Nr. 191. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pranumerando: Bierteljahrl. 8,30 M, monati. 1,10 ML, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- BeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig.( aulässig 2 fettgedrudte Worte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Pig., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983. Das kronprinzliche Bravo! Donnerstag, den 16. Juli 1914. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 1984. suradzubringen sein. Dadurch wird die Partei einen Ausfall von reichische Staatsangehörigen: und der Konflikt wäre da! Denn Stimmen erleiden, der aber hoffentlich durch die Heranziehung neuer in der Erregung über die Mordtat, die von der gewissenlosen Wähler, namentlich aus den Kreisen der Fischereibevölkerung aus- Presse, die in Franz Ferdinand ihren Schußheiligen sieht und geglichen werden wird. ihm zu Ehren gar nicht ungern die Hekatombenopfer eines Strieges schlachten möchte, unablässig geschürt wird, könnte das kleinste Ereignis zu unabsehbaren Folgen führen. Würde man urteilen dürfen, so brauchte man sich besonderer Besorgnis die Sachlage nach der Stellung der offiziellen Faktoren benicht hinzugeben; find doch alle drei Kriegsminister dieser Tage demonstrativ auf Urlaub gegangen! Aber das bange Gefühl, daß im Dunklen eine schwere Gefahr lauert, will nicht weichen. Frgendein Oberstleutnant a. D. er hört diesmal auf den Namen H. Frobenius hat wieder ein Buch geschrieben Mit großem Nachdruck und unter Aufwendung der reichsten " Des Deutschen Reiches Schicksalsstunde". So oder so ähnlich Mittel betreibt die Fortschrittliche Boltspartei, die Heißen die Erzeugnisse militär- politischer Fach phantasie wiederum den Bürgermeister Wagner aus Tapiau als Kandidaten immer. Ebenso einförmig pflegt ihr Inhalt zu sein: ein aufgestellt hat, mit Unterstügung der Nationalliberalen die Agitation; düstres Gemälde von der Gehässigkeit der bösen Nachbarn und es ist nicht zu verkennen, daß ihr aus den konservativen Gegegen das edle Deutsche Reich, diplomatische" Schacherpolitik bieten diesmal viele Anhänger zuströmen werden. im Stil des 18. Jahrhunderts mit neudeutschem" ImAller Wahrscheinlichkeit nach wird es zur Stich to a 5 I fommen. perialismus" schön sämig abgezogen und schließlich- mehr Kanonen, mehr Soldaten, mehr Schiffe- ohne jede gedant- Wenigstens nehmen die Konservativen selbst an, daß es ihnen nicht Welche Forderungen Desterreich- Ungarn nun in Belgrad liche Anstrengung, wie und wer denn immer weiter begelingen wird, wie im Jahre 1912, sofort im ersten Rennen zu zu stellen gedenkt, ist nicht abzusehen; sie können sich von zahlen soll! Zu einem dieser großdeutschen Elaborate also siegen. Gelingt ihnen dieses aber nicht, so dürften sie ausfallen und dem bloßen Ersuchen, den Mordspuren in Serbien nachhat der Kronprinz sein bei hervorstechenden kleinen und dem Grafen b. We starp wird das bittere Brot der Minderheit" zugehen und die Mitschuldigen der Bestrafung zuzuführen, großen Ungeschicklichkeiten und Voltsunfreundlichkeiten übliches in Zukunft noch bitterer schmecken. bis zum drohenden Ultimatum bewegen. Es wird wohl Bravo durch ein Telegramm aus Zoppot ausgedrückt. Es sicher sein, daß die Spuren des Attentats nach Belgrad Die Kreise Labiau und Wehlau enthalten nur wenige und reichen, und wenn es selbst nicht der Fall wäre, wird die lautet: erhebliche Schwierigkeiten. Aber gerade dieser Wahlkampf hat wieder bewiesen, daß auch die Landbevölkerung immer mehr dem sozialistischen Gedanken zugänglich wird, wenn es nur möglich ist, intensive Arbeit unter ihr zu leisten. der " Ich habe Ihre ausgezeichnete Broschüre Des Deutschen fiches. Die Struktur des Kreises bereitet der Sozialdemokratie also Richtung geben kann, diesen Beweis schon erbringen". Ich habe Ihre ausgezeichnete Broschüre„ Des Deutschen var kleine Städte. Das Gros der Bevölkerung ist ein rein länd- strafgerichtliche Untersuchung, man natürlich jede Reiches Schicksalsstunde" mit dem größten Interesse gelesen und wünsche ihr in unserem deutschen Wolfe die weiteste Berbreitung. Wilhelm, Kronprinz." In dieser Broschüre, einem recht üblen Machwert, wird fchließlich ausgeführt, daß die Gegner Deutschlands im Frühjahr 1915 triegsbereit sein werden und dann werde des Deutschen Reiches Schicksalsstunde schlagen, in der wir schwerer als je zu kämpfen haben werden. Und deshalb Wenn du den Frieden willst, rüste zum Kriege." " Schritte" in Serbien. Wenn sich Desterreich auf das Begehren beschränken sollte, daß man in Serbien diejenigen, die zu der Sarajevoer Mordtat Beihilfe geleistet haben, zur Verantwortung zieht, so wäre dagegen nichts einzuwenden und könnte dagegen niemand einen ernstlichen Einwand erheben. Aber damit wird sich der von der militaristischen und christlichsozialen Kriegsheke gepeitschte Ballplatz leider nicht begnügen, bielmehr wird er irgend welche Bürgschaften" gegen die großserbische Agitation erhalten wollen. Nun möchten wir es mit aller Deutlichkeit Diese Broschüre hat es dem Kronprinzen angetan. D Aus Wien wird uns vom 14. Juli geschrieben: wiederholen, daß wir diese Agitation, die auf die Vereinigung. ist nun für uns nach all dem Vorausgegangenen nichts WunderWas planen die österreichischen Machthaber? Die äußeren aller serbischen Gebiete zu einem Staate ausgeht, gleichbares mehr. Wir kennen den politischen Geschmack des Kron- Vorgänge unterscheiden sich diesmal sehr auffällig von dem, gültig welche idealen" Motive ihr zugrunde liegen mögen, prinzen und wollen über ihn ebenso wenig streiten wie über was man während der zwei großen Konflikte mit Serbien, für eine der schwersten Bedrohungen des Friedens in Europa seinen ästhetischen, der sich ungefähr auf gleicher Höhe be- dem nach der Annegion und dem in Frage der Räumung der halten, denn daß ihre Verwirklichung nur in einem Weltwegt. Aber was sagt denn Herr v. Bethmann dazu? besetzten Stüstengebiete nach den Balkantriegen, erlebt hat. friege möglich wäre, ist wohl flar. Es wäre deshalb Billigt er diese immer sich wiederholende Telegraphiererei, während der Ballplak damals mit dem Aufgebote eines argen sehr nüßlich, wenn man sich überall entschließen die niemand mehr Vergnügen bereiten kann als den Feinden Lärms arbeitete, kein Mittel zur Erregung der Leidenschaften wollte, die großserbischen Ideen mit der nötigen Deutschlands, den Chauvinisten und Frobeniussen verschmähte und seine Entschlossenheit" in den grellsten Kühle zu betrachten und Licht und Schatten in der des Auslands? Die werden dem deutschen Kronprinzen Farben malte, befleißigen sich die offiziellen Kreise diesmal Beurteilung des Verhältnisses zwischen Desterreich und Serbien ja Dank wissen für die wirksame Unterſtüßung ihrer Agitation. einer Burückhaltung, die man loben müßte, wenn man hoffen gleichmäßiger verteilen wollte; der österreichischen und der Aber findet das auch die Billigung des verantwortlichen Leiters dürfte, daß sie echt sei. Irgend eine offizielle Mitteilung ungarischen Hezpresse steht zum Beispiel die Belgrader Schundder deutschen auswärtigen Politit? Wir glauben kaum, und darüber, was man in Belgrad unternehmen werde, ist nicht presse ganz ebenbürtig zur Seite. Aber welche BürgHerr v. Bethmann wird sich wohl das Richtige denken. gegeben worden; genau betrachtet, ist eigentlich auch niemals schaften" kann Desterreich verlangen und welche könnte Serbien Nur zu sagen wird er sich's nicht getrauen. in einer amtlichen verpflichtenden Weise angekündigt worden, geben? Der nationale Drang wird durch diplomatisch abUnd das zeigt wieder den Jammer unseres bureau- daß überhaupt etwas unternommen werden wird. Als die gezirkelte Versicherungen nicht beschworen und je stärker die tratisch- absolutistischen Regierungssystems. Demokratie würde mit solchen Stundgebungen rasch fertig meinsamen Ministerrat und über die sich daranschließende fie sich gibt, und je offener sie sich zu ihren Zielen bekennt, Eine wirkliche fich als„ inspiriert" gebärdenden Blätter über den letzten ge- großserbische Tendenz in Serbien betont wird, je schreiender werden. Der hochgemute Bureaukrat aber, der nicht genug Audienz in Ischl allerlei bedrohliche Mitteilungen zu ver- desto größer muß die Neigung in den österreichischen Kreisen die Demokratie schmähen kann, wird nicht mal mit den öffentlichen begannen, erfolgte fofort von Wien und von werden, sich des Feindes, der nie ruhen will, mit einem Störungen fertig, die ihm diese kronprinzlichen Aeußerungen Budapest aus ein schroffes Dementi. Graf Tisza, der Schlage zu entledigen. Dies ist auch unziveifelhaft das, bereiten. Und da wundert er sich noch darüber, daß die einzige Minister, der seither gesprochen, hat sich, ganz gegen worauf die militärimperialistischen Kreise drängen und wobei Voltsmassen von diesem ganzen System, in dem die Aus- seine sonstige Losgehermanier, nüchtern und besonnen ver- sie nicht zum wenigsten darauf rechnen, daß die serbische Iassungen einer staatsrechtlich gar nicht zur politischen Ein- nehmen lassen. Das alles würde zu dem Schlusse verführen Ueberheblichkeit die Spannung bis zur Unerträglichkeit verwirkung berufenen Persönlichkeit Bedeutung gewinnen, nichts können, daß sich die Forderung Desterreichs, wenn sich aus schärfen wird. Es ist also jedenfalls nicht angemessen, die wissen wollen! der Untersuchung über die Mordtat für sie überhaupt ein Ueberhebung der serbischen Soldateska Labiau- Wehlau. Aus dem Wahlkreise wird uns geschrieben: denn die Anlaß gewinnen läßt, in verständigen Grenzen halten werde. ist es, die in Belgrad ausschlaggebend ist durch BeAuch sieht man sich vergebens nach der treibenden Kraft für trachtungen zu steigern, in denen die Serben der Welt als das ein zum Kriege führendes Vorgehen um. Der alte Kaiser bedrückteste aller Völker in Europa, vorgeführt und ihre wird dafür ganz bestimmt nicht in Anspruch genommen werden imperialistischen Absichten in höchst furzsichtiger Weise gerechttönnen; ebensowenig aber auch der junge Mann, der jetzt den fertigt und verherrlicht werden. Thronfolger darstellt. Die Friedenskräfte, die sich in Desterreich zweimal so * Heute findet im Wahlkreise Labiau- Wehlau die Reichstags. nachwahl für den verstorbenen konservativen Abgeordneten Auch die Minister, Berchtold auf der einen, die Stürgfh glänzend bewährt haben und denen nicht zum wenigsten die b. Massow statt. Der Wahlkampf ist ein äußerst heftiger ge- und die Tisza auf der anderen Seite, sehen nicht gerade Bewahrung des Friedens trotz der zweimaligen Kriegsheze zu wesen. Die Konservativen haben als ihren Kandidaten den Amts- danach aus, als ob sie fähig wären, sich in Abenteuer, deren banten ist, wobei den Sozialdemokraten aller Nationen rat Domänenpächter Schre we aufgestellt, der sich aber bis weit in Ende nicht abzusehen ist, zu begeben. Bleibt die Soldatesta, das allergrößte Verdienst zukommt sind diesmal, nnd zwar die konservativen Reihen hinein einer großen Uubeliebtheit erfreut. der freilich jede Ausschreitung zuzumuten ist. Indes tann einesteils durch die Mordtat, anderenteils durch die AusDie Situation ist für die Konservativen außerdem noch dadurch un- nicht übersehen werden, daß die Militärs, die allerdings mit schaltung des Parlamentes und die Zersetzung des gesamten günstig geworden, daß ein Teil ihrer treuesten Anhänger überaus Serbien schon seit langem und eigentlich immer blutige Ab- politischen Lebens eher gelähmt. Aber von einer wirklichen unzufrieden mit dem konservativen Regime der dortigen Landräte rechnung" halten möchten, gerade durch die Mordtat in Leidenschaft und Empörung ist außerhalb der schwarzgelben ist. Große Aufregung hat es insbesondere verursacht, daß die im Sarajewo ihres Hauptes beraubt wurden, und daß das Presse so wenig vorhanden, und der österreichische Staat ist militärische Großmachtsbewußtsein, das sich so gerne in einem in jeder Hinsicht so geschwächt, daß die Hoffnung wohl beJanuar dieses Jahres durch eine Sturmflut arg mitgenommene arme Striege entladen möchte, durch den Heimgang Franz Ferdinands rechtigt ist, der Konflikt werde auch diesmal in einem diplo Fischerbevölkerung von den zur Unterstügung gesammelten Geldern um seine bewegende Energie gekommen ist. Danach könnte matischen Aufgebot landen. Aber man muß auch den Serben fast nichts erhalten hat. Immer wieder hört man bei Agitations- man sich wohl entschließen, die Dinge mit fühler Ruhe zu ins Gewissen reden; denn dieser unruhvolle und unruhreisen aus dem Munde der früher konservativen Bevölkerung betrachten. Dennoch aber liegt es auf der Stimmung in stiftende Staat hat wahrlich nicht wenig auf dem Gewissen. die Erklärung, daß ihr Vertrauen in die konservative Politit Desterreich wie eine schwere Gewitterwolfe, und das Gefühl geschwunden sei. Wie lange dieser Gemütszustand anhalten wird, der Unruhe, die Sorge der Betlemmung will nicht weichen, läßt sich nicht voraussagen. Aber für diesmal ist mit aller Wahr- verstärkt sich eher von Tag zu Tag. Ein offiziöser Beruhigungsversuch. scheinlichkeit anzunehmen, daß den Konservativen ein nicht unbeträcht- Empfindung, daß der geringste Zufall in der angesammelten wiener Tagblatt" fest, daß die Nervosität, welche infolge der Die Bangigkeit hat vor allem ihren Grund in der Wien, 15. Juli. In einem Privattelegramm stellt das Neue Die Sozialdemokratie hat in diesen Streifen eine warme unter den in Belgrad lebenden Desterreichern eine regelrechte und politischen Streifen Blaz gegriffen hätte, gestern fast ganz Spannung verhängnisvoll wirken könnte. Am Sonntag ist Belgrader Alarmnachrichten vom Sonntag in Budapester finanziellen Aufnahme gefunden. Die Versammlungen, die am Sonnabend und Panik ausgebrochen. Man sprach von einem sich vor- gefchwunden sei. Das Blatt weist darauf hin, daß die Reise Sonntag die Genossen Linde und Haase abhielten, hatten einen bereitenden Attentat auf die österreichische Gesandtschaft, von Tiszas nach wien nicht deshalb erfolgte, weil neue und außer lebhaften Zuspruch und es ist zu hoffen, daß, nachdem einmal dieser einem Ueberfall auf die österreichisch- ungarischen Staats- ordentliche Maßnahmen notwendig wären, wozu absolut keinerlei Boden beadert worden ist, sich auch schließlich für die Partei Früchte angehörigen; und alle diese wilden Gerüchte, die offensichtlich Anlaß vorliege. Die Monarchie wird, führt das Blatt fort, auf der zeigen werden. In welchem Umfange sich das schon diesmal zeigen an den Tod des russichen Gesandten anknüpfen, wurden ge- einen Seite die inneren Reformen in Bosnien bei Aufrechtwird, läßt sich im Augenblick schwer berechnen. Ungünstig für glaubt. Die Desterreicher flüchteten teils in die Gesandtschaft, erhaltung des gegenwärtigen Systems durchführen, auf der die Partei ist jedoch der Zeitpunkt der Wahl. Eine große Zahl von teils nach Semlin, und der Gesandte selbst bereitete sich, wie anderen Seite aber nach dem Vorhandensein des gesamten UnterFlößern, die zu den treuesten Anhängern der Partei zählen, be- fein Sohn erzählte, der sich gleichfalls nach Semlin„ gerettet" fuchungsmaterials und dem vollständigen Abschluß der Recherchen finden sich weit außerhalb des Wahlkreises, zum Teil in Rußland blinder Lärm; aber wie wäre es gewesen, wenn ein paar die wirklich Strafbaren, hatte, auf einen Heldentod vor. Es war zwar alles nur über das Attentat in Sarajewo dafür Sorge tragen, daß tvo immer sie sich und können bis zum Wahltermin nicht zurückkehren. Ein anderer zuchtloser Leute, wie ihrer gerade die serbische Hauptstadt befinden, ausgeforscht werden. Gleichzeitig wird man Teil von fleinen Besizern, die im Nebenberuf als Bauarbeiter nicht wenige beherbergt, gegen die Desterreicher wirklich aber auch Bürgschaften dafür verlangen, daß die aus Serbien in den Städten beschäftigt sind und längst mit sozialistischem etwas unternommen hätten? Ein paar Steinwürfe gegen das genährte hochberräterische Bewegung an unseren südGeiste erfüllt sind, wird ebenfalls schwer in die Heimat Gesandtschaftsgebäude, eine Attacke auf irgend welche öster- lichen Grenzen ein Ende finde. Man hofft, daß Serbien licher Teil von Stimmen dadurch verloren gehen wird. die Wünsche der Monarchie erfüllen werde, ohne daß es jju weiteren Komplikationen kommt. Dabei läßt sich die österreichisch« ungarische Monarchie von dem Grund- gedanken leiten, daß die Aufrechterhaltung des Friedens und die Existeuzinteressen unseres Großstaates gleich hohe Bedeutung haben, daß also die Lösung unter gleicher Berücksichtigung beider Gesichts- punkte erfolgen müsse; daß man dabei vorsichtig zu Werke geht und nicht überhastet, ist eher danach angetan, die Oeffentlichkeit zu bc- ruhigen, als irgend eine Nervosität zu rechtfertigen. Zranzösifther Parteitag. Paris, 14. Juli. sEig. Ber.) Morgen tritt hier der außerordentliche Parteitag der französische» Sozialisten zusammen, der die Tagesordnung des internationalen Kongresses durchberatcn soll. Das Hauptinteresse gilt der Frage des Imperialismus oder genauer dem Amendement K e i r Hardie-Vaillant, das die Zustimmung einer großen Zahl von Föderationen, namentlich der Seine-Föderation gefunden hat, wogegen es von den zum Guesdistischen Flügel gerechneten Föderationen abgelehnt wird. Der Kongreß tagt diesmal unter günstigeren äußeren Be« dingnngen als die letzten in Paris abgehaltenen Arbeiterkongresse. Die für die Kongreßtage gemietete„Falls äss I'Stes" in der Rue St. Martin ist sehr geräumig und ist auch von einer Galerie um- zogen, die ein zahlreiches Publikum ausnehmen kann. Dem Kongreß ging heute eine Versammluug des Nationalrats voraus, die zwei Sitzungen in Anspruch nahm. Es wurde eine Reihe wichtiger, administrativer Angelegenheiten er- ledigt oder weitergeführt, u. a. eine Altersversorgung für alte Parleikämpfer im Prinzip beschlossen, die Ilnterstützung bedrängter Parteiblätter geregelt, ein ständiger Agitator gewählt an Stelle eines zum Deputierten gewählten, die Frage der Neuorganisation, der Propaganda auf regionaler Basis durch Anstellung regionaler Organisationsleiter und Agitatoren diskuiiert. Ueberaus günstig lauten die Partciberichte. Die Zahl der ge- lösten Parteikarten hat Ende Mai 77000 überschritten und in diesem Winter noch ist das Hunderttausend zu erwarten. Ueberall im Lande rührt sich ein kräftiges Leben. Das zeigt sich besonders auch in der En t Wickelung der Parteipresse. Wie Genosse Bracke in seinem Bericht über die„HnmanitS" unter stürmischem Beifall bekanntgab, hat das Zentralorgan der Partei im Mai einen G e- w i n n v cUr 25 00 Fr. abgeworfen und«ine weitere Steigerung ist für den Herbst sicher. Die Zahl der Abonnenten beträgt jetzt fast 14 000, was gleichfalls ein sehr schöner Fortschritt ist.— Er- wähnt sei ferner, daß, wie die Föderalion der Haute-Garonne mit- teilt, auch der in Toulouse täglich erscheinende„Midi S o c i a l i st e' aus dem Defizit heraus ist und nur der finanziellen Hilfe bedarf, uin seine aus den Zeiten des Kampfes stammende schwere Schulden- last abzutragen. Der Nachmittagssitzung wohnte Genosse Dr. Karl Liebknecht bei, den der Vorsitzende Genosse R e n a u d e l unter stürmisch avplaudiertem Hinweis auf Liebknechts Rolle im Kampf gegen den Militarismus als Gast herzlich willkommen hieß. Genosse Liebknecht wie der gleichfalls anwesende Reichstagsabgeordnete Dr. W e i l l nahmen auf Einladung des Vorsitzenden am Präsidententisch Platz. politische lieberficht. Bomben her Die Scharfmacher sehnen sich nach einer kleinen Revolution wie der Hirsch nach frischem Wasser. In dieser Richtung hat wieder einmal der Kammerherr v. Oldenburg-Januschau sein Herz ausgeschüttet. Es war auf dem Bezirks-Sommerfest des Bundes der Landwirte in Kressau in Westprcußen, wo der edle Kammer- Herr als Festredner auftrat. Er hielt natürlich eine politische Rede, in der er sich also vernehmen lieh:„Der Kaiser hat verfassungs- mäßig im Reich überhaupt nichts zu sagen. In Preußen ist es allerdings anders, aber bei der momentanen Nachgiebigkeit dem Mlbanefifiher Mm. (Von unserem Korrespondenten.) Xl. Dnrazzo, Anfang Juli. Auf dem Daibe der französischen Gesandtschaft in Dnrazzo steht der allgegenwärtige Kurbelmann und pirscht auf Films für die Wochenrevue. Eine Etage tiefer, auf dem Balkon, sitzt Albaniens National- Held und-gauner und blickt sehr interessiert auf die sandige Riva herunter. Er heißt Prent Bibdoda und soll jetzt in An- erkennung seiner Dienste und damit er hübsch in der Nähe bleibt, Minister Iverden. Noch eine Etage tiefer, aber auf der anderen Seite des engen Stadttors, schaut der blühend aussehende Oberkoch Sr. Kgl. Hoheit des Mbret prej Albania aus dem Küchenfenster. Auf der Riva selbst ober wimmelt ganz Durazzo herum. Die edlen Mirditen, die ihr Vaterland verteidigen, indem sie, Schieß- Prügel zwischen den Beinen, Patronengüncl überm Bauch, in den „Coffanas" sitzen und Mokka schlürfen, strömen aus dem Stadttor und drängen sich vor das Hauptzollamt. Oesterreichische und italienische Offiziere, die von Bord gegangen sind, machen ihre Kameras knipsfertig. Gendarmen halten den Zugang zum Konakgarten frei, vor dem einander gegenüber je ein Matrose vom österreichischen„St. Georg' und vom italienischen „Vittor Pisaiii' stehen. Ich gehe wohlweislich nicht zu dem Oester- reicher sondern zu dem Pisaniman», zeige ihm eine deutsche Jnvalidenklebcmarke, und die brave Schildwache bezeigt dem Stempel des Berliner Polizeipräsidiums Respekt und läßt mich hinein. Was ist los? Se. Kgl. Hoheit, Wilhelm I. Mbret prej Albania, wird ge- ruhe», die heute inorgen eingetroffene Kompagnie rumänischer Frei- williger an sich vorbeidefilieren zu lassen. Den Rumänen geht es gut. Den Deutschen und Oesterreichern, die bisher hier eingetroffen sind, um ihre Haut für Wied und Albanien zu Markte zu tragen, ist diese Ehre noch nicht widerfahren. Dafür sind sie auch nicht in albano-rumänischer Phantasieuniform mit aktiven Offizieren an der Spitze hier eingerückt und haben kerne albanische Fahne mitgebracht. Viele von ihnen hallen zerrissene Sticfelsohlen, die in Wien von den Herren Gurschner und Wirth ebensowenig geflickt wurden, wie sie hier gratis repariert werden. Den dürftigen Konakgarten dürften sie zieren, sie sehen aus wie Barrikadenmänner. Barrikaden aber bauen hier nur die fremden Matrosen vor den Gesandtschaftsgebäuden. Also die Rumänen ziehen ein. Die beiden Wachen treten an, die Kgl. Kawassen in ihren weiten Ballettröckchen mit der versilberten Pistole im Seidengürtel gruppieren sich malerisch auf der Freitreppe. Zwei große Wolfshunde springen init wütendem Gebell aus den, Konak und nehmen die Front auf ihre Manier ab. Die Front ist übrigen« nach dem Garten bin genonnnen, so daß die braven Ru- nräneir dem hcranslretcnden Fürsten den Buckel zukehren. Endlich erscheint der gesamte Hof, in, ganzen vielleicht sieben Personen, auf der Freitreppe. Der sehr schneidige Hauptmann der Rumänen, an dessen äußerem Habitus man seine wahre Freude haben kann, erstattet Meldung und wird vom Fürsten und der Fürstin in ei» längeres Gespräch gezogen. Dieses wurde etwas be- einträchtigt durch weitere Temperamentsausbrüche der Hunde, bis Reichstage gegenüber ist fa eigentlich das Ende abzusehen: daß wir immer mehr in eine parlamentarische Regierung hinein- geraten. Es ist kolossal unverschämt, wenn Leute, die das Re- gieren nicht gewohnt sind, vom Kaiser verlangen, daß er auf seine Rechte verzichtet zugunsten einer Majorität im Reichstage, die stets schwankend sein wird und die'doch, wie man milde ausdrücken kann, stark beeinflußt ist durch die Sozialdemokratie. Wenn zu mir irgend jemand kommt und sagt: Nu geh mal hier weg, ich werde Deinen Grundbesitz verwalten, dann muß er mindest den Beweis liefern, daß er es besser macht wie ich, sonst schmeiße ich ihn raus." Von dem Reichstagsabgeordneten Erzberger sagte v. Olden- bürg, dieser habe ihm recht gegeben, als er ihn bat, seinen Einfluß in der Zentrumsfraktion dahin geltend zu machen, daß der Reichs- tag einmal zwei Jahre lang keine Gesetze machen möge.