Ztr. 179. Abonnements-Bedingungen: Abonnements• Preis pranuinerando: Lierteljäbrl. S.Z0 Mk, monatl. 1.10 Vit, wöchenüiÄ 33 Psg. frei ins Haus. Cinjelnc Nummer 5 Psg. Sonntags» Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 3Ä> Mark, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an! Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, «umänien. Schweden und die«chweij. 31. Jahrg. Die TnfertionS'GebQBr Beträgt für die sechsgespaltenc Kolonel- geile oder deren Raum SO Psg.. für politische und gewerlschaftliche Vereins. und? n sammlungs Anzeigen U> P>g. „Kleine Hnreigcn", das fettgedruikte Wort 20 Psg.> zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort>0 Pig. Stellengesuche und Schlasstellenan zeigen das erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Worts Psg. Worte über löBuch- stoben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Exoedition odgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Crlüicint ligll-d. svv Zentraloraan Vevlinev Volksblakk. der foztaldcmokratifchcn parte» Dcutfcblands. Telegramm-Adresse: „Sozlalticmokrat Rcrlia". Redaktion: SRI. 68, Lindcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt Morinplap, Nr. 1S8Z. Sonnabend, den 4. Jul� 1914. Die Sluäft in die vunkelheit. Eine solche Niederlage hat der preußische Militarismu noch nicht erlebt, wie er sich jetzt in Moabit geholt hat. Er 'gleicht völlig dem Bären in Rcinckc Fuchs, den es nach Honig gelüstete, und der seine Tatzen und seine dumme Schnauze recht tief in den gespaltenen Baumstamm steckte— das Volksmärchen verlegt die Szene an den Nicdcrrhcin, nach Holland, sie hätte ebensogut im heutigen Luxemburg spielen können— bis Rcinckc die Bolzen löste und der Bär gefangen saß. Hci, da kamen sie alle, die mit dem Untier noch eine kleine Rechnung von früher zu begleichen hatten: Rüste- viel, der Bauer, und das ganze übrige Torf, jeder mit einem kräftigen Prügel in der Hand. Es'waren fast 1000 Mann, die hinzudrängten, und im Hintergründe standen noch mehr. bereit, die Hand zu erheben gegen das Raubtier. Statt Honig gab's Prügel. Bis sich dann endlich der Bär mit letzter Kraft losriß, heftig blutend an Schnauze und Tatzen, wälzte er sich in den vorbeiflicßcnden Bach und schwamm langsam von bannen, begleitet von den kräftigen Flüchen des Volkes. Im Schutze eines Tickichts kroch er ans Land und verbarg sich, Eo die Dunkelheit ihre tiefsten Schatten warf. Ingrimmig aber fauchte er: In meinem Leben laß ich mich nicht wieder jtach Honig gelüsten! i Nach kurzep Verhandlung— einen ausführlichen Bericht dringen wir im Beiblatt— wurde gestern der Prozeß gegen ne Genossin Luxemburg vertagt. Ter Staatsanwalt teilte bem Gericht ein Schreiben des Kriegsministers mit, in dem Herr v. Fatkenhoyn die Staatsanwaltschaft hon seinem Eni- schlusse unterrichtete, die Fälle der bisher mitgeteilten Militär- Mißhandlungen, die noch nicht verjährt sind, den Kriegs- gerichten zur Verhandlung zu überweisen, und zwar werde er sich dabei auf die besonders schweren Fälle, die„Dramen", beschränken. Im Anschluß hieran beantragte die Staats- anwaltschaft die Vertagung des Prozesses. Zunächst pro- testierte die Genossin Luxemburg gegen den durchsichtigen Versuch des Kriegsministers, nur die tödlich verlaufenen Fälle als Dramen hinzustellen. Nach ihrer, der Angeklagten, Ansicht sei bei der Wchrlosigkeit der Soldaten jede Miß- Handlung ein Drama. Nach längeren scharfen Auseinandersetzungen zwischen Verteidigern und Staatsanwaltschaft trat das Gericht dem Antrag auf Vertagung bei. Die Verteidiger gaben dann eine Erklärung ab, von der Satz für Satz wie ein Peitschenhieb saß. s�aßt uns in aller Ruhe die Tatsachen konstatieren. Zu- wächst, das ist unzweifelhaft, liegt hier ein Eingriff in ein gerichtliches Verfahren vor, wie es in gleicher Güte nicht ein- mal zu den Zeiten Friedrich Wilhelms IV. praktiziert wurde. Tie Zeugen, die sich gemeldet hatten, um vor einem Zivil- gericht über ihre militärischen Erlebnisse auszusagen, sie werden plötzlich eingefangcn, um vor einem Kriegsgericht gc? maßregelt zu werden. Gcmaßrcgclt? Nicht doch— welche garstige Entstellung! Sic sollen nur als freie deutsche Männer und als preußische Soldaten offen vor dos Kriegs- gericht hintreten und der Wahrheit die Ehre geben. Welche erhabene, schöne Aufgabe! Freilich, die Rosa beehrt, wie ihre Verteidiger sagen, diese Kriegsgerichte mit ihrem tiefsten Mißtrauen. Was weiß die davon! War die denn coldat gewesen? Aber auch die Verteidiger selber erheben gegen den Kriegs minister den Vorwurf, daß er die Zeugen deshalb vor ein Kriegsgericht zerrt, nicht um sie dort zu vernehmen, jon- dern um sie dort zur Verantwortung zu ziehen. Und in der Tat werden die meisten Zeugen, wenn sie vor dem Kriegs- gericht erscheinen, ein nierkwürdig enges Gefühl ain Kragen haben. Bewahrheitet sich das, was sie aussagen, so heißt es:„Weshalb hast du Schweinehund das nicht gleich gemeldet? Jetzt, wo die polnische Jüdin und die dreckigen Sozialdemokraten unserem glorreichen Kricgshecr eins an- hängen wollen, da kannst du reden, was? Warte nur. Freundchen, das werden wir dir schon beibringen." Kann er ober nicht alles beweisen, dann heißt es:„Das sind die sozial- demokratischen Zeugen! Der Kerl schwört jeden Meineid, den seine Partei von ihm verlangt." Wenn auch die direkte Bestrafung der Zeugen nicht angeht, weil sie der Militärjustiz nicht mehr unterstehen, so ist doch die ganze Situation völlig verschoben. Aus einer Vernehmung von Zeugen wird, wie die Verteidiger mit vollem Recht in ihrer Erklärung sagen, ein zur Derantwortungziehen alter Soldaten. Und diese Verhandlungen gehen noch dazu unter Aus- schluß der Dcffcntlichkcit vor sich. Dieser fast ständige Gc- brauch, die Ocfscntlichkeit auszuschließen, wenn es sich um Qffiziersverbrechen Handell, ist zwar oft genug im Reichstage gebrandmarkt worden, aber darauf hat die Militärjustiz noch immer gepfiffen, und wir müssen damit rechnen, daß die Vcr- Handlungen vor den Kriegsgerichten ebenfalls hinter verschlösse- nen Türen vor sich gehen. Denn gerade die öffentliche Vorhand- lung der Soldatenschindereien vor einem Zivilgericht sollte ja verhindert werden, deshalb- der Eingriff in das schwebende Verfahren, deshalb die Flucht in die Dunkelheit der militäri- schon Femgerichte. Der Kriegsminister hat der Sozialdemokratie im Reichstage den Vorwurf gemacht, es komme ihr gar nicht auf die Bekämpfung der Soldatenmißhandlungen, sondern auf die Vcrhctzipig der Mannschaften an. Wie ernst indessen die Heeresverwaltung die Bekämpfung der Mißhandlungen nimmt, das beweist drastisch ihr jetziges Verhalten. Was hat sie getan, um den Soldatenschindern das Handwerk zu legen? Es saß ein dicker Wanzerich Auf einem Pfennig und spreizte sich! So heißt's bei Heinrich Heine. Sie spreizte sich in der Tat unerträglich mit den zufälligen Zahlen ihrer Heeres statistik,' aus denen eine stete Abnahme der Soldatenschinde reien klipp und klar hervorging. Und nun plötzlich, nachdem die Sozialdemokratie ihr Beine gemacht hat, nachdem ihr be wiesen worden ist, was jeder Mann im deutschen Polke �rei lich schon vorher gewußt hat, daß ihre Statistik' der reine Humbug ist, daß sie nicht weiß oder nicht wissen will, wie es in der preußischen Armee zugeht, daß nicht ein Zehntel, nicht ein Hundertstel der Soldatenschindereien jemals ans Tages licht kommen, daß das sogenannte Beschwerderecht eine Kari katur ist, nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt steht jetzt, unter der sozialdemokratischen Peitsche besinnt sich die Heeresverwaltung auf ihre Kulturmission und will, wenn auch nicht die Dramen, wie sie sagt, so doch wenigstens die Tragödien—— ja, was will sie damit? Will sie sie auf- klären? Sie will sie in die Dunkelkammer schleppen und dort verhandeln lassen. Ohne den sozialdemokratischen Vor- stoß hätte die treffliche Heeresleitung nichts gemacht, als eben das liebliche: hier ein Erläßchen, dort ein Bedauern, dann wieder die bierehrliche Versicherung, daß man„voll und ganz' und„ganz wahrhaftig" die Soldatenschindereien bekämpft Inzwischen aber knallen die Schüsse der Selbstmörder ruhig weiter. Sie sehen's nicht, sie Hörens nicht. Daß das Gericht sich dem Antrage des Staatsanwalts aus Vertagung angeschlossen und sich selber dadurch unter die Militärgerichte gestellt hat, ist für unsere zivile Justiz sehr charakteristisch. Was ging es das Gericht an, daß der Kriegs- minister dem Staatsanwalt seinen Entschluß mitteilte, die Mißhandlungen vor den Kriegsgerichten zur Verhandlung zu bringen? Dazu war nach vielen Monaten, wenn die Tausende von Zeugen vernommen waren, immer noch Zeit. Herr v. Falkenhayn konnte ja, wenn er dann noch im Amte war auf Grund des staatsanwaltlichen Materials seine Kriegs gerichte vorgehen lassen. Wenn das Gericht den Wünschen des Staatsanwalts so rasch entsprach, so ist erst dadurch die Flucht des Herrn v. Falkcnhayn aus der Helle— die für ihn eine Hölle war— ins Dunkle gelungen. Noch am Tonners- tag dachten Staatsanwalt wie Strafkammer nicht daran, am Freitag zu vertagen. Inzwischen ereignete sich etwas. Am Donnerstag hatte Herr v. Falkenhayn Vortrag beim Kaiser im Neuen Palais, und am Donnerstagabend hatte der Staats anwalt die Mitteilung, daß Herr v. Falkenhayn entschlossen worden sei, die Kriegsgerichte in Funktion treten zu lassen. Was soll nun werden? Selbstverständlich ist der Prozeß auf den St. Nimmerleinstag vertagt, denn die Kriegsgerichte des Herrn v. Falkcnhayn können mit dem besten Willen nicht durch dieses ungeheure Material sich rasch hindurcharbeiten. Und damit müssen auch alle sonstwo anhängigen Prozesse ähnlicher Art auf den 30. Februar vertagt werden. Es ist umgekehrt wie im Eulenburg-Prozeß. Dort mußte die Ver- Handlung vertagt werden, weil dem Angeklagten die Luft ausging, hier ging dem Ankläger die Luft aus. Adieu, Herr v. Falkenhayn! Beehren Sie uns bald wieder!- Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morinplay, Rr.»384. Joseph Chamberlain. London, 3. Juli. sPrivattclcgramm des„Bor» wärt 5".) Joseph Chamberlain ist heute nacht im Alter von 78 Jahren gestorben— aber schon vor 8 Jahren hat ein Schlaganfall seine politische Wirksamkeit beendet. Mit ihm vertieren die Konservativen ihren energischlan und populärsten Führer. Chamberlain, der als sozialpolitischer Radt- kalcr begonnen hatte, und unter Gladstone Minnister war, trennte sich im Jahre 1886 als Gegner der Selbstverwaltung Irlands von den Liberalen. Er und seine Gruppe vereinigte sich später mit den Konservativen und schließlich wurde Chamberlain der Haupt- Vertreter des britischen Imperialismus. Zum Schrecken vieler eigener Parteifreunde begann er den Kampf gegen den Freihandel, um durch einen Schutzzoll das britische Reich mit seinen Kolonien zu einem einheitlichen Wirtschaftsgebiet zu vereinen. Chamberlains grandioser Plan scheiterte nicht zuletzt an der Un- Möglichkeit, die britischen Arbeiter für das Schutzzollsystem zu ge- Winnen, und heute wagt es seine eigene Partei nicht mehr, für diesen Plan einzutreten. Chamberlain, der zuerst unter Salisbury, dann unter dem Kabinett Balfour Äolonialminister war, ist auch der Haupt» verantworlichc für den Buren krieg, der die Ausbeutung der Goldminen dem englischen Kapital sicherte und Südafrika dem englischen Herrschergebict einverleibte. Abcx gerade der Buren» krieg brachte den Umschwung. Die konservative Regierung wurde gestürzt und die Liberalen gelangten mit dem Ministerium Campbell Bannermans, dem mutigen und energischen Bckämpscr des Krieges, zur Herrschaft. Toch die imperialistischen Tendenzen erwiesen ihre Stärke und nach dem Tode Campbell Bannermans beherrschten sie auch die liberale Politik immer mehr, wenn auch in anderen Formen als sie dervgroßc Bertretcr der imperialistischen Idee geplant hatte. Die serbische Gefahr. Aus Wien wird uns' vom Mittwoch, den 1. Juli, geschrieben. Sekten ist bei einem Attentat, das sich gegen einen Mäch» tigen der Erde richtete, Ursprung, Grimd und Zweck so deut- lich gewesen, wie bei dem, dem der Thronfolger in den Habs- burgischcn Ländern zum Opfer fiel: daß es nur der Tod- fcindfchast Serbiens wider Habsburg entspringt, liegt offen zittage. Es ist, mit einem Wort, ein Werk der serbischen Jrredenta, die ihren Herd in Belgrad hat, mit Vorsatz und Plan daran arbeitet, die Stimmung der in Oesterreich leben- den Serben zur Siedehitze zu entflammen, und unter deren Mitteln Attentate ganz gewiß ihren Platz haben. Aus dieser Geistesrichtung, die mit Bewußtsein daran wirkt, die öfter- rcichischcn Serben mit den Gefühlen leidenschaftlicher Ab- neigung gegen das Band mit Habsburg zu erfüllen, sind die früheren Attentate in Bosnien entsprungen, und sie hat auch die Bombe und den Revolver an dem Blntsonntag gelenkt. Insofern der Thronfolger zu den stärksten Potenzen der Habs- burgischen Staatlichkeit gehörte und eine Energie darstellte, an der sich die serbisch-irrcdentische Bewegung vielleicht ge- brachen hätte, hat die Mordtat ihr Ziel wohl auch erreicht; Oestcrreich-Ungaru scheint nun schwächer als es war, da jener ausgeprägte Wille noch lebendig war. Ter Ursprung des Attentats liegt also offen zutage. Was aber nicht so einfach zu beantworten ist, ist die Frage, worin die letzte Ursache dieses serbischen Hasses liegt, und wie der Gefahr, die daraus nickt bloß für Oesterreich-Ungarn, sondern für ganz Europa aufflammt, begegnet werden könnte. Die österreichisch-ungarische Politik liegt ganz im Bann der Furcht»nd Abneigung gegen Serbien. Selbst die Zoll- Politik, wenngleich sie natürlich auch ihre wirtschaftlichen Ur- fachen hat, die in der eigennützigen Begehrlichkeit der Groß- agrarier liegen, stammt in letzter Hinsicht aus der Abneigung gegen Serbien, dem man einen ökonomischen Vorteil nicht gönnen mag. Auf dieses Konto gehört auch die Gründung des„selbständigen" Albanien, die von Oesterreich selbstverständlich nicht aus der Begeisterung für die schreck- lichen Albancsen �betrieben wurde, sondern ausschließlich zu dem Zwecke, um Serbien den Zugang zum Meere zu sperren. Der verdächtige Eifer, mit dein der Ballplatz Bulgarien zu dein zweiten Balkankrieg, verleitet hat, ist nur aus der Hoff- nnNg zu erklären, daß sich die bulgarische Tapferkeit nach den Türken auch an den Serben erproben werde. Daß all das den Haß gegen Oesterreich in Serbien mehrte und bis zur Besinnungslosigkeit steigerte, bedarf keiner umständlichen Darlegung. Aber die ganze Wahrheit ist es dennoch nicht. In Wahrheit wird das Verhältnis zwischen Serbien und Oesterreich— nicht das der offiziellen Politik, sondern das der Volksstimmung— dadurch bestimmt, daß ein sehr beträchtlicher Teil der serbischen Bevölkerung unter„Habsburgs Zepter" steht, das Faktum der schwarzgelbcn Großmacht also der serbischen Nationalidec, die natürlich die Vereinigung aller Serben zu c i n c m Staate ist, iin Wege steht. Äehn- lich steht es ja auch mit dem Verhältnis Rumäniens zur Großmacht, nur daß dieses erstens durch eine langjährige Tradition von der haßerfüllten Schärfe frei ist, und weil zweitens Rumänien immer auch die Furcht vor Rußland bannt. Ohne Zweifel könnte eine vernünftige Politik m Oesterreich manche Stachel beseitigen und es zu einem leid» lichen Verhältnis mit Serbien bringen; aber ob sie den letzten Kern der serbischen Jrredenta erreichen könnte, ist recht frag- lich. Die leidenschaftliche Empörung, die in Serbien nach der Annexion ausbrach, zeigt Wohl, daß die Serben die Groß- macht im Wesen darum hassen, weil sie ihnen Bosnien und die Herzegowina, und vielleicht auch andere Gebiete, wo in Destcrcich-Ungarn Serben wohnen, vorenthält, und die Er- füllung des Dranges nach nationaler Einigung und Einheit hindert. In diesem Zusammenhang ist dieses Verhältnis des Hasses zwischen Serbien und Oesterreich eine schwere Gesahr für ganz Europa. Was die große Militärmacht dazu führt. auf den serbischen Nachbar mit einem Gefühl von Furcht zu blicken, ist die Tatsache, daß Serbien so leicht ein Exponent Rußlands, ein Werkzeug des Panslawismus werden kann. Es wird Wohl eine Ucbcrschätzung sein, der sich Serbien hingibt, wenn es vermeint, daß Rußland in jedem Falle seine schlitzende Hand über die„slawischen" Brüder halten müßte; aher daß ein Krieg, in den Oesterreich verwickelt wird, auch ein Krieg mit Rußland würde, der dann ganz Europa erschüttern müßte, ist nicht zu bezweifeln. Und überdies kann Rußland durch das serbische Werkzeug über Oesterreich-Ungarn jene schwere Be- unruhigung breiten, die zu immer wahnsinnigeren Rüstungen treibt und schon dadurch die Gefahren für ganz Europa mehrt; in dem Verhältnis Serbiens zu Oesterreich steckt also eine Quelle ständiger Unruhe, ständiger Gefahren. Ohne Zweifel ist es ein groteskes Mißverhältnis, daß der Appetit Serbiens nach Bosnien die ganze europäische Zivilisation in Erschüttc- rung bringt und daß ganz Europa unter dem Drange der Serben nach nationaler Einheit erzittert: aber die Mordtat von Sarajewo zwingt alle, der Tatsache ins Auge zu blicken und verdeutlicht die Schwere dieser Bedrohung des Friedens in Europa. Es ist natürlich auch nicht überraschend, daß sich Serbiens Anspruch, der aus der Tiefe des nationalen Bewußtseins zu kommen scheint, dem Betrachter sozusagen als der ethischere darstellt: ethischer als die Unversehrtheit des Habsburgischen Imperiums, in dem die Anncrionsländer überdies als ein zweckloses Anhängsel erscheinen. Indessen ist mit einer solchen Wertung nichts getan; denn daß die Großmacht nicht friedlich zur Liquidation ihres serbischen Hab und Gutes schreiten werde, daß diese nur in einem Weltkrieg erzwungen wer- den könnte, ist selbstverständlich: gegen die eherne Gewalt der Tatsachen kommt man bier mit den Richtmaßen der„natio- nalen Gerechtigkeit" nicht aus. Die Existenz Oesterreichs zwingt noch andere Nationen als bloß die Serben zur Resig- nation: und die Erhaltung des Friedens, von der die Mög- lichkeit alles demokratischen Fortschrittes abhängt, nimmt es als ethisches Gut xnit der Berechtigung des serbischen Expan- sionsbedürfnisses immerhin noch auf. Auch wäre zu erwägen, wie stark damit die Stoß- und Siegeskraft des Panslawismus gesteigert würde: so glatt lassen sich die großscrbischen Wünsche in die europäische Staatenordnung nicht einfügen, als es scheint, wenn als berechtigter Drang lediglich und ausschließ- lich der serbische nach ngtionalstaatlicher Einheit eingestellt wird. Die Geringschätzung, der Oesterreich-Ungarn in der demo- kratischen Ideologie verfallen ist, verführt dazu, daß die Unter- suchung gemeinhin nicht bis zum Ende geht, und bei der „brutalen Unterdrückungspolitik" Oesterreichs stehen bleibt: aber die Untersuchung, der es um die Wahrheit zu tun ist, muß auch den letzten Schritt machen und feststellen, daß in den großserbischen Ansprüchen, in der großscrbischen Jrredenta, ein erheblicher Teil der Kriegsgefahr liegt, von der Europa sich bedroht fühlt. Dieser Gefahr kann nur begegnet werden, wenn erstens Oesterreich mit mehr Verstand regiert wird, als es bisher ge- zeigt hat, also ein Verhältnis der vielen Nationen, die ein unerbittliches Schicksal hier zum Zusammenleben zwingt, her- beigeführt wird, bei dem sie alle die Bürgschaften ihrer natio- nalen Entfaltung haben und die Möglichkeit ihrer natio- nalen EntWickelung finden: daß von dem Traume des„Bundes der freien Völker" in Oesterreich-llngarn ebensoviel reali- siert wird, als in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung möglich ist. Wie werktätig die Sozialdemokratie in Habs- burgs Landen mr dieser Umformung arbeitet, weiß die Jnter- nationale: ein Stück auf diesem Wege ist ohne Zweifel auch schon erreicht worden. Aber dadurch erwächst auch wieder der gesamten Internationale die Pflicht, keinen Zweifel darüber zu lassen, daß sie die Erhaltung des Weltfriedens den groß- serbischen Aspirationen nicht zu opfern gedenkt und d i e serbische Beunruhigungspolitik ebenso vor- dämmt w i e die schwarzgelbe Unterdrückungs- Politik. q- q- Antiserbische Demonstrationen in Wien. Wien, 3. Juli. Die Demonstrationen vor der serbi- schen Gesandtschaft dauerten bis in die frühen Morgen- stunden. Eine nach vielen Tausenden zählende Volksmenge forderte unter ohrenbetäubendem Lärm die Entfernung der von dem Balkon des Gesandtschaftspalais herabhängende auf halbmast gesetzte serbische Fahne. ES kam zu wiederholten Zusammen- stößen mit den in ungewöhnlich großer Zahl aufgebotenen Wachmännern zu Pferde und zu Fuß. Die Demonstranten wehrten sich gegen die Attacken der Wachleute, indem sie sie mit Steinen und Holzstücken bewarfen. Es wurden mehrere Ver- Haftungen vorgenommen. Das Haus des Gesandten steht unaus- gesetzt unter Bewachung eines starken Polizeiaufgebots. Die Ver- suche der Manifestanten, auch vor die russische Botschaft zu ziehen und zu demonstrieren, konnten rechtzeitig, von der Polizei verhindert werden. Antideutsche Demonstrationen in Galizien. Wien, 3. Juli. Das.Nene Wiener Tagblatt" meldet aus Stanislau, daß dort gestern antideutsche Demonstrationen statt- gefunden haben. Eine tausendköpfige Menge warf Steine gegen die Wohnung des Pfarrers Zöckler, des Führers der Deutschen in Galizien, und zertrümmerte die meisten Fensterscheiben im Pfarr- hause, in der evangelischen Schule und den unter Leitung des Pfarrers stehenden Wohltätigkeitsanstalten; auch die evangelische Kirche blieb nicht verschont. Ferner wurde daS Geschäft eines deutschen Kauf- mannS verwüstet. Die Polizei verhaftete mehrere Unruhestifter. Di« Demonstration soll eine Rache für daS den Polen in Bielitz an- geblich zugefügte Unrecht fein. Wanölungen des englischen Liberalismus. London, 1. Juli. sEig. Ber.) Das bemerkenswerteste Ereignis in der inneren Politik Englands der letzten Zeit ist die Kapitulation der liberalen Regierung vor ihren reichen Anhängern in der Frage des Budgets. Das vor einigen Wochen mit lauten Trompetenstößen angekündigte Budget des Schatzkanzlers, in dem die höheren Einkommen neu belastet, die Extraeinkommensteuer und die Erbschaftssteuern erhöht wurden und dessen Kern die höheren StaatSzuschüsse für die bc- drängten Gemeinden waren, ist unter dem Ansturm der„liberalen Millionäre", wie man die liberalen Gegner deS Budgets genannt hat, kläglich in die Brüche gegangen. Nach einem verwickelten Manöver gelang es diesen Herren, die Regierung dazu zu bringen, die erhöhten StaatSzuschüsse für die Gemeinden fallen zu lassen und die Einkommensteuer der reichsten Leute herabzusetzen. Bemerkenswert an dem Ereignis war ferner auch die Tarsache, daß das Haupt der Fronde der reiche liberale Reeder Holt war, der sich im vorigen Jahre als Vorsitzender eines Ausschusies, der den am kärglichsten entlohnten Postbeamten die so nötige Gehaltsaufbesserung aberkannte, einen