Nr. 182. HbonucmentS'Bedingungen: WonnementZ- VieiZ pränumerando: Lierteljährl. 3,30 ÜJIL, montUI. 1,10 SRI, wöchenlllch 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonnlags- nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste, Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2,50 Mark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. PostabonncmentS nebmen an: Belgien, Dänemarl Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. CilchdDt täglidi. t 4 Verlinev Volli�blnkk. vle snkettionZ'Lebahk beträgt für die scchsgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Pereins- und Versammlungs-Zinzeigen M P'p. „Kleine Hnzeigcn1', das fettgedrullte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), icdes weitere Wort 10 Pfg. Stellengefuchc und Schlafstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch. ätaben zäblen für zwei Worte, �nferote ür die nächste Nummer müssen bis > Uhr nachmittags in der Erpeditioit abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sgziaiileinolirat Rcrlia". Zcntralorgan der rozialdemokratifchcn Partei Deutfchlands. Redahtton: 8Äl. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt Moritiplav, Nr. IS8Z. Dienstag, den 7. Juli 1314. Cxpedlrlon: 8M. 68, �incienslrasse 69« Fernsprecher: Amt Moripplatz, Nr. 1S84» Parteigenossen! Auf Grund des Organisationsstatuts beruft der Partei- dorstand den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, 13. September, abends 8 Uhr, nach dem Huttenschen Garten in Würzburg, Virchowstr. 2, ein. Die Eröffnung und die Konstituierung des Parteitages werden am 13. September stattfinden. Die Festsetzung der Geschäfts- und Tagesordnung soll am Montag, den 14. September, zu Beginn der Sitzung vorgenommen werden. Ms vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Geschäftsbericht des Parteivorstandes: a) Allgemeines. Referentin: L. Zieh. b) Kassenbericht. Referent: O. Braun. 2. Bericht der Kontrollkommission. Referent: W. Bock. S. Bericht der ReichstagSfraktion. Referent: E. Vogtherr. 4. Militär st aat und Demokratie. Referent: Dr. Lenfch. v. Wirtschaftspolitik und K 0 a I i t i 0 n s r ech t S- hetze. Referent: H. Dkolkenbuhr. S. Bericht vom Internationalen Kongreß in Wien. Referent: H. Haase. 7. Anträge. 8. Wahl deS Parteiborstandes, der Konirollkvmmission und des Ortes, an dem der Parteitag ISIS stattfinden soll. Parteigenossen! Bewirkt die Vorarbeiten für den Parteitag ■— die Wahl von Delegierten und die Stellung von Anträgen— Rechtzeitig. Wo mehrere Delegierte zu wählen find, soll nach 8 7 des Organisationsstatuts unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein.■ D i e Anträge der Parteiorganisationen Müssen späte st ens am 15. August im Besitze des Parteivorstandcs. Adresse: W. Pfannkuch, Berlin LW 68, Lindcnstr. 3, sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des Z 16 Abs. 2 des Organisationsstatuts im„Vorwärts" veröffentlicht werden und in der gedruckten Vorlage Aufnahme finden sollen. Ten Anträgen etwa beigegebene Begründungen werden weder im „Vorwärts" noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage abgedruckt. Die Vorstände der Wahlkrcisorganisationen werden drin- gend ersucht, dem Parteivorstand die 5!amen der gewählten Delegierten unter genauer Adresscnangabe alsbald mitzuteilen, damit ihnen die Vorlagen und sonstigen Mitteilungen zugehen können. Außerdem müssen sich die Delegierten beim Lokal- komitee melden. Die Adresse des Lokalkomitees lautet: I. Schäfer, Würzburg, Semmel st raßc 46, l. Die Mandatsformulare werden vom 13. August ab durch das Partcibureau versandt. Mit sozialdemokratischen Grüßen Der Parteivorstand. Militarismus und Demokratie. 1. wenn unser Kanipf gegen Es wäre schon Arbeit genug, tr den Militarismus seine Spitze fände in dem Kampfe gegen die Militärmißhandlungen. Dem ist aber keineswegs so. Tie �oldatenschindcreien bilden nur ein„adminikuliercndcs Bei- werk" des Ganzen, unser Frontalangriff richtet sich gegen die Stellung, die das Heersystem in unserem gesamten Staats- wben einnimmt. Doch das ist schon ungenau ausgedrückt. Wahrheit steht die Armee nicht in, sondern neben unserem Staatsleben, sie ist ein Fremdkörper, der sein Leben nach eigenen Gesetzen zu führen sucht und dessen Glieder wan systematisch von jeder Berührung mit dem Staatsleben fernzuhalten sich abmüht. Aber ist das nicht zu viel gesagt? Beruht mcht das Heer auf dem Gesetz? Muß nicht jeder Hosenknopf im Etat de- willigt werden? Und haben wir nicht jahraus, jahrein lange Militärdebatten im Reichstage? Gewiß! Die Kosten muß der Steuerzahler tragen, das überläßt man ihm sogar sehr gerne, bloß zu sagen hat er nichts. In der Tat: der Einfluß, den das Parlament auf die Heeresverwaltung ausübt, ist überaus bescheiden, er findet im allgemeinen dort seine Grenzen, wo der gute Wille der Heeres- Verwaltung seine Grenzen findet. Daß diese Grenzen immer enger gezogen werden, daß der Beeinflussung durch das Parlament jetzt auch Gebiete entzogen sind, die ihr früher unterworfen waren und dem Gesetz nach auch unterworfen sein sollen, das geht mit besonderer Deutlichkeit aus der verfassungswidrigen Stellung hervor, die sich das Mlilärkabinett zu erobern verstanden hat. Wer sich hierüber sachgemäß unterrichten will, dem sei der lehrreiche, wenn auch nicht kurzweilige Wälzer empfohlen. den der Freiherr Marschall v. Bieber st ein über dieses Thema geschrieben hat. Er kommt zu dem Ergebnis, daß der gegenwärtige Zustand in jeder Hinficht rechts- widrig sei, so daß wir uns eigentlich im ewigen Staatsstreich befinden. Im Reichstage hat man mannigfach gegen diesen Zustand protestiert, die Kriegsminister aber haben die VolksveAretung ausgelacht oder, wie Herr v. F a l k e n h a y n neulich, ihr einfach erklärt: Ich bin der Kriegsminister des Königs von Preußen und aus Eurem„Wust" wird ja kein Schw— an daraus klug! Das Parlament hat diese jähre- lange, stets steigende Beraubung seiner Rechte mit an- gesehen und ruhig Militärvorlage auf Militärvorlage be- willigt. In der Tat ist auf keinem Gebiete unseres öffentlichen Lebens die Unfcrtigkeit aller verfassungsrechtlichen Verhältnisse so mit Händen greifbar, wie beim Heer. Der Phrase nach ist es ein Volksheer, in Wahrheit ist es, oder soll es ivenigstens sein, ein»villenloses Instrument des Absolutismus. Daß das möglich ist, ergibt sich aus dem Eharakter des Offizierkorps. „Ter Geist der preußischen Armee sitzt in deren Offiziers", ffagte der preußische General Nüchel, einer der Helden von Jena, den C l a u s e w i tz einmal eine aus lauter Preußentum gezogene konzentrierte Säure nennt. Bei Jena hat sich dann gezeigt, wie der„Geist der preußischen Armee" aussah. Aber auch heute noch gilt der Satz des alten Nüchel, oder vielmehr, er gilt heute wieder; denn zwischen Jena und heute gab es in Preußen eine Zeit, wo der Geist der Armee nicht in „deren Offizier", d. h. den Junkern, saß, Ivo Preußen eine Armee hatte, deren Grundstock die Landwehr war, die nach den Absichten des preußischen Kriegsministers von P y y e n, des großen Schülers Scharnhorsts, ihren Halt weniger in der militärischen Disziplin, als in der staatsbürgerlichen Gesinnung haben sollte. Diese Hceresorganisation, die in den Stürmen des Freiheitskrieges und der ihm fol- gendcn Kriegsgefahren dem preußischen Könige abgezwungen wurde, brach im Grunde genommen an der Tatsache zusammen, daß es in Preußen keine Staatsbürger mit siaatS- bürgerlicher Gesinnung, sondern nur Untertanen gab und geben sollte, Objekte, nicht Subjekte der Staatsverwaltung, die sich um den Staat überhaupt nicht zu kümmern haben. Wilhelm I. ist es dann, der Anfang der sechziger Jahre dieses auf dem Volksheer beruhende Wehrsystem zertrümmert und an seine Stelle das noch heute herrschende System gesetzt hat. Er wollte und schaffte ein Soldatenheer an Stelle des Bürgcrheeres, das Boyen hatte schaffen wollen. Für ihn gab es in aller Weltgeschichte nichts anderes als den Standpunkt des preußischen Feldwebels. Er kannte keinen preußischen Staat, er kannte nur eine preußische Kaserne, und in seinem dumpfen Hirn nistete die Angst vor der Revolution. In seiner Studie Der Gedanke des Volksheeres im deutschen Staatsrecht schreibt der Privatdozent Dr. W 0 l z e n d 0 r f f darüber: Er fWilhelm I.) glaubte, durck längeres Exerzieren der Truppe einen zuverlässigeren Geist einflößen zu können, als den freier Staqtsgestnnung: Da§ unbewegliche Pflicht- und Gehorsams- aefühl des Soldaten. Und hierin liegt allerdings doch wieder, vom nationalistischen Standpunkt aus gesehen, die ganze Auffaisung des absoluten Staates: Alles im Staate muß von dessen Oberhaupt herkommen, auch die für den Staat notwendige Gesinnung kann nur von ihm geschaffen werden. Wie der absolute Staat das geistige Leben der Untertanen schlechthin regulieren zu inüssen glaubte, so hält es der Staat noch jetzt für seine Aufgabe, autoritativ der Gesinnung des Vaterlandsverleidigers bestimmte Form und Richtung zu geben. Und so geschah's. Mit dem„längeren Exerzieren" zog das System das Soldatenschindens wieder ein in die preußi- scheu Kasernen, aus denen es, wenn auch nie verschwunden, so doch etwas zurückgetreten war. Das öde Bimsen erhielt setzt einen politischen Zweck. Nicht aus militä- rischen sondern aus politisch-reaktionären Gründen wurde jetzt ein Ucbermaß von Exerzieren citzgeführt: es galt, an die Stelle der freien Staatsgesinnung den Kadavergehorsam den Soldaten einzuimpfen, und die Pocken, die bei diescni Jmpfungsprozeß am Leibe der Mannschaften aufgingen. bedeckten häufig mit allen Farben des Regenbogens die Körper der unglücklichen Opfer. Die Sprüche der damaligen Kriegs- aerichte flößen heute noch Entsetzen ein durch ihre wahre Bestialität, wohlgcmerkt, wenn es gegen die„Gemeinen" ging. während die Urteile gegen Offiziere dafür von einer ebenso empörenden Milde waren. Im Deutsch-Französischen Kriege regnete es zahllose schwere Verurteilungen deutscher Soldaten wegen„Meuterei" oder Ungehorsam, während beispielsweise das Militär-Wochenblatt im Jahre 1875 bei Besprechung der Memoiren des Generals Sherman den nordamerikanischen Milizen aus der Zeit des Unionskrieges folgendes Lob spendete:„Merkwürdig ist(£, daß dieser lange Krieg keine Beispiele von großen Soldatenaufständen und Meutereien und verhältnismäßig wenig von Ungehorsam zeigte." Wenn es 1870 trotzdem gelang, mit einen: solchen Heere unerhörte militärische Erfolge zu erringen, so daher, weil dieser Krieg von der großen Mehrzahl des Volkes mit Begeisterung bc grüßt war, und die größten Opfer und Entbehrungen willig getragen wurden. Wilhelm selber hatte für derartige Dinge nie das geringste Verständnis gehabt, er war eine nüchtern- platte Kasernennatur wie sein Vater, wie er denn bei der Szene im Juli 1870, als er dem ihn umtosenden Volksjubcl niit absoluter Verständnislosigkeit entgegenstarrte, eine ahn- liche Rolle spielte wie sein kümmerlicher Vater im März 1813, als ihn zu Breslau die Kriegsfreiwilligen unidrängten und Stein danials von ihm schrieb: Der König ist kalt, er hat nur halbe Wünsche; er hat weder zu sich noch zu seinem Volke Vertrauen.__ Gegen üie politische Justiz. In scharfer Weise nimmt die„Frankfurter Z e i- t u n g" Stellung gegen die Bekämpfung der Sozialdcmokralic durch Strafprozesse, von der sie nur eines erwartet, die Aufpeitschung der r a d i k a l st e u Instinkte der Arbeiterschaft. Als Beweis für die„Gewaltsamkeit dieser ganzen V e r f 0 l g u u g s m e t h 0 d c" führt die „Frankfurter Zeitung" zunächst das Verfahren gegen die Auf- forderung zum Massenstreik an. Sie schreibt: „lieber die Opportunität oder Klugheit einer solchen Agitation mag man sehr ungünstig urteilen; inwiefern aber darin eine ftrafoarc Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze liegen soll, ist bis auf weiteres ein Geheimnis der Anklage- b c h ö r d c. Der Streik ist in Deutschland erlaubt, ganz gleich, ob er von kleineren oder größeren Massen, zu rein wirtschaftlichen oder zu anderen Zwecken unternommen wird, und deshalb kann auch die Propaganda eines Streiks keine Aufforderung zum Wider- stand gegen die Staatsgewalt sein. ES wird der Staatsarnvaltschaft auch nicht gelingen, auf Umwegen aus der Aufforderung zum Massenstreik eine solche Widersetzlichkeit abzuleiten. Man hat Frau Luxemburg, als sie zur Vernehmung erschien, vor- gehalten, daß die Empfehlung des Massenstreik? die Aufforderung zum Kontraktbruch involviere und daß ein Massenstreik in seinem Verlauf leicht zu Gesetzwidrigkeiten führen werde. Das zweite Argument muß van vornherein ausscheiden; denn wenn jemand zu einer gesetzlich erlaubten Aktion auffordert, so kann er nicht ohne weiteres für die gesetzwidrigen Begleiterscheinungen vcr- antwortlich gemacht werden, die mit der Ausführung der Aktion möglicherweise verbunden fein können. Was aber den Kontrakt- bruch anlangt, so ist es zunächst gar nicht notwendig, daß die Propaganda für den Massenstreik überhaupt eine Aufforderung zum Kwntraktbnich in sich schließt; selbst»venu sie sie aber cntbält, so ist auch damit der Tatbestand des Strafgesetzbuchs nicht erfüllt. Ter.h IIb des Strafgesetzbuchs setzt ein? Aufforderung zum„llu- gehorsam gegen Gesetze" voraus; ein solcher Ungehorsam ist aber nach allgemeiner Auffassung nicht in jedem rechtswidrigen Ver- halten zu finden. Wen:: jemand in einem Zivilprozeß einen privat- rechtlichen Anspruch vertreten hat, mit dem er unterliegt, so ist er deshalb noch nicht„ungehorsam" gegen das Gesetz gewesen. Pros. Frank gelangt in seinem bekannten Kommentar zu dem Ergebnis, „daß der Staat in: Gesetz nur dann Gehorsam fordert, wenn er ans eigener Initiative gegen den widerstrebenden Willen reagiert; überläßt er dagegen die Reaktion der Privatinitiative, so fordert er auch keinen Gehorsam." lind er folgert aus diesem allgemeinen Satz ausdrücklich, daß die Aufforderung zu einem den Zivil- gesehen widersprechenden Verhalten,„besonders die Aufforderung zum Kontrattbrnch", nicht strafbar sei. Tie Rechtsprechung des Reichsgerichts geht nicht ganz so weit, aber auch sie hält die Auf- forderung zu einem konkreten Kontraktbruch uicht für strafbar; sie hält für notwendig, daß zu einem Ungehorsam gegen da? Gesetz schlechthin, gegen seine Autorität und bindende Kraft aufgefordert sein müsse. Danach würde es also strafbar sein, wenn etwa ein Vcrsamntlungsrcdner erklärte: Haltet euch überhaupt an keine Kündigungsfrist mehr! Tie Empfehlung des Massenstreiks enthält aber eine derartige Aufforderung nicht." Dann wendet sich das Blatt dein„so kläglich zusammen- gebrochenen Prozeß wegen der Beleidigung der Armee" zu: „Ter Kriegsminister ist durch den Verlauf der Verhandlungen dieser Woche offenbar überrascht worden; io willig wie ein Kriegsgericht, wenn es überfeinen Obersten v. Re-utcr zu urteilen und die übergeordnete Stellung des Heeres über dem Staat zu retten hat, kann ein bürgerliches Gericht auf dw Intentionen einer hohen Regierung allerdings nicht eingehen, und so geschah es, daß das Gericht eine Beweisaufnahme beschloß, deren Notwendigkeit der Kriegsminister, wie er erklärt, nicht einzusehen vermag, und daß auch der seltsamen Deutung des Wortes„Drama", an die sich die Staatsanwaltschaft zu klammern versuchte, kein durchschlagender Erfolg beschiedcn war.... Was ist Drama? Die Anklage flüchtete in die Bcgriffswclt des Hinter- treppenromans, für die ein Drama erst beim Mord oder höchstens beim Selbstmord beginnt, und sie wollte den M a ß st a b solcher K 0 l p 0 r t a g c p h a n t a s i c an eine ernsthafte politische Betrachtung anlegen. Es war beschämend, daß dieser Versuch ge- macht wurde, und selbstverständlich, daß er scheitern mußte. Nach- dem er gescheitert war und nachdem die Verteidigung eine Liste von über tausend Zeugen dem Gericht vorgelegt hatte, standen d�ic Urheber des Prozesses ratlos vor dcji Folgen ihrer eigenen Urteilsunfähigkeit. So ratlos, daß sie zunächst keinen anderen Ausweg wußten als die schleunige Vertagung dieser unglückseligen Verhandlung. Es er- gab sich das unerhörte Schauspiel, daß die Angeklagte und ibre Verteidiger um die Durchführung einer Anklage kämpften, die dem Staatsanwalt nur noch Verlegenheit bc- rcitctc! Sicher würde man beute die Anklage am liebsten für alle Zeiten niederschlagen; da das seine Schwierigkeiten hat, so tröstet man sich wohl damit, daß wenigstens Zeit gewonnen ist. Wie man diese Zeit benutzen will, darüber ist gestern schon einiges gesprochen worden. Ter Kriegsminister hat in seinem Brief an den Staatsanwalt mitgeteilt, daß er die von der Verteidigung vor» gebrachten Mißhnndlnngsfällc jetzt zunächst vor die Kriegsgerichte bringen will. Tort bosst er offenbar einen günstigeren Boden für sich und seine Auffassung zu finden; eben deshalb aber wird die Ocssentlichkeil den Gang dieser triegsgerickt- lichcn Verhandlungen auss aufmerksamste per- folgen müssen.