— Die Wahlprüfungskommissioir des Reichstages hat es dem Januschauer ganz besonders angetan, und im Hinblick auf den Fall Hoesch sagte er:„Wenn der Reichskanzler da wäre, der den Herren in die Parade fahren und sagen würde:„Dazu ist die Verfassung nicht da, daß sie in dieser Weise von Ihnen malträtiert wird, ich jage Sie alle zum Teufel und lasse neu wählen", dann würde die Wahl- Prüfungskommission wohl wieder zurückkehren zur früher geübten Praxis." Inzwischen war der Festredner im richtigen Fahrwasser. Er führte weiter aus:«Ter Stamm nach links wird unaufhaltsam breiter, dagegen immer schwächer der Stamm der Monarchie. Wir haben III Sozialdemokraten im Reichstage. Das ist noch nicht das schlimmste. Ich habe die Ueberzeugung, wenn man heute noch den Entschluß faßte, mit ihnen zu kämpfen, so würden wir unge- ahnte Erfolge haben. Es würden ja zunächst eine Anzahl von Bomben geworfen werden, die müßten aber die beteiligten Mi- nister vertragen." Tie„katholischen Sanfbrüder". Die„Correspondance catholique", das Organ der belgischen Integralen, befaßt sich in ihrer Nr. 27 mit der Versammlung, die unter dem Borsitz des ZentrumsführcrS L e n s i n g und in An- Wesenheit W a ck c r s kürzlich in Dortmund getagt hat. Das katholische Genter Wochenblatt schreibt gegen seine deutschen Glaubensbrüder: „Sie haben sich aufgeführt wie in einer Epe- l u n k e, die„christlichen" Katholiken von Dortmund, als sie am Montag versammelt waren, um den Index anzu speien und mit ihren lärmenden„Hochs" Wacker Beifall zu brüllen, ihm, der eben von Rom verurteilt war. Wir haben es schon vor- her gewußt, d«h das Deutschland Bachems den Index nicht liebt, wie es im allgemeinen das verabscheut, was es mit seiner ganz preußischen Geringschätzung die„römische Kurie" heißt. Vor sieben Jahren haben die integralen Katholiken eine inter- konfessionelle Bachemistensekte entdeckt, die mit ihrem geheimen Zentrum in Münster an der Aufhebung des Index arbeitete. Seit die„Correspondence de Rome" tapferen Andenkens den Fuß auf dieses Modernistcnneft gesetzt, haben sich die Münsterer Vipern vor den Augen der Leute zerstreut. Aber jeder„gute" deutsche Katholik, genannt Back; em ist, fährt fort, in seinem Herzen einen giftigen Haß gegen die Kongregation des Index, ju nähren, die übrigens ihren Ursprung dem hl. Pius V. verdankt, dem ersten integralen Papst der modernen Zeit. Der Alkoholistenfeldzug katholischer Saufbrüder von Dortmund(catdoliques brassicoles) gegen den hl. Gerichts- hos, der Wacker verurteilte, wundert uns nicht so sehr, als er unsere Entrüstung hervorruft. Was uns wundert, ist der Um- stand, daß in der ganzen katholischen belgischen Presse sich gegen die in Dortmund begangene antirömische Orgie keine Stimme erhoben hat. Sie scheint nicht zu wollen, daß man bei uns erfahre, daß die Ideen Wackers, die Ideen des deutschen Zentrums, von Rom verworfen sind." Ein netter Ton! Aber er ist unter den Klerikalen, päpstlicher wie bachemitischer Richtung, weit verbreitet. Da? Trierer Bache- mitenorgan bewertete die andere Richtung als einen„Haufen ekelhaften Gewürms" das„Düsseldorfer Tageblatt" vom 14. Juli spricht gegenüber den Integralen von„verbrecheri- sehen Schlinggewächsen" an dem starken Baum der ober- die Fürstin ihnen höchst eigenhändig mit höchstdero Spazierstöckel kräftig eins überzog. Unterdessen machte draußen das treue Volk lange Hälse, die fremden Offiziere rissen Witze und knipsten, und der Kurbelmann auf dem Dach ließ seinen Apparat spielen. Die Hauptjache bekam er allerdings nicht mit auf die Platte. Bis dahin war das alles sehr amüsant und nett. � Aber dann kam ein Augenblick, den ich so leicht nicht vergessen werd'e. Mit den Rumänen war eine freiwillige Samariterin vom Genfer Kreuz ge- kommen. Die Fürstin ließ sie zu sich bitten und sprach mit ihr. Bei der Verabschiedung rcichie sie ihr die Hand zum Kuß. Schön. Aber auch Wilhelm von Wied ließ sich die Hand von ihr küssen, ohne auch nur eine abwehrende Bewegung zu machen. Dieser Augenblick beleuchtet wie ein Blitzlicht die tolle Um- kehrung aller Logik, die in den hiesigen Verhältnissen immer wieder zum Vorschein kommt. Diese Frau hat den Fürsten früher weder gekannt noch auch nur gesehen, sie kommt aus einem fremden Lande herüber, um Wunden zu heilen. Sie ist es also, die dem Fürsten und seinem Lande etwas zu schenken hat, und es wäre nicht mehr als ein Akt schuldiger Ritterlichkeit und Dankbarkeit gewesen, wenn der Wied ihr die Hand geküßt hätte. Aber dasür hanen anscheinend beide kein Empfinden, weder die Frau, die eine Männerhand küßte, die sich längst als fast- und kraftlos erwiesen hat, die sich kaum zu einem kräftigen Druck aufschwingen kann, noch der Mann, der viel- leicht nicht ansteht, sein selbstfabrizierteS Königtum als„von Gottes Gnaden" zu betrachten. Das Königtum in Albanien wird ans Abzahlung erworben. Jeder Untertan erhält dafür, daß er nicht zum Feinde übergeht, zwei und einen halben Frank täglich. Damit Hort die Untertanen- Pflicht auf. und für den geringen Tagelohn ist es ja auch wohl genug. Ucberdies gibt es auch andere Leute, die für dasselbe Geld Posten stehen, die Geschütze bedienen und sich im Notfall totschießen lassen,— für den Wied und seine Drei- Frank- Miriditen. Die Freiwilligen erhalten nämlich auch nur zwei Frank fünfzig Centimes am Tag, und müssen damit auskommen, trotzdem die Preise für Wohnung und Lebensmittel hier in manchen Fällen außerordentlich hoch sind. Diese ganze Freiwilligengeschichte, soweit Deutsche und Oester- reicher in Frage kommen, ist ein äußerst trauriges Kapitel. ES gibt nicht Worte genug, um die Art und Weise, wie Gurschner und Konsorten die Anwerbung betrieben haben, als das Treiben von Leuten zu kennzeichnen, denen jedes Gefühl der Veranlwortung irgendwelcher Art vollständig abgeht. Es hält ein wenig schwer, mit den Freiwilligen Mitleid zu haben, denn sie haben sich ihre Suppe selbst eingebrockt und ein gewisses Maß von Dummheit ist strafbar und straft sich am besten von selbst. Aber man sagt sich immer wieder, daß auch noch andere Faktoren im Spiel sein müssen. Zweifellos haben die meisten derjenigen, die hierherkommen, ein- mal im Leben Schiffbruch gelitten und hoffen hier einen Knacks zu reparieren, den sie sich innerlich� einmal geholt haben. Die meisten der deutschen und österreichischen Freiwilligen bereuen es sicher schon heute, daß sie gekommen sind. Sie sind ohne einen Pfennig, denn die Löhnung reicht gerade hin, um das tägliche Essen zu bezahlen. Sie haben bis heute die versprochenen Uniformen ebensowenig erhalten wie die 80 Kronen, die Gurschner und Wirth ihnen versprochen haben. Aber eine falsche Scham hält sie davon ab, aufs deutsche Konsulat zu gehen und ihre Rückbeförderung zu beantragen. hirtlichen Tewalk, und Pfarrer Wacker«rklärk in seiner neneste« Kundgebung im„Badischen Beobachter"(13. Juli), daß das Treiben seiner Widersacher ihn„nur mit Ekel erfüllen" könne, es-sei ihm schwer, die„Gefühle tief st er Verachtung" zurückzu- drängen. Reformen infolge des Kölner Polizeiprozesses. Bei Gelegenheit ihres großen Prozesses gegen die Kölner Polizei veröffentlichte die„Rheinische Zeitung" auch die Dienstvorschriften der Kölner Schutzleute. Die teils bureaukratisch-verknöcherten, teils von unfreiwilliger Koniik erfüllten Vorschriften lenkten damals die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Unter anderem war es der Sittenpolizei verboten, gegen eine Dirne einzuschreiten, wenn sie sichinBegleitun-geinesOffiziers befand, und überhaupt wurden die Offiziere, selbst wenn sie ein Verbrechen begangen hatten, für nahezu unantastbar erklärt. Den Schutzleuten war ver- boten, politische Versammlungen, gleich welcher Partei, zu besuchen. Auch durften sie keinen politischen Vereinen-beitreten und sollten sich möglichst von jedem Verein fernhalten. Das Tragen eines Knebelbartes war ihnen untersagt, sie durften die Hände nicht auf den Rücken legen, ihr Mantel durste keine äußere Tasche haben, und was derartiger grober Unfug mehr war. Jetzt wird bekannt, daß diese Dicnsworschriften als veraltet beseitigt werden sollen. Es wird im Auftrage des Ministeriums bei allen Polizeiverwaltungen eine Nachprüfung der Dienstvor- schriften mit dem Ziele einer Reform vorgenommen. Die Polizei wird nicht leugnen können, daß sie zu diesem Fort- schritt durch die sozialdemokratische Kritik gezwungen worden ist. Trotz der mancherlei Reformen, die der Kölner Polizeiprozeß nun schon zur Folge hatte, ist der damalige Angeklagte zu 000 M. Strafe und den hohen Kosten verurteilt worden. Daß ein Sozialdemokrat sich erfrechte, die Wahrheit über die kölnische Polizei zu sagen, mutzte eben gerochen werden. Dreiste Fälschung. Am verflossenen Donnerstag verurteilte da? Kriegsgericht der 7. Division in Magdeburg den Musletier Wagner von �der 8. Kompagnie des 153. Infanterie- Regiments wegen MajestätS- beleidigung und Beleidigung der Richter des Halleschen Kriegsgerichts zu 3>/z Jahren Gefängnis. Ter Angeklagte hatte unter ein Kaiser- bild eine beleidigende Bemerkung geschrieben und eine Urteils- ausjertigung in bezug aus die Richter mit der bekannten Redewendung aus„Götz von Berlichingen" versehen. Der Angeklagte gab den Tat- bestand unumwunden zu und erklärte, als er nach den Moüven seines Tuns befragt wurde, er wolle unter allen U m st ä n d e n vom Militärdienst befreit werden, weshalb er bitte, mit Zuchthaus bestraft zu werden. Diesen Wunsch konnte das Kriegsgericht jedoch nicht erfüllen. Als unser Magdeburger Parteiorgan denKriegsgerichtSberichi ver- öffenllicht hatte, druckte ihn andern Tages die altnanonalliberale .Magdeburgische Zeiumg" ab und bemerkte dazu, daß„etwas Frecheres und Hinterlistigeres kaum zu denken sei, als dieses plan» volle Provozieren von Fällen, die sich zu Agi« tationsmaterial eignen. Jetzr möchten sich diese Fana- tiker mit lächelnder Miene die strengsten Strafen selber bestellen, um sie nachher ausbeuten zu können. Das Blatt stellte also die hirnverbrannte Behauptung auf, daß Sozialdemokraten mit vollem Vorbedacht Straftaten begehen und sich auf Jahre ins Gefängnis oder Zuchthaus sperren ließen, nur um dann den Militarismus anklagen zu können. Ändere bürgerliche Blätter im Reich, wie die„Post" und die„Deutsche Tageszeilung" haben den Fall aufgegriffen, da sie ebenfalls glauben, ihn gegen die Soztalveniokratie ausschlachten zu können. Die Art der„Magde- burger Zeilung" ist ihnen allerdings zu läppisch; sie beschränken sich deshalb daraus, den verurteilten Soldalen als Sozialdemokraten zu bezeichnen. Die„Deutsche Tageszeitung" nennt ihn z. B. ein„an- genehmes Produkt soziaidemolratischer Erziehung". Demgegenüber sei festgestellt, daß der Verurteilte nicht die gering st en Beziehungen zur Sozialdemokratie gehabt hat. In der Gerichtsverhandlung, st nicht mir einem Worte der Sozialdemokratie Erwähnung getan und nicht der kleinste Anhalt dafür gefördert worden, daß der Angeklagte Sozial- demokrat war oder zur Sozialdemokratie Beziehungen halte. Wäre das der Fall gewesen, so hätte sich der Vertreter der Anklage diesen Umstand sicherlich nicht entgehen lassen. Der Versuch, den Auge- Sieht man von der Freiwilligeu-Episode ab, so bietet das Leben im Kriege hier eine einzige Reihe vergnüglicher Momente. Am meisten aber muß man lachen, wenn man hier am Platze liest, was in den Zeitungen über die hiesigen Verhälmisse steht, besonders aber, wie die militärischen Ereignisse aus Mücken zu Elefanten ge- macht werden. Da hörte man zum Beispiel neulich in der Nacht draußen eine rasende Schießerei, so daß die halbe Stadt alarmiert war �und man ans der„Breslau" das Landungskorps in Bereitschaft hält. Ain Morgen verbreitete sich das Gerücht, die Insurgenten hätten eine der Geschützstellungen angegriffen und seien zurückgeschlagen worden. In Wahrheit aber war der Sachverhalt folgender: In der Nacht vorher hatte ein einheimischer Gendarm einen Kossewomann er- schössen, weil er ihm einen Lustknaben abspenstig gemacht hatte, und war dann zu den Insurgenten übergegangen, um vor der Blutrache sicher zu sei». Zehn gure Freunde von ihm wollten ihm in der folgenden Nacht folgen, wurden aber von einer Patrouille entdeckt und sofort von der ganzen Schützenlinie unter Feuer genommen, die auch glücklich zwei von den zehn zur Strecke brachte. Es sind gegen die zehn Gendarmen weit über tausend Patronen verschossen worden. Ein famoser Witz ist auch die Expedition Prenk Bibdoda s, der bekanntlich von Alessio her Durazzo entsetzen sollte. Er nahm 4000 edle Mirditen mit, die ihm Treue bis in den Tod schwuren, wenn sie plündern dürften. Das wurde ihnen mit Vergnügen ge- stattet und sie besorgten es so gründlich, daß die durchschnittliche tägliche Marschleistung dieser Entsatzarmee ganze sechs Kilometer betrug. Aber die Buxtehuder Landwehr kommt auch einmal an. Eines Tages standen die Bibdodaleute nur noch 40 Kilometer.von Durazzo entsernt. Mit dem Plündern war es nun aus, denn da hatten die In- surgcnten schon reinen Tisch gemacht. Ein weiteres Vorgehen hätte geheißen, sich den Kugeln der Insurgenten auszusetzen. Die Mir- diten beschlossen den Bruderkrieg nicht heraufzubeschwören, sie er- klärten ihrem Prenk, sie hätten jetzt von der Geschichte genug, machten kehrt und zogen nach Alessio, allwo man jetzt geraubles Vieh billig kaufen kann. Man sagt, daß Händler aus Durazzo sich diese Gelegenheit zunutze machen. Nächst den Militaria sind die Aeußerrmgen der hohen Politik hier eine ständige Quelle des Vergnügens. Da sind zuerst die beiden eifersüchtigen Freunde. Oesterreich und Italien. Sie passen aus einander auf, wie die Heftelmacher, ihre Posten hocken stets auf- einender wie die siamesischen Zwillinge, und nachts wird man immer gleichzeitig auf italienisch und österreichisch nach Parole und Feldruf Die Italiener stehen bei der Bevölkerung in Verruf. Man be- schuldigt sie, mit den Insurgenten zu konspirieren. Etwas ist sicher dran, denn jede Nacht funkt der Vittor Pisaui geheimnisvolle Tele- gramme in die Luft, auf die stets Feuerzeichen primitiverer Natur von den Höhen von Rasbul antworten. Die Franzosen sind bolikollicrt, auch von der Besatzung der anderen Kriegsschiffe, warum, kann lein Mensch ergründen. Aber die deulschen und englische» Matrosen vertragen sich, allen Hetzereien dieS- und jenseits des Kanals zum Trotz, vorzüglich. Der Berichterstatter aber langweilt sich troy alledem hier sehr bald. Und hofft uiiter Seufzen, daß dieser albanesische Film nun endlich einmal mit wirkungsvollem Schluß zu Ende rollt. Aber wer weiß, wie viel Akte er noch zeitigen wird. klagte« der Sozialdemokratie an die Rockschöße zu hängen, gehört also zu jenen Gemeinheiten, die in einer gewissen„anständigen" Presse üblich sind._ Kein Tag ohne Kasernendrama. Die Untergebenen des Herrn von Falkenhayn sorgen immer aufs neue für Kasernendramen. In Köln sind zurzeit Märsche an der Tagesordnung, die bei der furchtbaren Hitze mit schweren Erkrankungen von Soldaten endigen. Vor einigen Tagen ist der Soldat Giesfing von der 1. Kompagnie des 7. Pionierbataillons in Köln einem Hitzschlag erlegen, den er sich auf dem Marsch geholt hat. Obwohl der Mann, dem Zusammenbruch nahe, zurückblicb, wurde er von einem Offizier immer wieder zum Marschieren an- getrieben. Er brach zusammen, wurde zur Kaserne geschafft, wo es zwei Stunden dauerte, bis der Arzt kam. Gleich darauf starb der Soldat. Andere' Soldaten der Kompagnie liegen krank im Lazarett. Spionage ohne Ende. Am Montag wurde in der Nähe der ostpreuhischen Feste B o h e n bei Lötzen ein russischer Spion verhastet. Er wurde festgenommen, als er gerade Vermessungen an den Festungswällcn unweit des Rastenburger Tores vornahm. Im Verhör gab er an, russischer Major zu sein. Aus Trier wird gemeldet, daß dort seit 14 Tagen zwei Ange- stellte der Differdinger Hüttenwerke, die einen Ausflug nach der benachbarten französischen Grenzfestung Montmsdy unternommen haben, vermißt werden. Jetzt wird gemeldet, daß beide in Be- gleitung eines ihnen befreundeten französischen Unteroffiziers ein- gehend die Festung besichtigt und dabei einige photographischc Aufnahmen gemacht haben. Beide sollen jetzt angeblich in Haft gehalten werden, ebenso wie der französische Unteroffizier, den sie besuchten._ Wieder eine Verhaftung an der russischen Grenze. In der russischen Grenzstadt Dobrzin wurde der Oberlehrer Dr. Nagel, der am Gymnasium in Anklam angestellt ist, der- haftet. Er befand sich auf einer Reise durch die westlichen An- siedelungsdörfer. Bei dieser Gelegenheit ist er, wie angenommen wird, von der deutschen Stadt Golub nach der gegenüber liegenden russischen Stadt Dobrzin hinübergegangen, um dort volkswirlschaft- liche Studien zu treiben. Die regierungsfreundlichen Blätter be- zeichnen den Verhafteten als absolut einwandsfrei; es könne sich bei ihm keinesfalls um Spionage handeln. Der Landrat des Kreises Briefen in Westpreußen hat sich bereits an die russische Behörde um Freilassung des Verhafteten gewandt, jedoch bisher ohne Erfolg. Auch die Vermittelung deS Auswärtigen Amtes ist angerufen worden. Eine Berichtigung des Kriegsministcriums. Die Redaktion wird auf Grund des§ 11 des Pressegesetzes vom 7. Mai 1874 ersucht, die nachstehende Berichtigung in die nächste, noch nicht zum Druck abgeschlossene Nummer des„Vorwärts" aufzunehmen: In der Nr. 158 des„Vorwärts" vom 13. Juni 1S14 wird in dem Artikel„Miliiarboyloit in Baden" u. a. behauptet, daß in Karlsruh e zirka 6g Lokale für die Soldaten gesperrr seien. Diese Behauptung ist unwahr. Für die Militärpersonen waren in Karlsruhe im Juni d. I. nur acht und sind zurzeit nur sieben Lokale verboten. __ Im Auftrage: Scheüch. Mystisches dunkel. Das Attentat auf Rasputin. Außer dem Wodkakonsum und den Massenhinrichtungen funktio- niert im großen heiligen Rußland eigentlich nur noch ein« einiger- maßen zufriedenstellend. Das ist die Geheimpolizei und vor allem ihre geschickte Verdunkelung alles dessen, was am Z a r e n h o t geschieht. Das Attentat der Bäuerin Gussowa auf den„Heiligen" R a s p u t i n beleuchtet einmal wieder dieses Dunkel. Die Romanows sind von jeher einem ebenso bornierten wie ekstatischen Religions- humbug besonders zugänglich gewesen. Der Mönch Jliodor, der auch in dem Fall Rasputiu seine„heilige" Hand zu haben scheint, bat am Hof der Zaren viele Vorgänger und Vorgängerinnen- Neuerdings scheint vor allem auch die aus Deutschland gebürtige Zarin ein Opfer der geschäftstüchtrgcn Mystiker geworden zu sein. Denn wenn berichtet wird, daß Rasputin im nächsten Jahre eine eigene Zeitung zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung Rußlands, unterstützt von einer„sehr hochstehenden Persönlichkeit", herausgeben wollte, so wird damit wohl auf die Zarin hin- gedeutet. Ab und zu hört die Welt Unklare? und Widersprechendes von dem Leben in Petcrhof und Zarskoje-Selo. Wie aber muß es wirklich in dieser prnnkvoll-düsteren Atmosphäre von Frömmelei, Hokuspokus und immer wieder verübten Gewaltakten aussehen? Der Mfstanö in /llbanien. Durazzo, 15. Juli. Gestern abend 9 Uhr wurde ein Parlamentär zu den Aufständischen gesandt, der ihnen vorschlagen sollte, entweder mit der Bevölkerung von Durazzo oder mit der Kontrollkommission oder mit dem Fürsten zu verhandeln. Die Ausständischen erwiderten, daß sie, bevor sie eine neue Entscheidung träfen, den Fall von B a l o n a abwarten w ollten. Der Neöe- unü Hürgerkrieg in Ulster. London, 14. Juli.(Eig. Ber.) Seit Monaten schreit sich die konservative Presse Englands heiser nach dem Bürgerkrieg in Ulster. Wie der Prophet des Weltuntergangs wird sie nicht müde, das schreckliche Ereignis für die nächsten Tage oder die nächsten Wochen zu prophezeien, uni nachher, wenn sich die Wahrsagung nicht bewährt hat, gleich wieder frisch und frech drauf los zu prophezeien. Die Sache wurde allmählich eintönig und albern. So mußte man sich denn dazu entschließen, einmal etwas ganz Außergewöhn- lrches zu leisten. Der 12. Juli schien sür das Unternehmen der passendste Tag. Am 13. Juli(der 12. war in diesem Jahre ein Sonntag, an dem sich wegen der geschlossenen Wirtshäuser die patriotische Festtagsstimmung schlecht erzeugen läßt) feierten die Protestanten Ulsters ihr Nationalfest, den Gedenktag der Schlacht an der Boyne. Nie ist es an diesem Tage ohne Raufereien zwischen Katholiken und Protestanten hergegangen. An diesem Tage sollte sich doch Stoff finden, den man als die Anfänge des prophezeiten Bürgerkrieges ausmalen könnte. Die konservativen Blätterischickten ein ganzes Regiment mit allem Zubehör ausgestatteter Kriegskorrespondenten nach Ulster. Allen voran schritt das chauvinistische Hetzblatt„Daily Mail", dessen schauerlich schöne Beschreibungen von Ereignissen. die sich nicht zugetragen haben, weltbekannt sind. Der 13. Juli ist gekommen und gegangen und nichts, rein gar nichts hat sich zugetragen. Ein paar Enten sind in die Welt gesetzt worden, die die liberale Presse gleich nieder- geknallt hat. Die Orangemänner sind auf eine große Wiese in der Nähe von Belfast hinausmarschiert und haben Revolver abgeknallt. Sir Edward C a r s o n hat seine alte Rede und seine bekannten pathetischen Gebärden wiederholt. Pius X. trinkt in Rom unbelästigt seinen Tee weiter und der König Wilhelm schläft noch In seinem Grabe. Die einzigen, die von dem Festrummel profitiert haben, sind wie gewöhnlich die nationalistischen Wirte, in deren Händen sich die Schanklokale Ulsters befinden. Doch auch sie scheinen keine besonders guten Geschäfte gemacht zu haben: denn der Festtag ist in diesem Jahre außergewöhnlich ruhig verlaufen. Das ist eine bittere Enttäuschung für die Propheten des Bürgerkrieges, die ihre politischen Hoffnungen auf das Blutvergießen in Ulster gesetzt haben. Und das ist ein Glück. Die Arbeiter Ulsters scheinen doch nicht solche Simpel zu sein, daß sie auf das Geheiß einiger bramarbasierender Advokaten und Aristokraten ihr Leben für eine Sache in die Schanze schlagen, die ihnen nicht den geringsten Nutzen verspricht. Die unerträgliche Spannung in Ulster ist nichts als eine Fiktion, die die Konservativen für ihr politisches Spiel aufrechterhalten müssen. Das stellt sich von Woche zu Woche immer klarer heraus. Einen merklichen Einfluß auf die Gestaltung der irischen Lage hat das schnelle Emporwachsen der n a t i o- nalistischen Freiwilligenbewegung ausgeübt. Bor neuu Monaten war das Heer der Ulsterfreiwilligen noch die einzige bewaffnete Organisation im Dienste einer poli- tischen Partei. Seitdem sind die Ulsterfreiwilligen von den nationalistischen Freiwilligen überflügelt worden. Denn diese sind zurzeit an Zahl nicht nur viel stärker, sie besitzen auch besseres Soldatenmaterial. Aus den nationalistischen Gegen- den Irlands bezieht England die besten Rekruten für sein Söldnerheer, und ein großer Prozentsatz der nationalistischen Freiwilligen besteht aus ausgedienten Soldaten. Auch im Punkte Bewaffnung werden die nationalistischen Freiwilligen, denen das Waffenschmuggeln aus leicht verständlichen Gründen noch weniger schwierig fällt als den Ulstersreiwilligen, den Ulsterleuten nicht nachstehen. Möglich, daß diese Tatsachen ans die Hitzköpfe in Ulster ernüchternd gewirkt haben. Jeden- falls haben si� die Berechnungen der Konservativen empfind- lich gestört. Denn gelänge es diesen jetzt, die Regierung zu stürzen, ans Ruder zu kommen und der Homenile den Garaus zu machen oder Irland zu zerstückeln, so sähen sie sich an- gesichts der 120 000 nationalistischen Freiwilligen genau in dieselbe Lage versetzt, in der sich heute die