Nr. 184. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pranumerando: Bierteljährl 8,30 Mt., monatl. 1,10 ML, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. " 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 60 Pfg., jür politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. , Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Bort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morigplak, Nr. 1983. Militarismus und Demokratie. III. Donnerstag, den 9. Juli 1914. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morigplak, Nr. 1984. verschärfen sich in der Gesellschaft wie in der Armee. Als den Wucherprofiten der Standard- Dil- Compagnie ein erhebliches unterdrückte Klasse erscheint das Proletariertum machtlos, in Interesse hat. Nebenbei verweist man auf das unter den Tisch der Armee wie in der Gesellschaft. Seine Macht aber wird gefallene Renn wettgeset, das auf Kosten der Spielleidenschaft offenbar im Zusammenstoß mit den herrschenden Klassen, in den Staatssäckel füllen soll. einer revolutionären Periode. Neue Steuern. Sie haben Diese Pläne sind seit längerer Zeit bekannt. Eine andere Absicht, die im Reichsschazamt erwogen wird, und für die die Agrarier seit langem auf allen möglichen Schleichwegen eine höchst So wären wir wirklich ein Jahrhundert im Kreise energische Propaganda machen, ist gerade jetzt mit einem schamhaften marschiert? Von Jena angefangen, als die blutige SöldnerSchleier bedeckt geblieben. Es wird Zeit, diesen Schleier zu lüften. disziplin zerbrach, als Gneisenau über die Freiheit der Rücken Die Kölnische Volkszeitung", die, wie das ganze Der beutegierige Plan der Agrarier, den er verdecken will, besteht schrieb gegen das Prügeln, als Boyen die Grundlage eines Zentrum, über Vorgänge in der Reichsregierung immer gut unter- in dem Spiritus monopol. Die Spiritus zentrale mit all Volksheeres schuf, basiert auf der freien Staatsgesinnung der richtet zu sein pflegt, knüpft an die Ernennung der Staatssekretäre ihren Hintermännern in den gesetzgebenden Körperschaften, in der Bürger, über Königgräß nach Sedan, wo das Schinden wieder ihn und v. Jagow zu preußischen Staatsministern die Mit- Verwaltung im Reich und in Preußen hat diesen sauberen Plan seit systematisch betrieben wurde, wo an die Stelle der staats- teilung, daß der Reichskanzler Herrn Kühn nur deswegen noch Jahren vorbereitet und will ihn nur so lange noch versteckt ges bürgerlichen Gesinnung bei den Mannschaften der Kadavergehorsam und bei den Offizieren eine Söldnergesinnung trat, behält und sogar zu neuen Ehren befördert, weil er ihn für die halten wissen, bis sie alle Außenseiter in der Spiritusdie für die Grundlagen unseres gesamten Staatslebens eine neue Finanzvorlage gebraucht, die für den Herbst oder produktion in ihre Abhängigkeit gebracht hat. Diese Absicht ist stete und außerordentliche Gefahr bildet- war das in der Winter ganz sicher bevorsteht. Diese Nachricht entbehrt nicht ihr mit dem brutalsten Terrorismus, den man sich denken kann, je Tat nur ein sinnloser Kreislauf ohne Zweck und Ziel? Wer der inneren Wahrscheinlichkeit, im Gegenteil ist sie, was länger je mehr, gelungen. Nachdem sie sich Südwestdeutschland so denken würde, der hätte den Inhalt der militärischen Ent- ihren fachlichen Kern betrifft, weder noch gar, wie unterjocht hat, ist ihr in den letzten Tagen, wie wir gestern mitwickelung der letzten hundert Jahre schlecht begriffen. Was sie von einem Teil der bürgerlichen Bresse aufgenommen wird, teilten, auch in Ostdeutschland wieder ein großer Fischzug gelungen, äußerlich als ein Zurüdtaumeln in die Barbarei der Ver- überraschend. Wir wissen bereits, daß eine neue Marine- und die paar Produzenten, die sich gegen sie noch wehren, kommen gangenheit erscheint, das ist in Wahrheit nur ein vorlage lommt, die eine Mannschaftsvermehrung und eine Ver- faum mehr in Frage. Zugleich aber arbeiten die gerissenen Spiegelbild der aufs äußerste gespannten Klaffengegen- stärkung der Auslandsschiffe fordert. Wir wissen, daß der Wehr Manager der Zentrale nach einer anderen Seite für ihren weitfäße der Gegenwart. Als Wilhelm I. seine reaktionäre beitrag ein Defizit von zweihundert Millionen Mart gebracht fichtigen Plan eines Staatsmonopols gebührend vor. Armeereform begann, Icistete ihm das Bürgertum jahrelang Widerstand. Wo ist dieser Widerstand hin? Db- bat, die in den Ausgaben des Etats bereits vergeben sind und das in der letzten Zeit die Vergütungen an die Brenner bes wohl mit jedem Jahre mehr die gemeingefährlichen Kon- her irgendwie aufgebracht werden müssen. Wir wissen, daß die deutend erhöht und kommen auch sonst ihren Mitgliedern sequenzen der wilhelminischen Armeereform in die Erscheinung Besoldungsvorlage im Reiche und die Aufbesserung entgegen. Dahinter steckt weiter nichts als die Absicht, bei treten, so daß jetzt, wie Schücking sagt, die Verfassung zur be- der Altpensionäre wiederkommen werden, und daß das Geld einer späteren Verstaatlichung eine möglichst hohe Abliebigen einseitigen Kündigung steht, denkt das Bürgertum für diese Ausgaben gleichfalls noch nicht vorhanden ist. Außer findungssumme auf Kosten der deutschen Steuer. nicht im entferntesten daran, gegen diese Konsequenzen anzubiesen positiven Forderungen gibt es eine ganze Reihe stiller zahler herauszuschlagen. Das ist ein so sauberer Plan, daß er fämpfen. Alle Militärvorlagen werden glatt bewilligt und wünsche in der Reichsregierung, für die das Geld bei der gegen des Schweißes der Edlen schon wert ist! Wenn das deutsche Volk damit die Gefahren, die unserem Staatswesen drohen, nur noch erhöht. Heute ist selbst der Kampf gegen die Soldaten- wärtigen Finanzwirtschaft aus den ordentlichen Einnahmen auch fich aber nicht beizeiten aufrafft, besteht die große Gefahr, daß er schinder, den doch eigentlich jeder kultivierte Mensch führen nicht gefunden werden kann. Aus alledem ergibt sich also, daß das wirklichkeit wird. Die Regierung wird schließlich für jeden Plan zu müßte, von den herrschenden Klassen aufgegeben und der deutsche Bolt sich durchaus darauf gefaßt machen muß, im kommenden haben sein, wenn sie nur ihr Geld bekommt. Im Reichstage aber Sozialdemokratie überlassen worden. Der Kampf gegen die Herbst oder Winter durch neue Steuern wieder ge- läßt sich für diesen Wucherplan der Agrarier auch sehr wohl eine Militärmißhandlungen ist ein Stück unseres allgemeinen schröpft zu werden. Majorität vorstellen. Außer den Konservativen wird der starke Klassentampfes geworden. Die Rätsel beginnen nur erst bei der Frage, welche agrarische Teil des Zentrums und der Nationalliberalen dafür einKlassentamps! Und hier zeigt sich der dialektische, der Steuern bevorstehen. Die Krenzzeitung" hat vor Monaten treten; die Polen werden gleichfalls mitmachen. widerspruchsvolle Charakter der militärischen Entwickelung der schon nach einer Erhöhung der Zigarettensteuer gelegten 50 Jahre. Die reaktionäre Armeereform Wilhelms schrien und Wie sich aber auch die Dinge im einzelnen geftalten mögen mußte an das revolutionäre Element anknüpfen, das in den für ein 8igarettenmonopol Stimmung fobiel steht fest, daß der deutsche Michel zum Herbst oder Winter Freiheitskriegen dem preußischen König im zähen Kampfe von 3 machen versucht. Sie hat diesen Vorschlag zugleich be- erneut in die Tasche greifen muß. Es gibt, vom Standpunkte mit einem Schutz der Scharnhorst und Boyen abgerungen und in der Zwischenzeit gründet deutschen Tabakbauern, der bürgerlichen Parteien, auch fein Mittel dagegen. So lange der fast verloren gegangen war: die allgemeine Wehrpflicht. Die die durch die enormen Steigerungen der letzten Tabat- Wahnsinn des Militarismus und Marinismus Militärpolitik Bismarcks und der Charakter der deutschen Frage steuern in die ärgste Bedrängnis gekommen waren. Sie bestehen bleibt, sind nicht nur diese Rüstungen zu Lande und zu drängten die den reaktionären Machthabern tief verhaßte hat natürlich dabei vergessen, ihren Lesern mitzuteilen, daß es Wasser eine Schraube ohne Ende, sondern auch die Steuern, die für allgemeine Wehrpflicht von selber in den Vordergrund. Und gerade die Konservativen waren, die dieser Tabaksteuer gegen diesen Wahnsinn die Kosten decken müssen. Wer also das deutsche die nach Sedan einsetzende dauernde Kriegsgefahr und vollends die Stimmen der Sozialdemokratie zur Annahme verholfen haben. Bolt vor einer neuen und weiteren Auspowerung bewahren will, erst die imperialistische Politik unserer Tage machte die strikte Ein anderer Teil der bürgerlichen Bresse bemüht sich erneut, das muß zuerst und vor allem gegen den Rüstungswahnsinn Front Durchführung dieses revolutionären Prinzips zur unentbehr- petroleum monopol in empfehlende Erinnerung zu bringen.| machen. Hier hilft kein Mundspigen, lichen Grundlage der Armeeverfassung. Je schärfer sich die hier muß Gegensäge in der kapitalistischen Gesellschaft durchsetzten, je Dafür aber ist, wie man weiß, das Zentrum nicht zu haben, das an gepfiffen werden. Fabrikeinsturz in Lichtenberg.mu Bis jetzt: 4 Tote, 8 Verletzte. fühner die Sozialdemokratie ihr Haupt erhob und je stärker das Klassenbewußtsein im Proletariat Wurzel faßte, desto mehr drangen die gefährlichen Klassen" ins Heer und desto deutlicher wurde die Armee ein Spiegelbild des auf Unterdrückung der Massen beruhenden Klassenstaates. Jetzt begreift man, warum Wilhelm I. das Bimsen und den Drill und die auf drei Jahre verlängerte Dienstzeit haben wollte: er brauchte sie als Gegengift gegen die allgemeine Wehrpflicht. Ein schweres Unglück hat sich gestern vormittag in Lichten-[ ein Einsturz. Der Fußboden brach in einem Umfange von zehn Wie man die österreichische Staatsverwaltung mit einem berg zugetragen. In der Neuen Bahnhofstraße 11-14 Metern ein und stürzte mit den daraufstehenden Eisenkörpern in die Scherzwort bezeichnet als den Absolutismus gemildert durch befinden sich die Fabrikanlagen der Knorr- Bremse- Aktiengesell- Tiefe, durchschlug die Decken des vierten, dritten, zweiten und ersten die Schlamperei, so könnte man die Wilhelminische Armee- schaft vorm. Carpenter und Schulze. Kurz vor 10 Uhr stürzte Stockwerks und zerstörte auch noch das Kellergewölbe. Jm vierten reform bezeichnen als die allgemeine Wehrpflicht gemildert im Lagerraum des fünften Stockes eines Seitenflügels der Stockwert, unter der Einsturzstelle, befindet sich ein Bureauraum, im durch die Schinderei. Und jetzt begreift man auch, weshalb Fußboden ein und riß die Decken der anderen Stockwerke dritten die Kantine, im zweiten und ersten Stockwerk find Revisionsman seit jenen Tagen systematisch dem Offizierkorps jene samt den Maschinen und den daran beschäftigten Arbeitern bis räume und im Erdgeschoß ist eine Schleiferei. Wie viele Personen staatsgefährliche Söldner- und Prätorianergesinnung ein- zum Kellergeschoß in die Tiefe, alles unter sich begrabend. nun mit in die Tiefe gerissen worden sind, läßt sich noch nicht bequimpfen bemüht ist, wie wir im Januschauerlichen Wort vom Dabei fanden eine Reihe von Angestellten und Arbeitern den stimmt sagen. Es sind nicht alle mit abgestürzt, da nicht die ganzen Leutnant und seinen zehn Mann, der auf Befehl des Tod, eine Anzahl wurden schwer verletzt. Wieviel Tote und Deden eingeschlagen wurden, sondern alle nur an einer Stelle. Nach Kaisers den Reichstag auseinandersprengt, oder in dem Verlegte in Frage kommen, ist bei der Schwierigkeit der Auf- der Katastrophe, die weithin hörbar war, wurde der ganze Betrieb Delbrückschen Zitat von dem" Fundament unferes räumungsarbeiten und der großen Aufregung noch nicht ein- sofort eingestellt. Staatswesens" bestätigt finden. Gegen das demo- wandfrei festgestellt. fratische Element der allgemeinen Wehrpflicht der Massen organisierte man das aristokratische Element des Prätorianertums des Offizierkorps und getröstete sich dann des Wortes bom alten Rüchel: Der Geist der preußischen Armee sitzt in Die Luftdrudbremsenfabrik besteht schon seit über zehn Jahren Als man die Größe des Unglücks übersah, wurde sofort die denen Offiziers! und hat auch ihre Fabrikanlagen seitdem in der Neuen Bahnhof- Lichtenberger Feuerwehr benachrichtigt, die in fürzester Zeit in voller Dieser Gegensatz nun zwischen Unterdrückten und Unter- straße, in nächster Nähe des Bahnhofes Stralau- Rummelsburg. Die Stärke zur Stelle war und gemeinsam mit den Arbeitern das drückern in der Armee ist genau der gleiche wie der zwischen Fabrik liefert Luftdruckbremsen für die Eisenbahn. Im vergangenen Rettungswerk begann. Bald darauf war auch ein Zug der Berliner Bourgeoisie und Proletariat in der bürgerlichen Gesellschaft. Jahre stellte sich die Notwendigkeit heraus, die Fabrikgebäude zu Feuerwehr zur Stelle, und in furzen Abständen trafen zahlreiche Und ebensowenig wie die Bourgeoisie des Proletariats ent- bergrößern, da die bisher innegehabten Räumlichkeiten nicht aus- Krantenwagen des Verbandes für erste Hilfe sowie mehrere Aerzte raten kann, ebensowenig kann es die Heeresleitung. Beide reichten. Es wurde dem alten Fabrikgebäude ein Neuban an ein. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich außerordentlich schwierig, erkennen in ihm ihren Todfeind, und beide sind gezwungen, gegliedert, der ungefähr zwei Grundstücke umfaßt. Im März d. J. weil sich die Trümmer auf engem Raume hoch türmten und fortdiesen ihren Todfeind stets stärker werden zu lassen: die war er so weit, daß er bezogen werden konnte. Nach und nach gesezt die Gefahr weiterer Einstürze drohte. Nach außerordentlich Bourgeoisie durch Ausdehnung des Kapitalismus, die Heeres- wurden dann auch bis Pfingsten die einzelnen Abteilungen nach dem angestrengter Arbeiten konnten bis 142 Uhr nachmittags zwei Tote leitung durch Ausdehnung der allgemeinen Wehrpflicht. Wie Neubau verlegt. Nun trat aber ein Stillstand in Aufträgen ein und und fünf Schwerverletzte unter den Trümmern hervorgezogen werden. gerne würden sie, abrüsten", wenn sie könnten: die Bourgeoisie die Gesellschaft fab sich genötigt, Lagerarbeiten anfertigen zu lassen. Außerdem wurden zahlreiche leichter Verwundete befreit. durch Schaffung einer kleinen, gut bezahlten und zufriedenen Bu deren Unterstellung war ein großer Raum im fünften Stodwerk Proletarierarmee, die Heeresleitung durch Errichtung einer borgesehen. Beim Aufstellen der Bremstörper, Bylinder usw. war fleinen, lang dienenden, aber absolut zuverlässigen Prätorianer- schon vor einiger Zeit die Befürchtung gehegt worden, daß der verbreitete sich in der Nähe der Unglücksstätte außerordentlich schnell armee. Aber die wirtschaftliche Entwicklung peitscht sie vor- Fußboden die schwere Last nicht tragen fönne. Er wurde daraufhin und bald war die Neue Bahnhofstraße von Menschen belagert. Da wärts, und so sind beide gezwungen, wider ihren Willen die auf seine Tragfähigkeit geprüft und diesbezüglich verfahren. der Betrieb der Fabrik sofort nach dem Unglück eingestellt wurde, Position ihrer Todfeinde zu stärken. Die Klassengegensägel Gestern plöglich, wenige Minuten vor 10 Uhr, erfolgte nun doch wurden überall die Ursachen und die Folgen des Unglücks, die Einzelheiten des Unglücks. An Einzelheiten wird berichtet: Im ganzen find bei der Knorr- Bremse- Aft.- Ges. etwa 1000 Personen beschäftigt, die sich aber immer schichtweise ablösen. Die Rettungsarbeiten. Die Kunde von dem Unglück man bis in die NachnnttagSstunden hinein nicht übersehen konnte, lebhaft diskutiert. Hochgradige Erregung bemächtigte sich der An- gehörigen von Arbeitern, die den Ernährer unter den Trümmer- Haufen vermuteten, an denen die Feuerwehr arbeitete, und furchtbar war der Eindruck beim Bergen eines Toten oder eines Schwer- verletzten. Des Morgens noch gesund, nach einigen Stunden eine Leiche, ist das Risiko der Arbeiter. Die Opfer üer Katastrophe. Die Zahl der bei dem Unglück Getöteten und Verletzten ist ujcht sicher festgestellt, zumal die Aufräumungsarbeiten noch fort- gesetzt werden. Die Angaben eines Extrablatte« des.Berliner Tageblatts" von 100 Begrabenen stimmt nicht. In dem in Frage kommenden Verbindungsbau waren etwa 100 Arbeiter und An« gestellte beschäftigt, von denen sich die Mehrzahl retten konnte. Räch den bisherigen Feststellungen sind 4 Personen tot, 8 verletzt. Es sind dieS: Lagerhalter Robert Zingrl, Arbeiter Emil Jahn, W. Eichholz und Franz Naack, Schwer verletzt wurden vier Personen: die Kantinenwirtin Luise Mcnz, der Revisor Emil Krüger, der Techniker Julius Schulz und der Arbeiter Fr. Kohl. Leicht verletzt sind ebenfalls vier Personen: der Prokurist Dipl.-Jng. Sauveur mit den Arbeitern K. Gütte, F. Lehmke und A. Meschelsohn. Von den Schwerverletzten, die im Kaiserin-Auguste-Viktoria-Krankenhaus liegen, ist das Be- finden des Technikers Julius Schulz aus Friedrichsfclde, Berliner Strohe 18, nicht unbedenklich. Das Befinden der übrigen drei war zufriedenstellend. Sie hatten schmerzhafte Knochenbrüche, Kopfwunden und Verstauchungen erlitten. Man hofft indes, alle Verletzten zu retten. Die Lichterbcrger Feuerwehr war noch bis in die späte Nacht an der Unfallstelle mit den Rettungsarbeiten beschäftigt und wird diese auch heute noch fortsetzen. Man glaubt aber, nun alle Per- sonen und Leichen aus den Trümmern geborgen zu haben. Eine Betriebsversammlung der Arbeiter findet heute mittag 12 Uhr im Cafa Bellevue, Rummelsburg, Hauptstr. L, statt, um genau festzustellen, welche Arbeiter noch fehlen. Die Ursache des Unglücks. Es scheint festzustehen, dah da« Unglück dadurch verschuldet worden ist, dah im fünften Stockwerk im Lagerraum schwere Eisenteile lfertige Pumpen) auf eine bestimmte Stelle gebracht worden sind. Die Belastung des Fußbodens war aber zu groß und infolge besten stürzte derselbe ein, die übrigen Decken durchschlagend. Befremdend ist. daß auch die übrigen Decken sofort durchschlagen worden sind. Dieser Umstmid soll sich daraus erklären, daß die Decken nach einer besonderen Konstruktion hergestellt worden sind. Dies« bestand aus eisernen Bändern zwischen Ziegelsteinen, die durch Zement verbunden waren. Die eisernen Träger lagen aber nicht auf dem Mauerwerk auf. Dadurch soll e» sich erklären, dah die Decken in sämtlichen iünf Geschossen in einer Ausdehnung von 60 Quadratmeter einstürzten, als die oberste Decke unter der grohen Last nachgab. Nach Angaben, die uns gemacht wurden, scheint der gesamte Bau zu erheblichen Beanstandungen Anlaß zu geben. UnS wird versichert, dah die Treppen in dem Neubau nur eine Breite von Vh Metern aufweisen und dah die Arbeiter infolgedesten schon vor bangerer Zeit die Einführung einer ftaffelförmigen Arbeitszeit der- anlaßt hätten, um aus den Wasch- und Garderobenräumen die Treppen ordnungsgemäß passieren zu können. Das muhte doch ein Baumeister wissen. Ferner wird positiv behauptet, dah der Neubau, in dem das Unglück passiert ist, im März wohl in Benutzung ge° nommen worden sei, dah aber die polizeiliche Abnahme des Baues erst vor ewigen Wochen erfolgt sei. In Arbeiterkreisen schiebt man die Schuld an dem Unglück außer der Bauleitung der Lichtenberger Baupolizei zu, die dem Bau nicht die Aufmerksamkeit zugewendet habe, die man im Jntereste des Lebens und der Gesundheit der Arbeiter verlangen mühte. Seit geraumer Zeit zeigen sich auch an den Decken des alten Gebäude« breite Risse, die auf Senkungen unzulänglicher FundamentierungS- arbeiten zurückgeführt werden, so daß dort Absteifungen haben vor- genommen werden müssen. Ob es unter solchen Umständen richtig ist, dah die Lichtenberger Baupolizei selber die Untersuchung führt, ivird vielfach angezweifelt. Juristische Seleuchtung des Luxemburg-Prozestes. Der eigentümliche Gang des Prozesses gegen die Genossin Rosa Luxemburg und die Begründung, mit der das Gericht dem Vertagungsantrage stattgegeben hat, werden in einem Artikel der„Frankfurter Zeitung" einer kritischen Würdi- gung unterzogen. Der Artikel kommt zu demselben Ergebnis, zu dem fede objektive Beurteilung an der Hand des Gesetzes gelangen muß, nämlich zu dem, dah die Vertagung des Prozesses iit dem Gesetz keine Stütze findet. Die Staatsanwaltschaft hat bislang auch nicht einen einzigen Zeugen für i h r � Behauptung namhaft gemacht, die unter Anklage gestellten Behauptungen der Angeklagten seien nicht erweislich wahre. Die Anklage wurde trotzdem nicht ohne weiteres abgelehnt. Die Angeklagte trat ihrerseits, ohne vom Gesetz hierzu verpflichtet zu sein, den Beweis der Wahr- h e i t an, also den bündigsten Beweis, daß die Behauptung der Anklage, es lägen nicht erweislich wahre Tatsachen vor, hinfällig ist. Sie tat dies auf zwei Wegen. Vor der Haupt- Verhandlung beantragte sie angeblich die Herbeischasfung der von ihr angegebenen Beweismittel. Der Antrag wurde ab- gelehnt. Nunmehr konnte sie diese Anträge wiederholen oder konnte, um zu einer schleunigen Verhandlung zu gelangen, Zeugen unmittelbar in der vom Gesetz vorgesehenen Form laden. Das tat sie. Die„Frankfurter Zeitung" sagt hierüber zutreffend: „Der Angabe eines Beweisthemas, also der- stnigen Tatsachen, über welche die Zeugen vernommen werden «ollen, Bedurfte e s überhaupt nicht. Keine gesetzliche Bestimmung gibt es, welche die Verteidigung zwingt, dem Gericht oder dem Staatsanwalt diejenigen Tatsachen anzugeben, zu deren Beweis die betreffenden Zeugen benannt find." Die Verteidiger gingen aber über ihre m der Straf- vrozeßordnung ihnen auferlegte Pflicht hinaus und kamen dem Gericht entgegen. In der„Frankfurter Zeitung" wird nun ausgeführt: „Die Verteidigung ist nach§ 22t lediglich verpflichtet, die Namen der von ihr unmittelbar geladenen Zeugen unter Angabe ihres Wohnorts rechtzeitig der Staatsanwaltschaft namhaft zu n igchen.... Dann muhten sämtliche von der Verteidigung zur Stelle gebrachten Zeugen vernommen werden.... Nach Z 245 Absatz 2 kann die Staaksanwaltschast nur dann die Aussetzung der Hauptverhandlung verlangen, wenn entweder ein zu vernehmender Zeuge ihr so spät nam- Haft gemacht worden ist, daß es ihr an der zur Einziehung von Erkundigungen erforderlichen Zeit gefehlt hat, oder eine zu be- weisende Tatsache zu spät vorgebracht worden ist. Die letztere Möglichkeit kommt nicht in Betracht, da es sich im vorliegenden Falle nur um die Tatsache der Mißhandlungen handelt, diese Tatsache aber bereits bei der Erhebung der Anklage der Staatsanwaltschaft bekannt war. Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Aussetzung konnte daher hier nur damit begründet werden, daß ihr die Namen der Zeugen zu spät mitgeteilt worden seien. Dann aber kann die Aussetzung der Hauptvcrhandlung nach der ausdrücklichen Vorschrift des Ge- setzes nur„zum Zwecke der Erkundigungen" beantragt werden. Aus dieser Feststellung der im§ 245 gegebenen Grundsätze folgt die Unvereinbarkeit der vom Gericht im Aussetzungs- heschluh gegebenen Begründung mit den Bestimmungen des Ge- setzes.... Die Staatsanwaltschaft hatte kein Recht, die Aussetzung aus dem Grunde zu beantragen, weil sie über die einzelnen unter Be- weis gestellten Tatsachen Erkundigungen einziehen wollte. Wenn die Verteidigung das Entgegenkommen be- wiesen hat, diese Tatsachen anzugeben, so folgt hieraus noch kein Recht der Staatsanwaltsck�ft zur Vertagung. Lediglich über die Persönlichkeit der vorgeschlagenen Zeugen und unabhängig von der Frage, was sie aussagen sollen oder können, hat die Staatsanwalt- schaft das Recht, Erkundigungen einzuziehen, und nur zum Zweck dieser persönlichen Erkundigungen kann sie Aussetzung beantragen. Ob aus diesem Grunde der Antrag der Staatsanwaltschaft be- rechtigt war, scheint das Gericht überhaupt nicht geprüft zu haben. Nur diese Prüfung aber hätte es vornehmen dürfen." Die„Frankfurter Zeitung" führt dann aus: „Gab aber das Gericht dem Vertagungsantrage statt, so hätte es wenigstens eine Frist bestimmen müssen, bis zu welcher die Erkundigungen der Staatsanwaltschaft als beendet anzusehen wären und die Verhandlung wieder aufgenommen werden könnte. Wenn es das unterlassen und vielmehr„der Verteidigung aufgegeben" hat, das Material so bald als möglich der Staatsanwalt- schaft und dem Gericht zugänglich zu machen, so liegt darin eine Verkcnnung der Aufgaben des Strafprozesses und der Rechte des Angeklagten. Unser Straf- verfahren beruht glücklicherweise auf unmittelbarer Verhandlung; dem Angeklagten kann mit präjudizieller Wirkung nichts„auf- gegeben" werden, und niemand kann ihn zwingen, sein Material früher bekannt zu geben, als er es im Interesse der Förderung der Haupwerhandlung und zu seinen Gunsten für richtig hält." Der Artikel untersucht endlich, ob etwa die 88 19 0 und 191 des Strafgesetzbuchs ein Recht auf Aussetzung begründet hätten. Er weist darauf hin, daß das Gericht seinen Aussetzungsbeschluß auf diese Paragraphen gar nicht gestützt habe. Die beiden Paragraphen träfen aber auchnachkeiner Richtung zu. Beleidigt sein soll ja das ganze deutsche Heer und„gegen dieses kann doch wohl kein Strafverfahren eröffnet werden". Außerdem fehle es an der zweifellos bestehenden Voraussetzung des 8 191, daß„zum Zwecke der Herbeiführung eines Sttafverfahrens" bei der Behörde Anzeige gemacht ist.„Wenn die Namen der zu vernehmenden Zeugen und die Tatsachen, über welche diese Zeugen vernommen werden sollen, dank dem Entgegen- kommen der Verteidigung bekannt geworden sind, so kann doch in dieser Angabe nieinals eine Anzeige gefunden werden, noch viel weniger eine Anzeige„zum Zwecke der Herbeifüh- rung eines Sttafverfahrens". Die Ausführungen der„Frankfurter Zeiwng" stehen in einem erfreulichen Gegensatz zu dem Eiertanz der„Deutschen Tageszeitung",„Kreuzzeitung" und ähnlicher konservativer Organe, denen eine Verurteilung der Angeklagten ohne jede Rücksichtnahme auf Gesetz. Wahrheit und Recht das liebste gewesen wäre._ politische Uebersicht. »Im Namen des Königs." Unter dieser Rubrik veröffentlicht unser Münchener Partei- blatt eine Anzahl Dokumente, die einem Mitglied der sozial- demokratischen bayerischen Landtagsfraktion von dem Münchener Rechtsanwalt Saenger zur weiteren Verwendung zugegangen sind. Die Schriftstücke sind geeignet, dem geringen Vertrauen zu unserer Rechtspflege einen weiteren Stoß zu versetzen. Das erste Schriftstück ist eine Beschwerde an den Präsidenten des Landgerichts Eichstädt als Berufungsinstanz w einer Be- leidigungsklage. Es heißt da: „Während der Herr Berichterstatter Bericht erstattete, sah ich, dah der Herr Landgerichtsdirektor Höcherl auf einen leeren Bogen Papier einige Sätze niederschrieb. Die Urteilsberatung dauerte nur einen Augenblick, und nach dem Heraustritt aus dem Beratungszimmer verlas der Herr Landgerichtsbirektor Höcherl von dem Bogen, auf dem er beim Beginne der Verhandlung die Sätze geschrieben, daß die Berufung der Angeklagten verworfen sei. Es kann demnach einem Zweifel wohl nicht unterliegen, dah die Verwerfung der Berufung der Angeklagten bereits beim Beginne der Verhandlung vor dem Verhör der Ange- klagten und vor den Ausführungen der be- teiligten Rechtsanwälte schriftlich niedergelegt wurde. Ich mußte in einem solchen Verfallen einen so schweren Ver- stoß gegen die Grundsätze der Strafprozeßordnung erblicken und eine Sanktion des von einem höheren Richterbeamten neulich aus- gesprochenen Satzes, dah man darauf, was die Rechtsanwälte zu �sagen hätten, nicht erst warten brauche, dah ich den Herrn Präsidenten des Landgerichts hiermit höfl. ersuche, zu der An- gelegenheit Stellung zu nehmen..." Der Präsident Gailhofer erwiderte:„Auf Ihre Eingabe vom 29. Januar d. I. teile ich Ihnen mit, daß ich keinen Anlah habe, zu der von Ihnen bezeichneten Angelegen- heit weiter Stellung zu nehmen. Die Herstellung eines Entwurfs des Urteilssatzes geht nur den an, der diesen Ent- Wurf fertigt und kann keinesfalls als unzulässig angesehen werden. Wenn aber aus der von einem Beteiligten vermuteten Tatsache, daß ein solcher Entwurf vor der Beratung gefertigt wurde, und aus der kurzen Dauer der Beratung der Schluß gezogen werden will, als ob das Gericht nicht die ganze mündliche Verhandlung bei der Beratung, Abstimmung und Urteilsfällung berücksichtigt hätte, so muh dieser Vorwurf entschieden zurückgewiesen werden." Rechtsanwalt Saenger wandte sich dann an den bayerischen Justizminister. In dem Schreiben wird ausgeführt: „Der Herr Landgerichtspräsident findet nichts dahinter, dah Urteile schon im Anfang einer Sitzung gefertigt werden. Ich glaube mich zu erinnern, dah von allen obersten Justizbehörden stets mit Entschiedenheit dagegen Stellung genommen wurde. wenn Behauptungen des Inhalts aufgestellt wurden: es komme bei einzelnen Gerichten vor, dah die Urteile schon vor der Ver- Handlung niedergeschrieben würden. Ich glaube, daß jede oberste Justizbehörde genau weih, warum sie gegen solche Behauptungen Stellung nimmt. Urteilsentwürfe in Strafsachen sind doch eigentlich wohl nach den Bestimmungen der Prozeßordnung nicht recht zu verstehen; denn es soll geurteilt werden auf Grund der mündlichen und öffentlichen Gerichtsver- Handlung. Darum verstehe ich nicht, wie mau schon vor der Verhandlung urteilen kann..... Und die Angeklagte(es handelt sich m diesem Falle um die Beleidigungsklage des Overleutnants Seid'er in Ingolstadt gegen eine Mandantin des Rechtsanwalts Saenger.— D. Red.) wird es gar nicht ver- stehen, wenn ihre Verurteilung„entworfen" wird, bevor sie ge- hört ist, bevor der Richter von ihr persönlichen Eindruck gewann und bevor ibr Vertreter zu den Herren des Gerichts gesprochen. .... Auch die Inschutznahme des betreffenden Herrn Direktors bringt mich nicht von der Meinung ab, daß der Richter, der vor der eigentlichen Verhandlung eine Angeklagte„entwurfswerse" für schuldig hält, sie auch tatsächlich für schuldig erkennen wird; dann hat er aber seine Meinung sich nicht gebildet in der mündlichen Verhandlung, sondern bei Be- ginn der mündlichen Verhandlung, und das ist gegen das Gesetz, gegen den Wortlaut des Gesetzes, gegen den Geist des Gesetzes und gegen die wiederholt gehörten Erklärungen der obersten Justizbehörden...." Das bayerische Staatsministerium sandte die Beschwerde dem Präsidenten des Oberlandesgerichts Augburg zur zunächst zw- ständigen Vorbescheidung zu. Der Vorbescheid kam; in ihm heißt es:„Um der gesetzlichen Vorschrift, daß der Urteilssatz verlesen werden muh, zu genügen, ist es Aufgabe eines der Gerichtsmit- glieder, in der Regel die des Referenten oder des Vorsitzenden, die zur Verlesung kommende Urteilsformel zu Papier zu bringen. Es besteht nun allgemein der nicht zu beanstandende Gerichtsgebrauch, dah die Richter, um bei der geheimen Beratung des Urteils mit der Niederschrift der Urteilsformel nicht aufgehalten zu sein, häufig den Urteilssatz im Entwürfe vorbereiten, mn diesen nach gepflogener Beratung und Abstimmung, wenn deren Ergebnis sich mit dem Inhalte des Entwurfs deckt, als Niederschrift des Urteilssatzes zu verwenden. Es ist dabei selbst. verständlich, daß. wenn das Ergebnis der Beratung und Ab- stimmung anders ausfällt, als wie im Entwurf angenommen war, der erste Entwurf gegenstandslos wird und ein neuer Urteilssatz dann niedergeschrieben werden muh. Ein Verstoß gegen daS Prozehgesetz ist in diesem Verfahren in keiner Weise zu erblicken. ..... Ihre Beschwerde gegen den Bescheid des Landgerichts Eichstädt ist daher völlig unbegründet." In einem nochmaligen Schreiben an den Justizmintster faßte Rechtsanwalt Saenger seine Vorstellung in den Satz zusammen: „Läßt es die bayerische Rechtspflege zu, dah der Vottitzende eines Gerichts vor Einvernahme der Angeklagten, vor ELhebnng der Beweise und vor Anhören des Verteidigers die Verurteilung einer Angeklagten niederschreibt?" Das bayerische Justizministerium antwortete: „Ihre Eingabe wurde geprüft, hat aber zu einer dienstauf- sichtlichen Verfügung keinen Anlaß gegeben. gez. v. Thelemaun." AuS den Schriftstücken geht hervor, dah cS in Bayern geduldet wird, daß der Vottitzende eines Gerichts vor Anhören der Angeklag- ten und vor allem vor Anhören des Verteidigers die Verurteilung einer Angeklagten niederschreibt; ja, der Herr Präsident des Ober- landesgerichts Augsburg hat nachdrücklichst sogar betont, dah dies in Bayern allgemein üblich sei. In der Antwort des Mini- sterS vom IS. Mai 1914 liegt eine Zustimmung dieser„Gewchuheit"« die dem Gesetz und Recht geradezu Hohn spricht. Neue Mariuerüstuuge«. Im Marineministerium jagt ein Rüftungsprojekt daS andere. Geld spielt bei diesen Plänen keine Rolle. Weiter steht«ine Um- wälzung in der Marineartillerie bevor. Die schwere Artillerie der Linienschiffe und Panzerkreuzer hat jetzt ihre furchtbarsten Ver- treter im ZOch-Zeniimeter-Geschütz, das die neuesten DreadnoughtS in Doppelpanzertürmen bis zu 12 Stück besitzen. Die rittigen Ge- schütze schleudern Geschosse bis zu 10000 Metern im Gewicht von rund sechs Zentnern, die auf geringe Entfernungen die starken Panzerungen der Schifte glatt durchschlagen sollen. Aber die moder- nen Mordwerkzeuge sind noch lange nicht bis zur letzten erreich- baren Stufe entwickelt. Den ungeheueren Schiftskolossen ist ein neuer gefährlicher Gegner entstanden in der neuen Torpedowaffe, einem sich selbst unter Wasser steuernden Geschoß, gegen daS schließ- lich die schwerste Artillerie ohne Wirkung ist, wenn die Träger der Torpedowaffe nicht außerhalb der AktionSlinie der Torpedos von der schweren Artillerie erreicht werden können. 9!nn hat die Torpedotechnik in den letzten Jahren ganz erheb- liche Fortschritte gemacht. Die Laufttrecke der Torpedos ist bei ein- zelnen Marinen bereits auf 10 000 Meter Entfernung gebracht worden. Ans diese Strecke können also Torpedos wirkungsvoll auf die feindlichen Schiffskolosse geleitet werden, ohne daß diese sich die gefährlichen Träger der Torpedos mit der Artillerie vom Leibe halten können. Es hat natürlich nicht lange gedauert, gegen ditte Ueberlegen- heit der Torpedos Gegenmittel zu finden. Sie wurden geschaffen in der Verstärkung des Kalibers der schweren Artillerie. England hat zunächst 32- und 34-Zentimeter-Geschütze verwandt, ist heckte aber mit den Vereinigten Staaten bereits auf 38 Zentimeter hinaus- gegangen. Deutschland will ihnen jetzt nachfolgen. ES macht sofort den Sprung vom 30,5-Zentimeter- auf das 3ö-Zentimeter-Geschütz. DaS letzte deutsche Linienschiff, das mit 30,S-Zentimeter-Geschützen ausgerüstet wird, ist der vor einigen Monaten vom Staptt gelau- fene„Kronprinz". Die ersten Schftfe, welche das 38-Zentimeter- Kaliber tragen, sind„Ersatz Wörth" und„T", deren Kiel im Vor- jähre auf der Schichauwerft in Danzig und den Howaldtwerken in Kiel gestreckt wurde und deren Fertigstellung im Sommer 1916 zu erwarten ist. Mit dem 38-Zentimeter-Geschütz kann daS Feuergefecht bsreitS auf IS 000 Meter, also auherhalb des heutigen Mr- kungSkreises der Torpedowafte, begonnen werden. Obendrein soll daS neue Geschütz aber auch eine absolute Ueberlegenheit über den Panzer der Schifte besitzen. Daraus folgt dreierlei: Einmal sind die heutigen, erst wenige Jahre oder gar nur Monate alten DreadnoughtS in kurzer Zeit wieder minderwertig geworden gegenüber den Schiffen mit 33- Zentimeter-Geschützen. Sie stellen eine andere Gefechtseinheit dar. Dann erwächst für die Ingenieure der Panzerplattenfäbrikcmten die Aufgabe, auf eine Verbesserung der Schiffspanzer hinzuarbeiten, damit sie auch den Wirkungen der 38-Zentimeter-Geschosse stand« halten. Und drittens wird es Aufgabe der Torpedokonstrukteure sein, die Lauftähigkeit der Torpedos noch über 10 000 Meter hinaus zu steigern. Bis jetzt ist eS der Panzerplatten- und der Torpedotechnik stets gelungen, den Fortschritten der Artillerie nachzukommen. Das wird wohl auch jetzt wieder der Fall sein. In ganz kurzer Zeit ist der Statusquo sicher wieder hergestellt. Das 38-Zentimet«r-Geschoh wird trotz seiner gewaltigen Durchschlagskraft auf einen entsprechen- den Panzer treffen, der ihm standhält, und der Torpedo wird bald die 10 000 Meter Lauffähigkeit überschreiten und den neuen Schiffs- typen genau so gefährlich werden, wie den heutigen. Dann beginnt das Spiel von neuem. Das Kaliber der schweren Artillerie wird wieder vergrößert, damit aber auch das Deplacement. Die Panzer folgen nach, ebenso die Torpedos und so weiter in unendlicher Linie. Die Völker aber müssen die Errungenschaften der Mordwaffen- technik teuer bezahlen. Auf den Liegeplätzen häuft sich das alte Eisen wenig ausgenutzter Schiffe, ohne irgendeinen Nutzen gebracht zu haben, und man kann eigentlich nur wünschen, dah sie niemals in ernsthafte Benutzung genommen werden. Wann wird dieser Wahnwitz endlich einmal ein Ende nehmen? Der Militäretat im bayerischen Landtag. In der bayerischen Abgeordnetenkammer wurdö am Mittwoch der Milittrctat erledigt und gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Von allen Seiten wurde der bekannte Erlaß des Kriegsministers gegen die tätlichen und wörtlichen Soldatenmißhandlungen lebhaft begrüßt. Der Kriegsminister selbst erklärte zu den Klagen über allzu große Milde der Kriegsgerichte gegen Soldatenschinder, auch ihn hätte manches Urteil befremdet, undkönn er auch nicht in die Unabhängigkeit de Richter eingreifen, so habe er doch un längst in einem besonderen Falle aus seiner Meinung kein Hehl gemacht und be mühe sich auch, in Disziplinarfällen bessernd einzuwirken. Von der Absicht der Reichs regierung, eine neue Militärvorlage einzubringen, ist dem Kriegsminister nichts bekannt. Die Entziehung der Einjährig Freiwilligen-Berechtigung wegen sozialdemokratischer Ge sinnung erklärt der Minister für unzulässig. Das schließe aber, meinte er, nicht aus, daß im Einzelfalle die besondere Art der Betätigung die Qualifikation beanstanden lasse. Die Abgeordnetenkammer vertagte schließlich ihre Sitzungen auf unbestimmte Zeit, um den Ausschüssen Ge legenheit zu geben, ihre Arbeiten zu fördern. „Heuchelei" oder Infamie. Die»Deutsche Tageszeitung' hatte, wie bekannt, bor kurzem die Schwindelmär in die Welt gesetzt, zwei sozialdemokratische Nationalräte in der Schweiz hätten Landesverrat verübt und seien deswegen verhaftet worden. Auf die Festnogelung dieser mit den üblichen Nutzanwendungen auf die deutsche Sozialdemokratie ver sehenen dreisten Schwindelei besaß das Oertel-Organ die Unverfroren Ijeit, den Kern der behaupteten Tatsache einfach aufrechtzuerhalten und obendrein die gekränkte Anstandstante zu spielen. Jetzt endlich, nachdem der Schwindel im Lande den gewünschten Eindruck gemacht, fühlt sich das Bündlerblatt bemüßigt, der Wahrheit die Ehre zu geben und einzugestehen, daß die beiden schweizerischen Genossen an dem behaupteten„Landesverrat' völlig unschuldig sind. Aber die jungen Leute des Herrn Oertel müßten nicht die Gesinnungsgenossen der Liebertschen Wahrheitsgarde sein, wenn sie nicht auch noch au ihrem Rückzug dem verhaßten Gegner eins auszuwischen suchten Und zwar tun sie das in folgender Weise: „llnfer Gewährsmann erklärt es zunächst für eine„unbestreit- bare Talsache', daß ein organisierterSozialdemokrat sich als Spion versucht hat. Die sozialdemokratische Press« hat behauptet, die betreffende Person gehöre keiner sozialdemo- kratischen Organisation an und um ihre Behauptung glaubhafter zu machen, hinzugefügt, daß an ihrem Wohn- orte gar keine sozialdemokratische Organi- s a t i o n bestehe. Diese Behauptung ist bewußt irreführend; denn an dem betreffenden Orte besteht eine Sektion des sozial« demokratischen Textilarbeiterverband«», deren Mitglied die fragliche Persönlichkeit ist. Als Mitglied einer sozial demokratischen Gewerkchaft hat sich der Spion auch an sozialdemo� kratische Nationalräte herangemacht und von ihnen gewisse Aus- künfte, die Fragen'der Landesverteidigung berührten, erbeten und er« halten. Glücklicherweise ist der Spionageversuch bereits in den ersten Anfängen entdeckt und vereitelt worden! und die Auskünfte, welche die sozialdemokratischen Nationalräte bis dahin gegeben hatten, waren unschädlicher Natur und offenbar auch in gutem Glauben gegeben. Ihnen kann man deshalb wohl höchstens den Vorwurf machen, daß sie vielleicht vorsichtiger hätten sein sollen; daß aber ein organisierter Sozialdemokrat bei einem Spionageversuch abgefaßt worden ist, hält unser Gewährs« mann als„unumstößliche Tatsache' austecht, und er be- zeichnet die Vorwürfe des.Vorwärts' gegen die„Deutsche Tage»> zeitung' als„bodenlose Heuchelei'. Der Gewährsmann gibt also endlich zu, daß die beiden sozial- demokratischen Nationalräte von ihm zu Unrecht verleumdet wurden. Damit aber bei der Geschichte doch noch etwas an der'Sozialdemo. kratie hängen bleibt, behauptet er nun dreist und gotteSfürchtig, der angebliche Spion, der sich die Auskünfte geben ließ, sei„organi- sierter Sozialdemokrat' gewesen.' Wir lassen hier die Frage völlig unerörtert, ob der Mann mit den erhaltenen Auskünften, die nach dem eigenen Geständnis des Gewährsmannes der„Deutschen Tages- Zeitung"„unverfänglicher Natur' waren, wirklich Spionageabsichten verfolgte. Entscheidend ist, daß das Oertel-Organ und sein schweize- rischer Hintermann es fertig bringen, auS dem Umstand, daß der -landesverräterische' Italiener angeblich einer Gewerkschaft angehörte, eine Mitschuld der sozialdemokratischen Partei zu konstruieren. Diese Lumperei steht auf derselben Höhe wie die krampfhaften Versuche des Bündlerorgans, die Sara jewoer Mörder als Sozialisten auszugeben. Gegenüber dieser geradezu krankhaften Berleumdungssucht kann man allerdings schon nicht mehr von„bloßer Heuchelei" reden; hier handelt es sich schon um bewußte Infamie! Reichstagsersatzwahl in Koburg. Am Freitag, den 1t). Juli, fällt im Wahlkreise Koburg die Ent- scheidung. Mit äußerster Schärfe wird der Wahlkampf geführt. Die bürgerlichen Parteien— Fortschrittler und Nationalliberale— katzbalgen sich gegenseitig, um möglichst in die Stichwahl zukommen. Mit den schäbigsten Mitteln suchen sie sich' gegenseitig den Rang in der Bekämpfung der Sozialdemokratie abzulaufen; die Fortschrittler sind in der Verwendung des Reichsverbandsmaterials jedoch nicht zu übertreffen. Die Abgg. Pfarrer Naumann und Konrad Hauß wann, Kopsch und Wiemer suchen zu retten, was möglich ist. In unseren Reihen herrscht siegesfrohe Kampfesstimmung. Hine„Tageblatt"-Legendc. Das„Berliner Tageblatt" berichtet triumphierend von einer -Niederlage", die Genosse Liebknecht in der Generalversammlung seines Kreises erlitten habe, weil dort gegen seinen Widerspruch die Verlegung der Maifeier auf den ersten Sonntag im Mai empfohlen worden ist. Nun ist ja richtig, daß die Generalversammlung von Potsdam-Osthavelland einen derartigen Beschluß gefaßt hat; indeß keineswegs aus Abneigung gegen die Arbeitsruhe am 1. Mai, sondern nur, weil sie der Ansicht war, daß durch die Regelung der Unterstützungsfrage in bezug auf den 1. Mai eine wirksame Durchführung der Arbeitsruhe leider zu einer Unmöglichkeit ge- worden fei. Es liegt also nur eine praktische Differenz vor. Warum aber verschweigt das„Berliner Tageblatt' zwei andere Beschlüsse derselben Generalversammlung: den einen, der die Haltung unserer Reichstagsfraktion in der Kaiserhoch-Frage billigt, und den anderen über die Propaganda des Massenstreiks? Gerade der letztere Beschluß ist um so bemerkenswerter, als im ver- gangenen Jahre dieselbe Generalversammlung einen ganz ähn- lichen Antrag abgelehnt hatte._ Herr v. LoebeN wird gemeinnützig". Durch die.nationale' Presse macht die folgende Notiz die Runde: „Die Minister des Innern und der Landwirtschaft haben durch emen Erlaß den Regierungen empfohlen,„auch zur Be- kampfung der sozialdemokratischen Landver- bände' die Rechtsauskunft für Minderbemittelte onf dem Land« durch Staat, Kreise, Landwirtschaftskammern mit ' staatlicher Unterstützung einzurichten. Zur Beihilfe für die Be ratung sind Juristen, Anwälte. Assessoren usw. in Aussicht genommen. An entfernten Orten sollen Sprechtage eingerichtet werden.' Nach der staatlichen Jugendpflege und Volksverficherung die staat liche Rechtsberatung I Das deutsche Volk wird sich vor lauter Für sorge von oben bald nicht mehr zu retten wissen. Und das alles nur, weil man in den Regionen der Falckenhain, Loebell und Trott zu Solz den panischen Schrecken vor der roten Revolutionspartei nicht loszuwerden vermag I_ die österreichische Regierung unü üas Attentat. Wien, 8. Juli. Die Blätter erfahren über die gestrige ge meinsame Ministerkonferenz, man habe darin eingehend die Maßnahmen in der inneren Verwaltung Bosniens und der Herzegowina erörtert, die sich mit Rücksicht auf die letzten schreck lichen Vorkommnisse als unumgänglich notwendig erweisen. Diese Maßnahmen bezögen sich auf den ganzen Bereich der Verwaltung Bosniens und der Herzegowina. Ein gegen Serbien ge richtetet und im technischen Sinne als diplomatische Aktion zu bezeichnender Schritt sei nicht in Aussicht genommen, Der gemeinsame Firianzminister habe einen sehr eingehenden Be, richt über die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung, die über das Attentat in Sarajewo eingeleitet wurde, erstattet. Die Maß nahmen, welche beschlossen wurden, sollen keineswegs eine Sistierung der Verfassung oder auch nur eine Ein, schränk ung der verfassungsmäßigen Institutionen umfassen, die diesen Ländern im Jahre 1910 verliehen wurden. Es soll vielmehr der Versuch gemacht werden� durch Verwaltungs- maßnahmen, vornehmlich auf dem Gebiet der Polizei, Vor- kehrungen zu treffen, die eine strenge Ueberwachung der Tätigkeit und der Verbindungen der großserbischen Agitation ermöglichen, andererseits durch Verschärfung de? Grenzüberwachungsdienstes unerwünschten Zuzug aus dem Auslande fernzuhalten. Ins, besondere foll auch dem weiteren Eindringen der großserbischen Agitation in die Schulen ein Ziel gesetzt werden. In bezug au den Grenzüberwachungsdienst soll unter anderem eine Vermehrung der Donauflottille in Aussicht genommen worden fein. Der Mfsianö ln Albanien. Janiua, 8. Juli. K o r i tz a ist gegenwärtig von denepiroti- fchen Truppen eingeschlossen, welche die Stadt besetzen wollen, wenn sie von den albanischen Truppen geräumt wird, und sich einer Besitznahme durch die Aufständischen zu widersetzen gedenken. Durch Funkfpruch wird aus Durazzo vom 7. d. M. ge- meldet: Auch heute ist in der Lage keine Veränderung eingetreten. In der verflossenen Nacht wurde aus unbedeutendem Anlaß auf der ganzen Vorpostenlinie ein Feuer eröffnet, nach einer halben Stunde aber wieder eingestellt. Sonst verliefen Tag und Nacht ohne Zwi schenfall. England. Schwierige Lage der Regiernng. London, 8. Juli.