Nr. 195. 5 Pfennig Abonnements- Bedingungen: . Ebonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,36 Mr., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen ant: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Montagsausgabe Vorwärts 5 Pfennig 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Solonel. geile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Versamminungs- Anzeigen 80 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes writere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Pig.. jedes weitere Wort 5 Bẞfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Summer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Ervedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstraße 69. Fernsprecher: Amt Morigplak, Mr. 1983. Lektüre für Herrn v. Falkenhayn. Montag, den 20. Juli 1914. den Sinn von in vino veritas( Im Weine Wahrheit) auf das Berhalten dieses Offiziertorps überträgt, das die Elite der Deutschen verkörpern soll, denn der hohe Adel, ja fogar ein Prinz, war darin vertreten, so kann man nicht umhin, die bedauerliche Tatsache zu konstatieren, daß der Firnis der Zivilisation auf diesen Herrenmenschen nur ganz dünn aufgetragen ist. So der Hauptmann a. D., der Augenzeuge dieses Vandalismus war. Expedition: S. 68, Lindenstraße 69. Sernivrecher: Amt Morisglas. Nr. 1984. Aber lesen Sie auch nach, Erzellenz v. Falkenhayn; was Hauptmann Pommer über die Soldatenselbstmorde fagt, die häufig den Schlußaft eines Martyriums bilden", nehmen Sie auch seine Ansicht zur Kenntnis, daß jede- wohlverstanden! jede vorschriftswidrige Behandlung eines Untergebenen als ein Aft der Feigheit gebrandmarkt werden, und daß ferner jede Mißhandlung durch einen Unteroffizier auf das Schuldkonto des Hauptmanns oder Majors gesezt werden müsse. Und daß endlich, was das System als solches betrifft, zur Disziplinierung des deutschen Soldaten Zwangsmittel angewandt werden, die ein Sohn auf die Menschenrechte" find hören Sie, ein Hohn auf die Menschenrechte" was sagen Sie dazu, Herr Kriegsminister? gegen den preußischen Militarismus lieſt, läuft er entweder sondern daß er sich sogar allerfeits einer erstaunlichen Be- Die Niederlausitzer Tucharbeiter Zur Disziplinierung der deutschen Soldaten des zwanzigsten Jahrhunderts werden immer noch zwangs Aber auch mit dem vielgerühmten Ehrenstandpunkt des mittel angewandt, die für die feudale Hörigkeit gepaßt deutschen Offiziers steht es so, daß gerade die Properei mit haben mögen, die aber in einem modernen Bollsheere als haben mögen, die aber in einem modernen Voltsheere als einer besonderen Ehre unter Umständen besonderer Unein Sohn auf die Menschenrechte empfunden ehrenhaftigkeit als Dedmantel dient.„ Hat sich", meint werden müssen. Hauptmann a. D. Pommer. Herr Pommer, ein Offizier einmal bis zum Hochstabler Wenn Herr v. Falkenhayn in der sozialdemokrati- degradiert, so verfügt er auch über eine verblüffende Gewandtschen Presse gut begründete und scharf zugespitzte Artikel heit, daß er nicht nur selten unliebsames Aufsehen erregt, eilfertig zum Staatsanwalt oder er sucht, da solcher Gang liebtheit ob seiner Gastfreundschaft und seiner fingierten zum Kadi neuerdings seine Mucken hat, das Mißbehagen von Kameradschaft zu erfreuen vermag". Werden seine Machensich abzuschütteln wie ein Pudel die Regentropfen, indem er schaften aber erst einmal ruchbar, dann doch lassen wir denkt: Aeh, was! Sozenbande! Reißen gewerbsmäßig alles dem Hauptmann a. D. selbst das Wort: herunter, was mit Preußens Glorie verknüpft ist! Ignorieren! Menschenfreunde, die wir sind, empfehlen wir darum dem Herrn Kriegsminister ein Buch zur Lektüre für den nächsten freien Nachmittag, das gleichfalls herbe Kritik am Wesen des Militarismus übt, aber nicht aus der Feder eines Sozialdemokraten stammt, sondern einen kgl. preußischen Hauptmann a. D. zum Verfasser hat: Hans Pommer heißt er, hat einundzwanzig Jahre den bunten Rock getragen und war zuletzt Kompagniechef im 1. oberrheinischen Infanterieregiment Nr. 97. Er ist wirklich kein Sozialdemokrat, auch kein verkappter, denn die hohen Aufgaben eines deutschen Offiziers sieht er auch in der Verteidigung von Thron und Vaterland gegen den inneren" Feind und ist für die politische Passivität des attiven Offiziers eingenommen, der sich ,, als Stütze des Throns den Anordnungen des Monarchen bedingungslos unterwerfen" müsse. Um so schärferer Pfeffer in die Suppe aller Gamaschenknöpfe wird es sein, was dieser Offizier in seinem Werkchen 3wanzig Jahre als Infanterieoffizier in den Reichslanden" ( Neuer Frankfurter Verlag, Frankfurt a. M. 1914) zu sagen, zu flagen hat. " auf der Straße. Die Niederlaufiger Tuchfabrikanten haben nun ihrer Wenn die Oeffentlichkeit verhältnismäßig felten von der Drohung die Tat folgen lassen. Birka 30 000 Arbeiter und sittlichen Fäulnis erfährt, von der Offiziere befallen Arbeiterinnen sind am vergangenen Sonnabend ausgesperrt werden können, jo liegt das an dem Bertuschungssystem, demau- worden. Nicht ausgesperrt wurden die Musterweber, Kutscher, folge, soweit wie möglich, verdächtige Elemente zum sofortigen Wächter, Heizer, Meister, Untermeister und die Meisterinnen. Abschied gezwungen werden, um ein gerichtliches 350 Betriebe sind an der Aussperrung beteiligt. Eine forVerfahren zu vermeiden. Offiziere, die sich fittliche melle Entlassung ist, soweit sich übersehen läßt, nur in FinsterVerfehlungen an ihren Burschen hatten zu Schulden kommen walde vorgenommen worden. In Cottbus und Forst haben laffen, wurden sofort mit schlichtem Abschied entlassen. An die Arbeiter ihre Papiere nicht ausgehändigt bekommen., In statt die Schuldigen zuerst der irdischen Ge- einigen Fabriken wurde ihnen bezüglich des restierenden rechtigkeit aur Aburteilung auszuliefern und Lohnes gesagt, wenn ihn die Arbeiter haben wollten, sollten nach dem Schuldspruch des Gerichts die Ehrenstrafe über sie zu fie ihn am Montag oder Dienstag holen. Stellenweise sagte verhängen, begnügte man sich mit dem schlichten Abschied und man auch, es würde ja wohl nicht lange dauern. Wie ver ließ das Bergehen nach dem Gesetzbuch ungefühnt. Man will lautet, fommen die Unternehmer am nächsten Donnerstag feine öffentliche Anklage erheben, damit das Ansehen des Stan- wieder zusammen. Am Sonnabendabend flog uns folgendes des nicht beeinträchtigt und die Glorie der Offiziersehre nicht Rundschreiben der Unternehmer auf den Tisch: getrübt werde. Nur nichts in das Volt kommen lassen, und mag dabei das Rechtsempfinden noch so sehr verlegt werden, das ist beflagenswerterweise eine in Offizierstreisen verbreitete Ansicht. Eine schwere Anklage erhebt dieser ehemalige Offizier gegen militärische Behörden: daß sie nämlich Verbrecher, die Der Titel deutet darauf hin, daß das Buch sich nur mit Epaulette und Schärpe tragen, mit Absicht und Vorbedacht den militärischen Verhältnissen des Reichslandes beschäftigt, der Gerichtsbarkeit entziehen, nur damit die Glorie der Offiund wie sich Herr Pommer in der Tat während des ziersehere nicht getrübt werde, und da der Verfasser in seinem Babern- Konflikts mit Freimut und Nachdruck in der Deffent- Borwort versichert, daß er für die Richtigkeit seiner Behauplichkeit gegen die Ausschreitungen der Reuter, Forsttungen jederzeit unter Namensnennung den Beweis antreten ner é tutti quanti gewandt hat, so weist er auch hier darauf könne, sollte Herr v. Falkenhayn sich doch einmal schleuhin, daß in dem kulturell hochstehenden annektierten Lande" die martialische Brutalität der Norddeutschen" keine morali- night nach den Vorgesezten erkundigen, die sich durch derartige fchen Eroberungen zu machen vermag und daß die preußischen Nachsicht" Verbrechern gegenüber selbst strafbar gemacht " Offizierstorps in Elsaß- Lothringen deshalb als Fremdkörper im Volfsleben betrachtet werden, weil sie Pflegestätten un duldsamen, altpreußischen Geistes" bilden und mit einer „ Schicht von Gefühlskälte und unverständnis für Fremdartiges" umgeben sind. Auch über die besonderen Lebensund Dienstverhältnisse in den Grenzregimentern sagt Herr Pommer manches Butreffende, aber im Ganzen richtet sich, über die reichsländische Grenze hinaus, seine Kritik doch gegen die Schattenseiten des Armeebetriebs überhaupt. Allerdings geht er dabei nicht systematisch vor, packt die Dinge nicht an der Wurzel, erkennt in dem Militarismus nicht ein mit dem preußischen Staat und dem Deutschen Reich organisch verwachsenes Gebilde, sondern legt seine Sonde nur an, seiner Meinung nach, einzelne Auswichse des Ganzen, ausgehend von einer freieren und nicht fastenmäßigen Auffassung des Offizierberufs, wie sie fich in den Worten ausprägt: haben. was Hauptmann Bommer über den Zurus im OffizierEs soll hier nicht näher auf das eingegangen werden, forps, über Offiziersehen, über Streberei und Charakterlosigkeit, über den Paradedrill, über das Burschenunwesen, wie über die Abkürzung der Dienstzeit sagt, zumal es in der einen oder anderen Form längst Gemeingut aller demokratischen Stritifer des Heerwesens ist, aber auch für Herrn b. Falkenhayn, der auf sozialistische Tadler pirscht ist das Kapitel„ Die Behandlung der Soldaten und Unteroffiziere im Heere" besonders intereffant. Mit Recht sieht Sauptmann Bommer den Grund für die Sehnsucht der Mannschaften nach dem Rücktritt ins bürgerliche Leben nicht in einer unüberwindlichen Abneigung gegen den Soldatenberuf, sondern in dem Abscheu vor der Behandlung, die ihnen in der Kaserne zuteil wird". Auch für die reaktionäre Bresse, die wider besseres Wissen denn jeder gediente Mann Den Offizieren muß das Bewußtsein beigebracht werden, daß fennt sich darin aus! im Zusammenhang mit dem sie von den Mitteln der Staatsbürger unterhalten werden, und 2uxemburg- Prozeß von dem„ nesicherten Beschwerdedaß sie nichts anderes als bezahlte Diener einer recht" des Soldaten fafelte, ist Iefenswert, was Hauptmann Staatsgemeinschaft sind. Von diesem Bewußtsein aber ist der preußische Leutnant, den uns nach einem bekannten Wort niemand nachmacht, meltenweit entfernt, sondern er fühlt sich als das bevorrechtete Mitglied einer souveränen Herrenkaste, die wie Saul in der Bibel alles Volk um Hauptes Länge überragt. Einen inneren Grund für dieses Gefühl der Ueberlegenheit gibt es freilich nicht, denn er versteht nach Pommer nichts als„ die Kunst Menschen zu töten" frei nach Berenborsts Runst, nach Regeln zu töten"-, mit seiner Bildung ist es meist nicht meit her, denn dadurch, daß er für den Offiziersberuf eine Grenzlinie für das Mindestwissen nicht festießt,„ zichtet der Staat bewußt eine Gattung von Halbgebildeten", und was endlich den feinen Schliff, das taftvolle Benehmen angeht, durch das sich nach dem Zeugnis der Militärfrommen unser Offizierkorps in allen Lebenslagen auszeichnet, dafür bringt der Verfasser ein beredtes Beispiel bei: Es flingt parador, daß gerade diejenigen Offiziere, deren Standesdünfel am auffälligsten ist, sich bei Liebes mählern zu einem Vandalismus hinreißen lassen, der jeder Beschreibung spottet. Bei jedem Abschiedseffen des Offiziertorps einer Kavalleriedivision im Lager von GIsenborn war ich Augenzeuge einer rohen Zerstörungswut, der nicht nur das gesamte Tafelgeschirr, sondern auch Defen, Statuen, Bilder, Tische, Stühle zum Opfer fielen. Wenn man Pommer im folgenden schreibt: An unsere Mitglieder! Hierdurch geben wir Ihnen unsere heutigen Beschlüsse betannt, deren Befolgung wir Ihnen zur Pflicht machen: 1. Von der Aussperrung werden vorläufig nicht betroffen: Kaufmännische Angestellte und Betriebsbeamte, ferner Meister und Meisterinnen, Untermeister, Musterweber, Lehrlinge, Kesselheizer, Kohlenanfahrer, Kutscher, Portiers, Wächter, Hofarbeiter, Fabriktischler, Fabrikschlosser. Die Namen dieser Personen mit Ausnahme der kaufmännischen Angestellten sind dem Ortsvorsitzenden zu melden. 