liberale Regierung befindet. Dieser Umstand wird die Konservativen schließlich Wohl auch bestimmen, in den sauren Apfel zu beißen und das Angebot der Regierung anzunehmen, nach dem sich die Ulster- grafschaften durch Urabstimmung von dem selbstverwaltenden Irland fernhalten können. Mittlerweile werden wir jedoch noch viel von dem„bevorstehenden Bürgerkrieg" hören. Doch wenn Herr Asquith die Herren von Ulster ihren Rede-Bürger- krieg auskämpfen läßt und seine sichtlich aus dem Leim gehende Partei noch einige Monate zusammenhalten kann, werden wir das letzte von der irischen Homerule gehört haben, die so lange die Entfaltung der politischen Arbeiterbewegung in Großbritannien und Irland gehindert hat. ßrankreich. Der französische Militarismus. Paris, 15. Juli. Auch die gestrige Senatsdebatte wird in der P r esse eifrig erörtert und von den Blättern der ein- zelnen Parteien zumeist zu scharfen Angriffen gegen die politischen Gegner benutzt. Interessant ist daS Urteil von Jan res. Er schrcibt'in der„Humanite": Was das schlimmste und traurigste an den„Enthüllungen" HumbertS ist, daS ist die Tatsache, daß es in Wirklichkeit keine Enthüllungen sind. Seit langem ist die Zerrüttung unserer BerteidigungSmittel be- kannt. Vor einem Jahre schon muhte man alle diese Mängel ein- gestehen, als man vom Budget deS Aeußeren außerordentliche Kredite verlangte. Schon bemüht man sich, die furchtbaren Ent- hüllungen gegen die Demokratie und gegen die Republik auSzu- beuten, diese Enthüllungen, durch welche die militärischen und chauvinistischen Rückschrittler für immer diskreditiert werden sollten! Nicht die Millionen haben gefehlt, sondern die Ideen und Köpfe. Man hat in Paris die albernen Zapfenstreiche eingeführt und jene plumpen Vorurteile entfesselt, denen das Dreijahresgesetz seinen Ursprung verdankt, und jetzt wird man auS Frankreich zwei weitere Milliarden herauspressen, um es für die begangenen Dummheiten zu bestrafen. Aber die Stunde der Rechnungslegung wird bald schlagen. Das Echo in der Kammer. Paris, 15. Juli. General Pedoya, Vorsitzender der Heeres- kommission, hat die Kammer ersucht, seiner Heereskom- Mission die gleichen Machtbefugnisse zu erteilen, die der Senat der Heereskommission des Senats erteilt hat. Minister- Präsident V i v i a n i erinnerte daran, unter welchen Bedingungen die Regierung darin gewilligt hätte, daß die Senatskommisfion nicht eine Unteriuchung anstelle, sondern die Frage in gemeinsamer Arbeit mit dem Kriegsminister studiere. Der Ministerpräsident wies andererseits darauf hin, daß die Budget- kommission der Kammer ordnungsgemäß das Recht habe, eine Subkommission zu ernennen, um die Verwendung der für die nationale Verteidigung bestimmten Kredite zu überwachen. Eine gewisse Zahl von Mitgliedern der Armeekommission arbeiteten mit der Budgetsubkommission zusammen. Dies sei ein vermitteln- de r Vorschlag, den er mache, um zu vermeiden, daß zwei Heereskommissionen sich widersprechende Schlüsse aufstellten. General P e d o V a stellte sich auf den Boden dieses Vorschlage?. Der Sozialist Albert Thomas forderte, daß die Budget- kommission eine dauernde Ueberwachung ausübe, um darüber zu urteilen, ob man sich seit Monaten gegenüber einem General st ab befunden habe, dessen Sorglosigkeit und Ungeschicklichkeit nicht scharf genug gekennzeichnet werden könnte. Der nationalistische Abgeordnete D r i a» d führte aus, der Fcldzug, welcher sich. vorbereite, darauf abziele, einen Wechsel im Oberkommando herbeizuführen und an diese Stelle eine politisch-militärische Clique zu setzen. Der General Pedoya, sagte Driand, hat mir soeben ganz aufrichtig gesagt: Wir wollen den General Joffre durch den General s a r r a i l ersetzen.(Widersprutch rechts.) General Pedoya ruft: Ja!(Lebhafter Beifall links.— Lärm.) Rechts wird ge- rufen: Ein Angeber! Ein Denunziant!— Driand hielt darauf eine temperamentvolle Lobrede aus den General Joffre. Kriegs- minister Messimy versprach seine freimütigste und loyalste Mit- Wirkung bei der Kontrolle über die Anwendung der neu bewilligten Kredite.(Beifall links.) Präsident D e s ch a n e I machte darauf aufmerksam, daß Pedoya seinen Resolutionsantrag zurückgezogen habe und daß die Tagesordnung erschöpft sei. Finanzminister N o u l e n S beantragte, das Budget an den Senat zurückzuverweisen. Die Kammer nahm mit 813 gegen 244 Stimmen entgegen dem Beschluß des Senats den Artikel des Ein- kommensteuerentwurfs an, der von� der Kontrolle der Einschätzung nach dem Tode handelt. Das gesamte Budget wurde schließlich mit 378 gegen 103 Stimmen angenommen. Heute findet eine Nachmittagssitzung statt. In der Nachmittagssitzung hielt der Senat einstimmig und ohne Diskussion seine Beschlüsse über diejenigen Punkte des Budgets aufrecht, in denen er sich mit der Kammer im Gegen- satz befindet, insbesondere bezüglich der Prüfung der Einschätzung der Verstorbenen. Parlamentsschluß. Nachdem Senat und Kammer nach langer Bcraiung über alle Punkte des Budgets einig geworden waren, verlas kurz vor 8 Uhr abends der Justizminister im Senat und der Minister des Innern in der Kammer das Dekret über die Schließung der Session. Finanzminister N o u l e n s legte auf dem Bureau der Kammer das Budget für 1915 nieder. Mus öer Partei. Die Maifeier auf dem Internationalen Kongreß beschäftigte eine sehr stark besuchte kombinierte Versammlung der Delegierten der Landesorganisation der sozialdemokratischen Partei Hamburgs und des Gewerkschafiskartells. Heinrich«s t u b b c gab einen geschichtlichen Rückblick auf die Entwicklung det Maifeier und die um sie geführten Diskussionen. Die Beteiligung an der Maifeier entspreche besonders in den letzten Jahren keines- Wegs mehr den. Vorstellungen, wie sie den Delegierten de? Jnter- nationalen Kongresses im Jahre 1889 vorgeschwebt hätten. Der passive Widerstand gegen die Arbeitsruhe sei gewachsen. Die Unterstützung der Ausgesperrten habe die Frage weiter kompliziert. Entscheidend aber sei die Erwägung, daß die Maifeier an agitaio- rischer Kraft eingebüßt und die Anteilnahme bei der Masse der Arbeiter stark nachgelassen habe. Angesichts der Tatsache, daß sich die Arbeiterfeinde zu neuen Angriffen aus das Koalitionsrecht und das Reichstagswahlrecht rüsteten, sei es notwendig, unnötige Opfer zu vermeiden und alle Kraft auf den entscheidenden Punkt zu konzentrieren. Im Namen der Kariellkommission und der Ham- burger Parteivorstände legte Stubbe folgende Resolution dort „In Erwägung, daß die wirtschaftlichen und politischen Kämpfe immer größere Opfer an die organisierte Arbeiterschaft stellen, hält die Versammlung es für dringend �notwendig, daß zur energischen Führung der Kämpfe alle Kräfte freigemacht werden und beschließt deshalb zur Maifeier:.». Die Art und Weise der Kundgebung am i. Mar bleibt de» einzelnen Nationen überlassen." Dem Referat Stubbes schloß sich eine lebhafte Diskussion an, in der sich die Mehrzahl der Redner für die Beibehaltung des bisherigen Zustandes aussprach. Mehrfach wurde darauf der- wiesen, dah der Beschlutz ein Zeichen der Schwäche dem Unternehmertum gegenüber sein werde. Andererseits wurde dem entgegengehalten, daß es nicht ein Nachgeben, sondern ein Kräfte- sammeln zu kräftigeren Vorstößen gelte. Der Antrag eines Partei- bezirkes verlangte, daß mit der Maifeier in der bisherigen Form überhaupt gebrochen werde. Im Schlußwort unterstrich Stubbe nochmals, daß es nüchtern zu urteilen gelte. � Die Anhänglichkeit an die Maifeier sei gewiß kein schlechtes Zeichen und mit dem Herzen stehe auch er aus der Seite dieser begeisterten Anhänger. Die Tatsachen wiesen aber einen anderen Weg. Ein Zusatzantrag zur Vorstandsresolution, der ausdrucken wollte, die Nrbeitsruhe trotz allem als die würdigste Form der Maifeier zu bezeichnen, wurde abgelehnt, nachdem Stubbe darauf hingewiesen, daß nach dem Antrag des Vorstandes der Parteitag alljährlich über die Form befinden könne. Die Resolution der Vorstände und der Kartellkommission wurde darauf mit überwältigender Mehrheit angenommen. Aus den Organisationen. Am Sonntag, den IL. Juli, tagte in Forst die General. Versammlung des Kreises Sorau-Forst. Der �ahres- Bericht ergab die Tatsache, daß sich die Parteiverhältnisse in guter Entwickelung befinden und vornehmlich die Landagitation sehr ge> fördert worden ist.«... Die Versammlung nahm dann ein Referat des Reichstags- abgeordneten des Kreises Genossen Schumann über die gegen- wärtige politische Lage entgegen, in dem der Genosse den Nachweis erbrachte, dah die Regierung dem Druck der bürgerlichen Kre�e nachgegeben hat und ein völliger Stillstand in der sozialen Gesetz- gebung eingetreten ist. Ein Antrag des Ortsvereins Forst, für den Kreis ein Kopfblatt der„Märkischen Bolksstimme" zu gründen, zei- tigte eine rege Diskussion und führte zu dem Resultat, daß ein An- trag des Genossen Parteisekretär Wels- Berlin angenommen wurde, diese Angelegenheit vor das Forum des Provinzial-Partei- tages zu verweisen, um dann durch die Parteiinstanzen seine Er. ledigung zu finden. Für die Jugend und Bildungsbestrebungen im Kreise wurden 750 M. bewilligt. Zum Parteitag in Würzburg wurde der Genosse P e t s ch k e delegiert. Letzte Nachrichten. Das störrische Oberhaus. London, 15. Juli. Das Oberhaus hat die Bill betreffend die Abschaffung der Pluralwahlstimmen, die zum zweiten Male an das Oberhaus verwiesen wurde, mit 119 gegen 49 Stimmen abgelehnt. Sturmszenen im bulgarischen Parlament. Sofia, 15. Juli. Die Sobranje sollte heute die Verhandlung der Zlnleihe beginnen. Zu Beginn der Sitzung verlas der Führer der Radikalen Tsanofs im Namen der gesamten Opposition eine lange Erklärung, worin die Mängel der Anleihe hervorgehoben werden, die mit den Worten schließt, daß die Opposition sie als entehrend und unheilvoll für das Land betrachte, das keinerlei Vor- teile für die zahlreichen überaus schweren Lasten, die sich aus der Kreditoperation ergäben, erhalte.— Die Verlesung dieser Er- klärung wurde durch stürmische Protestrufe seitens der Äbgeord- neten der Mehrheitsparteien unterbrochen. Der Führer der refor- mistischen Sozialisten Passuhof brachte eine Erklärung zur Verlesung, worin die Regierung beschuldigt wird, daß sie die Absicht habe, durch Gewährung der Konzession für den Bau der Eisenbahn- linie Haskowo-Portolagos sowie für die Hasenbauten in Porto- lagoS und durch Ausbeutung der Gruben zu Pernik und Wevevdol Fremde ins Land kommen zu lassen. Während der Verlesung herrschte immer anwachsender Lärm. Schließlich verlas Blagoeff, der Führer der doktrinären Sozialisten, gleichfalls eine Erklärung, die in demselben Sinne gehalten war. Während der Verlesung dieser Erklärung kam es zu einem Zwischenfall. Als Blagoeff erklärte, er protestiere dagegen, daß die russische Gesandtschaft durch Veröffentlichung eines Communiques über die Anleihefrage sich in die inneren Angelegenheiten einmenge, begann die Majorität lebhaft zu applaudieren. Unterrichtsminister Pe sehe ff rief, indem er auf die Demokraten hinwies: Sie sind es, denen man diese Aeußerungen der russischen Gesandtschast zu verdanken hat, von der Sie Ihre Aufträge erwarten. Als der Führer der Demokraten in heftiger Weise dagegen protestierte er- widerte Unterrichtsminister Pescheff, Malinow sei ein Fremder. Auf diese Worte hin erhob sich schreiend die gesamte Opposition. Malinow rief dem Minister zu: Feigling! Die Abgeordneten schlugen auf die Pulte. Wegen des ungeheuren Lärms unterbrach der Präsident die Sitzung. Nach Wiederaufnahme der Sitzung dauerte der Lärm mit der gleichen Heftigkeit an, so daß die Sitzung nochmals geschlossen werden mußte. Die Opposition beschloß, die Verhandlung der Vorlage um jeden Preis zu verhindern. Nach neuerlicher Aufnahme der Sitzung wurde die Obstruktion fortgesetzt. Während dieser stürmischen Szenen forderte der Prä- sidcnt die in die Rednerliste eingetragenen Abgeordneten ans, das Wort zu ergreifen und als sich auf diese Aufforderung bei dem herrschenden ungeheuren Lärm niemand meldete, brachte der Präsident die Vorlage zur Abstimmung. Die ge- samte Mehrheit erhob die Hände, worauf der Präsident die Vorlage für angenommen erklärte und sofort die Sitzung schloß. Die Mitglieder der Mehrheit applaudierten lebhaft, während die Oppo- sition gegen das Vorgehen des Präsidenten in heftigster Weise pro- testierte. Noch lange nach Schluß, der Sitzung dauerte die Er- regung im Saale und in den Wandelgängen an. JQ GEGEE 9999999 Dem Zimmerer Karl Spott und seiner Eheirau Agnes zur goldenen Hochzeit die herzlichsten Glückwünsche. 59a Die Kinder und Enkel. 9996666666 Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis. Görlitzer Viertel. Bezirk 197 III. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schleifer Wilhelm Schöneich Wienerstraße 37, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 16. Juli, nach mittags 2 Uhr von der Halle des Philippus poftel- Friedhofes aus auf dem städtischen Friedhof in der Müllerstraße statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. Am Montag, den 13. Juli, verstarb unsere Genoffin, Frau Berta Lehmann Hussitenstr. 39. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Juli, nachmittags 6 Uhr, von der Leichen halle des Himmelfahrts- Kirchhofes Niederschönhausen- Nordend 229/9 in aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am 13. Juli entschlief sanit nach langem Leiden unsere innigft geliebte Tochter 27015 Johanna. Dies zeigen tiefbetrübt an Siegfried Elias und Frau. Die Beerdigung findet Donners. tag, den 16. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Bohnsdorfer Gemeinde- Friedhofes aus statt. Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Am 18. Juli verstarb unser Barteigenosse Julius Nadler Bergstraße 2. 9. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Juli, nachmittags 32 Uhr, von der Leichenhalle des alten Neuköllner Friedhofes, Rudower Straße, aus statt. Am 12. Juli verstarb der Arbeiter Heinrich Schubert Weichselplaz 5. 4. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 16. Juli, nachmittags 51, Uhr, auf dem neuen Friedrichsfelder Gemeinde- Friedhose in Karlshorst statt. Um rege Beteiligung ersucht 237/19 Der Vorstand. ,, Neuköllner Liedertafel 1913." Am Montag, den 13. Juli, verschied unser treuer Sangesbruder Julius Nadler. In seiner 35 jährigen Mitgliedschaft hat er sich durch regen Fleiß im Interesse der guten Sache unter den Mitgliedern ein dauerndes Andenken bewahrt. 59/20 Der Vorstand. Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Juli, nachmittags 3 Uhr, auf dem alten Neutöüner Friedhof, Rudower Straße, ſtatt. Die Sänger treffen sich um 3 Uhr beim Sangesbruder Gellert, Rudower Straße 85. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgange meiner lieben Frau, unserer guten Mutter Anna Brose sagen wir hierdurch unseren herzlichsten Dant. 972 Wilhelm Brose. Familie Herrndorf. Deutscher Metallarheiter- Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Anfchläger am Julius Nadler Neukölln, Bergstr. 2, am 13. Juli an Gehirnerweichung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 17. Juli, nachm. 312 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes in Neukölln, Rudower Straße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 122/3 Die Ortsverwaltung. Verh. d. Schneider, Schneiderinnen Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daß der Herrenmaẞschneider, Kollege Karl Siebert im Alter von 67 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Dreifaltigkeits- Friedhofes in der Bergmannstraße aus statt. 169/15 Die Ortsverwaltung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Mannes Walter Langer spreche ich hiermit allen Berwandten, Freunden und Be fannten meinen innigsten Dant 27065 aus. Witwe Langer, Tegel, Schlieperstraße 76. Hierdurch die traurige Nachricht, daß meine immiggeliebte Frau, liebe Mutter und unvergeßliche Tochter und Schwester Ottilie Engelmann geb. Pretzel nach langem Leiden sanft ent27096 schlafen ist. Um stilles Beileid bitten Leo Engelmann nebst Stindern. Die Beerdigung findet Freitag, nachm. 3 Uhr, von der Halle des tath. St. Michael- Kirchhofes, Neukölln, Mariendorfer Weg, aus ftatt. GP Turnverein„ Fichte“ Berlin. ( Mitgl. d. Arb.-T.-B.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Turngenosse Kurt Hellbach ledermünder Str. 3 am 12. Juli an einem Herzfehler gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. Juli, nachmittags 52 Uhr, auf dem Kirch hof der Gethsemane- Gemeinde in Nieder Schönhausen( Nordend) ſtatt. = Um rege Beteiligung ersucht 27056 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Robert Hannig im Alter von 23 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 16. Juli, nachmittags 5 Uhr, auf dem Ges meindefriedhof in Grünau statt. Um rege Beteiligung ersucht 90/10 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschtenführer Wilhelm Oehlschläger am 13. da. Mts. im Alter von 60 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Allgemeine Orts Krankenkaffe Nur noch 3 Tage! = Berlin- Pankow. Die außerordentliche Sigung des Ausschusses findet am Freitag, den 24. Juli 1914, abends 8 Uhr, im Restaurant von Roczydi, BerlinBankow, Kreuzstr. 3/4, statt. Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolls der legten Ausschußfizung. 2. Bericht über den geplanten Erwerb des Krankenkassengebäudes. 3. Wahl von drei Ausschußmitgliedern gem.§ 97 letter Abfaz unserer Sagungen. 4. Beschlußfassung über den Beitritt zur Freien Bereinigung der Krankenkassen der Provinz Brandenburg", dem Hauptverband deutscher Ortstranten faffen" und der Zentraltommission". 5. Bericht über den Krankenkassentag in Darmstadt. Referent: Geschäftsführer E. Koblenzer. 6. Verschiedenes. Die gewählten Vertreter der Verficherten werden hierdurch zu dieser Sigung eingeladen mit dem HinSaisonAusverkauf viele Artikel his 40% herahgesetzt. Teppich- Spezialhaus Emil efèvre weise, daß ihnen eine Legitimations Berlin S. Seit 1882 nur farte zur persönlichen Benutzung noch 275/20 zugesandt wird. Pünktliches nnd vollzähliges Erscheinen ist notwendig. Berlin- Pankow, den 13. Juli 1914. Otto Rißmann, zweiter Vorsitzender. :: Erstklassige Briketts:: Michel M.7.40 f.1000 Stück, Riesenformat 7, Halbsteine M. 0.73 f. 1 Zentner, feinst. Brennholz billigst. Michel- Brikett- Vertrieb Neukölln, Knesebeckstr. 148. Telephone: 1610 u. 2133. Donnerstag, den 16. Juli, nach Gesellschaftshaus Trebbin. mittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Bions- Kirchhofes in Niederschönhausen aus ftatt. 66/17 Die Bezirksverwaltung. Meinen gr. schattigen Garten sowie gr. Saal 2c., gr. Ausspannung, empf. den Ausflüglern. Vereine bitte um borherige Meldung. E. Schulze, Kennst Du das Land, wo dicke Eichen stehn? Hast Du den fleinen Spreewald schon gesehn? Der schönste Ausflugsort im Reiche Ist Mann's Waldschloß in Schöneiche. Theater und Vergnügungen Donnerstag, 16. Juli 1914. Theater des Westens. E Anfang 4, Uhr. Voigt Theater. Schuld. Dur frembe Anfang 5 Uhr. Baffage Theater. Kino- Barieté. Potsdamer Naturtheater. Potsdam. Anfang 7 Abr. Westen. Götterdämmerung. Anfang 8 Uhr. AltUrania. Zum Hochfirn der Jungfrau. Schiller 0. Tannhäuser. Berliner. Wie einst im Mai. Königgräter Straße. Mr. Wu. eute 7 Uhr: Götterdämmerung Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstagswahlkreis Freitag, Sonnabend, Sonntag: Das Rheingold. Theater a. d. Weidendammerbrücke Täglich 8 Uhr, zum 133. Male, und 31. Juli zum letzten Male: Der müde Theodor. Schwant m. Gesangs- u. Tanzeinlagen. Thalia. Wenn der Frühling fommt. DOSE THEATE Theater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. Rose. Relegierte Studenten. Metropol. Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Palast- Theater. Barieté und Lichtspiele. Berliner Prater- Theater. Grigri. Anfang 8 Uhr. Kleines. Der Sleds. Theater am Nollendorfplat. Der Jurbaron. Walhalla. Der Hund von Baskerville. Folies Caprice. Amordragoner. Bett Napoleons. Lustspielhaus. Die spanische Fliege. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Leutnantsliebchen. Luisen. In neues Glüd. Anfang 8, Ubr. Residenz. Die verfligte Liebe. Admiralspalaft. Im Tangoflub. Cines Nollendorf- Theater. Das Miratel. Sternwarte, Invalidenftr. 57-62 Theater in der Königgrätzer Straße Täglich 8 Uhr: Mr. Wu Berliner Theater. Bum 283. Male. 8 Uhr: Wie einft im Mai. Sachse- Oper. Wallner Schiller- Theater 0. Theater. 8 Uhr: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg. Große Frankfurter Str. 132. 1 Anjang 8 Uhr. Die relegierten Studenten. Lustsp. in 4 Att. von Benedig. Freitag: Der Silberkönig. Rund um die Spree. Gr. Revue. Auf der Gartenbühne Bother Konzert, Spezialitäten. Folies Caprice. Täglich 8 Uhr: Die Leibwäscherin. Die Amordragoner. Das Bett Napoleons. Ah da staun' ich. Sonntag, den 19. Juli 1914, nachm. 3½ Uhr, in den Gesamträumen der„ Berliner Bockbrauerei", Fidicinstraße 2: Oranienstr. 158 Spezial- Katalog 650 Abbildungen gratis u. franko Die Firma hat keine Filialen! Schuten Damenhüte, schwarz, weiß, Champagne 0.95 at. Migge, Schönhauser Allee 146a. Alte Hüte werden zu Schuten gepreßt. Spezialarzt f. Hant, Harn, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beinkranke jeder Art, Ehrlich Hata Kuren in u. Co. tonz. Laborat. j Blut Dr. Homeyer untersuchung., Fäden i. Harn usw. gegenüber Friedrichstr. 81, anoptikum Spr. 10-2, 5-9, Sonnt. 11-2. Honorar mäßig, auch Teilzahl. Separates Damenzimmer. Heines Werke 3 Bände 4 Mark Buchhandlung Vorwärts URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Zum Hochfirn der Jungfrau. Großes Volks- Fest. ZOOLOG BOO Garten Konzert, ausgeführt vom Berliner TonkünstlerOrchester( Dirigent: Herr Kapellmeister Alfred Hirsch):: Lieder Vorträge des Gesangvereins„ Kreuzberger Harmonie"( Mitgl. d. A.-S.-B.), Dirigent: Herr Franz Bothe:: Turnerische Aufführungen von Mitgl. des Turnvereins Fichte": Radfahrer- Aufführungen von Mitgl. d. Arb.Radfahrerbund. Solidarität":: Kinematograph:: Kinderspiele Von 6 Uhr ab im Saale: Großer Ball( Tanzgebühr für Herren 50 Pf.) Bei eintretender Dunkelheit: Großer Kinder- Fackelzug. Die Kinder erhalten am Eingang einen Bon.zur Stocklaterne gratis. Kinderspiele unter Leitung von Mitgliedern des Turnvereins ,, Fichte". Die Kaffeeküche steht von 2 bis 6 Uhr nachmittags zur Verfügung ( Liter 75 Pf., ½, Liter 40 Pf.) Vorverkauf- Billett 20 Pf.( zu haben bei den bekannten Funktionären). An der Kasse 30 Pf. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 206/11 Programm gratis. Der Bildungsausschuß. Friedrich- Wilhelmst. Th. Theater am Nollendorfplatz 5. 8 Uhr tgl. d. Operettenschlager: Puhlmanns Theater eutnants liebehen. Schönh.Allee 148. Kastanienallee 97/99 Unter neuer Leitung der beliebten Direttion W. Herrmann. Konzert, Theater, Spezialitäten. Zum Schluß: Wo hast du dein Weh' Weh'chen! Anfang 4 Uhr. 11 WINTER CARTEN 76 Neues Programm! Saharet die australische Tanzdiva Perzinas Kaufmanns Pagageien Kabarett Veronacycle Truppe und eine Kette hervorragender Kunstkräfte! Entreeplatz wochentags M. 0,60. Rauchen gestattet! Theater am Nollendorfplatz 5. 8 Uhr: Der Juxbaron. Neue Welt Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Heute Donnerstag, den 16. Juli 1914: Elitetag! Konzert und Vorstellung sowie Großes Brillant- Feuerwerk mit • Sturm auf Durazzo. Außerdem: Oberbayern. Bayrische Madels. Bayrische Kapellen. Entree 50 Pf. Metropol- Theater. Abends 8 Uhr: ischer Garten Täglich Gr. Militär- Konzert. Eintrittspreise: Zoo 1 M., von 6 Uhr ab 50 Pf. Aquar. 1M.v.d.Str., 50Pf. vZoo Kinder unt. 10 Jahr. die Hälfte. Neu! Neu! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Sommertheater, Urania' Wrangelstr. 