(?s scheint ferner Aach den Erllcirungen der Verteidiger, dah man bereits begonnen hat, einzelne der Zeugen wegen ihrer Bereitwilligkeit zur Aussage nach ostelbischer Manier behördlich zu schikanieren. Wenn sich die Befürchtungen der Verteidiger in dieser Beziehung bewahrheiten sollten, so wird es die Aufgabe aller anständigen Leute sein, eine solche Verfolgung durch ihren Protest unmöglich zu machen." Schließlich konstatiert die„Frankfurter Zeitung", daß den Schichten, auf die es in erster Linie ankommt, es vielfach noch an dem nötigen E r n st bei der Bekämpfung der Soldatenmißhandlungen fehlt, und des- halb meint sie: „Mag der gester» vertagte Prozeß, wenn er zur vollen Tnrch- führiing gelangt, manche schmerzhafte Wunde schlagen: man sollte ihn deshalb nicht furchten, sondern an die befreiende und anfeuernde Wirkung denken, die davon ausgehen kann, wenn das Problem der Soldatenmißhandlnngen einmal ganz rücksichtslos und in voller Oeffcntlichkcit untersucht wird." Diese cutschiedene Stellungnahme unterscheidet die „Frankfurter Zeitung" sehr vorteilhaft von den meisten anderen liberalen Blättern, insbesondere auch von dem „Berliner Tageblatt". Der Sturmvogel öer englischen Politik. London, 4. Juli.(Eig. Bor.) Saß beim Tode Joseph Chamberlains die verschiedensten und schiefsten Urteile über ihn gefällt werden, war nur ui er- warten. Kein englischer Staatsmann hat je fo erbitterte Feinde und so leidenschaftlich ergebene Freunde gefunden wie (ihamberlain. Die Konservativen, die ihn früher als den ver- dcrbtesten der Menschen bezeichneten, feiern ihn heute als ihren unbesiegten und unbesiegbaren Helden, Und die Liberalen, deren radikaler Teil ihn einst als den Hoffnungs- stern begrüßte, haben ihm noch nicht verziehen, daß er vor bei- nahe dreißig Jahren ihre Partei in Stücke schlug. Die frenetische Wut, mit der ihn die Liberalen in den neunziger Iahren und zu Anfang dieses Jahrhunderts bekämpften, hat sich zwar gelegt, aber in den Nachnifen, die sie dem Toten widmen, perniinmt mau noch deutlich den Nachhall von den. Kämpfen, die sie mit dem„Verräter", dem„Judas", dein „Apostaten" geführt haben. ES leben auch noch viele Zeit- genossen Ehainberlains, die sich von seiner sckfarfen Zunge bis ins Mark getroffen fühlten und von denen man kaum ein ab- geklärtes Urteil über den Gegner erwarten kann.„Vor- räter!" rief ihm einst der Ire Dillon im Parlament zu.„Sie sind ein guter Kenner von Verrätern." erwiderte ihm Chamberlain. Vielleicht ist es auch noch zu früh, die revostitioilierendc Rolle, die Joseph Chamberlain in der englischen Politik ge- spielt hat, vollständig z» würdigen. Schon das Erscheinen dieses unentwegten Kampfers der modernen Kapitalisten- klaffe Englands wirkte als eine Revolution in der englischen Politik, deren Leitung bis dahin ausschließlich in den Händen der Angehörigen aristokratischer Faiiiilie» lag, die ihren Weg zu den Ministersesseln durch die exklusiven Hochschulen und korrupten Wahlkreise nahmen. Ebamberlain ebnete sich seinen Weg zur Macht durch seine Tatkraft und seine Fähigkeiten, die er bei der wirtsckiaftlichen und politischen Rekonstruktion der Stadt Birmingham bewiesen hatte. Die Tories zitterten vor dem verschrieenen„roten Republikaner" und die Liberalen, die noch ganz im ödesten Manckkestertum steckten, suchten sich den neuen Mann mit seinen störenden Ideen gefügig zu machen und gaben ihm einen Posten im Kabinett. Aber Gladstone mußte bald erfahren, daß Joseph Ebamberlain nicht die Absicht hatte, die zweite Geige zu spielen, daß er viel- niehr den„alten Tory" Gladstone als ein zu beseitigendes. Hindernis betrachtete. Wer die Lausbahn Chamberlains abseits von dem Eni- wickclungSgange der englischen Kapitalistenklasse betrachtet. wird in seinem Leben leicht einen Wust von Widersprüchen entdecken und seinen Gegnern beipflichten, wenn sie erklären, daß der lvillensstarke Mann bei jedem Meinnngswechsel ledig- lich den Geboten seiner persönlichen Interessen folgte. Aber bei allen seinen Wandlungen vom Repiiblikanismus zum Monarchismus, vom Freihandel znin Schutzzoll, von der Fricdensichwärmerei zum Chauvinismus läßt sich in seinem Wirken doch eine deutliche Richtschnur erkennen. Er war der erste, der die Politik des modernen englischen Liberalismiis — Imperialismus gemildert durch Sozialreform— erfaßte und auszuführen bestrebt war. Lloyd George tut bellte nur das, was Chamberlain tun wollte, er erntet dort, wo Chamberlain gesäct hat. Das gesamte sozialpolitische' Pro- grannn der heutigen liberalen Partei findet sich schon in den Reden Chamberlains, und wenn Lloyd George weiter gc- gangen ist. als Chamberlain zu gehen beabsichtigte, so geschah dies doch mir unter dem Druck der Arbeiterklasse. Als erfolg- reicher Schraubenfabrikant. der mit dem Ausland große Ge- schäfte machte, sah Chamberlain in den Interessen der Fabrikantenklasse die Interessen der Nation. Die Iiitercssen seiner Klasse, die damals durch die sich immer mehr fühlbar machende Konkurrenz der heranwachsenden Industriestaaten bedroht wurden, zu verfechten, war das Leitmotiv seiner Tätigkeit, als er die parlanientarische Laufbahn einschlug. Sein im Lause der Zeit immer klarer und aggressiver werden- der Imperialismus hatte als Anhängsel die Sozialpolitik, die sich aus den Verhältnissen Englands, wo das Industrie- Proletariat politisch die ausschlaggebende Rolle spicleir könnte, von selbst ergab. Er nannte sie selbst die Politik des„Löse- gelds", das die Ausbeuter den Ausgebeuteten zahlen müsse, damit iriie ungehindert ihren Geschäften nachgehen können. Daß Chamberlain die Interessen seiner Klasse stets sehr gut begriff, beweist sein ganzer Lebenslauf. Noch ehe er sich in die Politik des Staates mischte, war er in der Gemeinde- Politik Birminghams die hervorragendste Gestalt. Zuerst trat er in die Oeffentlichkeit als feuriger Vertreter der obliga- wrifchcn Volksschule: er sab klar, daß sich die englische In- dustrie mit dem vor 1870 herrschenden rückständigen Volks- schulwesen gegenüber den jungen Industriestaaten nicht be- haupten konnte. Dann führte er als Bürgermeister von Birmingham wichtige Reformen in der Gemeinde durch, die das Dauerhafteste an seinen Schöpfungen sein werden und ihm eine Popularität verschafften, auf die er eine politische Hochburg bauen konnte, die bis jetzt noch allen Angriffen seiner Gegner getrotzt hat. Nur von dem oben erwähnten Gesichtsvunkte au? betrachtet, gewinnen wichtige Ereignisse in seinem Leben, die nur allzu leichtfertig durch die Herrschsucht, die Laune oder den Eigennutz des Mannes erklärt worden find, Sinn und Verstand. So. seine Gegnerschaft gegen Honierule, sein wilder Chauvinismus, der ihm da? vornehmste Kampfmittel in der Verfolgung imperialistischer Ziele war und durch den ihn das Ausland am besten kannte, und vor allen Tingen sein schneller Wechsel vom Freihandel zum Schutzzoll. Die ursprüngliche Idee Chamberlains, das ganze fte- waltige britische Weltreich zu einem sich selbst genügendem Wirtschaftsgebiet zu machen, in dem die Tochterstaaten und Kolonien hanptsächlich die Robstoffe liefern und England die Fertigfabrikate, kann man wohl als abgetan betrachten. Die wirtschaftliche Entivickelung der Länder kümmert sich nicht um die Wünsche der englischen Fabrikanten. Aber es ist fraglich, ob die Schutzzollidee tot ist. Sie scheint nur zu schlummern Und aus die zwei„schlimmen Winter" zu warten, nach denen das Volk um Schutz gegen die misländifche Kon- kurrenz schreien soll. Tic Grundzüge der Chaniberlainschen Politik: Imperialismus und Sozialpolitik, werden heute von beiden bürgerlichen Parteien Englands akzeptiert. Ob aber die Politik des„Lösegelds" lange wirksam sein wird? Man kann die Frage heute schon entschieden � mit Nein beantworten. Nach einer Periode großer industrieller Pro- sperität und sozialer Reformen ist das englische Proletariat rebellischer denn je. Es begreift immer mehr, daß die Bro- samen, mit denen man es abfüttert, zu den Lasten und Sorgen, die ihm die imperialistische Politik bringt, in keinem Ver- Hältnisse stehen. * London, 6. Juli.(Privattelegramm des ..V o r w ä r t s".) Die„Times" veröffentlichen heute einen beachtenswerten Leitartikel über Chamberlain unter dem Titel:„Staatsmänner und Fiedler". Unter anderem zitieren sie einen Ausspruch deS berübmten altgriechijchen Feldherrn und Staatsmannes Themistokles, daß er zwar nicht fiedeln könnte, aber daß er aus einer kleinen Stadt eine große zu machen verstünde. Das Blatt schreibt:„Von der Menge der Fiedler, die die politische Arena bevölkern, hebt sich der wirk- liche Staatsmann als bedeutende Gestalt ab und wenn er die Bühne verläßt, erkennen es alle Menschen an. Ein be- merkenswertes Beispiel hatten wir letztes Jahr im Falle Bebel, dem deutschen Sozialistenführer. Er tvar kein Staatsmann in dem Sinne, daß er die Staatsgeschäfte zu be- sorgen hatte, aber er entfaltete alle Eigenschaften de? Staatsmannes in seiner Handhabung der sozialdemokratischen Partei, und die ihn kennen, glauben, daß, wenn er zur Macht gelangt wäre, er einen großen A d m i n i st r a t o r abgegeben hätte.•. Er war ein Aufbauer in der Praxis, was auch seine Theorien gewesen, und er besaß gerade die Vereinigung von Vision und praktischem Wissen, die den Staatsmann auszeichnet. Den äußerlichen flinstünden nach könnte man kaum einen größeren Gegensatz finden als den zwischen August Bebel und Joseph Chamberlain, aber sie stammen aus derselben Form." * Chamberlains öegräbnis. London, 6. Juli. Die Beisetzung Joseph Chamber- l a I n« fand heute in Birmingham in aller Einfachheit in Gegen-- wart der Gattin und der Familienmitglieder statt. Eine zahlreiche Menge hielt die Straßen, durch die der Trauerzug kam, besetzt. Gleichzeitig mit der Beisetzung in Birmingham wurde für Cham- berlain in der St. Margaretenkirche in Westminster ein Trauer- gottcsdienst abgehalten. Der König, die Königin und die übrigen Mitglieder der königlichen Familie hatten Vertreter entsandt. Unter der Trauergcmeindc befanden sich Parlamentsmitglieder aller Parteien, Vertreter der Kolonien und das diplomatische Korps. politische Uebersicht. Uferlose Mottenpolitik. Noch vor der geplanten neuen Flottcnvorlagc wird dem deutschen Volk die Forderung einer beträchtlichen Vermehrung der Marinemannschaften besckiert werden. Wie der„Deutsche Kurier" erfährt, wird nämlich der neue Marinectat für das Jahr 1!)15„eine nicht unerhebliche M a n u- s ch a f t s v e r m c h r u n g" fordern. Die Geschichte der letzten Jahre habe deutlich gezeigt, daß oft zur gleichen Zeit an mehreren Stellen der Erde kriegerische Verwickelungen ent- stehen können, die das Leben der Deutschen und deutsches Besitztum brdrohen. Daraus ergäbe sich die Notwendigkeit, die AuSIandSflotte, die nach dem Flottengesetz ans acht großen und zehn kleinen Kreuzern bestehen soll, neben der Hochseeflotte voll aufzustellen, damit die großen deutschen Interessen in allen Teilen der Welt jederzeit entsprechenden Schutz finden können. Jetzt seien aber von den als Stationäre gedachten großen Kreuzern nur zwei im Dienst und das „fliegende Geschwader", das jederzeit überall, wo Berwicke- jungen eintreten und deutsche Interessen bedroht werden, Ver- Wendling finden solle, existiere nur auf dem Papier. Die Marineverwaltung verlange daher die nötige Vermehrung der Mannschaft zur Durchführung des bestehenden Flotten- gcsetzcS.. �. Immer höhere Opfer lverden nn Interesse der mperialistischen Wcltpolitik, d. h. des Profits der kapita- listischen Cligue», vom deutschen Volk gefordert— aber seine geringen politischen Rechte sucht man ihm in jeder Weise, durch reaktionäre Regicrungs- und Polizeimaßnahmen wie durch eine verlogene suristischc Auslegung der Gesetze, zu nehmen— und die Zentrumspartei wie� der Liberalismus bieten dazu in ihrem'Haß gegen die aufstrebende Arbeiter- schaft willig die Hand!_ Tic Zentrumsfiihrer und Psendokatholiken. Wie wir im Leitartikel der Sonlltagsnummcr berichteten, hat der Bischof Archi von Como einen Hirtenbrief veröffent- licht, in welchen! er die Politik der deutschen Zentrumspartei und den bekannten Fcbruar-Aufruf ihres„ReichSausschusses" aufS schärfste verurteilt: eine Kritik, die dem Papst so gut ge- fallen hat, daß er daraufhin an den Bischof von Como ein Schreiben richtete, in dem er dem kampflustigen Bischof sein besonderes Wohlwollen aussprach. ES ist daher recht Interessant, die auf daS Zentrum be- zügliche Stelle in dem Hirtenbrief des italienischen Bischofs kennen zu lernen. Die Trierax„Petrus- Blätter" teilen die wichtigste Aeußemng daraus mit. Sie lautet: „Kann man von der Ablehnung deS konfessionellen Charakters, welche die Verneinung der wahren Disziplin ist. nicht vielleicht dasselbe sagen? Die Tatsachen unserer Tage be- zeugen e§. Fllr alle wird schon der eine Hinweis ans die deut- liche und pomphafte Erklärung genügen, die bezüglich dieser Frage im, Aufruf deS ReichSausschusses der deutschen ZentrumSpartei� vom ver- gangenen März. Und handelt es sich nicht etwa um dasselbe bei der bectbsichtigien Gründung einer„katholischen Parka- mentSpartei in Italien"? Denn tatsächlich hat man kurz darcn:'' im April dieses Jahres die'Grundlage für eine solche Partei r- schaffen und gab ihr den Namen„Christlich-soziale parlamentarrwe Gruppe", trotz und gegen die deutlichsten Weisungen der ljolmen Autorität.... Das ist das System gewisser P s e u d v- katholiken, die da mit dem Papste einig gehen, wo es ihren Ideen paßt, aber ohne ihn oder gegen ihn überall da handeln. wo er ihre Pläne durchlpiert.