(Privattelegramm des„V o v wärt s'.) Die Tage der Regierung scheinen gezählt zu sein; gestern abend entging sie wieder einmal nur mit knapper Not der Niederlage. Die Regierung erhielt bei einer w i ch tigenAbstimmung über ein konservatives Amendement, das einem Mißtrauensvotum gleichkam, eine Mehr heit von nur 23 Stimmen, obwohl die Arbeiterpartei fürsiestimmte. Die Abstimmung war das Resultat des Verhaltens der Gruppe der liberalen Millionäre und einiger Liberaler, die die untätige Ulsterpolitik des Kabinetts verurteilen. Beide Gruppen enthielten sich der Abstimmung._ Sieg der Arseualarbeiter. London, 8. Juli.(Privattelegramm des»Vor w ä r t s Der Streik im Woolwicher Arsenal endete mit einem vollständigen Sieg der Arbeiter. Das Resultat der Verhandlungen zwischen den Gewerkschastsbeamten und der Arsenalleitung ist wie folgt: Alle Arbeiter wie auch der Monteur Entwistle, der sich auf Anordnung seiner Getverk, 'chaft weigerte, auf einem von Streikbrechern hergestellten Fundament eine Maschine zu montieren, kehren an ihre früheren Posten zurück. Ein aus den Vertretern der Arbeiter und der Regierung bestehender Untersuchungs ausschuß wird eingesetzt, der sich mit den dem Konflikt zu gründe liegenden Grundsätzen zu beschäftigen hat. Was auch das Resultat der Untersuchung ergeben wird: Entwistle und andere Arbeiter, die in dieselbe Lage wie er versetzt werden 'ollten, werden nicht bestraft. Den Arbeitern wird von ihren Organisationen empfohlen, die Arbeit auf schon ausgeführten Bauten nicht zu verweigern, wenn nach ihnen keine Streikbrecher beschäftigt werden. Der vollständige Sieg hat bei den Arbeitern begeisterte Freude hervorgerufen: die Unorganisierten strömen in die im Arsenal vertretenen Gewerkschaften. Mus öer Partei. Einer von der alten Garde. In Chemnitz ist am Mittwoch der frühere Chefredakteur der Chemnitzer„Volksstimme', Genosse August EnderS, im Alter von 88 Jahren gestorben. Von Beruf Schriftsetzer, war Enders, der der Partei seit seiner frühesten Jugend angehörte, von 1888 bis 1890 Geschäftsführer der Leipziger Parteidruckerei. Nach feinem Austritt war er zunächst ein Jahr in der Redaktion der Erfurter „Tribüne" tätig, um dann einem Ruf nach Berlin an den„Vor- wärts" Folge zu leisten. Als im Jahre 1899 die„Volksstimme' in Chemnitz geschaffen wurde, betrauten die Chemnitzer Genossen den Genossen Enders mit der Leitung des Blattes, die er nach einiger Zeit mit der Redaktion des Feuilletons vertauschte. Mit Enders verliert die Partei einen treuen, braven Genossen. Aus den Orgamsatlouen. Der 16. Pommersch« Parteitag tagte in der Zeit vom 6.— 7. Juli in Stralsund. Anwesend waren 69 Delegierte und 20 sonstige stimmberechtigte Teilnehmer. Außerdem vom Parteivorstand Genossin Z i e tz- Berlin und vom Bezirksvorstand Mecklenburg Genosse Kröger- Rostock. Den Geschäftsbericht er- tattete der Parteisekretär Genosse Horn. Der Bericht erstreckt sich über die Tätigkeit von zwei Jahren. Die Zahl der Parteimitglieder hat sich in dieser Zeit nur um 667 vermehrt; die Zahl der Orts- vereine ist sogar von 96 auf 91 zurückgegangen. Im allgemeinen herrschte eine starke Mitgliederfluktuation. Einen recht erheblichen Mitgliederverlust brachte der verunglückte Werftarbeiter. treik. DiesozialistischenGemeindevertreter haben ich um 8 vermehrt. Die Partei hat jetzt in 26 Orten 77 Per- treter. Ein vorzüglicher Parteiort ist Barth, eine Stadt von 7600 Einwohner. Dort find von den 760 gewerkschaftlich organi- sierten Arbeitern 680 Mitglieder der Partei.— Der Kassenbericht laßt erkennen, daß die Beiträge der Wahlkreisorganisationen erne Zu« nähme von durchschnittlich 11,08 Proz. erfahren haben. DaS Parteigeschäft hat sich recht gut entwikelt. Leider ist in dem Abonnenten- stand des„Polksboten" gegenüber 1912 ein Rückgang eingetreten. Genosse Kuntze, der Referent über den Punkt„Presse' empfiehlt die Beibehaltung des Preßfonds, der als Druckereifonds bestimmt ist. Er wendet sich auch gegen die Absicht der Genossen in Vor- pommcrn, für ihren Bezirk ein eigenes Parteiorgan zu gründen, da das nicht lebensfähig sei. Beschlossen wird, den Preßfonds in etwas veränderter Form beizubehalten. Ueber die Neugründung sollen Verhandlungen für einen glücklichen Ausweg angebahut werden.— Sodann sprach die Genossin Zietz-Berlin über„die proletarische Frauenbewegung". Sie gab eine Reihe wertvoller Anregungen, die dazu beitragen sollen, das Interesse der Frauen für die politische Bewegung zu wecken. Ueber„Wirtschaftspolitik und Agrariertum" hielt Reichstagsabgeordneter Vogtherr einen Vortrag. Er kennzeichnete darin u. a. auch das reaktionäre Streben der heutigen Machthaber, insbesondere des Militarismus. Seine Ausführungen trugen mit dazu bei, daß aus der Mitte der Ver- sammlung der Antrag gestellt wurde, daß der pommersche Partei- tag das Verhalten der Fraktion bei Schluß des Reichstags durchaus billige. Gegen eine Stimme wurde der Antrag angenommen.— Beschlossen wurde noch, daß bei Delegationen zu den Kreisversammlungen die Abteilungsführer und weiblichen Ver- trauenspersoncn in erfter Linie zu berücksichtigen sind und daß die Wahlen der Delegierten zu den Parteitagen in der KreiSgeneral- Versammlung oder in Wahlbezirken, die von der Kreisgeneralver- sammlung festgelegt sind, mittels Stimmzettel zu erfolgen haben. Zum Internationalen Kongreß wurde Genosse Horn delegiert. -» Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Verein? für den Wahlkreis Dortmund-Hörde tagte am 5. d. M. in Dort» mund. In dem Bericht des Parteisekretärs wurde der Enttäuschung darüber Ausdruck gegeben, daß es noch nicht gelungen sei, das erste Zehntausend an Mitgliedern zu überschreiten. Die Zunahme betrug nur 480, so daß eine Mitgliederzahl von 9802 erreicht wurde. Dar- unter sind 1936 weibliche. Auch das Ergebnis der Gemeinderats- Wahlen sei unbestiedigend gewesen, obwohl für die Agitation größere Mittel aufgewendet wurden. Das Obligatorium der„Gleich- heit' für die weiblichen Mitglieder wurde abgelehnt. Weiter wurde der Einrichtung von Vortragskursen für Gemeindevertreter zuge- stimmt. Ferner sollen jährlich zwei Konferenzen abgehalten werden, in denen zu taktischen Fragen Stellung genommen werden soll. Zum Verhalten der Reichstagsfraktion beim Kaiser- hoch lag eine Entschließung vor, die ihr Einverständnis mit dem Beschluß der Faktion ausdrückte. Der Reichstagsabgeordnete Erdmann ersuchte, über sie zur Tagesordnung überzugehen und die Entscheidung den Parteitagsdclegierten zu überlassen. Die Aenderung unserer Taktik werde als eine Kundgebung gegen die Monarchie aufgefaßt. Die Frage der Staatsform sei aber durch- aus nicht dringlich. Wir hätten näherliegende Aufgaben zu lösen. Die Entschließung wurde aber mit großer Mehrheit a n g e- nommen. Ein Antrag, die Parteitagsdelegierten zu verpffichten, sich gegen die Abonnentenversicherung auszusprechen, wurde gleichfalls angenommen. Der Parteitag soll durch vier Delegierte beschickt werden, die durch UrWahl gewählt werden. Als Vorsitzender wurde Redakteur H e u ß l e r und als Kassierer der Sekretär Klupsch gewählt. Halbastatische Preßverfolgungen leistet sich der Krakauer Staatsanwalt DolinSki gegen die sozial- demokratischen Tageblätter„Naprzod"(Vorwärts) und„GloS' (Stimme). Letzthin ließ er, als er den„GloS' wegen Wieder- fabe der von dem amtlichen k. k. Telegraphenkorre- pondenzbureau zusammengestellten serbischen Blätter- stimmen konfiszierte, auch gleich über 2000 Exemplare des nicht- konfiszierten„Naprzod' mitschleppen. Der Herausgeber der beiden Blätter, Reichsratsabgeordneter Genosse Daszynski, verlangte den Ersatz deS Schadens in Höhe von 200 Kronen. Als er sich mit dem nach galizischer Landessttte erfolgten Angebot eines Teil- ersatzes nicht zufrieden gab, erhielt er gar nichts. DaszynSki hat jetzt den Justizminister in einem offenen Schreiben aufgefordert, mü dieser Schandwirtschaft aufzuräumen. Letzte Nachrichten. Der französische Senat für soziale Reform. Paris, 8. Juli.(W. T. B.) Der Senat verhandelte heute über einen Gesetzentwurf betreffend Kredite zur Herabsetzung der Arbeitszeit in industriellen Betrieben der Ministerien der Finanzen und des Krieges auf 49 Stunden durch Anwendung der englischen Woche. Finanzminister Noulens erinnerte in seiner Begrün. dung deS Gesetzentwurfs an die von der Regierung gemachten Ver- sprechungen, an die günstige Abstimmung der Kammer über den Entwurf und an die schon begonnenen Versuche, die eine Art von Verpflichtung geschaffen hätten. Der Berichterstatter de SelveS bekämpfte den Entwurf wegen der Rückwirkung, die er auf die Finanzen haben würde, und weil zu befürchten sei, daß die eng- lische Woche, wenn man sie den Staatsbetrieben gewähre, auch in der Privatindustrie obligatorisch werden müßte.(Lebhafter Beifall auf zahlreichen Bänken.) Ministerpräsident V i v i a n i beschwor den Senat, der gegenwärtigen Regierung zu gestatten, daß sie die wohlüberlegten Versprechungen erfülle, die die vier vorhergehenden Ministerien gemacht hätten. Der Minister machte sich anheischig, nachzuweisen, daß die Reform auf die Privatindustrie nicht so zurückwirken würde, wie der Berichterstatter es befürchte. Soziale Reformen könnten durch Gesetzentwürfe nur verwirklicht werden, wenn sie sich allmählich einbürgerten. Viviani bat zum Schluß. die Schwere der Verantwortlichkeit der Regierung nicht noch zu erhöhen. Darauf wurde die Generaldebatte geschlossen. Der Gesetz- entwurf wurde mit 246 gegen 10 Stimmen angenommen. Vom mexikanischen Kriegsschanplatz. NogaleS(So nora, Mexiko), 8. Juli. In einer Botschaft an Carranza berichtet General Obregon von einem bedeutenden Sieg der Insurgenten vor Guadalajara. Nach einem mehr als 36stün- digen Gefecht hätten sie die Bundestruppen vernichtet. Laredo(Texas), 8. Juli. Wie von authentischer Seide ge- meldet wird, haben die Generäle der Konstitutionalisten sich mit überwiegender Mehrheit dagegen ausgesprochen, der Aufforderung der Vermittler von Niagarafalls entsprechend mit Huerta zn- ammenkommen, um eine provisorische Regierung einzurichten..... Ei» österreichischer Offizier als russischer Spion. � Lemberg, 8. Juli. Wie aus Tarnopol berichtet wird, wurde der Leutnant des 16. Infanterieregiments, Schmidt, in dem Mo- ment verhaftet, als er bei einer Eisenbahnbrücke Vermessungen vornahm. Man nimmt an, daß er als Spion in russischen Diensten stand. Schmidt wollte seiner Verhaftung Widerstand entgegen« etzen, indem er den Gendarmen mit einem Revolver bedrohte. Dieser setzte Schmidt jedoch das Bajonett auf die Brust, worauf sich Leutnant Schmidt verhaften ließ. Ein ungetreuer Notar. Rufach(Elsaß), 8. Juli. Der von hier gebürtige Notar Julius Hecht wurde heute mittag unter dem Verdacht, große Summe» Geldes unterschlagen zu haben, verhaftet. Im Laufe des Nachmit- tags wurden die Bureaus des Notars durch die Staatsanwaltschaft geschlossen und die vorhandenen Bücher beschlagnahmt. Die Ver- hastung des Notars Hecht, der in das Kolmarer Untersuchungs- gefängniS eingeliefert wurde, erregt hier großes Aufsehen. Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein 1. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Köpenicker Viertel. Bez. 183 I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer Fritz Kaiser Faldensteinstraße 8, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 9. Juli, nachm. 5 Uhr, von der Halle des OstFriedhofes in Ahrensfelde aus ſtatt. 214/17 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Bauarbeiter- Verhand. Zweigverein Berlin. Am 6. Juli starb unser Mitglied, der Bauarbeiter Heinrich Schulz ( Bezirk Osten II). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Juli, nachmittags 4 Ubr, von der Halle des Bentral Friedhofes Friedrichsfelde aus statt. 10 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sektion der Putzer. in Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Friedrich Kaiser ( Bezirk Süd- Dit) am 5. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Bentral Friedhofes in Ahrensfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 143/13 Der Vorstand. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unferer guten Mutter Berta Falk fagen wir allen, welche ihr die letzte Ehre erwiesen, unseren herzlichsten Dank. 1440 Johann Falk nebst Kindern, Goltstr. 39. Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. 14. Abt. Bezirk 691 a. Am Montag, den 6. Juli, ver starb unser Genosse, der Tapezierer 229/2 Artur Noa Sidingenstraße 7. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei tag, den 10. Juli, nachmittags 4 Uhr, auf dem Anstaltsfriedhof in Buch statt. Die von hier aus Teilnehmenden fahren um 2.41 Uhr vom Bahnhof Gesundbrunnen. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Nachruf. Am Sonntag, den 28. Juni, ertrant im Sticnigsee unser Mitglied Karl Zick Stegfriedstraße 30, 14. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. 237/16 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Max Becker Reinickendorf, Hausotterstraße 59, am 7. d. Mis. an Zuderkrankheit gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 10. Juli, nachm. 4, br, von der Leichenhalle des Reinidendorfer Gemeinde- Friedhofes, Humboldtstraße, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf. Ferner starb unser Mitglied, der Schloffer Johann Wertheim Brizer Str. 34 am 2. Juli durch Ertrinken. Ehre seinem Andenken! 121/16 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Julius Gutsch Romintener Straße 51 im Alter von 30 Jahren ge storben ist. Ehre seinem Andenken! Deutscher Bauarbeiter- Verband. Zweigverein Berlin. Sektion der Steinholzleger u. Helfer Heute Donnerstag, den 9. Juli, abends 8 Uhr: Die Beerdigung findet heute Mitglieder- Verfammlung Donnerstag, den 9. Juli, nach: mittags 4, 1hr, von der Halle des Heilig- Kreuz- Kirchhofes in Mariendorf aus statt. 90/5 Die Ortsverwaltung. Verband der Sattler u. Portefeuiller Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied, dér Stoffermacher Max Gottschlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 9. Juli, nachmittags 3/2 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner GemeindeFriedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 157/2 Die Ortsverwaltung. Hierdurch die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter Martha Gerecke geb. Waschke nach kurzem, aber schwerem Leiden verstorben ifi. Dies zeigen in großem Schmerz an Heinrich Gerecke nebst Kindern. Die Beerdigung findet Freitag, den 10. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Bentral- Friedhofes, Friedrichsfelde, aus statt. Danksagung. atn Wir sagen hiermit allen Be teiligten bei der Beerdigung unseres lieben Baters, des Maurers 109A Hermann Litsche unseren besten Dant. Die trauernden Hinterbliebenen. Heines Werke ReutersWerte 3 Bände 4 Mart Buchhandlung Vorwärts TN Donnerstag, den 9. Juli 1914. Anfang 4 Uhr. 3 Bände 4 Mart Buchhandlung Borwärts im Saal 3 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über die Verhandlungen mit den Unter nehmern. 2. Vereinsangelegenheiten. 143,12* Die Sektionsleitung. CON ENTAL Angenehmer, weicher und elastischer Gang Keine Erschütterung Keine Ermüdung Ungemein dauerhaft! * Verlangen Sie von Ihrem Schuhmacher ausdrücklich Absätze Continental Unserem Genossen 139 Wilhelm Pötter nebst Frau zur Silberhochzeit die herzlichsten Glüdwünsche vom Bezirk 308 Teil I. EEEE* 199999: Unserem Genossen, dem Abteilungskaffierer Adolf Wacker, nebst der Genossin Anna Unruh die herzlichsten Glückwünsche zur heutigen Vermählung. Die Funktionäre der 12. Abt. 6. Kreis. 123A Miet= Pianos .6 V. Mark pro Monat an unter Anrechnung der Miete bei späterem Kauf It. Vereinbarung. Bei Barzahlung höchsten Rabatt. Bei Teilzahlung kleinste Raten ohne jede Anzahlung. Pianohaus Krause, Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße. 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Reichshallen. Stettiner Sänger. Palaft Theater. Varieté und Lichtspiele. Berliner Prater- Theater. Grigri. Anfang 8%, Ubr. Kleines. Der Kleds. Theater am Nollendorfplatz. Der Jurbaron. Quitspielbaus. Die spanische Fliege. Quisen. Die Alwördens. Walhalla. Der Hund von Baskerbille. Folies Caprice. Bett Napoleons. Amordragoner. Anjang 8, Ubr. Residenz. Die verflirte Liebe. Admiralspalajt. Im Tangoflub. Cines Nollendorf Theater. Das Mirakel. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62 Theater in der Königgrätzer Straße Täglich 8 Uhr: Mr. Wu. Berliner Theater. Bum 276. Male..8 Uhr: Wie einst im Mai. Theater am Nollendorfplatz 5. 8 Uhr: Der Juxbaron. 8 Uhr: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg. Theater des Westens. Donnerstag, Freitag, 7, Uhr: Walküre. Theater a. d. Weidendammerbrücke Anf. 8 Uhr. Zum 125. Male: Mit sensat. Lacherfolge: Der müde Theodor. Schwant mit Gesangs einlagen: ,, Ach, ich bin so schüchtern." Champagnerrausch. Musit v. Harry Hauptmann. Friedrich- Wilhelmst. Th. Freitag, 10. Juli. 8 Uhr: 3um 1. Male: I Leutnantsliebchen. Operette in 3 Aften v. B. Sternberg DOSE= THEATED Große Frankfurter Str. 132. Der Silberkönig. Anfang 8 Uhr. Auf der Gartenbühne Rund um die Spree. Gr. Revue. Vorher Konzert, Spezialitäten. Voigt- Theater Badstraße 58. An jedem Donnerstag: Gr. Kinderfest. Durch fremde Schuld. Gänzlich neue Spezialitäten. Kaffeneröffn. 2 Uhr. Anf. 4 Uhr. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Der Dorfschulmeister. Genrebild v. Meysel. Anfang 8 Uhr, Sonntags 74, Uhr. Ab 16. Juli: Gast spiel b. Dresdener Viktoria- Sänger. Sozialdemokratifcher Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkr. Sonntag, den 12. Juli 1914 im Schloß Weißensee: Großes Sommer- Fest Konzert Gesang Feuerwerk Mitwirkende: Gesangvereine des Arbeiter- Sängerbundes, Freie Turner, Arbeiter- Athletenvereine und Arbeiter- Schwimmer sowie The Great Friends Gymnastiker" Eintrittskarte 25 Pf. Anfang mittags 12 Uhr. zahlen 50 Pfennig nach). In beiden Sälen: TANZ( Herren, die daran teilnehmen, 226/ 11* Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Jedes Kind erhält 2 Bons; einen für eine Stocklaterne, der andere gilt zur einmaligen Benutzung der Schaukel oder des Karussels. Fahrverbindungen mit der Stadtbahn( Nordring) u. d. Straßenbahnlinien Nr. 59, 60, 61, 62, 63, 73 u. 10. Folies Caprice. Admiralspalast. Täglich 8 Uhr: Die Leibwäscherin. Die Amordragoner. Das Bett Napoleons. Ah da staun' ich. -Berlins kühlster Aufenthalt. Abends Im Tangoklub" und ,, Die lustige Puppe". Bis 6 Uhr und ab 10%, Uhr halbe Kassenpreise. Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Heute Donnerstag, den 9. Juli 1914: Elitetag! Konzert und Varieté- Vorstellung verbunden mit Großem Brillant- Feuerwerk Außerdem: Sturm auf Durazzo. Anfang des Konzerts 5 Uhr. Varieté 6 Uhr. Im Neuen Saal: Großer Ball. Voranzeige. Sonntag, den 12. Juli 1914: Eröffnung: Kellerfest in Oberbayern. 111 10 8 ARTHN Saharet 165 Neues Programm! die australische Tanzdiva Perzinas Kaufmanns Pagageien Kabarett Veronacycle Truppe und eine Kette hervorragender Kunstkräfte! Entreeplatz wochentags M. 0,60. Rauchen gestattet! Puhlmanns Theater Schönh.Allee 148. Kastanienallee 97/99 Unter neuer Leitung der beliebten Direktion W. Herrmann. Konzert, Theater, Spezialitäten. Zum Schluß: Wo hast du dein Weh' Weh'chen! Anfang 4 Uhr. Berliner k- Tric Adr.: Neukölln Lahnstr.74L URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Zum Hochfirn der Jungfrau. ZOOLOG ischer Garten Täglich Gr. Militär- Konzert. Eintrittspreise: Zoo 1 M., von 6 Uhr ab 50 Pf. Aquar. 1M. v.d.Str., 50Pf. vZoo Kinder unt. 10 Jahr. die Hälfte. Neu! Neu! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Metropol- Theater. Abends 8 Uhr: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Passage- Panoptikum Lebend! Die letzten weiblichen Azteken! AGA die schwebende Jungfrau. Buddhas Geistertafel. Alles ohne Extra- Entree! Eintr. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 Pf. Für den Inhalt der Juserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Injeratenteil verantw.; Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Sierau 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl Nr. 184. 31. Jahrgang. 1. WM des Jirmätls" Serlim ilollislilaH. Dannerstag, 9. Juli 1914. Die Cntwickelung öer �ngestelltenschicht. Die zwei Millionen Privatangestelltcn. die durch die jüngste Berufszählung im Deutschen Reiche ermittelt worden sind, haben bei den letzten Wahlen sicher bereits in mehr als einem Kreise die Rolle des ausschlaggebenden Faktors ge> spielt und namentlich manches Stichwahlergebnis entscheidend beeinflußt. Durch ihr schnelles Wachstum steigert sich ihre politische Bedeutung von Jahr zu Jahr, und es ist daher werwoll, zu wissen, in welchen Gruppen und in welchen Ge- bietsteilen des Reiches sich die stärkste Vermehrung vollzieht. Das Wichtigste ist die Tatsache, daß die Ziffern- mäßige Führung in der Angestelltenschicht immer mehr an die Jndustriebeamten übergeht. 1893 stellten die Angestellten in Handel und Verkehr mit 581 lM Köpfen noch die bei weitem stärkste Gruppe, heute ist das bestimmt nicht mehr der Fall! Sieht man von den Ange- stellten in freien Berufen und von den bei 100 000 stehenbleibenden Beamten in der Land- und Forstwirtschaft ab, so haben sich in den zwölf Jahren vermehrt: die Ladenangc- stellten(Verkäufer) um 01 Proz., das Kontorpersonal in Handel und Verkehr um 93 Proz., die industrielle Beamten- schast aber um 100 Proz. Die politische Bedeutung dieser EntWickelung zeigt sich noch deutlicher, wenn man die weiblichen Angestellten ausscheidet. Dann ergibt sich folgen- des Bild: Männl. Angest. Zunahme 1895 1997 absolut Proz. Industrie und Bergbau... 