„das habe ich vergessen. Herr von Exquiwisito: Auch nieinem Juwelier ist eS bei dieser Medaille gelungen, sie aus einen: solchen Stoffe herzustellen, daß sie nur für Leute, welche niemals lügen, sichtbar ist." „O, jetzt sehe ich sie, sagte der Professor. „O," sagten alle Umstehenden,„was für eine herrliche Medaille..." llnd dann wurde das Bild ins Nationalmuseum gehängt und der Orden an die Brust des berühmten Professors. Und dort hängen sie noch heute. Fritz Müller. Der vamppr. Jedermann kennt ihn, den Vampyr Militarismus. Aus einem kleinen Raubtier hat er sich zum riesenhaften Un- geheuer entwickelt und hockt nun mit geschwollenem Leibe und unsgestrcckten Tatzen auf den stöhnenden Völkern. Auf den Kultur- Völkern vor allem, die sich auch darum so nennen, weil sie das Brest so schön fett gemästet haben, was unkultivierte Völker nicht fertigkriegen. Unzählige Hirne stehen in seinem Dienst, von den Leibern, die ihm frondcn, nicht zu reden. Alle sind daraus aus, den Vamphr noch fetter zu machen, noch bissiger— zwei Eigenschaften, die sich sonst zuweilen gegenseitig beeinträchtigen, aber bei unserem Ungeheuer in schöner Harmonie gedeihen. Es gibt eine ganze Menge Leute, die sein Gewicht als drückende Last empfinden, die ihm die Krallen beschneiden und ihn für längere Zeit oder inimcr auf Magcrkost setzen möchten. Und es gibt andere, die unter dem Alp kaum noch japsen können und doch mit ersterbender Stimme rufen: Hurra, hurra! Diese nennt man vaterländische Idealisten, weil sie die Idee haben, der Glanz und die Größe des Vaterlandes seien abhängig vom Glanz der Knöpfe und der Größe der Treadnoughts. Wenn sie einen Kanonenschuß hören, dann erzittert ihr Herz Vor Wonne bei der Vorstellung, wie eine Granate im Ernstfall wirken würde. Sie möchten nicht gerade ihre eigenen, aber doch die Gliedmaßen des Feindes in der Luft herumspringen sehen. Und weil so ein Schuß unter Umständen Tausende von Mark kostet, sind sie von heiligen Schauern durchwühlt und bedauern höchstens im Stillen, daß so eine Menge Geld ohne greifbare Resultate verpulvert wird. Sic schauen sich Paraden an, schlucken Staub, riechen Leder und Schweiß, lassen sich begeistert auf die Hühneraugen treten und erfahren auf diese Weise eine seelische Bereicherung, die sie kleinen Opfern geneigt macht. Wenn sie am Kieler Hasen oder ans der Mole von Swinemünde die Panzerkreuzer an sich vor- überziehen lassen, sind sie erstaunt über das geduldige Wasser, das diese kolossalen Stahlmasscn anscheinend so leicht und mühelos trägt. Aber es fällt ihnen nicht auf, daß die Völker geduldiger noch als das Wasser sind, sintemalen dieses nur Schiffe, jene aber neben den Schiffen auch noch die Laudtruppen tragen müssen. Und außer diesen das, was an militärischen Flugzeugen und Ballons in der Luft schwebt! Auch die Völker sind in gewissem Sinne Luft. Für den Vampyr nämlich. Es rührt ihn nicht sehr, was nörgelnde Seelen gegen ihn vor- bringen. Er ist von selbstbewußter Unbekümmertheit und frei von wirtschaftlichen, politischen, ethischen Bedenken. Nichts liegt ihm ferner als Selbstkritik. Diese und das Gewissen sind zivile Ein- richtungen. Alle Versuche, ihm von dieser Richtung her beizukommcn, scheitern an der gepanzerten Stirn des Vampyrs, der die Kultur- Nationen beschützt, indem er die Kultur ignoriert. Als beste Aussicht erscheint gegenwärtig die Technik, die militärische Technik, die in brennendem Ehrgeiz und schlaflosen Nächten an der Vervollkommnung aller Mordwaffen arbeitet und sich dabei sozusagen selber überspringt. Denn es ist dem Vampyr trotz des besten Willens unmöglich, der Theorie im gleichen Tempo zu folgen. Mit den Treadnoughts ist man, wie der englische Admiral Scott bewiesen hat, so gut wie fertig. Im Frieden sind sie überflüssig und im Kriege taugen sie nichts. Dagegen ist die „ungeheure Flotte" der Unterseeboote, Torpedos und Luftsahrzeuge, die derselbe Mister Scott fordert, noch nicht fertig. Schließlich will das alles erst zusammengenietet und gelötet