„Denn daS ist doch nicht die Weis- heit, die von oben herankommt, sondern die irdische, tierische, teuflische."(Jak. 3. IS.)" Und diesem scharfen Ausfall gegen die Leitung der deutschen Zentrumspartei hak der Papst durch seinen Brief au den Bischof von Como zugestimmt! Er sieht also eben- falls in den Zentrumsführern, die den Spuren der„Köln. Volksztg." folgen, nur Psendokatholiken, deren polt- tische Weisheit eine t i c r t s ch e und t e u f l i s ch e qt. Legale Steuerdrückerei. In Köln hat sich eine Steuer-Treuhandgefell- schaft aufgetan, für die ein Herr Kaminski und ein Dr. jur. Möller-Hollkamp verantwortlich zeichnen. Diese Gesellschaft sucht in ganz Rheinland und Westfalen Kunden für eine Tätig- keit. die eS wert ist, etwas näher beleuchtet zu werden. In ihrem Prospekt— der natürlich nur an die besitzen- den Kreise versandt wird, verspricht die Treuhandgesellschaft allen Leuten, die etwas haben, die größten Vorteile, sofern sie der Treuhandgesellschaft die Vertretung ihrer Interessen vor der Steuerbehörde anverirmicu. So heißt es m dem Prospekt: „Dem Kapitalbesitzer weisen wir die Möglichkeit nach, unter gewissen Umständen Einkünfte anS Kapitalvermögen, z. B. Zinsen von Bankguthaben oder Dividenden. aus Wertpapieren, auf legalem(?) Wege nicht versteuern zu miiffen". Demnach muß die Gesellschaft in den Künstelt der Steuerdrückebergerei sehr erfahren sein. Gleicher Art sind die Angebote, die da in der Anpreisung den Kaufleutcn, Fabrikanten, Aktien- gesellschasten und Gesellschasten mit beschränkter Haftung gc- macht werden. 18 verfchiedeuc Methoden empfiehlt die smarte Gesellschaft den Leuten vom Geldschrank, wie sie ihre Be- ziehungeu zur Steuerbehörde möglichst weitläufig gestalten können. Da werden empfohlen: Schaffung eines steuerfreien Reservefonds und stille Reserven, hohe und doch langfristige Abschreibungen, die Möglichkeit, unter gewissen Umständen auf legalem Wege die Ueberschüsse eines guten Geschäftsjahres nur einmal zu einem Drittel zu versteuern und dann nicht wieder, Steuerfreiheit von ausländischem Betriebsvermögen, Steuer- freiheit von Spekulationsgewinnen, doppelter Abzug von Ver- lnsten bei Aktiengesellschaften, steilerfreie Anlegung von Ver- mögen in gesetzlich zulässiger Form usw. Besonders nett ist, daß die Treuhandgesellschaft den „Herren Kapitalisten" behördlich geprüfte Stcuerfachlcutc zur Verfügung stellt, die alle Kniffe wissen, mit denen der gute Vater Staat auf höchst patriotische und reputicrliche Weise geprellt werden kann. An agrarische Kreise wendet sich die interessante Firma mit der„treuen Hand" nicht. Wohl im Bewußtsein, daß hier alle Möglichkeiten der„Steuer-Ersparnis" schon hinrei end ausgenutzt sind. Jedenfalls zeigt das Beispiel der Kölnex Treuhandgesellschaft wieder. was die viclgepricscnc Vater- landsliebe der Besitzenden wert ist. Liberales Wahlabkommen in Sachsen. Die gestern in Dresden abgehaltene nationalliberale Vertreter- Versammlung hat nun ebenfalls das zwischen den sächsischen Führern der nationalliberalen und fottschrittlichcn Partei vereinbarte Wahl- abkommen für die nächsten, im Herbst ISIS stattfindenden sächnss-en Landtagswahlcn genehmigt. Durch dieses Abkommen werden die Nationallibcralcn in 63 Wahlkreisen, die Fortschrittlichen in Wahlkreisen den Einigungskaiididaten stellen. Tie Aortschrittlick'e Volkspartei erhält das bisher strittige Mandat in SprcMberg, dafür aber werden den Nationalliberalen die Mandate in Leipzig 3 und Glauchau zugesprochen. Die liberale Presse frohlockt. Sie schreibt, es werde möglich sein, dem GesarntliberaliSmiiS in Sachsen nicht nur seine bisherige» Land- tagssitzc zu erhalten, sondern außerdem noch neun neue Mandate und damit die Mehrzahl in der Zweiten Kammer zu erobern. Von den jetzt konservativ oder sozialdemokratisch vertretenen Wahlkreisen böten nach dem Ausgange der letzten Landtagswahlcn rund 20 mehr oder minder große Aussicht für liberale Erfolge. Der nationalliberalc Parteitag beauftragte zugleich den Vor- idcn, Gc heimrat Prof. Dr. Brandenburg, auf dem Parteitag in Köln einen Antrag aus Auflösung des Jungliberalcn und Altnational- liberaleir ReichSverbandes zu stellen. Der Vertreter des einzigen in Sachsen bestehenden jungliberalen Vereins in Leipzig erklärte, daß er mit der Auflösung der Sondcrorganisationcn einverstanden sei. Politik und Geschäft. Die„Welt am Montag" schreibt in ihrer Nummer vom 6. Juli 1914 unter der Spitzmarke:„Wie man als Abgeordneter Wechsel zu diskontieren sucht": „Vor uns liegt ein vom ö. Juni 1913 datierter Brief des freikonservativen preußischen Landtagsabgeordncten Spinzig. Herr Spinzig, Bergaffessor seines Zeichens, schreibt: Sebr geehrter Herr..... Glauben Sie zwei Akzepte von mir über je 10 000 Mark per 1. September diskontieren zu können, so rufen Sie mich bitte an oder besuchen mich gegen ll'A Uhr,� damit ich Ihnen die Papiere behändigen kann. Kaufen Sie sich die heutige„Deutsche Tageszeitung" und lesen Sic unter„Zeit- tungs-Rundschau" über die Landtagswahl den Artikel ans der„Post". Hochachtungsvoll und crgcbcnst O. Spinzig. Als der Adressat dem Rate des Herrn M. d. A. folgte, fand er in der Zeitnngs-Rundschau der„Deutschen Tageszeitung" einen Artikel der„Post", in dem es hieß: „Namen wie Hirsch, Benmer, Vorster, Macco, Spinzig, Schwcckcndicck, Hasenclever, Knupc u. a. bürgen dafür, daß die Industrie wie bisher im preußischen Abgcordnetenhausc die ihr gebührende Wertung erfährt." Der Name des Adressaten wird leider verschwiegen; man darf aber annehmen, daß er den Kreisen jener Industrie nicht fernsteht, als deren Sachwalter der Abgeordnete Spinzig bezeichnet wird. Zum Pferdehandelprozefi. Die„Kreuz-Zeitung" veröffentlicht eine Zuschrift„von einer der Heeresverwaltung nahestehenden Seite". Die Zuschrift wendet sich gegen den Artikel eines Mitarbeiters der„Kreuz-Zeitung" voni 30. Juni über die ostvreiißischen Plcrdezüchter und die Rcmonteftage, in dem die Empörung und Erbitterung der ostpreußischen Pfcrdc- züchter über das abfällige Urteil der militärischen Sachverständigen bezüglich der Pferdezucht in Ostpreußen zum Ausdruck kann Die der Heeresverwaltung nahestehende Stelle schreibt; »Der Artikel bemängelt scbliehlich Aeuherungen der Sachvcr- ständigen der Heeresverwaltung sowie des ehemaligen zweiten Vorsitzenden der Remonticrungskommission, Majors v. Rundstcdt, in der Hauptverhandlung eines Strafverfahrens. Hierzu soll nur bemerkt werden, datz, wie immer die Sache ist, es nicht statthaft ist, auf Grund von Zeitungsnachrichten an Aeutzerungen Kritik zu üben, die aus dem Zusammenhang ge- rissen sind." Tic der Heeresverwaltung nahestehende Stelle irrt in der An- nähme, die in der„Kreuz-Zeitung" dem Inhalt nach richtig wieder- gegebenen und bei uns wörtlich mitgeteilten Aeuherungen der gc- nannten Sachverständigen über„die schandbare Pferdezucht in Ost- Preußen" seien aus dem Zusammenhang gerissen. Das ist keineswegs der Fall. Sie sind zusammenhängend abgegeben und wurdeif sofort von dem von der Verteidigung geladenen Sachverständigen Hofcr zurülkgewiesen. Man konnte dem Gesicht des militärischen Sachver- ständigen, Oberstleutnant v. Bräsicke, der sich über die Pferdezucht Nicht äußerte, deutlich anmerken, wie peinlich ihm, die wohl auch nach seiner Auffassung jeglicher Sachkenntnis baren Ausführungen seiner militärischen Kollegen über die„schandbare Pferdezucht in Ost- Preußen" waren. Die Ansicht dieser beiden Herren war aber be- stimmend für die Handhabung bei dem Remontcankauf. Die der Heeresverwaltung nahestehende Stelle täte besser, statt der Frage auszuweichen, rundweg zuzugeben, daß das Urteil der beiden Herren wit der Wirklichkeit sowie mit den Interessen der Pferdezucht und der Pferdezüchter im schroffsten Widerspruch steht. AuH dem bayerischen Landtage. Die bayerische Kammer nahm am Sonnabend eine Ergänzung zum Berggesetz an, nach der die Vertrauensmänner der Arbeiter nur aus der Mitte der von den Arbeitern selbst gewählten Arbeiter- ausschüsse gewählt werden können. Weiter nahm der Landtag einen Gesetzentwurf über die Ge- werbe- und Kaufmannsgerichte an. Räch diesem Gesetz wird künftighin die Aufsicht über solche Gerichte den Landgerichten über- wagen. Auch können die Gewerbe- und KaufmannSgerichte den Amtsgerichten angegliedert werden, damit die weniger leistungS- sähigen Gemeinden ebenfalls Gewerbe- und KaufmannSgerichte er- halten. der albanische /lufftanö. Ein paar Abenteurer wollten in Berlin den Wiener Versuch der Anwerbung von Freiwilligen wiederholen. Die Herren mußten sich bald überzeugen, daß weder Zeit noch Ort für ihre Dummheiten geeignet sind und haben den Plan fallen lassen. Einnahme von Koritza? Durazz», 6. Juli. Nach bisher unbestätigten Meldungen haben die Epiroten Koritza. angegriffen und e im genommen. Nach heftiger Gegenwehr wurden die Regierungstruppen, die hollän- dischen Offiziere Schneller und Matinkroth, sowie der in albanischen Diensten stehende frühere österreichisch-ungarische Offizier Ghillardi gefan gen genommen. Die Aufständischen haben S t a r g i a nach hartem Kampfe mit den von Koritza herbeigeeilten Streitkräften der Regiening g e- n o m m e n. Glückliche Reise! Mailand, 6. Juli. Nach einer Information der„Perce- deranza" aus diplomatischen Quellen soll die A b d a n k u n g des Fürsten von Albanien unni ittelbar bevor st che n. Der Entschluß des Fürsten sei unwiderruflich, und die Abreise soll an Bord eines österreichischen Kriegsschiffes erfolgen. Der Fürst soll zu dicseni äußersten Schritt dadurch veranlaßt worden sein, daß Rumänien die Anwerbung von Freiwilligen auf seinem Gebiete nicht zulasse, ferner durch Geldvcrlegen- hciten, und endlich durch die schlechte militärische Lage wie durch zahlreiche Desertionen der Malissorcn. Dadurch sei seine Lage fast verzweifelt geworden. Die mexikanische Komödie. Mczikocity, 6. Juli. Bei den heute abgehaltenen P r ä s i- dentenwahlen hat Huerta ein einstimmiges Ver- traue ns Votum erhalten. Die Wahlberichte lassen die Wieder- Wahl aller gegenwärtigen Deputierten und Senatoren erwarten. Die Beteiligung an den Wahlen war die niedrigste seit vielen Jahren, sowohl in der Hauptstadt wie in den NachbarstäMen. Veracruz, 6. Juli. Aus dem Innern des Landes hier ein- getroffene Mexikaner sehen die Wahlen für eine bloße Farce an. ES sei eine lächerliche Annahme, daß Huerta dem Volke freie Wahlen gewährt habe. Frankreich. Das Drcijahrsgesctz. Paris, 6. Juli. Ter neue Obmann des HeercsauSschusses, General Pedoha, erklärte einem Mitarbeiter der„Lantcrne", der dreijährige Militärdienst übersteige weit- aus die Hilfsmittel und die Kräfte, über welche eine Nation von kaum 40 Millionen Einwohnern verfüge. Italien, das 32 Millionen Einwohner habe, besitze eine Armee von nur 4S0 000 Mann, und Oesterreich-Ungarn mit seinen b0 Millionen Einwohnern habe eine Armee von nur rund SSO 000 Mann. Die Kraftanstrcngung, die man dem französischen Volke auferlegt habe, beraube die Landwirtschaft und die Industrie der notwendigen Arbeitskräfte. Rußlanü. Die russische Spitzclei in Paris. Paris, 2. Juli.(Eig. Ber.) Clemenceau hat als Mi- nister seinerzeit feierlich erklärt, daß es in Frankreich keine russische Geheimpolizei mehr gebe. Wie wenig diese Erklärung den Tat- snchen entsprach, zeigt eine Beschwerde, die Kurzem, der Eni- larvcr AzcwS, an den französischen Justizminister gerichtet hat. Er fordert darin eine Untersuchung gegen die russischen Spitzel wegen folgender Vergehen: l. Anmaßung öffentlicher Funktionen. 2. Organisation eines ungesetzlichen Ueberwachnngsdienstes gegen die russischen Flüchtlinge, 3. systematischer Briefdicbstahl, 4. Haus- sriedensbruch mit Einbruch, 5. Verletzung des Briefgeheimnisses, 6. willkürliche und ungesetzliche Verhaftung, 1. Ausstreuung von Verleumdungen. In das Dreiben der russischen Spitzclbande hat ein wenig ein Prozeß hineingeleuchtet, der unlängst vor dem Friedensrichter des g. Gemeindcbezirks verhandelt wurde. Ein gewisser F l ü g e r klagte dort die Herren B i n t und S a m b e i n wegen Richter- füllung des mit ihnen geschlossenen Vertrags. Bint und Sambein sind Direktoren eines privaten Tetektivbureaus. Tatsächlich ..arbeiten" sie unter Aufficht eines gewissen B i l l a r d- M o n n i, der selbst wieder ei» Angestellter K r a s s i l n i k o Iv s ist, des Chefs der zarischcn Geheimpolizei in Frankreich, der auf der Botschaft amtiert. Höchst merkwürdig ist, daß Klüger den Vorschlag, in die Dienste Billard-Monni» zu treten� von einem Polizeiangcstelltcn des französischen Ministeriums des Innern erhalten hat. Die Dienstakten, die Flügcr in die Hand bekam, sowie das Quittungsformular für sein Monatsgehalt, trugen den Stempel der Ochrana. Flüger hatte Flüchtlingen nachzuspüren, ihnen gelegentlich bis zur russischen Grenze zu folgen und sie dort verhaften zu lassen. Besonders wichtig aber ist der„B r i e f d i e n st", den Bint und Sambein Ende Juni 1P2 organisiert haben. In der„Humanite" teilt Genosse Fran�ois C r u c y interessante Details darüber mit. Die russischen Agenten operieren hierbei zu zweit. Der erste sucht die Hausmeister au und versucht sie zu bestechen. Ter gewöhnliche Tarif ist 2 bis S Fr. für jeden Brief. Ter andere Agent hat die Aufgabe, die Korrespondenzen bei den bestochenen Hausmeistern durchzusehen und Briefe, die von Interesse scheinen, mitzunehmen. Diese auf- gefangenen Briefschaften werden bei einem gewissen Hamard, der im Hotel du Midi, Avenue du Gare Montsouris ein Zimmer hat, geöffnet, kopiert und nachher dem Hausmeister zurückge- stellt. Hamard trägt die Kopien selbst auf die Botschaft. Flüger wurde am 13. September 1912 auf die Anzeige einer anständigen Hausmeisterin hin verhaftet. Man fand ihn im Bc- sitze einer gefälschten Polizeilegitimation. Auf dem Kommissariat gab er sich zu erkennen, aber die ganze Geheimpolizei der Bot- schaft war nach dem Gebiet der französischen Manöver abgereist. So wurde er erst am folgenden Tage freigelassen. Er bekam dann von der Strafkammer— 25 Fr. Geldbuße zudiktiert. Ter russische Polizeidicnst wurde wegen des Skandals, den die Affäre machte, der Form nach aufgelöst, aber tatsächlich bestand er weiter, wie der Vertrag beweist, der die Grundlage der Flügerschen Klage bildet. Wird die französische Regierung jetzt dem Ochranagesindel ernstlicher zu Leibe gehen? Vielleicht gibt es Optimisten, die es glauben. /lus öer Partei. Unsere„Prcßfrciheit". Das Strafkonto der Arbeiterpresse erfuhr im Monat Juni d. I. eine ansehnliche Bereicherung. Es wurden 21 Redakteure zu 2380 M. Geld- und 6 Monaten Gefängnisstrafe verurteilt, in einem Falle erfolgte Freisprechung. Die Zahl der Preßprozesie betrug im zweiten Vierteljahr d. I. 54, die Strafen daraus 7715 M. Geld- und 19 Monate Gcfäng- nisstrafe; im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es SS Prozesse mit 9610 M. Geld- und 25 Monaten 7 Wochen Gefäng- nisstrafcn, im ganzen ersten Halbjahr 1914 wurden fest- gestellt: 82 Prozesse(1913: 100), sechs Freisprechungen(2), 1 1320 M. Geldstrafe(10 695 