wenig beneidenswerten Ruf erwarb. Man wird sich erinnern, daß die englischen Postbeamten zu Weihnachten in den Streik zu treten drohten, weil sie die lächer- lichen Zugeständnisse des Holtschen Ausschusies als eine Beleidigung und Verhöhnung empfanden. Es sind Leute von dem Kaliber des Reeders Holt, die soeben der Regierung ihre Macht bewiesen haben und sich jetzt anschicken, die Lloyd Georgesche Finanzpolitik, die sich als das wirksamste Mittel zur Durchführung der liberalen Reforinen erwiesen hat, dauernd zu„überwachen". Somit kann man an- nehmen, daß der rechte Flügel der liberalen Partei, an dessen Spitze der Premierminister steht, die Führung wieder über- nommen hat. In den letzten Jahren haben viele scheinbar das Bestehen eines rechten Flügels deS Liberalismus vergesien. Die englischen Rechts- liberalen verspürten keine Lust, sich unnötigerweise bemerkbar zu machen; sie zogen es vor, sich mit ihren Freunden von der Linken in der Popularität des Schatzkanzlers zu sonnen. Nur wenn Fragen des Imperialismus und des Rüstungswesens auf der Tagesordnung erschienen, verlangten sie ihr volles Pfund Fleisch und überließen den LinkSlibcralen die komische Rolle des bürgerlichen Friedens- apostels, der schließlich unter Wehklagen dem Klingelbeutel des KriegSgottes dennoch seinen Tribut zollt. Nun regen sie sich auch wieder in der inneren Politik. Sie sind zur Ansicht ge- kommen, daß man mit der Sozialreform, die die ver« gangene Regierungsepoche des englischen Liberalismus charakte- risiert, ein Ende machen muß: die Sache wird ihnen zu kostspielig. Ursprünglich- war die liberale Sozialreform ein Kind der Furcht, die beide bürgerliche Parteien Englands empfanden, als nach den Wahlen deS Jahres 19l)ü plötzlich eine ansehnliche Arbeiter- Partei auf dem Plane erschien. In späteren Jahren wurde sie weiter betrieben, weil die Liberalen zur Auftechterhaltung des Frei- Handelssystems und zur Durchführung langerstrcbter liberaler Re- formen die Unterstützung der Arbeiterschaft nötig hatte. Aber die So- zialreform, soll sie etwas taugen, kostet Geld. Die Kosten durch in- direkte Steuern decken, ging unter den herrschenden Verhältnissen nicht an; die Finanzwirtschaft des englischen Staates läßt auch eine der- artige Aufbringung der Mittel schwerlich zu. Man schlug daher den natürlichsten Weg ein, der zu den Geldschränken der Reichen führte. Den Kapitalisten der liberalen Partei machte man mit der Aussicht, daß der Grundbesitz in Zukunft stärker zu den Steuer- leistungen herangezogen werden würde, Hoffnung und die durch das Budget des JahreS 1909 angeordnete Anlegung eines allgemeinen Katasters schien diese Hoffnung auch zu rechtfertigen. Zum Gelingen der liberalen Sozialreform trug auch nicht wenig die gute Geschäfts- läge der letzten Jahre bei, in denen die Unternehmer gewaltige Gewinne einheimsten und nicht gut über die Brosamen klagen konnten, die von ihrem Tische fielen. Der Schatzkanzler konnte, ohne auf großen Widerstand zu stoßen, die Steuerresormvorschläge unserer englischen Genossen zur Anwendung bringen: die Erbschaftssteuern erhöhen, einen Unterschied zwischen verdienten und unverdienten Einkommen machen und die höchsten Einkommen besonders belasten. Doch diese Methode, die Steuerschraube anzuspannen, muß in einer Partei, die wie die liberale Partei Englands aus den großen Geldbeuteln reicher Leute unterhalten wird, bald Unstimmigkeiten erzeugen. Daher die Revolte, die von dem reichen Reeder angeführt wird. Diese Leute hegen wie ihre Klasiengenossen im konservativen Lager die Ansicht, daß die ständige Erhöhung der Einkommensteuer die finanzielle Sicherheit des Landes untergräbt. Sie weisen darauf hin, daß die englische Einkommensteuer ursprünglich eine Kriegssteuer war, und meinen, man dürfe diese Steuer in Friedenszeiten nicht zu hoch ansetzen, wenn man im Kriege nicht mittel- und ratlos dastehen wolle. Mit diesem pfiffigen, patriotisch klingenden Argument suchen sie zu beweisen, daß es die Pflicht jedes rechtschaffenen Schatz- kanzlerß sein müsse, die Einkommensteuer recht niedrig zu halten, damit die Finanzkraft des Landes in KriegSzeiten nicht so schnell erschöpft werde. Die Revolte der„liberalen Millionäre" kann nicht als eine vorübergehende Erscheinung angesehen werden. Sie kommt zu einer Zeit, da sich der wirtschaftliche Niedergang schon empfindlich bemerkbar macht. Mit den Ueberschüsjen, die sich aus der glänzenden Konjunktur der letzten Jahre ergaben, wird der Schatzkanzler in der nächsten Zukunft nicht zu rechnen haben, und um daS halb vollendete Werk der liberalen sozialen Reformen vollenden zu können, wird er an seinen reichen Parteifreunden die schmerzhaftesten Operationen vornehmen müssen. Man spricht deshalb schon von einer neuen Sezession im liberalen Loger. die der ähnlich wäre, die vor fast dreißig Jahren unter der Führung Joseph Chamberlains stattfand. Daß diese Idee von den Konservativen fleißig genährt wird, versteht sich von selbst. Die Konservativen umschwärmen die Rechtsliberalen und versuchen ihnen begreiflich zu machen, daß die Regierung die heiligsten Grundsätze GladstoneS in bezug auf das Finanzwesen schnöde verraten habe. DaS brünstige Werben erhöht wiederum die Wichtigkeit und den Einfluß der Fronde in der liberalen Partei, die in eine unhaltbare Position gerät, aus der sie sich, wie manche meinen, recht bald durch eine Parlamentsauflösung zu retten versuchen wird. Doch was auch eintreten mag. der Arbeiterpartei kann diese EntWickelung und Klärung nur willkommen sein. Schon jetzt läßt sich voraussagen, daß die Regierung infolge ihrer Kapitulation vor den„liberalen Millionären" mehrere Sitze verlieren wird. politische Ueberslcht. Der Mafseustreikprozeft. Die Justiz ist mit den Schlappen, die sie sich in den letzten Processen geholt hat, nicht zufrieden, sie sucht nach weiteren„Siegen". Gestern ist als Angeklagter im Massen- streikprozeß neben der Genossin Luxemburg Genosse Kurt Rosenfeld vernommen worden. Auch ihm wird die Annahme der Resolution Luxemburg und des Antrages Adolf Hoffmann zxir Last gelegt und darin ein Vergehe» gegen§ 110 des Strafgesetzbuchs erblickt. Der Strafantrag- steller gibt zwar zu, daß eine unmittelbare Aufforderung zum Massenstreik nicht vorliege, will aber die Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze damit begründen, daß der Massenstreik— nach polizeilichem Schema— ohne Gewaltakte und llmsturz nun einmal nicht denkbar sei. Verantwortlich vernommen und angeklagt sollen alle Genossen werden, die für die Resolution Luxemburg oder den Antrag Hoffmann ge- stimmt haben. Der zu erwartende Prozeß wird, falls die Staatsanwaltschaft den Verzweiflungsmut bis zum Antrag auf Eröffnung des Hauptverfahrens treiben wird, einen schönen Anlaß bieten, der polizeilichen Vorstellung vom Massenstreik die Wahrheit und die sozialdemokratische Auf- fassung in ihrem ganzen Umfange entgegenzustellen. Ter Sammlungsillufionist. Herr v. Zedlitz versteht aus allen Blüten Honig zu saugen. An eine Besprechung des Artikels Heines knüpft er folgende Schlußfolgerung: „Bezeugen nun urteilsfähige Mitglieder der sozialdemokratischen Partei selbst, daß die S a m m l u n g der bürgerlichen Parteien die denkbar s ch w c r st e Gefahr für die Entwicklung der Sozial- demokratie enthält, so sollte die gemeinsame Ueberzeugung sich unter dem Eindruck dieser Kundgebung in die Tat umsetzen. Der Zeitpunkt für die praktische Durchführung deS Sammlungsgedankens ist daher gekommen. Ihn unbenutzt vorübergehen zu lassen, wäre einer der verhängnisvollsten politischen Fehler und belastet diejenigen, welche daran die Schuld tragen, mit einer überaus schweren Verantworwng gegenüber dem Vaterland." Herr v. Zedlitz irrt. Die Sainmlung der Bürgerlichen würde eine solche„Sammlung" der proletarischen Kräfte zur Folge haben, daß letzten Endes die SammlungSpolitikcr eine sehr unangenehme Enttäuschung erfahren würden. Der offenherzige Nautikus. Erst in den letzten Tagen hat der englische Minister des AuS-, lvärtigen, Sir Edward Grey, auf eine Anfrage im Parlament er- klärt, er sei ganz überrascht zu hören, daß man im Jahre 1911 dicht vor der Entscheidung über Krieg oder Frieden. ge st an den haben solle. Wohl habe es damals viele Sorgen und schwere Tage gegeben, um die verfahrene Marotkosache wieder ins Lot zu bringen und um zu einer dauerhasten Regelung zu ge- langen, aber eine unmittelbare Kriegsgefahr hat zu keiner Zeit bc, standen. Demgegenüber ist es von Interesse, daß der— vielleicht nicht, amtliche, aber in amtlichen Zimmern hergestellte und unter amtlichen Auspizien gedruckte— soeben erschienene neue„Nautik u s"(Or, gan für Deutschlands Seeintercssen) aus Seite 369 ausdrücklich fest- stellt:„1911 standen wir dicht vor der Entscheidung." Der Gegensatz zwischen beiden Acußerungen, der englischen und der deutschen, läßt sich nur durch die Annahme aus der Welt schassen—• das ist eine Folgerung zwingender Logik—, daß im Jahre 19li die leitenden Kreise Deutschlands einen Augenblick lang in der Tat ernstlich daran gedacht haben, die Marokkoftage durch das Schwert, das heißt durch einen Krieg mit Frankreich und England (wozu natürlich Ruhland getreten wäre) einer gewaltsamen Lösung entgcgenzuführcn. Erst im letzten Augenblick muß die bcffere Ein- ficht gesiegt haben. Ueber diese bedrohliche Stimmung der deutscheu Regierung scheint man bis zum heutigen Tage nicht genügend unter, richtet gewesen zu sein. Erst der jüngste„RautikuS" bringt uns darüber eine auch jetzt noch interessante Klarheit. Der Kaiser und die Werftarbeiter. Beim Stapellauf des neuesten RiesendampfcrS der Hamburg, Amerika-Linie haben sich auf der Werft vom Blohm u. Voß entsetzliche Dinge zugetragen. Patriotische Gemüter, die darüber aufS tiefste empört sind, haben erst nachträglich genügend Fassung ge- funden, die Vorgänge zu schildern. Wie es kam, darüber gehen! freilich die Berichte der Augenzeugen auseinander. In nord- deusschcn und mitteldeutschen Zeitungen ist zunächst mitgeteilt worden, der Kaiser habe beim Gang zur Taufkanzel die Arbeiter, die sich an ihn herandrängten, keines Blickes gewürdigt. Andere Augenzeugen haben darauf erwidert, dieses Verhalten des Kaisers sei die Antwort darauf gewesen, daß die Arbeiter, als er an ihnen vorübcrfchritt, die Hände in den Hosentaschen und die Mütze auf dem Kopf behielten. Das habe auf den Kaiser er- sichtlich einen peinlichen Eindruck gemacht; er habe sich ostenrativ von den Arbeitern ab- und den Senatoren, Direktoren und Be- amten zugewendet, die ihn mit dem Zylinder in der Hand und mit tiefem Bückling empfingen. Ungefähr so mag sich der Vorfall wirklich abgespielt haben. Die Werftarbeiter haben im„Hamburger Echo" sich dahin geäußert, daß der Kaiserbcsuch in der Tat ihnen keine Freude bereite. Sie verlieren durch die damit verbundenen Feierlichkeiten nur Arbeits- verdienst und werden beim Stapellauf des aus ihren Händen hervorgegangenen Schisses in den Hintergrund, gedrängt. Der Gedanke an die vielen auf der Werft verunglückten Kameraden, für die nur unzureichend gesorgt sei, stimme sie auch nicht heiterer, zumal wenn sie sich bekannter Aeutzerungen Wilhelms II. dabei-rinnern. Es lag also Grund genug zu jener stummen Demonstration vor, an der übrigens auch bann nichts aus- zusetzen wäre, wenn sie lediglich der allgemeinen Stellung der Arbeiterschaft zur Monarchie hätte Ausdruck geben sollen. Das Ende des Schwindels. Drei Tage lang wimmelte die Scharfmacherpresse von Anspielungen und Andeutungen über die Gesinnung und die Motive der Attentäter von Sarajewo, die die Ermordung des österreichischen Thronfolgers mit der Sozialdemokratie in Znsammenhang bringen sollten. Diese Angaben stammten zum Teil aus serbischen Quellen, die ein Interesse daran hatten, die n a t i o n a l i st i s ch e n Motive der Attentate zu verschleiern. Jetzt macht die„Kol- nische Volkszeitung" dem eingangs erwähnten Schwindel, an dem sie sich zunächst selber beteiligt hatte, ein Eude. Daö Zentrumsblatt schreibt in Nr. 590 u. a.: „Nun darf man sich auch weiter nicht beirren lassen durch die allzu oft auftretende Kennzeichnung des Mordes als eine sozialdemokratische oder anarchistische Tat. Der Doppelmord ist ein nationalistisches Verbrechen, gerichtet gegen. Oester- reich, gegen daS Germanentum. Es ist ein großserbisches, ein panflawiftischeS Verbrechen. Die„Jtalia" spricht von einem äuplio« artsatsto panslavista, der halbamtliche„Petit Parisien" hält eS fiir erwiesen, daß der Doppelmord eine Frucht der Ver- schwörung der großferbischen Partei ist, derjenigen, die Bosnien für Serbien verlangt. Die„Daily Mail" bezeichnet die Er» mordeten als Opfer einer slawischen Verschwörung." Außerordentlich bemerkenswert ist auch, was die gleich- falls ultramontane»Augsburger Postzeitung" [Sr. 294) aus Anlaß des Doppelmordes von Sarajewo schrieb: „Wenn man die Jugend fanatisiert mit wilden Vor- siellungen von sogenannten Erbfeinden und den gesunden Grundsatz der Waffentüchtigleit und Wehrfähigkeit der Nation nicht zum Herrn, sondern zum Sklaven des schrankenlosen nationalistischen Egoismus und Fanatismus >n a ch t, dann züchtet man indirekt das politische Mordbubenlum. das in Sarajewo wieder einen Jüngling zum Zerstörer eines VolkstraumS, zum verächtlichen Meuchel- worder machte. Der Geist, der diesen Mörder zur traurigsten Berühmtheit«achte, grasfiert in allen Nationen. Er zeigt sich oft genug in der rücksichtslosen politischen Brutalität, die daS Unrecht kurzerhand zum Recht stempelt, wenn die sogenannte StaatSmaxime es verlangt. Weniger erbaulich ist ein in anderen Zentrumsblättern Jchchicncncr, aus einer Berliner Korrespondenz(Erzberger?) uannncnder Artikel, der zwar ebenfalls das Attentat aus. groß- 'irische Motive zurückführt, zum Schlüsse aber(z. B. in der Dortmunder„Tremonia" Nr. 177) schreibt: „Natürlich leugnet man in Belgrad jede Mitschuld ab, aber da; Attentat war offenbar ein Belgrader Erzeugnis. Es kann eine Auseinandersetzung mit dem rücksichtslosen Nachbarn Serbien uoüg werden, und die könnte auf Rußland zurück- wirken. Angesichts dieser Möglichkeit ist es gut. wenn recht Eindringlich bekundet wird, daß Deutschland °uf jeden Fall zu Oesterreich steht.' . Hier wird also Deutschland schon von vornherein„auf ikden s�all" festgelegt, wenn Oesterreich beabsichtigen sollte, Dummheiten zu machen. Ostpreuhische Wahlfitten. .. Vom Wohlkampf inLabiau-Wehlau erzählt die ostpreußische �rale Presse, Jmfe man in der Stadt Tapiau versucht hätte, u Tapiauer Stadtverordnetenversammlung gegen den Bürger- "Ulster Wagner aufzuputschen, um auf diese Weise seine Kandidatur "Möglich zu machen. Den konservativen Drahtziehern sei jedes fA f �cht gewesen, um eine Mcbrheit der Stadlverordneten zur Unter- für eine Demonstration gegen das Stadtoberhaupt zu gewinnen i 5 0 habe man die Frau eines Stadtverordneten .Arbeitet, um ferne Unterschrift zu erlangen, mid einem nsern habe man einzureden versucht, daß er an den städti- .A e n Arbeiten zu wenig verdient habe. Die Mehrzahl Stadtverordneten hätte sich nicht einfangen lassen, aber eS hatten �och Stadtverordnete dazu hergegeben, ihr Amt im konservativen ?urtejinteresse zu mißbrauchen. Die Konservativen schwiegen sich ? Silber aus, und in diesem Schweige« liege ein Eingeständnis des verwerflichen Versuchs. �ie Finanzen des Reiches und der Bundesstaate«. . Das Statistische Amt veröffentlicht eine Tarstellung der ganzen des Reiches und der deutschen Bundesstaaten, enthaltend Übersichten über die Ausgaben, die Einnahmen, die wichigeren �standteile der Slaatsvermögen sowie der Schulden. Die Nach- �ise beziehen sich durchweg für die Voranschläge auf das Rech- �bg-jahr 1313, für die Staatsrechnungcn auf das Jahr 1311. Insgesamt betragen die S-taatSauSgaben nach den Voranschlä- iTk. � Bundesstaaten 6743 Millionen Mark idarunter außer- "Jsntliche 278), für das Reich 4120 idarunter außerordentliche 113), Manunen in Reich und Bundesstaaten 10863(darunter auß:r- �"tliche 397). Staatseinnahmen belaufen sich in den Bundesstaaten auf „■ Millionen Mark, im Reich auf 4120, zusammen in Rrch tSsi* Bundesstaaten 10 838(darunter außerordentliche aus Grund- 3,:f' Anleihen und sonstige Staatsfonds 230 bzw. 119). , v, Unter den Ausgaben und Einnahmen der Bundesstaaten stehen 'einigen der Erwerbsanstalten mit 3391 bzw. 4463 Milltonen TD'ok an erster Stelle. Der Hauptanteil entfällt auf d�e Siaats- I'"nbahnen mit 2188 bzw. 3271. Der Rest Bertolt sich aus ' Domänen, Forsten Bergwerke, Stvatsdompfschiffahrt, Post, Tele "Hb und die sonstigen Staatsbetriebe. . Die ordentlichen Ausgaben und Einnahmen der Erwerbsan des Rcicks 1882 bzw. 1049) entfallen hauptsächlich auf Post 'U' Telegraph(730 bzw. 881) und die Eisenbahnen(122 bzw. 15.4). j. Die nächstwichtigste Einnahmequelle bilden Steuern und Zölle. ,'o Buuoesstaaten erheben an direkten Steuern 353, Aufwands � �uer» liz, Verkchrssteuern 116 und Erbschastssteuern 23, zusam> "«"�lllO Millionen Mark. Das Reich bezieht aus Zöllen 880, aus Aufwandssteuern 703. � Verkehrssteuern 279, aus der Erbschaftssteuer 47 und aus dem �rbeitrag 417, zusammen 2326 Millionen Mark. Zahlenmäßige Nachweise über das StaatSvermöze.n der einzel Bundesstaaten konnten nur in bezug auf wicht'gere Bestand jab w..oen. Neben Ueberschüssen früherer Rechnungs verfügbarem Staatskapitalvermögen usw. b-sitzen die ."adesstaaten an Domänen ein Areal von 760 347 Hektar, an �.0rftcn 5 094 664 Hektar. Tie Staat Seifen bahnen repräsentieren . Länge von 66 135 Kilometern(im Reich 1897) und ein Anlage- Wal von 17 358(im Reich 848) Millionen Mark. 9t*?'e orten Staatsschulden beziffern sich zu Beginn des �ochnungsjahres 1913 für die Bundesstaaten auf 15 502(darunter �äßen 9267, Bayern 2286). für das Reich auf 4677 Millionen ark. Die schwebenden Schulden betrugen insgesamt 915 Millionen �"ok; stc entfallen in der Hauptsache auf das Reich(220) und �ßen(635). Amnestieerlast für Anhalt. Ter Herzog von Anhalt bat gelegentlich des Jubiläum« seiner �'lberhochzeit eine Amnestie erlassen. Danach werden alle Personen, 'e bis zum 1. Juli wegen Beleidigung des Herzog» des herzoglichen Hause», Beleidigung öffent- �'cher Beamten oder Behörden, wegen Forst» oder ''Olddiebstahls und wegen Uebertrelung rechtskräftig -.�Urteilt worden find, begnadigt. Ebenso sollen alle noch s ch w e- 'nden Verfahren wegen Beleidigung de» Herzogs oder des "Möglichen Hause» niedergeschlagen worden. . Der Amnestieerlaß sieht weiter Erlaß der Strafe vor für Listige Vergehen, wegen der Freiheitsstrafen bis zu sechs lochen oder Geldstrafen bis 150 M. erkaimt find. Soldatenmisthandlnngen und kein Ende! Das Kriegsgericht der 2. Division in Augsburg hatte sich "v, Mittwoch wieder mit einem krassen Fall von isoldatenmißhandlung befassen. Angeklagt war der Unteroffizier Franz Lauchner der • Eskadron des bayerischen 4. Chevauxleger-Regiments, weil er Shem Soldaten, der dem Auftroge de» Herrn Unteroffizier», seine �itstiefel zu putzen, nicht nachgekommen war, diese an den Kopf 'orf. Durch die an den Stiefeln befindlichen Sporen erlitt der »Idat derartige Verletzungen am Kops, daß er fünf Tage ärztlich mehrere Zeugen widerlegt. \ Unteroffizier Lauchner kam billig weg, er erhielt— zehn 5°. 8« M i l t e l a r r e st.— Eine sehr milde Strafe, die keineSweg» Eignet ist, den Soldatenmißhandlungen ein Ende zu machen. Der albanische �ufftanö. Die Lage in Durazzo. Turazzo, 3. Juli. Ter gestrige Tag ist ruhig verlaufen. Da in der nächsten Umgebung der Stadt und in der Stadt selbst Dieb stähle und Einbrüche vorgekommen sind, ist der Sicher heitSdienst verstärkt worden. Prenk Bibdoda beab sichtigt, in den nächsten Tagen in Durazzo einzutreffen, um dem Fürsten seine Bereitwilligkeit auszusprechen, abermals gegen die Aufständischen vorzurücken. Seine Mannschaften sollen sich bei Alessio wieder sammeln. Der vor drei Wochen auf seiner Reise im Innern Albaniens von Ausständischen bei Elbassan gefangen genommene englische Journalist Dell vom Londoner„Daily Citizen" wurde gestern von den Rebellen unversehrt von Schiak nach Durazzo gebracht. Sicheren Nachrichten zufolge find im Rebellenlager Zwistigkeiten ausgebrochen und etwa 1000 Teilnehmer der Aufstandsbewegung aus Albanien daraufhin heimgekehrt. DienS tag soll sich infolge von Uneinigleit unter den Rebellen ein Kamp entsponnen haben, wobei 15 von ihnen getötet wurden. Achmed Bei Mati befindet sich noch immer in Kruja. Abreise der Fürstin. Wien, 3. Juli. Die„Reue Freie Presse" läßt sich aus Durazzo melden, daß die Fürstin von Albanien sich niit ihren Kindern infolge der kritischen Lage nach Rumänien begeben werde. Der mexikanische Konflikt. Das Friedensprotokoll von Niagara Falls. Das Friedensprotokoll von Niagara Falls, zu dessen Un terzeichnung Huerta seine Delegierten am 1. Juli ermächtigte hat zum Inhalt die Organisierung einer neuen provisorischen Bundesregierung von Mexiko. Diese neue Regierung soll aus einem Uebereinkommen zwischen den Vertretern der politischen Parteien Mexikos hervorgehen. Sie soll, sobald sie sich in der Landeshauptstadt Mexiko organisiert hat. die Anerkennung der Vereinigten Staaten und der drei Vermittlerstaaten Argentinien. Brasilien und Chile erhalten und zur Union wie zu den A-B-C-Staaten so fort in normale diplomatische Beziehungen treten. Die Ver einigten Staaten verzichten auf eine Kriegsentschädigung und wollen auch sonst keine Genugtuung verlangen. Ausländer, die sich in dem Bürgerkriege kompromittiert haben, sollen Amnestie erhalten. Zur Erledigung von Entschädigungs forderungen von Ausländern, die aus militärischen Matz regeln sich begründen, sollen internationale Kommissionen vor gesehen werden. Nebenprotokolle zum Friedensprotokoll besagen, datz Huerta zurücktritt und datz Vera Cruz tatsächlich bis au weiteres von den Amerikanern besetzt bleibt. Es besteht aber bei den Unterzeichnern des Friedensprotokolls Einverständnis dahin, datz rechtlich der Friedensschlutz die Räumung von Vera Cruz und den Abzug der amerikanischen Kriegsschiffe ohne weiteres als Folge einschließt. Diese Auffassung wird auch durch die drei Vermittlerstaaten gewährleistet. Der zögernde Carrauza. Niagara Falls, 3. Juli. Einige der Friedensvermittler haben bereit» gestern den Ort verlassen, andere reisen heute ab. Der Zeit- Punkt der nächsten Zusammenkunft hängt von C a r r a n z a ab, der überlegt, ob er der Aufforderung Folge leisten soll. Vertreter zu ent- senden, die sich mit den Delegierten HuertaS über den Nachfolger Huertas einigen sollen._ Sulgarien. Der rumänisch-bulgarische Grenzzwischenfall. Sofia, 3. Juli. Die bulgarische Telegraphenagentur teilt mit, daß vorgestern vormittag drei rumänische Soldaten mit vier Ar beitern an der Grenze auf bulgarischer Seite Holz zu fällen be- gannen. Als