2. Bis auf Widerruf darf bis heute abend ab= gewebte Ware durch die jekt vorhandenen, von der Aussperrung nicht betroffenen Personen fertiggestellt werden. Fabrikanten, die keine eigene Walte und Appretur besigen, dürfen die abgewebte Ware nur in den bisher von ihnen beschäftigten Lohnbetrieben fertigstellen lassen. 3. Nur die bei Eintreffen dieser Benachrichtigung bereits geölten und gewolften Spinnpartien dürfen noch fertiggesponnen werden. 4. Nur bei Eintreffen dieser Benachrichtigung in der Färberei bereits in Angriff genommene Partien dürfen fertiggefärbt und getrocknet werden. 5. In der Wollwäscherei befindliche Partien dürfen fertig gewaschen und getrocknet, aber nicht mehr gefärbt werden. 6. Die Musterstühle dürfen zur Herstellung von Schablonen vorläufig noch in Betrieb bleiben; das hierfür notwendige Material darf vorbereitet werden. 7. Die noch für die neue Sommerkollektion notwendigen Musterfupons( für Kollektions-, Referenz- und Reisemusterzwecke) dürfen angefertigt werden. Nicht aber Probefupons für Modellzwecke und Muster kupons für Versender. 8. Neue Lohnarbeit, einschließlich Heimarbeit, darf von jetzt an nicht mehr herausgegeben werden, auch nicht an Firmen anderer Bezirke. In Lohnspinnereien bereits auf den Maschinen befindliche Partien dürfen fertiggestellt wer= den. In Lohnwebereien auf den Stühlen befindliche ange= fangene Ketten dürfen abgewebt, aber nicht weiter fertiggestellt werden. 9. Den von der Aussperrung betroffenen Arbeitern sind die Entlassungspapiere nur auf ausdrückliches Verlangen jeder einzelnen Person auszuhändigen. 10. Denjenigen Arbeitern, welche die Entlassungspapiere verlangen und demzufolge auch erhalten haben, ist der Restlohn sofort zu zahlen, den übrigen Arbeitern nach Möglichkeit eben= falls sofort, spätestens jedoch am kommenden Montag. 11. Wegen der Abmeldungen bei den Ortskrankenkassen bitten wir Sie, sich an Ihren Ortsvorsitzenden zu wenden, der zum Zwecke der Vereinfachung besondere Abmachungen mit der Krankenkasse treffen wird. Alle im Vorstehenden erwähnten und gestatteten Arbeiten dürfen nur von den nicht von der Aussperrung betroffenen Personen( siehe unter 1) ausgeführt werden. Rottbus, den 18. Juli 1914. Ungerechte Behandlung, die im Befehlen von tausenderlei Verrichtungen außer der Reihe zum Ausdrud kommt, läßt der Soldat über sich ergehen. Die Ungerechtigkeit kann aber einen braven Musketier, der sich aus irgendeinem geringfügigen Anlaß das Wohlwollen eines Vorgesetzten verscherzt hat, der Verzweiflung nahe bringen, und doch wird er keine Be= ich werde führen, da er das Gefühl hat, daß ihm seine Empfindlichkeit schaden könnte. Ein eingeschüchterter Rekrut wird in voller Ergebenheit sogar Schimpfworte und Mißhandlungen erdulden, weil er befürchtet, durch das Beschreiten des Beschwerdeweges den Unwillen von Vorgesetzten erst recht zu erregen. Ich kannte einen Hauptmann, der seine Musfetiere in der gemeinsten Weise beschimpfte und gewohnheitsmäßig beim Absteigen vom Pferde dem Pferdehalter seine Feld- Arbeitgeberverband der Laufizer Tuchindustrie, E. V. binde um die Ohren schlug, der seinen Burschen mißhandelte, Diese Ausführungsbestimmungen sind am vorigen Freiund doch hatte keiner den Mut, gegen diesen Soldatenschinder tag beraten worden; sie zeigen, daß troz aller nach außenhin vorzugehen. Dieser Hauptmann, der eigentlich aus dem Heere zur Schau getragenen Einigkeit der Argwohn der Konhätte entfernt werden müssen, wurde sogar noch mit einem Rom- kurrenten doch sehr stark vorhanden ist. Man befürchtet mando nach China ausgezeichnet. Ein anderer Hauptmann, offenbar nicht mit Unrecht, daß der eine und andere im Trüder seine Laufbahn erst mit dem Brigadekommandeur abschloß, ben fischen wird. Trotzdem die Unternehmer ihre Arbeiter war derartig blind in seiner Wut, daß es ihm nicht darauf so brutal behandeln, scheinen sie doch Angst zu haben, daß sie antam, drei Glieder zu überreiten, um im vierten ihre Leute verlieren. Sie haben daher die geheime Fehme Gliede einen Mann zu züchtigen. gegen ihre Opfer zur Anwendung gebracht, schon zu einer Kasernendramen sind das natürlich nicht fein Gedanke! Beit, wo die Aussperrung noch nicht vollzogen war. Dienstag, den 14. Kuli ct., wollte ein Arbeiter von der Firma' Robert Cattien in Forst wegen der angedrohten Aussperrung daS Arbeitsverhältnis lösen. Er sagte dem Chef, daß er schon andere Arbeit angenommen habe. Darauf erwiderte der Chef: «Ich zahle Ihnen 30 M., wenn Sie bei der Firma, bei der Sie nach Ihrer Angabe Arbeit erhalten haben wollen, eingestellt werden. Die fjfirma wird mit 500 M. bestraft, wenn sie Leute, die aus der Lausitz kommen, einstellt." Regierung, bitte, hier ist Material für die Denkschrift über Terrorismus. Krassere Fälle von Terrorismus, wie dieser, wo die Unternehmer 30000 Arbeiter und Arbeiterinnen existenzlos machen und diese unschuldigen Opfer der Unternehmerwillkür dann noch mit schwarzen Listen im ganzen Reiche von allen Fabriktoren weggejagt werden— wirklich, krassere Fälle von Terrorismus lassen sich nicht denken. Also, Regierung herbei! *• * Die traurige Lage der Niederlausitzer Tucharbeiterschaft kommt in einem Briefe, den eine KLjährige Veteranin der Arbeit an die Ortsverwaltung des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes in Forst geschrieben hat, recht drastisch zum Vorschein. Die Greisin, die in Spremberg wohnt, klagt gar bitter, daß durch die Aussperrung großes Leid über Tausende von Arbeiterfamilien gebracht werde.„Ich"— so beginnt sie den Brief—,„die diese Zeilen schreibt, bin eine arme alte Frau, welche trotz täglicher ehrlicher Arbeit es nicht hat dahin bringen können, soviel zu ersparen, um im Alter von schon 68 Jahren davon leben zu können. Ich bin daher angewiesen, von Arbeiterleuten zu leben, indem ich Kinderfrau bin." Ja, so ist das Leben der meisten Niederlausitzer Tuch- arbeitet und-arbeiterinnen. Schinden können sie für die paar Fabrikanten ihr ganzes Leben lang, d. h. nur so lange, wie den Fabrikanten die Ausbeutung der Arbeitskraft lohnend genug erscheint Wenn die Ausbeutung bei vor- geschrittenem Alter nicht mehr lohnt, dann kümmert sich das Unternehmertum nicht mehr darum, daß diese alten Leute auch Menschen sind: sie können gehen und nun sehen, wie sie sich ihre alten Tage mit dem Leben durchschlagen. Daß die Unternehmer den von den Forster Walkerei- arbeitern geforderten Lohn ganz gut zahlen könnten, bewies am vorigen Sonnabend die Firma Kehrl in Kottbus. Sie trat an ihren Walker heran und forderte ihn auf, zu einem Wochenlohn von 25 M. einen Kontrakt auf vier Wochen mit ihr abzuschließen. Also hier kann man 25 M. zahlen, in Forst lehnt man 23 M.— die herabgeminderte Forderung der Arbeiter— rundweg ab. Natürlich fällt es jetzt keinem Walker ein, auf vier Wochen einen Kontrakt abzuschließen, um dann nach vier Wochen zu hören, daß nunmehr wieder weniger gezahlt oder gesagt wird: Mohr, du hast deine Schuldigkeit getan, Mohr jetzt kannst du gehen. Die Arbeiter sind in ganz zuversichtlicher Stimmung. Die Mitgliederversammlungen, die der Deutsche Textilarbeiterverband abgehallen hat, verliefen überall in mustergültiger Weise. Ein Zustrom fand zu den Versammlungen statt, wie ihn die Arbeiterbewegung der Niederlausitz noch nie gesehen hat. Vor den Lokalen standen die Unorganisierten und man konnte es ihnen ansehen, daß sie von Gewissensbissen gequält wurden, als sie sahen, wie selbstbewußt ihre organisierten Kollegen auftraten, die mit Stolz ihr Mitgliedsbuch aus der Tasche zogen, um es der Kon- trolle vorzuzeigen. Da haben wohl alle, die da außen standen, empfunden, daß sie als Unorganisierte heute eine verlorene Rolle im wirtschaftlichen Leben spielen. Am Montag und Dienstag werden die Unorganisierten versammelt werden, und ste werden dann Gelegenheit bekommen, den Anschluß an ihre organisierten Brüder und Schwestern zu nehmen. die Schindmähre. Bethmann hält ti doch für angebracht, sich den Preußen- bündlern gegenüber wegen der Berufung seiner beiden Staats- sekretäre ins preußische Ministerium zu rechtfertigen. Die Er- nennung sei in keiner Weise ein Novum und auch zu Bismarcks Zeiten habe man es ganz ähnlich gemacht. Wenn man wolle, könne man die Ernennung als eine Stärkung des Einflusses de» Reichs- gedankenS auf die Führung der preußischen Geschäfte ansehen, und wenn andere glaubten, daß im Gegenteil der Einfluß der preußi- schen StaatSinteressen auf die Führung der Reichsgeschäfte gestärkt werde, so sei das auch richtig. Die Gegensätze und MeinungSver- schiedenheiten sollen sich in der höheren Einheit der Erwägung auf- lösen, daß es im preußischen StaatSministerium weder rein preußische noch reine Reichsstimmen gibt, sondern nur Männer, die berufen sind, daS Gesamtinteresse Preußen-DeutschlandS im Auge zu haben. Die ganze Auseinandersetzung trägt einen etwas hochsommerlich-akademischen Charakter, und interessanter wäre«S schon ge- wesen. wenn die„Nordd. Allg. Ztg." einige präzisere Mitteilungen über den unmittelbaren Zweck der Berufung deS Herrn Kühn ge- macht hätte. Aber von all den Andeutungen und Vermutungen über neue Finanzvorlagen, über Steuern und Monopole und über die Rüstungen, für die das Geld verwendet werden soll, sagt das Blatt kein Sterbenswörtchen, obwohl es doch durch die einfache Versicherung, daß die Regierung nicht daran denke, den Weg, auf dem die VermögenSzuwachssteuer liegt, weiter zu verfolgen, die Bedenken der Junker viel sicherer niederschlagen könnte, als durch noch so umfangreiche historisch-staatSrechtliche Be- trachtungen. Zu allem Ueberfluß weist ja die„Kreuzzeitung" noch einmal ausdrücklich darauf hin, waS ihren Freunden der springende Punkt ist, wenn sie sagt, daß gerade jetzt nicht nur die unitarisch- demokratischen Bestrebungen des Reichstags, sondern auch„der tiefe Eingriff in die finanzielle Selbständigkeit der Einzelstaaten" zu den lebhaftesten Besorgnissen Anlaß gebe. Warum die Regierung über diesen Punkt schweigt? Nun. sicher nicht, weil sie nicht in der Lage wäre, den Agrariern die Sorgen- falten von der Stirn zu