M.) und 28 Monate Gc- fängnisstrafe(41 Monate)! Das sind Justizcrfolge, mit denen die Regierenden zufrieden sein können. Es sitzen perma- nent eine Reihe sozialdemokratischer Redakteure hinter den„schwe- dischen Gardinen"._ Ans den Organisationen. Der Sozialdemokratische Zentralwahlvcrcin Brandenburg. Wcsthavclland hielt am 5. Juli seine Generalversammlung ab. Die Organisation hat im letzten Jahre um 1088 Mitglieder zu- genommen. In 6 Ortsvereinen wurden am 31. März 6327 Mit- glieder, darunter 1991 Frauen, gezählt. Von den Abonnenten der „Brandenburger Zeitung" entfallen auf den Kreis 6882. Sozial- demokratische Stadtverordnete und Gemeindevorsteher gibt es im Bereiche des Zentralwahlvereins 49. Die Kreiskasie verfügte am Jahresschluß bei 26 416,35 M. Einnahme und Ausgabe über einen Bestand von 16 123,32 M. und über einen Wahlfonds in Höhe von 868,92 M. Der Agitation im Kreise dienten u. a. 32 Mit- glieder- und 27 öffentliche Versammlungen, ferner 292 699 Flug- blätter, Kalender, Zeitungen usw. Partridtfferenzen im Agitationsbrzirk Frankfurt a. M. Vor einigen Wochen mußten wir berichten, daß auf den Gene- ralversammlungcn der Parteivereine für die Reichstagswahlkreile Höchst a. M. und Hanau, deren Gebiet sich nicht nur bis an die Tore der Stadt Frankfurt erstreckt, sondern zu denen große Ar- beitcrvororte der Stadt gehören, lebhaste Klagen gegen die poli- tische Haltung der Frankfurter„Bolksstimme" erhoben worden seien. Auf den Generalversammlungen beider Kreise wurden Eni- schtiehungen angenommen, die eine Aenderung der politischen Hal- tung des Frankfurter Parteiblattes verlangten. Die Delegierten deS Wahlkreises Höchst a. M. beschwerten sich daneben noch beson- ders über das Verhalten des Genossen O u a r ck. Hiergegen hatte sich die Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins von Frankfurt a. M. gewandt, die in den Vorwürfen gegen Ouarck einen unzulässigen Angriff auf dessen parlamentarische Tätigkeit erblickten. Alle diese Vorgänge führten zu einer eingehenden Erörterung in der Prcßkommission, die aus Vertretern aller Wahlkreise be- steht, die zum Verbreitungsgebiet der Frankfurter„Volksstimmc" gehören. Nach einer stundenlangen Besprechung wurde eine Ver- ständigung erzielt, von der Preßkommission und Redaktion in nach- stehender Erklärung Mitteilung machen: Erklärung! „Von den auf der Höchster, Frankfurter und Hanauer Gene- ralversammlung gefaßten Beschlüssen hat die Preßkommission Kenntnis genommen und nach eingehender Besprechung mit der Redaktion eine Verständigung zwischen beiden Teilen dahin er- zielt, daß die persönlichen Vorwürfe teilweise auf irrigen Vor- aussetz ungcn beruhen, daß aber die Redaktion sich bc- mühen wird, die sachlichen Wünsche der Parteigenossen nach jeder Richtung zu berücksichtigen. Die Prehkommission. Die Redaktion." Der Parteitag für Elsast-Lathringen. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen des sozialdcmokra- tischen Parteitages für Elsaß-Lothringen wurde auch die Frage eines Kopfblattes für Elsaß-Lothringen erwähnt und vom Genossen B a r t e l»- Berlin betont, daß der Parteivorstand mit der Schaffung eines Kopsblattes einverstanden sei.— Darauf referierte Genosse P e i r o t e s über den Bericht der Landtagsfraktion, der mit Beifall entgegengenommen wurde.�— Genosse E m m e l sprach über die Gemeindcratswahlcn und rügte vor allen Dingen, daß, entgegen einem Parteitagsbeschluß, mehrere Ortschaften, dar- unter auch Colmar, Kompromisse mit den bürgerlichen Parteien schon im ersten Wahlgang geschlossen haben.— Genosse Grumbach- Paris verteidigte das Verhalten der Tolmarer Genossen als einen Akt der politischen Notwehr. Einstimmig wurde folgende Resolution zu den GcmeindcratSwahlen angenommen: „Tie Landesverfammlung spricht den Parteigenossen, welche anläßlich der Gemeindcratsmahlen gegen den Beschlutz der vor- jährigen Landesversammlung gehandelt haben, ihre Mißbilligung aus und erwartet, daß die Parteigenossen ihren demokratischen Pflichten der Unterordnung unter die Beschlüsse der Gesamt- Partei in Zukunft ausnahmslos gerecht werden." Dann sprach Abg. Bühle kurz über die Wichtigkeit des Jnter- nationalen Kongresses in Wien. Hierzu wurde folgende Reso» lution angenommen: „Der Landesparteitag der elsaß-lothringischcn Sozialdcmo- kratie würde es begrüßen, wenn auf die Initiative der deutschen und französischen Genossen der Internationale Sozialistische Kon. greß in Wien in Uebcceinstimmung mit dem Jenaer Parteitag 1913 erklären würde, daß biq Bewährung der republikanischen Autonomie an Elsaß-Lothringen im Rahmen deS Deutschen Reiches die günstigste Basis schaffen würde zu der im Interesse des Weltfriedens gebotenen deutsch-französischen Annäherung." Als Delegierter für Elsaß-Lothringen wurde Parteisekretär Genosse Hueber gewählt. Tie Vorstands- und Kontroll- kommissions-Wahlen ergaben einstimmig die Wiederwahl der bis- herigcn Genossen. Elewcrkschaftsmitglirdcr und Parteiorganisation in Wien. Nach einer vom Genossen Dr. Robert Dannenberg be- arbeiteten Erhebung der Wiener Parteiorganisation gehören von den 139 742 männlichen Wiener Gewerkschaftsmitgliedern 33 417 der sozialdemokratischen Parteiorganisation an, und nur etwa 29 099 Wiener Parteigenossen sind auch Gewerkschafter und Ge- nossenschaster, während die Partei für sich 34 119, die Gewerk- schaffen 139 742 und die Genossenschaften 85 415 Mitglieder zählen, was jedenfalls ein erstaunliches Verhältnis ist. Die slibslawischc Sozialdemokratie Oesterreichs hielt vor kurzem ihren nennten Parteitag in Laib ach, der Hauptstadt Krains, ab. Den Vorsitz führte Kristan. Die deutsche, tschechoslawische, italienische und die kroatische Bruderpartei waren vertreten. Aus dem vom Parteisekretär M l m a r erstatteten Tätig- keitSbericht ergab sich, daß trotz der 51rise die Partei ihren Mil- glicdcrstand auf 4729 in 119 Organisationen erhöhen konnte. Nur in Talmaticn ging es infolge langwieriger Streitigkeiten nicht vorwärts. Ter Parteitag bestätigte die Ausschließung des früheren Vertrauensmannes für Talmaticn, Jerko Dorbitsch. Das Parteiblatt„Zarja"(Lichtstrahl) mußte wegen der Krise sein täg- liches Erscheinen wieder einstellen und erscheint jetzt in einer Auflage von 3499—4999 Exemplaren wöchentlich; das monatlich erscheinende Arbeitcrinncnblatt mutzte sein Erscheinen ganz ein- stellen. Dagegen erscheint eine wissenschaftliche Revue weiter und nützt der Partei erheblich, lieber 13 099 südslawische Arbeiter sind gewerkschaftlich organisiert. Es erscheinen sechs südslawisch geschriebene Gcwcrkschasisblättcr. Die genossenschaftliche Beloc- gung entwickelt sich gut. Man beschloß, die Parteileitung von Laibach nach Trieft zu verlegen. Genosse Rudolf Franz, bisher Feuilletonredakteur der„Bremer Büraerzeitung", ist an Stelle des Genossen Franz Diederich in die Femlleton-Rcdaktion des„Vorwärts" eingetreten. fim Industrie und Handel. Gründungen und Kapitalsrrhöliungcn im ersten Halbjahr 1914. Der leichte Gcldstand im ersten Halbjahr hat auch stimulierend aus die Kapitalsansprüche der Aktiengesellschaften gewirkt. Nach einer Statistik der Finanzzcitschrift„Die Bank" erhöhten im ersten Semester 1914 153 Aktiengesellschaften ihr Kapital um 519 648 999 M., während in der gleichen Periode des Vorjahres 199 Aktiengesellschaften nur 219 587 099 M. beanspruchten. Die Hauptsteigcrung entfällt auf die Banken und Versicherungsgesell- schaften, die ihr Kapital um 165 Millionen Mark lim Vorjahre um 31 Millionen Mark) erhöhten. Das Gründungskapital neuer Aktiengesellschaften ist dagegen ans dem Niveau des Vorjahres gc- blieben, wenn man berücksichtigt, daß in der Summe von 214 679 999, die 68 neue Aktiengesellschaften beanspruchten, die neue Schaafshauscngesellschaft mit 196 Millionen Mark enthalten ist. Im Vorjahre wurden 92 Aktiengesellschaften mit 119 865 999 Mark Kapital gegründet. Der seit Erhöhung des G.-m.-b.-H.- Stempels eingetretene Rückgang der G.-m.-b.-H.-Gründungcn hat sich weiter fortgesetzt. Im ersten Semester 1914 wurden nur 1295 G. m. b. H. mit 89 159 909 M. Kapital gegründet gegUh, 2189 Gesellschaften mit 171 965 969 M. Kapital im Vorjahre. Letzte Nachrichten. Talaat Bei über die Griechenverfolgungen. Konstantinopcl, 6. Juli.(W. T. B.) Die Kammer beschäftigt« sich heute mit einer von einigen griechischen Deputierten unterbreiteten Anfrage betreffend die Auswanderung der Griechen. Der Grieche EmmanuilidcS gab eine Schilderung der jüngsten Vorkommnisse und kam dabei auch auf den Boykott gegen die Griechen zu sprechen. Minister de» Innern Talaat Bei crtlärtc in seiner Erwiderung, vast nach den Balkankricgen Gewalttätigkeiten vorgclommcn wären, die für die Geschichte der Menschheit nicht ehrenvoll seien. Man habe sich sogar bis zu Folterungen verstiegen, wie durch unparteiische Untersuchungen festgestellt worden sei. Ein auswärtiger Diplomat, fuhr der Minister fort, hat mir jüngst gesagt, daß der Kriegszustand m Serbien, Griechenland und Bulgarien fortdauere und sich nichts an der Lage geändert habe. In der Türkei ist während des ganzen Krieges kein einziger Zwischenfall vorgekommen. Einzelheiten jener Gewalttätigkeiten kannte man nicht, bis taufende musclmanische Ans- toanderer in der Türkei cintrafen, die jene Gewalttaten weiteren Kreisen zur Kenntnis brachte» und dadurch eine gehässige Stimmung hervorriefen, der die Regierung wohl nicht vorbeugen konnte. Jminer- hin bemühte sie sich, ihr Einhalt zu tun. Der Minister kam dann auf seine Reise nach Adrianopcl und Smyrna zu sprechen. Er gab zu, daß einige Plünderungen und Mordtaten in Phokra vorgekommen seien, verivieS jedoch auf die Maßnahme», die getroffen wurden, um der Bewegung Einhalt zu tun. Daß die ausgewanderten Griechen jetzt in die von Musel- meinen besetzten Dörfer wieder zurückkehrten, sei unmöglich. Die griechische und die türkische Regierung seien daran, zu einem Ein» vernehmen zu gelangen, an Ort und Stelle Delegierte zu ent- senden und die Frage, insbesondere, die Bedingungen der Ent- schädigung, zu regeln. Nach der Rede des Ministers schritt die Kammer unter grossem Lärm zur Abstimmung, bei der eine lim- Wandlung des Antrages der griechischen Deputierten abgelehnt wurde und die Erklärungen des Ministers als genügend bezeichnet wurden. Der englische Arsennlarbeiterstreik. London, 6. Juli.(Privattelegramm des„Vor- wärt s".) Der Streik im Woolwichcr Arsenal hat heute den ganzen Betrieb erfaßt, es streiken 12 660 Mann aller Berufe. Es handelt sich nicht um die Frage der unorganisierten Arbeiter, sondern um Streikbrecher. TVe Streikbrecher im Londoner Bauarbeiter- kämpf sind von einer Firma im Arsenal beschäftigt lvorden, dagegen wehren sich die Arbeiter. Früher hieß es häufig, daß die Arsenal- arbciter wegen des herrschenden Kastengeistes nie streiken würden, heute stehen gelernte und ungelernte Arbeiter Schulter an Schulter� Französische Grubenarbeiter für den Achtstundentag. Ehalon-sur-Saone» 6. Juli. Das Syndikat der Grubenarbeiter von M o n c e a u hat eine zahlreich besuchte Versammlung abgehalten, in der zu der Frage des Achtstundentages Stellung genommen und die Forderung gestellt wurde, daß die Frühstückspause in diese Zeit mit eingerechnet werde. Auch wurde in der Versammlung die Forderung der Einführung der„englischen Woche" gestellt. Des- stcichen wurden politische Fragen erörtert, indem das Syndikat die Rückkehr zur zweijährigen Dienstzeit und ferner eine Amnestie für alle Vergehen politischer und wirtschaftlicher Natur forderte. Todessturz eines Fliegers. Saumur, 6. Juli.(W. T. B) Als der Flieger Lcgagncux heute nachmittag über der Stadt einen Schleifenflug machte, stürzte er mit seinem Flugzeug in die Loire. Herbeieilende Seeleute konnten ihn erst nach 25 Minuten ans Land flringen. Er war bewußtlos, denn ihm waren beide Beine gebrochen und die Brust ein- gedrückt. Er starb bald nach der Einliefcrung im Krankenhaus«. einzIgeiiTage unseres Saison- Ausverkaufs haben nahezu 6000 unsere vier Kauflnäuser besuchf Ein sc±bl£fe<|eiider Beweis für die beispiellose Billigkell unserer Waren heute und folgende Tage: Fort se*311110 des diesjährigen Sechster Wahlkreis. Dienstag, den 7. Juli, abends 8'» llljr, in Sallschmieders KakanitMäldchen, Badstrahe 15116: Oeff entliehe Volks-Versammlung. Imperialismus und Kolonialpolitik. Referent: Reichstagsabgeordneter(Zeorx I�eclebour. — Freie Aussprache.■'_ Arbeiter und Arbeiterinuen! Männer und Frauen! Es ist Ehrenpflicht, i« dieser Versammlung zu erscheinen. 2-28/19- vei» ESnkei-aker: Friedrich Staffier, Pankstr. 65. 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Juli bei der Ortsverwaltung eingereicht sein. 121/14_ Pie Ortsvcrwaltnng. Bruchbandagen Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Suspensorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt' Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N., Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt. Lieferant für Kra-nkcnkass. Fachgem Bedienung. �Cpeise-Eis- Fabrikanten u.Händler die Reichels Eis- Aroma Hssenieen ver- arbeiten, erhöhen ihren Ab- jggL. satz durch die vollendet rHv teine Quailtttt. Sämtl. Sorten in Himheer-, Erdbeer-, Ananas-, Vanille-, Zitronengeschmack usw. und alle sonst zugehörigen Substanzen billigst. Erprobte Kezepte gratis. Bestellungen durch d.Drog. od. bei Otto Reichel.Berlin S0 43,Eisenbahnst,4 Dienstag, den 7. Juli 1914. Ansang i1!, Uhr. Boigt-Theater. Das Mitternachts- Mädchen. Anfang 5 Uhr. Pafsage-Theater. stino. Variete. Potsdamer Naturtheater. Ali- Potsdam. Ansang 7" Ubr. Metropol. Die Reife um die Welt in 40 Tagen. Ansang 8 Uhr.> 'Irania. Zum Hochsirn der Jung- srau. Westen. 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Sie gibt nicht nur Auf- schluß über Löhne und Arbeitszeiten, sondern beleuchtet gleich- zeitig große Veränderungen im Berufe, die auf kapitalistische und technische Veränderungen in der Arbeitsmethode und der Materialverwendung zurückzuführen sind. Ein großer Teil der Zimmerer wird in einen sozusagen neuen Beruf(in den Betonbau) hineingeschoben. Die Zahl der reinen Zimmerer- betriebe schmilzt zusammen, dafür dehnt sich der gemischte Baubetrieb, sowie der Betonbetrieb kräftig aus. Weiter erfährt man, daß in den letzten sieben Jahren die Löhne— nach dem Durchschnitt der ermittelten Stundenlöhne berechnet — um rund 16 Proz. gestiegen sind. Aus den Ergebnissen heben wir die folgenden heraus. Die Zahl der statistisch erfaßten Zimmerer betrug 67 432 im Jahre 1906; von der Gesamtzahl waren 46 338 organisiert, im Jahre 1911 wurden 90 845 Zimmerer(53 730 organisierte) gezählt, dann sank die Zahl der Zimmerer überhaupt, die der Organisierten stieg weiter auf 62711, das letzte Jahr(1913) brachte einen Rückgang derBeschäftigten auf 73612 und der Organisierten auf 54180. In den letzten Angaben kommen die furchtbaren Wirkungen der Krise zum Ausdruck. Erfreulicherweise hat sich das Verhältnis in der Zahl der Beschäftigten zu der der Or- ganisiertcn zugunsten der letzteren verschoben. Bemerkt muß dabei werden, daß die Erhebungsmethode der letzten Jahre das Bild zum Nachteil der Organisation trübt. Nach den Abrechnungen des Verbandes wurden 1912— 63 409 und 1913— 62 348 Mitglieder gezählt. Besonderes Interesse können die folgenden Angaben beanspruchen; sie lassen den Vormarsch des Großkapitals im Baugewerbe erkennen. Es wurden nämlich gezählt: 1011 1012 1013 Zimmererbetriebe 5 382 5 011 4 054 darin beschäftigte Zimmerer... 