254 421 622 971 367 659 144,5 Handel und Verkehr.... 249 929 426 229 176 399 79,5 Ladenangestellle..... 217 944 397 718 996 74 41,8 So gemessen, war das Verhältnis zwischen industriellen und kaufmännischen Angestellten 1895 noch 5: 9, bei der letzten Zählung bereits 0: 7, und heute sind die beiden Gruppen einander sicher schon gleich. Die Industrie- beamten sind im Begriff, die Ange st eilten im Handel und Verkehr mitRiesenschritten zu ü b e r f I ü.g e l n, und zwar ist diese EntWickelung keineswegs auf die eigentlichen Industriegebiete beschränkt, sondern die besteht, wie aus den neuesten Veröffentlichungen des„Reichsarbeitsblattes" hervorgeht, im wesentlichen in allen Teilen des Reiches. Während beispielsweise in Ostdeutschland 1895 die Zahl der im Handel und Verkehr beschäftigten Angestellten noch die der Jndustriebeamten um mehrere Tausende übertraf, hat nach der jüngsten Berufs- Zählung selbst in diesem industriearmen Gebiet die industrielle Beamtenschaft eine solche Vermehrung erfahren, daß ihre Zahl die der Angestellten im Handel und Verkehr 1907 bereits um 30 000 überstieg. Verhältnismäßig und absolut ist damit Süddeutschland beträchtlich zurückgedrängt, während in einer Gruppe sogar Westdeutschland mit seiner ausgedehnten In- dustrie übertroffen worden ist: das industrielle Kontor- personal hat sich in Süddeutschland um 144 Proz., in West- deutschland um 189 Proz., in Ostdeutschland aber um 255 Prozent vermehrt! Die Provinz Brandenburg hat mit 203 Proz. des 1895er Bestandes von allen Gebieten des Reiches das Verhältnis- mäßig stärkste Wachstum der Jndustriebeamtenschast zu ver- zeichnen. Danach folgen Bremen, Oldenburg, Hessen-Nassau, Hamburg und Rheinland(201 Proz.), die sämtlich mehr als eine Verdreifachung der zuletzt ermittelten Zahl registrieren können. Ein verhältnismäßig sehr starkes Wachstum der In- dustriebeamtenschast haben außerdem Schleswig-Holstein, Hessen. Westfalen und Hannover aufzuweisen, während es am schwächsten in den beiden Mecklenburg und Braunschweig- Anhalt gewesen ist. Immerhin ist auch in Braunschweig- Anhalt beinahe noch eine Verdoppelung der Industrie- beamtenzahl in der Zeit von 1895 bis 1907 festzustellen. Die Folgen dieser EntWickelung für das politische Leben sind nicht zu unterschätzen. Die letzten Jahre haben doch genugsam gezeigt, daß die Jndustriebeamten sich von den Handlungsgehilfen in mehr als einer Hinsicht unterscheiden. Namentlich durch das entschieden gewerkschaftliche Auftreten ihrer Berpfspereine haben sie den Beweis erbracht, daß sie besser als das Gros der kaufmännischen Angestellten im- stände sind, aus ihrer Klassenlage die richtigen Folgerungen zu ziehen. Dadurch haben sie radikalisierend auf die ge- samte Angestelltenbewegung gewirkt, und es ist nur natürlich, daß dieser Prozeß auch mit manchem Wellenschlag in die politische Parteiarbeit hineingespielt hat. Vorläufig oller- dings ist in dieser Beziehung noch alles im Fluß: aber gerade deshalb sollten unsere Organisationen eine wichtige Aufgabe darin sehen, diesen Tingen ihre besondere Aufmerksamkeit zu schenken._ verlin und Umgegend. AuS dem Fleischergcwcrbe. Die Firma Hirschfeld u. Co., Weitzensee, die ihre Gesellen wegen Zugehörigkeit zur Organisation entließ, ist nicht zu bewegen, eine friedliche Beilegung der Differenz herbeizuführen. Eine Kommission versuchte Verhandlungen anzu- bahnen; aber Herr Hirschfeld wies der Kommissiqii schnöde die Tür. Den Rausreißern gefällt es, wie es scheint, auch nicht so ganz. Verschiedene hohen die Arbeit schon wieder aufgegeben, jedoch war Ersatz wieder da. Die Ausgesperrten, die jahrelang in diesem Betrieb ihre Arbeitslast und Gesundheit geopfert haben, sind alle taktfest und atmen erleichtert auf, denn die frische Luft bekommt ihnen nach diesem jahrelangen ungeregelten Arbeiten sehr gut. Hoffen wollen wir, daß die Firma Hirschfeld bald einen anderen Standpunkt einnimmt und eine Regelung in dem Betrieb herbeiführt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Arbeitswilligen, welche bei der Firma Hirschfeld arbeiten, bald wieder die Arbeit aufgeben. Deshalb ist Zuzug streng fernzuhalten. Arbeiter- freundliche Blätter werden um Nachdruck gebeten. _ Die Tarifkommission. Tarifkampf im Friseurgetverbe. Die Zwangsinnung für Tempelhof und Umgegend hat jetzt auch einem Meister in Britz mitgeteilt, daß er bei einer weiteren Bekanntgabe, daß er die Gchilfenforderungen bewilligt habe, 29 M. Strafe zahlen müsse. Diese Maßnahme ist auf das Be- treiben der Konkurrenten zurückzuführen. In Weißensee und Köpenick sowie Schönewcide ist der Stand der Bewegung unver- ändertz Bisher haben 461 Arbeitgeber, dne 465 Gehilfen beschäftigen, den Tarif anerkannt. Tariflich geregelt ist ferner Meyer, Pappelallee 29 und Böhm, Treptower Str. 15 in Neukölln. Wegen Tarifbruch für Verbandspiitglieder gesperrt sind: Wolf. Schlc- sischestraße 15, und Fink, Neukölln, Lessingstr. 11. Die Diffe- renzen zwischen Pohla, Wcserstr. 161, und dem Verband sind zu beiderseitiger Zufriedenheit geregelt worden Gültige Kontrollkarten muffen bis zum 2. Juli gestempelt sein. Verband der Friseurgehilfen. Deutsches Kelch. Bauarbeiteransstand in Weistwaster und Mnskau. Ueber ganz Deutschland sind die Arbeitsverhältnisse der Bau«. arbeiter durch ihre Berufsorganisation geregelt. Nur in Weißwaffer und Muskau müssen sich die Bauarbeiter die Anerkennung der Or» ganisation und die tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeits« bedingungen erst erkämpfen. Den schon seit einigen Wochen im AuS- stände befindlichen Zimmerern haben sich am Montag auch die Maurer und Bauhilfsarbeiter angeschloffen, da alle gütlichen Versuche auf Anerkennung der Organisation an der Halsstarrigkeit der Unternehmer scheiterten. Dabei nehmen die Herren für sich' als selbstverständlich in Anspruch, ihre Interessen durch ihre Unternehmer« organisation wahrzunehmen.— Zuzug von Maurern, Bauhilfs- arbeitern und Zimmerern ist streng fernzuhalten. Eine nette Versicherung gegen Stellenlosigkeit. Unter dieser Ueberschrift berichtet die.Handlungsgehilfen« Zeitung*: Der Deutschnationale HandlungSgehilfenverband ver- sendet, wenn eins seiner Mitglieder Stellenlosenunterslützuiig beantragt, an den bisherigen Prinzipal dieses Mitglieds folgendes gedruckte Schreiben, von dem uns eins ausgefüllt und mit Unterschrift im Original vorjiegt: Deutschnationaler HandlungSgehilfenverband Hamburg, den..... Herrn..... Berlin. f err... wünscht als Mitglied unseres Verbandes unsere icheruiig gegen Stellenlosigkeit in Anspruch zu nehmen. Zur Prüfung seines Antrages und seiner Bezugsberechtigung ist es für uns nötig, zu wissen, an welchem Tage, warum und von welcher Seite die Kündigung erfolgte, welche Kündigungs- frist vereinbart war und ob dieselbe innegehalten worden ist. Sie würden uns durch eine im Interesse des genannten Mit- gliedes erteilte Auskunft zu Dank verpflichten. Wir empfehlen uns Ihnen hochachtungsvoll Die Verwaltung für Versicherung gegen Stellenlosigkeit. (Unterschrift.) Auf der Rückseite dieses Schreibens befindet sich folgender vom Geschäftsinhaber zu beantwortender Fragebogen: Stame des Mitgliedes: Mitglieds-Nr.: Weshalb verließ der Angefragte seine Stellung bei Ihnen? Von wann bis wann war der Angefragte bei Ihnen in Stellung? Welche Kündigungsfrist war vereinbart worden? Ist sie eingehalten worden? An welchem Tage erfolgte die Kündigung? (Bitte genau I) Wer kündigte, Sie oder der Angestellte? Besondere Bemerkungen: Also der Deutschnationale HandlungSgehilfenverband richtet sich nach den Angaben des Prinzipals, mit dem der Angestellte das Dienstverhältnis g e l ö st hat. Da wird die deutschnationale Ver- bandskasse manchen Taler Stellenlosenunterstützung nicht zu zahlen brauchen. Es ist den Antisemiten nicht genug, daß der Prinzipal in der Lage ist, durch geheime Auskünfte den Angestellten ein neues Engagement unmöglich zu machen. Nein, der Prinzipal darf auch über die Gewährung der Stellenlosenunterstützung ein entscheidendes Wort mitreden._ Streik der Fuhrleute uud Kutscher in Köln. Dir Fuhrleute und Kutscher in den Speditions- und Schwer- fuhrwerkbctrieben in Köln sind wie die Chauffeure am Montag, den 6. Juli, wegen Lohndifferenzen in den Streik getreten. Jnsge- samt erstreckt sich der Streik auf 163 Betriebe mit 975 Beschäftigten. Aus den Reihen der«Christen*, die mit zirka 299 Mitgliedern in Frage kommen, ist ein erheblicher Teil zu Streikbrechern geworden. Die Situation ist für die Streikenden günstig, da sast das gesamte Gewerbe durch den Streik in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Da die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in Köln noch bedeutend hinter denen der Nachbarstädte zurückstehen und die Unternehmer trotz wiederholter Verhandlungen und Herabgehens der Forderungen durch die Arbeiter weitere Zugeständnisse strikte ablehnten, wurde der Streik fast einmütig beschlossen. Die Unternehmer versuchen, Arbeits- willige für Köln anzuwerben. Die Arbeiter werden dringend er« sucht, Zuzug nach Köln unter allen Umständen fernzuhalten. Der Verband der Deutschen Buchdrucker ist„sozialdemokratisch". Diese.Tatsache* stellt die.Zeitschrift für Deutschlands Buch- drucker*(Prinzipalsorgan) in ihrer Nummer vom 7. Juli in völlig einwandfreier Weise fest. Man höre: Am 29. Juni veranstalte� der Ortsverein des Verbandes deutscher Buchdrucker in Köln seip JohanniSfcst. Laut Anzeige im„Kölner Stadtänzeiger* waren die Karten dafür, außer bei der Geschäftsstelle des Verbandes, im Gewerkschaftshaus(.sozialdemokratisch* nennt eS die.Zeitschrift*) und in dem Bureau der sozialdemokratischen.Rheinischen Zeitung* zu haben. Daraus schlußfolgert das Prinzipalsorgan: .Bei der.Rheinischen Zeitung* stehen laut dem Verzeichnis der Tarifanerkennungen vom 39. April 1914 nur 24 Gehilfen von insgesamt etwa 1399 Gehilfen in Groß-Köln. Warum waren die Karten nicht zum Beispiel auch bei Bachem, wo 161 Gehilfen, bei Du Mont, wo 297 Gehilfen, bei der Kölner Verlagsanstalt, wo 159 Gehilfen, oder bei Greven u. Bechtold, wo 61 Gehilfen beschäftigt sind, zu haben?" Diese Beweisführung ist durchaus schlüssig und läßt auch für den schlauesten Verbandstaktiker keine Masche offen, durch die er etwa hindurchzuschlüpfen und seine neutrale Unschuld zu retten ver- möchte. Ob die Herren Bachem, Du Mont usw. den Vertrieb der Kleines Feuilleton. DaS Neger-Du. Das Hamburger Schöffengericht hat die Klage de« Duala-Negers Makembe gegen den AbteilungSchef Graf(von der Woermann- Linie) abgelehnt. Graf hatte„Du* zu dem Neger ge- sagt, wodurch dieser, der beim Hamburger Kolonialinstitut als Sprachgehilfe angestellt ist, sich beleidigt fühlte. Die bürgerliche Presse findet das Urteil ganz in Ordnung. Ein Neger rangiert ja mit dem Vieh. Oder mit dem Gesinde. Oder mit dem deutschen Untertanen. Der deutsche Normaluntertan wird es überhaupt un- begreiflich finden, daß Makembe sich beleidigt fühlt, wenn ein Mann, der obendrein Graf heißt, ihn duzt. Der deutsche Untertan fühlt sich doch noch geschmeichelt, wenn ein Monarch ihn duzt. So als vor Jahren bei der Hohensyburg-Feier der Kaiser einem angesehenen Herrn mit dem Kommandostab vor den Bauch stieß und den Betreffenden wegen seines Umfanges anscherzte, wobei er ihn Du nannte. Auch die Generäle haben ja wohl das Recht oder gar die Pflicht, jeden.Gemeinen* zu duzen. Wie kann also ein Neger es wagen, sich beleidigt zu fühlen, wenn er geduzt wird. In Afrika gilt es als Regel, daß die Neger Du genannt werden. Durib das Du soll dem Neger Respekt vor der überlegenen Kultur der Weißen eingeflößt werden. Aber diese Kultur richtet sich ja eigentlich selber, gerade durch eine solche Methode. Der Dünkel des Weißen und die Geringschätzung des schwarzen Mitmenschen find untrügliche Kulturmesser. Wie könnte es auch anders sein I Denn weshalb sollen die Schwarzen„Respekt* haben? Weshalb soll die Autorität des Weißen vor ihnen aufgerichtet werden? Doch nur, damit die schwarze Kanaille von den weißen Herrenmenschen leichter ausgeplündert werden kann. Di« Löge des Schillerkragens. In einer Hamburger Zeitung wird den modernen Herren von einem Fräulein Madeleine vom Metropoltheater in Berlin eine Reihe von gesalzenen Wahrheiten gesagt, an denen wir unsere helle Freude gehabt haben. Schönheit ist Wahrheit, heißt es da..Aber die Männer lügen, wenn sie mit dem Schillerkragen erscheinen— mit entblößter Brust und freiem Hals. Die Tracht mag Schiller und Robespierre wohl angestanden haben. Sie standen wahrhaft mit freier Brust vor ihrer Zeit— sie ließen sich in Wahrheit Kopf und Gedanken nicht einengen. Sie waren freie Männer und durften mit Recht die Tracht der Freiheit zeigen... Aber heute? Heute ist diese Gewandung ein Masken- tewand. Eine Lüge. Die Männer sind nicht mehr so, wie sie im ichillerkragen zu sein vorgeben. Sie sind nicht mehr frei, sie lassen sich einengen und einschnüren von tausend Rücksichten von Vor- urteilen. Anschauungen und anderen Dingen.* Fräulein Madeleine bat leider nur allzu recht. Die bürgerliche Herrenwelt, an die sie hier allein gedacht haben kann, bat in der Tat alle Beziehungen zur Freiheit und damit auch zur Tracht der Freiheit verloren. Die Versklavung im feudalen Zwang hat den bürgerlichen Männern jeden Rest von aufrechte« Stolz genommen. Sie stehen nicht mehr mit freier Brust vor ihrer Zeit, sie stehen vielmehr stramm, wenn der preußische Junker pfeift. Ihr Ideal ist daher auch ganz logisch der Reserveoffizier geworden. der die militärischen Allüren ins bürgerliche Leben überträgt. Hacken zusammen vor jeder Respektsperson, sei sie mensch» lich auch noch so anrüchig, und schneidiger Kommandoton nach unten. In der Tat: Was sollen diese korrekten Streber, die auf zehn Schritte nach der Sklaverei der Kaserne riechen, mit dem Schillerkragen und der Tracht der Freiheil? Es ist ja im Grunde blamabel genug, daß jetzt sogar das temperamentvolle Weibsvolk anfängt, vermöge des erotischen Instinkts den bürgerlichen Jammer zu empfinden. Man sollte meinen, daß diesem oder jenem doch über die eigene Würdelosigkeit die Röte in die Wangen steigen müßte: äber wir glauben eS nicht. Das Gefühl für Würde wird dem Menschen durch die preußische Kasernenlusti genommen. Und das Erröten auch. Soviel Worte— soviel Mittelalter! In unserer Zeit, die die ersten Anzeichen eines Niederganges der gesamten seit 2999 Jahren geformten„Kulwr* aufweist, mehren sich Erscheinungen, die ein kritischer Geist nur mit Mühe überhaupt noch für möglich hält. Es hat sich da jetzt eine neue politische Gruppe gebildet, ein .Jungkonservativer Reichsverband*. Ob es reak- tionäre Gemüter gibt, die an der reichen Auswahl zwischen.deutsch- konservativ*,.jungliberal*,.völkisch- national*,„freikonservativ*, .altnationalliberal*..nationalliberal* schlechtweg und„gemäßigt- liberal*, was es bekanntlich auch gibt, noch nicht genug haben und ob es überhaupt möglich ist, für dies« neue Gruppe nach rechts und nach links noch spinnwebfeine Abgrenzungslinien zu finden— das mögen die, die es angeht, für sich ausmachen. Fassungslos aber steht man vor den Zeilen, die das Programm dieses„jungkonservativen Reichsverbandes* aussprechen: Die alldeutsche persön- l i ch e Mannentreue zum Fürsten, das ewigwahre biblische Christentum, die selb st lose Vaterlands- liebe.... Gibt es das denn noch? Gibt es noch Menschen, die offenbar nicht der leiseste Odem dessen gestreift hat, was die wertvollste, mühsam errungene Kraft des Geistes darstellt: des Zweifels? Die.Mannentreue* gehört einer Menschheitsepoche vor vielen hundert Jahren an. das„biblische Christentum" wird nur noch künstlich am Leben erhalten und die„Vaterlandsliebe* unter« liegt zum mindesten einer hundertfältigen Auslegung..Selbst« losigkeit* gibt es überhaupt nicht, das haben sogar schon die älteren .Philosophen' erkannt— was viel sagen will. So viele Worte— soviel Mittelalter l Aber es ist anzunehmen, daß die Verfaffer dieses Programms— nicht aus tieferer Erkenntnis, wohl aber aus dem rein praktischen Verstände— die Sinnlosigkeit dieser Begriffe fühlen. Und dann find die Worte— wie gewöhnlich— nichts anderes als Lockmittel für das leider noch immer allzu große Rudel der Nicht- Denkenden. Der Flieger Legagneuz ist tödlich verunglückt. Er war einer der ersten, die sich in die Lüfte schwangen. Als 2Sjähriger begann er im Jahre 1997, damals noch erfolglos. Erst 1998 gelang ihm der erste kleine Flug mit einem Ferber-Doppcldecker. Dann ging er zum System Fannan über. Seine Spezialität war der Höhenrekord. So oft ihn hier ein anderer übertraf, stellte er alsbald einen ncuei� Rekord auf, zuletzt mit einer Höhe von 6129 Metern. L.egagneux galt bei alledem als sehr vorsichtiger Flieger, und sein Todessturz bei einem Schleifenflug wäre demnach auf einen besonders Unglück- lichen Zufall zurückzuführen. Notizen. — Musikchronik. In der Sachse-O°per geht als nächste Neueinstudierung Freitag„Die Zauberflöte* in Szene. — Der Autorname des Architekten. Der Ausschuß der Berliner Architekten beschäftigte sich mit der Frage, ob ein Architekt oder Ingenieur, ebenso wie die Maler und Bildhauer, auf dem von ihm geschaffenen Bauwerk seinen Namen als Schöpfer und geistiger Urheber der Formensprache seines Werkes anbringen dürfe. Nach dem Beschluß des Ausschusses tvird es für zulässig gehalten, daß der Atchitekt oder Ingenieur seinen Namen an Bauten anbringt, die er entworfen und ausgeführt hat. — Eine arktische Rettungsexpedition mit der F l u g m a s ch i n e. Die russische Regierung rüstet gegenwärtig eine Expedition aus, die so schnell als möglich in die arktischen Regionen aufbrechen soll, um nach dem Schicksal der verschollenen LeulnanlS Russanow und Brussilow zu forschen, die 1912 nach dem fernen Norden aufbrachen und von denen seitdem keine Kunde mehr ein- getroffen ist. Die Rettungscxpedition, die der Norweger Sverdrup leiten wird, nimmt einen Fannan- Zweidecker mit. Das Flugzeug hat die Aufgabe, die Eisfelder abzuiuchen und außerdem die Ver« bindung der Rettungsmannschaft mit ihren Proviantstationen zu ver« Mitteln. — Die Pariser Große Oper geht bergab. Die Direktoren, deren Konzession erst am 31. Dezember abläuft, wollen die Direktion schon vorher niederlegen, weil die Geschäfte miserabel gehen. Also erst Antoine und nun die Große Oper. Der Nieder« gang der Großen Oper datiert übrigens nicht von heute, sie hat sich uberlebt. — Seltsame Sonderzüge verkehren um diese Zeit in der Provinz Hannover von Hannover nach der Heide. Sie bringen die Bienenschwärme aus der Großstadt nach der Heide hinaus, wo die guten Tage für die Bienenvölker herannahen. Die Heide liefert bekanntlich den besten Honig, und so haben sich die Imker der Stadt und ihrer Umgebung zusammengetan und lassen ihre Stöcke mit eigenen Bienensonderzügen befördern. — 129 99 9 Mark für einen Knochen. Vor einem Pariser Gerichtshof beanspruchte in diesen Tagen der Herrenreiter Mitonne von dem Arzt Dr. Cunec einen Schadenersatz von 129 999 M., weil er ihm, gegen seinen Willen und die ausdrückliche Vereinbarung, den bei einem Sturze gebrochenen obersten Fußwurzel» knochen das Sprungbein entfernt hatte. Arbeiterknochen find billiger. Karten zum Johannisfest in ihren Bureaus geduldet Häven würden. danach hat sich die.Zeitschrift" gar nicht erst erkundigt. Für sie ist der Beweis der.sozialdemokratischen Tendenzen" des Buchdrucker Verbandes mit der besagten Tatsache erwiesen." 12. Generalversammlung öes Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands. Stuttgart, 7. Juli 1914. 