sein. Und wenn es so weit ist, ist die Technik noch weiter. Woraus vorsichtige Leute die Anregung schöpfen könnten, dann doch erst einmal zu warten, bis die militärische Technik jenen Gipfel erklommen hat, von dem aus es nicht mehr„Höger rup" geht. Es sieht nämlich fast so ans, als seien wir diesem Ziele nahe. Ein italienischer Ingenieur erprobt zurzeit ein System, das geeignet-sein soll, von Italien aus Kriegsschiffe in die Lust zu sprengen, die sich am andern Ufer der Adria befinden. Dies ist eine Aussicht. Denn bedenkt, liebe Christen: Man schickt elektrische Wellen in die Lüfte, ohne das Ziel zu sehen. Wo sie auf eine Pulverkammer oder andere explosive Stoffe stoßen, gibt's einen Knall— und die ganze Munition ist auf einen Puff verschossen. Was zweifellos eine Verein- fachung der Kriegführung bedeutet. Tic Sache wird aber erst segensreich über alle Maßen und noch viel, viel einfacher, sobald jene Erfindung internationales Eigentum geworden ist.(Daß sie es wird, dafür wird die Toleranz des Kapitals schon sorgen:) Dann braucht überhaupt keine Nation mehr„ins Feld zu rücken". Man stellt jene Apparate an den Grenzen auf und drückt auf einen Knopf. Der Feind tut dasselbe. Und im Rücken beider fährt alles Pulver und Dynamit zum Himmel. Die Feuerwaffen also wären schon ausgeschaltet, was eine hübsche Ersparnis bedeuten würde. Soll nun wieder der Krieg Mann gegen Mann beginnen? Mit Säbel, Bajonett und Flitzbogen? Keine Sorge. Die EntWickelung geht nicht rückwärts. Warum sollte das System der elektrischen Wellen bei seinen ersten Erfolgen stehenbleiben? Weshalb z. B. sollte es nicht dahin gelangen, aus einem Hosenknopf tätliche Wirkungen zu holen? Gewiß: Hosenknöpfe gehören an sich nicht zu den explosiven Stoffen. Aber wie der Blitz in einen beliebigen Gegenstand fährt, so könnten doch auch jene Wellen möglicherweise entsprechend abgerichtet werden. Darüber mögen die militärischen Techniker nachdenken. Jedenfalls: dann wären wir endlich so weit, wie wir kommen müssen. Auf jeden Fingerdruck ein totes Armeekorps. Auf jeden Apparat eine menschenleere Provinz. Keine Rekruten mehr. Keine Steuerzahler mehr. Keine Liberalen, die dem Vanipyr das Budget bewilligen. Ja, dies wäre das Aergste. Oder meint ihr, daß der Vampyr dann kapitulieren würde? Mit Nichten. Er würde zunächst erst einmal Uniformen aus Porzellan fordern. La,: vom Jahrmarkt öes Lebens. Herrn Erzberger ins Stammbuch. Als im Reichstage die Machenschaften der Rüstungssabrikantcn aufgedeckt wurden, war Herr Matthias Erzbcrgcr aus Buttcnhauscn einer der Hccrrufer im Streite. Mit der ihm angeborenen Eni- rüstung wies er die sozialdemokratischen Kritiker ab, pries er in begeisterten Worten, das Heil, das dem deutschen Volke von den Fabrikanten der Mordwaffen erblühe. Wie bebte er vor heiligen: Zorn über die Schmach, einen Schelm einen Schelm zu nennen. Und mit ihm fielen die Seinen, das gesamte Zentrum, in den Enr- rüstungschorus ein. Matthias hatte wieder einmal das Kapital gc- rettet. Jetzt kommt eine Stimme aus Zentrumskreisen, die wortwört- lich das bestätigt, was die Sozialdemokratie über den Rüstungs- ivahnsinn und die Nutznießer der Rüftungstrcibcrei gesagt hat. In einem Artikel„Kriegs- und Rüstungslasten" der katholisch-sozialcn Halbmonatsschrift„Stände-Ordnung" heißt es: „Es ist eine himmelschreiende Schande, daß nicht mehr Mühe aufgewendet wird, um durch Schiedsgerichte Kriege zu vermeiden und durch diplomatische Verhandlungen inter- nationale A b r ü st u n g e n stufenweise herbeizuführen. So gut man internationale Verträge und Vereinbarungen über die Luftschiffahrt, über Arbeiterschutz und über Auslieferung von Verbrechern schließen kann, so gut könnte man auch über inter- nationale Abrüstungen verhandeln, wenn der gute Wille vorhan- den wäre und nicht Privatinteressen einer kleinen mächtigen Clique dem Wohle der Gesamtheit v o r a n g e st e l l t würde n." In einem zweiten Artikel wird es als Unsinn bezeichnet, von „N a t i o n e::" zu sprechen,„wo