42 742 33 109 28 826 gemischte Baubetriebe 4 628 5 074 4 768 darin beschäftigte Zimmerer... 41 752 42 164 33 050 Betonbetriebe 300 466 490 darin beschäftigte Zimmerer.,. 4 587 5 477 6672 andere Betriebe 652 637 736 darin beschäftigte Zimmerer.. 3143 5 311 4161 Auch in diesen Angaben machen sich die Wirkungen der Krise bemerkbar. Die reinen Zimmererbetriebe und die gemisch- ten Baubetriebe litten stark darunter. Trotzdem zeigt sich eine Ausdehnung der letzteren Betriebsform auf Kosten der Zimmerer- betriebe, die sowohl ihrer Zahl nach, wie auch mit Anteil der beschäftigten Zimmerer stark zusammen geschmolzen sind. In kräftiger EntWickelung begriffen sind die Betonbetriebe. Aller- dings umfassen sie bisher erst den kleineren Teil der Beton- arbeiter, deren die Erhebung für 1913 insgesamt 27 960 ermittelte. Weiter ist aus der Zusammenstellung ersichtlich, daß auch andere, nicht Baubetriebe mehr und mehr Zimmerer beschäftigen. Klar tritt hier zutage,>vie ein ehemals ge- schloffeneS Gewerbe unter den großkapitalistischen Einflüssen aus der Form deS reinen Berufsbetriebes herausgedrängt wird; es verschwindet in der großen kapitalistischen Pro- duktionSmaschine als ein Rädchen unter den vielen. Solche Feststellungen sind von großem Wert für die Organisationen; sie geben Fingerzeige für die Taktik. Aus dem weiteren Zahlenmaterial sei noch folgendes herausgestellt: Der durchschnittliche Stundenlohn für 64 853 im Jahre. 1906 erfaßte Zimmerer stellte sich damals auf 50,20 Pf., die Erhebung von 1913 ergab für 55 418 Zimmerer einen durchschnittlichen Stundenlohn in Höhe von 58,37 Pf. Unter Würdigung der mittlerweile eingetretenen Verteuerung der Lebenshaltung bedeutet die Lohnsteigerung keinen erheb- lichen sozialen Aufstieg. Als durchaus unbefriedigend müssen die noch üblichen Arbeitszeiten bezeichnet werden, obwohl die Organisation auf diesem Gebiete schon tüchtige, nachahmens- werte Arbeit geleistet hat. Da in den letzten beiden Jahren vielfach lediglich mit Rücksicht auf die Krise die tägliche Ar- beltszeit verkürzt worden ist, geben wir nur eine Gegenüber- stellung der Verhältnisse in den Jahren 1906 und 1911. Sie liefert dieses Bild: 1306 1011 Zahl der erfaßten Zimmerer....... 82 863 79 949 davon arbeiteten mehr als 10 Stunden täglich 18 518 4 543 «„ 10 Stunden täglich.... 42861 48820 ,, weniger als 10 Stunden tägl. 21 486 26 584 Trotz der zu konstatierenden Fortschritte arbeitet demnach der weit überwiegende Teil der Zimmerer noch 10 Stunden und länger. Von der Verwirklichung der seit Jahrzehnten erhobenen Forderung des Achtstundentages ist man also noch weit entfernt. Es erscheint notwendig, im gewerkschaftlichen Aktions- Programm die Forderung der Arbeitszeitverkürzung stärker zu betonen, wie das mit erfreulicher Schärfe auf der letzten Generalversammlung des Holzarbeiterverbandcs geschehen ist und wie das mit besonderem Nachdruck die Zimmerer- organisation besorgt.__ Verlin und Umgegend. Achtung, Mitglieder des Metallarbeiterverbandcs! Bei der am 5. Juli stattgehabten Urabstimmung ergab sich folgendes Resultat: Bei der Abstimmung über die Hauskassierung sind abgegeben 17 230 gültige Stimmen, davon 6574 für und 10 716 gegen die Hauskassieruug. Die Hauskassicrung ist also abgelehnt. Bei der Ersatzwahl für die im Frühjahr verstorbenen beiden Angestellten sind 16 131 gültige Stimmen abgegeben. Davon haben erhalten: Behrend 9101, Birne 3731, Demmer 2717, E r l e r 6259, Krause 5777, Z i e s e 3680 Stimmen.— Gewählt sind also Behrend und E r l e r. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Former und Gießereiarbeiter! Der Streik der Former und Gießereiarbeiter der Firma Siemens u. Halske, Nonnendamm, dauert unverändert fort. Deutscher Metallarbeitervevband. Verwaltungsstelle Berlin. Lohnbewegung der Bau» und Arbeitskutscher. Tie im Deutschen Transportarbeitcrverband organisierten Bau» und Arbeitskutscher nahmen in einer stark besuchten Ver- fammlung Stellung zu der am 1. Juli laut Tarifvertrag fällig ge- wordenen Lohnerhöhung. Otto Franke referierte. Von den 120 Arbeitgebern, die seinerzeit den Tarif durch Unterschrift anerkannten, hat nicht ein einziger den Tarif vollinhaltlich eingehalten. Jeder einzelne von ihnen hat sich mehr oder weniger des Tarifbruchs schuldig gemacht. Sowohl die Branchenleitung als auch eine Ver- trauensmänncrkonferenz hat sich nun mit der Tariffrage beschäftigt. und laut Beschluß werden die Vertragspflichtigen Unternehmer auf die am 1. Juli fallige Lohnzulage hingewiesen. In mehreren Be- trieben ist die tariflich zustehende Lohnerhöhung am 1. Juli nicht ausgezahlt worden. Wie bekannt geworden ist, wurde in der Fuhr- herreninnung beschlossen, mit Rücksicht auf die schlechte Konjunktur, die Zulage nicht auszuzahlen. Und dies trotz tariflicher Ab- machung und Unterschrift! Dabei kann auch festgestellt werden, daß in diesen Vertragsfirmen noch nicht einmal die tariflich fest- gelegte Arbeitszeit eingehalten, sondern fast täglich weit über- schritten wird. Ein Unternehmer aus Tempelhof teilte denn auch dem Verband rundweg mit, daß er vertragsbrüchig werde und vom Vertrag zurücktrete. Ein anderer Unternehmer, der ebenso handelte, sitzt im Borstand der Innung und ist Beisitzer des Schiedsgerichts. So sieht die Tariftreue der Unternehmer au». Wie Franke erklärte, werden die nötigen Maßnahmen mit aller Entschiedenheit durchgeführt, um den tariflichen Abmachungen Geltung zu verschaffen. Nötig sei aber auch, daß die Arbeiter selbst alles tun, was zur Erringung ihrer Rechte getan werden muß und allen wirtschaftlichen Beeinträchtigungen mit Energie entgegentreten. Zu bemerken ist noch, daß unter den Unternehmern, die den Tarif nicht einhalten, auch solche sind, die städtische Arbeiten aus- führen, so u. a. T a b b e r t, Nicolai. Dabei ist bei städtischen Arbeiten ausdrücklich die Bedingung festgelegt, daß die bei der Stadt tätigen Unternehmer verpflichtet sind, die für die betreffende Gruppe tariflich geltenden Löhne zu zahlen.— In der Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten ergänzt und bestätigt. Ein Beschluß, in all den Betrieben, wo der Tarif nicht ein- gehalten wird, von Fall zu Fall vorzugehen, wurde einstimmig angenommen. Achtung, Dachdecker! Die Differenzen bei der Firma Puhlc- mann, Müllerstr. 14, sind zur vollen Zufriedenheit aller Bc- teiligtcn erledigt! Die Arbeit wurde am Montag, den 6. Juli, von allen dort Beschäftigten wieder aufgenommen. Zentralverband der DackMcker. Achtung, Fleischcrgcscllcn! Bei der Firma Hirschfeld in Weißensee, Charlottenburger Str. 143, Schmalzfre-derei, ist ein schwerer Kampf ausgebrochen. Die Arbeiter der genannten Firma haben einen Tarifvertrag eingereicht. Als Antwort hat die Firma Hirschfeld die organisierten Gesellen, meistens Familienväter, ohne jede Kündigung entlassen. Ueber den Betrieb der Firma Hirschfeld ist die Sperre verhängt. Die Fleischergesellen mögen den Betrieb meiden. Die Tarifkommiffion. Deutsches Reich. Dir Holzbildhauer in Görlitz hatten vor kurzem allen ihren Unternehmern Forderungen unterbreitet. In einer Sitzung der Prinzipale mit einer Kommission des Zentralvercinß der Bildhauer Deutschlands wurde in den gepflogenen Verhandlungen eine Eini- gung auf folgender Grundlage erzielt: Neben anderen Verbesse- rungen wurden zugestanden eine halb- bis einstündig« Arbeits- zeitverkürzung, eine 10 proz. Lohnerhöhung, Anerkennung der Stellenvermittelung des Zentralvereins der Bildhauer Deutsch- landS, Ucberstundenzufchlag bis zu 30 Proz. und ein Minimal- lohn von 50 Pf. pro Stunde. Dieser schöne Erfolg konnte dank des geschlossenen Vorgehens der Holzbildhauer erzielt werden, die fast alle ihrer Berufsorganisation angehören. Buchhandlungsgchilfen und Bnchgewerbeausstellung. Die bürgerlichen Buchhandlungsgehilfen haben die Bugra zum Anlaß genommen, allerlei Festlichkeiten zu veranstalten. Dem- gegenüber lenkt der Zentralverband der Handlungsgehilfen, als Organisation der freigsiverkschaftlichen Buchhandlungsgehilfen, durch die soeben erschienene Nr. 14 seiner Handlungsgehilfen- Zeitung die Aufmerksamkeit auf die soziale Notloge der im Buch- Handel beschäftigten Angestellten. Die als Sonderausgabe für die Bugra ausgestattete Handlungsgehilfen-Zeitung frischt zunächst die im April 1905 vor dem Beirat für Arbeiterstatistik gepflogenen Verhandlungen über die Arbeitszeit in Kontoren wieder aus, durch die damals festgestellt wurde, daß gerade im Leipziger Buchhandel überaus lange Zlrbeitszeiten vorherrschend sind, daß„die Leute wochenlang ohne genügende Mittagspause bis tief in die Nach: hinein zu arbeiten haben und am anderen Morgen wieder früh heraus müssen." Einen greifbaren Nutzen haben jene Verband- lungen freilich nicht gehabt. Die gesetzgebenden Körperschaften fühlten sich trotzdem nicht genötigt, die übermäßige Ausnutzung der Arbeitskraft einzuschränken. Die Entlohnung der BuchhandlungS- gehilfen ist niedrig, besonders schlecht ist sie in Leipzig, wo die An- gestellten darüber klagen, daß sie zum Teil noch geringer bezahlt werden als die in denselben Betrieben beschäftigten Handelshilfs- arbeiter. Diese Tatsache erklärt sich daraus, daß die Hilfsarbeiter wiederholt gewerkschaftliche Machtmittel angewendet haben, um sich höhere Löhne zu erkämpfen. Die Buchhandlungsgehilfen haben es aber nur zu der passiven Resistenz vom Jahre 1907 in Leipzig ge- bracht. Diese Bewegung konnte keinen vollen Erfolg erzielen, weil ihr die deutschnationalen BuchhandlungSgehilfen in den Rücken fielen. Was die Unternehmer ihren Angestellten alles zu bieten wagen, geht daraus hervor, daß sich die Firmen F. V o l ck m a r, L. Staackmann und Carl Cnoblauch einen Vertrag haben unterschreiben lassen, in dem es heißt: „Die Anstellung verpflichtet auch zur Dienstleistung bei jeder anderen Firma in Leipzig, an der die anstellende Firma oder deren Inhaber beteiligt sind, bei besonderen Umständen auch zur Leistung von Diensten, für die der Angestellte nach diesem Ver» trag« mcht angestellt fit." Das heißt, der Buchhandlungsgehilfe soll sich von vornherein zu Hilfsorbeiterdiensten verpflichten, wenn die Hilfsarbeiter streiken. Für solche Zumutungen finden die Unternehmer in An- gestelltenkreisen leider noch immer Verständnis. Schrieb doch im vorigen Jahre ein vom Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Verband herausgegebenes Blättchen: „Von einem Handlungsgehilfen muß man unbedingtere Zu- verläfsigkeit erwarten dürfen, als man sie bei einep? Handels« Hilfsarbeiter gemeinhin voraussetzt. Gott sei Dank haben die Handlungsgehilfen den Glanben an ihre Zuverlässigkeit auch noch für sich; das kann aber leicht anders werden, wenn sich die Fälle häufen, daß ein Handlungsgehilse den Glauben an seine Zuverlässigkeit grob enttäuscht, indem er... anstatt seinen Prinzipal zu unterstützen, den streikenden Markthclfern seine Unterstützung leiht." Weiter heißt es darin: „Die Handlungsgehilfen müssen auch vom rein wirffchaft- lichen Standpunkt aus bedenken, daß der Anschluß an einen Ver- kleines Feuilleton. Studentenhumor und Studentenrohcit. In einer Zeit, in der Arbeiter wegen eine« dummen Streiches gegen ein Hohenzollern- denkmal mit furchtbaren Strafen belegt werden konnten, fit das Thema des sogenannten Studentenhumors ganz von selber aktuell. Daß mit diesem Humor nicht mehr alles so ganz in Ordnung ist, scheint auch einem Artikel einzuleuchten, den wir kürzlich im „Polytechnikum"(Käthen) fanden; nur daß die Ursachen an der verkehrten Stelle gesucht werden. Heutzutage habe niemand mehr Zeit, mit den Fröhlichen sröh- lich zu sein, meint der Artikel. Der moderne Student müsse darum bei Ausübung seines Ulks darauf sehen, daß fernstehende Dritte nicht belästigt würden usiv. Um den Kern der Sache reden alle diese Betrachtungen herum. Daß der sogenannte Studentenhumor heutzutage so manchem auf die Nerven wllt, hat mit einer Entartung de« Publikums gar nichts, mit der Entartung des modernen Studenten aber manches zu tun. Um e« kurz zu sagen: der moderne Student hat keinen Humor mehr, weil er keinen Idealismus mehr besitzt. Der Idealismus war es. der feine Streiche übersonnte lind ihm die Sympathien der vernünftigen Menschen zuwandte. Seitdem aber das neudeutsche Bürgertum den Idealismus verloren hat, haben ihn auch die Söhne auf der Universität abgelegt. Sie zogen mit gesenktem Blick in da« denk- bar häßlichst« Philisterland zurück. Die staatsgefährliche Schwärmerei von ehedem ist durch«in ge- sinnungStüchtige« Strebertum abgelöst, das gerade bei Jünglingen peinlich wirkt; die poetische Ungeoundenbeit ist der kalten Sorge um die Karriäre gewichen und aus zwanglosen Burschen, die in der Freiheit ihr Ideal suchten, sind korrekte Herrchen geworden, die ihren Vorteil im Kuschen vor dem allmächtigen preußisch-deutschen Staat erblicken. Al« aber so der jugendliche Idealismus mit einem trau- rigen Materialismus vertauscht wurde, verwandelten sich auch die einst so lustigen Studentenstreiche in Studenten r o h e i t e n. Der Alkohol blieb zwar. Da aber der rechte Geist der Geselligkeit und Freiheit fehlte, entartete auch das sorglose Bechern zum programmatrschen Saufen. Nehmt alles nur in allem! Der «piritus ist verflogen und nur der schofle Sprit ist zurück- geblieben. Der Wasserdurst in den Weltstädten. Unter den sengenden Sonnenstrahlen lechzen Mensch, Tier und Pflanze nach Labung. Es ist, als wenn der Menschheit plötzlich die alte griechische Weisheit wieder zum Bewußtsein käme: Das Beste ist doch da? Wasser I Un- geahnte Mengen Trinkwassers werden in die Kehle gegossen, fei es, daß man das Wasser ohne Beimischung herunterstürzt, oder aber ihm durch Zusatz von Zitrone, Kirsch und Himbeer usw. einen besonderen Geschmack verleiht. Biel Wasser wird allerdings auch dadurch ver- schwendet, daß man es zwecks Kühlung ablausen läßt. So ist es erklärlich, daß die Wasserversorgung im Hoch- sommer immer ein Schmerzenskind der Stadtverwaltungen gewesen ist. Besonders in den Großstädten ist diese Frage ein zu Zeiten sehr bedenkliche? Problem, mit dessen Lösung es hapert. Man braucht nur zu bedenken, daß, wie die unerbilt- liche Statistik nachgewiesen hat, es Tage gibt, an denen jeder Berliner vom Mummelgreise bis zum Säugling in der Wiege sich 134,5 Liter Wasser zu Gemüte führtVurks. Neukölln, Lefsingstr. 33. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Juli, nachm. 3'/, Uhr. von der Halle Marten» dorser Weg aus statt. Veit ISchDeider.Setineiilerim u. Wäscheartieiter Deutsclilaods. Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Militär- schncider, Kollege peräinanä Leiber am 3. Juli im 36. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am 7. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Gcorgcn-Kirchhojs in Weißcnsee aus statt. 