Nr. 177. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Vierteljährl 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Post. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Areuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Bostabonnements Itchmen alt: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Suremburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Tur sutif senty Vista 21- lim art butt bitoni 100 Vorwärts 96 D Berliner Volksblaff. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Stolonel geile oder deren Raum 60 Pig.. für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte 3D 28ort 20 Big.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Big., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is Onslauf bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983. Die er rief, die Geister! Donnerstag, den 2. Juli 1914. 11 ber= Doch wundert das jemanden? Das glorreiche Kriegsheer" ist für diese Leute ein Sträutlein Rührmichnichtan, bei dessen bloßer Erwähnung sie, heiligen Schauers voll, ihre Stalbsköpfe dreimal auf den Boden schlagen und leise mur mela: Allah ist groß! Um so größeres Interesse hat die Arbeiterpresse an diesem Prozeß. Er muß der Ausgang eines noch intensiveren Feldzuges gegen der Militarismus werden, als wir ihn gemeinhin führen. Das durch ihn entfachte Interesse gilt es gegen das gesamte militärische System aut fonzentrieren, das ohne Soldatenschindereien so wenig dentbar ist, wie die bürgerliche Gesellschaft ohne die Prostitution. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplak, Nr. 1984. Folgen des Sarajewoer Attentats. Aus Wien wird uns vom Dienstag, den 30. Juni, geschrieben: ofind out les Soldatenschinders, er ist der Prozeß der„ Gemeinen" in den Werkstätten und Betrieben, durch Versammlungen usw. gegen die Feinen. geschieht, müsse dem Ermessen der örtlichen Parteileitung resp. Aber gerade deshalb soll man sich über den Ausgang des der Kreisleitung überlassen werden. Eine Rote Woche dürfe aber Prozesses feinen Einbildungen hingeben. Wir stehen seiner nicht oft, sondern nur zur rechten Zeit wiederholt werden. Jetzt Er hatte es sich wohl etwas bequemer vorgestellt, der Leitung mit tiefem Mißtrauen, dem kommenden Urteils- gclte es, das Errungene zu befestigen, die Organisation und ihre Einrichtungen auszubauen, sowie Prüfung und Verstärkung der treffliche Schnurrbart, der jetzt Kriegsminister ist in Preußen, ipruch ohne jede Illusion gegenüber. Agitationsmittel! mit seiner tragikomischen Anklage gegen die Genossin LuremUnd einen wie trefflichen Instinkt die bürgerliche Presse burg! Armee is Grundlage des Staats, oder wie der Staats- diesem Prozeß gegenüber hat, das geht sehr deutlich aus der ind anwalt in Frankfurt a. M. ferner sagte: Lebensnerv. Ein Haltung dieser Blätter hervor. Der Lokalanzeiger", das Jahr hat das Frauenzimmer schon weg, lassen wir ihr noch Hoforgan, bringt so wenig wie möglich. Die Täg ein Jahr oder anderthalbe draufpacken, dann haben wir liche Rundschau" beschimpft in ihrer gestrien Nummer von denen sie noch wenigstens' ne Zeitlang Ruhe. Auf Armeebeleidigung immer die Zeugen, von noch kein Wort Gefängnis, und' ne jrößere Beleidigung, als wenn man sagt, nemmen hat, von denen denen sie nur weiß, daß fi'e es fonnten in der preußischen Armee täglich Mißhandlungen existieren, gewissermaßen à conto ihrer fünftigen Aussagen. kommen vor, jar nicht denfbar. In einer halben Stunde ist die Sache Und die B. 3. am Mittag", die vorne ein Demokrat und jemacht, Staat jerettet, Rosa verknurrt! hinten ein Jockei ist, riß am ersten Tage gar gewaltig über Will man über die Folgen, die die Bluttat von Sarajewo Es kan anders. Schon am zweiten Tage der Verhand- den Sensationsprozeß der Roja" die wohlgepflegten Stiefer nach sich ziehen wird, Klarheit gewinnen, so braucht man sich Jungen mußte das Gericht die Sizungen unterbrechen, um auseinander, am zweiten aber, wo die„ Sensation" erst los nur die folgende Tatsache zu vergegenwärtigen: der regierende dem Staatsanwalt Zeit zu lassen, sich zu fassen und wenig- ging, schwieg sie wie ein Trappist. Das Weltblatt, die Köl- Kaiser ist 84 Jahre alt und der Anwärter auf den Thron steht stens zu einem Teil des angebotenen Beweismaterials sich zu nische Zeitung", bringt wohlgerechnete 50 Zeilen. Das ist im 27. Lebensjahre. Nun ist das habsburgische Reich" ein äußern. Als der Vorsitzende, der ja gleich zu Beginn der dieselbe Presse, die so laut und so bierehrlich ihr Bedauern ungemein verwickelter Staat, und die so vielgerühmte Verhandlungen durch seine höchst merkwürdige Ansprache ge- ausdrückt, daß es immer noch vereinzelte" Soldatenmiß- Regentenweisheit Franz Josefs, an der wenigstens eine zeigt hatte, aus welchem Loche der Wind pfeift, von den Verhandlungen gibt. Hier aber, wo sie Gelegenheit hat, den lange, in Irrungen und Wirrungen gewonnene Erfahrung feidigern vernahm, daß zunächst 922 Zeugen gemeldet jeien, Stampf gegen die Soldatenschinder einmal ernsthaft zu führen, echt ist, hat es nicht verhindert, daß das„ Reich" unfähig da sprangen ihm fast die Augen aus den Höhlen und entjekt versagt sie und macht sich dadurch zu Mitschuldigen dieser war, sich auch nur aus den gröblichsten Schwierigkeiten fragte er: Wird denn beabsichtigt, alle diese 922 Zeugen vor. Schinderknechte. herauszuarbeiten, daß der Zusammenhang seiner Teile zuladen?" Auf die beruhigende Antwort, daß das noch keinesbrüchiger ist denn je und die auseinandertreibenden Kräfte wegs alles sei, und daß sich immer noch neue Zeugenzu einer Einheit nicht geknüpft sind; wie werden sich aber die bataillone meldeten, erklärte er resigniert: Dann müssen Dinge erst anlassen, wenn die organische Spike ohne jede Erwir uns ja nicht auf Wochen, sondern auf Monate einrichten!" probung ist, wenn ihr die Erfahrung fehlt, wenn sie auch der Dem Staatsanwalt schwante schon, was ihm bevorstände, und Autorität entbehrt, die der alte Kaiser, der das Ungemach des mit Händen und Füßen wehrte er sich ein wohl einzig da Lebens nicht selten so hart erfuhr, in einem so starken Maße stehender Fall in der Strafrechtspflege-, daß auch nur die darstellt! Und das bange Gefühl der Patrioten steigert sich Beweisanträge verlesen würden, nachdem er vorher über natürlich noch durch die Erwägung, daß der Kaiser schon mirf haupt jede Beweisführung abzuschließen versucht hatte! An lich recht alt ist, der Tag also immer näher tommt, da sich dieser juristisch unbegreiflichen und politisch nur zu begreifdie Zeit der menschlichen Kreatur vollendet, der Uebergang lichen Haltung des Staatsanwalts fonnte man noch deutlich von dem hohen Alter zur Unerfahrenheit der Jugend den Staat nun ohne jede Vorbereitung treffen wird! Wohl haben die einerfennen, wie sich die Militärbehörde die„ Erledigung" dieses fichtigen Leute in Desterreich dem Ferdinandeischen Regieren mit Falles gedacht hatte. Es verschlug der Staatsanwaltschaft unverkennbarer Betlommenheit entgegengeblickt; aber der Altersvon vornherein abzulehnen, die furchtbarste Armeebeleidigung beging, die denkbar war. Denn gibt es eine größere BeDer Parteivorstand gibt jezt über den Erfolg der Roten Woche feine angenehme Aussicht. Es mag sein, daß die Vorstellung leidigung des glorreichen Kriegsheeres, als sich die Ohren zu eine Uebersicht, der wir nachstehende Zahlen entnehmen. Es wurden von der Kraft und Energie, von dem zielbewußten Wollen zustopfen, wenn jemand erklärt: Ich will und kann beweisen, daß in der Armee die fürchterlichsten Mißhandlungen vorkommen, ohne daß ein Hahn danach kräht, daß von diesen systematisch betriebenen Verbrechen noch nicht ein Prozent zur Kenntnis der Oeffentlichkeit, geschweige denn zur kriegsgerichtlichen Verhandlung kommt! Hier konnte denn auch das Gericht nicht anders, es mußte die Beweisanträge ent.stpreußen. Westpreußen. gegennehmen und resigniert sich auf eine lange, lange Sigung Groß- Berlin. Brandenburg Und so bietet sich denn zum ersten Male in der Geschichte Bommern dieses glorreichen Kriegsheeres die Gelegenheit, den Schand- Bosen deckel abzuheben von jenem System, dessen Eristenz Görlig. der Kriegsminister in einem unbewachten Augenblick im Reichstage selber zugegeben, das man aber immer und immer Stattowig wieder zu leugnen, zu beschönigen versucht, dessen Aufklärung Magdeburg man verhindert und in dessen Bekämpfung man bis heute Salle feinen Schritt praktisch vorwärts gekommen wäre, wenn nicht Erfurt die Sozialdemokratie immer wieder in aller Oeffentlichkeit Schlesw.- Holst. die uniformierten Schandbuben gebrandmarkt, das schlaffe Hannover öffentliche Bewußtsein wachgerüttelt und in den Massen selber Deftl. Westfalen. Weftl. Westfalen das Gefühl für Ehre und Menschenwürde gesteigert hätte. Frankfurt a. M. Und nicht vor einem Militärgericht werden diese Dinge zur Staffel. Sprache gebracht werden, wo man die Oeffentlichkeit meidet Oberrhein.... wie die Pest, wo man sogar Urteilsbegründungen unter Ausnichts, daß fie selber durch ihren Antrag, die Beweisführung Der Erfolg der Roten Woche. schwäche oder der jugendlichen Unreise zu verfallen, ist gleichfalls vorbereiten. gewonnen: In den Bezirken Breslau Mitglieder Leser der Partei Presse In den Bezirken Niederrhein Nordbayern Südbayern. 1463 467 829 841 15573 9969 6982 4107 1685 1212 179 46 2538 1846 990 500 Pfalz Dresden Chemniz Leipzig. Zwickau Württemberg 399 646 4103 625 Baden Hessen 4027 1302 Mecklenburg 2639 1025 6534 1788 • Db.Langenbielau 1575 1697 Mitglieder ParteiLeser der presse 8979 7704 6261 4394 2885 4815 1348 1261 4120 1285 8013 3245 7706 1976 2818 1356 5201 3973 1419 und den gefesteten Anschauungen Franz Ferdinands, was alles jetzt in den Nekrologen so farbenprächtig gemalt wird, mehr und minder Einbildung war. Aber manche Patrioten glaubten daran, und so schien ihnen die Zukunft geborgen. Nun hat die Kugel des serbischen Fanatikers in das, was das sicherste schien in dem Staate, in dem so ziemlich alles unsicher ist, die stärkste Lücke gerissen. Und so entsteht und verbreitet sich das Gefühl, daß alles wankt und schwankt! Man mag über die Angemessenheit der monarchischen Regierungsform mit dem prinzipiellen Urteil zu Ende sein; in Desterreich hat aber der Monarch Aufgaben über die bloße Repräsentation hinaus. In dem Krieg der Nationen, in dem staatsrechtlichen Wirrwarr ist er eben der naturomäße Mittler! Schon das Dasein des Dualismus legt ihat diese 4522 2367 Aufgabe auf. Dazu kommen noch die Wirren in beiden 3009 2836 Staaten, die, wohlgemerkt, nicht das Resultat der Klassenkämpfe allein sind, bei denen der Monarch also, wenn er für die Besigenden nicht gerade Partei nehmen will, nicht viel zu tun hat, die vielmehr die unentrinnbare Folge der Zu sammensetzung dieser Staaten, also von ihnen nicht zu trennen sind, die also vielleicht gemildert und beschwichtigt werden können, im Rahmen dieser Staatenordnung aber nicht lösbar sind. Und die unseligste dieser die natir1171 990 liche Entwicklung störenden und hemmenden Tatsachen: die Angliederung Bosniens und der Herzegowina, aus der dic Groß- Thüringen 4579 3109 Oldenburg. Braunschweig 3216 1600 1366 1138 3744 3680 5384 3153 469 309 Lübeck 2478 1276 Anhalt Hamburg. Nordwest. Elsaß- Lothringen 1233 349 1979 675 1556 448 10604 1332 4400 2266 2006 360 schluß der Deffentlichkeit verliest, wenn es sich um Schinder- Der Gesamterfolg beziffert sich auf die Neuerwerbung von Todfeindschaft Serbiens entstanden ist, die nun, durch die fnechte in Offiziersuniform handelt, sondern vor einem 148 109 Mitgliedern, darunter 32 298 weiblichen. Außer- Verknüpfung bürgerlichen Strafgericht, wo man die Oeffentlichkeit nicht dem wurden 83 784 neue ejer für die Parteisreise ge- Verknüpfung mit den Bosheitsabsichten des Zarismus, die wonnen. In der Roten Woche fanden in Deutschland 1969 ständige Gefahr des Krieges heraufbeschwört, der ein Weltnach Belieben zum Teufel jagen kann. Hunderte und aber Agitationsversammlungen statt; 6 759 230 Flugblätter und 1 582 010 frieg werden könnte und jedenfalls der Krieg um Bestand und Hunderte von Zeugen stehen vor der Tür, bereit, mit ihrem Agitationsschriften wurden verbreitet. In 4288 Orten wurden Zukunft des ganzen Habsburgerstaates wäre. In diesem Eide der lange gedrosselten Wahrheit zum Siege zu ver- Sausagitationen vorgenommen. Die Polizei ließ es an Straf: Staatschaos hat nun der Kaiser die Aufgabe, den zentrihelfen, die in den Kasernenstuben keine Stätte hat, wo man mandaten nicht fehlen; selbst Haftstrafen wurden verhänzt. fugalen Tendenzen zum Trok, die an dem Bau rütteln, den sie durch freche Drohungen am Reden hindert. Und die Zur Erhaltung des Gewonnenen wird in der Uebersicht des jeder totgeglaubt", wenigstens die oberste Einheit des blutigen Geister der Unglücklichen, die der Militarismus in den Parteivorstandes empfohlen, daß Einrichtungen, die zur Er Reiches zu erhalten, die Daseinsmöglichkeiten, die ja die haltung des Mitgliederzuwachses dienen, geschaffen oder ausTod gejagt hat, die er ins Wasser oder vor den Gewehrlaufgebaut werden. Die neuen Genossen und Genofsinnen müssen Gristenz seiner Herrschaft einschließen, ihm zu sichern. Und gehetzt, die er an den Bettpfosten geknüpft oder hoch zum möglichst mit den Grundlagen und Zielen der sozialistischen Be- das soll nun ein Monarch leisten, demdafür wohl alle Fenster hinaus auf den Hof geschmettert hat, alle diese bluti- wegung vertraut gemacht werden durch die Parteipresse und durch Vorbedingungen fehlen! Die derindividuellen Begabung, gen Leichen werden als schauerliche Blutzeugen eines fluch- aufklärende Agitationsbroschüren. Die Mitgliederversammlungen der Kenntnis der Dinge, der Er- fahrung von der Gewalt beladenen Systems vor Gericht beschworen werden und ihre und Bezirksabende sollen möglichst interessant ausgestaltet werden, der Tatsachen- eben alles, was unerläßlich ist, soll di stumme Aussage wird hier um so schwerer ins Gewicht fallen, um der Aufklärungsarbeit in weitgehendstem Maße zu dienen und österreichische Staatlichkeit nicht wie ein Brad an ihre je leichter damals ihr Tod in die Wagschale fiel. Mein die jungen Mitglieder zu fesseln. Als besonders wirksam für die Schwierigkeiten zerschellen! Sohn, Du hast gut. getroffen!" das waren die Worte, mit Erhaltung des Mitgliederstandes habe sich die Sauskassic Mit diesem bedrohlichen Wachstum der inneren R denen ein trefflicher Militärarzt die Leiche eines in den Tod zung erwiesen. Gine gute Gaustaſſierung ist nicht nur für eine dieses Staates vermehrt sich aber auch seine internati festere Grundlage unseres Kassenwesens notwendig, sondern hat Gehezten begrüßte! Wozu denn auch große Aufregung! weiter den Vorteil, daß dadurch eine ständige Verbindung mit den Gefahr; er wird immer mehr die eigentliche Gefahrer Und so wird sich denn an dem Militarismus das Geschick Mitgliedern besteht und dabei auch auf die Frauen und die in Europa. Nun galt Franz Ferdinand, der Imp bollziehen, das der ahnungslose Engel im Kriegsministerium übrigen Hausgenossen aufklärend eingewirkt werden kann. Die wohl immer als das Haupt jener anonymen Kriegs über ihn heraufbeschworen hat. Dieser Prozeß ist nicht bloß guten Erfahrungen, die in vielen Organisationen mit der Haus- Desterreich, die man zwar nicht sicht, deren unheilvoll die Sache der zufällig angeklagten Genossin Luxemburg fassierung gemacht worden sind, sollten Veranlassung sein, sich aber immer fühlbarer ward. Indes besteht diese St wir sagen zufällig angeklagt; denn die Worte, die hier unter über nebensächliche Bedenken hinwegzusetzen und baldigst dort die hauptsächlich in dem Mangel der Konsol Auflage stehen, hat jeder Sozialdemokrat, ia jeder norinale Durchführung einer geregelten Saustaſſierung in die Wege leiten, des Staates; je brüchiger der Zusamme Mensch duzendmal gesagt und sagt sie immer wieder er Ueber die Wiederholung der Roten Woche wird gesagt. Gin desparaten Teile wird, desto größer der Appe ist der große Prozeß der Deffentlichkeit gegen die geheime mütigkeit herrsche darüber, daß selbstverständlich die Agitations Nachbarn, die an ihm Beute machen können; d Feme des Militarismus, er ist der Aufschrei der unter- arbeit in den Orten ständig fortgefeht werden müsse. Ob der Anreiz, den„ großen Tanz" zu wagen, von de drückten geschändeten Massen gegen das fluchbeladene System diese durch periodisch wiederholte Hausagitation, durch Agitation Bestand Desterreichs als Großmacht abhängt. wo eine solche noch nicht vorhanden ist. " wo er das ihm widerfahrene Herzeleid zu Protokoll gab. Befonders den energischen Bemühungen des Landrats zu Hameln um das arme Opfer gewerkschaftlicher Willkür" war es zu danken, daß aus der schnapsduftenden Materie nach langwierigen Ermittlungen doch ein Strafprozeß gegen den Geschäftsführer Klöpping, sowie die Maurer 3. und B. und zustande fam. den Tischler L. wegen Erpressung bzw. Erpressungsversuches zustande kam. die Kräftigung des Staates, natürlich nicht etwa jene mili- Oplicici, Sienika, Bosnisch Brod und Teschaní veran- 11öpping, dem Ritferbusch als entschiedener Ifoholikertärische Kräftigung, woran die Imperialisten immer denten stalteten die Muselmanen und Katholiken Trauerfeiern und R. war bis vor einigen Jahren sieben Jahre unter der und die allein sie im Sinne haben, sondern seine Kräfti- antiserbische Kundgebungen, bei denen die Fenster zahlreicher Branntweinsperre und ist auch heute durchaus kein Absti nent- wohl bekannt war, erschien daraufhin eines Tages int gung als Staat, seine Entwicklung zu einem gefunden serbischer Häuser und Gebäude eingeworfen und die Ein- September v. J. auf dem Bau in Gr.- Berkel, wo er dem R. Vorund den Fortschritt für alle Nationen berbürgenden Staats- richtungen in Gasthöfen und Geschäftsläden zertrümmert wur- itellungen machte und auch„ Bersprechungen" erzielte, aber auch wesen, ganz bestimmt die Minderung der Gefahr; der den. In allen Fällen wurde die Ruhe wiederhergestellt. die Bemerkung, daß R. nicht weiter fleben, bezw. aus dem Verbande Appetit würde danach dem Gegner eher bergehen. Ob In Banjaluka nahmen an der Trauerfeier auch die serbisch austreten wolle. Nach dem Weggange des Al. joll R. gesagt haben, Franz Ferdinand sich der Notwendigkeit dieser Entwicklung nationalen Vereine teil. In Zavidovic sammelte sich vor- es fiele ihm gar nicht ein, die restierenden Beiträge zu bezahlen, bewußt war, ob er die Fähigkeit gehabt hätte, sie zu gestern eine große Zahl von Muselmanen und Katholiken vor das Geld fönne er besser verfaufen! Von einigen Mitarbei= begreifen, ob er der Mann gewesen wäre, sie zu er dem serbischen Lefeverein an. Man sah durch das Fenster das tern sind ihm dann ernite Vorhaltungen gemacht worden. Hierfüllen: das alles find heute Fragen ohne Bert, wären Bild König Peters an der Wand hängen. Die Menge drang auf hat er die Arbeit niedergelegt. müßige Erwägungen. Wohl aber erhebt sich vor Desterreich in das Haus ein und zertrümmerte die Einrichtung. Gen- Dann ist er zu dem Landratsamt in Hameln gepigert, Ungarn und erhebt sich vor Europa die Frage, ob es darmerie zerstreute die Demonstranten. das Regime, das wir heute haben, oder das, was wir in Bälde haben werden. zuwege bringen wird, und diese Frage wird wohl niemand bejahen wollen. Für die Habsburgische Monarchie ist es aber die wahre Schidsalsfrage, und so ist es nur allzu begreiflich, daß die Patrioten das Gefühl haben, es sei von den schwachen Stützpunkten der schwarzgelben Staatlichkeit am Sonntag der vergleichsweise tragfähigste abgeriffen worden. Man bangte davor, was mit der Aera Ferdinands kommen fönnte, und bangt mun davor, wie es ohne Franz Ferdinand werden soll! Es ist wirklich ein trauriger, ein tranter Staat, dieses Habsburgische Imperium, das von der Macht und Gewalt der nationalen Strömungen und Bedürfnisse zerrissen und zerbrödelt wird. Ein Staat eben, der immer in Frage steht und fich nie zu finden vermag; zu dem man sich nicht befehren kann und von dem man nicht fortkommen wird. Die Kräfte der Vergangenheit taugen nicht, und neue Ideen müßten sich burchringen, um ordnend auf die Bahn der Gesundung zu führen. * Schwarz- gelbe Treibereien. Die ganze Zerfahrenheit der schwarz- gelben chauvinistischen Kreise, die schon während der Balkankriege geradezu gemeingefährliche Formen aufwies, zeigt sich auch jetzt in den Versuchen, die Bluttat von Sarajewo in nationalistischem Interesse auszunußen. In den legten 24 Stunden haben Wiener Blätter mit vollen Backen gegen Serbien gehezt und das wüste Hezblatt„ Die Reichspost" hat sogar den letzten un abwendbaren Schritt gegen dieses Volk der Fürstenmörder" verlangt. Man verkündete schon eine Art Ultimatum der öfter reichischen Regierung in dem Sinne, daß Serbien die Untersuchung gegen die Attentäter gleichsam unter österreichischer Kontrolle im eigenen Lande durchzuführen habe. Diese Nach richt ist dann wieder dementiert worden; die Wiener Blätter tourden etwa zahmer und fanden auch Worte gegen die wüsten Serbenverfolgungen in den slawischen Kronländern, Aber schon morgen fann die Heße von neuem losgehen. Die Erklärungen der serbischen Regierung zu dem Atten tat find forrekt gehalten. Aber auch sie scheint die Gelegenheit benutzen zu wollen, die Situation gegen unliebſame oppositionelle Elemente im eigenen Lande auszunuzen. Sarajewo, 1. Juli. Die drei oppositionellen Blätter Srpska Rijec",„ Narod" und" Otazbina" erscheinen vorläufig nicht, da ihre Druckereien verwüstet sind. Orgien des patriotischen" Fanatismus. geftrigen serbenfeindlichen Kundgebungen sind aus der ungeheuren Sarajewo, 1. Juli. An zuständiger Stelle wird erklärt: Die Entrüstung der erdrückenden Mehrheit der katholischen und der In der Verhandlung vor der Straffammer wurde den Angemuselmanischen Bevölkerung hervorgegangen. An den Kundgebungen beteiligten sich alle Schichten der Bevölkerung, jogar flagten zur Last gelegt, durch drohende Redensarten" in Ritterbornehme Dame n. Bezeichnend ist aber, daß kein einziger busch den Entschluß, die Arbeit niedrzulegen, gezeitigt zu haben. Serbe getötet, dagegen ein Katholik und ein Moslim von Serben Das bestreiten die Angeflagten energisch. Ritterbusch, der sich erschlagen wurden, weiter, daß nicht geplündert wurde, bis auf gefallen lassen mußte, daß sein Alkoholverbrauch gerichtlich festgevereinzelte Fälle, in denen der Mob die Gelegenheit ausnußte. ſtellt wurde, behauptete, er hätte durch die Redensarten seiner MitDie Plünderer wurden jedoch sofort von den Demonstranten selbst arbeiter zwangsweise in dem Bauarbeiter- Verbande festgehalten bertrieben. Militär, Gendarmerie und Polizei befanden sich an- werden sollen. Der Angeklagte B. gab als möglich zu, daß er zu gesichts der Beweggründe des Vorgehens der Demonstranten und R. gesagt haben könnte, dieser wäre ein großer Lump, wenn er den ihrer patriotischen Kundgebungen(!) in der denkbar eigenen Arbeitskollegen um dessen Auslagen schädige. 