2. Verhandlungstag. Der Bericht der Maudatsprüfungskoinmission ergibt die An Wesenheit von 148 Delegierten, darunter 6 weiblichen. Außerdem sind, mehrere ausländische Gäste anwesend; Legten vertritt die Generolkommission. Nach Erschöpfung der Debatte über die Berichte werden An träge angenommen, die sich auf die Einberufung von Konferenzen und statistische Erhebungen beziehen. Es kommen dabei Margarine- fabriken, Tapeten- und Kaolinwerke in Betracht. Das statistische Bureau soll ausgebaut werden, für die Funktionärversicherung wird das Obligatorium beschlossen; eine weiter noch angenommene Resolution fordert, daß die„Gleichheit" mehr als bisher gewcrk- schaftlichen Interessen dienen soll. In geschlossener Sitzung verhandelt die Generalversammlung sodann über: i.»Die Führung von Lohnbewegungen und Streiks." Stille- Hannover erörtert die wirtschaftlichen, technischen und produktionssteigernden Veränderungen, weiter die Unter- nehmerorganisationen und ihre Taktik, um anschliessend daran die sich ergebenden taktischen Maßnahmen bei Lohnbewegungen dar- zulegen. Streiks, Aussperrungen, Boykotts, Tarifverträge zog der Referent dabei in den Kreis seiner Darlegungen. Der Vorstand habe bei seinem taktischen Verhalten den veränderten Verhältnissen Rechnung getragen und dabei gute Erfolge erzielt. Zu einer Ver- änderung seiner bisherigen Taktik liege kein Anlah vor. Man stehe nicht auf dem Standpunkt: Tarifverträge um jeden Preis. Ein Teil der Verträge fei nach ihrem Ablauf nicht wieder erneuert worden. In der Debatte kamen grundsätzliche Meinungsver- schiedenheiten nicht zum Ausdruck. Teilweise beschäftigte man sich mit den Arbeitsverhältnissen in Genossenschaftsbetrieben. Zu dem Punkt liegen verschiedene Anträge vor, die den Gau- leitern ein grösseres Recht bei Streiks einräumen soll. Darüber Wird erst bei Erledigung der Statutenberatung abgestimmt. Damit waren die heutigen Verhandlungen beendet. H. verbanöstag der Such- und Steindruckereihilfsarbeiter. \ Leipzig, 7. Juki 1V14. Die Aussprache über den Berliner Konflikt, die in geschlossener Sitzung geführt wurde, nahm nicht nur den ersten Verhandlungstag, soildern auch noch den ganzen heutigen Tag in Anspruch. Mit den Differenzen zwischen dem Hauptvorswnd und der Berliner Orts Verwaltung musste sich schon ein ausserordentlicher Verbandstag im Februar 1912 beschäftigen, da sie den damaligen Tarifkampf, den der Verband zu führen hatte, ungemein erschwerten. ES handelte sich hierbei um Meinungsverschiedenheiten über den Abschluß des neuen Tarifes. Gegen den vom Hauptvorstande sanktionierten neuen Tarif liefen die Berliner Sturm. Die Delegierten des genannten Verbandstages hiessen aber das Verhalten des Vorstandes gut und kamen durch die Verhandlungen zu der Aufafssung, dah ein spriehlicheS Zusammenarbeiten zwischen Hauptvorstand und der seinerzeitigen Berliner Ortsverwaltung nicht möglich sei; besonders nicht mit dem Ortsbeamten August Moritz. Da in Konseguenz dieser Entschließung der Vorsitzende der Aerliner Verwaltung Moritz nicht von seinem Posten zurücktrat, sdßritt der Hauvtvorstand zur Amtsenthebung, wozu sich dieser auch i./ch durch andere schwere Konfliktsfälle für berechtigt, ja ver- pflichtet hielt. Die Berliner Mitgliedschaft stellte sich aber hinter ihren Beamten, bekundete ihm ihr Vertrauen und gab ihm ein Mandat zum diesjährigen BerbandStag. Hierin erblickte der Haupt- vorstand einen Affront und es kam nun zu der zweitägigen Aus spräche, die zum Teil recht heftig geführt wurde. Sie fand ihren Abschluß in der Erklärung der Vorsitzenden Thiede, dah mit der Aussprache die ganze Angelegenheit nunmehr als erledigt an- zusehen sei und sich wieder alle zu einem ersprießlichen Zusammen- wirken finden mögen. Der Verbandstag stimmte stillschweigend zu »nd faßte keinen Beschluß._ Mus InSustrie und Handel. Der Terrorismus in den Konventionen. Von Anfang an haben die Kartelle und Konventionen in der kapitalistischen Produktionsweise gegen ihre Mitglieder und vor allen Dingen gegen die Außenseiter ihrer Bestrebungen mit Gewalt und Schrecken ihr Regiment gesichert. CS ist ein billiges Vergnügen, sich darüber moralisch zu entrüsten. Der Kapi- talismuS, der überall nur nach der Höhe des Profits seine Maß- regeln bestimmt, hat nur in den Kartellen und ähnlichen Organi- sationen besonders starke und einschneidende Mittel, seinen rück- sichtslosen Willen durchzusetzen. Daß er es auf anderen Gebieten, wenn auch nicht immer so offen und klar, mit der gleichen Gewalt tut, wissen gerade Arbeiter am besten. Sie lehnen es deshalb auch ab, in die moralischen Lamentationen der bürgerlichen Handels« presse einzustimmen, wenn in irgend einer Konvention, in irgend einem Syndikat oder in einem ähnlichen Gebilde der Terror und die brutale Gewalt die sogenannte gewerbliche Freiheit spielend über den Haufen rennen. Das„Berliner Tageblatt" gefiel sich in den letzten Tagen wieder in derartiger sittlicher Entrüstung. Zunächst empörte es sich über den Verband der Blumen- und Blätterfabrikanten und die Vereinigung der Blumen- und Jeder- industriellen in Berlin, die beide einen Kartellvertrag ge- schlössen haben. Es hatte sich da folgender Fall abgespielt: Eine Firma, die ihre Mitgliedschaft bei diesen Verbänden gekündigt hatte, wurde mit einer Reihe von anderen Firmen, die ähnlich verfahren hatten, auf die Outsiderliste gesetzt, das heißt: die Angehörigen der genannten Fabrikantenverbände dürfen nach dem 1. Januar 1915 keine Geschäfte mit diesen Firmen machen. Die Mitglieder der beiden Konventionen dürfen aber auch jetzt nicht mehr solche Ge- schäfte mit den gesperrten Firmen abschließen, die über den 1. Januar 1915 hinauslaufen. Das„Berliner Tageblatt" berichtet über die sauberen kapitalistischen Gewaltmaßregeln dieser Verbände weiter: Die Leitung des Verbandes der Blumen- und Blätter- fabriianten beschränkt sich jedoch nicht darauf, den Mitgliedern, die von ihrem Rechte der Kündigung Gebrauch gemacht haben, das Geschäft zu unterbinden, sondern sie übt auf alle anderen Mitglieder eine Art Gewissenszwang aus, denn nach einem uns vorliegenden Protokoll der dritten ausserordentlichen Generalver- fammlung des Verbandes der Blumen, und Blätterfabrikanten wurde folgender Beschluß gefaßt: �.Bei 1000 M. Konventionalstrafe für jeden einzelnen Fall und bei Stellung unter das Schiedsgericht ist es den Mitgliedern unter- sagt, Outsidern gegenüber zu erklären, daß sie in innerer Gegner- schaff zu dem Verbände ständen, und daß sie sich der Nichtbelieferung ber Outsider nur fügten, weil sie einem Zwange unterständen. In derselben Versammlung, in der der vorstehende Beschluß ge- faßt wurde, fragte die Verbandsleitung die Mitglieder, wer mit einer Fachzeitung, die den Vorstand mit einer Klage bedrohte, in Verbindung gestanden, und ihr Informationen gebracht habe. Niemand wagte es, sich zu melden, und der Vorstand konnte fest- stellen, daß„innerhalb der Fabrikantenkreise niemals Gegnerschaft gegen den Verband bestanden habe." Wie der Vorstand des Ver- bandes auf der einen Seite in rigoroser Weise danach strebt, nach außen hin den Anschein zu erwecken, als ob die Mitglieder mit allen Maßnahmen der Leitung völlig einverstanden sind, so erlätzt andererseits innerhalb des Verbandes drakonische Gesetze. Jede freie Entscheidung Set MitMeßer wird untersagt. Selbst dl» geringste Differenz ziwschen den Fabrikanten und der Kundschaft (die zum größten Teil Mitglieder der Vereinigung der Blumen- und Federindustriellen sind) dürfen nicht ohne Beihilfe des Vor standes geregelt werden." Auf derselben Seite seines Abendblattes vom Dienstag muß das„Berliner Tageblatt" berichten, daß das Reichsgericht am Montag erneut die Zulässiakeit solcher terroristischen Sperren an- erkannt hat. Es handelt sich in dem neuen Urteil des Reichsgerichts (VI. 205. 14.) um einen Fall, durch den ein Grohdestillateur von den Abnehmern durch Beschlutz einer Gastwirtskonvention„gesperrt" wurde, weil er als Außenseiter sich den Konventionsbedingungen (unter anderem Minimalpreis für Bier) nicht fügen wollte. Der von der Sperre betroffene Gewerbetreibende hatte auf Rück nähme der Maßregel geklagt; das Landgericht(Hamburg) hatte auch entsprechend erkannt. Das Oberlandesgericht aber und das Reichsgericht haben die Klage abgewiesen. Beide Instanzen sind davon ansgeganen, daß die von Gewerbetreibenden über einen Berufsgenossen verhängte(Lieferanten- oder Abnehmer-) Sperre nur dann gegen die guten Sitten verstoße, also unzulässig sei, wenn die Existenzgrundlage des Betroffenen bedroht sei, und sein wirtschaftlicher Ruin durch die Sperre herbeigeführt werde. Die durch die Sperre verursachte Schädigung müsse im allgemeinen der Betroffene eben tragen, denn die nicht auf persönlicher Gehässig- keit, auf Recht oder ähnlichen Motiven, sondern auf an sich er- laubten Abmachungen beruhende Matzregel verstoße für sich allein noch nicht gegen das Gesetz. Man ersieht aus diesem Urteil, wie der höchste Gerichtshof des Deutschen Reiches sich in seiner Rechtsprechung durchaus der Wirt« schaftlichen Entwickelung anschließt. Eine Wirtschafts- o r d n u n g, die auf brutaler Macht und Gewalt des Geldes beruht, muß naturnotwendig diese Erscheinungen auch in ihren Rechts- normen zum Ausdruck bringen; das ist eine alte sozialistische Erkenntnis, die nur den liberalen Gehirnen noch immer ein Buch mit sieben Siegeln bleibt. Wir haben in der letzten Zeit an einer besonders großen Anzahl von Beispielen aus der Wirtschaftspolitik der Kartelle und Syndikate, ebenso aber auch aus der Politik der Handwerkerinnungen diesen kapitalistischen Terrorismus vielfältig aufgezeigt; denn diese Beispiele sind zugleich eine gute Waffe für die Organisationen der Arbeiterklasse, wenn ihnen in ihrem not- wendigen Kamps um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen von den Unternehmern zur Abwehr energische Mittel aufgezwungen werden. Wenn sich in solchen Fällen die von den Unternehmern auSgehaltenen Preßorgane über diese Abwehrmaßregeln der Arbeiterorganisationen entrüsten, ist es gut, ihnen diese Fülle von eispielen eines wirklichen wirtschaftlichen error ismus entgegenzuhalten. Soziales. Lohn für Feiertage Ein in einer Buchdruckerei beschäftigter Buchbinder untersteht dem Buchbruckertarif. So hat gestern die Kammer 7 des Gewerbe gerichts entschieden. Dem Streit lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Kläger war Buchbinder bei der Firma Köhn. Er wollte den 3. Pfingst fciertag beurlaubt sein. Der Urlaub wurde ihm verweigert. Den- noch blieb er der Arbeit fern. Ihm wurde gekündigt und bei seinem Abgange der tarifliche Lohn für den 2. Feiertag vorenthalten. Auf diesen Betrag lautete der Klageanspruch. Der Beklagt« vertrat die Ansicht, daß er zur Zahlung nicht verpflichtet sei, wenn der Arbeiter am 3. Feiertag fehlt. Das Gericht stellte sich auf den gleichen Standpunkt und legte dabei die entsprechende Bestimmung de? Buchdruckertarifs zugrunde, in diesem Falle maßgebend, sei. Lebenslängliche Anstellung einer Kontoristin. Die Klägerin B- war von einem Bürgermeister M. in GüterS loh als Vorsitzender der Teutoburgerwald-Eisenbahngcsellschast als Bureauborsteherin und Sekretärin angestellt worden. Die An stellung erfolgte durch Vertrag vom 13. September 1910„auf Lebenszeit mit dreimonatiger Kündigung". Im Januar 1911 bat die Klägerin um Mitteilung darüber, in welchen Fällen die drei- monatige Kündigung die lebenslängliche Anstellung aufheben sollte. Darauf erwiderte die Gesellschaft, daß die Kündigung nur bei der Berchelichung der Klägerin, bei Verstaatlichung der Bahn und bei einer Verfehlung der Klägerin, die ein Einschreiten auf Grund der Disziplinargesetzgebung für Staats- und Gemeindebeamte erforder- lich mache, möglich sein sollte. Im Jahre 1912 ging die Geschäfts- leitung in andere Hände über. Beschlossen wurde nun, die Ver- waltung der Bahn nach Berlin zu verlegen. Hier wurde die Klägerin in einem größeren Bureau beschäftigt und zwei anderen weiblichen Angestellten untergeordnet. Die Klägerin hat dann Klage auf Feststellung erhoben, daß sie lebenslänglich angestellt sei, daß ein Grund zur Künbigung nicht vorliege, daß sie aber nicht verpflichtet sei, unter den in Berlin gegebenen Verhältnissen zu arbeiten. Die beklagte Gesellschaft hat in einer Widerklage Fest- stellung darüber beantragt, daß die Klägerin nickst lebenslänglich angestellt worden ist. Sämtliche Instanzen— das Reichsgericht am Dienstag— haben der Klage stattgegeben und die Widerklage abgewiesen. In den Gründen des Oberlandesgerichts Hamm heißt es: Die Klägerin ist auf Lebenszeit angestellt worden unter der Bedingung, daß die Kündigung nur beim Vorliegen eines der drei vertraglichen Gründe möglich sein sollte. Tie Verlegung der Verwaltung nach Berlin ist für die Bahn kein vertraglicher Kündigungsgrund. Die Klägerin nahm in Gütersloh eine ganz andere Stellung ein als in Berlin, wo sie sich anderen Damen unterordnen und die gewöhn- liche Stellung einer Kontoristin bekleiden soll. Arbeiten, die sie früher einem ihr untergegebenen Gehilfen übertragen durfte, muß sie in Berlin selbst ausführen. Es hat die Klägerin bei Abschluß des Vertrages nicht damit rechnen können, daß die Verwaltung einmal so weit von der Bahn entfernt verlegt werden würde. Aus allen diesen Gründen kann nicht angenommen werden, daß die Klägerin verpflichtet ist, die Stellung in Berlin zu bekleiden. Nach alledem steht der Verpflichtung der Beklagten zur weiteren Be- schäftigung der Klägerin unabänderlich fest, ohne daß die Klägerin die Pflicht hat, die Berliner Stellung zu bekleiden. 30 M. Gehalt und 700 M.„Trinkgeld". Ein recht eindeutiges Angebot für Schauspielerinnen machte der Direktor des„Palais de Danse" in Hannover. Er suchte vermittels eines Inserates Schauspielerinnen, die zur Qualifizierung für sein Unternehmen nur Jugend und Schönheit mitzubringen brauchten. Talent tvar sozusagen Nebensache. Da die beiden Attribute diele beschäftigungslose Schauspiele- rinnen zu haben glaubten, so meldete sich auf das Inserat eine große Anzahl von Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts. Ihnen allen ging dann ein gleichlautendes Schreiben zu, in welchem die Direktion mitteilt, daß sie„junge, hübsche, gebildete Damen mit heiterem Gemüt" als Gesellschaftsdamen für ihr Ballhaus zu engagieren sucht. Die Damen müssen Unterhaltungsgabe be- sitzen, sowie über gute Umgangsformen und schicke Toiletten ver- fügen. Die Dienstzeit sei von 10 Uhr abends bis 3 Uhr nachts. Die„Gage" betrage 30 M. monatlich und freies Abendbrot, dazu kämen aber noch die„Trinkgelder", die sehr üppig seien.„Nach unseren Erfahrungen", so heißt es in dem Werbeschrciben wörtlich, „erhalten bei uns die Damen monatlich bis zu 700 M. Trink. gelder." Mehrere Schauspielerinnen, die dieses„verlockende" Angebot erhielten, übergaben das Schreiben der Ballhausdirektion dem Präsidium der Deutschen Bühnengenossrnschaft. Dies fetzt« sich schleunigst mit der Polizeidircktion in Hannover in Verbindung. Diese ließ auch dem unternehmungslustigen Direktor eine drin- gcnde Verwarnung zuteil werden. Fürs erste werden also wohl gebildete Damen mit �uten Umgangsformen und schicken Toiletten" vor ähnlich glanzenden Trinkgeldangeboten bewahrt werden. Gerichtszeitung. Ein Hund, ein Rechtsanwalt und ein Gendarm. Wem gehört der Hund? Wer muß für des Hundes Frevel Buße tun? Am 21. September v. I. spazierte der Rechtsanwalt Ubbelohde mit einer Frau K. und deren Hund im Grunewald. Der Gen- darmeriewachtmeister fragte, ob der Hund den Herrschaften gehöre. Ja, erwiderte der Anwalt. Der Gendarm wies darauf hin, daß Maulkorbzwang bestehe. Der Anwalt erklärte, das habe er nicht gewußt, er sei verreist gewesen, legte dem Hund den Maulkorb um und führte ihn an der Leine. Der Gendarm beftagte dann den Anwalt nach seinen Personalien. Bald darauf erhielt der Anwalt eine Strafverfügung über 3 M. Er beantragte gerichtliche Entscheidung und wurde freigesprochen, da er den Hund weder besessen noch zur Aufficht erhalten hatte. Doch Strafe muß sein. Die Staatsanwaltschaft erhob nun Anklage wegen Begünstigung des von Frau K. begangenen Ber- gehen« gegen das Biehseuchengcsctz. Das Landgericht Berlin III verurteilte den Angeklagten auch zu 15 M. Geldstrafe, da er durch die Beantwortung der Frage des Gendarmen der Sünderin, Frau K., wissentlich Beistand geleistet hat, um sie der Strafe zu entziehen. Der Anwalt legte Revision ein. Der NcichSanwalt erklärte am Dienstag die Revision für begründet. Das Reichsgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Rechtsirrtümlich wurde es in der Begründung bezeichnet, daß in der Beantwortung der Frage des Gendarmen allein die dem An- geklagten zur Last gelegte Begünstigung erblickt worden ist. Der Knabe Franz fing an, ihr fürchterlich zu werde«. Aus dem polnischen Kriegsschauplatz wird uns wieder einmal eine jener Burlesken gemeldet, deren unfreiwillige Heldin die Regierung ist. Lebt da bei Schneibcmühl ein Bürger Kujowskt. Ihm hatte vor rund 50 Jahren sein Vater den Vornamen Franziszek gegeben. Dieser Name war auch in lateinischer Schrift ins Kirchenbuch eingetragen und von seinem Inhaber sein Leben lang ehrbar gehütet und geführt. Das belegte aber einem Hakatistcn nicht. Hakatisten nennt man die Mitglieder und Gesinnungs- genossen des„Vereins zur Förderung des Deutschtums in den Ostmarken" nach den Anfangsbuchstaben der Vereinsgründer Hanfemann, Kennemann und Tiedemann. Die Hakatisten gehen bekanntlich auf Umsturz alles dessen aus, was in den Ostmarken polnisch klingt und was der Vermehrung des Profits ans Grund- besitz den Deutschen entgegen stehen könnte. Ihnen ist es gelungen, die preußische Regierung und den Landtag zur Hergabe von Hunderten von Millionen unter der Flagge der Bekämpfung des polnischen Einflusses zu bewegen und Ausnahmegesetze selbst gegen das Eigentum— Notabene, wenn eS Polen gehört— zu veranlassen. Neben diesem schweren mit Mißerfolgen auf Mißerfolgen gekrönten Kampf zählen massenhafte kleinere Attacken gegen Rechte der polnisch sprechenden Bevölkerung zur Lebensaufgabe der Haka- tisten. Dazu gehört insbesondere der Kampf gegen das Recht der Polen zur Führung des Namens, der mit ihnen geborem„Franzis- zek"— der Name muß weg, der teutsche Name„Franz" gehört an seine Stelle. KujowSki soll Franz heißen, so ist mein Wille, mein Befehl. Franziszek ist, öffentlich genannt, eine Auflehnung gegen den Willen der königlich preußischen RegierunySwciSheit, denn eine Verordnung des Oberpräsidenten der Provinz Posen vom 3. Dezember 1912 bestimmt: Alle Fuhrwerke, welche nicht ans- ausschließlich der Beförderung von Personen dienen, müssen� sofern sie auf öffentlichen Wegen benutzt werden, auf einer angebrachten Tafel den Bor- und Zunahmen des Besitzer», sowie den Orts- namen in amtlicher Schreibweise tragen. Franziszek KujowSki schreibt dennoch leinen ehrlichen Namen auf die Tafel seines Wagens. Her irnt einer Anklage! Und die Anklage kam. DaS Landgericht Schncibemühl sprach frei. Die Staatsanwalt- fchaft legte Revision ein. Bei der Vertretung der Revision wurde es der Oberstaatsanwaltschaft, die bislang mutig den Kampf gegen wciß-rote Schleifen, Schlipse, Busennadeln und dergleichen mit- gemacht hatte, gruselig. Diese Ueberspitzung des Unrechts zum frivolen Recht konnte ihr nicht behagen. Der Hakatisten-Franz fing an, ihr fürchterlich zu werden. Kurz entschlossen beantragte er Verwerfung der Revision: es gebe kein Gesetz, das einem Vater verbiete, seinen Sohn Franziszek zu nennen. DaS Kammrgericht verwarf die Revision der Staatsanwalt- fchaft. Es führte kurz aus, daß der Angeklagte vom Vater seiner- zeit den Namen Franziszek erhalten habe und daß nicht einzusehen sei, weshalb er, wenn er so heiße, sich nicht so nennen solle. Sehr richtig und sehr einleuchtend. Weshalb gestattet das Gesetz gegen Freisprechungen die Einlegung einer Re- Vision seitens der Staatsanwaltschaft und läßt es nicht wenig- stens zu, in den Fällen, in denen die Staatsanwaltschaft unterliegt, die Kosten den Staatsanwälten, Polizisten und Hakatisten persönlich aufzubrummen? So müssen die Steuer- zahler auch diese Kosten zahlen. Ein Lehrer als Sittlichkeitsverbreche?. Ein gefährlicher Jugenderzieher mußte sich gestern in der Person des erst 23jährigen Gemeindeschullehrers Otto Paul Bock vor dem Strafrichter verantworten. Wegen Verbrechens gegen den 8 174 St.-G.-B. hatte die 1. Straft kamnier des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichts- direkwrs Vater gegen B. zu verhandeln. Wie die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführte Beweis- aufnähme ergab, war B. in dem Dörfchen Berge bei Nauen als Gemeindelehrer angestellt gewesen. Schon seid längerer Zeit munkelte man im Dorfe, daß der junge Lehrer etwas auffällig zärtlich zu den ihm unterstellten Schulmädchen sei. Die ins- geheim angestellten Ermittlungen ergaben, daß der Angeklagte am Schlüsse des Unterrichts immer ein Schnlmädckjcn mit irgend einem Auftrage des Nachmittags zu sich in die Wohnung bestellte und sich dann an dem Kinde verging. Zu den Mädchen, an denen sich B. vergamgen hatte, gehörte u. a. die 10 jährige Tochter des zu- tändigen Gendarmeriewachtmeistcrs.— Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von Il-H Jahre«, während R.-A. Dr. Feld als Verteidiger dies Angeklagten auf das Gutachten des Ge- richtsarztes Dr. Marx hinwies, der den Angeklagten als einen in sexueller Hinsicht etwas entarteten und daher Widerstands- unfähigen Menschen bezeichnet hatte. Das Urteil lautete auf Monate Gefängnis. Einbrüche in Berliner Gemeind'eschulen hatte der Lithograph Erich H ö f f l e r verübt, gegen den gestern die 7. Strafkammer des Landgerichts I eine Anklage wegen wiederholten schweren Diebstahls zu verhandeln hatte. Der schon wegen Diebstahls vorbestrafte Angeklagte rechnete mit der Tatsache, daß sich in den Räumen der gewöhnlich nur durch den Schuldiener bewachten Berliner Gemeindeschulen alle möglichen Gegenstände befinden, die sich leicht zu Gelde machen lassen. Er ging durch die stets offenstehenden Türen auf die ein- zelnen Schulgrundstücke und fragte, wenn er zufällig auf den Schuldiener stieß nach irgendeinem Lehrer. Gelangte er in die Schulgebäude selbst, so erbrach er hier bie Zimmer der Lehrer bezw. die dort stehenden Schränke und eignete sich die für den Gesangsunterricht benutzten Geigen, wie auch andere Gegenstände an. Unter den gestohlenen Geigen befanden sich Instrumente im Werte von mehreren hundert Mark. Da» Gericht verurteilte den Angeklagten mit Rückficht auf die Gemeingefährlichkeit derartiger Diebstähle zu 1 Jahr und 6 Mo- nate« Gefängnis. Verantwortlicher Redakteur� Ulbert Wachs. Berlin. Für de» Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Drück u.VerIag:Lorwärta Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co. Berlin SW. Nr. 184. 31. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 9. Juli 1914. Parteiangelegenheiten. Zur Lokalliste. übrigens, weil der Leser sie meist lange behält, bei weitem nicht so Gerüche gezeigt. Dem Vernehmen nach waren diese darauf zurückoft den Leser wechseln, wie Unterhaltungsleftüre. Es wäre nicht zuführen, daß die Gesellschaft die Hoffnung hatte, durch Einführung ohne Interesse, für die einzelnen Bibliotheken zu erfahren, mit wie neuer Einrichtungen dem Polizeipräsidenten den Nachweis zu liefern, viel Bänden an dem Bestand die verschiedenen Wissens daß die gemachten Uebelstände auch ohne Einstellung zu beseitigen Folgende Lokale stehen uns zu allen Veranstaltungen zur Ver- Der Bericht gibt aber nicht mal für die Gesamtheit der Bolts- drückliche Vorstellung des Magistrats der Polizeipräsident erklärt, gebiete beteiligt sind und wieviel Entleihungen diese haben. wären. Nachdem dies indessen nicht gelungen, hat sich auf die nachs fügung: In Karlshorst N.-B. das Lokal zur Künstler- Klause, Treskow- bibliotheken die Bücherbestände der verschiedenen Wissensgebiete den Betrieb gänzlich einstellen zu lassen. Es ist also zu hoffen, daß Allee 50. an, sondes unterscheidet felbst hier na Wissengebieten nur die betroffene Gegend am Friedrichshain nunmehr von den Be die Entleihungen. Man erfährt da, daß an den 1 648 097 läftigungen als endgültig befreit gelten kann. entliehenen Bänden beteiligt waren: Deutsche Literatur allein mit 715 753 Bänden, Zeitschriften und Sammelwerke mit 231 442, Jugendschriften mit 287 662, Auslandsliteratur mit 180 526. Das Aus dem Fenster gesprungen. sind zusammen 1 415 383 Bände, so daß für die vorwiegend wissen mittag die 37 Jahre alte aus Jauer gebürtige Arbeiterin Selma Durch einen Sprung aus dem Fenster nahm sich Dienstag nach schaftlichen Bücher( Geschichte, Geographie, Naturwissenschaften, Alose aus der Schwerinstraße 7 das Leben. Sie war mit ihrem Technik und Gewerbe, Staats- und Rechtswissenschaft, Kunstgeschichte, Schlafburschen in Streit geraten, weil sie Grund zu haben glaubte, Philosophie usw. usw.) zusammen nur 282 714 entliehene Bände daß dieser sie verlassen wollte. Nach seinem Fortgange schrieb fie übrig bleiben. Die Zahlen tönnte man nur dann richtig würdigen, auf einen Bettel:„ Da mich dieser Mann nach 11 Jahren nicht wenn man für jedes Wissensgebiet auch die Bestandstärke wüßte. Die mit den Volksbibliotheken verbundenen Besehallen, fann ich es nicht mehr ertragen". Diesen Zettel steckte sie sich an heiraten will, und er ein anderes Verhältnis angeknüpft hat, darum jezt 13 für Erwachsene, wurden im letzten Jahre von 145 118 Per- die Brust und sprang dann aus dem vierten Stockwerf des Querfonen besucht, im vorlegten hatten die damals 14 Resehallen gebäudes auf den Hof hinab, wo sie tot liegen blieb. Die Leiche 144 894 Besucher. Die Nachschlagewerke verminderten sich auf wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhaufe gebracht. 