163/13 Die Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Bekannten und Freunden zur Nachricht, daß meine liebe Frau und gute Mutter üiise Kramer geb. Manske am 5. Juli nachmittags 5 Uhr nach laugen schweren Leiden sanft entschlafen ist. 2638b Dies zeigen betrübt an Panl Krämer nebst Tochter. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Zions- Gemeinde, Nordend, aus statt. Am Sonntagnachmittag 3 Uhr entschlief nach langen, schweren Leiden unser inuigstgeliebter Sohn und Bruder Karl Klemp. Dies zeigen schmerzersllllt an .lolrana Klemp und Frau nebst Geschwistern, Gitschiner Straße 55.[26296 Die Beerdigung erfolgt Mittwoch- nachniitlag 4 Uhr von der Halle des Simeon-Kirchhoscs in Britz, Tempelhoser Weg, aus statt. -Am Montag, den 6. Juli, ver- schied nach schweren Leiden meine inniggclicbte Frau und gute Mutter �nna Deskowski geb. Schönscld im 56. Lebensjahre. In tiefer Trauer »ermann ve«>kon«ki Paula Deskowski. Berlin, Menieier Straße 20. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgen- Kirchhofes aus statt._»639b Verhanil dGeineiiide- u. Staalsat Filiale GroB-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode des pensionierten Kollegen Franz Knobloch (früher Berliner Wasserwärter). Die Beerdigung erfolgte am Montag, den 6. Juli, aus dem Auserftehungs-Kirchhos in Weitzen- see. Ehre seinem Andenke«: 35/4 Gie Ortsverwaltung. Von der Keise zurück[8/814' Dr. Freymann CharlotteoburBi KnobelsdorSstr. 4. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Sohnes und Bruders Maimes Scbonburg sagen wir allen Freunden und Bc- kannten, insbesondere dem Schrift» steller Herrn Max Schütte, den In- habern sowie Kollegen der Möbclsabrik „Fortuna", dem Sparverein und der Kolonie Langenfelde u. dem Deutschen Holzarbeitervcrband unseren herz- lichsten Dank. 9A Die ticfbetrübteu Eltern und _ Geschwister. Spezialavzt Dr. med. WockentoS, Friedricbstr. 125(Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hala-Kur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung.* Spr. vorm. 9—8 ab.. Sonnt. 9—11. Tpcl u. Teufel"f t f ReichePs Reichel*« Wanzen- 1 Schwaben- Fluid„Radikal" tötet die Wanzen auf der Stelle u. ist ab- solut nicht fleckend. Flasche 50 Ps., l,—, 2,—, 3,—, Literflasche 5—, Sprühapparat 50 Ps. und 1,50. 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Die Steinfetzmeister Schall und Seknra, Gnrscb, Bernau, Hinze, W. Bielefeld arbeiten bei den Firmen E. Junge, Gebr. Ahrend, Barschner dfc Bttttkan und versuchen mit dem Bemerken Arbeitskräfte heranzuziehen, daß sie die Arbeit selbständig ausführen. In Betracht kommen die Baustellen: Halserweg, Franzüslsch-Buchholz und Blankenfelde 1. d. 91., Oranienburg: Berliner Str., Btthlcnstr., Eehnitzstr. Die Bewegung wird noch wetteren Umfang annehmen, da noch einige Firmen den Tarif noch nicht anerkannt haben, obwohl sie nach den Sc« stimmungen deS§ 12 de« bis zum 31. März 1914 gültigen Tarifvertrages den Schiedsspruch anerkennen müßten. Wir bitten deshalb alle Arbeit» fachenden, genannte Firmen bis aus weiteres streng zu meiden. Die Bezirksleitung. «lbrrt Wach». Merlin,»üt den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Merlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Luchdruckerei m«erlagsanftalt Paul Singer».Co.. Berlwl Nr. 182. 31. Iahrgaug. 2. KeilW des Jowstls" Kerlim MllisblÄ. Dienstag. 7. Juli 1914. ! ämtern zu denken geben. Tic Pflicht gewissenhafter s?«»a t>£..£", Geschäftsführung erfordere, daß die Kassen an der KrantenkajlenkonferenA für Brandenburg Selbstabgabc fcühalten. cv man ct-� den Großein Der zweite Verhandlüngstag, Montag, brachte ein Nachtrag- lich auf die Tagesordnung gesetztes Referat des Ministerialdirektors Geheimrat Dr. Kirchner über Schul-Zahnpflcgc. Referent sprach nicht in amtlicher Eigenschaft, sondern als Vorstandsmitglied des Deutschen Zentralkomitees für Zahnpflege in den schulen. Tic Beobachtung, daß Zahnkrankheitcn und Ge- bißzerstörungen schon im Kindesalter sehr häufig sind, nnd der Wunsch, hier beizeiten vorzubeugen und diese Quelle zahlreicher Gcsundheitsschädigungen zu verstopfen, hat die Bestrebungen für Cchul-Zahnpflegc hervorgerufen. In größeren Städten sind Schul Zahnkliniken entstanden, die sich in, Tcutschcn Reich jetzt schon in mehr als U)0 Orten finden; für kleine Städte und für das Land cinpfiehlt es sich, die schul-Zahn pflege durch einen von Ort zu Ort reisenden Zahnarzt besorgen zu lassen. Die Schul-Zahnpflege ist bisher privaten Vereinigungen überlassen worden, die höchstens von Städten und auch von Kreisen eine bare Unterstützung er- halten. Jetzt sollen auch die Krankenkassen dafür interessiert werden, für die allerdings eine frühzeitig ein setzende Schul-Zahnpflege von großer Bedeutung ist, da ja die Volksschulkindcr die künftigen Arbeiter und Kajscnmitglicdcr sind. Zahnarzt Prof. Dr. Ritter ergänzte diese Ausführungen. Ten Krankenkassen würden durch die Schul-Zahnpflege ungeheure Geldopfer erspart. Tic Landesversicherungsanstalt Berlin habe die Bedeutung dieser Arbeit anerkannt und im letzten Jahr dem Berliner Lokalkomitee für Schul-Zahnpflege 22ö0 M. gespendet. Auch von den Krankenkassen erwarte man jetzt Unterstützung. Der Vorsitzende S i m a n o w s k i- Berlin legte namens des Geschäftsführenden Ausschusses, der dieser Zlngclegenheit bereits nähergetreten sei, folgende Rcsolntion vor: »Tie 11. Konferenz der Freien Vereinigung der Kranken kassen der Provinz Brandenburg ersucht die Vorstände der ihr angeschlossenen Krankenkassen, sich mit den in dem Vortrage des Herrn Ministerialdirektors Prof. Dr. Kirchner gegebenen An regungen in den Vorstandsjitzungrn zu beschäftigen und ihre Entschließungen dem Vorstande der Krankcnkasscnvcreinigung möglichst bald, spätestens aber bis zum 1. Januar 1915, mitzu- teilen. Die nächste Konfcrnz der Freien Vereinigung soll zu der Angelegenheit endgültig Stellung nehmen." In der Diskussion stellte G u t s ch c- Berlin tOrtskrankcnkasse der Mechaniker) fest, daß die Krankenkassen sckon jetzt sehr viel mehr als die Landcsvcrsichcrungsanstaltcn für die Zahnpflege auf- wenden. S i m a n o w s t i sprach die Hoffnung aus, daß die Landesversicherungsanstalt Berlin künftig auch für die Schul- Zahnpflege mehr hergeben werde.> Tic Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Konferenz ersuchte auch das Deutsche Zentralkomitee für Zahnpflege in den Schulen, den Krankenkassen als Grundlage für ihre Beratungen über diese Frage erläuterndes Material zugehen zu lassen. Es folgte ein Referat des Prof. Dr. A. Pinkuß über: „Tic Krcbskrankhcit und ihre Bekämpfung." Krebs hat in neuerer Zeit mehr als jede andere Krankheit zu- genommen. In Preußen starben an Krebs in 1993 erst 21 258 Personen, in 1912 schon 39 936. Das weibliche Geschlecht war stets stärker als daS männliche beteiligt. Es starben 1993: 9678 männ- lichc, aber 11 589 weibliche Personen, 1912: 13578 männliche, aber 16 158 weibliche Personen. Krebs war an der Gesamtzahl der Srerbefällc beteiligt 1993 mit 3 Proz., 1912 mit 4,72 Proz., im bc- sonderen bei den männlichen Personen 1993 mit 2,61 Proz., 1912 mit 1,13 Proz., bei den weiblichen Personen 1993 mit 3,43 Proz., 1912 mit 5)35 Proz. Tic zunehmende Ausbreitung dieser Volks- seuche führte im Jahre 1999 zur Gründung des Deutschen Zentral- komitccs für Krebsforschung und Bekämpfung des Krebses. Das wichtigste Mittel der Bekämpfung ist Aufklärung. Tie Zentral- tommission der Krankenkassen von Berlin und Umgegend erkannte das früh und wirkte schon 1995 mit bei der Verbreitung cineZ Krebsmcrkblattes. Tic Krankenkassen haben in der Tat allen Grund, die Aufklärung über den Krebs zu fördern. Dadurch wird frühzeitiges Erkennen der Krankheit möglich. Tie ersten Anzeichen scheinen harmlos und zunächst fehlt das Symptom des Schmerzes, der den Kranken dem Arzt zuführen würde. Rechtzeitig einen?l r z t aufzusuchen, ist dringend nötig. Es ist besser, daß hundertmal in unbegründeter Sorge ein Arzt konsultiert wirh, als daß einmal ein Krebskranker zu spät vor den Arzt kommt. Tic Krankenkassen können viel tun durch Austeilung von Merkblättern, durch Hinweise auf Krebsfällc in ihren Jahresberichten, durch öffentliche Vorträge über Krebs, durch Kurse für Krankcnkontrolleure. Rechtzeitig erkannter Krebs kann erfolgreich bekämpft werden. In leichteren Fällen ist Operation noch immer das kürzeste und billigste Verfahren. Langwieriger und kostspieliger ist die neue Bchandlungsweise, die Radium- therapic. Sic darf, schloß Referent, auch den Krankenkassen nicht als unerschwinglich gelten. In der Diskussion forderte Dr. G u r a d z e lVertreter des Statistischen Amtes Berlin), daß mit der�Aufklärung über Krebs schon in den Schulen begonnen werde. Stoltenberg- Berlin tllnterstützungsbund der Schneider) bedauerte, daß die Aerztc, wenn Krebs vorliegt, nicht sogleich den Kassen davon Kenntnis geben. Simanowski stellte in Aussicht, daß der Geschäftsführendc Ausschuß sich mit der Frage der Radiumbehandlung beschäftigen Und eventuell der nächsten Jahreskonferenz Anträge vorlegen wird. Ein Referat von Dr. O. K a i s c r l i n g über: „Ter gegenwärtige Stand der Röntgenologie und deren Bedeutung für die Krankenkassen" zeigte, was die Röntgentechnik in der Feststellung von Fremd- körpcrn und Knochenbrüchcn sowie von inneren Krankheiten leistet und gab einen llcbcrblick über die Röntgentherapie bei Haut- krankhciten und Erkrankungen tiefer liegender Organe. Zu einer Diskussion kam es nicht. Ter Herausgeber der„Deutschen Krankcnkassenzeitung" H. Sydow referierte über: „Tic Sclbstabgabc von den dem freien Verkehr iibcrlasscnen Handvcrkaufsartikrln durch die Krankenkassen." Die Fabrikantenvcrbändc haben gegen die Selbstabgabe durch Krankenkassen eine Aktion unternommen. Rcichsvcrsicherungsamt und Handclsministcr haben ihnen mit glatten Absagen gcant- wortct. Es fehlt eine gesetzliche Handhabe, den Krankenkassen diese Betätigung zu verbieten. Auf fruchtbareren Boden fielen die Fabrikantenklagcn beiin Minister des Innern. Er sieht in der Selbstabgabc durch Krankcnkasicn die Gefahr, daß schließlich Ge- schäftsleute die betreffenden Heilmittel überhaupt nicht mehr würden führen wollen.?luf einer geheimen Konferenz von Fabri- kanten der in Frage kommenden Branchen, auch von ftpotbekern iamt Drogisten, sind die gegen die Krankenkassen gerichteten Wünsche und Pläne vorgetragen worden. Empfohlen wurde unter anderem, sich an den neuen Vorsitzenden der Allgemeinen Orts- trankcnkasse Berlin, den Arbeitgeber Kommcrzicnrat Simon, zu wenden. Auch die Presse— versteht sich: die bürgerliche— will man bearbeiten. Das Rcichsversicherungsamt ha: bei Kranken- lassen angefragt, wie groß bei ihnen die Selbstabgabc ist und wieviel sie dadurch ersparen. Referent teilte ein paar lehrreiche Proben mit. Erspart wurden in 1913 bei der Berliner Buchdrucker-LrtSkrankcnkasse mit 28 999 Mitgliedern 5672 M.. bei der Neuköllner Allgemeinen Ortskrankentasse mit 35 999 Mit-----,— � gliedern 9379 M. Das müsse den Ministerien und Lerstcherungs- j Restaurant Schmidt, Am Zirkus 19, statt. kauf, der z. B. beim Militärfiskus und bei Krankenhäusern längst als etwas Selbstverständliches gelte, den Krankenkassen verargen wolle. Auch die Sclbstsabrikation könne man ihnen nicht vcr- wehren. Doch solle eine Slbgabc über den Kreis der eigenen Kasse hinaus unterbleiben. Zlnhernfalls sei vielleicht doch ein Eingreifen der Behörden zu fürchten.— Eine Diskussion über den Vortrag fand nicht statt. Die Neuwahlen zum GeschäftSführendcn Ausschuß wurden vollzogen. Ueber den Ort für die nächste Konferenz wurde noch keine Bestimmung getroffen. Der Vorsitzende Simanowski schloß diese 11. Konferenz der Freien Vereinigung der Krankenkassen der Provinz Branden- bürg mit der Mahnung, für weiteren Anschluß von Kassen zu werben. An der Konferenz hatten als Gäste teilgenommen Vertreter des Rcichsversicherungsamtes, der Versichcrungsämter Pankow, Spandau, Kottbus, des Zentral-Arbcitersekretariats, des Berliner ?lrbeitersckretariats, des Berliner Statistischen Amtes, des Vcr- bandcs der Kasscnangestcllten. Durch Starkstrom getötet. Fünf Menschen tot. Bei der Uebcrlandzentrale des Brandenburg: sehen Krcis-Elck- trizitätswerkes ereignete sich am Sonntag ein folgenschweres Un- glück, dem fünf Menschenleben zum Opfer sielen. An der Grenze des Krongutes Bornim bei Potsdam wurde kurz nach 2 Ubr ein Storkstromdraht der Uebcrlandzentrale schadhaft und ritz ans- einander; die beiden Drahtenden fielen auf den Boden herab. Bei der Behebung des Schadens wurden vier russische Erntcarbeiter nnd ein Pferdeknecht de? Gutes Bornim vom elektrischen Strom getroffen und auf der Stelle getötet. Unter den Toten befindet sich der russische Vorarbeiter Appollinarius Wikuterra und der Stallknecht Paul Eange aus Görlitz. Die elektrische Ueberlandzcntrale versorgt in sieben Kreisen der Mark Brandenburg eine Anzahl von landwirtschaftlichen Bc- trieben mit elektrischer Kraft. Das Krongut Bornim hat jedoch keine elektrische Betricbsanlagc. Unweit des Gntshoscs zieht sich die oberirdische Leitung des Elektrizitätswerks hin. An den Stan- gen, über die die Drähte geleitet wurden, sind Warnungstafeln angebracbi mit den Worten:„Hochspannung— Nicht berühren— Todesgefahr!" Sonntagmittag nach dem Essen waren die Ernte- arbeiter aus dem Gutshof versammelt. Plötzlich hörten sie einen ziemlich lauten Knall, der aus der Richtung der Lcitnngsonlagc herkam. In demselben Augenblick sahen sie auch eine heftige elek- triscbe Entladung zwischen den beiden abhängenden Enden des ge- rissenen Drahtes. Der Vorarbeiter Wikuterra eilte mit einem Dutzend Leute zu jener Stelle hin, in der von der in Brand ge- setzten Grasnarbe leichte Rauchwolken aufstiegen. Nach dem Bc- richt der Geretteten soll Wikuterra die Leute gewarnt haben, den Draht zu berühren. Von anderer Seite wird behauptet, daß W. gerade die Leute ausgesordcrt haben soll, die beiden Enden des herabgefallenen Drahtes wieder zusammenzubringen. Jedenfalls machten sich die Arbeiter daran, den Schaden auszubessern. Der Draht wurde an beiden Enden emporgehoben, und als die Leute ein« intakt« Verbindung wiederhergestellt hatten, trat die unver- meidliöhe Katastrophe ein. Im nächsten Zlugenblick lagen zwölf Personen regungslos auf dem Erdboden. Der Vorgang wurde sofort dem Gutsvorstand ge- meldet, der den Zlrzt Dr. Noltcnius in Bornim benachrichtigte. Auch die freiwillige Sanitätskolonne von Bornim-Bornstädt wurde sofort alarmiert. Schon kurze Zeit nach der Katastrophe trafen Dr. Noltcnius und die Rettungsmannschaften in Automobilen auf der Unfallstelle ein. Bei fünf Personen blieben die sofort vorgcnomme- neu Wiederbelebungsversuche vergeblich. Tie durch den Starkstrom Getöteten zeigten die charakteristischen Verbrennungsmerkmale des elektrischen Stromes am Körper. Bei zwei von den fünf anderen Arbeitern, die gerettet werden konnten, mutzten die Wieder- belcbungsvcrsuchc drei Stunden lang fortgesetzt werden, ehe sie Er- folg hatten. Ein weiterer Bericht besagt: Von sachverständiger Seite wird der Bruch des Trahtes ans Wittcrungscinflüsse'zurückgeführt. Es wird angenommen, daß infolge der letzten Unwetter ein zunächst winziger Sprung oder Riß in dem Draht entstanden ist, der sich dann weitcrgcfrcjscn hat und schließlich zur Zerreißung der Leitung führte. Jcdcnsall-Z ist dieser Defekt der Stromleitung erst in aller- letzter Zeit zutage getreten, denn noch vor drei Tagen ist die nach dem Gute Bornim führende Leitung von einem Beamten des Elek- trizitätswerkes untersucht worden, ohne daß ein Mangel hätte cnt- deckt werden können. Nach den bisherigen Ermittelungen wird die Katastrophe auf die Unkenntnis der Verunglückten zurückgeführt, Der zur Erde gefallene Endlcil der Leitung hatte von dem Augen- blick an, als er den Boden berührte, keinesfalls mehr eine solche Stromstärke, daß ein Mensch hätte getötet werden können. Die?lr- heiter, die die Gefährlichkeit ibrcs Vorgehens nicht kannten, müssen unbedingt mit dein herabgefallenen Leitungsdraht an den Draht der Vollcitung, die eine Stromstärke von 15 999 Volt hat. heran- gekommen sein oder einer der'Arbeiter muß den Draht der Stark- stromleitung berührt haben. Außer den fünf auf der Stelle Ge- töteten sind fünf Arbeiter und eine Arbeiterin verletzt worden. Zwei der Verunglückten gaben nur noch schwache Lebenszeichen von sich, während die übrigen vier Personen glimpflicher davongekommen waren. Der nach kürzester Zeit auf der Unfallstelle anwesende Bornimer Arzt Dr. Noltcnius stellte gemeinsam mit mehreren von ihm ausgebildeten und geleiteten Sanitätsmannschaftcn Wieder- bclebungsversuche an, die bei den beiden schiververletzten Männern erit nach mehreren Stunden von Erfolg gekrönt waren.'Alle Vcr- letzten wurden nach ihren Behausungen gebracht und dort belassen. Im Laufe der Nacht bat sich das Beftmdcn der sechs Verunglückten erheblich gebessert. Drei?lrbcitcr und das junge Mädchen sind fast völlig wiederhergestellt und können schon heute ihre Arbeit wieder aufnehmen. Tic beiden schwerer verletzten Arbeiter müssen aller- dings noch das Bett hüten, befinden sich aber außer Lebensgefahr. Tie Namen der sechs Verletzten waren bisher nicht zu ermitteln, angeblich sollen sie zum Teil selbst der Verwaltung des Gutes Bor- nim nicht bekannt sein. Es handelt sich ausschließlich um russische Staatsangehörige, die erst seit kurzer Zeit auf dem Gute beschäftigt werden.