zwei bulgarische Soldaten sie aufforderten, diese Arbeit einzustellen, antworteten die Rumänen mit Schimpfworten und einer von ihnen suchte einem Bulgaren sein Gewehr zu entreißen. während ein anderer den zweiten Bulgaren zu erschießen drohte. Die Bulgaren setzten sich zur Wehr und erschossen die beiden Angreifer. Die Leichen befinden sich noch auf bulgarischem Gebiete. Eine Untersuchung ist eingeleitet. /lmerika. Das Nachspiel zu den Eolvrado-Metzeleien. New Kork, Ende Juni. lEig. Bex.) Der Tragödie der Berg arbeiter-Maffaker» im Rockefeller-Staate Colorado ist die übliche Justizfarce gefolgt: Ter Milizleutnant K. E. Linderfelt ist Mitte Juni als erster der im Zusammenhang mit der militärischen Mordbrcnncrci im Ludlow-Distrikt vor das Kriegsgericht zitierten Milizosfiziere des Mordes an dem griechi scheu Streitführer LouiS Titas schuldig befunden und— wegen „unsoldatischer Führung" mit dem Verlust seines Offiziersranges „bestraft" worden. Eine andere Strafe kann den Mordbubcn jetzt auch vor keinem bürgernchen Gericht mehr treffen, da das Gesetz einen zweiten Prozeß in gleicher Sache in diesem Falle nicht zuläßt. Titas, dem auch von bürgerlicher Seite das Zeugnis.eine» allgemein geachteten, durchaus besonnenen Mannes ausgestellt wurde, hatte sich an dem verhängnisvollen Morgen, als die Miliz die Zeltkolonie der Streikenden zu beschießen begann, mit einer weißen Fahne in der Hand in das Hauptquartier der Soldateska gewagt, um diese darauf aufmerksam zu machen, daß sie Frauen und Kinder gefährde— die Männer hatten um jene Zeit das Lager nämlich fast sämtlich verlassen, um an einer Versammlung in einem Nachbarort teilzunehmen. Der mutige Arbeiterführer wurde von den Milizoffizicren sofort für arretiert erklärt, und während die Mordbrenner kaltherzig ihre Blutarbeit fortsetzten und mehr als 30 Frauen und Kinder in den Ruinen des von der Miliz in Brand gesetzten Zeltlagers elend zugrunde gingen, wurde TikaS ein Opfer der feigen Mordgier des Leutnants Linderfelt, der den Wehrlosen von hinten mittels seines Gewehrkolbens er- schlug. Der Mörder machte aus seiner Tat gar kein Hehl und be- kannte sich vor dem Kriegsgerichr ohne weiteres als schuldig, wußte er doch genau, datz ihm dort kein Haar gekrümmt werden würde. Den Verlust seines Lcutnantsranges wird dieser Bluthund um so leichter verschmerzen, als er sich ja nach wie vor als wohl- besoldeter Beamter der Baldwin-Feltz-Detektiv-Agentur(in deren Interesse er nach Ausbruch des Streiks erst der Miliz beigetreten war) den Interessen des Rockefeller-KapitalS nützlich erweisen kann. Nach dem Muster des Falles Linderfelt wird das„Kriegsgericht" der coloradischen Milizbaiediten zweifellos auch die Fälle sämtlicher anderen de? Mordes, der Brandstiftung und des Diebstahls be- schuldigten Offiziere, zwanzig an der Zahl,„aufarbeiten". Der Uebung ganzer Zweck ist offenbar, die uniformierte Mörderbande vor den bürgerlichen Gerichten zu schützen und sie tatsächlich so gut wie straffrei ausgehen zu lassen, um dafür die verhafteten Gewerkschaftler massenweise an den Galgen zu bringen. Nicht weniger als 100 Gewert schaflsbeamten und Gc- wcrkschafts Mitglieder sind von der Anklagejury des Mordes und der Verschwörung zum Morde ang,e- klagt worden, darunter Genosse John R. L a w s o n, der dem Landesvorstand der United Mine Workcrs angehört, sowie W. T. H i ck l e y, Sekrclär der coloradischen Staats-Organisation der Federation of Labor, der Gewcrkschasts-Schatzmcistcr E d. L. Doyle und zahlreiche lokale Gewerkschaftsbeamic. Tic bürgcr- liche Presse Amerikas hat die Maisenvcrhaftungcn und die beab- jichtigtc Massenprozcssierung totgeschwiegen, ebenso wie den Fall Linderfelt, Vorgänge, die über die infamen Anschläge der„Justiz" in dem fcrnlvestlichen Rackcfeller-Staat keinen Zweifel mehr auf- kommen lassen. Leider verhält sich auch die American Federation of Labor, deren stärkster Zweigvcrdand hier im Feuer steht, bisher noch völlig untätig. Letzte Nachrichten. Serbische Prctzstimmcn über das Attentat. Wien, 3. Juli. Das Wiener K. K. Telegr.-Korrsp.-Bureau meldet aus Belgrad: Die„Samouprava" schreibt: Wir verurteilen auftichtig das furchtbare Attentat in Sarajewo. Wir verurteilen ebenso den BandalismuS, dessen Opfer das scrvische Volk in Bosnien ist. Es darf nicht vergessen werden, datz übereilte Kombinationen über die Ur- Heber des Verbrechens, besonders unter den gegenwärtigen Verhält- nisien, grötzeren Schaden hervorrufen, als man im ersten Augenblick annehmen kann. Das Blatt wendet sich gegen den von ösierreichisch-ungarischen Blättern geäußerten Verdacht, datz Serbien in das Sarajewocr Ver- brechen verwickelt sei, und wendet sich auch gegen die Drohung ein- zelner Blätter. Die.Samouprava" sagt: Ucberechtigte Verdächti- gungen berühren»nS nicht und über Drohungen gehen wir hinweg. Erst wenn gegen uns positive Anklagen vorgebracht werden, werden wir Zeit zur Aussprache haben. Das Sara- jewoer- Ereignis kann nicht gewaltsam zu einem Streitobjekt zwischen uns und Ocstcrreich-Ungarn gemacht werden, weil über das Ereignis auch die übrige zivilisierte Welt urteilen wird. Heute hat in Serbien die Ucberzcugung genügend Wurzel gefaßt, datz Serbien wegen seiner zahlreichen wichtigen Jnter- essen in guten Beziehungen zu Oesterrcich-Ungaru stehen und sich jeden Schrittes enthalten mutz, der allgemeine Verurteilung bei allen Völkern erfährt. Die rohe, durch nichts gerechtfertigte Miß- Handlung der unschuldigen Serben Bosniens betrachten wir als einen schweren politischen Fehler. Gegenwärtig sind wir geneigt zu glauben, daß dies die Frucht der engen Auffassungen der niederen behördlichen Or- gane in diesen Ländern»st, welche die Schuld an dem Attentat von sich abzuwälzen bestrebt sind. Wir glauben aber an den Ver- stand Wiens und erwarten, datz man raHb und energisch diesem Wahnsinn entgegentreten wird, der den Brand inneren Hasse« in Bosnien schürt. Unser aufrichtigster Wunsch ist, datz die Ver- hältnisse Bosniens möglichst bald zur normalen Ordnung zurück- kehren. Die Beziehungen zwischen Oestcrreich-Ungarn und Serbien, die auf dem Wege einer gesunden Normalgestaltung schon soweit fortgeschritten waren, werden durch unbedachte, journa- listische Verdächtigungen nicht beeinträchtigt werden können. Die jungradikalen, nationalistischen und fortschrittlichen Blätter setzen die heftige Preßkarnpagne wegen der Ereignisse in Bosnien fort? sie schreiben, man wolle in Wien den ersten Augenblick des Schmerzes gegen das serbische Volk äusnutzen. Kein Urlaub für bosnische Truppen. Budapest, 3. Juli. Verschiedene Blätter berichten heute, datz der den in Bosnien stationierten Truppen gewährte Ernte- urlaub wieder zurückgezogen wurde, weil es unter den gegenwärtigen Umständen den Soldaten nicht ge» stattet werden könnte, Bosnien zu verlassen. Die u n g a» scheu Manöver, für die bereits große Vorbereitungen ge- troffen worden sind, und im Bezirke Stein am Anger stattfinden sollten, werden nach einer Meldung der„Zeit" ebenfalls unter» bleiben. Dir französische Einkommensteuer vom Senat angenommen. Pari», 3. Juli. Der Senat hat mit 230 gegen 54 Stimmen den Artikel 7 des Finanzgesetzes, in welchem im Prinzip eine allgemeine Steuer auf das Einkommen vorgesehen ist, angenommen. Serbisches Wahlkompromitz. Belgrad, 3. Juli. Zwischen der jungradiialen, der nationa- listischen und der fortschrittlichen Partei ist ein Uebereinkommen erzielt worden, durch welches sich alle drei oppositionellen Parteien verpflichten, für die bevorstehenden Wahlen gemeinsame Kandidatenlisten aufzustellen. In oppositionellen Kreisen ist man der Meinung, datz infolge des zustandcgckommenen Kompromisses das Kabinett Paschitsch eine Nieder- läge bei den Wahlen erleiden werde. Grotzfeuer in der Nähe Hamburgs. Hamburg, 3. Juli, Heute nachmittag brach in K i r ch w ä r d e r» n o r d bei einem Gemüsebauer ein Feuer aus, das sich bei der Dürre, dem Winde und dem Wassermangel sehr schnell ausbreitete. In zwei Stunden standen fünfzehn Gebäude in Flammen und noch ist der Gewalt des FeuerS nicht Eirchalt getan. Zahlreiche Gebäude befinden sich in Gefahr. Bisher find 3 Automobilspritzen der Hamburger Feuerwehr und alle Spritzen der Umgegend tätig. Furchtbares Unwetter in Nürnberg. Nürnberg, 3. Juli. Abends zwischen 7 und 8 Uhr hat sich über Nürnberg und Umgebung ein furchtbares Unwetter ent- laden. Der angerichtete Schaden dürfte seiner Größe wegen vor- läufig unübersehbar sein. Ein H a g c I s ch l a g, der durchschnitt» lich Schlössen von Hasclnutzgrötze, teilweise solche von Walnuß» arötze brachte, ging zwanzig Minuten ununterbrochen nieder. Da« Rauschen des Hagels übertönte, einer Brandung gleichend, eine Viertelstunde lang den Donner. Die öffentlichen Anlagen, die Gärtnereien und die Felder der Umgebung sind verwüstet. Nürn» bergs herrlicher Blütenschmuck an den Fenstern, auf dem in diesem Jahre besondere Sorgfalt verwendet war. ist vernichtet, stellen- weife haben die Wassermaffen das Stratzenpflofter aufgerissen. Bcrgarbeitcrftreik iu Frankreich. St. Etieune, 3. Juli. Alle Gruben im Bezirk von Saint E t i e n n e liegen heute still. In den meisten Kohlengruben de« umliegenden Bezirks ist die Streitorder zu spät eingetroffen, weS» halb die Bergleute dort noch arbeiten. In den Kohlengruben in Nordfrankreich sind die streikenden Förderleute heute früh wieder eingefahren, um die Anordnungen des am Sonnabend tagenden Kongresses abzuwarten. �. Paul unö Friöa Schiller Friöel 5 rhiller Charlottenburg. Tuli 1914 4� l OG-EHS««» Unterm und Ä lieben Freund Gen oft en k»au l Kubs �um beutiqcn Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. 'V. Di- Lliquo von Kontgentsl. �ASSASKSSEEGHOOl � Todes-Anzeigen| KepbandderSattleru.Portefeüiller Ortsvcrwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nach. richt. daiz unser Mitglied, der Blililärsattler Paul tiörxeus Werkstatt F. Cobau verstorben ist. '-»>.-.V�* 2.701 Ein Posten Loden-Widcel-Gamasdien V. V'**- v«* 2.25 Ein Poslen Leder-Gamasdien, ältere Formen Vc'.. 3.50 Ein Posten Plleger-Kombinations....... 10.80 16.50 Ein Posten Staub- und Relsemantel.. 3.20 4.10 8.25 Bergstöcke, Ledergürtel, Sweater, Ruderer-jScker, Stutzen usw. Herren- Artikel Ein Poslen Strohhüte..... lOPf. 25P|. SOPf. SOPf. Ein Poslen Panamohüte........■>,..... 5.23 4 Formen 40 PI. 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Um zahlreiche Beteiligung ersucht 66/7 Die Bezirksverwaltang. Verband der Friseurgehillen Deutschlands. Zweigverein Berlin und Vororte. Am 30. Juni starb plötzlich unser Kollege Erich Pohlmann. Die Beerdigung findet am Montag, den 6. Juli, nachmittags 3 Uhr, aus dem Zentrak-Friedhof in Friedrichsfelde statt. Um rege Beteiligung ersucht Iber- Voi-»t»n«I. '287/3 Paul Liere. Für die Beweise herzlicher Teil- »ahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Vr&nz Bankowski sagen wir allen Beteiligten, besonders demiHerrn Redner unfern herzlichsten Tant. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die Teilnahme bei der Be- erdigung meiner lieben Frau sage ich allen Genossen, Freunden und Bekannten, sowie dem Genossen Paul Kaiser für seine trostreichen Worte, dem Gesangverein und dem weib lichen Personal der Firma Adols Günther meinen herzlichsten Dank. Bernkard Rowald 133A Tilsiter Str. 27. Bollfflllietloimi Wanderkarten hält stet» vorratig andluna Vorwärts ndenstr.«(Cabrn) Allgemeine Orts- Krankenkasse Berlin-Pankow. Folgende Satzungsänderung bat die Genehmigung des Oberversiche- rungsamis erhalten und tritt mit dem heutigen Tage in Kraft: Im§ 62 Absatz 1 der Satzung werden die Worte..der Dienstbote infolge von Krankheit erwerbsunfähig wird und" gestrichen. 273/17 Berlin-Pankow, den 3. Juli 1914. Der Borstand der Allgemeinen Ortskrankeukaste Berlin-Pankow. C. L u b i g, Vorsitzender. I llnübsrtrsMioli l»f Illzxvr I I Verkauf von hohen Herr- 1 j schaft., Kavalieren. Rei-j I senden abonniert. Herren- 1 I moden,sehr wenig getrag., 1 1 erstklass. Verarb. von nur 1 1 echten Stoff., teils von Hof-[ 1 schneidern und auf Seide, j | speziell für starke Herren. 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Jahrgang. i KnlU Ks.latitiarle" gnlintt jlalblilfltt. ZonNbeud, 4. Juli 1914. Gewerkschaftliches. �uf dem Siechenbett! Xte Hirsch-DitnckerfchcnGclverkvereine sind die ältesten l�cwerkschaftcn in Deutschland, aber auch die bedeutungslosesten. Auf dein von Fritsche und Schweitzer einberufenen Allgemeinen Deutschen Arbeiterkongreß in Berlin am_6. September 1868 wurde die Grundlage für eine Anzahl von Gewerkschaften gelegt, zivci Tage später erfolgte, als Protest hiergegen, von liberaler Seite die Gründung der Hirsch-Dunckerschen Gcwcrkvereinc. Diese hatten sich von vornherein hochmögender Gönner zu erfreuen und als im Jahre 1878 die meisten Gewerkschaften auf Grund des So- zialistengcsetzes aufgelöst wurden, da Ivaren die Hirsch-Dunckcr- scheu nicht nur von einer unangenehmen Konkurrenz befreit, iic wurden auch von der Behörde offen begünstigt. Alle Vorbedingungen für eine kraftvolle Entivicklung ivaren erfüllt; aber diese blieb aus. Die Arbeiterschaft betrachtete die Protektionskinder der Regierung und des liberalen Bürger- tuins mit einem lvohlbegründetcn Mißtrauen. Nur sehr lang- sam entwickelten sich die Gewerkvercine. Trotz aller Schwierig- feiten, die den freien Gewerkschaften, die unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes gegründet waren, gemacht wurden, hatten sie die Hirsch-Dunckerschen schnell überflügelt, und als die Fesseln des Schandgesetzes fielen, die Gewerkschaften� sich etwas freier bewegen konnten, da kamen die Hirsch-Dunckerschen als ihre Konkurrenten kaum noch ernstlich in Betracht. Während die freien Gewerkschaften einen glänzenden Aufschwung nahmen, ihr Fortschritt auch in Krisenjahren kaum nennenswert gehemmt wurde, so daß sie mit ihren 2lla Millionen Mitgliedern unbestritten die maßgebenden Gewcrkschasts- Organisationen in Deutschland sind, pendelt die Mitglieder- zahl der Hirsch- Tunckerschen schon seit Jahrzehnten um die 100 000. Nach dem im„Gewerkverein" veröffentlichten Rechnungs- abschluß haben die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvercine im Jahre 1018 8607 Mitglieder verloren; am Jahresschluß betrug ihre Mitgliederzahl 106 618. Bei Organisationen, die sich in nor- Maler Entwicklung befinden, würde dieser Verlust im Hinblick aus die schwere Wirtschaftskrise, bei welcher die Arbeiter- Organisationen allgemein mit Mitglicderverlusicn rechnen Müssen, wenig zu bedeuten haben. Bei den Hirschen fehlt oder das pulsierende Leben; sie stützen sich in der Hauptsache auf die ältere Generation von Arbeitern, die durch daS An- recht auf die Unterstützungen, welche sie durch langjährige Beitragszahlung erworben haben, an die Organisation gefesselt werden, ohne aber an dem Leben im Gewerkverein Anteil zu nehmen. Der Zuzug von frischem Blut ist sehr gering und deshalb sind die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine eine absterbende Organisation, die jeden Verlust doppelt schmerzlich empfindet. Es scheint übrigens, als ob die Mit- gliederverluste tatsächlich größer lvaren, als öffentlich zugegeben wird, denn mehrere Gewerkvercine haben keine Ab- rechnuug geliefert, so daß die angegebene Mitgliederzahl nur fingiert ist. Auf die einzelnen Gewerkvercine verteilt sich die Mit gliedcrzabl folgendermaßen: Metallarbeiter 18 816 llülii 41 601), Fabrik und Handarbeiter 18 555(17 997), Tertil (1158), Maler 1150(1708), Gemcindearbcitcr 1628(1824), s Bauhandwerker 1200(1150), Frauen und Mädchen 701(668), (Bildhauer 818(817), Bäcker und Konditoren 260(800), Kellner 596(688), Eisenbahner Württemberg 8000(8000), Eisen- dahner Breslau 1100(1800>, Brauer 2854(2184), Rccch schlägcr 81(30), Küfer 52(54), Maschinisten Hamburg 10< (O), Wäger Danzig 50(0). lieber die K a s s e n v e r h ä l t n i s s c der Hirsch- Dunckcrscheu Gewerkvercine läßt sich wenig sagen, da die in dieser Beziehung veröffentlichten Zahlen irreführend sind. Die meisten Gewerkvercine haben eigene Kranken- und Bcgräbniskassen, die nicht nur gesondert verivaltet werden, sondern deren Mitgliederbestand mit dem des Gcwcrkvereins auch durchaus nicht identisch ist. Trotzdem iverdcn die Zahlen für die verschiedenartigen Kasseneinrichtungen zusammengeworfen, so daß es nicht wohl möglich ist, ein klares Bild von der gewerkschaftlichen Leistungsfähigkeit der Organisationen zu gewinnen. Die Gesamteinnahmen aller Kassen betrugen im Jahre 1913 2 866 891 M., die Gesamtausgaben 2620864 M. Das Gesamtvcrmögcn betrug am Jahresschluß 1165 311 M., davon gehört jedoch der größere Teil mit 2 736 812 M. den Kranken- und Begräbniskassen, während für gewerkschaftliche Zwecke in den Haupt- und Lokalkassen der Gewerkvercine nur 1 728 528 M. zur Verfügung standen. Durch das Zusammen- werfen der Kassen bei der öffentlichen Rechnungslegung erreichen es zwar die Hirsche, daß sie mit größereu Zahlen paradieren können, um so geringfügiger erscheint aber ihre Leistung auf gewerkschaftlichem Gebiet. Sie haben zwar an Krankengeld 805 096 M. und an Sterbegeld 116161 M. ausgegeben, dagegen an Arbeitslosenunterstützung nur 828 177 M. und an Streik und Gcmaßregeltenunterstützung aus den Hauptkassen 386 807 M. und aus den Lokalkassen 78 111 M. Ter offizielle Kommentar zur Abrechnung sagt u. a.: „Die aufgeführten Zahlen lassen mit aller Deutlichkeit er- kennen, daß die Arbeiter in den Deutschen Gewerkvereinen eine Organisation finden, auf die sie in allen Notlagen des Lebens mii Sicherheit rechnen können." Das klingt wie Ironie; denn die Mitgliederziffern zeigen, daß die Arbeiter zu den Hirsch-Dunckerschen Gcwerkverciucn durchaus kein Vertrauen haben. Deren Führer haben nicht den Mut, es offen einzugestehen; aber tatsächlich sind sie die Vertreter einer Organisationsform, die keine Existenz- berechtigung mehr hat und langsam im Absterben begriffen ist. Serlin unü UmgegenS. Zum Streik der Kraftdroschkcnführer. Am Freitag tagte eine überfüllte Versammlung. Becker besprach die Situation und führte aus, daß die Stimmung, die unter den Anwesenden herrsche, eine erfreuliche und gute sei und auch gar kein Grund zur Flaumachcrei vorliege. Den Wunsch Seiten der Streikenden, alle Chauffeure aus den Betrieben zu ziehen, habe die Organisation aus bestimmten Gründen nicht ausgeführt. Der Kampf, der augenblicklich tobe, fei ein frivoler und von den Arbeitgebern den Chauffeuren aufgedrängt. Die Unternehmer selbst hätten stets ihre Zufriedenheit mit dem Berliner Chauffeur- Material ausgedrückt. Tie Scharfmacher unter den Unternehmern hätten nur der verhaßten Organisation eins auswischen wollen. Dem entspricht auch die Tatsache, daß die Unternehmer den ge- fällten Schiedsspruch ablehnten und eine neue, erheblich verschlechterte Arbeitsordnung in Tarifförm den Chauffeuren vorgelegt haben. Unter diesen Umständen mußte der Kampf weitergehen. � Die von Unternehmerseile verbreiteten Gerüchte, wonach die finanzielle Lage des Verbandes ungünstig sei und der letztere keine Untsrstützung mehr miszahlen� könne, bezeichnete der Referent als hellen Unsinn. Eine derartige»schwindclnotiz hatte der„Lotalanzeiger" gebracht, der auch von Gclvaltätigkcitcn der Streikenden den Arbeitswilligen gegen- über zu berichten wußte. Auch dies konnte vom Referenten als freche Lüge zurückgewiesen werde«. Das Gegenteil ist der Fall. Im übrigen legte er allen Anwesenden dringend ans Herz, sich in keiner Weise provozieren zu lassen. Was den Abschluß eines Tarifes bc- trifft, so ist bis jetzt für 1400 Chauffeure in 450 Betrieben ein Tarif abgeschlossen. Am Streit beteiligt sind noch über 1800. 8000 sind nicht am Streik beteiligt, da sie in tariftreuen Betrieben stehen. Tie paar Arbeitswilligen, die in die Betriebe gegangen sind, könnten den Kampf nicht beeinflussen. O r t h m a n n gab im Auftrage der Ortsverwaltung die Er- klärung ab, daß auf Grund des Verhaltens der Unternehmer der Kampf in verschärfter Form fortgeführt werden muß und alles getan wird, um durch besondere Unterstützung die Arbeitswilligen ans den Betrieben zu ziehen. Gegen eine Extraunterstützung an die Streikenden hat die Organisation nichts einzuwenden, die statu- tarisch zustehenden Sätze werden hierdurch nicht beeinflußt. Achtung, Dachdecker! Bei der Firma Puhlcmann, Berlin, Müllerftr. 14, ist es am 3. Juli zur Arbeitseinstellung gekommen. Die Firma Puhlcmann hat zurzeit größere Arbeiten auszuführen in Staaken und in Hennigsdorf. In dieser Werkstclle herrschten schon seit längerer Zeit erhebliche Mißstände. Die Hilfs- arbciter wurden zur Verrichtung von Dachdeckerarbeiten herangezogen, weil sie billiger sind. Es sollten Ueberstunden gearbeitet werden, ohne daß der übliche Zuschlag bezahlt wurde. Ein genügender Untcrkuuftsraum ist für die Dachdecker nicht vor- Händen usw. Am Mittwoch, den l. Juli, fand eine Werkstellen- Versammlung statt, um zu den vorhandenen Mißständen Stellung zu nehmen. Am Montag, den 20. Juni, wurden in Staaken plötzlich drei Dachdecker entlasten und am Dienstag, den 30. Juni, in Hennigsdorf noch ein Dachdecker, obgleich die Firma fort- während noch neue Dachdecker einstellte. In den Entlassenen ver- nintete inan die Nörgler. Die Wcrkstellenversammlung wählte eine Kommission, welche mit dem Arbeitgeber wegen der Beseitigung der Mißstände und wegen der Wicdereinstcllnng der entlassenen Dachdecker verbandeln sollte. Die Beseitigung der vor- handenen Mißstände sagte die Finna wohl zu, die Wiedereinstellung der Entlassenen lehnte sie aber ab. Ein nochmaliger Versuch, die Angelegenheit auf gütlichem Wege zu erledige», scheiiertc an dem Eigensinn des Firmeninhabers. Er wies die Kommission und den Vertreter der Organisation kurzerhand von seinem Platz. Die Werk- stelle ist von allen Dachdeckern und BerufSgcnosien solange zu meiden, bis die Angelegenheit erledigt ist. Zentralberband der Dachdecker. Aus dem Fleischcrgrwcrbc. In Weißensce ist das falsche Gerücht verbreitet, als hätte die Firma T i s ch e r den Tarifvertrag der Organisativn anerkannt. Dies trifft nicht zu. Die Firma Tische. r, Berliner Allee 236, bleibt nach wie vor gesperrt. Desgleichen sind die Firmen i H i I d m a n n, Lothringen Str. 44, T a u b c n h e i in, Berliner Allee 220, Jessen, Berliner Allee 223, Schreiber, Berliner Allee 34, und Klinke, Streustr. 122, wegen Nichtanerkennung dos Tarifvertrages für organisierte Fleischer- gesellen gesperrt.— In R n m m e l s b u r g besteht die Sperre über die Firmen i Gengelbach, Ecke Kant- und Mozartstraße, S ch r e i b e r. Kantstr. 