11 547 Bände. Die Lesehalle in der Ehrenbergstraße ist seit Mitte Mai vorigen Jahres Kinderleseballe. Dieser erste Versuch der Stadt hat Erfolg gehabt. In zunächst 10%, Monaten tamen In Biesenthal 0.-B. das Lokal Restaurant Seeschloß. In Charlottenburg T.-B. das Restaurant zum Nußbaum, Inh. Hans Knöfler, am Verbindungskanal 12 Der Paradiesgarten, Tegler Weg 63, hat den Befizer gewechselt. Der neue Inhaber Tätsch, stellt dasselbe wie bisher zur Verfügung. Die Lokalkommission. Treptow- Baumschulenweg. Morgen Freitag, abends von 7 Uhr an: wichtige Flugblattverbreitung in allen Bezirken. Wannsee. Sonnabend, den 11. Juli, abends 19 Uhr, im " Fürstenhof"( Hille): Versammlung des Wahlvereins. Röntgental Zepernick- Buch. Heute abend 81%, Uhr findet für Röntgental und Bepernick der Zahlabend im Lokal von August Lange, Siemensstr. 10, statt. Wegen Vornahme der Urabstimmung ist das Erscheinen aller Genossen notwendig. Für Buch findet der Zahlabend am Sonnabend, den 11. d. M., abends 8 Uhr, im Lokal von Piotrowski, Bahnhofstr. 6, statt. Berliner Nachrichten. Morgens im Park. Wer kennt den Hochgenuß, schon früh um Fünfe oder noch eher, wenn der größte Teil alles Lebenden in der Weltstadt in tiefem Schlafe liegt, würzige Parkluft in die Lungen zu atmen? Ein paar hundert Leidende sind's, die energisch auch dies versuchen, um Heilung zu finden, auch ein paar hundert halbwegs Gesunde, die den hygienischen Wert des Morgenspazierganges erkannt haben. Im Geschwindschritt eilen wohl noch einige Tausende durch die Parts, aber das sind nur versprengte Solonnen der Arbeiterbataillone, die mit dem Glockenschlage Sechs auf der Walstatt des Erwerbes sein müssen und im Vorübergehen die Lunge voll Parkozon in die muffige Werkelstube mitnehmen. " Raubzüge durch Sommerlokale. hier als Besucher 33 181 Kinder. Die Höchstzahl an einem Tage Nächtliche Raubzüge durch Sommerlokale im Norden Berlins, war 225 Kinder bei 70 vorhandenen Plätzen, so daß jeder Plaz besonders in Tegel und Umgebung, machte eine ungleichaltetge durchschnittlich dreimal den Inhaber wechseln mußte. Der Bücher- Diebesbande, die feit längerer Zeit ihr Unwesen mit einer feltenen bestand betrug 1142 Bände. Der Bericht rühmt, daß sich die an hatte zu diesen nächtlichen Streifzügen drei junge Burschen geDreiftigkeit trieb. Der 48 Jahre alte Arbeiter" Karl Schröder Disziplin gewöhnten Großstadtkinder schnell an die eingeführte wonnen, von denen zwei mit ihm zusammen festgenommen werden Ordnung gewöhnt" haben. Eine zweite Kinderlesehalle soll noch in konnten, während der dritte Helfershelfer von der Kriminalpolizei 1914 eröffnet werden. noch gesucht wird. Die Bande war nicht nur mit dem für ihren Beruf" unumgänglich notwendigen Werkzeug" ausgerüstet, Vom„ Tierfriedhof" in der Müllerstraße bringt die sondern führte außerdem noch große Säde und Talglichte illustrierte Beilage der Bossischen Zeitung" zwei Zeitbilder. mit. Nachdem sie sich gewaltsam Eingang in die Lokale, wie Man sieht da lauter umfriedete Einzelhügel mit marmornen in das Strandschloß", das Schloß Tegel" u. a. m. verschafft Gedenksteinen, prächtigen Rosensträuchern und anderen Schmuck. hatten, zündeten fie die Lichte an und stedten in die Säde, was Sogar Stühle sind aufgestellt, damit die trauernden Hinter- Besteds, Deden und Tücher, aber auch die Kleidungsstücke und WertHinter- fie nur fanden: Speisen und Getränke, Zigarren und Zigaretten, bliebenen an den Gräber" ihrer Stöter, Razen und Piep- fachen der Angestellten. War das eine Lokal ausgeplündert, so zogen mäge sigend verweilen können. Freilich sind Haustiere treuer fie in der gleichen Nacht noch in ein zweites, oft auch noch in ein als die Menschen, aber es bleibt deshalb doch wahr: die drittes, bis sie genug zusammengestohlen hatten. In einem Falle Welt wird immer verkehrter und verrückter. Man vergleiche wäre es ihnen beinahe sehr schlecht ergangen. Bestohlene Kellner Und doch wie entzückend ist der Sommermorgen! Die gefälligst mit dem Schmuck des Friedhofs" trepierter Biecher eines Sommerlofals legten sich in den folgenden Nächten auf die Glücklichen, die weit in den Vororten wohnen, vielleicht einen die würdelose Beschaffenheit der Armengräber auf unseren Lauer, da sie damit rechneten, daß die Diebe wiederkommen würden. halb- oder einstündigen Weg durch herrlichen Wald machen Menschenfriedhöfen. Das gibt zu denken und ist ein schwerer Als sie auch tatsächlich zum zweiten Male tamen, empfingen sie die müssen, um zu ihrer Berufsarbeit zu gelangen, wissen es zu Vorwurf für alle, die es angeht. Kellner mit Revolverschüssen. Die Kugeln verfehlten jedoch alle ihr würdigen. Sieht man es nicht förmlich, wie die Waldgräser Ziel und die Bande entfam unversehrt. Jetzt ist es gelungen, die sich aufrichten, die blattschweren Zweige sich erste Kraft holen Täter festzustellen, zu ermitteln und zu verhaften. Alle drei wurden Die Schulferien und der Tierschuh. bon der blinzelnden Morgensonne, wie die Blütenkelche gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt. sich öffnen und wundersamen Duft entfenden? Im Halbzieher, namentlich an die Führer und Führerinnen von FerienZum Beginn der Ferienzeit fet an alle Eltern und Erfchlummer träumt noch der Waldsee, aber die Vogelwelt folonien, die herzliche Bitte gerichtet: die Zeit des fröhlichen biel bestaunten Wandelnden Blätter" jetzt bereits in der zweiten Im Infektarium des Berliner Aquariums vermehren sich die ist schon wach und jubiliert, als wäre die Erde, die so viel des Leides birgt, ein einziges Paradies. Da weitet den Tierschutz zu lenken. Nicht nur die Schonung der Vögel, monatlicher Ruhe fast alle glücklich ausgeschlüpft, und nach weiteren Zusammenseins zu benutzen, den Sinn der Kinder auch auf Generation. Von den über 200 Tiern, die im vorigen Sommer von der Stammutter hier abgelegt wurden, sind nach etwa viersich die Brust und der Blick des frühwandernden Menschen. der Käfer, der Schmetterlinge, der Kröten und Frösche, der vier bis fünf Monaten sind die ursprünglich roten, später grünen Hoffnungsglück zieht mit all der Naturpracht in sein Herz, Waldschnecken und des sonstigen Getiers sollte man ihnen Larben zu fortpflanzungsfähigen Tieren herangereift. Während die stärkt ihn zur Arbeit, mag sie auch gar so schwer fein um anempfehlen, sondern auch ihre Aufmerksamkeit sowohl den zahlreich erschienenen geflügelten und beweglichen Männchen nur fargen Lohn und die Hoffnung auf volles Menschenglück wieder qut als den schlecht gehaltenen Haus- und Zugtieren zuivenden. furglebig sind, dauern die Weibchen mehrere Monate aus. Biele von wie Seifenblasen zerflattern lassen. An den oft ohne Streu und Wasser an der Kette liegenden ihnen haben bereits eine ganze Anzahl Eier abgelegt. Im Sommer An die Kette der Arbeit und der Zeit geschmiedete Groß- unglücklichen Hofhunden und an den oft überlasteten und miß- ist die Fütterung auch zahlreicher Tiere mit Eichenblättern recht einstadtmenschen haben in der Morgenfrühe keinen Wald. Sie handelten Pferden sollte nicht ohne ein Wort der Teilnahme fach, im Winter jedoch hat sie ihre Schwierigkeit. Es muß daher müssen vorlieb nehmen mit den großen Parkanlagen. Sind sie nicht auch schön? Tönt nicht auch hier der Vöglein vorübergegangen werden. Auch auf die in engen Käfigen, Sorge getragen werden, daß im Gewächshaus auch in der kalten sie nicht auch schön? Zönt nicht auch hier der Vöglein manchmal übereinander, in der Sonnenglut an den Häusern stellen die den heuschredenartigen Infeften gehörenden, über das Jahreszeit junges Eichengrün zur Entwicklung kommt. Bekanntlich jubelndes Lied, weht nicht auch hier erquickende Luft? Drum hängenden Finken und anderen Vögel sollte man die Kinder tropische Afien verbreiteten Wandelnden Blätter ein Schulbeispiel ergehe sich jeder, der es irgendwie ausführlich machen kann, aufmerksam machen und sein Mißfallen äußern. Dagegen der Mimitry( Nachahmung der Umgebung) dar. Auch der kundige in diesen schönen Sommertagen, die so schnell vorübergehen, dürfte nie unterlassen werden, über wohlgepflegtes, sich auf Befchauer ist immer wieder über die schwere Auffindbarkeit dieser wenigstens öfters in der Woche frühmorgens eine Stunde in der Weide austummelndes Vieh freudigen Beifall zu äußern, blattähnlichen Tiere verblüfft. unsere großen Parts. Es macht sich bezahlt am fostbaren überhaupt die Teilnahme an der Tierwelt, die den StadtGut der Gesundheit, die gerade der Proletarier so nötig zum findern oft ganz fehlt, in jeder Weise zu erwecken. Kampfe ums Dasein braucht. Von den Bibliotheken der Stadt Berlin ist aus dem Verwaltungsjahr 1918( 1. April 1918 bis 31. März 1914) wieder eine Zunahme der Benuzung zu melden. StadtBibliothek und Voltsbibliotheken hatten, wie der jetzt vorliegende Jahresbericht des Bibliotheksturatoriums zeigt, eine weitere Mehrung der Bücherverleihungen. Werdersches Obst. Kleine Nachrichten. Aus Furcht vor dem Militärdienst suchte sich der 20jährige Techniker A. Duphorn aus der Kaiser- Friedrichstr. zu Charlottenburg zu erschießen. Es ist fraglich, ob der junge Mann mit dem Leben davonkommen wird. Einem Hizschlage beim Baden erlegen ist der 19jährige Elektromonteur K. Schurr im Straus berger See. Die Leiche fonnte noch nicht geborgen werden. Vorortnachrichten. Den Kampf aufgegeben. In der Dienstagnummer der Tempelhofer Zeitung" lesen wir folgenden Schwanengesang: Der Werdersche Obstversand nach Groß- Berlin hat in diesem Jahre einen gewaltigen Umfang angenommen, der der ertragreichen Ernte zuzuschreiben ist. Das prächtige Wetter der letzten Tage hat Früchte zur Reife gebracht, die dank der behutsamen Pflege und Kultur erste Qualitäten darstellen. Tagtäglich fährt der Werdersche Die Stadtbibliothet verlieh nach Hause 200 101 Bände, Dbftschleppaug vollbeladen mit Tienen, Kiepen und Körpen nach Tempelhof. wieder um rund 19 000 mehr als im Vorjahr, wo sie 181 424 nach Berlin, und dieser rasche Versand verhindert auch QualitätsHause verlieh. In ihrem Lesesaal wurden aus der Hand- verluste auf dem Transport. Die Ernte des Beerenobstes ist in bibliothek 70 050 Bände eingesehen und aus der Ausleihbibliothet vollem Gange und in bedeutenden Mengen erscheint nun die bie 22 585 Bände benutt, gegenüber 65 623 und 19 628 im Vorjahr. Himbeere auf dem Markt, neben ihr noch spätere Sorten der ErdDie Besucher des Lesesaals haben sich allerdings vermindert: dies- beere und neuerdings die Johannisbeere, die über Erwarten gut mal waren es 105 671, im Vorjahre 108 494. Der Raum sei zu gedieb. Von den Kirschsorten werden besonders viel die Knorpelwenig einladend, klagt der Bericht. Das neue Heim der Stadt- oder Knupperkirschen verladen. Eine viel gefragte Sorte ist jetzt die bibliothek wird ja nun in absehbarer Zeit zustande kommen und dem weiße Knorpel, die sich durch saftiges Fleisch auszeichnet und die Uebel abhelfen. Im letzten Jahre mehrten sich die Ausleihewerke Doktorkirsche, die zu den erlesensten Früchten der Werderschen der Stadtbibliothet auf 130 608 Bände, im Lesesaal die Nachschlage- Kulturen gehört. Die Sauerkirschen werden ebenfalls schon in werfe auf 4248 Bände, die Zeitungen und Zeitschriften auf 248. großen Lieferungen erportiert und die Stachelbeerenernte nimmt Die 28 Voltsbibliotheten verliehen 1648 097 Bände, ihren Anfang. Auf den Plantagen herrscht jetzt ein vielgeschäftiges gegenüber 1560 319 im Vorjahre. Ihr Bücherbestand stieg Treiben und der diesjährige Erntereichtum Werders beweist wieder, auf 236 179 Bände. Bei den Entleihungen steht an der auf welch hoher Stufe die Obstkammer Berlins mit ihrem Spige, wie feit langem, die 20. Bibliothek( Ravenéstraße) Obstbau steht. Ihre Leistungsfähigkeit wird infolge der mit diesmal 156 379 Bänden, wieder um volle 21 000 erhöhten und verbesserten Wasserversorgung und der Inbetrieb mehr. An die atveite Stelle ist jetzt die 19. Bibliothek( Sonnen- nahme der Dbstbewässerungsanlage fogar noch gesteigert werden burger Straße) gerückt, die in dem sich immer mehr bevölkernden können. nördlichen Teil der Schönhauser Vorstadt sehr rasch ihren LeserDie Dbstzüchtergenossenschaft und die mit ihr Hand in Hand treis erweitert hat. Sie lieh diesmal 107 616 Bände aus, um volle gehenden Berufsorganisationen der Werderschen Züchter haben in 17 000 mehr. Das Gegenstück ist die 23. Bibliothek( Olivaer diesem Jahre besondere hygienische Rücksichten beim Obstversand Straße), die wieder an legter Stelle steht, diesmal mit genommen. Fast durchweg werden neue oder sonst noch tadellose 10 445 ausgeliehenen Bänden. Auf die 8ahl der Körbe verwandt. Als Einlage wird nur weißes unbedrucktes Papier Bücherentleihungen hat die Stärke des Bücher verwendet und zum Schutz gegen Staub und Temperatureinflüsse bestandes keinen ausschlaggebenden Einfluß. Die zwanzigste werden saubere Kartondeckel auf die Körbe geschnürt. Bei den Bibliothek brachte- ihre 156 379 Entleihungen fertig bei Großhändlern hat dieser Verpackungsmodus Beifall gefunden und .An meine Leser! Am 27. Januar und am 13. März 1914 erlitt ich infolge übermäßiger geschäftlicher Anstrengung je einen leichten Schlag anfall. Nachdem ich verschiedene Sanatorien aufgesucht hatte, habe ich wohl Heilung gefunden. Jedoch verbieten mir meine Aerzte jetzt jede weitere redaktionelle sowie geschäftliche Tätigkeit, damit der Anfall nicht wiederkehre. Ich kann mich dem Rate der Arzte nicht entziehen und habe Beschlossen, mit dem heutigen Tage meine Tätigkeit als Redakteur niederzulegen und aus dem Ges schäfte, welches ich meinem Sohne übergeben habe, auszuscheiden. Mein Sohn führt schon seit Januar die Geschäfte der Redaktion im Beistand tüchtiger Redakteure und hat dadurch bereits bewiesen, daß die Zeitung auch unter der neuen Redaktion unbeirrt allen Anfeindungen gegenüber, die gerade in letter Zeit von gewisser Seite gegen die Beitung erhoben worden sind, ihren Weg fortsetzen wird, bestrebt, allen gerecht zu werden und Mißstände, wo sie auch immer auftreten mögen, ohne Ansehung der Person rückhaltlos zu bekämpfen. Fast 15 Jahre habe ich an der Spike der Mariendorfer und Tempelhofer Zeitung" und meiner Druckerei gestanden und habe das Unternehmen aus den denkbar kleinsten Anfängen zu einem Achtung gebietenden Betriebe gebracht. Ueber 4000 zahlende Abonnenten bilden den Stamm meines Unternehmens und alle Anfeindungen, alle Konkurrenz haben nicht vermocht, mein Unternehmen ins Wanten zu bringen. Ich sage hiermit allen treuen Abonnenten meinen herzlichsten Dank und bitte sie, ihr Wohlwollen auch auf meinen Sohn übertragen zu wollen. Hermann Wegner." Wir sind erstaunt über diesen plöblichen Abbruch des Kampjes. Nach den letzten Heldentaten des Herrn Wegner glaubten wir, daß jetzt noch ein heftigerer Streit als bisher entbrennen würde. Nun müffen wir erleben, daß der Kampfgewaltige die Waffen streckt. Ist bas ganz freiwillig geschehen oder haben geschäftliche Gründe dazu die Beranlassung gegeben? Es wird Krankheit vorgeschüßt, und das giffer jetzt bis auf knapp 3 pro Band herabgedrückt. Am schwächsten Die peftilenzialischen Gerüche am Friedrichshain. ift ein Grund, den auch wir anerkennen. Es drängt sich uns die war die Durchschnittsbenutzung wieder in der 23. Bibliothek, deren Aus dem Rathause wird mitgeteilt: Nachdem laut Mitteilung Frage auf: War denn dieser Herr bei seinen lezten Machenschaften 10 445 Entleihungen bei 5264 Bänden Bestand knapp 2 Entleihungen des Polizeipräsidenten an den Magistrat der Weiterbetrieb der zur gegen die Sozialdemokratie auch schon frank? pro Band ausmachen. Im einzelnen ist wirklich die Häufigkeit der Benuzung Berbreitung der üblen Gerüche Veranlassung gebenden Abteilung Ist er damals bereits frank gewesen, und seine Mitteilung eines Buches sehr verschieden: manches Buch wird gewiß im Jahre der Hefeverwertungsgesellschaft am Friedrichshain vom 1. Juli an läßt darauf schließen, dann könnte sein Vorgehen in etwas milderem an 100mal verliehen, während ein anderes vielleicht in zehn Jahren bis auf weiteres untersagt worden war, haben sich bedauerlicher- Lichte erscheinen; denn einem Kranken verzeiht man ja manches. kaum einmal einen Liebhaber findet. Wissenschaftliche Bücher können weise zur allgemeinen Belästigung des Bublifums wieder derartige Wir möchten jedoch unsere Ausführungen nicht schließen, ohne Herrn nur 12 212 Bänden, so baß sich durchschnittlich pro auch das Privatpublikum begrüßt diese unscheinbare, aber wesentliche Band fast 13 Entleihungen ergeben. Die 19. Bibliothek Neuerung. behalf sich mit nur 7267 Bänden, ihre 107 616 Entleihungen bedeuten Wer Werder einen Besuch abstattet, wird besonders auf Bemithin sogar fast 15 Entleihungen pro Band. Den stärksten Bestand achtung der Lokalliste berwiesen. Die beiden uns zur Verfügung hatte die 1. Bibliothek( Mohrenfraße) mit 14 273 Bänden, aber sie, stehenden Parteilokale sind das Lotal Schwarzer Adler", Resizer Die z. B. noch vor 10 Jahren mit 182 912 Entleihungen an der Karl Reinert, Fischerstr. 98, und Restaurant Friedrich Hinge, KugelSpize stand, lieh diesmal nur noch 42 012 Bände aus. Der hier weg 58. jeit langem andauernde Benutzungsrüdgang hat die Entleihungs Wegner unseres Dankes zu bersichsrn für die agitatorische Tätigkeit, die er für die Sozialdemokratie in Tempelhof-Mariendorf ge leistet hat._ Charlottenburg. Die Besuchszeiten für das Lichta und Luftbad auf dem Spiel platz Westend sind nach dessen Wiedereröffnung vielfachen Wünschen der Beteiligten entsprechend wie folgt geändert worden: Wochentags täglich bis 10 Uhr vormittags für männliche, von 10— 1 Ubr mittags für weibliche, von 1 Ubr ab wieder für männliche Personen Dienstags und Freitags jedock von 10 Uhr vormittags ab bis zum Schluß für weibliche Personen, Sonntags nur für männ liche Personen. Schöneberg. Zum Konflikt in der Allgemeinen Ortskrankcnkasse ist zu be richten, daß das VersicherungSaml den Kaufmann Ullmann, Personal chef der Schloßbrauerei Schöneberg A. zum kommissarischen Vor sitzenden bestellt und derselbe am Mittwoch, den 8. Juli, sein Amt bereits übernommen hat. Es dürfte dem Herrn bei einiger- maßen gutem Willen, den er zweifellos mitbringt, gelingen, die Gegensätze zu beseitigen, vorausgesetzt natürlich, daß die Arbeit- geberbeisitzer ebenfalls bemüht sind, nach dieser Richtung tätig zu sein. Die Arbeitnehmerbeisitzer werden peinlichst darauf achten, daß das bißchen Selbstverwaltung, was die Reichsversicherungsordnung den Vorständen noch gelassen, nicht angetastet wird, sollten daraus Konflikte mit den Behörden entstehen, so werden die Verwaltungs behörden zu entscheiden haben. Hohen-Schönhausev. Aus der Gemeindevertretung. Mitgeteilt wurde zunächst, daß, nachdem die Proteste gegen die diesjährigen Wahlen in der dritten Abteilung, in der die Genossen Drews und Sjebenwirt gewählt wurden, von der Gemeindevertretung zurückgewiesen worden seien, von bürgerlicher Seite die Klage im Berwaltungsstreitverfahren eingeleitet wurde. Als neue Gründe werden angeführt, daß auch auf den Namen Drews mehrere Wähler in die Wählerliste ver zeichnet waren, der Wahlvorstand es aber unterlassen hätte, zu erforschen, welcher Drews gemeint sei. Der daraufhin nochmals vernommene Wahlvorstand gibt an, daß er sich darüber genügend von der Msicht der Wähler überzeugt habe. Mit der Vertretung der Klage wurde der Gemeindevorsteher beauftragt.— Bei den im Jahre 1912 vorgenommenen Kanalifationsarbeiten auf der Lands bcrger Chaussee find die Erdmassen nachgesackt. Dabei sind in den der Gemeinde Lichtenberg gehörigen Gasleitungen Wassersäcke ent standen, welche ein Umlegen der Leitungen erforderlich machten. Die Stadt Lichtenberg klagt nun gegen die hiesige Gemeinde auf Schadenersatz in Höhe von 1758,75 M. Es wurde beschloffen, sich in den Rechtsstreit einzulassen, da nach einem Vertrag der Ge meinde mit der bauausführenden Firma letztere für entstehende Schäden und Kosten aufzukommen hat.— Vom Provinzialschulkolle gium ist angeregt worden, einen Schulzweckvcrband zwischen Weißen. see, Heinersdorf und Hohenschönhausen, zur Errichtung und Unter. Haltung von Höheren Schulen, zu gründen. Vom Gemeindevorstand wurde um Ablehnung der Vorlage ersucht, weil bei den augenblick lichen Verkehrsverhältnisscn die Schüler der hiesigen Gemeinde die Schulen in Weißensce nur unter großen Zeitopfern erreichen könn tcn, und weil es nach seiner Ansicht zweckmäßiger erscheint, eigene Schulen zu errichten, sobald es das Bedürfnis erfordert.'Gemeinde- Vertreter Riedel möchte nur den ersten Grund bekanntgegeben wissen. Er und seine Freunde seien prinzipielle Gegner von Zweckverbänden, halten es aber für besser," wenn der letztere Grund verschwiegen wird, da sonst Weißensee mit dem Ausbau der Verkehrseinrichtungen nach Hohenschönhausen zu einhalten könnte. Genosse Thiele legte demgegenüber den Vorteil von Zweckverbänden dar. Die Vorlage wurde wegen völligen Fehlens einer Verbindung mit Weißensee abgelehnt.— Bei einem Antrage, auf Einleitung der Zwangsver stcigerung gegen ein der Frau Berta Wuttke gehörigen Grund stückes wegen rückständiger Grundsteuer gab Genosse Siebenwirt bekannt, daß die Frau 5 unmündige Kinder zu ernähren hat, und erst vor kurzem der Ernährer gestorben ist. Die Grundsteuer wurde deswegen ausnahmsweise bis zum 1. Januar 1915 gestundet.— Die Abrechnung des Schulhausbaues in der Rödernstraße ergab eine Summe von 891965,81 M. Zur Verfügung standen 319 535,56 Mark. Der verbleibende Rest von 5579,22 M. wurde dem Schulbau- fonds überwiesen.