Nr. 175. FlbonnemcntS'Bedingungen: monnctncnl»- PieiZ pränumerando! Bicrteljährl. S.Z0 Mk., rnonatl. 1,10 Mk> wöchenlllch 28 Big, frei WZ Hau». Sinzeine Nmnmer S Pfg, SonnlagZ- Nummer mit illustrierter Eonntaa'- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pjg, Post- Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat, Eingetragen in die Post-Zeirungg- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland imd Oesterreich- Ungarn 2,ö0 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. PostadonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Stuinänien, Schweden und die Schweis. 31. Jahrg. frlchimt täglich. Vevlinev VolksblsK. Bie Tnferfions» Gebühr beträgt für die sechSgespaltcne Kolonelzeile oder deren chanm«0 Psg.. jür politische und gewerkschastlichc Vereins- und VersnmmlungS-Anzcigcn"0 Psg. „Ateine ISnrcig-n", das leitgcdrullte Wort 20 Psg. izulässig 2 fettgedruckte Wortci, ledeS weitere Wort ig Plq. Eiellengesuchc und Schlasstellenan- zeigen daS erste Wort 10 Psg., jcdcS weitere»ort ö Psg. Worte über IS Buch- fiabcn zählet, sür zwei Worte. Iiiieraie fiir die nächste Nummer mügen bis S Ubr nachmittngS in der Expedition abgegeben ivcrden. Die Erpcduton ijl bi- 7 Uhr abends gcüifnct, Telegramm-Zldresse: „Soziaiticmjlirät Rcrlm", Zentralorgan der rozialdemokrattfchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S«l. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Morinplan, Nr. 1983. Expedition: 8Rl. 68, I-indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt MoriNPlnN, Nr. 1981. Nach öem Attentat. Die ersten volitisckien Folgen des Attentats, dein dev-öster- rcichische Thronfolger und seine Frau zum Opfer fielen, sind s e r b c n j e i n d l i ch c De in 0 n st r a t i 0 11 e n in. den ver- fchiedenen österreichischen Otädten, die besonders in Sarajewo selbst größeren Umfang angenommen haben. Ein besonders bedenkliches Mament ist es, daß der Bürgermeister von Sarajewo die Herrschende Erregung noch durch eine Pro- klamation geschürt hat, in der Belgrad al» Herd der Per- schwörung bezeichnet wird. Man muß hoffen, daß diese gefährliche Erregung nicht auch die regierenden Kreise Oesterreichs erfaßt. Nichts törichter als eine neuerliche Verschärfung der Gewalt- und Unterdrücklingspolstik. An einer solchen hat es gegenüber den österreichischen Südslawcn in letzter Zeit nie gefehlt. In Kroatien herrschte fast ununterbrochen der Ausnahnrezustand mit dem einzigen Erfolge, sortgesetzte Attentate auf den je- weiligcn Statthalter hervorzurufen und das kroatische Nationalgcsühl zu immer größerer Leidenschaft, zu immer stärkerem Haß gegen die ungarischen Unterdrücker anzu- stacheln. Auch die österreichische Regierung verstand es nie, die kulturellen und nationalen Bedürfnisse der Südslawen zu befriedigen. Nur deshalb konnte die irredeittistischc Pro- paganda, die von Serbien aus bei den Südslawen ebenso gc- trieben wird, wie in neuerer Zeit von Rumänien die Pro- paganda bei den Rumänen Ungarns, so große Verbreitung und so fanatische Anhängerschaft finden. Sollte das Attentat wirklich zu einer Verschärfung der bisherigen unglückseligen � Politik führen, so würde es den endlichen Bankrott nicht auf- hallen, jouöern nur beschleunigen. Tic Verletzungen. Wien, 29. Juni. Ter Mörder P r i n c i p erklärte dem Untersuchungsrichter, seine Tat sei die Rache für die Unter driickung der«erben. Bei der Einbalsa- mierung zeigte sich, daß beim Erzherzog die rechte Schlagader und die Luftröhre vollkommen zerstört warens bei der Herzogin war die große Bauchhöhlenvene vollkommen zerrissen. Der Tod ist bei beiden durch Ver- blutung innerhalb kürzester Zeit erfolgt. Bei der Herzogin wurde das vollkommen jintakt gebliebene Geschoß in der Bauchhöhle vorgefunden s es wurde der Staatsanwaltschaft übergeben. Beim Erzherzog fand man kein Geschoß, es ist wahrscheinlich in der Halswirbelsäulc stecken geblieben. Die Demonstration in Sarajewo. Eine Proklamation des Bürgermeisters. «arajewo, 29. Juni. Ter Bürgermeister hat au die Be- völkerung folgenden Aufruf gerichtet: Mitbürger, Brüder! Heute, nach der größten Freude und dem großen Stolze, da uns der Thron- folgcr und seine Gemahlin mit ihrem Besuch beehrten, wurde eins der niedrigsten und schmachvollsten Verbrechen begangen, dessen schlimme Folgen sür unser Sarajewo, für die ganze Stadt und für unser ganzes Vaterland nicht ermessen werden können. Wenn auch dies scheußliche Vcrbrc-hcn seine Wurzeln außerhalb unseres Vaterlandes hat— denn auf Grund des Geständniffrs der Attentäter selbst ist es außer Zweifel, daß die geworfenen Bomben ans Belgrad selbst stammen— ist dennoch der traurige Verdacht begründet, daß es auch in unserem Vaterland- und in Sarajewo u M stü r zle r t schc Elemente gibt. Mit dem größten Abscheu verurteilen wir die scheußliche Tat. Es wird die heilige Pflicht der Bevölkerung sein, die heute unserem Sarajewo angetane Schmach abzuwaschen und sich von derselben zu reinigen. Lcrhafttlngen und Kundgebungen. Wien. 29. Juni. Ter„Neuen Freien Presse" wird aus Sara- jcwo gemeldet: Es finden zahlreiche Berhast ungcn von bosnischen Serben, auch von Frauen und Mädchen, statt. Tic Ver- höre dauern fort. Gendarmerie, Polizei und Militärpartrouillen durchziehen die Stadt. Um 10X Uhr nachts wurden drei Man- tenegriner berhasiel, von denen einer ein Tischler ist, während die beiden anderen angeben. Studenten zu sein. Allem Anschein nach handelt es sich um ein weitverzweigtes Komplott. Es wird erzählt, daß Cabrinovic wiederholt geäußert habe, es werde gelegen!- lich der Ankunft des Thronfolgers etwas geschehen. Es darf nicht vergessen werde», daß gestern der größte serbische Aatioualseiertag war, der sogenannte Befrciuugstag der Serben. Aus diesem Au- laß hatte das serbische Blatt„Narod". ein Blatt der Opposition, einen chauvinistischen Artikel gebracht, der von den serbischen Farben umrahmt war. Dieses Blatt wurde auch bei dem Attentäter Cabrinovic gefunden. Um QVs Uhr abends fanden in der Franz- Joses-Straße antiserbischc Kundgebungen der kroatischen und mos- lemitischen Jugend statt. Studenten zogen. Hochrufe auf den Kaiser ausbringend, durch die Straßen und riefen:„Nieder mit den Serben! Hinaus mit ihnen! Wir brauchen diese Mörder nicht! Nieder mit den Feinden der Monarchie!" Tie Kundgebungen nahmen einen immer größeren Umfang an. Kroaten und Moslims bewarfen das Hotel„Europe". das Eigentum eines ser- bischen Führers Jestalnovic, des Schwiegervaters des serbischen Gesandten in Petersburg Dr. Spalaikowitsch, mit Steinen und zer- trümmertcn die großen Scheiben des Äassechauscs. Zur Verstär- kung der Polizei mußte Militär aufgeboten werden, das die Ruhe wiederherstellte. Standrecht? Sarajewo, 29. Juni. Tie heute vormittag von Polizei und Militär auscinaudergettiebenen D c m 0 n st r a u te n sammelten sich immer wieder an anderen Punkten der Stadt. Tie Kundgebungen nahmen, da sich zu den Demon- stranten auch Pöbel hinzugesellte, einen immer bedroh- l i ch e r e n Charakter an. Serbische Kaufläden w u r d e n g e st ü r m tundgcpl ändert. Infolge dieses bedrohlichen Charakters der Demonstrationen, und da die Erregung in der Stadt- immer mehr wuchs, wurde das Standrecht verhängt; sämtliche Punkte der Stadt wurden militärisch besetzt. Ein junger Bursche warf vor- mittags an einer Straßenecke eine Bombe, die auch explo- diertc; ein Moslim wurde verletzt. Ter Bursche wurde verhaftet. Das Untcrsuchungsresultat. Sarajewo, 29. Juni. Außer den beiden Attentätern wurden sogleich auch einige der Mitschuld verdäch- tige Personen verhaftet. Die bisherigen Erhebungen ergaben, daß beide Attentäter Landesangehörige und serbisch-orthodoren Glaubens sind. Cabrinovic gestand, vor kurzer Zeit in Belgrad gewesen zu sein, wo er Bomben zu dem aus- drücklichen Zweck eines Attentats auf den Erzherzog erhalten habe. Der zweite Attentäter gestand, er habe seit seiner Rückkehr aus Belgrad den Vorsatz gehabt, eine hoch- stehende Persönlichkeit zu erschießen, um dadurch die serbische Nation für die angebliche Unterdrückung zu rächen. Bei der Ausführung des Attentats habe er sich absichtlich zwischen zwei bekannte Studenten gestellt, von Welchen er gewußt habe, daß sie noch nicht verdächtig waren. Von dem Bombenattentat Cabrinovic habe er nichts gewußt. Wegen der Ueberraschung über das Bombenattentat sei er nicht schuß- fertig gewesen, als der Erzherzog das erste Mal vorbei- gefahren sei. Maßgebende Kreise sind überzeugt, daß die Ausübung derartiger Attentate durch bosnische Landesangehörige ganz ausgeschlossen gewesen wären, wenn nicht geraume Zeit hin- durch, wie schon seit langem bekannt gewesen sei, in der loyalen serbisch-orthodoxen Bevölkerung vom Auslände aus in maßloser Weise agitiert und geschürt worden wäre, was be- sonders bei der Jugend der Mittelschulen und den Sozialisten serbisch-orthodoxen Glaubens verführend wirke.(Die letzte Bemerkung ist.eine um so nichts- würdigere Verleumdung, da es in Bosnien kaum Ansätze einer sozialistischen Bewegung gibt, die serbische Sozialdemokratie selbst aber in einem leidcnschaft- lichen und böchst anerkennenswerten Kampfe gegen das Großserbentum und die nationalistische Kriegshetze steht.) Eine Erklärung der serbischen Regierung. Belgrad, 29. Juni. Das Preßburemi'des Ministeriums des A c u ß c r n veröffentlicht folgendes. Eommumque: Unter dem Eindruck des tragischen Ereignisses, dessen Schauplatz gestern Sara- jcmo war, haben wir nicht genug Worte, das schreckliche Attentat, dem der Thronsolger unserer Nachbarmonarchie, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin, die Herzogin von Hohenberg, zum Opfer gefallen sind, zu brandmarken. Innig bsdauernd, daß durch den unerwarteten und unter so fürchterlichen Umständen cingetre- tcncn Tod gleicherweise der hochgeachtete, greise Monarch der öfter- rcichisch-ungarischen Rachbarmonarchie und die in der Aionarchie lebenden Nationen ins Herz getroffen wurden, sind mir in der Lage festzustellen, daß das traurige Ereignis auch in unserem Lande Gefühle der größten Indignation und der streng- st c n Verurteilung ausgelöst hat. Keine Einberufung des österreichischen Parlaments. Wien, 29, Juni.(P r i v a t t e l c g r a m in d c s„V 0 r w ä r t s".) In der Bevölkerung herrscht zwar allgemein Widerwille und Abscheu über das Attentat. Aber im übrigen ist die Stimmung nicht erregt. Ter Thronfolger lvar hier, außer bei den Christlichsozialen, wenig beliebt. Allgemein fällt auf, daß das ö st c r r e i ch i s ch e P a r l a m e n t, das bekanntlich wegen des§ 14 vertagt ist, nicht einmal zu einer Trauersitzung einberufen wird. Es wird so vielleicht das einzige Parlament sein, in dem keine Kondolenzkundgebung stattfinden wird.. Auch dies ist ein bezeichnendes Symbol für die unhaltbaren Zustände dieses Reiches. dreibunö vor öie Iront l Noch im Frühjahre dieses Jahres jubelte die eben verstorbene Führerin der bürgerlichen Friedensbewegung, Berta v. Suttner. über die„Gründung" des albanischen Staates, als dessen Taufpaten' sie in ihrem unverbesserlichen Optimismus das„vereinigte Europa" ansah: Das neue Königreich Albanien ist gegründet, sein neuer König eingesetzt. Ein künstlicher, durch internationales Abkommen abgegrenzter, von einer internationalen Kommission kon- trollierter Staat— etwas noch nie Dagewesenes. Ein Beweis jedenfalls, daß Staaten anders entstehen und deren Grenzen anders reguliert werden kömien, als durch Kriege. Und wie wäre dort ein Bürgerkrieg— nämlich ein Aufftand in Epirus — ausgefochten worden? Mit i n t e r n a t i 0 n al e n Truppen. Ja, leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Räume stoßen sich die Sachen. Als die S u t t n c r diese Vertrauens- vollen Zeilen niederschrieb, war der Aufstand in Epirus schon flott im Gange, ohne daß vernünftigerweise internationale Truppen dort ihre Haut zu Markte trugen, und vor ihrem Tode wird sie sich zu ihrem Schmerz auch davon überzeugt haben, daß trotz aller inter« nationale» Friedlichkeit diese Staatsschöpfung Ströme von Blut hat fließen lassen. Vielleicht hat sie sogar entdeckt, daß es auch in der albanischen Frage mit dem„vereinigten Europa" seine Mucken hat. Rachgerade pfeifen ja die Spatzen die Entstehungsgeschichte deZ „autonomen" Albanien vom Dache. Auf der einen Seite standen Oesterreich-Ungarn und Italien, von denen jedes seine Gelüste auf die albanische Adriaküste nicht durch eine Ucberlassung des Landes .an Serbien und Griechenland einsargen, sondern durch ein lebens- unfähiges„selbständiges" Albanien Wechsel auf die Zukunft ziehen wollte. Auf der anderen Seite lvaren Rußland und Frankreich für eine unbedingte Aufteilung Albaniens unter die angrenzenden Balkansiaaten. Hätte die deutsche Regierung ihren Bundesgenossen in Wien und Rom den dringlichen Rat gegeben, ihre Finger von Albanien zu lassen, so hätte weder Oesterreich-Ungarn noch Italien im Rat der Großmächte seine Absichten durchsetzen können und Europa würde heute nicht durch eine albanische Frage beunruhigt. Stattdessen ließ sich die Regierung des Herrn von Bethmann Hollweg von den Bundesgenossen nicht nur ganz und gar ins Schlepptau nehmen, sondern wußte auch die englische Foreign-Office auf seine Seite her- überzuziehen. Vier Mächte gegen zwei, beschloß die Londoner Bot- schasterkonferenz die Gründung des Fürstentums Albanien, mit dem kläglichen Erfolg, der von uns vorausgesehen wurde und der jetzt täglich mit Blut auf den Blättern der Zeitgeschichte verzeichnet wird. Wenn eine besondere Macht an diesem Gemetzel um Durazzo die Schuld trägt, so ist es Deutsch- land, nicht weil her Mbret ein deutscher Prinz ist. sondern weil eS ohne Deutschlands Mitwirkung keitt Fürstentum Alhauien gäbe! Nun ist es mit den, Albanien der Londoner Botschafterkonferenz, an dessen Spitze der Prinz zu Wied mit Szepter und Krone jonglierte, unzweifelhaft zu Ende. Außer in Skutari mit seinen inter- nationalen Besatzungstruppen und im Umkreis des von Oester- reichern und Italienern bewachten Konaks in Durazzo gilt heute das Machtwort des Mrbet nicht einen Heller. Südalbanicn löst sich von dem Rest des Landes los, ganz Mittelalbanienen steht gegen den Fremdling aus Neuwied unter Waffen. Pren! Bibdoda mit seinen Scharen, die letzte Hoffnung der„Dynastie Wied", ist in den albanischen Bergen spurlos verschwunden und weder die freiwilligen SonutagSsoldaten, die in Oesterreich ein närrischer Bildhauer zu einer Spritztour nach Durazzo aufgeboten hat, noch die geplante Unterweisung der königstreuen Miriditen und Mulissoren im preußischen Drill werden den Mbret aus der Bredouille erlösen, in die er durch fremde und eigene Schuld geraten ist. Durch eigene, indem er sich wie ein deutscher Serenissimus des achtzehnten Jahrhunderts in dein wilden Lande einzurichten begann und nach dem Rat der Krautjunker in seiner Umgebung handelte, die orientalischen Problemen gegenüberstanden wie der Hund der Logarithmentafel, durch fremde, insofern auch ein Cäsar und ein Napoleon nicht ohne finanzielle und militärische Macht sich in Albanien hätte halten können. Ein gemeingefährlicher Frevel aber ist es geradezu, wenn die reaktionäre Presse Deutschlands jetzt, wo die Sache des Mieders unrettbar verloren ist, Herrn v. Bethmann Hollwcg und Herrn v. I a g 0 w scharf zu machen sucht, um den Dreibund auf die Bahn einer abenteuerlichen albanischen Politik zu treiben. Schon daß der deutsche Kreuzer„Breslau" ein Schnellfeuergcschütz gelandet habe. begrüßte diese Presse mit Schnalzlauten des Wohlgefallens, und neuerdings muntert die„Deutsche Tageszeitung" auf: Wenn die führenden Staatsmänner iit Oesterreich-Ungarn und Italien es— selbst heute noch— endlich über sich brächten, sich nicht nur über Gesichtspunkte, sondern über praktisches Vor- gehen zu verständigen, Ivenu sie den anderen Mächten mitteilten, sie sähen sich d u r ch d i e U m st ä n d e g cz w un g e n. in der für sie vitalen albanischen Frage nach eigenem Ermessen vorzugehen und hätten das Deutsche Reich unbedingt hinter sich, dann möchten wir die Macht sehen, welche sich dagegen auflehnte.... Was die Politik des Deutschen Reiches anbetrifft, so darf sie sich nicht der Notwendigkeit entziehen, der albanischen Frage gerade unter dem Gesichtspunkt der Dreibund- intrrcffcn ein tätigeres Interesse zuzuwenden, denn auch sür das Deutsche Reich handelt es sich um mehr, als um die Person des Fürsten. Der Dreibund braucht nur zu wollen, und wenn nicht gleich alle drei gemeinsam wollen, s» muß einer anfangen zu wollen. lind dieser eine soll Deutschland sein! Das aber ist, mit Wer- laub, Tollhauspolitik, denn wenn, angestachelt von Deutsch- land, der Dreibund sich vermäße, in der albanischen Frage eigene Wege zu gehen, ständen sich Dreibund und Dreiverband wieder wie Hund und Katze gegenüber und die Welt- kriegsgefahr, die Monate lang wie ein Alp auf Europa gelastet und daS ganze Wirtschaftsleben zerrüttet hat, wäre über Nacht wieder in unmittelbare Nähe gerückt. Wir Sozialdemokraten haben das albanische Problem nie für eine europäische Frage gehalten, aber nachdem die Londoner Diploinatenkonfcrenz nun einmal eine euro- päische Frage daraus gemacht hat, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder überlassen die Mächte nach dem Abzüge des Serenissimus aus Neuwied Albanien seinem Schicksale und die alba- nische Frage wird wieder zur reinen Balkanfrage oder die Mächte suchen, ohne das Poffenspiel eines neuen Mbret, die albanische Frage notdürftig zu regeln, indem die intersssipnAss Kontrollkommission die Hafenstädte Albaniens in neutrale Ver» Wallung nimmt. Was darüber hinausreicht, zumal ein eigen« mächtiges Vorgehen des Dreibundes, ist nur geeignet, empfindliche Störung in die internationale Frage hineinzutragen. Und die internationale Lage verträgt keine Störung I Am aller- wenigsten um Albaniens willen, das für die Massen in Europa der Inbegriff des Gleichgültigen ist. Bor einein Dutzend von Monden wußten die