streichen: sie hält es nur aus guten Grün- den nicht für zweckmäßig, ihre Karten schon jetzt aufzudecken und deshalb sucht sie die Nörgler mit staatswissenschaftlichen Argu- menten zu beruhigen. Ein Bemühen freilich, das recht aussichts- los erscheint, da die Konservativen sich an die Form der Reichs- Verfassung halten, nach der ja in der Tat die Reichsregierung als eine Art von Organ der preußischen Regierung gelten muß, und insbesondere der Reichskanzler auf dem Gebiete der Ge- setzgsbung nicht viel mehr ist als da? Mundstück des preußischen Ministeriums. Daß die Verfassung sich feit der Gründung des Norddeutschen Bundes innerlich gewandelt hat, und daß wir praktisch heute ein Eigenleben des Reichs haben, wollen die schwarz-weißen Patrioten nicht zugeben. Sie berufen sich auf Bismarck, zu dessen Grund- sähen die unbedingte Aufrechterhaltung der preußischen Kontrolle über daS Reich gehört haben soll. Mit Recht, soweit der Bismarck im Norddeutschen Reichstag und der Bismarck im Sachsenwald in Betracht kommt. Der war Nurpreuße und betonte scharf den preußischen Standpunkt. Aber zwischen diesen beiden Perioden gab es einen Bismarck, der dort, wo eS ihm zweckmäßig erschien, den deutschen Mantel um die Schultern warf und sich gegen den preußischen„Hauptpartikulariften" wandte. Die„Kreuzzeitung" verlangt in einer Polemik mit den Gegnern der preußischen Ansprüche Beweise für diese Behauptung. Nun, sie möge u. a. die Rede nachlesen, die der Kanzler und Minister- Präsident am 25. Januar 1873 im preußischen Abgeordnetenhause hielt, und in der er eine„gewisse LoSlösung. eine Herausschälung deS Kanzlers aus der ganzen Vegetation, die sich im preußischen amtlichen Leben bei ihm angesetzt habe", für notwendig erklärte. Oder, da sie mit Vorliebe die Artikel zitiert, die der Verbitterte zu Anfang der neunziger Jahre in den„Hamburger Nachrichten" loSlieh, mag sie auch einmal den auS dem Oktober 1892 hervorholen, in dem zugegeben wird, daß die Präsidialanträge, d. h. die Vorlagen, die in den Reichsämtern ausgearbeitet sind, von den Anträgen der preußischen Regierung unterschieden werden. Aber auch diese Hinweise, die sich übrigens stark vermehren lassen, werden wenig nützen. Die Junker wollen den Reichs- gedanken rückwärts revidieren, um das von Staatssekretären freie preußische Ministerium zum eigentlichen Beherrscher des Reichs zu machen. Deshalb reiten sie auf der Verfassung. Daß sie dabei sogar dem Parlamentarismus entgegenkommen, insofern als dieses preußische Ministerium nach ihrer Ueberzeugung natürlich die Politik der preußischen Landtagsmehrheit treiben mutz, bereitet ihnen wenig Skrupel. Ihre Abneigung gegen demokratische Jnsti- tutionen wird gedämpft, wo sie ihres parlamentarischen Einflusses sicher sind. Sie spielen sich als Hüter der Verfassung auf. Aber was ist ihnen die Verfassung? DaS Mittel, ihre Macht zu er- halten und vor allen Dingen jeden Angriff auf ihren Geldbeutel abzuwehren. Sie denken über die Verfassung wie ihr GestnnungS- genösse aus der Bretagne über die französische Charte, die die Bourbonen nach der Vertreibung Napoleons ihrem geliebten Volke gegeben hatten:„Wir müssen auf dieser Schindmähre reiten und sie laufen lassen, bis sie krepiert oder uns rettet." politische Ueberflcht. Angemessene Kühle. Oesterreich, so raunt der„wohlunterrichtete" Berliner Vertreter der„Frankfurter Zeitung", hält an seinen Forde- rungen gegenüber Serbien fest Es wartet nur bis nach der Ernte: dann wird es sie vorlegen, und dann soll rasch und energisch gehandelt werden. Merkwürdig. Wenn die Wiener Regierung Beweise dafür besitzt, daß in Serbien und möglicherweise an amtlichen Stellen des Königreichs die Fäden der Verschwörung zusammenlaufen, und, wenn es ihr darum zu tun ist. die internationale Gefahr, die dieser Zu- stand birgt, zu beseitigen, dann sollte man meinen, ist es ihre Pflicht, Europa und vor allen Dingen Serbien von den Tat- fachen ungesäumt in Kenntnis zu setzen. Tut sie das nicht, zögert sie, droht sie und macht geheimnisvolle Andeutungen, so hat sie entweder keinerlei sichere Unterlagen oder sie arbeitet absichtlich auf eine Verschärfung der Spannung hin, indem sie den wildesten Gerüchten Raum gibt. Deutschland hat jedenfalls allen Anlaß, so energisch als möglich von dieser Politik abzurücken, und fast könnte man glauben, daß die maßgebenden Stellen für diese Notwendig» keit ein gewisses Verständnis besitzen, denn die„Nord d. Allg. Z t g." behandelt in ihrer Wochenrundschau den Kon- flikt mit einiger Kühle: In den Auslassungen der europäischen Presse zu der in dem Verhältnis Oesterreich- Ungarn» zu Serbien obwaltenden Spannung machen sich immer mehr Stimmen geltend, die an- erkennen, daß Oesterveich-llngarnS Verlangen, ein« Klärung seiner Beziehungen zu Serbien herbeizufüihren, berechtigt ist. Dabei schließen wir uns der an mehr als einer Stelle ausgedrück- ten Hoffnung an, daß durch rechtzeitiges Einlenken der serbischen Regierung das Entstehen einer ernsten KrisiS vermieden werde. Jedenfalls läßt e» da» solidarische Interesse Europas, das bisher in der langen BalZankrisiS in der Bewahrung des Friedens unter den Großmächten zur Geltung gekommen ist, erwünscht und ge- boten erscheitten, daß die Auseinandersetzungen, die zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien entstehen können, lokalisiert bleiben. Diese Reserve behält man rn Berlin hoffentlich bei. Selbst auf die Gefahr hin. daß jedes ZustimmungS- und An- erkennungstelegramm aus Zoppot ausbleibt Der Kriegsminister auf dem Rückzüge. Wie wir berichteten, hatte der Krieg» min ister wegen Be- leidigung deS Unteroffiziers Genz Strafantrag gegen die Mannheimer „Volksstimme", den„Vorwärts", die Parteiblätter in Braunschweig und Gera gestellt. Die Beleidigung wurde in einem Artikel:„Sol- datenleben, ja das heißt lustig sein!", der zuerst in der Mannheimer .Volksstimme" erschienen war, erblickt. Nachdem der Kriegsminister den Strafantrag gegen uns bereits zurückgenommen hatte, hat er nun auch den Antrag gegen den Verantwortlichen der „Reußischen Tribüne", Genossen Drechsler, zurückgenommen, und das Landgericht hat daraufhin das Verfahren eingestellt Ter neueste Dallwitz. Wie schon kurz gemeldet, hat Herr v. Dallwitz dem Bürgermeister von Z a b e r n, der erst in diesen Tagen mit großer Mehrheit vom Gemeinderat wieder auf seinen Posten berufen worden war, die Bestätigung verweigert Der„neue Kurs" im Elsaß macht sich immer schärfer geltend. Die Maßregelung des Bürgermeisters Knöpffler ist ein G e- waltstreich, der durch nichts zu rechtfertigen ist. Man kann ihn nicht aus den Vorgängen in Zabern begründen, denn damals tat Knöpffler durchaus seine Pflicht, und auch seine vorgesetzten Behörden haben das durchaus anerkennen müssen. Möglicher-, ja wahrscheinlicherweise ist seine Nicht- bestätigung aber auch gar nicht eine Folge seines Verhaltens während des Konfliktes, oder doch wenigstens nicht nur eine Folge davon. Die offiziöse„Straßburger Post" deutet an, daß die Maßregelung in der politischen G e- sinnung Knöpfflers ihre Erklärung finden müsse. Knöpffler gehört dem elsaß-lothringischen Zentrum an und vertritt diese Partei auch im Landtag. Das Straßburger Blatt nennt ihn nun den„Typus" des zweideutigen Elsässers, der äußerlich loyales persönliches Verhalten und in amtlichen Stellungen eine gewisse Zurückhaltung zur Schau trägt, den rückhalllosen Anschluß an das Deutsche Reich aber innerlich nicht gefunden hat. Herr v. Dallwitz will beweisen, daß er den„gut- preußischen Geist" mit nach Straßburg gebracht hat. Er greift schneidig zu, selbst auf die Gefahr hin, daß er sich dadurch einen erbitterten Kampf des elsaß- lothringischen Zentrums auf den Hals lädt. Vor- läufig verhält sich die Zentrumspresse zwar noch sehr zurück- haltend. Aber es ist doch kaum anzunehmen, daß die Partei es sich ruhig gefallen läßt, wenn eines ihrer Mitglieder wegen seiner Gesinnung gemaßregelt wird. Im übrigen gibt die„Straßburger Post" zu erkennen. daß die Nichtbestätigung Knöpfflers nur ein erster Schritt sein solle. Alle Elemente von der Art des bisherigen Za- berner Bürgermeisters müßten aus den öffentlichen Aemtern verschwinden. Diese Ankündigung muß neue schwere Er- schütterungen für die Reichslande bedeuten. Was daraus erwachsen wird, läßt sich noch nicht absehen. Der Ordensschacher. Heber den Orden»- und Titelschacher stehen wieder neue Enthüllungen bevor. Nach Telegrammen bürgerlicher Blätter haben in Berlin und Frankfurt a. M. Haussuchungen statt- gefunden, um gewissen Ordens- und Titelschacherern auf die Spur zu kommen. Die Haussuchungen sollen erfolgt sein auf Grund von Adressen, die von der Berliner Kriminalpolizei bei der Auskunftei „Sphinx" vorgefunden wurden. U. a. soll der Direktor einer großen Frankfurter Aktiengesellschaft Sehnsucht nach einem Orden oder auch dem Titel„Kommerzienrat" gehabt haben. Die Haussuchung dürfte für den Herrn, der sich zurzeit in einem Bade befindet, eine peinliche Ueberraschung gewesen sein. Jugendfürsorge. Die Duisburger Strafkammer hat dieser Tage den Agrariern des rheinischen Kreise» ReeS einen unerwünschten Strich durch die Rechnung gemacht Der Landrat diese» Kreises hatte im Verein mit dem Kreisschulinspektor angeordnet, daß in der Volksschule zu Haldern an Stelle des naturwissenschaftlichen und des Turn- Unterrichts ein„landwirtschaftlicher" Unterricht erteilt würde, was in der Praxis so aussah, daß unter Ausschaltung des Lehrers ein G r o ß! n e ch t die 40 Kinder der Schule drei Nach» Mittagsstunden täglich zu angestrengter Feld- arbeit zwang. Als eine Anzähl Eltern ihren Kindern die Teil- nahm« an diesen Hebungen verboten, erhielten sie Strafmandate. Die Duisburger Richter, die jetzt angerufen wurden, hatten indes keinen Sinn für einen derartigen Erfolg de» naturwissenschaftlicheu Unterrichts und hoben die Strafverfügungen auf. Schon ist aber ein Blatt wie die„Rheinifch-westfälssche Zei- tung" bei der Hand, um die menschenfreundliche Anordnung des Reeser Landrats als Vorschlag in erweitertem Umfange wieder aufzunehmen. DaS Essener Scharfmacherorgan hat heraus- gesunden, daß eS im Falle eines Krieges an Arbei-, tern fehlen würde, um die Brot- und Fleischproduktion im gewohnten Umfange aufrecht zu erhalten. Es schlägt vor, mit Rückficht darauf systematisch Hilfskräfte auszu- bilden,— zwangsweise, indem man„aus kriegswirtschaftlichen Gründen" die gesamte in den Städten aufwachsende Jugend unter Aussicht der Lehrer„einen oder zwei Sommer ihrer Schulzeit, vielleicht die letzten Jahre vor der Konfirmation", hinaus aufs Land führt und„bei unseren Bauern und auf unseren GutShöfen landwirtschaftliche Arbeit lernen" läßt Wir vermuten, daß die„Rheinisch-westfälische Zeitung" ihren Vorschlag weniger aus Sorge um die landwirtschaftliche Produktion während eines Krieges, als vielmehr aus dem Grunde gemacht hat, weil dadurch mit einem Schlage auch der ländlichen„Leute- not" während des Frieden» abgeholfen