— Die Regulierung des Bürgersteiges auf der südlichen Seite der Berliner Straße soll nun endlich in Angriff genommen werden. Um doppelte Kosten zu ersparen, wird vorher erst der Regenkanal eingebaut. Nach dem Voranschlag betragen die Kosten 68 399 M. Diese Summe soll aus Anleihemitteln gedeckt werden. Friedrichsfelde-Karlshorst. Unser Feuerlöschwesen weist ganz bedenkliche Mängel auf, wie wiederholte Vorkommnisse gezeigt haben. Das trat auch bei dem Schadenfeuer in der Nacht vom Sonntag zu Montag verhängnisvoll in Erscheinung. Eine zum Vorwerk Alt-Karlshorst gehörige Scheune geriet in der dritten Morgenstunde in Brand. Gerettet konnte so gut wie nichts werden, weil die Karlshorster Wehr infolge des lang- samen Eintreffens der Pferde erst nach„einiger Verspätung" am Brandherd erschien! Derartige Verspätungen sind schon öfter vorgekommen und deshalb wurden in der Maisitzung der Gemeindevertretung 5159 M. zum Bau eines Pferdestalles mit Kutscherwohnung bewilligt. Der Bau kann natürlich in der kurzen Zeit noch nicht fertiggestellt sein. Was aber im öffentlichen Interesse gefordert werden muß, ist, daß von der Gemeindebehörde in der Zwischenzeit Vorkehrungen getroffen werden, die jeden Zeitverlust bei Alarmierungen ausschließen. Oder will man damit etiva warten, bis namenloses Unheil durch diese unhaltbaren Zustände schuldhast herbeigeführt wurde? Geradezu skandalös ist aber ein anderer, bei dem letzten Brande zutage getretener Umstand. In der Ortspresse lesen wir:„Infolge eines Versehens war die Feuermeldung an Friedrichsselde nicht weitergegeben worden..." Gewiß kann ein Versehen überall einmal vorkommen, obgleich es in diesem Falle eine besonders grobe Pflichtvernachlässigung darstellt. Nun wird uns aber ferner mitgeteilt, daß Friedrichsfelder Einwohner sich vergeblich bemüht haben, die hiesige Wehr zu alarmieren. Zunächst wurde der Feuermelder bei F i e t i n g zirka 29 Minuten lang in Tätigkeit gesetzt. Er funktionierte auch, wie deutlich zu hören war, aber gemeldet hat sich niemand. An- scheinend ist die Alarmglocke in einem Räume angebracht, der zu weit vom Schlafraume entfernt ist und deshalb— es war 3l/, Uhr morgens— nicht gehört wurde. Kaum glaublich aber klingt, was uns von durchaus glaubwürdiger Seite berichtet wird, nämlich, daß eine an den Brändmeister Hannemann persönlich etwa 3/44 Uhr erstattete Meldung unbeachtet blieb! Bei solcher Haltung darf man sich freilich nicht über die ungenügenden Leistungen wundern. Jährlich werden Tausende aus Gemeindemitteln bewilligt, ohne daß die Gemeindeangehörigen die Gewißheit haben, daß auch nur der Versuch unternommen wird, in Fällen der Gefahr rettend einzugreifen. Feuerwehrleute haben über eine Stunde fertig ausgerüster auf die Alarmierung gewartet, nachdem sie die Karlshorster Sirene gehört und erfahren hatten, daß ihr Brandmeister benachrichtigt sei. Der aber hat es anscheinend vorgezogen, wieder ins Bett zu steigen. Er wird nicht umhinkönnen, sich zu dem schweren Vorwurf zu äußern. Die Gemeindebehörde aber hat die Pflicht, nicht nur gelegentlich einmal bei wertlosen Paradeübungen vertreten zu sein, sondern mlt allem gebotenen Nachdruck Wandel zu schaffen. Ein Frauenchor hat sich kürzlich im Anschluß an den Männer- chor„Vorwärts" gebildet. Derselbe ist bestrebt, an den Bildungs- Veranstaltungen der Arbeiterschaft mitzuwirken. Frauen und Mädchen, welche sich dem Chor anschließen wollen, werden auf die lleibungSstunden desselben aufmerksam gemacht. Diese finden jeden Mittwoch von 5� bis 19� Uhr im Lokal von Otto Sudbring, Friedrichsfelde, Berliner Str. 98, statt. Ober-Schönetveide. Der sammelnde Bürgermeister. Eigenartig berührt ein Aufruf der kürzlich einem Arbeiter zu- gestellt wurde und den wir im Original folgen lassen: Sehr geehrter Herr! Das Rote Kreuz hat einen Aufruf an das Deutsche Volk er« lassen. Es will, entsprechend der großen Heeresverstärkung, auch seine Kräfte und Mittel vermehren und dadurch seiner Vater- ländischen Pflicht genügen. Niemand weiß, wann die Prüfung eines Krieges an unser Volk herantreten wird; keinesfalls darf es den Verwundeten und Kranken dann an Hilfe fehlen. Ebenso wie das Heeres- Sanitätswesen muß auch das Rote Kreuz seine Rüstungen, der Heeresvermehrung entsprechend, er- weitern. Vor allem gilt es, das erforderliche Personal bereitzn- stellen und das Material zu beschaffen. Die Erfüllung dieser dringenden Pflicht kann nicht hinausgeschoben werden. Aber sie läßt sich nur durch Aufwendung außergewöhnlich hoher Geldmittel ermöglichen, die zunächst nicht vorhanden sind und durch eine Sammlung aufgebracht werden sollen. In der Annahme, daß auch Sie geneigt sein werden, zur Förderung der humanen Zwecke, denen die Bestrebungen des Roten Kreuzes dienen, beizutragen, gestatte ich mir, die Bitte auszusprerben. mir einen etwaigen Beitrag für die Sammlung zwecks Abführung an die Niederbarnimer Kreiskommunalkasse, welche die Zentralkasse für die Sammlung im Kreise Niederbarnim bildet, durch den bei Ihnen vorsprechenden Boten freundlichst zu- gehen lassen zu wollen. Bertholdt, Bürgermeister. Auffallen muß zunächst, daß der Herr Bürgermeister in seiner Amtseigenschast den Austuf unterzeichnet hat und dadurch der Ein- druck eines amtlichen Schreibens erweckt wird. Wir halten das Vor- geben des Bürgermeisters für durchaus unzulässig, denn ein großer Teil der Einwohner, vor allem der Gewerbetreibenden und Geschäfts- leute, wird es kaum riskieren, sich diesem sanften Druck zu wider- setzen, da sie sonst fürchten müssen, auf die eine oder andere Art ge- schädigt zu werden. Von den Arbeitern werden ja nicht allzuviel die ins HauS ge- schickten Boten mit Beiträgen belasten. Steglitz. Seinen Verletzungen erlege» ist heute früh der 3 jährige Knabe,» der am Dienstag während der Abwesenheit seiner Mutter aus dem Fenster gestürzt war. Spandau. Wohnuugselend und Kindersegen. Wer da glaubte, daß durch die Anlegung der Kleinhaus- siedlungen im Stadtwald und in Staaken und durch die zum 1. Oktober fertigzustellenden Neubauten das Wohnungselend herab- gemindert werden würde, der dürfte jetzt eines Besseren belehrt werden. Alle kleinen Wohnungen sind bereits zum 1. Oktober vermietet, und da die Herren Hauswirte gute Geschäftsleute sind, so haben sie die Gelegenheit gleich benutzt und haben vielfach Mietssteigerungen vorgenommen. Steigerungen von 4 M. monatlich für Stube und Küche und von 6 M. für zwei Stuben und Küche gehören nicht zu den Seltenheiten. Da man in derartigen Zeiten auch sehr wählerisch in der Auswahl seiner Mieter ist, so werden kinderreiche Familien nur schwerlich zum nächsten Umzugstermin eine Unterkunft finden. Sogar der Polizei ist es jetzt schon nicht möglich, diese kinderreichen Familien bei den guten Patrioten unterzubringen. Jetzt wohnen schon im pädtischen Familienasyl in der alten Munitionsfabrik zwölf reichlich mit Kindern gesegnete Familien. Dabei gehören diese Leute nicht mal zu denen, die etwa keine Miete- gezahlt haben, sondern es find fleißige Arbeiter, die teilweise sehr lange, bis zu 22 Jahren, auf einer Stelle Beschäftigung haben." Aber nun zu den idyllischen Verhältnissen im städtischen Not- asyl. Vier Familien, eine davon hat sieben Lsinder, wohnen in einem Bretterschuppen, jedes der kleinen Zimnier ist voneinander getrennt durch eme mit Karbolineum getränkte Bretterwand. Eine andere Familie mit sieben Kindern bewohnt eine große Stube, aber der Raum scheint noch nicht genügend ausgenutzt, denn es soll jetzt noch eine Familie mit vier Kindern in deinselben Zimmer unter- bracht werden. Bon den zwölf untergebrachten Familien, die je nur- einen Raum bewohnen, benutzen zehn eine gemeinschaftliche Küche, die zum Kochen und Waschen Verwendung findet, da die einzige Waschlüche einer anderen Familie als Unterkunstsraum dient. An Mieten für diese Wohnungen" zahlen drei Familien 19 M., sieben Familien 8 M. und zwei Familien 6 M. monatlich an die Stadtkasse. Eine Frau, die zwei Kinder und einen kranken Mann hat, der schon seit langer Zeit vollständig erwerbsunfähig ist, muß den Lebensunterhalt für die ganze Familie kümmerlich allein verdienen und für die Dach Wohnung noch 6 M. an die Stadt zahle». Die Mieten müssen im voraus gezahlt werden, und wer nicht zahlen kann, dem wird die Exmission angedroht. Was soll nun aber im Winter mit diesen Armen werden, da eine Anzahl der Wohnungen, so diejenigen im Bretterschuppen, gar nicht heizbar sind. Man sieht, zu welchen Zu- fänden man kommen kann, wenn in der Gemeinde keine großzügige Wohnungspolitik getrieben wird. Aus dem Fenster gestürzt ist Mittwoch der dreijährige Sohn der Arbeiter Braunschen Eheleute. Dieselben halten den Kleinen zu der in der Schönwalder Straße wohnenden Großmutter in Obhut ge- geben. Als sich dort der Kleine allein in der Stube befand, kletterte er auf einen Stuhl und lehnte sich so weit zum Fenster hinaus, daß er sofort kopfüber aus der Höhe des dritten Stockwerkes auf die Straße hinabstürzte. Das Kind erlitt so schwere innere und äußere Verletzungen, daß es in hoffnungslosem Zustande nach dem städtischen Krankenhause gebracht werden mußte. Gefunden. Ein Sack mit Töpferwerkzeug ist in der Wilhelm- straße gesunden worden. Derselbe ist abzuholen im Restaurant Schmidt, Wilhelmstr. 36. wahrhastig besser getan, diese Stiefel und Schuhe an die Armenverwaltungen abzugeben, damit �m an- ch e r wirklichen Not gesteuert werden könnte. Hoffentlich wird man im Reichstage bzw. Abgeordnetenhause auf Beseitigung dieses für viele Arbeiter so schädlichen Handels hin- wirken. Auch uns scheint, daß der Reichstag den Kriegsminister wegen seines schwunghaften Schuhhandels vorzunehmen hat. Unsere Jugendbewegung im Wahlkreise Dortmund-Hörde hat im letzten Jahre recht erfreuliche Fortschritte gemacht. Die Abonnentenzahl der„Arbeiter-Jugend" stieg im Kreise um 599 auf 1399, Versammlungen. Imperialismus und Kolonialpolitik. Mit der Erörterung dieses Themas schloß der Vertreter des 6. Kreises, Genosse Ledebour, am Dienstag feinen Vortrags- zyklus ab. Wie groß das Interesse an dieser Frage ist, zeigte der starke Besuch. Ter Saal von Ballschmieder war bis auf den letzten Platz besetzt. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte die Ver- sammlung den Ausführungen des Genossen Ledebour, der mit un- verwüstlicher Frische und umfassender Sachkenntnis in seinem zwei- stündigen Vortrage unsere Welt- und Kolonialpolitik behandelte. Klar und plastisch entwarf er ein Bild von dem Wesen, der Eni- stehung und der Entwickelung des Imperialismus und der Kolonial- Politik und schilderte in anschaulicher Weife die Ursachen, die auch Deutschland in die Kolonialpolitik gerissen haben. Mit aller Schärfe legte er die Schäden dieser Entwickelung bloß und zeigte, wer alles — direkt oder indirekt— Interesse an dem Imperialismus und der Kolonialpolitik hat. Wie seit Jahrzehnten ein wilder Kon- kurrenzkampf in den Flottenrüstungen zum Ausdruck komme, ein Wettbewerb, der zwischen allen weltpolitisch interessierten Staaten, besonders aber zwischen England und Deutschland, sich auf das hartnäckigste abspielt. Profit daraus zögen eigentlich nur die Rüstungsfirmen, die sehr einflußreich sind und alles aufböten, um das Interesse an der Welt- und Flottenpolitik aufrechtzuerhalten. Nach einem wirtschafts- und handelspolitischen Ausblick kam Redner zu dem Ausspruch, daß es im Interesse des Volkes liege, wenn der Warenaustausch möglichst wenig gehemmt werde oder wenn alle Zollschranken fallen, wie wir es ja auch im Programm befür- Worten. Dem ständen aber die Interessen gewisser Cliquen ent- gegen, die aus dem jetzigen Zustande ihren Nutzen ziehen. Unsere Partei habe von Anfang an jede Kolonialpolitik verworfen, Handel könne auch ohne Unterjochung anderer Völker betrieben werden. In packender Weise schildert Redner die Folgen und Auswüchse des Imperialismus und der Weltpolitik und den Kampf der sozial- demokratischen Fraktion im Reichstage gegen deren Verteidiger. Nach wie vor werden wir gegen dieses System kämpfen, bis wir die Macht haben, um gleiches Recht für alle Menschen, gleich welcher Farbe, zu schaffen.(Stürmischer Beifall.) Ein Antrag, das Ergebnis der Tellersammlung den Angehörigen der Opfer aus der Denkmalsaffäre zukommen zu lassen, wurde einstimmig angenommen. Nach einem eindringlichen Schlußwort des Vorsitzenden H a s ch k e schloß die Versammlung mit einem Hoch. Allgemeine Famtlicnfterbckasse. Heute von 3— L Uhr im Restaurant Ackerpr. 122. Zahl- und Ausnahmetag Eingegangene Druckfthristen. Der Kampf ums Recht!_ Nachtrag zu der Broschüre„Apachen im Talar" von E. Weinbrcnner. Selbstverlag in Stuttgart, Marienplatz 5 B. Tie Meisterin. Leitjaden zur Borbereitung auf die Prüfung im weiblichen Handwerl. Von Dr. H. Purpus. 119 S. geb. W. Kohlhammer, Stuttgart. Fran Ellin Röte. Eheroman von F. Hollaender. Gebunden 1 M.�. S. Fächer, Berlin, Bülowstr. 99. Der Schipkapass. Roman von K. H. Strobl. 1 M. Kronen-Verlag, Berlin 81V. 63. Jahrbuch der sozialen Bewegung in Deutschland nnd Oester- reich 1913. Bon E. Ledercr. Geh. 4 M. I. C. B. Mohr, Tübingen. ?SttternngSüberstckit vom 8. Juli 1914. EtaNonen SB Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Mariendorf. Freitag, den 19. Juli, nachmittags 6 Uhr, in der Aula des Realgymnasiums, Kaiserstraße 17/19. Diese Sitzungen sind öffentlich. Jeder Gcmcindeangehörlge ist be- rrchtigt, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. �ugenöbewegung. Die Schuhmacher gegen de» Kricgsminister. Wir berichteten, daß durch eine Verfügung des Kriegsministers den nationalen Jugendvereinen ausgemusterte Kommisstiefel be- onders billig überlassen werden sollen. Diese Art Jugendpflege hat aber den Zorn der Schuhmacher und Schuhhändler hervor- gerufen. In der„Trierischen Landeszeitung"(Nr. 334z.) wenden ie sich gegen„diesen Stiefel- und Schuhhandel der Militärbehörde" mit folgenden Worten: Wir hoffen, daß die Vorstände der Jugendvereine, an die schon vor IVj Jahren Anregungen zur Förde- rung dieses Handels ergangen sind, an dieser Schädigung des Schuhmacherhandwerks sowie der in der Schuh- branche beschäftigten Arbeiter nicht mehr mitwirken werden. Es ist nachgerade genug Schaden dadurch ange- richtet worden. Sollte man in derartigen Dingen nicht vorsichtiger zu Werke gehen und müßte nicht alles und jedes aemieden werden, was Handwerk und Fabrik schädigt, ohne der Gesamtheit von besonderem Nutzen zu sein. Da hätte man Swinemde. Hamburg Berlin Franki. a.M München Wien 759 763 c H if WNW W 762 NW 767SW 768 W 761,48 Wetter Regen bedeckt 5 bedeckt Äheiter 5 bedeckt 5> Regen c; Ä« sie» hS> Stationen Haparanda Petersburg 761 ONO Scilly Aberdeen Paris 768 S 767>WSW 761>Still 766 S Weller wollerck Dunst Dunst wölken! bedeckt t* wS> 22 23 14 13 14 Wetterprognose für Donnerstag, den 9. Juli 1914. Etwas wärmer, vielfach heiter bei mäßigen südwestlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Wctterausfichten für das mittlere Norddeutschland bis Freitagmittag: Ostwärts fortschreitende neue Erwärmung. Im West- lichen Binncnlandc, etwa bis zur Oder, überwiegend heiter und trocken, weiter östlich und längst der Küste noch vielfach bewölkt und besonders im Südosten an den meisten Orten etwas Regen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Dircktton über den Großhandel in den Zeniral-Markthallen.(Ohne Verbindlichkeit.) Mittwoch, den 8. Juli. Fleisch: Rindfleisch per 59 kg Mark: Ochscn- flcisch la 70—82, do. Ha 66-69, do. JXla 67-66; Bullenfleisch la 66—76, do. IIa 62—66; Kühe, seit 45— 56, do. mager 35—45, Fresser 60— 65, do. Holl. 50—60; Bullen, dän. 40—60. Kalbfleisch: Doppcllcnder 110—130; Mastkälber la 36—98, do. IIa 72— 82; Kälber ger. gen. 42— 58. Hammelfleisch: Masllämmer 86—88; Hammel la 75— 85, do. IIa 67—74, do. austrgl.—,—; Schafe 74— 78. Schweinefleisch 51— 55.— Eier: Landeicr Schock 3.50—3,80; Trinkeier 4,00— 4,20.— Butter: Molkereibuttcr ver 50 Ire 90—105; Landbutter 80— 90.— Gemüse, inländisches: Rhabarber, hämo. 100 Bund 0,00— 0,00, do., hiesiger 2,00— 2,25; Kartoffeln, rnagnurn bonuin 50 kg 4,00— 4,25, Wohltmann 3,50— 3,75, runde, weiße 3,50— 3,75, Daberiche 3,75—4,00, neue weige 5,00—5,50, do. Rosen 4,00— 5,00, do. Magdc- burger 6,00—6,50; Porree, Schock 0,75—1,00; Spinat 50 kg 5,00—7,00; Schoten 3,00— 6,00; Mohrrüben, Schockbund 0,90— 1,00; Bohnen 50 kg 22,00—25,00; Champignon 50 kg 30,00—35; Kohlrabi. Schock 0,60—1,00; Wirsingkohl, hiesiger. Schock 3,00—6,00; Blumenkohl, Erfurter 100 Slück 6,00— 20,00; Meerrettich, Schock 3,50— 12,00; Pctersilienwurzel, neue, Schockbund 1,00—3,00; Radieschen Schockbund 0,50— 0,75; Salat, Schock 1,00—2,00; Zwiebeln, Schockbnnd 0,50—0,60, do. 50 kg 12—13; To- malen 50 kg 26, CO; Pfifferlinge 30—40; Puffbohnen 50 kg 10,00— 12,00. Ausländisches. Kartoffeln, tanar. 50 kg 0,00— 0,00, do. Malta-, neue 0,00— 0,00, do. ital. lange, neue 6—:2,00, do. italienische runde, neue 2,00—8,00, do. ungarische 4,00—6,00, Tomaten kanarische. Stifte 0,00, do. italienische 60 kg 4,00— 11,00, do. französische 8,00— 12,00; Blumenkohl, holländischer la 100 Stück 15,00- 22,00, Zwiebeln, ägypttsche 50 kg 18,00, do. ital. 10,00-12,00, do. ungarische 11,00—12,00; Gurken, huIL 100 Stück 5,00—11,00, do. Einlege-, ilal. Schock 1,50—2,25; Bohnen, grüne, ital. 50 kg 10,00— 18,00, do. ital. Beutel ca. 5 kg 1,40— 2,20, do. französische 0,00—00,00 do. ung. Beutel 1,00— 2,00. Wachsbohnen, italienische 50 kg 0,00— 0,00.— O b st und Südfrüchte. Kirschen 50 kg Thüringer 7,00— 11,00, schlesische 7,00— 14,00, Werdcrsche 8,00—15,00, oo. Knupper 15,00—25,00, ungarische Natten 22,00—30,00 Aepfel, australische, Kiste 6,00—14,00; italienische, 50 kg 8,00— 20, OO; Birnen, italienische, 50 kg 8,00—22,00. Erdbeeren, holländische, 50 kg 18,00—22,00, Werdcrsche 10,00- 20,00, Beelitzer 0,00—0,00, Hamburger 20,00-30,00, Wald- erdbceren 50,00—60,00; Stachelbeeren, unreif, hies. 0— 0, do. Holland. 0,00; reise, hies. 10— 12; Himbeeren, 50 kg 18—22; Johannisbeeren, hiesige 50 kg 10,00—15,00; Blaubeeren 20,00—27,00; Aprikosen, ital. 24,00 bis 28,00, iranz. 20,00—36,00; ungarische 18,00—26,00; Pfirsiche, ital. 20,00—50,00; französische 20,00—40,00; Pflaumen, italienische 10,00—25,00; Mispeln, italienische 00,00— 00,00; Bananen, Jamaika 14,00—16,00, kanarische 15,00—18,00; Erdnüsse 23,00—30,00; Ananas 70,00—85,00; Zitronen. Messina 300 Stück 8,00—12,00, Wessina 360 Slück 7,50—11,00, Messina 150 Stück 6,00-10,00. Verantwortlicher Redakteyr: Albert Wachs. Berlin. Zur den Inseratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck u, Verlas: Vorwärts Buchdruckerei n, Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW, Nr. 184. 31. Jahrgang. 3. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Vom Dienen. Aus der Frauenbewegung. Dienende schließlich zum stets devot Ergebenen ohne jede freie Willensbestimmung, der Stolz wird gefnechtet, dieser Mensch weiß überhaupt nicht mehr, was Freiheit ist. Donnerstag; 9. Juli 1914. Polizeispitzel, Mädchenhändler und serbischer Hoflieferant. Wie oft hat man nicht schon das„ Dienen" verherrlicht, Was dann weiter noch die Mädchen vom Leben, von der Einer der gemeingefährlichsten russischen Polizeispitzel, der bedas Lied vom„ dienenden Weibe" am lautesten gesungen, Außenwelt abschließt und sie auch vielfach gar nicht zum rüchtigte Alexander Weißmann, dessen Heldentaten" in früheren und dem Dienenden damit sagen wollen, wie erhebend und vollen Bewußtsein ihrer niederdrückenden Lage kommen läßt, Jahren auch außerhalb Rußlands Aufsehen erregt haben, ist jetzt gottwohlgefällig ihr Beruf sei. Ja, man hat diesen Beruf ist die Einsamkeit der Arbeit. Die im freien Arbeitsver- wieder in Petersburg aufgetaucht. Wie uns von dort berichtet wohl gar mit der Religion verquidt und„ Dienen" eine Art hältnis stehende gewerbliche Arbeiterin hat das Koalitions- wird, gibt er sich jetzt für einen Vertreter von Handelsfirmen aus Gottesdienst genannt. recht und steht täglich, stündlich Seite an Seite mit ihren und versucht Beziehungen zu den Petersburger Kaufleuten anAber die Leute, die so sprechen, vergessen, daß Dienen Kameradinnen. Das dienende Mädchen dagegen, in die Ein- zuknüpfen. Unter anderem weist er Personen, die mit ihm unterund Dienen zweierlei ist. Wir Angehörigen der modernen samkeit eines engen Haushaltes gebannt, aus der es nur alle handeln wollen, eine Bescheinigung vor, der zufolge er serbischer Arbeiterbewegung dienen alle den Ideen dieser Bewe- 14 Tage auf ein paar Stunden herauskommt, sieht manchmal soflieferant ist. Weißmann wurde vor einer Reihe von gung, wir alle dienen den uns durch unsere Ueberzeugung tagelang niemanden als die respektheischenden Gesichter ihrer Jahren in Warschau wegen Bestechlichkeit im Dienst zum Verlust beherrschenden Gedanken und setzen unsere ganzen Kräfte Herrschaft, feinen Nebenmann, der sie als vollwertigen Men- aller Rechte und Privilegien und zu 1 Jahr 4 Monaten Arrestantenein für den Sieg unserer menschenerlösenden Bewegung. Wir schen betrachtet. Dies wirkt so niederdrückend auf das abteilung verurteilt. Er ist der Sohn des Besizers eines Freudenbefinden uns damit freiwillig in einem Verhältnis Seelenleben dieser Mädchen ein, daß zusammen mit dem hauses in Odessa und fing seine Laufbahn als Handelsagent für des Dienens, der Unterordnung unter eine Gesamtbewegung, systematischen Unterdrücken des eigenen freien Willens eine lebende Ware an. Die deutsche Polizei fahndete nach ihm wegen die einer befreienden Tat gilt. Aber nie wird ein aufgeflär- vollständige Abgeſtumpftheit, Gleichgültigkeit dem Leben Mädchenhandels, er entzog sich aber allen Verfolgungen dadurch, ter Mensch freiwillig der Willfür einzelner Menschen dienen. gegenüber eintritt. Kommt aber auch noch ein durch schlech- daß er in den Dienst der russischen politischen Und das„ Dienen", wie es von dem sich in einen Dienst be- tes Essen geschwächter Körper hinzu, was ja bei den Dienen Geheim polizei eintrat. Hier tat er sich in einer Weise gebenden Menschen, speziell wohl Mädchen, landläufig ver- den nicht selten ist, so ist die körperliche und sittliche Wider- hervor, daß er mit der Leitung des russischen Spionage langt wird, ist ein vollständiges Unterwerfen unter den standskraft dieser Menschen ganz hin. dienstes auf der Balkanhalbinsel betraut wurde und Willen, unter die Willkür einzelner Menschen. Und damit sehr gute Beziehungen mit den Regierungskreisen auf dem Balkan beginnt die schwerste Gefährdung des Menschentums der anknüpfte. Weißmann wurde aber bald unmöglich, als er gegen Dienenden. Am meisten ist ja wohl das Menschentum der den König Ferdinand von Bulgarien zu intrigieren begann. Aus jenigen Menschen gefährdet, deren Arbeitsverhältnis fein Bulgarien ausgewiesen, ließ er sich in Paris nieder, wo er zufreies ist, sondern vielmehr mit dem so viele Schäden zeitigensammen mit den nicht minder berüchtigten russischen Spiteln den Kost- und Logiswesen verknüpft ist und gar wohl noch Harting- Landesen, Asew u. a. tätig war. Dabei betrieb er mit den vorsintflutlichen Gesindeordnungen unterstellt sind. feiner Gattin den Handel mit lebender Ware weiter fort. Im Jahre 1904 erhielt