2. bemerkte, schwierigsten Lage. Von der Waffe wurde fein Gebrauch gemacht, er habe zu R. lediglich gesagt:" Das Geld mußt Du zahlen." Der weil die Demonstranten sich überall, wo das Militär zum Aus Staatsanwalt beantragte, jeden der Angeklagten wegen. Gr einandergehen aufforderte, zerstreuten. Hervorzuheben ist, daß die pressungsversuches zu je drei Wochen Gefängnis Volkswut sich vor allem gegen das großserbischen Tendenzen zu- zu berurteilen, während der Verteidiger Rechtsanwalt neigende Element richtete, während das loyale serbische Element andtmann- Hannover für die Freisprechung seiner Klienten eintrat. Das Gericht gelangte zur fostenlosen berschont blieb. Freisprechung sämtlicher Angeklagten, da für den Tatbestand des Erpressungsversuches nichts vorliege. Es fehle das Vorhandenfein eines 3 wanges oder einer Drohung gegen Ritterbusch, der übrigens als Zeuge doch ziemlich unzuverlässig in die Erscheinung getreten sei. Desgleichen könne von einem rechtswidrigen Vermögensvorteil feine Rede sein. Denn die gegen Ritterbusch geltend gemachten AnfordeBelgrad, 30. Juni. Das serbische Preßbureau veröffent- rungen basierten doch schließlich auf deffen unzweifelhaft licht mit Ermächtigung der Regierung fol. eingegangener Berpflichtung aus 3ahlung der gende Erklärung: Serbien ist gleich wie die ganze Verbandsbeiträge. Verhängung des Standrechts. Sarajewo, 1. Juli. Da in Dolna Tuzla und maglai Ausschreitungen vorgekommen find, ist heute in beiden Orten das Standrecht verkündet worden. Eine Erklärung der serbischen Regierung. Politische Uebersicht. Klerikale Infamien. übrige Kulturwelt von Abscheu erfüllt gegen das Attentat und die Täter. Wir wundern uns, wie es möglich ist, daß deutsche und österreichisch- ungarische Blätter diese unqualifizierbare Tat eines verworrenen geisteskranken Menschen zum Anlaß nehmen konnten, um Serbien zu beschuldigen Als die ersten Meldungen über die Politischerklärungen und anzugreifen, das in jüngster Zeit nichts unterlassen hat, um die Beziehungen zur Nachbarmonarchie besser und freier Gewerkschaften durch die Presse gingen, verhielten sich freundschaftlicher zu gestalten. Die serbische Regierung ist die fleritalen Blätter zunächst zurückhaltend; die Kölnische der Ansicht, daß das traurige Ereignis von Sarajewo es ihr Volkszeitung" bezweifelte sehr, ob diese Maßregeln der zum Gebot macht, ihr ganzes Augenmerk auf die Umtriebe Regierung politisch klug feien. Inzwischen hat man fich in verdächtiger Elemente zu richten, wenn diese sich auf serbischem fleritalen Streisen wieder anders besonnen; in einem Artikel Gebiet befinden, und strengste Maßregeln zu ergreifen, um der Zentrums- Parlaments- Korrespondenz:„ Die Personalunion ihr Treiben zu vereiteln, insofern dies bei anormalen und der freien Gewerkschaften", der jetzt die Runde durch die eraltierten Menschen möglich ist. Der serbischen Regierung, ganze fleritale Provinzpresse macht, wird gegen den Münchener Die Untersuchung gegen die Attentäter. die alles tut, um die Beziehungen zwischen Desterreich Gewerkschaftskongreß scharf gemacht, der bewiesen habe, daß Sarajewo, 1. Auguft. Die Einzelheiten der Untersuchung Ungarn und Serbien auf eine freundschaftliche Grundlage die beiden Körperschaften, sozialdemokratische Partei und freie wegen des Attentates werden geheim gehalten; boch weiß zu stellen, sind Ereignisse wie das jüngste in Sarajewo ebenso Gewerkschaften, in Wirklichkeit eines Geistes feien. Man halte en aus dem bisherigen Verlauf der Untersuchung, daß Cabrino- unangenehm wie der österreichisch ungarischen, und sie wird diese Trennung absichtlich aufrecht, um das Netz weiterspinnen witfch und Brincip in Belgrad von einem Kontitatschi Ramens nichts unterlaffen, soweit es in ihrer Macht steht, damit die und auch solche Gesinnungsgenoffen erfassen zu können, die Miho Tichiganowitsch für den Mord gebungen und mit Bomben Geister sich beruhigen und die Beziehungen normal werden. aus bestimmten Gründen der einen von beiden Körperund Browningpistolen ausgerüstet worden sind. Princip hat aus. Die ferbische Regierung müßte es daber tief bedauern, wenn schaften nicht beitreten wollten oder könnteu. Am Schlusse gejagt, daß er das Attentat ursprünglich in Tartschin, dem Haupt- die weitere Entwidelung guter politischer und ökonomischer heißt es: Beziehungen zwischen Oesterreich- Ungarn und Serbien eine quartier der Manöverleitung, habe verüben wollen, aber wegen Unterbrechung erfahren würde wegen Geschehnisse, für die ber strengen militärischen Absperrung diefe Abficht aufgegeben man Serbien, und die serbische Regierung nicht verantworthabe. Mehreren Verhafteten konnte nur nachgewiesen werden, lich machen darf. daß fie mit Cabrinowitsch und Princip in persönlichem Verkehr gestanden haben. 01900 Auf Anregung des hiesigen Majors Pifft, Lehrer am MilitärInabenpensionat, haben hier Sammlungen für ein Sühnedenkmal begonnen, die erste Gabenliste weist bereits zweitausend Kronen qus. Vereinigung Montenegros mit Serbien? Der Pariser Figaro" brachte Mittwoch früh folgende Mitteilung: Mehr und nachdrücklicher als heute fönnen die roten Gemertschaften, selbst wenn sie wollten, die Sozialdemokratie nicht unterstügen. Auf jeden Fall ist die neueste Entwidelung der behörd lichen Bragis gegen die sozialdemokratischen Gewerkschaften nicht mit Wortproteften, die in ihrer talmudistischen Rabulistit wie Hohn flingen müssen, aufzuhalten. Wir freuen uns der Haltung der Regierung gegenüber diesen fozialdemokratischen 8umutungen, weil wir in dieser haltung nicht eine ausnahmegesegliche sondern Behandlung zu erbliden vermögen, lediglich eine gefunde, folgerigtige Ronsequenz, die sich aus den Tatsachen ergeben mußte." So hat sich denn der Kleritalismus zu einer rückhaltlosen Wir sind in der Lage melden zu können, daß Serbien und Montenegro den Entschluß gefaßt haben, ihre Vereini Die Serbenhebe in Kroatien. gung zu proflamieren. Dieser Beschluß sollte am JahresWien, 1. Juli.. Nach privaten Meldungen aus Agram tage der Schlacht von Kossowo, also vorgestern. bekannt gegeben dauerten die geftrigen Rundgebungen gegen die Gerben werden. Durch die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand bis in die Morgenstunden an. Bei dem Gebäude der serbischen und seiner Gemahlin ist das Datum der Bekanntgabe jedoch hin- Deckung der Maßregeln gegen die freien Gewerkschaften Bei dem Gebäude der serbischen ausgeschoben worden, boch handelt es sich nur um eine Ver- durchgemausert, und alle Scharfmacher werden ihre helle Kirchengemeinde, beim serbischen Sokolverein und bei zahlreichen zögerung. Serbien und Montenegro find von Völkern derselben Geschäftslokalen wurden die Fenster eingeschlagen und die Firmen- Rase, derselben Sprache und derselben Religion, bewohnt. Die Freude haben. Man wundert sich darüber heute nicht mehr; schilder abgerissen. Das Café National, aus dessen Inneren Steine Dynastien beider Länder unterhalten sehr enge Beziehungen, da der Haß gegen die moderne Arbeiterbewegung ist bei dieſen gegen das von der Menge getragene Bild des Thronfolgers ge- König Peter von Gerbien eine montenegrinische Brinzessin ge- noch größer als die Rücksichtnahme auf die christlichen Gewarfen worden waren, wurde von der Menge gestürmt. Tische, heiratet hat. Die serbische und montenegrinische Armee haben werkschaften, die richt für alle Zeiten dagegen gefeit sind, daß Stühle und Lüfter sowie die herausgerissenen Fensterrahmen mit Seite an Seite in den letzten Ballantriegen gefochten und beide man sie gleichfalls für politisch erklärt. den Vorhängen wurden auf die Straße geworfen. Mehrere fer- Regierungen haben zusammen den Friedensvertrag unterzeichnet. bische Gäste in dem Kaffeehaus erlitten Verlegungen. Zwischen Ss ist also sehr natürlich, daß diese beiden Völker den Wunsch Eine Rekordleistung der Zentrumspreffe. den Demonstranten und der Polizei kam es wiederholt zu Zu- haben, sich miteinander zu vereinigen, um durch diese Verschmel zung eine Kräftevermehrung zu erzielen. Sie sind entschlossen, ,, Kölnische Volkszeitung" und Schlesische Volkszeitung" ſammenſtößen. Die Polizei machte von der blanken Waffe Ge- etappeniveise bis zur vollkommenen Verschmelzung vorzugehen. machen Stimmung für zweijährige Etatsperioden. brauch und verlegte eine Reihe von Demonstranten. Zahlreiche Man wollte zunächst die 3oIleinheit proflamieren und Und zwar soll dieses standalöse Attentat auf die Rechte des Verhaftungen wurden vorgenommen. die Finanzministerien und Ministerien des Reichsparlaments anscheinend der Preis für die Sammlung Agram, 1. Juli. Hier ist es zu erneuten serben. Aeußeren miteinander verbinden. Es ist dies, wie der bürgerlichen Parteien sein. Die Schlesische Volksfeindlichen Kundgebungen gekommen. Die Menge 30g man sieht, ein sehr wichtiger Schritt. Die Angelegenheit war bis zeitung" sagt darüber: vor das Haus des Bürgermeisters und forderte diesen auf, den in die kleinsten Details geregelt, die Verhandlungen wurden unter Orden, den er jüngst erhalten hatte, zurückzuschicken. Auch gegen von Belgrad und Tettinje geführt unter der ermunternden Beobachtung des größten Stillschweigens zwischen den Kabinetten den Präsidenten des Landtages, den Serben Medakovics, wurden Aegide Rußlands, das von Anfang an auf dem laufenden Kundgebungen veranstaltet. Es wurden zehn Verhaftungen vor- gehalten wurde. Was die Situation der Dynastien anbelangt, fo genommen, doch wurden die Verhafteten später wieder freigelaffen. wird zu Lebzeiten König Peters und König Nifitas nichts geändert werden. Sobald diese Herrscher jedoch die Augen geschlossen haben, Antiserbische Demonstrationen in der Herzegowina. werden beide Länder ineinander vollkommen aufgehen unter der Mostar, 30. Juni. Hier ereigneten sich gestern wieder patrio- Herrschaft des Kronprinzen Alexander von Serbien. tische Kundgebungen der Muselmanen und Katholiken und antiserbische Demonstrationen, wobei in einigen serbischen Häusern die eingeschlagen kam Kroate in ein 11 Wenn jest von der Sammlung" ber bürgerlichen Parteien die Rede ist, so betont man mit Recht die Notwendigkeit, einen vernünftigen Arbeitsplan zu vereinbaren und mit vereinten Kräften durchzuführen. Ein wesentliches Stüd dieses Arbeitsplanes muß auch die Beschränkung der Stats= beratungen auf ein erträgliches Maß bilden." Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß die Zentrumsblätter ihren Vorstoß nicht, offen wagen, daß sie vorgeben, die zweijährigen Etatsperioden selbst nicht zu wollen, aber der böfe Reichstag treibe es soweit, daß gar keine andere Lösung bleibe. wird Erwägung ziehen. Biſches Geſchaft, um etwas einzulaufen. Der Staufmann machte Eine empörende Erpressungs- te zu di her, förmlich genötigt, dieſen gegenüber dem Kroaten eine den ermordeten Erzherzog verunglimpfende Bemerkung, worauf der Kroate in seiner Wut dem serbischen Kaufmann einen Messerstich versezte. Der Kroate wurde berhaftet. Auch aus Doboj, Schamac und Brido sowie anderen Orten werden Demonstrationen und fleinere Ausschreitungen geIdet. Die geftrige Blättermeldung von der Verhaftung des eordneten Atanazie Sola bestätigt sich nicht. anklage. Das Zentrum schreckt, wie diese Leistung aufs nene zeigt, vor feiner politischen Lumperei zurück; es legt auch die Art an den Barlamentarismus, wenn es damit die Regierungsgunst und die Führung im Block der Reaktionäre erhalten fann. Gemütsmenschen. Die tolle Ausweitung des Erpressungsbegriffs Arbeitern gegenüber führte durch gütige Vermittlung des Landratsamts zu einer Anklage wegen Erpressung" gegen vier ehrliche Arbeiter, die fich am Dienstag bor der Straffammer zu Hannover zu verantworten hatten.. Wie andere nationale Blätter auch, geben sich die SamDie Serbenverfolgungen in Bosnien. Auf einem Neubau in Gr. Bertel bei ameln, purde burger Nachrichten" allerhand tieffinnigen Betrachtungen über arajewo, 1. Juli. Die Stadt zeigt das gewohnte Bild. im Sommer v. J. u. a. von dem Maurermeister Thorns auch der die Mordtat an dem österreichischen Thronfolger hin, und da tliche Läden find geöffnet, und es herrscht vollkommene Arbeiter Ritterbusch beschäftigt, dem bereits im Jahre 1912 fie weit davon entfernt find, die tieferen Ursachen des grauenIn Konica in der Herzegowina fanden gestern anti- wegen Nichtzahlung der Beiträge das Verbandsbuch des Bauar haften Attentats zu erfassen, toben sie ihre Entrüstung an den beiter- Verbandes eingezogen werden mußte. Nichtsdestoweniger Rundgebungen der Muselmanen und Katholiken ertvarb er am 1. Juli v. J. neu die Mitgliedschaft, wofür der Jugendlichen Mördern und ihren angeblichen serbischen mehreren serbischen Häusern wurden die Fenster Silfstaffierer Maurer Schmieding bei der Bahlstelle in Hameln Hintermännern aus. Dabei entringt sich nun dem genannten ertrümmerf. Die Wache zerstreute die 2,90 m. bar berauslagte, bon Ritterbusch aber trok energi- Platt das folgende schöne Bekenntnis einer edlen Seele: n. Auch in Livno, wo serbische Läden und die fcher Bemühungen nur 1 m. aurüderhalten fonnte. Der le bombardiert wurden, ferner in Stolak, Ibie Zahlstelle Hameln leitende Geschäftsführer und Kassierer „ Die ersten Drahtberichte über den Morb bon Garajevo am Sonntag und die inzwischen bekannt gewordenen Berichte von Nr. 177. 31. Jahrgang. 1. Beilage des„, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Gewerkschaftliches. Kulissengeheimnisse aus dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter. Donnerstag, 2. Juli 1914. junktur für so gut hält, daß sie eine Lohnbewegung im find in traurigem Abhängigkeitsverhältnis den Holzbaronen mit Haut Siegerlande einleitet, darf nach außen hin nicht befannt und Haaren preisgegeben. werden, um so weniger, als man den Streifbruch im Ruhr-... Die Unternehmer fußen auf der Annahme, die Streifenden bergbau durch Hinweis auf die schwache Konjunktur" doch befäßen nicht genügend Rüdgrat und würden so in einigen Wochen rechtfertigen wollte! Daher wurde Herr Effert, der fich bin ihrem Angebot gefügiger ſein. Wie sehr sie sich darin täuschen, wird die Zeit lehren. Mit einem Appell, die Versammelten mögen und wieder als radikaler Streiftrompeter geriert, davor ge- die Antwort geben, schließt Welter unter brausendem Beifall seine warnt, nach außen hin etwas von einer Lohnbewegung der Ausführungen. „ Die In der lebhaft einseßenden Diskussion trat die einstimmige Es ist bekannt, daß der christlichen Gewerkvereinsführung Siegerländer Berglente bekannt werden zu lassen. wegen des beim großen Bergarbeiterstreik verübten Verrats Siegerländer Zeitungen fönnen schreiben, Meinung zutage, unverkürzt auf den gestellten Forderungen zu beinnerhalb der Organisation eine starke Opposition entstanden was sie wollen", ehe das draußen gelesen wird, ist der harren. Was andere Städte den Bildhauern zugestanden, müsse in Berlin gleichfalls zugebilligt werden. Scharf wurde der Veriſt. Viele tausend Mitglieder haben sich des Streifbruchs Streifbruch im Ruhrgebiet perfekt! Ja, Herr Effert wurde mittlungsvorschlag befämpft, der, allerdings unverbindlich, die gewegen streichen lassen, viele der Verbliebenen strengen sich sofort nach Ausbruch des Streiks nach dem Ruhrbecken zu stellte Lohnerhöhung aus Zweckmäßigkeitsgründen fallen zu lassen noch an, den Gewerkverein so zu reformieren, daß sich ein rückbeordert, und schon am 14. März wiitete er in Bochum das Wort redet. Das Ergebnis der Diskussion ist, daß unter versolcher Verrat wie 1912 nicht wiederholen fann. Daß es in einer Versammlung gegen die Streifenden, schrie nach schärfter Aufmerksamkeit der Streit fortgesetzt wird. In einem Schlußwort des Versammlungsleiters Reipert geht dabei zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen Führung Streifbrecherschutz und nannte die Streifenden, die und Mitgliedern kommt, ist selbstverständlich. Zurzeit rumort um Brot für sich und ihre Kinder kämpften, Mob und die Mahnung an die Streifenden, in gleicher Einmütigkeit geschlossen den Kampf zu Ende zu führen. Und wollen es die Unternehmer es im Siegerland, wo der Gewerkverein seit vielen Jahren Gesinder". So haben die Leute gearbeitet, die an der Spiße des in 5 bis 6 Wochen mit der gleichen Begeisterung zu den Fordestarke Mitgliedschaften zählt, die aber jetzt zusammenbrechen. Gewerfvereins stehen. Ist es da ein Wunder, daß die christ- rungen zu stehen als in der gegenwärtigen Kampfperiode. Gewerkvereinsbeamte wurden wegen der Opposition gegen die Taktik der Gewerkvereinsleitung bei Lohn- und Streiflichen Mitglieder, die noch ein Gefühl für Arbeiterehre beAus dem Fleischergewerbe. Der Fleischermeister Gott Lieb lewegungen abgesetzt, Mitglieder aus dem Gewerkverein aus fißen, von einer solchen Organisationsleitung abrüden, sogefchloffen. Das hat böses Blut unter den christlich organi- bald sie hinter deren Schliche kommen? Und so frachte der 21och, Neukölln, Schudomastr. 42, hat den Tarifvertrag der fierten Bergarbeitern des Siegerlandes gemacht; die Erregung Gewerkverein zufammen im Saargebiet, in Seifen- Nassau Drganisation anerkannt. Die Fleiſchermeister Neugebauer, Münchener Straße, Kramer, Weserstr. 