wenigsten in Deutschland zu sagen, ob Durazzo der Name eines Käses, eines Räuberhauptmanns oder einer Stadt sei, und heute soll die Politik Deutschlands nach dem Wunsch der Reaktiv- näre diesem Durazzo„ein tätigeres Interesse zuwenden". NarrenS- Possen! Was die italienischen, was die österreichischen Sozialisten tagtäglich den Regierungen ihrer Länder zurufen, das rufen auch wir im Namen des ganzen deutschen Volkes den Bethmann H o l l w e g und I agow zu, und es kann nicht laut genug in der Wilhelmstraße widerhallen: Hände weg von Albanien! Solöatenmißhanülungen vor öer Strafkammer. Gestern begann die Verhandlung gegen die Genossin Tr. Rosa Luxemburg wegen angeblicher Beleidigung aller An- gehörigen der preußischen Armee, insbesondere aller Offiziere und Unteroffiziere. Einen ausführlichen Bericht finden unsere Leser an anderer Stelle. Ein voller Verhandlungstag war erforderlich, um durchzusetzen, daß wenigstens die von der Angeklagten geladenen Zeugen vernommen werden sollen. Tie Vernehmung wird wahrscheinlich erst am Freitag beginnen. Tie Verhandlung zeigte deutlich getrennt zwei Lager: dort die Staatsanwaltschaft, die mit allen Mitteln des formalen Rechts dahin drängte, den Beweis der Wahrheit abzuschneiden und nach verlorener Schlacht ihn wenigstens hinauszuzögern, hier die Angeklagte und deren Verteidiger, die bemüht waren, auf der Stelle die völlige Haltlosigkeit der Anklage durch sckleunigen Beweis der Wahrheit zu zeigen. Ueber IlX) Zeugen hatten sie geladen. Was ist denn das Verbrechen, dessen man die Angeklagte zeiht? Nach der Anklage wird ihr lediglich zur Last gelegt, in einer Rede gesagt zu haben: „Was auch in Metz passiert ist— eins ist klar: es ist sicher eins jener Dramen, die tagaus, tagein in den Kasernen , sich abspielen und bei denen das Stöhnen der Beteiligten nur selten an unsere Ohren gelangt." Tie Anklage behauptet nun, diese Behauptung der Ange- klagten sei„nicht erweislich lvahr". Und was führt sie zum Beweis an? Nichts, aber auch rein gar nichts. Noch im Prozeß Harden-Elilenburg anerkannte der Oberstaatsanwalt, daß der Beweis für die Nichterwcislichkeit in derlei aus§ 156 des Strafgesetzbuches erhobenen Anklagen der Staatsanwaltschaft zufiele. Jetzt wird die B e w e i s l a st u in g e k e h r t. Ter Staatsanwalt hat keiuen Finger gerührt, um seine Behauptung zu beweisen. Er stellt sich auf den Standpunkt: die Angeklagte habe ihre Un- schuld zu beweisen. Das heißt, aus dem mittelalterlichen Ver- fahren, aus der Zeit der Hcxenprozcsse in unsere Zeit hinein sencs Verfahren zu verpflanzen, das allgemein als der In- begriff eines Vorgehens gilt, �as- nicht der Wahrheit zuiii Siege verhelfen soll, sondern dem Aberglauben, dem Vor- urteil, der Voreingenommenheit, dem Unrecht. Nicht einen einzigen Zeugen benannte die Staatsanwalt- schast. der unter seinem Eid bekunden könnte, daß auch nur on e i n e m bestimmten Tage sich in keiner Kaserne ein Trama abgespielt habe. Dadurch sind die Rollen der Angeklagten und des An- klägers völlig vertauscht. Jetzt ist zum Ankläger die Ange- klagte, als Angeklagter der öffentliche Ankläger, und damit das Militärsystcni und die Soldatcnmißhandlung als eine seiner Folgeerscheinungen geworden. � Teutlidi erkennbar war der Rückzug der Anklage. Sie klammert sich an Deutungen, die sie den Worten der An- geklagten gibt. Nach ihr handelt es sich nur um die Deutung des Wortes„Dramen". Eine Mißhandlung sei ein Trama? I bewahre, darunter fallen ja kleine„Jagdbiebe". Freilich, wenn ein Ossizier einen solchen Jagdhjeb erhält, hat er seinen Rock auszuziehen oder sich zu duellieren. Dann kann es ein „Drama" sein. Aber, wenn ein einfacher Bürger, ein„Unter- gebcner" gcmißhandelt wird, tausend noch eins, dann wird wobl aus dem Drama ein Lustspiel? Liegt da kein Konflikt zwischen verletzter Menschenwürde und Militärpflicht vor? Ist so ein„Jagdhieb" vielleicht gar nur eine vertraulich- liebenswürdige Annäherung des Vorgesetzten an den Unter- gcbenen, eine Ehrung? Solche Wortdeutnngen Ivird leider die Angeklagte nach der gestrigen Verhandlung auch dem Gericht gegenüber zu be- kämpfen haben. Mit erschreckender Deutlichkeit zeigte dies der Vorsitzende noch vor Eintritt in die Verhandlung. Er hielt eine Ansprache für erforderlich, die Warnungen und Mah- nungm mir gegen die Verteidigung, nicht gegen die Staats- anwaltschaft richtete. Er hielt eine Mahnung für erforderlich, nicht die Grenzen der Verteidigung zu überschreiten. Warum keine gegen Verletzung der Grenze der Anklagebehörde? Warum das? Mahnungen gegen, den durch die Strafprozeß. ordnung schon äußerst schlecht gestellten Angeklagten, aber keine gegen den durch Gesetz zum Herrn des Strafprozesses ge- machten Staatsanwalt? Die ganz ungewöhnliche Mahnung des Vorsitzenden er- innerte lebhaft an den Unterschied, den das Militärstraf- gesetzbuch zwischen Handlungen Vorgesetzter und solchen Untergebener inachte. Der Vorsitzende erklärte, keinerlei Vor- eingcnommenheit habe in seinen Worten gelegen, ferngelegen habe ihm eine Schmälerung der Rechte der Angeklagten. Wir haben keinen Anlaß, der Versicherung zu mißtrauen. Zeigt sie aber nicht, daß die Voreingenommenheit so stark ist, daß der Vorsitzende nicht einmal nierkt. daß schon vor Eintritt in die Verhandlung er mit zweierlei Maß die Rechte der Ange- klagten und die des Staatsanwalts mißt? Des Rätsels Lösung gab die Tatsache, daß der Vorsitzende Landwehrhaupt- mann a. D. ist. Er fühlt sich als solcher nicht befangen. Aber nicht nur die Angeklagte wird aus dieser Tatsache und aus der ungewöhnlichen Ansprache zur Besorgnis der Befangen- heit gegen den Vorsitzenden gelangt sein. Zwei Stenographen und ein Kriegsgerichtsrat wohnten auf Anordnung des Kriegsministeriunis der Verhandlung bei. Ein Belastungszeuge war auch aus dem Kriegs- Ministerium nicht erschienen. Die Anklage ist schon jetzt bankerott. Das Spiel, durch Deutungen und Deuteleien sie zu retten, mag juristische Sportsleute interessieren. Die All- gemeinheit aber ersieht, daß die Staatsanwaltschaft und das Kriegsministerium auch nicht einen Zeugen dafür haben beibringen können, daß die von der Angeklagten behaupteten Tatsachen„nicht erweislich wahr" seien. Noch mehr ist für die Allgemeinheit von Bedeutung der Bcweisantritt, daß er- schütterndc Soldatenmißhandlungen vorkommen. Dieser vor einem Zivilgericht der Angeklagten aufgedrungene Beweis wird sicherlich zur Verminderung der widerlichsten Feigheiten beitragen, die als Soldatenmißhandlungen die Ehre der deutschen Bürger und des deutschen Vaterlandes beflecken, das preußische Wohnungsgesetz. Tie Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses zur Beratung des Entwurfs eines Wohnungsgcsetzes hat am Tonnerstag die zweite Lesung des Gesetzes beendet. Ver- besserungen des Entwurfs sind dabei nicht herausgekommen. eher noch einige Verschlechterungen, wenn dieses PfusckWcrk preußischer Gcfetzgebung überhaupt noch verschlechtert wer- den konnte. Was in dieser Richtung bei dem ganz unzulänglichen Entwurf der Regierung noch möglich war, ist bereits in der ersten Lesung hinlänglich besorgt worden. Ter freien Ent- faltung der privaten Bauspekulation ist nach Möglickckeit die Bahn freigemacht, die Rechte der Gemeindebehörden sind ein- geschränkt und die Befugnisse der Polizei und der staatlichen Verwaltungsbehörden sind erweitert worden. Dabei ist es auch in der zweiten Lesung geblieben. Ebenso sind die so ungemein wichtigen Bestimmungen über die Benutzung der Gebäude und über die Wohnungsaufsicht fo miserabel geblieben wie sie in der ersten Lesung gestaltet waren. Ja, soweit angängig, sind sie sogar noch verschlechtert worden. Nach der Regierungsvorlage müssen in allen Gemeinden und Gntsbezirken mit niehr als 10 000 Einwohnern Wohnungsordnungen erlassen werden, in kleineren Gemeinden kann das geschehen. In der ersten Lesung war beschlossen worden, daß auch für diese kleineren Gemeinden der Erlaß einer Wohnungsordnung durch den Regierungs- Präsidenten angeordnet werden könne. Diese winzige Ver- besserung wurde in der zweiten Lesung beseitigt. In den kleinen Gemeinden und vor allein in den Gutsbezirken soll es bei der scheußlichen Wohiiungsmiserc bleiben. Eine kleine Ergänzung der Bestimmungen über die Wohnungsordnung wurde in der zweiten Lesung insofern beschlossen, als den Oberpräsidenten oder Regierungs- Präsidenten das Recht eingeräumt werden soll, durch Polizei- Verordnung Vorschriften über die Aufnahme nicht zur Fa- milie gehöriger Personen(Einlieger, Schlafburschen usw.) zn erlassen. Doch was haben solche Bestimmungen für einen Wert, wenn ihr Erlaß in das Belieben der preußischen Staatsbnreaukratie gestellt ist und das Gesetz keinerlei Mindestforderungen für den Umfang und die Gestaltung der Wohnungen und ihre Bewohnbarkeit enthält? Es bleibt ein Messer ohne Klinge. Alle Versuche diese Bestimiiiungen zu verbessern, scheiterten auch in der zweiten Lesung an der festen konservativ-klerikal-nationalliberalen Schutzwehr der agrarischen und städtischen Grundbesitzerinteressen. I» der letzten Sitzung der Koiimnssion kam es noch zu einer recht interessanten Auseinandersetzung über die ganze Wohnungsfrage. In der gairz richtiaen Erkenntnis, daß durch Polizeworschriften und Wohnungsordnungen allein die Wohnungsnot, die in dem Mangel an kleinen Wohnungen, den hohen Mietpreisen und der Ueberfüllung der Wohnungen in die Erscheinung tritt, nicht wirksam bekämpft werden kann, war von fortschrittlicher Seite, unterstützt durch den sozialdemokratischen Vertreter, der Antrag gestellt: durch eine Bestimnmng im Gesetz aus Staatsmitteln einen Fonds von 23 Millionen Mark zur Förderung des W o l, n u n g s b a u s zu bilden. Aus diesem Fonds sollten auf Antrag von Gemeinden gemeindliche und genossen- schaftliche Korporationen, die die Schaffung von gesunden, zweckmäßig eingerichteten Wohnungen für Unbemittelte bc- treiben, durch Gewährung von Darlehen und sonstigen Bei- Hilfen unterstützt werden. Ein Vertreter des Zentrums forderte für den gleichen Zweck 100 Millionen Mark. jedoch nur in einer�R esolution. in der die Regierung ersucht wird, diese Summe nach Bedarf herzugeben. Beide Anträge wurden von dem Vertreter der Rc- gierung. wie von den Konservativen und Nationalliberalen und auch von einigen Zentrumsabgeordnctcn heftig be- kämpft. Der Wohnungsbau müsse der Privat- initiative ü b e r l t s s e n bleiben, der Staat gebe grundsätzlich Mittel dafür nicht her. Wollte er das tun,� würde er auf s o z i a l i st i s ch c Wege geraten. Tie Regierung müsse daran festhalten, daß die Förderung des Wohnungsbaus Aufgabe der Gemeinden sei. Ein fortschrittliches Koimnissionsmitglied verwahrte sich dagegen, daß alle vernünftigen Anträge und Anregungen als sozialistisch bezeichnet würden. wohingegen das sozialdemokratische Mitglied erklärte, daß zu dieser Verwaltung doch keine Veranlassung vorläge. Wolle man die Auswüchse unserer privatkapitalistilchen Wirt- schastsordnung. wie sie auch auf dem Gebiete des Wohnungs- Wesens so grell in die Erscheinung träten, durch vernünftige Maßnahmen bekämpfen, werde man durch die Logik der Tatsachen auf sozialistische Wege gedrängt. Tic Regierung und die reaktionären Parteien wollen aber das Wohnungs. elend nicht wirksam bekämpfen, sie wollen mit dem Wohnungs- gesetz nur weiße Salbe schassen, deshalb bekämpfen sie die Anträge, die nur einen ganz schwachen Versuch darstellen, die gräßliche Wohnungsnot zu mildern, die die sittliche und kör- perlichc Gesundheit großer minderbemittelter Volksschichten auf das schwerste gefährdet. Die Grundsätze, die die Re- gierung und die Gegner jeder wirksamen Wohnungsrcform vorschützten, seien bei der i n n e r e n K o l o n i s a t i o n längst beiseite geschoben, ebenso bei der Bereitstellung von Staatsmitteln zum Bau von Wohimngen für Staatsarbeiter und Beamte. Uebrigcns berühre es doch eigenartig, wenn die Re- gierung grundsätzlich die Unterstützung von Maßnahmen ab- lehnt, weil ihnen sozialistische Grundgedanken innewohnen, gleichzeitig aber den Gemeinden diese Aufgabe zuschiebe. Die Regierung müsse doch wissen, daß die Gemeinden, in denen die Wohnungsnot am größten ist, meist auch finanziell am leistungsunfähigsten seien. Wie wenig ernst es dem Zentrum mit seinem Antrag war. erhellt daraus, daß der Antragsteller schließlich erklärte. er häte nur aus Bosheit 100 Millionen Mark gefordert, weil die Lilieralen in ihren Anträgen zur inneren Kolonisation auch solche Beträge gefordert hätten. Er zog denn auch seine Resolution zurück und ersetzte sie durch folgende nichtssagende: „Die Königliche Staatsregicrung zu ersuchen, im Tinnc der praktischen Durchführung des Wohnungsgesetzes zur Förderung des Kleinwohnungswcsens'für die unndcrbcmittcltc Pcvölte- rung geeignete Maßnahmen zu treffen und entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen." Für diese Resolution stimmten' auch die Vertreter der reaktionären Parteien, nachdem sie noch ausdrücktich erklärt hatten, sw täten das, weil die Resolution nichts Positives sage. Das nennt man praktische Z c n- t r u msp o l i li k, die um so verwerflicher ist. als der An- tragsteller selbst recht anschaulich schilderte welch ichcußliche Wohnungsvcrhältnisse sich im rheinisch-westfälischen Industrie- gebiet herausgebildet hätten. Ter fortschrittliche Antrag wurde natürlich gegen die Stimmen des Sozialdemokraten und der Fortschrittler abge- lehnt und dadurch mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck ge- bracht, daß auf dem Gebiet des Wohnungswesens alles beim alten bleiben soll. In der Gesaintabstimmung stimmten nur der Sozial- dcmokrat, die Fortschrittler und ein Nationalliberaler gegen das ganze Gesetz. Gelingt es nicht noch im Plenum das Gesetz anders zu gestalten, so daß es wenigstens als der schüchterne Anfang eines wirklichen Wohnungsgesetzes betrachtet werden kann, dann muß es mit aller Energie be- känwst werden. Denn, wird der Entwurf in der Fassung, die er durch die bisherigen Kommiisionsverhaudlnngen erhalten hat, Gesetz, dann ist dieses Gesetz zur Bekämpfung des Wohnungselends fast völlig wertlos, es täuscht aber das Volk und steht einer gesunden Wohnungsreform im Wege, indem es die Schaffung eines besseren Reichswohnungsgesetzes�ver- eitelt. � politische Uebersicht. Geschäftige„Hetze". Es sind doch abgebrühte Burschen, dick Gersiesrittcr-von! der„Deutschen Tageszeitung"! Auch bei dem Attentat aus das österreichische Thronfolgerpaar gilt ilw erster Gedanke dem eigenen politischen Geschäft:„Läßt sich nichtz auch diese? Ereignis vielleicht zu einer kleinen Hetze für ein neues Ausnahmegesetz gegen die verhaßte Sozialdemokratie benützen?" Und wirklich, die Kerle bringen es fertig! Zwar hat diejes Attentat nicht im entferntesten etwas uxir- irgendwelchen vre- lctarisch-rcvoluionären Dingen zu tun. Gehören dock): die Motive jenem n a t i o n a l i st r s ch e n Jdcenkreis an, der dem ganzen Denken des modernen internationalen Pro- letariats so entgegengesetzt wie nur möglich istz Und erscheinl doch die indivinelle Gewalttat, die bei den bstürgerlich nationalen Erhebungen stets eine so große Rotta gespielt lwt, dem proletarischen Emanzipationskamps alsevöllige Sinnlosig- keit. Aber was tut das den Leuten von der„Deutschen Tages- zeitung"? Ter traurige Anlaß ist für sie nur die Gelegenheit zu einer fröhlichen Hätz gegen den inneren Feind: „Eine e r n st e Lehre ist diese Schandtat aber nicht nur für die Regierungen der nächstbeteiligten Länder, sondern auch aller airdercn Kulturstaatcni insbesondere für jede Monarchie, weil in ihr leichter als in anderen Ländern das iscl'ickfal deZ Staates zeitweilig auf zwei Augen stehen kann: Eine Mahnung, den bürgerlichen, monarchistischen Staat so gut zu rüsten und so stark zu machen, daß niemand hoffen kann, ihn dirrch einzelne Verbrechen oder überhaupt durch revolutionäre Mittel zu zerstören; eine Mahnung, allen d c st r uchtzivom u.n i» revolutionären Tendenzen überall, wo sie sich zeigen, mit der ganzen Macht des Staates ent- gcgenzutreten und nicht mit ihrer Bekämpfung zu warten. bis sie stark genug sind, die„trockene" Revolution durch die offene Gewalt zu ersetzen; eine Mahnung endlich, mit mehr Wachsamkeit und Entschiedenheit als bisher den Kampf gegen die ganze moralische Erkrankung zu führen, die in der sqstema- tischen, hetzerischen Untergrabung aller Jucht und Autorität auf Erden gegeben ist, und die doch der letzte Arund für Greueltaten wie die von Sarajewo ist und bleibt." Da muß denn doch gesagt werden, daß dieser serbische Attentäter den Leuten von der„Teutstheu Tageszeitung" näher steht als sonst jeinandem. Er ist b e g e i st e r t e r M o ii a r ch i st. wenn and) begeistert nichf tür die nations- fremden Habsburger, sondern für die nationale serbische Dynastie. Er ist ein Anhänger des Großserbcntums, das nur die serbisdje Ueberi'ctzung des Alldeut s ch t ii m S ist. Und wenn die„Deutsche Tageszeitung" das Großserbentum beschuldigt, einen Weltbrand entzünden zu wollen, um seine Pläne durchzusetzen, so gilt diese Anklage mdst minder für unsere alldeutschen Narren. Dabei fehlt den Hetzern der„Tcuticksen Tageszeitung" noch dazu der gute Glaube. Denn sie wissen ganz gut, daß die Gewaltpolitik, nach der sie schreien, erst recht Gewalt gebären muß. Das zeigt das Beispiel des Zarisnius. Aber diesen Burschen ist jedes Mittel redst, um zum Kampf gegen die breiten Massen der eigenen Nation aufzureizen: denn bei diesem Kampf blüht ihr Weizen, und je mehr die Arbeitcrschast verfolgt und geknebelt wird, desto mehr mag es dann ge- lingen, beim Zolltarif neue Vorteile zu ergattern. Die s ch in u tz i g st e n G c l d i n t e r c s s c n, das sind die einzigen Interessen, die diese Leute an der Monarchie und an der Autorität des Staates nehnten. Tie Streikverordnung für Sachse«. Tie in der Presse in den letzten Wochen viel erörterte Streikverordnung, die die sächsische Regierung im