23, und Thiel, Tllrcschmidl« straße 44, weiter. Die Tarifkommissio». Deutsches Neich. Die Walkcrriarbeiter in Forst(Lausitz) streiken seit dem l. Juli. Die Tuchfabrikanten wiesen die überaus bescheideiicu Forderungen der Walker ab, obgleich in mehreren Sitzungen des Fabri- kantenvereins ein Entgegenkommen in Aussicht gestellt wurde. Tic Walker fordern 25 M. Wochenlohn für die Arbeil an den Schal!» löchent und 24 M. für Arbeiten an den Waschmaschine». Lohnkampf im Haitdelsgrwerbr. Die Firma Johann Bolze'»», Manufakturwaren auf Teilzalüung in Düsfeldor f, Pionier- straße 17, befindet sich in Differenzen mit dem Zentralverband der Handlungsgehilfen. Es ist zwischen beiden ein Tarifvertrag für die Reisenden und Kassierer vereinbart worden. Nach dein Schlüsse der Verhandlungen weigerte sich jedoch der Firmeninhaber, den Vertrag anzuerkennen und zu unterschreiben. Die Angestellten der Firma haben darauf ihre Kündigung eingereicht. Die Firma ist gesperrt. Kleines Feuilleton. Studenlcit wollen... In den bürgerlichen Blättern veröffent- licht eine Studentengruppe einen Aufruf, der die Gründung eines „Studentenbundes für künstlerische Volkserziebung" ankündigt. Die Publikation, die in sehr jugendlichen, starken Tönen gehalten ist, ver- beißt„Innstwiffenschaftlichc Führungen, studentische Rezilations- und Autoren-Abcnde und schließt hochgemut:„Wir_ wollen alten Scholarengeist betätigen, in die Aulen der Geineiiidcschulen, in die Turusälc der Soldaten, in die Fabriken, in die Bauernhöfe, in die Krankenhäuser, in die Fürsorgcanstalten, in das Geiängnis, in das Zuchthaus vordriugcit. Wir'wollen wirken und daran denken, daß in jeder Schlammpfütze sich der reinste Himmel spiegelt. An sich ist es ja sehr nett, daß die juiigeii Leute einen Teil ihrer freien Zeit, die ja selbst beim eifrigsten Studium nicht allzu knapp bemessen ist, für eine solche Betätigung Verivcndcn wollen. Aber es spricht doch aus dem ganzen Aufruf eine Ilebcrhebnng über die „ungelehrtcn" Berufe, die man gerade der akademischen Jugend von heute ganz nachdrücklich verweisen muß. Es gibt unter den Arbeitern eine sehr große Anzahl, die für geistige� und künstlerische Dinge eine größere Liebe und ein brünstigeres suchen ausbringt, als die meisten Studenten heutzutage, die nichts als ihr„Fach" betreiben. lind das ist bei der werktätigen Klasse um so niehr anzuerkennen, als der heutige Staat ihr kaum die notwendig st e materielle und intellektuelle Grundlage für ein höheres geistiges Leben zugesteht. Außerdem dürfte den Leitern dieses„SludcntcnbundeS", wenigstens wenn sie ihre Ziele tatsächlich ohne alles Schielen nach oben verfolgen wollen, sehr bald vom Kultusministerium, wie auch von ihren eigenen akademischen Behörden, die ja immer niebr zu gehorsamen Organen der Schwartzkopffs und Trotts geworden find, auf das Burschenhaupt gespuckt werden. Mau warte also ruhig ob. was bei diesem akadcmischeu„Bildungsbuiid" herauskommt. Sehr berechtigt ist jedenfalls die Meinung, daß die Studcuteiifchaft, soweit sie etwas für die Freiheit der Geister tun will, eine Fülle näher liegenderer Aufgaben hat: P o I i t i s i e r u n g ihrer selbst. Pv'itisierung der sogenaimten„gebildeten Mittelschicht", rücksichtsloses Erzwingen der absoluten Lehr- und Lern- f r e i h e i t, Kampf für eine allen zugängliche E r n h e x t S s ch u l c. Tic Lebensversicherung der Fürsten,-iic Fiirstetibranchc gilt im allgemeinen als unsicherer Beruf. Betriebsunfälle inaimigfacher Art sind au der Tagesordnung. Aber Juan sollte meinen, die Hinlervliebenen von Fürsten wären vor Hunger Und Not einiger? maßen sicher, so daß es einer Lcbciisvcrsicheruug bei gckröuteit Häuptern eigentlich nicht bedürfte. Dem ist indessen nicht so. Wie mar, jetzt, beim Ende dcS österreichischen Thronfolgers erfährt, sind die meisten Fürsten versichert. Auch der Getötete war es mit etwa einer Vicrtelmillion. Die Könige von England und Italien sollen sogar recht hoch versichert sein, desgleichen ihr l panischer Kollege, dem bei dem etwas plötzlichen Ende seines portugiesischen Nachbarn ein Schreck in die Glieder fuhr, so daß er sein kostbares Leben' für mehrere Millionen versichert haben soll.(Richtig zu lesen: sein kostbares Leben für mehrere Millionep: nicht etwa: fein für mehrere Millionen kostbares Leben.) Tic skandinavischen Fürsten haben sich bei ihren heimischen Gesellschaften und an. geblich nur mit mäßigen Beträgen versichert. Ferdinand von Bulgarien zahlt ebenso seine Prämien wie der getötete Alexander von Serbien, während auf Peter keine Gesellschaft anbeißen wollte: man hielt ihn wohl für allzu vogelfrei, ebenso wie die Pcrsichc- lungsanträge des Fürsten Wied von allen Gesellschaften abgelehnt wurden. Bedenkliche Kunden sind auch die russischen Großfürsten, denn während alle anderen fürstlichen Versicheritngsnehmer bloß die gewöhnlichen Prämien zahlen, müssen die Großfürsten einen Zuschlag leisten, von wegen des erhöhten Risikos,„da die Ver- sicherungssummcii, wie die Wiener„Zeit" sich zart ausdrückt, auch in Fällen eines unnatürlichen Todes ausgezahlt werden". Die drei Kaiser sind nicht versichert, dafür gehören sie ja auch zu den reichsten Leuten der Welt. Wohl aber hat seine Heiligkeit der Papst eine Police genommen, zugunsten seiner Schwestern; ob unter Berufung auf ein Jcsuswort, wird nicht gemeldet. Ebenso- wenig ist bekannt geworden, ob es Fürsten gibt, die sich gegen Absetzung, gegen Bcschnciduiig der Zivilliste oder gegen Entglei- jungen im politischen Leben versichern lassen. Musik. Wagners„Ring" für das Kartell der freien Volksbühne n. Vierter Tag:„Götterdämmerung". An Düsterkeit und Erhabenheit wüßte man der Götterdämmerung kaum eiwaS in der Weltliteratur an die Seite zu stellen. In dramatischer wie musikalischer Hinsicht enthält sie nicht bloß genug Stoff für mehrere Opern der alten Art, sondern auch mehr Handlung als alle übrigen Dramen Wagners. Ein Ereignis drängt das andere. Der Hörer wird vom verzehrenden Interesse für die sich unmittelbar folgenden Vorgänge in atemloser Aufregimg hingerissen. Die Musik verdreifacht die Kraft der Gefühle, die die Eharaltere beleben. Mau verliert wie durch Zauberei allen Kontakt mit der Zeit und vergißt die Stundeil zu zählen. Alles Gerede von»n- dramatischen Langen ist doch mehr ein Ausfluß geistiger und physischer Schwäche..„.„ Ohne Striche. w,e nur noch in Bayreuth, ist das grandiose Werk nun hier vorgestern erstmalig zur Vorführung gekommen, aber im Publikum Hai sich keiuerlei Ermüdung gezeigt. Es war dankbar für die Darbietung des ganzen Werkes, das man merkwürdigerweise meist um drei seiner poetisch wie nulsikalisch eigenartigsten Szenen i— die der Nornen, diese„Symphonie in Gran", die Unterredung Alberichs mit seinem Sohne Hagen und Waltrautes Besuch bei Brümihilde— ver- kürzt. Hingegen wird man mit der Dekoration und Regie nicht in allen Teilen einverstanden sein. Daß zugunsten einer starken Kontraststim- mung endgültig mit der Vorführung einer theatermäßigen Waldromantik aufgeräumt wurde, ist gciviß zu loben. Dennoch können wir uns eine Ilfcr- und AelSlandschast am Rhein wohl lieblicher denken, ohne lins deshalb mit den lakonischen Anordnungen Wagners in Wider- spruch zu setzen. Zur Stcigcriurg des dramatischen Abschlusses wie zur Verständlichkeit dcS im Untergang bestehenden Schicksals der Götter ivürde es sich empfehlen, Brnnnhilde zu Roß in den Scheiter- Haufen sprengen und drüben die brennende Gölterburg zusammen- stürzen, zu lassen. Die Aufführung selbst vollzog sich in sichtbar aufsteigender Kurve bis zum grandiosen Abschluß der Trilogie. Im Mittelpunkt des Interesses standen vom ersten Auftreten an: Mimi PönSgen, die ihrer großkünstlerischen Gestaltung der Brünnhilde stimmliche Kraftausdauer bis zur letzten Note dieser Rolle beigesellt, und Wolf- gang von Schwind. Diesem Hagen dürfte, wenn man absieht von einigen Scitensprüiigen ins Böscwichterhaftc, so leicht kein anderer zuvorkommen. Sein Baß hat Metall und massige Trag- kraft: die Darstellung hat Wucht. Den Siegfried gab, an Stelle des erkrankten Georg Schmieter, Kammersänger Goltz vom Deutschen Opernhaus. Er macht eine schöne Lohengrin- Erscheinung und versteht seinen schmiegsamen, nur freilich eher lyrisch gefärbten als dramatischen Tenor vortrefflich zu gebrauchen. Allein für den Siegfried reicht er nicht aus. Von Hermann K a n t als Gunther ist ähnliches zu sagen. Ludwig Wiedemaiiu(Alberich), Elsa Lyon(Walirautcj und Hanna v. Granfelt(Gutrune) komiteii genügeir; desgleichen die Noriien (Else Ben gell), die Rheintöchter(Susanne Picke lmann) sowie der Mannen- und Begrüßuugschor. Das Orchester unter seinem vor- züglichen Dirigenten E- V v n R e z n i c c k hat seinen großen Anteil am ungewöhnlichen Gelingen. Prachtvoll metallig erklang der Trauermarsch, anderer Feiuheitcii nicht zu gedenken. Würdig in erster Besetzung ist der Ring zum Abschluß gclomnieu. e. k. Notize«. — 25 Jahre Freie V o l k s b ü b n c. Tic Freie Volks. bühnc gibt ein Werbehest heraus. In einem Rückblick behandelt Conrad Schmidt ihre 25jährige Tätigkeit. Die neuen Aufgaben, die sich die Volksbühne gestellt hat: die Pflege der Musik und der bildenden Kunst werden von Alfred Gutiniann und Max Teri gewürdigt. Oskar Kailfiiimiii, der Architekt der werdenden„Volks- bühnc" am Bülowplatz, schildert den neuen Bau, bei dem Inneres und Aeußeres eine ausdrucksvolle Einheit bilden werden. Für das loinmende VereinSjahr ist ein reichhaltiges Programm von Aufführungen aufgestellt, darunter Goethes Götz und Geschwister, Tolstois Macht der Finsternis, AnzengruberS Krcuzelschrcibcr, Shakespeares Was ihr wollt, Sullivans Mikado, Starossons und Nespitals neues Stück: Verflucht sei bcr Acker, Müllcr-Schlöessers Schneider Wibbd. An Opernaufführungcn sind geplant: Frei- schütz. Martha, Waffenschmied und Mozarts Entführung aus dem Serail. — Bibel u ii d Kien topp. Eine französische Firma lalle Oberainmergau gefilmt. Die Berliner Zeiisurbehörde hat den FUm zurückgewicseu und gleichzeitig erklärt, biblische Stofse seien iür das Kino nicht zulässig. Tie liberalen Priester werden weinen, denn hier hätte es eine so schöne Gelegenheit gegeben, für das nicht mehr zugkräftige Christentum ein bißchen Tamtam zu machen. — P a u I H c y s c s T c st a in c n t. Paul Heyse. in seinem Testament die Verfügung getrofscn, daß nach dein Tode seiner Frau die sämtlicheii Erträgniffe seiner Schriften, Honorare und Tantiemen zu gleichen Teilen der Tcutfchcn Schillerstifunig in Weimar und der Münchencr Zweig-Schilletstistung übcrlvicscn werden sollen. — Der neue M u s e ü ms d ir c k t o r. Als Nachsmgrc Tschudis ist an die Spitze der bayerischen staatlichen Galerien der bisherige Direktor der Wiener modernen Galerie Tr. Dorn- h o c f f c r nach München berufen worden.- — Ein blinder Blindener zieher. I. Campbell, der blinde Direktor der Normalschulc für Blinde in Norivoad (England) ist gestorben. Campbell hatte als vierjähriger Knabe sein Augenlicht verloren. Musikalisch reich veranlagt, wurde er Musiklehrer, schließlich sogar Musikdirektor. Er lvidmete sich dann der BIiliderierziehuiig„ studierte alle Einrichtungen dieser Art in Europa und ließ sich 1871 in London nieder, wo er zwei?ahre später die königliche Normalschule und Musikakademie für Blinb? gründete, die er durch 40 Jahre geleitet hat. �ie galt als Musicr- anstalt für die Blindcncrzichung. Der achte Berbandstag des Zentralverbandes christlicher Holzarbeiter tagte seit Sonntag in Mainz. Ans den Verhandlungen ist die herhe Kritik, die an den Polizeibehörden wegen Belästigung der Streikposten geübt Wierde, erwähnenswert. In diesem Sinne wurde folgende Entschließung gefaßt: „Angesichts der neuerlichen Bestrebungen verschiedener Kreise, das Koalitionsrecht der deutschen Arbeiter dadurch unmöglich zu machen, daß durch Polizeiverwaltungen das Streikposrenstehen einlach verboten wird, sieht sich der achte Verbandstag der christ- lichen Holzarbeiter Deutschlands veranlaßt, hiergegen' entschieden Einspruch zu erheben. Der Vcrbaudstag ist der Meinung, daß, so gut es den Arbeitgebern ungehindert möglich ist, durch Ver- vängung von Sperren, durch Herausgabe von schwarzen Listen und sonstige Maßnahmen zu ihren Gunsten wirtschaftliche Kämpfe zu führen, auch den Arbeitern möglich sein mutz, durch Streik- Posten den nach Streikorten reisenden Kollegen Ausklärung zu geben. Der Verbandstag protestiert vor allem dagegen, daß jede Polizeibehörde ohne weiteres in der Lage sein soll, das Streik- poftenstehen zu verbieten, was als Ausnahmerecht gegen die Ar- beiter angesehen werden muß." Di« christlichen Arbeiter sollten auch mit den politischen Ver- tretern ihrer Idee und mit ihrer Presse eininal ein ernstes Wort reden, die durch Terrorisniuslügen und die Aufbauschung gewiß un- angenehmer, aber doch menschlich vielfach verständlicher Zwischenfälle bei Lohnbewegungen den Scharfmachern Material für ihr Geschrei nach dem Schutzmann gegen streikende Arbeiter lieferten. Bei der Firma M. u. S. Levi, Württembergische Schuhfabrik in Faurndau bei Göppingen, find wegen Maßregelungen und Lohn» abzögen ernste Differenzen ausgebrochen. Zuzug ist streng fcrnzu« halten. Buslmtd. Tie belgische Gewerkschaftsbewegung. Brüssel, 3. Juli.(Eig. Ber.) Am 26. Juli findet in Brüssel der Kongreß der belgischen Ge- werkschaften statt. Der eben ausgesondte Bericht oerzeichner im wesentlichen die bereits anläßlich des letzten Kongresses der Arbeiter» Partei« Ostern 1S14) hier mitgeteilten Fakten. Der Tätigkeitsbericht für 1613 verzeichnet 126746 angeschlossene Mitglieder gegen 116 682 des vergangenen Berichtsjahres. Man steht, trotz der puvermeidlichen Rückwirkungen des Generalstreiks und den noch immer andauernden Wirkungen der Krise ist gleichwohl ein bemerkenswerter Fortschritt zu buchen. Auch der letzte� Bericht weist wieder auf eine Festigung der Organisation im Sinne der Zentralisation. Die Zahl der Zentral- verbände hat sich wieder vermehrt, so um die der Transportarbeiter, der Lithographen, der Textilarbeiter. Manche Zusammenschlüsse wurden ermöglicht, andere"wieder, so im Baugewerbe und in der Belleidungsinoustrie. sind vorläufig gescheitert. Auch auf die Einigung unter den beiden Organisarionen der Diamantarbeiter in Antwerpen wurde bereits verwiesen. Die nicht umfangreichen Grenzstreitigkeiten wurden fast durchwegs in befriedigender Weise durch Vermittelung der Gewerkschaftskommission geregelt. Im Berichtsjahre haben zwei größere Streiks stattgefunden: der der Hutmacher und der Wagenbauer. Für die letzteren kamen durch Sammlung eine Unterstützungssumme von 167 763 Frank zu- samnien. Das einmal monatlich erscheinende„Korrespondenzblatt" der Kommission hat die Defizitperiode noch nicht überwunden. Da» Interesse für daS Gewerkschaftsblatt läßt leider noch zu wünschen übrig. Der Julikongreß wird u. a. auch über die Revision der Statuten der Kommission zu beraten haben. Luxus unö Elenö im tzotel. Eng beisammen wohnen im modernen Hotel Komfort, aus- gesuchtester Luxus neben den primitivsten Lebensbedingungen. Aus dem behaglichen Vestibül gclmigen die Fremden über prächtige Treppen oder mit dem Fahrstuhl in ihre elegant ausgestattete» Salons und Schlafzimmer. Dbne seinen Wohnraum verlassen zu müssen, ist der müßige Weltewbummler heute in der Lage, tele- phonische Verbindung nach Paris und London sich zu beschaffen. Auf demselben Wege bestellt er sich sein Frühstück ins Haus, sein Reisegepäck wird ins Hotel expediert und hier bekommt er auch sein Billett, pardon,„Fahrschein" fite Eisenbahn und Ozeandampfer. Ein Heer von Köchen, Kellnern und sonstige» Angestellten sorgt für sein leibliches Wohl, stets bereit, seinen Wünschen dienstbar zu sein, llcberall Lickt, Glanz, Behaglichkeit.« Und nun die Kehrseite! Hoch oben unter dein Dach oder im Keller oder unter der Treppe in feuchten, dunkeln, schmutzigen Höhlen— da hausen die Angestellten. Diese Löcher suchen sie aus, um nach 15— ISstündiger schwerer Arbeit ihre müden Knochen für einige Stunden auszuruhen. Luxus, Pracht, Verschivendung auf der einen Seite, Not und Entbehrung, krasseste Ausbeutung auf der andern— das ist die Signatur im Modernen Hotelbetrieb. Eine vom Verband der <6 a st w i r t s g e h i l f e n soeben herausgegebene Broschüre zeigt dies von neuem. Sie enthält das Ergebnis von Erhebungen, die der Verband unter den H o t e l d i e n e r n veranstaltet hat. Die Hoteldiener, das sind jene fleißigen Leute, die gewöhnlich auf den Namen„Friedrich" hören und die Dich in später Nachtstunde in das Hotel einlassen, dieselbeu, die sich bemühe». Dich in frühester Morgenstniidc ans den Federn zu holen, damit Du rechtzeitig zur Bahn kommst; die Leute, die tagsüber zentnerschivere Koffer schleppen, bohnern, wichsen, putzen. Die lvenigsten Hotelbcsucher mache» sich darüber Gedanken, was diese Menschen, die eine zum Teil ividerwärtige und doch so nützliche Arbeit leisten, wohl für ein Leben führen. Das oben bezeichnet? Broscbürchen gewährt einen Einblick in die soziale» Verhältnisse dieser Arbeitergrnppc. Tie Umfrage erstreckt sich auf 766 Hotels mit 1867 Hotel- dienern; auf sie beschränkten sich die Erhebungen deshalb, weil diese Gruppe noch heute von de» geringen Vorteilen der Bundesrats- Verordnung vom 23. Januar 1662 ausgeschlossen sind. Diese bezieht sich nur auf die gelernten Kellner und Köche. Das traurigste Kapitel ist lvohl das von der A r b e i t s z c i t. 178 der Befragten hatten das Glück,„nur" unter 166 Stunden pro Woche arbeiten zu müssen. Es sind das 9,5 Prozent, die im günstigsten Falle 84(also 12 Stunden pro Tagt bis 98 Stunden tätig sind. Die Mehrzahl, nämlich 767 oder 42 Prozent, haben eine wöchentliche Arbeitszeit bis zu 112 Stunden; 169(22,5 Prozent) 119 Stunden. Mit 17 Stunden pro Tag ist die Höchststufe aber noch nicht erreicht, denn 297 oder 17 Prozent müssen bis 126 Stunden, 134 oder 8 Prozent gar über 126 Stunden wöchentlich oder 18 Stunden pro Tag schuften. Tie wiedergegcbcncn, geradezu aufreizend wirkenden Zahlen weisen noch nicht einmal das ganze Elend auf, dem die Hoteldiencr in Bezug auf die Arbeitszeit ausgesetzt stnd. 423 der Befragten müssen nämlich auch noch Nachtwachen verrichten. In den kleinsten Betrieben mit nur einem Hoteldiener hat dieser jede Nacht die nach Schluß des Restaurants heimkehrenden Hotelgäste herein» zulassen, in größeren geschieht dies abwechselnd. Dieser„Nacht- dienst" wird zu einer wahren Tortur. Der abgcrackerle Körper, hingestreckt auf eine elende Bank in der„Portierloge", meist ein dunkles, fensterloses Loch, heischt Ruhe, tiefen Schlaf; die Angst, das Glockenzeichen eines heimkehrenden Gastes zu überhören und diesen zu verärgern, läßt ihn zu einem festen, erquickenden Schlaf nicht kommen. Einen vollen Ruhetag in jeder Woche hatte nicht ein einziger der Befragten zur Verfügung. Nur 46 oder 2,5 Prozent haben drei freie Tage pro Monat. Die Mehrzahl, nämlich 797 (44 Prozent) haben je zwei halbe Tage im Monat zu ihrer Ver- fügung; 269 oder l2 Prozent haben überhaicht keinen Ruhetag, da- zu kommen 36 oder 2 Prozent als„unbestimmt", llutcr den Begriff„Halber Ruhetag" ist in der Statistik alles mögliche ein- begriffen, so z. B. die in den Antworten sehr häufig wiederkehrende Bezeichnung:„Bon nachmittags 2 bis abends 12, II oder gar 16 Uhr." Für die meisten der Hoteldiencr ist unter diesen Um- ständen der Ruhetag weiter nichts als ein bloßer S ch l a f t a g, an dem sich die müden Glieder einmal ohne Störung ausruhen können. Die Mehrzahl hat vorher Nachtwache gemacht, denn sogar diejenigen Hoteldiener in großen Betrieben, in denen ein Nacht- Portier angestellt ist, haben doch in der Regel den Tag vor ihrem Ausgang neben jenem Nachtdienst verrichten müssen. Wo bleibt da die Zeit für die Familie, Zeit für Erholung und Fortbildung? Das, was an Menschentum in einem solchen Körper vorhanden ist, muß bei svlchcm Raubbau verkrüppeln, gänzlich untergehen. Run sollte man meinen, daß diese unmenschliche Schinderei wenigstens gut entlohnt würde. Weit gefehlt! In beinahe der Hälfte der Betriebe, in 338, wird überhaupt kein Lohn gezahlt, während in 91 weiteren Betrieben mit 242 Beschäftigten, auch wieder mehr als die Hälfte davon, und zwar 136, ganz ohne Lohn arbeiten, so daß rund zwei Drittel, genau 1183 von 1867 Be- schäftigten. keinerlei Barlob n erhalten. Das übrig bleibende Drittel erhält Löhne von 5, 16, 15 und 26 M., nur ein geringer Teil(etwa 266) darüber hinaus, bis zu 45 M. Nun dürfen aber die Hoteldiencr den erhaltenen Lohn gar nicht einmal behalten. Ter fließt fast restlos in die Taschen der Unternehmer zurück. Die ge- samte Lohnsumme der 1867 befragten Hoteldiencr beträgt nämlich 13 455 M., die Abgaben dieser an die Unternehmer belaufen sich auf 13 369 M. Diese Abgaben bestehen in der Bezahlung des ersten Hoteldieners an die„Vize" ldas sind die zweiten, dritten usw. Hausdiener), Nachtportiers usw.. Dazu kommen aber noch eine andere Gruppe von Abgaben für Uniform, Gepäckwagen, Wichszeug, Fuhrwerk. Statlmicte usw. im Betrage von 18 666 M. pro Jahr. Alle diese Ausgaben müssen die Hoteldiencr neben ihren persönlichen Bedürfnissen aus dem Trinkgeld herauswirtschaften. Dabei ist es den Hoteldiener» in den meisten der Betriebe auf das strengste untersagt, für ihre Tätigkeit für den Gast von diesem etwas zu fordern. Nur in 134 Betrieben mit 248 Beschäftigten ist ein Tarif für Stiefel- und Klciderrcinigen festgesetzt und in 155 Betrieben mit 353 Beschäftigten ein solcher für Gepäckbeförderung. Außer den Löhnen, die, wie gezeigt, nur nominelle sind, erhalten die Hoteldiener in der Regel Naturalleistungen in Gestalt von Kost und Logis. Die statistische Bewertung solcher Ratural- leistungen ist nicht leicht, immerhin kann durch die Erhebungen so- viel als sicher festgestellt erachtet werden, daß günstigenfalls zivci Drittel der beschäftigten Hoteldiencr„gute" oder„genügende" Kost erhalten. Ein großer Teil jedoch mutz, um sich nur satt essen zu können, einen Teil seines Trinkgeldes opfern. Ein gleich betrübendes Bild zeigt sich bei der Betrachtung der Schlafräume. Für 728(46 Prozent) der Befragten wird das Logis als„genügend" bezeichnet. Ter Rest ist„schlecht" und„sehr schlecht" oder es heißt:„kein Logis". Ans den beigefiigten Bemerkungen ersieht man erst so recht, wie unzulänglich die„Wohnungen" dieser Angestellten sind: Erhält Lickt durch Lichtschacht oder Trcppenfenster oder hat überhaupt kein Fenster; das Logis ist feucht, kalt, schmutzig. Aus 13 Betrieben mit 23 Beschäftigten endlich wird berichtet, dajj das Logis des Hoteldicners gleichzeitig als Putz- und Arbeitsraum bczw. als Aufbewahrungsort für Besen, Kehricht, Müll und Küchen- abfülle dient; die Inneneinrichtung derartiger„Logis" besteht zu- meist aus einem Bett, einem Waschbecken und— wenn eS hoch kommt— einem Stuhl. Das sind geradezu grauenhafte Zustände, die hier ans Licht gezogen werden. Tic Regierung und der deutsche Reichstag werden nicht umhin können, endlich dem gastwirtschaftlichen H i l f s- personal wenigstens die geringen Vorteile der Bundesrats- Verordnung zukommen zu lassen. die jugenölichen Arbeiter unö öas Kino. Die„H o ch w a ch t" veröffentlicht in ihrer Nr. 8 einen sehr beachtenswerten Aufsatz von Fräulein Dr. E. Attenloh, Heidel- bcrg über diese Frage. To viel Gutes auch das Kinotheatcr leisten könnte, namentlich im Unterricht, so wenig kann man bis heute davon merken. Im Gegenteil: diese an sich bedeutsame technische Errungensclmft ha« schon Unheil genug angerichtet. Doch lassen wir Dr. Attenloh selbst sprechen. Tie jugendlichen Arbeiter werden in ihrer Stellung zum Kino in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe, in sozialer Hinsicht diejenigen, die nicht an eine bestimmte Bcrufsgruppc ge- bundcn sind, bei ivclchcn die Wahl eines Berufes mehr dem Zufall überlassen bleibt, ist die, für welche das Kinotheatcr in seiner rohcjten Form alles bedeutet. Die selbst in ihrem Stammkino eine gelegentlich gebotene Naturaufnahme ablehnen. Sie lieben die stärkste, die am meisten gepfefferte Kost.