Millionen Menschen der einzelnen Völker einigen wenigen„internationalen" Kapita» listen zur beliebigen und uneingeschränkten Aus- bcutung überantwortet sin d". Für denkende Katholiken werde„der M o r d s p a t r i o t i s m u s gewisser Leute immer mehr zu einem unerträglichen, widerlichen Ekel"; ihr Hurrarufen mute einen an,„als ob da ein Sammelsurium von Idioten und Kindern schreit: Leute, kommt und seht, wie schön wir das Vaterland verraten". Wer aber jene Abgeirrten zur Vernunft bringen wolle, dem schreie man das Wort„Staats- fcind" entgegen. Auf Herrn Erzberger werden diese leider nur zu wahren Worte keine Wirkung ausüben, denn er weiß bekanntlich alles besser. Aber trotzdem sind sie ihm wie auf den Leib geschrieben. Juristische Tüfteleien eines tlaien. Die Juristerei hat nichts mit dem gesunden Menschenverstände zu schaffen; sie ist vielmehr ein Handwerk, das erst durch jähre- langes Studium längst vermoderter Nechtslchrer erlernt werden kann. Die natürliche Folge ist, daß vielen Urteilen der Geruch altertümlicher Pandekten anhaftet. * Die Staatsanwaltschaft ist die objektivste Behörde der Welt. Nicht das allgemeine Rechtsempfinden, sondern die Staatsanwalt- schast entscheidet daher, ob ein öffentliches Interesse vorliegt, für einen Zuhälter und vierzchnmal vorbestraften Gentleman Anklage zu erheben. Ein Reichstags« bgeorduöter darf sich nicht einbilden, mehr.-zn bedeute,:, als die große Masse des Volkes.— Er hat daher auch, wenn gegen ihn öffentlich Verleumdungen ausgestreut werden, keinerlei Anspruch darauf, daß der Staatsanwalt für ihn als An- kläger austritt. 4- Getreu dem alten Grundsatz: Sei Untertan der Obrigkeit! hat jeder Mensch sein Leben zu führen. Es ist darum nur recht und billig, daß ein Staatsanwalt die„fortgesetzte hartnäckige, trotzige Auflehnung der„Rheinischen Zeitung" gegen Sprüche des Gerichts" als strasvcrschärsendes Moment hervorhebt. * Gegen Wahrsprüche der Gerichte soll und darf man sich nicht trotzig auflehnen. Selbst dann nicht, wenn es in einem Urteile heißt, der Angeklagte durfte zwar einen Zuhälter als bcrüch- „Ich danke auch. Und dann möchte ich Euer Wohlgcboren bitten, ob Sie nicht vielleicht ein Paar abgelegte Stiefel hätten? Die meinigen sind ganz und gar zerrissen.. „Gut, meinetwegen... Weil Du ein so fideles Haus bist! Ich will Dir ein Paar von meinen geben, die ich nur zwei Monate getragen habe. Du hast ihr also glattweg eins mit der Bratpfanne versetzt?" „Nq, warum denn nicht? Ich dresche einfach drauf los... Anders kann man mit denen nichr fertig werden." Der Kommissar trat aus der Kanzlei in das Schlafzimmer und kam nach einigen Augenblicken mit den Stiefeln wieder. „Da," sagte er.„Die kannst Du nehmen. Und nun geh, Freund. Gott mit Dir!" „Euer Wohlgeboren! Vielleicht hätten Sie auch irgendeinen alten Mantel?" „Genug, genug... nun zieh schon ab??llles mir Maßen! He. Parfen, laß ihn hinaus... mag er gehen... Und bring mir mal den anderen her. Adieu, Treihüttcr! Also„oroßes Tier" haben sie gesagt? Hahaha!" Ter Gendarm führte den zweiten Gefangenen herein, versetzte ihm der Ordnung halber einen Rippenstoß und stampfte hinaus. „Ah, edler Falke, Tu! Da bist Tu also in den Wolken umher- geschwebt und schließlich dennoch i::K Garn gegangen?!... Von Teiner Sorte habe ich lange keinen mehr hiergchabt... Was macbt das Erfurter Programm?" Vor dem Kommissar stand ein vierschrötiger, stiernackiger Mann, eine alte, zerrissene Reitmütze in der Sand und lauschte gesenkten Blickes... „Von Ihrem Gewerbe brauchen wir wohl nicht weiter zu reden: Liddit, Melinit, Nitroglyzerin und Lunten, nicht wahr?" Tann aber ging der Kommissar auf einen anderen Ton über und fragte, dem Unbekannten scharf ins Gesicht sehend, trocken: „Komplizen—?" „Nein," antwortete der Fremde leise. „Na, selbstverständlich. Habe ich mir gleich gedacht, Ja, Herr Umstürzler, da Sie also anscheinend ein Vogel von der roten Sorte !