fein würde, wobei den Agrariern gar noch die denkbar billigsten, geradezu kostenlose Arbeitskräfte zugeführt würden. Das Blatt der schweren Industrie kann diesen Vorschlag um so eher machen, als die zwangs- weise Zuweisung unserer Jugend zur Ausbeutung durch das Junkertum auch der Industrie nichts kosten und die profitbringende industrielle Reservearmee in keiner Weise mindern würde. Die„Rheinisch-westfälische Zeitung" vergleicht ihre vorge» schlagene Zwangsarbeit mit dem Erholungsaufenthalt auf dem Lande, der heute in steigendem Maße der Jugend zuteil würde. Vielleicht fangen die Redakteure de» Blattes und jene Herrschasten, deren Interessen sie vertreten, damit an, jene Monate, die sie nicht in ihrem Berufe tätig sind(manche unter ihnen feiern sogar das ganze Jahr), damit zuzubringen, daß sie bei den Bauern und auf den GutShöfen OstelbienS kostenlos„landwirtschaftliche Arbeit lernen?, Spionageprozesse. In Thorn wurde ein Vizefeldwebel der Thorner FestungS- Ferns prech-Kompagnie Nr. 1 verhaftet Gegen ihn wird die Be- schuldigung erhoben, Mitteilungen über die neue Thorner Militär- Funkenstation vor dem Leibischer Tor an Rußland gemacht zu haben. Auf dem Truppenübungsplatz Friedrichsfeld bei Wesel wurde unter dem Verdacht der Spionage ein Russe verhaftet, der sich an einen Unteroffizier gewendet hatte, um von diesem Auf- schlutz über militärische Dinge zu erhalten. Das Attentat gegen den kroatischen Statthalter. Budapest, 19. Juli. Heute ist die Anklageschrift gegen die Handelsschüler Jakob Schäfer und Rudolf Herci- g o n j a veröffentlicht worden. Schäfer, der 1395 geboren ist, wird angeklagt, am 20. Mai 1914 gegen den BanuS Skerlecz einen Meuchelmordversuch unternommen zu haben, an dessen Ausführung er nur durch den Polizeioffizier Bedekovich verhindert worden sei. Hercigonja, 189S geboren, wird angeklagt. Schäfer zu dem Anschlage überredet und wiederholt geäußert zu haben, daß Attentate gegen hochstehende Personen, wie Erzherzog Franz Ferdinand, Graf T i S z a und andere, notwendig seien. Hier- durch solle Anarchie hervorgerufen und ein Einbruch der ser» bischen Armee zum Zwecke der Verci---"'ng Kroatien? mit Serbien erleichtert werden. Ein österreichisches Nüstungspanama. Der tschechische Abgeordnete und Tuchfabrikant Brdlik wird von dem Brünner Montagsblatt" beschuldigt, bei den Tuchliefe- rungen den Staat fcwohl an der Güte wie an der Menge ganz gewaltig betrogen zu haben, während die an das Ministerium geschickten Proben natürlich vorschriftsmäßig waren. Dabei ist Brdlik«in Volksvertreter und Handelskammerpräsident I Zwei andere Abgeordneten, di« von den Dingen in Kenntnis gesetzt Brdlik ein Volksvertreter und Handelskammerpräsident! Zwei Verdeckung der Minderwertigkeit de? Tuche» soll ei mit Säuren behandelt worden fem. die bei Schuhwunden Blutvergiftungen hervorrufen müßten!! Wetteraussichtcn für daS mittlere Norddeutschland bis TienS» tagmittag: Zunächst größtenteils heiter, weitere Erwärmung. Nach. her nordostwärtS fortschreitende Zunahme der Bewölkung und im Westen zahlreiche, im Osten nur vereinzelte Gewitter mit Ab- kühlung. Ein Luftmorö in öer Seestraße. Gestern Abend kurz nach 8 Uhr wurde ein junges Mädchen von etwa 17 Jahren von einem Sattlermeister, der ein Lauben- gelände in der Seestraste, gegenüber Bergmanns ElektrizitätS- werken, besitzt, tot aufgefunden. Ihre Bluse war zerrissen und der Oberkörper fast ganz entblöstt. Am Kopfe hatte eS eine Wunde. Wer die Tote ist, weiß man noch nicht. Ter Laubenbesitzer sah sie zum erstenmal am Sonnabendvormittag. Neben seiner Laube hat er noch einen Verschlag, der mit wildem Wein dicht umsponnen ist. In diesem Verschlag lag das junge Mädchen und bat den Mann. ihm zu gestatten, daß es sich dort aufhalte. Mehrere junge Burschen täten sie verfolgen, und aus Angst vor ihnen sei sie dorthin ge- laufen und habe sich in dem Verschlag versteckt. Der Satllermeister gestattete dem Mädchen auch den Aufenhalt. AIS er gestern Vor- mittag wieder das Gelände aufsuchte, war das Mädchen immer noch da. Gestern Abend aber fand er sie tot daliegen. Die Revierpolizei benachrichtigte sofort die Mordkommission, die auch bald erschien. Außerdem war der Gerichtsarzt Medizinal- rat Dr. Strauch zur Stelle, der die Leiche untersuchte, aber die Todesursache nicht bestimmt feststellen konnte. Nach dem äußeren Befund jedoch handelt eS sich um einen Lustmord, der wahrschein- lich von den Burschen begangen worden ist, vor denen sich das Mädchen, wie es sagte, fürchtete. Die weiteren Nachforschungen und Untersuchungen des rätsel- haften Leichenfundes in der Seestraße hat gestern abend keine weitere Klärung bringen können. Es kann sich ebensogut um einen natürlichen Todesfall wie um ein Verbrechen handeln. Die Person der Toten liest sich auch noch nicht feststellen. Das Gelände, auf dem sie gefunden wurde, gehört einer Terraingesellschaft und war zuletzt eine Laubenkolonie. Die Lauben wurden aber zum größten Teil jetzt abgerissen, um einer Bebauung Platz zu machen. Die genauere Untersuchung der Toten hatte ein geradezu ent- setzliches Ergebnis. Es zeigte sich, daß das Mädchen nicht nur am Kopf, sondern auch am Unterleib voller Maden war. Medizinal- rat Dr. Strauch sprach die Ansicht aus, daß die Person diese schon zu Lebzeiten hatte. Es handelt sich demnach um ein Geschöpf, da? am lebendigen Leibe verfault ist. Auch die Kopfwunde und andere offene Stellen rühren von den Maden her. Obwohl durch die außer- ordentliche Wärme der Verwesungsprozeß ungemein schnell fort- schreitet, so ist es doch wohl völlig ausgeschlossen, daß er erst nach dem Tode des Mädchens begonnen hat. Sein Tod ist erst in den gestrigen Nachmittagsstunden eingetreten, denn noch um 2% Uhr nachmittags ist es gesehen worden, wie es im Sande vor der Laube fast. Als es gegen 8 Uhr abends tot aufgefunden wurde, lag es mit der linken Kopfseite auf einem alten Mülleimer. Man nimmt jetzt an, daß eS sich im Todeskampfe vielleicht selbst die Bluse zer- rissen hat. Da eine vollständige Klärung der Frage, ob ein Ver- brechen vorliegt oder nicht, nicht herbeigeführt werden konnte, so hat die Kriminalpolizei, nachdem sie die Leiche photographiert hatte, zur Obduktion nach dem Schauhaufe bringen lassen. Die Tote ist wohl ungefähr 17 Jahre alt, doch kann sie auch schon älter, vielleicht sogar bis 25 Jahre alt sein. Sie ist I.SV bis 1,62 Meter groß und schlank, war nicht schlecht genährt, hat dunkel- blondes Haar und graublaue Augen und trug einen schwarzen Cheviotrock, eine blaue Kimonobluse mit schwarzem Kragen, schwarze, defekte Schnürschuhe und schwarze Strümpfe. Ein Hemd oder sonstige Unterkleider trug sie nicht. Hroß'öerlin. die„Sanierung" ües Serline? Nachtlebens. Die Sittlichkeits-Sanitätsräte aus dem Ministerium des Innern und in den Grotz-Berliner Polizeipräsidien sind wieder mal an der Arbeit. Das Kuckucksei wurde zur Abwechselung dem Berliner Nachtleben ins Nest gelegt. In guter Er- innerung ist wohl noch die„Schuckmännerei", die auf Be- treiben des konservativen Abgeordneten v. Schuckmann und seiner Hintermänner darauf ausging, so ziemlich jeden fröh- lichen Ton in der Oeffentlichkeit der Weltstadt noch vor Mitternacht zu ersticken. Michel, zieh' dir Punkt 10 Uhr abends die Zipfelmütze über die Ohren, zahle kräftig Steuern und halt's Maul! Das war die Parole der Schuckmänner, die damals wie die be- gossenen Schnürenpudcl mit eingekniffenem Sckstvanz retirieren mußten. Mit dem Antritt des neuen Mannes auf dem Ministersessel des Innern an Stelle des die Treppe hinaufgefallenen Dallwitz ist der Hydra, die seit Jahren nach dem„großen Wasserkopf an der Spree" schnappt, auch gleich wieder ein neuer Kops gewachsen. Herr v. Loebell, der so forsch sein Politisches Glaubensbekenntnis schon mit der ministeriellen Jungfernrede in der Wohlrechtsfrage ablegte. hat den Schuckmannschen Ladenhüter frisch aufgebügelt. Die Festsetzung der sogenannten Polizeistunde für Gast- Wirte aller Art, die schon soviel Aergernis gestiftet und Schaden angerichtet hat, auch der Begünstigung politisch stubenreiner oder sonst der Polizei genehmer Wirte bre'testen Spielraum läßt, soll in Zukunft bedeutend verschärft gehand- habt werden. Es soll im allgemeinen nur noch die Kon- Zession bis zum Schluß der elften Stunde, darüber hinaus nur noch in Ausnahmefällen erteilt werden. Am ein- schneidendsten aber ist die zum Teil schon ins Praktische über- tragene Absicht, bei jedem Besitzwechsel die Konzession für ge- wöhnlichs Bierlokale und auch für sogenannte Nachtlokale möglichst auf 11 Uhr abends festzusetzen, jedenfalls aber, wenn ein längeres Offenhalten gestattet wird, die bisherige Polizeistunde wesentlich zu beschneiden. Ach, wie sind doch unsere braven Liberalen, die sich aus- gerechnet von diesem Minister des Innern, von dem ehe- maligen Reichskanzleichef, ein Freiheitslüsterl versprachen, übers Ohr gehauen worden! Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben und einen Borussenminister nicht eher, als bis er seine schöne Seele ent- deckt hat. Herr v. Loebell fängt gut an. Er entwickelt sich ganz prächtig nach dem Herzen derer um König Heydebrand, den Kleinen. Nummer eins: Wahlrecht? Gibt's nich! Nummer zwei: Streikpostenstehen... immer feste druff! Und jetzt Nummer drei: Marsch in die Falle um 11 Uhr abends!... Ans Herze mir, Bruder Jagow meiniges! Mit dir vereint fordere ich die Welt der Berliner Nachtschwärmer in die Schranken. Die Lebewelt? Bewahre... die wird weiter„leben". Man läßt gerade soviel Nachtfalterlöcher offen, daß die verehrlichen Bündler und andere Provinzonkels sich die letzten Haare wegamüsieren können... Palais de danse, die blaue Maus, Moulin rouge und so. Was fragen die Herrm, die sich das Regieren erkühnen, danach, ob Tausende von Existenzen zugrunde geben? Keinen Pfifferling. Es ist in Preußen schon am hellen Tage so duster. Nun kann das leuchtende Zweigespann Loebell-Jagow bald den Geist des seligen Kultusministers v. Mühler aus der vierten Dimension durch einen Schutzmann holen lassen.. Nachtstraße, wie wunderlich siehst du mir aus? Oder halt— sollte Herr v. Loebell an den Geburtenrückgang, an den Schutz- mann mit dem zwangsbeißenden Klapperstorch gedacht haben? Vielleicht will er den biederen Berliner Spießern nur Ge- lcgenheit geben, wieder mehr für Kanonenfutter zu sorgen. Wie wir gegen jedes Ausnahmegesetz sind, so verurteilen wir auch Ausnahmebestimmungen, die für Berlin ausgeheckt sind und zahlreiche Gewerbetreibende ruinieren müssen. Wir brauchen überhaupt keine Polizeistunde. In anderen Groß- städten, selbst in preußischen Städten, ist sie längst über Bord geworfen. Soll das Ausland unsere Krähwinkclei wieder mal mit Spottlauge übergießen? Wie sagt doch ein alter Spruch? Es gibt Menschen mit leuchtendem und Menschen mit glänzen- dem Verstände. Die ersten erhellen ihre Umgebung, die zweiten verdunkeln sie._ Selbstmord eines Garde-Ulanen. In der Kaserne erschossen hat sich