213, und Karcher, hat sich aber bis aufs äußerste gesteigert, nachdem bekannt und in anderen Bezirken und jetzt auch im Siegerlande. Mag Kaiser- Friedrich- Str. 84 in Neukölln, bleiben nach wie vor wegen murde, wie der Vorstand des Gewerkvereins die Siegerländer er mit den„ Erfolgen" der von ihm unternommenen Haus- Tarifbruchs beziehungsweise Nichtanerkennung des Tarifsvertrags agitation noch so sehr prunken, er geht dennoch seinem Verfall gesperrt. Vergleute selbst behandelt hat. Berlin und Umgegend. Als der Ruhrstreif begann, befanden sich die Siegerländer entgegen. Bergarbeiter gleichfalls in einer Lohnbewegung. Herr Effert hatte eigens feinen Wohnsiz nach dem Siegerland verlegt und wühlte mit starken Worten die Belegschaften gegen Achtung, Metallarbeiter! Der Streit der Blei-, Zinn- und Zinkdie Zechenbesitzer auf. Am 10. März 1912 wurde im Ruhr- gießer bei der Firma Emil Stein dauert unverändert fort. Da becken der Streif beschlossen, am 9. März erhielt Herr Effert die Firma bis jetzt vergeblich nach Gießern gesucht hat, muß auch vom Vorstand des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter für die Folge jede Arbeitsannahme, gleichviel in welcher Form immer, einen Brief, in dem der christliche Generalsekretär aufge- unterbleiben. fordert wird, es im Siegerlande nicht zum Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. äußersten kommen zu lassen. Die markantesten Stellen des Briefes lauten: Zum Streit der Holzbildhauer. Die Tariflommission. Deutsches Reich. Die Lohnbewegung im Stralsunder Dachdeckergewerbe ist nach dreizehnwöchigem Kampfe mit einem Erfolge für die ausgesperrten Dachdecker beendet worden. Neben anderen wesentlich verbesserten Arbeitsbedingungen wurde auch eine Erhöhung des Stundenlohnes erzielt. Gezahlt werden sofort 2 Pf. pro Stunde. Eine weitere Erhöhung um 2 Pf. tritt am 1. April 1915 und ein Jahr später eine solche um 1 Pf. ein. Die Hilfsarbeiter erhalten zu den gleichen Terminen je 2 Pf., insgesamt also 6 Pf. Lohnerhöhung pro Stunde, sofern sie mindestens ein halbes Jahr im Dachdeckergewerbe beschäftigt sind. Auf der Streifbrechersuche. Auf den Linke- Hofmann- Werken in Breslau stehen die Metallarbeiter schon mehrere Wochen im Streit. Die Firma ist andauernd bemüht, Streitbrecher zu bekommen. In allen Gegenden Deutschlands werden entsprechende Versuche unternommen. Neuerdings ers töpfen der Linke- Hofmann- Werke nicht die geringste Sehnsucht ver spürten. So ging einem Former in Emden folgendes Schreiben zu: ,, Abt. Maschinenbau. Breslau, den 23. Juni 1914. Herrn A. S..., Former, Emden. Die Köln. Volkszeitung" sowie andere Zeitungen Jm großen Saal des Gewerkschaftshauses nahmen am Dienstag bringen Nachrichten von Lohnbewegungen im Siegerland. Es die ftreifenden Bildhauer das Ergebnis der Verhandlung mit den darf jest unter keinen Umständen im Siegerland zum Streif Unternehmern entgegen. elfer gab bekannt, daß dieses Resultat kommen, der Gewerkverein kämpft jetzt den schwersten Kampf, den gleich Null sei. Die Unternehmer standen wieder auf dem Stander je gekämpft hat.... Die ganze Siegerländer punkt, daß die eine Stunde nur zugestanden werden könne und zivar Bresse mag schreiben, was sie will, aber es 1915 mit den Tischlern gemeinsam. Ueber die Lohnaufbefferung halten jogar Arbeiter Offerten von der Firma, die nach den FleischSarf unter teinen Umständen etwas von Lohn ließe sich ja noch reden. Die Unternehmer ließen verstehen, daß die bewegungen über die Grenzen des Siegerlandes Verhandlungen eigentlich noch um fünf Wochen zu früh stattfinden. hinauskommen(!!!) Wir wollen uns doch unsere Wenn die wirtschaftliche Not die Streifenden erst beimgesucht, würden schwierige age nicht noch verschlimmern lassen die Gehilfen den Vorschlägen der Unternehmer gefügiger sein. Es sei durch eigene Kollegen, die Wirkung solcher Ar auch unmöglich, in gemischten Betrieben zwei verschiedene Arbeitszeiten titel tosten wir hier am eigenen Leibe aus. Dies einzuführen. Der derzeitige Markt sowie die Produkte vertragen befommst Du im Auftrage sämtlicher Kollegen des Vorstandes ge- nicht die Mehrbelastung, die durch die Forderungen der Gehilfen schrieben. Man liest ja jept die reinsten Schauder entstehen würden. geschichten über Siegerländer Lohnbewe gungen...." Wir teilen Ihnen mit, daß wir Former einstellen. Gearbeitet wird bei uns in der Hauptsache im Akkord und richtet sich der Verdienst nach den Leistungen. Teilen Sie uns auf anliegender Postkarte mit, wann Sie in Breslau eintreffen. Sie werden am Hauptbahnhof an der Sperre unsere Leute vorfinden, die eine weiße Armbinde mit der Firma: Linte- Hofmann- Werke tragen. Wenden Sie sich nur an diese Leute, die Ihnen Bescheid geben und Hilfe leisten werden. Die Einstellung erfolgt in unserem Betriebsbureau 4, Montag bis Freitag von 8-6 und Sonnabend bon 8-3 Uhr. Ihre Adresse erhielten wir durch den Arbeitgebere verband Unterweser. Linke- Hofmann- Werke.( Stempel.) mi1 Freifarte. Die Unternehmerverbände vermitteln einander also Strett Hierauf die richtige Antwort zu geben, waren die Gehilfenbertreter nicht verlegen. Sie konnten alle vorgebrachten Einwände Die Christliche Arbeiterzeitung" in Siegen, die die gegangener Berständigung unter sich: fie feien gegebenenfalls dafür mit logischen Argumenten begegnen. Sie erklärten nach voraufWortführerin der Siegerländer Gewerkvereins- Opponenten zu haben, einen Vermittelungsvorschlag das Wort zu reden, der um ist, veröffentlicht außer diesem Brief weitere Einsendungen des Friedens willen einen Teil der Mehrlasten vom Beruf abwende. aus christlichen Bergarbeiterfreisen. In einer dieser 31 Man werde aus beruflichen Gründen von der geforderten Lohnschriften wird die Handlungsweise der Gewerf erhöhung bis auf die Lohnausgleiche absehen, und nur noch die vereinsleitung im Ruhrbeden als Berrat Forderung der achtstündigen Arbeitszeit aufrechterhalten. Jetzt aber an den Bergleuten gebrandmarkt. Die Zeit sei waren es die Herren Unternehmer wieder, die den Vermittlungsvorschlag damals zum Streif im Ruhrbergbau sehr günstig gewesen, als in feiner Hinsicht akzeptabel erklärten und bemerkten, sie würden diesen Grecheradressen. Besonders interessant ist aber, daß die Arbeitssind ebenso für eine Lohnbewegung im Siegerlande! Um aber vorschlag nicht einmal ihren Kollegen im Unternehmerlager unter- willigen bei ihrer Ankunft auf dem Bahnhof sogleich von Leuten breiten. Das werden nunmehr die Gehilfenvertreter tun, die in der Firma in Empfang genommen werden. Damit die Beauftragten Ellbogenfreiheit für den Streifbruch zu haben, um sich Aus einem Flugblatt sich an die Prinzipale wenden werden, um diesen der Firma auch keinen der Ankommenden verfehlen, liegt dem reden gegen den Streif der Ruhrbergleute sozusagen aus den die Augen zu öffnen. Die diftatorische Form, die seitens der Holz Schreiben eine Freitarte bei, auf der mitgeteilt werden soll, mit Fingern zu saugen, mußte die Gewerfvereinsführung die von industriellen den Bildhauerprinzipalen zuteil wird, ist eine für diese welchem Zuge fie in Breslau eintreffen. Um ferner zu verhindern, ihr selbst eingeleitete Siegerländer Lohnbewegung erst zu- außerordentlich blamable. Es tritt klar zutage, daß es diesen Unter- daß Streifende ihre arbeitswilligen Berufsgenossen zur Solidarität schanden machen. Daß die Gewerfvereinsleitung eine Kon- nehmern an dem guten Willen fehlt, und die Bildhauerprinzipale anhalten, haben sich die Linke- Hofmann- Werte auch die Hilfe der Kleines Feuilleton. Dichtung und Wahrheit. Die Unterhaltungsbeilage der " Deutschen Tageszeitung" erfreut ihre Leser jetzt schon ein paar Wochen hindurch mit einem fingierten Briefwechsel, der angeblich ein Bild von den politischen und gesellschaftlichen Zuständen unserer Tage geben soll. Berliner Kommerzienräte, jüdische Studenten, Herren und Damen aus dem Berliner Westen werden da farifiert, und von dem düsteren Hintergrund der verdorbenen Bourgeoisie läßt sich der ungenannte Verfasser die Lichtgestalten einiger preußischer Junker abheben. Die ganze Geschichte ist so unjäglich albern und wißlos, daß es sich im allgemeinen nicht lohnt, auf diese sogenannte Gesellschaftskritik einzugehen. Selbstverständlich ist der konservative Kandidat ein hochanständiger, feinfühlender, nur mit den saubersten Waffen kämpfender Politiker. Aber wie behandeln diesen Edlen seine Gegner! Man höre, was er an Herrn Glaus von A. schreibt: gegen Herrscherhaus und Reich, z um größten und gemein[ mehr als das. Lange, ehe auf der Bühne die„ Meininger" als ften Verbrechen, zum Hochberrat an der Heimat Schauspielerensemble erstanden, hatte der Herzog von Meiningen greift!" den Versuch gemacht, feine neuen Prinzipien der Darstellung zur Der Sah stammt aber nicht aus dem erdichteten Briefe des Ausführung zu bringen, und zwar an Glucks Iphigenie in Aulis", waderen Hermann von A., sondern er steht in der konservativen wobei der Herzog selbst die Proben bis ins einzelnite leitete. Es Labiauer Kreiszeitung." fam eine wundervolle, durch die neue Erscheinungsform doppelt erKaiserliche Hoheit und die Schauspieler. Im Neuen Weg", greifende Darstellung der herrlichen Oper zustande. Nach acht Tagen dem bekannten Fachorgan der Schauspieler, veröffentlichte soeben ein lag auf fast allen Klavieren der Stadt der Klavierauszug der Dramaturg einen Artikel, der insofern recht trübe stimmte, als er Gludichen phigenie". Alles spielte und sang Gluck; die Militäreinen Geschäftsbetrieb entschleierte, in dem künstlerische Erwägungen| musit spielte auf der Parade die schnell populär gewordenen faum noch eine Rolle spiellen. Unsere Kenntnis der Schauspieler- Melodien. Da aber hatte unser Straßenjunge seine Glud- Studien psyche wurde dabei durch folgende Erzählung des Dramaturgen gemacht." bereichert: leere " Als ich gelegentlich eine etwa 38. Vorstellung eines Erfolgstüdes, Ein wenig interessanter sind nur die neuesten Briefe, die eine zu besuchen genötigt war, mich aber nicht der inzwischen naturschon eingetretenen Müdigkeit und Gleichgültigkeit der Reichstagserfabwahl zum Gegenstand haben, bei der Herman von gemäß A., Rittergutsbefizer auf Dombrowe als fonservativer Kandidat Darstellung ausseßen wollte, verbreitete ich, aber lediglich vor startet. Dieser Hintergrund gibt dem„ Satirifer" der„ Deutschen den Kulissen, die erfundene Nachricht, der Kronprinz werde Tageszeitung" Gelegenheit, seinem gepreßten Herzen Luft zu machen erscheinen, indem ich zunächst bei der Garderobeabgabe laut fragte, und in der Unterhaltungsbeilage alles das zu sagen, was ein ob dieses Gerücht denn auf Wahrheit beruhe, dann beim Eintritt Hofloge beopernglaste, und schließlich fonservativer Mann über die Lage denkt, im politischen Teil aber auffällig die meinen Nachbar zur Rechten wie den zur Linken nochmals ge nicht auszusprechen den Mut hat. heimnisvoll aber deutlich fragte, ob er es denn auch schon gehört habe. In der Foyerpause raunte man bereits allgemein davon, und nach der Vorstellung fragte mich glücklich ein beschäftigt gewesener Schauspieler, weshalb wohl, da die Hofloge ja leer geSeine Kaiserliche Hoheit infognito im Hause wesen wäre, gewesen sei, wie man bald nach Beginn der Vorstellung hinter den Kulissen gewußt habe. Wie das wahrhaft aus der Luft gegriffene Gerücht dahinter gedrungen, fonnte feiner sagen; tatfächlich aber spielten an diesem Abend sämtliche mitwirkende in so ausgezeichneter Stimmung, daß mein Trid durchaus seinen 3wed erreichte. Mit dieser armseligen Abhängigkeit von der Hofloge spotten die Schauspieler ihrer selbst und wissen nicht wie. Warum fand der einst so tapfere Neue Weg" nicht die Zeit zu einer sehr notwendigen sarkastischen Anmerkung? " Ich habe eine wahre Scheu, in Versammlungen noch zu reden. Das ist fein fachliches Kämpfen mehr. Die Kanaillen wissen zu gut, daß unsereinem Anstand und gute Erziehung verbieten, ihnen auf ein Terrain zu folgen, wo sie sich heimisch fühlen. Schlägt man wirklich mal Töne warmen Gefühls an, holt man einmal mühsam aus dem tiefsten Herzen das Wahre, Echte heraus, was man sonst für heilige Stunden innerlichster Selbstbeschauung auf spart, dann steht hinierher solch dreckiger Bengel auf, der den Zwider mit Mühe auf der asiatischen Nase balanciert, und reißt ein paar schnoddrige Wise, und verflogen ist die Stimmung. Wie ein Eiseshauch streichts über das eigene Herz, man fann nicht mehr mit, weil einem das bittere Gefühl die Kehle zumürgt: Sich wie deine Volksgenossen so gern die Treber fressen, die ihnen der Stammfremde hinwirft!" " Humor und Satire. Luxemburg und Meiningen. Glaubst du, jemals ungerochen bliebe das System? Du irrst, und du spürst, was du verbrochen, ob du Sozi oder Fürst. Db du nun mit scharfen Worten deine Meinung munter fagft, Schinderei als allerorten gang und gäbe laut beklagst Oder ob das Malträtieren durch Armeebefehl als Prinz du versuchst zu inhibieren, indirekt, doch gleichen Sinns Jedesmal erreicht der Rächer sicher dich, wer du auch sei'st, denn du fränktest, armer, Schächer, des Systemes heil'gen Geist. Bist du Prinz fogar, fo fezt man dich gelassen vor die Tür: lediglich den Prinzen schäßt man, nicht den Menschenfreund in dir. Aber diese roten Viecher setzt man, umgekehrt bemüht, möglichst rasch in Nummer Eicher. Dies der ganze Unterschied. Kunstchronit. Notizen. 11 Franz. Der populäre Gluck. Wie populär Glud in deutschen Landen ist, davon gibt uns Rochus von Liliencron, der vor ein paar Jahren verstorbene Germanist und Bibliograph, ein drolliges Pröbchen. Von einem liberalen Redner heißt es dann weiter: Liliencron war kurze Zeit Theaterintendant in Meiningen. Aus dieser ,, War da neulich so ein verlaufener Pfarrer im Kreise- Ne u Zeit erzählt er: Jch ging durch die Meininger Hauptstraße mit mann oder so ähnlich heißt er neu ist er jedenfalls in seinen einem ausgezeichneten fremden Virtuofen. Er hatte bei Hofe gespielt Die Väter des Kubismus". Albert Ueberzeugungen jedes Jahr. Der selige Proteus war ein Waisen- und sein Programm aus ernsten Tonstüden zusammengesezt. Für ein fnabe gegen ihn. Den hatte sich die Bande extra verschrieben, weil öffentliches Konzert wollte er dagegen ein richtiges Virtuosenprogramm Gleizes und Jean Metzinger stellen zum erstenmal in Deutschland noch ein Abglanz seiner pastoralen Würde auf allem was er sagte, aufstellen. Als ich dies widerriet, hielt er mir die gewöhnliche Redens- follektiv ihre Gemälde in der Kunstausstellung„ Der Sturm", Potslagerte. Seine ölige Redeweise, die mir beinahe Brechreiz ver- art entgegen: Das große Publikum verlangt das. Da schlendert damer Straße 134 a, aus. ursachte, machte natürlich auf unsere einfachen Leute Gindrud." eben vor uns die Hände in den Hosentaschen ein Straßenjunge, der Amundsens Nordpolfahrt gesichert. Wer mit diesem Neumann gemeint ist, liegt auf der Hand. eine Melodie vor sich hinpfiff. Ich unterbrach meinen Nachbar mit norwegische Storthing hat soeben beschlossen, die 200 000 kronen Aber die Konservativen kämpfen mit blanken und anständigen der Frage:„ Erkennen Sie, was der Junge da pfeift?" Er horchte, zu bewilligen, die Roald Amundsen zur Durchführung seiner NordWaffen, und wer das noch immer nicht glaubt, den belehrt vielleicht fah mich fragend an und rief erstaunt:„ Der pfeift ja eine Gludiche polexpedition auf der„ Fram" noch nötig hat. Damit ist die Durchs ein Artikel eines besseren, der die Lüge verbreitet, daß schweize- Melodie!" Es war wirklich so: der Junge pfiff die erhabene führung des Unternehmens finanziell sichergestellt. Das Storthing rische Genossen wegen Spionage verhaftet worden seien, und daran Melodie des Oberpriesters aus Gluds phigenie in Aulis": hat die genannte Summe unter der Voraussetzung beivilligt, daß der anschließend von den Gefahren redet, die ein Sozialdemokrat im 3hr Könige, so hoch und doch Sterbliche nur!"" Ja, ja," sagte Staat für etwaige lleberschreitungen des Voranschlags unt 4 und day auch die Repara Reichstagspräsidium für das Vaterland im Gefolge haben werde: ich lachend, das ist die musikalische Bildung unserer Straßen- feinen Umständen aufkommt, Das des. Erpeditionsschiffes nicht aus Staatsmitteln Ein Präsidium, das ebenso wie die Schweizer Genossen, ver- jugend; berechnen Sie danach unser Konzertpublikum!" Lockt durch gleißendes Gold und durch den tief eingeprägten Haß flingt wie bloßer Zufall und Scherz und war dennoch viel werden darf. bestr Das Breslau er Polizei gesichert. Dem Schreiben an den beireffenden Former liegt nämlich auch noch ein Zettel bei, der folgende inter- essante Mitteilung enthält: .Das Königliche Polizeipräsidium hat uns für unsere Arbeits- willigen den ausgibigsten Schutz zugesagt. Sollten Sie dennoch innerhalb der Stadt oder auf dem Wege zum Werk oder voin Werk zur Wohnung durch Streikende belästigt werden oder sollten diese versuchen, Sie von Ihrem Vorhaben, bei uns zu arbeiten. abzubringen, so wollen Sie sich sofort an den nächsten Schutz- mannsposten wenden."_ Der Kampf im Kölner Fenfterpuhgewcrbe ist durch einen SchiedS- spruch deS Kölner Gewerbegerichts vermieden worden. Die OrtS- gruppe deS Verbandes der Reinignngsunternehmer Deutschlands weigerte sich zuerst, einen Tarifvertrag abzuschließen und die darin festgelegten Lohnsätze zu bewilligen. Das angerufene Gewerbe- gerichl empfahl dem Arbeitgeberverband den Abschluß des Vertrages mit dem Deutschen Transportarbeiterverband. Vom 1. Juli 191ö ab soll der Lohn für die Fensterputzer, die über zwei Jahre im Reinigungsbetriebe tätig sind, 4,60 M. pro Tag betragen. Beide Parteien unterwarfen sich dem Schiedsspruch. 4. Konferenz öer /lrbeitersekretare. M ü n ch c n, 29. Juni. Am zweiten Tag der Arbeitcrsekrctärkonferenz wurde zunächst die Debatte über das WisscUschc Referat„Die sozialen Wahlen" fortgesetzt. In der ausgedehnten Diskussion wurde von verschie- denen Seiten für den ungünstigen Ausfall der letzten Wahlen auch das Verhalten der Behörden verantwortlich gemacht, die durch ungeeignete Ansehung der Wahlterminc nach Ort und Zeit es vielen Wählern unmöglich machten, zur Wahl zu erscheinen. So wurde der Wahltermin in einem größeren Wahlbezirk auf die Zeit von 11— 2 Uhr an einem Werktage festgesetzt; zudem hatte der Wahl- ort noch ungünstige Bahnverbindung. Das Gewcrkschaftskartcll mußte sich damit helfen, daß ein Extrazug bestellt wurde. Die Wählergruppen der weiblichen Wähler(Dienstmädchen, Kellnerin- ncn, Putzfrauen usw.) stunden fast überall unter dem terroristischen Einfluß ihrer Arbeitgeber. Der Wahlkampf selber, in den die Gegner erst die Politik hineintrugen, hätte die Wähler aufgerüttelt, und die Lehren der letzten Wahl würden bei den nächsten Wahlen defolgt werden, so daß dann ein besseres Ergebnis zu erwarten wäre. Im übrigen wurde der Wunsch geäußert, daß Vorstands- Mitglieder der Ortskrankenkassen nicht als Beisitzer in den Ver- sicherungsämtcrn fungieren sollten. Ein Urteil des Landesvcrsichc- rungsamtes Dresden hat es zwar für zulässig erklärt; es läßt sich aber gar nicht vermeiden, daß sie dann auch Richter in eigener Sache sind, wenn es sich z. B. um eine Klage gegen die Orts- krankenkasse handelt. Aus demselben Grunde müßten auch die Vertreter der Berufsgenossenfchasten bei der Rechtsprechung im Reichsversicherungsamt ausscheiden. Timm- München referierte dann über die Ausbildung der Arbeitersekrrtäre und die innere Einrichtung der Sekretariate. Er legte dar, wie die Sekretariate sich aus den Notwendigkeiten des praktischen Lebens entwickelt haben. Für die Sekretäre ist die Be- schäftigung vor allem mit der Versicherungsgefetzgcbung notwendig, und sie haben sich ja auch allmählich zu Spezialisten auf diesem Ge- biete entwickelt. Man soll sich aber vor eigener Ueberschätzung hüten und vor allem nicht glauben, daß die Arbeitersekretäre in anderen Rechtsfragen den juristisch gebildeten Rechtsanwalt er- setzen können. Bei der inneren Einrichtung haben manche Sckre- tarierte es mit einer Teilung nach Ressorts versucht. Das kann unmöglich praktisch sein, vielmehr müsse jeder der angestellten Arbcitersekrctäre zur Auskunfterteilung auf allen Gebieten heran- gezogen werden. In der Diskussion wurde dieser Standpunkt gc- .eill,' speziell wurde von Hamburg berichtet, wo ursprünglich die Teilung nach Ressorts bestanden hat, daß man davon zurückgekom- men ist und sie keinem Sekretariat anraten könne. Großes Bc- fremden erregte die Tatsache, daß das Frankfurter Sekretariat in seiner Statistik mit einer Auskunfterteilung an 34 SlX) Personen bei nur drei Sekretären aufwartet. Es müßten danach auf jeden Scckretär täglich 112 Auskunfterteilungcn entfallen sein, während allgemein die Arbeitskraft eines Sekretärs mit 27—39 Auskunft- erteilungen erschöpft sei, wenn die Auskunfterteilung sachgemäß er- folgen solle. Wissel! erinnerte an den Wunsch, den vor drei Jahren die Konferenz der Generalkommiffion erteilt hat, zu erwägen, ob nicht eine Haftpflichtversicherung für die Arbeitersekretäre einzuführen sei. Nach den angestellten Ermittelungen sind im Laufe von zehn Jahren nur 5 Fälle vorgekommen, in denen Schadenersatzansprüche gestellt wurden, und in 3 Fällen sind sie auch befriedigt worden. Nach diesem Ergebnis würde eine Versicherung der Sekretäre so hohe Kosten erfordern, daß sie in keinem Verhältnis zu der Gefahr stehen, haftpflichtig gemacht zu werden. Die Gencralkommission sieht daher vorläufig davon ab, eine Haftpflichtversicherung einzu- führen. Dieser Standpunkt fand allgemeine Billigung. In der Nachnnttagssitzung erstattete F a a ß- Berlin ein Refe- rat über die Gewährung der Rechtshilfe an die Landarbeiter. Gerade die Landarbeiter bedürfen der Rechtshilfe und des Rechts- beistandes am allernotwendigsten. Sie unterstehen den verschie- denen Gcsindrordnungen und sind durch diese weit rechtloser als die gewerblichen Arbeiter, sie sind auch zur Wahrnehmung ihrer Inter- essen infolge ihrer Erziehung und geringen Kenntnisse weit un- fähiger als die gewerblichen Arbeiter. Mit dem weiteren Wachs- tum der Organisation der Landarbeiter werden Fragen der Hilfe für. Landarbeiter in immer stärkerem Maße auch an die Arbeiter- sekretäre herantreten. Die Arbcitersekrctäre müssen sich daher ein- gehender als es bisher geschehen ist, mit den Rechtsverhältnissen der ländlichen Arbeiter beschäftigen, damit falsche Auskünfte ver- mieden werden. Leider ist es vorgekommen, daß Arbeitersekretgrc an Laiwarbeitcr Auskünfte erteilt haben, die sich auf die Gewerbe- ordnung stützten. Durch derartige unrichtige Auskünfte wird den Leuten nichts genützt und das Ansehen der Sekretariate mutz Schaden leiden. Je weiter der Landarbeiterverband wächst, um so mehr empfiehlt es sich, daß die Arbeitcrsekretariate bei der Auskunfterteilung an Landarbeiter einen Unterschied machen zwischen solchen, die der Landarbeiterorganisation angehören, und solchen, die nicht organi- sicrt sind. Auf diese Weise kann die Organisation durch die Tätig- keit der Sekretariate gestärkt werden. In dieser letzten Aufiassung traten verschiedene Diskussions- redner, so Meiner- Krefeld, B ü l o w- Stettin, dem Referenten entgegen. Wenn Arbeitcrsekretariate im allgemeinen auch an Un- organisierte Rechtsauskunft erteilen, so können unorganisierte Land- arveiter nicht davon ausgeschlossen werden. Den Nutzen davon hätten übrigens die Unternehmer, den Schaden die Landarbeiter. Für Pommern erklärte es Bülow für unbedingt notwendig, auch den unorganisierten Landarbeitern die Hilfe nicht zu versagen; gerade dadurch werden sie mit auf den Wert der Organisation hin- gewiesen und so habe schließlich doch auch wieder die Organisation der Landarbeiter von dieser Tätigkeit der Sekretariate Vorteil. Bauer wies ebenfalls auf die ganz besonderen Schwierig- keiten hin, unter denen gerade die Organisierung der Landarbeiter zu leiden hat, die deshalb auch von der Gencralkommission auf jede Weise zu fördern gesucht wird. Auch alle übrigen Einrichtungen der Arbeiterbewegung— und dazu gehören die?lrbeitersekretariate — haben die Verpflichtung, dem Landarbeitervcrband auf jede mgöliche Weise zu helfen. Es folgte dann ein belehrender Vortrag des Rechtsanwalts ~ ae n g e r- München über die Frage des BewciSrechteS und die agung der Kosten im Zivilprozeß. Damit hatten die Arbeiten der Konfereng ihx Ende erreicht. Mus öer Partei. Der Porteivorstand fordert die MandatSniedcrlcgung Von vier Abgeordneten. Rom, 29. Juni.