11, Nähe Köpenicker Str. Täglich erstklass. Varietévorstellung Im Garten 2000, im Saal 900 Sigpläge Sonnabends Ball! und Sonntags: Saal für Vereinsbälle kostenlos. Die Reise um die Erde Admiralspalast. in 40 Tagen. Voigt- Theater Badstraße 58. An jedem Donnerstag: Gr. Kinderfest. Durch fremde Schuld. Gänzlich neue Spezialitäten. Staffeneröffn. 2 Uhr. Anf. 42 Uhr. Reichshallen- Theater. Gastsp. d. berühmten Dresdner Eis- Arena. Berlins kühlster Aufenthalt. Abends Uhr: Im Tangoklub" und ,, Die lustige Puppe". Bis 6 Uhr und ab 10 Uhr halbe Kassenpreise. Passage- Panoptikum. Lebend! Die letzten weiblichen Viktoria- Sänger Azteken! Für Berlin völlig neues Programm. Anjang 8 Uhr. Sonntags 7, U. Sonnabd., 1. Aug.: Wiederbeginn der Soireen der Stettiner Sänger. AGA die schwebende Jungfrau. Buddhas Geistertafel. Alles ohne Extra- Entree! Eintr. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 Pt. Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Injeratenteil verantwo.; Zh. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt BaulSinger& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Br. 191. 31. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Gewerkschaftliches. Staatlicher Unternehmerterror. Ein am 11. Juni d. J. aus dem Betriebe der preußischen Staatseisenbahn entlassenen Arbeiter erhielt auf das Verlangen, ihm ein Zeugnis über Führung und Leistung auszustellen, folgendes Zeugnis: „ Vorstand des Königlichen Eisenbahn- Maschinenamtes 5. Berlin, den 26. Juni 1914. Führungs Zeugnis. Der F. H., geboren am 26. Oktober 1886 in Berlin, Kreis Berlin, ist vom 1. Oftober 1913 bis 11. Juni 1914 bei der Betriebsmeisterei in Berlin Görl. Bahnhof als Maschinen- und Wagenputzer beschäftigt gewesen. Seine dienstliche Führung und die Leistungen waren nicht befriedigend. Die Entlassung des p. H. erfolgt, weil er sich an ordnungsfeindlichen Bestrebungen beteilig. Sat. Verstoß gegen§ 2 Abs. der gemeinsamen Bestimmungen für die Arbeiter aller Dienstzweige der Staatseisenbahnberaltung. Donnerstag, 16. Juli 1914. feiner Beziehung mehr entgegenkommen fönnten, sondern bis an die schen Malermeister wie viele andere dem Arbeitgeberberband äußerste Grenze gegangen seien.( Sie haben nämlich für alle den Rücken gekehrt haben, jenen die Arbeitskräfte fünstlich ents Arbeiter eine Lohnzulage von insgesamt 6 Mark pro Woche zu zogen, also Hannover gesperrt und Hamburg zum Schaden der gestanden! Red. d.„ Vorw.".) Sollte die Lohnkommission aber dortigen Gehilfen mit Arbeitskräften überschwemmt hatten. Datrotzdem den Vorstand des Arbeitgeberverbandes zu sprechen bei wurden die Gehilfen auch noch durch den Schwindel düpiert, wünschen, so sei dieser selbstverständlich, wie immer, bereit, die daß es sich um dauernde Arbeit handle; denn der ScharfmacherStommission anzuhören. verband erklärt, selbst in dem erwähnten Schreiben, daß nach Pfingsten die Arbeitsgelegenheit wieder zurückgehe und somit die Abwanderung wieder erfolge. Darauf ging nachmittags notgedrungen folgender Bescheid von der Lohnkommission ein: Nach der Aussprache, die die Mitglieder der Lohnkommission der Walkereiarbeiter heute morgen mit Ihnen hatten, und bei der sie erklärten, daß auf ein Entgegenkommen in der Lohnfrage durchaus nicht zu rechnen sei, hat die Kommission kein Gewicht darauf gelegt, andere Fragen jezt mit den Herren Arbeitgebern zu besprechen." Es ist also kein Zweifel, daß die Unternehmer den Riesenfampf um einer Differenz von Pfennigen willen vom Baune brechen wollen! Die Rache der Scharfmacher. Zum Kampf in der Solinger Waffenbranche. Die vor einigen Tagen zwischen den streikenden Parteien ein geleiteten Verhandlungen können als endgültig gescheitert betrachtet werden. Die Scharfmacher lehnen es ab, die vor dem Streit in der Waffenbranche bestandenen Verträge, die von der Firma Eidhorn gebrochen wurden, wieder in Kraft zu setzen. Die Waffenarbeiter verden auch nach jetzt 20wöchigem Kampfe von ihren Forderungen nicht zurückgehen. Bis jetzt hat sich noch kein einziger Streitbrecher gefunden, was wohl darin begründet sein dürfte, daß Hinzegardisten und Ferberkolonnen den Waffenfabrikanten nichts nüßen, von der Heranziehung dieser nützlichen" Elemente also Abstand genommen Gin nettes Stückchen vom Kampfe der Unternehmerverbände werden mußte. Dabei drängt die Arbeit immer mehr und die gegen Unternehmer, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen wollen, ist Fabrikanten wissen nicht ein noch aus. wieder einmal ans Licht gekommen. Bei der vorjährigen Aus- Nun versuchen die Scharfmacher aufs Ganze zu gehen und an sperrung im Malergewerbe einigten sich nach furzem Stampfe die der Solinger Arbeiterschaft einen Generaladerlaß vorzunehmen. hannoverschen Arbeitgeber mit ihren Gehilfen und hoben, die In einer Versammlung des Arbeitgeberverbandes, an der auch die Frivolität der von ihren Führern inszenierten Maßnahmen er- Waffenfabrikanten und Gießereibefizer teilnahmen, wurde be kennend, die Aussperrung auf. Auf dem dann folgenden Haupt- fchlossen, eine Generalaussperrung aller in der verbandstage des Unternehmerverbandes und bei mehreren anderen Solinger Schmied warenindustrie beschäftigten Gelegenheiten wurde ihnen darum derart zugesezt, daß sie es vor Arbeiter vorzunehmen, wenn die Waffenarbeiter zogen, aus ihrer Organisation auszuscheiden. bis spätestens 15. Juli nicht zu Kreuze getrochen ind. Der Vorstand des Solinger Fabrikantenvereins soll schon beschlossen haben, die Aussperrung allen seinen Mitgliedern zu emp Die Scharfmacher sind bereits dabei, durch Sperrung der fogenannten schwarzen Ware" alle Fabrikanten der Weiterverar beitungsbranchen zum Mitmachen zu zwingen. Das ist natürlich fein Terrorismus. Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes, Dr. Hornung, den fuhr in Letzten Tagen in Gemeinschaft mit dem Vorsitzenden der Schlägereibefizer per Auto von Schlägerei zu Schlägerei und ließ fich der Aussperrung teilzunehmen. Kommt es in den Schlägerei und von allen Schlägereibesitzern die schriftliche Erklärung geben, an Gießereibetrieben zu einer vollständigen Einstellung der Produktion, so dürften über furz oder lang alle Betriebe der übrigen Branchen stilliegen. Durch diesen Scharfmacherterror würden ungefähr 20 000 Arbeiter betroffen werden. gez. Königl. Eisenbahn- Maschinenamt 5." Der so gekennzeichnete Arbeiter trat am 1. September 1905 als Bahnunterhaltungsarbeiter in den Dienst der preußischen Staatseisenbahn, wurde später mehrere Jahre als Güterbodenarbeiter bestätigt und wurde ab 1. Oktober 1913 Maschinenputzer. Er war also insgesamt und ununterbrochen 8 Jahre 9 Monate und 11 Tage im Dienſte der königlich preußischen Staatseisenbahn. Und nach dieser langen Dienstzeit scheut ein Drgan dieses Musterbetriebes nicht davor Um jie wieder gefügig zu machen, ging man nun dieses Frühzurück, dem Arbeiter in das Entlassungszeugnis zu schreiben: jahr aufs Ganze. Es erschienen plöglich im„ Hannoverschen AnSeine dienstliche Führung und die Leistungen waren nicht zeiger" Annoncen folgenden Inhalts: 500 Malergehilfen erhalten befriedigend." Wohl, das Führungszeugnis ist nur für die sofort dauernde Beschäftigung bei einem Tariflohn von 73 Pi.( ab Zeit vom 1. Oktober 1913 bis 11. Juni 1914 ausgestellt. 1. Juli 75 Pf.) in Hamburg und Umgegend durch den ArbeitsnachAber weshalb wird dem Arbeiter nicht für die gesamte weis der Patriotischen Gesellschaft, Hamburg, Hühnerposten." Da in Hannover damals, Anfang Mai, selbst Gehilfenmangel Dienstzeit die Führung und Leistung attestiert! Dann wäre herrichte und der städtische Arbeitsnachweis, der in Hannover die es allerdings unmöglich, diese als nicht befriedigend zu be- Arbeitsvermittlung für das Malergewerbe offiziell betreibt, die zeichnen, denn kein vernünftiger Mensch würde glauben, offenen Stellen nicht sämtlich bejezzen konnte, war dieser nicht daß ein solches Zeugnis der Wahrheit entspräche. wenig erstaunt, wie ihm ein anderer gemeinnüßiger Nachweis so in Ein Arbeiter, dessen Führung und Leistung unbefriedigend die Flante fahren und Hannover unter dem Hinweis auf höhere find, wird weder in einem privaten Betriebe noch bei der Löhne und dauernde Arbeit, die es im Malergewerbe niemals gibt, preußischen Staatseisenbahn 8 bis 9 Jahre beschäftigt. von Arbeitsfräften noch mehr entblößen fonnte. Darum schrieb Der Arbeiter H. wurde deshalb entlassen, weil er sich an der städtische Nachweis von Hannover an die Patriotische Gesellordnungsfeindlichen Bestrebungen beteiligt haben soll. Das schaft nach Hamburg und bat, in Zukunft anders zu berfahren; Verbrechen bestand darin, daß er einer gewerkschaftlichen wo selbst noch hundert Gehilfen gebraucht würden, geschädigt. denn durch die erwähnten Anpreisungen würde hier eine Stadt, forderte. Einer der Aufgeforderten wurde zum Verräter. Weil Nachweises der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg, eine AntH. von seinem Rechte Gebrauch machte, deshalb entzog ihm wort des Arbeitgeberverbandes Gauverwaltung Hamburg der Staat Arbeit und Verdienst und damit nicht genug, darf er sich auch noch das Recht" herausnehmen, den Entlassenen zu brandmarken. Unterständen die Arbeiter der Gewerbeordnung, dann wären solche Zeugnisse bald unmöglich. So aber muß der Arbeiter das Unrecht über sich ergehen lassen, denn die ordentlichen Gerichte haben bisher in ähnlichen Fällen stets versagt. Dafür leben wir auch in einem Rechtsstaat! fehlen. Daß es soweit kommen wird, ist zunächst noch fraglich. Durch eine allgemeine Aussperrung würden die Solinger Fabrikanten, die noch in den letzten Monaten neue Verträge mit vierteljährlicher Organisation angehörte und seine Kollegen zum Beitritt auf Diefes Vorgehen löste außer einem Entschuldigungsschreiben des Sündigung( gesamte Scheren- und Federmesserbranche uſtv.) abBerlin und Umgegend. Achtung, Gastwirtsgehilfen! Die Differenzen im Restaurant Richtershorn( Inh. Jul. Red) in Grünau sind zur beiderseitigen Zufriedenheit durch Tarifvertrag mit der Organisation geregelt. Die Sperre ist aufgehoben. Verband der Gastwirtsgehilfen. Deutsches Reich. Zuspihung der Verhältnisse in der Laufit. aus, durch die sich zeigte, daß der Veranlasser der auffälligen Annonce gar nicht die Patriotische Gesellschaft, sondern eben dieser Arbeitgeberverband war. das allergrößte Interesse an dem Fortbestand der für sie sehr güngeschlossen haben, kontrattbrüchig. Ob diese Fabrikanten, die gerei- oder Gießereibetriebe sich dem Terror des Arbeitgeberstigen Verträge haben, zur Aussperrung schreiten und ob alle Schläverbandes fügen werden, bleibt abzuwarten. Kommt es soweit, dann wird das machthungrige Unternehmertum die gesamte Arbeiterschaft einig und geschlossen gegen sich haben. Die Arbeiter in der Waffenbranche werden sich nach 20 wöchigem heldenmütigem Kampfe durch keine Drohung einschüchtern lassen und find gewillt, solange zu kämpfen, bis ihre Forderungen anerkannt sind. Der Umzug durch die Instanzen. In dem erwähnten, an den städtischen Nachweis gerichteten Schreiben hieß es: „ Es wird uns mitgeteilt, daß der berehrliche städtische Arbeitsnachweis Anstoß daran genommen hat, daß von hier aus in Hannover Malergehilfen unter Angabe der hierorts tariflichen Löhne gesucht werden. Wir gestatten uns, Ihnen dazu ergebenst mitzuteilen, daß hier in den verflossenen Wochen großer In Landeshut i. Schl. erhielt das Gewerkschaftskartell bom Mangel an Gehilfen herrichte, und da wir aus Rücksicht auf die Magistrat die Erlaubnis, einen Festzug außerhalb um die Stadt Meister, die unserem Verbande in allen Städten Norddeutsch- berum zu veranstalten. Dagegen protestierte das Karteill beim lands angehören, nichts unternehmen, um anderweit Arbeits- Kreisausschuß, der nun den Festzug ganz verbot. Auf die weitere fräfte herbeizuziehen, blieb uns nur der Play Hannover hierzu Beschwerde beim Regierungspräsidenten in Breslau kam von dort übrig, weil die dortigen Arbeitgeber im Malergewerbe die ein- der Bescheid, daß der Festzug innerhalb der Stadt genehmigt sei. zigen in Norddeutschland sind, die unserem Verbande fernstehen, Jedenfalls ein für Schlesien sehr seltsamer Instanzenzug. und wir daher zu keiner besonderen Rücksichtnahme auf sie gezwungen sind. Mit dem Erfolge waren wir leidlich zufrieden, und wenn nach Pfingsten die Arbeitsgelegenheit hier zurüdgeht, wird von selbst auch wieder die Abwanderung nach dort erfolgen." Die Lohnkommission der Waltereiarbeiter erschien gestern vormittag bei Herrn Kommerzienrat Avellis und fragte, ob der Arbeitgeberverband zu einer weiteren Verhandlung und zur EntIn diesem Schreiben wird ganz zhnisch hervorgehoben, daß der gegennahme neuer Vorschläge bereit sei! Darauf erklärte Herr Arbeitgeberverband unter dem Deckmantel des Arbeitsnachweises Kommerzienrat Abellis, daß die Arbeitgeber den Arbeitern in der Patriotischen Gesellschaft aus Rache dafür, daß die HannoverKleines Feuilleton. neuen Aussperrung der Bremer Stauereiarbeiter. In Bremen ist es des wegen für die Hafenbetriebe gültigen Tarifs zwischen den Unternehmern und den auf Holzschiffen beschäftigten Stauern zu Differenzen gekommen. Nach dem bisherigen Tarif für die Hafenarbeiter sollte die Stunde von 6-7 Uhr morgens als Nachtstunde mit 1,80 m. bezahlt werden. Dem neuen Angebot der Unternehmer zufolge sollen die Arbeiter diese Arbeitszeit nicht Das Schicksal des Monuments der Arbeit. Man schreibt uns| Wochenzeitung, die den Titel führt:„ Der Arbeiterfreund". Sie ist, aus Brüssel: Meuniers gewaltigste Schöpfung, sein, Mo- wie sie in ihrem Untertitel angibt, ein anarchistisches Blatt. Die nument der Arbeit" wartet ein Opfer ministerieller Beitungen find völlig in jiddischer Sprache geschrieben, und nur in Lässigkeit und des Bureaukratismus liche Aufstellung.( Das Werk ist seinerzeit bekanntlich vom belgischen noch immer auf eine öffent- dem Annoncenteil findet sich ab und zu ein englisches Wort. Staat angekauft worden.) Was den Man Der Vater des deutschen Dramas". Vor 250 Jahren, am 16. Juli 1664, starb in Glogau( Niederschlesien) der bedeutendste deutsche Dichter seiner Zeit Andreas Gryphius, der dort als Wie es scheint, soll nun aber endlich Leben in den Gang der Syndifus der Landstände des Glogauer Fürstentums gewirkt hatte, Verhandlungen und endlosen Vorarbeiten kommen. Die Akademie im Alter von 48 Jahren. Die böse Zeit des Dreißigjährigen der schönen Künste, die sich mit der Frage befaßt hat, veröffentlicht Krieges mit ihren schlimmen Nachwirkungen, der Berelendung und eine Art Gutachten mit einem dringenden Appell an den KunstBerarmung, war den Musen in Deutschland nicht günstig; es ber- minister, das Denkmal endlich aus seinem Gefängnis im Museum dient deswegen umsomehr Beachtung, daß sich gerade in einer zu befreien. Danach soll das Monument, das vier Flachreliefs und Gegend, die mit am schwersten von den Schrecken des Krieges beim Statuen umfaßt, in Halbkreisform Aufstellung finden, welche gesucht worden war, ein Dichter von der Ursprünglichkeit und form auch Meunier in seinen hinterlassenen Plänen gewählt hat. der Tiefe entwickeln fonnte, wie es Andreas Gryphius gewesen ist. Auch Van de Velve in Weimar und Urban in Wien haben Der Dichter war der Sohn des dortigen Paſtors Greif, der dem Brauch gleichfalls Aufstellung in Halbkreisform vorgeschlagen. der damaligen Zeit folgend seinen Familiennamen als Gryphius Dbgleich auch andere Städte das Monument beanspruchen, ins Lateinische übersetzt hatte. Andreas Gryphius gelangte ichon tommt doch nur Brüssel in Betracht, wo der Künstler in jungen Jahren in den Ruf einer außerordentlichen Gelehrsamkeit; geboren wurde, gewirkt hat und gestorben ist. er schlug mehrere Berufungen an die Universitäten Heidelberg, Platz betrifft, liegen die verschiedenen Pläne vor. Upsala usw. aus, um in seiner Heimat seinen dichterischen Neigungen hat an den Platz vor dem Bois" gedacht, wo die mächtige upd seinem Amte zu leben. Neben einer großen Zahl von Baumlandschaft gewiß einen schönen Hintergrund böte. Indes ist Gedichten dichtete er mehrere historische Trauerspiele zum Teil recht die Idee, ausgerechnet ein Monument der Arbeit vom Autotrubel grausigen Inhalts, die mit Recht heute vergessen sind. Dagegen der eleganten Nichtstuer tagtäglich umrasen zu lassen, nicht haben sich einige seiner Profalustspiele, wie Horribiliskribifag", gerade glücklich zu nennen. Ein anderes Projekt, wonach Peter Squenz" und" Die geliebte Dornrose" bis zum heutigen Tage das Wert im Umkreis der Hafenanlagen, mitten im noch manches von ihrer ursprünglichen Frische bewahrt. Einige brodelnden Arbeiterviertel, Aufstellung finden soll dieser Stücke gelangen noch hier und da gelegentlich zur Aufführung. unter denselben Typen, die Meunier verkörpert hat, scheint Gryphius ist der erste deutsche Dichter gewesen, der sich mit Erfolg wenig Aussicht zu haben. Genoffe Camille Huysmans hat nun in auf dem Gebiete des Prosalustspiels versucht hat, und man hat ihn seiner Eigenschaft als Deputierter der Stadt Brüssel dem Minister daber mit einigem Recht den Vater des deutschen Dramas" ge- den Vorschlag unterbreitet. Meuniers Wert solle vor der zu er nannt. Man plant in seiner Vaterstadt Glogau, der er bis zu feinem Lebensende treu geblieben ist, den Bau eines Gryphius- richtenden Hochschule der Arbeit, die ein grandioses Musterinstitut Theaters", dessen Grundsteinlegung am 300 jährigen Geburtstage des Ein Monument der Arbeit vor einer Stätte, wo die Arbeit gegewerblicher Fachschulen zu werden verspricht, Aufstellung finden. Dichters, dem 2. Oftober 1916, erfolgen soll. lehrt wird es läßt sich kaum ein besserer Plazz finden. Denn vor dem Voltshaus dürfte das Denkmal doch kaum aufgestellt " Humor und Satire. Labiau Wehlau. ( Bum 16. Juli.) 9 Und wieder schaut in Reinfultur Ihr die ostelbische Natur: Die hat noch Murr im Ranzen! Die hat am Bauch noch Schweinespec Und weiß doch: wie und was der Zweck Ind läßt die Puppen tanzen. Die klopft den Spund und dreht den Hahn: Heran, geliebter Untertan, Laß dich nicht irritieren! Hier: Schnaps und Bier auf deinen Tisch! Schmeiß weg den roten Deubelswisch. Und laß uns einen schmieren! Prost! Was denn„ Herr" und was denn„ Knecht." Sind wir nicht alle ein Geschlecht: Db Herrschaft oder Leute? Prost! Nieder mit der roten Brut! Nee, Kinder, was bin ich euch gut! Und ganz besonders heute. Ja, seht hier den Familiensinn! Der liegt seit grauen Zeiten drin. Erinnert euch der Fabel Vom biblischen Geschwisterpaar, Das sich so gut und teuer war: Von Kain und von Abel. Notizen. Cec. Eine Steuer auf Reinlichkeit. Frömmigkeit und Reinlichkeit sind feindliche Schwestern. Der Fromme stellt die Reinheit der Seele werden. über die Reinheit des Körpers. Baden und gründliches Waschen sind Werke der Eitelkeit und fördern die Fleischeslust. Das kann so Die Zeitungswelt des Londoner Ghettos. Nach New York ist weit gehen, daß Heilige, wie z. B. die heilige Therese, in einen der London wohl die größte jüdische Stadt der Welt. Von der Zahl - Die Dreitlassenvertretung der Studentens artigen Geruch der Frömmigkeit kommen, daß es fein Mensch mit der hier lebenden Jiraeliten kann man sich einen Begriff machen, ichaft, in der ganz nach dem Muster des preußischen... unverdorbenem Geruchsorgan in der Nähe solcher Heiligen aushalten wenn man hört, daß London vier jüdische Tageszeitungen, d. h. Parlaments sich die Storporationen das Uebergewicht gesichert haben, fann. Nun die Heiligen sind zumeist sonderbare Heilige. Daß aber Beitungen befigt, die in jiddischer Sprache, dem internationalen ist von den nichtinforporierten Studenten der Berliner Universität in Deutschland im 20. Jahrhundert sich eine Gemeindevertretung jüdischen Idiom, gedruckt werden. Die jüngste dieser Zeitungen ist in den B. B. erklärt worden. Der ullige Studentenausschuß, in der findet, die auf die Reinlichkeit eine Stener legt, wer hätte das ge- erst ungefähr 14 Tage alt. Sie ist ein Abendblatt und hat sich eine Minorität die überwiegende Majorität regieren will, fann bacht!? Aber es ist so. Oberkaufungen bei Kassel, bekannt bereits gut eingeführt. Die älteste jüdische Zeitung Londons ist der natürlich keinen Anspruch darauf erheben, als Vertretung der durch seine Kaiserpfalz, wo einst die fromme Raiserin Kunigunde Daily Jewish Erpreß", die eine Auflage von 5500 Exemplaren hat. Studentenschaft zu gelten. Die Nichtinforporierten, die ja bereits ihr Leben im Kloster beichloß, deren Geist, scheint es, noch immer Die größte Auflage nimmt das Jüdische Journal" für sich in An- ausgetreten sind, wollten bereits eine Protestversammlung einberufen über den Mauern des Ortes und über seiner Gemeindevertretung Sprach, das seit ungefähr acht Jahren besteht. Diese beiden Blätter aber Väterchen Rektor erlaubts vor der Hand nicht. schwebt, hat den Beschluß gefaßt, jede Badewanne und jedes Wasser- beherrschten bis vor einem halben Jahr die öffentliche Meinung voll- Amundsens Nordpolarexpedition ist jetzt durch flojett mit einer Steuer von zehn Mark pro Jahr zu belegen. ständig. Da brachte ein unternehmender rumänischer Jude die eine Bewilligung des norwegischen Storthings( im Betrage vou Diese Steuer ist nicht nur das Unifum aller Steuern sie Jüdischen Tires" heraus, die rasch einschlugen, und er ist es auch, 200 000 Stronen) gesichert und dürfte nächstes Jahr begonnen wird Oberkaufungen gewiß auch in einen ganz besonderen Geruch der jetzt in den„ Jüdischen Abendnachrichten" das erste Abendblatt in werden. Sie will bekanntlich wissenschaftlichen Zweden im großen bringen. jiddischer Sprache geschaffen hat. Ferner gibt es noch eine jiddische Maßstabe dienen. mehr als Nachtarbeit bezahlt erhalten, dafür wurde ihnen fetzt für dir Zeit von S— ö Uhr nachmittaz-Z ein Lohn von 1,20 Vi. zugestanden. Das würde für die auf den Holzdampfern beschäftigten Arbeiter einen Lohnausfall von 60 Pf. pro Tag ausmachen. Die Stauereiarbeiter lehnten dieses Angebot ab und begannen mit der Arbeit erst um 7 Uhr anstatt um 6 Uhr morgens. Darauf ant- warteten die Unternehmer mit der Aussperrung. Die Holzplatz- arbeiter beschlossen, kein Holz in Empfang zu nehmen, das von Schiffsmannschaften oder Streikbrechern ans Land gebracht wird. Lohnbewegung der Bremer Stnntsarbeiter. Die in bremischen Staats- und städtischen Betrieben be- schäftigten Arbeiter haben bei den Behörden beantragt, alle Löhne um SO Pf. pro Tag zu erhöhen und die tägliche Arbeitszeit auf neun Stunden zu verkürzen. In der Begründung dieser Anträge wird darauf hingewiesen, daß seit der letzten Lohnzulage im Jahre 1911 in der Stadt Bremen die Lebensmittelpreise für eine vier- löpfige Familie von 24,08 M. pro Woche auf 26,54 M. gestiegen sind und daß die Gesamtmehrbelastung einer Familie einschließlich Miete und Steuern zirka 150 M. pro Jahr beträgt. In einigen städtischen Betrieben ist die neunstündige Arbeitszeit bereits ein- geführt worden. Das veranlastte die Bürgerschaft zu einein Be- schlufz, wonach der bremische Senat ersucht wurde, darüber zu be- richten, ob nicht im Jahre 1913 für alle städtischen Arbeiter der Neunstundentag eingeführt werden könne. Es mutz dem Senat ent- gangen fein, daß wir bereits 1914 schreiben, denn die Bürgerschaft wartet noch immer auf den Bericht. ?tastatiS. Blutige Arbeit der Gendarmen im Haag. Der Haager Straßenbahnerstreik hat gestern abend zu ziemlich ernsten Krawallen geführt, an denen aber die Streikenden, die gerade eine geschlossene Versammlung abhielten, soweit sie nicht Streikposten standen, nicht beteiligt waren. Die Krawalle wurden hervorgerufen von der Gendarmerie und der Reichspolizei aus kulturell riedrigen Landesteilen, die der Bürgermeister unllugerweife herbeigerufen hatte. Während die städtische Polizei gemäßigt und vernünftig auftrat, provozierte die berittene Gendarnierie das mit dem Streik sympathisierende Publikum, indem sie bei der geringsten Veranlassung in rohester Weise zu hauen anfing. Zahlreiche Personen sind somit von dem Polizeiiäbel verwundet worden. Daß es auch anders gegangen wäre, bewies durch die Tat unser Genosse Stadt- verordneter Hoejcnbos, der im Automobil die Stadt durchfuhr und überall mit wenigen eindringlichen Worten die Massen dazu brachte. im Interesse der Streikenden ruhig ihres Weges zu gehen und sich keine AuSfchreuungen zuschulden kommen zu lassen. Das wüste Auftreten der Gendarmerie hat in der Sradt eine große Erbitterung hervorgerufen. * Nachträglich wird noch ans Haag berichtet, daß die Straßenbahn- direktion den Beschluß gefaßt hat, keine Wagen mehr laufen zu lassen, und somit auch den spärlichen Dienst, den die bisher mit den- jenigen deutschen Streikbrechern, die einige Arbeitsroutine besaßen, unterhielt, einzustellen. Die Streikbrecher waren also wohl nichr zu verwenden und die feindselige Haltung des Publikums tat das übrige. Die Streikbrecher waren angeführt von einem gewissen Ludwig Emil Knolh, der jetzt in Amsterdam eine Streikbrecher- agenlur betreibt, nachdem er aus Hamburg, wo er früher das saubere Handwerk ausübte, hat flüchten müssen. Er wurde dort wegen Be- trug« in drei Fällen zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt und wird vom Hamburger Staatsanwalt steckbrieflich verfolgt. Die Haager Patrizier, die sich mit diesem Herrn einlassen, müssen sich wohl in großer Verlegenheil befunden haben. Soziales. Aus dem JnnungsschicdSgericht. 