letzten Land» tag in Aussicht stellte, ist jetzt heraus. In dem soeben erschienenen Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen wird eine„Verordnung über das Verhalten der Polizeibehörden bei gewerblichen Streitigkeiten, Streiks und Aussperrungen" veröffentlicht. Die Verordnung stimmt genau nnt dem Wqrtlaut überein, den der„Vorwärts" de- reits vor einigen Wochen veröffentlichte. Tie Verordnung enthält also tatsächlich das verklausulierte Streikpostenverbot, das bisher von den natwnalliberalen Blättern als unwahr« scheinlich bezeichnet worden ist. Es kann nach Z 5 dieser Verordnung die Aufstellung von Streikposten vorübergehend oder für die Tmier der betreffenden Streitigkeiten verboten werden, wenn Streikbrecher wider ihren erkennbaren Willen auf öffentlicher Straße oder Plätzen angesprochen oder äugen- fällig begleitet werden. Nach 8 4 können Streikposten weg- gewiesen oder entfernt werden, wenn sie die öffentliche Ord- nung oder Sicherheit, die Bequemlichkeit oder Ruhe auf den öffentlichen Plätzen, Straßen, Wegen, Wasserstraßen, Haus- fluren und Einfahrten stören, insbesondere Arbeitswillige belästigen. Tie Feststellung solcher Belästigungen ist ganz in das Ermessen der Behörden gegeben. Damit ist die Ausübung des Streikpostenstehens der Willkür der Polizcibcamten überantwortet. Die Regierung hat sich dem Willen des scharfmacherischen Untcrnebmcrtums gebeugt. Es wird nun eine Entscheidung des obersten Ge» Dr. Franko üldcnnfictm, stelltr den Antrag, zu beschließen, daß die Beantwortung der Interpellation durch den Aultusminister der Anschauung des Hauses nicht entspreche, Dieser Antrag wurde mit 23 gegen 22 stimmen angenommen. Ein Fiasko der Essener Staatsanwaltschaft. Vor einigen Wochen lief durch die Presse die Nachricht, daß aus Anlaß des letzten Ruhrbergarbeiter st reiks ein Disziplinar verfahren gegen den Rechtsanwalt Dr. L e V y in Essen anhängig gemacht worden sei. Levh hatte in einer Versammlung der Demokratischen Vereinigung als Diskussionsredner die Urteile der Essener Strafkammern in Streiksachen kritisiert Er wurde deshalb wegen Beleidigung der Essener Richter verurteilt und mit ihm die verantwortlichen Redaktcure der.Essener Arbeiterzeitung" und des.Allgemeinen Beobachters", die die Aus sührungen wiedergegeben halten. Damit sollte es aber nichr genug fein. Nach erfolglosem Versuch die Anwaltskammer gegen 2ev>i mobil zu machen, fetzte der Staatsanwalt beim Oberlandesgericht Hamm die Eröffnung des Disziplinarverfahrens gegen Dr. Levy durch. In diesem Verfahren wurde am letzten Sonnabend ver handelt. Das Urteil lautete auf Freisprechung. Indirekt bedeutet dieser Freispruch eine Korrektur des vom Reichsgericht bestätigten Strafkamnierurteils. richtshofes zu provozieren fein. Sogar im nationalliberalen . Leipziger Tageblatt" wird erklärt, daß diese Bestimmungen kaum mit dem Gesetz und letztinstanzlichen Entscheidungen in Einklang zu bringen sind. Noch schärfer urteilt die fort- schrittlichc„Zittauer Morgenzcitung". Die sächsische Arbeiterschaft hat sich auf neue Kämpfe um dos ohnehin schon sehr eingeengte Kvalitionsrecht gefaßt zu machen._ Löblich unterworfen. Wie wir gemeldet haben, ist durch die Jndexkongregation eine don dem Führer des Zentrums in Baden, dem Geistlichen Rat Dr. Waiker, gegen die Berliner Richtung des Klerikalismus gerichtete Schrift wegen ihrer Bestreitung des päpstlichen Rechts, den Katholiken ihre politische Haltung vorzuschreiben, auf den Index gesetzt worden. Bisher hatte sich Dr. Wacker trotz seiner so oft im politischen Kampf dewährten Großsprecherei jeder Aeußerung über seine Verurteilung enthalten. Am letzten«onntag hat er endlich erklärt, daß er sich dem Urteil der jndexkongregation beuge. In einer Festrede in Einmerdiugen aus dem Verbands tage deS Windthorstbundes erklärte er, es sei eine selbstverständliche Pflicht des Gehorsams, daß er sich einer vom Papste genehmigten Entscheidung unterwerfe, doch fügte er hinzu, baß seine politische Arbeit und Stellung von der Entscheidung der Jndex-Kongregation keineswegs beeinflußt würde. Das letzlere ist natürlich nichts als eine leere Redensart. Um tavfere Phraien ist dieses Lumen des Klerikalismus ja noch nie ver- legen gewesen._ Nur als Hurraschreier zugelassen. � Tie„Hamburger Nachrichten" sind der unbegründeten Furcht verfallen, daß ihnen der Ruhm, das Blatt der ver rücktcsten Bismarck-Jdolatrie zu fein, von anderen Blättern gleichartiger Geistesbeschaffenheit streitig gemacht werden könnte. In einem„Die neuen Bismarck-Freunde" über fchricbcnen Artikel entrüsten sie sich darüber, daß gewisse offiziöse Blätter sich jetzt, vor der herannahenden Jahr hundertfeier des Geburtstages ihres Nationalheros, fast „bisntärckischer" gebärden als die„Hamburger Nachrichten", obgleich ihnen früher keine Verdächtigung und keine Ver- leumditng des entlassenen ersten �Reichskanzlers zu niedrig gewesen sei, um sie nicht in ihren Spalten weiterzuverbreiten. Noch schmerzlicher ist dem Hamburger Spczialblatt für Bisiirarckkultus, daß auch manche fortschrittlichen Blätter Bismarck als größten Repräsentanten der heroischen Ver aangenheit des deutschen Volkes feiern. Nur den fortschritt lichen Blättern, deren Liberalismus wohlteniperiert ist, soll gestattet sein, mitzumachen— vorausgesetzt, daß sie sich be scheiden im Hintergrund halten und jede Störung der Ein wütigkeit der bürgerlichen Elemente bei der„Nationalfeier" vermeiden. Dagegen müßte den Freisinnsblättern von der Lnalität des„Berliner Tageblattes" unbedingt ein Mrnih korb angelegt werden, denn deren„Renegatentum" wirke naturgemäß abstoßend auf diejilten Anhänger des großen Staatsmannes, fordere ihren Spott heraus und werde als � Provokation empfunden, von der kein guter Einfluß auf die Aufrechterhaltung der Eintracht bei der Nationalfeier zu er Warten sei. „Wie wir," erklärt das Hamburger Spicßbürgerblatt, können alle alten Bismarck-Anhänger wohl vergeben, aber « wicht vergessen, was sie selbst erlebt und mit eigenen ! Augen gesehen haben: daß der nämliche Freisinn, dessen Organe setzt als Bewunderer des einstmals.so Gehaßten auftreten, es war, der als Fortschrittspartei den Fürsten auf Schritt und Tritt bekämpft und ihn an der Erreichung feiner Erfolge nach Kräften zu hindern gesucht hat. Während der Konfliktszeit war in fortschrittlichen Blättern ganz offen die Hoffnung auSge sprachen worden,„Herrn b. BiSmarckzumBortciledeS EtaateSWollespinnenzu sehen", Drohungenmit Zucht» hcmS, BermögenskonsiSkation, Anspielungen an Strassord und Polignac waren an der Tagesordnung, und wer weiß, was gc schehen wäre, wenn König Wilhelm damals das Zeitliche ge segnet hätte. Auch nach Herstellung des Reiches gab es keine Tücke, keine Bosheit, keine Bekundung von Haß und Feindschaft gegen den Fürsten Bismarck, woran sich nicht der Fortschritt in Gemeinschaft mit Zentrum, Sozialdemokratie und anderen Parteien cjusäcm karinac beteiligt hätte. Jeder Gegner deS großen Staatsmannes, mochte er Arnim, Diest-Tabcr, Geffcken oder sonstwie heißen, konnte der wohlwollenden Unterstützung des Richtcrfchen Fortschritts sicher sein. Der Sturz des großen Kanzler» erregte den frenetischen Jubel der fortschrittlichen Presse in gleich hohem Matze wie den der ultramontanen und sozialistischen Organe, und als der entlaffene grvßc Staatsmann sich sein staatsbürgerliches Recht auf freie Meinungsäußerung nicht durch Drohungen verkümmern lassen wollte, wurde der schmähliche Ruf nach dem Staatsanwalt und der christliche Wunsch,„der Alte möchte doch nach Spandau geschickt werden am lautesten gerade in der fortschrittlichen Presse erhoben. Deshalb hätten die fortschrittlichen Blätter ä la„23er liner Tageblatt" das Maul zu halten und„sich mit der Ro l l e z u b e g n ü y c n. die ihnen, wie die �.inge liegen, Tisches",-natürlich chri st lich-sozialcs Blatt die Neuen beschieden sein Zür«e. Nachrichten", Jen die Stirn, diese armen FlüchUinge Q'-nln-wn Ä � dem echt-christlichen" Wunsche zu begrüßen-„Hoffentlich Die Sozialpolitik der preußischen Forstperivaltung. Bisher erhob die Forftverwaltung in Ostpreußen für die Er- lcmbnis zum Bcerensammeln eine Gebühr von 50 Pf., jetzt ist s i e aufö'M. erhöht worden. Armen�altcn Leuten ist die Möglichkeit genommen worden, sich durch das Sammeln von Beeren einen bescheidenen Verdienst zu verschaffen, denn wie sollen sie 5 M. für den Schein aufbringen. Diejenigen, die das Geld bezahlen können, müssen die Summe auf den Preis der Beeren auf- schlagen, wodurch diese teurer werden. Und das alles, um den Agrariern möglichst viele Arbeitskräfte zu verschaffen, denn die Arbeiterfamilien sollen veranlaßt werden, sich den Junkern zur Per- fügung zu stellen. Preußische„Sozialpolitik". Der beleidigte Landrat. Am Mittwoch wird sich vor der Strafkammer des Landgerichts in I n st e r b u r g der Schriftleiter und Herausgeber der liberalen .Jnsterburger Allgemeinen Zeitung", Dietrich Wiemann, zu ver- antworten haben, weil er Anfang Dezember 1913 in seinem Blatte dagegen protestiert hatte, daß Gemeindevorsteher im Landkreise Jnster- bürg unter Berufung auf den Landrat von Landbriefträgern und Postagenlen die Stamen der Bezieher liberaler Zeitungen zu ermitteln versucht hatten._ Ermäßigung des Auslandportos. Die deutsche Reichsregierung ist gegen die Einführung eines „WeltpennyportoS"- sie soll sich aber bereit erklärt haben,„auf eine Ermäßigung der Briefportosätze mit den unmittelbaren ländern Deutschlands hinzuwirken, vorausgesetzt, daß sich gleich des EinnahmeauSfallS durch vermehrten Postverkehr lasse". Nachbarl ein Aus- erwarten Der albanische slufftanö. Angriffe der Epiroten. Valona, 29. Juni. lMcldung der Agenzia Stefans.) Banden von Epirotcn haben gestern die a l b a n i- schcn Dörfer Labova, Kvntkucci, Kumeritza und Kaza Tcpelcni beschossen. Die Banden standen unter dein Befehl griechischer Offiziere, die sich die in Albanien Herr- schcnde Unordnung zunutze, machen, mit die von den Griechen geräu!nwn(stebiete. wleöer zu besetzen... Ministerpräsident Türk hau Pascha ist gestern abend nach Wien und Rom abgereist. Dir Reise soll angeblich eine aktivere Hilfe der europäischen Kabinette gegen die Aufständischen erwirken.__ Das Schweizer �splrecht". Die gute, alte Zeit, da die Schweiz noch politischen Flüchtlingen Asylrccht gewährte, gehört längst der Vergangenheit an, und doch waren es nicht die schlechtesten, sondern die guten, die rcvolutio- närcn, die spannkräftigen Geister, die beispielsweise Anno 43 über den Rhein gekommen und nachmals gute Schweizer geworden sind. Aber die Reaktion, die unbekümmert um Staatsformen allüberall ihr Haupt erhebt, verleugnet nunmehr die alten Traditionen, auf die das Schweizcrvolt einst stolz ivor. Die Hüter des wahrhaft vaterländischen, des alten freien Schweizergeistes, sind nicht mehr die sogen,„historischen" Parteien, sondern die.Sozi aide mo- tratie, und so erlebt denn mancher politische Flüchtling, der beute in die Schweiz kommt, eine bittere Enttäuschung, von dem armen Wassiliesf, der mileidlos den Klauen der zaristischen Scher- gen ausgeliefert wurde, bis auf die neueste Zeit. Kein Wunder daher, wenn man im Auslände unser Asylrecht nicht mehr hoch wertet und die Flüchtlinge'die Schweiz wenn möglch mcideü. So hat auch Malatesta, der Führer der revolutionären Bewegung in der Romagna, die Schweiz durchquert und ist nqch England geflohen. Andere Beteiligte dagegen, die nicht wußten, wie es in der Schweiz um das Asylrecht bestellt ist, flohen nach dem Kanton Tessin, unter ihnen auch der Kammerabgeordnetc de Ambri Und der Willtommensgrutz? Ein„schweizerisches",„republika nisches".-natürlich christlich-sozialcs Blatt, schließen, daß tatsächlich nicht nur der Rückgang zum Stillstand ge» kommen ist, sondern vielmehr schon wieder ein Aufschwung cm Ver- brauch eingesetzt hat. ES ist daher notwendig, mit allem Rachdruck aus den bestehenden Branutwrinboykottbcschluß hinzuweisen. Belgische Industrie- und Arbeitsstatistik. Nach einer von der„Revue du Travail" veröffentlichten Statistik für das Jahr 1910— der letzten dieser Art— betrug die Zahl der in- Industrie, Handel und Verkehr beschäftigten Personen, inklusive der in den Gemeindebetrieben Beschäftigten 2 238 008, darunter 676 974 Frauen, da§ sind 30,14 Prozent der bel- gischen Gesamtbevölkerung. Das heißt, es ist mehr als die Hälfte der männlichen Bevölkerung(vom 12. Jahre an gerechnet) und mehr als ein Viertel der weiblichen in der Industrie oder im Handel beschäftigt. Die Industrie beschäftigt dreimal mehr Personen wie der Handel. Von 1 710 161 Personen sind 1270484 Arbeiter, darunter 286 583 Frauen, und 87 463 Angestellte, darunter 3728 Frauen. Die größte Anzahl der in der Industrie Beschäftigten entfällt auf den Hennegau(352 067), dann kommen der Brabant<314184), Ostflandern<265 308), die Provinz Lüttich<247 665), Antwerpen <203 051), Wesiflandcrn<200 503), die übrigen drei Provinzen haben eine industrielle Arbeiterbevölkerung von insgesamt 130-000 Per- sonen. Der Zahl der Beschäftigten nach kommt in erster Reihe die Textilindustrie mit 262 746 Personen, dann die Metallindustrie mir 227 826 Personen; die Bekleidungsindustrie mit 204 179 Personen. Im Baugewerbe waren bis zum Dezember 1910 163 810 Personen, im Bergbau 155 235, in der Holzindustrie 141961, in der Nahrungsmittelindustrie 105 798 und im Transportgewcrbe 154 180 Personen beschäftigt. Für den Handel gibt die Statistik an: 50 443 Augestellte, darunter 14 079 Frauen; und 40 494 Arbeiter, darunter 4370 Frauen. Die größere Anzahl der Angestellten entfällt auf den Brabant. Elektrisierung der Schweiz. Die natürliche Wafferkraft ist der Natioualreichtum der Schweiz und infolgedessen haben sich die groß« kapitalistischen Konzerne auf die Ausbeutung derselben durch Elek- trizitätswerke gestürzt. Da hinter diesen Elektrokonzernen der Schweiz die Großbanken stehen, die im Parlament des Landes eine kompakte Mehrheit für sich haben, hat der Bund immer noch kein vernünftiges WasserrechtSgesetz zustande gebracht und die Wasserkraft zum Nationaleigentum erklärt, obwohl ihm ein Bolls- entscheid von vor sechs Jahren die verfassungsmäßige Kompetenz dazu gegeben hat. Doch der Einfluß der Großsinauz ist viel zu groß. In der Ostschweiz hat der B r o w n» B o v e r i- Konzern zwei bedeutende private Elektrizitätswerke, die sich nun- inebr bereits im Stadium hoher Dividenden besinden. Jetzt will der Konzern diese beiden Werkeurde am Sonnabend das Mandat, da» durch den Tod des Genoffen war, vom Arbeitersekretär Genossen EndreS mit 046 Stimmen wiedergewonnen. Sein Gegenkandidat, Gymnasial- eh rcr Heln, reich in Fürth, ein Reichsparteiler, der von den Kon- lervativen, dem Zentrum, dem Bund der Landwirte und den Mittel- Sudlern aufgestellt worden war, erhielt 159l Stimmen. Räch ein Wahlbündnis von 1912 hätten auch die Fortsibrirtler und die ationalliberalen den Sozialdemokraten wählen müssen. Wer aber 08 den Nationalliberalen seine Stimme nicht dem Reichsparteiler llab, blieb von der Wahl fern. Die Fortschrittler batten wohl. waS Ie Nationalliberale» nicht machten, zur Wahl des Sozialdemokraten Aufgefordert; ein guter Teil der FortschriUler ist jedoch gar nicht «ur Wahl gekommen.___ l, Ubr. Westen. Siegfried. Anfang 7" Uhr. Metropol. Die Reife um die Welt in 40.iagen. Ansang 8 Ilbr. Urania. Zum Hochfirn der Jung- stau. Deutsches Künstler« Theater. Jeppe vom Berge. Leknug. Das Märchen vom Wolf. Theater an per Wcidcndammcr Brücke. Der müde Tlicodor. Schiller O. Mein erlauchter Ahnherr. Schiller Charlottenburg. Heiligen- wald. Berliner. Wie einst im Mai. Königgräüer Straste. Mr. Wu. Dbalia. Wenn der Frühling kommt. Rose. Der Silbcrköuig. Monti« Operetten. AiS ich noch im Flügelkleide. Wintergarten. Spezialitäten. Reichsballrn. Steltiner Sänger. Palaft-Theatcr. Varictö und Licht- spiele. Berliner Prater-Dhcatcr. Grigri. Aniang 8'/- Ubr. «leines. Der Klecks. Theater am Rollcudorfplan. Der Jurbaron. Luftfpielhaus. Die spanische Fliege. Friedrich- Wilhelmftädtisches. � Die EcheidungSche. Luise». Wenn edle Herzen bluten. Walhalla. Tie Schrecken der Fremdenlegion. Folies Caprice. Die Leibwäicherin. Die Amordragoncr. Das Bett Napoleons. Ah— da staun' ich. Aniang 8'/, Ubr. Neues Bolls- Theater. Maria Friedhammer. Refidenz. Die verflixte Liebe. Admiraispalast. Im Tangaklub. CineS Nollendorf-Thcatcr. Das Mirakel. » �» Sternwarte. Jnvaiidenftr. 57— 62 URANIA TaubenstraOe 48,49. 8 Uhr: Zum Hochfirn der Jungfrau. ZOOLOG ischer Garten Täglich ab 5 Uhr: Großes Militär- Doppel-Konzert. Kintrittsproise; Xoo 1 M. von 6 Uhr ab 50 Pf. Aqnar. IM. v.d.Str., öOPf. vZoo Kinder unt. 10 Jahr, die Hälfte. Älen! Reo! AQUARIUM 9 Uhr mor� ens bis 10 Uhr abends. Tbeater am Nflüendorfplatz 5. 8'/- Uhr: Der Juxbaron. Theater ües Westens. �Dienstag, Millivoch,?'/, Uhr: TiegtrisN. Schiller-Tlieaier 0. (W allner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Letzte Schauspiel-Vorstellung: Zlelo erlauchter Ahnherr. Schiller-Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Heillgcnwald. Mittwoch, abends 8 Ubr: Letzte Vorstellung vor den Ferien: KJeln- Kva. Deutsches Könstlertheatef Sozietät. Nürnberger Straße 70/71, am Zoo, Kasse: Nollendorf 1383. Täglich 8 Uhr: Jeppe vom Berge. Tbeaier in der KößigGräizer Straße Täglich 8 Uhr: Mr. Wn. Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. l-cbcmt I Die letzten weibliehen Azteken! Der unfesselbare Rappo, der König der Ausbrechar. Aga, die schwebende Jungfrau. Buddhas Geistertafel. Alles ohne Extra-Enlree! Eintr. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 Pf. Metropol-Theater, Abends 7 Uhr 55 Präzise: Die Reise um die Erde In 40 Tagen. Heute Letztes Auftreten der «en*afionclIcit Juni-Attraktionen! Morgen Mittwoch, 1. Juli: Premiere! 12 DEBÜTS 12 EntreeplaU wochentags M. 0,60. — Rauchen gestattet!— Voigt Bat ■Theater ,. Pstrafic 58. Heute, sowie täglich: Das Mitternachtsmäditjev. Gr. Ausstaitungsstück in. Ges. u. Taut von Ären und Lippschitz. Gänzlich neue Spezialitäten. Kasscncrössn. 