(Eig. Bcr.) Der italienische Parteivorstand hat die Abgeordneten Raimondo, Scnape, Lucci und S a n d u l l i, die bei den letzten Parlamentswahlen als Partei- kandidaten in San Remo. Gallipoli, Neapel und Torre Annunziata geivählt worden sind, aufgefordert, ihr Mandat niederzulegen. Die in Frage kommenden Abgeordneten haben sich den Beschlußfassungen des Parteitags von Ankona nicht gefügt und sind deshalb aus der Partei ausgeschlossen worden. Raimondo und Senape haben von dem Austritt aus dem Freimaurerorden nichts wissen wollen, während Lucci und Sandulli sich den Beschlußfassungen über die kommunale Taktik nicht gebeugt haben. Es handelt sich um Sozialisten, die auf eine 19- bis 29jährigc Parteitätigkcit zurückblicken. Bei etwaiger Mandats- nicderlegung ist die Wiederwahl Raimondos gesichert, die der drei süditalicnischen Abgeordneten dagegen stark in Frage gestellt. Unsere Toten. In Breslau starb am Montag im Alter von 76 Jahren der frühere Eisenbahnschlosser Wilhelm Z a p k e. Der Ver- storbene war einer von der alten Garde. Als im Jahre 1869 die Eisenbahner in Breslau eine Filiale gründeten, trat Zapkc sofort bei. Im Jahre 1872 wurde er im großen Gehcimbund- Prozeß zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Bis in die letzte Zeit hinein Ivar der Verstorbene, den des Lebens Not und die Ver- folgung der Gegner seinen Idealen nicht untreu werden ließen, den jüngeren Genossen ein leuchtendes Beispiel treuer Pflicht- crfüllung im Dienste der Partei. Aus den Organisationen. In Anwesenheit von 13 Delegierten und 7 Vertretern der Kreisleitung fand am Sonntag in Zabrze die diesjährige Wahlkreistonfcrenz für Kattowitz-Zabrze statt. Der Geschäftsbericht konstatiert, daß die separatischc Bewegung im Wahlkreise im Absterben begriffen ist. Im Berichtsjahre wurden 22 öffentliche und 73 Mitgliederversammlungen abge- halten. Die Zahl der Mitglieder stieg von 671 auf 716. Tie Abonnentenzahl der..Freien Presse" hat bedeutend mehr zuge- nommen. An Flugblättern wurden 91 999, an Volkskalendern 49 999 verbreitet. Einnahmen und Ausgaben balancieren bei 81,19 M. Bestand mit 4892,42 M.— Als Rcichstagskandidat wurde einstimmig Genosse Löffler, Bezirksleiter des Berg- arbciterverbandcS, aufgestellt. Ein Antrag Kattowitz, wonach die Bezirksleitung, Mahnahmen zur möglichst baldigen Herausgabe eines polnischen Blattes treffen soll, fand einstimmige Annahme. * Auf dem niederrheinischen Bezirkspartei- tag, der am Sonntag und Montag in Elberfeld tagte, wurde zum Internationalen Kongreß in Wien eine Re- solution beschlossen, welche sich gegen die bekannten Leitsätze deS Genossen Bandcrvelde, der den Anschluß der abstinenten Parteigenossen an den..neutralen" Guttempler-Orden empfiehlt, richtet. Die bürgerlichen Abstinenzorganisationen hätten sich immer mehr in hurrapatriotisch-nationalcm Sinne entwickelt, und da könne eS nicht angehen, daß Parteigenossen sich in Organisationen be- tätigen, deren Führer ausgesprochene Scharfmacher und Feinde des freien Koalitionsrechts seien. Als Delegierte wurde Genossin A g n e S- Düffeldorf und Genosse N i e b u h r- Elberfeld gewählt. Bei der Begründung des einstimmig angenommenen Antrags, der daS Verhalten der Reichstagsfraktion beim Kaiserhoch billigt, führte der Antragsteller, Genosse Nie- buhr, aus, daß der Anlaß zu diesem Antrage die Stellungnahme des badischen Parteitages sei, wo man bekanntlich ausgeführt hätte, daß keine Veranlassung vorgelegen habe, eine veränderte Taktik beim Kaiserhoch einzunehmen. Zum Vorsitzenden des niederrheinischen Agitationskomitees wurde Genosse N i c b u h r- Elberfeld gewählt._ polizeiliches, Gerichtliches usw. Ein schweres Bergehen. Vor einiger Zeit wurde in Elberfeld gegen den Genossen Winnen wegen dessen Rekrutenbroschüre vor Gericht verhandelt. Die Dortmunder„Arbeiterzeitung" hatte hierüber einen Vor- beruht erhalten, der einige Partien aus der Anklageschrist enthielt. Tiefer Bericht, dem das Urteil angehängt wurde, erschien am Tage nach dem Verhandlungstermin. Da aber die Ver- Handlung gegen Winnen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt- -and, durfte auS der Anklageschrift nichts mitgeteilt werden. ES wurde nun gegen den Verantwortlichen der„Arbeiterzeitung" An- klage erhoben. Am Dienstag wurde Genosse H e u ß l e r von der Dortmunder Strafkammer zu 199 M. Geldstrafe verurteilt. Wegen desselben„Vergehens" wurde in Elberfeld gegen den Genoffen N i e b u h r von der„Freien Presse" auf 29 M. Gelderkannt. Vorufsifches aus Bayern. Gegen den verantwortlichen Redakteur der„Fränkischen Volks- tribünc", Genossen Hacke, in Bayreuth ist ein Verfahren eingeleitet worden wegen„Vornahme einer unerlaubten Gamm- lung". Das„Verbrechen" ist dadurch begangen worden, daß die „Fränkische Volkstribünc" den Aufruf zur Unterstützung der An- gehörigen der Charlottenburger DenkmalSanstreicher abdruckte. Eine wackelige Klage. Die„Fränkische Volkstribüne" in Bayreuth hatte das Ver- werfliche des Tuns eines Arbeiters Speer charakterisiert, der einen andern überredet hatte, in der Fabrik die Oellöcher einer neuen Bohrmaschine mit Feilspänen zu verstopfen, um den Arbeiter, der diese Maschine bedient, bei der Firma in Mißkredit zu bringen. Speer klagte wegen Beleidigung. Vor dem Schöffengericht g-- lang dem beklagten Redakteur der Wahrheitsbeweis so vorzüglich, daß der Vertreter des Klägers die Klage vor der Urteilsverkündung zurückzog._ Soziales. Wieder eine einstige Reichsvcrbandsstütze. Vor einigen Jahren setzte in Chemnitz eine wüste Hetze gegen die Verwaltung der dortigen Ortskrankenkasse ein. Die Gegner stützten sich insbesondere auf eine Broschüre, die einen entlassenen Angestellten zum Verfasser hatte, deren in- tellektuellcr Urheber aber der Arzt Dr. Bösser war. Dieser Herr stand an der Spitze der Ortsgruppe des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie. Als sein Feldzug mißlungen war, siedelte er nach Weimar über und, suchte dort ein Unterkommen al» Kassenarzt: den Kampf gegen die Sozialdeinokratie führte er unermüdlich werter. Die Erfurter„Tribüne" sah sich deshalb veranlaßt, dem Herrn Dr. Bösser einmal auf die Finger zu klopfen. Der Reichsverbändler rannte natürlich sofort zum Kadi und verlangte die Bestrafung des Redakteurs. Bei dieser Gelegenheit versicherte er, daß er nichts mehr mit dem Reichsvcrbande zu tun habe. Er erzielte allerdings eine Verurteilung des Redakteurs wegen Beleidigung, wurde aber mit seinem weitergehende» Antrage auf Zahlung einer sehr hohen Buße abgewiesen. Dr. Bösser kehrte dann auch Weimar den Rücken und ist später in Braunschwcig aufgetaucht. Dieser Tage stand er nun vor dem Landgericht in Weimar, und zwar in der Rolle deS A n g e k la A t c n. Er hatte hie Partei de» bekannten ehemaligen Kiele; Prozessors Leh- mann-Hohcnberg genommen und an da? weimariscbc StaatS- ministcrium eine Eingabe gerichtet, in der er einige Proicssorcn der Jenaer Universität und einen wcimarischen Amlsgcrichtsrat der schwersten Vergehen bezichtigte. Für seine Behauptungen konnte er nicht den geringsten Beweis erbringen und das Land- gericht verurteilte ihn zu acht Monaten Gefängnis. Die Bcitragsrückzahlung in der Angestelltenversicherung. Die neue Angestelltcnverstcherung kennt bekanntlich für den Eintritt ihrer Leistungen lange Wartezeiten. Während der ersten zehn Jahre werden für männliche Versicherte über- Haupt keine Renten gewährt. Usti diese Härten zu mildern, sieht das Gesetz während der Warte- oder Ueberganszcit die Beitragsrückcrstattung vor, die noch sehr wenig bekannt ist. Verstirbt während dieser Zeit ein Versicherter, so steht nach § 398 des Aiigestelltenversichcrungsgesetzes der hinterlassenen Witwe oder dem Witwer oder falls solche nicht vorhanden sind, den hinterlassenen Kindern unter 18 Jahren ein Anspruch auf Erstattung der Hälsie der für den Verstorbenen eingezahlten Beiträge zu. Bei der freiwilligen Versicherung werden drei Viertel der von dem frei- willig Versicherten eingezahlten Beiträge zurückerstattet. Der An- spruch verfällt, wenn er nicht innerhalb eines JahreS nach dem Tode des Versicherten geltend gemacht wird. Voraussetzung ist, daß�der Versicherte bis zum Eintritt der Erwerbsunfähigkeit oder dem Tode die Anwartschaft aufrecht erhalten, d. h. die vorgeschriebenen Bei- träge bezahlt hat. Die Hinterbliebenen brauchen mit den, Verstorbenen zur Zeit des TodeS nicht in häuslicher Gemeinschaft gelebt zu haben, von ihm auch nicht aus seinem Arbeitsverdienst unterhallen worden zu sein. Der Nachweis der Bedürftigkeit der Witwe oder des Witwers ist auch nicht erforderlich. Uneheliche Kinder einer männlichen Person haben keinen Anspruch, wohl aber diejenigen einer weiblichen. Stief- linder kommen nicht in Berracht, ebensowenig Enkel. Bei der Pflicht- Versicherung wird die Hälfte der für den Versicherten eingezahlten Beiträge zurückerstattet, auch wenn sie der Arbeitgeber tatsächlich allein getragen hat. Bei teilweiser Pflichtversicherung und teilweiser freiwilliger Versicherung sind die Beiträge entsprechend zur Hälfte oder zu Dreiviertel zu erstatten. Bei den hoben Beiträgen der Versicherung kommen ganz ansehn- liche Beträge für die Rückerstattung in Betracht. Ist z. B. für einen Versicherten in der Klasse 6! mit dein vollen Monatsbeitrag von 16,69 M. gesteuert worden, so beläuft sich der zurück- zuerstattende Betrag nach Ablauf von auch nur fünf Jahren auf rund 299 M. Die Anträge auf die Beitragsrückerstattung sind unter Beifügung der OuirtungSkarte und der Sterbeurkunde für den Ver- storbenen direkt beim Rentenausschuß der Reichsversicherungsanstalt in Bcrlin-Wilmersdorf anzubringen. Unfall auf dem Wege zum Betriebe. Der von der sozialdemokratischen Fraktion wiederholt gestellte Antrag, alle Unfälle, die sich auf dem Wege von der Arbeit nach Hause und von Hause uach der Arbeit ereignen. als Betriebsunfälle anzuerkenne», ist vom Reichstag wieder- holt abgelehnt. Aber es ist bei den Debatten und in der Rechtsprechung vom Reichsversicherungsamt zugegeben, daß ein Unfall auf dem Wege zur oder von der Arbeit unter be- sonderen Umständen als Betriebsunfall zu rechnen sei. In demselben Sinne hat kürzlich das Oberversicherungsamt in Breslau in folgendem Falle entschieden: Ein an Lungenkatarrh erkrankter Marstallarbeiter befand sich auf dem Wege vom Arzt nach der Marstallinspektion, um dort seine Erkrankung zu melden. Infolge Glatteis kam er auf der Straße zu Fall und erlitt einen Beinbruch, durch den er in seiner Erwerbs- fähigkeit wesentlich beeinträchtigt wurde. Er stellte deshalb An- spräche an die Unfallversicherung. Der Magistrat Breslau als AuSführungSbehörde lehnte die Ansprüche ab, weil der Weg vom Arzt zur Marstallverwaltung keine Betriebstätigkeit darstelle, mithin der Unfall kein Betriebsunfall sei. Die gegen den Bescheid eingelegte Berufung hatte Erfolg. DaS Oberversicherungsamt Breslau erkannte den Betriebsunfall an. In der Begründung des Urteils heißt eS: Der Kläger ist zwar nicht während der Arbeil im Betrieb« selbst verunglückt, der Weg deS Klägers vom Arzt zur Marstall- inspektion war aber insofern noch dem Betriebe zuzurechne.,, als der Kläger nach der Auskunft der Marstallinspektion vom 6. Februar 1914 verpflichtet war, bald nach der ärztlichen Untersuchung die Krankheitsbescheinigung in der Inspektion als Ausweis vorzuzeigen. Die Inspektion mußte dies rechtzeitig wissen, um eventuell für Ersatz sorgen zu können. Der Weg des Klägers muß daher als in, Interesse deS Betriebes unternommen ange« sehen werden. Ist dies aber der Fall, so kann auch'nicht in Abrede gestellt werden, daß der Unfall, der dem Kläger auf diesem Wege zugestoßen ist, und der an sich zu den Unfällen deS täglichen Lebens gehört, infolge der Beschäftigung des Klägers im Betriebe ent- standen ist._ Aus den Berussgrnossenschafteu. Die schlefisch-posensche Bauberufsgenossenschast stellt in ihrem Bericht für das Geschäftsjahr 1913 fest, daß die Löhne von 192 722 917 M. im Jahr- 1912 auf 92 446 274 M. im Jahre 191S gesunken sind. 29 997 M. Beiträge der Berussgenossenschaft konnte» nicht eingezogen werden. Die Rentenquetschcrei wird in dem Bericht durch die Bemerkung bestätigt, daß im Berichtsjahre auf Grund der neueren strengen Rechtsprechung des Reichsversicherungsamts zahlreiche Renten ge- mindert beziehungsweise entzogen worden find. Die Zahl der ent» schädigungSpflichtigen Unfälle ist dann auch von 92 im Vorjahre auf 69 im Berichtsjahre zurückgegangen. Mus Znöustrie und Handel. Tie Äonsumentenorglulisationen und der Detailmarkt. So groß auch die absoluten Ziffer» dec Mitglieder der Konsumvereine, der Umsätze, der Kapitalkraft dieser Orga- nisationen sein mögen, so sind diese Vereine auf dem Gebiete deS Detailverkehrs doch noch eine junge Macht, deren Umsätze im Verhältnis zu dem Gesamtumsatz der gewerblichen Tetailgeschäfte sehr bescheiden sind. Instruktives Material darüber gibt uns Professor T o t o m i a n z in einem Buche über Theorie, Geschichte und Praxis der Konsumentenorganisation. Wir sehen daraus z. B., daß auf 199 Einwohner in Deutschland erst 2,3 Konsumvereins- Mitglieder entfallen. Selbst wenn man annimmt, daß jedes Mit» glied ein Haushaltungsvorstand sei, also die 2,2 Mitglieder 19 Konsumenten repräsentieren, würden von 199 Einwohnern erst 19 organisierte Konsumenten sein. Das ist ztvar eine deachtens- werte Zifser, aber 99 sieben noch immer außerhalb der organi» sierten Konsumenten. Doch es ist auch noch zu berücksichtigen, daß die organisierten Konsumenten keineswegs ihren gesamten Waren- bedarf im Konsumverein decken, sondern nur einen Teil davon. In Deutschland kommt— es ist bei der Berechnung das Jahr 1919 zugrunde gelegt— auf das Mitglied ein durchschnittlicher Umsatz von 283 M. oder wenn wir jedes Mitglied als Haushaltungsvorstand nehmen, auf den Kopf des organisierten Konsumenten ein Umsatz von rund 7l M., der inzwischen vielleicht auf 72 M. angewachsen sein dürfte. Schon weit kräftiger sind die Konsumvereine in G r o ß- britannien, in Dänemark und in der Schweiz. Tort kommen auf 199 Einwohner schon 2,6 vzw. 6,8 und 2,6 organisierte Konsumenten. Im Verhältnis zur Gesamteinwohncrzahl würden bei einer Annahme von 4 Einwohnern auf einen organisierten Konsumenten in Dänemark 27,2, in Großbritannien und der Schweiz 22,4 Proz. der Bevölkerung einen Teil ihres Bedarfs aus Aus aller Welt. Der Militarismus als Verkehrshindernis. man faun Konsumbereinen beziehen. In Großbritannien fommt auf ein Wegen versuchten Totschlages war der Arbeiter Konsumvereinsmitglied ein durchschnittlicher Umsatz von 378 M. Routtewicz angeflagt. Der Angeklagte ist ein Trinker und Aus den Tatsachen der Statistik ergibt sich, daß, obgleich Dänemark, hat seine Ehefrau oft mißhandelt. Die Frau machte vor einigen die Schweiz, Deutschland und Finnland sich konsumgenossenschaftlich Monaten kurzen Prozeß und verzog nach der Belziger Straße, wo fräftig entwickeln, trotzdem Großbritannien, namentlich England fie fich eine kleine Wohnung gemietet hatte. Sie war aber auch Seit etwa 18 Jahren verkehrt in Wien die Stadtbahn. Sie und Schottland, in den meisten und wichtigsten einschlägigen Er- dort vor ihrem Ehemanne nicht sicher, denn dieser hatte bald ihren fährt bald als Hoch-, bald als Untergrundbahn aber immer mit gebnissen, in Mitgliederzahl, Kapital, Umjab, in der eigenen Pro- Aufenthalt ausspioniert und drangsalierte sie unaufhörlich mit dem Dampflokomotiven unter Tage Dampfbetrieb. Suktion und im Ueberschuß, absolut und durchweg auch relativ, Verlangen, ihn wieder bei sich aufzunehmen. Frau K., die sich sich die Versauung und Verstänkerung vorstellen. Die Bahn' nach wie vor noch immer weit über alle übrigen Länder hervorragt. durch den Verdienst aus Aufwartestellen schlecht und recht durchs sollte schon längst elektrisiert werden aber erst jett Das ist ja bei dem größeren Aiter der britischen Konsum- Leben brachte, wies aber alle Versuche des Ehemannes, sich ihr erfuhr man, warum es nicht geschieht. Der Kriegsminister vereinsbewegung weiter nicht verwunderlich. Aus dem wieder zu nähern, entschieden zurück. Als sie am 16. April von fordert, daß ständig 50 Lokomotiven unter Dampf stehen Verhältnis der organisierten Konsumenten zur gesamten Gin- einer ihrer Aufwartestellen auf dem Heimwege begriffen war, stieß müssen, für den Fall, daß man Militär transportieren müßte. wohnerzahl und aus dem Umsak pro Mitglied ergibt sich aber deut- fie in der siebenten Abendstunde an der Ecke der Belziger und Die ständige Bereithaltung dieses Lokomotivenparks würde aber den lich, daß das Konsumgenossenschaftswesen, was die Konzentra Eisenacher Straße auf ihren Ehemann, der dort auf sie gewartet elektrischen Verkehr passiv machen also müssen die Wiener auch tion der zerstreuten Einkommens- und noch vielmehr der Ver- hatte und sofort wieder aufs neue das Ersuchen an sie richtete, weiter in Ruß und Rauch umhergondeln. Die bessern Leut ham mögens- Energien der Konsumenten anbelangt, in Europa, ja selbst wieder von ihr aufgenommen zu werden. Als die Frau abermals ja en' ihra Auto!" in Großbritannien noch in einem Jugendstadium steht, aus welchem erklärte, von ihm nichts mehr wissen zu wollen, zog der Angeklagte es zwar voraussichtlich zu einem starken Wachstum emporblühen plötzlich einen Revolver hervor und schoß dreimal auf wird, was aber die Erkenntnis nicht verhindern kann, daß von dem seine Ehefrau. Diese wurde durch eine Stugel verlegt, fiel begesamten Detailmarkt die Konsumvereine erst einen ganz fleinen finnungslos zur Erde und mußte in das Schöneberger Krankenhaus Ausschnitt zu beherrschen vermögen, daß allerdings ihr Einfluß auf gebracht werden. Der Angeklagte, dem die empörten Bassanten die Preisbewegung schon weiter reicht. in sehr fühlbarer Weise die erste Quittung über seine Roheit ausstellten, wurde zur Haft gebracht. Das Schwurgericht verurteilte den Revolverhelden zu 1½ Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten der Untersuchungshaft und wegen un befugten Waffentragens zu 30 M. Geldstrafe. = Gegen den Milchzoll. Die Aeltesten der Kaufmannfchaft haben an den Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, in der fie darauf hinweisen, wie der von den Agrariern geforderte 3oIl auf Milch und Rahm wirken müßte. Großstädtische Gebiete müßten davor geschützt werden, daß die Milchpreise monopolistisch bestimmt werden können. Schon aus diesem Grunde iſt ein Zoll auf Milch und Rahm zu bekämpfen. Die Einführung eines Rahmzolles würde entweder zu einer Erhöhung der Butterpreise oder zu einer Steigerung des Margarinetoniums führen. Schließlich würde ein solcher Zoll auf eine Ver schlechterung der Boltsernährung hinauslaufen. Aus diesen Gründen richten die Aeltesten der Kaufmannschaft an den Reichskanzler die Bitte, der Agitation zur Einführung von Zöllen auf Milch und Rahm nicht nachgeben zu wollen. Gerichtszeitung. Gelbe Verleumdungen. Wie der„ Vorwärts" in Nr. 92 d. J. berichtete, waren vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte wegen Verleumdung des Angestellten des Verbandes der Gastwirtsgehilfen Karl Weber verurteilt worden: der Redakteur Paul Dumstrei vom Organ der Berliner Gastwirte- Innung zu 150 M., der Redakteur der gelben Caféhausgehilfen Burstin zu 100 M., der Kellner Georg Hohenstein zu 200 M., und der Kellner Funk zu 50 M. Geldstrafe, eventl. für je 5 M. Geldstrafe je 1 Tag Gefängnis. Während Dumstrei sich bei dem Urteil beruhigte, legten Burstin, Funk und Hohenstein Berufung ein. Zur Verhandlung hierüber stand jetzt Verhandlung vor der 9. Strafkammer des Landgerichts Berlin I unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Schwarze an. Bereits im April hatten die Verhandlungen ergeben, daß die Angeklagten in keiner Weise in der Lage waren, Beweise für ihre berleumderischen Behauptungen zu erbringen. Zu dem jezigen Termin war Hohenstein trok ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen. Seine Berufung wurde deshalb kostenpflichtig abgewiesen. Funk, als ehemaliger Vorsitzender eines Stellenbermittlervereins, unter dessen Firma Hohenstein das verleumderische Flugblatt veröffentlichte und verbreitete, 30g seine Berufung auf Anraten des Vorsitzenden zurüd, so daß das Gericht fich lediglich mit der Berufung Burstins zu befassen hatte. Auf die Vernehmung der 14 geladenen Zeugen wurde verzichtet, da der Verteidiger des Angeklagten Burstin, Justizrat Löwenstein, erklärte, nicht in der Lage zu sein, Beweise für die erhobenen Beschuldigungen zu erbringen. Er versuchte den Nachweis zu bringen, daß sein Klient in Wahrnehmung berechtigter Interessen" gehandelt habe. Rechts anwalt Heine legte dar, daß eine Wahrung berechtigter Interessen hier auf keinen Fall in Frage kommen könnte und beantragte die kostenpflichtige Verwerfung der Berufung-Burstins. Das Gericht erkannte dementsprechend. Das Urteil führt aus, daß der Tatbestand der Beleidigung erwiesen sei. Burstin habe nicht Migstände kritisieren wollen, sondern ihm sei es lediglich darauf an gekommen, die Beleidigungen weiter zu verbreiten und sich zu rächen. Eine Wahrnehmung berechtigter Interessen könne also hierbei nicht in Frage kommen. Ein Schwefelsäure- Attentat. Reisenden- Betrug. 