>nd, so werden wir beide wohl mal in die Stadt fahren müssen, ah?" „Da komme ich ja her." „So, so. Welcher Wind hat Sie denn, wenn ich fragen darf, >« die Sinjuchinschen Gemüsefelder geweht?" „Ich habe nichts mit Gemüsefeldern zu schaffen. Ich ritt in der R:chruiig auf Borkino, Euer Wohlgcboren!" „Natürlich! So daß der Gemeindeälteste und der Schreiber und die Bauern Sie kurzweg fälschlich beschuldigt hätten? Armer Mensch. Sie!" ».Der Deubel hat mich da hinein verwickelt,».* „Was Sie nicht sagen! Zum ersten Male höre ich, daß dieser Herr auch Parteimitglied ist! Ter hat Sie dann wohl gleichfalls angestiftet, auf Mord und Totschlag auszugehen?" „Ein Totschlag war es ja gar nicht! Ich wollte ihnen bloß einen Schreck einjagen." „Gewiß, gewiß! Mau wirft so ein Dii:g einem Menschen vor die Füße, und die Folgen sind ein kleiner Schreck, eine flüchtige Nervenerschütterung.... Hahaha! Deshalb sieht wohl Ihr Pro- gramm, wenn ich nicht irre, auch Nächstenliebe und Großmut vor? Ah? Warum antworten Sie nicht?" Ter Unbekannte trat von einem Ben: auf das andere und murmelte schließlich:„Ich war besoffen!" „Wc— a-as? I" „Besoffen. Und sie— dreißig Kopeken wollten sie für das Heu. Ist denn das erhört?" „Wer will dreißig Kopeken? Für wessen Heu?" „Für ihr Heu. Ich sage zu ihnen: das ist ja nachgerade gottlos, so" was zu verlangen! Das ist uns ganz schnuppe,- antworten sie darauf, gottlos hin, gottlos her, aber bevor du nicht zahlst, geben wir den Waßjka nicht frei." „Ich verstehe kein einziges Wort! Welchen Waßjta denn?" „Den Tschugrejewschcn, den ich ritt. Und da bin ich eben wütend geworden! Ach, sage ich, ihr Lausebande, ihr miserable! ... Kein Fetzen soll von euch übrig bleiben...." „Halt, halt, mein Bester! Ich verstehe nicht... zu wem hast Du das gesagt?" „Zum Pächter." „Ja, was hat denn das mit Bomben zu tun?" „Mit Bomben hat das nichts zu tun." „Ja, was redest Tu nur denn da von einem Pächter vor?! Wo hast Tu die Bombe hergenommen, will ich wissen?" „Ich habe keine genommen. Euer Wohlgeborcn. Was soll ich denn damit..., ich brauche kein fremdes Gut." Ter Kommissar wurde duukelrot. „Wer bist Du denn, zum Deubel noch einmal?!" „Ich sage doch— bei Tschugrejew in Diensten. Dreißig Kopeken, sagen sie, mußt du zahlen. Wa— as? Dreißig Kopeken?! Wo steht denn das geschrieben, daß man für fauliges Heu dreißig Kopeken zahlt?! Und da ging es eben los." „Was ging los?" „Was will man denn von einem Betrunkenen�» Euer Wohlgeboren? So was gibt's doch nicht!" „Nein, Freund, so kommst Du um die Sache nicht herum! Du glaubst wohl, Du kannst Dich hier verstellen... als dumm aufspielen....?!" „Dumm war ich auch! Reiht denn ein vernünftiger Mensch den Zudenjuugen diq Ohren abL Motz in der Besoffenheit., Ter Kommissar Buchwostow sprang plötzlich auf, stürzte sich über den Fremden, packte ihn bei der Kehle und schrie: „Du.. Du... wie heißt Du?" „Ich? Saweli heiße ich. Speicherknecht bei Tschugrejew... Saiveli Sechshütter." Der Kommissar stieß Saweli von sich und stürzte brüllend in das Vorzimmer hinaus. „Ist er weg? Habt Ihr ihn'rausgclassen, den Schurken?!" Saweli aber zog die Brauen hoch, schüttelte den Kops und sagte, zu dem Herrscherbjld im goldenen Rahmen gewandt: „Da hast du's nun... Trinkt man nichts, geht alle? gut; kaum aber trinkt man mal, gleich wird man sidel und reißt dem einen die Ohren, dem anderen die Zähne aus... Wenn das so weitergeht, Sechshütter, werden die Fudenjungcn bald keine Ohren mehr haben! Kreuzdonnerwetter...!" (Berechtigte llebcrsetzung von W. P. L a r s e n.) Kaiser von Neukölln. O Mensch, was du auch seihst, ob Bürgermeister oder König, sprich und versprich recht wenig, damit du nichts bereu'st. Besonders laß' von Wahlrechtsdingen die Hand, sonst tut's dir leid, weil du, was seinerzeit du hast gelobt, nicht kannst vollbringen. So ging es doch sogar schon manchem richt'gcn Potentaten; nachher besah er sich den Braten— und sieh', er war nicht gar. Mein Gott, ein Wort ist schnell veraltet, ob man nun König ist, ob ntan sich wälzt im Mist, ob man als Bürgermeister waltet. llnd obendrein, du weißt: Was sich