1. Klatsch als Entlassungsgrund. Gegen die Firma Werth richtete sich in der letzten Sitzung des Jnnungsschiedsgerichtes die Klage eines Abteilungsleiters auf Zahlung von 90 M. Entschädigung wegen fristloser Entlassung. Mit dem Kläger war eine vierzehntägige Kündigung vereinbart. Er hatte den Sicherungsbau zu leiten und die Arbeiten zu revi- dieren. Ihm wurde vorgeworfen, den Werksührer gröblich be- leidigt zu haben. Der Beweis mißlang. Der Beklagte wollte den Kläger infolge des Klatsches entlassen, sah aber im Hinblick auf den Kontrakt davon ab. Er mutete ihm jedoch zu, untergeordnete Arbeiten zu verrichten. Das lehnte der Kläger ab. Das Olericht verurteilte die beklagte Firma dem Klageantrag gemäß. Begründend führte der Vorsitzende aus: Auf Grund un» bewiesenen Klatsches durste nicht in der Weise gegen einen Ange- stellten in leitender Stellung vorgegangen werden. 2. Der Tag Äs Lohneinheit. Ein Werkzeugmacher der Firma Hoog u. Hnbrich war wieder- holt in längeren Zwischenräumen bei der Unterhaltung mit einem Kcllegen betroffen und verwarnt worden. Eines Tages, etwa 10 Minuten nach Arbeitsbeginn, hatte er abermals ein Gespräch mit einem Kollegen, wurde von einem der Inhaber dabei erwischt und sofort entlassen. Er forderte nun Bezahlung für den Ent- laflungstag und Ausdehnung des Zeugnisses aus Führung und Leistung. Das Gericht erkannte in seinem Schiedsspruch nur den letzteren Anspruch an und wies den ersteren ab. Darin ging der Spruch fehl. Nach fast ständiger Rechtsprechung sämtlicher Gerichte muß auch bei Kündigungsausschluß der angefangene Tag voll bezahlt werden, weil der Tag eine Lohneinheit bildet. Bei Aschinger. Eine heute vor der 146. Abteilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte verhandelte Privatbeleidigungsklage lieforte den Beweis, daß gewisse Arbeitgeber noch immer der Ansicht sind, die in ihren Diensten stehenden Arbeiter sind ihre Lohnsklaven, denen sie a l l es bieten können. Auf den Tatbestand hatten wir bereits anläßlich einer Gewerbegerichtsklage hingewiesen. Zwei. Dienstmädchen waren seit vielen Jahren bei der Firma Aschinger als sogenannte Nachtmädchen in Arbeit. Vor einiger Zeit wurde den Mädchen von dem Geschäftsführer Wilhelm Wcgcncr eine Arbeit aufgetragen, die in keiner Weise zu ihren Obliegenheiten gehörte. Als die Mädchen sich weigerten, diese Arbeit zu verrichten, geriet Wegener in großen Zorn und sagte: „Ihr seid alles dreckige Weiber» verfluchte faule Mistviecher, Dreckschweine und alte Kamele." Der Gastwirtsgehilfcnverband, dem die Mädchen als Mit- glieder angehören, veranlagte die Anstrengung der Privatbeleidi- gungsklage gegen Wegener. In der unter dem Vorsitz des Amts- gerichtsrats Karwinkel stattgefundenen Schöffcngerichtssitzung gab Wegener folgende Erklärung ab: „Ich bedanre, daß ich mich in der Erregung zu der inkrimi- nierten Aeußerung habe hinreißen lassen. Ich bitte die Klage- rinnen um Entschuldigung und verpflichte mich, sämtliche ge- richtliche und außergerichtliche Kosten, einschließlich der den Klägerinnen erwachsenen Rechtsanwaltskosten, zu bezahlen." Darauf zogen die Klägerinnen auf Anraten ihres Rechtsbei- standes die Klage zurück. Es erfolgte infolgedessen die Einstellung des Verfahrens._ Versammlungen. Der Kampf gegen den Aiilitariswus lautete das in unserem heutigen Miliiärstaat jederzeit aktuelle Thema einer öffentlichen Versammlung in den»PharuS- Sälen'. Ledebour als Referent wußte mit seinen tresslichen Ausführungen die Versammlung zu fesseln und mitzureißen, wie aus den vielfachen stürmischen Zu- stimmungsäußerungen zu erkennen war. Seine Worte, mit dem ge- wohnten erfrischenden SarkasmuS gewürzt, beantworteten vor allen Dingen die Frage, weshalb wir den Militarismus in seiner heutigen Form bekämpfen. Besonders scharf ging er mit den Soldaten- schindern ins Gericht und zeichnete auch die Befürworter des heutigen Systems. Seine Darlegungen klangen au? in der Aufforderung zu energischem, rücksichtslosem Kampfe gegen den Militarismus und die dem System entspringenden scheußlichen Auswüchse. In der anschließenden Aussprache wurde noch manches treffende Wort gesprochen. Mit einem flammenden Aufruf, namentlich in der Erziehung der heranwachsenden proletarischen Jugend mit Nachdruck unsere Auffassung zur Geltung zu bringen, schloß der Leiter der Versammlung, Petersdorf, die imposante Veranstaltung. Trotz der enormen Hitze hatten sich gewaltige Mengen einge- funden. Aber nur ein Bruchteil fand Zutritt. Die Polizei sperrte in rührender Fürsorglichkeit den Saal so zeitig ab. daß noch ein paar hundert Besucher hätten Platz finden können. Der Hitze wegen wurde gesagt. Mit Recht geißelten Ledebour sowohl wie auch der Versammlungsleiter diese übertriebene polizeiliche Besorgnis. Zu- treffend führte namentlich der letztere aus, daß solcher Eifer wohl besser am Platze sei bei jenen Unternehmern, die ohne Rücksicht auf die Hitze 10 und 12 Stunden schwer schuften lassen. Oder bei sol- dalischen Usbungen, möchten wir hinzufügen. Gerichtszeitung. Zum Nachdrncksrecht der Zeitungen. In München scheint die Hitze sehr arg zu sein. Am 5. Mai berichteten wir unter dieser Neberschrift über einen Prozeß gegen die„Lipp. Landesztg.' in Detmold. Der Redakteur hatte drei Notizen, die re ohne Kennzeichnung ihres Ur- Hebers, ohne Chiffre oder dergl. in einer anderen Zeitung gelesen hatte und nur für Nachrichten tatsächlichen Inhalts hielt, abgedruckl. Darauf war gegen ihn Suafantrag von Dr. Schönthal in München, dem Inhaber der„Tägl. Korrespondenz', gestellt. Das Gericht verurteilte ihn unter moralischer Verurteilung des Vorgehens des Strafanlragstellcrs zu der geringsten Strafe von drei Mark. Wir wendeten uns in diesem wie in Fällen ähnlicher Art, in denen Schriftsteller wegen solcher Notizen Strafantrag gestellt halten, gegen die Straf Vorschrift des Urheberrechtsgesetzes, die nachgerade zu einem Erpressungsmittel geworden sei. Dr. Schönlhal beehrte uns darauf mit mehreren Zuschriften, in denen er sich gegen unseren Bericht wendete. Er vertrat gleich- falls nicht die Ansicht, daß man stets zum Kadi lausen solle, aber in dem Detmolder Fall hätten besondere Umstände für sein Vor- gehen vorgelegen. Auf die Zuschriften gingen wir nicht ein: ander Tatsache änderte ihr Inhalt nichts, daß der Schriftsteller seine Notizen nicht als sein Eigentum kennzeichnen ließ und dennoch Strafantrag gegen den ahnungslosen Redakteur stellte, weil die Redaktion' den von ihm verlangten Betrag nicht zahlte. Jetzt be- ehrt uns Dr. Schönthal abermals mit zwei längeren Zuichriflen. Die eine wimmelt von Jnvektiven und enthält die Mitteilungen, 1. daß er und andere ungenannte Schriftsteller„in keinem Falle in der Lage sind', uns„irgendwie Nachdruck wie früher zu gestatten', sowie 2. daß gegen uns„wegen mehrerer Nachdrücke' Strafantrag gestellt sei. Wir sehen den angedrohten Liebenswürdigkeiten mit Seelenruhe entgegen. Es handelt sich um folgendes. Z 18 des Urheberrechtsgesetzes erklärt den Abdruck von Ausarbeitungen wissenschaftlichen, technischen oder unterhaltenden Inhalts für unzulässig, fährt aber dann fort: „Vermischte Nachrichten tatsächlichen Inhalts und TageSneuigkeiten dürfe» aus Zeitungen und Zeitschriften stets abgedruckt werden." Nun haben Gerichte angenommen, auch„Nach- richten tatsächlichen Inhalts' könnten durch ihre Form„unter- hallend' sein, sie seien dann als„Ausarbeitungen unterhaltenden Inhalts' anzusehen. Wo da die Grenze zu ziehen ist, ist im Einzelfall schwer zu unterscheiden. Eine Reihe Schriftsteller chiffrieren ihre Notizen j dann weiß jeder Redakteur: ohne Zustimmung des Autors darf das in dieser Form nicht nachgedruckt werden. Andere unterlassen die Signierung, wie Dr. Schönthal, und verlangen dann von der Redaktion Zahlung für die Nachricht z. B., daß ein Mann die Bügelfalten in seiner Hose durch eine Chausseewalze hineingebracht habe. Die Redakteure zahlen dann in der Regel— wie stets— den üblichen Satz für solche Nachrichten, ohne damit etwa anzu- erkennen, daß eine gegen Nachdruck geschützte Notiz vorliege. Es liegt aus der Hand, daß es durchaus zu verurteilen ist, wenn ein Sckirift- slcller in solchen Fällen, auch in denen, in denen etwa keine Zahlung erfolgt, statt eine Klage aus Zahlung anzustellen, Strafantrag stellte. Dr. Schönthal droht damit. Uns kann's recht sein, nur soll er dann die von ihm versendeten Nachrichten als von ihm herrührend kennzeichnen, gleichviel, ob sie eine Bügelfalte, oder einen, toten Papagei auf der Eisen- bahn' oder sonstige Neuigkeiten behandeln. Sonst könnte er wegen Verleitung zum Rachdruck mal hineinfallen. Mit demselben Brief, in dein Dr. Schönthal uns ankündigt, er gestatte uns keinen Nachdruck seiner Artikel, sendet er uns eine„Aus- arbeilung unterhaltenden Inhalts' zu, deren Abdruck er auf Grund des Z 11 des Pretzgesetzes verlangt. Das ist denn doch des Guten zu viel. Wir lehnen dies Ansinnen ab und hoffen, die Hitze wird in München bald nachlassen. Schwere Mißhandlungen eines Stiefkindes wurden einer Frau Ida Wolf, geborenen Bcllach, zur Last gelegt. Im Mai d. I. verurteilte das Schöffengericht Berlin- Mitte sie zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten und beschloff auch sofortige Verhaftung. Gegen dieses Urteil legte die Angeklagte Berufung ein, und sie erwartete nun vom Landgericht Berlin l sFerienstrafkammer 7) gestern ihre Frei- sprechung. Sie beteuerte, sich keiner Mißhandlung schuldig gemacht zu haben und behauptete sogar, daß sie„Kinder sehr gern habe". Die Beweiserhebung, in der wieder eine große Zahl Zeugen vernommen wurden, ergab dasselbe erschütternde Bild wie in der Verhandlung vor dem Schöffengericht. Nach der Darstellung der Zeugen hatte Frau Wolf in der Zeit von Ende 1912 bis Ansang 1914 ihr jetzt achtjähriges Stiefkind Tora fortgesetzt schwer miß- handelt. Ost hörte man Tora jämmerlich schreien und immer wieder sah man sie mit deutlichen Spuren maßloser Züchtigungen. Leute, die daS arg verschüchterte Kind fragten, woher es denn die blauen E lecke und die Anschwellungen im Gesicht haben, bekamen zur Ant« ort:„Ich darf es nicht sagen". Stundenlang stand die Kleine, manchmal in bitterer Wimerkälle, vor der Korridortür, weil sie nicht ivagte, duich stärkeres Klopfen sich bemerkbar zu machen. Schon im Jahre 1911 war wegen Mißhandlungsverdachts eine Anzeige eingereicht worden, doch verlief damals die snche im Sande. Als später die Kiudcrschutzkommisfion von erneulem Mißhandlungs- verdacht erfuhr, griff sie ein und stellte Spuren offenbarer Mlßhand- ttlngen fest. Auch eine andere Vereinigung sür Kinderschutz erhielt Kenntnis von diesen Dingen, und es kam dann zu einer Strafverfolgung der Frau Wolf. Vor Gericht schilderten ein Kontrolleur der Kinderschutzkommission und eine Helferin den erschütternden Befund, den eine Besichtigung des Kindes ergeben hatte. Die Bekundungen eines Kriminalbeamten, der nach Eingang der Anzeige die notwendigen Ermittelungen vor- genommen hatte, lauteten noch schlinimcr. A» dem Körper deS Kindes hatten sich Strieme», blaue Flecke, verschorfte Wunde» und Narben vorgefunden, von denen die Zeugen sagten, daß sie nur von Schlügen und Stößen herrühren konnten. Ein Schwager der An- geklagten, der Bruder des Ehemanns Wolf, bekundete, daß auch ihm Mißhandlungsspuren ausgefallen waren. Dem Ehemann Wolf, der zu schwach war, seine Frau von den Mßhandlungen zurückzuhalten, hat inzwischen das vormundschastSgericht das Kind aBgenommen. Das Kind befindet sich jetzt im Waisenhaus zu Rummelsburg. Der Verteidiger sah den Sachverhalt als nicht hinreichend auf- geklärt an und bemängelte die Strafe als mindestens zu hoch. Nicht Mißhandlungen, sondern Züchtigungen liegen hier vor. Personen, die einer Orgamstrtion für Kinderschiit, angehören, seien rasch geneigt, Mißhandlungen zu vermuten. Der Staatsanwalt beantragte, die Berufung zu verwerfen, weil die Beweisaufnahme hier nichts anderes als vor dem Schöffengericht ergeben habe. Da? Gericht urteilte diesem Antrag entsprechend. Es sah schwere Mißhandlungen als erwiesen an und hielt bei der langen Dauer dieses Treibens die Strafe von 9 Monaten Gefängnis für angemessen. Der Antrag, die Angeklagte bis auf weiteres auS der Hast zu entlassen, wurde abgelehnt, weil Fluchtverdacht vorliege. Der vergebliche Ruf nach dem Schutzmaun. Die Tatsache, daß hilfesuchende Personen auf Polizei- revieren einfach mit dem lakonischen Bescheide:„Es ist kein Schutzmann dal" wieder weggeschickt werden, kam wieder einmal in einer Verhandlung zur Sprache, welche die erste Ferienstrafkammcr des Landgerichts I beschäftigte. Wegen gefährlicher Körperverletzung und Hausfriedensbruchs war der Monteur Wilhelm Brock angeklagt. Das Schöffengericht hatte B. und den Schlosser Karl Bcilke zu ie einer Woche Gefängnis verurteilt. Während letzterer sich bei dem Urteil beruhigte, legte Brock Berufung ein. Am 15. Februar d. I. hatten die beiden An- geklagten, die als ruhige und nüchterne Menschen gelten, an einer kleinen Feier teilgenommen und dabei stark über den Durst getrunken. Der Alkohol erzeugte bei ihnen Radaustiinmung und als sie gegen 12 Uhr nachts das Lokal des Schankwirts Parussel bettaten, dauerte es nicht lange. bis der schönste Radau im Gange war. Sie fielen über den Wirt her und als sich dieser mit. einem Gummischlauch zur Wehre setzen wollte, wurde ihm dieser entrissen. Der Angegriffene wurde zu Boden ge- warfen und roh mißhandelt. Die kleine Tochter des P., die durch den Lärm aufgewacht war, lief im Hemd hilferufend zu der nächsten Polizeiwache, wo sie weinend bat, doch schnell einen Schutzmann zu schicken, da ihr Papa sonst totgeschlagen werde..Dem Kinde wurde gesagt, daß kein Schutzmann da sei, der mitkommen könne. Wie sich später ergab, war auch tatsächlich nur der Telegraphist auf der Wache. Erst nach einer halben Stunde, während der die beiden betrunkenen Leute in dem Lokal weiter skandalierten, war es möglich, einen Schutzmann aus- findig zu machen, der dann die beiden Radaubrüder festnahm. Vor Gericht machte der Verteidiger geltend, daß weit � schlimmere Exzesse betrunkener Studenten nur mit einer Geldstrafe geahndet worden seien und deshalb kein Grund vorliege, den bisher unbescholtenen Angeklagten, der seine Tat tief bedanre, ins Ge- sängnis zu schicken. Das Gericht kam zu einer Abänderung des Urteils und verurteilte den Angeklagten nur zu 30 Mark Geldstrafe. Mus aller Welt. Neichs-Telefunkenftation Nauen. Die Telefunkenstation Nauen bei Berlin wird in den nächsten Monaten von der Reichspost übernommen und dann auch dem öffentlichen Verkehr nutzbar gemacht werden. In der bisherigen Versuchsstation Nauen wurden sämtliche Fort- schritte und Neuerungen der Funkentelegraphie ausprobiert. Die Station hat in den letzten Monaten bereits einen ziem- lich regelmäßigen internen Dienst mit der deutschen Kolonie Togo in Westafrika und Sayville bei New Dork unterhalten. Auf der Station befindet sich ein Turm von 250 Meter Höhe sowie fünf Türme von je 120 Meter Höhe; ferner sind vor- handen zwei Sender von je 250 Kilowatt Primärenergie und ein Telephoniesender für Michweiten von mehr als 500 Kilometer. Der Aktionsradius der Nauener Station erstreckt sich über mehrere tausend Kilometer. Denkmalsschändung in Stuttgart. In der Nacht zum Mittwoch wurde daS von Prof. Donndorf geschaffene Schillerdcnkmal vor dem Neuen Hoftheatcr in Stuttgart mit einer ätzenden farbigen Flüssigkeit Übergossen. Der Täter ist angeblich noch nicht bekannt._ Eine in die Luft gesprengte Fabrik. DaS rauchende Trümmerfeld einer solchen kann man jetzt in Dittingen im schweizerischen Kanton Bern erblicken. ES sind dies nicht etwa böse Anarchisten oder Syndikalisten, die diesen vollauf leistungsfähigen Betrieb in die Luft gesprengt haben, sondern wasch- echte Kapitalisten. Es handelt sich um eine Portlandzementfabrik, die auf Beschluß des Zemcntsyndikats der Schweiz stillgelegt wurde, um die preise zu erhöhen. Da nun die bernische Steuergesetz- gebung die relativ neue Fabrik mit ihrem Erstellungswert zur Kapitalsteuer heranzog, wurde diese Stillegung dem Zement- syndikat auf die Dauer zu teuer. Nach einem verlorenen Steuer- rekurs wurde die Fabrik einfach in die Luft gesprengt— der kapitalistische Wert des Trümmerhaufens rechtfertigt keine Siteuex mehr.— Hoffentlich bleibt der Trümmerhausen lange genug liegen, um Enkeln einer besseren Zukunft ein Bild der Sinnwidrig- keit der kapitalistischen Gesellschaft zu zeigen.— Die bürgerliche Presse der Schweiz ist angefüllt von den technischen Einzelheiten der so„interessanten" Sprengung, das Motiv der Tat kann man freilich nur in der sozialistischen Presse nachlesen. Für das Bürgertum ist diese Zerstörung menschlicher Arbeit nur ein sen- sationelles Schaustück, nichts mehr. Kleine Notizen. Unwetter. Seit Sonntag gehen täglich in verschiedenen Teilen Bayerns schwere Gewitter nieder, die durch Blitzschläge und Ueber- schwemmungen großen Schaden anrichten. Eine ganze Anzahl von Personen ivurden vom Blitz erschlagen.— Auch beim Baden er- eigneten sich zahlreiche tödliche Unglücksfälle.— In Emden ging gestern nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr ein äußerst hestigeS Gewitter nieder. Die liefer gelegenen Stadtteile waren überschwemmt, die überseeischen Kabel waren fast eine Stunde lang außer Betrieb. Schisssuntergang. Im Tanafsord, an der Westküste Norwegens ist das Petersburger Handelsschiff„Joann BogoSiow' mit dem Besitzer des Schiffes, seiner Fron und der ganzen Mannschaft unter« gegangen. Neue Erdscnkung in Paris. Gestern früh entstand auf dem Damm des Boulevard Ney eine neue Erdsenkung von einem Meter Länge und einem Meter Tiefe. Ein Vorübergehender stürzte in die Erdscnkung und verletzte sich leicht am Bein. Verhängnisvolle Ballonlandimg. Bei einer Ballonlandung in Meaux verlor der junge Luftschiffer Maurice Ducret sein Leben. Ducret, der gestern seinen ersten selbständigen Ballonaufstieg unter- nahm, wollte eben landen, als sein Ballon sich in einem Gehölz verwickelte. Der Luftschiffer stürzte kopfüber aus dem Ballon und war sofort tot. Eine Wolke von Heuschrecken ist über Corsica in der Gegend von Balagna niedergegangen. Das Institut von Paris hat sofort Per- treter nach Corsica entsandt, um Mittel zur Vernichtung der In- selten auszuprobieren._ Eingegangene Druckschriften. Sarah von Lindholm. Roman von Magarcte Böhme. 3,6? M., gebunden 4,66 M.— Blut. Roman von W. Bonsels. 3,00 M., gebunden 4,00 M. Hesse«. Becker, Leipzig. Mus Nutterberuf und kapitaliftifihe Ausbeutung. Ueberaus schwere Anklagen gegen die herrschende Staats- und Gesellschaftsordnung finden wir in der letzten Nummer der in Koblenz erscheinendem katholisch-sozialen Halbmonatsschrift„Stände-Ordnun g". In einem Artikel, der sich init der Frage des Geburtenrückganges befaßt, wird auch über die mütterliche Pflicht des Selbststillens der Säug- linge gesprochen. Die Vernachlässigung dieser Pflicht, wo die Mutter sie erfüllen kann, wird als Verkommenheit be- zeichnet: indes dürfe man hier nicht blind verallgemeinern. Sicher gebe es herzlose Mütter, die aus Eitelkeit oder Träg- heit ihre Kinder von Dienstboten mit tierischer Milch ernähren lasten, selbst auf die Gefahr hin, daß lebensgefährliche Krank- heiten dadurch entstehen. Solche Mütter seien jedoch be- zeichnender Weise meist in den sogenannten„besseren" .Kreisen zu suchen. Reichen Müttern werde es ermög- licht, die Milch armer Frauen zu kaufen. Mit größter Empörung habe man von einem Prospekt des C h a r- lottenburger Kaiserin-Augusta-Viktoria- Hauses zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reich Kenntnis genommen, worin es heiße: „Ainmen- und Frauenmilch stehen zur Verfügung", und auf Seite 4 werde in fetter Schrift empfohlen:„Abgabe von Frauenmilch. Für je 100 Gramm täglich nach außerhalb ab- gegebener Frauenmilch ist eine Mark zu vergüten." Das Blatt spricht demgegenüber von einer Menschen- molkerei.„Die Erklärung dieser Frauenentwürdi- g« n g". so heißt es weiter,„findet mgn wohl darin, daß es Freistellen für arme Mütter und Ammen gibt. Daß der Name der Kaiserin mft einer derarttgen E r n i e d r i- gung ihres Geschlechts in Verbindung gebracht wird, wirkt peinlich." Das Blatt führt aus, daß die Frauen der minder- bemittelten Klasse zuerst ihre Kinder gern selbst nähren: dann aber schreibt es weiter(S. 384): „Aber zahlreiche Mütter aus dem Mittel- und Arbeiterftande find von Natur nicht in der Lage, ihre Kinder selbst zu nähren. Warum nicht? Die unnatürliche, aufreibende LebenSweiseso zahlreicher Frauen aus dem Volke, die ent- iveder den ganzen Tag einen Laden bedienen oder auf Arbeit gehen müffen, um dem Manne zu helfen, das nötige Brot zu schaffen, haben dafür ganz natürliche Gründe, und sie selbst be- dauern am meisten, diese süßeste aller Mutterpflichten nicht er- füllen zu könne». Fortwährendes Laufen, ungenügende Ernährung, Sorge und Kummer vertreiben oder vergiften die Muttermilch. Der b l u t- saugerische Kapitalismus und diie freie Konkurrenz mit der daraus folgenden ungeordneten Erwerbsweise tragen die Schuld; sie zwingen nicht nur den Vater, sondern selbst die nährende Mutter und das unreife Kind in den Fron- dienst und Erwerbskampf. Mädchen, die den unnatürlichen Fabrik- und Kontordienst durchkosteten und ihn womöglich als Mutter fortsetzen müffen, verlieren leicht die Nähr- fähigkeit. Wenn darum die Sozialdemokraten sagen, daß der herzlos« Kapitalismus nicht nur den Mann ausbeutet und die Mutter vom Kinde fortreißt, sondern sogar dem hilflosen Säug- ling nur zu oft noch die Nahrung aus dem Mut- terleibe raubt, so haben sie leider, ach leider nur zu recht." Das sind Worte, wie man sie in einem bürgerlichen Blatte nicht zu finden gewohnt ist. Die katholische„Stände- Ordnung" ist eines der verschwindend wenigen bürgerlichen Organe, die nicht der Parteipolitik zuliebe die Wahrheit unterdrücken. Das Blatt hätte nur noch einen Schritt weiter gehen und feststellen � sollen, daß die katholischen Kapitalisten in keiner Weise hinsichtlich der Frauen-, Mütter- und Kinderausbcuttmg hinter den anders- und un- gläubigen Ausbeutern zurückbleiben. Und die frommen katholischen Agrarier sind besonders in der letzten Zeit wieder dabei, gerade die Einbeziehung derjenigen Nahrungsmittel, die den stillenden Müttern besonders dien- lich sind(Milchprodukte. Gartenbauerzeugnisse, wie Obst und Gemüse), in den Wucherzolltarif zu verlangen. Das kinö in öer Statistik. Das soeben erschienene Statistische Jahrbuch für 1914 enthält in der großen Fülle seiner Tabellen und Uebersichten eine Reihe statistischer Angaben, die. herausgehoben und in inneren Zusammen- hang gebracht, einen interessanten Beitrag liefern zu der Rolle, die das K i n d— zunächst durch die Tatsache seiner Existenz, sodann als Glied mannigfacher kultureller Beziehungen— im sozialen Or- ganismus spielt. Nach dem Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 bezifferte sich im Deutschen Reiche bei einer Gesamtbevölkernng von 64 925 993 die Zahl der Kinder unter 14Jahren auf 20862253(32 P»z.); davon entfielen auf Preußen 13 112511. Bayern 2 235 663, Sachsen 1472 468, Württemberg 796 518. Nach Geschlechtern geschieden, wurden im ganzen Reiche 16483754 Knaben und 16 378 499 Mädchen festgestellt. Die Jugend von 14 bis 18 Jahren umfaßte 5 209 535(8 Proz.); davon waren 2 668 851 männlichen, 2 666 684 weiblichen Geschlechts. Die Zahl der Geburten betrug 1916: 1 982 836, ging 1911 auf 1927 639 herab und sank 1912 auf 1925 883(Preußen 1 227 327, Bayern 214 548, Sachsen 129 767, Württemberg 73 176>; der Geburtenrückgang hält also an. Während 1916 auf 1666 Ein- wohner 29,8 Lcbcndgcborcne kamen, verminderte sich die Zahl 1911 auf 23.6. 