10 Uhr. Ans. 4'/, Uhr> IOSEuTHEATE Mrotze Frantiurter Str. 132. Der Siiberkönig. Ansang 8 Uhr. — Auf der Gartenbühnc— Rund nm die Spree. Gr. Rei'U«. Vorher Konzert, Spezialitäteu- Tbeater alWeManrhrtieke. Täglich 8 Uhr. zum 116. Male: Sensatioilell-rLachersolg"99 I>er müde Theodor. Vorher: Tanzgastspiei Miss Keen. Friedrieh-iilbelinstädLTh"eater.' Heute letzter Tag der Saison. Anfang S'/.Uhr: I>{e ScheldnnKK-Ehe. Admiralspalast. Kis- Arena. Noi'itat ,Jm Tangoklub" und das effektvolle Eisballett „Die lustige Puppe". Bis 6 Uhr und ab 103/, Uhr halbe Kassenpreise. IVein- und Bier- Abteilung. Besu chen Sie in den nächsten Tagen die Variete- Vorstellung im Soiumertheater Reichshailen-Theater. Stettiner Sänger. Neues Programm! Unter anderem: Der Dorlsehulnieister. Ter Flieger. Ein armer .Tlann. Ansang 8 Uhr, Sonntags ?'/- Uhr. ToIiooGapiico. Täglich 8'/, Uhr: Die f.cibsväscherln. Die Amordragoner. Das Bett Xapolcons. Ah— da staun'' ich. RertinerlllK-Trlc Adr.; Neukölln W I,ahnstr.74t Schwarzer Udler. I.iehtcnbcrg, am Ringbalinhof Frankfurter A.Iec. Sie werden erstaunt sein über die großartigen Leistungen der- Heumann Liliputaner-Truppe und über die anderen Spezialitäten. fipti 4v Voigts Krampeubnr� ■frAAts. Berliner Alpen Berlins schönster Ausflugsort und anerkannt bestgeeignetstes\\ irtä( haus zur Veranstaltung von Dampferpartien. Xen! Täglich Dnmpfcr-Extrafahrten von VeukttU»» Kaiser- Friedrich-Straße und Wildenbmchbrttcke. Ab Berlin Jeden Dienstag n. Freitag Brandenburg«' Ufer Stern-Gesellschaft. |lt. 175. 31. Jahrgang. 1. DcilM des Jonnnttü" Krlim Oolliüllitt. Dienstag, 30. Juni 1914. Gewerksihastliches. Zur Politifch-Erklärung öer Gewerkschaften. Der Soliiiger Beamte des Deutschen Bauarbeiter- Verbandes Ivurdc dieser Tage vor die Polizei geladen, die ihm eröffnete, das; gegen ihn Anklage wegen Vergehens gegen ß 17 des Rcichsvcrcinsgcsctzes erhoben worden. Die Missetat soll der Genosse Niemann dadurch »begangen haben, daß er zwei junge Bauarbeiter, die noch nicht 18 Jahre alt waren, als Mitglieder aufgenommen hat. Bei den beiden Jugendlichen wurde Haussuchung abgehalten und •die Verbandsbüchcr beschlagnahmt. Die beiden jursM Maurer stehen der Jugcndbclvcgung vollsländig fern und sind heute schon über 18 Jahre alt. Sellin und Umgegend. Achtung, Wagen und Karoffcricarbciter! In den Wagen- und Karojscriefabriken zu Bukarest in Rumänien sind Differenzen aus- gebrochen und bitten wir. Arbeitsangebote nach dort nicht anzu- nehmen. Die Kommission der Wagen- und Karosseriefabriken. I. Lt.: W. Siering. verletzt nach der Unfallstation gebracht. Bei der augenblicklichen Massenausbildung von Chauffeuren kann wohl verlangt werden, das; einmal streng daraus geachtet wird, ob auch alle.Lehrherrn" die Er- laubnis zur Ausbildung von Chauffeuren besitzen und anderseits, daß die Ausbildung von Straßen vorgenommen wird, in denen leine Menschenleben in Gefahr gebracht werden können. Lohnbewegung der Kraftdroschkenführer. Am gestrigen Montag fand in Kellers Festsälen eine Streik- Versammlung statt. Die Streikenden waren in siegesgewisser Kampfessiimmuiig vollzählig erschienen. Nach dem Bericht des -SektionSlcitcrs Becker arbeiten zurzeit über 1200 Kollegen zu dem vom Gewcrbegericht schiedsgerichtlich festgelegten Tarife und ist letzterer von 450 Unternehmern unterzeichnet. In der Diskussion wurde hervorgehoben, daß die Polizeihehörde den Unternehmern das weit- gehendstc Entgegenkommen zeigt. So werden eben aus den Fahrschulen «ntlaffenen Schülern nach ganz kurzer Jeit der Droschkenfahrschein aus- gehändigt, während früher 3—4 Wochen verliefe», ehe der Fahrschein ausgehändigt wurde. Ebenso ist Chauffeuren, die den Schein wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt oder ähnlicher Delikte aberkannt wurde, derselbe innerhalb eines Tages wieder erteilt worden. Weiter sieht die Polizeibehörde über, den 8 85 der Droschkenordnung hinwg, welcher besagt, daß der Führer einer Kraftdroschke nur 12 Stunden beschäftigt werde» darf. So sind eine große Anzahl von Anzeigen nicht berücksichtigt worden. Die Behörde unterstützt so die Unter- nehmer, die denWagen selbst fahren, rrotzdcin derParagraph imJnteresse des Publikums geschaffen wurde. Trotz alledem ist den Unternehmern ihr Wortbruch arg in die Knochen gefahren, da sie trotz allen ver- zweifelten Versuchen keinen Schritt weiter gekommen sind. Die Streikenden beschlossen, die Arbeit nur unter den vom Schiedsgericht festgelegten Bedingungen aufzunehme». Wo diese nicht anerkamit werden, soll der Kampf unverändert weitergeführt werden. Die fahrenden Droschkenführer werden ermahnt, auf den Plätze» nach der Berechtigungskarte zu fragen. Ebenso ist jeder Chauffeur, welcher zu dem im Tarif fest- gelegten Bedingungen arbeitet, verpflichtet, sich die Berechtigungs- karte auS dem Strcikburcau zu holen und dieselbe auf Verlangen I den kontrollierenden Kc�legen vorzuzeigen. Soeben wird uns noch mitgeteilt, daß sich gestern nachmittag bei der Ausbildung von Chauffeuren ein Unglücksfall ereignete. DaS Automobil 23lS,- welches Herrn Kopp, Reinickendorf, ge- hört, der dort eine Reparaturwerkstatt hat, wurde von einem Lehrlinn gesteuert und wollte von der Badstraße in die Prinzen-Allee einbiegen. Hierbei fuhr der Lenker nicht den vorschriftsmäßigen Bogen nach rechts, sondern versuchte, kurz links einzubiegen. Infolge dieses polizeiwidrigen Verhaltens wurde ein Kind angefahren und Tarisbcwegung der Friscurgchilfeu. Auf wiederholt an uns ge- richtete Anfragen teilen wir init, daß Betriebe, in denen gar kein Personal beschäftigt wird, selbstverständlich als geregell gelten. Ein Teil der Arbeitgeber ist nach wie vor bemüht, ihre Kollegen von dem Abschluß eines Tarifvertrages abzuhalten. Wieder andere wiesen ihre Abmachungen zurück. Man achte daher auf die Kontrollkarte. In die Liste ist nachzutragen: Degner, Czernikauer Straße 18a, Riebe, Genter Straße 02. Adlershof: K r e t s ch m e r, Adlergestell 28.— Cöpenick: Mathias, Glienicker Straße 27.— Friedrichshagen: T r u t t y, Wilhelmstraße 70.— Niederschönhauscn: P u h I a, Herthaplatz 6.— Zu streichen sind: Pohle, Neukölln, Weserstraße 101 und Klein- dick, Lichtenberg, Gürtelstraße 20. Verband der Friseurgehilfen. Achtung, Töpfer! Auf dem Neubau Lankwitz. Charlotten-, Ecke Schdlitzstraße(Bauherr: Blumann, Halensee. Markgraf-Albrccht- Straße �ausführender Töpfermeister: Rich. Krüger, Pankow, Klaus- thaler Straße) haben sämtliche Töpfer wegen Lohnausfall und -differenzen die Arbeit niedergelegt. Der Bau und die Finna Krüger sind für VerbandSmitglicder gesperrt. Der Vorstand der Filiale. Deutsches Reich. Die gewerkschaftlichen Mbeitslosenzählungen im Monat Mai 1914. An der Statistik zur Feststellung der Zahl der organisierten Arbeitslosen am Ort und auf der Reise beteiligten sich im Monat Mai 1014 48 Verbände mit 2 313 070 Mitgliedern, von denen jedoch nur 2 156 154 Mitglieder von der Berichterstattung umschlossen werden. Die Zahl der nicht erfaßten Mitglieder beträgt demnach 156 025. Ein reichliches Drittel davon entfällt auf den zum zweiten Male berichtenden Bauarbeiter- Verband. Doch macht sich auch in diesem Verband eine regere Beteiligung geltend, denn die Zahl der Mitglieder, über die der Verband nicht zu berichten vermochte, ist bereits von 88 750 Mitgliedern auf 50 106 zurückgegangen. In den berichtenden Organisationen waren am 30. Mai, dem Stichtage des Berichtsmonats, arbeitslos am Orte 54 6 80, auf der Reise 4094, also zusammen 50 674 Personen, gleich 2,8 Proz. des Mitgliederbestandes. Das ist der gleiche Stand, wie ihn bereits die Bormonate März und April aufwiesen und auch i m M a i der beiden wirtschaftlich sehr ungünstigen Jahre 1008 und 1009 festgestellt worden ist. Im Mai 1013 wurden 49 317, gleich 2,5 Proz., Arbeitslose am Ort und auf der Reise gezählt. Die Zahl der organisierten Arbeitslosen hat demnach gegenüber dem vorjährigen Mai um 10 357 oder 21 Proz. zu- genommen. Berücksichtigt man jedoch nur die gleichen be- richtenden Verbände(der Bauarbeiter-Verband mit 7500 Arbeits- losen scheidet dabei aus), so ergibt sich immer noch eine Zunahme der Beschäftigungslosen von 2857 oder 6 Pro- zent. Verhältnismäßig die tneisten Arbeitslosen hatte im Berichtsmonat der Verband der Hutmacher. In dieser Organi- sation waren 0 Proz. der männlichen und 44.6 Proz. der weiblichen Mitglieder arbeitslos: also beinahe die Hälsie der überhaupt vor- handcnen weiblichen Mitglieder waren ohne Verdienst. Ebenfalls hohe Arbeitsloseiiprozent, ahlen weisen noch auf die Friseure mit 13,5, die Glaser mit 13,4, die Fleischer mit 12,2, die Bildhauer (Hirsch-Duncker) mit 3,0, die Bildhauer(Gewerkschaftt mit 8,2 und die Tagezierer mit 8,1. Wesentlich gesteigert hat sich die Arbeits- losigkeit gegenüber dem vorjährigen Mai in den Perbänden der Industrie der Steine und Erden und der Metallindustrie. Auch im Transport- und im Fabrikarbciterverband ist die Zahl der Arbeits- losen gestiegen, während die Verbände der Holz-, Leder-, Papier-, Genußinittcl- und Bekleidungsindustrie eine geringe Abnahme der Arbeitslosen melden.____ Verhandlungen in der Solinger Waffenbranche. Obgleich die durch die Willkür des Arbeitgeberverbandes aus- gesperrten Arbeiter bereits 17 Wochen auf der Straße liegen, hat sich bisher aus ihren Reihen lein Streikbrecher gefunden. Der ein« mutige Wille der Streikenden und Ausgesperrten geht dahin, weiter zn kämpfen, bis die Fabrikanten alle Forderungen anerkannt haben. Dabei häufen sich die Aufträge an Waffen iinmer mehr und die Fabrikanten wissen nicht, wie sie den Anforderungen nach- kommen sollen. Nun hat sich der Arbeitgebervcrband endlich zu Verhandlungen bereit erklärt und in der ersten Sitzung bereits das Versprechen gegeben, an den bestehenden Preis- Verzeichnissen nicht zu rütteln. Weitere Verhandlungen finden in der nächsten Woche statt. Die Situation ist für die Arbeiterschaft so günstig, daß mit Gewißheit damit gerechnet werden kann, daß auch die letzte ihrer Forderungen, Inkraftsetzung der vor dem Streik geltenden alten Verträge, von den Fabrikanten akzeptiert und von diesen auch eine Kriegsentschädigung, deren Höhe noch nicht feststeht, bezahlt werden muß. Jedenfalls sind die Arbeiter gewillt, bis zum völligen Nachgeben der Fabrikanten durchzuhalten. Tie Lohnbewegung der städtischen Arbeiter Brombergs mit Erfolg beendet. Im Dezember 1012 reichten die städtischen Handwerker und Arbeiter an die Stadtverwaltung eine Petition um Lohnerhöhung und Errichtung' eines ArbeitcrauSschnsses ein. Nach wiederholten Gesuchen um Bewilligung der uachgesuchteii Lohnerhöhung hat nun endlich am 25. Juni die Stadtverordnetenversammlung einem Aus- trage des Magistrats zugestimmt, wonach den städtischen Hand- wertcrn und Arbeitern vom 1. Juli ab eine zehn- bis 25prozentigc Zulage bewilligt wird. Gleichzeitig wird auch ein Arbciteraus schuß errichtet. Tic Mehrausgabe für die Zulagen betragt 24 300 M. jährlich. Anläßlich der Beratung der neuen Besold.nngsordnung knüpfte der Oberbürgermeister den Wunsch an, daß die Arbeiter sich der auswärtigen Organisation, die sich um das Zustandekommen der Lohnerhöhung bemühte, nicht anschließen möchten, denn die libc- ralc Stadtverwaltung sorge recht gut für die Arbeiter. Diese Ein- Mischung in die privaten Angelegenheiten der städtischen Arbeiter zeugt am besten davon, wie sehr notwendig die städtischen Arbeiter Brombcrgs eine gewerkschaftliche Organisation brauchen. Ein netter Liberalismus, der den Arbeitern den Rat gibt, sich nicht zu organisieren._ Ter Zittauer Magistrat und die„Bugra". Der durch seinen fanatischen Haß gegen die freien Gewcrk- schaften bekannt gewordene nationalliberale Oberbürgermeister Dr. Külz in Zittau hat im Rat der Stadt Zittau die A b- lehn un g eines Gesuchs der dortigen Buchdruckergechilfen um eine Beihilfe zum Besuch der„Bugra" in Leipzig befürwortet. Die Ant- wort, die die Buchdruckergebilfen bekamen, toar dementsprechend. Den Gehilfen wurde gesagt, sie zahlen derart hohe Beiträge für ihre Gewerkschaft, daß diese oder sie ielbst die Fahrt bezahlen könnten. Es stände kein Fonds für solche Zwecke zur Verfügung. Jllor kurzem hatten aber die Redakteure der bürgerlichen Presse Sachsens in Zittau eine Versammlung. Da ließ es sich der Stadtrat nicht nehmen, den Herren ein opulentes Mittagsmahl aus den Mitteln einer Stiftung, die zu einem solchen Zwecke auch nicht bestimmt ist, zu geben. Da war Geld da. Zu Bildungszwecken für Arbeiter hat der Stadtrat kein Geld. Kleines Feuilleton. Tie Etikette übers Grab. Unter den zahlreichen Depeschen über das Verbrechen von Sarajewo befand sich auch eine ganz kleine Nachricht, die wohl zu dem Lächerlichsten gebärt, tvas man sich denken kann. Di-„Wiener Zeitung", das offizielle österreichische Organ, meldete die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand in ihrem amtlichen Teil, verwies aber die Mitteilung, daß auch seine Frau bei dem Attentat ums Leben kam, in den niciitamtlictien Teil. sozusagen ins Vermischte. Grund: Tie k. k. Hosctikcttc durfte auch angesichts der Leichen nicht Schaden erleiden. Die Frau des öfter- reichischen Thronfolgers war eben nicht„ebenbürtig". Sic war bloß eine gewöhnliche Gräsin Chotck. Ter Politiker mag die Ursachen des sinnlosen Werks von Sarajewo ergründen, mag Fehler der Wiener nationalistischen Politik für die Tat des fanatischen serbischen Pennälers Princip mitocranttvortlich machen. Menschlich aber wird jeder die Ermor- düng cinei, wehrlosen Paares verdammen. Und zum mindesten werden in anstanbigcn und fühlenden Menschen angesichts von Toten alle lächerlichen Klent ig leiten des Lclwns verstummen. Was aber tut das offizielle Wiener Organ? Es klassifiziert noch im Tode zwei Menschen, die sich ohne Zweifel geliebt haben, säuberlich nach Rang und Würden und trennt sie durch den„amtlichen" Strich. Während die blutigen Leichen nebeneiiiaitder nach Wien gcmbrcn werden, vergißt die betreffende k. k. amtliche Stelle beileibe nicht, daß dieser Mann wenigstens für seine Person ein- mal die Etikette des Prinzips der Ebenbürtigkeit gebrockten bat. Durch dieses an sich belanglose Vorkommnis enthüllt sich drastisch die Verkalkung jedes natürlichen Gefühls, jeder mensch- lieben Sclbswcrständlickckeit, diese Verkalkung, die von dem vcr- greifenden und immer kindischer werdenden dyiiastisch-monar- chischen'Dogma unzertrennlich ist. Tie steinzeitliche Wohnslätte am Gittiner See. Bei einer Gcländevesichtigung fiel dem Ausgradungsleiter Dr. Bcstehorn vom Potsdamer Stadtinuscum auf einer Anhöhe unweit vom Fischerdorf Göttin ein kohlschwarzer Streifen auf, der horizontal an dem Abhang verliest Man unternahm sofort Grabungen, die die anfängliche Vermutung, es könne sich um eine alte Kulturschicht bandeln, bestätigten. In unmittelbarer Nähe hatte man früher menschliche Skelette gefunden, und ein Sckhidel wird augenblicklich auf sein Alter untersucht. Nachdem man vorft(JffiO den Boden(ruf- gehoben hatte, trat ganz deutlich dar fast quadratische Grundriß einer Hütte zutage, deren verkohlte Balken sich zum Teil noch als Kohle, zum Teil als Bvandasche vorfanden. Es ließ sich genau die Lage der übercinandergescknchtetcn Balken ivahrnehmen. lieber das Alter der Hütte, die etwa 2,5 Meter Seitenlange auswies, gaben die Funde Aufschluß.