ein König wohl kann leisten, darf sich ein Kaiser nicht erdreisten, der doch man bloß so heißt. Genug! wer traut wohl noch dem eitel« Wahrspruch, der längst verdorrt: „An einem Kaiserlvort soll man nicht drehen und nicht deuteln." Franz. Eigten und notorischen Zuhälter ansprechen, ihn aber bei-| erreicht. Durch einen Flug um den Flugplak in Johannisthal, der nichts ist als eine große Reklamefahrt für die Fahrrad- und GummiTeibe nicht„ Der beleidigte Buhälter Hauptmann" nennen. vom Sonnabend abend bis zum Sonntag nachmittag dauerte, hat fabriken und auch von diesen bezahlt wird. Hier war die große Denn für jeden gesunden Menschen ist doch sonnentlar, daß im Landmann den Dauerrekord an sich gebracht und dabei eine Zeit vor- Frage: Hat Brennabor sich die besten Fahrer gesichert oder Diamant Gegensatz zu den ersten Schmeicheleien im letzten Ausdruck die Ab- gelegt, die, namentlich im Ausland, zu überbieten nicht ganz einfach oder Görice? sicht der Beleidigung liegt. sein dürfte. Landmann hat nicht weniger als 21 Stunden Auf weit höherem und idealerem Niveau stand das große 49 Minuten durchflogen und in dieser Zeit ca. 1900 ilo- Spiel- und Sportfest des 1. Bezirks vom Arbeiter- TurnerDie fehlenden Kleestengel. meter in der Luft zurückgelegt. Diese Strecke in gerader bund, in dem der Turnverein" Fichte" das Hauptkontingent ſtellt. Getreu dem Prinzip. das ganze Volk gesundheitlich zu Giner unglaublichen Gefahr ist die preußische Monarchie dant Linie entspricht ungefähr der Entfernung Berlin- Madrid. Damit ist es Landmann gelungen, dem Flieger Basser die Palme fräftigen, fonnten hier alle Mitglieder ihr Können zeigen. der Aufmerksamkeit eines Heraldikers glüdlich entronnen. Es ist des Dauerweltrekords, die dieser nur drei Tage besessen hatte, schnell und der Schillerpart war auch der geeignete Ort, der sehr gut das fajt nicht auszusprechen: am Hofe des Königs von Preußen gibt wieder zu entreißen. Basser hatte erst am Donnerstag dem fran- den Arbeitern nicht zur Verfügung stehende Stadion ersetzen konnte. es heraldisch falsche Wappen. Da zahlen die Steuer- zösischen zahler freudig und gern jahraus, jahrein viele Tausende für die zösischen Flieger Poulet den Dauerrekord durch einen Flug von Die eine gute Uebersicht über den ganzen Platz gewährenden Ter18 Stunden 11 Minuten abgenommen und um fast 1% Stunden ver- raffen waren schon dicht bejezt, als die 1500 Turner und TurneErhaltung des Heroldsamtes, und der Schlußeffekt ist: am Hofe bessert. rinnen in ihrer luftigen Sportkleidung, unter Vorantritt einer des Königs von Preußen gibt es heraldisch falsche Wappen. Wenn Musikkapelle, im imposanten Festzuge sich dem Plaz näherten. Als auf der Straße ein Hoflatai mit dem tipischen Lataiengesicht erZur Verhaftung des Hauptmanns Braun. dann die langen Reihen aufmarschierten. waren auch bald die schien, wurde er von jung und alt gerad' wie ein Wundertier anDa die Chemnizer bürgerliche Presse es nicht wagt, selbständig Parkwege von einer dichten Menschenmenge besetzt. Vor den Augen gestaunt. Keinem Menschen war bisher aufgefallen, daß es trob Berichte über militärische Vorkommnisse zu bringen, hat sie zum der Zuschauer entrollte sich nun ein prächtiges Bild: Immer neue aller Würde gar kein richtiggehender Hoflakai war, ihm fehlten in Teil mit den Truppenteilen der Garnison ein Abkommen getroffen, Scharen weißgekleideter Sportler marschierten in langen Reihen den silbernen Treffen im preußischen Adler die wichtigsten Attri- nach welchem die Blätter bei Bedarf die Berichte„ redigiert" von der auf dem gutgepflegten Rasen auf und führten als Einleitung fraftbute preußischen Glanges: der Namenszug F. R. und die Regiments adjudantur geliefert bekommen. Die Chemnizer All- volle und förperbildende Massenfreiübungen auf, die durch goldenen Kleestengel in den Flügeln. gemeine Zeitung" hat es nun offenbar für nötig gefunden, sich bei die Gesamtwirkung ein imposantes Bild boten. Dann löste sich dem Regiment über den Fall Braun Instruktion zu