63 292013 Familiendrama in der Mark. In dem märkischen Städtchen Sommerfeld wurde am Mittwoch eine schwere Bluttat verübt. Der dort wohnhafte Arbeiter Erich Zingelmann hat in seiner Wohnung in Abwesenheit seiner Frau seine beiden Kinder im Alter von drei und einem Jahr ermordet, indem er ihnen die Ha Isich lagader durchschnitt. Die Kinder wurden von der Mutter, als sie von einer Besorgung zurückfehrte, in ihrem Blute aufgefunden. Der Mörder ist flüchtig. Auch ein Rekord. Der seit Wochen verhandelte Prozeß gegen den sogenannten Verlagsbuchhändler Hermann Hoppe, der mit Hilfe von 39 Reisenden bezw. Oberreisenden Reklamekunden für sein Reichstelephonbuch Gresiard aus Bourges auf, dem es am vergangenen Donnerstag, Einen einzigartigen Rekord stellte ein Bauer namens Louis für alle Städte Deutschlands" warb und dabei betrügerische Kniffe Freitag und Sonnabend gelang, insgesamt nicht weniger als in Anwendung brachte, ist gestern zu Ende gegangen. Wie reell das Hoppesche Unternehmen war, geht daraus hervor, daß über 1000 49 Kreuzottern in den Wäldern der Umgegend von Bourges Reflamationen gegen die von den Reisenden produzierten Bestell- zu töten. Von der letzten Kreuzotter, die er schließlich tötete, wurde scheine eingegangen waren. Das Gericht verurteilte oppe zu er in die Hand gebiffen, doch gelang es einem rasch herbeigerufenen 2 Jahren Gefängnis und 1500 M. Geldstrafe, seine Helfershelfer Arzt, die Folgen des gefährlichen Bisses zu beseitigen. zu Gefängnisstrafen von 2 Wochen bis hinauf zu 1 Jahr, einige auch zu Geldstrafe. Vier Angeklagte wurden freigesprochen. Versammlungen. Kleine Notizen. Wie Eisenbahnunfall in Stettin. Dienstagnachmittag 5 Uhr 20 Min. ist auf Bahnhof Rüstrin- Neustadt Personenzug 314 beim Zurüdrüden auf den stehenden Personenzug 909 aufgefahren. Von Personenzug 314 find drei Wagen, vom Personenzug 909 zwei Wagen mit Herr v. Loebell und der Kampf ums Koalitionsrecht. ie einer Achse entgleist. 3 wölf Personen sind ganz Zahlreich versammelten sich am vergangenen Dienstag die leicht verlegt. Genossen des 4. Kreises, um gegen den neuen preußischen Minister Opfer des Badesports. Am Dienstagabend sind bei Mühl. des Innern und dessen Kampf gegen das Koalitionsrecht energisch beim a. M. zwei junge Schreibergehilfen- die bei der GemeindeFront zu machen. Der Referent Dr. Heinemann, einer der verwaltung angestellt waren, beim Baden ertrunten. In Hanau besten Kenner dieses Kampfes, erledigte die ihm gestellte Aufgabe fand ein 13jähriger Junge, der sich zu weit in das Waſſer hinausauf das vortrefflichste. Mit Recht bezeichnete der Redner die offene gewagt hatte, den Ertrinkungstod. Ferner ertrant bei Seligen= Moment seit Fall des Sozialistengesetes. Kampfanjage v. Loebells und seiner Auftraggeber als den ernstesten stadt beim Baden im Main ein 17jähriger junger Mann. Bebel sagte einmal, aus Neustadt im Odenwald gemeldet wird, ist beim Baden in daß der, der sich seiner Rechte berauben ließe, ein Hundsfott sei. der Mümling der Landwirt Hermann ertrunken. Darum wird der Minister auf Granit beißen; denn zu Hundsföttern Schwere Explosion in einer Wassergasanstalt. In der militäwird sich das Proletariat nicht erniedrigen. Es wird sich auch nicht rischen Wassergasanstalt in Mainz erfolgte Mittwoch morgen beim entmündigen lassen, wenngleich man auf tapitalistischer Seite Pläne füllen eines Ballons eine Knallgaserplosion. 3 wei Abeiter ausbrütet, das Koalitionsrecht auf dreifache Art illusorisch zu wurden getötet, zwei andere leichter verlebt. In machen. Siouxindianer auf dem Kriegspfade in Deutschland. So ermutigte Preußens innerer Minister das Unternehmertum ganz offen, den Kampf mehr als bisher in die Fabriken Dortmund geriet eine Anzahl Siouxindianer, die in dem dort zu tragen, das Recht mehr noch als bisher zu brechen. Dann will gastierenden Zirkus Sarasani auftreten, in einer Gastwirtschaft mit Es entspann sich ein dieser auch in seinen eigenen Ressorts durch Verordnungen dafür dem Wirt und anderen Gästen in Streit. sorgen, daß z. B. das„ Ermessen" des Schußmannes über Streif- wüstes Handgemenge, und erst die herbeigeholte Polizei postenstehen recht schön zur Geltung gelangt. Weiter soll die fonnte Ruhe und Ordnung wiederherstellen. Ein Schuhmann Willensfreiheit" der Arbeitswilligen geschützt werden. Fromm und wurde im Laufe des Kampfes se hr schwer verletzt und blieb gottesfürchtig stimmten die Industriellen auf ihrer Leipziger Tagung mehrere Stunden bewußtlos. Auch ein anderer Schußmann erlitt ein lautes Lamento über die„ behinderte Willensfreiheit" der edlen erhebliche Verletzungen. Arbeitswilligen an, während sie im gleichen Atemzug ein wüstes Todessturz mit dem Flugzeug. Auf einem Fluge nach Bit to w gegenkommen. Es drängt sich die Frage auf, ob unsere heutigen ist der russische Stabskapitän Bojaroglo im Kreise Porchow hilft natürlich und findet an den geeigneten Stellen herzlichstes Ent- abgestürzt. Bojaroglo war jo fort tot, sein Begleiter wurde gegenkommen. Es drängt sich die Frage auf, ob untere heutigen verlegt. Bubonenpest in der Türkei, In den türkischen Provinzen sind Rechtszustände überhaupt noch überboten werden können. Was der gesunde Menschenverstand verneinen möchte, die Wirklichkeit bejaht mehrere Fälle von Bubonenpest vorgekommen. In Bassora es. Erlebten wir doch, daß am Tage der Freisprechung des arbeits- berliefen von fünf Fällen vier tödlich. Im Jemen sind ebeneinige Todesfälle vorgekommen, in Beirut zwei willigen Stettiner Mörders in Erfurt ein Gewerkschaftsangestellter falls wegen des ganz mittelbar gebrauchten Wortes Streifbrecher fünf Todesfälle und eine Erkrankung, in Jaffa vier TodesMonate Gefängnis erhielt.( Lebhafte Bewegung.) " Das bedeutet aber noch gar nichts im Verhältnis zu dem, was der Arbeiterschaft durch den Strafgesehentwurf noch wintt. Versucht man heute schon, ehrliche Arbeiter mit Erpressern auf eine Stufe zu stellen, so würde das Kommende selbst dier ussischen Rechtsverhältnisse in den Schatten stellen. Man fragt sich: Ist es dreister, frecher Uebermut oder schlotternde Angst vor der Arbeiterschaft, die bas Rapitalistentum solche Orgien feiern läßt? fälle. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet 2inden strake 69, born bier Treppen Fahrstuhl, wochentäglich von 4% bis 7% Uhr abends, Sonnabends, von 4½ bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsquittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Reinickendorf 32. 1. u. 2. Nein. 2. 23. 100. Sie sind zur „ Mit Gefängnis wird derjenige bestraft, der einen anderen in seinem Frieden stört", oder alle Eisenbahn-, Post-, Telephonund Telegraphenarbeiter und solche, die in Betrieben beschäftigt Uebermittelung des Geldes verpflichtet. Die notwendigen Auslagen fönnen find, die für die Allgemeinheit Luft, Licht, Wasser und Kraft be- Sie erstattet verlangen. E. K. 1. Wenn die Söhne 6 Pflichtdienstjahre schaffen, fönnen, jo sie es wagen, zu streiten, mit Gefängnis hinter sich haben, für jedes weitere Dienſtjahr. 2. 240 m. pro Jahr. bis zu je ch 3 Jahren und mit 3uchthaus bis zu 15 Jahren 3. Nein. 4. Ja, wenn die drei Söhne Dienstjahre zurückgelegt haben. bestraft werden". Eolche Paragraphen verheißt uns die Zukunft. 5. Ja. 6. An die Ortsbehörde. am besten durch eingeschriebenen Brief, eine kurze Lieferungsfrist und drohen ( Langanhaltende Bewegung.) Ein Schwefelsäure- Attentat führte gestern die 18jährige Schneiderin Charlotte Ronnicke vor die 4. Straffammer des Landgerichts II und führte zu einer überaus barten Strafe. Die Angeklagte, die einen noch etwas unreifen Eindruck macht, C. m. 89. 1. Nein. 2. Sehen Sie, verkehrte wiederholt mit dem Musiker Ludwig Rudolf, der in einer Musikkapelle eines Cafés tätig ist. Der Misiter war überSie an, nach Ablauf der Frist würden Sie vom Vertrage zurücktreten und rascht, als das Mädchen ihm eines Tages verriet, daß sie sich in Das vom Hansabund so heiß ersehnte summarische Ver- die Anzahlung zurüdfordern. Dazu sind Sie berechtigt, wenn die Frist anderen Umständen befinde und ihn als den Vater des zu erwar- fahren, das den Richter in die Lage seßt, einen Arbeiter binnen erfolglos verstreicht. St. M. 100. Sie sind zur Aushändigung der tenden Kindes in Anspruch nehmen müsse; sie verlangte auch, daß 24 Stunden zu 15 Jahren Zuchthaus zu verurteilen, Schlüssel verpflichtet. Wuhlgarten No. 12. Amtsgericht Berlin- Mitte, er für sie selbst sorge, denn ihre Mutter würde sie zweifellos zum liegt ebenfalls in greifbarster Nähe.( Entrüftungsrufe.) Das ein- Neue Friedrichstr. 12/15. 2. N. 21. 1. Drei Monate, von der BeHause hinausweisen. Der junge Musiker erklärte, daß er sich zige Recht des Angeklagten, Führung des Wahrheitsbeweises durch leidigung ab gerechnet. 2. 11 M., außerdem kann das Gericht einen Ausetwaigen Verpflichtungen teineswegs entziehen würde, solche aber seine geladenen Zeugen, ist den Herrschenden schon längst ein Dorn lagenvorschuß für Zeugengebühren einfordern. 3. Acht bis vierzehn Tage bis auf weiteres bestreite, da ihm genau bekannt sei, daß sie zu im Auge. Weg damit! wird befohlen, und unwahrscheinlich ist es nach Erhebung der Klage. 4. Ja, ein Anwalt wird jedoch nicht beigeordnet. D. 13. 1. Ja. 2. Nur sofern und soweit der verdiente Betrag 28,85 M. gleicher Zeit auch noch mit anderen Männern Umgang gehabt habe. nicht, daß auch dieses einzige Recht genommen wird.( Bewegung.) pro Woche übersteigt. 3. Nein. 4. Innerhalb zwei Jahren, sofern beim Als der Musiker am 18. März nachts aus seinem Beruf nach seiner Der Entwurf wird den Beifall aller bürgerlichen Parteien Abzug protestiert worden ist. B. F. 100. 1. Wenn der Strafantrag in Neukölln belegenen Wohnung sich begab, hatte ihn die Angeklagte finden. Vielleicht wird er auch etwas gemilderter angenommen. nicht innerhalb drei Monaten, von dem Zeitpunkt ab, wo der unschuldige aufgelauert und goß ihm aus einem Blechgefäß plöblich eine Aber auch dazu darf es nicht kommen! Es muß das äußerste Mittel an- Teil von der Rechtskraft des Urteils Kenntnis erlangt hat, gestellt ist. 2. Bei größere Quantität Schwefelsäure ins Geficht. Der Verlebte ist gewendet werden, jolches zu verhüten. In erster Linie müssen die einfacher Stuppelei in fünf, bei schwerer Stuppelei in zehn Jahren. 3. und S. S. 33. Nein. arg zugerichtet worden und hat fast drei Monate in der Klinik Parteigenossen auf die Gewerkschaften einwirken. 4. In der Regel nicht. R. 1024. 1. Ja. 2., 3. Deren äußerste u. 5. Nein. 4. Eine dahingehende Erklärung in der Klage nicht.- Frida 333. zubringen müssen. Nach dem Bericht des Augenarztes Dr. Müh- Vorsicht ist vergeblich gewesen; sie hat ihnen nichts genußt. Gin 1. Nur dann, wenn der Justizminister Befreiung von dem Gheverbot gewährt. sam hatte R. auf der rechten Gesichtshälfte schwere Brandwunden, v. Jagow tommt einfach daher, erklärt sie für politisch und die Sache 2. Wenn die Tochter kein Bermögen und fein höheres Einkommen hat, nein. die tiefgehende Narben zurückgelassen haben; auch das rechte Auge ist erledigt. Hier hilft nicht Reden mehr, sondern Handeln. Mit Jedoch fönnen die Söhne eventuell im Selagewege herangezogen werden. ist in Mitleidenschaft gezogen, es bestand die größte Gefahr für das gewerkschaftlichen Mitteln allein ist nichts getan, die Partei muß R. 88. Die Kündigung ist gültig, sofern im Mietsvertrag nicht eine Auge. als ein treibender Faktor hervortreten. Noch sind 1½ Millionen längere Sündigungsfrist als eine solche von drei Monaten und drei Tagen Die Angeklagte behauptete unter energischem Widerspruch des Gewerkschaftler nicht in der Partei. Diese Maffe gilt es zu ervermerkt ist. 2. 67. 1. Nur dann, wenn der Justizminister Befreiung Berlegten, daß dieser sie beschimpft habe; sie habe ihn zur Rede greifen. Kommen die, dann ist die revolutionäre Stimmung da, nicht zu. 2. Nein. 3. Die Mutter tönnte nur, wenn bei ihr Invalidität bom Eheverbot bewilligt. 2. Nein. E. B. 100. 1. Das trifft leider stellen und sich selbst töten wollen und wisse gar nicht, was um durch kraftvollen Massenstreit den frechen Angriff der Reaktion im Sinne des Gesetzes vorliegt, Witwenrente beanspruchen. 2. P. 60. cigentlich passiert sei. Der Staatsanwalt beantragte 10 Monate niederzuschlagen. Diese Stimmung fördern und schüren, das wollen 1. Ja. 2. Nur dann, wenn im Mietsvertrag vorgesehen. 3. Falls im Miets. Gefängnis. Das Gericht ging aber über diesen Antrag hinaus und wir jederzeit mit unseren besten Kräften tun.( Stürmischer Beifall.) vertrag nichts anderes vermerkt, zwischen 8 und 6 11hr. verurteilte die jugendliche Angeklagte, die sich tatsächlich in anderen In der Diskussion gaben zwei Genossen in beredten Worten. 1. und 2. Ja, aus der Nachlaßmasse. 3. Ja. Wendt. Umständen befindet, zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis bei sofortiger ihre Entrüftung über die meuchlerischen Anschläge auf das vitalite 14. Ja. W. 2. 36. Unseres Erachtens Ja. Berhaftung. Der Gerichtshof erwog dabei, daß kein auch nur Arbeiterrecht fund. Mit dem festen Entschluß, im Sinne des Refeeinigermaßen plausibles Motiv zu dieser überaus rohen Tat vor- renten zu handeln, gingen die Erschienenen auseinander. gelegen, die hart an den§ 224 St.G.B. hinanreiche und daß der= artige Verbrechen, die leider mehr und mehr um sich greifen, im höchsten Maße gemeingefährlich sind. Dritter Reichstagswahlkreis. 2. 30. Nein. der Landesanftalt für Gewässertunde, mitgeteilt vom Berliner Betterbureau Wasserstand Memel, Tilfit regel, Insterburg Weichsel, Thorn Ober, Ratibor Krosjen Waferstands- Nachrichten am 30.6. 29. 6. cm cm³) 864-3 -44 feit 176 96 79 Wafferstand Saale, Grochlit Havel, Spandau) Rathenow³) 33 Spree, Spremberg) 78 Beeston) 69 at.i feit 30.6. 29.6. cm 106 cm¹) 42 83 -5 Wefer, Münden 176 22-4 Minden 256 +1 Rhein, Marimiliansau 544 -34 -27-10 339-13 Köln 355 16 Dresden Barby -143 12 Nedar, Heilbronn 123 15 Magdeburg 126 110 13 Main, Hanau 161 Mosel, Trier 82 13 )+ bedeutet Buchs, Frantiurt Kein Zweifel, daß die Tat der Angeklagten berabſcheuungs- In einer außerordentlichen Generalversammlung des 3. Kreises würdig und nicht zu rechtfertigen ist. Aber zum mindesten bei der sprach Reichstagsabgeordneter Dr. Ostar Tohn unter lebhaftem Strafhöhe hätte doch berücksichtigt werden müssen, daß es sich um ein allseitigem Beifall über das Thema:„ Der unabhängige Richter". faum dem Kindesalter entwachsenes Mädchen handelt und daß die Im Anschluß an den Vortrag berichtete Genosse ohl über die Angeklagte bereits zurzeit der Tat schwanger war. Darüber, ob Angelegenheit Borchardt. Der 3. Kreis habe Einspruch und inwieweit dieser Zustand ihre zurechnungsfähigkeit beeinträch- einlegen müssen und lege auch heute wieder Ginspruch ein gegen tigte, hätte ein Sachverständiger gehört werden sollen. das ergangene Urteil. Genosse Möbus stellte den Antrag, daß der Beschluß der letzten Generalversammlung des 3. Kreises auf Barthe, Schrimm Der Antrag wurde angenommen. rechtzuerhalten ist. Pohl -30 Landsberg erklärte weiter noch, daß er und die übrigen Vertreter des 3. Kreises, Nee, Bordamm Das Schwurgericht des Landgerichts II hatte sich gestern außer anderen Genossen, gleich bei der ersten Aufstellung des Gelbe, Reitmeriz noffen Borchardt Einspruch erhoben und dagegen gestimmt hätten. schon wieder mit einer Revolverschießerei diesmal war es auch habe der 3. Kreis an der Verschleppung der Angelegenheit in Anschlag eines Ehemannes auf seine Frau zu be- feine Schuld. Die Anstellung eines bejoldeten Kassierers ist häftigen. abgelehnt worden, Revolverattentat. Staub Fall.) Unterpegel d Theater. Donnerstag, den 2. Juli 1914. Anfang 4, Uhr. Voigt: Theater. Das Mitternachtsmädchen. Anfang 5 Uhr. Waffage Theater. Kino- Barieté. Potsdamer Naturtheater. Potsdam. Anjang 7 Uhr. Weften. Die Götterdämmerung, Anfang 755 Uhr. AltMetropol. Die Reise um die Welt in 40 Zagen. Anfang 8 Uhr. URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: ( Zum 219. Male:) Theater am Nollendorfplatz 5. Reichshallen-Theater. 8 Uhr: Der Juxbaron. Mit dem ,, Imperator" Theater a.d. 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Geride, Berliner Str. 114, sein Sommerfest. Da eifrig versucht wird, in Arbeiterkreisen Billetts umzusetzen, sei darauf aufmerksam gemacht, daß obiges Lokal zu Versammlungen nicht zur Verfügung steht und daher streng zu meiden ist. Folgende Lokale werden als Verkehrslokale den Ausflüglern Alt Hartmannsdorf T. B., Willi Grogeit, Restaurant zur Ede. Spreenhagen, Gasthof zum Deutschen Haus, Artur Enge. Friedersdorf, Aug. Paschen, Lindower und Storkower Ede. Die Lokalfommission. empfohlen: Dabendorf. Sonnabend, den 4. Juli, abends 1/29 Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Wiese. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung. Berliner Nachrichten. *** Blütenpracht auf dem Friedhof. Verschwenderisch ist jetzt die Natur. In ein Meer von Blüten taucht sie die Welt, die Welt der Lebenden und der Toten. Wie im schönsten Garten blüht und duftet es auf dem Friedhof, als ob die allgütige Natur den Abgestorbenen geben will, was so viele von ihnen im Leben bitter vermißt haben. Viele Tausende, die Sinn haben für diesen stillen Sommerfrieden, zieht es allionntäglich hinaus vor die Tore, um sich zu berauschen an dem bunten, in allen Farben schillernden Naturleben. Y Donnerstag, 2. Juli 1914. Hause wohnten und sich auch dort recht wohl fühlten; dies mer- Sonntagnachmittag der Arbeiter- Raucherbund in dem mit roten wurde noch durch eine besondere Petition der Einwohner bestätigt. Fahnen und Emblemen prächtig dekorierten Garten der Brauerei Die Armendirektion hat nun eine besondere Prüfung der Wohnungs- Friedrichshain sein 19. Stiftungsfest feiern wollte und Vorstand und verhältnisse durch das städtische Wohnungsamt und durch die Polizei Stontrolleure sich kaum zur Eröffnung des Lokals eingefunden hatten, vornehmen lassen; hierbei wurde festgestellt, daß sich das Haus bis erschien ein Polizeibeamter in Zivil und verlangte kategorisch dic auf lleinere Mängel in gutem Zustande befindet und daß auch sonst Abnahme des staatsgefährlichen roten Zeugs. Widerstreben wäre Ordnung herrscht. Da sich der Wirt weiter bereit erklärte, für die fruchtlos gewesen und so wurde denn der Dekorateur, der die schönen Almofenempfänger eine Mietsermäßigung von 10 Proz. eintreten zu Sachen angemacht hatte, herbeigeholt, um sie wieder abzunehmen. lassen, wurde beschlossen, die Sperre bis auf weiteres auszuseßen. Schade, daß er nicht auch die feurigen Pelargonienblüten aus den In der Debatte wurde darauf hingewiesen, daß es in Berlin sehr Anpflanzungen oder die roten Schärpen einiger schon anwesender schwer sei, einzelne Stuben oder Küchen zu bekommen; die Armen- junger Damen und sonstiges Rot mitnehmen fonnte. Die Wirkung verwaltung müsse die Unterstützungen derartig bemessen, daß die Armen dieser Maßregel war natürlich wie immer konträr". Denn als Stube und Küche bewohnen könnten. Ehe nicht eine Erhöhung unter den Tausenden von Teilnehmern die Sache bekannt und be eintrete, würden die Verhältnisse in den Kleinwohnungen nicht besser sprochen wurde, da konnten wir aus verschiedenen Aeußerungen fejt tellen, daß die rosarote Gesinnung mancher Festteilnehmer um einige Töne dunkler gefärbt war. werden. Es mag noch auf eine Maßnahme hingewiesen werden, die wieder mal eine Verschlechterung der Unterstützungen in Krankheitsfällen mit sich bringt. Wegen eines großen Dachstuhlbrandes Bisher waren die Armenärzte in der Lage, nicht nur schwer er- wurde gestern die 2. Kompagnie nach der Voigtstraße 42 alarmiert. frankten Unterstützungsbedürftigen Fleisch und Milch zu verschreiben, Als die Wehr erschien, stand der Dachstuhl des Wohnhauses schon in sondern auch in leichteren Fällen und alten Personen gegenüber konnte die Wohltat eintreten. Sehr oft mußten die Aerzte die verweigerte ganzer Ausdehnung in Flammen. Der Wehr gelang es, den Brand, dessen Hilfe der Kommissionsvorsteher forrigieren, um solchen schwachen Entstehung nicht ermittelt werden konnte, auf den Dachstuhl zu beschränken. Personen die nötige Nahrung zu gewähren. Dies soll nun aus Sparsamteitsrücksichten anders werden. Die Armenärzte sollen in Zukunft nur schwer erkrankten Personen diese Stärkungsmittel verschreiben dürfen, und hierüber soll auch der Armendirektion noch jeden Monat eine Aufstellung eingereicht werden. Das ganze Verfahren läuft auf eine Einschränkung der Naturalunterstügung hinaus. unsere neue Armenverwaltung sollte solche schwerwiegenden Eingriffe zum mindeſten vorher gründlich prüfen und erörtern, aber nicht vom grünen Tisch verfügen. Das Plenum der Armendirektion wird sich noch mit der Angelegenheit zu beschäftigen haben. Ein Schmuckvervollständiger". Der neue Filmkrieg. Mehrere Mit seiner Gattin in den Tod gegangen ist in der vorvergangenen Nacht der Fabrifbesitzer M. Croner aus der Luckauer Straße 4. Der betagte Mann betrieb eine Luruspapierfabrik am Elisabethufer 44, ein altes Geschäft, das zuletzt in der Form einer G. m. b. H. bestand. Das Ehepaar wohnte nach der Verheiratung der erwachse nen Kinder für sich allein im ersten Stock des Vorderhauses mit einem Dienstmädchen. Gestern morgen gegen 9 Uhr fand man das Ehepaar tot in der Wohnung auf. Es hatte die Gashähne geöffnet und sich vergiftet. Ein Arzt fonnte bei beiden Eheleuten nur noch den Tod feststellen. Geschäftliche Verluste sollen die Ursache des Selbstmords sein. dulden wollten. Zeugen gesucht! Personen, welche gesehen haben, wie am Sonntag den 14. d. Mts., abends 9 Uhr 40 Min., Ecke Müllerund Seestraße eine ältere Frau beim Absteigen von einem Motorwagen mit Anhänger Linie 168 herunterfiel, werden um Angabe ihrer Adresse an G. Röthig, Stegliz, Düppelstr. 27, gebeten. Neukölln. Vorortnachrichten. Arbeiter- Bildungsschule. Die legte Unterrichtsstunde des Den Großlaufmann aus Stettin spielte ein Heiratsschwindler, der jegt entlarvt und festgenommen wurde. Sein Sonderkniff war Literaturkursus, die am vorigen Montag ausfallen mußte, wird die Bervollständigung des Schmudes". Der Mann suchte und fand Freitagabend( 3. Juli) abgehalten werden. Jedes Grab ist ein winziger Garten für sich in zehn- die Bekanntschaft heiratslustiger Mädchen und Witwen und wußte es Kleine Nachrichten. Mit Lysol vergiftet hat sich die 16jährige tausendfacher Abwechselung. In stroßender Fülle entfalten bald dahin zu bringen, daß er auch in deren Wohnungen eingeladen Verkäuferin Ch. F., weil die Eltern ein Liebesverhältnis nicht dunkelrote Pelargonien ihre schweren Dolden, lassen Fuchsien wurde. In der Regel richtete er es so ein, daß ihm seine Bräute" In bedenklichem Zustande wurde das junge die feinen weißroten Köpfchen hängen, säumen sich Vergiß zu Hause ihre Schmudsachen zeigten. Er bekundete stets ein lebhaftes Mädchen nach dem Krankenhause geschafft. Als der Bräutigam meinnicht und Stiefmütterchen, Begonien und Amyrinthen Interesse für diese Sachen, meinte aber, daß fie gerade wegen ihrer tes Mädchens, der 18 Jahre alte Kaufmann P. K., die Nachricht Eigenart noch viel besser wirken würden, wenn sie noch durch dieses von dem Selbstmord seiner Braut erhielt, schoß er sich eine Kugel zu lieblichem Kranze um den grünen Rasen. Und wo es gar oder jenes Stück vervollständigt werden. Diese Ergänzung könne in die rechte Schläfe. Sein Zustand gilt als hoffnungslos. zu viel werden will des schimmernden, satten Farbenspiels, er zweckmäßig bei einem ihm bekannten Juwelier in Stettin schiebt ſich wuchernder Efeu oder die Eispflanze kühn da- besorgen lassen. Die vertrauensseligen Damen überließen nun ihrem Vierzehn Tage tot in der Wohnung gelegen hat der Sekretär F. zwischen. An hohem Stamm hält zu Häupten treue Sommer- vermeintlichen Zukünftigen gern die Schmucksachen. Im Besitz des aus der Schüßenstraße in Steglitz, der einem Schlaganfall erlegen ist. Einen Selbstmordversuch machte die 19jährige Ehefrau R. wacht die Rose, noch höher wölbt sich beschattend die Esche oder Schmuckes aber ließ sich der Freier nicht wieder sehen. Wo er dieſen cus Brit. Während eines Besuches bei einer Tante schoß sie sich steigt in düsterer Schönheit ferzengerade der Lebensbaum Weg nicht einschlagen konnte, geriet der Großkaufmann auch einmal eine Revolverfugel in die rechte Brujt. In hoffnungslosem Zuauf. Ringsherum aber erfüllt aus tausend Büschen und in„ augenblickliche Verlegenheit", aus der dann die Bräute mit Bestande wurde sie nach einem Krankenhause übergeführt. Sträuchern gerade jezt mit seinem berückenden Duft der Anzeigen mit übereinstimmender Beschreibung des Großkaufmann8" trägen bis zu 100 und 150 Mart gern ihm heraushalfen. Im Berliner Aquarium sind zwei interessante Sehenswürdigs Jasmin die Friedhofsnatur, und ein scharfer Windstoß über- lenkten den Verdacht der Kriminalpolizei auf einen Mann, der wegen feiten eingetroffen. Zunächst ein Doppelhelm- Bafilist mit geteiltein schüttet die unabsehbare Menge der Gräber mit einem Regen folcher Schwindeleien schon 12 Jahre Gefängnis hinter sich hat. hohen Kamm auf dem Kopfe und einem mächtigen Rücken- und von weißgelben Blüten. Die Vermutung erwies sich als richtig. Man fand und verhaftete Schwanzfamm. Das armlange Tier ist grün gefärbt, während die Wirklich, ist jedes Grab ein Garten? Ach nein, es stimmt den Gesuchten in seiner Behausung in der Streliger Straße und Augen gelb sind und dem Gesicht etwas Vogelartiges verleihen. Die von Linné also benannten Basilisken, unter denen die Alten benicht ganz mit dem Wort der frommen Schriftgelehrten:„ Die mehrere Betrogene erkannten ihn auch sofort wieder. Liebe höret nimmer auf." Sie scheint aufzuhören, wo der fanntlich ein angeblich ungeheuer giftiges Fabeltier verstanden, sind baumbewohnende Eidechsen, die sich an Flußufern aufhalten und mittellos Verstorbene, der von der Liebe auch im Leben so bei Gefahr gern ins Wasser retten. Die andere Sehenswürdig menig fennen lernte, mit der notdürftigsten Rücksichtnahme Am gestrigen Tage ist die Filmgebührenordnung beim Berliner feit betrifft gang junge Seepferdchen, welche in Aquarium zur Welt auf den Menschbegriff, verscharrt ist. Dort hinten, wo die Polizeipräsidium in Kraft getreten. Die Filmfabrikanten erblicken gefommen find. Vom Vater in einer Bruttasche bis zur Reisc Natur, von gartnerischer Friedhofskunst und Menschenliebe in dieser Gebührenordnung mit ihren hohen Sagen eine abermalige geborgen, schwärmen sie häufig aus und erregen durch ihre zierlichen ungetrübt, dem unter glühendent Sonnenbrand verdorrten schwere Belastung, die sie nicht mehr ertragen zu fönnen glauben. Bewegungen das größte Interesse der Besucher. Leider halten jtaj Rasen, den niedrigen trostlosen Sandhaufen der Maffen- Da nun die zuständigen Minister zu einer Abänderung oder Auf- dieje jungen Seepferdchen in der Gefangenschaft nicht. gräber ihr möglichstes abringt. Da blühen keine Rosen, be- hebung der Gebührenordnung nicht zu bewegen waren, so haben die schatten feine Trauereschen die letzte Ruhestatt der Armut, Filmfabrikanten und Vertreter in einer Dienstag abgehaltenen vor der die Brüder und Schwestern da vorn auch noch im Stonferenz einstimmig beschlossen, die Zensur ihrer Films ab 1. Juli beim Polizeipräsidium Berlin einzustellen. Tode die Blütenpracht des Friedhofes voraus haben. Nur Welche Belastung die neue Gebührenordnung mit sich bringen meterhohe Gräser und mächtige Nachtschattenbüschel schießen würde, zeigt die Tatsache, daß eine große Filmfabrif in der in regelloser Ungebundenheit aus dem dürren Boden, über- Beit vom 1. Januar bis 30. Juni nach ihrer Berechnung wuchern weite Streden und machen die einzelnen Nummern- 94 000 9. an Zenfur- und Beglaubigungsgebühren zu zahlen gehabt gräber fast unfenntlich. Muß dieser krasse Unterschied in der hätte. Eine mittlere Firma hat ihre Gebühren für dieselbe Zeit auf Friedhofspflege sein? Ist es wirklich nicht möglich, aus dem 23 520 M. und eine fleine Fabrik auf 8587 M. berechnet. Diese öden, unfrautbesäten Toten a d er dort hinten einen Toten- drei Firmen allein würden alio nach ihren Angaben, eine jährliche Benfurgebühr von etwa 250 000 Mt. zu zahlen haben. Die FilmDie Tätigkeit des Reichstages. Ueber dieses Thema referierte garten zu machen? Es sollte etwas derartiges, um das fabrikanten erstreben daher außer einer Ermäßigung der Gebühren der Reichstagsabgeordnete Genosse 3ubeil in der am Dienstag ziemlich Abstechende zu verwischen, geschehen. Man hat jedoch die einheitliche Ausdehnung der Filmzensur auf ganz Preußen und stattgefundenen, stark besuchten Generalversammlung des Wahlverdie armen Toten, die nicht zahlen konnten, in diesem Jahre die Regelung der Angelegenheit von einer Zentralstelle aus, damit eins. Anknüpfend an die Hoffnungen, die nach dem Wahlsicg 1912 wieder vergessen.... nicht noch an andere Polizeiverwaltungen für denselben Film, der jo mancher Parteigenosse gehegt habe, und die ursprünglich durch bereits in Berlin geprüft worden ist, weitere Filmgebühren gezahlt die vierwöchige Vizepräsidentschaft Scheidemanns noch genährt wurzu werden brauchen. den, zeigte Referent, wie seit dieser Zeit die Verhältnisse sich völlig geändert haben. Der immer mehr zunehmende Haß aller bürgerAus dem neu eröffneten eichttrantenhause der Stadt Die Schuldeputation beschloß in ihrer gestrigen Sigung u. a. lichen Gegner habe seit dieser Zeit die Fraktion in ständige AbwehrBerlin berichtet man uns einen Vorgang, der unter den Kranken die Errichtung einer Präparandinnenanstalt in Verbindung mit einer stellung gedrängt, so daß es fast scheine, als ob die mit soviel Hoffgroße Erregung hervorgerufen hat. Vor einigen Tagen meldeten sich in dieser Anstalt um 8 Uhr morgens zwei Schußleute, um einen biesigen privaten höheren Mädchenfchule und die Gewährung von nungen begrüßte Fraffion der 110 zur völligen Ohnmacht verurteilt Patienten abzuholen. Es handelte sich um einen Fürsorgezögling, der Freistellen an begabte Gemeindeſchülerinnen an dieser Anstalt beim sei. Hinzu komme, daß die bürgerlichen Fraftionen in wohlberech etwa eine Woche vorher aus dem Virchow- Krankenhause als Leicht- Magistrat zu befürworten. Stadtichulrat Dr. Fischer machte in der neter Absicht früher abgelehnte, sozialdemokratische Anträge etwas tranfer hierher überwiesen worden war. Er sollte wohl nach dem Sigung Mitteilung von dem Urteil des Geh. Regierungsrats abgeändert wieder neu einbringen und damit den Anschein erwecken Berliner Erziehungshaus zu Lichtenberg, von wo er gekommen war, Profeffor Dr. Hermann Kretzschmar über den Gesangunterricht an wollen, als sei die Anwesenheit der Sozialdemokratie im Reichstag den Berliner Gemeindeschulen. In einem Aufsatz über Die überhaupt überflüssig. Wie notwendig sie aber gerade ist, zeigte zurüdtransportiert werden. Vermutet wird auch, daß er eine Gefängnisstrafe zu verbüßen hatte. Ob es nötig war, ihn überhaupt Reformen des Schulgesanges in Preußen", sagt Geheimrat Kretschmar Referent sodann bei der Besprechung aller seit 1912 vom Reichstag 1. a.: Es gibt Dörfer nud Städte, wo die älteren Schulkinder selbst behandelten Gesebentwürfe, deren Ausbeute für die Arbeiterklasse durch Polizei abholen zu lassen, kann dahingestellt bleiben. Das dem" Heil dir im Siegerkranz" in rhythmischer Genauigkeit und allerdings nur als eine sehr minimale bezeichnet werden fönne. aber war sicherlich nicht nötig, Schuleute in Uniform nach reiner Intonation, in der Aussprache und Klangschönheit fehr viel n längeren Ausführungen behandelte Referent schließlich noch die dem Krankenhaus zu schicken. Auch ein paar Kriminalbeamte in Zivilkleidung hätten wahrscheinlich genügt, eine etwa zu befürchtende schuldig bleiben, wo die zwei Stunden Schulgesang als verlorene Abstimmung der Fraktion bei der Besoldungsordnungsnovelle für Flucht des jungen Mannes zu verhüten. Es läßt sich denken, daß Seit erscheinen. Hört man dann aber eine der berühmten Massen- die Unterbeamten. Die ablehnende Haltung der Frattion sei hier die beiden uniformierten Beamten, sobald sie an dem Bortier aufführungen Berliner Schulkinder, so steht man vor wundervollen, in dem Moment eine Selbstverständlichkeit geworden, als entgegen häuschen bemerkt wurden, in der Anstalt ein nicht geringes Auf- unvergeßlichen Kunstleistungen und kann sich durch den Besuch irgend- den einstimmigen Beschlüssen der Budgetfommission und des Plefehen erregten. Obwohl im Garten der Anstalt um diese Zeit viele einer Berliner Gemeindeschule leicht überzeugen, daß jener Gesang mums in der dritten Rejung einzelne Beamtenfategorien zum Scha der 6000 kein Triumph des Drills, sondern daß er die Frucht einer den anderer herausgehoben werden sollten. Den Parteigenossen weilten, legten fte dem in Empfang ge= gegenüber, die gerade von dieser Haltung einen Rückschlag auf die nommenen Arreftanten sogar Fesseln an. Stranke, die Beugen richtigen Methode war. dieses Vorganges waren, gerieten in Erregung und äußerten Ein schwerer Bauunfall hat sich vorgestern bei den Bichelsberger Beamtenwähler befürchten, sei zu bedeuten, daß wir unsere Haltung sie in entrüsteten Worten. Das veranlaßte einen der Schußleute, Wasserwerfen ereignet. Dort war bei einem Neubau der Arbeiter niemals davon abhängig machen können, ob wir einzelne Schichten einem Kranten zu drohen, er werde ihm, wenn er nicht still sei, Friedrich Schustafowski, Stralauer Blak 11/12 wohnhaft, beschäftigt. der Wähler verlieren oder gewinnen. Der Haß des Bürgertums, „ etwas anderes zeigen". Wen trifft die Schuld, daß Polizei im Als er in einer Höhe von etwa fünf Metern, auf einem Gerüst der allen Verhandlungen des Reichstags seinen Stempel aufdrückte, Krankenhaus so auftreten durfte? Hat der Leiter dieser Anstalt stehend, arbeitete, trat er fehl und stürzte rücklings in die Tiefe. habe dann zum Schluß noch einmal Orgien feiern fönnen beim oder sonst eine für die Leitung verantwortliche Person davon Sch. erlitt eine Schädelbruch und Brüche mehrerer Rippen, sowie Sißenbleiben der Fraktion in der Schlußsizung. Die Vertreter der gewußt, daß der Fürsorgezögling durch Polizisten abgeholt schwere innere Verlegungen. Er wurde in hoffnungslosem Zustande bürgerlichen Barteien scheinen freilich ganz vergessen zu haben, daß ihre Väter zu anderen Zeiten, als noch wirklich demokratischer Geist werden sollte? Hätte nicht die Polizei nachdrücklich darauf auf nach dem Krankenhaus Westend geschafft. bei ihnen vorhanden war, noch in ganz anderer Art und Weise auf mertiam gemacht werden müssen, daß an solcher Stätte Der Segen der Fangvorrichtung. Die seit einiger Zeit an fast getreten seien. Die eigenen Parteigenossen aber, die in der gegen jedes Aufsehen und jede Erregung verhütet werden muß? Acht Tage vorher war derselbe Fürsorgezögling allen Straßenbahnwagen der„ Grozen Berliner" angebrachte Schutz- wärtigen Hetze gegen die Partei aus diesem Anlaß noch Wasser aus dem Virchow- Krankenhaus zusammen mit 9 anderen von dort vorrichtung hat sich vorgestern wiederum in zwei Fällen bewährt. auf die Mühlen der Gegner leiten, scheinen jedes follegiale und überwiesenen Kranken durch einen einzigen Krankenwärter nach dem Vor dem Hause Adalbertstraße 19 wollte der 63jährige Rentier Solidaritätsgefühl verloren zu haben. Leichtkrankenhaus geführt worden, ohne daß jemand eine Flucht be- Jagusch unmittelbar vor einem herannahenden Straßenbahnwagen Wir haben stets betont, und betonen dies auch heute noch, daß wir fürchtet zu haben scheint. Warum gings denn da, ohne daß Polizisten der Linie 45 das Gleis überschreiten. Der Fahrer vermochte auf republikanisch gesinnt seien und wir haben das Recht hierzu selbst so furze Entfernung hin den Wagen nicht mehr rechtzeitig zum im gegenwärtigen monarchischen Staate. Diese ganze Hebe jolle und noch dazu uniformierte und mit Revolvern bewaffnete Halten zu bringen, und so geriet. unter den Vorderperron, wo- doch nur dazu herhalten, neue Handhaben zu finden, um der Arihm das Geleit gaben! durch die Schutzvorrichtung ausgelöst wurde, von der der Verunglückte beiterschaft in anderen Beziehungen die Kandare anlegen zu können. Mit der Sperrung einer Mietskaserne im Dsten von Berlin aufgefangen wurde. J. erlitt eine leichte Kopfverlegung und konnte und wenn das Weltblatt des Teltower Kreises, das antliche ArcisIn der Kaiser Friedrich- blatt", als Sühne für die unerhörte Beleidigung"( das Eizen hatte sich die Armendirektion in ihrer legten Sizung zu beschäftigen. sich selbst nach seiner Wohnung begeben. Die Sperre war auf Betreiben der betreffenden Armenkommission Straße in Neukölln lief die 4jährige Erna Balfe kurz vor einem bleiben) für den Herbst dieses Jahres auch die Auflösung des Reichsverhängt, da in dem Hause 40 Almosenempfänger und auch einige herannahenden Straßenbahnwagen der Linie V auf das Gleis und tags in sichere Aussicht stelle, jo sehen wir ihr, wie frets, mit fröh ertra unterstützte Personen ihren dauernden Aufenthalt genommen wurde umgestoßen. Die Kleine geriet ebenfalls unter den Vordernur: Vorwärts, vorwärts! Durch Kampf zum Sieg! hatten. Gegen die Sperre hatte der Besizer des Hauses bei der perron, wurde aber von der Schutzvorrichtung aufgefangen und kam lichem, frischem Mute entgegen. Für uns heiße es auch in Zukunft Direktion Beschwerde erhoben und den Nachweis geführt, daß von so ohne jede Verlegung davon. Kranke Polizeibesuch im Krankenhause. " den 40 Almofenempfängern die große Mehrzahl aus Frauen Das staatsgefährlichr Rot hat es, so schreibt man uns, wieder bon über 60 Jahren bestehe, dieselben schon viele Jahre im einmal der Polizei angetan. Als am bergangenen prächtigen Soms ( Stürmisches Sehr richtig!) Die 1% stündigen Ausführungen wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. Eine Disfussion fand nicht statt. Einstimmige Annahme aber fand eine Resolution, die sich mit der Haltung der Graftion Beim Kaiserhoch emver standen ctlärt und diese Haltung für bsdeu tend würdiger halt, als das bisherige Hinauslaufen.— Sodann erledigte die Versammlung die im Mai zilrückgestellte Wahl des Genossen Kiesewetter zum Viertelsführer des 2. Viertels ohne Debatte.— Genossin L i e t sch verwies auf das am Sonntag, den 5.. Juli, als Einleitung der Ferierrspiele auf dem Sperber- Sportplatz sKöllnische Wce) veranstaltete Anspielen und ersuchte um regste Beteiligung.— Genosse Preutz ersuchte als Vertreter deS Arbeiter-SportlartellS, auch die wahrscheinlich am 12. Juli stattfindende Einweihung des auS städtischen Mitteln ge- fchaffenen Sportplatzes an der Grenzallee recht zahlreich zu be» suchen, da hierzu auch die Arbeitersportler eingeladen sind und hier- bei mit an erster Stelle stehen werden.