-Zuerst förderte man Gefäß- ifftc aus dem von Kohlenresten durchsetzten Erdreich, die nach ihrem Ornament eine einigermaßen zuverlässige Datierung ge- statteten. Alle Bruchstücke von Gefäßen wiesen die tupischcn Ver- zierungen der nordischen T i c f st i ch k e r a in i k auf. Tic Technik dieser Tonbildncrci war möglichst primitiv. Mit Feder- kielen, Muschelschalen, Fingernägeln, ja auch mit kleinen Stempel- che» wurden die einfachsten Figuren in den Weichen Ton ein- gedrückt. Die Ornamente sind trotz ihrer Einfachheit sehr ver- schieden. Vielfach treten geflechtähnliche Formen zutage. Im Innern der etwa 25 Zentimeter starken Kulturschicht wurde ein Spinnwirtel, der zur Beschtoerung der Handkunkcl diente, ein Fragment eines Steinbeiles uich cin Feuersteinmessex gefunden. Knochcnrcste, die untersucht wurden, stammten vom Reh, vom Schaf und vom Rcnnticr. Der neolithische Mensch kannte demnach bereits das Schaf. Das Alter der stcinzeitlichcn Hütte fällt in das 3. vorchristliche Jahrtausend. Diese Bestimmung crmög- lichcu die Gcsäßbruchstücke. Tic Fundstelle liegt ans einer diluvialen Erhöhung, die von allen Seiten geschützt war und dem Bewohner der Hütte Schutz vor Gefahren bot. Sic liegt einen Meter unter der heutigen Oberfläche, die durch Dünung überhöht wurde. Mit Sicherheit läßt sich sagen, daß die mifgcsundenc Stcinzcithü.'tc kein Pfosten-, sondern cin Schwellen bau war, und als solcher ist sie die erste ihres- gleichen im nordischen Kreis. Als steinzcitlichcs Denkmal hatte sie nur eine Vorgängerin am Trcbuser See. Höhenwanderungen der Ticssrcticre. Unsere Kenntnis von der Verteilung der im Meere fchivebeitden Lebewesen in bezug auf die durch Temperatur- und Druckunterschiedc ausgezeichneten, in senkrechter Richtung auscinanderfolgenden Schichten ist noch immer recht lückenhaft. Erst seit etwa zwei Jahren verfügen wir über ein so cinlvandfrcies Material, das; wir uns von den Wan- dcrungen, die die Tiere in senkrechter Richtung unternehmen, cin einigermaßen treues Bild machen können. Das verdankt man in erster Linie der Vervollkommnung der Schlicßiictzc, die gestatten, die Beute aus einer gewissen Mceresticfc so an die Oberfläche zn winden, daß eine Mischung mit Tieren aus den oberen Schichten ausgeschlossen ist. Das wird erreicht durch cin besonderes vom Fürsten von Rkonaco erdachtes Manometer, das am Schließnetz befestigt tvird und den Wasserdruck auszeichnet, und so nicht nur die Möglichkeit gibt, die Tiefe, in der das Netz zieht, genau zu bestimmen, sondern diese auch zu regeln. Die„Kölnische Zeitung" berichtet das hier Mitgeteilte nach einem Vortrage, den der ge- nannte Fürst vor der Pariser Akademie der Wissenschaften hielt. Die Wanderungen der Tiere zur Oberfläche finden nachts von 1l bis 2 llbr statt: sie führen teilweise aus reckst beträchtlichen Tiefen bis in die Nähe des Meeresspiegels. Wie die Tiere die bedeutenden Druckunterschiede, die von 10 zu 10 Meter sich etwa um eine Atmosphäre ändern, ausltalten und ausnutzen, ist noch immer eine nicht völlig gelöste Frage; stehen doch die Tiere, die man noch in Tiefen von 6000 bis 8000 Meter nachgewiesen hat, unter einem Druck von ebensoviel Hunderten Atniospbären! Ein sehr wasserreiches Gewebe mit gleichem Jnnendruck, das Fehlen von plötzlichen Druckgefällen im Wasser, die Ausbildung von gas- erfüllten Hohlräumen und besonderen Schwebeeinrichtungen erklären zwar manche Tatsachen, aber längst nicht alle. Musik. Volks- Symphonie- Konzert des Blüthner- Orchesters. Zu- itächst möchte zweier jugendlicher Kunstiwvizen gedacht sein, die kürzlich in verschiedenen Konzerten als Instrumental- solisten wohl zum allerersienmal öffentlich für ihr Können um Be- achtung warben. Man tut gut,- solch Auftreten mit Zurückhaltung zu bedienen. Nicht selten handelt es sich um ein langoorbereitetcs Paradcexerzitium, bei dem es schiver fällt, die Grenzen zwischen wirk- licher Begabung oder bloß Dressur abzustecken. Lajos Schul, einen ungarischen Cellisten, hörte ich in einem Musikstück von S. Scrvais. Dergleichen Konzertsachcn haben meist einen praktischen Zweck; sie sind sozusagen der i-Punkt aller Fingerfertigkeit. Und aus solchen Erscheinungen läßt sich dann mit ziemlicher Sicherheit auf die schier ins Unglaubliche anschwellenden Erfordernisse reiner Spieltechnik schließen. Schuk leistete darin schon sehr viel. Musikalisches Tcm- perainent, wenn er welches besitzt, sowie Stilrhythmus wird er hoffentlich offenbaren, wenn er die letzten Schwierigkeiten bei Passagen und Doppclläufen übersprungen hat. Gleich Schuk ist auch die Geigerin Carola Zellenla noch scbr jung; sie kann in ihrer Kunst noch reifen. Sie hatte sich cin gehaltvolles Violinkonzert von M. Bruch zum Vortrag gewählt. Im Adagiosatz zumal entfaltete sie eine bewundernswerte Weichheit des Bogenstrichs. Es lag Seele darin, wie sie die Saiten erklingen machte. Tic Beherrschung virtuoser Technik vermochte sie im Allegrosatze mtfzuzeigen. Ihr Ton ist rein und ziemlich ebenmäßig. Reißende Kraft wird er babeu, wenn das Temperament überall gleich stark den Vogen führen wird. Das Programm dieses Abends(iirdcr Berliner Bock-Btauerei) wies übrigens eine der merkwürdigsten Orchcsterkompositioncn Franz Schuberts aus. Es ist die Symphonie L-" Oranienburg sind gesperrt, weil sich diese Firmen beharrlich weigert- den durch den Schiedsspruch des Berliner EinigungSamtS zustande S* kommenen Tarifvertrag anzuerkennen. In Betracht kommen die Baustellei" Kaiserw-eg, bieder- Schönhansen; Kanalisation«' graben. Französisch Buchholz und Blankenfelde i. 31-' Oranienburg: Berliner Str., Hühlenstr., K-ebnitzstr- Die Bewegung wird noch weiteren Ilmfang annehmen, da auch die Fin»� �Mlheln» Langen, Wilhclmsrnh bei Berlin den Tarif noK nicht anerkannt hat, obwohl sie nach den Bestimmungen des§ 12 tei bis zum 31. März 1914 gültigen Tarifvertrags den Schiedsspruch ffl' erkennen müßte. Wir bitten deshalb alle Arbeiffuchende, diese Fir»� bis auf weitere» streng zu meiden. Die Bezirksleitung» tt. tl 1 14,1/ Qt- V»■•____ I--—-»-- 1»■-——---—■, I*___________________."——I*"■ I+5 o** W» V l V. V�ia.»V'»V»4S VkWvtwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für dep Jnieratenteil verantw.: TH.Glocke,BerIm. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei u.� V erlagsa n st a lt Paul Singer& Cö�Berlm SW7 Nr. 175. 31. Jahrgang. 2, Ltw to JowW MW V«MÄ Nienstag. 3V. Juni 1914. parteiangelegenheiten. Zwcilcr Wahlkreis. Heute Dienstag, abends 8'/z Uhr, in der Vockbrauerei, Fidicinstraße: V o l k S v e r s a in m l u n g. Genosse Dr. Breitscheid spricht über„Denkmalsschutz und Klassenjustiz". Rege Beteiligung wird erwartet. Dritter Wahlkreis. Heute abend um 8\'.: Ubc findet im Gcwcrkschaftshausc eine außerordentliche General- Versammlung statt. Wir machen die Mitglieder nochmals darauf aufmerksam und ersuchen uin zahlreiches Erscheinen. Näheres siehe Inserat. sechster Wahlkreis. Heute Dienstag, den 30. Juni, findet im Prater-Theater eine v f f e n t l i ch e B o l k S v e r s a m m l u n g statt. Referent: RcichslagSabgeordneter Georg tk e d e d o u r. Thema: „Der Charlottenburger Dcnkmalsprozeß und tlassenstaatliche Recht- sprechung". Wir bitten um zahlreiches Erscheinen. Der Vorstand. Maricndorf. Der dritte Vortrag dcS Genossen Dämnig über: „Die>-ozialdeinokratie im GcgenwartS- und Zukunslsstaate" findet heute Dienstag, abends 8 Uhr pünktlich im Restaunant Preuß, Kürfürstenstraßc 44 statt. Auch alle älteren Parteigenossen mögen daran teilnehmen. Serliner Nachrichten. fitn Planschbecken. Dir groß und grau gewordenen Sprccathcncr wateten, als wir noch glückliche Kinder ivarcn, mit Hellem Entzücken im längst entschwundenen Berliner Rinnstein. Ach, war das damals eine yer-rliche Zeit, wenigstens für unseren Kindcrvcrstand. Ter Rinnstein war stcllenivcisc einen halben Meter tief, hier und da flosi aus Fabriken und Werkstätten warmes Wasser zu, und wenn wir unter der vermorschten, dicken Bohle die vor jedem Hauscingang den Rinnstein iibcrbrückte, eine Ratte aufstöberten, gab das einen Hauptspaß. Hier ließen wir unsere ersten aus Pappe gebauten oder aus Borke ge- schnitzten Kähne schwimmen, und Muttern kam es gar nicht daraus an, im Rinnstein vor aller Augen die Windeln zu waschen. Kein Mensch regte sich im älteren Berlin über diese idyllischen Ltraßenzuständc auf. Mit der Einführung der Kanalisation ist das alles anders geworden. Die oft recht stark parfüniierten, an ihrer schmalen Sohle morastigen Rinnsteine wurden hinweggefegt, die Berliner Kindcrwelt war um eine Spiclgelegenhcit äriner. Besonders hygienisch war ja das Planschen im schmutzigen, stänkrigen Rinnstein sicher nicht. Als dann Frau Bcrolina langsam aus dem Halbschlaf erwachte und sich zur Wcltstadtdame herauszuputzen begann, machten sich die ivasserliebcndcn Berliner Kinder irnd darunter manches, das vom heimatlichen Dorfpfuhl an die Spree vcr- setzt war, an die Springbrunnenbeckcn heran, wenn gerade das„Auge des Gesetzes* nicht wachte, oder liefen hinter den roten Sprengwagen mit aufgekrempelten Höschen und geschürzten Röckchen einher, trapsten auch mit"Wollust barfuß in jede kleine Regeiipfützc. Erst die allcrneuste Zeit hat erkannt, wie gesundheitlich wertvoll es ist, wenn Kinder in reinem, baktcricn- freiem Wasser mit bloßen Füßen herumtollen dürfen. So entstand die glückliche Idee des„Planschbeckens", die ja schon in mehreren Berliner Parkanlagen verivirklicht ist und hoffei.l lich bald immer mehr erweitert wird. Seid ihr schon mal dort gewesen, ihr Großen, an den Planschbecken in Reu-Tempelhof oder im Schillerpark:' Da wird man wieder jung, da lacht jedem Äindcrfrcund das Herz im Leibe. Und von der Freude wird das leise auf- gucllendc Gefühl, wie wir Erwachsenen es einstmals nicht so gut hatten, schnell unterdrückt. Skoch ist das zementierte Becken erst halb gefüllt. Es ivird aus den Hydranten frisches Wasser eingelassen. Erwartungsvoll stehen am Beckenrand die Kinderscharcn, bis über das Knie ganz Adam und Eva. Da fällt die trennende Schnur, wie auf Kömmando stürzen sich Dutzende nackter kleiner Menscheiibeine in die klare Flut, daß die silbernen Tropfen hochaufspritzen. Ein paar Zag- hafte trauen dem Frieden noch nicht recht, und ein ivasserschcuer Knirps wird unter allgemeinem Gaudium voni älteren Briiderlein mit sanfter Gc- Walt in das kühlende Naß gezerrt, bis er unter Tränen lacht und gar nicht wieder raus will. Dabei hat sich eine erfreuliche Sclbstaufsicht herausgebildet. Wehe dem, der Sand in das Becken„schmeißt" oder sonstwie unerlaubte Allotria treibt! Der erfinderische Kindersinn hat es auch schon zu regelrechten Wasserspielen ivie„auf dem Lande" bei 'ustigcm Gesang gebracht. Allzulange halten es ja die meisten wcht aus. Kinder»vollen immer neues Spiel haben. Es lstcht also zu wie in einem Taubenschlag, und das ist auch gut Ich sonst müßten noch hundert Planschbecken gebaut werden. Werft keine Lbstreste auf die Strafte: Täglich ziehen um die jetzige Jahreszeit ganze Schul- nassen, geführt von ihren Lehraxn und Lehrerinnen, an wcinem Fenster vorüber. Alle Schüler und� ischülerinnen wagen für den stundenlangen Ausflug das„Freßkobcrchen' "ki sich, viele naschen schon im voraus von Kirschen und La- siancn. Und täglich beobachte ich, daß die meisten dieser Schulkinder die Bananenschalen und Kirschcnrcstc auf den Bürgersteig, auf den Straßendamm werfen. Beobachtet das nicht auch der Lehrer? Ja. er sieht's, er muß es sehen, aber sagt nichts dazu, ignoriert völlig die Gefahr, die in solcher Weise für andere Straßenpasiänten entsteht. Das Kind soll �chstreste in der Papierdüte sammeln oder dicht neben die Bordschwelle niederlegen, wo sie so leicht nicht schaden können. �chdcr sind auch viele Erwachsene ebenso unvemünstig wie °w Kinder, denen doch immerhin die Entschuldigung un- genügender Einsicht zur Seite steht. Rote Märzschleifen und Oberpräsident. Bei der Kranzniederlegung am 18. März fiel auch die Schleife Märzkranzes der sozialdemokratischen Landtagsfraktion der Bolizeizensur zum Opfer. Auch der Polizeipräsident sab in dem •Irzcn Vers eine Beleidigung des Reichstags und des Landtags. Gegen diesen Bescheid und gegen die Zerreißung der schleife wurde Seim Obcrpräsidentcn Beschwerde geführt, natürlich, wie zu er- Törten war, ohne Erfolg. Die Antwort deö Oberpräsidenten lautete: öcr Oberpräsidcnt der Provinz Brandenburg O. P. 11284." Potsdam, den 15. Juni 1914. Der Beschwerde vom 18. April d. Js. gegen die Verfügung des Herrn Polizeipräsidenten vom 8. desselben Monats, durch welche die Abtrennung zweier«schlcisenbändcr von einem am Grabe der Märzgefallenen niederzulegenden Kranze für gerecht- fcrtigi erklärt wird, vermag ich nicht stattzugeben. Die zur öffentlichen� Auslegung aus dem Fricdbof der März- gefallenen bestimmten Schleifenbänder enthalten politische Kund- gebungcn, die unter den am 18. März besonders zablreichen Bc- suchcrn des Friedhofs propagiert werden sollten. Tic öffentliche Auslegung derartiger Kundgebungen widerspricht den durch§ 39 des Rcichsprcßgcsctzcs aufrechterhaltenen Paragraphen 9 und 41 des Preußischen Prcßgcsctzcs vom 12. Mai 1851 und durfte daher auf Grund der polizeilichen Verpflichtung, strafbare Handlungen zu verhindern, inhibiert werden. Tas Kammergcricht hat in einer Entscheidung vom 9. Ok- iobcr 1913 in der Strafsache gegen Gan in Berlin festgestellt, daß der Begriff des Plakats nicht auf Maucranfchlägc und die hierzu bestimmten Schriften beschränk! ist, weil cinc solche Bc- schränknng den Zweck des Gesetzes nahezu vereiteln würde, und der erwähnte§ 9 nicht nur das Anschlagen und Anheften, son- dern auch cinc in sonstiger Weise erfolgende öffentliche Aus- sicllung verbietet. V. Schulcnburg. An Hcrr,r Rechtsanwalt Tr. Hcinemann in Berlin. Hiernach ist dos Auslegen von Schleifenbändern auf dem Friedhof eine politische Kundgebung, die dem Rcichsprcß- gcsctz widersprechen soll. Diese tiefgründige Auffassung ist wohl nur in Preußen möglich. Nunmehr hat die Fraktion gegen den Obcrpräsidentcn die Klage beim Obcrvcrwaltungsgericht cin- gcrcicht. Fortbildungsschulinspektoren für Berlin. Der Magistrat hat■ die drei Berliner Fortbildungsschul- dircktorcn Dageförde, Haumann und Schulze zu Fortbtldungs» schulinspcktorcn gewählt. Ihre Aufgaben sind folgende Sic sollen 1. durch planmäßige, regelmäßige Revisionen feststellen, ob der Unterricht sachlich und methodisch richtig erteilt wird und die erziehlichen Maßnahmen zivcckentsprcchend getroffen lvcrdcn; 2. einheitliche Grundsätze durchführen in bczug auf Einschulung, Klassenbildung, Unterrichtszeit, Vertretungen, Verwendung von Praktikern usw.; 3. die Anträge bearbeiten auf Befreiung vom Schulbesuch, Weitcrbcsuch über das 17. Lebensjahr hinaus, wenn das Ziel der Schule bis dahin nicht erreicht ist: 4. die fachliche Ausgestaltung des Unterrichts pflegen durch Beobachtung der Fort- schritte in der Technik, im Kunstgewerbe, im Handel und Verkehr, durch Prüfung, wieweit derartige Methode« im Fortbildungsschulunterricht berücksichtigt Ivcrdeu können, und durch Ausgestaltung der Lehrmittel: 3. die Ausbildung der Lehrkräfte durch Kurse, Vorträge und Konferenzen zu regeln. Die drei genannten Herren sind aus dem Lchrcrstandc hervorgegangen. Eine Hochschulbildung haben sie nicht,>vie sie für die gleichbesoldetcn Schulinspektorcn der Volksschulen gefordert wird. Ihre Alifsicht wird sich auf rund 2400 Klassen erstrecken. Es wird ihrer also ein gewaltiges Arbeitspensum warten. Ter Antritt ihres Amtes erfolgt am 1. August d. I. An den Berliner Autorundfahrten für Fremde kritisierten wir kürzlich, daß sie durch die Art ihres gewöhnlich nur die innersten Stadtteile umfassenden Betriebes den Anschein erwecken als ob eS über die Berliner Innenstadt hinaus keine Sehenswürdig leiten gebe. Daraufhin hat jetzt die Zentralstelle für den Fremdenverkehr Groß-BerlinS veranlaßt, in allen Rundfahrtprogrammcn und in den Erklärungen, der„Bärenführer" anzugeben, daß die Besich- ligimg Berlins mit der Autorundfahrt nicht erschöpft ist, sondern nur einen allgemeinen lleberblick bieten soll. Das wird hoffentlich viele Fremde anregen, sich zur Bildung eines richtigen Urteils über Berlin und Berliner Leben auch die Vorstädte und allernächsten Vororte an- zusehen.__ Ans der Krankenhausverwaltung. In ihrer am Sonnabend stattgehabten Sitzung nahm die städtische KrankenhauSdePutation Stellung zu einer Reihe von Anträgen, die von den Arbeitern und Angestellten zur Lohnordnung und zur Re- gelung der Personalbeköstigung in den Berliner städtischen Kranken- anstalten gestellt waren. Ohne jeden berechtigten Grund wurde bis her ein Unterschied gemacht zwischen I. Apotheken-, Leichen-, Laboratoriums- und Operationsdienern einerseits und sozusagen„ein- fachen" Apotheken- usw. Dienern. Der 1. Kategorie wurde Kost vom II. Tisch, der zweiten Kategorie Kost vom III. Tisch gewährt. Mit Genehmigung der Deputation konnte die Nawralverpflegung für den III. Tisch mit 499 Mark. die für den II. Tisch mit 650 M. abgegolten werden. Auch die sogenannten einfachen Apotheken- usw. Diener haben größtenteils eine selbständige Stellung inne, so daß ein Unterschied in der Be- zahlung nicht mehr gemacht werden darf. Dies sah auch die Deputation ein, jede Differenzierung fällt künftig fort. Hierfür wie für den weiteren Beschluß der Deputation, den genannten An- gestellten genau so wie den Oberwärtern nach 29 Dienstjahren einen vierwöchigen Urlaub zu gewähren, ist noch die Zustimmung des Magistrats nötig.— Die ständig beschäftigten Rcinigungsfrauen, deren Bezüge bisher nicht ctatsmäßig festgesetzt waren, werden künftig auf den Etat übernommen; sie erhalten neben Arbcitskleiduitg und Kost vom III. Tisch monatlich b9 M.. nach 2 Jahren 52 M., nach 4 Jahren 56 M., nach 6 Jahren 60 M. Bezüglich der Gewährung der Mietsentschädigung an das ver- heiratete Personal, welches nicht in der Anstalt wohnen kann, hat die Bestimmung im Etat, welche nur den Hausdienern, aber nicht dem übrigen Personal die Mietsentschädigung in Höhe von 259 M. gewährt, Enttäuschung hervorgerufen. Für 169 M. jährlich oder 13,35 M. monatlich ist nicht mal eine Schlafstelle zu beschaffest, ge- schweige denn eine Wohnung für Eheleute. Es wurde der Antrag gestellt, diese Bestimmung einer Revision dahin zu unterziehen, daß allen außerhalb der Anstalt wohnenden verheirateten Angestellten die Wohnungsentschädigung von 259 M. jährlich gewährt werde. Den Direktionen wurde aufgegeben, diejenigen Kategorien der An- gestellten in Vorschlag zu bringen, denen die beantragte Wohnungs- entschädigung gewährt werden soll. Vorbedingung ist mindestens dreijährige Beschäftigung im städtischen Dienst. Die eingegangenen Beschwerden hinsichtlich der BekleidungZ- ordnung wurden zur Prüfung und Abstellung der vorhandenen Un- stimmigkeiten einer Kommission überwiesen, die sich au» den Ver- waltungsdirektoren und den Vorsitzenden der Arbeiter« auSschüsse sämtlicher An st alten zusammensetzt. Es wird erwartet, daß auf diesem Wege die berechtigten Wünsche des Personals ihre Erfüllung finden. Bezüglich der Gewährung de-S Weihnachtsgeldes bestehen Zweifel darüber, ob mit der Zahlung einer Zulage das Weihnachtsgeld in Fortfall kommt oder erst bei Versetzung in eine gehobene Stelluitg. Weihnachten 1913 sind in den Fällen, in denen einige Klassen im Lause des Jahres cinc Lohnaufbesserung erhalten haben, die Weih- nachtSgelder nicht gezahlt worden. Durch den Fortfall des Weih- nachtsgeldcs ist die Zulage gewissermaßen illusorisch geworden. Nach dem Wortlaut de-s Etats für 1914 soll daS Personal daS Weihnachts- gcld so lange behalten, als es dieselbe Stellung einnimmt. Die Deputation beschloß, das Weihnachtsgeld für die Zukunft auch den Personen weiter zu zahlen, die es infolge Zulage Weihnachten 1913 nicht mehr erhalten haben. Die Beschwerden des Personals hinsichtlich der Beköstigung be- zogen sich darauf, daß der Morgen- lvie der Nachmittagskaffee trink- fertig geliefert wird, d. h. mit Milch und Zucker gemischt. Diese Mischung sagt dem Personal nicht zu, weil die einen von Haus aus daran gewöhnt sind, den Kaffee schwarz mit oder ohne Zucker zu trinken, die anderen wiederum Milchkaffee ohne Zuckerzusatz. So auch beim Mittagstisch. Der eine ißt Gemüse und kein Fleisch, der andere ivieder umgekehrt, oder auch Gemüse mit Fleisch, aber ohne Kartoffeln usw. Aus geringfügigen Ursachen Ivird aus diese Weise oft das Essen als ungenießbar verworfen, während vielleicht bei Trennung der Bestandteile des Gerichts dasselbe mit Appetit genossen werden würde. Ferner wurde zur Sprache gebracht, daß daS Statioilspersoilal gezwungen ist, die Mahlzeiten in den Stations- küchen an einem kleinen unzulänglichen Tische ohne Decke einzu- nehmen. Das Personal sucht sich damit zu helfen, daß es reine Laken als Tischdecke benutzt, was doch recht unappetitlich ist Es wurden min folgende Anträge, die diesen Uebelständen ab« helfen sollen, gestellt: 1. Morgen- und Nachmittagskaffee nicht mehr in der bisherigen Weise zu verabreichen, sondern getrennt Kaffee, Milch und Zucker, damit jeder in der Lage ist, den Kaffee sich so zu mischen, wie er seiner Gewohnheit und seinem Geschmack entspricht. 