1912 auf 28.3. Von den 1912 Geborenen waren Knaben 993 146. Mädchen 932 735: Uneheliche 133 857(1911: 177 6531. Infolge der durch die Lebensmittelleuerung verschuldeten Ber- heiraiungsschwierigkeit hat sich der Prozentsatz der Unehelichen von Jahr zu Jahr gesteigert<1969: 9 Proz., 1910: 9,1 Proz., 1911: 9,2 Proz., 1912: 9,5 Proz). Auch die Anzahl der Mehrlingsgeburten hat sich verringert: die Zwillingsgeburlen sind von 26 314 im Jahre 1968 auf 23 785 im Jahre 1912, die Drillingsgeburten in derselben Zeit von 261 auf 243 und ebenso die Vierlingsgeburten von 4 auf 2 zurückgegangen. Während sonst dem Geburtenrückgang durch eine Verminderung der Sierblichleit begegnet ivird, ist der A n t e i l der Tot- geburten sich gleich geblieben<2,9 Proz.); ihre Zahl bclicf sich 1912 im Reiche auf 56 245. Dagegen hat die Säuglingssterblichkeit 1912 eine ansehnliche Verminderung aufzuweisen; die Bemühungen zu ihrer Bekämpfung, obwohl weder großzügig noch planvoll-einheitlich, haben doch einen Erfolg gehabt. Während 1916 noch 267 171 eheliche und öer Irauenbeweg „Vorwätts" Nr. 191.— Donnerstag, den 16. Juli 1914. 44 291 uneheliche, 1911(dem abnorm heißen Jahre) 363 765 eheliche und 56 757 uneheliche Säuglinge starben, sank ihre Zahl 19l2 auf 234 544 eheliche und 41 627 uneheliche, insgesamt also 275 571. In zehn Jahren hat sich der Prozentsatz von 18,3 Proz.<1962) auf 14,7 Proz.<1912) vermindert, gewiß ein Fortschritt, wenn auch kein überwältigender. Ueber dem Durch- schnitt standen mit größerer Säuglingssterblichkeit noch immer Westpreußen<19,1), Bayern<18,5), Ostpreußen und Schlesien<17,8), Reuß j. L.<17,2), S.-Altenburg<17,1), Pommern <17), Posen und M.-Strelitz<16,8). M.-Schwerin<16,3), Sachsen<15,7). Kgr. Sachsen(15,6), Reuß ä. L.(15,4), Schwarzburg-Rudolstadt<15,1). Unter dem Durchschnitt hielten sich mit geringerer Säuglingssterb- lichkeit Preußen(14,6), Anhalt(14,5), Berlin<14,2), Württemberg und Baden(13,8), Braunschweig<13,2), Weimar-Eisenach und Elsaß- Lothringen<13,1), Schleswig-Holstein<13), P�alz und Lübeck(12,9), Hamburg(12,7), S.-Meiningen(12,6), lschwarzburg-Sonders- hausen(12,5), Rheinland(12,2), Westfalen und Bremen(12,1), Koburg-Gotha<12), Oldenburg(16,8), Heffen(16), Lippe<9,7), Hessen-Nassau(8,9), Waldeck(6,6). Der im Kampfe gegen die Säug- lingssterblichkeit erzielte Fortschritt hat die Position des Deutschen Reiches gegenüber den Staaten des Auslandes erheblich verbessert. Bisher rangierte es mit verhältnismäßig hoher Sterblichkeitsziffer gleich hinter Rußland, Rumänien und Oesterreich-Ungarn; jetzt ge- staltet sich die Reihenfolge so: Chile<33,3), Mexiko(29,6), Ruß- land(27,2), Oesterreich-Ungarn(26,7), Rumänien(18,6), Japan(16.7), Spanien<16,1), Serbien<15,8), Italien<15,7), Deutschland(14,7), Schweiz(12,8), Belgien(12), Schottland<11,3), Frankreich(11,1), Dänemark(16.6), England(9,6), Niederlande<8,7), Irland(8,5), Schweden<7,5), Norwegen(6,5) und daS viel verlästerte.sozialistisch regierte" Neu-Seeland(5.1). Wie in der Sozialpolitik so klafft auch in der Statistik zwischen dem Säugling und dem schulpflichtigen Kinde eine Lücke. In dem Zwischenzeitraum existiert das Kind für die Oeffentlichkeit nicht. Seine Bedeutung als soziales Glied wird erst wieder lebendig in den stattstischen Zahlenreihen, die fich auf das Unterrichts- Wesen beziehen. Nach den Ergebnissen der st euer statistischen Erhebungen von 1911 gab es im Deutschen Reiche 16 369 949 Kinder <5 157 446 Knaben und 5 152 563 Mädchen), die in 61 557 öffentlichen Vollsschulen von 187 485 Lehrkräften<148 127 Lehrern und 39 268 Lehrerinnen) unterrichtet wurden. Im Durchschnitt kamen auf eine Lehrkraft 55 Schüler. Das ist eine kleine Verbesierung, denn 1966 betrug die Zahl der durchschnittlich auf eine Lehrkraft enr- fallenden Schüler noch 57 und vor zehn Jahren(1961) gar noch 66. Für die tatsächlichen Verhältnisse in der Praxis will jedoch diese unerhebliche rechnerische Verbesse« rung wenig besagen. Die Mittelschulen(914 öffentliche und 1135 private) wurden 1911 von 354 654 Schülern besucht, die von 12 665 Lehrkräften unterrichter wurden. Es kamen durchschnittlich etwa 30 Kinder aus eine Lehrkraft. Noch günsttger ist dieses Ver- hältnis bei den höheren Schulen: es kommen da z. B. auf eine Lehrkraft in den Real- und Oberrealschulen 21, den höheren Mädchenschulen 18, den Gymnasien und Realgymnasien 16 Schüler, Noch einmal taucht auf den weiteren Seiten de? Jahrbuchs, in den Tabellen- und Zahlenreihen daS Kind auf: in der Kriminal- statiftik, wo vermeldet wird, daß sich unter den tm Jahre 1912 wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Reichsgesetze verurteilten Personen 54 958 Jugendliche von 12 bis 18 Jahren(9.5 Proz. der Verurteilten) befanden. 46 824 hatten sich gegen das Vermögen, 11 883 gegen die Person, 2243 gegen Staat, Ordnung und Religion vergangen, 29 166 wurden wegen Diebstahls, 6769 wegen Körper- Verletzung. 2827 wegen Sachbeschädigung. 2865 wegen Unterschlagung, 1466 wegen Beleidigung, 1624 wegen sexueller Delikte, 1657 wegen Hausfriedensbruchs. 27 wegen Mordes oder Totschlags bestraft. Mit diesem düstern Kapitel entläßt die Reichsstattstik das Kind, das hier schon nicht mehr Kind im eigentlichen Sinne ist. Bis zum 18. Lebensjahre mag die Kindheit der Bessersituierten dauern, beim proletarischen Nachwuchs ist mit dem 14. Jahre definitiv Schluß. Dann setzt— meist frühSr schon— der Erwerb, die Sorge um Brot und Dasein unerbittlich ein. Gerade hier, in der Frage der Kindererwerbsarbeit, die eins der schlimmsten Elends- gebiete umfaßt, böte sich der Statistik für ihre ermittelnde, über- schauende und klärende Tätigkeit eine dankbare und der Erledigung dringend bedürftige Aufgabe dar. Die gelegentlichen Statistiken über Kindererwerbsarbeit sind veraltet, die 1964 aufgenommene Statistik über landwirtschaftliche Kinderarbeit harrt— seit zehn Jahren I— noch immer der Veröffentlichung, um als veraltet und unbrauchbar beiseite gelegt zu werden, wenn sie wirklich noch er- scheint. Das lebendige Interesse, das die Oeffentlichkeit dem Schutz- bedürfms der Jugend und den in dieser Richtung ge- troffenen und zu treffenden Maßnahmen entgegenzubriugen verpflichtet ist, erfordert unbedingt, daß die Reichsstatistik, die über die Zahl der in Uruguay vorhandenen Maul- esel gewissenhaft Buch führt und die das Dutzend der auf Neu- Guinea angepflanzten errragsfähigen Kickxia-Bäume pupillarisch er- mittelt, endlich auch Zeit findet und Anlaß nimmt, dem Schicksal des armen Kindes in der sauren Erwerbsfron seiner Jugend und dem tiefen Elend seines�Daieins mit den Mitteln der Statistik etwas eifriger nachzugehen und nachzuspüren als bisher. vorwärts. Ob cku»ucb ItrauchelCt, nur vorwärts Immer, zaghaftes Zaudern macht es nur schlimmer. Oäh's ttindernilke auch noch so viele, nur Hlutl So kommst du zuletzt zum Ziele. _ Sturm. Katharina Sreckowskp im russischen Kerker. Unter Verletzung von Gesetz und Recht hält die Regierung des Nussenzaren mit unglaublicher Hartnäckigkeit dre siebzigjährige Genossin Katharina Breckowsky in ihren Krallen. Nachdem die tapfere Genossin etwa sieben Monate im Geheimen im Gefängnis zu Jrkutsk festgehalten worden war, wurde ihr daselbst endlich ein administratives Urteil des„Jspravnik"— d. i. der Chef der Distriktspolizei— zugestellt, laut dessen sie ein Jahr in Zellenhaft verbleiben müsse. Am Ende dieses Jahres wird sie wieder nach Kirensk im östlichen Sibirien verbannt werden, von wo es ihr vor sieben Monaten gelang zu entweichen. Damit beginnt eine Periode neuer Oualen für unsere Genossin. Die sonst so eiserne Gesundheit der Siebzigjährigen ist durch die letzte Gefängnishast erschüttert. In einem Brief, der trotz strengster Ueberwachung an ihre Freunde gelangte, schreibt sie: „Ich habe kräftige Lungen; aber die brauchen Luft, und die fehlt mir hier--- Bald mutz der letzte Transport von Deportierten nach dem Norden abgehen. Ich hoffe, daß ich dabei sein werde. Dann kann ich wieder aufatmen." Die Regierung ist wohl unterrichtet von der Lage und dem Gesundheitszustand der Genossin. Aber sie hat eine solche Furcht vor dieser alten Frau, daß sie vor keiner Grausamkeit zurück- schreckt und diese Grausamkeit begeht unter dem offenkundigsten Bruch aller Gesetze und Verordnungen, obgleich sie die Gewißheit hat, daß ihr die Gefangene schon infolge ihres Alters nicht mehr entschlüpfen kann. Die Nachrichten, die über die Umstände, unter denen Katharina Breckowsky im Gefängnis lebt, bekannt wurden, schildern ihre Lage als geradezu herzzerreißend. Niemand darf sie besuchen; Briefe werden ihr nicht ausgehändigt; an jedem Morgen erhält sie den Besuch ihrer Kerkermeister, welche sie der demütigendsten körperlichen Durchsuchung unterwerfen. Sie erhält dabei ein wenig Nahrung und ein wenig Wasser. Die Zellentür wird hierauf nicht nur verschlossen, sondern sogar versiegelt. Ein besonderer Beamter muß im Tage zweimal die Siegel prüfen. Am Abend erhält die Gefangene den zweiten Besuch der Schließer und wird denselben peinlichen Formalitäten unterzogen wie am Vormittag. Die russische Zentralregierung hat sogar daran gedacht, Katharina Breckowsky nach Bigni-Kolhmsk am nördlichen Eismeer zu ver- bannen. Der Ort ist zehntausend Kilometer von Jrkutsk ent- fernt, so daß die Genossin sicher ohne schwersten Schaden für Ge- sundheit und Leben die Reise nicht überstanden hätte. Der Ge- fängnisarzt in Jrkutsk bestätigte auch, �daß Katharina Breckowsky die dreimonatige Transportreise nicht ertragen könne. Die Re- gierung beschloß daher,„Mütterchen", wie sie von allen russischen Genossen und Revolutionären genannt wird, nach Kirensk zu ver- schicken. Katharina Breckowsky setzt all diesen Kannibälitäten der russischen Henkersknechte eine geradezu heroische Ruhe und Ver- achtung entgegen. In einem ihrer Briefe schreibt sie: „Ich bin nicht anspruchsvoll und habe eine Geduld ohne Grenzen. Ich fühle mich noch kräftig, um zu kämpfen, aber, wenn es notwendig ist, zu sterben, so werde ich voll Ruhe meine Augen schließen. Wenn es zu kalt ist in dem Norden, wohin man mich verbannen will, so werde ich vor Kälte sterben. Aber der letzte Schlag meines Herzens gilt Euch, Kameraden, die Ihr in den Kerkern des Gefängnisses von Jrkutsk erstickt, gilt Euch, die ich zwar nicht kenne, deren Leiden ich aber durch die Mauern meiner Zelle hindurch fühle und die mir daS Herz zerreißen." Das sind die Leiden einer siebzigjährigen Frau, die in den Händen der russischen Chergen ist, verurteilt von keinem Gericht, verschickt auf administrativem Wege nach Sibirien, weil sie ein Herz hatte für das' Volk, es aufklärte, organisierte und zum Kampf mahnte für Recht und Freiheit. Und kein Kulturstaat der Welt sindet sich, der für eine gepeinigte siebzigjährige Frau die Stimme erhebt l Im Gegenteil, jetzt wieder rüstet sich sogar der Präsident einer Republik zu einer Reise nach Rußland, nicht um von der russischen Negierung Recht und Menschlichkeit zu heischen, sondern um dem obersten der Schergen— dem Zaren— die bluttriefenden Hände zu küssen. Das zeigt den sittlichen Tiefstand der regierenden Kreise aller Länder, daß sie eine Regierung, wie die russische sie ist, die sich von den Verbrechen hält, die sie an den Besten des russischen Volkes ununterbrochen verübt, daß sie eine solche Re- gierung, die nur die Verachtung aller sittlichen Elemente verdient, stützen und fördern, freundschaftlich mit ihr verkehren, sich mit ihr verbinden und ihr in all ihren Verbrechen Vorschub leisten. ßrauenbewegung irnü Kriminalität. Vor kurzem glaubte Regierungsrat Dr. Lindenau in der „Deutschen Strafoechts-Zeitung" darauf hinweisen zu sollen, daß infolge der erweiterten beruflichen Tätigkeit der Frauen, durch die sie den festen Halt au der Familie und am Heim verlören, auch eine stärkere Teilnahme des weiblichen Geschlechts an den Vergehen und Verbrechen zu befürchten sei. Er gab dabei zu verstehen, daß die moderne Frauenbewegung als indirekte Förderin der weiblichen Kriminalität angesprochen werden müsse. Nun stellt in einem neueren Heft der gleichen Zeitschrist Land- gerichtsdirektor a. D. Geh. Juftizrat Dr. Aschrott- Berlin fest, daß von einer Zunahme der weiblichen Kriminalität, so begreiflich sie sein würde, nicht die Rede sein kann. Es hat vielmehr, wenn auch nur eine geringfligige Abnahme stattgefunden. Auf 166 666 Personen der weiblichen strafliiündigen Bebölke- rung wurden im Jahre 1882, deni Ausgangsjahre der deutschen Kriminalstatifttk, wegen Verbrechen und Vergehen gegen Reichs- gesetze verurteilt:.379, im Jahre 1911 dagegen nur 374. Wenn die Abnahme(1,3 Proz.) auch keine erhebliche ist, so erscheint sie doch in schärferem Licht«, wenn man die starke Zunahme der Kriminalität de? männlichen Geschlechts dagegen hält: auf 166 666 Personen der männlichen strasmündigen Zivilbevölkerung entfielen im Jahre 1882: 1667 Verurteilte, im Jahre 1911 da- gegen 2649. Die Kriminalitätszifler hat also beim männlichen Geschlecht um 22,9 Proz. zugenominen, während sie gleichzeitig beim weiblichen etwas zurückgegangen ist. DaS Verhältnis der Weib- lichen Verurteilten zu den männlichen hat sich so zugunsten des weiblichen Geschlechts erheblich verschoben, aus 166 männlich« Ver- urteilte kamen im Jahre 1882: 24,7, im Jahre 1911 nur 19,5 weih- liche Verurteilte. Dabei sind, wie ausdrücklich bemerkt sei, � die wegen Verletzung der Wehrpflicht Verurteilten nicht mitgezählt. Am meisten beteiligt ist das weibliche Geschlecht an den Ver- urteilungen wegen Kuppelei, Meineids, Hehlerei und Beleidigung, alles Straftaten, die mit dem Eintritt der Frauen in das öfsent- liche Leben oder in die berufliche Tätigkeit kaum in Verbindung gebracht tverden können. Ist aber die Behauptung einer ver- mehrten Kriminalität der Frauen nicht auftechtzuerhalten, so fällt die Schlußfolgerung, daß die Frauenbewegung diese Zunahme der werblichen Verbrechen und Vergehen indirekt fördere, vollständig in sich zusammen. Cine Nieöerlage öer ßrauengegner. Der höchste Gerichtshof von Illinois hat entschieden, daß das hn Jahre 1913 angenommene Frauenstimmrechtsgesetz der Ver- fassung nicht widerspricht. Den Frauen von Illinois war das Recht gegeben worden, an den Präsidentenwahlen und an den Kommunalwahlen teilzunehmen, sowie in allen Fragen, die der Volksabstimmung unterbreitet werden, mitzuentscheiden. Die Ver- leihung dieser wichtigen Rechte an die Frauen hatte unter den Gegnern de§ Frauenwahlrechts große Entrüstung beworgerufen, und sie bemühten sich, den Beschluß für verfassungswidrig erklären zu lassen. Aber ihre ganze Arbeit— und sie haben das menschen- mögliche geleistet— ist umsonst gewesen. Der höchste Gerichtshof hat sein Urteil gefällt, und die Frauen können sich ihres Sieges freuen. Die republikanischen Richter, die die Mehrheit hatten, stimmten für Gültigkeit des Beschlusses, die demofratischen dagegen. Die Entscheidung des höchsten Gerichtshofes hat zur Folge, daß die Wahlen von Stadtverordneten, bei denen die Frauenstimmen den Ausschlag gegeben hatten und deren Wahl infolgedessen be- anstandet worden waren, nun für gültig erklärt werden müssen. Aus Missouri kommt die Meldung, daß die Frauen dort die 23 666 Unterschriften, die nötig sind, um die Vornahme einer Volksabstimmung herbeizuführen, zusammengebracht haben. Nun- mehr gehört also auch Missouri zu den Staaten, in denen noch in diesem Herbst die Frauenwahlrechtsfrage den Wählern unterbreitet wird. Die Sammlung der großen Zahl von Unterschriften war sehr schwierig, da in manchen Distrikten fast gar keine Eisenbahn- linien sind, so daß die Frauen per Wagen und Automobil ihre Reisen zurücklegen mußten. | 21. Jahresversammlung des Haupt- berlangen. Der Leipziger Verband tut aber alles, um die Ver- sei als die vieler anderer Orte. Wenn die Breslauer das wüßten, verbandes Deutscher Ortskrankenkassen. Darmstadt, 15. Juli 1914. ( Telegraphischer Bericht.) In der heutigen Schlußsizung wurde zunächst die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen. Die vom Vorstande befürwortete Wahl von Simanowski- Berlin als Vertreter des Verbandes Brandenburg wurde mit überwiegender Mehrheit abgelehnt und an dessen Stelle der von bayerischer Seite empfohlene Vertueter für den elsaß- lothringischen Verband Leichering- Straßburg gewählt. Als Ort für den nächsten Verbandstag sind in Aussicht ge= nommen: Kassel, Düsseldorf, Gotha, Hannover. Hierauf wurde in die gestern bertagte Besprechung über das Berliner Aerzteabkommen eingetreten. Hoch Karlsruhe nimmt als Vertreter der süddeutschen Opposition das Wort: In ganz Deutschland würde es Verwunderung erregen, wenn nach den gestrigen Ausführungen des Referenten und Fräßdorfs nicht auch Vertreter Süddeutschlands, insbesondere Badens, über die dort bestehenden Verträge zu Worte tämen. Der Referent hat gestern gesagt, daß die Vermeidung des großen Kampfes eine soziale Tat war. Dann muß man aber fragen, ob es nicht auch eine soziale Tat mar, was die Vertreter der süddeutschen Krankenkassen und auch die Aerzte leitete: daß, ehe es noch zum Sturm fam, fie in Verhandlungen eintraten. In Süddeutschland sind die Verhältnisse doch ganz andere. Wir haben den Weg, den der Vorstand während der heißen Kampfmonate November und Dezember täglich in Zirkularen vorschrieb, betreten und sind mit den Aerztevereinigungen in Verhandlungen eingetreten. Wir waren daher enttäuscht, als der Vorstand uns im Unflaren über seine Verhandlungen ließ und, nachdem die Einigung in Baden erzielt war, hinter dem Rüden der badischen Vorstandsmitglieder die Vereinigungen aufforderte, unserem sogenannten Mantelabkommen nicht Folge zu leisten. Wir verlangen, daß auch die Interessen der Süddeutschen berücksichtigt werden. Wenn man glaubt, daß wir Süddeutschen eine Dummheit begangen haben, so nehmen wir doch nicht die Allgemeinheit dafür in Anspruch, sondern wir bezahlen unsere Dummheit selber. Man darf von uns aber auch nicht verlangen, daß wir die Dummheit anderer bezahlen sollen. Wir müssen berücksichtigen, daß uns die Aerzte in Süddeutschland Entgegenkommen zeigten und wünschen daher, daß in der Resolution verlangt wird, daß die Sonderabkommen, die die Süddeutschen mit den Aerzten getroffen haben, aufgegeben werden und daß auch für diese das Berliner Abkommen maßgebend ist. Ohne diesen Zusatz werden wir nicht unsere Organisation stärken, sondern wir werden rückwärts kommen. Wir sind in Baden mit dem Mantelvertrag ganz gut ausgekommen.( Beifall und Unruhe.) Stellvertretnder Vorsitzender Buchdruckereibesizer Scholem macht darauf aufmerksam, daß diese Aenderung in der Resolution bereits gestern durch einen Antrag berücksichtigt worden sei. Der lette Satz der Resolution lautet jett: Das soll auch geschehen in den süddeutschen Staaten, in welchen besondere Abkommen bestehen, wenn die dort tätigen afsenärzte sich gleichfalls auf den Boden des Abkommens stellen und sich an der Aufbringung der Mittel, wie im Berliner Abkommen vorgesehen, beteiligen." Ohfick- Lehe: Trotz des Berliner Abkommens besteht bei uns ein Aerztestreif seit April, und wir arbeiten mit dem§ 370( Bargeld statt ärztlicher Behandlung). Trotz des Berliner Abkommens ist der§ 370, wenn man ihn geschickt anzuwenden versteht, eine furcht bare Waffe gegenüber den Aerzten. Wir haben bei der Bezahlung der Ginzelleistungen noch mit einem Plus abgeschnitten. Jäger- Düsseldorf bespricht die Abfindung der Nothelfer. Es ist gesagt worden, die Nothelfer dürften keine überspannten Forderungen stellen, aber der Leipziger Verband darf ihnen doch auch nicht ein Trinkgeld anbieten.( Sehr wahr!) Der Vorstand, insbesondere Herr Fräßdorf, hat sich in dieser Beziehung dem Leipziger Verband merkwürdig genähert.( Burufe vom Vorstandstisch: Das ist kein Fehler!) Wir dürfen den Herren, die uns geholfen haben, doch Treu und Glauben nicht außer acht lassen. Die Herren haben 10jährige Verträge zu je 10 000 m., das macht nach Adam Rieje 100 000 M. Da fönnen sie doch eine angemessene Abfindung Verkäufe. Borjährige elegantegerrenanzüge und Baletots aus jeinsten Magitoffen 25-60 Mart, Hoien 6-18 Mart. Beriandbaus Germania, Unter den Linden 21. # Teppiche!( fehlerhafte) in allen Größen, fast für die Hälfte des Bertes. 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Wir haben aus der Unterstüßung dieser Heren Nußen gezogen und dürfen sie doch jetzt nicht beschimpfen. Wir haben eine andere Auffassung von der Tätigkeit dieser Herren. Dann fönnte man auch Herrn August Thyssen als Streikbrecher bezeichnen, wenn er dem Kohlensyndikat nicht beitritt. Nach den Erfahrungen, die wir an verschiedenen Orten gemacht haben, tönnen wir sagen, daß in dem Leipziger Verband vielleicht ebenso viel Kchricht ist wie bei den Nothelfern.( Unruhe und Unterbrechungen.) Sogenannte Nothelfer, die später mit dem Leipziger Verband ihren Frieden gemacht haben, hat er als moralisch durchaus honorig und in wiffenschaftlicher Beziehung als vollkommen einwandfrei bezeichnet, während er sie vorher als Abschaum der Menschheit hingestellt hatte. ( Sehr wahr! und Zurufe.) Der Vorsitzende Scholem- Berlin erhebt entschieden Protest dagegen, daß hier gesagt wurde, in dem Leipziger Verband sei Kehricht vorhanden.( Sehr richtig! und lärmende Unterbrechungen.) Es geht nicht an, daß wir uns in Formen bewegen, die unserer nicht würdig sind.( Buruf: Lassen Sie das doch den Leipziger Berband selbst besorgen!) Scholich- Breslau: Jch protestiere, daß der Vorstand so ängstlich über jeden Ausdruck wacht und verhindert, daß auch einmal ein unparlamentarisches Wort der Gegenseite gegenüber angewendet wird. Wir müssen uns doch erinnern, was uns von den Aerzten im Kampf gegen uns alle vorgeworfen worden ist.( Sehr richtig!) Da darf man sich nicht wundern, daß auch hier einmal ein scharfes Wort fällt. Uns Breslauer hat man als unverständig, dickköpfig und starrsinnig bezeichnet. Sollen wir uns da nicht auch einmal eine Gegenäußerung erlauben?( Burufe.) Wir müssen uns leb= haft beklagen über die ungenügende Unterstützung von seiten des Vorstandes. Fräßdorf hatte in dem Kampfe die Uebersicht verloren. Wir in Breslau können uns auch nicht damit einverstanden erklären, daß die Nothelfer jetzt mit einem Trinkgeld den Stuhl vor die Tür gesezt bekommen. Die Herren, die wir früher gebraucht haben, müssen wir doch anständig behandeln.