— Es folgte sodann die Be- ratung einiger am IS. Mai zurückgestellter Anträge. Ein Antrag des Vorstandes-»Vom 1. Oktober ab ist die„Neue Zeit" den Funktionären sBorstand, Bezirksführern, BezirkSführerinnen, Be- zirkskassierern, Zahlabendleitern und den Mitgliedern diverser Kofri- Missionen) gratis zu liefern", fand einstimmige Annahme.— Ein Antrag Schubert:„Mitglieder, die wegen Schulden gestrichen war- den sind, haben, wenn sie sich wieder zur Neuaufnahme melden, als Strafe mindestens 2 oder 3 Monatsbeiiräge zu zahlen, ehe sie wieder in die Organisation aufgenommen werden können", den der Antragsteller begründete, wurde, nachdem der Vorsitzende sich dagegen gewandt, abgelehnt.— Angenommen wurde ferner ein Antrag des Bezirks 15 Tagegen beruhen unsere Aussichten für das nächste Jahr- Zehnt, ja wahrscheinlich darüber hinaus, darauf, daß wir diese Volks- feindliche Sammlung hintertreiben, daß wir der politischen und kirchlichen Reaktion eine frciheitssreundliche Sa mm- *) Meine von verschiedenen Seiten bezweifelte Mitteilung über die Auffassung, die Bebel noch 1313 bjs zum Ende seiner parlamen- tarischen Tätigkeit von dieser Frage gehabt hat. beruht auf einer Aeußerung Bebels nach der mehrfach erwähnten letzten von ihm geleiteten Fraktionssitzung, in der die Beibehaltung der bisherigen Praxis beschlossen wurde. Diese Aeußerung ließ nichts weniger »rkemien als eine»Enttäuschung" Bebels durch den Beschluß. I l u n g entgegenstellen. Oder weiß jemand etwas anderes wirksames iiu empfehlen?— Natürlich würden wir auch mit Hilfe solcher Koalition nicht ehestens einen sozialistischen Zukunftsstaat errichten können, und auch die freiheitlichen und sozialen Reformen würden angesichts der Stellung unserer Bundesgenossen von rechts zu diesen Fragen und des unter deit Verbündeten Regierungen herrschenden Geistes nur stockend vorwärtskommen. Aber eine durch Koalition ge wonnene halbe Macht ist immer besser als eine intransigente Ohn- macht. Auch von agitatorischen Gesichtspunkten aus; denn wir dürfen dem Volke nicht das Schauspiel bieten, daß die größte Partei, der es sein Vertrauen geschenkt hat, nicht das geringste zum Schutze seiner Rechte erreichen kann. Mit Reden und Anträgen allein kann eine kleine Sekte wirken, an deren Zukunft man glaubt. Von einer großen Partei verlangt das Volk Gegen- wart, Leistungen, Erfolge; und ganz mit Recht! Die Kaiserhochaffäre hat nun die Hoffnungen aller Scharf- wacher schwellen lassen. Es ist eine Irreführung, wenn jetzt den Genossen erzählt wird, die Demonstration hätte wie eine Bombe gewirkt, hätte erzieherische Folgen gehabt, hätte die Gegner in blassen Schrecken versetzt usw. Das Gegenteil ist der Fall: Die ärgsten Feinde des Volkes geben sich gar keine Mühe, ihre Freude über diese ihnen so gelegene Aktion unserer Partei zu verbergen Haben wir wirklich Grund, stolz zu sein auf einen Schritt, der uns nicht das geringste nützt, aber den Gegnern das Schreien nach Ausnahme- und Maulkorbgesetzcn, nach Einigung aller bürgerlichen Elemente, nach einer Reichstagswahl unter dem Feld- geschrei„Das Vaterland in Gefahr" erleichtert?— Die Konservativen und Zentrumsleute samt ihrem rechts nationalliberalcn Anhang haben auch nie verhehlt, wovor sie sich am meisten fürchten, nämlich vor einer Wiederholung und einem Ausbau des bei den letzten Wahlen zum erstenmal versuchten planmäßigen Zusammeüwirkens der Sozial- dcmokratie mit der bürgerlichen Linken bei den Wahlen, wovon allerdings ihre Herrschaft einen völligen Zw sammenbruch zu erwarten hätte. Mag man nun zehnmal beweisen, daß die Fraktion aus wer weiß wieviel Gründen berechtigt ge- Wesen wäre, auf ihren Stühlen sitzen zu bleiben, oder daß sogar eine sehr große und schöne Gesinnung sich darin offenbarte, so fragt sich doch: war es wirklich klug, von diesem Rechte Gebrauch zu machen zu einer Zeit, wo es uns die notwendige Wahltaktik er- schwert und den Volksfeinden einen Stein vom Herzen nimmt?— Daß solche Schädigung unserer Wahlarbeit eintreten wird, gibt die„Leipziger Volkszeitung" zu. Dasselbe gilt aber auch von unserer Stellung im Reichstage. Aus diesem Grunde und nicht aus Zimperlichkeit habe ich darauf hingewiesen, daß die parlamen tarische Zusammenarbeit erschwert wird durch Demonstrationen, die den größeren Teil des Hauses unnötig in seinen Gefühlen ver- letzen. Es ist nun einmal nicht anders: Wenn vierhundert Leute verschiedener Ansichten in einem Saale miteinander arbeiten wollen, so muß man zu den sachlichen Schärfen, die in keiner Weise abgestumpft werden dürfen und sollen, nickt überflüssige Verschär- fungen der Forni hinzufügen. Ich bin überzeugt, daß das alle Genossen sehr wohl verstehen; halten doch gerade die Arbeiter in den Versammlungen mit weitgehender Strenge auf parlamentarische Korrektheit. Nun ist dies Kaiserhoch eine alte, eingebürgerte Sitte, eine Kundgebung, die der staatsrechtlichen Stellung derjenigen Per sönlichkeit gilt, der nun einmal nach Art. 11 der Verfassung„das Präsidium des Bundes zusteht". Es ist gewiß eine überflüssige itte, aber eine, die bisher nur alle paar Jahre einmal zur An- Wendung kam, und noch lange nicht so abgeschmackt, wie sehr vieles in anderen Parlamenten. Fast 53 Jahre sind verflossen, seit Sozialdemokraten im Reichstage sitzen, und nie hat einer diesen Gebrauch durch etwas gestört, das lgleichgültig, was bcab- sichtigt war) von der Mehrheit als Demonstration gegen eine von ihr dem Rcichsoberhaupt gewidmete Förmlichkeit empfunden werden konnte. War es 47 Jahre lang nicht gegen die Ehre der Partei, diese Kaiscrovation nicht zu stören, so wäre es wohl auch noch weiter in der alten Weise gegangen. Man hat dagegen angeführt, die Mchrheitspartcicn sollten doch auf unsere Gefühle Rücksicht nehmen und im Reichstage solche Kundgebungen ihrer Gesinnung unterlassen. Aber dos ist nur ein Schcingrund, denn sie sind eben die Mehrheit, und sie zwingen uns ja nicht, in ihr Hoch einzustimmen, was freilich eine Vergewaltigung wäre. Außerdem cntsprickt ihr Vorgehen tatsächlich den Verhältnissen des staatsrechtlichen Gebäudes, von dem das Parlament einen Teil bildet; so aufgefaßt enthält eine so cltcne, nicht eigens zu unserer Kränkung herbeigezogene Ovation nichts, das unsere Gefühle verletzen könnte. Der„Vorwärts" pries das Sitzenbleiben anfänglich als Pro- test gegen die schlechte Rcgicrungspolitik, dann als Mittel zur Bc- kämpfuug des Byzantinismus. Die Vcrquickung des persönlichen Regiments mit konstitutio- ncllcn Formen ist freilich ein Grundübcl unseres noch halbfeudalen, niemals ehrlich» bürgerlich, geschweige denn demokratisch gewordenen Staatswesens. Aber man bessert die Uebel nicht, indem man sich einer Phraseologie anbequemt. Wenn der ScheintonftitutionaliS- mus jeden Erfolg der Nation dem Herrscher als persönliches Ver- dienst anrechnet, dient dies den Zwecken des Byzantinismus; wenn aber die Sozialdemokratie den Kaiser für die verfehlte Regierungs- Politik verantwortlich macht, so verfällt sie derselben Unklarheit, ja üe verleugnet die Grundgedanken der Marxschen Gcschichtstheoric und sie schädigt ihre eigenen Interessen, die eine strenge Ausein- andcrhaltnng von Staat und Dynastie erheischen. Zur Bekämpfung des Byzantinismus haben wir andere Mittel und haben— denke ich— es nie an ihrer Anwendung fehlen raffen. Das Uebel der geschmacklosen, heuchlerischen und unwürdi- gen Anhimmelung der Fürstenhäuser hat seine Wurzel im Gefühls- leben und ist deshalb nicht so leicht auszurotten. Berechtigte Emp- ändungcn der Liebe zurti Baterland und zum eigenen Volke ver- binden sich darin mit völlig schiefen Vorstellungen von den wirk- lichen Leistungen der Dynastien. Gefühlsmäßiger Personenkult ist immer bequemer als sachliche Würdigung. Diese Verwirrungen unentwickelten Geistes löst man jedoch nicht mittels Ohrfeigen; als olcke aber empfinden die noch in diesen Ideen Steckenden die Störung ihrer Ehrfurchtsbezcugung. Auf diese Art wird kein Mensch gebessert und aufgeklärt und keinem etwas gesagt; denn daß wir Sozialdemokraten keine byzan- tinischen Empfindungikn haben, brauchen wir doch wahrlich nicht mehr zu beweisen. Und mit der„Betonung des republikanischen Eharakters der Partei", worin die„Leipziger Volkszeitung" den Wert der Tat ieht. steht es nicht besser. Die Republik ist gewiß eine ideale StaatSform, die einzige, die sich vernunftgemäß begründen läßt; und tausend Dinge, die wir in Deutschland erleben, sind nicht an- getan, die monarchische Staatsform zu rechtfertigen. Aber ver- nünftige Ideen vertritt man mit Vernunftgründen, nicht mit einer Handlung, die schon rein in ihrer äußeren Erscheinung mit Gedanken nichts zu tun hat. Außerdem liegt die Her- stellung der Republik im Deutschen Reiche gegenwärtig und für lange Zeit so außerhalb aller absehbaren Möglichkeiten, daß sie wirklich nicht Gegenstand unserer Tagespolitik ist. Es gibt doch keine deutschen Sozialdemokraten mehr, die es für eine Aufgabe unserer heutigen Politik hielten, die gegenwärtige Staatsform mit Eine solche Notwendigkeit scheint allerdings der„Leipziger! Volkszeitung" vorzuschweben, wenn sie schreibt, daß die Politik der Partei auch auf die nicht materiellen Bedürfnisse der Anhänger Rücksicht nehmen müsse. Ich bin nun der letzte. der die Erheblichkeit solcher seelischer Faktoren in der Politik be- stritte. Zeigt die Rcgicriingspolitik den Anhängern unserer Partei unaufhörlich, daß sie außerhalb des Rechts stehen, wird schon der Verkehr mit ihnen als infamierend behandelt, wird ihnen jede notwendige, uneigennützige, edle Arbeit kür ihr und ihrer Familien und Klasscngenossen Wohl und Ideale durch Willkür und Unter- drückung vergällt, so begreife ich es vollkommen, daß es Genossen gibt, die sich freuen, wenn auf alle diese fortgesetzten Niederträchtig- kciten derb geantwortet wird, lind nachdem wiederholt gerade Mitglieder regierender Familien sich in den kränkendsten Worten über die Sozialdemokratie geäußert haben, ist es schon begreiflich, daß der Wunsch sich regt, eine Antwort auch gerade an die Dynastie als solche zu richten. Das ist der einzige Zusammenhang, der hier mit dem„Klassenkampf" konstruiert werden kann. Aber wenn ich dies alles zugebe, so steckt in der Aktion und ihrer Gutheißung eben doch ein Irrtum, der durch einen Teil der jetzigen Erörterungen in der Partei verstärkt wird. In Wahrheit wirkt dies Sitzenbleiben beim Kaiscrhoch gar nicht als eine derbe, kraftvolle Antwort. Der Akt sieht nicht einmal so aus, sollte auch, wie wir von Genossen Dittmann wissen, gar nicht so aufgefaßt werden, sondern wird nur nachträglich auf dem Zcitungspapier so ausgeschmückt. Und ferner: so starke Bedeutung solche Geftihlsmomenke als Triebkraft zum politischen Handeln haben, dies Handeln selbst muß immer durch den Verstand reguliert sein, durch Berechnung des dadurch zu Erzielenden und seiner ungewollten Folgen. Auch die schönste Befriedigung des berechtigten Gefühls wird eine politische Torheit, wenn sie der Sache schadet. Man denke auch nicht, daß cS ein weniger starkes Empfinden, eine geringere Entrüstung über unsere unerträglichen Verhältnisse verriete, wenn wir solche Ge- fühlsausbrüche unterlassen; es beweist nur mehr Selbstbeherrschung und Verantwortlichkeitsgefühl, also mehr politischen Sinn. Ich möchte wahrhastig auch manchmal lieber meine Entrüstung aus- toben; aber das Vergnügen Fensterscheiben einzuschmeißen wird etwas teuer, wenn es die eigenen sind. Wenn man der großen Masse der Genossen dies deutlich sagte und ihnen klar machte, wie der Vorgang geschadet und die Arbeit unserer schlimmsten Feinde erleichtert hat, in welche Schwierigkeiten und unmöglichen Konsequenzen die Partei hinein- getrieben wird, wieviel wirksamere Formen es andererseits gibt, um an unseren politischen Zuständen, am persönlichen Regiment und dem Servilismus der Philister scharfe Kritik zu üben, so zweifle ich nickt einen Augenblick, daß die meisten Genossen, namentlich die Arbeiter, die so oft im Leben genötigt sind, sich den äußeren Tatsachen anzubequemen, mit der ihnen eignen Ruhe sagen würden:„Na dann nicht!"— Die Konsequenzen des Vorgangs sind in der Tat ganz un- auSdenkbar. Auf meine Frage, ob diese Demonstration fortgesetzt werden solle, bis unsere Ansprüche auf Gerechtigkeit befriedigt sind, ob es dann nicht nötig wäre, je nach dem größeren oder geringeren Entgegenkommen der Rcgierungspolitik Abstufungen eintreten zu lassen, habe ich noch keine Antwort bekommen. Niemand hat widerlegt, daß solche Kundgebungen, regelmäßig wiederholt, zu völlig leeren Formen werden, selbst wenn sie äußerlich eindrucksvoller und aktiver aussehen als diese./ Ferner aber: soll es Pflicht für die Genossen werden, die- selbe Demonstration auch in allen Landtagen, Gemeindcvcrtrc- tungen, Stadtverordnetenversammlungen, und wo sie sonst gerade sind, regelmäßig auszuführen?— Oder ist das nur Pflicht, wo die parlamentarische Immunität vor unangenehmen Folgen schützt? — Das wäre doch wohl wenig prinzipienfest. Und wenn(worüber die Reaktionäre beraten) die Verpflichtung zur Teilnahme an solchen Kundgebungen für alle im Saal befind» lichen Mitglieder des Hauses in der Geschäftsordnung festgelegt würde; sollen wir dann gezwungen wieder zu dem alten Ver- fahren zurückkehren?— Wäre das Ivürdigcr, als wenn wir es nie verlassen hätten?— Oder sollen wir dieser Förmlichkeit größere Bedeutung beilegen als dem Eid auf die Verfassung mit allen seinen monarchistischen Klauseln, dem sich unsere Genossen überall an- bequemen, wo er staatsrechtlich erfordert wird? > Von welcher Seite man diese unglückliche Aktion auch ansieht, sie bringt die Partei in Schäden und Schwierigkeiten, sie ist un- logisch und niemals konsequent durchzuführen. Diente sie nun gar, wie Dittmann behauptet, überhaupt nicht einer Demonstration, sondern sollte sie nur den nicht sehr erbebend anmutenden plötzlichen Massenabmarsch ersparen und vor lieber- rumpelungen schützen, so war sie erst recht solche Folgen nicht wert, denn beide Ergebnisse hätten sich auch auf andere Weise leicht er» reichen lassen. So ist und bleibt die ganze Maßregel ein verunglücktes, ver- worrcncs Unternehmen; es hat die Partei in eine Sackgasse hinein- getrieben, aus der ihr herauszuhelfen die Pflicht jedes Genossen iit. Verständlich und zu rechtfertigen wäre der Akt seiner Wir- kungen wegen nur, wenn eben diese Folgen gewollt wären, wenn die Absicht bestünde, die Partei vor jeder Zusammen- arbeit mit anderen bei den Wahlen und im Parlament fcrnzu» halten, sie zu isolieren, sie auf eine Politik ohnmächtiger Proteste, auf eine inhaltlose Jntransigenz festzulegen. Und wenn man(da dies, konsequent durchgeführt, die Vertretung der Partei im Reichs- tage, den Landtagen und den Kommunen lahmlegen und die Unter- drückungspolitik der Gegner fördern würde) einer politisch nieder- geworfenen Sozialdemokratie die moralische Kraft und den Rück- halt im Volke zutraute, die nötig wären, um auf dem Wege der e w a l t das zu versuchen, was ihr auf dem Wege der Agitation nicht glückte. Das wäre der Weg, auf dem die reaktionären Gewaltmenschen die Sozialdemokratie gern sehen möchten, von dem aber alle unsere Vorkämpfer die Partei zurückgehalten haben, selbst der Schmach des Sozialistengesetzes gcgeniibcr. Ich glaube versickern zu können, daß unter den 52 Genossen, die für das Sitzenbleiben beim Kaiscrhoch gestimmt haben, auch nicht einer ist, der solche Absichten hätte. Um so eher kann ich ügen, daß ibr Beschluß wenig gut überlegt war. Ein Versuch, diese .neue Taktik" zu verewigen und jeden Sozialdemokraten zur Bc- teiligung daran zu zwingen, würde daraus erst das machen, was ie gar nicht sein sollte, nämlich eine fortgesetzte, alle anderen Par- teicn gegen die Sozialdemokratie aufreizende und zusammen- ührendc Störung der parlamentarischen Gepflogenheiten. Die Bindung der einzelnen Mitglieder würde nun gar einen ganz undenkbaren Zustand schaffen. Als einige Genossen bei den Abstimmungen über die Elsoß-Lothringischc Verfassung und über die Erbanfallsteuer sich von der Abstimmung ferichielten, hat kein Mensch ihnen«inen Vorwurf daraus gemacht, obgleich es sich da- mals um wichtige politische Unternehmungen der Partei und prak- tische Ergebnisse handelte. Um wieviel weniger kann m«�-' jemand zwingen, an einer bloßen Demonstration teilzunehmen! Wolfgang Heine. *• ♦ Den Takt," sagt Genosse Heine,„verlange ich allerdings von Politikern, daß sie fühlen, was ihre Sache fördert und was sie Waffengewalt zu stürzen; dies aber wäre die Voraussechung der schädigt.'' Jawohl! Und deshalb ist es ein durchaus berechtigte« liegende" praktisch' denkbare,' durch dw'geg�nwärUgen w.rffchaftUcheu! �°ng°". daS mit vereinzelten«usnahmen die ganze Partei an und politischen Machtverhältnisse gegebene Ziele und Aufgaben'hfeverantwortlichen Politiker stellt daß ge nicht zur Zeit ei gesetzt. Die Arbeit für diese ist jetzt das Wichtige. Deshalb- begpielloS verlogenen Hetze auch noch gegen die Haltung der Part« cheint mir auch eine Demonstration ftir die Republik jetzt nicht � Stellung nehmen, statt den Gegnern entgegenzutreten. Wenn Ge- so unerläßlich, daß es zil rechtfertigen wäre, ihretwegen der Partei, nosse Heine freilich sich Nutzen von der Wirkung seines Auftretens politische Schwierigkeiten zu schaffen. i verspricht, so fehlt unS für eine solche Jllusionsfähigfeit jedes Ver- siäiidnis. Die Gegner werden seine harte, falsche und ungerechte tlritik rücksichtslos für ihre Zwecke benutzen, ohne sich um die Motive oder auch um die Einschränkungen Heines zu kümmern. Aber wir sind stark genug, um mit unseren Gegnern fertig zu iverden, selbst wenn sie aus den Reihen der eigenen Partei zwar nicht beabsichtigte, aber ihnen sehr erwünschte Unterstützung finden, und wir sind stolz genug, die Toleranz und die Meinungsfreiheit, die in unserer Partei herrscht, Freund und Feind zu demonstrieren, selbst wenn wir nieinen, daß der Gebrauch in manchen Situationen sehr au Mißbrauch grenzt. Und nun zu den Ausführungen Heines selbst. Mit einigem Erstaunen werden wohl die meisten Parteigenossen diese Schwarz- malerei gelesen haben. Glaubte man Heine, so würde ein an sich wirklich nicht weltbewegendes Ereignis, wie es die Aenderung der Art der Nichtbeteiligung an einer höfischen Kundgebung ist, die schwersten politischen Folgen nach sich ziehen. Die Sozialdemokratie wäre völlig isoliert, jedes Zusammengehen mit bürgerlichen Parteien für alle Zukunst unmöglich, die Gewinnung neuer Anhänger unter- Kunden, die Bahn frei für alle von den Scharfmachern gewünschten Ausnahmegesetze. Und das alle?, weil unsere Fraktion ihrer republikanischen Ge- sinmlng einen anderen— wie wir glauben— würdigeren Ausdruck gegeben hat! Der französische Lustspieldichter S c r i b e läßt einen blutigen Krieg aus einem— Nasenstüber entstehen. Genosse Heine schreibt keine Komödien, aber die erste Wirkung seines Artikels auf die Masse der Parteigenossen wird kaum eine andere sein, als die einst Scribe auf unsere Väter ausübte. In der Tat, es fällt trotz allem und trotzdem wir wissen, daß aus Heines Artikel ja wirklich ernste Sorge spricht, es fällt trotzdem schwer, bei diesen Debatten ernst zu bleiben. Man denke sich nur folgendes: Die sozialdemokratische Fraktion wäre bisher bei dem Kaiserhoch stets auf den Plätze» geblieben; nun beschlösse sie, ihre Nichtbeteiligung schärfer zu betonen und den Saal zu verlassen. Ja, zweifelt denn jemand, daß alsdann dieselbe verlogene Hetze losgegangen wäre, daß die konservativen Jnteressenpolitiker nicht dasselbe heuchlerische Spiel getrieben hätten? Und eine Partei, wie die deutsche Sozialdemokratie, sollte sich wirklich dadurch ein- schüchtern lassen und ein reumütige? xator peceavi, Vater, ich habe gesündigt, stammeln? Die Frage stellen, heißt sie beant- Worten. In Wirklichkeit sind die Befürchtungen Heines maßlos über- trieben. Aber träfen sie zu. würde wirklich die konservative Hetze solche Erfolge zeitigen, dann wäre da? für uns erst recht kein Grund, dem Kampf auszuweichen. Denn hätte Heine recht, wäre Deutschland wirklich noch so sehr die politische Kinderstube, wären die Massen so haltlos und unreif, dieses Spiel ihrer Todfeinde nicht zu durchschauen, dann müßte erst recht dieser Kampf ausgefochten werden, dann müßten wir uns mit aller Energie dieser Aufklärungs- arbeit unterziehen, um wenigstens für die Zukunst vor Enttäuschungen und Rückschlägen sicher zu sein. Heine sieht aber Gespenster. Die sozialdemokratischen Massen in Deutschland wissen, daß ihre Partei republikanisch ist, sie wollen keine Verhüllung ihrer Ziele, und was sie verlangen, ist nicht ängstliche Rücksichtnahme auf die immer rücksichtsloser werdenden Gegner, sondern Verschärfung des Kampfes und stürmischeres Vor- gehen. Heine gelangt allerdings zu seiner Stellungnahme aus Auf- fassungen heraus, die