der 22 Jahre alte Garde- ulan Karl Kirchmann, der im ersten Jahre diente. Er gehörte zur 5. Eskadron des 2. Garde-Ulanen-Regiments und war ein sehr tüchtiger Soldat. Am Sonnabendabend setzte er sich in der Mann- schaftsstube der Kaserne in der Jnvalidenstraße an den Tisch und schrieb, während fast alle anderen Kameraden schon schliefen, einen Brief an die Eltern. Als er ihn beendigt hatte, schickte er einen Kameraden zum Briefkasten. Unterdessen schoß er sich mit seinem Karabiner, den er vorher wahrscheinlich mit Waffer gefüllt hatte, in den Mund. Der Tod trat auf der Stelle ein. Als Grund zu diesem Schritt wird Zwist mit seinen Eltern vermutet. Wegen Mordversuch ein Pastor a. D. verhastet. Am Sonnabendabend wurde, wie wir schon gestern kurz berichteten, auf dt« nach ihrer Wohnung in der Tantener Straße 17 hkeimkehrende Rentiere Jenny Mever ein Re. volveranschlag verübt. Frau Meyer erhielt auf der Treppe von hinten eine Kugel, die in die rechte Schulter drang. Die Verletzung ist sehr ernster Natur; die Verletzte ist vernehmungsunfähig. Als der Tat verdächtig ist ein Pastor a. D. Schmidt in Haft genommen worden. Schmidt stellt entschieden in Abrede, mit dem Vorfall etwas zu tun zu haben. Schmidt betrieb nach seiner Amtsniederlegung in Fürsten- Wälde an der Spree ein Pensionat und hatte dort die Familie M. kennen gelernt. Zwischen dem ehemaligen Pastor und Fräulein M. entspann sich bald ein Liebesverhältnis, das jedoch von der Mutter des MädchenS wegen des Konfessionsunterschiedes nicht gebilligt wurde, und Frau M. hatte keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie aus dem genannten Grunde nicht in eine eheliche Verbindung willigen würde. Sie verbot auch ihrer Tochter jeden weiteren Verkehr mst Schmidt. Vor kurzem war der Pastor nach Charlottenburg über- gesiedelt und knüpfte sofort die Beziehungen zu Fräulein M. wieder cm.— Bei seiner Festnahme bestritt Schmidt ganz entschieden die Täterschaft und erklärte, von dem Attentat überhaupt nichts zu wissen. Bei dieser Behauptung verblieb er auch, als ihm mehrere belastende Momente vorgehalten wurden. Ebenso energisch bestritt er, eine Waffe zu besitzen. Bei einer daraufhin vorgenommenen Durchsuchung der Wohnung fand man einen sechsläufigen Revolver, der noch mit fünf Kugeln geladen war. Festgestellt ist, daß Schmidt etwa eine Stunde vor der Tat eine Zusammenkunft mit der Tochter der Ueberfallenen gehabt hat, Studenten„ulk". Wenn Arbeiter sich die kleinsten Verfehlungen zuschulden kommen lassen, zetert die bürgerliche Presse über die.Roheit" der unteren VolkSmassen. Und wenn gar unsere Richter über diese Verfehlungen zu befinden haben, so kann man oft die wunder- barsten Urteile erleben. Es sei nur an das entsetzliche Urteil in der Charlottenburger Denkmalsbepinselung erinnert. Wenn aber Studenten, also gebildete Leute, in Frage kommen, so heißt eS gleich, ei handele sich um einen harmlosen.Ulk". Dieser Tage zogen eine Anzahl Studenten nach einem Zechgelage in der Kolonie Grunewald im Orte umher und trieben allerhand Allotria. An der Ecke der Hubertus- und der Königsallee setzten sie den Feuer- melder in Tätigkeit und warteten von einem Versteck aus auf das Eintreffen der alarmierten Feuerwehr. Die Uebeltäter konnten jedoch entdeckt und festgestellt werden. Was wird ihnen blühen? Vielleicht ein Strafmandat, das die jungen Herrchen von der reichen Zubuße ihrer Väter mit einer Hand bezahlen werden. Oder wird man sie vor Gericht stellen und ihre Verfehlung ahn- lich werten wie die der Charlottenburger DenkmalSbepinseler? Oder gar noch schlimmer? Die Tat selber ist sicher entschieden schärfer zu beurteilen als die Anpinselung des Denkmals mit der roten Farbe. ES ist doch ein starkes Stück, aus„Ulk" die Feuerwehr nächt- licherweise zu alarmieren, die zum Schutze der Bürger da ist und nicht als Gegenstand der Schadenfreude für übermütige Studenten. Ein gefährlicher weiblicher Einbrecher macht seit einiger Zeit die einzelnen Stadtteile Berlins unsicher. Die Diebin geht in folgender Weise zu Werke. Sobald sie fest- gestellt hat, daß in einem Hause die Portier- oder Verwalterfrau die Treppen fegt, begibt sie sich nach deren Wohnung und klingelt. Oeffnet ein Kind, so erklärt die Fremde, sie sei von der Mutter geschickt, um in der Wohnung etwas zu suchen. Nun bricht sie alle Behältnisse auf und raubt sie aus. Falls aber überhaupt nicht ge- öffnet wird, dringt die dreiste Einbrecherin gewaltsam in die Woh- nung ein und führt dort Diebstähle aus. Die gefährliche Person ist schon in einer ganzen Reihe von Fällen mit Erfolg aufgetreten. ES handelt sich um eine etwa 25 Jahre alte Frauensperson, die gut gekleidet geht und meist eine Markttasche in der Hand trägt. Durch die Feuerwehr aufgeweckt. Eine beinahe humoristische Ueberraschung passierte gestern nachmitiag dem Mechaniker Max Schulz aus der Keibelstraße. Er war etwas angeheitert nach Hause gekommen und hatte sich an das offene Fenster gesetzt, wo er bald darauf einschlief. Jedenfalls muß er dabei eine etwas außergewöhnliche Stellung eingenommen haben, denn bald bildete sich vor dem Hause ein großer Auflauf. Die Leute waren der Meinung, S. wolle sich aus dem Fenster stürzen, und flugS wurde die benachbarte Feuerwehr alarmiert, die dann auch bald zur Stelle war. Zunächst wurde ein Sprungtuch ausgebreitet, und als der.Lebensmüde" immer noch nicht her- unterspringen wollte, packte man das Tuch wieder ein und legte eine Leiter an. um dabei festzustellen, daß eS sich nur um einen- harmlosen Schlafenden gehandelt hatte. Der Mann mutz übrigens einen guten Schlaf gehabt haben, daß er nur mit Hilfe der Jeuerwehr geweckt werden konnte. Den Ted im Wasser suchten und fanden gestern zwei Personen. Bon der Eisendahnbrücke in Stralau sprang morgens kurz vor 6 Uhr ein Mann in die Spree, ging sofort unter und ertrank. Der Inhaber der Badeanstalt in der Nähe suchte mit einem Kahn sofort das Wasser ab, konnte aber nur die hellgestreifte Schirm- mutze des Lebensmüden fischen.— Am Heckmannufer stürzte sich eine etwa 55 Jahre alte Frau in den Landwehrkanal. Auch ihr Vorhaben wurde bemerkt und sofort Rettungsversuche angestellt. ES gelang auch, die Lebensmüde bald zu bergen, doch war fie schon tot. Die Unbekannte ist 1,88 Meter groß und uniersetzt, hat blonde«, spärliches Haar, graue Augen und lückenhafte Zähne und trug eine schwarz und rot gestreifte Bluse, einen schwarzen Rock, eine blaurot gestreifte Schürze und schwarze halbe Schnürschuhe, Strahenbahnunfälle. Auf der Jagd nach seinem Hute ist am gestrigen Sonntag der 23jährige Kaufmann Martin Flegel aus der Schleiermachcrstraße 11 schwer verunglückt, der nachmittags mit Bekannten einen AuS- flug nach Tegel unternommen hatte. In der Berliner Straße wurde ihm durch einen Windstoß der Hut vom Kopfe gerissen. Bei einem Versuche, die Kopfbedeckung einzufangen, geriet der Kaufmann gegen einen in der Richtung nach Tegel fahrenden Straßenbahnzug der Linie 23, wurde umgestoßen und geriet unter den Vorderperron des zweiten Beiwagens. Der Zug wurde zum Halten gebracht und der Verunglückte befteit. Flegel hatte einen doppelten Bruch des rechten Oberschenkels und erhebliche Hautabschürfungen erlitten. Er fand im Paul-Gerhardt-Stift in der Müllerstraße Aufnahme.— Ein zweiter schwerer Straßenunfall hat sich am Sonnabendabend gegen Uhr auf dem Gesundbrunnen ereignet. Als eine Frau Schulz einen an der Endhaltestelle Ecke der Excrzierstraße und Badstraße haltenden Straßenbahnwagen der Linie 90 verlassen wollte, ruckte der Wagen plötzlich an und Frau Sch. stürzte vom Trittbrett herunter. Sie erlitt einen Bruch des rechten Oberschenkels und einen Nervenchok und mußte nach dem Krankenhause Moabit gebracht werden, Mus aller Welt. Mit üer tzunöepeitsche gezüchtigt? Unser Bruderorgan, die.Schwäbische Tagwacht", schreibt: .Von vielen Seiten wird uns mitgeteilt, daß am Donnerstag der verantwortliche Redakteur der agrar-konservativen.Schwäbischen Tageszeitung" auf der Redaktion von miehreren Frauen mit einer Hundepeitsche traktiert worden sein soll. Der Artikel, den die „Schwäbische Tageszeitung" über die letzte ZirkuSversammlnng veröffentlichte und in dem neben dem Referenten besonders die Frauen beschimpft wurden, begegnet in weiten Kreisen allgemeiner Empörung. Er übertraf alles bisher auf jener Seite in Punkts Zeitungspolemik Gebotene. Und das will gewiß etwas heißen. Di« Frauen, die auf der.Schwäbischen Tageszeitung" gewesen sein sollen, scheinen von der Erwägung ausgegangen zu sein, daß auf solche journalistische Leistungen nur noch mit der Hundepeitsche reagiert werden könne." In der Zirkusversammlung hatte der Verteidiger im Luxem» burgprozeß, Rechtsanwalt L e v Y- Frankfurt a. M., über die Soldatenmrßhandlungen referiert, und in dem Bericht der»Schwä» bischen Tageszeitung" hieß e» u. a.:.Hysterisches Pfuigefchrei charakterloser Weibsbilder habe in der Persammlung die Aus» führungen LevYS begleitet." Neue Hitzewelle in Amerika. Die größte Hitzewelle der Saison lagert über New D o r k und es besteht nicht die geringste Aussicht auf ein Nachlassen der kolos- salen Hitze. Im Saufe bei gestrigen Tage» wurden wiederum drei Todesfälle durch Hitzschlag gemeldet, ebenso eine größere Anzahl von Erkrankungen. Sturz eines Fliegers auf einen Bauernwage«. Der spanische Flieger A v a r o, der Sonnabendnachmittag in A r o n d a zu einem längeren Fernflug aufgestiegen war, stürzte einige Kilometer von der Stadt entfernt infolge eines Motor- b r a n d e S hinunter. Er fiel auf einen Bauernwagen, der mit 11 Personen besetzt war. Einer der Insassen wurde sofort ge» tötet, 7 andere schwer verletzt. Der Flieger selbst erlitt auch schwere Verletzungen, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird._ Massenerkrankungeu an Fleischvergiftung. In den englischen Ortschaften Wbtinill, BrinScall und OSwentrh find über 200 Personen an Fleischvergiftung er» krankt.. Bereits am Sonnabend sind von den Erkrankten 13 P e r- s o n e n gestorben. In den genannten Ortschaften befindet sich keine einzige Familie, in der nicht wenigstens ein Familienmitglied unter den Erkrankten wäre. In BrinScall sind in einer einzigen Familie 11 Personen erkrankt. Schwerer Unfall eines Freiballons. Bei dem gestern im Tuileriengarten in Paris erfolgten Auf» stieg der Freiballons, welche an dem Wettflug de» Großen Preise» des Aeroklubs von Frankreich teilnehmen, ereignete sich ein schwerer Unfall. Der ftanzöstsche Ballon Toto, in dessen Kord sich der Lustschiffer B l a n ch e t als Lenker und D u v a I als Fluggast befanden, stieß an einen Baum, so daß das Netz Zerriß. Der Ballon flog davon, während der Korb mit dem Netz zu Boden stürzte. Die beiden Luftschiffer erlitten sehr schwere Ver- letzungen. Der Zustand DuvalS soll hoffnungslos sein. Für den Wettflug sind 24 Ballons angemeldet, darunter die beut» Aen Ballons Leipzig, Lenker Apfel, Breslau, Lenker Haben, und Barmen, Lenker Henoch._ Kleine Notizen. Tragödie eine? englischen Aviatikcrs. Der englische Flieger Dalton ist Sonnabendabend in der Nähe von Sheperds Bush von einem AutomobilomnibuS überfahren worden und erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz nach seiner Einlieferung ins Spital verschied. Dalton war einer der besten englischen Flieger. SittlichkeitSvcrbrechen. AuS B a p a u m e(Departement PaS de Calais) wird gemeldet: Der Lehrer Duclerc wurde wegen einer Reihe von Sittlichkeitsvergehen an seinen Schülerinnen verhastet. Schlimm« Folgen der eigenen Unvorsichtigkeit. Ein elfjähriges Mädchen in Keokuk(Iowa, Nordamerika) brachte unvorsichtigerweise ihre Zunge mit dem Kühlrohr einer EiSgefrier» anlage in Berührung. Die Zunge blieb sofort fest haften, und eS mußte ein Arzt geholt werden, um das Mädchen zu befreien. Nicht nur die Zunge, sondern auch die ganze rechte Hälfte des Ge» sichtS war erfroren, so daß daS Mädchen für die Zeit seines Lebens entstellt bleiben wird. Letzte Nachrichten. Der Kampf der Solinger Waffenarbciter beendet. Solingen. 