Weizmann eine Anstellung in der Warschauer wurde im Jahre 1910 ein Ende bereitet, als sich erwies, daß Geheimpolizei und galt als die rechte hand des WarDiebstahls einer Rente in der Höhe von 40 000 Rubel hatte bestechen lassen. Als Polizeiagent in Warschau verübte er das folgende Kunststüd: In seiner amtlichen Eigenschaft erfuhr er, ein Kaufmann sei aus Warschau mit 60 000 Rubel im Reisekoffer abgereist. Er reiste diesem nach, betäubte ihn, st a hl die 60 000 Rubel und ersetzte sie durch revolutionäre Proklamas tionen. Man muß sich da im Grunde genommen noch wundern, daß es noch so viele unter den Dienenden gibt, die sich das Gefühl ihrer Menschenwürde nicht nehmen ließen. Es ist dies immerhin ein gutes Zeichen der troßenden Kraft, die im Proletariat wohnt, trotz der Knechtung. Die Grundlage. „ Reine Luft ist mehr als Wein." ( W. Meister.) schauer Polizeimeister 3. Seiner Tätigkeit in Warschau er fich für 5000 Rubel bei der Voruntersuchung in Sachen des Frauenschule in München. Die Stadtverwaltung in München hat die Errichtung einer Abteilung, eine Abteilung für Kinderpflege, eine weitere für Kindererziehung und ein Kindergärtnerinnenseminar. Die Absolven tinnen der hauswirtschaftlichen Abteilung sollen die Gelegenheit haben, in ein bestehendes hauswirtschaftliches Seminar einzutreten. Für ihre Ausbildung zu Hauswirtschaftslehrerinnen sollte, nach dem Vorschlage des Magistrats, ein Zuschuß in Höhe von 1000 m. von der Stadt München an das Seminar gezahlt werden. Auch dann sollte dieser Zuschuß erfolgen, wenn feine Schülerin der Frauenschule in das Seminar eintreten würde. Das Gemeindekollegium stimmte dieser Forderung jedoch nicht zu. Ein Ueber gang von Schülerinnen der Frauenschule in das Seminar soll nicht Stimmung des Gemeindekollegiums. erfolgen. Im übrigen fand der Plan der Frauenschule die Zu Butter aus Menschenmilch. Dem heutigen Dienen gegenüber heißt es unser ganzes Denken, Streben und Kämpfen darauf zu richten, die Man sagt, jeder Beruf drückt dem Menschen seinen mit dem veralteten Kost- und Logiswesen verbundenen und nicht so unrecht. Denn das wissen wir wohl alle: das förper- in 40 Bariationen herumspukenden Gesindeordnungen abzuStempel auf und hat damit im Grunde genommen wohl gar den Menschen demoralisierenden Schäden zu beseitigen, die liche Leben beeinflußt das geistige und umgekehrt. Die schaffen und für alle die Menschen, die vorstehenden Bestimfoziale, wirtschaftliche Lage beeinflußt das Seelenleben, die mungen unterstellt sind, ein freies Arbeitsverhältnis auf geistige Verfassung des Menschen, und er ist so vielfach das Grund einer den Menschen im Arbeitenden achtenden GeProdukt seiner sozialen Lage, seiner Stellung, seines werbeordnung zu schaffen. Dienstes, wenn er nicht gerade mit einer besonderen geistigen Mit Recht macht sich unter den Dienenden dieser neue Stärke begabt ist und sich über seine Umgebung hinwegzusehen Geist immer mehr und lauter bemerkbar. Diesem neuen bermag. Aber das sind die wenigsten, die meisten Durch- Geiste und unserer Organisation, die aus ihm heraus entschnittsmenschen erliegen dem sie umgebenden Milieu. Das standen, wollen wir gern und willig dienen. Dieser Dienen formt besondere Menschen, so recht zum Hausgebrauch| Dienst im Dienste der Bewegung, den Menschen nicht mehr der patriarchalischen Arbeitgeber, demütig, untertänig und durch den Menschen willkürlich knechten zu lassen, adelt und stets dienstfertig. erhebt den Dienenden. Dagegen wollen wir nicht Der Verfasser dieser Zeilen hatte es sich eine Zeitlang mehr widerstandslos dienen in dem alten Herrzum Prinzip gemacht, Frauen dahin zu beobachten, ob sie schaftssinne. Das Dienen in diesem Sinne unter- Frauenschule beschlossen. Vorgesehen ist eine hauswirtschaftliche aus einem freien Arbeitsverhältnis oder einem Dienstverdrückt und demoralisert den Menschen. hältnis herborgegangen waren, und mußte fonstatieren, daß der Einfluß eines Dienstverhältnisses erst nach Jahren völlig berwischt werden konnte, wenn der Mann nicht für eine freiere geistige Entwidelung seiner Frau eintrat. Dagegen waren Frauen, die aus einem freien, gewerblichen Arbeitsberhältnis hervorgegangen, geistig regsamer, weltsicherer, zielbewußter; sie waren ja auch gewöhnt, seit ihrem vierzehnten Lebensjahre an der Seite des Mannes als solidarische KaDie Liebe macht nicht den zehnten Teil davon an Kindern meradin im wirtschaftlichen Kampfe mit ihm zu streben für gut, was Gedankenlosigkeit ihnen schadet. Wer hat nicht schon spät gemeinsame Interessen. Sie waren eben, alles in allem, ziel- in der besten Absicht mitgenommen; fie sollen sich dort unterhalten. nachts Kinder in Kneipen und Bierhäusern gesehen. Sie werden bewußter, sicherer. Die dienende Hausangestellte dagegen, welches Unmaß schädlicher Gedankenlosigkeit. Wie oft ist schon oder überhaupt Menschen, die in einen engen Dunstkreis einer gesagt und geschrieben worden: Gebt den Kindern keinen Alkohol. engen Stellung gebannt sind, wie dies auch bei den Gast- Alkohol ist Kindern Gift. Aber die liebe Elternliebe hält noch wirtsgehilfen und den in der Landwirtschaft beschäftigten immer dem Einjährigen das Bierglas an den Mund. Und wie Unser Budapester Bruderorgan„ Volksstimme" weiß eine grauenMenschen der Fall ist, die durch die Abgeschlossenheit ihres menige Eltern wissen, welche Ernährung für ihre Kleinen die zu hafte Mitteilung zu machen, die herzzerreißend und selbst für die träglichste ift. Weil man sich durch jahrelange Abhärtung an das Dienstes mit fast gar keiner geistigen Strömung in Beerbärmlichste gefälschte Beug gewöhnt hat, das der Kapitalismus verrotteten Zustände in Ungarn geradezu beiſpiellos ist. Der Mararührung kommen, haben meist kein festes, solidarisches Ziel, für die Arbeiter übrig läßt, wird es auch den Kindern so früh marosßigeter Stadtphyfikus hielt auf dem Lebensmittelmarkte eine das sich mit der Hebung der gemeinsamen Lage beschäftigt, wie möglich in den Mund gestopft. Auch in dieser Sache zeigt Inspizierung und konfiszierte bei einer Ruthenin Butter, deren Farbe bor Augen. Wenn es ihnen besser gehen soll, ziehen sie von uns Goethe den Weg. Er schreibt in einem Brief an Fr. Jakobi: und Geschmad verdächtig war. Die chemische Untersuchung führte Stellung zu Stellung, damit ist aber zur Hebung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage nichts getan, damit ist vielmehr Weißt Du was, ich will ihn( Frik von Stein) Deinem zur überraschenden Entdeckung, daß die Butter aus mit Rahm Mädchen erziehen. Einen besseren und hübscheren Mann friegt gemischter menschlicher Muttermilch hergestellt sei! Die nur ausgedrückt, daß es ihnen nicht gefällt und das Bessere fie ja doch nicht, da ich doch einmal Dein Schwiegersohn nicht arme Frau wurde wegen Lebensmittelfälschung zur Vergesucht wird. Und noch eins, mit fast mimosenhafter Emp- werden kann. Aber gib ihr nicht Punsch zu trinten und des antwortung gezogen und sagte: findsamkeit schließen sich vielfach anständige" Mädchen oder anderen Quarts, halte sie unverdorben wie ich den Buben, der Wir hungern und darben da oben in den Bergen... Mein sich besser" dünkende Menschen( dies anständig oder besser an die reinste Diät gewöhnt ist." Kindlein starb, es war acht Tage alt... Milch hatte ich im Hausfrauen- oder Arbeitgebersinn gemeint) von jedem Selbst auf diesem Gebiet müssen wir von den Kindern und im lleberfluß, ich dachte, es wäre schade darum, es ist ja gute freien, frischen Luftzug im Gedankenreiche ab. Auch dieses durch die Kinder lernen. Wir sehen, daß ihr unverdorbener Ge- Muttermilch... ich mischte sie mit Kuhrahm, es gab gute ist das Erziehungsprodukt des Dienens, muß also auch auf fchmack sich allem Gefälschten, Unnatürlichen abwendet und fich Butter!... Ich habe solche schon oft verkauft. Man will ja das Schuldkonto des„ Dienens" gesetzt werden. Weltfremd, an das Reine, Natürliche hält: Obst, Brot und Milch. Und indem leben..." weltschen sind diese Menschen. wir die Bedürfnisse der Kinder zu erkennen suchen, werden wir Der Polizeihauptmann war ergriffen, er mußte aber die Das Dienen formt den Menschen, seinen Geift, sein erkennen, wie unnatürlich unser Trant und Speise ist. Wie wir Frau dennoch verurteilen, damit die übrigen, im Das Dienen formt den Menschen, seinen Geift, sein uns in der Ernährung von Gewohnheit, Ueberlieferung und Reflame Glend lebenden ruthenischen Mütter ihr Beispiel Leben. Sehen wir uns nur einmal den wohl für die leiten lassen, nicht aber von Erkenntnis oder gar wissenschaftlicher meisten Fälle gültigen- Entwickelungsgang eines zum Erkenntnis. Immer ist die Beschäftigung mit Kindern viel mehr nicht befolgen. Die Frau hat aus ihrer eigenen Milch täglich Dienen bestimmten jungen Mädchens an. Es wird erzogen Gewinn für uns, als wir mit Sicherheit an Gewinn für die bloß für etwa 20-30 Heller Butter machen können streng im Gehorsam zu den Eltern; die Schule und diese Kinder behaupten können. Und auch hier sehen wir, wieviel wiederum beeinflußt durch die Kirche, diftiert Gehorsam, wir zu tun haben, um nur nichts zu verderben, nichts schlecht wang; dann kommt das vierzehnjährige Mädchen zu einer zu machen, das Gutmachen kommt dann schon von selber. Herrschaft und diese, entsprechend ihrem Namen, herrscht nun diktatorisch über das junge sich in der Entwidelung befindende Menschenleben, fordert als doppelte Vertreterin der Eltern und Schule doppelten Gehorsam, doppelten Zwang, bollständige Unterwerfung des individuellen geistigen Lebens. Was die Schule noch nicht vollständig hat unterdrüden fönnen, unterdrückt die Herrschaft nun vollständig durch eine eminente förperliche Ausbeutung, durch eine 14-16stündige Arbeitszeit. Der Körper bekommt knapp durch die meist sehr schmale und minderwertige Rost die verbrauchten körperlichen Kräfte erfett, wie sollte da eine freie geistige. Entwickelung möglich sein? Tagein, tagaus gehts treppauf, treppab, so daß abends der Rörper vor Uebermüdung in bleiernem Schlaf niederfinkt. An eine geistige Sammlung, an ein Auffichbesinnen, ein selbständiges Nachdenken über eine Sache ist da gar nicht zu denken. Solches Dienen formt die Menschen, macht sie stumpf und verkrüppelt sie geistig. Und was ebenso schlimm ist: die fortwährende Fügsamfeit unter einem fremden Willen, in dem System, wie es viele Herrschaften lieben, schwächt den eigenen Willen, die eigene Willenskraft. Durch das fort währende Sichselbstverleugnen, durch das systematische Herabdrücken zur Aschenbrödelrolle in der Familie oder in einer engbegrenzten Stellung, durch das Nichtbeachten des ebenso freigeborenen Menschen in dem Dienenden wird der Bon unten herauf muß die Gesellschaft( und der Mensch fügen wir hinzu) gebaut sein. Zuerst das Nüßliche: Wohnung, Kleidung, Schlafen, Effen. Dann das Wahre: die Durchdringung des Nüßlichen mit menschlicher fittlicher Lebensanschauung, und zum Schluß als Krone des Ganzen: das um seiner selbst willen gewollte Schöne."( W. Meister.) Die Mutter. Still, Kinder! Gebt nur noch ein Weilchen Ruh', Papa kommt gleich nach Haus mit guten Dingen. O, Mutter Gottes, fich mein Händeringen! Hilf mir! Was Mütter leiden, weißt auch du. Nein, arme Würmer, weint nicht immerzu, der Jammer wird mich in die Grube bringen. Papa holt Brot, dann könnt ihr luftig springen, und eẞt euch fatt und macht die Hugen zu. Hch, wenn ihr wüßtet, wie euch Mutter liebt! Wie, Peppe? Macht die finfternis dir Schrecken? ' s ift ja kein Oel im Haus, daß Gott erbarm'! Lalla, du weinft fag, was es wieder gibt. frierft Kind? Was mußt du auch im Winkel Itecken? Komm ber auf Mutters Schoß, da wirft du warm. 1 Belli " nur in furcht barster Not konnte sie zu diesem Ausweg kommen. Die bürgerliche Welt aber opfert Hunderte Millionen dem nimmersatten Militarismus, während Proletarierfrauen ihre Muttermilch verlaufen müssen! Gründung einer Mutterschaftskaffe. Da die Gründung von Mutterschaftskassen durch den Staat noch nicht in Angriff genommen ist, so versuchen die Frauen selbst, derartige Einrichtungen zu schaffen, um vorbildlich zu wirken und den Gedanken der staatlichen Mutterschaftsversicherung zu propa gieren. So hat der allgemeine österreichische Frauenverein in Wien eine gemeinnüßige Mutterschaftstasse geschaffen. Diese wird erhalten durch Beiträge der einzahlenden Frauen und freiwilligen Mitglieder und durch Spenden. Hoffentlich genügt dieser Anfang, um den Staat und die Kommune an ihre Pflicht zu erinnern, die Mutterschaftskaffe zu übernehmen. In Italien hat vielfach die private Gründung von Mutterschaftskassen dazu geführt, daß sie späterhin vom Staate übernommen wurden. Aufhebung des Beamtinnenzölibats. Nicht in Deutschland hat man das Zölibat der Beamtinnen aufgehoben, sondern in Wien, und auch hier nur für eine kleine Gruppe von Beamtinnen. Durch Beschluß des Wiener Gemeinderats ist verfügt worden, daß die Wiener städtischen Kindergärtne rinnen sich verheiraten dürfen und dennoch im Amte bleiben werden. Bedeutet diese Verfügung auch nur einen ganz kleinen Fortschritt, so zeigt sie doch den Sieg vernünftiger Anschauungsweise über beraltete Vorurteile. Gerade die verheiratete Frau und Mutter kann in der Bädagogik mertvolles leiften, Aus aller Welt. Der ungarische Bayard. Sündchen bis zum Forsthaufe nach, wo er bann nicht versäumt, die Futterstellen der Hühner genau zu revidieren. Im vorigen Jahre hatte der tierliebe Förster ein Reh Grete" in ähnlicher Weise gezähmt. Leider ist es dann zur Schonzeit, obgleich es durch sein Die ungarische Politik hat schon seit längerer Zeit keinen Totes Halsband kenntlich war, von Jagdfreblern erschossen wordeu. " Dreißig Jahre gefund im Irrenhaus. Kleine Notizen. Standalprojekt gehabt. Dazu soll jeßt wieder einmal verholfen werden. Ein in Ungarn wohnhafter Belgier namens Robert Quillet hat gegen die ungarische Regierung und Aus der Frrenanstalt in Tiflis wurde der ehemalige grufigegen den Grafen Stefan Tisza die Klage um 30 000 nische Student Narimanom entlassen, der 30 Jahre hindurch geistig Kronen eingereicht. Der Kläger, Robert Quillet, betrieb in vollkommen gesund von seinem Bruder in der Anstalt interniert Budapest vor einiger Zeit Roulettehäuser, die polizeilich ge- worden war, weil dieser sein großes Vermögen an sich reißen schlossen worden sind. Gegen ihn selbst wurde ein Aus- wollte. Der jetzt erfolgte Tod des verbrecherischen Bruders beweisungsverfahren angestrengt und er wurde auf zehn Jahre freite endlich Narimanow aus der 30jährigen Gefangenschaft, die aus Ungarn ausgewiesen. Einige Tage nach seiner Aus- für die mitwirkenden Aerzte noch ein gerichtliches Nachspiel haben weisung suchte er den Chef des Pressebureaus im ungarischen dürfte. Ministerpräsidium, Hofrat Barat, auf und erzählte ihm, daß er der Budapester Vertreter der Graphic" und der Dynamitexplosion in einer Spengstoffabrik. In der Fabrik der Illustrated London News" sei und etwas für die Regierung Westdeutschen Sprengstoffwerke A.-G. in Rummenohl im Bolmethal tun möchte. Er wurde dem Staatssekretär Jeszens fy ereignete fich, wie aus Hagen berichtet wird, eine Dynamitexplosion, und dem Ministerpräsidenten Grafen Tisza vorgestellt wobei drei Arbeiter durch die Explosion getötet, zwei andere schwer und beauftragt, ie eine Photographie des Ministerpräsidenten verlegt wurden. Das Menghaus, in dem die Explosion stattfand, ist in den beiden englischen Zeitschriften zu plazieren, mit ent- vollständig zerstört worden. Der Betrieb konnte jedoch aufrecht ersprechenden Aeußerungen des Robes natürlich. Für seine halten werden. Bemühungen sollte er 30 000 kronen erhalten. Die Bilder Selbstmord eines Notars. Der Justizrat und Notar Dr. sind denn auch erschienen und die„ Graphic" nannte den Mannheimer in Posen hat sich, wie es heißt, in einem Anfall Grafen Tisza den ungarischen Bayard", während ihn die von Nervenüberreizung erschossen. Illustrated London News" mit Cromwell verglich; Berhängnisvolle Benzinexplosion. Infolge Explosion eines Benzinnicht ganz umsonst, denn die beiden ausgezeichneten eng- vier Arbeiter tödlich verletzt. behälters in dem Restaurant Stahlmeister zu emberg wurden lischen Zeitschriften erhielten je 2500 Kronen. Nun wartete Schweres Straßenbahnunglück. Die Bremse eines elektrischen Herr Quillet auf seine wohlverdienten 30 000 Aronen. Straßenbahnwagens in Florenz versagte plöglich und der Wagen Er erhielt sie aber nicht. Allerdings wurde seine fuhr mit voller Geschwindigkeit einen Abhang hinunter, bis er Ausweisung aufgehoben. Herr Quillet bestand aber schließlich entgleiste und zertrümmert wurde. Zwanzig Personen, darauf, das Geld zu bekommen, und verklagte die un- davon, drei haben so schwere Verwundungen erlitten, daß an ihrem die sich in dem Wagen befanden, trugen erhebliche Berlegungen garische Regierung, die selbstverständlich in eine sehr unan- Aufkommen gezweifelt wird. genehme Lage geraten ist. Denn es ist ja doch etwas balfanartig, wenn einem Staatsmann 30 000 kronen nicht zu viel find, wenn er sich dafür in einer Zeitschrift als Bayard bezeichnet sehen kann. Ein Idyll im Walde. Die Futternot im legten Winter brachte es mit sich, daß das Wild häufiger als sonst die Futterstelle bei dem Forsthause Schimmelburg bei Jlsenburg aufsuchte und sich schließlich an den Förster vollständig gewöhnte. Ein Fasan schloß mit dem Förster besonders innige Freundschaft, die er ihm auch über den Winter hinaus bewahrte. Der Förster hatte den Fasan daran gewöhnt, daß er auf den Namen" Tiddi" hörte, und dem Fasan, einem Weibchen, ist der Name so vertraut geworden, daß der Förster ihn bei seinen Gängen im Walde seines Reviers nur laut zu rufen braucht, um den Fasan herbeizuloden. Dann kommt er herbei geflogen, rauscht aus den Lüften hernieder, setzt sich dem Förster zu Füßen, nimmt von ihm Leckerbissen und folgt ihm wie ein Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Wort 20 Pig.( zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Zehn Prozent Rabatt Vorwärts lejern. Gardinenrefte, Fenster 1,55, 1,95, 2,45, 2,85, 3,50, 4,25, 5,50, 6,65 usw. E. Weißenbergs Gardinen und Teppichhaus, Große Frankfurter ftraße 125, im Hause der Möbelfabrit an der Koppenstraße. Teppiche mit Webefehlern 7.50, 9,50, 11,50, 13,50, 16,50, 19,50, 22,50, 25,50, 29,50 usw. Teppichhaus, Große Frankfurterstraße 125, im Hause der Möbelfabrit. Reitbestände, 1-3 Fenster Tuch portieren, Plüschportieren, Madrass portieren, neueste Muster, Fenster 2,85, 3,50, 3,95, 4,85, 5,75, 6,50, 7,50, 9,50, 11,50, 14,50, 18,50 usw. Portierenhaus, Große Frankfurterstraße 125. Tuchdecken, Leinendecken, Plüsch deden 1,35, 1,65, 1,95, 2,45, 2,95, 3,65, 4,25, 4,85, 5,50, 6,75, 8,50, 9,70 bis 45 Mart. Steppdecken, Similifeide, vor. nehme Ausführung 3,75, 4,85, 5,75, 6,50, 7,85, 9,50, 12,50, 14,50 usm. Große Frankfurterstraße 125, im Hause der Möbelfabrik. Briefkasten der Redaktion. Die furiſtiſche Sprechstunde findet 2tubenstraße 69, born vier Treppen von 4½ bis 6 Uhr abends statt. Jeber für den Briefkasten bestimmten Anfrage Fahrstuhl, wochentäglich von 4% bis 7½ Uhr abends, Sonnabends, ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeichen betzufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen teine Abonnement quittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor Viktoria 86. Wiederholen Sie Ihre Anfragen zu 2. und 3. noch einmal. R. S. 38. 1. Die Beschwerdefrift läuft am 11. Juli ab. 2. Das Testament ist gültig.- O. 5. 20. 1. 1200, falls eine versicherungspflichtige Beschäftigung vor dem 1. Januar 1890 bestand, zirka 1000. 2. Ber ficherungsamt der Stadt Berlin, Stlosterstr. 65/67. K. T. Gr. Frant furteritr. 15. 1. 1. E. nein. 2. An die Firma. 3. und 4. Falls die Firma in Berlin wohnt, Gewerbegericht Berlin, Zimmerſtr. 90. 5.§ 394 des G. 23. 100. Wir raten zur Zahlung. Einen Prozeß würden Sie vor Bürgerlichen Gesetzbuchs und§§ 1 und 4 des Rohnbeschlagnahmegesezes. aussichtlich verlieren. 2. 18. Es müssen in solchen Fällen etwa 25 M. wöchentlich belassen werden. F. F. 400. Wenn es sich um ein uneheliches Kind handelt, hat der Vater feinen Anspruch auf Herausgabe, bleibt aber unterhaltspflichtig. R. W. 27. Att das Polizeipräsidium, Stoften etwa 300 M... 47. Sie können einen Zahlungsbefehl beantragen oder Klage erheben bei dem für den Wohnsiz des Schuldners zuständigen ersatzansprüchen ist zurzeit aussichtslos. Im Hauptverhandlungstermin 2. 100. Neukölln. Die Geltendmachung von SchadenAmtsgericht. ftellen Sie den Antrag, für den Fall der Freisprechung Ihnen berartige Ansprüche für den Vermögensschaden zuzubilligen." Rudolfsplay. Nein. R. 27. Ihre Ansicht ist zutreffend. Sie müssen bei der Kirchenbehörde reflamieren. R. 8. Anspruch auf Lagergeld besteht u. E. nicht. Dagegen fönnen Sie eine Frist zur Lieferung des Stoffes stellen und androhen, daß Sie nach erfolglosem Ablauf der Frist den entgangenen Verdienst beanspruchen, von der Zeit ab auch Lagergeld beanspruchen.- K. 100. Richten Sie ein Gesuch auf Befreiung vom Gheverbot an das Landgericht, das die Che geschieden hat. 1 laube ich mir. Ch. S. 33. An den Herrn Justizminister in Berlin. Anrede: An den Herrn Justizminister. Anfang des Schreibens: Euer Erzellenz ers Unterschrift: Mit vorzüglicher Hochachtung. m. S. 100. wenden Sie sich an den Kanzlehrerverband Solidarität, Neukölln, Weichselite. 8. Schneider, Beusselstraße. Unter Polizei minister ist der preußische Minister des Innern gemeint, dem sämtliche preußische Polizeiorgane unterstehen. A. 3. 207. 1. An die betreffenden Beitungsredaktionen. 2. und 3. Kommt auf die Bedeutung an, die der jeweiligen Sache beigelegt wird.. E. W. 100. In einer Waffenhandlung. R. M. 31. Nein. G. 2. 100. Rommen Sie mit den auf die Angelegenheit bezüglichen 2. 5. Sie können vom Wirt Abhilfe fordern. Schriftftüden in die Sprechstunde. 3. P. 83. Wiederholen Sie die Anfrage und geben Sie noch an, wie hoch die Unfallrente ist, ferner, wieIhre Mutter soll es mit einer Reklamation versuchen, für den Fall der biel Versicherungsmarken geleistet sind und in welchen Klassen.. 2. 17. ablehnung bei der Gemeinde Armenunterstügung beantragen. 5. R., Köpenick. Postmuseum, Berlin, Leipzigerstraße, Ede Mauerstraße. W. p. 68. Fragen Sie bei der Stiftungsdeputation des Magistrats Juli 1914. In der Drogerie erhalten Sie das Berlin, Boftstr. 16, an. gewünschte Mittel. Bpp. 7. Das ist Geschmacksache. Brik 101. Subärktisch. 1. Stein Unterschied. 2. Erkundigen Sie sich beim Antiquar. 1. Mehrstimmenſyſtem. 2. Nicht bekannt. 3. Baudert, Soz., Marquardt, natl., Leutert, Soz. H. Schenkendorf. 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