„Scnsationsdramen" der gröbsten Aufmachung, am liebsten noch mit stark sinnlicher Tendenz, das ist ihre gewöhnliche geistige Kost. Es sind die, welche in sexueller Hinsicht vollständig wach, frühreif sind. Was die Verfasserin hier ausführt, wird niemand, der auch nur einen Blick in die Psyche der großstädtischen Straßcnjugcnd getan hat, ernstlich bestreiten«vollen. Tie Verheerungen, die solche Kinos unter der Jugend in sittlicher Beziehung angerichtet haben, tonnen lvohl kaum festgestellt ivcrden. Aver es muß doch auch darauf bingelviesen Iverdcn, daß die sittliche Verlvahrlosung, von der die Verfasserin des oben genannten Aussatzes spricht, durchaus nicht nur in den Arbeitervierteln zu Hause ist. Wer sich das manchmal sehr ausfallende Benehmen der Bourgcoisjugcnd beiderlei Geschlechts in Bcrlii« WW einmal Hat ansehen können, der bc- kommt gc>viß nicht den besten Eindruck von diesen doch weit besser erzogenen Herren und Damen dieser Gegend. Tic gleichalterige» jungen Leute der anderen Gruppen sind, so meint Dr. Attenloh wohl nicht mit Unrecbt, im Verhältnis zur ersten Gruppe geradezu naiv. Dieser erstcrcn gefällt doch auch mal eine harmlose Burlcslc. die aber von der letzteren kaum an- gesehen wird. Diesen ist das Kino der Zentralpunkt aller ihrer Interessen. Bei einzelnen Bcrussgruppcn dieser geht das so weit, daß fast die Hälfte der jugendlichen Angekörigeii mindestens einmal wöchentlich ein Kino besuchen. Bei solchen jungen Leuten«vird es der proletarischen Ingendbelvcgnng sehr schivcr gemacht,, etwas zu crrcickicn. Aver keine Schlvicrigkcit darf davor abschrecken, doch immer wieder zu versuchen, den einen oder den anderen unserer Bewegung zuzuführen. Daß junge Arbeiter, die längere Zeit' durch eine solche„Er- zichuiigsanstalt" hindurchgegangen sind, für die Erziehungsanstalt Schillers, das Theater, nichts übrig haben, ist verständlich. Den Wallenstein, den Tell kannten sie nur, sotveit sie in der«chule davon gebört hatten. Bei einigen wenigen waren Ausnahmen zu bcob» achten. So hatten ein paar hier und da mal eine Operette gehört. Ob aber ausgerechnet eine Operette ein besseres Erziehungsmittel ist,»oärc noch sehr zu bcziveifeln. Der tbjährigc Sohn einer Ham- burgcr Witwe hatte die Jungfrau von Orleans, den Freischütz und andere Dramen und Opern gesehen und gehört. Ja er hatte sogar nach den Feststellungen von Dr. Attenloh bei Anhören des Tann» Häuser sein stärlstcs Erlebnis gehabt. Die übrigen Befragten zeigten aber für solch höhere Dinge keinerlei Verständnis. Es war ihnen eben durch das Kino ertötet worden. Denn an und für sich hat die Jugend(und davon macht die Arbeiterjugend keine Aus- nahm«) ein starkes Interesse für gute dramatische Tarbictungei«. Das belvicscn alle Veranstaltungen, die in den letzten Jahren für die Jugend der größeren Städte getroffen«vorden sind. Man sieht also auch hier schon, wieviel das Kino schon heute verdorben hat an guten Anlagen und Keimen. Bei diesem Stande der Dinge gewinnt das Kino einen ganz bestimmten starken Einfluß auf da-s Gemüt und die ganze Lebens- auffassung seiner Zöglinge. Ihre sittliche Auffassung des Lebens ist schließlich nicht mehr allzu weit entfernt von der des Apachen- kcllcrs. TaS Heldentum des Vcrbrecherkellcrs wird für diese be- dauernswcrten jungen Geschöpfe zum Inbegriff des Heldentums überhaupt. Nicht ganz so schlimm steht es nun mit der Aveiten Gruppe. Diese nennt Tr. Allenloh die dar cbaraktcristisch proletarischeir jungen Leute. Nach ihren Feststellungen setzen sie sich hauptsächlich aus jungen Metallarbeitern zusammen Wenn auch bei ihnen sich manchmal ähnliche Neigungen«vic bei der ersten Gruppe zeigen, so sind das nach Ansicht der Verfasserin nur Kinderkrankheiten, die bald verschwinden. Zwar riecht es auch aus ihren Antwortcir nach Blut und Leichen, jedoch haben sie doch auch schon für etlvas anderes Interesse. Tie älteren Jahrgänge gehen auch gern, wie sich aus den eingelaufenen Antworten ergab, zu zweien, d. h. init ihren Liebsten ins Kino. Charakteristisch ist die Antwort eine« löjährigcn Schlosscrlehrlings, der angab, er besuche fast alles, was. sich ihm biete. Montags gehe er ins Kino. Dienstags bleibe er zu' Hause. Mfttlvochs gel, 6s ins Theater, Freitags zum Turnen: und Sonntags geht er mit seinem Nachbar mädchen in den Wald> spazieren. Diesem kleinen Burschen haben Mozarts Opern» Schillers Tragödien und Richard Wagners Tondramen am besten gefallen. Oft hat er das«Mannheimer) Hof- und das National- theater besucht. Aber auch„Die keusche Susanne" und„Tie moderne Eva." im Kinothcater haben ihm ganz gut gcsallcn. Wieder andere besuchen zivar auch Häusig das Theater, aber am besten gefällt ihnen dock ihr„Kieinopp". Eine dritte, kleinbürgerliche Gruppe wird tmrch junge Bureau» gehilfen und Mechaniker repräsentiert. Diese soll sich von der elfteren ganz besonders dadurch unterscheiden, daß ihre Angehörigen nicht entfernt so nxich sind wie jene. Bon diesen hat ein sehr großer Prozentsatz überhaupt nichts gesehen. Und zivar sind es 27 Proz. gegen 3 Proz. der Metallarbeiter, soweit sie befragt«vurden. Das Kino wird von dieser Gruppe nur«oenig besucht. Ein großer Teil interessiert sich sehr für Kriegs- und überhaupt historische Dramen. Das hängt wohl mit ihrer im ganzen mehr patriotischen Erziehung zusammen. Im ganzen zeigt die Arbeit von Dr. Attenloh wieder einmal deutlich, daß die Kinos in ihrer heutigen Form eine schlvere Gefahr sind für den jungen Nachwuchs des Volkes, und daß alles getan werden muß, dieser Gefahr entgegenzuwirken. Die freie Jugend- bcwegung hat hier noch ein weites Feld, das sie mit aller Kraft beackern wird.> Mus öer Partei. Aus dem Zuchthause entlassen wurde am Freitag früh dos erste Opfer de? Waldenburger„Mein.« eid"prozesscS, der Geschäftsführer Max W e i ch e l t von der.Schle» fischen Bergwacht". Genosse Weichelt hatte von den beiden Ver» urteilten die niedrigste Strafe, nämlich ein Jahr Zuchthaus er» halten. Der Prozeß erregte bekanntlich vor einem Jahre deshalb das größte Aufsehen, weil in der Verhandlung nachgewiesen wurde, daß die ganze ungeheuerliche Staatsaktion auf Betreiben des ton- fervativen ZcitungsredakteurS Lippold zuftmidc- gekommen war, der sich zu diesem Zweck als Werkzeug den cbe» maligcn.,Berglvacht"-Expcdicnten Köhler aussuchte und diesen ver» anlaßte, gegen einzelne Genossen der Geschäftsleitung eine Anzeige wegen Meineids zu erstatten. Köhler handelte ohne Zweifel au» Rache für die ersolgte Entlassung und Lippold wurde von der Sucht getrieben, das verhaßte sozialdemokratische Konkurrenzvlatt in der bürgerlichen Geschäftswelt bloßzustellen. Der„Meineid" sollte darin bestanden haben, daß die Verurteilten unter ihrem Zcugcncid bestritten, ein bestimmtes, früher unter Anklage stehendes Wahl» flngblatt gesetzt zu haben. In Wirklichkeit haben sie das nicht bestritten, sondern nur erklärt, daß sie sich des Setzens nicht er- i n n e r t e n.— Genosse Weichelt hat die Strafe verhältnismäßig gut überstanden und gesundheitlich keinen Schaden erlitten. Er wurde an der Zuchthauspfortc von einer stattlichen Anzahl Ge» nossen begrüßt und als Ehrenmann so aufgenommen, wie er vor einem Jahr hineingegangen ist. Die Entwickclung der B. S. P. Aus London wird uns geschrieben: Der vor kurzem gefaßte Beschluß der Mitglieder der British Socialist Party, sich dew Arbeiterpartei anzuschließen, um Ine sozialistische Einigung in Großbritannien zu ermöglichen, hatte die Befürchtung erweckt, daß sich viele Zwcigvcrcinc, die gegen den Anschluß an die Arbeiter- parte! gestimmt hatten, dem Willen der Mehrheit nicht fügen würden. Man rechnete daher mit beträchtlichen Absplittcrungen von der B. S. P. Absplitterungen sind auch eingetreten, aber lange nicht in dem Maße,«vie die Pessimisten fürchteten. Im ganzen Haben sich 11 Mitgliedschaften, die von einem Zusammen- arbeiten mit der Arbeiterpartei durchaus nichts wissen wollen» von der B. S. P. losgesagt, um nun einzeln dahinzuvegetieren. Tie elf Mitgliedschaften hatten zusammen nur 286 Mitglieder. Doch seit dem Austritt der 11 Sektionen hat die B. S. P. zehn neue Mitgliedschaften mit 336 Mitgliedern ins Leben gerufen, so daß der Verlust schon wieder mehr al» gut gemacht«vorden ist. Vom 7. bis zum 14. Juni hielt die Partei eine rote Woche ab. Die Resultate dieser Agitationslvoche sind noch nicht vollständig gesammelt; aber es läßt sich schon heute feststellen, daß die B. S. P. einen großen MitglixderzuwachS erfahren hat. Manche Sektionen haben die Zahl ihrer Mitglieder um mehr als 33 Proz. vermehrt. Das Parteiorgan„Justice" erfreut sich emeS ständig zunehmenden Leserkreises. Was den Anschluß der B. S. P. an die Arbeiterpartei anlangt, so scheint sich dieser nicht so glatt zu vollziehen, wie mcm anzu- nehmen berechtigt«vor. Die B. S. P. wandte sich nach dem Be- schluß der Mehrheit ihrer Mitglieder an die Arbeiterpartei mit dem Ersuchen um Aufnahme. Der Vorstand der Arbeiterpartei hat nun in seiner letzten Sitzung entschieden, daß der Parteitag der Arbeiterpartei, der im Januar de? nächsten Jahres stattfindet, über die Aufnahme der B. S. P. beschließen müsse. Bis jetzt hat stets der Vorstand der Arbeiterpartei die Aufnahme der statutarisch zur Aufnahme berechtigten Organisationen bcwcrkstclkigt. Nur einmal zuvor, als die Bcrgarbcitcrfööeration ausgenommen werden «volltc,«vurdc die Entscheidung ebenfalls dem Parteitage überlassen. Hoffentlich wird diese Verzögerung keine nachteiligen Wirkungen für die sozialistisihe Einigung in Großbrilannicn haben und nicht die Bemühungen stören, die zurzeit gemacht werden, um einen gemeinschaftlichen sozialistischen Rat in? Leben zu rufen. polizeiliches, Gerichtliches usw. Pressprvzeß. Vor der Bremer Strafkammer hatten sich am Mittwoch der Redakteur unsere» Bremerhavener Partciblattes, Genosse I e S k e. und der Schlosser Denk wegen angeblicher Beleidigung eines«Sekre- tär» beim Wasscrbauamt in Bremerhaven zu vcrantivortcn. Das Schöffengericht zu Bremerhaven hatte Genossen JeSke zu 130 M., Denk zu 166 M. Geldstrafe verurteilt. Es bandelte sich um die Kritisicrung verschiedener auf dem Wasserbauamt vorgekommener Mißstände, die ein mit Namen genannter Sekretär verschuldet haben sollte. Die Beschuldigungen wurden schon vor dem Schöffengericht als erwiesen angesehen, aber die genannten Mißstände fielen nicht dem genannten Sekretär zur Last. Die Strafkammer sprach den Arbeiter Denk frei, da er in Wahrung berechtigter Jnter- essen gehandelt habe. Genossen JeSke wurde die Strafe auf 75 M. ermäßigt. "N*- Nr. 179. 31. Jahrgang. 2. ßfilnjt kö Jatmirts" Kerlim WM. Zonnabend, L Juli 1914. Kinöer-Zerienspiele öer Staöt Serlin. Tie Schulen haben ihre Pforten geschlossen. Die Ferien haben ihren Anfang genommen. Rur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Eltern ist in der Lage, Ferien zu machen. Die besitzende Klasse reist in Bäder, ins Gebirge, und sucht Erholung von den Strapazen deS GroßstadtlebenS. Die Arbeiterklasse mutz fronden. Ferien sind die Zeiten der Arbeitslosigkeit. Soweit die Angehörigen von Arbeitern Ferien machen können, so geschieht es vielfach, datz die Frauen und Kinder zu Verwandten aufs Land fahren. Aber der größte Teil der Kinder bleibt hier. Für viele Eltern bedeutet der Schulschluß oft eine Sorge mehr. Die Kinder sind sich vielfach selbst überlassen und das ist nicht gut. Die Stadt Berlin hat deshalb Ferienspicle cingerichtet, an denen die Kinder teilnehmen können. Zu diesem Zwecke stehen Schulhöse und Außenspielplätze zur Verfügung. Folgende Schulhöse inid Spielplätze sind von 0—12 Uhr und von 8—7 Uhr zu Spielzwecken geöffnet: 1. Am Urban �Spielplatz', 2. Bremer Str. 22/32 sSpielplatz), 3. Paul-Hcyse-Straße(Spielplatz). 4. Wajsertorstr. 31(112. und 120. Gemeindcschule). S. Rcichcnberger Straße 131/132(145. und 151. Gemeindeschule). 6. Brombcrger Sunßc. 13/14(S7./98. Gemeindeschule), 7. Blumenstr. 77(Hilfsschule), 3. Eckeristr. 16(258. und 271. Genieindeschule), 0. Danzigcr Str. 28 l 162.'107. Gcmeindeschulei. 10. Kastanienallce 82. 3. Acker- straße 67, 4. Müllerstr. 48. 5. Schulstr. 90/10«. 6. Putbuser Str. 23. 7. Pankstr. 20/22; IV. für H o h e n s ch ö n h a u s c n- W a r t e n b c r g: 1. Markus- straße 49, 2. Menreler Str. 25, 3. Große Frankfurter Str. 23, 4. Straßmannstr. 6, 5. Petersburger Str. 3, 6. Tlivaer Str. lv, 7. Höchste Str. 34/35; V. für Plänterwald: 1. Alte Jakobsir. 127, 2. Schmid- straße ü*. 3. Britzer Str. 17/18, 4. Reichenberger Str. 131/132, 5. Wrangelstr. 128, 6. Schlesische Str. 4, 7. Raglerstr. 6; � VI. für Grunewald: 1. Bremer Str. 13/17, 2. Waldcnser Straße 20/21, 3. Turmstr. 86, 4. Itevctzowsir. 26, 5. Derft'linger- Iwaße 18», 6. Culmstr. 15, 7. Gneisenaustr. 7. Die Kinder haben sich an den Spieltagen bis spätestens 7� Uhr auf einem der vorstehend aufgeführten Sammelhösc cüizuftnden. Jedes Kind hat 20 Pf. als Beitrag zur Fahrt nach dem Außcnspicl- Play und etwas Zehrung mitzubringen. Die über 10 Jahre alten Kinder, die nach dem unter III aufgeführten Spielplatz Buch hinaus- befördert werden wollen, haben als Fahrbcitrag 30 Pf. zu entrichten. Wenn mehrere Kinder derselben Familie diesen Außenspielplatz be- suchen, ist' der Oberleitcr ermächtigt, 30 Pf.. 20 Pf. und 10 Pf. Fahrtbeitrag zu nehmen. Bei den übrigen Außenspielplätzcn soll das dritte und weitere Kind derselben Familie unentgeltlich hinausge- führt werden. Alle Kinder erhalten unentgeltlich aus den Autzenspielplätzen mittags Srrppe, dann einen halben Üitcr Milch und nachnrittags Kaffee und z>v e i S ch n e ck e n. Freikarten sollen in der Regel solchen Kindern gewährt werden, die freie Mittagsspeisung vom Magistrat erhalten, und ferner bei wirklich vorhandener Bedürftigkeit durch Arbeitslosigkeit, vor allem Waisen, Halbwaisen, Pflegekindern und Kindenr von Eheverlassenen. Anträge sind an die Schulleiter zu richten. Wo das nicht geschehen ist, 'Nüssen sich die Eltern noch nachträglich bei den Sammelstellen an die Spielleiter wenden. Die Kinder dürfen Trinkgeschirr aus Glas oder Porzellan in keinem Falle mitbringen. Emaillebizcher sind am praklischsten, weil s'° unzerbrechlich sind. Ans den Außenspielplätzcn können sich die Kinder nach Herzenslust tummeln. Frei von jedem lästigen Schul- zwang geben sich die Kinder ungebunden dem Spiel und der Erhp- lung hj,r and nach verhältnismäßig kurzer Zeit sind die bisherigen Blaßgesichter in bräunlich gefärbte Kinder verwandelt. Die Teilnahme der Kinder an den städtischen Ferienspiclen kann im Interesse der Kinder nur bestens empfohlen werden. Rur müßte der Magistrat bei der Ausgabe der Freikarten recht freigebig !ein, freigebiger, als er bisher immer war. » Die Organisation der städtischen Fenempiele wird in diesem Jahre die alte sein, dagegen treten ans hygienischen Gründen eine »anze Anzahl von baulichen und sonstigen Veränderungen ein. Die einschneidendste Maßregel betrifft die beiden Spielplätze in Blanken- 'Kde neben dem städtischen Schulgarten. Hier war vor mehreren Jahren ein Rieselteich zum Baden für die Schulkinder freigegeben. Die Badefrciheit wurde aber aufgehoben, nachdem sich ergeben hatte, baß das Tcichwasser nicht völlig Lakterienfrci war Diese Ein- schränkung hatte, da die Ferienkindcr naturgemäß für das Baden vuf denr Spielplatz sehr eingenommen waren, einen Rück- gang in der Besucherzahl auf den beiden Blankenfelder Spielplätzen zur Folge. Es blieb aber noch zun: Plantschen der i'en eine» der beiden Spielplätze durchziehende Rieselgrabcn. Nach- dem im vorigen Jahre zwei Knaben, die an den Ferienspillen in Blankenfelde teilnahmen, an Typhus erkrankt sind, ist auch der Rieselgraben durch Drahtumzäunung der Badebenutzung entzogen worden. Ob die beiden Typhusfälle wirklich mit dem Rieselgraben in ursächlichem Zusammenhang stehen, konnte nicht mit Sicherheit sestgestellt werden. Von dieser notwendigen Einschränkung mögen sich aber die Eltern nicht abhalten lassen, ihre Kinder nach Blanken- ielde zu senden, zumal gute Trinkwassereinrichtungen vorhanden sind. Es ist eine eigene Wajserzuleittmg für die Küche mit zahl- reichen Zapshähnen auf beiden Spielplätzen geschaffen worden, «mherdem auf dem einen Platz ein neuer Unterkunstsraum. ■ Die Milch wird auf sämtlichen städtischen Ferienspielplätzen nur noch abgekocht verabfolgt. Wünschenswert ist es, die Kinder jeden Tag anzuhalten, daß sie ini Obstgenuß vorsichtig sind, wenigstens nicht unmittelbar hinterher große Mengen Wasser trinken. In Buch wird fortan aus der„Lämmer wiese' gespielt, weil der bisherige ideale Spielplatz für städtische Bauten gebraucht wurde. Aus dem Spielplatz im Treptower Plänterwald und auch anderweit sind die Abortanlagcn erweitert worden. Der etwas frei liegende Spielplatz in Wartenberg hat eine Drahtumzäunung erhalten,.damit die Kinder in ihren Spielen nicht durch ungebetenes Publikum gr stört werden. An dem langjährigen Brauch, am letzten Spieltage die Spielplätze auch den Angehörigen der Kinder freizugeben, wird nichts geändert.____ Parteiangelegenheiten. Neukölln. Alle ausgeliehenen Bücher sind bis zum 10. Juli an die Bibliothek zurückzugeben. Reinickendorf- Ost. Heute abend von 7 llhr ab sindet im 2. Kommunolwahlbezirk(Reinickendorf- Mitte, 1.— ö. Wahlvereins- bezirk) eine Flugblattverbreitung statt. Lichtenberg. 5. Abteilung. Morgen Sonntag: Besichtigung des Krematoriums in Baumschulenweg. Treffpunkt: Restaurant Kruner, Jnngstr. 72, morgens 8 llhr. Tcmpclhof-Maricndorf. Sonntag, den 5. Juli 1914, iiachmittags 1 llhr auf dem Sporlplatz, Friedrich-Karl-Straße in Tempelhof: Oeffentliche Volksversammlung unter freiem Himmel. Tagesordnung: l. Vortrag über„Denkmalsschutz und Klassenjustiz.' Referent: Dr. Breitscheid, Berlin. 2. Wer vergiftet die öffentliche Meinung in Tempelhof und Mariendorf? Freie Aussprache. Die Wanderung der Jugendsektion fällt wegen der morgen statt sindenden Versammlung unter freiem Himmel aus. öerliner Nachrichten. 3wei Klosetts. Was ist ein„anständiger Mensch"? Schwer zu sagen. Aber fest steht, datz keiner ein„anständiger Mensch" ist, der nicht in einer„anständigen" Gegend wohnt.„Anständige Gegend" aber ist, wenn keine Proletarier da wohnen. Also wer ein„anständiger Mensch" sein will, der mutz vor allem — nicht etwa blotz eine gute und gesunde und schöne Wohnung haben. Das genügt nicht. Solche Wohnungen können ja zuweilen auch in Proletaricrviertcln vorkommen. Sondern der„anständige Mensch" mutz vor allem auf eine„an ständige" Lage seiner Wohnung bedacht sein. Mag die Wohnung auch verhältnismätzig klein und unbehaglich sein, mag sie tausend Mängel haben— darauf kommt es nicht an. Die Gegend ist alles. ES gibt Stratzen, die sehr nett liegen, sehr schöne Wohnungen haben, aber— man kann hier einfach nicht wohnen. Denn man mutzte sich vor seinen Bekannten schämen, die doch auch„anständige Menschen" sind. Also mietet man lieber in einer„anständigen" Stratze eine beschränktere Woh nung, natürlich mit allem Komfort. Hauptsache ist die feine Gegend. Hauptsache, datz kein Prolet in der Nähe wohnt. An der besseren Halbwelt stötzt man sich nicht, denn die geht anständig, will sagen elegant gekleidet und benimmt sich un auffällig. Aber schlietzlich sind gerade die fanatisch anständigen Menschen nicht gerade reich. Sie sind vorzugsweise Beamte, Leute mit gutenr Einkonrnien, das aber doch keine allzugrotzcn Sprünge erlaubt. Die Kunst besteht für diese Leute darin, den Anschein zu erwecken, als wären sie doch reich. Daher die Wohnung in„anständiger Gegend". Daher der„Komfort". Lieber ein oder zwei Zinrmcr weniger, aber dafür Konifort. Heizung, Warmwasser— das ist ein vernünftiger Komfort, gegen den niemand etwas einwenden kann. Es gibt aber auch einen anderen. Wenn sehr reiche Leute sich Wohnungen nüt mehreren Badezimmern nehmen, ist das nur natürlich. Oder auch mit mehreren Klosetts. Denn warum nicht? Aber das Klosett ist seit einigen Jahren der Gradmesser der Anständigkeit gc- worden.„Anständige Leute" haben zwei, sie haben womöglich drei Klosetts. Denn sie haben herausgefunden, datz ein„an- ständiger Mensch" unmöglich mit den Dieniröoten dasselbe Klosett benutzen kann. Und so gehört es zum guten Ton, mehrere Klosetts zu haben. Es gibt zahlreiche Wohnungen von fünf und sogar von vier Zimmern, natürlich nur in den anständigsten Gegenden, die sich zweier Klosetts rühmen. In den Wohnungsanzcigen wird das neben der Aussicht oder der Warmwasserversorgung aus- drücklich hervorgehoben: zwei Klosetts! Verrückte Welt. Es kann ans diese Weise vorkommen, datz ein Amtsrichter oder Hauptmann mit vier- oder fünf- köpfiger Familie eine solche Wohnung innehat. Er mutz ja repräsentieren. Denn der Lokus ist gcwisscrmatzcn ein Rc- Präsentationsraum geworden— wenn er doppelt vorhanden ist. Da aber die anständige Wohnung mit zwei Klosetts so viel verschlingt, kann man sich nur ein Dienstmädchen leisten. Für dieses ist das Dienstbotenklosctt da. Und so begibt es sich, datz die fünf oder sechs Mitglieder der Herrschaft samt ihren Besuchern sich ans dem Hcrrschastsklosctt drängen müssen, während der Dicnstbotc in einsamer Pracht auf seinem sepa- raten heimlichen Gemache thront. So schlägt sich die Ucberkultur der allzu Anständigen selber ins Gesickff. Lieber dem Dienstboten, dem Aschenbrödel, auf das sonst keinerlei Rücksicht genommen wird, einen solchen Vorteil einräumen, als datz„man sich so gemein niacht, mit ihm dasselbe Klosett zu benutzen. Die nächste Stufe der Entwicklung dürfte sein, datz alle Dienstboten eines Hauses zusammen ein separates Klosett bckonimen. Diese Neuerung führt dann vielleicht einen neuen Häusertyp herauf. Vielleicht, indem man ein fahrbares Klosett in einem Besonderen Fahrstuhlschacht unterbringt, das dann nach Bedarf von Etage zu Etage steigt oder fällt. Blotz damit nicht jeder Ticnstbote ini Luxus eines per- sönlichcn Lokus schwelgen kann und sich über die Herrschaft erhaben dünkt._ Besichtigung gekündigter Räume durch Mietslustige. Jeder Mieter, dessen Räume gekündigt sind, ist verpflichtet, zu gewissen Tageszeiten Mietslustigcn die Besichtigung zu ge- statten. Häufig sind ini Mietsvertrag Zeiten festgelegt. Diese sind matzoebend, auch wenn sie sich auf Sonn- und gesetzliche Feier- tage bezichen. Enthält der Mietsvertrag dahingehende Bestimmungen nicht,-so muß der Mieter zu„angemessenen" Zeiten die Besichtigung gestatten. Das Kammcrgericht hat für Berlin die Stunden von 11 bis 1 und 3 bis 6 und Sonntags von tl bis 1 als übliche Zeit angesehen, während das Landgericht I Berlin, offenbar sehr weit gehend, als an- gemessene Besichtigungszeit die Stunden von 10 bis 0 Uhr bezeichnet, dabei nur"die gesetzlichen Feiertage, nicht aber die Sonntage, ausgenommen. Eine gesetzliche Verpflichtung, die Besichtigung auch an Sonntagen zu gestatten, wird man nichr annehmen können bei Beachtung der auch hier Anwendung findenden Vorschrift des§ 103 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. tvonach Leistungen au Sonn und gesetzlichen Feiertagen nicht bewirkt zu werden brauchen. Im allgemeinen raten wir schon im Interesse der Wohnungssuchenden, die sich die Zeit abstehlen müssen, auch zu wenig gelegenen Zeiten die Besichtigung zu gestatten. Ist während der üblichen oder vertraglichen Besichtigung niemand in der Wohnung anwesend, so ist der Wohnungs- schlüssel beim Verniictcr, Verwalter oder— wovon dem Wirt oder Verwalter Kenntnis zu geben ist— bei Nachbarslcuten abzugeben. Bezeichnet der Vertrag die Stelle, wo der Schlüssel zu hinterlegen ist, so ist das niatzgcbend. Hingewiesen sei darauf, datz derjenige, der die Schlüssel entgegennimmt, beim Abhandenkommen von Gcgcnständenckus der Wohnung haftbar ist. Dem Wirt oder seinem Beauftragten wird man auch dann, wenn ini Mietsvertrag darüber nichts bestimmt ist. das Recht zugestehen müssen, bei der Besichtigung zugegen zu sein. Erkundigen sich die Mietslustigcn nach Mängeln in der Wohnung, so ist der Wohnungsinhaber berechtigt, wahrhcitS- gemätzc Auskunft zu erteilen. Hier ist Vorsicht am Platze, da der Wohnungsinhaber in einem Schadensersatzprozetz für feine Angaben bcwcispflichtig ist._ Ruinen in Berlin. Eine Sehenswürdigkeit gibt es in Berlin£. Wer sich an ihrem Anblick erfreuen will, muß nach der K l e in e n Markus- st r a ß c gehen. In diesem verlorenen Winkel, der sonst nicht gerade mit Reizen gesegnet ist, bietet sich dem Auge des Wanderers ein für'Berlin ganz ungewöhnliches Stück Romantik. Da kann man Ruinen sehen, wirkliche und wahrhastige Ruinen, vor denen jeder Fremde überrascht stehen bleibt. Du findest die Rarität aus den Grundstücken Nr. 24 und Nr. 25. Ein Trümmerhaufen präsentiert sich dir. der dich zunächst vermuten läßt, daß hier der Feind ei» paar Häuser zusammen- geschossen hat. Von dem Haus Nr. 25 stehen noch die Mauern des unteren Stockwerks, die sckiniale Straßenfront samt den Resten der Giebclmauern und der die einzelnen Räume abgrenzenden Wände, so daß man den Grundriß noch �erkennt. Der Dachstuhl des Häuschens ist abgebrochen, auch die Decke über den Zimmern fehlt, und des Himmels Schleusen können ungehemmt ihren Segen in sie hineingießen. Durch die Fcnstcrhöhlen schweift der Blick über das zerbröckelte Mauerwerk, ans dem alles, was nicht Stein war, herausgerissen wurde. Treppen, Dielen, Türen, Türpfosten, Fenster, Fensterrahmen, Ocscn, Tapeten— alles ist verschwunden. Auf dem Nachbargrnndnck Nr. 24 sieht es noch toller aus. Von dem Häuschen, das hier stand, ist nicht viel mehr als ein hock- getürmter Stein- und Schutthaufen übriggeblieben. Erhalten hatten sich noch die Mauern des Erdgeschosses, aber allmähllch stürzten sie in sich zusammen, zum Teil unter der nachhelfenden Mitwirkung von Bewohnern der Straße. Für die S t r a ß e n j n g e n d, die schulpflichtige und auch die nickt mehr schulpflichtige, ist das Trümmerfeld der beiden Grund- stücke ein beliebter Tummelplatz. Ter Zutritt steht jedem frei, weil sonderbarerweise kein Zaun diese Abbruchstätte umgibt. Ab- gebrochen wurden die beiden Häuschen gegen. Ende des Winters, aber die Grundmauern blieben steben— und seit Monaten kümmert sich kein Mensch mehr Ulli die Ruinen. Jeder, der Lust hat, kann in und auf ihnen umherklettern. Kinder aus der Nach- barschast tun das Tag für Tag, junge Burschen und auch er- wachscnc Männer finden sich in den Abendstunden ein. Das Treiben, das sich da manchmal abspielt, ist nicht ganz ungefährlich für die Besucher der Ruinen und auch für die Bewohner dieser kleinen und engen Straße. Ganze und halbe Mauersteine und Steinbrockcn kleineren Formats, die in dem Schutt umherliegen, bieten sich als willkommene Wurfgeschosse dar. Als Zielscheibe dienen nicht nur die Manerrcstc der Ruinen, sondern auch die Giebelwändc der angrenzenden Häuser, sogar Hof und Garten eines Nachbargrnnsstückcs. Wer ans Bürgersteig oder Tamm der Kleinen Markusstraßc verweilt oder vorübergeht, der sehe sich vor, daß ihm nicht ein Stein an den Kopf fliegt. Bewohner der Straße, denen für den Reiz dieser Ruinen und für die Romantik des darin sich abspielenden Treibens das Verständnis fehlt, klagen über V c r s ch a n d c l u» g und B c- lästigung. Es ist ihnen unbegreiflich, warum die Besitzer der Grundstücke, wenn sie diese einstweilen nicht wiedcrbebauen wollen oder können, nicht zur Beseitigung der Mauerreste oder mindestens zur Aufstellung eines Zaunes genötigt werden. Die angrenzenden Grundstücke Nr. 23 und 23» liegen gleichfalls, und zwar schon seit etwa vier Jabren, unbebaut da, aber hier sind die alten Hänser vollständig abgebrochen worden und ein fester Zaun hält Ilnbesugte von den Grundstücken und den auf ihnen lagernden Schuttrcstcn ab. Wie es auf den Grundstücken Nr. 24 und Nr. 25 aussieht, ist der Polizei nicht unbekannt. Tie Beamten des Reviers wissen es. und auch das Polizeipräsidium soll bereits durch eine Beschwerde davon Kenntnis erhalten haben. Gelegentlich ist gegen zu weit gehende llngchörigkeitcn eingeschritten worden, aber auf die Ab- sperrung oder Beseitigung der Ruinen wird noch immer gewartet. Traut hier die Polizei, die in vielen anderen Dingen so sorick vorzugehen versteht, sich keine Machtbefugnis zu? Läßt sich's mit dem sonstigen Polizeibegriff össentticher..Ordnung' und„Sicherheit" vereinen, daß inmitten eines seit Jahrzcbntcn voll bebauten und stark bevölkerten Stadtteils a» einer engen Straße ein solcher rümmerhaufcn offen daliegt?>; Wir sind neugierig, wie lauge diese Scheus'vürdigkcit von. Berlin O. noch erhalten vleiben wird. Ter Ansichtskartenindufirw empfehlcn wir. sich die Ruinen der Kleinen Markusstraßc nickt entgehen zu lassen. Sie verdienen, i m B i l d c verewigt zu werden, damit alle Welt sehen kann, was in Berlin möglich ist- Stadtrat Steinborn und die Ffleischer. Uns wird geschrieben: Seit einiger Zeit»cschästigr sich Herr �tadlrat Stcinborn-Wilmcrsdorf mit den Fleischpreisen. Er kommt dabei zu denselben Schlüssen, die in unserer Presse schon wiederholt dargelegt wurden, indem er nachweist, daß die jetzige Organisation deS Detailverkaiises in ungesunden Verhältnissen sich befindet, er behauptet� daß es zu viele»sclbstänÄge'� Existenzen gibt� undjxiö di« Konkurrenz sich nur durch bessere Lelden75—360,00. Nur lurze Zeit wegen Hausumbau. Kein Schwindelaiigebotl Dresdenerilrasse 107/108. 2740K* Wundervolle Bohnungseinrich- tung, noch neu. Spottpreis. Roicu- thalerstrage 57 bei Glas(gewerblich). Händler unerwünicht. 88/6* Sparen Sie in schlechten Zeiten. Sie erhallen gegen kleinste An- und Abzahlung ganze Wohnungscinrich- lungen und einzelne Möbel. Auch tcdrauchlc, guterbattcne Möbel aus eilzahtung billig». A. Schatz sen., seit 1868 Brunnenslratze 160, Ein- gang Anllamcr Stragc. Ttichlermcifter gibt Möbel aus Teilzahlung bei beliebiger Anzahlung zum Kassenpreis. Stets Gelegenbeits- läusc in gebrauchten und zurück- gesetzten Möbeln, auch aus Teil- zahlung. 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Abread, Barsebaer& Büttkaa und versuchen mit dein Bemerken Arbeitskräfte heranzuziehen, datz ste die Arbeit selbständig ausführen. In Betracht kommen die Baustellen: Kaiserwog, Franzüslsch-Bactahoiz und Blankenfelde 1. d. B.. Oranlenbnrg: Berliner Str., Mühlcnstr., l-ehnltzstr. Die Bewegung wird noch weiteren Umfang annehmen, da noch einige Firmen den Tarif noch nicht anerkannt haben, obwohl sie nach den Be- stimmungen des tj 12 des bis zum 31. März 1914 gültigen Tarisvertrage» den Schiedsspruch anerkennen mutzten. Wir bitten deshalb alle Arbeit- suchenden, genannte Firmen bis aus weiteres streng zu meiden. Die Firma Barsebner a. Büttkaa hat den Taris anerkannt. Bei der Wiederaufnahme der Arbeit entstanden Schwierigkeiten, da nicht alle BeteUigten sofort wieder eingestellt worden find. Wie werden daS nicht ruhig hinnehmen. Werden bis Montag srüß nicht alle Kollegen eingestellt� so müssen wir auch bei dieser Firma den Kamps wieder ausnehmen. XL. Wir erinnern nochmals daran, datz am Sonntag, den 5. Jali, Torrn. 10 Che, im GewcrkschaftshauZ, Saal 5, die Vor- samnilunc der Vertrauensleute und der Bandelegierten stattfindet. Vollzähliges und pinttliches Ericheinen erwartet Tie Bezirksleitung. Verantwortlicher Rchasieur: Alsrep Wielepp, KeuMzz, Für de» Jnjeratenteil verantw,: Th, Glocke, Berlin, Druck u,Berlag:Vorwärtt Luchdruckerei u. Verlagsanstall Paul Singer& Co, Berlin SW. St. 179. 31. Zchtg. KtM-KnlM Ks LmSrls- str Züiim-Wtßei. L Juli m Vorortnachrichten. Neukölln. Selbstmordversuch eines Zwölfjährigen. Der Gemeindeschüler Walter Sch. aus der Kaiser Friedrichstraste hatte am Freitag voriger Woche ohne Wissen seiner Eltern die Schule versäumt. Gestern schrieb nun der Rektor an die Eltern und ersuchte um Auskunft über die Ursache des Fehlens. Als Frau Sch. daraufhin ihrem Sohn Vorhaltungen machte, leugnete dieser, gefehlt zu haben. Diese llnausrichngkeit des sonst gutgearteten Jungen erregte die Mutter so, dast sie ihin ein paar leichte Schläge versetzte. Damit hielt die Frau den Vorfall für erledigt. Sie sagte dem Knaben, dast sie dem Vater keine Mitteilung machen werde. Der Junge scheint aber doch ivohl noch weitere Strafen gefürchtet zu haben. Er sagte zu seinem neunjährigen Bruder, dast er aus dem Fenster springen oder sich sonst das Leben nehmen wolle. Während sich die Mutter im Nebenzimmer befand, nahm der Knabe den Revolver seines Baters, entsicherte ihn und schost sich vor den Augen des Bruders, der ihn vergeblich davon abzuhalten versuchte, eine Kugel in die rechte Schläfe. Schiververletzt wurde er ins Krankenhaus gebracht. Schöneberg. Mitgliederversammlung. Die letzte Versammlung des Wahl bercins nadm die Berichte der Kreis- und Verbandsgencral- Versammlung entgegen. Berichterstatter waren die Genossen Lippert und Knodloch. Der crsterc ging eingehend aus die Vcr- Handlungen der Krcisgencralvcrsammlung eird und hob hervor. dast die Frage der Reorganisation mit im Vordergrund der Dis- tussion gestanden habe. Redner verwies dann auf den Bericht der Reorganisationskommission, bctressend Vorwärtsangclogenheit und wünscht, dast in den Zahlabenoon eingehend darüber diskutiert werden möge. Genosse Lippert bemerkt zum K'affenberichr, dast die Fortschritte, die im Kreise gemacht worden seien, wohl lediglich auf die Hauskassierung zurückgeführt werden können. Genosse Knobloch gibt dann noch einen.ausführlichen Bericht von der Vcrbandsgcncralversammlung, wobei er die beratenen Anträge behandelt, lbosondors die Einführung des WochcnabonncmentS für den„Vorwärts". Beide Berichte wurden mit Beifall ailsgenommen. In der Diskussion wurde unter anderem der Rcichstagssraktion für ihr Verhalten volle Sympathie ausgedrückt. Ein Antrag des Genossen Kerncck, cino Tellcrsammlung zugunsten der Cpscr der Eharlottcnburger Denkmalsangelcgenheit zu veranstalten, wurde zurückgestellt für eine in nächster Zeit geplante gröstorc Aktion. Genossin Lazar verweist noch besonders aus die Veranstaltung der Fcricnspicle. Entgegen früherer Gepflogenheit tvird die Milch in dicscni Jahre im Walde verteilt, infolgedessen müssen alle Kinder s�-Lilcr-Trinfgefäh mitbringen. Da die bisher aufgebrach- tcn Mittel für die Ferienspielc nur sehr minimal sind, so mögen die Parteigenossen dafür wirken, dast aus den Listen besser ge- sammelt wird als bisher. Zum Schlust machte noch Genosse Drew" aus das am 12. Juli stattfindende Stiftungsfest aufmerksam. Teinpelhof. Aus der Gcmeindcvcrtrctcrsitiung. In der letzten Sitzung wurde zunächst die iin neuen Ertsteil belegene Straste ltÖa Zeltingerstraste benannt.— In der Germania- Ecke Ringbahnstraste soll die Regen« wasser-Kanalisation eine Umänderung erfahren. Zugleich soll eine Aeuderuilg des Strastenüberganges der Ringbahnstraste nach der Germaniastraste vorgenommen werden. Die Kosten dafür sollen dem Fonds für den Ausbau alter Ortsstrasten entnommen werden. Die Vorlage« des Gemcindevorstandes, den lieber- gang der Ringbahnstraste in die Berliner Straste zu aiphaltieren, wird au die Baukommission verwiese». da eiiigeweiidet wird, es sei im Interesse der Fuhrwerke nötig, das Reihenpflaster dort zu belassen.— Boschlossen wird, die Viehseuchen- beilräge aus die Gemeiudclasse zu übernehmen, soweit die einzelnen Beiträge 1 M. nicht übersteigen. Dieser Beschluß wurde damit be- gründet, daß llölt M. auszubringen sind, die sich auf zirka 150 vieh- l�rltende Einwohncr verteilen. Die Einziehung der Beiträge unter 1 M. würde aber mehr Kosten verursachen, als der einzuziehende Betrag ausmacht. Die Bewilligung von Mitteln zur Errichtung zweier Oberlehrerstelleu für das Gymnasium auf den; Tempelhofer Feld wurde beschlossen. Der Bürgermeister teilte weiter imt. daß die Genehmigung des Kulttlsministers für das Gymnasium bereits eingegangen sei. Vom Minister werden die Bedingungen gestellt, dast die Schule ohne staatliche Zuschüsse er- halten ivclden müsse, serner dast eine Turnhalle zu errichten sei und die Lehrer de» �staatlich angestellten gleichzustellen seien, Austerdem soll �für diese Schule ein Kuratorium gewählt werden. Die Wahl der Eberlehrer wird dein Kuratorium für das Realgymnasium über- tragen. Genosse Müller gab zu der Bewilligung der Oberlehrerstellen die folgende Erklärung ab: In Konsequenz unserer Haltung bei der Beratung über die Errichtung des Gymnasiums lehnen wir auch die Bewilligung der Oberlehrcrstellen ab. Da kein Geld für die Errichtung von Volksschulen auf dem Tempelhofer Felde und im Industrieviertel übrig sei, können auch die soz. Vertreter nicht iür diese Forderung stimme». Besonders interessant war noch die Mitteilung des Bürgermeisters, dast in den drei unteren Klassen des Ghinnasiums bis zur Errichtung der Elisabethschule auch Mädchen unterrichtet werden sollen. Darüber must man sich ivundern, � denn als unsere Parteigenossen bei der letzten Etatsberatung verlangten, dast für das Industrieviertel eine Vollsschule gebaut werde und sie aus den Einwand, die Kinderzahl reiche für eine neue Schule noch nicht aus, den Vorschlag machten, Knaben und Mädchen gemeinsam zu unterrichten, erklärte der Bürgermeister, er loürde nie zugeben, dast Knaben und Mädchen gemeinsam unterrichtet würden. Demnach scheint nian doch die gemeinschaftliche Erziehung der verschiedenen Geschlechter zu akzeptieren. Oder bandelt man hier wiebcr, weil es höher» Schüler sind, nach dem Grundsatz: Wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe? Trcptow-Baumschulenwcg. Tic Gemeindevertretung hatte in ihrer Sitzung vom 30. Juni eine recht inhaltreichc Tagesordnung zu erledige». Zunächst wurde nutgeicilt, dast Gemeindeverordiietcr Kommcrzienrat Gractz und Schösse Lücke ihre Acmter niedergelegt haben. Des ferneren ist die Klage einer Anliegerin der Elscnpratze aus Beseitigung der dortige» Bedürfnisanstalt vom Gericht abgewiesen worden.— Ter Antrag unserer Genossen auf Beteiligung an dier Ebarlottenburger Petition an den Landtag auf Beseitigung d�e s H a u s- besitzcr Privilegs und der össcntlichcn St i m m a b- gäbe bei den Gcmcindcwahlen wurde dadurch als vorläufig er- ledtifu erklärt, dast der Landtag inzwischen bereits darüber ver- handelt bat und dabei den ersten Teil der Petition verworfen, den zweiten der Regierung zur Erwägung überwiesen hat. Zwischen- rufe unserer Vertreter deuteten an. dast die tiachc damit noch nicht endgültig abgetan sei. Ter Gcmcindevorstand hatte übrigens bereits durch örtliche Erhebungen wertvolle Unterlagen für die Behandlung der Frage geschaffen. Zwei nicht sterben wol- lende Vcrhandlungsgcgenstände sind die Satzungen der zu gründenden Hypothekenanstalt und der Bebauungsplan des Gc- ländes am Heidekampweg, beide wurden wieder einmal nach den Wünschen der Jiliifsichtsiiistaiizeii abgeändert.— Angenommen wurden in der Sitzung die Satzungen einer neu zu errichtenden G c m c i n d c- S p a r k a s s c. Während hierbei ein Wunsch unserer Genossen, der sich aus die Prüfung der Anlagcwcrte bezog, Zu- stimmung fand, wurde ein anderer Wunsch aus Beseitigung der Sparprämien an Dienstboten bei Stimmengleichheit abgelehnt.— Mehr sozialen Tiefblick liest eine andere Vorlage erkennen, diel 600 M. zur Einrichtung von Ferien spielen für Schul k i n d c r anforderte. Die Anregung dazu ist bereits früher von unseren Vertretern gegeben und wohl jetzt wieder erweckt worden, als Frauen der Kindcrschutzkommission den Gcmeindcvorstaud um einen kleinen Zuschuß für ihre bereits vorhandene Spielcinrichtung angingen. Der jetzige Vorschlag zeigt allerdings die ganze Um- ständlichkeik des amtlichen Apparats: Während unsere Frauen die Spiclwochentage bereits jetzt ohne jede Entschädigung und ohne nach der Herkunft der Kinder zu fragen, leiten und das erbetene Geld ausschließlich nur für einen Imbiß der Kinder verwenden, sollen von de» 600 M. nur 100 M. für Lieferung von Milch und 500 M. zur Entschädigung der aufsichtführenden Lehrer ldic Stunde mit 2 M.) dienen. Unsere Genossen kritisierten darum dies Mißverhältnis und wünschten weitgehende Heranziehung ehren- amtlicher Hclscrinncn. Der Gesamtbetrag wurde bewilligt und die Ausführung dem Gemeindcvorstand überwiesen, da es sich zu- nächst um einen Versuch handeln soll. Geplant ist, im Berliner Ortstcil Montags, Donnerstags und Freitags, in Baumschulen- weg dagegen täglich 2—3 Stunden zu spielen. Entgegen diesem geringen Fortschritt kam das Unrecht gegen die Arbeiterklasse bald wieder zum Ausdruck, indem der bürgerlichen Jugendpflege gegen Gebühr Turnhallen zur Benutzung überlassen wurden, die bekanntlich den Arbeiterturncrn entzogen sind. Unsere Genossen wandten sich vergeblich gegen die darin liegende Bevorzugung einer Gruppe.— Das Bestreben der Behörde, unangenehmen sozialen Erscheinungen durch P o l i z e i v e r o r d n u n g c n beizukommcn, führte zu einer lebhaften Auseinandersetzung. Eine vorliegende Verordnung verbietet Personen unter 16 Jahren die Beteiligung und das Zuschauen bei öffentlichen Tanzlustbarkeiten. Unsere Vertreter wandten sich dagegen, weil solche Bestimmungen trotz aller Versicherungen loyaler Handhabung den unteren Organen Gelegenheit zu allerhand Schikanierungcn bieten, um so mehr. als diese Altersgrenze sehr schwer festzustellen sei. Die Polizei- Verordnung fand jedoch eine Mehrheit.— Eine andere neue Vcr- ordnung richtete sich gegen den Verkauf von Speiseeis und kalter Getränke an Kinder unter 14 Jahren auf öffentlichen Wegen zu sofortigem Genuß. Auf Einspruch wurde das Verbot be- schränkt auf Speiseeis, Bier und Limonaden; frei bleiben Selters, Mineraltvasscr, Milch und dergleichen.— Neu geregelt wurden dann noch die Polizeiverordnungen über das Halten von Hunden und die Rcinigniig der Triiikgcfähe. in Gastwirtschaften.— Der Schlust der öffentlichen Sitzung brachte nock, eine zarte An- dcutung wenig erbaulicher Vorgänge bei der berühmten Ein- weihungsfcier zum Gymnasium, über die in bürgerlichen Kreisen allerhand getuschelt wird. Der Bürgermeister erklärte eine dies- bezügliche sozialdemokratische Anfrage in geschlossener Sitzung beantworten zu wollen!! Ober-Schöneweide. Gcmcindevcrtretersibung. In der letzten Sitzung teilte der Bürgcrinciiter mit, daß die Petition des Gemeindevorstandcs wegen Abänderung des Stationsnamcns Niederschöneweidc- Johannisthal in Obcr-Niederschöncwcidc-Jöhannisthal vom Abge- ordnetenbaus der zuständigen Kommission als Material überwiesen ist. Bei der Ausschreibung der Malerarbeiten an den Einrichtungs- möbeln der beiden Kochklassen für die 5. Gemcindcschule kam wieder eine krasse Submissionsblüte zum Vorschein. Tic acht Angebote schlvankten zwischen 927 und 4037 M. Drei davon lauteten über 1200 M. Tie Baukommission empfahl der Gemeindevertretung, nicht dein Mindestfordcrnden, sondern dem Malermeister' Wähncrt zu einem Angebotspreis von 1270 M. die Arbeit zu übertragen. Mit der Herstellung der Befestigungsarbeiten des neuen tschul- Hofs wurde der Stcinsetzmeister Scheibel zum Angebotspreis von 11079 M. beauftragt. Bei diesem Schulhof soll ein für unsere Gemeinde neues Verfahren, das der Oberflächentecrung, zur An- Wendung kommen. Ebenso wie Verträge mit Schul- und Zahn- arzt abgeschlossen sind, wird nunmehr auch ein solcher mit dein Augenarzt Dr. Mock vollzogen werden. Ter Arzt erhält für eine zweimalige Untersuchung der Schulkinder eine jährliche Entschädi- gung von 800 M. Ferner erhält er jährlich 400 M. zur Unter- Haltung einer Poliklinik zu dem Zweck, die notwendige äugen- ärztliche Behandlung der Schulkinder nnbcmittcltcr Eltern, sowie auch unbemittelter Erwachsener Personen kostenlos zu überiichmen. — Auch der Jahresabschluch ist für die Gemeinde kein ungünstiger. Es ist ein rechnungsmäßiger Ueberschutz von 127 000 M. erzielt worden. Nach Abzug von 28 000 M. Mehrcrtrag aus den Kanals- sationsgcbühren, verbleiben der Gemeinde 99 000 M. zur freien Verfügung. Nachdem die Wabl einer Kommission zur Errichtung einer Gemcindeanstalt sür zweite Hypotheken sowie die Wahl des besoldeten Schössen, gewählt wurde der jetzige Bürgermeister von Idar a. d. Nabe. Herr Dr. Salgc, vollzogen waren, trat die Ge- mcindevcrtrctung in eine geheimen Sitzung ein. Spandau. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte in ihrer letzten Sitzung vor den Ferien zunächst 7000 M. für die Herstellung einer .Haltestelle der Bötzowbahn an der Wibternstrastc in Hakenfclde. Die Haltestelle soll besonders der Waldsiedeiung zugute kommen. Als erste Rate zur Beschafsung von Gaszählern wurden 15 000 M. aus dem Gaszählcr-Rescrvesonde bewilligt. Für die Errichtung einer Wäscherei, sowie für die Einrichtung der Apotheke und des Röntgcnlaborotorinms im städtischen Kranken- Hause wurde» 111 000 M. verlangt. Nach kurzer Debatte, in der Gen. Pieck betonte, dast die Stadt durch die Errichtung einer eigenen Apotheke jährlich 12 000 M. spare und auch die Wäscherei sich sehr gut rentieren ivcrde, wurde die Vorlage angenommen. Die Mittel sür diese Einrichtungen einschließlich einer schon früher bewilligten Kesselanlage sollen durch eine Anleihe von 181 000 M. beschafft werden. �... Tie Festsetzung der sluchilinie für die �nördliche Seite der Schmidt� Knobelsdorsfstraste, die in voriger Sitzung zurückgestellt wurde, fand nach kurzer Teoatte die Zustimmung der Bersamm- lung. Die Vorlage aber die Durchführung der Straßenbahn durch die SicmenSstadt bis zum Verwaltungsgebäude und zu den Vcr- trägen zwischen Zlveckvcrband und den Siemenswcrkcn sowie der Großen Berliner Straßenbahn rief eine lange Debatte hervor. Es wurde zum Ausdruck gebracht, daß Spandau durch seine große Vertrauensseligkeit ordentlich über das Ohr gehauen worden ist. ... S.r»ä li>-» ff« ,fi.___: r<' ru__ r_____*■ u WWW jetzt erst die Genehmigung vcrommen soll. Ter Referent«tudtv. Mund betonte, dast die großen Hoffnungen auf Einführung eines Gc- meinschaftSbetriebes bis Bahnhof Jungsernheidc und die Einrich- tung eines Ilmstcigcvcrkchrs zwischen Markt und Jungsernheidc zn Wasser geworden seien. Die Stadtverordneten baden sich früher dadurch Jjckörcn lassen, da immer die Meinung verbreitet war, die, Firma Siemen# bciveise ein besonderes Entgegenkommen der Gc- ineindc, dem Vertrage mit der Firma vorzeitig im Prinzip zuzu- stimmen. Jetzt müsse die Stadt mit dem geringen Zugeständnis der Firma Sieniens zufrieden sein, einen jährliche» Zuschuß zu dem Betriebe der Nonneudammbahn in Höhe von 5000 M. zu zahlen und den Strompreis von 12 auf 10 Pf. für die Kilowatt- stunde herabzusetzen. In der weiteren Debatte wurde noch ausgeführt, dast Spandau an das Kreiskraftwcrk nur 6,5 Pf. für die Kilowattstunde bezahle. Selbst der Zweckverband konnte gegen die Große Berliner Straßenbahn nicht ankämpfen und lehnte daher die Spandaucr Anträge auf Einführung des Gcmeinschaftsbctriebes glatt ab. Notgedrungen stimmten die Stadtverordneten hierauf beiden Verträgen nachträglich zu. Stillschweigend wurde einem Ausschustantragc zugestimmt, den Magistrat zu ersuchen, dem sozialdemokratischen Frauenverein eine Beihilfe von 200 M. zu den Kinderferienspielen zu gewähren, unter der Voraussetzung. daß keine politischen Ziele verfolgt werden dürfen. In der gc� Heimen Sitzung bestätigte Bürgermeister Wolf in einer abgegebenen Erklärung die seit einigen Tagen in der«etadt kursierenden Gern chic', daß von einem höheren Beamten der Gasanstalt Unter- schlagungen in Höhe von 1500 M. begangen worden sind. Als Mildcrungsgrund führte der Bürgermeister an. daß der Beamte eine Familie von sieben Kindern habe, in letzter Zeit schwer nerven� leidend gewesen sei. Eine Untersuchung darüber ist sofort xin- geleitet worden. Nowawe».. Gcmcindcvcrtreterfihung. Die hiesige Ortscjruppe beS Vater- ländischpn FraueuvereinS hatte den Antrag gestellt,� ihr zur Förderung ihrer gemeinnützigen Bestrebungen, besonders auf dem Gebiete der Säuglingsfürsorge, einen Beilrag zu bewilligen. Da eine Vor- beratnng des Antrages nicht möglich war, wurde derselbe für die nächste Sitzung zurückgestellt. Eine längere Debatte veranlaßte der Punkt„Aenderung der Straßenpolizeiverordnung", und zwar beim § 8, der das Aushängen und Ausstellen von Verkaufs- und anderen Gegenständen vor Gebäuden, Türen, Fenstern, Umwehrungen usw. an der Straße untersagt, während er die Anbringung von Schaukästen, Aushängeschildern, Markisen. Annen und anderen in die Straste hineinragenden Gegenständen nur mit Polizei« licher Genehinigung zulästr. Gcineindevertreter Böhme bezeichnet« es al§ eine Ungerechtigkeit, das in vielen anderen Landgemeinden und Städten übliche Aufstellen von BcrkausSgegenständen vor dem Laden hiesigen Handel- und Gewerbetreibenden zu verbieten und ihnen dadurch eine wirksame Reklame zu vereiteln. Der Bürger« meister erwiderte, dast die angefochtene Bestimmung lediglich dazn dienen solle, die Bürgersteige sür den Verkehr freizuhalten; es sei mehrfach die Beobachtung gemacht worden, dast einige Geschäfts» leutc ihre Waren rücksichtslos bis an den Fahrdamm aufstellen und so die Passage behindern. Ausnahmen würde er auf Anstichen auch in Zukunft gewähren, so daß eine rigorose Durchführung der Be- stimmung nicht zu befürchten sei. Die Gemeiudevertreter Nathan, Reiff und Ruß sprachen sich jedoch gleichfalls gegen ein prinzipielles Verbot aus und wünschten daher Aufhebung desselben. Gemeindevertreter Lewy gab der Meinung Ausdruck, dast die in Ausficht gestellte Gewährung von Ausnahmen den§ 8 zu einen:.Kautschukparagraphen stempeln würde, dessen Auslegung durch die unteren Polizeiorgane zu Schiknnierimgen der Geschäftsleute führen und somit öfter Anlaß zur Unzufriedenheit geben könnte. Genosse Neumann erklärte, daß er init der Fassung des Paragraphen zufrieden wäre, wenn aus hygienischen Gründen das Ausstellen»cm Waren verboten würde; das sei jedoch nicht der Fall, und er halte deshalb die Aufhebung des Verbots für geboten. Ausnahmen in das Ermessen des Bürger» meisters zu stellen, sei nicht angängig, da dann die Geschäftsleute ständig im Zweifel wären, ivas eigentlich erlaubt oder nicht erlaubt ist. Sein Antrag auf Zurückverwcisung der Vorlage zwecks Aenderung des Z 8 wurde schließlich angenommen.— Auf dem Friedhof an der Goethestraße soll ein Urnenhain zur Bei- setzuug der Aschenresle geschaffen iverden, und zwar wird einstweilen ein Teil der Anlage ausgeführt, unter Berücksichtigung der Möglichkeit einer späteren Erweiterung. Es sind Rcihenstellen und Rand- oder Parkstellen vorgesehen, mit einem in der Mitte an- zulegenden Teich, dessen abfließende Wässer in Becken aufgefangen und zum Begießen der Gräber benutzt werden sollen. Um der An- läge den Charakter eines Urnenhains zu wahren, wird auf die Schonung des vorhandenen Baumbestandes besonders Bedacht ge- nommen. Auch auf dem Friedhof an der Großbeerenstraße soll später eine derartige Anlage erstehen, weshalb für die notwendigen Anpflanzungen beizeiten gesorgt werden wird. Da das vorgelegte Projekt allseitige Zustiinmung fand, wurden_füt_ die Bewässerungsanlage des Urnenhains an der Goethestraße 430 M., von denen 75 M. für die Anlage von Schöpfftellen auf � dem Friedhos au der Großbeerenstraße Verwendung � finden sollen. sowie weitere 400 M. für die Einrichtung eines Teiles� des Urnen- Hains und für die BePflanzung bewilligt.— Bei Festsetzung der Gebühren für Beisetzung von Aschcnresten wurde nach längerer Debatte auf Borschlag des Gemeiudevertreters Nathan beschlossen, Rand- oder Parkstellen nur bis zu einer Größe von 3 Quadratmeter abzugeben, während über die Abgabe größerer Beisetzungsstellm die Gemeindevertretung von Fall zu Fall entscheiden soll. Der Preis pro Ouadratmeter bis zu 3 Quadratmeter soll 30 M. betragen. Auf eine Anfrage des Gemeiudevertreters Philipp, ob nicht die Ge- meinde an den Bau eines eigenen Krematoriums denken woll«, da die Stadt Potsdam allein Anschein nach den gleichen Plan wieder hat fallen lassen. erwiderte der Bürgermeister. daß die Stadt Potsdam sich seinerzeit mir der Gemeinde in Verbindung gesetzt und ihr die Verbrennung der Leichen zu den« selben Bedingungen, wie sie für die Stadt selbst gelten sollten, zu« gesichert habe, solange daher keine amtliche Benachrichtigung seitens der Stadt über die Aufgabe ihres Projekts vorliege, könne er irgend eine Beschlußfassung der Gemeindevertretung nicht empfehlen._— Zur Unterstützung der von hiesigen wirtschaftlichen Vereinen in viel« gelesenen Zeitungen betriebenen Ortspropaganda wurden auf An« suchen 200 M. beivilligt. Für die von der Gemeindeverwaltung selbst betriebene Ortsreklame sind im neuen Etat bereits; 300 M. angesetzt. der betreffende Etatstitel erhöht sich also durch die bewilligte Summe auf 500 M. Zernsdorf. Der Gesangverein„Freie Sänger" veranstaltet am Sonntag, den 5. Juli, sein II. Stiftungsfest. Da sich der Verein zu allen Veranstaltungen zur Verfügung stellt, so ersuchen wir um leb, hafte Beteiligung. Jugendveranstaltunge». Temprthof-Mariendorf. Sonntag, den 5. Juli: B a-de p a r We nach F r l e i> r i ch s h a g e ii. Treffpuntl sür Maricnders 6 Uhr Kanalbrücke; sür Tempelhos st, 7 Uhr Ningbahnhos. Bedcrbüchcr, Proviant und Kocher inilbrinqcn! An allen Wochentagen tauger Sonnabends) finden abends S-p-tti« im Freien an den Schätzclbcrgcn(östliche Burggrasenstraßc) statt. Gerichtszeitung. Eine„feste Handclsstättc". Vom Landgericht Berlin in(Strafkanimcr 4 unter- Vor-« sitz des Londgerichtsdirektors Ehreck») forderte gestern ein; Metallarbeiter Äarl Neumailu Nachprüfung eines Schöffen« gcrichtsurteils, das ihn 1>) M. Geldstrafe auferlegte, weil er niit einem Cdstwngcn eine feste.Handclsstättc eingenommen habe, trotz Aufforderung eines Schntzmannes nicht weiter- gefahren sei und bei der Sistierung durch Skandalicrcn einen Auflauf erregt haben sollte. Er selber war nicht Eigentümer des Wagens und der Ware, sondern nur der von der Hand� lerin angenommene Kutscher und Gehilfe, und er Chatte da» mals auch nicht verkauft, sondern nur d�n Wagen beaufsichtigt, während die Händlerin ihr Enkelkind wegbrachte. Schutzmann Koppen, der dem Neumaun die Anzeige besorgt hatte, sagte vor Gericht aus, er habe Neumaun 20 Minuten hin- durch an derselben Stelle halten sehen. Davon, dast Neumann mich verkauft hätte, wußte Koppen nichts. Tic Händlerin, eine Frau Falkcnberg, bekundete, Reuman» habe gar nicht verkaufen sollen und auch nicht verkaufen können, weil sie ihm kein Wechselgeld zurückgelassen hatte. Das Urteil lautete: Die Berufung des An« gcklagien wird verworfen, es bleibt bei 10 Mark Geldstrafe. Da» Gericht nahm an, dast Reumann„eine erste HandelsstcUe" einae» Jtommen habe. Wenn er auch nicht verkauft habe, so hätte er doch — und zwar auch ohne Wechselgetd— verkaufen können. Das sei auch seine Avficht gewesen, wie seine dem Schutzmann gegebene Antwort:„Wo soll ich denn hingehen, um zu handeln I" erkennen lasse/ Die Händlerin habe ihm nicht ausdrücklich verboten, evcn- tuell zu verkaufen, und„selbstverständlich" würde er, wenn ein Käufer gekommen wäre, auch verkauft haben. Das lästige Flugblatt. Beim Bäckcrstreik in den Betrieben von Eduard Gold- acker und Hanke u. Co. wurden vor den Geschäften der be- streikten Firmen informierende Zettel verteilt. Das war lästig für die Inhaber dieser Finnen, doch sie konnten nichts dagegen tun. Ein paar Polizisten sahen aber einen anderen Grund, die Zettelbertciler von der Straße zu weisen. Sic fanden, die Zettel seien lästig auch dadurch, daß viele Passanten sie wegwarfen und so die Straße verunreinigten. Ein Zettclverteilcr Otto Grünbcrg, der in der Schönhauser Allee die Aufforderung eines Schutzmannes, weiterzugehen und seine Zettel in einer anderen Straße zu verteilen, nicht befolgt hatte, mußte sich gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte(Abteilung 142 unter Vorsitz des Amtsgerichts- xats Kah) verantworten. Grünberg hatte wegen Uevertrctung der Strahenordnung einen Strafbrfchl von 3 Mk. erhalten und forderte nun richterliche Eni- schcidung, weil er meinte, daß er, der als Zettclvcrteiler einen polizeilichen Erlaubnisschein hatte, die gegen Entgelt übernommene Verpflichtung des ZettelverteilcnS an der ihm von seinem Auftrag- gcber benannten Stelle ausführen mußte. Ein Schutzmann be- kündete, er habe den Zettelvertciler auf die zunehmende Brrun- reinigutig der Straße aufmerksam gemacht und ihn aus diesem Grunde aufgefordert, andcrslvo zu verteilen. Grünberg aber habe an derselben Stelle weiter verteilt und auch ausdrücklich erklärt, daß er hier weiter verteilen werde. Eine Frage des Verteidiger« Rechtsanwalt Karl Liebknecht, ob die Anweisung, gegen diesen Zettclvcrteiler einzuschreiten, vielleicht auf den unerwünschten In- halt der Zettel zurückzuführen sei, wurde von dem Beamten vcr- neint. Der Amtsanwalt hielt den Zettelvcrteiler für verpflichtet, die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, nämlich in dem vorliegenden Fall für Sauberhaltnng der Straße an ihn ergangene Weisung eines Schutzmannes zu befolgen. Die Nichtbefolgung sei mit 3 Mark Geldstrafe zu sühnen. Ter Verteidiger beantragte die Freisprechung. Er bestritt, daß der Zcttelverteiler für die den Passanten zur Last zu legende Umherstreuung der Zettel vcrant- wortlich sei. Der dem Verteiler gegebene Erlaubnisschein habe ja keinen Sinn, wenn man aus solchem Grunde die Ausführung feine« Auftrages vereiteln könne. Der Zettelverteiler sei durch- aus berechtigt gctvcsen, an der ihm zugewiesenen Stelle iveiter zu verteilen. Das Urteil lautete auf ö Mark Geldstrafe. Grünberg sei zum Zettclvertcilen an sich berechtigt gewesen, aber der Schutz- mann habe die Verunreinigung der Straße nicht dulden dürfen. Der Aufforderung des Schutzmannes, die dem Gericht als durch- aus rechtmäßig galt, habe der Zettclvcrteiler Folge leisten müssen. In dem Spionageprozcß vor dein zweiten Strafsenat des Reichs- �r-echts wurde der lbjährige Chemiker Jean Franeois Hausse aus Jarville bei Nancy wegen versuchten Verbrechens gegen§ 3 deS alten Spionage gcsetzcS zu drei Jahren Gefängnis ver- urteilt. Drei Monate der erlittenen Untersuchungshaft wurden in Anrechnung gebracht. Aus der Urteilsbegründung geht nach dem offiziösen Bericht— die Ocfsentlichtcit war ausgeschlossen— hervor, daß der Angeklagte sich als Agent für das französische Spto- nagebureau hatte anwerben lassen und den Versuch gemacht hatte, einem deutschen Offizier geheim zu haltende Gegenstände zu stehlen, wobei er den Offizier durch ein Getränk zu betäuben vcr- suchte, um zu seinem Ziel zu gelangen. Das Gericht glaubte ihm mildernde Umstände nicht zubilligen zu können. Nur sein jngend- lichcs Alter habe ihn vor dem Zuchthause bewahrt. Mus aller Welt. wie ist öie Zeitung so intereflrmt.... Zäoch immer umkreisen die Schmocks wie Aasgeier die Mord« statte von Sarajewo. Immer neue Kapitel des Schauerroman« werden für die sensationslüsterne Leserwelt in die Heimat tele« graphiert. Ein Schnüffler der„Kölnischen Zeitung" ist sogar bis an die verwesenden Leichen vorgedrungen, und das sogenannte Weltblatt setzt nun am Freitagmorgen den liberalen Spießbürgern folgende Schilderung zum Frühstück vor: Von einer Einbalsamierung kann nicht gesprochen werden; es wurde eine Konservierung mittels einer kräftigen antiseptischen Lösung, die den Fäulnisprozeß hint'anhält, vor- genommen. Hierzu werden meist Sublimatalkohol und Glyzerin- formal'm verwandt; wir verwandten letzteres. Die Leichen wurden auf aus der Kaserne beschaffte Mannschaftstische gelegt und der Boden rings herum mit Sägespänen belegt, in denen wir standen. Hierauf wurden die Bauchhöhlen geöffnet, die Ein- geweide und der BlutzirkulationZwea mit ge- löstem Kochsalz ausgespült und mit Glhzerrn- formalin gefüllt.... Und so weiter. Eine widerliche Gesellschaft, diese Schmocks. Zigeunerschlacht. In dem Dorfe Liepgarden bei Ueckermünde spielte sich Donnerstag abend eine blutige Zigeunerschlacht ab. Zwei Zigeuner- familien lebten seit längerer Zeit wegen eines Mädchen« in Streit. Jetzt kam e« zu einem Kampfe, bei dem dreißig bis vierzig Schüsse gelvechselt wurden. Von den Zigeunern wurden zwei schwer verwundet; einer erhielt nicht weniger als fünf Schüsse. Ein anderer Zigeuner und eine Zigeunerin wurden leichter verletzt. Eine Unbeteiligte, eine 22 Jahre alte Frau B e r g e r aus Berlin, die bei ihren Eltern zu Besuch weilte, wurde auf deren Grundstück von einer verirrten Kugel so schwer in den Unter- leib getroffen, daß sie sofort nach Greifswald in die Klinik geschafft werden mußte. Die Zigeuner sind geflüchtet. Ein Drama im Gerichtsgebäude. Am Donnerstag wurde in Königsberg i. Pr. der Arbeiter Paul Fischer wegen einer Anzahl Einbruchsdiebstähle zu a ch t Jahren Zuchthaus verurteilt. Als der an beiden Händen ge- fesselte Angeklagte durch«inen Schutzmann abgeführt wurde, riß er sich loS und schwang sich auS etwa 4 Stock Höhe über das Treppengeländer. Mit einem furchtbaren Aufschrei schlug Fischer auf den untersten Korridor auf. Er wurde schwer verletzt nnd dürfte kaum mit dein Leben davonkommen. Prachtvolles Juristendeutsch. In einer ostpreußischen GerichtSschreiberei ist folgende Klage angefertigt worden: H e i n r i ch s w a l d e, den ö. 2. 14. Klage des Besitzers A. S. 1. in T. gegen � den Besitzer H. K. m L. Streitwert fünf Mark. Der Beklagte hat im Sommer bei Säue gedeckt; hierfür beanspruche ich a 2 Mark habe ich erhalten; mithin verschuldete mir der Eber!) nur noch fünf Mark. Beweis: Eid, bezw. Eideszuschiebung. Der Beklagte wird also der widernatürlichen Unzucht beschuldigt, und dem Eber wird nachgesagt, daß er dem Kläger fünf Mark schulde. Wirklich, ein prächtiges Deutsch. Und da wird den Leuten immer von den Behörden gesagt, sie sollten ihre Klagen nur nicht von Arbeitern und Parteisekretären anfertigen laffen, denn die Gerichtsschreibereien wären darin viel kundiger... meinem Eber drei M.— 6 M. Eine derselbe(also Unwetter in Frankreich. AuS B o u r g e s wird gemeldet: Donnerstag abend ging über Bourge« und Umgegend ein heftiges Gewitter nieder und verursachte eine wahre Katastrophe. Der Blitz schlug in ein Zell ein, in dem sich zehn Soldaten und zwei Korporale des 8ö. Linien- regiments befanden. Da« Regiment hielt dort Scharffchießübungen ab. Ein Korporal wurde getötet und vier Soldaten schwer verletzt, während alle übrigen mit leichteren Ver- letzungen davonkamen.— Auch auS St. Mihiel wird ein schweres Gewitter gemeldet. Dort wurde«ine Schildwache des Forts von St. Mihiel vom 16«. Infanterieregiment vom Blitz er- schlagen._> Meine Notizen. Opfer des Berufes. Die drei Arbeiter, die am Mittwoch bei dem Brande im Versuchslaboratorium der Leipziger Farbenfabrik Berger und Wirth schwere Brandwunden erlitten hatten, sind im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Todcsftürze mit dem Flugzeuge. Der Fliegerkorporal Mirat unternahm am Freitag einen Flug mit seinem Begleiter, dem Korporal Godesroy. In 260 Meter Höhe stürzte das Flugzeug ab. Godesroy war aus der Stelle tot; Mirat erlag auch bald seinen Verletzungen.— Der holländische Militärflieger Leutnant S p a n d o w ist Donnerstagabend auf dem Flugplatz Soesterberg aus 50 Meter Höhe abgestürzt. Freitag früh ist er fernen Ver- letzungen erlegen. Folgenschwere Dynamitexplosion. Ein schrecklicher Unfall hat sich n Marseille zugetragen. Arbeiter standen im Begriff, eine Mine zu legen, um ein altes Haus zu sprengen, als eine Kiste mit zehn Kilogramm Dynamit vorzeitig explodierte. Der Werkmeister und zwei Arbeiter wurden auf der Stelle g e- tötet. Alle drei Leichen wurden furchtbar verstümmelt. Wie Arbeiter sterbe». Wie an? Nantes gemeldet wird, kamen zwei Arbeiter der dortigen Eisengießerei Trignac auf furchtbare Weise ums Leben. Sie hatten in einer Hütte den Abfluß der ge- schmolzen«! Metallmassen zu überwachen, als die Hütte Plötzlich F e u e r f i n g. Um dem Verbrennungstod zu entgehen, versuchten sie durch die glühende Metallmas so zu waten, erlitten jedoch dabei so furchtbare Verletzungen, daß sie bald darauf starben.__ Veranstaltungen. Stralau. Die organificrten Frauen von Stralau veranstalten Sonn- tag, den 5. Fuli. einen FamilicnauZHug nach Sadowo, Waldschänke. Treff- puulc vormittags 9 Uhr am Bahnhof Stralau-Rummelsburg. Gäste find willkommen. Zweiter Wahlkreis. Im Monat Juli sallen die Lese« a b c n d c a u s. Statt dessen veranstalten die Genossinnen: Leseabend Frtcdrichstadt: Dienstag, den 7. Juli, Kasfeekochcn von nachm. 1 Uhr an in Treptow. 2. Eicrhäuschen.— Leseabend Westen: Donnerstag, den 9. Juli, Dampserausslug nach Woltersdorser schleuse. Absahrt 9 Uhr Jannowih- brücke, Reederei Robiling. Treffpunlt 8'/, Ubr pünktlich an der Kasse.— Lesc- abcnd Süden: Dienstag, den 14. Juli, AuSslug nach Krampenburg. Absahrt 8 Uhr 50 Mi», vorm. vom Görlitzer Bahnhos nach Grünau. Dort Uebersahrt nach TchmetterlingSlust. Rast bis 11 Uhr. Dann Wanderung nach Krampenburg.— Leseabend Südwesten: Dienitag, den 28. Juli, von vorm. 10 Uhr an aus dem Fichteturnplatz. Briefkasten üer Redaktion. Die luristUchc Sprechstunde findet Ltndenstraste 69, v»rn vier Dreppen — Fahrstuhl—, wochenti glich von i'/i vis Tk Uhr abends, S-illl»brndS. von iVi bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brirstasten bestimmten anfragt ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzeichen beitufüge». Briefliche antwort wird nicht erteilt, anfragen, denen kcine«bonnementsquittuus beigefügt ist, «erben nicht»tantwortei. Eilige Fragen trage mau in der Sprechstunde vor. L. 46. Beantragen Sie bei der LandeSvcrsicherungSanftalt die Ausstellung eines Duplikats, außerdem da» Heilversahren.—®. 25. Monieren Sie bei dem Vorsitzenden der BeranlaaungSkommisfion.— W. II. 85. Die ScheidungSllage erscheint durchlührbar, wenn Sie Ihre Behauptungen beweisen können. Der Klage muß ein Sühnctermin beim Amtsgericht Bcrlin-Mittc vorangcbcn. Zur Erhebung der Klage ist ein Anwalt er- sordrrlich. Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Höhe de« Objekt«, das von« Gericht sestgesetzt wird. DaS Urteil wird einen Monat nach Zu- stcllung rechtSkrästig.—. Prinzen skr. 34. H. Lehmann. Kottbuser Damm S. 8«. Paul Böhm. Launscr Platz 14/lf>. P. Harsch, Engeluser lö. Adlershol. Start Schwarzlose, Bismarckstr. 28. Baumschalenn ojj. H. Hornig. Warienlhaler Str. 13. I. B«r«itrn'»l. »nnl»tkaI. Max Gonschur, Parkstr. 6. Iiarl»l»«r»>t. Richard Knter, Rödelstr. 9, Ii. liönenlel». Emil Wistler, ftietzevstr. 6, Laden. Lichtenberg. Cttu Seifet, Wartenbergstr. 1. Kleder-SchUneweide. Will,. Unruh, Brückenstr. 10. Xowawe». Wilhelm Jappc. Lutherftr. 2. «ber-ischSnen eide. Alfred Bader, AilHelminenHoljtr. 17.?aden. Bank««. Otto Ristmann. Mühlenftr. 30. Belnlekend«rl. P. 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S5/86. „ Ganter, Harzer Str. 88. „ RUckbeim,»ergstr. 97. „ Krüger,»eoter.tr. 6«. Sehöneberg, Vereinshaus, Ha..pt.ir. 5. Baumschulenweg, Boches Reslauranl, B�Bceh67.n" Tempelhof, Crützmacher, Beniner str. 16«. Charloltenburg, Volkshaus,» Köpenick- Friedrichshagen, Käßner, Köpenick, Kal.erln-Augn.ta-Vtctortu-Straße 89. Stralau-Rummelsburg, Blume, Ait Boxbagen 56. Lichtenberg, Kurkowsky, Ff-rmr. 74. Steglitz, Sehellhases Festsäle, Ahorn.tr. tö«. Ober-Schöneweide, Warnicke, Ädlershof, Reslel, rneden.tr. 14. Wildau, Kordaneck, wudaaer»«t. Weißensee, Peukert, Beniner Auee 251. Tegel, Müllers Restaurant, Benmer str. 84. Reinickendorf, Kohn, Aagon�fietÄ-AUc®. Spandau, Wilke, xinaca.oer 17. Pankow, Rozyeki, Kreoz.tr. 8,4. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand abstimmen! Orteiver-H alttmg Berlin. Ladcncinncbtungs- und Kontormöbelbranche. Montag, den 6.",uli 191t, nbcnbf- B Uhr, im Vnzlischcn Hof, Alexmidcfstratzc 21c: �UtgUcdcr-Tcrfatnnilutig« Tagesordnung: 1, Bericht vom BcrbaiidStag. 2. Bericht von der Eeneraloerjammlung. 3. Branchcnangclegciihciten. Jvlarchincnarbeitcr. Tie Vertrauensmänner Versammlung findet am Montag, den B. Juli I9lt, abeudS S Uhr, im i tkiiglischcn Hof, Alexanderftr. 27c, statt. Ztchtung! viblioKkok. Achtung! Tirsclbc bleibt wegen Inventur einige Zeit geschlosseu. Kollegen werden ersucht, dir Bibliotheksbücher einzuliefern. Tie 901. Tie Trtsverwaltung. Tie Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist der Kollege Sldolf Cohen, Linien- strafte 83/85. 121/12 Tie Ortsverwaltung. Kweigvercin Berlin. Sonntag, den 5. Juli, vormittags 10 Uhr: Sektioi3sversaminIungd.8anhii!sarbeiter Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Tislusfioir. o, SettionZangclcgcnheitcn. Ticnstag, den 7. Juli 4944, abends 7 Uhr: Ullgemelne Il'uteektkäzek- Versammlung. Tagesordnung: J. Vortrag. 2. Berichte. 3, Gruppen angelegenheiten. Beide Versammlungen tagen in Anton Boekcrs Festsälcn, Weberstraße 17. Vollzähliges Erscheinen erwartet 143/10« Der Zwcijcverein.vor.tand. is- 1—500 getragene Anzüge für Herren: Smoiing, Frack- und Gehrock- Anzüge fauch zu ver- leihen), SommerpalctotS sowie v. Kavalieren getragene, fast neue Zachen la.Zcidc), f. fcd. Figur paff. in grijGIsrSusAsiil z.unübertroff. dilligen preisen. lTr.,deS!,albb!lligerwIcim Taben. Spezialarzt Dr. med. WockenfoB. Friedrichstr. 125(Oranicnb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hala-Kur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Hellung ohne Berufs- Störung. Teilzahlung.* Spr. vorm. 10—8 ed.. Sonnt. 0-- 10. Verantwortlicher Sefesltens ÄlfetJ» Wicletzp, Neukölln, gös des Inseratenteil verantw.: Tb-Gl»� Berlin, Druck«.Lerlaa: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt.Paul Singer Ss Co, Berlin SW«" Soziales. Unbefugte Dienftverlassung? UnbefugtdenDien st verlassenhaben sollte we Kochin Hundt, die in dem Restaurationsbetrieb «an Hohn und Tuchlcr tätig gewesen niar und wegen fristloser Entlassung Restlohn sowie Entschädigung für Kost ?no Logis in der Höhe von 5 6 M. vor der 6. Kammer des �»ewerbegerichts einklagte. i Als Klageeinwand brachte die Firma vor, die Klägerin habe st, festeren unbefugt ihren Dienst verlassen und sei deswegen von r'nit Recht ohne Aufkündigung entlassen worden. Beweisauf- j Jchme und Zeugenvernehmung ergaben aber, daß der Klägerin, L ,e das auch in anderen Betrieben ähnlicher Art üblich ist, von st�r Firma selbst, bez. von einem ihrer Mitinhaber die Erlaubniß gegeben worden war, sich seden Nachmittag eine Stunde zur Erho- st HI nach der anstrengenden Mittagsarbeit in der heißen Küche LL� zu nehmen, daß also von einem„unbefugten" Verlassen des st!�>tez auf�kcinem Fall die Rede sein konnte. Als die Beklagte st?' daß ihr Standpunkt nicht haltbar war, machte sie als weiteren 'i a6ccinwand geltend, diese Freistunde sei der Klägerin nur von � nem der Chefs gewährt und deswegen von der Firma nicht anzu- »™en. Nicht ohne Humor lehnte der Vorsitzende Gewerberichtcr � � diesen Einwand ab, indem er bemerkt«, dann müsse eben z vs'ue Mitinhaber der Firma den anderen für die ohne seine � ü'HtUtung gewährten Freistunden der Köchin„regreßpflichtig" lieb' die Kammer die Beklagten nicht im Unklaren darüber .. B, wie ihr Urteil ausfallen würde, so entschloß sie sich— frei- Ein Minister, der trotzdem die Annahme von Geschenken ist wegen Anstiftung, Beihilfe und Teilnahme an solchen strafbar. In Erinnerung sind die 8000 M. Belohnung, Kühnemänner in Berlin den Polizeibeamtcn spendeten, Anlaß des l. Mai 1800 über Gebühr angestrengt waren. wurde im Reichstag von keiner Partei bestritten, daß der Präsident, der die 3000 M. verteilt hatte, strafbar sei. angeklagt wurde er nicht. Werden denn in Preußen stets � angeklagt? gestattet, Delikten die die die aus Damals Polizei- Freilich schuldige Dr. anzu 'lirf?'.1�'6'�r ausfallen würde, so entschloß Ire nw— na<� längerem Zureden de« Vorsitzenden lMag.-Rat« fleh nn* �er®c'ÖHcr'— den ihr nahe gelegten Vergleich o ifl„:'nc"4 Sie zahlte die geforderten ob Mk., darauf nahm die Klä- «erin ,hre Klage zurück. � Rechtlosigkeit ausläudischer Wanderarbeiter. . Bei dem Landwirt Nullmeier in Billinghausen(Lippe) /JJf l�it Februar der Arbeiter Stanislaw Turck aus Tubidzc �nrcis Noworadomsk, Russisch-Polen) beschäftigt. Er erhielt n vereinbarten Lohn nicht, verließ deshalb ohne Kündi- «ung die Stelle und trat bei dein Landwirt Körner in Stade- lausen in Dienst. Auf Veranlassung des Nullmeier jun. »rde der Arbeiter polizeilich wieder zurückgebracht. Jetzt ndigtc der Arbeiter, und nachdem die Zeit abgelaufen war, vo m ��dcr bei Körner in Dienst. Bei seinem Fortgänge n Nullmeier verlangte er seinen verdienten Lohn, der ihm �"weigert wurde. Er reichte hierauf Klage beim Amts- Ilich �age ein. Inzwischen hatte Nullmeier bei der Fürst- D;-»Regierung Beschwerde gegen den Arbeiter erhoben. Regierung verfügte darauf die A u S w e i f u n g des ihn l t e r s als lästigen Ausländer und forderte �'nncn örei Tagen das lippcsche Land zu verlassen. Ifmf I§ Verzweiflung darüber und weil er seinen Lohn nicht iv, n' i>C0at> sich der Arbeiter nach dem Hof deS Landwirt? ; ltnicicr und schoß s i ch vor dessen Hanstllre töb?� Kugel in den Mund. Die Kugel wirkte nicht ITi t. � nächsten Augenblick kam Nullmeier jun. auS der st ur, beschimpfte den Schwerverwundeten und, anstatt sich � ucr anzunehmen, schlug er ihn mit einem harten st o �"st.°nd und ließ ihn im bewußtlosen Zu- dock t C"'? 0 C n- Gegen 3 Uhr morgen? mochte ihm wohl do� ��uklich werden, er brachte den russischen Arbeiter in aus ��ukenhans nach Lage und gab sich dort als Vicrcggc bei �Udenhausen aus.(Vieregge ist ein Nachbar Körners, Wim» 1 �-urck zuletzt beschäftigt war.) Nullmeier erklärte Lcfund CT' �Cn ����verletzten in Körners Garten auf- � Da der Verletzte der deutschen Sprache nicht mächtig ist urde ein Dolmetscher herbeigeholt. Bei der Vernehmung hr der ganze skandalöse Sachverhalt an den Tag. Ter Ar si* r befindet sich auf dem Wege der Besserung. Tie Untersuchung ist eingeleitet worden und wird gegen Nullmeier jun. �uch ein gerichtliches Nochspiel haben. - Gegen die Ausweisung deS Arbeiters ist Beschwerde bei � Fürstlichen Regierung erhoben. Her mit Vautontrollcurrn aus der Arbettertlaffe! _ Die Bauarbeitcrschutztommission der fteien Gewerkschaften von n n und Umgegend hat in einer dreitägigen große« Kontrolle 374 (Kck'lr kfitfiiigt und dabei nicht weniger al» 748 Verstöße gegen die 'itzlichcn Vorschriften und sonstige schwere Mißstände ermittelt. j�unier befinden sich Hunderte von Fällen, wo durch die Versäum- Bauunfälle begünstigt werden. Wie leichtsinnig die Unternehmer � �Ucn, beweist die Tatsache, daß auf nicht weniger al» 54 Bauten �* �rbandskasten fehlte. Die sich immer wieder erweisende lGhigkeit der Baupolizei, den Bauarbeiter-Schutzbestimmungen �'uug zu verschaffen, muß unsere Forderung nach der Anstellung «aukontrolleurcn aus der Arbeitcrklaffe verstärken. Polizeiliche Streikbelohnungen. Der preußische Minister des Innern hat die Grundsätze fest- quellt, unter welchen Polizeibeamte Belohnungen entgegennehmen 5i«n. Mit dieser Frage befaßt sich der Dresdener Polizei- °»dent Koettig. Er schreibt in der„Deutschen Strafrechts- ssituug": ..„Man kann gewiß einerseits nur damit einverstanden! daß die unter allen Umständen erforderliche Genehmigung' iur Annahm« von Belohnungen dem Polizcrbeamten in wohl- ! �.Vollender Weife erteilt werde, andererseits muß es grund- uftjlich bedenklich fallen, daß Polizeibeamte. die aus Anlaß von �'rtschaftijchxn Kämpfen iStreits, Ausspcrrungenl tätig ge- ocdcn sind, die Genehmigung zur Annahme von Belohnungen Ehalten, die von einer der am wirtschaftlichen Kampfe beteiligten �»rteicn herrühren. Denn die Polizeibehörde steht bei wirt- lchaftlichen Kämpfen über den Parteien, und c» muß unter ?llen Umständen auch der Schein vermieden werden, als ob die Polizei nicht im öffentlichen Interesse, sondern im Privatinter- Me eines Beteiligten tötig geworden sei." . Die Annahme von Geschenken ist unter allen Umständen �mverflich und bleibt trotz einer ministeriellen Ge- �/hmigung strafbar. Der'Beamte bekleidet ein öffentliches � j*1: er wird aus den Mitteln der Allgemeinheit bezahlt und besteht e Gefahr der Parteilichkeit, wenn Beamte für Amtshandlungen i®?1 dritter Seit« Belohnungen annehmen dürfen. Namentlich 7*} Streiks steht die Polizei den Arbeitern von vornherein vielfach südlich gegenüber und diese Feindseligkeit kann höchsten« noch fordert werden, wen« die Polizeibeamte» wissen, daß sie von dem Greiften Unternehmer auf eine Belohnung rechnen können. n. Auf diesem Standpunkt der Verwerflichkeit der Annckhme einer Wohnung steht auch da» Gesetz.§ 331 St.G.B. bedroht einen hinten, der für eine in sein Amt einschlagende an sich nicht �l'ichtwidrig« Handlung Geschenke oder andere Vorteile annimmt, oder sich versprechen Mit Geldstrafe vdee Gefängnis Wichtige sozialpolitische Wahlen. Nachdem allenthalben die Wahlen der Beisitzer für die Vcr- sicherungsämter erledigt sind, kommen nunmehr die Wahlen der Veifiper für die Obcrversicherungsiimtcr zur Durchführung. Von den zuständigen Behörden sind bereits alle Vorbereitungen für die Wahlen getroffen worden. Jedes Ovcrversichcrungsamt besteht aus„Mitgliedern"vic die Beisitzer werden Stell- Vertreter, und zwar in doppelter Zahl wie die Beisitzer, geivählt. Hat also ein Lbervcrsichcrungsamt die norinale Zahl von 00 Ver- sichertenbeisitzern angenommen, so sind noch 40 Stellvertreter dazu zu wählen. In den einzelnen Bundesstaaten sind besondere Wahlordnun- gen für disc Wahlen erlassen worden. Sic sind bestrebt, das ohnehin umständliche Wahlvcrsahren noch komplizierter zu ge- stalten. Danach sollen die Beisitzer zu einem gewissen Teile(min- destens zur Hälfte) an der Unfallversicherung beteiligt sein. Vcr- schiedentlich ist dieser Anteil wesentlich erhöbt worden. Im übrigen sollen die hauptsächlichsten Erwcrbszweigc, insbesondere die Land- Wirtschaft, und die verschiedenen Teile des Bezirks bei der Wahl berücksichtigt werden. Einzelne Wahlordnungen bestimmen z. B., daß die Versichertcnvcrtretcr zu einem Drittel der Landlvirtschast angehören müssen. Jedem Wähler ist mindestens 6 Wochen vor der Wahl eine Wahlausfordcrung mit Wahlkouvcrt zuzustellen, auf dem auch die Zahl der Stimmen anzugeben ist, die er in die Wagschalc wirft. Tic Wahl erfolgt auf die Dauer von vier Jahren. Wir besitzen im Deutschen Reich rund 85 ObcrvcrsichcrungZ- ämter(wozu noch eine Anzahl„besondere" Obcrvcrsichcnmgsämtcr für die Eisenbahn- und Bergarbeiter kommen). Nehmen wir an, daß überall auch nur die normale Zahl der Beisitzer beibehalten würde, so müßten im Deutschen Reiche schon 5100 Beisitzer und Stcllvcr- trcter für sie gewählt werden. Die Vorbereitung der Wahl, insb« sondere die Ansstellung der Kandidaten, liegt in den Händen der Be- zirkskartelle, die von"der freigcwerkschaftllichcn Arbeiterbewegung im letzten Jahre geschaffen worden sind. Diese ganze Bearbeitung und Organisation der Wahl ist keine geringe Aufgabe; die bürgerlichen Wählergruppen, die sich an dcrWahl beteiligen(die christlichen Gciverk- schastcn, Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine usw.), haben die Sache leichter, weil sie meist die Hilfe der Behörden zur Verfügung haben. Leider ist das ganze Wahlverfahren nicht dazu angetan, bei den frei- gewerkschaftlich organisierten Beteiligten große Wahlbegeistcrung zu erzeugen. Die Wahlen der Beisitzer zu den(unteren) Versichcrungsämtcrn zeigten eine recht große Lauheit unserer Wähler. Hoffentlich wird das bei den hier erörterten Wahlen, die bis Ende September er- lcdigt sein müssen, besser. /lus Inöustrie unö hanöel. Vcrsicheruuqsprofltc. Die Frankfurter Allgemeine Versicherungs-Aktiengesellschast veröffentlicht einen Prospelt über 3 Millionen Mark neue, mit 25 Proz. eingezahlte Aktien. Sie macht dabei folgende Aufstellung über die Entwicklung des Unternehmens: 1009 Präinieneinnahmcn.. 47.— Schadenreserve.... 11,— Andere Reserven... 8,5 Eingezahltes Aktienkapital 3,— Dividende in Prozent.. 46,— 1010 1011 1012 1013 Millionen Mark 21,6 22,1 23,8 24,7 12.8 13.4 14,— 14.1 8.5 8.5 14,7 14,7 3,- 3,- 4- 4,- 50,— 50.— 50.— 50.— Trotz der bohcn Dividende konnten Reserven in Höhe von in»- gesamt 28,7 Millionen Marl angesammelt werden. Allein die Kapitalsreserve ist über dreieinhalbmal so hoch als das eingeznhlle Aktienkapital. Dabei haben die Aktionäre iu den letzten 4'Jahreii ihr Kapital schon doppelt als Dividende herausbekommen. Solche ungeheuren Gewinne aus einem Unternehmen, daö eigentlich dem öffentlichen Wohle dienen sollte, erklärt den sanasischcn Haß, mit dem man alle Bestrebungen verfolgt, die daraus hinzielen, das Ver- sicheiuugswesen den kapitalistischen Klauen zu entreißen. Daß man bei dem Kamps um die Erhaltung der Beute sogenannte nationale Interessen vorschiebt, entspricht freilich der kapitalistischen Moral. Wittcrungsüberlicht vom 3. Juli Iitl4. Swincmde. 76I.sO Hamburg u57 SD Berlin 7.'>9 SO ■raiiff. a.illl 757.�® tünchen(757 S® Sien|7Ö9SD I Zwolkenl 24 3 heiler 1 22 i 3 wollen! 25 ! 2 Dunst; 20 I 2 wolkig' 19 2 Ivollenl 21 Petersburg 770'DND Scillu 7ö03i® Abcrdeen 755 NA® Paris 757.SW 5 wolkenl!6 l'wolkenl 20 5 halb bd.1 13 3 Regen 11 2 bedeckt| 18 Wettcrprognoie für Sonnabend, den 4. Juli 1944. ..'Zunächst wieder vielfach heiler und sehr warm bei ziemlich lebhasten sildostlichcn Winden; später zunehmende Bewölkung und etwaS Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterburcau. Wettcraussichtrn für das mittlere Norddcutschland bis Sonntagmittag:(Im Nordosten größtenteils heiter, trocken und lehr warm. Im Südwesten»icist ansang» noch heiter und warm, dann slärlerc Bewölkung, vielfach Gewitter und etwas Ablüblung. werden oft durch Ermüdung des Körper« hervorgerufen. Absätze Continental machen Ihren Gang leicht und elastisch und verhindern vor- zeitiges Ermüden. Verlangen Sie aber ausdrücklich von Ihrem Schubmacher die enorm haltbaren Continental- Absätze. Die reellsten und solidesten OBEL liefert anerkannt seit 36 Jahren die seit 36 Jahren oie MÖÖßlfäbfl'k von SCtlUlZ mit langjähriger Garantie zu äußerst biUigen KassencreiLn Grüßte At,gegMn- VjrgrÜtUig i?wCh Teilzahlung -Ißif[MWi/ Xö' 1 ReulersWerke ■' S Bänbe 4 Hart Buchhandlung Borwärt» Keine Filialen. Mark wöchentliche Teilzahlung liefere elegant« Heppen- Moden fertig und nach Mass. Garantie für tadelloses Sitz. Jonas Kurzbers lOranienstr. 160' zwischen Moritz- u. Oranienplatz. I Bitte auf Htutnummer u. rote Schilder zu achten. 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Mit ff bezeichnete Artikel sind von der Zusendung ausgenommen. Verkauf nicht an Wied erverk ä afer Pfund|5 S Pf- .Pfund i.25 IZpf. 75pf- Räucherwaren PomiDerstlie FiunilßrB............. � IGpf. Bücklinge.................... stock Ipt. AalC geräuchert................. Bund �5 �5■■ Aale geräuchert.................Pfund 1,10 Lachsheringe............. 2 stock �5pi. Neue Matjes-Heringe stock Sf HZp/. Neue saure Gurken-......... stock Zpt. SpeisefabriKate Reis............. Pfund 20, 25 pf- Pudding-Pulver(gefärbt)., spnck ZZpt Rote Grütze(gefärbt)...... 5pack 28 pf KakaO garantiert rein.......... Pfund �§Pf. Haushalt-Schokolade..... Pfund GZ et. .. Pfund95 P'' Schweinebauch pwnd 55� Kalbskamm od. Buy Kalbsbrust..... Snppeiitleisch Frisches Fleisch Boulasch od. Behacktes Pfund 60 VoroBreisheine gepökelt..Pfund SS pf. Ohren und Schnauzen Pfand 22�. Pökelrippen....... Pfand 65 Rückenfett.......... Pfand 45 SU pf. Liesen................ Pfand 55 Kalbskeule im � 95 Pfund 75 Pfund 65 pf- Pf. ...Pfund Pf. Pf. 'Obst und Gemüse Pf. Pf. ICassSer...........................«-75, 80 Junge Gänse 68, 78 Gänse-Rümpfe 2.so 3.50 'Enten.................................-1.gs2.5o Frische Eier».- 75, SO pf. Tomaten........................ Pfand 12«. 1 Apfelwein Bananen........................«und 25«- Himbeersaft v, Flasche ...3 Flaschen 93 p-- 48 Pf- Flasche 05 Pf - wstt****! mÄa*r7Z.Y Erdbeeren.............. pfu°d 20, 30pf Kirschen............. pfnnn 15, 20 .lohannisheeren............ Pfund 20 pf. Blaubeeren.................... pfnnd Z5 Pt Saure Kirschen............ Pfand 20 p'- Austr. Aepfe!................. Pfund ZO«. Ital. Mussäpfel............. Pfand 20«. Zitronen.......... Patzend 25, 35 rt. Grüne Gurken.........'stock �0, ISpt Pfefferlinge.................«und 45 pf. Kohlrabi............................... 9 pf. Salat....................... 5 Kopt 10 pt Junge Schoten............... Pfand 16 � Junge Mohrrüben 3 Bund iQp, Wirsingkohl.................... Kopf 10 pf. Heue RnrtoEfeln 5,-35 pt Butter und Käse Moikereibutter...Vj-pfond-Pakot 60« f. Molkereibutter Va-pfand-paket 63 pf- Schweizer Käse....«and 85, 95« Tilsiter Käse................«and 68« Brie-Käse.....................«and 45« Limburger Käse...........'Pfand 38 pi. «Nr. !chric fteB «n «ich «a Hfl M. zu» mö: SB« flen für. c§ WWl iftani, fetbi) i�ort bflj ein nö) in j eil «u jeden 'Tuni .�bera die z «leist, intn,ö Milte pchrisl deo Pider �che! fittig U i Part, Pietü Veriv Theater und Vergnügungen Sonnabend, den 4. Juli 1314. Hlntaiifl 5 Uhr. Panagc-Tlieatcr. 5lino-Laricto!thard. Deutsches LperUfiauS. Ticsland� Theater an der Weidcndammer Brücke. Der müde Theodor. Schiller O. Tannhäuser. Berliner. Wie einst im Mai. Königgrätier Straiie. Mr. Wu. Thalia. Wenn der Frühling lommt. Noie. Der Eilberkönig. Wintergarten. Shcziaiitäten. Reichshaflcn. Sictiiuer Sänger. Palast-Theatcr. Variete und i'icht- spiele. Berliner Pratcr-Theatcr. Grigri. Ansang 8'i, Udr. »teines. Theater Der Klecks. am Nollendorfplatz. ?cr Juxbaron. Lustipielhaus. Tie spanische Fliege. Iluisen. Der milde gelbe Mob». Walhalla. Zapsenslrcid). Folies<5aprice. Die Peibwöschcrin. Tie Amordragoner. Das Bell istapoleons. Ah— da staun' ich. Ansang 81/, Ubr. küebc. Residenz. Die verflixte Admiralspalast. Im Tangoklub. Cines Nollendorf-Theatcr. Das Mirakel. Sternwarte. Jnvalidcnstr. b"— 82 Saehse-6per. SehiIler-Tliea!er0.SSaQncr' i Theater. 8 Uhr: sMnhausrr undderZänger- Krieg auf WartKurg. fdeslerioiiei'WWMMKe Täglich 8A!br: Wv. Wu. Berliner Theater. 8 Uhr: Wie einst im Mai. Täglich 8 Uhr, zum IIS. Male: M- Sensationeller Lachersolg"äp Oer müde Theodor. Vorher: Tanzgastspiel Miss Keen. URANIA TaubenstraBe 48 49. 8 Uhr: her Vierwaldstätter See und der Gotthard. zooloo Ischer Garten Täglich Gr. Militär-Konzert. Eintrittspreise: iBoo IM., von 6 Uhr ab 50 Pf. Acinur. lM.v.ii.Str.,50Pf. vZoo Kinder unt. 10 Jahr, die Hälfte. Neu! Xeu! HÜUARWm 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Metropol-Theater, Abends 8 Uhr: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Admiralspalast. Kls-Arena. Ät Tangoklub" und das effektvolle Eisballett .,Dic luftige Puppe-'. Bis 6 Uhr und ab lO1/, Uhr halbe Kassenpreiso. Wein- und Bler-AbtcHnns;. I.ebcnd! Die letzten weibliehen Azfteken! AGA die schwebende Jungfrau. Buddhas Geistertafel. u Alles ohne Extra-Entree 1 Eintr. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 Pf. Immer an der neuen Heerstrastc schönste Ausflugsort? noch Pichelswerder, beim Alten Freund. Voigi-1'hLslvi' Badstrastc!»8. ivkorgen Sonntag: Das Mittrrnadstsulädchen. Gr. Ausstattungsstück m. Ges. u. Tanz von Kren und Lippschitz. Gänzlich neue Spezialitäten. Kasscncröffn. 10 Uhr. Ans. 2 Uhr Reederei Kaimt& Hertzer Billige Extrafuhrten ab: Jeden Montag u. Donnerstag Wenden- Jd O'J o[j j]|0 Ziegenhals 59 Pf. Neliloß-C«rUnau-Kruiiipcnbnrg Jeden Dienstag und Freitag nach lA/n!slK<.rf fvphloilCO X.-Ahlbeek.SIÜKgelNchloß." JlloloU. OlilltiUhti Jeden Mittwoch nach WeiKlenschloß bii-iinau-Krampenltui-g..._ Jeden Mittwoch /Tornowsi Abfahrt S Uhr. nach■ � Idyll/ hin und zurück L M. Von A'ake AI»»en(Soblesische Brücke) Absahrt je Stunde später. Ab. 2 Ukr, hin u.zur. Kinder 545 Pf. Heu! All Keukolln Jede»( 6.u.2Uhr ab Kaiser �riedrichbr.. Sonntag i 8'/,it.2>�UHrnbWildenl>ruchbr. bin u. zurück 1 M., esnsach 54» Pf., Kinder 50 resp. 25 Ps. Die Rückj. der«onntage-lour endet abends in Gast- Alien rcsp.Waisenbr. Montag und) Neu-AHIbeok, Donnerstag) MüggelschloS Woltersd. Sehl, Dienstag und) Grünau- Freitag) Krampenburg Mittwoch{®�enhiir9 Ziegenhals Abfahrt S SO Uhr Kais.-Friedrichbr Abfahrt 9.05 Uhr Wildenbruchbr. "in u, zur.g5pf' Jeden Montag) Neu- Ahlbeck UolnalonH u. Donnerstag! Müggelschloß"aU-neigüianD Jeden Dienstag) und Freitag! (.ii-ünau- Krampenburg Oriinan- Waiflidyll Jeden Mittwoch Von Cafe Alsen(-Schief. Vr.) Absahrt etwa Kind. 25 Pt Abfahrt»'/, Uhr Kais.-Friedrichhr Abfahrt l»/4 Uhr Wildenbruchbr. 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Fahrt) oOnmag) vorm. 10 U. h. Krampenburg, Schrnockw. 50 Pf. einf. Fahrt) It. ab Weiäenclamnier Krücke iFi'ivlIrielistrsDe) vorm. 9 Ubr. Charlottenburg, Schloßbrücke 9;50, Spandau. Charlottenbrücke 11 Uhr: täglich nach Potsdam I lUljllUII IIUUII I UIOUUIII( Werder Sonnabend bis Ferch Fahrpreise hin und zurück wochentags M. 1,—, Sonntags M. 1,55. Jeden Montag u. Mittw. 7.30 ab Weiden-) n DranHanhnrn, ,r n n-, dammer Brücke, 8.20 Charlottenburg,! u>anllöllljtl>g(M.2,(>ä) 8.15 ab Tegel, 9.25 Spandau, 11.00 Potsd. j Rckf.5,00n.b.Spand..Teg. tog'awTach Oranienburg-Lehnitzsee(m. i.- hin». zurück). III. ab Potsdam KBiucp-Wllhelm-Briicke (F.iKcnbahn-Hotcl): Jed. Moni. u. Donnerst, 11 U. nachm. Rundf. u. Potsd.) Fahrpr. rn 118 Jed. Dienst. in Freit. 2 U. nachm. n. Phöben u. Paretz, hin und|J|J p| Jed. Mittw. 3 Ü. nachm. n. Petzow u. Glindower Alpen) zurück Jeden Sonntag � aabb Rundfahrt um Potsdam M. 2.05 IV. Ab Plötzensee. Bahnhof Beusselstrafle, vorm. 8 Uhr 30 Min.: Jeden Sonntag nach Lehnitz-Oranienburg 75 Pf. einfache Fahrt. V. Ab Spandau tTriftstr.i u. Tegel(Fahrpr. vorm. 80. nachm 50 Pt) Jeden Dienstag, vormittags 9,00 Uhr.....)„««k I ohnitT�PP Jeden Donnerstag, vormittags 10.15 Uhr..|"UN" Lclllllltocc Jede n�Donne rs tag. Frch t a g}«»ehm. 3.00 Uhr j(Oranienburg) .Ted. Montag u. Mittw. vorm. 8 U. 15 Min. ab Tegel n. Brandenburg(2.05 1. Theater öes Weste Gotterliammenii Heide 7 llbt: Somilag, Montag, Dienstags Das Rhclngold.___ /Olb Theater am Nollendorfplatz n, SV, P'hr: �'ejei Der Juxbaron. WWWWWWW��� OSE=THEATEP- «SP! ©rohe Franliurlcr Str. 132.1 Der Silberkönig. C!r 5» Ansang 8 Uhr. — Aus der iNartenbübne-5.. Niiud um die Spree. Gr. Rev-ie Vorher Konzert, Tpezialitäts Neues Programm 8s!isfe!ei Zachow. Tel. Kgst. 6965. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wietepp. Neukölln. Für den iZnjeratentell oerantw.:. Th. Glocke, iferlin. Druck u. Verlag: VorwärtD ivuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., BerliW