12. Juli. Die Generalversammlunge» der Arbeitgeber haben gestern den Vorschlägen de» Einigung?» amteS zugestimmt. Damit ist der halbjährige Streik resp. die Aussperrung in der Waffenfabrikation erledigt und die geplante WeneralauSsperrung der Solinger Arbeiterschaft hinfällig. Anarchistenderfolgung. Paris, lg. Juli. Wie aus ArraS gemeldet wird, wurde da- selbst der verantwortliche Redakteur des anarchistischen Blatte» „Grand Soir" verhaftet, weil dieses Blatt in einem Artikel das Derajewoer Attentat verherrlicht hatte. Ter Streik in Baku. Petersburg, IS. Juli. Der Gehilfe des Ministers DschunkowSki ist auf Befehl des Kaisers nach Baku abgereist, um in dem noch immer andauernden Arbeiterstreik in denNaphtha« werken zu vermitteln, Theater. Montag, den 20. Juli 1914. Anfang 5 Uhr. Paffage- Theater. Kino- Barieté. Potsdamer Naturtheater. AltPotsdam. Anjang 7, Uhr. Weften. Die Walküre. Anfang 8 Uhr. Urania. Streifzüge durch Nor wegen. Schiller 0. Tannhäuser. Berliner. Wie einst im Mai. Königgräßer Straße. Mr. Wu. Thalia. Wenn der Frühling fommt. Theater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. Roie. Die relegierten Studenten. Metropol. Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Dresdener ViktoriaSänger. Palast- Theater. Varieté und Lichtspiele. Berliner Prater- Theater. Grigri. Anfang 8 Ubr. Kleines. Der Kleds. Theater am Nollendorfplatz. Der Jurbaron. Walhalla. Der Hund von Baskerville. Folies Caprice. Schwache Nerven. Eine ruhige Sommerwohnung. Verbotene Frucht. Luftspielhaus. Die spanische Fliege. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Leutnantsliebchen. Anfang 8, Ubr. Residenz. Die verflirte Liebe. Admiralspalast. Im Tangofluk Eines Nollendorf- Theater. Cuo vadis. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62 TAG Cigaretten Raucht f. Geschlechtskrankheiten, Harnleiden, Schwäche, Ehrlich- Hata- Kuren, Blutund Harn- Untersuchungen. Institute: Tag- Zigaretten Spezialarzt== der Tabakarbeitergenossenschaft Stuttgart. Qualitätsware Einziges Arbeiterunternehmen der Zigarettenindustrie Deutschlands. Depot für Wiederverkäufer Paul Horsch, Engel- Ufer 15 Gewerkschaftshaus. Engroslager für Zigarren u. Zigaretten. Sie laufen wie eine Biene, wenn Sie unsere gestrickten saus- u. Straßenschuhe tragen. Kein Brennen d. Füße, 1. Schweinfüße, t. geschwoll. 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Str. 43, Gand Forster Str. 48, Schwarz Freienwalder Str. 4, John Friedrichsfelder Str. 18, Böhlte Friedrichsfelder Str. 25, Schwent Friedrichsfelder Str. 31, Fleischer Friedeberger Str. 5, Singe Fürstenberger Str. 12, Stier Fruchtstr. 39, Geelhaar Fruchtstr. 56, Wilte Gartenstr. 54( am Blak), Stappe Gubener Str. 3b, Ambos Gubener Str. 24, Wirth Gubener Str. 48, Preß. Genter Str. 62, Riebe Gerichtstr. 46, Freihube Gesichtstr. 80, Schilling Gerichtstr. 82, Cidhoff Glogauer Str. 24, Handro Glogauer Str. 32, Strauſe Boßlerstr. 17, Rugera Gottschedstr. 8, Steinide Gormannstr. 25, Lorbeer Görliger Str. 41, Schola Greifenhagener Str. 27, Neye Grünauer Str. 4, Kohle Grünauer Str. 34, Schulze Grünthaler Str. 10, Hein Gaudhstr. 14, Ramowski Gräjestr. 9, Stathen Guineaftr. 7, Münchow Hagenauer Str. 16, Dehlenschläger Hennigsdorfer Str. 1, Braun Heidenfeldstr. 16, Schulze Hochstr. 33, Loth Hochstraße, Neue 16, Janigli Hochstraße, Neue 38, Förster Hollmannstr. 29, Kiefer Hussitenftr. 45, Hente Huttenstr. 25, May Huttenstr. 62, Lippisch Jagowstr. 22, Voigt Jahnstr. 5, Heise Kameruner Str. 53, Schwarz Kreuzbergstr. 76, Stühmer Kochhannstr. 16, Zipprich Kochhannstr. 28, Lud. Kochhannstr. 40, Wölfling Korförer Str. 15, Abel Rolonieſtr. 36, Bärtel Koloniestr. 68, Beber Kopenhagener Str. 46, Nitsche Stopernifusstr. 2, Peters Köpenicker Str. 48, Rohde Köpenider Str. 160( Ede Manteuffel straße), Nied Krautstr. 34, Frant Stugle: str. 151, Müller Landsberger Allee 148, Naepelin Langestr. 80, Bärwinkel Langestr. 102, Reinholz Landwehrstr. 3, Sohnert. Laufiger Plaz 12a, Fieliz Liebigstr. 2, Judnies Liebigstr. 14, Hoppmann Libauer Str. 14, Bonin Lindenstr. 79, Kohmann Linienftr. 201, Maaz Liebenwalder Str. 6, Leopold Liebenwalder Str. 36, Prochnow Lichtenberger Str. 15, Bergin Liegniger Str. 16, Belidi Lychener Str. 12, Botryfus Lychener Str. 128, Braun Lychener Str. 132, Kowalski Lorgingstr. 8, Wittkopf Malmöer Str. 12, Kleinfeldt Malplaquetstr. 23, Völkel Matternstr. 4, Schwandt Marfiliusstr. 23, 2utiche Manteuffelstr. 60, Du Maire Manteuffelitr. 75, Cardinal Manteuffelstr. 80, Mez Mariannenstr. 53, Schober Martgrafendamm 34, Jurisch Memeler Str. 6, Manigl Memeler Str. 36, Buchholz Memeler Str. 84, Pazer me Müllerstr. 58, Brandt Müllerstr. 65, Fliegner Müllerstr. 129, Deniger Mühlenstr. 47a, Rudolf Müllenhoffftr. 10, Schaintfe Müncheberger Str. 20, Schulz Naunynstr. 27, Morwinkel Naunynstr. 34, Nitsche Oppelner Str. 11, Bunzel Dderberger Str. 37, Kaminski Oberberger Str. 47, Thiedke Dudenarderstr. 24, Lüdide Dudenarderstr. 30, Straug Pantstr. 10, Milster Banfftr. 62, Schmidt, Pappelallee 10, Meyer Perleberger Str. 39, Borowski Petersburger Str. 5, Buchholz Bintschstr. 20, Brüdner Brinzen Allee 11, Hohmann Putbuser Str. 2, Lowad Putbuser Str. 37, Billerbed Putbuser Str. 46, Kühn Püdlerstr. 45, Brengler Ramlerftr. 17, Kellner Ramlerstr. 33, Dahlte Reichenberger Str. 51, Weniger Reichenberger Str. 98a, Schönborn Reuchlinstr. 7, Thiele Rigaer Str. 4, Baute Rigaer Str. 98, Gärtner Rhinower Str. 6, Warnei Rodenbergstr. 31, Bollmann Rostoder Str. 1, Schmidt Rostoder Str. 42, Blente Rügener Str. 16, Köhler Rügener Str. 25, Badke Saarbrüder Str. 6, Gebauer Soldiner Str. 17, Schmidt Soldiner Str. 66, Graff Soldiner Str. 76, Storzinsti Seelower Str. 12, Meehl Senefelderstr. 13, Niendorf Sidingenstr. 4, Beder Sidingenstr. 7, Arlt Simon- Dachstr. 8, Aleg Sonnenburger Str. 27, Grundmann Stalizer Str. 141a, Blumenhagen Sparrstr. 21, Sabrozti Schliemannstr. 20, Telichow Schliemannstr. 33, Böttcher Schliemannstr. 45, Fleischer Scheringstr. 8, Heinrich Schönleinstr. 18, Unger Schönleinstr. 28, Schmidt, Schönleinstr. 29, Weig! Schönwalder Str. 2, Wifocki Schönwalder Str. 13, Goffe Schonensche Str. 5, Freinid Schonensche Str. 11, Wiesner Schulstr. 116, Beinert Schulstr. 117, Eingang Marftr. Schola Stargarder Str. 14, Sohns Stargarder Str. 18, Thiedfe Stallschreiberstr. 13a, Markiewicz Stallschreiberstr. 59, Rinke Stettiner Str. 23, Busse Stolpische Str. 26, Lozinski Stolpische Str. 37, Beder Straßmannstr. 27, Bänsch Strausberger Str. 26, Rittenbach Swinemünder Str. 84, Saeger Taborstr. 1, Granit Transvaalstr. 11, Seeburg Tegeler Str. 25, Reichelt Triftstr. 1, Bedel Tilfiter Str. 12, Bengsch Tilsiter Str. 65, Lür Tilfiter Str. 71, Böhm Logoftr. 74, Baarich Tresdomstr. 12, Lindenberg Türtenstr. 25, Münster Usedomstr. 9, Lorenz Utrechter Str. 7, Böller Utrechter Str. 19, Rast Waldstr. 15, Fuhrmann Baldstr. 38, Fischer Waldenserstr. 12, Kinder Warschauer Str 63, Restel Wasserto str. 38, Suhrmann Wrangelstr. 58, Bollin Wrangelstr. 80, Battlog. Weberstr. 12, Brandt Weberstr. 13, Telle Weidenweg 73, Friedrich Wiener Str. 29, Stönig Wiener Str. 53, Lipsti Wiener Str. 56, Heinrich Wiener Str. 58a, Dtupnid Wiejenstr. 19a, Richter Wiesenstr. 33. Teufel Witthoder Str. 2, Dehlte Wittstocker Str. 20, Hoffmann Wriezener Str. 4, Weigner Briezener Str. 32, Linte Wolliner Str. 20, Ruschte Woldenberger Str. 27, Fischer Wörther Str. 26, Bärtel Bojjener Str. 54, Stühmer Bionsfirchstr. 46, Berkner Borndorfer Str. 17, Regenberg Zwingliftr. 11, Methner Adlershof. Adlergestell 28, Kretschmer Bismardstr. 15, Dehmel Bismardstr. 20, Dehmel Bismarckstr. 57, Dombrowsky Hackenbergstr. 17, Dettloff Radidestr. 33, Bahn Britz. Ufnaustr. 9, Schwabe Ufnauftr. 15, Braasch Cöpenick. Glienider Str. 27, Mathias Kaiser Wilhelm- Str. 103, Schmalz Müggelheimer Str. 33, Müller Rudower Str. 25, Hausold Schönerlinder Str. 15, Leuchtenberger Stubenrauchstr. 4a, Naujohs Friedrichshagen. Mühlenftr. 70, Leutty Scharnweberstr. 48, Erdmann Johannisthal. Kaiser Wilhelm Str. 13, Hoffmann Lichtenberg. Neue Bahnhofstraße 3, Hirsch Neue Bahnhofstr. 31, Reiche Bogbagener Chauffee 24, Dittmar Frankfurter Chaussee 12, Buff Friedrich- Karl- Str. 29, Borowsky Grünberger Str. 20, Peters Goethestr. 7, Wolff Hagenstr. 57, Langer Stroffener Str. 14, Anders Margaretenstr. 26, Bratow Sonntagstr. 3, Selitzschmüller Scharnweberstr. 24, Austedt Schillerstr. 8, Pohl Tasdorfstr. 7, Kain Wagnerjtr. 77, Leffler Weserstr. 15, Kühn Beseritr. 27, Mizerow Gr.- Liehterfelde. Lorenzstr. 58, Scheeler Mariendorf. Kurfürstenstr. 46, Bernhardt Neukölln. Allerstr. 6, Jeziersky Berliner Str. 12, Schmidle Boddinſtr. 1, Scheel Boddinstr. 9, Rastiewicz Boddinstr. 19, Hoffmann Brusendorfer Str. 5, Reichenbach Donaustr. 130, Ludwig Elbestr. 8, Golz Giber. 37, Mollenhauer Emser Str. 35, Mieles No Emfer Str. 50, Pietruczed Emser Str. 101, Stöfter Elfterstr. 2, Häring Erfftr. 20, Gabriel Fuldaftr. 45, Schiedzig Friedelstr. 1, Kiethöfel Goethestr. 8, Brosin Harzer Str. 32, Hoffmann Heidelberger Str. 28, Bille Hermannstr. 92, Gransee Hermannstr. 207, Roy Herzbergstr. 17, Guse Sägerstr. 3, Krüger Jägerstr. 41, 8wide Jägerstr. 55, Raabe Jägerstr. 75, Sikorski Kanner Str. 21, Lischke Kaiser- Friedrich- Str. 78, Dehmchen Kaiser- Friedrich- Str. 94, Keil Kaiser- Friedrich- Str. 244, Wisodi Senefebcdstr. 59, Rosente Senefebeditr. 71, Wojthal Stopfftr. 20, Winter Stopfitr. 28, Steffel Kranoldstr. 10, Bär Lahnitr. 72, Weber Leinestr. 1, Kellner Leineftr. 5, Grahl Lenauftr. 21, Bimmer Leffingftr. 27, Rausch Mainzer Str. 5, Malid Maybachufer 5, Redmann Dterstr. 3, Schilberg Dlerstr. 40, Wozniac Bannierstr. 26, Zellmannsti ebr Bring Handjery- Str. 54, Jungmann Reuterstr. 31, Gabriel Siegfriedstr. 43, Comradi Schierkeftr. 27, Schiel Schinkestr. 25, Sarnow 330 Schöneweider Str. 8, Witt Schönweider Str. 20, Kendler Schudomaftr. 10, Mud Schudomastr. 