der großen Mehrheit der Partei— und auch der Fraktion— völlig stemd sind. Er besorgt, daß unsere Bewegung einen Rückschlag erleide, wenn sie nicht den Massen unmittelbare, greif- bare, positive Erfolge bringen könne. Diese Sorge ist so alt wie die sozialdemokratische Bewegung selbst und sie erfüllt nicht nur sehr rechtsstehende Genossen, sondern manchmal auch sehr linksstehende. Und sie verführt beide zu— im Grunde genommen wesensgleichen— falschen Schlußfolgerungen. Ist die Situation für die Er- ringung von Erfolgen ungünstig, so schieben sie die Schuld auf taktische Maßregeln. Meinen die einen, wir müßten die Gegner durch größere Zurückhaltung zu Zugeständnissen geneigter machen, so glauben umgekehrt die anderen, daß nur die allzn große Behutsamkeit der Taktik die Schuld an dem langsamen Tempo unseres Vormarsches trage. Die marxistische Auffassung hat diesen Wunderglauben an die Taktik nie geteilt. Für sie war immer das entscheidende die Situation, der die Taktik angepaßt werden muß, und nicht die Taktik, die angeblich die erwünschte Situation herbeiführen kann. Sie hat deshalb immer und immer wieder den Massen einzu- prägen versucht, daß innerhalb des Kapitalismus der Spielraum für Erringung von Reformen nur ein begrenzter ist und daß keine Taktik irgendwelcher Art daran viel ändern kann. Gerade deshalb sind wir ja Sozialrevolutionäre und nicht Sozialreformer, die sich ein- bilden, schon innerhalb deS Kapitalismus freie Bahn für die Durch- führung immer weiterer Reformen zu haben. Deshalb haben wir auch den Mafien immer gesagt: Mit der Macht der Sozialdemokratie wächst zugleich der Widerstand, die Or- ganisasion und der Abwehrwille der Gegner. Die Entwicklung ver- läuft nicht so, daß mit Zunahme unserer Macht die unserer Gegner ausgehöhlt wird. Sondern es handelt sich um den Kampf zweier in immer festeren Organisationen zusammengeschlossener Machtzentren. Gerade unser Wachstum hindert die Gegner an Zugeständnissen. Nicht auf einzelne positive Erfolge, so erstrebenswert sie sind, können wir unter allen Umständen rechnen, sondern auf das Wachsen und das Sammeln der Krast des Proletariats für die schließliche Durchsetzung seines Klafieninteresses, der Beseitigung des Kapitalismus. Deshalb lehnen wir auch jede Taktik der Zurückhaltung, des Ver- Hüllens unserer Ziele ab. Sie täuscht nicht unsere Gegner, sondern nur die Massen. Sie hindert uns an der Mehrung unserer Macht, an der Aufklärung unserer Anhänger, sie verdunkelt die klare Er- kenntnis der Interessen und Aufgaben der Arbeiterklasse. Und diese Politik ist nicht etwa nur richtig vom Standpunkt des sozialistischen Endziels, sie ist auch die ungleich p r a k t i sch e r e für die Gegenwartspolitik. Heine fürchtet den Erfolg der Sammlungspolitiker und Scharfmacher, weil die Fraktion sitzen geblieben ist. Ach nein! Diese abgebrühten Leute, die die Vorbereitungen für den neuen Fischzug bei dem Zolltarif durch die Knebelung der Arbeiterklasse treffen wollen, bekämpfen uns wahrlich nicht wegen unserer republi- konischen Gesinnung. Böte die Republik bessere Gewähr für Zoll- erhöhungen oder vermehrte Rüstungsprofite, sie wären alle begeisterte Republikaner. Sie kämpfen ihren Klassenkampf für Erhaltung ihrer Herrschaft und unserer Knechtschaft, und um den Borwand sind sie nie verlegen. Die Arbeiterklasse müßte nicht bloß auf die eine oder andere an sich nicht sehr bedeutende Demonstration verzichten, sondern sie müßte sich selbst aufgeben, um ihre Gegner zu versöhnen. Wenn diese Politik der Sammlung, für die starke Interessen der Befitzenden sprechen, Widerstände bei bürgerlichen Parteien findet, so nur dann und nur soweit, als sie die Macht der Arbeiterklasse hervorruft. Wenn die Fortschrittspartei diese Sammlungspolitik nicht mitmacht, so deshalb, weil sie durch ihr Interesse daran— zunächst wenigstens— gehindert wird. Sie muß einmal Rücksicht nehmen auf die großstädtischen Konsumentenschichten, auf die immer mehr Bedeutung gewinnende Klasse der Angestellten in Handel und Industrie, und sodann auf die gewaltige Stimmenmacht der Sozialdemokratie. Nicht weil wir unsere Politik abschwächen, sondern weil wir stark geworden sind, müssen andere Rücksicht auf uns nehmen. Machen wir selbst Konzessionen, stumpfen wir die Schärfe des Klassenkampfes ab, so— das beweise» die Mißerfolge der Großblockpolitik— schwächen wir uns nur selbst und fördern damit letzten Endes erst recht die Sammlungspolitik. Wir wollen schließen. Nur um die Auseinandersetzung über die grundsätzliche Motivierung, die Heine seiner Stellungnahme gab, war es uns zu tun. Der Anlaß selbst ist so kleinlich, daß wir darüber nicht viel Worte verlieren brauchen, und das um so weniger, als die Stellungnahme der Parteigenofien eine fast einmütige zu sein scheint. Die Gegener versuchen, die Stellungnahme der Fraktion zu einer Auseinandersetzung über die Frage der Staatsform zu gestalten, sie suchen nach Mitteln, das Bekenntnis zur Republik unmöglich zu machen. Wir begrüßen diese Auseinandersetzung als Gelegenheit, nützliche Aufklärungsarbeit zu verrichten, und warten die angedrohten Maßnahmen in aller Gemütsruhe ab. UnS jetzt über künftiges Verhalten zu äußern, lehnen wir als unpraktisch ab. Im übrigen: Bange machen gilt nicht. Wir wissen, daß wir in Zeiten verschärften Kampfes, gesteigerter Gegensätze leben. Das zu verhüllen, halten wir für zwecklos und schädlich. Je klarer die Mafien sehen, je weniger Illusionen sie sich machen, um so besser. Das Sitzen- bleiben wie das Verhalten unserer Vertreter zum höfischen Schnick- schnack überhaupt hat an sich keine große Bedeutung. Es gewinnt solche aber, wenn es zum Symptom taksischer Auffassung wird wie bei Heine, oder wenn es zum Anlaß eines konzentrischen Angriffs der Gegner auf Grundüberzeugnngen der Partei wird, wie es jetzt geschehen ist. Dann werden solche Demonstrationen Signale zu neuen Kämpfen. Das Signal ist unwichtig, aber um so wichtiger der Kampf, llnd in diesem Kampf wird die Partei— hinter sich in unerschütterlicher einiger Front die Mafien des arbeitenden Volkes— ihren Mann stellen wie bisher, so auch in Zukunst. Vor dem Ansturm der Gegner keinen Schritt zurück, sondern vorwärts! Ver denkmaisprozeß unö Sie klassenstaatliche Rechtsprechung. Dieses Thema beschäftigte am Dienstag zwei Partciversamm- lungen, von denen die eine im zweiten, die andere im sechsten Kreise stattfand. Der schöne Garien der Bockbraucrei am Tempelhoser Berg lockte an dem schönen Sommerabend die hcranströmendcn Massen zum Verweilen. Doch der Zweck des Kommens ivar nicht, rm Garten zu ruhen und der Erholung zu pflegen. Das Ziel der vielen Arbeiter und Arbeiterfrauen war vielmehr der große Saal der Bockbrauerei, in dem die Genossen des 2. Reichstagswahlkreises gegen die Klassenjustiz im allgemeinen und gegen das Urteil, das über die Charlottenburger DcnKimlbcschmutzer ge- fällt wurde, im besonderen zu protestieren. Man sah es den Frauen und Männern an, welche innere Erregung sie ergriff, als der Referent Genofie Dr. B r e i l s ch c i d aus dem ungeheuren Wust der ftlafsenurteile einige in die Erinnerung zurückrief. Die Urteile waren den Anwesenden zum großen Teil schon durch den„Vorwärts" bekannt und dennoch wirkte die Besprechung derselben erneut wie Peitschenhiebe. Besondere Entrüstung rief die Gegenüberstellung der milden Be- strafung von Soldatcnschindern hervor, die der Verletzung des Menschentums, ja der Gesundheit ihrer Untergebenen angeklagt sind, mit der ungeheuerlichen Bestrafung von Jahren Gefängnis für die Bcschmutzung toten Steins. Die Stimmung der Versammlung ließ es deutlich erkennen, wie verhetzt die Mafien sind. Verhetzt aber nicht durch die Sozial- bemökratie, sondern durch die, die solche Urteile fällen, sie billige« und zu noch immer größeren Ungeheuerlichkeiten auffordern. Tic Tetlersammlung wurde infolge einer Avregung aus der Versammlung den Angehörigen der Charlottenburger Opfer über- wiesen. « Im dichtbesetzten Saal des Pratertheaiers hielt Genosse L e d e- b o u r am Dienstag den zioeiten Vortrag der Serie, die der sechste Wahlkreis veranstaltet hat, um seinem Abgeordneten Gelegenheit zu geben, den Wählern einen Rechenschaftsbericht zu erstatten. Mit einer Besprechung des Ch arlottenburger Denk- m a l s p r o z e s s es begann der Redner, um dann an einer Reihe anderer Aufsehen erregender Urteile das Wesen des Klafienstaates und der durch Klassenvorurteile beeinflußten Justiz zu kennzeichnen. Daß die Worte„Rote Woche" an das Denkmal geschrieben wurden— sagte Genosse Ledcbour— ist, selbst vom bürgerlichen Standpunkt aus betrachtet, ein« Lappalie. Wenn man im bürgcr- lichen Lager diese Angelegenheit nicht als Lappalie behandelt, son- dern sie zu einer an Hochverrat grenzenden Handlung gestempelt hat, so hat das seine Ursache in der erneuten Verschärfung der Klassengegensätze und der offenkundigen Feindseligkeiten, die in allen Schichten des Bürgertums gegen die Sozialdemokratie zum Durch- bruch gekommen ist. Dem Einfluß solcher feindseligen Stimmung gegen die Sozialdemokratie können sich die Richter auch beim besten Willen nicht entziehen. Schon die Tatsache, daß die Bemalung des Denkmals in einem Bierlokal, also an einem öffenltichen Ort, ver- abredet wurde, beweist, daß die Teilnehmer keine andere Absicht hatten, als einen Ulk zu verüben, und daß keiner die Tat für so schwerwiegend hielt, wie sie nachher hingestellt und durch das Urteil gekennzeichnet worden ist. Dies unerhörte Sckreckcnsurteil steht so wenig im Einklang mit der Tat, daß man sagen muß: Die Angeklagten sind so schwer bestraft worden, nicht wegen ihrer Hand- lung, sondern weil sie Sozialdemokraten sind und weil man die ganze Partei durch das Urteil treffen wollte. Wenn wir auch das, was die Verurteilten taten, nicht gutheißen können, so sprechen wir ihnen doch unser Mitgefühl aus, weil sie nicht wegen ihrer Tat, sondern wegen ihrer Parteimitgliedschaft so hart bestraft worden sind.(Lebhafter Beifall.) Der Redner verwies auf eine Reihe von Fällen, wo ähnliche Denkmalsbemalungcn, ja noch viel schwere Ausschreitungen, von Studenten und sonstigen hoffnungsvollen Sprößlingen bürgerlicher und feudaler Väter mit auffallend milden Strafen davonkamen. Er erinnerte, um die das ganze öffentliche Leben beherrschenden Klassengegensätze zu illustrieren, an die bekannte Streikjuftiz: Die schärfste Verurteilung der geringsten Uebertretungen, wenn sie von Streikenden begangen wurden und im Gegensatz dazu die größte Milde bei der Beurteilung schwerster Ausschreitungen von Streu- blechern, was bei dem berufsmäßigen Streikbrcchcrtum die Ansicht entstehen ließ: Wir Arbeitswillige können einen totschlagen, uns passiert nichts.— Auch an die gerichtlichen Verfolgungen der Kritik an der Monarchie und am Militarismus erinnerte Genosse Lcde» bour. In diesem Zusammenhang berührte er das Frankfurter llrtcil gegen die Genossin Luxemburg und ihren gegenwärtigen Prozeß wegen Militärbeleidigung. In diesem. Falle wird der Ge- nossin Luxemburg zum Vorwurf gemacht, daß sie sagte, es vergehe kein Tag,"an dem sich nicht in irgend einer Kaserne ein Drama ab- spiele. Nun gibt der Staatsanwalt dem Worte„Drama" eine ganz falsche Deutung, wenn er meint, es sei damit gesagt, es müsse jeden Tag ein Soldat zu Tpde gequält worden sein oder infolge von Mißhandlimgen Selbstmord verübt haben. Ein derartiger Vorgang ist eine Tragödie. Drama bedeutet eine ernste Handlung im Gegen- satz zur Komödie, die heitere Vorgänge umfaßt. Aber der Staats- anwalt klammert sich an da? Wort.A�ama." Ter französische Staatsmann Tallcyrand sagte seinerzeit:„Gebt mir nur drei Worte von der Hand eines Menschen und ich bringe ihn an den Galgen." Heut braucht der Staatsanwalt nur ein Wort, um di: Angeklagte inS Gefängnis zu bringen. Man sieht, welche Fort- schritte die Anklagebchörde seit den Zeiten Tallcyrands gemacht hat.(Beifall.) Ferner verwies der Redner auf die unterschiedliche Behandlung von Vorgesetzten und Untergebenen vor den Militärgerichten. Auch hier bekundet sich der Klassengegensatz und die Verschärfung der itlafienurtcilc. Tie Regierung und die Vertreter des Bürgertums benutzen jede Gelegenheit, um die Klassengegensätze zu verschärfen und sie verlangen, daß die Sozialdemokratie, solange sie noch nicht unter Ausnahmegesetze gestellt wird, eine verschärfte Klassenjustiz zu kosten bekommt. Wird doch sogar das von serbischen Nationa- llsten in Sarajewo verübte Attentat von der„Deutschen Tages- zcitung", der„Post" und anderen reaktionären Blättern benutzt, um Untcrdrückungsmaßregcln gegen die Sozialdemokratie.zu fordern. Diese schamlose Hetze, so unbegründet sie auch ist, wird gegen uns wirken.— Wie hat man gegen uns gehetzt, weil wir am Schluß des Reichstages beim Kaiserhoch sitzen geblieben sind. Aus den schon öfter dargelegten Gründen konnten wir vor dem Hoch nicht hinausgehen. Diese Taktik war nicht mehr angebracht. Wir mußten im Saale bleiben und wen» wir darin bleiben, bleiben wir auch sitzen.(Stürmischer Beifall und Zustimmung.) Auch durch diese Hetze, die ja nur eine elende Heuchelei ist, läßt sich unsere Partei nicht irre machen. �Sic geht vorwärts, geradeaus bis zu ihrem endgültigen Siege.(Stürmischer Beifall.) Nachdem Blankenfcld persönliche Erfahrungen beim Denk- malsprozeß vorgetragen und der Vorsitzende Dobrohlaw die Versammlung mit einer zur unermüdlichen Agitation auffordern- den Rede geschlossen hatte, wurde die Tcllersammlung zu Gunsten der Familien der im Denkmalsprozcß Verurteilten fortgesetzt. Eingegangene Druckschriften. Illustrierte Länderkunde. Herausgegeben von E. Bans«. 5 M., geb. 6 SW. George Wcstcrmann, Braunschweig. In lusitanischer Sonne. Erzählung von Hedwig Wigger- Barsch. tLv M. geb. 2 M. L. Heege. Schweidnitz. Vit KW litt Saison- AusveMs in unserem SSammhause Am OranienpSatz Wir haben nochmals die Preise ganz bedeutend ermäßigt und wollen wir den Rest der Sommerwaren unbedingt räumen. Es bieten sich Gelegenheitskäufe, wie sich solche in dieser Saison nicht wiederholen werden. Einige Beispiele unserer Offerte: Blusen früher 10.50, jetzt Straßenbahnlinien: 5 11 12 18 19 20 27 28 29 30 47 48 56 58 65 93 95 98 119 R Kostüme I Mäntel 1 Kleider früher 48—, Jetzt 24�� i früher 36.—, Jetzt früher 34.— jetzt Kostüm-Röcke Jetzt 3®° R. M. MAASSEN Q. H. B. H. früher 8.25, Hochbahnsfation: Kottbuser Tor Autobuslinien: 11 24 B Berantwortlichcr Redakteur: Alfred Wiclepp, Neukölln. Zur tzeg Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin, Druck u.Verlag: Lorwärt? Buchdruckerei u, BerlagSanstall Paul Singer& Co.. Berlin SW. �kuH�izeuHe» erzählen, irfecmnitinwtcnb, daß die Mordbanditen, der Bomvenwcrjer ebenso wie der Gymnasiast, von den' jäh er- zürnten, zunächst stehenden Zuschauern mit pausten, Stöcken und was sonst gerade bereit war, strafend bearbeitet worden sind, bis die schnell zugreifenden Sicherheitsbeamten die Verbrecher in ihren Schutz nahmen. Man möchte das wiederum, wie schon friiher so manchesmal, lebhaft bedauern... •on Sarajewo hat sich das gesunde Empfinden und das Gcrechtig- teitsgefühl gegen unerhörte unmenschliche Greuel aufgebäumt. Warum setzt die Humanität immer ein, um den Verbrecher, die Bestie im Menschen, zu schonen und zu hegen, daß ihr nur ja kewi Leides geschieht. Jetzt befinden sich die Schandbuben, mit denen kein ehrlicher Kerl etwas gemein haben möchte, wohlverwahrt und gut verpflegt bei bestem Wohlergehen im Kerker und zeigen die typische zynische Tünkolhastigkeit; sie fühlen sich als bedeutende Männer der Welt- gcschichte, und wissen ganz genau aus früheren Begebnissen ähnlicher Art, daß über ihre werten Personen und ihre Aussagen im Verhör genau in allen Zeitungen berichtet wird... Wenn der Sicherheitsdienst, der in Sarajewo beim Schutz des Thronfolgers und seiner unglücklichen heldenmütigen Frau, beim Schutz des bedeutsamsten Mannes für die ganze habSburgische Monarchie und ihre Zukunft, so traurig versagt hat, auch bei der Beschützung der Mord Huben etwas zurück- haltend gewesen wäre, so hätte das vielleicht eine heilsame Wirkung üben können. Wenn er st einmal ein derartig vertierter Nichtswürdiger von der in gerechtem Zorn empörten Volksmenge zerschlagen, zerrissen, zertreten worden ist: dann besinnt sich doch wohl mancher, ob er eine Schandtat verüben will, bei der er ruhmlos in ein Häuflein Unrat verwandelt werden kann, ohne daß von ihm die Oessentlichkeit näheres erfährt." Wir haben aus unserer Empörung über das sinnlose Ver- brechen der Sarajewoer Attentäter kein Hehl gemacht. An- gesichts solcher Blutdcliricn, wie sie das Hamburger christlich- nationale Blatt produziert, muß man aber doch im Ernste tragen: Wer ist hier mehr vertiert— der Attentäter oder der Redakteur, der sich in dieser Weise an den bluttriefenden Wünschen seiner brutalen Phantasie berauscht? Irechheit, dein Name ist—„Deutsche Tageszeitung". Das Schwindeln und Verleumden. gehört zum Lebense kement der Mannen, die in der„Deutschen Tageszeitung" den Kamps für Kaiser und Reich und deutsche Art führen. Einen drastischen Beleg für diese smtbere Kampfin ethodc liefert das ehrenwerte Oertelorgan jetzt wieder tn einer Polemik mit der.Freisinnigen Zeitung". Diese hotte, um die Unwahrhastigkeit des Bündlcrblattes nachzuweisen, unter anderem auch aus ein« Meldung der„Deutschen Tageszeitung" genommen, wonach schweizerisch« sozialdemokratische Land- tagsadgeordnete Landesverrat verübt haben sollten. An diese Schwindel notiz, die natürlich sofort in die übrige nationale Presse überging, knüpften die Wahrheitskämpen der„Deutschen Tages- zeitung", ohne ihre Bestätigung abzuwarten, sofort den üblichen Kommentar, der den Landesverrat als ein« notwendige Konsequenz der sozialdemokratischen Jnternationalität. hinstellte. Die Schwindel- "otiz war kaum ins Land geflogen, als auch schon ihre Richtigstellung erfolgte, und zwar nicht nur durch die unmittelbar Beteiligten selbst, sondern auch durch eine amtliche Erklärung der Schwei- S«r Bundesanwaltschaft. Die ganze Geschichte war, wie K�sagt, glatt erschwindelt, was auch sofort in der deutschen sozialdemokratischen Presse sestgeftellt wurde. Anstatt aber von dieser Feststellung lohalerweise Notiz zu nehmen, unterschlugen die Echvetbjünglinge des Herrn Oertel sie ohne irgendwelche Gewissens- strupel und setzen sich obendrein noch auf? hohe Pferd edler sittlicher Entrüstung, weil unser Leipziger Bruderblatt ihnen für ihre frechen Verleumdungsmanöver etwas derb auf die schmutzigen Finger ge- klopft hatte. Das dreisteste Stück aber leisten sich die agrarische» Herrschasten doch in der eingangs erwähnten Polemik. Mit un- schuldigem Augenaufschlag. alS ob ihnen das größte Unrecht ge- schehen wäre, schreiben sie: „Die Freisinnig« Zeitung" wirst unS unwahre Berichterstattung über die Untersuchung gegen sozialistische Abgeordnete in der Schweiz wegen Landesverrates vor. Dieser Vorwurf ist ganz besonders leichtfertig. Wir haben, wie eine Reihe anderer größerer Zeitungen, die Nachricht über die Verhaftung eines schweize- rischen sozialistischen Abgeordneten wiedergegeben, i>tc durchaus auf Wahrheit beruhte. Auch von sozlaldemo- krati scher Seite ist unseres Wissens nicht diese Meldung, sondern nur unser Kommentar dazu angegriffen worden, der aber einzig und alloin Sache der Auffassung ist." Wohlgemerkt: in der Parteipresse ist nicht nur der agrarbündle- ttsche Kommentar zu jener Schwindelnvtiz zurülkgewiesen, sondern auch ihr sachlicher Kern ausdrücklich richtiggestellt worden. Die .Deutsche Tageszeitung" hat auf diese Festnagelung geantwortet, kann sich also nicht darauf berufen, jene Richtigstellung übersehen zu tzaben. Trotzdem wird ruhig weitergefchwindelt, und im Wahlkreise Labiau-Wehiau gehen inzwischen schon die Gesinnungs- Genossen des Bündlerblattes mit dem dreisten Lügenmärchen gegen die„vaterlandslose und landesverräterische Sozialdemokratie" eifrig hausieren. Wie heißt doch gleich der alte bewährte Grundsatz? Verleumde mir frech drauf los— etwas bleibt schon hängen! Unsere„teure" Kolonialbureaukratie. Die durchaus kolonialbogeisterte„Koloniale Korrespondenz" macht auf eine recht üppige Mute am Baume unseres kolonialen Bureaukrat ismus aufmerksam. Sie schreibt: „Die Reisekosten für die deutschen Kolonial- beamten erfordern alljährlich im kolonialen Haushalt recht erheb- liche Beträge. Am meisten fallen sie bei Deutsch-Südwest- a f r i k a ins Gewicht, da sie dort bei der Steuerfreiheit der wenig zahlreichen Eingeborenen ausschließlich von der weißen Kolonisten- bevölkerung aufgebracht werden müssen. Im südwestafrikanischen Etat für 1914 sind die Reise- und Umzugskosten einschließlich der Ausrüftungsgelder allein für die Zivilbeamten mit 8V2 9ö