— Tie defekte Leitung ist bereits wieder betriebsfertig hergestellt.__ parteiangelegenheiten. 1. Wahlkreis, 3. Abteilung. Der Zahlabend findet jetzt im Vierter Wahlkreis. Gemeinschaftliche Zahlabende finden statt: 5. Abteilung im Lokal Reichenberger Hof, Reichenbcrger Straße 147, Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen F. Zu beil über:„Der p o l'i 1 i s ch e M a s s e n st r e i 13. Abteilung im Lokal Süd-Ost, Waldeivarsiraße 75. 29. Abteilung in den Lunasälen, Neue Äönigstraße 7: 1. Bericht von der VerbandSgeneralversamm- luiig, 2. Verschiedenes. 25. Abteilung in den Eomeniussälen, Memeler Straße 67: Vortrag des Genossen A. Z e u n e r über: „Feinde r i n g s u m". 35. Abteilung in den Prachtsälcn des Ostens. Frankfurter Allee 151, Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen A. Stadlhagcn über:„Von u n ten au s". 42. Abteilung im kleinen Saal der Brauerei Friedrichsbain, Bor- trag des Genossen K. Klingle r. 5. Wahltreis. In. Abteilung. Mittwoch, den 8. Juli, abends 8 Uhr: G e m e i n s am er Zahlabend in den Unions« Festsälen, Greifswalder Str. 222. 1. Vortrag des Genossen W u I ch i ck über;„Die Justiz im Dienste der Politik." 2. Berichte. 3. Abteilung. Mittwoch, den 8. Juli, abends pünktlich 3Vz Uhr, bei Konzack, Keibelftr. 39: G e in c i n s am er Zahl- a b e n d. Vortrag des Genossen Richard Barth über:»Die gelbe B e w eg un g." 6. Wahlkreis. Heute findet in Ballschmieders„Kastanien- Wäldchen" abends 8V., Uhr eine öffentliche Volksversammlung für Männer und Frauen statt. Reichstagsabgeordneter Georg Ledebour spricht über:„Jmperialisnutö und Kolonialpolitik". Charlottenburg. Die 1. Gruppe hält am Mittwoch, den 8. Juli, einen gemeinsamen Zahlabend im Restaurant Roßtrappe, Spandauer Berg, ab. Aus der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Dr. Freund: Feuerbestattung. In dem gemeinsamen Zah labend der 8. Gruppe bei Ahrens, Ansbacher Straße 11, spricht Genosse Du? o s e über: Warum wollen wir den Generalstreik? Berlin-Schöncbcrg. Die FunktionäresitzUvg findet umständehalber heute bei Ebrccht, Meininger Str. 8, statt. Vortrag des Genossen Alb. Gehrke. Borsigwalde- Wittenau. Zu dem am Donnerstag, den 9. Juli, staltfindcndeii Lichtbildervorträge„Aus russischen Kerlern" findet heute Dienstag Hand zettelverteilung von den bekannten Stellen statt. Tegel. Donnerstag, den 9. Juli, abends S'/- Uhr: Versammlung mir Lichtbildervortrag: Aus ruisischen Kerkern, in Trapps Festsälen, Tegel, Bahnhosstr. 1. Billetts sind in folgenden Geschäften zuhaben: In Tegel: Restaurant Rudolf Müller, Restaurant Karl Messerknccht und Barbier Karl Eicke; in Borsigwalde:«pediteur Kienast. Reinickendorf- West. Mittwoch gemeinsame Zahlabende in fol- genden Lokalen: 1., 2., 3. Bezirk bei Lange, Eichbornstr. 49; 4., 5., 6. Bezirk bei Wichert,«-charnweber-, Ecke Antonienstraße; 7., 9., 19. Bezirk bei L i m i n g, tscharnweber-, Ecke Schillingstraße: 8., 11. Bezirk bei Radtke, Auguste-Viltoria-Allee, Ecke Berliner Straße. Brih-Buckow. Der Zahlabend fällt aus, da an dem Tage die außerordentliche Generalversammlung bei Dommnick, Rudower Str. 64, staltfindet. Tagesordnung: t. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Bericht von der Kreis-Generalversammlung. 3. Bericht vo» der Verbands- Generalversammlung. 3. Ver- schiedcnes. Die Abstimmung über die Bildung eines Wahlrechtskampffonds findet ebenfalls in der Generalbersainmlung statt. Johannisthal. Mittwoch, den 8. Juli, abends 8 Uhr, im „Lindenhof"-Saal: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tages- ordnung: 1. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung. 2. Tis- kussion und Urabstimmung über den Wahlrechtskampffonds. Hohen-Schönhausen. Heute abend 8 Uhr findel im Lokal F. Reyher, Berliner Sir. 93, der Frauenleseabend statt. Rcserenlin: Genossin Demmning.— Mittwoch, den 8. d. Mts.: Gemeinsamer Zahlabend der Bezirke bei F. Reyher, Berliner Straße 93. TagcS- ordnung: Bericht von der Verbandsgeneralversammlung, Kassenbericht, Verschiedenes. Maricudorf. Am Mittwoch, den 8. Juli, abends 8 Uhr, findet ein gemeinsamer Z a h l a b e n d in: Restaurant S t e ch e r t, Tempelhofer Straße(am Bahnhof Mariendorf) stall. Bohnsdorf. Mittwoch, den 3. Juli, S'/a Uhr: Generalversammlung im Lokal von Bakofzer. Tagesordnung: Kassenbericht. Bericht von der Verbands-Gcneralversammlung. Verschiedenes. öerliner Nachrichten. Lebensgefährliche Verkehrszustänöe. Die tödlichen Unglücksfälle, die sich kurz hintereinander an der Invalidenstraße— Chaussccstratzc ereignete und wober zwei Menschen in die dortige Baugrube der Nord-Südbahn stürzten und den Tod fanden, lenken die allgemeine Auf- nierksanikeit auf die Sichcrheitsvorrichtungen, die bei diesen großen Bauten für das Publikum vorhanden sind, oder besser gesagt, nicht vorhanden sind. Unseres Erachtens wird bei diesen Bauausführungen viel zu wenig Rücksicht auf das Publikum genommen. Schon die offene Baugrube bildet eine ständige Gefahr. Da genügt es nicht, daß abends oder in der Nacht eine Laterne neben deni ominösen Schild: Gesperrt! aufgehängt wird. Mindestens müßten an verschiedenen Stellen Wächter postiert werden, ivclchc das Publikum auf die Gefahr aufmerksam machen. Dann aber müßte für passierbare Wege gesorgt Iverdcn. Heute wird die Passage selbst ans dem Bnrgerstcige noch mit Brettern, Steinen tind Arbeitsmaterialicn beengt. Diese Erscheinung kann man jetzt auch in der Brunnenstraße be- obachten beim Bau der Schnellbahn der A. E. G. Gesund- brunncn— Neukölln. Ilm in offener Baugrube arbeiten zu können, ist der Bürgersteig erheblich verschmälert worden, die Bäume in der Brunnenstraße sind schon ztini großen Teil der Axt zum Opfer gefallen. Trotz der breiten Brnnnenstraße ist der Perkehr zivischcn Rügener- und Demmincrstraße außer- ordentlich beeinträchtigt. Selbst der knappe Straßcnbahnkörper ivird durch den Transport von Arbcitsmaterialien noch in Anspruch genommen nnd hindert sowohl Straßenbahn, die übrigen Fuhrwerke, sowie den Fußgängerverkehr. Es erhebt sich die Frage: Muß das alles so sein? Wir antivortcn mit einem glatten Nein! Bei einigermaßen gutem Willen läßt sich der Wagen- und Fußgängerverkehr besser und sicherer regeln, als das heute der Fall ist. Der Firma Bcrger. welche die Arbeiten in der Chaussecstraße ausführt, sollte sehr deutlich zum Bewußtsein gebracht werden, daß sie mit der Ausführung der Bauarbeiten auch Vorsichtsmaßregeln für Sicherheit und Gesundheit des Publikums zu treffen hat. � Da darf der Kostenpunkt keine Rolle spielen. lind darauf kommt es an. Wir rufen nicht nach Polizei. Wenn aber irgendwo ein Streik ausbricht, findet sich die Polizei umgehend ein, um die Streikposten als „Verkehrshindernis" anzusehen und ihre sofortige Beseitigung durch Sistierung nach der Polizeiwache vorzunehmen. Hier aber läßt man alles seinen Gang gehen. Wieviel Menschen sollen sich hier noch das Genick brechen? Nicht viel besser dürfte sich die Bauausführung der A. E. G. � Bahn gestalten. Die Bauweise der offenen Bau- grübe dürfte sich höchstens bis zur Anklanwr Strohe durch- führen lassen, dann muh doch eine andere Arbeitsweise ein- treten. Das könnte schon jetzt der Fall sein. Aber in offener Baugrube arbeiten, aus der die Wagen die Erdmassen sofort herausfahren können, ist billiger, lind das erklärt alles! Es muh im Interesse der öffentlichen Sicherheit von den Auffichtsbehörden verlangt werden, dah Mahnahmcn getroffen werden, welche geeignet sind, Leben und Gesundheit unserer Bürger bei den grohen Bauausführungen genügend zu schützen. Ungültige Wahlen. Die Ortskraiikenkasse der Wäschefabrikation zu Berlin tmtte die Vertreterwahlcn in zwei Gruppen vornehmen lassen, und zwar wählten in der Gruppe A alle männlichen Mitglieder, während für die Gruppe B alle weiblichen Kassenmitglieder in Betracht gezogen wurden. Es wurde nun von den Kassenmitgliedern je eine Vorschlagsliste für die Gruppen A und B eingereicht. Die Gruppe A halte 3 Vertreter und 6 Ersatzmänner, die Gruppe B 57 Vertreter und 114 Ersatzmänner zu wählen. Für die Gruppe B, die ausschließlich weibliche Mitglieder umfaßt, wurden in einem Wahlvorschlag 15 männliche Mitglieder als Vertreter in Vorschlag gebracht. Da nach Meinung des Borstandes nur weib- liche Kassenmitglieder in der Gruppe B gewählt werden dürften, so erklärte er den Vorschlag der 15 männlichen Mitglieder für un- gültig. Gegen dies« Entscheidung des Vorstandes wurde Beschwerde beim Versicherungsamt der Stadt Berlin erhoben und gestützt auf den Z 334 Abs. 2 der Reichsversicherungsordnung darauf hingewiesen, daß nach Bezirken oder Berufögr Uppen gewählt werden kann. Die Zugehörigkeit zum männlichen oder weiblichen Geschlecht bilde aber keinen Beruf und ebenso wenig einen Bezirk. Das Lersicherungsami der Stadt Berlin hat sich der Begründung dieser Beschwerde angeschlossen und betont in seiner Entscheidung: »Gemäß 8 334 Absatz 2 ist eine Gruppenbilduug nur nach Bezirken oder Berufen zulässig. Die Bestimmung im 8 ül der Kassensatzung läuft demnach gesetzlichen Vorschriften zuwider und ist gemäg 8 323 ungültig. Die Vornahme einer Wahl nach dieser Bestimmung der Satzung ist daher unzulässig. Auch die Streichung der männlichen Ver- sicherten ans der Wahlvorschlagsliste B der weiblichen Versicherten entspricht nicht dem Gesetz. Die von der Kasse vertretene Ansicht ist irrig. Das passive Wahlrecht ist nicht auf die Angehörigen der betreffenden Gruppe beschränkt. Gemäß 8 333' der Reichs- versichcrungSordnung sind die Vertreter ohne jede Ein- schränkung aus den Reihen der Versicherten zu wählen. Die Beschränkung deS passiven Wahl- rechts aus die Angehörigen der einzelnen Gruppen hat der Gesetzgeber nicht beab- s i ch t i g t. Die Gruppenbilduug kann vielmehr nur den Zweck haben, auch Minderheiten bei der Wahl zur Geltung zu bringen, ohne jedoch die Vertretung der Minderheit auf ihre Gruppe zu beschränken. Den diesbezüglichen Ausführungen deS Beschwerde- führerS ist beizupflichten." Des weiteren war in der Beschwerde gerügt, daß hausgewerblich Beschäftigte zur Wahl zugelassen seien. Demgegenüber hatte die Kaste geltend gemacht, daß diese hauSgewerblich Versicherten von dem Recht deS Artikel 29 des Einführungsgesetzes der Slieichsversicherungs- Ordnung Gebrauch gemacht hätten und mithin zur Wahl zugelassen werden müßten. Diesen Einwand hat das VersicherungSamt als begründet erachtet. Die gerügte Unzulässigkeit der Wahllokalitäten ist vom Ver- sicherungsamt nicht als begründet anerkannt worden, weil aus der Zeugenvernehmung sich ergeben habe, daß zwar eine Anzahl Wähler vor Beendigung der Wahlzeit fortgegangen seien, weil sie in dem Glauben waren, daß sie doch nicht mehr zur Wahl zugelassen würden. Diese Annahme sei indes nicht begründet und könne lediglich der Umstand, daß das Wahllokal zeitweise überfüllt gewesen sei. nicht als genügender Grund angesehen werde», um die Wahl zu kassieren. Dagegen hat die Krankenkasse eine Reihe freiwillig Versicherter nicht mehr als Mitglieder anerkannt, obwohl diese Personen in einem versicherungspflichtigen Dienstverhältnis nicht standen. In diesem Punkte ist der Ortskrankenkasse ebenfalls unrecht gegeben und hat das Versicherungsamt dahin entschieden, daß die Wahlen für un- gültig erklärt werden und die Ortskrankenkaste ein Mitglied zu Unrecht aus der Liste der Mitglieder gestrichen habe. Es müssen daher in nächster Zeit Neuwahlen stattfinden und darf wohl erwartet werden, daß nunmehr der Vorstand der Orts- ??»u?enkasse für die Wäschefabrikation sich daran gewöhnt, bei den Wahlen die Gesetze zu beachten. Es mag ihm ja angenehm sein, wenn er einen Einfluß auf die Zusammensetzung des Ausschusses hat, aber dieser Einfluß darf sich doch nicht in der hier vorliegenden Form bemerkbar machen. Da das Vorgehen deS Vorstandes ungesetzlich gewesen ist, darf wohl erwartet werden, daß der Borstand eine schleunige Neuwahl anordnet, um eine ordnungsmäßige Vertretung der Mitglieder in der Krankenkasse Platz greifen zu lassen. Ueberfall in einem Hotel. In der Sonntagnacht wurde der Profeffor K. Streit aus Wien, der in einem Hotel in der Mittelstrahe abgestiegen war, in seinem Zimmer von dem in dem Hotel beschäftigten Hausdiener Ludwig Sellitsch aus Wien im Schlaf überfallen und durch Schläge mit einem Gummiknüppel schwer verletzt. Der Täter hatte sich während der Abwesenheit des Gastes in einem zu dessen Zimmer gehören- den Toilettenraum versteckt und war dann, nachdem sich der Gast zur Ruhe begeben hatte, über ihn hergefallen. Ein Schutzmann brachte den Verletzten nach dem St. HedwigS-Krankenhaus, wo mehrere schwere Kopfverletzungen festgestellt wurden. Der Haus- diener war, als auf die Hilferufe Hauspersonal und Gäste herbei- eilten, an dem Blitzableiter auf den Hof hinabgeglitten und hatte sich im Keller versteckt, wo er festgenommen wurde. Er hat die Tat angeblich aus Rache vollführt, weil der Hotelgast sich seiner gleich- falls in dem Hotel als Zimmermädchen lbeschäftigtcn Cousine ge- nähert haben soll.