holen. Das auf ein Zeichen dieses Maffenbild auf und die beliebten StaBlatt bemüht sich nun ängstlich, festzustellen, daß die peinliche, fettenläufe in der Gasse tamen an die Reihe. Diese Läufe großes Aufsehen erregende Angelegenheit weder mit der Erzieher- boten besonders von den hohen Terrassen ein padendes Bild und tätigkeit des Verhafteten im Kadettenhaus, noch auch mit feiner zeigten, daß die Arbeiterturner schon eine recht gute Lauftechnik Tätigkeit als Feldhäuptling der Heranwachsenden Chemnizer männ- beherrschen. Bei den Männern gab es einen scharfen Kampf lichen Bürgerjugend zusammenhängt. Außerdem sagte die Zeitung awischen der 2., 3. und 17. Abteilung Fichte", den schließlich die noch, daß der Hauptmann sehr gut qualifiziert war. Wie 3. Abteilung für sich entscheiden konnte. Bei den Sportvereinen steht es dann aber, möchten wir fragen, mit dem Fall des Fähn bedrängte Friedrichshain scharf den V. f. B., ohne jedoch letzterem richs desselben Hauptmanns, der jetzt den Leutnantsfragen trägt den Sieg streitig machen zu können. Die Läufe der Turnerinnen und dem man an diesen Kragen will, weil er die Nachstellungen ermedten, wie immer, besonderes Interesse; die 1. Abteilung konnte seines eigenen Kompagniechefs nicht beizeiten gemeldet und statt der 5. Abteilung mit Erfolg den Sieg streitig machen. Zwischen= deffen beinahe zum Revolver gegriffen und sein Seil in einem durch hatte Tauziehen der" Fichte" abteilungen gegeneinander stattSanatorium gesucht hat? Ist das auch ein einzelner Fall" des gefunden und dann folgten die Wettspiele in Barlauf, FaustFeldhauptmanns mit der ausgezeichneten Qualifikation? ball, Raffball usw., die wieder den ganzen Platz in Anspruch nahmen. Nur die Turnerinnen hätten sich bei den Gesellschaftsspielen noch etwas mehr betätigen können, wozu auf dem großen Platz sehr gute Gelegenheit war. Die Wirkung dieser schweren Unterlassungsfünde war geradezu erschütternd. Der Hofnachrichten- Redakteur des liberalen Berliner Tageblatts" hatte von der Sache Wind gekriegt. Schleunigst warf er sich in den vorschriftsmäßigen Besuchsanzug und abmte das Beispiel seines Cheffollegen Theodor Wolff nach. Ebenso wie der dem russischen Ministerpräsidenten die Würmer aus der Naje zog, interviewte der Hofnachrichtenredakteur das eroldsamt und das Oberhofmarschallamt. Tränenden Auges mußte er dann im„ Tageblatt" feststellen, daß auch der Kaiser, der selbst ein ausgezeichneter Heralditer ist, im Drange der Regierungsforgen den Fehler in dem Adler der silbernen Treffen noch nicht bemerkt hat. Für alle Batrioten fragen wir: Wie lange noch soll dieser Fleck auf der Sonne preußischen Glanzes haften? Kunstgeschmack und Wurst. Der böllig unbegründete Wahn, als ob die dynastischen Herr schaften in Deutschland zu irgendwelchem Künstlerischen Geschmack verpflichtet wären, scheint in der bürgerlichen Bresse nicht sterben zu fönnen. Er hat die Siegesallee und die sonstigen künstlerischen Offenbarungen Wilhelms II. überlebt; auch die bekannten Theater neigungen des Kronprinzen haben ihn nicht dahinraffen können und so darf man ihn am Ende als unausrottbar bezeichnen rottbar wie die bürgerliche Knechtseligkeit, von der er nur ein befonderes Symptom ist. unauss Zum Elbinger Bankkrach. Bor= Jm Konkurs der Elbinger Vereinsbant, eine Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht, werden die Mitglieder in der Haupt- Mit ganz besonderer Spannung wurde ben Wettläufen über fache Geschäftsleute, Handwerker und fleine Besizer 1% Mil 1000 Meter und den Olympischen Stafetten entgegengesehen. lionen Mark verlieren. Der Reservefonds, die Geschäftsanteile, die Gebert, 6. Abt., gewann die 1000 Meter sicher, mit gutem VorHaftsummen der Mitglieder und ein Teil der Spareinlagen sind zum Teufel. Wie gewirtschaftet wurde, geht daraus hervor, daß sprung, während bei den olympischen Stafetten nochmals ein harter die kleine Schenksche Schiffswerft in Elbing, der nach den Bestim- Wettstreit stattfand. Die 3. Abt. ging schließlich als