( Sehr wahr!) Wer die Taktik des Leipziger Verbandes fennt, wird sich hüten, Kollek= tivverträge abzuschließen, zu denen uns gestern Pollender aus Leipzig überreden wollte. Damit würden die Krankenkassen auf Gnade und Ungnade dem Leipziger Verband ausgeliefert werden. Von unseren teueren Freunden sind wir in dem Kampfe im Stich gelassen worden. Es wird gar nicht lange dauern, dann haben wir den Krieg wieder. Den versteckten Angriffen des Leipziger Verbandes gegenüber müssen wir stets vorbereitet sein. Eine verständige Kassensführung wird nicht auf den zehnjährigen Friedensvertrag bauen. Vorsitzender Fräßdorf- Dresden: Das Berliner Abkommen ist da, und wir werden es nicht los. Es ist auch gut, daß wir es haben.( Zustimmung.) Die Schwierigkeiten wären ohne das Abfommen an vielen Orten noch viel größer. Gewiß wollen wir auch den§ 370, wenn es nottut, anwenden. Den Freunden in Lehe müssen wir raten, alles aftenmäßig festzulegen, damit wir daraus gegebenenfalls lernen fönnen. Es ist hier gefordert worden, die Nothelfer möglichst hoch abzufinden und dafür zu sorgen, daß der Leipziger Verband ihre Forderungen nicht allzusehr herunterdrücke. Bei dieser Art der Vertretung der Kasseninteressen ist es mir falt über den Rücken gelaufen.( Sehr wahr!) Wir wollen auch eine relativ anständige Abfindung, aber die Forderungen, die die Aerzte in Breslau, Düsseldorf und an anderen Orten erheben, müssen wir glatt ablehnen. Wir sind doch die, die das Geld aufzubringen haben. Wenn 120 000 und 150 000 m. berlangt werden, dann müffen wir doch auch an die Kasseninteressen denken. Dort, wo die Herren unbillige Forderungen stellen, werden wir nachprüfen müssen, ob überhaupt etwas von uns zu bezahlen ist; wir dürfen dem Leipziger Verbande daher nicht in den Arm fallen, wenn er durch seine Juristen nachprüfen läßt, wieweit die Verträge überhaupt zu Recht bestehen. Wir dürfen doch aber, nachdem das Abfommen einmal geschlossen ist, nicht denselben Fehler machen, der früher von anderer Seite gemacht worden ist. Der Redner wendet sich dann gegen die von ihm von Hoch- Karlsruhe gemachten Vorwürfe. Breslau habe eine Vereinbarung getroffen, die günstiger Moebel Boebel, Morizola 58, Fabrikgebäude, liefert als Spezialität: Ein- und Zweizimmer- Einrichtungen. Größte Auswahl in 9 Etagen. Billigste Breije. Komplett eingerichtete MusterUmbauplüschsofas 50,-, 65,-, Chaiselongues 18,-22,- englische Bettstellen 25,- Tapezierer Walter, Stargarderstraße 18. 2744* dann würden sie vielleicht auch anders reden. Der Redner schließt: Machen Sie uns keine Schwierigkeiten, wir werden durch das Abkommen zum Frieden kommen.( Lebhafter Beifall.) Das Berliner Abkommen wird sodann gegen 2 Stimmen angenommen einschließlich des Zujazantrages. Der badische Gegent antrag ist damit erledigt. Er Darauf berichtet Fräßdorf- Dresden über das Abkommen mit den Berufsgenossenschaften nach§§ 1513, 1501, 1503 der Reichsversicherungsordnung. empfiehlt eine Umfrage bei den Krankenkassen, ob diese mit dem Abkommen zufrieden seien. Auf Grund des Ergebnisses dieser Umfrage werde der Vorstand sich schlüssig werden, ob dieses Abkommen eventuell zu fündigen sei. Sigmund- Karlsruhe sprach über die Gewährung von Krankengeld für Sonn- und Feiertage ohne Erhebung von Beiträgen für dieselben und legte der Versammlung folgende Leitsäße vor: „ Nach§ 191 der Reichsversicherungsordnung kann das Krankengeld allgemein für Sonn- und Feiertage bewilligt werden. Billigt die Sazung dies nicht allgemein zu, so kann sie die Beiträge gemäß§ 384 Abs. 3 der Reichsversicherungsordnung für solche Mitglieder entsprechend erhöhen, für welche die Sonnund Feiertage Arbeitstage sind. Aus diesen beiden Bestimmungen hat der Beschlußsenat des Reichsversicherungsamtes ( Abteilung für Kranken- usw. Versicherung) in einer als grundsäblich" bezeichneten Entscheidung vom 30. Oftober 1913 gefolgert: 1. Beiträge sollen nur für 6 Tage erhoben werden und 2. Beiträge sollen nur für Arbeitstage, aljo je nach der Art des Beschäftigungsverhältnisses für weniger als 300 oder 360 Tage, zur Erhebung gelangen. Diese beiden Folgerungen lassen sich keinesfalls aus den gesetzlichen Vorschriften rechtfertigen, denn mangels einer gesetzlichen Einschränkung bei der Reform der Arbeiterversicherung muß den Kassen das seitherige Recht verbleiben: a) sowohl bei allgemeiner Krankengeldzahlung für Sonn- und Feiertage die Beiträge für 7 Tage zu erheben, wie auch in den Fällen, wo für diese Tage nur sonstige Leistungen, wie Arzt, Apotheke, eventuell Krankenhauspflege usw., in Betracht kommen. b) Die Beiträge während der Mitgliedschaft, bzw. folange eine Beitragspflicht überhaupt besteht, fortlaufend nach Maßgabe der statutarischen Bestimmungen zu erheben und nicht nur an bestimmten, im einzelnen Falle zu ermittelnden Tagen, da im Falle einer Unterstützungspflicht auch für jeden Tag die jazzungsgemäßen Leistungen fällig sind. Es ist daher eine Aufhebung der angeführten Entscheidung anzustreben und die geschäftsführende Kasse mit dieser Aufgabe zu betrauen." Die Versammlung erklärte fich mit den Darlegungen des Referenten einverstanden. auf gegenseitige Krankenhilfe und Kontrolle bei Ueberweisung erFräßdorf erklärte es für eine Aufgabe der Verbandstaffen, frankter Mitglieder hinzuwirken. Dabei sollen die Kaffen nur die Selbstkosten einander berechnen dürfen. Auch hiermit erklärte sich die Versammlung nach längerer Debatte einverstanden. Albert Kohn- Berlin empfahl gemeinsame Abschlüsse mit& ur bädern zur Unterbringung von Kassenmitgliedern. Thier- Halle erörterte die Weiterversicherung in niederen Klaffen- oder Lohnstufen und führte hierzu etwa aus: Nach§ 313 der Reichsversicherungsordnung kann ein Mitglied in eine niedere Lohnstufe oder-klasse übertreten. Es wird hier vorgeschrieben, daß die Versicherten, die aus versicherungspflichtigen Beschäftigungen ausscheiden und das Verhältnis freiwillig fortsehen, das Recht haben, sich in der niedrigsten Klasse oder Lohnstufe zu versichern. Bei massenhafter Anwendung dieser Vorschriften wird diese Be ftimmung zu einer wirtschaftlichen Verlegenheit für die Kasse, insofern, als Versicherte, die zu feiner versicherungspflichtigen Beschäftigung zurückkehren, bis an ihr Lebensende Beiträge in der niedrigsten Lohnstufe zahlen würden. Das ist jedenfalls der Wille des Gesetzgebers nicht gewesen, daß ohne Zeitbeschränkung die freiwilligen Mitglieder durch die Versicherung in der niedrigsten Klasse, deren Beiträge die Kosten nicht decken, sich weiter versichern können. Wenn diese Auslegung richtig ist, wird daher im Wege einer Abänderung des Gesetzes dafür zu sorgen sein, daß dieser Uebertritt in die niedere oder niedrigste Lohnklasse beschränkt wird. Es wäre daher zu beantragen, daß der letzte Satz des ersten Absatzes des § 313 folgende Faffung erhält:„ Es kann bis zur Dauer von sechs Monaten in eine niedere Lohnstufe oder-klasse übertreten. Nach Erledigung von praktischen Verwaltungsfragen erreichte die Tagung ihr Ende. 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Parteiangelegenheiten. Jugtadsektion deS 1. und S. KreiseS. Der anhaltenden Hitze wegen fällt die zum Sonntag, den lg, er,, angesetzte Wandertour aus. Dafür findet eine Badepartie nach dem S a k r o w s e e statt. Der Treffpunkt ist Sonntag früh Uhr an der»Berolina', Alexanderplatz. Abfahrt 7.01 Uhr. Vierter Wahlkreis. Heute Donnerstag, den 10. Juli, abends 8>/z Uhr, finden zwei Versammlungen der jungen Mitglieder des Wahlvereins im Alter von 18—21 Jahren statt. Für den Stadtteil Süd-Ost im Reichenberger Hof, Reichenberger Strafie 147. Vortrag des Genossen B. L i e s k e über.Die Er- ziehung zur Wehrlosigkeit". 2. Diskussion. 3. Ver- schiedenes. Für den Stadtteil Osten im Lokal von Sigel, Gr. Frankfurter Strage 30. Diskussion über die beiden Vorlräge: Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes._ Achtung! Westliche Vororte! Am Freitag, den 17. Juli, abends S'/a Uhr, findet im »Birkenwaldchen" in Steglitz-Lichterfelde. Schützenstraße, eine öffentliche Versammlung statt, w der die Genossen Reichstagsabgeordneter Dr. Paul L e n sch und der Verteidiger im Luxemburg-Prozeß Dr. Paul Levi ans Frankfurt a. M. über Militarismus und Soldatenmisthandlungen sprechen werden. Die Wichtigkeit des Thema? verlangt, daß alle Arbeiter und Arbeiterinnen der umliegenden Orte sich an dieser Ver- sammlung beteiligen. Es gilt zu protestieren gegen die Ab- ficht des Kriegsministers, die im Soldatcnmißhandlungs- Prozeß genannten Zeugen vor die Kriegsgerichte zu stellen und durch die LkriegSgerichtsurteile dem Zivilgerichtsprozcß vor- zugreifen._ Die Jugeadsektioo hält beute im VolkShause, Rosinenstr. 3, einen Diskussionsabend ab. Thema: Massenstreik. Alle jungen über 18 Jahre alten Partei- und Gewerkschaftsmitglieder sind willkommen.— Am Sonntag, den 19. Juli: AuSflug nach Baumwerder. Treffpunkt 6 Uhr morgens: Wilhelmsplatz. Wilmersdorf. Donnerstag, den 16. Juli, abends s'/. Uhr pünktlich, im Viktoria-Garten, Wilhelmöaue 114,115: Auherordent- liche Mitgliederversammlung deS Wahlvereins. Tagesordnung: Der Parteitag in Würzbung und die jüngsten politischen Ereignisse. Referent: ReichStagSabg. Genosse D. Stücklen. 2. Anträge zum Parteitag. 3. Ersatzwahlen<2. Borsitzender und 1. Schriftführer). 4. Parteiangelegenheiten(Wahl der Delegierten, Resultat der Ur- ab> immung usw.). Schenkendorf bei Königswusterhausen. Sonnabend, den 13. Juli. abent Z SV, Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Lokal von O. Päisck. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht'jedes Genossen zu erscheinen. öerliner Nachrichten. Die tzitze. Von Tag zu Tag machen sich die Einwirkungen der an- haltenden Hitzeperiode immer drückender fühlbar. Alles stöhnt unter der ungemein hohen Temperatur, und der allgemeine Wunsch aus eine endliche durchgreifende Abkühlung dürfte, Ivcnn man die Voraussagen der Wetterkundigcn heranzieht, vorläufig keine Erfüllung finden. Wenn der Montag mit seinen 33 Grad im Schatten als der heißeste in diesem Jahre bezeichnet wurde, so darf man sagen, daß der gestrige Tag den„Rekord" noch gebrochen hat. Schon in der zwölften Stunde registrierte die Quecksilbersäule fast 32 Grad, und bis zun: Nachmittag stieg sie sogar bis auf 34,5. Das ist die höchste Temperatur, die mir seit vielen Jahren zu verzeichnen hatren. Die nachteiligen Folgen der enormen Wärme machen sich ans den verschiedensten Gebieten in der fühlbarsten Weise be- merkbar. Auf den hiesigen Hilfswachen und auch in den Krankenhäusern sind in den letzten acht Tagen eine unge- wohnlich große Anzahl von an Sonnen st ich und Hitzschlag erkrankten Personen behandelt worden. Teilweise waren die Fälle recht schwerer Natur. Auch die Zugtiere haben unter der Einwirkung der glühenden Sonnen- strahlen ungemein zu leiden. Groß ist die Zahl der Pferde, die auf der Straße vom Sonnenstich befallen wurden und die der Abdeckerei überwiesen werden mußten. Von den Fuhr- wcrksbesitzern und den Ommnibusgesellschaften sind besondere Vorkehrungen getroffen worden, um weiteren Erkrankungen nach Möglichkeit vorzubeugen. Wohl in keinem Sommer hat das Baden so viel Opfer an Menschenleben gefordert wie gerade im jetzigen. Infolge der hohen Temperatur ist der Drang und der Wunsch des Menschen, kühlende Bäder zu nehme», weit stärker als sonst, und die Unvorsichtigkeit so vieler Nichtschwimmer, an verbotener Stelle ins Wasser zu gehen, hat schon viele Opfer gefordert. Seit vergangenen Sonntag sind nicht weniger als siebzehn Personen in den Gewässern der Umgebung Berlins ertrunken. Und wenn man annimmt, daß in diesem Sommer annähernd hundert Personen beim Baden in den Gewässern der Nachbarschaft Berlins den Tod in den Fluten gefunden haben, so dürfte man die richtige Zahl getroffen haben. Der Andrang zu den Fa- Milien- und Freibädern ist noch niemals ein so enormer gewesen wie in diesem Sommer. Wenn auch infolge der Schulferien Tausende und Abertausende von Berlin fort- gereist sind, so herrscht in den Bädern am Wannsee, Grünau und am Müggelsee doch ein so ungeheurer Andrang, wie dies seit Bestehen der Einrichtung bisher nicht der Fall war. Ebenso stark ist der Andrang zu den Sonnen- und Luftbädern. Als eine unangenehme Begleiterscheinung macht sich die Hitze- Periode in den Wäldern bemerkbar. Die Hölzer sind bis anfs äußerste ansgetrocknet und reagieren in gefährlicher Weise auf die Einwirkung der Sonnenstrahlen. Es entstehen Selbstentzündungen, und so kommen auf diese Weise vielfach Waldbrände zum Entfachen. Auch durch Funkenauswurf aus den Lokomotiven werden in den letzten Tagen sogen.„Präricbrände" hervorgerufen. Man kann jetzt vielfach ausgedehnte schwarze Wiesenflächen, auf denen Feuer wütete, beobachten.. Auf den Asphalt in den Straßen hat die Hitze bereits derart nachteilig eingewirkt, daß ganze Stellen weich wurden und einfielen. Der Eisverbrauch ist in den Markthallen, in den Geschäften und im Haushalt jetzt ein so enormer, daß die Eisfabriken nur schwer imstande sind, alle Nachfragen zu er- füllen. Ein anderer Umstand ist ebenfalls teilweise auf die Einwirkung der hohen Temperatur zurückzuführen, es ist dies das große Fisch st erben in der Spree und Havel, sowie in den Seen. An den Ufern sind die Ge- wässer förmlich lauwarm, und dies ist ein ungemein nachteiliger Zustand für die Bewohner des Wassers. Mit dem Sprengen der Straßen scheint die Stadt Berlin etwas zu kargen. Man sieht nicht allzu viel Sprengwagen in Tätigkeit. Vielleicht ist dies auf den bereits e i n g e- tretenen Wassermangel zurückzuführen. Von vielen Hausbesitzern werden schon jetzt Vorbcugungsmaßregeln in der Weise getroffen, indem die Wasserleitungen zeitweise. besonders des Nachts, gänzlich gesperrt werden. Die neueste Erscheinung in den Straßen Berlins sind seit kurzem Passanten, die alles„Konventionelle" über Bord werfen und in Hemdsärmeln gehen; daneben wandern einträchtiglich Hut- lose Damen. Aber alles seufzt: Ist das heiß l Ein Polizist als Hausverwalter. Mancher Hausbesitzer überträgt auf seinem Grundstück den Verwalterposten gern einem Polizeibeamten. Aus dem Wirken solcher Hausverwalter ist im„Vorwärts" schon allerlei Sonderbares mitgeteilt worden. Auch das folgende Vorkommnis gehört in dieses Kapitel. In dem Doppelhaus P a Ii s ad e n st r. 59 und Frieden» st r a ß e 61 regiert als Verwalter ein Kriminalpolizist Paul Ludwig. Die Besorgung der Hauswartgeschäfte hatte er vom 1. Mai ab einer Frau übertragen, die für regelmäßige Reinigung von vier Treppenaufgängen samt den übrigen zu ihrem Amt gehörenden Obliegenheiten monatlich 40 M. erhallen sollte. 25 M. sollten auf die Wohnung angerechnet werden, 15 M. hatte die Hausbesorgerin demnach in bar zu fordern. Außerdem wurde ihr für Beseitigung des vielen Schmutzes, den sie im Hause vorfand, eine besondere Vergütung zugesagt. Diese Extraarbeit, die Wegschaffung von Materschmutz, auch von Hausen Stroh, die auf dem Boden lagerten, machte ihr gerade im Anfang viele Mühe. Da auch die ihr über- wiesene Wohnung ihr nicht behagte, so erklärte fie schon im ersten Monat, sie wünsche eine andere Wohnung. Sie wolle sonst, fügte sie hinzu, nur bis 1. Oktober bleiben und sich nach einer anderen Stellung umtun. Wenn es, antwortete der Verwalter Ludwig, ihr hier nicht passe, so könne sie machen, daß sie gleich rauskomme. Das ivollte sie nicht, und sie berief sich darauf, daß ihr zeittgstens zum 1. Juli geliindigt werden könnte. Der Zwist schien beigelegt� al« aber die Frau am 1. Juni daS ihr zukommende Geld forderte' entstanden Meinungsverschiedenheiten über die Bezahlung der von ihr geleisteten Exrraarbeit. In der Mitragstunde erschien dann plötzlich der Verwalter vor ihrer Wohnung und forderte ihr die Swtüsiel und Gerät« ab. Sie bestritt ihm daS Recht hierzu, verweigerte dle Heransgabe und ließ ihn auch nicht in ihre Wohnung ein, trotz seinem stürmiftb geäußerten Verlangen. Ein Klempner, den er herbeiholen ließ, öffnete ihm das Schloß der äußeren Tür. Die innere Tür, die durch einen Riegel verwahrt war, gab dem An« stürm des Verwalters nach, wobei eine Füllung in Trümmer ging. Der Verwalter gelangle so in die Wohnung hinein, machte der Frau einen heftigen Auftritt und bemächtigte sich der Schlüsiel. Hiernach durfte die Frau ihre Tätig lest in diesem Hause alS beendet ansehen und fie ging sofoit, eine andere Wohnung zu suchen. Nock einmal forderte sie, ehe sie das Haus verließ, von dem Ver« waller ihr Geld. Er kündigte an, daß er ihr allerlei Abzüge machen werde. Als sie in einem Briefe an die Besißer deS HauseS. die Holz- Handlungsfirma David Francke Söhne, ihre Forde- rung wiederholte, kam als Antwort ein Schreiben des Verwalters Paul Ludwig. Er berechnete für Hausreinigung usw. 40 M., außer- dem als Exlravergütung 8 M., zusammen 43 M. Gleichzeitig über- sandle er aber.eine Gegenrechnung der Firma Francke Söhne", wie er sich in seinem Briefe auSdrückre. Abziehen wollte er: 25 M. für die Wohnung, 5 M. sür erhaltenen Vorschuß, 80 Pf. für Krankenversicherung, 32 Pf. für Invalidenversicherung. 65 Pf. für zwei Lappen sdie Treppe zu ölen), ferner Entschädigung für Gegen- stände, die verloren gegangen sein sollten, nämlich 60 Pf. für drei Gasschlüssel. 50 Pf. für einen Klosettschlüssel, 75 Pf. für einen Hausschlüffel, 2 M. für einen großen Schneebesen. 4,20 M. für Türen der Kochmaschine, sodann 1,50 M. für Fortschaffung von zwei durch die Frau zurückgelassenen Strohsäcken, weiter 1 M. sür den Klempner, durch den der Verwalter das Schloß hatte öffnen lassen. 3 M. für Erneuerung der unter seinem Ansturm in Trümmer gegangenen Türfüllung ftvir möchten diese Forderung für unglaublich halten, aber auch sie steht in der un« vorgelegten Ausstellung) und schließlich 25 Pf. für die durch Rohrpostbrief erfolgte Aufforderung zum Abbolen des Geldes und zum Wiederbringen derKochmaschinentüren und deS Schneebesens. Im ganzen sollten abgezogen werden 45,57 Pf., so daß von 48 M. noch 2,43 M. geblieben wären. Ein starkes Stück, nicht wabr? Selbstverständlich ließ die Frau sich das nicht gefallen und sie klagte gegen David Francke Söhne, indem sie jetzt eine Forderung von 73.26 M. aufstellte. Vor Gericht war ihr Gegner der Ber- Walter Ludwig, der die Firma in dieser Sache vertrat. Der Richter riet zu einem Vergleich, mtd die Frau ging darauf ein, sich mit 16,88 M. zu begnügen. Wissen möchten wir, welch« Rolle in dem Streit die Firma David Francke Söhne gespielt hat. Weiß sie, wie ihr Verwaller mit der Frau Versahren ist? Wie denll sie darüber, daß sogar die Bezahlung deS Klempner» und die Kosten der Türfüllung auf das Portemonnaie der armen Frau gewälzt werden sollten? Auch die Forderung für die Wegschaffung von zwei Strohsäcken niinmt sich wunderlich aus. Billiger als für 1,60 M. war das nicht zu machen?__ Zum Zcltvcrbot in Wannsee erhalten wir folgende Zuschrift: „Am vorletzten Sonntage schon prangte am Eingange zum Freibad Wannsee ein Schild ungefähr folgenden Inhalts:„DaS Aufstellen von Privatzelten jeglicher Art im Freibad ist verboten. Zuwiderhandlungen usw. Der Amtsvorsteher." Durch dieses Verbot ist vielen Leuten, in der überwiegenden Mehrzahl Familien, die sich mit vieler Mühe und teils größeren Geldkostcn ein Zelt zusammengebaut haben, um sich den Aufenthalt im Freibad etwas angenehmer zu gestalten, die Gelegenheit genommen, dort ihre Er. holung zu suchen. Die zurzeit bestehenden Garderobenzelte reichen nicht aus, um auch nur die Hälfte der Kleider der dort an einem gut besuchten Sonntage sich befindlichen Badegäste unterzubringen. Gerade aus diesem Grunde haben eS viele der sogenannten Stammgäste vorgezogen, sich ein Zelt zu bauen, um dort ihre Garderobe und ihre Bittualien unterbringen zu können. Womit will der Amtsvorstand dieses Verbot begründen? Ein Gerücht besagt, daß die dort ständig postierten Gendarmen(meistens sind es 3) sich beschwert hätten, sie könnten von ihrer sogenannten Wachtstube aus, welche sich am Eingang zum Freibad befindet, die Zelte nicht übersehen. Das glauben wir schon, denn trotzdem die Herren mit Krimstechern bewaffnet sind, sollte es ihnen wohl Schwierigkeiten bereiten, daS ganze Freibad zu übersehen. Aber könnte da nicht einer von den Beamten seinen Wachposten nach unten verlegen? Uns Zeltbesitzern, wenn ich mich so ausdrücken darf, wäre eS nur angenehm; schon deswegen, damit die Herren mal Gelegenheit haben, sich von dem Leben und Treiben in der kleinen Zeltstadt, die sich in den letzten Sonntagen dort gebildet hat, zu überzeugen. Sie müssen dann bei objektiver Beobachtung jedenfalls zu der Ansicht gelangen, daß eine polizeiliche Ueber- wachung höchst überflüssig ist. Denn das Publikum übt dort ge- wissermaßen selbst Polizei, indem eS etwaige Außenseiter, die ver- gcsscn sollten, daß sie sich in einem Familienbade befinden, schon auf den richtigen Weg weisen würde. Erfreulicherweise ist dieser Fall noch nicht eingetreten. Sollte etwa als zweiter Grund angeführt werden, daß die Zelte zuviel Platz wegnehmen, so möchte ich daS Gegenteil behaupten, denn dadurch, daß die Garderobe in den Zelten geordnet an Nägeln hängt und der Proviant in denselben verstaut wird, wird jedenfalls weniger Platz gebraucht, als wenn die Sachen in den Sand gelegt werden und die Badegäste sich um dieselben herum» gruppieren. Bedauerlicherweise kommt diese? Verbot gerade jetzt z« An- fang der Schulferien, in denen wohl manche Familie, die nicht daS Geld zum Reisen hat, gehofft hat, dort Erholung zu finden. Jedenfalls sollte der Herr Amtsvorsteher sich doch einmal selbst von dem Leben in und um den Zelten überzeugen, eh« er ein solche» Verbot erläßt, durch welches viele Hunderte in ihrer im heutigen Erwerbsleben gewiß sehr notwendigen Erholung geschmälert werden." Die Folge dieses Verbote? dürfte sein, daß sich das Publikum andere Stellen aussuchen muß, wo es sich fieier bewegen kann. Notwendig ist aber eine allgemeine Erweiterung der Zahl der Freibäder. Aus Liebe zum Pflegekind in de« Tod. Die Liebe zu einem Pflegelind hat die 44 Jahre alte Ehefrau Olga des Chauffeurs Grietz aus der Müllerstraße in den Tod ge« trieben. Frau Grietz, deren Ehe selbst kinderlos geblieben war, hatte vor 13 Jahren das Töchlerchen einer früheren Nachbarin gleich nach der Geburt in Pflege genommen und jetzt bis zu feinem 14. Lebensjahr wie eine Mutter gehegt und gepflegt. Die wirkliche Mutler des Kindes, die sich inzwischen nach Liegnitz verheiratet hat, bat jetzt Frau Grietz, daß fie ihr ihre Tochter während der großen Ferien überlassen möge. Die Pflegemutter erklärte sich hiermit auch schließlich einverstanden. Vor acht Tagen erhielt sie nun von der Mutter den Bescheid, daß sie das Kind für immer behalten werde. Der Schmerz hierüber schlug die Frau ganz nieder. Gestern, als sie zur gewohnten Zeit dem Manne das Mittagesien brachte, fiel dielem wieder ihr gedrücktes Wesen auf. Als dann die Frau au« einem kleinen Fläichchen trank, glaubt« er zuerst, daß es Tropfen seien, die sie schon länger eines Magenleidens wegen zu sich nahm. Wenige Sekunden daraus aber brach die Frau besinnungslos zusammen. Es ergab sich, daß sie Salzsäure getrunken hatte. In dem Augusta-Hospital, wohin sie gebracht wurde, starb fie in der vergangenen Nacht._ Ein Notschrei geht unS von Insassen der Geschlechtskrankenstation des städtischen Obdachs zu. Geklagt wird zunächst über schlechtes Essen, aber auch über ungenügende Lüftung der Räume. Fenster sollen überhaupt nicht geöffnet werden. Die Kranken kommen nur an einem Tage eine Stunde ins Freie. Wir halten es kaum für möglich, daß bei der jetzt herrschenden drückenden Hitze, den Kranlen so die frische Luft entzogen wird. Es wäre wünschenswert, wenn der Magistrat diesen Klagen nochgeht und für Abhtlse sorgt. Ein schreckliches Brandunglück hat sich in der Swinemünder Straße zugetragen. Die Swinemünder Straße 41 wohnhafte 88 jährige Ehefrau Elise Mieler hatte auf einem Spirituskocher etwas Abendessen zubereiten wollen. Sie kam dabei mit der Spiritusflasche zu nahe an den brennenden Kocher heran. Im nächsten Augenblick gab es eine Explosion. Die Stich- flamme traf die Kleidungsstücke der Frau M.. und in wenigen Augenblicken brannte die Bedauernswerte lichterloh. Auf die Schmerzensschreie der Verunglückten eilten Nachbarsleute herbei und erstickten die Flammen durch Ucberwerfcn von Decken. Inzwischen hatte Frau M. aber bereits am ganzen Körper sowie im Gesicht, am Kopf und an Armen und Händen so furchtbare Brandwunden er- litten, daß sie sterbend nach dem Krankenhaus Am Friedrichsham gebracht werden mußte._ Drei mutmaßliche Kindesmorde und eine KindeSauSsetzimg beschäftigen die Kriminalpolizei. In der Bedürfnisanstalt aus dem Bahnhof Jannowitzbrücke fand man ein verschnürtes Paket, das die Leiche eines liettgeborenen Knaben enthielt.— Im Schöneberger Hafen, an der Köthener Brücke, landete man einen verschlossenen Zigarrenkasten, der die Leiche eines neugeborenen Mädchens barg.— Im Keller des HauseS Kochstr. 14 fand der Inhaber eines Papier- geschästs in einer dunklen Ecke die Leiche eines neugebornen Mädchens. das in eine blaue Küchenschürze eingewickelt war.— Lebend aufgefunden wurde in dem Flur deS Hauses Neue Hochstr. 18 von einer Aufwärterin, die vom Einholen zurückkehrte, nachmittags um 4 Uhr ein etwa acht Tage altes Mädchen. Es war in ein Steckkissen und einem buntkarierten Unterrock eingewickelt. Die Kleine wurde nach dem Waisenhause gebracht. Als Mutter kommt hier wahrscheinlich ein junges Mädchen in Frage, das kurz vorher mit dem Kinde auf dem Polizeirevier in der Nähe deS Fundortes war, von dort aber mit der Kleinen nach dem Waisenhause geschickt wurde. Durch kochenden Kaffee tödlich verbrüht. Einen qualvollen Tod fand daS einjährige Töchterchen Renata des Straßenbahnschaffners Klinke, Hobrechtstr. 15, zu Groß-Lichter- selbe. Während die Ellern mit der Kleinen am Kaffeetisch saßen und sich unterhielten, griff da« Mädchen unbemerkt nach der Kaffee« kanne, die mit kochendem Kaffee bis obenan gefüllt war. Die Kleine zerrte so lange an der Kanne herum, bis sie schließlich umstürzte. Die siedende Flüssigkeit ergoß sich über den ganzen Körper des un- glücklichen Kindes. Im Slubenranchkrankenhaus, wo man das Kind hinbrachte, erlag eS bald nach der Einlieferung den schweren Brand» wunden._ Der ausgeraubte Schaukastc» der Pfandleihe. Reiche Beute an goldenen Uhren und Schmucksachen machten Schaukasteneinbrecher in der Großen Frankfurter Sir. 9, wo der Schaukasten der Pfand- leihe von Crentzmann gewaltsam erbrochen und ausgeplündert wurde.[ ein Recht, zu erfahren, ob die behaupteten Unzuträglichkeiten es[ 7,00--8,00, do. ungarische 9,00-10,00; Gurten, boll. 100 Stid 5,00-12,00, Den Tätern fielen eine große Anzahl goldene Herren- und Damen- wirklich rechtfertigen, daß die Kinder einfach auf die Straßen do. Einlege, ital. Schock 1,50-2,00. uhren, darunter eine Reihe von Anferuhren, ferner goldene Broschen verwiesen und dadurch den Gefahren des Verkehrs Kirschen 50 kg Glas- 12,00-18,00, und andere Schmuckgegenstände zur Beute. Obwohl in der frag- ausgesetzt werden. U. A. w. g. lichen Gegend auch nachts ein ziemlich starker Verkehr herrscht, konnten die Einbrecher unbehindert mit ihrer Beute von dannen ziehen. Neukölln. Obst und Südfrüchte. fauve 15,00-17,00, Thüringer 4,00-10,00, fchlesische 5,00-14,00, Werderfche 8,00-13,00, do. Snupper 15,00-25,00, ungarische Natten 00,00-00,00 Aepfel, australische, Seiste 0,00-00,00; ital., 50 kg 20,00-25,00; Birnen, ital., 50 kg 16-20, französ. 10-16; Tiroler Muskateller 20-23. Erdbeeren, Werdersche 10,00-20,00, Ein falsches Gerücht ist in Neukölln in Umlauf und beunruhigt Hamburger 8,00-20,00, Walderdbeeren 0,00-0,00; Stachelbeeren, die Gemüter. Danach soll bei dem Dampferausflug nach der reife, hiesige 5,00-8,00; Himbeeren, 50 kg 20-28; Johannisbeeren, hiesige Krampenburg, der von der Leitung der Ferienspiele am letzten 50 kg 7,00-14,00; Blaubeeren 50 kg 22,00-27,00; Apritojen, ital. 24,00 bis Wie 28,00, franz. 10,00-28,00; ungarische 16,00-20,00; Pfirsiche, ital. 15,00-55,00; Dienstag veranstaltet worden war, ein Kind ertrunken sein. französische 15,00-58,00; Pflaumen, italienische 20,00-35,00; Kindern ist, abgesehen von einzelnen Schwächeanfällen infolge der Bananen, Jamaika 50 kg 14,00-16,00, fanarische 50 kg 14,00-17,00; Erdnüſſe wir erfahren, ist dies glücklicherweise nicht der Fall Den trauben, sizilianise Milazzo 50 kg 32,00-40,00, Algier 50 kg 30,00-48,00; großen Hige, nichts paffiert. Da für ausreichende Beaufsichtigung 50 kg 28,00-30,00; Ananas 0,00-0,00; Zitronen, Meſſina 500 Stüd Sorge getragen war, find alle Kinder wohlbehalten wieder nach 8,00-12,00, 300 Stüd 8,00-18,00, Messina 360 Stud 6,00-14,00, Hause gekommen. Bei dem Ausflug sind einige Gegenstände ver- Messina 150 Stüd 6,00-10,00. Loren gegangen. Die Finder werden gebeten, die Gegenstände auf den Spielplägen oder im Bureau des Wahlvereins, Neckarstr. 2, abzugeben. Ober- Schöneweide. Witterungsübersicht vom 15. Juli 1914. Beim Baden ertrunken. Wie uns noch gemeldet wird, ertrank ebenfalls am Sonntag im Tegeler See beim Baden der 31jährige Schloffer Gustav Mischke aus der Plantagenstraße 13 zu Berlin. Das Unglück wurde erst spät abends bemerkt, als niemand mehr im Wasser war und die am Ufer liegenden Kleider des Ertrunkenen gefunden wurden. Mischke hinterläßt außer seiner Witme vier Kinder. Das Unglück ist um so bedauerlicher, als sich seine Familie außerhalb auf Sommerurlaub befand und erst telegraphisch von dem Geschehenen in Kenntnis gesetzt wurde. Gestern ertrant im Heiligensee bei Tegel infolge Herzschlages der 32jährige Kellner Heinrich Bork. Er war unverheiratet. Gleich darauf wurde bei der Insel Scharfenberg im Tegeler See eine nur mit einer Badehose bekleidete männliche Leiche angeschwemmt. Der Tote war bon Ferienausflug. Sonntag, den 19. Juli, unternimmt der Turngedrungener Gestalt und hat furz geschorene rote Haare. Ebenfalls beim Baden ertrunten ist gestern abend im Nordhafen der verein Oberspree eine Ferienwanderung für Schüler und Schülerinnen 60 Jahre alte Arbeiter August Wienand. W. fam auf den Gedanken, bon 12 bis 14 Jahren, von Hirschgarten über Ravensteinmühle fich durch ein Bad im Nordhafen zu erfrischen. Er entkleidete sich. Mönchsheim- Vogelsdorf- Tasdorf- Kalkberge- Rüdersdorf- Wol- Swinemde. 763 SD gegenüber dem Grundstück Nr. 7/8 und ging hier ins Wasser. tersdorf bis Ertner. Unterwegs wird gespielt. Besichtigung der Hamburg Schiffer, die sein Beginnen sahen, merkten gleich, daß er unterging talksteinbrüche. Abmarsch: früh pünktlich 6 Uhr von der Evange- Berlin und nicht wieder zum Vorschein fam. Sie machten ihre Boote los lischen Kirche. Teilnehmer müssen Eß- und Trinkvorrat für den Frankf. a. M 762 ND München 7620 und suchten das Wasser nach dem Verschwundenen ab. Es gelang ganzen Tag mitbringen sowie 50 Pf. für Fahrgeld und KaffeeWien fochen. ihnen aber erst nach einer halben Stunde, kurz vor 10 Uhr, die Leiche des Ertrunkenen zu landen. Sie wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Schmargendorf. Stationen Barometer stand mm Wind762 SD 762SD Bump Windstärke Wetter Temp. n. T. 5°. 4° R. Stationen Better Weins 2wolfen! 24 Haparanda 764S 2wolten! 21 2 wollig 1 molten! 24 1 heiter 21 Betersburg 762ND Scilly Aberdeen 3 molten 20 19 761 759 S 761 S 4 halb bd. 14 1 mollig 1 tegen 17 17 3 wollen! 21 Paris 763D 1 molten! 21 Wetterprognose für Donnerstag, den 16. Juli 1914. Zunächst vorherrschend wolkig bei mäßigen südwestlichen Winden, etwas Regen, Gewitterneigung und Abkühlung; später langsam wieder auftlarend. Berliner Wetterbureau. Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Abkühlung, nachher wieder vielfach beiter, aber veränderlich und besonders Fre itagmittag: Zunächst oftwärts fortschreitende Trübung, Gewitter und öftlich der Oder noch an den meisten Orten etwas Regen. Wasserstand Weisel, Thorn Dder, Natibor Waferstands- Nachrichten Wasserstand Saale, Grochlik am ſeit 14.7. 13. 7. cm cm³) " Wie stellen wir uns zu den Maßnahmen unserer Gegner?" Hitschlag. Auf dem Neubau des Maurermeisters Stein in lautete das Thema, über welches Genosse Carl- Neukölln in einer Neu- Tempelhof erlitt gestern mittag der bei der Firma Traut u. gutbesuchten Mitgliederversammlung referierte. Redner legte dar, Co. beschäftigte Fahrstuhlarbeiter Karl Budde aus Wilmersdorf, wie die Gegner es versuchen, das Koalitionsrecht illusorisch zu Sigmaringenstraße 33, einen Hikschlag, dem er bald darauf erlag. machen, während man den Streifbrechern à la Hinge den größten Seine Leiche wurde nach dem Brißer Krankenhause gebracht. Schutz angedeihen lasse. Auch die Politischerklärung unserer JugendB. hinterläßt eine lungenfrante Witwe und vier Kinder. organisation sowie der Prozeß gegen die Genoffin Luxemburg bes Zwei schwere Bauunfälle, bei der zwei Personen den Tod zeugen, daß man gegen uns etwas im Schilde führe, so daß die fanden, ereigneten sich gestern im Laufe des Nachmittags am Bahn- Sozialdemokratie alle Veranlassung babe, die Augen offen zu halten. der Landesanstalt für Gewäſſertunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau hofe Friedrichstraße und in der Oberwasserstraße. Hier wird zur- Für die Einrichtung eines Kampffonds hält Redner die Zeit der zeit auf dem Grundstück Nr. 11, gegenüber der Jungfernbrüde, ein momentanen wirtschaftlichen Krise für nicht sehr günstig, er vertrete größeres Geschäftshaus errichtet. Wie bei andern Neubauten, so vielmehr die Auffassung des Genossen Bebel: Partei und Gewerkschaften müssen noch mehr ausgebaut werden. In der Diskussion Memel, Tilfit werden auch hier die schweren Steine und Balken mit einem Kran erklärte sich die Mehrzahl der Redner gegen einen Kampffonds und Bregel, Insterburg hochgezogen. Als nun der 31 Jahre alte Arbeiter Karl Jaensch erinnerte an die Maifeier, welche heute noch nicht lebensfähig fei. vom Neubau auf die Straße gehen wollte, löfte sich eine Klammer Die darauf folgende geheime Abstimmung ergab die Ablehnung des des Krans, mit dem gerade mehrere, zusammen drei Zentner schwere Steine hochgezogen wurden, ein Stein löfte sich und fiel daß der Parteivorstand eine Unfallversicherung für die Teilnehmer schwere Steine hochgezogen wurden, ein Stein löfte sich und fiel trabeitrages. Unter Verschiedenes" gab der Vorsitzende bekannt, dem Mann auf den Kopf. Er brach besinnungslos zusammen und Als Delegierte für die an den Ferienspielen abgeschlossen habe. verstarb schon auf dem Wege nach der Charité. Jaensch war ver- Streisgeneralversammlung wurden die Genossen Red und Wasewitz heiratet und wohnte in der Wanzlifstraße 34 zu Neuköln. Der zweite tödlich Verunglückte ist der 45 Jahre alte Bauarbeiter August Ferner wurde auf den am 26. Juli stattfindenden Kaminski, der mit Frau und Tochter in der Ritterstraße 36 wohnte. Familienausflug aufmerksam gemacht. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr Staminati war bei den Abrißarbeiten am Bahnhof Friedrichstraße noch Genoffe Deinze als Bezirksführer gewählt. im Café Türke, Hubertusbader Straße 8. Zum Schluß wurde beschäftigt. Als er ein ungefähr acht Meter hohes Gerüst an der nördlichen Seite des Bahnhofes bestiegen hatte, brach er plötzlich, Bernau. ob infolge eines Schwindelanfalles oder eines Hitschlages, ließ sich noch nicht feststellen, zusammen und stürzte in die Tiefe. Hier blieb er mit zerschmetterten Gliedern tot liegen. Beide Leichen wurden beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. gewählt. 1 un Ernte in dem benachbarten Dorfe Schönow. Zwei Pferde, welche Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich bei der jetzt begonnenen vor eine Mähmaschine gespannt waren, gingen infolge des gewohnten Geräusches der Maschine mit derselben durch. Der Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Sonntag, den 19. Juli, Besizer, der Bauerngutsbesizer Albert Ebel, welcher sich auf dem Familienausflug nach Hirschgarten- Rahnsdorfer Mühle. Abfahrt des Size der Maschine befand, verlor vollständig die Gewalt über die Buges Alexanderplag 8.26, Jannowigbrüde 8.28, Schles. Bahnhof Tiere; er wurde durch den Anprall an verschiedene Chauffeebäume, 8.33. Treffpunkt für Nachzügler bis 10 Uhr im Restaurant Wald- bei welcher die Maschine vollständig in Trümmer ging, von seinem burg", am Bahnhof Hirschgarten. Von 12 Uhr mittags ab Gaft- Sige geschleudert und erhielt teils durch die Maschinenmesser, haus zur Rahnsdorfer Mühle"( Inh. Schumann), vom Bahnhof teils durch den Zusammenstoß schwere innere und äußere VerRahnsdorf in 15 Minuten zu erreichen. legungen. Der verunglückte Befizer wurde sofort nach dem Bernauer Krankenhause übergeführt. Nowawes. Vorortnachrichten. Charlottenburg. " " 28efer, Münden am jeit 14.7. 13. 7. cm cm³) 86-2 124-6 -49 -1 Havel, Spandau) 35-1 102 0 Rathenow 2) 3+2 124 Spree, Spremberg) 86 -10 Krossen Frankfurt 56 Beestow 80 0 73 196 -5 -28+2 Minden 280-10 Landsberg -23 +5 Rhein, Maximiliansau 580 0 -28 -2 Kaub 48+7 Köln 367 357 -92-18 111 +24 85+6 Main, Hanau Mosel, Trier Fall. 3) Unterpegel. Barthe, Schrimm ebe, Bordamm Elbe, Zeitmeriz • Dresden Barby Magdeburg 2)+ bedeutet Buchs, Nedar, Heilbronn 283+177 161-4 44+-3 Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirk Groß- Berlin, Sektion IV. Gewerkschaftshaus. Engelufer 14/15 II. Bureau: Zimmer 27, 31-37, 42-44. Tel.: Amt Moritzpl. 2382: 4747. Arbeitsnachweis: Amt Mpl. 3348. Zweigbureau und Arbeitsnachweis für Charlottenburg: Rosinenstr. 3. Tel.: Amt Wilhelm 4457. Kraftdrofchkenführer! Am Freitag, den 17. Juli 1914: Bezirks- Versammlungen in allen Bezirken. Tagesordnung: ,, Der uns von seiten der Unternehmer aufgezwungene Kampf und unsere weitere Stellungnahme dazu." dem sie wohnen oder beschäftigt sind, zu besuchen. Es ist Pflicht der Kollegen, die Versammlung in demjenigen Bezirk, in Insbesondere find die fahrenden Kollegen zu diesen Ver. Mitgliedsbuch oder Karte legitimiert. Alles Nähere fiehe Handzettel. Sein erstes Bezirksturnfeft feiert am Sonnabend, den 18., und Sonntag, den 19. Juli, der 1. Kreis im 3. Bezirk des ArbeiterTurnerbundes. Das Programm sieht für beide Tage reiche AbFürsorge für die Kleinkinder, d. h. für die Kinder vom 1. bis wechslung bietende Veranstaltungen vor. Am Sonnabend, 8 Uhr 6. Lebensjahre hat neben der Säuglingsfürsorge die Stadt schon abends, finden in den Lokalen„ Singers Volksgarten", Priesterstr. 31, längere Zeit eingerichtet. Gerade für diese Altersstufe ist eine sorg- und Zur freien Aussicht", am Drewißer Bahnhof, Festtommerse fältige ärztliche Ueberwachung dringend geboten. In jeder der statt unter Mitwirkung des hiesigen Freien Männerchors, des MandoCharlottenburger Säuglingsfürsorgestellen werden be- linentlubs Nowawes und der zahlreichen auswärtigen Turnvereine. Am sondere Wochensprechstunden für Kinder vom 1. bis zum Sonntag geht es in aller Frühe auf den Festplag an der Berliner Straße, vollendeten 6. Lebensjahre abgehalten. In regelmäßigen wo Wetturnen, volkstümliche Wettkämpfe und Fußballwettspiele Zwischenräumen werden zunächst solche Kinder, die bis zum von dem Können der Vereine Zeugnis ablegen sollen. Gegen vollendeten 1. Lebensjahre bereits die Fürsorgestelle besucht haben, 2 Uhr nachmittags begeben sich die Teilnehmer, zu einem Fest- sammlungen eingeladen. weiter vorgestellt. Zugelassen werden jedoch alle Kinder im zug vereinigt, durch die Wilhelm-, Ludwigs, Priester- und LindenAlter von 1 bis 6 Jahren, auch wenn sie die Säuglings- straße wieder nach dem Festplatz, wo zunächst eine Festansprache, sofürsorgestellen vorher nicht besucht haben. Mütter und Pflege- dann allgemeine Freiübungen, Stafettenlaufen, Sonderaufführungen mütter erhalten dabei unentgeltlichen spezial- und Kinderspiele vorgesehen sind. Won 4 Uhr nachmittags ab findet ärztlichen Rat. Eine ärztliche Behandlung findet nicht statt. in den Lokalen Singers Voltsgarten, Deutsche Festsäle und Zur Diese Kleinkinder- Sprechstunden werden an folgenden Tagen ab- freien Aussicht" Festball statt. gehalten: Säuglings Fürsorgestelle I., Berliner Straße 137: Mittwoch 2-3 Uhr; II., Wilmersdorfer Straße 111: Dienstag, 2-3 Uhr; III., Stirchplag 5 a: Freitag, 1-2 Uhr; IV., Nehringstraße 11: Dienstag, 2/ 2-312 Uhr; V., Kaiserin AugustaAllee 102: Dienstag, 2-3 Uhr; VI., Kaiserin- Augusta Viktoriahaus, Mollwigstraße: Mittwoch, 2-3 Uhr; VII., Horstweg 28: Donnerstag, 2-3 Uhr. Die Mütter und Pflegemütter, die zugleich einen Säugling und ein größeres Kind in der Fürsorgestelle vor stellen wollen, fönnen ausnahmsweise auch die größeren Kinder in der Säuglings- Sprechstunde mitvorstellen. Die Einrichtung der Fürsorge für die Kleinkinder hat sich bisher sehr gut bewährt und kann den Müttern nur empfohlen worden. Ferienausflug. Im Anschluß an die Ferienspiele findet am Sonntag, den 19. Juli, ein Ausflug für größere Kinder( 11 bis 14 Jahre alte Knaben und Mädchen) nach Saatwinkel statt. Abmarich früh 8 Uhr vom Bahnhof Jungfernheide. Kein Fahrgeld. Die Arbeiterschaft wird ersucht, für eine gute Beteiligung an diesen Ferienspielen Sorge zu tragen. Steglit. Briefkasten der Redaktion. 2. P. 40. 66/16 Die Branchenleitung. Allgemeine Kranken- u. Sterbekasse der Metallarbeiter. V. a. G. Hamburg. Mitglieder- Versammlungen der Filialen M. G. 18. Das richtet sich je nach Bauart und Segelfläche. Kleine Boote sind schon für 500, alte für 200 m. erhältlich. 2. Nein. 1. D welcher Wandel der Verhältnisse! Auf gut Deutsch: Herr Gott, wie Studien. 3. Das ist sehr fraglich. 4. Ja. 5. Sehr unwahrscheinlich. haben die Dinge sich geändert! 2. Praktische und theoretische Arbeiten und G. 2. 45. Fragen Sie in einer Roßhaarhandlung an. Adressen im finden statt: Berliner Adreybuch, Band 2, Teil 2. A. S. 101. 1. Ja. 2. Herrn Staatssekretär Stractke. Sehr geehrter Herr! 3. Ja. 4. Fragen Sie einen Berlin 2: Montag den 20. Juli, abends 8 Uhr, bei Sitlach, beliebigen Postboten. Mt. D. 1889. Ja. Ritterstr. 121. M. S. 33. Frage stellung unklar. Am besten bringen Sie die Sache in unserer juristischen Berlin 3: Sonnabend, den 25. Juli, abends 82 Uhr, bei Kayser, Sprechstunde vor. Ausgeschlossen ist es nicht, daß Sie militardienstlich Reichenberger Str. 154. herangezogen werden. Jedenfalls können Sie heiraten. Charlotten Berlin 5: Connabend, den 18. Juli, abends 8%, Uhr, bei Thiel, burg 20. Beste Auskunft erhalten Sie durch den Rektor der betreffenden Rückerstr. 7. Schule oder aber durch den Leiter des Charlottenburger Fortbildungsschul- Berlin 9: R. P. Nein. wesens; Adresse des lezteren durch den Volksschulrettor. W. B. 30. Leider hat Ihr Vater und Ihr Bruder keinen Anspruch auf Erstattung der Reisekosten. V. O. 67. Von einer Schadenersag flage versprechen wir uns feinen Erfolg. Versuchen Sie es mit einem Antrag an die Eisenbahndirektion. A. 39. Die Tatsachen reichen zur Bertragslösung nicht aus. P. 5. 2486. Hängt von der Auffassung des erkennenden Richters ab. Unseres Erachtens kann eventuell der Schus des§ 193 des Strafgesetzbuchs( Wahrnehmung berechtigter Interessen) in M. H 25. Der Pastor ist dazu beAnspruch genommen werden. rechtigt, aber nicht verpflichtet. 2. 19. Die Erklärung reicht nicht aus. Mann nicht erbberechtigt. 23. M. 765. 1. Nein. 2. und 3. Ja. Kurze Freude. Dem einmütigen Verlangen der Gemeinde vertretung nachfommend, hatte die Schuldeputation angeordnet, daß während der Sommerferien die Höfe der Volksschulen den Schulkindern zum Spielen freigegeben werden sollten. Die Lokalpresse pries ob dieser sozialen Großtat sowohl den Antragsteller A.. 75. Die Schwägerin und die Neffen sind nach dem verstorbenen wie die Schuldeputation in den höchsten Tönen. Daß diefes Lob etwas voreilig war, lehrt jetzt folgende Bekanntmachung, die das taum begonnene soziale Wert" teilweise wieder zerstört:" Das durch unsere Bekanntmachung vom 4. d. Mts. an geordnete Dffenhalten des Schulhofes der Gemeindeschule III/ IV ( Jahnstraße) wird hierdurch wieder zurückgezogen, da sich Unzu träglichkeiten ergeben haben, welche die weitere Freigabe untunlich erscheinen lassen. Berlin- Steglig, 11. Juli 1914. " : 50 kg 90-105; Landbutter 80-90. hiesiger 2,00-2,25; Kartoffeln, Sonntag, den 19. Juli, vormittags 10 Uhr, bei Bergmann, Berlichingenstr. 14. Berlin 10: Sonnabend, den 18. Juli, abends 8%, Uhr, bei Faber, Stephanstr. 11. Wahl der Ortsverwaltung und Jahresbericht. Charlottenburg: Sonnabend, den 18. Jult, abends 8%, Uhr, im Volkshause, Rosinenstr. 3. Lichtenberg 1: Sonnabend, den 18. Juli, abends 8%, Uhr, bei Johann Blum, Frankfurter Chaussee 116. Lichtenberg 2: Sonnabend, den 18. Juli, abends 8 Uhr, bei O. Blum, Alt- Borhagen 56. Neukölln Sonnabend, den 25. Juli, abends 8%, Uhr, bei Tappert, Steinmegstr. 114. Reinickendorf- Ost: Sonnabend, den 18. Juli, abends 9 Uhr, bei Brückner, Provinzstr. 74. Viktoriastr. 7. Sonnabend, den 18. Juli, abends 8%, Uhr, bei Sorrer, Schlieperstr. 68. Sonntag, den 19. Juli, vormittags 10 Uhr, bei Kodaneck, Wildauerhof. In allen Versammlungen: Kaffenbericht. Rege Beteiligung der Mitglieder erwünscht. Die Ortsverwaltungen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen.( Ohne Verbindlichkeit.) Mittwoch, den 15. Juli. Fleisch: Rindfleisch per 50 kg Mart: Ochsen Rosenthal: Sonnabend, den 18. Juli, abends 8%, Uhr, bei Barth fleisch Ia 73-85, bo. IIa 69-72, do. IIIa 60-69; Bullenfleisch Ia 70-80, do. Ila 65-69; Stübe, jett 48-60, do. mager 36-48, Freſſer 60-66, Tegel: do. dän. 50-60; Bullen, dän. 58-70. Stalbfleisch: Doppellender 110-135; Mastfälber Ia 88-100, bo. IIa 74-84; Stalber_ger. gen. 44-60. Hammelfleisch Mastlämmer 88-90; Hammel Ia 77-87, do. IIa 69-76, do. Wildau: Die Schuldeputation." austral.--; Schafe 74-80. Schweinefleisch 53-58. Eier: Landeier Butter: Molkereibutter per Worin die Unzuträglichkeiten" bestanden, erfährt die Deffents Schock 3,50-3,80; Trinfeier 4,00-4,20. Gemüse, inländisches: Rhabarber, lichkeit nicht; es läßt sich deshalb auch vorläufig nicht beurteilen, neue weiße 4,00-5,00, do. Rosen ob diese Unzuträglichkeiten bei einigem guten Willen 4,75-5,25, do. Magdeburger 5,00-5,50; do. weiße Kaiserkronen 122/2 nicht zu beseitigen gewesen gewesen wären. Die Sperrung gerade 3,50-4,50. Porree, Schod 0,50-1,00; Spinat 50 kg 8,00-12,00; dieses Schulhofes ist um so befremdender, als der west Schoten 2,00-3,00; Mohrrüben, Schodbund 0,90-1,00; Bohnen 50 kg liche Ortsteil feinen einzigen öffentlichen Pla, 6,00-13,00; Champignon 50 kg 30,00-35,00; Kohlrabi, Schod 0,60-0,80 also auch teine Spielgelegenheit besigt. Noch im Birsingkohl, hiesiger, Schod 3,00-6,00; Blumentohl, Erfurter 100 Stüd Borjahre bot sich den Kindern wenigstens Gelegenheit, auf Bau- 4,00-10,00; Meerrettich, Schod 3,50-12,00; Petersilienwurzel, pläßen zu spielen; auch das ist jetzt vorbei, da fast sämtliches Bau- Schodbund 1,00-3,00; Radieschen Schodbund 0,70-1,00; Salat, Schod 1,00-1,50; 8wiebeln, Schodbund 0,50-0,60, do. 50 kg 10-10,50; 20land zu Laubenkolonien umgewandelt wurde. Hat die Schul- maten 50 kg 20,00; Pfefferlinge 30-45; Buffbohnen 50 kg 10,00-12,00. deputation nicht soviel Ortskenntnis, um das zu wissen? Wenn ja, Ausländisches. Tomaten lanarische, Stifte 0,00, do. italienische 50 kg dann hat die Deffentlichkeit und vor allem die Arbeitereltern, 4,00-10,00, bo. franzöfifche 8,00-12,00; Blumenkohl, holländischer la deren Kinder wohl ausschließlich die Spielpläße in Anspruch nehmen, 100 Stüd 10,00-22,00, Zwiebeln, ägyptische 50 kg 16-18, bo. ital. Berantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für der Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. neue, ArbeiterGesundheits- Bibliothek Jedes Heft 20 Reg Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß. Friedrichstr. 125( Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden Ehrlich- Hata- Kur( Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. Spr. vorm. 9-8 ab.. Sonnt. 9-11 *