45, Natusch Schillerpromenade 5, Schimmel Schillerpromenade 7, Chonowski Steinmetstr. 20, Leich Steinmegstr. 46, Bödert Steinmetstr. 75, Schiefert Stuttgarter Str. 9, Braak Tellitr. 8, Kümmele Teupiter Str. 98, Darams Thüringer Str. 27, Rimmel Treptower Str. 15. Bohm Treptower Str. 91, Heitner Warthestr. 16, Heinrich Warthestr. 64, Pretor Warthestr. 69, Eichhardt Weisestr. 31, Walter Weisestr. 50, Brimm :: Erstklassige Briketts:: Michel M.7.40 f.1000 Stück, Riesenformat 7, Halbsteine M. 0.73 f. 1 Zentner, feinst. Brennholz billigst. Michel- Brikett- Vertrieb Neukölln, Knesebeckstr. 148. Telephone: 1610 u. 2133. + Bruchbandagen Leibbinden, Geradehalter, Irrigateure, Spritzen etc., Suspensorien, sowie alle Artikel z. Krankenpflege empfiehlt Fabrikant Pollmann, jetzt Berlin N., Lothringer Str. 60. Eigene Werkstatt. Lieferant für Krankenkass. Fachgem. Bedienung. Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69 Wie soll man wandern? Anleitungen und Winke von Engelbert Graf. Preis 20 PL Mit Rucksack und Wanderstab. Von Jürgen Brand. Preis 20 PL Jugend- Liederbuch Preis 25 Pf. Weserstr. 161, Pohla Weserstr. 177, Seluge Weserstr. 205, Lenz Wildenbruchstr. 83, Neumann Biethenstr. 27, Schulz Biethenstr. 31, Alpen Biethenstr. 35, Behlfab. 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Alte Luisenstr. 43, Barnid Priesterstr. 31, Wolter Kontrollkarte: 1914: Inhaber dieser Karte ist zu den von der Organisation aufgestellten Arbeitsbedingungen beschäftigt und organisiert. Gültig, wenn die laufende Woche gestempelt! Für Herrn Diese Karte bleibt Eigentum des Verbandes der Friseurgehilfen Deutschlands, Zweigverein Berlin und der Vororte. Bureau: Linienstr. 73. Der Vorstand: Paul Liere. JULI OKTOBER AUGUST NOVEMBER SEPTEMBFR DEZEMBER Als Legitimation haben die Gehilfen eine weiße mit rotem Rand ver Die Beröffentlichung für diesen sehene Kontrollkarte. Drt ruht so lange, bis ein Entscheid des Regierungspräsidenten vorliegt, ob die von der Zwangsinnung ber hängten Strafen rechtsgültig find. Man achte daher auf die Kontrollfarte. 286/13 Hoch die Solidarität! Perband der Friseurgehilfen. Zweigverein Berlin und Vororte. Berantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Inseratenteil verantw.: Tb. Glode. Berlin. Druck u. Beriag: Vorwärts Buchbr. u. Verlagsanstah Baul Singer& C., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage, Hr. 195. 31. ZahiMg. Seilagr des JiwiuK Strlintt MMlift Molltag. 20. Illl! 1914. Oer„Herr* Schutzmann. »Hilfe! Schutzmann! Hilfe 1* Schutzmann, Hilfe l' ,Warum haben Sie mir nkch jleich Sie jehörige Titulatur jegeben! ?60 Kreuzer) Wochenlohn zu zahlen. Und die Hälfte von diesem Verdienst„dürfen" die Leute in dem Ausschank seiner Brennerei auf Pump vertrinken. Am Sonnabend bekommen sie nach Abzug des„versoffenen" Geldes soviel heraus, als für die Woche zu trocken Brot und Kartoffeln reicht. Aber die Leute sind ja so genügsam! Wenn sie Brot, Kartoffeln und Schnaps haben, so verhungern sie schon nicht. Das sind ja gar keine Menschen. Wissen Sie. Der Branntweinbrenner legte eine Hundcrtkronennote auf das Schalterbrett und verlangte ein Billett erster Klasse. Mit einer höflichen Geste gab der Kassierer den Rest heraus, wiewohl von dem reisenden Publikum ein abgezähltes Fahrgeld verlangt wird. Ich drückte den Branntweinbrenner zur Seite und forderte ein Billett dritter Klasse. An der Grenze, in Oderberg, sah ich ihn wieder. Er nahm den nächsten Schnellzug nach Berlin, ich blieb zurück. Eine Stunde vor Mitternacht löste ich ein neues Billett. Vierter Klasse, Berlin. Nach einer knapp dreistündigen Fahrt blieb der Zug in einem oberschlesischen Verkehrsknotenpunkt liegen. Ich schleppte mein Gepäck in den Warteraum vierter Klasse. Er glich einer großen Kaschemme, war schlecht erleuchtet und von widerlichen Gerüchen erfüllt. Sollte ich zwei Stunden lang diese Luft einatmen? Ich nahm mein Gepäck wieder auf und begab mich in den Warteraum dritter Klasse. Ich setzte mich an einen Tisch, an dem bereits ein junger Mann sah, der mir nicht mehr ganz fremd war. Ich hatte ihn schon in Oderberg und auch während der Fahrt gesehen. Er war braun wie ein Mulatte und lächelte deständig. Und gut ge- kleidet war er auch. Wir begrüßten einander. Mit dem Kellner, der jedem einen Schnitt brachte, trat ein Tage bor Gericht zu berauttöor�en. Er wurde schuldig erkannt und zu 8 Tagen Arrest und dv Fr. Geldstrafe verurteilt. Autzerdem verliert er auf Grund des Gerichts- spruches seine Bürgerrechte und damit seinen Bürger- meist erposten, welch letzteres die gute Gemeinde Linkebeek hoffentlich nicht allzuhart treffen wird. Ein Beispiel war dieser oberste Magistratsbeamte ja gerade nicht für die Gemeindebürger. Der Humor an der Sache ist indes, datz der klerikale Häuptling auf Grund des sogenannten„Woeste-Paragraphen" verurteilt wurde, der seinen Namen vom Staatsminister Woeste, der größten Leuchte des belgischen Klerikalismus, ableitet. Spotten ihrer selbst! Als Sohn eines Königs von„Gottes Gnaden" unter der heißen Sonne Afrikas geboren, hat der Sprößling des Königs Behanzin von Jugend auf ein an romantischen Zwischenfällen reiches Leben gehabt. Nachdem er in der kolonialen Armee als Unteroffizier ge- dient hat, ist er jetzt goldbetreßter Portier in einem Kientopp auf dem Montmartre. Er geht mit grotzem Pflichteifer scinor beschci- denen Beschäftigung nach und ist in dem ganzen Stadtteil eine wohl- bekannte Persönlichkeit. Vor einigen Tagen nun bekam er ein Tele- gramm, das ihm meldete, datz er infolge seiner vorzüglichen Führung während der Militärzeit und wegen seiner königlichen Abstammung zum Reserveleutnant ernannt sei. Der schwarze Königssohn war außer sich vor Freude und lief sofort zum Schneider, um sich eine Offiziersuniform anfertigen zu lassen, und stolz verließ er am 14. Juli sein Haus, um sich in seiner neuen Würde bei der Truppen- schau zu zeigen. Aber was geschah? Kaum hatte er sich bei seinem Regiment eingereiht, so wurde er— verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Am Nachmittage wurde er einem strengen Verhör unter- warfen, um zu erklären, wie er zu dem unbefugten Tragen der Oftiziersuniform gekommen war. Voll kindlicher Naivität zog der Sohn des Behanzin die Depesche heraus, die ein loser Spaßvogel ihm geschickt hatte. Lachend entließ der Richter den Aftikaner mit der Mahnung, in Zukunft dem„Woher" von Depeschen genauer nachzuforschen. Tie Pariser Spießer aber freuen sich diebisch über den Scherz, dem man dem schwarzen Kronprinzen, wie er allgemein heißt, gespielt hat. Und es gäbe kaum einen unter ihnen, dem seine Eitelkeit nicht denselben Streich gespielt hätte. Teutscher Mut. „Seit der Verurteilung des Zeichners Hanstchat die urrcaktionäre„Autoftts" der Herren Cassaguac den deutschen Zeitungskorrespondenten in Paris Duelljorderungcn und tälliche Angriffe in Aussicht gestellt.' Ausgerechnet der Vertreter des germa- nijchen RraftblatteS„Deutsche Tageszeitung" hat darauf die Herren Caffagnac brieflich gebet««, „man möge ihm nichts tun"? Kaum hebt so'n„Welscher" ein Gekläff an, so saust schon hosenwärts das Herz dem deutschen Tageszeitungs-Stephan und er verzieht sich hinterwärts. Herr Oertel muß sich wild gebärden, was denn auch äußerst prompt geschieht, um diesen Helden los zu werden— denn solcher schädigt den Profit. Kann man noch mit papiernen Keulen und Kampfgeheul so wie von je nach allen Seiten Tachteln teilen für das geliebte Pochtmaneh— Ob fürder noch Herrn Oertcls Größe den Beth- und auch den Bassermann durch fettgedruckte Rippenstöße in Zucht und Frone halten kann— wenn solchermaßen eine Säule. die sonst nicht übel funktioniert, aus innerlicher Feigheitsfäule das tcutsche Junkcrblatt blamiert? Man kann Herrn Stephan ivohl begreifen, daß mutig er den Rücken dreht, wcnn's ernsthast an ein Aermcl-Strcifen und In-die-Hände-Spucken geht. Knax. Gendarmeriewochtmeister an den Tisch. Ein dickbäuchiger Kerl mit einem Trinkergesicht. „Reisen Sie noch weit?" fragte er mich mit lauwarmer Stimme. „Bis Berlin." „So. Hm. Wohnen Sie in Berlin?" „Ja." „Schöne Stadt, Berlin. Was?" Statt die Frage zu bejahen, setzte ich das GlaS an den Mund. „Und Sie," wandte sich der Gendarm an den jungen Mann, „fahren Sie auch nach Berlin?" „Nein. Ich fahre nur bis Breslau." „Und was dort?" „Ich habe Freunde in Breslau." „Freunde?" Ganz erstaunt war der Gendarm. Ich warf dem Mitreisenden einen warnenden Blick zu, aber er verstand ihn nicht. „Ja," sagte er,„sie haben mir geschrieben, datz sie mir Arbeit verschaffen werden." „So. Arbeit werden sie Ihnen verschaffen. Trüben können Sie gar nicht bleiben. Wir haben hier Arbeitslose genug. Was sind Sie eigentlich so? Können Sie sich überhaupt ausweisen? Was? Das ist nicht nur so. Reisen ohne Papiere." Er blickte rund um sich, als erwarte er von allen Seiten Zeichen des Beifalls. Der junge Mann zog aus seiner Rocktasche ein Arbeitsbuch. Ter Gendarm ritz es an sich, öffnete es aber langsam. „So. Schlosser sind Sie. Jeden Tag lausen Depeschen ein von Diebstählen in der Umgebung. Arbeit hat das Pack nicht, dafür stiehlt es. Bleibt doch zu Hause» zum Teufel auch. Wir haben hier schon genug Spitzbuben." „Wenn Sie mir in Oesterreich Arbeit verschaffen wollen," lächelte der Schlosser, so will ich gerne umkehren." „Werden Sie nicht frech, Sie." schrie der Gendarm, und sein Bauch wurde noch dicker.„Auf allen GutShöfen wird eingebrochen. Ein Skandal ist das. Ich werde Sie einsperren, wenn Sie frech werden, Sie. Lebt dock, wo Ihr wollt, aber bleibt zu Hause." Mit dieser Aufforderung schloß er da» Verhör. Der Kreis der Umstehenden öffnete sich— der Wachtmeister schritt majestätisch zum Saal hinaus. Im Warteraum vierter Klasse legte er los. „Arbeiten will das Pack in Deutschland. Arbeiten? Dolle Zucht das." *• * Im Warteraum zweiter Klasse hat sich der Herr Wachtmeister gewiß nicht sehen lassen. In der ersten und zweiten Wagcnklasse fahren ja nur bessere und begüterte Leute. Branntweinbrenner aus Ungarn, die ihren Arbeitern 1 MarkWochenlohn geben. Aber sie bringen Geld nach Deutschland. Nach Berlin. Etz lebe der Fremdenverkehr. Nied« mit dem Pack, das die Heimat flieht, um leben zu können. „ Gewissensfreiheit". folossal schwierig es überhaupt sei, in einem richtigen Rennboot zu fahren. Radrennen zu Treptow, 19. Jufi. Der Große Breis zu Deutschland", ein Dauerrennen über 75 Kilometer, dessen Die Gewissensfreiheit" war das Paradestück der lutherisch- Anders der Salonruderer. Er ist gewöhnlich mittelgroß Borläufe am 15. Juli ausgefahren wurden, fand heute bei evangelischen Ausgabe des Christentums. Für wirkliche Gewissens- oder klein, schläft gern lange und fährt nur bei schönem günstigem, fast zu heißem Wetter seinen Abschluß. Demke, freiheit einzutreten ist der Kirche, von Luther selbst bis zu den Wetter. Meist hat er eine Braut, die den besseren" Ständen Rennen an, dessen Verlauf sehr viel Abwechselung brachte. Janke Didentmann, Janke und Miquel traten zu dem langen heutigen Oberkirchenräten, natürlich nie eingefallen. Es war nur angehört und vor 2 Uhr nachmittags tritt er selten eine eröffnete das Rennen, aber nach dem 12. Kilometer wurde er von ein Schlagwort gegen den Katholizismus. Während aber die evan- Tour" an, um sie bereits nach einstündiger Fahrtdauer zu Demfe von der Spike verdrängt und er fiel auf den letzten Plaz gelische Kirche nicht mehr eine einheitliche Macht darstellt, hat es beendigen. Sein Ziel ist meist irgendein Strand" oder zurüd. Demte, dem der Franzose Miquel in furzem Abstande folgte, die katholische sehr wohl verstanden, sich innerhalb des Staates" Grand"-Restaurant, wo er mit ihr den Kaffee einnimmt. erlitt beim 45. Kilometer Motordefekt, er blieb zurück, so daß der mächtig zu erhalten. Kein Wunder, daß sie allmählich daran geht, Auch rudert er nicht wie die Renn- und Wanderruderer, in Weg zum Siege für Miquel frei war, der die 75 Kilometer in auch den Schein der Gewissensfreiheit auszumerzen. In der kurzen Hosen und ausgeschnittenem Trikot. Wie unschicklich! einer Stunde 5 Minuten zurüdlegte; 2. Didentmann, 2380 Meter; bayerischen Reichsratskammer hat jetzt der Graf Arco- 3inne- Er trägt beim Rudern lange weiße Hosen mit einer tadellosen 3. Jante, 6400 Meter; 4. Demke, weit zurück. Unter dem Beifall berg erklärt,„ daß es für jeden einzelnen Menschen eine Ge- Bügelfalte und ein bis oben zugeknöpftes Sporthemd mit der Zuschauer und den Mängen der Marseillaise fuhr Miquel wiffensfreiheit nicht geben könne, denn das bedeute den Unter- Umlegekragen und Selbstbinder, um alle Blößen, auf die das seine Ehrenrunde. Preise: 1000, 900, 800, 700. gang des Staates". Und der Kultusminister von Knilling hat ihm Fräulein Braut etwa blicken könnte, zu verdecken. Sein placierten der Vorläufe zum Großen Preise von Deutschland: 40- Kilometer- Rennen( 400, 300, 200, 100 m., für die Unim wesentlichen zugestimmt! ganzes Gepäck besteht aus einem guten blauen Anzug und 1. Zimmermann in 37 Min. 59 Set.; 2. Weiß, 1030 Meter; einem gefüllten Portemonnaie, und nachdem er noch ein paar 3. Leviennais, weit zurück; 4. A. Schulze( Zehlendorf), nach dem Tänzchen gewagt, tritt er frühzeitig die Rückfahrt an. 36. Kilometer infolge von Motorschaden aufgegeben. Bis zum 22. Kilometer behaupten Leviennais und Schulze die Spitze, dann werden sie von den anderen überholt. Einige Fliegerrennen vervollständigten das Programm. Fußball. " Die katholische Kirche ist durchaus ehrlich, wenn sie diese Forderung ausspricht. Sie hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß fie theoretisch die Freiheit jeder Ueberzeugung verdamme und nur zeitweilig und der Not gehorchend darin Konzessionen mache. Was aber werden nun die Evangelischen" tun? Es ist anzu nehmen, daß sie sich auf das jämmerlichste entblättern" werden. Denn da der Gewissenszwang, den Graf Arco von der bayerischen Regierung verlangt, fich zunächst nur gegen den gemeinsamen Feind, gegen die Atheisten, die Konfessions- und Religionslosen richten soll, dürfte weder die Kreuzzeitung" noch der Evangelische Bund", noch per pastörliche Reichsbote" nennenswerte Versuche machen, um die protestantische Volksseele zum Kochen zu bringen! Freigewordenen Geistern tann Gott sei Dant dieser ganze mittelalterliche Sput gleichgültig sein. Spiel und Sport. Der Ruderer. ruderer und Touren- oder Wanderruderer. Im Gegensatz zu ihm steht der Tourenruderer gewöhnlich um 3 oder 4 Uhr morgens auf, um mit dem ersten Zuge seinen Bootsplatz zu erreichen, falls er das nicht schon am Sonnabend getan hat. Das Boot wird mit allen möglichen Sachen, mit Kochgeschirr, Decken, Zelt bepackt, und hinaus geht es. The nicht 20 bis 30 Kilometer zurückgelegt sind, fennt er fein Halten. Dann beginnt das Lagerleben, das Abkochen, Baden und anderes mehr, um erst spät abends, braun und rot wie ein Krebs, zurückzukehren. Diese Art Ruderer dürfte die verbreitetste sein. Im Sommer machen viele von ihnen längere Ferienfahrten, die unter 200 bis 300 Kilometer nicht ausfallen dürfen. Eine solche Fahrt fordert von der Mannschaft große Energie und Ausdauer, die die Leistungen eines aufgeblasenen Rennruderers bei weitem in den Schatten stellen, durch das Gesehene und Erlebte aber voll ausgeglichen werden. Adler gegen Fichte 10 gegen Freie Sportvereinigung 5: 1. Germania- Weißensee 8: 2.- Alemannia gegen R. B. T. 4: 0.Alemannia II gegen Stralauer Ballspielflub II 5: 2.- Siegſtern, 1. Jugendmannschaft 13: 0.- Sperber I gegen Rüftig- Vorwärts I 1. Jugendmannschaft gegen Neuköllner Freie Turnerschaft, 2: 0; dito 2. Mannschaften 0: 1; dito 3. Mannschaften 8: 0. Faustball. Wilmersdorf gegen Friedenau gegen Schöneberg 69:83. Treptow 86: 115. Lichterfelde gegen Lankwiz 106: 106. Teltow gegen Lankwik 110: 109. Lichterfelde gegen Schöneberg 50: 62. Teltow gegen Schöneberg 90: 70. Sozialdemokratischer Wahlverein ( Bezirk 573.) Am Freitag, den 17. d. M., verstarb unsere Genossin, Frau Anna Seifert Es gibt drei Arten von Ruderern: Rennruderer, SalonDer Rennruderer behauptet, daß nur Leute, die durch einen richtigen Trainer, am besten durch einen englischen, instruiert wurden, zu rudern vermögen und bildet sich darauf biel ein. Meist hat er oder sein Vater viel Geld und das wirkliche Arbeiten ist ihm fremd, auch geht er sehr elegant gekleidet. Gewöhnlich ist er groß und von muskulösem Körperbau, läßt auch durchblicken, daß er über ganz bedeutende Körperkräfte verfügt. Hat er dennoch ein Rennen berloren, so haben natürlich der Steuermann oder die anderen Insassen des Bootes die Schuld daran. Hat er aber mal geDer Nordwestbezirk des Turnvereins Fichte" hielt gestern in wonnen, so fennt sein Stolz keine Grenzen, und den Leuten der Jungfernheide sein Sommerfest ab. Trotz der warmen Witteerzählt er dann von den unerhörten Anstrengungen und wie rung wurden sehr achtbare Leistungen erzielt. Und dann noch eine Abart: die„ Ruderer" in den Mietbooten oder wie der fachmännische Ausdruck lautet: died. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. Schmalzgondelfahrer. In Rollsizern" zu fahren und es den anderen gleichzumachen, ist ihr Hauptvergnügen. Für 75 Pf. bis 1 M. pro Stunde unterhalten sie sich dabei köstlich. Kleine Knirpse von 15 bis 18 Jahren stellen das Hauptkontingent, aber auch„ Er und Sie" findet man häufig in solchen Booten. Verfügt die Mannschaft" nicht über allzuviel Geld, muß einer hin und wieder auf die Uhr schauen, um nicht über die Zeit hinaus zu fahren, denn jede angefangene Stunde muß voll bezahlt werden", wie auf dem Bootsplate bekanntgemacht ist. Milastr. 7. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Montag, nachmittag 44, Uhr auf dem Gethsemanetirchhof in Nordend statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Oskar Wollburg Trauer Magazin Berlin N., Brunnenstraße 56. Große Auswahl in schwarzer Konfektion; auch einz. Röcke, Blusen, Hüte etc. Anfertigung nach Maß in 12 Stunden. Aenderungen sofort. Reuters Werke 3 Bände 4 Mart Buchhandlung Vorwärts Verband der Hausarztvereine O.HUTTEL. Zentrale Organisation für Volksgesundheitspflege. Der Verband gewährt den Familienangehörigen seiner Mitglieder für den Beitrag von 1,50 M. pro Monat für jede Familie, ob viel oder wenig Kinder, folgende Leistungen: Nieder mit den Schwindelkassen! Nach 2 Monaten Mitgliedschaft: Freie ärztliche Behandlung. Nach 6 Monaten Mitgliedschaft: Freie Medizin bei akuten Erkrankungen. 90 Hauspflege. " Atteste und Totenscheine. 90 Diphtherie- Serum- Lieferung. Bei Eintritt: Freie Monats- Zeitung zu gesundheitlicher Belehrung. Vorträge Unterrichtskurse. Verleihung v. Badewannen, 10-20 Pf. p.Woche Vermittelung aller Arten Nährpräparate und Krankenbedarfsartikel zu Engros- Preisen. Spielplätze. Kinderausflüge. Hoch die proletarische Selbsthilfe! Familien, deren Ernährer nicht krankenversicherungspflichtig sind oder deren Einkommen 2500 M. übersteigt, werden nicht aufgenommen. Nähere Auskunft erteilen für Berlin: NW. Moabit: W. Bodin, Roftoder Straße 36. " Dullin, Turmstraße 58. Norden: 0. Wälke, Brunnenstraße 100. " " H. Münchow, Lüderißstraße 3. H. Meyer, Gwinemünder Straße 97. G. Lange, Malmöer Straße 12. Nord- Ost: P. Berger, Raugarder Straße 44. Osten: K. Robel, Romintener Straße 48. Süd- Ost: G. Schultz, Adalbertstraße 64. Süden: M. Thurm, Böchstraße 37. 99 Süd- West: Fr. Viet, Fidicinstraße 42. P. Scheele, Stazbachstraße 30. Westen: M. Erdmann, Staplerstraße 18. Friedrichstadt: F. Berger, Stochstraße 5. Für Vororte: Adlershof: A. Stamer, Bismarckstraße 31. Baumschulenweg: R. Krause, Stiefholzstraße 185a. Borsigwalde: C. Krause, Schubartstraße 6. Britz( siehe Neukölln). Charlottenburg: G. Leupold, Schulffraße 2. Friedenau( fiehe Wilmersdorf). Friedrichsfelde: W. Mews, Margaretenstraße 26. Friedrichshagen: R. Pleß, Scharnweberstraße 119. Fürstenwalde: R. Flicke, Holzstraße 3. Fürstenwalde- Ketschendorf: A. Klafki, Chausseestraße 95. Hermsdorf: P. Schulze, Schulzendorfer Straße 71. Karlshorst: W. Graeve, Junker- Jörg- Straße 30. Lankwitz( fiche Südende). Lichtenberg: K. Maaß, Rroffener Straße 20. Lichterfelde- Ost: F. Jentsch, Rantwig, Kurfürstenstraße 40. Lichterfelde- West( siehe Steglik). Mariendorf: M. Herbst, Schwerinstraße 75. Marienfelde: K. Kalinowski, Berliner Straße 116. Neukölln: A. Kuhnert, Stuttgarter Straße 54. Nieder- Schönhausen: E. Hellrich, Raiser- Wilhelm- Straße 49. Nieder-, Oberschöneweide u.Johannisthal: G. Kaiser, Nalepaftr.51. Nonnendamm: A. Göring, Robrdamm 26. Pankow: Th. Geßner, Nordbahnstraße 3. Reinickendorf- Ost: K. Irmer, Rütliftraße 14. Reinickendorf- West( siehe Wittenau). Schönholz: 0. Janke, Hoppestraße 20/21. Schöneberg: Ewert, Ebersstraße 33. R. Schmidt, Cherusferstraße 29. Spandau: G. Ruhnke, Weißenburger Straße 21. Steglitz: A. Damm, Schildhornstraße 8. Südende: G. Thiele, Halstestraße 3. Tempelhof: R. Pechal, Raiser- Wilhelm- Straße 22. Tegel: A. Becker, Brunomstraße 16. Treptow: A. Nitzky, Strüllsstraße 4. Waidmannslust: A. Schlenker, Dranienburger Straße 112. Weißensee( fiehe NO). Wilhelmsruh- Rosenthal: M. Kretke, Keplerstraße 26. Wilmersdorf: R. Becker, Wilhelmsaue 133. Wittenau: W. Lehmann, Charlottenburger Straße 47. Aus nicht verzeichneten Orten wende man sich an die Zentralvorsitzenden: G. Jacob, Berlin NW, Emdener Str. 45, Telephon: Hansa 1134, und O. Hüttel, Neukölln, Nogatstraße 43/44, Telephon: Neukölln 1738. Hausarztverein Neukölln. unter Leitung von Onkel Sonnabend, den 25. Juli, von nachmittags 4 Uhr an, im prächtigen Garten der Berliner Kindl- Brauerei, Hermannstraße: Oeffentliches Volks- Sommerfest und Kinderfreuden- Feier Pelle u. Tante Pellerine. Konzert des Berliner Sinfonie- Orchesters. Dirigent: Herr Maximilian Fischer. Tanz in Bartschs Festsälen und Kindl- Brauerei. Eintritt 30 Pf. Kinder frei. Jedes Kind erhält zwei Gratisbons für Eselreiten, Karussel, Schaukel oder Stocklaterne. Berantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drudu. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.