beste durchs mungen der Bank ein Kredit von höchstens 100 000 m. hätte ein- Biel. Bei den Resultaten ist zu beachten, daß durch einen Irrtum geräumt werden dürfen, der Bank jest 780 000 m. schuldet. Der bei Abmessung der Kreislaufbahn die Laufstrecke nur eine Länge Bankdirektor Hein wurde verhaftet; er soll Schmiergelder von 337 Metern statt 400 Meter hatte, so daß bei genommen und Bücher gefälscht haben. Auch der Mit- den 1000 Metern, nur 843 Meter, bei den olympischen Wir begegneten ihm zuletzt, als vor einiger Zeit ein bayerischer inhaber der Schenkschen Werft, Kaufmann Siede, wurde ber= Stafetten mur 1348 Meter statt 1600 Meter gelaufen Schlächter seinem angestammten Landesherrn mit allerhand Viktualien haftet. Er wird der Anstiftung zur Untreue beschuldigt. Die wurden. Nach einer zündenden Ansprache des unter die Augen gegangen war. Es gab da unter anderem Schenksche Werft befindet sich ebenfalls im Konkurs und viele anein aus nadwürften wirkungsvoll zusammen dere Elbinger Geschäftsleute werden folgen, sobald mit dem Ein- fißenden ging es in geschlossenem Zuge unter Begleitung Tausender gestelltes und eine große Sülze mit dem bayerischen ziehen der Haftſummen begonnen wird. Aufsehen erregt auch, von Zuschauern wieder zum Seebad Reinidendorf zurück, und die Wappen reliefartig aus wurst gefertigt. Selbst, daß in dem Kaffenlokal der verkrachten Bank die Ost bant sofort eindrucksvolle Kundgebung der Berliner Arbeiterturner hatte ihr verständlich wurde das ledere Kunstwert von den hohen Herrschaften eine filiale aufmachte und sämtliches Inventar übernahm. Gegen Ende erreicht. An Zuschauern mögen 12 000 bis 15 000 anwesend den Justizrat und Stadtverordnetenvorsteher Diegner, der als nicht ironisiert, sondern mit einem huldvollen Schreiben angenommen Aufsichtsrat der Vereinsbank tonangebend war, werden deshalb die und darüber schien unser gute alte unausrottbare Wahn ganz ge- schärfsten Vorwürfe erhoben. Inickt zu sein. Wir versuchten ihn durch den Hinweis aufzurichten, daß in der Geschichte der deutschen Fürstenhäuser zwar viel Sehnsucht nach den Würsten der geliebten Untertanen, aber durchaus keine nach ihren fünstlerischen Leistungen vorhanden sei, aber der historische Trost verschlug nicht. Der gute alte Wahn war traurig und fand die Sache bedenklich. Gewisse Bedenken vermögen freilich auch wir nicht ganz zu unterbrüden, nur daß sie selbstverständlich mit der Sorge um das ästhetische Seelenheil der hohen Herrschaften nichts zu tun haben. Das fürstliche Verständnis für Knadwürfte und Sülze begreifen wir ganz im Gegenteil ausgezeichnet. Es scheint uns aber in diesem neuen Material der Kunst eine revolutionäre Möglichkeit zu liegen, die bisher übersehen worden ist. feien? Könnte man sich nicht denken, daß irgend ein heimlicher Demofrat feinem allergnädigsten Landesherrn auf diese einschmeichelnde Art sagen wollte, daß Namenszug, Wappen und Krone ihm Wurst Bei all dem Gift, das notorisch in Demokratenseelen wohnt, möchten wir das feineswegs für ausgeschlossen halten und glauben uns durch diesen Hinweis ein patriotisches Verdienst erworben zu haben. Aus aller Welt. Explosionskatastrophe in einer Spinnerei. In Palma auf der spanischen Insel Mallorca erplodierte in einer großen Spinnerei ein Kessel. In dem Augenblick, als die Arbeiter in die Fabrikräume traten, stürzte infolge der Explosion ein Teil des Gewölbes zusammen und begrub sämtliche Arbeiter unter den gewesen sein. Hauptresultate: Stafettenläufe( 1000 Meter) der Männer: 1. Fichte 3, in 2 Min. 6%% Set., 2. 17. Abt., in 2. Min. 7% Set. Sportvereine: 1. V. f. B., in 2 Min. 14 Set. 43% Get. Kleine Notizen. Ein vornehmes Opfer des Schnapsteufels. In einem Pariser Frauen: 1. Fr. Ab in 2 Min. 41% Set., 2. 5. Fr.- Abt. in 2 Min. 843.Meter= 2auf: 1. Gebert, 6. M.- Abt., in Hotel verstarb unter verdächtigen Umständen eine reiche junge 2 Min. 31% Set. Olympische Stafette( irrtümlich Amerikanerin, Mrs. Stewart- Boblit, die erst am Tage vorher geheiratet hatte. Die genaue Untersuchung hat nun ergeben, daß nur 1348 Meter): ner: 1. 