__ Ein Mordsrausch, aber kein Mordversuch. Gestern berichteten wir über einen angeblichen Mordversuch gegen den Musikdirektor Theodor Schmidt aus Oranienburg, den dessen Braut verübt haben sollte. Die Polizei hat nun inzwischen festgestellt, daß es sich nicht um den Musikdirektor, sondern um einen entfernten Verwandten desselben, Eugen Schmidt, handelt. Auch liegt kein Mordversuch, sondern Alkoholvetgiftung vor. Eine nene Revolverschiefterei. Ter 22 jährige Friseur Rominski belästigte in' tätlicher Weise mehrere Prostituierte an der Ecke der Mehner und Landsberger Straße, bis zwei der Mädchen über ihn herfielen und ihn ver- prügelten. K. ging wütend nach Hause und holte sich zwei Revolver. Wieder wurde er gegen ein Mädchen tätlich und als dieses sich wehrte, gab er drei Schüsse auf das Mädchen ab, ohne zu treffen. Passanten und Schutzleute kamen hinzu und nahmen die Verfolgung des Fliehenden auf. Aus seine Verfolger gab er nochmals drei Schüsse ab, ohne größeres Malheur damit anzurichten. Er wurde dann eingeholt und bewältigt.___ Mm 22 000 Mark betrogen worden ist, wie gestern entdeckt wurde, die Bau- und Nutzholzhandluug Eassirer Söhne in der EiSlebener Straße zu Charlottenburg von einem ungetreuen An gestellten. Wie sich jetzt herausgestellt hat, hat der 27 Jahre alte Buchhalter Georg Eliassohn, der in der Fröaufstraße in Friedenau wohnte, im Laufe der letzten Zeit durch Scheckfälschungen über 10 000 M. unterschlagen und gestern noch auf einen gefälschten Scheck 10 500 M. erhobbn und ist dann flüchtig geworden. Er wird jetzt dicserhalb mit einem Zigarrenhändler Wilhelm Hätz, der als Junggeselle von 31 Jahren ein Geschäft in der Nollendorfstr. 30 betrieb und der Helfershelfer des Buchhalters war. von der Krimi- nalpolizei gesucht. Eliassohn, der kinderlos verheiratet ist, war schon seit sieben Jahren bei Cassirer Söhne beschäftigt. Als Wetter bekam er Fühlung mit dem Zigarrenhändler Hätz und setzte mit diesem hohe Summen. Da er selbst nicht über genügende Bar- mittel verfügte, wußte er sich solches zu verschaffen, indem er Schecks, die an Lieferanten gerichtet waren, an Hätz adressierte. Diesen Fälschungen kam man jetzt aus die Spur. Ehe sie jedoch vollständig aufgeklärt waren, erfuhr Eliassohn davon und jetzt eignete er sich schnell ein Scheckformular an, fälschte es mit der Unterschrift der Geschäftsinhaber und bob darauf 10 500 M. bei der Commerz- und Discontobank ab. Seiner Frau hatte er ver- sprochen, mit ihr eine gemeinsame Segelpartic zu machen. Als er sich aber nicht blicken ließ, ging diese zum Chef, um sich Aus- klärung zu verschaffen und jetzt stellte sich heraus, daß Eliassohn die Flucht ergriffen hatte. Hätz hatte es schon vergezogen, vor einigen Tagen seinen Laden zu schließen und das Weite zu suchen. Gekentert. Sonntagabend gegen 8 Uhr kenterte infolge einer Gewitterbö? hinter Tornow auf der Havel die Segelgig Ali. Während es zwei Herren gelang, sich zu retten, ist der dritte Herr, ein gewisser Hans Kemper, zirka 25 Jahre alt, aus Steglitz, ertrunken. Aus dem Fenster gestürzt. Ein bedauerlicher schwerer Unglücksfall hat sich am Montag nachmittag in dem Hause Dunckerstraße 77 ereignet. Die Frau des dort wohnenden Arbeiters Eckert hatle für kur�e Zeit ihren drei- jährigen Sohu Willy m der Küche allein lassen müssen. Während der Abwesenheit der Mutter kletterte der Kleine auf einen an dem offenen Fenster stehenden Stuhl und beugte sich aus einen Zuruf von unten soweit hinaus, daß er das Gleichgewicht verlor und auf den ge- pflasterten Hof stürzte. Der Junge erlitt einen schweren Schädel- bruch und Rippenbrüche und wurde in hoffnungslosem Zustande nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhause gebracht. Ein aufregender Borfall spielte sich am gestrigen Morgen auf dem Flugplatze Johannisthal ab. Tort war'gegen 7 Uhr der Leutnant zur See Esler mit einem L. V. G.-Doppeldeckcr zu einem Schulflugc aufgestiegen und befand sich in etwa 60 Meter Höhe, als plötzlich ein Zylinder des N. 21. G. Motors abflog. Der Zylinder durchschlug den Benzinbchälter, und das ausfließende Benzin entzündete sich. Der Flieger, der den Vorfall beobachtet hatte, gab sofort Tiefsteuer und ging in steilem Gleitfluge zu Boden, wo er die brennende Maschine glatt aufsetzte. Kaum hatte der Offizier das Flugzeug vcrlasien, als es vollständig in Flammen aufging und ganz zerstört wurde. Der Flieger selbst kam ohne Verletzungen davon. Bon einem Straßenbahnwagen überfahren wurde in der Nacht zum Sonntag gegen IVj Uhr ein unbekannter Mann in der Dorck- strahe. Er geriet vor dem Hause Nr. 15 unter einen Straßenbahn- wagen und wurde schwer verletzt nach dem Urban-Krankenhause gebracht. Seine Persönlichkeit vermochte er hier noch nicht an- zugeben. Der Unbekannte ist etwa 30— 40 Jahre alt, hat blondes Haar und ebensolchen Schnurrbart und trug ein leichtes, dunkel- gestreiftes Jackett, eine dunkle Hose(Pfeffer und Salzmuster), einen schwarzen, steifen Hut und Zugstiefel. Bcrlorcn. Eine.VorwärtS"auSträgerin verlor am Sonntag« vormittag im Haufe Nazarethkirchstraße 51 ihr Portemonnaie mit 45 M. Inhalt. Der ehrliche Finder wird gebeten, dieses bei SiegiSmund, Kiautfchoustraße 5, linker Seitenflügel IV, abzugeben. Vorortnachrichten. �ierztestreik bei See Nieöerbarnlmer Grtskrankenkasse. Gestern haben zirka 120 Aerzte der obigen Kusse ihre Tätigkeit für dieselbe eingestellt, so daß die Krauken sich jetzt als Privat- Patienten behandeln lassen müssen und die Kasse die verauslagten Beträge in dringenden Fällen zurückerstatten muß. Die Verwaltung der OrlSkraukenkasse erklärt zu dem Konflikt: »Im Kreise Niederbarnim war die ärztliche Versorgung seit dem 1. Januar 1914 durch vorläufigen Vertrag mit der Kassen- ärztlichen Vereinigung im Kreise Niederbarnim geregelt worden. Nach diesem Abkommen zahlt die Kasse vierteljährlich 80 000 M. an die Kassenärztliche Vereinigung mit der Maßgabe, daß die Be- dingungen des endgültig abzuschließenden Vertrages mit rückwirkender Kraft vom 1. Januar 1914 zur Anwendung kommen sollen. Seitens der Kassenärztlichen Vereinigung wurde kurz vor Ablauf deS Interimistikums die Forderung aufgestellt, die Abschlagszahlung von 80 000 M. auf 120 000 M., also um 50 Proz. zu erhöhen. Dieser Forderung konnte bei der jetzigen Mitgliederzahl unmöglich ent- sprochen werden. Die Kaffe war dagegen bereit, da? Interimistikum unter den bisherigen Bedingungen bis zum 30. September 1914 zu verlängern. Nach Mitteilung der Kaffenärzilichen Vereinigung wurde die Pauschale nur gefordert, um einen Druck zum schnelleren Abschluß des Vertrages auszuüben. Nun steht eS aber gar nicht im Machtbcreich der Kasse, den endgültigen Vertragsabschluß herbei- zuführen. Hierfür sind maßgebend die Bestimmungen deS Berliner Abkommens vom 23. Dezember 1913. Nach diesem ist der Abschluß des Vertrages an einen Ausschuß, der von den im Register eingetra- genen Aerzten und Kassenvertretern gebildet wird, überwiesen. Die Vorarbeiten zur Konstituierung dieses Ausschusses liegen dem Ver- sicherungsamte ob und siifd nahezu beendet. Die Kasse hat sich stets streng an die Bestimmung des Berliner Abkommens gehalten. ES kann nur lebhaft bedauert werden, daß die Aerzteschafl dies nicht anzuerkennen scheint und den im Januar hergestellten Frieden ohne jeden ersichtlichen Grund brechen will. Von der Ein- ficht der überwiegenden Anzahl der Aerzte des Kreises ist Ivohl zu erwarten, daß sie den irreführenden Bestrebungen einzelner Mit- glieder nicht folgen wird." Bedauerlich ist, daß die Kranken die Leidtragenden sind, denn die Aerzte lehnen es ab, kranke Kassenmitglieder in Behandlung zu nehmen. Charlottenburg. Das städtisäio Fürsorgcamt für Lungenkranke macht auf seine Bestrebungen aufmerksam und erbietet sich, der hiesigen Einwohner- schaft in allen Tuberkulosefragen behilflich zu sein, um diese große Seuche einzudämmen. Tie Untersuchung derjenigen, welche glauben, mit dieser Krankheit behaftet zu sein, geschieht uncntgclt- lieh, eine Behandlung der Kranken wird aber nicht über- nommen. Die Sprechstunden finden im Cecilienhaus, Berliner Straße 137, täglich von lOVi bis 1 Uhr statt, und zwar für Männer Montags und Donnerstags, für Frauen Dienstags und Freitags und für Kinder Mittwochs und Sonnabends. Zur Beschleunigung von Desinfektionen durch die Charlotten- burger städrischc TesinsektionSanualt(Amt Wilh.üin 427) empfiehlt es sich stets, die Anstalt um Vornvh'ne der Desinfektionen unmittelbar zu ersuchen, ohne die polizeiliche?lnzeige bei 'dieser abzuwarten. Es wird' dadurch viel an Zeit gespart, was im Jntercssc der Zlngehörigen der Kranken bezw. des Toten liegt. Die polizeiliche Mitteilung dient der Anstalt nur zur Fest- setzung oder Nichtfestsetzung von Gebühren je nach der?lrt der ge- meldeten Erkrankung. Neukölln. Aus der Magistratssitzung. Dem Beschlüsse der Stadtverord- netenversammlung vom 25. Juni 1914 über die Beteiligung an der A.-G. Norddeutsche Kabelwerke tritt der Magistrat genehmigend bei. — Dem Vertragsentwurfe mit der Firma C. u. G. Müller wegen Erwerb des Fabrikgrundstückes an der Köllnischen Allee wird zu- stimmt.— Die Erhöhung der Kur- und Vcrpflegungskosten für das städtische Kraukenhaus gemäß den Beschlüssen � der städtischen Körperschaften soll vom 1. Juli ds. Js. ab mit der Maßgabe in Kraft gesetzt werden, daß für die vor diesem Zeitpunkte in das Krankenhaus aufgenommenen Patienten der frühere Kurkostcn- satz von 3 M. auf die Dauer der von den Krankenkassen usw. über- nommenen Verpflichtungszeit gilt. Verbleiben die Patienten über diese Verpflichtungszeit hinaus im Krankenhause, so soll für die späteren Fristen der Verpflegungssatz von 3,50 M. zur Anwendung kommen.— Die Abhaltung eines Kursus im städtischen Kranken- Hause über erste Hilfeleistung bei Unglücksfällen für Turnlehrer und-lehrerinnen an den höheren Schulen und Mittelschulen wird bewilligt.— Der Magistrat erklärt sich damit einverstanden, daß die städtische Gartenverwaltung im September diesc? Jahres in die von dem Gärtnereibcsitzer Mendt erworbene Gärtnerei an der Köllnischen Allee übersiedelt.— Die für den Stadtverordneten Schuch im 5. Bezirk der HI. Wählerabteilung vorzunehmende Stadt- verordnetenwahl wird auf Sonntag, den 2. August d. I., von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends, festgesetzt und soll in der Turnhalle der 1. Mädchen-Mittelschule, Donaustr. 120/7, abgehalten werden.— Bei Aufstellung der diesjährigen Stadtverordneten-Wählerliste sollen gemäß der Entscheidung des Königlich Preußischen Oberverwaltungs- gerichtS vom 27. Oktober 1913 in Sachen des Buchdruckers Max Roß wider die Stadtverordnetenversammlung Neukölln die Steuern der- jenigen Minderjährigen berücksichtigt werden, die sich im Haushalte des Vaters befinden. Rcinickendorf-Ost. Bei der am Sonntag stattgefundeneu G e m ein d e vertrete r- Wahl wurde der Genosse Lorenz mit 412 Stimmen gewählt. Schöneberg. Städtischer Sccfischvrrkanf. Der Magistrat ersucht uns mit« zuteilen, daß entgegen vielfacher Auffassung der städtische Seefisch- verkauf nicht eingestellt ist, sondern täglich von 8—1 und von 4—8 Uhr in der Seefischbnlle, Feurigstraße 4, und am Wannseebahnhof Friedenau, Bahuhofstraße 2, stattfindet. Jeden Tag erfolgen frische Zufuhren von Seefischen. Tempelhos. FcrienauSflug. Die Treffpunkte für den am Donnerstag, den 9. Juli nach Treptow stattfindenden Ausflug befinden sich: Kreuzung der Dorf- nkit Berliuersrraße und Friedrich-Wilhelm- mit Berliner Straße. Slbmarsch pünktlich 2 Uhr nachmittags. Fahrgeld 20 Pf. Kinder unter zehn Jahren 10 Pf. Am Dienstag, den 7. Juli, abends 8 Uhr, findet bei Becker, Berliner Str. 80/81, eine Zusammenkunft der Kinderspielleiterinnen statt. Lille Frauen, die noch mithelfen wollen, sind eingeladen. Wannsee. Die Gemcindcvertretersitzung beschloß den Bau einer neuen Straße(Verlängerte Große Seestraße), die noch in diesem Jahr verlängert werden soll. Dann wurden 1000 M. bewilligt für Anlegung eines SchmuckplatzeS in der BiSmarcksiraße, gegenüber Kleists Grab. Die Vergebung der Arbeiten soll öffentlich ausgeschrieben werden. Ein Antrag des Vereins.Waisenhori", eine Ortsgruppe in Wannsee zu errichten, wurde abgelehnt. Mitgeteilt wurde noch, daß auch der Landrat der Gartenstadtgesellschasr die Genehmigung versagt hat, in Steinstückcn zirka 70 Einfamilienhäuser zu errichten, und zwar au? denselben Gründen, die schon früher der Gemeinde gebenüber geltend gemacht wuroen. Jugendveranstaltunge«. Charlottenburg. Donnerstag, den 9. Juli: Bortrag im Jugend- heim. Sonntag, den 12. Juli: Spi-Iparsie nach Pichelsberg-. Abmarsch früh 8 Uhr Born Solchie�Charlatte-Platz. Pankow-Siiederschonhausen. Da das Jugendheim wegen Reno- vierung und Umbauten bis zum 15. August geschloiscn bleibt, so finden als Ersatz dasür für die Jugendlichen Spiele im Freien statt, und zwar Ai i t t- w o ch S und Freitags in der Klssingenft ratze neben dem Amtsgericht, und Montags und Donnerstags in der Schön- h o l z e r H c i�d e. Trcsspuntl sür letzteren Platz abends 7 Uhr Spandaucr Stratze, Ecke schiilzeslragc. Beginn der Spiele 7 Uhr. Die Arbcitercltcn, werden ersucht, ihre der Schule entwachsenen Kinder diesen Sptclabcndcn zuzuführen._ Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Borsigwaldc-Wittenau. Heute nachmittag 5 Uhr. Diese Sitzuiigc» sind»ffcntlich. Jeder Gcmcindeangchörigc ist be- rcchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. Zvitterungsübernciit vom K. Juli 1914. Stationen a i5 Ö« II gf Wetter a® S? Swinemde.'75g S Hamburg 757 WSW Berlin 7 53? ZW Franks. ll.M75gZW München 1760 SO Wien 760 W stbedeckt 1 20 4bcdeckt! 16 2wolkig 19 ihalb bd. 17 2woltenl 17 2wotkeiil 19 Statt onrn II af Savaranda 7691 ütiQ eterSburg?768 0 Scilltz 1757 ÄNW Abcrdeen 7522183 Paris!759iWSW Wetter ---» f k? wS> wolkenl 1 Dunst 4 wolkig 3 bedeckt 2 bedeckt 24 19 12 12 14 Wetterprognose für Dienstag, den 7. Juli 19 14. Ziemlich warin und schwül, viclsach heiter, aber noch veränderlich bei überwiegend westtchen Winden und etwas Ztelgung zu Gewittern. Berliner Wctterbureau. WetterauSsichtcu für das mittlere Norddeutschland bis Mittwochmittag: Ueberau etwas wärmer. Im Küstengebiet und im östlichen Binnenlande meist heiter und nur stiichweisc Gewilter. Im Süd- Westen vielfach wolkig und verschiedene Gewitter. Unserem Genossen / Kgsl Betirend und Frau zur Silberhochzeit i die herzlichsten Glückwünsche. ) Die Genossen 2631b G ,1 der Bezirke 716 und 719. M MsMeillMkli Wanderkarlen hält stet» vorrätig Buchhandlung Borwärts Lindenftr. 69(Laden) H.& P. Uder, Haupt-Niederlage der k. k. österr. Tabak-Regie. Zigarren— Zigaretten— Rauchtabake. Nur für Wiederverkäufer zu Originalpreiaea, Alleinverkauf der Fabrikate der Firma F.«1. Burrus St. Kreuz Größte deutsche Kauchtabakfabrikation. Jahresproduktion Uber 5 OOO OWO Pfd. Rauchtabake. Zigaretten-Spezialität: I/Aljfeplenne. CUC-L»i/AkU QC QU WUII Cllium«I"«,!. t a 4 3. t. xr a. gvs 1, v*;»i v- vv y-'-'C»-------- U u.*•. u» v." Verantwortlicher Redakteur� Albert Wnchs/löerlin. güt den Lnittatenteisverantw,: Th. Glocke, Berlin, Druck u.Veriag:BorwärtSBuchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Co