2. Das Mittag- essen nicht mehr als e i n Gericht, sondern nach Gemüse, Kartoffeln und Fleisch getrennt zu verabfolgen. 3. Dem Stationspersonal zu den Mahlzeiten einen besonderen Raum, soweit angängig, und auch Tischtücher zur Versügung zu stellen. Ferner wurde beantragt, dem Personal statt des Bieres im Sommer frisches Obst zu geben und endlich dem Personal auf die Ge« staltung des Mittagtischcs einen Einfluß dadurch einzuräumen, daß dem Vorsitzenden desArbeiter- auSschusseS jeder Krankcnansl alt in Zukunft der Küchenzettel vorgelegt wird, damit Wünsche des Personals bezüglich dcrKost berücksichtigt werden könne n. Diese Wünsche, auf das energischste von dem sozialdemokratisckien Mitgliede unterstützt, wurden von der Deputation als berechtigt an- erkannt und ihre Durchführung gutgeheißen. Ein zweistöckiger Anhängewageu wird van der Großen Berliner Straßenbahn in den näcbsten Tagen versuchsweise in Betrieb genommen werden. Es handelt sich davei nicht um eine Neukonstruktion, sondern bloß um den Umbau eines Tccksitzanhängcwagcns älterer Bauart. Es sollen mit diesem Wagen im prakrischeir Betriebe Erfahrungen gesammelt werden. Bei Bewährung sollen dann noch andere Anhängewagen umgebaut werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich später Neukonstruk« tioncn zweistöckiger Anbängcwagcn anschließen, bei denen gewisse Mängel, die bei dem Umbau älterer Wagen in Kauf genommen werden müssen, vermieden werden können. Das obere Stockwerk soll für Raucher bestimmt sein. Einen schrecklichen Tod fand beim Spielen der 7 Jahre alte Sohn Erich des Schiffseigners Hilgert, der mit seinem Kahn im Osthascn liegt. Neben dem Kabnc Hilgerts liegt ein anderer, der ebenfalls Kohlen geladen hat. Der kleine Hilgert beugte sich nun über Bord, um in dein Zwischenraum mit einem Stock im Wasser zu spielen. Nach kurzer Zeit kam ein Tampscr vorbeigefahren, der hohe Wellen schlug. Ter Ncbenkahn geriet dadurch in Bewegung und drückte sich dicht an den Kahn Hilgerts heran. Hierbei wurde dem achtlos spielenden Kleinen zwischcnjwn beiden Bordwänden der Kopf zermalmt, so daß er auf der istcllc verschied. Tic Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Explosion eines Granatenstückcs. Eine große Unvorsichtigkeit hat der Gefreite F. I. vom Lchr-Jnfantcrie-Bataillon begangen. I. nahm an einer Ucbung aus dem Truppenübungsplatz in Töberitz teil. Entgegen einem Verbot las er ein Bruchstück einer Granate auf. In der Kaserne holte er das Fragment hervor und versuchte durch Schaben und Klopsen das Granatcnstück zu zerlegen. Plötzlich gab es einen furchtbaren Krach, das Granatteil sprang in tauicnd Stücke. I. wurde im Gesicht und an den Armen furchtbar zugc- richtet. Sein Befinden ist sehr bedenklich. Ein künstliches Auge im schwarzen Karton ist gefunden worden. Ter Verlierer kann dasselbe bei Rcntcr, N. tsprengclstr. 39, in Empfang nehmen. Wer ist der Tote? Aus dem Luiscitstädiischen Kanal gelandet wurde Sonntagnachmittag vor dem Grundstück Luisenufer 53 ein unbekannter Mann von etwa 35 Jabrcn. Ter Tote ist etwa 1,79 Meter groß, hat� dunkelblondes, krauses Haar, ebensolchen englisch geschnittenen Schmirrvart und war nur mit einer dunkel- gestreiften Hose, grauen Strümpfen und schwarzen Schnürschuhen mit Lackspitzen bekleidet. Beim Baden ertrunken ist Sonntag mittag im Seddinsee ein zirka 26 jähriger Mann. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden._ Vorortnachrichten. Schöneberg. Die Kindcrausflügc nach dem Grunewald beginnen am Mon- tag. den 6. Juli, mittags 123/4 Uhr, vom Bahnhof der Straßenbahn in der Belziger Straße. Den Kindern werden die Plätze von den Begleiterinnen der einzelnen Wagen zugewiesen und ist auch den Anordnungen dieser Genossinnen Folge zu leisten. Jedes Kind muß ein Viertellitergefäß mitbringen für die zur Ausgabe gelangende' Milch. Die Rückfahrt beginnt abends 8 Uhr vom Roseneck aus und treffen die Kinder S'/s Uhr in der Belziger Straße wieder ein. Da die Ausgaben recht erhebliche sein werden, so wird gebeten, die Sammellisten reichlich zu benutzen, außerdem nehmen Beiträge cnt- gegen die Genossin Lazer, Berchtesgadener Str. 22/23, Maurer. Goltzstr. 2, und K ü t e r, Ebersstr. 79. Friedrichsfelde. Heftige Kämpfe kostete bekanntlich der Plan, für die Gemeinde Friedrichsfclde-Karlshorst ein eigenes Gaswerk zu errichten. Cb« wohl nun das Werk bereits seit Beginn dieses Jahres in Tätigkeit ist und Klagen über den Betrieb disber auch nicht laut geworden. sind, scheinen sich die Anhänger der sogen..Burgcrmcistcrpartet" immer noch nicht damit abfinden zu können, daß die Gemeinde andere Aufgaben zu erfüllen hat. als dem Privattapital zu dienen. Wenn nun auch die Gegner des Gcmcinde-Gaswerks ihre Hoff- nung. das Werk dem Privatkapital auszuliefern, aufgeben müssen, so führen sie doch bei jeder Gelegenheit den Kampf für ihre„lieber- zcugung". Das zeigte sich wieder einmal in der letzten Gemeinde- vcrtretcrsitzung. Schwierigkeiten beim Erwerb des Baulandes so- wie Beachtung der Wünsche der Gemcindevertreter brachten es mit sich, daß die Gasanstalt nicht auf dem ursprünglich in Aussicht ge nommcnen Platz errichtet ist. Diesem Umstand ist es auch zuzu schreiben, daß 2l 685 Quadratmeter Bauland mehr erworben werden mutzte, als für die Gasanstalt benötigt wurde. Gaswerks- ausschutz und Gcmeindevorstand beantragen nun, diese 21 685 Qua- dratmetcr Land dem Grunderwerbsfonds zu überweisen, damit es der Gemeinde zur freien Verfügung steht und das Gaswerk um die hierfür in Betracht kommende Summe von 168 425 M.(5 Dt. pro Quadratmeter gegen 5,65 M. des Durchschnittswertes> entlastet wird. Das nach dieser Abtrennung für die Gasanstalt verbleibende Gelände ermöalicht die Erweiterung der Gasproduktion nach Bc- rechnung der sachverständigen bis zu 25 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Da der jetzige Bedarf sich auf etwa 3 Millionen Kubikmeter pro Jahr stellt, so ist für eine mehr als achtfache Vergrötzerung Sorge getragen, es mutz daher die Reservierung weiteren Geländes als eine unnötige Belastung des Werkes auf unbestimmte Zeit hinaus angesehen werden, wodurch sich die Rentabilität desselben auf rund 5666 M. pro Jahr verringern würde. Genosse Pinseler befürwortete den Antrag, wohingegen Herr Pense die Meinung der „Bürgermeisterpartei" vertrat und für Ablehnung plädierte, weil die Ucbcrweisung von unbebauten Grundstücken zum angenommenen Preise von 5 M. pro Quadratmeter eine Stcuererhöhung der ge- samten unbebauten Grundstücke zur Folge haben würde und da gegen müsse er sich, obwohl er Richtcingescssencr sei, entschieden wenden. Dies rief(den Großgrundbesitzer) Herrn von Trcskow auf den Plan, der erklärte, auch er wisse, datz die unbebauten Grund stücke stark belastet seien, aber Konsequenzen dürften nach dieser Richtung aus der Vorlage nicht gezogen werden. Herr Bürger- meistcr Ungcwitter als Gegner der Vorlage erklärte, datz die Regie rung die Anleihe zum Erwerb der Grundstücke für die Gasanstalt, aber nicht zur Ueberweisung von Grundstücken an den Grundstücks crwerbsfonds, genehmigt habe. Die Vorlage wurde zwar ange nommen, dennoch malte der Bürgermeister nochmals den Regier rungseinspruch an die Wand. Damit ist wenigstens den Gegnern des Gaswerks der letzte Abendschimmer der Hoffnung noch geblieben. Ferner wurde beschlossen, daß vom Jahre 1915 ab jährlich 3 Proz. des Anschaffungswcrtcs des Gaswerks«außer dem Grund stückswert) abgeschrieben werden sollen. Von dieser Abschreibung soll zunächst die vorgeschriebene Schuldentilgung(IVi Proz.) be stritten und aus dem Rest nebst Zinsen ein Erneuerungsfonds zur Begleichung kleiner Erneuerungen und Erweiterungen gebildet werden. Weiterhin wurde der Vorsitzende des Gaswerksausschusses er- mächtigt, auf Grund von Beschlüssen des Ausschusses Kaufverträge innerhalb des Rahmens des Haushaltsplanes abzuschließen. Beim Einkauf von Kohlen ist auch ein Ueberschreitcn des Haushalts- planes zulässig. Dieser Beschluß stützt sich aus die Praxis in anderen Gemeinden. Tempelhof. Ein Sittlichkeitsattentat wurde gestern nachmittag in dem Hause Viktoriastr. 1 auf die Frau des Kaufmanns H e l m d a ch verübt. Als Frau H. von einem Einkauf nach Hause kam, wurde sie auf der Treppe von einem jungen Menschen überfallen und zu Boden ge- warfen. Auf die Hilferufe der Frau ergriff der Wüstling die Flucht, wurde aber von einem in demselben Hause wohnenden Resiaurateur eingeholt und der Polizei übergeben. Der Täter ist ein 17jähriger Kaufmannslehrling aus Wilhelmshaven, der sich hier zum Besuch aufhält. Frau H. hat keinerlei Verletzungen erlitten, ist aber infolge des ausgestandenen Schreckens leicht erkrankt. Nowawe». Eine verwerfliche Bersicherungspropaganda entfalten hier feit «inigen Tagen zwei auswärtige Agenten einer größeren Lebens- Versicherungsgesellschaft. Obwohl sie sich in ihnen geeignet er- scheinenden Fällen als„Genossen" ausgeben, besonders in Arbeiter- familien, verschmähen- ste es nicht, die VersicherungSeinrichtungen der„Volksfürsorge" abfällig zu kritisieren, um eine Versicherung bei ihrer Gesellschaft als uM so vorteilhafter erscheinen zu lassen. Wenn ihre Angaben, datz sie besonders in Avbeitcrkreisen bisher gute Erfolge zu verzeichnen hatten, der Wahrheit entsprechen soll- tcn, so wäre dies sehr bedauerlich, um so mehr, als die organisierte Arbeiterschaft durch die Partei- und Gcwerkscbaitspressc wie auch durch gelegentliche Vorträge über Zweck und Ziele sowie die Ver- sicherungscinrichtungen und-vorteile der„Volksfürsorge" doch wohl genügend unterrichtet sein dürsten. Potsdam. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Bei der Verlegung eines Teiles der landwirtschastlichen Hochschule nach Potsdam kommt die Stadt dem Staate in weitgehender Weise entgegen, in- dem sie nach dem in Aussicht genommenen forsffiskalischcn Gelände. das eingemeindet werden soll, Kanalisation und Wasserleitung legt und auch für eine Fahrgelegenheit nach dem Bahnhose sorgt. Tie vorgetragenen Bedenken, datz Schwierigkeiten bezüglich der Ein gemcindung entstehen könnten, wurden vom Oberbürgermeister zer streut. Mit einem„Bravo" wurde die Mitteilung aufgenommen, datz die Frist, die man einem Konsortium zur Projektierung einer Stadthalle auf der Frcundichastsinscl gestellt hatte, abgelaufen und der Magistrat auf eine Verlängerung nicht eingegangen sei. E wurde der Wunsch geäußert, nunmehr den Bau einer«tadthalle in Erwägung zu ziehen.— Zur Regulierung der Kleinen Wein meisterstraße wurden 23 666 M. bewilligt.— Im Februar hatten die Stadtverordneten die Ausnahme einer Anleihe von 5 666 666 M. zur Vergebung zweiter Hypotheken beschlossen. Die Bedingungen der Hypothckenvcrgebung haben die Zustimmung der Aussicht bchörde nicht gesunden.— Für die Kabelnetzerwcitcrung des Elektrizitätswerks wurden 286 666 M. bewilligt, und zwar für die Leitungsnetze in Geltow 16 566 M., für dieselben in Caputh 24 666 M., in Sacrow 3566 M., in Bornstedt 7500 M., in Rowawcs 78 666 M., für die Speiseleitung nach Wannsee 78 666 M., für all gemeine Netzcrwcitcrung und für Leitungsnetze in Potsdam selbst 162 666 M.— Ter Magistrat brachte am Schlüsse der Sitzung eine Dringlichkeitsvorlage ein, welche die Zustimmung der stadtvcrord- neten zur Erhöhung der Verpflegungssätze der 3. Klasse im städtt scheu Krankenhause fordert. Diese Sätze betragen jetzt 2,56 M. für hiesige Kranke, 3 M. für auswärtige und mit häßlichen Krankheiten behaftete Kranke und 4 M. für Geisteskranke. Der Dringlichkeit wurde von dem Stadtverordneten Schmidt, der Vorsitzender der Ass gemeinen Ortskrankcnkasse in Potsdam ist, widersprochen. Dieser Widerspruch war dem Magistrat nicht angenehm, denn er hat sich den anderen Krankenhäusern gegenüber vcrpslichtct, am 1. Juli die Erhöhung eintreten zu lassen. Ein Stadtrat ließ hier eine recht sonderbare Wcisbeit leuchten, indem er der Ansicht war, datz der Stadtverordnete Schmidt von der Sitzung auszuschließen sei, weil er in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Allgemeinen Kranken- kassc an dieser Vorlage finanziell beteiligt wäre. Diesem konnte sich natürlich kein Vertreter anschließen. Verwendung der Arbeitcrgroschen. Unsere Gegner können sich oft nicht genug tun, von der Ver- schwcndung der Arbeitergroschen zu reden. Wie die Arbeiter- groschcn im Jahre 1913 den Arbeitern in Potsdam zugute kamen, mögen folgende Zahlen zeigen. Uebcr die an ihre Mitglieder ge- zahlten Unternütziingen berichten für das Jahr 1913 von 26 dem Kartell angeschlossenen Gewerkschaften 25 mit einer Gesamtinit- gliederzohl von 2 66 6. Diese 25 Gewerkschaften verteilten 1913 an ihre Mitglieder 46 853,68 M. Unterstützung. Davon entfielen aus die Arbeitslosenunterstützung 18 664,27 M., auf die Kranken- Unterstützung 12 594,96 M.. auf die Üleiscunterstützung 1317,68 M., für Streiks ivnrden 179 M. und für Aussperrungen 5686,45 M. gezahlt. Für andere Unterstützungen wurden 2477,98 M. gezahlt. Arbeitslos waren im vergangenen Jahre l253 Gewerkschaftsmit- glieder an 18 447 Tagen, krank 579 Mitglieder an 11695 Tagen. An Aussperrung und Streik beteiligt waren 129 Mitglieder an 3641 Tagen. Diese Zahlen führen sicherlick» eine beredte Sprache. welche die Anwürfe der Gegner in ihrer ganzen Haltlosigkeit und Lächerlichkeit erkennen läßt._ Ein Lichtbildervortrag:„A u s russischen Kerkern" findet morgen Mittwoch, abends SM Uhr, im„Friedrichsgarten" statt. Eintritt 29 Pf. Der Ueberschutz kommt den russischen.Gefangenen zugute._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direküon über den Großhandel in den Zentral-Martthallcn. Magazin Barlin N., BrunnenstraBe 56. Große Auswahl in schwarzer Konfettion; aucheinz. Ricke, Blusen. Hüte etc. Anfertigung nach Mal In 12 Stunden. Aenderungen sofort.* Wanderkarten hälk stets vorrätig Buchhandlung Vorwärts cindenstr. 69(Laden) Sorussia-Festsale Ackerstr. S/7» nahe Rosenthaler Platz Telephon Amt Norden 2674 empfiehlt den geehrten Vercwcn und Gewerkschaften seine renovierten und mit elektrischer Beleuchtung neu eingerichteten Säle zu Versammlungen 9 und Festlichkeiten. Zur bevorstehenden Herbst- und Vintersaison sind noch Sonnabende und Sonntage zu vergeben.__ Georg Wolflgraniin. Berlin SO. 16, • 8ngcl-CIfer 5. Tabak-lwroUhandlnng und Tabakfabrik. SV Ranch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten."VS Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. 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Schock 3— 4; Bohnen, grüne, ital. 50 kg 6,00—12,00, dto. sranzöfische 14,00 bis lö.OO. do. ital. Beutel ca. 5 kg 1,00—1,20, do. ung. Beutel 0,20—1,00. Wachsbohnen, italienische 50 kg 25,00— 28,00.— Ö b st und Südfrüchte. Kirschen 50 kg sranzöfische 00,00—00,00, italienische 00,00 bis 00,00, Thüringer 8,00—12,00, schlesischc 8,00—10,00, badischc 00,00 bis 00,00, Werdersche 7,00—10,00, holländische, saure 14,00—18,00; Aepsel, australische, Kiste 3,00—18.00. Erdbeeren, bolländischc. 50 kg 16,00— 18,00, Dresdener, Kanne 0,40—0,50, badische, 50 kg 00,00—00,00, Mctzcr 12,00—20,00, Werdersche 10,00-20,00, Beelitzer 15,00—25,00, Hamburger 25,00-35,00, Walderdbeeren 50,00—70,00: Stachelbeeren, unreis, (lief. 8—9, do. Holland. 8,00; reife, hici. 18—22; Himbeeren, 50 kg 18—25; Johannisbeeren, hiesige 50 kg 16,00— 18,00; Blaubeeren 20,00— 25,00; 'Aprikosen, italienische 24,00—28,00; Pfirsiche, italienische 16,00—30,00; sranzöfische 14,00—35,00; Pflaumen, italienische 16,00—28,00; Mispeln, ilalicniichc 10,00—14.00; Bananen. Jamaika 16,00—20,00, kanarische 14,00—18,00; Erdnüsse 28,00—30,00: AnnnaS 65,00—90,00; Zitronen, Messina 300 Stück 8,00—12,00, Mejjina 360 Stück 7,50-11,00, Mcjfina 150 Stück 6,00—10,00._ Wittcrungsüberncht vom 29. Juni 1911. Stationen S6 O£ lS-2 Wetter wk cS. Zill |ai W lo Iwinemde. 763 WNW! 4 halb bd. amburg 1 765WSW l4Regen 1 jeriin 765 W Franks. a.M 768!still München 1767 W Wien>765 NW 17 14 4 wollig I 16 > Dunst I 18 3 halb bd.! 19 1 heiter Stationen Seilly Aberdeen Paris D W 771 Still 766000 770820 Wetter »£ c-» All i? «S> 6 Regen! 8 1 wolkenl 15 Ibedeckt 1 U 1 wolkig j 18 1 woUenI 19 Wetterprognose für Dienstag, den 30. Juni 1914. Zunächst aufklarend, nachts kühl, am Tage wieder etwas wärmer bei mäßigen westlichen Winden; später neue Trübung ohne erhebliche Rieder» schlage. Berliner Wetterburcau. Weiierausfichten für das mittlere Norddeutfchlond bis Mittwochmittag: Im Osten zunächst noch veränderlich mit einzelnen. meist leichten Regensällen. Im Westen und später auch im Osten etwas wärmer, ziemlich heiter und meist trocken. WafierftandS-Rachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau Wasserstand M e m« l. Tilsit P r e g e I, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder. Rattbor , Krassen Frankfurt Warthe, schrimm LandSberg Netze, Bordamm Elbe, Leittneritz , Dresden , Barbv Magdeburg am 28.6. CID 84 -46 168 108 88 95 -16 -28 -32 —1 -124 147 114 feit 27. 6, cm1) +t —3 +35 —3 —9 —3 0 _ 2 —6 0 —7 +4 0 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') , BeeSkow') Leser, Münden Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub . Köln Neckar, Heilbronu Main, Hanau Mosel, Tri« ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) llntervegel. Hpezialurzt s. Haut-, Harn-, Frauenleiden. ncro. Schwäche, Bcinkranke jeder Art, Ehrlich Hata- Kuren in u.Eo. konz. Laborat. j > Blut- Untersuchung.. Fäden i. Harn usw. Friedrichstr. 81, SU»« «pr. 10— 2, 5— 9, Sonnt. 11— 2. Honorar mäftig, auch Teilzahl. Separates Tamenzimmer. <44.4, VT-afVAlWI Dr. Homeyer Sehnten DamcnhUtc, schwarz, weiß, Champagne 0.93 an. T1 1 g g c, SchOnhauiier Allee 146a. AUe Hüte werden ,n Schuten gepreßt. 2. Juli Sanht Georg- lOtfierie 3469 Gewinne im Werte von Merk 60000 120000 i IOOOO Lose 50 Pf 5«- Porto und Liste 25 Pf. extra. HeCeKrttser BERLIN WS.Friedrichstr.lSda. WA" ErhiHllch euch In allen durch Plakate kenntlichen Verkaufutollen. Abschrist. GeschästSnummer: 23 R 677/13. Im Namen des KSnigS l In der Privat klagcsachc l. de« Maurermeisters Max Hofimann, 2. de« Maurermeisters St. Hofsmann, beide in Posen, Äreuzstraße 3, Privalkläger. gegen den Redakteur Aisred Wielcv? in Neukölln. Angeklagten, wegen Be> leidigung hat daS Königliche Schössen' gericht in Posen in der Sitzung vov 7. April 1914, an welcher teil' genommen haben: Gerichlsassesstl Rehborn als Vorsitzender, Banlbuch- Haler Burghardt, Expedient Dobschav als Schössen, Referendar a. D. Kaw' mann, als Gerichtsschreiber, für Rech erkannt: Der Angeklagte ist dcS Ben gehenS gegen§ 186 Si.-G.-B. schuldil und wird deshalb zu 300— Drei' hundert— Mark Geldstrafe, an dcre« Stelle im Falle der Nichtbeitreibbarktt für je fünf Mark ein Tag Gesängn> Iritt, und zu denKostcn dcs VcrsahrcN verurteilt. Den Prioalklägern ww die Befugnis zugesprochen, den er kennenden Teil dieses Urteils binnb vier Wochen nach Zustellung einer n« Rechlsiraslbescheinigung versehend Ausfertigung deS Urteils in folgende Zeitungen, nämlich im„Vorwrrtl „Posen er Tageblatt",„Posener Zd lung" und„Posener Neuellen Na» richten" aus Kosten deS Angeklagw bekannt zu machen. Die Richtigkeit der Abschrift UrteilSsormct wird beglaubigt und l Vollstreckbarieit deS Urteils bescheim Posen, den 18. Juni 1914. Der GcrichlSschreiber des KöniS Amtsgericht-(L.S.) gez.(Serie, A gerichlSsekretär. Bruchbandage '■ aass Leibbinden, Geradehalte �Jpr Irrigateure, Spritzen et( SuHpensoricn, sowie alle Artikel z. Krankenpfleg empfiehlt Fabrikant Pollmanf1 jetzt Berlin N., Lothringer Str. 6 Eigene Werkstatt Lieferant f1 Kxankeukass. Facfagem. Bediem"1 � itfCwm LeruvttvöUlichez: Betzglteur: Alkreil Wieleu, Keülollo. Lux ta» Lnferatenteil veratftwu TH.Gl»cke, Berlin, Krück».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW. Nr. 175. 31. Jahrgang. 3. Inlaut Ks Jana fttf Ittliatt laMlatt Dieustag. 30.|iitt!19I4. Solöatenmißhanölungen vor einem Zivilgericht. Passus sich befindet, zur Verlesung. Die Angeklagte erklärt, datz dieser Bericht im allgemeinen zutreffend sei. Soll öer Seweis abgelehnt werben! Dor der 4. Strafkammer des Landgerichts II begann gestern vormittag der Prozeß, den der preiißischeKriegsminister General v. Falkcnhayn gegen die Genossin Tr. Rosa Luxemburg hat einleiten lassen, weil sie sämtliche Offi- ziere, Unteroffiziere und Soldaten der deutschen Armee bc- lcidigt haben soll. Die Berliner Polizei scheint befürchtet zu haben, daß dieser Prozeß zu irgendwelchen Straßenkundgcbungcn Anlaß geben könnte. Wenigstens bemerkte man in der Nähe des Gerichts- gcoüudcs in Moabit hohe Polizeiosfiziere und sicherlich waren die nötigen Mannschaften in der Nähe. Ucberflüssig, zu sagen, daß die Polizei keine andere Arbeit bekam, als die zahlreichen Leute, dstc der Verhandlung beiwohnen wollten, in Reih und Glied aufzu- stellen. Der Znhörcrraum des zur Verhandlung gewählten Schwurgcrichtssaals war vollkommen gefüllt. Vorsitzender der Strafkammer ist der Landgerichtsdirektor Dr. Seligmann, Anklagevertreter der Erste Staatsanwalt Hage- mann, die Verteidigung wird von den Rechtsanwälten Dr. Kurt Vosenfeld-Berlin und Dr. Levi-Frankfurt a. Main geführt. Das vreußischc Kriegsminiftcrium läßt den Prozeß stenographieren und hat einen Kriegsgcrichtsrat zur Verhandlung entsandt. Unmittelbar nach Eröffnung der Sitzung und nachdem die von der Verteidigung geladenen Zeugen, über lOO an der Zahl, darunter auch der von der preußischen Reaktion aus seinem Husumer Bürgermeisteramt hinausgeworfene jetzige Dortmunder Rechtsanwalt Dr. Schücking, in den Saal gerufen worden� waren, hielt der Vorsitzende Landgcrichtsdircktor Tr. Scligmann folgende Ansprache: Der besondere Charakter der heutigen Verhandlung veran- laßt inich hervorzuheben, daß ich unbeschadet des Rechts der An- geklagten auf ihre Verteidigung, woran in keiner Weise gerüttelt werden soll, keinerlei Erörterungen, Aoutzerungcn und Kritiken zulassen werde, die über das Erfordernis der Verteidigung hinaus- gehen und über den Zweck dieser Verhandlung hinaus dazu dienen, einzelne Personen, Bcrufsstände oder Staatscinrichtungen anzu- greifen oder herabzuwürdigen. Ich werde auch nicht dulden, daß von irgendwelcher Seite hier cttva ein Ton angeschlagen wird, der der Würde des Gerichts und der Bedeutung einer Gerichtsvcr- Handlung nicht entspricht. Hier ist nicht der Ort zu irgendwelchen politischen Erörterungen. Hier haben wir auch nicht parteipoli- tischen Leidenschaften freien Lauf zu lassen. Das mag draußen geschehen. In diesen Saal gehören derartige Dinge nicht hinein. lsch weise dann die Zuhörer, zu denen auch die Zeugen, nachdem ste gehört sein tvcrdcn, gehören, darauf hin, daß ich aus dem Zu- hörerkrcise keiucrlci Kundgebungen irgendwelcher Art, insbcsou- dere keine Mißfallens- oder Bcifallsäutzerung oder irgendwelche laute Bemerkungen dulde. Tie Gcrichtsdicncr, die bereits so in- struiert sind, weife ich darauf hin, ihr besonderes Augenmerk auf derartige Kundgebungen zu richten und jeden, der dabei betroffen wird, mir zur Bestrafung vorzuführen. Gegebenenfalls werde 'ich genötigt sein, den Zuhörerraum räumen zu lassen. Ich bringe ' diese Dinge vor, damit jeder Bescheid weiß und nicht etwa nachher Folgen für jemand eintreten, die vielleicht häucn vermied cn werden können. Protest gegen diese Ansprachen. Verteidiger Dr. Rosrnfcld: Soweit diese Bemerkungen sich auf wc Zuhörer beziehen, unterlasse ich es, etwas dazu zu sagen, ov- wohl. i.(Vornhenftet; Ich habe diese Feststellungen im Interesse �er SiNuogspolizci getroffen.) Namens der Angeklagten lege ich Verwahrung ein. lP-rsihcnder: Das lasse ich nicht zu.) Dann vitte um einen GerichtKbefchluf? darüber. Ich habe die Abfrchl, namens der Angeklagten Verwahrung dagegen einzulegen, daß von vorn- herein den von uns geladenen Zeugen mit Bemerkungen entgegen- ärtreten wird, als ob zu vermuten wäre, daß die Zeugen über den Rahmen der Berbandlung hinaus hier etwas sagen wollten. Da- durch wird den Zeugen der Stempel aufgedruckt, als ob sie etwas öderes, als nur die lautere Wahrbcit sagen wollten. Gine solche �vklärung des Vorsitzenden geht weit hinaus über den Rahmen der Leitung und ich bitte um einen Gerichtsbeschluß darüber. Vcrt. R.-A. Dr. Levi: Ich gebe gern zu, daß c» die Absicht des Rorsitzcndeu war, die Ordnung in der Sitzung ausrechtzuerhalten, über er präjudizierte der Verteidigung insofern, als er fagte. die Verteidigung dürfe sich auf eine Kritik von Staatsemrichtungcn Und Berufsständen nicht einlassen. Selbstverständlich ist es unz in diesem Prozeß gar nicht möglich, anders zu verteidigen, als indem Unr den von der Angeklagten erhobenen Vorwurf- als wahr erweisen. . Bors.: Um jedes Mißverständnis zu vermeiden, hebe ich hervor, daß meine Worte heißen sollten, daß ich cs nicht zulasse, über die Rcsugnis der Verteidigung und den Zweck dieser Pcrbaiidluiig dlnous derartige Dinge hereinzuziehen— unbeschadet de» Rechts 01 Berü'�'Ä" Dr. Levi: lieber den Zweck der Verhandlung werden �nchiedene Meinungen bestehen. Die Staatsanwalt, chast haltBcr- tzrtcilung für den Zweck, wir Freisprechung. Zweck der Verhandlung 'U, die gesamten Verhältnisse zu erörtern ohne Rücksicht darauf, ob dadurch einzelne Stände belastet werden. Wir verteidigen nicht mit d'r Absicht, gewissen Berufsständen etwas anzuhangen, londern um d'� Tinge aufzuklären unbekümmert darum, ob icmand dabe» bc- wstet wird. Ablehnung einer Erörterung. .. Nach langer Beratung verkündet das Gericht den Beschluß, daß beantragte Erörterung nicht zugelassen werde, da nach der meist "sttzzubCEstchenben Aeußerung des Vorsitzenden weder cllie Be- Kränkung der Verteidigung noch eine Beemflussung der Zeugen iaf|r sondern lediglich eine Mahnung an alle Beteiligten.in Anwesenden, eine sachliche und ruhige Verhandlung zu gewahr- 'Vsten. Muß der Kriegsminister erscheinen? . Der von der Verteidigung als Zeuge durch eine an ihn verion- ,'ni gerichtete Ladung geladene preußische KriegsMiNlster v. Falke- schreibt, daß er wegen dienstlicher Abhaltung nicht erscheinen wiitw. Bert. R.-A. Tr. Rosenfeld ersucht das Gericht, hierzu Stellung Z nehmen.— Erster Staatsanwalt Hagcmann: Nach 8 �d'der �afprozeßordnung sind aktive Personen des Heeres oder der llca- 7'"° durch Ersuchen der Militärbehörde zu laden. Hier ist ein wlchez Ersuchen an die Behörde unterblieben. i», Bert. R.-A. Levi: Der Kriegsminister ist selbst die oberste <] fütarbehörde, er kann doch nicht ersucht werden, sich selbst eine lsvoung zuzustellen.— Staatsanwalt: Der Kricgsminister MUß Urch Ersuchen an daS Kriegsministerium geladen werben, feine , ntschuldigung reicht aus.— Bert. R.-A. Rosenfeld: Das Gissetz y"nt den Entschuldigungsgrund dienstlicher Abhaltung nicht. Ter .''�gsminister wurde so geladen, wie cs die Strafprozehordnung schreibt. Man könnte höchstens Bedenken haben, bezüglich des wenden Barangebots der Zeugengebühr und Kostenentschädigungs w nahm aber an. daß der KriegSminifter darauf keinen Anspruch �veben wird. Ich bitte das.Gericht, über die gegen den unentschu- ��ausgebliebenen Zeugen zu treffenden Maßnahmen zu ent- Nach ziemlich langer Beratung verkündet das Gericht folgen- den Beschlutz: Der Kriegsminister ist nicht ordnungsmäßig ge- lassen, außerdem ist er zum Erscheinen nicht verpflichtet. Er hätte durch Ersuchen an die Militärbehörde geladen werden müssen, und zwar an das Kriegsministerium. Diese Vorschrift hat ihren Grund darin, daß die Militärbehörde dazu mutz Stellung nehmen können, ob sie die betreffenden Personen für unabkömmlich hält. Endlich kann von der gesetzlichen Vorschrift nicht abgegangen werden, daß den von den Parteien geladenen Zeugen Entschädigung angeboten werden muß. Antrag auf Ladung des Kricgsministcrs. Vert. R.-A. Rosenfeld beantragt, daß der Gerichtshof den Kricgsminister selbst ladet und, zwar zum Beweis dafür, daß sich tagaus tagcin in den deutschen Kasernen Dramen abspielen, daß von Angehörigen des deutschen Heeres, Offizieren, Unteroffizieren und alten Leuten, für welche der Kriegsministcr Strafantrag wegen Beleidigung gestellt hat, tagaus tagein Mißhandlungen begangen wurden und begangen werden, daß dadurch Selbstmorde, Fahnen- flucht oder andere für die Soldaten verhängnisvolle Handlungen veranlaßt wurden und werden und daß der Kriegsminister das selbst im Reichstag zugegeben habe.— Bors.: Darüber werden wir später entscheiden. Vernehmung der Angeklagten. Bei der Verlesung der Personalien der Angeklagten ergibt sich, daß sie im Jahre 1901 wegen Beleidigung mit 199 M. Geld- strafe, im Jahre 1994 wegen Majestätsbeleidigung vom Landgericht Zwickau mit drei Monaten Gefängnis und im Jahre 1996 wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten vom Landgericht Weimar mit zwei Monaten Gefängnis und durch noch nicht rechtskräftiges Ur- teil vom Landgericht Frankfurt a. M. wegen Aufreizung zum Uu- gehorsam gegen die Gesetze zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden ist. Darauf stellt Verteidiger R.-A. Dr. Rosenfeld ein Ablehnungsgesuch gegen diejenigen Richter, die im Offiziersverhältnis stehen oder gestanden haben, nämlich des Vorsitzenden und des Gcheimrats Schulze. Ter Strafantrag ist für die Offiziere und Unterossizicre der preußischen Armee gestellt. Zu diesen Offizieren gehören auch die Herren. Sie sind also die Beteiligten. Es handelt sich darum, ob sie beleidigt sind. Die Besorgnis der Befangenheit gegen diese Richter ist bei ihren nahen Beziehungen zur Sache also gerecht- fertigt. Sie ist aber auch deshalb gerechtfertigt, weil sie als Offiziere dem militärischen Ehrengericht und der militärischen Bcfchlsgctvalt im allgemeinen unterstehen. Wie weit die Militär- behörde in der Ausgehnung dieser ihrer Befugnisse geht, geht zum Beispiel daraus hervor, daß gegen den Obersten Gädke ein ehren- gerichtliches Verfahren eingeleitet wurde, weil er das Verhalten der serbischen Offiziere beim Königsmord einer Betrachtung unter- zog und daß der Oberstleutnant v. Wagenberg ebenfalls ehren- gerichtlich verurteilt wurde, weil er sich gestattete, Einrichtungen der Avmee zu kritisieren. War dies möglich, so mutz mit der Gc- fahr gerechnet werden, daß auch diese Herren Richter in der Aus- Übung ihre? Richteramts den Wünschen der Militärbehörden und der militärischen Befchlsgewalt unterworfen sind.§ 1 des Gc- richtsbcrfaffungsgesetzcs sagt, daß die richterliche Gewalt aus- geübt wird durch unabhänaiac. nur dem Gesetz unterstellte Gerichte. Zu dieser Grundlage unserer ganzcu Gcrichtsversassuiig steht es im Widerspruch, wenn Herren miturteilen in militärischen An- gelegenheiteii. die selber der militärischen Ehrengerichtsbarkeit und Befcblsgewalt unterworfen sind. Bert. R.-A. Levi: Tie Besorgnis der Befangenheit ist nicht nur eine rein theoretische., sondern entspringt einer immanenten jeden Tag drohenden Gefahr. Es liegen Fälle vor, in denen die Militärbehörde ihr unterstehende militärische Richter nach einem Prozeß gemaßrcgelt hat. So wurde durch eine Kabinettsorder vom 1. Dezember 1993 mehreren Richtern für ihr Verhalten in dem Prozeß Bilse das Mißfallen ausgesprochen und sie wurden nach Beendigung des Prozesses pensioniert, also gemaßrcgelt. Es besteht die Gefahr und die Möglichkeit, daß die Militärbehörden Richter hinterher maßregeln, was für die Angeklagte die Gefahr und Besorgnis bc- deutet, daß diese Richter der Sache nicht so frei gegenüberstehen, wie die Angeklagte dies zu verlangen das Recht hat. Ter Borsivende erklärt, daß er Hauptmann der Landwehr a. D. ist. der Beisitzer Landgerichtsrat Schulze: Ich bin vor 39 Jahren auf meinen Antrag verabschiedet, nachdom ich Leutnant war. Diese beiden Richter treten ab. Landgerichtsrat Bicnutta übernimmt den Staatsanwalt Hagcmann führt aus, die beiden Richter seien als Offiziere a. T. nicht Beteiligte; Besorgnis zu cincin Mißtrauen gegen ihre Ilnbesangenheit liege nicht vor; der Zeitraum, in dem die Herren Offiziere waren, komme nicht in Frage. R.-A. Dr. Rosenfeld: Der Strafantrag bezieht sich auf keine bestimmte Zeit. Er ist zeitlich vollkommen unbeschränkt. Tie Aeußerungen der Angeklagten sind ja auch allgemein. Sie hat das Svstcm des Militarismus kritisiert und eine der Folgen ist das militärische Ehrengericht. Bert. R.-A. Leo«: In einem ganz ähnlichen Prozeß in Lübeck haben die betreffenden Richter sich selbst für besangen erklärt. Das Dreimännerkollegium verkündet nach seiner Beratung durch den Landgerichtsrat Bicnutta, daß der Ablchnungsantrag zurückgewiesen wird, weil die Besorgnis der Befangenheit in keiner Weise bor- Händen sei. Beide seien nicht beteiligt und gehörten der Armee schon so lange nicht mehr an, daß au ihrer Ilnbesangenheit nicht ge- zweifelt werden könne; nc haben sich auch beide als imbefangen erklärt und dem hat die Kammer vollen Gtauben geschenkt. / Eröffnungsbeschluß. Landgerichtsdirektor Dr. Scligmann übernimmt wipdcr den Vorsitz und verliest den Eröffnungsbeschluß. Durch dteseu wird die Angeklagte als hinreichend verdächtig erklärt, durch eine Volks- versammlungsrede am 7. März 19l4 zu Freiburg i. Br. die Offi- ziere und Unteroffiziere des preußischen Heeres durch Anführung nicht erweislich wahrer Tatsachen öffentlich verächtlich gemacht zu haben. Die unter Anklage gestellten Worte schließen sich an die Er- wähnung eines Soldatcnselvstnwrdes in Metz an. der„ach Aussage des Vaters des Selbstmörders wegen Mißhandlungen erfolgt- ist und lauten: „Eines ist klar: cs ist sicher eines von den vielen, den un- zöhligen Dramen, die sich in den deutschen Kasernen tagaus tag- ein abspielen und wo nur selten das Stöhnen der Beteiligten zu unseren Ohren gelangt." In dem Strafantrag des Kriegsministers, wo er erst alle Offi- ziere und Unteroffiziere, dann alle Angehörige der preußischen Armee als Beleidigte bezeichnete, ist dieser Passus angeführt. Angeklagte Tr. Rosa Luxemburg: Ich habe die unter Anklage gestellten Worte gesprochen und werde sie als wahr nachweisen. Ich verstand unter den Dramen iso fügt die Angeklagte auf eine Frage des Vorsitzenden hinzu) die Soldatcnmißhandlungen aller Art, nicht etwa nur besonders schwere. ES gelangt ein Bericht der Freiburger„VolkSwacht" über den Vortrag der Angeklagten, den sie in Freiburg über„Militarismus und Volksfreiheit"- gehalten hat. und in dem der-inkriminierte Zur Frage der Beweisaufnahme bemerkt Vert. Dr. Rosenfeld» daß die von ihm geladenen Zeugen über dasselbe Thema aussagen sollen, das bereits oben bei dem Antrag auf Ladung des Kriegs- Ministers angegeben wurde, weiter jedoch auch darüber, daß die Militärbehörden nicht in jedem Fall oder nicht mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen die Mißhandlungen eingeschritten sind. Weitere Erklärungen lehnt der Verteidiger unter Beruffing auf das Gesetz zunächst ab, da cs sich bei dem Recht der unmittelbaren Zeugcnladung um ein wichtiges, fast das einzige Recht der Auge- klagten handele, und dieses Recht nicht durch irgendwekbe Einschränkungen begrenzt werden soll. Die Ablehnung der Vcrnch- mung dieser Zeugen würde eine unzulässige Beschränkung der Vcr- tcidigung darstellen. Staatsanwalt Hagcmann: Durch den Bcweisantrag ist das Erfordernis des K 244 nicht erfüllt. Das Gericht hat das Recht und die Pflicht zu prüfen, ob die Tatsachen, die bekundet werden sollen, in einem solchen Zusammenhange mit der zur Anklage stehenden Tat stehen, daß das Gericht sie für sein Urteil für erheb- lich hält oder halten kann. Solche konkreten Tatsachen sind aber nicht benannt? es ist nicht gesagt, was jeder einzelne Zeuge be- künden soll. Es mutz gesagt werden: der und der Zeuge soll be- künden, daß diese und jene genau bezeichnete Person aufs schwerste mißhandelt worden ist. Derartige speziellen Angaben sind nicht ge- macht und das Gericht braucht in die Vernehmung der Zeugen gar nicht einzugehen. Der Staatsanwalt ersucht um Ablehnung der Zeugenvernehmung. R.-A. Lcvy tritt den Ausführungen des Staatsanwalts stbarf entgegen. Wenn der Beweisantrag der Verteidigung ein Fehler wäre, so sei ihm zu erwidern: es liege höchstens ein Fehler des Staatsanwalts bzw. des Eröffnungsbeschluffcs vor. In der An- klage und im Eröffnungsbcschluß seien keine Angaben über konkrete Tatsachen enthalten, in denen die Beleidigung gefunden wird. Der Eröffnungsbeschluß enthält nur einfach den Wortlaut des Beleidi- gungsparagraphen. Wo ist da eine Angabe konkreter Tatsachen, in denen die Beschuldigung erblickt wird? Jetzt, wo substantiiert von uns der Beweis angetreten wird, daß die Taffachcn erweislich wahr sind, die der Eröffnungsbeschluß und die Anklage als nicht er- weislich wahr bezeichnet, richtet man gegen uns den Vorwurf, wir hätten nicht genügend substantiiert! Die Beweislast fällt eigentlich der Anklage zu, nicht uns, die durch unsere Anträge sie-übernommen habe. Im Prozeß Harden-Eulenburg hat der damalige Oberstaatsanwalt Jsenbiel ausdrücklich erklärt, daß die Staats- anwaltschaft die Verpflichtung hat, die Tatsachen, in denen die Bc- Icidigung gesehen wird, als nicht erweislich wahr nachzuweisen. Jetzt gibt die Staatsanwaltschaft in der Anklage zwar zu, daß viele ivid schwere Mißhandlungen vorkommen, das soll aber tein System sein. Wir baben bereits im Vorverfahren eine unendliche Summe von Tatsachen und Beweisanirägen zu den Slktcn gebracht— cs ist die vrozessuale Pilir-w hrr(jöfrrrttaontnnriffftaff, unlct?luinuijuuy tucfcS- Materials darzutun, daß diese Behauptungen nicht erweislich wahr sind. Ungenügend fuisstontiiert sind nicht unsere Anträge, sondern die Anklage und der Eröffnungsbeschluß. Ten Antrag, diese durch Anführung bestimmter konkreter Tatsachen zu ergänzen, behalte ich mir vor. Erster Staatsanwalt Hagcmann: Was die Verteidigung an der Anklageschrift vermißt, steht darin. Im übrigen handelt es „ch darum, daß die Angeklagte von Dramen gesprochen hat, die taglich in den Kasernen passierten. Heute sagt sie allerdings, sie hatte damit all» Soldatcnmißhandlungen gemeint, nicht nur die, jen-igen, die dramatisch abschließen. Das ist eine Interpretation. Aber der Zusammenhang, in denn die Aeußerung gefallen ist, zeigt, daß jene Stelle sich mir auf schwere Soldatciunißhandlungcir bezieht. Denn kurz vorder spricht die Angeklagte von dem Fall in Metz, wo ein Soldat furchtbar mißhandelt worden sei imd der Vater gesagt habe, der Soldat habe sich das Leben genommen wegen der Mißhandlungen. Und nun fährt die Angeklagte fort: „Was auch passiert sein mag, eines ist klar, es ist sicher eins von den zahlreichen Dramen usw."... Wenn wir uns diesen Ge- daiikcngang vor Augen halten, müssen wir annehmen� daß die Angeklagte nicht einfache Stöße, Püffe, Schläge gemeint haben kann, sondern nur Dramen wie den Metzer Fall, wo die armen gequälten Soldaten zum Selbstmord getrieben würden. Diese Bc- bauptung der Zlngeklagten kann aber nicht dadurch bewiesen werden, daß hier hundert oder zweihundert Zeugen Schläge, Püffe, Stöße oder Jagdhiebe, wie man fk nun nennen will, bekunden. Die Angeklagte mutz beweisen, daß tagaus tagcin zahllose Dramen in den deutschen Kasernen passieren, d. h. daß schwere Eoldatcnmißhandlungen, Peinigungen und Quälereien vorgekommen sind, die Soldaten zum Selbstmord getrieben haben. Ich habe eine solche Zahl von dra- matischen Füllen nicht ermitteln können. Bert. R.-A. Levi: Diese Ausführungen des Staatsanwalts sind weiter nichts als ein maskierter Rückzug. (Der Vorsitzende untersagt solche Ausdrücke.)' Ich schätze die Zahl der Mißhandlungen, über die wir das Mäterial besitzen, aus drrißigtausend! Nicht einzelne Püffe und Stöße, sondern unzählige wollen wir beweisen. Man erschrickt, wenn man dieses Material kennen lernt. Wir können behaupten, daß noch nicht 1 Proz. davon zur Kenntnis der Ocffentlichkcit oder der Militärgerichte gekommen ist. Es sind unendlich viele Klagen, die bisher niemand zu Ohren gekommen sind. Kamm ein Zeuge wird etwa nur über 2 oder 3 Püffe etwas sagen, sondern cs Handell sich immer um einq Monate odpr jahrelang dauernde Kette unerhörter Mißhandlungen. Bert. R.-A. Dr. Rosenfeld: Ich bin erstaunt, daß der Staats- anwalt der Beweisaufnahme entgegentritt. Der Kriegsminister stellt Strafantrag; er behauptet, daß die Worte der Ängeklagt-en nicht wahr seien, und nun sträubt sich der Vertreter der Staatsanwaltschaft mit Händen und Füßen dagegen, daß geprüft wird, ob die Auge- klagte oder der Kriegsminister recht hat. Es scheint ja fast, als ob man die Beweisaufnahme fürchte, als man ahnte, daß hier zehn- pausende Mißhandlungen nachgewiesen werden könnten. Erst kürzlich wiederum ist das stolze Wort gefallen:„Wir Deutsche fürchten Gott und sonst niemanden auf der Welt." Es scheint, als od die Beweis- aufnähme in diesem Prozeß gefürchtet wird. Ich kann mir nicht vor- stellen, daß das Gericht durch Ablehnung der beantragten Zeugen. Vernehmungen den Eindruck erwecken wollte, als ob es die Beweis- aufnähme nicht wünschte. Der Staatsanwalt hat gesagt: er hätte so viele dramatische Fälle nicht ermitieln können. Das ist eine Bankerotterklärung der Staatsanwaltschaft. Was hat sie denn getan, um solche Fälle zu ermitteln? Nach den Akten scheint sie nickt den Versuch gemacht zu haben, auch nur einen einzigen solchen Fast festzustellen. Wir haben Hunderte vop Kriegs, y-erichtSurteilen aus den Jahren 1907 bis 1913 unterbreite!, in denen allein zehntausend« Toldatenmißhandlungen gerichtlich festgestellt sind. Tagaus, tagein gehen uns noch Dteldungen zu. Heute allein 89— so massenhaft ist das Material! Die Staatsanwaltschaft hat nicht ein einziges Urteil eingefordert, nichteinen Zeugen vernommen, überhaupt kein Beweismaterial gesammelt und geprüft. Wenn die Staatsanwaltschaft die objektivste Behörde, die sie angeblich ist, auch> vir kl ich sein will, dann muß sie den Beweis zulassen. Mag doch der Staatsam valt angeben, was er ermittelt hat. Ich glaube allerdings, er hat keinen Fall ermittelt. Er wird bei niemandem Verständnis finden für die Behauptung, daß solche Fälle nicht zu finden wären. Wäre die Staatsanwaltschaft die objektivste Behörde der Welt, so hätte sie 10 009 Fälle mit Leichtigkeit finden können. Wenn sie es nicht getan hat, so beweist das n-icht, daß die Fälle nicht geschehen sind, sondern nur, daß sie nichts getan hat, um diese Fälle dem Gericht vorzuführen. Es sollen vermutlich nicht so viele dra- matische Fälle vorgekommen sein! Wir beiden Verteidiger haben in den letzten Wochen fast nichts anderes getan, als die erschütternden Angaben der vielen Zeugen zu lesen. Aus Grund der Kenntnis dieser Angaben muß ich sagen: Es gibt kaum ein traurigeres Kapitel in unserem deutschen Staat als die Soldatcnmihhandlungen. Wenn man bedenkt, daß diese Menschen, die doch auch Menschen sind... sTer Vorsitzende schneidet die weiteren Ausführungen ab, da sie zum Plädoyer gehörten.) Tr. Rosenfcld fährt fort: Die Vernehmung dieser Zeugen wird ergeben, daß die erschütternsten Fälle vorkommen, daß die Soldaten in bestialischster Weise behandelt worden sind, daß es wahr ist, was die Angeklagte gesogt hat. Darum bitte ich, die Vernehmung der drauhenstehenden Zeugen anzuordnen. Aenderung der Anklage. Vors.: Das Gericht könnte vielleicht eine Bcleidigimg nach Z 185 annehmen und erklären, daß nicht Tatsache» behauptet, sondern ein Urteil, eine Kritik ausgesprochen sei. Bert. R.-A. Levi: Selbst dann wäre die Beweisaufnahme nach einer Reichsgerichtsentscheidung(Band 10, 69) nicht zu umgehen. Die Angeklagte kann die Zulassung des Beweises auch verlangen, wenn nur einfache Beleidigung angenommen wird. Es tritt darauf eine längere Pause ein, in der über die Frage der Beweisaufnahme entschieden wird. Am Nachmittag verkündet der Porsitzende den Beschluß, in die Beweisaufnahme einzutreten. Die Staatsanwaltjchast wünfiht öie Vertagung öes prozeffes. Staatsanwalt Hagcmann beantragt nunmehr Vertagung der Verhandlung, weil das Beweisthema nicht rechtzeitig genug präzi- siert worden und die Staatsanwaltschaft dadurch außerstande gewesen sei, einer einseitigen Beweisausnahme durch entsprechende Erkundigungen entgegenzutreten. Ich muh es deshalb ablehnen, die Hand zu bieten, daß hier in eine ganz einseitige Bcweisauf- nähme mit ganz einseitig herbeigeschafften Beweismitteln über Tatsachen eingetreten wird, die an sich ja gar nicht einmal zur Zuständigkeit des Zivilgcrichts gehören. Bert. R.-A. Dr. Rosenfcld: TaS Beweisthema ist der Staats- anwaltschaft seit langem bekannt, seit Wochen haben wir täglich unsere Beweisanträge gestellt, von einer Ueberraschung der Staats- anwaltschaft ist keine Rede und die Zeugen sind ihr so früh an- gegeben worden, daß ich sagen mutz, daß der Verteidigung gegen- über den Zeugen der Anklage oft ein viel geringerer Zeitraum zur Verfügung steht. Wie oft müssen 3 Tage da ausreichen! Bei ihren großen Machtmitteln kann die Staatsanwaltschaft alle gc- wünschten Ermittelungen anstellen. Sie hat aber keinen Versuch dazu gemacht. Hier haben wir, wie mir scheint, abermals eine vollständige Bankerottcrklärung der Staatsanwaltschaft. iDer Vor- sitzende bittet, derartige Ausdrücke zu unterlassen.) Wenn die Staatsanwaltschaft mit ihren Mitteln erklärt, die nötigen Erkun- diguugcn nicht einziehen zu können, so kann daraus jeder seine Folgerungen ziehen. Wir verwahren uns gegen die Behauptung, daß es sich um eine einseitige Beweisaufnahme handle. Was würde die Staatsanwaltschast sagen, wenn ein Verteidiger sich so ausdrückte? Wesentlich ist für das Gericht nur, was der Zeuge sagt, und ob es die Wahrheit ist, aber nicht, wer ihn genannt bat. In der Wendung, daß es sich um eine nicht zur Zuständigkeit des Zivilgerichts gehörende Beweisaufnahme handle, liegt fast eine Herabwürdigung des Zivilgerichts gegenüber den Militärgerichten. Empfindet die Staatsanwaltschaft die Erörterung der Soldaten- Mißhandlungen vor dem Zivilgericht als unerwünscht?— Ter Verteidiger ersucht weiter, vom Vorsitzenden wegen zu scharfer Polemik gegen den Staatsanwalt mehrfach unterbrochen, keine Verschleppung ciutreicn zu lassen, da die Angeklagte das lebhafteste Interesse daran hat, so schnell wie möglich vor aller Oeffentlichkrit den Wahr- heitsbeweis für ihre Behauptung zu führen. R.-A. Lrvv: Nach§ 245 Absatz 4 hat die Staatsanwaltschaft ein unbedingtes Recht aus Vertagung nicht, sondern das Gericht kann nach freiem Ermessen beschließen. Es kann nicht genug unterstrichen werden, daß die Staatsanwaltschaft, nachdem wir An- trag für Antrag zu den Akten gegeben, auch nicht einen Feder- strich gemacht hat, um auch nur ein Tüpfelchen aufzuklären. Die Staatsanwaltschaft hat auch über die benannten Zeugen nicht eine einzige Erkundigung eingezogen, was doch bezüglich der in Berlin Wohnenden sehr leicht gewesen wäre. Ter Staatsanwalt sieht jetzt wohl, daß er die Geister, die er rief, nun nicht mehr los wird. In Hunderten von Fällen fordert die Staatsanwaltschaft, der jetzt die Zeit zu kurz ist, daß der Angeklagte sich auf eine Anklage sofort erkläre, auch wenn er keinen Schutz hat und über seine Zu- tunft, sein Leben entschieden wird. Es ist höchst unbillig, Vcr- tagung beantragen, nachdem man �vochenlang nichts unternommen hat. Ich glaube ja, daß es dem Staatsanwalt lieber wäre, wenn diese Sache nicht vor dem Zivilgericht verhandelt würde.(Der Vor- sitzende untersagt diesen persönlichen Angriff.) Juristisch, politisch, menschlich liegt ein Grund zur Verzögerung der Erledigung der Strafsache nicht vor. Staatsanwalt Hage mann: Die Ausführungen der Vcr- leidiger waren so abwegig, daß sie wohl kaum Eindruck machen werden. Ich kann daraus nicht jedesmal antworten und wenn Dr. Rosenfeld aus meiner Nichtantwort auf den mir zugeschleuder ten Vorwurf der..Bankerotterklärung" schließt, ich wünschte, da' keine Beweisaufnahme stattsinde, so verkennt er mich damit. F wünsche nur. daß das Verfahren so geführt wird, wie es die St. P.O. verlangt und damit eine sachgemäßige Erledigung garantiert wird. Es müssen mir doch konkrete Talsachen angegeben werden, über die Beweis erhoben werden soll. Ich kann doch keine Ermittelung an- stellen, ob in den letzten 50 Jahren Soldatcnmißhandlungen statt- gefunden haben, wenn nicht gesagt wird, wann und wo es gc- schehen ist. R.-A. Dr. Rosenfeld weist den Vorwurf de: Abwcgigkeit zurück. Das Beweisthema ist ja doch unzweifelhaft: es soll durch die Beweisaufnahme festgestellt werden, in welchem Umfange Sol- datenmißhandlungen vorkommen und in welchem Maße sich Dramen abspielen. Bei der iveiteren Besprechung über die Frage, ob die Vertcidi- gung imstande sei, bis morgen für jeden Zeugen das Beweisthema genau präzisiert anzugeben, wird dies von der Verteidigung bejaht. Vorsitzender: Das Gericht legt dabei Wert aus die Unterscheidung ztvischen irgendwelchen gewöhnlichen Miß- Handlungen und solchen, die als eigentliche Dramen aufgefaßt werden tönneü, um eine Kette von Mißhandlungen mit verhäng- nisvollcn Folgen. Nach kurzer Beratung erkennt das Gericht den Grundsatz an, daß das Recht des Staatsanwalts, die Aussetzung der Verhandlung zu beantragen, begründet ist. Nach längeren Erörterungen wirb. eine Vereinbarung dahin getroffen: Tie Verteidigung� soll disH morgen vormittag das Bcwcisthema für jeden einzelnen Zeugen i dem Gerichte einreichen und es soll dann dem Ersten StaotsanwaltW Gelegenheit gegeben werden, über die Wahrheit der behaupteten* Tatsachen Erkundigungen einzuziehen, eventuell sich zu erklären, � ob ihm dies in kurzer Zeit möglich ist. Die Zeugen werden zunächst sämtlich entlassen. Ein Teil deri Zeugen wird auf Freitag, den 3. Juli, wieder bestellt, der größeres Teil der Zeugen muß auf eine neue Vorladung warten. Zur Entgegennahme der präzisierten Bcweisanträgc der Vcr- teidigung wird die nächste Sitzung auf Dienstag 11 Uhr an- � beraumt. Driefkasten öer Neöaktion. Die suriftiidic Sprechstunde findet Linden st r-lfte 69, vorn vier Treppe» — Fuhr stuhl—, wochcntäglich von 414 bis 744 Uhr abends, eannabendS bau 444 bis 6 Uhr abends statt. Jeder für de» Briestasten hrstimmtcn Aufraz ist ein Buchstabe und eine Zahl als Malzeichen beizufügen. Briefliche Aniwori Niird nicht erteilt. Anfragcii, denen keine Abonncmcntsqnittung beigefügt ist,« werden nicht»e-utw-ttct. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde ror-s A. O. 77. Zur Bezahlung der Rechtsanwaltsfosten find Sie na Ihrer Darstellung nicht verpflichtet.— C. S. 41. Nein.—<£. 1 Wiederholen Sie Ihre Anfrage und geben Sie noch an. wann und wo die zweite Ehe geschio'sen ist. wo der erst« Wohnsitz gewesen ist, wie d notarielle Urkunde über die 6090 M. lautet und außerdem, ob die beiden Kinder erster Ehe kinderlos verstorben sind.— Sch. 400.§ t8ö: Wir! Krankcnhauspjlegc einem Versicherten gewährt, der bisher von seme Arbeitsverdienst Angehörige ganz oder überwiegend unterhalten hat, so daneben ein Hausgeld für die Angehörigen im Betrage des halben Krankem geidcS zu zahlen. Das HauSgeld kann unmittelbar an die Angehörige« ausgezahll werden. K 194: Die Satzung kann 4. das HauSgeld bis zu« Betrage des gesetzlichen Krankengeldes erhöhen, 2. Versicherten, sür die kein HauSgeld zu zahlen ist, neben der KrankenhauSpflcac ein Krankengeld bis zur Hälfte deS gesetzlichen Betrages zubilligen.— Borowiez, Jablouski« strafte. Führen Sie Beschwerde beim Verficheniligsamt, Klostcrstr. 65/67. — H. L 74. 4. und 2. Der fchristliche Verzicht der Mutter genügt nicht Rechtswirtsam wäre nur ein AdoptioiiSvertrag, dem die Mutter als Vor' münderin und das VormundschastSgericht zustimmen müssen. Sic selbe! dürsen feine ehelichen Abkömmlinge haben, außerdem wird ein Alter vo» 50 Iahren erfordert. Von der Altersvorschrift kann durch den Justiz' minister Befreiung bewilligt werden. 3. Die Unter Haltungsansprüche tan« nur die Vvrmündcrin geltend machen. Für den Fall der Adoption hätte« Sie selber einen Anspruch an den Erzeuger.— C. K. 5. Nur für d> Zeit bis einschließlich Dezember 1913.— Joses 2. 1. Die unentbehrliche« «achen fönnen nicht einbehalten werden. Ob nur solche vorhanden sind läßt Ihr Schreiben nicht crtcnnen. 2. und 3. Ihnen und Ihrem Mai müssen diejenigen Geldmittel belassen werden, die zur Beschassüng der er forderlichen NahrungS-, FenerungS- und Beleuchtungsmittel sür die Dauer vo> 2 Wochen erforderlich sind, falls und soweit diese nicht in rmtur» vorhanden sind — R. 40. 32. Kann nur der Arzt beantworten.— Ttral. 56. M niüssen cS ablehnen, Geldgeschüste im Bricjlasten zu besprechen.- R.(f. 56. Hat früher mal existiert, jetzt nicht mehr.— Streck' frage 25. Darüber sind wir leider nicht orientiert.— R. Z. 404. D« Witwenrente fann beansprucht werden, falls bei der Frau Invalidität Sinne des Gesetzes vorliegt.— P. H. 20. Wenn Sie nicht sofort gcge« die Wirlsamkeit der Kündigung protestiert haben, ist sie gültig.- M. C. 5. Die Berufung ist ebenfalls bei dem Vorsitzenden der Beck anlag un gSkommission anzumelden, und zwar innerhalb 28 Tagen, von öS Zustellung deS Bescheides ab gerechnet.— 91. 31. 4944. In einet« gerichtlichen Verfahren käme cS aus den Standpunkt des Gerichts an. L« sind jedenfalls Ihrer Auslassung und billige« Ihre Anschauungen. � Luise 4890. 1. Rund 850 M. 2. Für das unter 18 Jahre alte Am> rund 215 M. 8. Ja. Stempelstrase bis zu SM. 4. Im Gesetz ist-ick Frist nicht vorgesehen, erinnern Sie nochmals.— M. B. 743. 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