3. M.- Abt., in 3 Min. 19% Set., Sportvereine: 1. V. f. B., in die Dame eines natürlichen Todes gestorben ist. Sie hatte vor dem 2. 8. M.- Abt., in 3 n. 21% Set. Schlafengehen neun Glas Wisth zu sich genommen und 3 Min. 27% Set. erlag dann im Schlaf einem Erstidungsanfall. Die Ueber. wachung des Gatten der Verstorbenen, gegen den ursprünglich ein gewisser Verdacht schwebte, ist sofort aufgehoben worden. Fußball. Faustball. B. f. B. I. Mannschaft gegen V. f. B. II. Mannschaft 5: 2; Der Expreßzug Paris- Mailand entgleist. Der Expreßzug Paris- Minerba I gegen St. B. C. I 0: 2; II. Mannschaften 0: 2; Mailand ist am Sonnabendnachmittag kurz nach dem Bassieren des III. Mannschaften 2: 1; Jugendmannschaften 3: 5. Nüftig- VorBahnhofs Vevey aus den Schienen gesprungen. Ein Wagen stürzte wärts I gegen Südstern I 6: 5; II. Mannschaften 2: 7. um und zerstörte den Schienenstrang. Glücklicherweise sind bei dem Unfall teine Menschenleben zu beklagen. glück ist auf die furchtbaren Stürme und Regengüsse der letzten Beit zurückzuführen, durch die die Schienenschwellen unterwaschen 44: 57; V. f. B. gegen Vorwärts I 83: 68. Raffball. Waidmannsluft gegen Wittenau 3: 6. wurden. Das UnDie vorjährige internationale Baufachausstellung in Leipzig schließt, wie nunmehr feststeht, mit einem Defizit von 553 000 Mark ab. Verhaftung eines spanischen Schatschwindlers. In Barcelona wurde ein Absender der bekannten spanischen Erbschaftsschwindelbriefe festgenommen. Es soll ein Deutscher namens Ignatz Thomas Bolte sein, in dessen Besit sich 60 000 Adressen befanden. Tödlicher Fliegerunfall. Auf dem belgischen Flugplaz Mortelange stürzte der Flieger Liedel aus einer Höhe von 500 Meter ab. Auf dem Transport ins Krankenhaus starb er infolge der erlittenen Verletzungen. Spiel und Sport. Trümmern. Zur Bergung der Verschütteten wurde eine Die Arbeiterturner und sportler auf der Abteilung Truppen herbeigerufen. 17 2eichen und 17 Schwerverwundete fonnten bis jetzt geborgen werden. Man befürchtet, daß die übrigen Arbeiter sämtlich ihren Tod fanden. Baffers Dauerflugrekord gebrochen. Schillerwiese. Der gestrige Sonntag brachte verschiedene große Sportveranstaltungen. In dem für die Arbeitersportler gesperrten Stadion traten die Kanonen" der staatlich kongeffionierten Turner und Sportler auf und alles Publikum harrte der Entscheidung, ob wohl Behmann oder Mickler oder andere Sportgrößen als erste das Zielband durchreißen würden. Bon Wien aus hatten sich bereits am Sonnabend etwa 100 Rennfahrer zu der großen 23-30ftündigen Der Flieger Werner Landmann, der bekanntlich am Donnerstag das Pech hatte, durch einen Gewittersturm seine Bemühungen um einen Dauerflugreford aufgeben und vorzeitig bei Liegnitz landen zu müssen, hat am Sonntag nun doch noch sein Ziel Fernfahrt Wien- Berlin auf die Reife gemacht, die weiter Zweiter Wahlkreis. Dienstag, den 30. Juni 1914, abends 8 Uhr, im großen Saale der Berliner Bockbrauerei, Fidicinstraße: Waidmannsluft gegen Wittenau 68:56, II. Mannschaften Fordern Sie Engel- Marke wenn Sie Flaschenbier laufen, dann erhalten Sie das gewünschte„ Engelhardt" „ Caramel- Bier" alfoholarm, pasteurifiert Verband der Schneider, Filiale Berlin. Sebastianstraße 37-38.- Telephon Amt Moritzplatz 9737. Achtung! Achtung! Geffentliche Volks- Versammlung, Kolleginnen und Kollegen der Knaben- Konfektion! 1. Denkmalsschutz und Klassenjustiz. Referent: Dr. Rudolf Breitscheid. 2. Diskussion. 206/ 10* Der Einberufer: Heinrich Schröder, Berlin, Hagelbergerstraße 53/54. Montag, den 29. Juni, abends 8%, Uhr, bei Siegel, Gr. Frankfurter Str. 30 Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Knaben- Konfettion und ist eine Aenderung möglich? Referent: Kollege Börlel. 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. Wir bitten, für vollzähligen Besuch dieser Bersammlung Sorge zu tragen. Die Kommission. Das gute Riebeck Bier 082 98 Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin S