f 5 Pfennig) ontltgsansgaite( s Pfennig Ur. 202. flbonnementS'Bedlngungen: HBonncmcntä> Preis pränumerando! Vicrtcljährl.'i,sS Mk, monatL 1,10 Mk„ wSchenIIich 28 Pfg. frei ins Haus, Sinzcine Nummer S Pfg, Sonntags- nuinmcr init illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- ilbonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Poft-Zeitungs, Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oestcrrelch- Ungarn 2�0 P!ark, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat, Postabonncments nehmen am Belgien, Dänemarh Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. krlchti»! liigllch. 31. Jahrg. Zcntralorgan der rozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands. Die TnfertIon$'GebflDr beträgt für die sechsgespaltcne Kolonel- »eile oder deren Raum 00 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersanimlnungs-Anzcigen 30 Pfg. »Kleine anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg, izulässig 2 fettgedruclle Worte), jedes wlitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstcllenan- «eigen das erste Wort 10 Pfg,. jedes weitere Wort 6 Pfg, Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition Lbgegeben werden. Die Expeditwu u» bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm> Adresse: „Sozialiunioisrat BcrIUft Redaktton: 8CQ. 68, Lindenftraßc 69. Fernsprecher: Amt Morittplat!, Nr. lS8Z. Montag, den 27. Juli 1914. expcdttton: SM. 68, Lindenftraße 69. fferntnrcrfier; Amt Morinplan. Nr. 19�4. Immer wieöer gegen öen Krieg! »wir glauben, es gibt bei Siefen Empfindungen kaum eine Msnahme, und wenn unsere Sozialdemokraten in den nächsten Tagen Kundgebun- gen gegen den Krieg veranstalten, so werden fie darin bis zu einem ge- wissen Grade die Zustimmung des deutschen Oürgertums finden. Denn bei uns will niemand den Krieg undßluch demjenigen, der das schreckliche Uebe! heraus- beschwört/ „Köln. Zeitung", 25. Juli. Nach kurzem Rausch ist bereits die Ernüchterung bei unseren Hurrapatrioten eingekehrt, eine böse Aatzensamjiier- "stimmung. Das beweist deutlich genug die Auslassung der rheinischen Offiziösen, auch wenn sie sonst. im obligaten Offi- ziösenstile gegen den„Vorwärts" wettert, der sich durch seine Stellungnahme abseits des Volkes gestellt habe. Ja, wenn eine Handvoll gröhlender alldeutscher Jünglinge das deutsche Volk bildete, wäre das schon richtig. Aber die ungeheure Mehrheit des deutschen Volkes, Bourgeoisie Wie Proletariat, will von dem so grenzenlos frivol heraufbeschworenen Kriege nichts wissen. Die„Köln. Z t g." gibt das im Grunde ebenso unumwunden zu, wie das schon die„Post" und die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" ausgesprochen hatten. Daß den verantwortlichen Stelleu der kriegerische Elan der allteutschen Heldcnjünglinge lästig zu werden beginnt, beweist nicht minder unverkennbar die dringliche Mahnung zur Ruhe und Besonnenheit, die jeht sogar„Berliner Tageblatt" und „Lokalanzeiger" an die Demonstranten vom Sonnabend rich- ten. Kein Zweifel: an die Stelle des sich blähenden Chauvi- nismus und der protzigen Herausforderung ist bereits ein merklicher Katzenjainmer getreten. Aber das macht die furcht- bare Situation noch nicht ungefährlich. Tie Würfel, die das matzlose Vorgehen Oesterreichs ins Rollen gebracht, rollen weiter. Jede Stunde kann neue unheilvolle Berwicke- Kingen bringen und den Funken ins Pulverfatz werfen. Nicht allzuspäte Mahnung zur Vorsicht und bängliches Harren kann die Gefahr des europäischen Kriegsbrandes dämpfen, son- dern nur rascher Entschlutz und resolutes Zugreifen. Die Regierungen aller Staaten dazu zu zwingen� ist die grotze, verantwortungsvolle Aufgabe des internationalen Proletariats! Nur unreife Burschen können sich für ein Kricgsabcn- teuer begeistern, das Europa in ein mit Blut- und Ver- wesungsdunst erfülltes Menschenschlachthaus zu verwandeln droht. Tatz auch der deutschen Regierung vor solcher Verant- wortung graut, verrät die wiederholte offizielle Erklärung: wir waren vom Wortlaut des österreichischen Ultimatums nicht unterrichtet, wir hoffen, datz es zwischen Serbien und Oesterreich trotz alledem noch zu einem Ausgleich kommt und wir wünschen dringendst, datz das Balkanabenteuer keine europäischen Konflikte nach sich zieht. Man braucht der deutschen Regierung wirklich kein Uebermatz von Klugheit und Gewissensverfeinerung zuzu- trauen, um ihr die aufrichtige Absicht zuzugestehen, datz sie ehrlich die Erhaltung des Friedens wünscht. Und man kann den Regierungen der anderen europäischen Staaten ohne weiteres die gleichen Wünsche zutrauen. Denn die Leutchen müssen ja fühlen, daß ihnen der Boden unter den Fützen wankt, datz sich bei einer Kriegskatastrophe der Boden unter ihnen öffnen kann, um sie zu verschlingen. Tie Chancen eines Sieges sind nirgends gegeben tichcr nur ist allen Staaten unsägliches Blutvergießen, wirtschaftlicher Ruin und das innere Jena. Schon haben einflutzreiche italienische Stimmen erklärt, datz Italien nicht daran denke, sich durch Testerreichs serbisches Abenteuer als dritte Macht des Dreibundes in einen Krieg verwickeln zu lassen. Und da sollte Deutschland in blind-täppischer Nibelungentreue allein für Oesterreichs um sinnige Desperadopolitik in die Bresche springen, auf die Ge fahr des Weltkrieges hin? In derselben Lage sind Rußland und Frankreich.„Vätev chen" und seine Berater wissen ja aus bester Erfahrung, welche Gefahren sie durch auswärtige Händel im Innern her aufbeschwören. Und auch Frankreich weiß genau, daß sein allezeit temperamentvolles, inzwischen aber noch viel besser organisiertes und diszipliniertes Proletariat jede Schwäche des bürgerlichen Staates nachdrücklichst zur Durchsetzung seiner Ziele ausnützen würde. So drohte allen Kampfhähnen ein entsetzlich blutiger Krieg und die verheerendste wirtschaftliche Krise. Und dar über hinaus der„große Kladderadatsch". Die Regierungen wissen das. Deshalb wird ihnen nicht minder unheimlich zu Mute als dem braven Spießer, den die rapiden Kursstürze und bald genug die vielen Pleiten aus den patriotisch-romantischen Vcrirrungen wieder zum Bewußtsein der ehernen Wirklichkeit bringen werden. Aber die Lage steht derart auf des Messers Schneide, datz es die dringendste Pflicht der Arbeiterklasse ist, mit aller Ent- schiedenheit in den Gang der Ereignisse einzugreifen! Niemals lag die Gefahr des Weltkrieges so nahe, niemals erheischte das Gebotz der Stunde so rgsche und energische Ent- schlietzungen! Getreu ihrem Charakter als internationale Partei hat die Sozialdemokratie die Pflicht, gleichzeitig in allen beteilig- ten Ländern ihrem Einflutz Geltung zu verschaffen! Die österreichische Partei hat— bedroht von Ausnahmezustand und Kriegsrecht— in letzter Stunde alle Ver- antwortung den herrschenden Gewalten aufgebürdet. Die russischen Arbeiter haben ja bereits in den letzten Wochen eine so rüstige Energie bekundet, datz das Zarenregiment einen hinlänglichen Vorgeschmack künftiger Ereignisse erhal- ten hat. Datz das französische Proletariat nicht minder seine Schuldigkeit in der Vereitelung chauvinistischer Akte tun wird, wird kein Mensch bezweifeln. Da versteht es sich von selbst, datz auch die deutsche Sozialdemokratie in den schweren Kämpfen ihren Mann stehen wird! Die Hauptsache ist, daß Oesterreich an neuen Ueberraschungen verhindert wird! Die deutsche Sozialdemokratie macht die deutsche Regierung mitverantwortlich für alle künftigen Schritte Oesterreichs! Das internationale Proletariat bietet alles auf, um jede Verschärfung der Situation zu verhindern! Um das Programm für Deutschland verwirklichen zu helfen, veranstaltet die Sozialdemokratie Groß-Berlins am Dienstag Massenversammlungen! Das Berliner Volk der Arbeit, die gewaltige Mehrheit der Bevölkerung, wird am Dienstag den Kriegshetzern und dem„patriotischen" Mob die Antwort auf ihre empörenden Provokationen geben! Diese Kundgebung der Arbeiterschaft Groß-Berlins kann nur eine überwältigende Demonstration sein! Wenn es je für eine Massenkundgebung eine zündende Parole gegeben hat, so ist es die Parole für den Dienstag: Nieder mit dem Kriege! Zur die Friedensdemonstrationen. Cöln, 26. Juli.(Privattelegramm des„Vor« wärt s".) Die„Kölnische Zeitung" schreibt erficht» lich offiziös inspiriert in einem Leitartikel, der heute abend um 6 Uhr als Sonderausgabe verbreitet wurde, datz das deutsche Volk, wenn es unabänderlich sein nmtz, bereit und entschlossen ist, das Schwert zu ziehen, um unter dem alten Kreuze von Eisen nochmals zu fechten, zu bluten und viel- leicht zu sterben für unser geliebtes deutsches Vaterland, für Kaiser und Reich. Wir glauben, es gibt bei diesen Empfindungen kaum eine Ausnahme, und wen» unsere Sozialdemokraten in den nächsten Tagen Kundgebungen gegen den Krieg veran- stalten, so werden sie darin bis zu einem gewissen Grade die Zustimmung des deutsche» Bürgertums finden. Denn bei uns will n i e in a n d den Krieg und Fluch demjenigen, der das schreckliche Uebel her- aufbeschwört. Aber die deutsche Sozialdemokratie wird den Lauf der Weltgeschichte nicht hemmen können. Und wenn sie sieht, datz der Krieg uns aufgezwungen wird, datz wir kämpfen müssen, dann wird kein Agitator, und wenn er mit Engelszungen redete, den deutschen Arbeiter auszuhalten vermögen. ' In demselben Artikel wird dem Dreiverband zugerufen: „Hände weg." Auch wird der heutige Artikel des„V o r- w ä r t s" besprochen und geschrieben, datz sich darin die Ge- meingefährlichkeit der Sozialdemokratie in hüllenloser Nackt- heit offenbart. Die vaterlandsfeindlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie seien aber von keiner Bedeutung, da unsere Partei im gegenwärtigen Augenblick sich bereits abseits vom deutschen Volke befinde. Die„Kölnische Vo I k s z e i t u n g" schreibt in einer Sonderausgabe: Der Weltfrieden kann nicht durch Anzeichen der Schwächlichkeit, Treulosigkeit oder des Eigennutzes er- halten werden. Nur eine feste und nachsichtige Politik ist dazu vielleicht noch imstande. Kann aber auch sie diesen Brand nicht mehr fernhalten, dann ist es um so notwendiger, datz die mitteleuropäischen Reiche und ihre Völker fest zu- sammenstehen. Ohne Kriegslust, aber auch ohne Schwäche ficht das deutsche Volk den Ereignissen entgegen. Protestaktionen des Proletariats Köln, 26. Juli.(Privattelegramm des«Vor- wärts".) Der sozialdemokratische Verein von Köln hat in einer außerordentlichen Generalversammlung von heute mor- gen eine Entschließung angenommen, in der er den sofortigen Zusammentritt des internationalen sozialisfischen Bureaus und die Einleitung einer unerschrockenen internationalen Kundgebung gegen den Krieg fordert. Leipzig, 26. Juli.(Privattelegramm deS „Vorwärts".) Zu einer eindrucksvollen Protestkund- gebung gegen die Kriegshetze gestaltete sich heute das von 37 666 Personen besuchte Leipziger Gewerkschastsfest. In seiner Festrede wies Genosse Staudner auf die furchtbare Krise und ihre wirtschaftlichen Begleiterscheinungen und die massenhafte Arbeitslosigkeit hin, die durch die jetzigen kric- gerischen Ereignisse eine ungeheure Steigerung erfahren würde. Das Proletariat habe an dem Kriege zwischen Oester- reich und Serbien kein Juteresse. Es habe dabei nur Opfer an Gut und Blut zu bringen. Das Proletariat will den Frieden und erhebt Protest gegen die gewissenlose Kriegshetze. Die Versamnilung stimmte dem Redner zu und sang begeistert den Sozialistenmarsch. Die Haltung der Regierung. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung* schreibt an der Spitze ihrer Wochen-Rundschau: Die auf Grund der Untersuchung des Thronfolger- mordes in Sarajewo von Oesterreich-Ungarn an Serbien gestellten Forderungen niüssen gerechtfertigt erscheinen, wenn man die Begründung dieser Forderungen mit dem der Sache gebührenden Ernst würdigt. Die Beteiligung serbi- scher Persönlichkeiten, auch amtlicher, an der von langer Hand vorbereiteten Verschwörung gegen das Leben des Erzherzogs Franz Ferdinand und an Zettelungen gegen die Reichs- einheit der Habsburgischen Monarchie ist aufgedeckt. Die österreichisch-ungarische Regierung hat sich bereit erklärt, den Mächten Einsicht in das Untersuchungsmaterial zu geben, ein Beweis, datz sie von der Unanfechtbarkeit ihrer Ermittlungen und von der Gerechtigkeit ihrer Forderungen überzeugt ist. Sollte wider Erwarten Serbien diese Forderungen ablehnen, so hoffen wir, daß im Gefiihl des Ernstes der Lage die Re- gierungen der Großmächte sich sämtlich a n- gelegen sein lassen werden, zu verhüten, daß aus der unvermeidlichen ö st e r r e i ch i s ch- s e r- bischen Auseinandersetzung weiter u m 1 i ch greisende Verwicklungen hervorgehen. Ruhigere Auffassung. Frankfurt a. M., 26. Juli.(Privattelegramm deS„V o r w ä r t s".) Ter Petersburger Korrespondent der „Frankfurter Zeitung" drahtet, daß die Meldungen über die beginnende Mobilmachung Rußlands augenscheinlich absicht- lich in Umlauf gesetzt werden. Tie Diplomaten, die von den Ergebnissen der Petersburger Ministerkonferenz unterrichtet sind, beurteilen die Gesamtlage etwas ruhiger. Sürgerliche Hetzer unö öie Antwort ües Proletariats. AnS den Spalten der meisten bürgerlichen Blätter klingt nach wie vor jene aufhetzende, aufregende Sprache, die Oesterreichs unerhörtes Vorgehen gegen Serbien wie eine befreiende Tat zu feiern wagt. Hier und dort werden auch schon ganz offen klirrend die deutschen Waffen geschüttelt. „Ganz Europa könnte es billigen, wenn jener Seuchenherd — Serbien ist gemeint— ausgebrannt würde", rufen die „B e r l. Neuesten N a ch r i ch t e n" und schließen ihren anniaßenden Artikel mit den Worten: „Wir haben den Krieg nicht gesucht. Kommt er jetzt wieder mit Sturmesodem, so werden also hoffen wir— in dem Flattern unserer Fahnen wieder alle kriegerischen Tugenden unserer Väter und Ahnen rauschen...." Wütend kläfft diese ganze Meute gegen die Sozial- demokratie, weil sie den Mut hat, sich dieser Hetze und diesen 5t'ricgsfanfaren entgegenzuwerfen. Einig sind sich da 5!onscrvative und Freisinnige, Zentrum und Liberale. Ge° meinsam entrüsten sie sich darüber, daß die Partei des Prole- tariats zu Friedenskundgebungen aufgefor- d e r t hat. „Diese Kundgebungen", schreibt die fortschrittliche„Voss. Ztg.", „erscheinen ebenso verkehrt vom Standpunkt der auswärtigen wie der inneren Politik. Jedermann mutz mit der Möglichkeit rechnen, dah Deutschland, ganz gegen seinen Wunsch, in die kriegerischen Ergeinissc verwickelt wird. Diese Gefahr kann durch die Haltung des sozialdemokratischen Parteivorstandes sicherlich nicht gemildert, sondern eher verschärft werden, da die Gegner sie als ein Symptom der Schwäche Deutschlands ansehen werden, wenn auch mit Un- recht." Die Scherlpresse will das Bürgertum mit den Friedensdemonstrationen der Arbeiter ängstigen, indem sie von einer„Machtprobe" spricht und der Meinung Ausdruck gibt, sie könnten dem Zwecke dienen, die„Idee des General- strciks"„in die Hirne zu hämmern". Die fromme„Ger- m a n i a" redet von parteiagitatorischen Mätzchen, die der Sozialdemokratie nun einmal über alles gingen. Die„T ä g- Kriegsgeschichte und Revolution. Oberleutnant Kurt Roehler, kommandiert zum Großen General- stabe, an Oberleutnant Erich Vetter, kommandiert zum Kriegs- Ministerium.*) Berlin-Schöueberg, 25. Juli 1914. •Äraico 1 Du bist mir ein schöner Kerl, gondelst in der Welt umher und läßt mich mit unserer genialen Denkschrift auf dein Trocknen sitzen. Aber ich bin kein Unmensch und habe inniges Mitleid mit euch Pech- vögeln im Kriegsministerium, denen die Prozeßwut Euer Exzellenz in diesem Tropensommer den Urlaub gründlich verhagelt hat. So pilgerst Du und so mancher der Kameraden aus der Leipziger Straße von Garnison zu Garnison, um Informationen über das Zeugenmaierial, das Euch im Prozeß gegen die Petrolöse Luxem- bürg ausgehalst worden ist, zu kontrollieren. Na, viel Glück auf den Weg. Am gescheitesten wäre es schon, Ihr ließet die brenzlicbe Geschichte schießen. Denn das, waS Ihr auf den Regimeutsbureaus in Erfahrung bringt, kann Euch bei den neuen Gerichtsverhandlungen verflucht wenig nützen, wenn die Kerle, die sich den Rechtsverdrehern der Rosa als Zeugen zur Verfügung gestellt haben, anders aus- sagen. Di« öffentliche Meinung wird doch an die Mißhandlungs- geschichten glauben, denn die gutgesinnten Zeitungen, die unsere Zunft heraushauen wollen, haben doch kein großes Lesepublikum. Und Du schreibst mir ja sdbon mit Recht, daß beim Drill und im inneren Dienst die Kerls nicht immer mit Samthandschuhen an- gesaßt werden. Doch das alles soll nicht meine Sorge sein. Mir liegt jetzt mehr unsere Denkschrift am Herzen. Es wird allerhöckiste Zeit damit. Mache, daß Du sobald als möglich zurückkommst, damit wir mit Volldampf an unsere Kompagniearbeit herangehen können. Ich weiß nicht, ob Du auf Deiner Dienstreise die Zeitungen eingehender verfolgen konntest. Jedenfalls tue ich Dir kund und zu wissen, daß drüben bei den Franzmännern der Massenstreikgedanke gleichfalls spukt. Die Kerls haben vor kurzem ihren Parteitag, oder wie sie es nenne«, abgehalten und dabei auch die Verhinderung einer Mobil- machung durch den Generalstreik erörtert. Soweit ich aus der Phraseologie der roten Brüder klug werden kann, wollen sie drüben streiken oder gar Insurrektion machen, wenn die deutschen Spieß- gesellen auf ihrer Seite den Rummel mitmachen. Wir im General- stab haben natürlich solchen Erscheinungen unsere Aufmerlsamkeit zu- zuwenden. Dieser Tage berief mich mein hochverehrter Herr Abteilungs« chef zu sich und gab mir den Auftrag, das revolutionäre kriegsgeschichtliche und aktuelle politische Material zusammenzutragen. In den kriegsgeschichtlichen Vorarbeiten stecke ich schon mitten drin. Ich habe mir zunächst die russische Revolution vor- *) Siehe„Vorwärts" Nr. 174(Montagsblatt)„Strategie gegen den inneren Feind" und Nr. ISS(Montagsblatt)„Ein strategischer Sehlgriff". liche Rundscha n" und die„K r e u z z e i t u n g" endlich rufen nach der Polizei, aus daß sie die Versaiiimltingen verbiete» möge. Ja, die„Kreuzzeitung" geht noch einen Schritt weiter: sie möchte auch den Staatsanwalt mobil machen. Ihr scheint das Vorgehen des sozialdemokratischen Pcrteivor- standes„schlechthin h o ch v e r r ä t e r i s ch". „Von der Regierung erwarten wir, daß sie hochverräterische Kundgebungen, wie es solche sozialdemokratische Massenversamm- lungen sein würden, untersagt. Sie sollte aber auch darüber hin- aus aus diesen? Versuch schwerster Schädigung unserer internatio- nalen Lage ihre Lehren ziehen." Hochverrat— wenn das Volk dagegen protestieren will, daß durch frivolen Machtkitzel ein Weltenbrand entfacht wird, der unabsehbar schlimme Folgen haben inuß! Hochverrat, wenn das arbeitende Volk dafür eintreten will, daß der Friede de in Vaterland erhalten bleibt. Sie mögen hetzen und wühlen! Das Proletariat wird darauf die rechte Antwort geben. Nun erst recht! wird sie lauten. Es wird zeigen, daß es sich nur um eine kleine Gruppe von Schreiern handelt, die sich am Kriegsgedanken berauschen. Es wird zeigen in gewaltigen Massenkundgebiingen, daß das Volk ganz andere Wünsche und Interessen hat. Je lauter und toller sich die bürgerlichen Kriegsfanatiker gebärden,»in so lauter und heller muß unser Ruf erklingen: Es lebe der Frieden! Je schamloser unreife, unverantwortliche Bürschlein für den Massenmord demonstrieren, um so ein- mutiger tvird die Arbeiterschaft aufstehen zur wuchtigen Gegendemonstration. Nun erst recht! Keiner wird zurückbleiben! Geschlossen demonstriert das Groß-Berliner Proletariat am Dienstag Abend für den Frieden! Knebelung öer persönlichen§rel- heit unö öffentlichen Meinung. Wien, 26. Juli. Ein Regierungscommuniaus besagt u. a.: Die auswärtige Lage hat nunmehr eine Gestaltung angenommen, welche die Bedachtnahme auf die militärischen Erfordernisse zum obersten Gebot macht. In dieser Erwägung wurde eine Reihe von Verfügungen iM Innern der Monarchie getroffen. Die Geheimhaltung mrd Sicherung aller militärischen Vorkehrungen gegen Anskundschaftung, Störung und unbefugte Veröffentlichung im eigenen Lande soll verbürgt, alle Vorbereitungen der bewaffneten Macht sollen gefördert und ihr die Hilfsquellen des eigenen Landes im weitesten Maße erschlossen werden. Es wurden fünf kaiserliche Verordnungen auf Grund des 8 14 des Staats- grundgesetzes. ferner eine Reihe von Ministerialverordnungen erlassen, welche sogleich in Kraft treten. Die Kaiserlichen Verordnungen beziehen sich u. a. auf die Uebertragung von Befugnissen der politischen Verwal- tung an den Höchstkommandierenden der Streitkräfte in Bos- nien, der Herzegowina und Dalmatien. Tie erlassenen ministeriellen Verordnungen betreffen u. a.: die Suspension von staatsgrundgesetzlichen Bestimmungen bezüglich der persönlichen Freiheit, sowie des Versamm- gebunden. Dank meines offiziellen Auftrages kann ich auch ohne Schwierigkeiten an das Geheimmaterial heran, das uns von unseren Agenten in Rußland geliefert worden ist und in den Feuer- festen am Königkplatz schlummert. Auch der Schlußband des russischen Generalstabswerkes über den Krieg gegen die JapS gibt prachtvolles Material über das Thema„Armee und Revolution", wenn man sich beim Studium auch mit den Schwierigkeiten der Moskowitersprache herumschlagen muß. Ich sage Dir, es ist manch- mal zum Lachen, mit welcher ehrlichen Naivität die russischen Generalstäbler über das Drunter und Drüber berichten, das die revolutionäre Bewegung in der Magdschureiarmee angerichtet hat. Ich verstehe als Soldat nicht allzuviel von reinpolitischen und sozialen Dingen, aber ich kannnichtbegreifen.daßdie moSkowitischenRevolutions- führer mit. einer so aufsässigen und ganz ans dem Leim gegangenen Armee nicht mehr erreichen konnten. Aber cS wird wohl daran gelegen haben, daß die RevolutionSheldcn meist unklare Köpfe und unter sich nicht einig sind. Großzügige, planvolle Aktionen sind mir bei meinen kriegS- geschichtlichen Studien— von Cromwell, Washington(von Nazoka will ich hier nicht reden) abgesehen— bis jetzt noch nicht aufgestoßen. Bei unserer roten Rasselbande wird das auch nicht anders sein. Ich gedenke dieses Moment in unserer Denkschrift ganz besonders heraus- zuarbeiten und darauf hinzuweisen, daß rasches, rücksichtsloses und planvolles Eingreifen der Armee jedem Nevolutionsrummel schnell ein Ende bereiten kann. Doch es wird Dich auf Deinen tristen Erkundungsfahrten inter- essieren, wenn ich Dir einige meiner Studienfrüchte zu kosten gebe. Du kannst ja dann an Deinem Teil Deinen schätzenswerten Beitrag zu unserer Denkschrift durchdenken. So höre denn: Der Ausbruch der russischen Revolution fällt in eine Zeit, in der im Inland« die Armee durch die Bildung der Mandschureiarmee vollständig desorganisiert war. Die meisten Garnisonen waren durch Abgabe von Truppen- teile und Mannschaften für das Heer auf dem Kriegsschauplatz völlig geschwächt. Die mobile Armee erleidet eine Niederlage nach der anderen. Kuropatkin, der große Marschall Rückwärts, ist zur Offensive völlig unfähig und läßt sich von den Japs von einer Position in die andere zurückdrängen. Diese Schlappschwänzigkeit ist Wasser auf die Mühlen der revolutionären Hetzer. Die revolutio- näre.Pest greist auch aus die Armee und Marine über. Die Fälle Kronstadt und Sebastopol sind ja zur Genüge bekannt. Weniger be- kannt ist aber die Wirkung der Revolution auf die Mandschurei- armee nach der Schlacht von Mulden. Der alte General Kirewitsch, der nach Mulden den Kuropatkin im Oberbefehl ablöste, war genau so ein energieloser Jammerlappen wie sein Vorgänger. Im Sommer 1905 arbeiten schon revolutionäre Agitatoren in der Mandschureiarmee, die mit revolutionären Flugschriften und Proklamationen über- schwemmt wird. Die kommandierenden Instanzen rühren keinen Finger dagegen. 60» 000 Reservisten, die die Kriegsmisere über und über satt haben, wollen nach Hause und werden rebellisch. Schließ- lich fängt auch noch das Eisenbahnpersonal der sibirischen Bahnen an zu streiken. Das Oberkommando und die meisten Generale verlieren den Kopf und lassen der revolutionären Kanaille freien Willen. Die Hauptstadt des Transbaikalgebietes wird z. B. monatelang eine lungsrechtes, des Briesgehelinnisses und der Presffreiheit, ferner auf die Einstellung der Wirksamkeit der Gcschworc- nengerichtc, die Beschränkung des Pastwesens, die Unter- stellung von Zivilpersonen wegen strasbarrr Handlungen gegen die Armee unter die Militärstrafgerichtsbarkeit, ferner ein teil weis es Ei u-, A u und Dur ch- f u h r v e r b o t für verschiedene Artikel, das Inkrafttreten des Kriegslcistungsgesetzes usw. Auf Grund Allerhöchster Ermächtigung wurde ferner die Session des Rcichsrats mit dem heutigen Tage gc- schlössen, ebenso die Landtage geschlossen. Analoge Ausnahmeversügungen wurden auch für Ungarn, Bosnien und die Herzegowina erlassen. ßinanznot Oesterreichs. Wien, 26. Juli. Wie die Blätter melden, nahm Finanz« m i n i st e r Freiherr v. Engel durch die Vermittelung der Post« sparkasse Fühlung mit den Wiener Banken für den Fall, daß die Gestaltung der politischen Lage ein außerordentliches Er- fordernis nötig machen sollte. Auch der ungarische Finanzmimsice wird diesbezügliche Vorsorge treffen. Der Betrag, der z u n ä ch st ausgebracht werden soll, beziffert sich auf 300 Millionen Kronen. (Ter bankerotte Staat kommt durch sein« Gewaltpolitik in eine besonders mißliche finanzielle Lage. Die hohe Finanz wird diese Situation weidlich ausnutzen, und die armen ausgemergeltcg österreichischen Arbeiter müssen natürlich die Zinsen zahlen.) wirtschaftliche folgen. Wien, 26. Juli. Die Oesterreichisch-Ungarische Bank hat dcg Zinsfuß vom 27. d. M. ab von 4 auf 5 Proz. erhöht. Die Wiener Börsenkammer beschloß, am 27., 2Z. und 29. Juli keine Börse abzuhalten. Sie begründet die Schließung der Börse am 27., 28. und 29. Juli mit Rücksichten auf das öffentlichs Interesse, um jeder ungerechtfertigten wirtschaftlichen ftnanzielleu Schädigung der Bevölkerung entgegenzuwirken, Telephonische verbinöung mit Oesterreich unterbunden. Nürnberg, 26. Juli.(Privattelegramm de?„Vor« wärt»".) Nach einer amtlichen der bayerischen Presse zugc- sandten Mitteilung ist der gesamte Telephonverkehr zwischen Oesterreich und Bahern gesperrt. Von den telegraphischen Verbindungen Oesterreichs mit Bayern bleibt einzig diejenige Wien-Salzburg-München für den Verkehr offen. Die telcgraphische Verbindung St. Gallen-München ist, so« weit sie österreichisches Gebiet berührt, unterbrochen. Da- gegen bleibt der Verkehr auf der Linie Mailand-München, auch soweit österreichisches Gebiet in Frage kommt, offen. Verhaftung des serbischen Ober» kommandanten. Wien, 26. Juli. Das Wiener K. K. Telegraphen-Korrespvndenz- Bureau meldet: Nach den bestehenden militärischen Vorschriften ist im Falle des VevorstehenS kriegerischer Ereignisse jeder Offizier der feindlichen Macht, wenn er auf österreichischem oder ungarischem Gebiet betroffen wird, anzuhalten. Aus diesem Grunde mußte die AnHaltung des serbischen Oberkommandanten, Gene- rals Putnik, in Budapest zunächst erfolgen. Die Arretierung des Generals wurdd selbstverständlich unter Beachtung der seinem militärischen Rang entsprechenden Formen vorgenommen. Der General wurde in das Budapester Militärkasino geleitet und dort mit aller Courtoisie empfangen. Inzwischen wurde Verfügung ge- troffen, daß dem General Putnik noch heute die Möglichkeit geboten wird, die Reise in die Heimat fortzusetzen. revolutionäre Zentrale. Der dort kommandierende General Cholschtschewnikow— man schämt sich als Offizier ordentlich, so elwaS niederschreiben zu müssen, kapituliert vor den Rebellen. Er gestattet den Truppen die Abhalmng von politischen Versammlungen und verzichtet auf die Anwendung bewaffneter Gewalt„zum Zweck der schnelleren Beruhigung der Geister". Die Revolutionsfritzen bleiben bis Anfang November Herren der Situation. Der Oberstkommandierende Kirewitsch machte eS noch toller.� In Charbin fraternisieren streikende Eisenbahner, Telegraphisten und rebellische Soldalen miteinander. Sie marschieren mit roten Fahnen durch die Stadt und pfeifen auf General und Offizier. Man läßt sie gewähren. Die Revolutioäre treiben die Frechheit soweit, an Kirewitsch ein Telegramm zu senden, in dem sie die Freilassung ihrer hier und da gefangen gesetzten Spießgesellen verlangen. Und — als preußischer Offizier hält man so etwas einfach für unmög- möglich— General Kinewitsch gab ohne weiteres nach und ließ die Agitatoren in Freiheit setzen. Am tollsten ging es in Wladiwostok zu, wo die rebellischen Soldaten sogar den kommandierenden General über den Haufen knallten und sich zu Herren der Festung machlen. Und so weiter mit Grazie. Erst als Anfang 1906 der General Rcnncnkampf und einige andere Bollmacht erhielten, gegen die rebellischen Reservisten, Truppen und Eisenbahner vorzugehen, wurde die Sache anders. Rennenkampf, der sich im Kampfe gegen die JapS auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte, packle bei der rebellischen Kanaille scharf zu. Da es sich nicht um eine einheitlich organisierte und geleitete Bewegung, sondern um allerdings gefährliche lokale Revolten handelt, wird er mit seinen Kosalcn und treugebliebenen Truppen deS Aufstandcs bald Herr. Die dummen Kerls von Revolutionären, die eine Zeitlang über alle Eisenbahnlinien und eine ganze revolutionäre Armee hätten verfügen können, werden an die Wand gequetscht. Die militärische Energie bleibt schließlich doch Siegerin. Lehre für unsere Denkschrift:„Eine der ersten Aufgaben ist die Er- ziehung der Offiziere zu aufrechten, charakterfesten Männern, die ohne Scheu vor Verantwortung auch in den außerordentlichsten Lagen ihre ganze Persönlichkeit einzusetzen bereit sind." Fein ge» sagt, was? Diese paar Kostproben, Teuerster, mögen Dir für heuiv genügen. Rühre Dir inzwischen Deinen Senf über die Bestrebungen der deutschen Sozialdeinokratie und der sogenannten modernen Arbeiter- bewegung dazu ein. Auf jeden Fall sieh aber zu, daß Du so bald als möglich zurückkommst, damit wir uns viribus unitis in die Sache hinein knieen können. Die Konjunktur ist jetzt gut; mit unserer Denischrist wird für uns mehr herauszuholen sein, als mit einer kriegsgeschichtlichen Arbeit über den alten Fritz, Napoleon oder die jetzige Chose, zumal jetzt, wo der jüngere Wilhelm bei untz im Generalstab hospitiert. ES erwartet Dich also sehnlichst Dein Kurt Roehler. Emst. politisthe Ueberflcht. Kaferncnfreuden. Eine wahre Flut von Soldatenmißhandlungen lam in diesen Tagen vor dem Kriegsgericht in Stettin zur Verfyindlung. Zunächst wurde ein Unteroffizier Fürst von der 2. Kompagnie des Stargarder Grenadierregiments Nr. 9 zu ein paar Tagen Mittel- arrest verurteilt, weil er einen Soldaten derart mit der Faust gegen den Kopf geschlagen hatte, daß er zu Boden stürzte, nahezu einen Tag ohne Bewußtsein blieb und dann über zwei Wochen im Lazarett zubringen mußte. Bald darauf hatten sich fünf Unteroffiziere zu ver- airtworten, die der 12. Kompagnie des Grenadierregiments Nr. 2 in Stargardt angehörten, gleichfalls wegen schwerer Mißhandlungen ihrer Untergebenen. Dem einen Soldatenerzieher wurden nicht weniger als 224 Miß Handlungsfälle zur Last gelegt. Er ohrfeigte die Soldaten, schlug sie mit dem Säbel, stieß sie mir dem Gewehrkolben, trat sie mit den Füßen und mißhandelte sie sonst in hätzlicher Weise. 149 Mißhandlungen stellte das Ge- richt als erwiesen fest. Einem seiner Kollegen wurden 91 Mitzhandlungsfälle nachgewiesen— die Anklage hatte hier aus 138 Fälle gelautet—, und auch die anderen Unteroffiziere hatten sämtlich Soldaten geschlagen und getreten. Das Urteil lautete gegen den Hauptschinder auf 6 Monate Gefängnis, während alle übrigen mit Mittelarrcst davonkamen: Ter eine erhielt 9 Wochen, der andere 4 Wochen, der dritte 2 Wochen und der vierte 19 Tage. Degradiert wuvde von ihnen keiner. Sie dürfen also alle weiter Soldaienerzicher bleiben. Auch find die Strafen kaum so. daß sie besonders abschreckend wirken könnten. Wieder aber zeigt sich, wie stark die Soldaienschindereicn noch in Blüte stehen. In der Rächt vom 21. auf den 22. Juli erhängte sich in Jüter- bog ein Kanonier vom 7. Lehrbataillon der Fußartillerie-Schieß- schule. Man führte zunächst den Selbstmord nur auf Furcht vor Strafe zurück; der Kanonier war ohne Urlaubsschein nach semer Heimat Treuenbrietzen gefahren, dabei von einem Unteroffizier getroffen und von seiner Kommandantur mit 5 Tagen Mittelarrest bestraft worden. Sicherlich hat diese Bestrafung auch den letzten Anstoß zu der Tat des jungen Menschen gegeben. Aber sie wirkte doch nicht allein mit, wenn er den Tod suchte. Wieder- holt hat der Soldat, bevor er bestraft wurde, über die Behaut»- lung geklagt, die ihm von seinem Feldwebel zuteil wurde. Stets hatte dieser etwas an ihm auszusetzen, nichts konnte er ihm recht machen. Durch die Schikanen des Feldwebels soll es auch geschehen sein, daß die Bitte um Urlaub abgeschlagen wurde, während sie sonst in ähnlichen Fällen stets gewährt wurde. ES wäre dringend nötig, daß der Fall eine nähere Ausklärung fände. In jedem Falle aber laßt sich sagen, daß es sich auch hier wieder um eine Kasernentragödie handelt, die herausgewachsen ist aus dem ganzen System unseres Militarismus, mit jenem unwürdigen Druck, den er auf alle ausübt die ihm zu dienen gezwungen sind. Konservativer Tcrrorismus- � Wie das„Berliner Tageblatt" zu melden weiß, veröffentlicht das„Konservative Tageblatt" in Weblau eine Liste der„konserva- tiven Geschäftsleute in Wchlau". Die stillschweigende Voraussetzung dieser Liste ist natürlich, daß alle, die nicht in ihr aufgezählt sind, boykottiert werden sollen. Die Leute, die diesen Boykott im großen in Szene setzen, sind die gleichen, die sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit über den Terrorismus in der Sozialdemokratie entrüsten. Wenn ein Arbeiter seinem Kol- legen in den Rücken fällt, nicht auS seiner inneren lleberzeugung heraus, sondern nur seines persönlichen Borteils wegen, und er wird von seinen Kollegen deshalb gemieden, so ist das in den Augen aller rechtschaffenen Patrioten ein unerhörter Frevel, eine Sünde wider den„heiligen Geist der Freiheit". Wenn aber die konserva- tive Partei in ihrem Aerger über eine Wahlniederlage Hunderte von Existenzen bedroht, weil jene Leute den Mut haben, sich zu einer lleberzeugung zu bekennen, dann ist das sicherlich eine Tat, die über jeden Tadel erhaben ist. Gewaltmaßnahmen gegen öZe Streikenden. Petersburg, 26. Juli. In Petersburg und Moskau nebst den dazu gehörigen Gouvernements ist der Zustand des außerordentlichen anstatt des verstärkten Schutzes erklärt worden.■ Itaüen. Meuternde Reservisten. Aus Rom wird uns geschrieben: Die Einberufung eine? Jahrgangs Reservisten hat sich doch nickt so glatt abgespielt, wie die ministerielle Presse glauben macheu möchte. Es kommt jetzt zur Sprache, daß in der Nacht vom 18. zum 19. Juli die in Forli sRomagna) kon- zentrierten Reservisten dieser Stadl, sowie von Cesena und Rimini, regelrecht gemeutert haben. Obwohl der Anlaß der Revolte ein Mißverständnis war, sollte doch diese Häufung revolutionärer Erscheinungen in der Nomagna der Negierung zu denken geben, falls sie überhaupt die Fähigkeit zu dieser Funition besitzt. Unter den Rejervisten von Forli hatte sich also die Nachricht verbreitet, daß man sie demnäckst nach Albanien senden würde. In der Nacht zum 19. weckte Mansie und befahl, daß sie sich reisefertig machten, natiir- lich, ohne ihnen irgendwelche Erklärungen zu geben: sie sollten nicht nach Albanien, sondern einfach mit dem Frühzug nach Padua. Die Reservisten weigerten sich aber, sich reisefertig zu machen und riefen, daß sie erst ihren Familien Lebewohl sagen wollten. Als einige Offiziere erschienen, um den Grund des Lärms zu erfahren, lourden sie mir dem Rufe empfangen: Nieder der Krieg! Es lebe die Republik! Als die Offiziere gewaltsam Gehorsam zu erzwingen suchten, bcgauueu die Reservisten, Kouimißbrote Suppeimäpfe und ähnliches als Wurfgeschosse zu v e r- wenden, so daß die Offiziere sich zurückziehen mußten. Es wurde sogar von den Neservistcu der Versuch gemacht, die Waffen» kammer zu plündern, ivaS aber durch die Festigkeil der Tür ver- eitelt wurde. Durch den Höllenspektakel Ivar man in einer benach- barlen Kaserne auf die Meuterei ausillerksanr gemacht ivorden und das Distriklkommando schicklc eine Kompagnie Alpenjäger, die man mit aufgepflanztem Bajonett in den Schlassaol der Reservisten schickte. Man hatte ihnen die größte Mäßigung empfohlen, und in der Tat scheinen sie den Reservisten— nicht mit dem Basonett, sondern einfach durch vernünftige Worte— klar gemacht zu haben, daß sie gar nicht in den Krieg ziehen sollten. So beruhigten sich die Leute und fuhren mir dem Frühzug»ach Padua ab. Es kamen keine weiteren Zwischenfälle vor. nur bei dem Auslaufen des Zuges aus dem Bahn- hos wurde der Ruf laut: Nieder der Krieg, es lebe die Revolution! — Niemand kann den ungeheuren Ernst dieser Meuterei verkennen. Man füge hinzu, daß die Regierung in der Nomagna eine ivahre Gewaltpolitik treibt, täglich neue Verhaftungen vornehmen läßt, daß zahlreiche Reservisten in die Schweiz desertiert sind, daß d'.e Eisen- bahner mir dem Streik drohen, daß man einen Generalstreik in der Romagna plant, falls die Regierung die Verhaftungen nicht einstellt, und man wird einsehen, daß Italien wahrhafrig näher liegende Dinge hat, um die es sich kümmern sollte, als die Anarchie in Albanien. Als Ableirungsmittel für die innere„Entzündung" wäre ein albanisches Abenteuer recht gefährlich. PatridtisSie Dewsnstrenten. Während hunderttausende Berliner gestern Berlin' den Rücken kehrten, um sich m der freien Natur zu erholen, um neue Kräfte für die Arbeit der Woche zu sammeln, fanden sich in Berlin an einigen Stellen jene Leute zusammen, die überall dabei sein müssen, wenn es etwas Radau zu machen gibt. Wenn die Schloßtvache aufzieht, wird sie gewöhnlich selbst nach polizeiofsiziöser Ansicht von jenem Mob begleitet, der erst vor ivenigen Monaten in der s�riedrichstraße, Oranienburger Straße und an anderen Orten das Publikum anrempelte und Schaufensterauslagen mitgehen hieß. Gestern gesellten sich zu dieser Kerntruppe noch andere Leute, welche die Wache begleiteten und sortgesetzt„Hurra" brüllten. Bei dem üblichen Konzert ini Lustgarten ließ der Musik- dirigent, wie es heißt, um der Stimmung Rechnung zu tragen, patriotische Weisen spielen, die von der Menge mit- gesungen ivurden.„Die Wacht am Rhein",„Deutschland, Teutschland über alles",„Heil Dir im Siegerkranz",„Ich bin ein Preuße" waren die Lieder, die immer wiederholt wurden. Auf den Hof der österreichischen Botschaft wurde ein Trupp geführt und es wurden Hochrufe auf den deutschen und österreichischen Kaiser ausgebracht. Die Regie schien zu klappen. Unter den Linden hatten gestern nachmittag die Jungdentschlandbündler das Vorrecht. Sie zogen voni Schloß nach dem Brandenburger Tor und wieder zurück und schrien sich die Kehlen heiser, ohne daß sie behelligt wurden. Direkt lächerlich wirkte ein Zug von 4(X) bis 500 Teilnehmern, der zwischen 7 bis 8 Uhr durch die Wilhelmstraße zog, am Reichskanzlerpalais vorüber und aus 8 bis 18jähri- gen„Patrioten" bestand,„Lieb Vaterland, magst ruhig sein"! vor sich hin plärrend. Ein einziger Erwachsener war dabei. Auch eine patriotische Demonstration und was für eins! Da kann das Vaterland allerdings ruhig sein! Daß der ganze Rummel künstliche Mache ivar, zeigte sich iil der achten Abendstunde offenkundig. Ein Zug dieser kriegerischen Kmabengesichter kani vom Schlosse her und zog die Linden hinab, unterwegs, wie am Abend zuvor, Schutz- leute, Ofsizicrc, Tenkniäler, Litfaßsäulen und Wer weiß was alles anhochend. Je länger der Zug sich bemerkbar niachte, desto mehr schlössen sich natürlich von den Passanten an, die sich einen Jux leisten oder sehen wollten, was noch neues sich ereignen werde.„Das sind ja lauter Kinderl" lachten die abseits Stehenden. Tatsächlich reizten die„Demonstranten" mit den durchweg flaumlosen Milchgesichtern direkt zur Komik. Wie ein Symbol wirkte es, daß ein kleiner älterer Mensch mit einem ausgesprochenem Wasserkopf, in dessen blanker Fläche sich der Schein der Ampeln spiegelte, den Zug eröff- nete. Neben ihm schritt emscheineild sein Adjutant, ein Mann von undefinierbarer Herkunft, der vor dem patriotischen Weihegang den Göttern des Alkohols nicht zu sparsam geopfert hatte und sonlit vom rechten Geist beseelt schien. Vor dem Denkmal Bismarcks des Einzigen angelangt, schwenkte irgend.jemand ein Fähnchen,. das einein Bauerntaschentuch verdammt ähnlich war und die Menge sang, ja, sang— aber fragt mich nur nicht, wie!— das Lied von der wonnigen Gans. Hoch oben auf dem Denkmal aber thronte der Adjutant und suchte mit seinem rostigen Organ den Lärm zu über- tönen:„Männer Deutschlands! Ihr wißt.. begann er immer wieder, aber die Menge lachte ihn nur aus.„Mensch, mit die Stimme!" rief ein Junge, und eine Lachsalve fegte den wunderlichen, geistgetränkten Rednxr vom Postament. Nachdem dann jemand aus einem Auto heraus etwas konfuses Zeug gefaselt hatte, ging es weiter, nach der österreichischen Botschaft. Und siehe da! An der Ecke der Alsenstraße standen etwa 6 junge Jungdcutschland-Triippler mit Trommeln und Pfeifen, und wie aus Kommando setzten die Instrumente ein, bis der Zug so ziemlich angelangt war. Ein großer blonder Herr stand dabei und dirigierte die ganze Sache und die Sol- datchcn gehorchten auf jeden seiner Winke. � Wie sehr er die Autorität verkörperte, zeigte sich daran, daß er nach dein ersten Tromnielwirbel die Allerjüngsten, so 10 bis 12jährige Jungdeutschlälldlcr, nach Hanse schicken wollte.„Es ist Zeit, Ihr müßt nach Hanse!"„Ach, noch nicht, noch ne Stunde rönnen wir schon mit."„Ja, ja, meinetwegen," und zu den Musikern gewendet sagte er:„aber nur im Vorbeimarschieren trommeln," was auch prompt zugesagt wurde. An der Ge- sandtschaft gab es aber ein Stocken, so daß jedes Weiter- kommen auf längere Zeit unmöglich wurde. Patriotische Lieder wechselten mit Hochrufen, und die Hüte wurden ge- schwcilkt. Die Radaujnngens fühlten sich gestern ganz be- sonders, war ihmitt doch durch das wohlwollende Verhalten der Polizei der Kaiilni mächtig geschwollen. Sie waren denn auch faktisch. Herr der Straße. Jede Droschke, jedes Fuhr- werk, alle Passanten mußten sich ihren Anordnungen fügen. „Kutscher, halten! Kutscher, weiterfahren, Kutscher rechts, Kutscher links l" Wer nicht sofort parierte von den Fuhr- Werkslenkern, wurde dann erst kasernenmätzig„angehaucht". Den Straßenbahnen und Omnibussen ging es nicht besser. Tie Schlitzlesttc aber lächelten, lächelten und rührten sich nicht. Sie hatten ihre Befugnisse anscheinend an Jung- deutschland abtreten müssen. Das ging so weit, daß jeder ruhige Bürger, wenn er den Kopf nicht entblößte und mithochte oder sang, aufs gemeinste beschimpft und Miß- handelt wurde. Jawohl, mißhandelt, und es muß hier mit Empörung und Beschämung festgestellt werden, daß die herumziehende gebildete Jugend Berlins sich teilweise in den Allüren von Zuhältern niederster Sorte bewegte. Ein Bei- spiel zur Illustration: Eingekeilt in die Menge vor der Botschaft steht ein gut- gekleideter Herr, der das verrückte Getne nicht mitmacht und auch den Hut aufbehält, sonst sich aber weder durch Äeutze- rungen noch durch Bewegungen irgendwie lästig macht. Aber gerade sein korrektes und stilles Benehmen paßt den Radau- fritzen nicht und schon rempelt ihn ein eleganter Jüngling, der— nebenbei bemerkt— gut der Sohn des Herrn hätte sein können, an: „Ihnen scheint die Sache nicht, zu gefallen?" Ter Angeredete betroffen:„Wieso?" „Na, Sie verhalten sich so ruhig." „Jeder nach seiner Art." „Sie können wohl die Lieder nicht singen?" „Nein." „Sind Sie Serbe?" „Nein, ich bin Deutscher." „Warum behalten Sie da den Hut auf?" „Weil mein Kopf naß von Schweiß ist und ich an Mittel» ohrcntzünd'.mg leide." „Na, zum Hochrufen könnten Sie schon mal den Hut lüften." „Nein, das kann ich nicht, ich müßte die Folgen tragen." Der Jüngling ironisch:„Dann wäre es besser, Sie gingen nach Hanse, wer sich in eine patriotische Veranstaltung begibt, muß mitmachen. Ich meine es übrigens gut mit Ihnen, denn es wird nicht lange danern, so wird Ihnen der Hut herabgeschlagcn. Gestern abend wurde das ebenso ge- macht." Dieses Gespräch beleuchtet die Zustände in trefflichster Weise und zeigte, wie der friedliche Bürger wehrlos dem ge- bildeten Mob ausgeliefert war. Aber es blieb nicht bei Drohungen, es dauerte wirklich nicht lange— so flogen die Hüte zerbeult von den widerspenstigen Schädeln. In rohester Weise wurden die Leute, die sich nicht an dem Kasperle- theater beteiligen wollten,, geschubst, gezerrt und gestoßen. Wehe dem Serben oder Missen, der sich zu erkennen gab. E r war rettungslos dem patriotischen Jan- Hagel ausgeliefert— von der p o l i z e i l i äi e u Hilfe so fern! So konnten die Jungens in den Straßen Berlins hausen, man könnte fast sagen,>vie die.Kosaken in den Straßen Petersburgs. Kinder und Frauen, die sich vor dem Narrenzug nicht rechtzeitig retten konnten, wurden er- barmungslos niedergerissen, llnter den Linden wurden wiedeniln die schönen Anlagen dem Kriegsrummel geopfert. Hier gab es schon eine Vorahnung, wie viel Roheit und Brutalität ein Krieg auslösen kann. Uebrigens: Wenn die Schreier von gestern und vorgestern demnächst eine Order zum Einrücken erhielten, es ist tausend gegen eins zu wetten: Die Waschfrauen Berlins hätten Hochkonjunktur! Hegen öie /lusschreitungen öes Mobs. Das Wolffsche Telegraphenbureau verbreitet folgende offizielle Mitteilung: Berlin, 26. Juli. Bei den Kundgebungen während der letzten Nacht sind bedauerlicherweise taktlose Rufe vor dem Gebäude der hiesigen Kaiserlich Russischen Botschaft aus- gestoßen worden. Tie Polizei ist sofort eingeschritten. Einer der Manifestanten ist festgenommen worden. Auch sind gegen die Wiederholung derartiger Vor- kommnisse nach M ö g l i ch i e i t Vorkehrungen getroffen._____ Ms Hroß'öttlin. Im Zeichen der Extrablätter. Die großen Zeitnngssabriken wetteiferten auch am! gestrigen Sonntag in der Herstellung von Extrablättern. Wenn es sich um Herstellung patriotischer Druckerzeugnisse handelt, wird fast ausnahmslos die Erlaubnis zur Sonntags- arbeit gewährt. Und so kamen gestern Extrablätter von Scherl, Mosse und Ullstein heraus, die die neueren Nachrichten über die gegenwärtige Situation enthielten. Autos flitzten hin und her, welche die Blätter nach allen Hilmnelsrichtungeu brachten und so die nötige Stimmung machten. Am Dienstag wird das Proletariat laut und vernehmlich seine Ansicht über die Sachlage zum Ausdruck bringen. Von einer Kraftdroschke überfahren und getötet wurde gestern das sechs Jahre alte Söhnchen Lllbert des Expedienten Hugo cm? der Wiesenstr. 48. Der Kleine spielte mit mehreren anderen Kindern bor der elterlichen Wohnung auf dem Bürger« steig. Als eine Kraftdroschke vor dem Nebenhause halten wollte und deshalb nahe an den Bürgersteig heranfuhr, geriet der Knabe unter den Wagen und wurde überfahren. Ein Rad zerdrückte ihm die Brust und schon auf dem Wege nach der Hilfswache in der Lin« dower Straße verstarb der Kleine.• Fleischvergiftung? Polizeilich beschlagnahmt wurde die Leiche beZ 48 Jahre alten Kaufmannes Adolf Wittmann, der mit seiner Familie in der Frobenstr. 19 wohnte. Wittmann hatte vor acht Tagen in einem besseren Restaurant zu Mittag gegessen. Gleich darauf erkrankte er, und zwar so schwer, daß er nach dem Hedwigskrankenhause gebracht werden mußte. Hier starb er gestern. Ter Arzt konnte die Todesursache nicht mit Bestimmtheit feststellen, doch ist er der An» ficht, daß Fleischvergiftung vorliegt. Besonders das heftige Er- brechen, das Wittmann zeigte, läßt darauf schließen. Zur genaueren Feststellung wurde die Leiche beschlagnahmt und nach dem Schau« hause gebracht. Ein gefährlicher Ladenbrand kam gestern in der Lübecker Straße 35 zum Ausbruch.— In Charlottenburg brach Sonntag srüh iVjt Uhr in einem Holzlager des Tynamowerkes der Siemcnö- Schuckertwcrke in Sicmensftadt ein Feuer aus, welches durch die rasch erschienenen Feuerwehren von SiemenSstadt, Spandau und Charlottenburg auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Das Ge- bände im Umfang von etwa 399 Quadratmeter brannte aus. Ter Betrieb wird in keiner Weise in Mitleidenschaft gezogen. Ter Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Kleine Nachrichten. Ein schweres Herzleiden hatte der 93 Jahre alten Privatiere Anna Möser aus der Wilsnacker Str. 49 das Leben so verleidet, daß sie sich gestern Nachmittag in ihrer Wohnung, die sie für sich allein hatte, am Türpfosten erhängte.— Deckeneinbrecher waren in der Nacht zum Sonntag wieder an der Arbeit. Sie hatten es diesmal auf die Filiale des Schuhwarcngeschästs von Conrad Tack in der Frankfurter Allee 125 abgesehen. Sie verschafften sich zuerst vom Hof aus Eingang in den Keller, durch- brachen hier die Decke und stiegen durch die Oeffnung in den Laden. Für ungefähr 1999 M. Herren- und Tamensftefel packten sie zu» sammen und schleppten die Beute unbemerkt davon.— WohnungS» ciubrechcrn fielen für etwa 2999 M. Sachen in die Hände. Im zweilku Stock des Vorderhauses Brandenburgstr. 38 befindet sich die Wohnung des Kaufliianiies Harnisch, der zurzeit mit seiner Familie verreist ist. Einbrecher, die dies ausgekundschaftet hotten, verschafften sich mit einem Nachschlüssel Eingang und stahlen für 2999 M. Wertsachen, Wäsche- und Kleidungsstücke usw. Bei seiner Rückkehr machte der Bestohlenc gestern die unangenehme Entdeckung. Vom Spiel in den Tod. Beim Spielen ertrunken ist gestern nachmittag in der siebenten Stunde das vierjährige Töchierchen Hedwig des Straßenbahn» schaffners Sorgatz aus Charlottenburg. Das Kind spielte an den Ufern des Kanals am Charlottenburger Ufer. Dabei stürzte es die Böschung hinab in den Kanal hinein. Die Leiche konnte bis» her noch nicht gefunden werden.- Wettcraussichtc» für das mittlere Nordbeutschland bis Ticns. tag mittag. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter, jedoch noch sehr veränderlich. An den meisten Orten, besonders im Westen und an den Küsten öfter leichte Regenschauer. Zu öen prstSstversammlungen. Tcgcl-Borsigwalde-Wittenau. Montag, abends 8 Uhr, findet eine Hmidzettclverbrcitung von den bekannten Lokalen aus statt, Die Orte Adlers Hof, Alt-Glienicke, Grünau und Bohnsdorf beteiligen sich am Dienstag an der Protestversamm- lung in ftöpenicE. Treffpunkt für A d l e r s h o f: Abends 8 Uhr, Lokal Ziege, Bismarckstratze W. Alt-Glienicke: Abends 7% Uhr bei Nitze, Grünauer Straße 60, für den Ortsteil Falken- berg: Abends VA Uhr bei Meier. Grünau: Abends 8 Uhr „Grüne Ecke", Köpenicker Straße 88. Bohnsdorf: Abends lYi Uhr bei Wirth, Bahnhofstraße. In den genannten Orten findet heute Montag, abends lY? Uhr, von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung statt._ Mch eine Demonstration. Schon in den Nachmittagsstunden kam es am Sonntag zu einer Demonstration vor der österreichisch-ungarischen Botschaft— zu einer sehr eigenartigen sogar. Von zwei Automobilen geführt rückten an dreihundert halbwüchsige Bürschchen heran, die sich dann vor der Botschaft postierten. An jedem Fußsteig eines der Auto- mobile. Dann erhob sich auf jenem, das vor dem Fußsteig der dem Botschafterpalais gegenüberliegenden Seite hielt, ein Mann mit einem Photographenkasten. Ermunternde Zurufe brachten die Versammelten bald dazu, daß sie ihre Gesichter dann diesem be- triebsamen Herrn zuwandten. In dem zweiten Auto hoben gleichzeitig die Insassen ztoei Bilder empor, eines mit dem Kopf Wilhelms II., eines mit dem Porträt Franz Josephs. Ein Knips! und die Ausnahme war fertig: Vorne eine Menge grüner Jungen mit mehr oder minder erhobenen Armen und aufgerissenen Mündern, über ihre Köpfe emporgehoben zwei Kaiserbilder, im Hintergrunde das Botschafter- palais. Zwar wird es nachher aus der Photographie ein wenig merk- würdig sein, daß die kriegswütigen Hurraschreier der österreichisch- ungarischen Botschaft gerade die Hinterseite zukehren. Aber das wird bei guten Patrioten gewiß nicht weiter stören. Die Kosten eines Weltkrieges. Während der Marokkowirren 1311 machte Franeois Delavigne einen Voranschlag darüber, was ein großer Krieg zwischen den Drei- bund- und Zweibundmächten unter den heutigen Verhällnissen den daran beteiligten Großstaaten kosten würde. Er ging von den für Frankreich während des Krieges von 1873/71 erwachsenen Kosten aus, die er unter Ausscheidung der Kriegsentschädigung von 5 Milliarden Frank und einiger anderer Posten, die mit der Kriegführung und Unterhaltung des Heeres nicht direkt in Zusammenhang standen, mit L,ö Milliarden in Rechnung setzte, so daß bei einer Armee von 1 233 333 Mann, die während der Dauer von acht Monaten unter den Waffen gehalten wurden, jeder mobilisierte ftanzösische Soldat pro Tag rund 12 Frank Kosten verursachte. Indem er des weiteren annahm, daß infolge der seit vierzig Jahren eingetretenen allge- meinen Preissteigerung aller Lebensbedürfnisse für die heutigen Verhältnisse ein Zuschlag von mindestens 33 v. H. zu machen sei, kam er zu dem Ergebnis, daß gegenwärtig die Tageskosten für jeden Soldaten auf 13 Fr. zu stehen kämen, so daß bei einem Kriegs- stand von 2 433 333 Köpfen, zu denen noch 633 333 Mann Terri- torialreserve kommen, jeder Tag der Kriegsführung für Frank- reich 48 Millionen und ein achtmonatiger Krieg somit IIA Milliarden Frank Kosten verursachen würde. Auf demselben Wege, jedoch unter Ansatz anderer täglicher Verpflegungskosten, kam Delavigne zu dem Ergebnis, daß Deutschland bei einer Kriegsstärke von ö Millionen Mann unter Einschluß der Ersatz- reserven und des Landsturms für jeden Kriegstag 63 Millionen Mark, für einen achtmonatigen Krieg also 14,5 Milliarden Mark, Oesterreich-Ungarn bei einem Aufgebot von ZA Millionen Köpfen in 8 Monaten 8 Milliarden Kronen, Italien für 3A Millionen Köpfe 11 Milliarden Lire und Rußland für 3% Millionen Soldaten im ganzen 4Z-l> Milliarden Rubel auszugeben haben würde. Ein allgemeiner europäischer Krieg würde also allein den fünf großen Landmächten rund 53 Milliarden Mark Kosten verursachen, zu denen nun noch die Kriegskosten Großbritanniens und die Maritieausgaben der Zwei- und Drei bundländer treten, so daß man mit einer Gesanitausgabe von 83 Milliarden rechnen kann. Indem Delavigne darauf hinwies, daß gerade die besten und leistungsfähigsten Arbeiter für den Betrieb der Landwirtschaft und die industrielle Produktion verloren gehen würden und daß ein Land wie Frankreich 83 bis 85 vom Hundert aller Wehrpflichtigen in das Heer einstellt, kam er zu dem Schluß, daß in Frankreich die meisten Betriebe stillfkehen müßten, daß große Teile der Bevölkerung gänzlich arbeitlos wer- den würden und der Staat dann überhaupt nicht mehr auf den Eingang von Steuern rechnen könnte. Es würden bei einem all- gemeinen Kriege der ganze Erdteil, Sieger sowohl wie Besiegte, einer schweren Erschöpfung anheimfallen, die den überseeischen Konkurrenten, Engländern und Nordamerikanern, nur die ersehnte Gelegenheit bieten würde, den internationalen Handel auf Menschenalter an sich zu reißen. /tos aller Welt. Eine Eifersuchtstragoöie. Ein furchtbares Familiendrama hat sich gestern in Königsberg i. Pr. zugetragen. Der Dekorationsmaler Stange wurde am Vormittag von seiner Frau nnt einem Beil e r- schlagen. Die Frau brachte sich nach der Tat mit einem dolchartigen Messer mehrere Stiche bei und öffnete sich die Pulsadern, ebenso ihrem fünfjährigen Sohn. Ein zweites Kind ist unverletzt geblieben. Die Frau und der Sohn wurden noch lebend in das Krankenhaus übergeführt, während Stange bereits als Leiche aufgefunden wurde. Das Motiv der Tat soll Eifersucht sein. Kleine Notizen. Vater und Sohn verunglückt. Der Maschinenhändler Stephan aus Stettin, der mit seinem 11jährigen Sohn eine Automovilsahrt unternahm, fuhr nicht weit von dem Städtchen Plathe gegen' einen Chausseestein, wobei das Auto vollständig zertrümmert wurde. Beide Insassen wurden herausgeschleudert, während der Knabe auf der Steller tot war, blieb Stephan schwer ver- wund et mehrere Stunden liegen, ehe er nach dem Plather .Krankenhaus gebracht wurde. Sein Zustand ist h o f f n u n g s- los. Gattenmord. Infolge ehelickcr Zwistigkeiien schnitt der Schlosser Himmel in Niedergorbitz bei Dresden feiner schlafenden Frau den Hals durch. Das zweijährige Kind ließ er neben der in ihrem Blute, schwimmenden Mutter liegen und entfloh. Spie! unö Sport. Arbeiter-Wanderer. Einen Bundestag hielt kürzlich der Deutsche Arbeiterwander- bund„Die Naturfreunde" in Kottbus ab. Es waren 26 Delegierte aus 11 Ortsgruppen anwesend, die eine Mitgliederzahl von 1533 repräsentierten. Eine besondere EntWickelung haben die Orts- gruppen Berlin, Neukölln und Finsterwalde genommen. Den hauptsächlichsten Teil der Verhandlungen bildete die Frage der Verschmelzung mit dem Touristenvercin„Die Natur- freunde", Sitz Wien. Der Vertreter des Touristenvereins schilderte die materiellen und ideellen Werte und Vorteile, die bei einer Ver- schmelzung für die Wanderbewcgung der Arbeiterschaft in Frage kommen. Die Mehrheit der Delegierten war jedoch der Meinung, daß der Touristenverein in der Frage der Monatsschrift nicht das genügende Entgegenkommen zeige. Nach eingehender Debatte wurde folgende Resolution angenommen: Der Wundestag erachtet die Zugeständnisse des Zentralausschusses des Touristenvereins„Die Naturfteunde" als nicht genügend und lehnt sie ab. Er beauftragt aber den Bundesvorstand in erneute Verhandlungen, unter strikter Beibehaltung des„Wanderfteundes" in seiner jetzigen Form, ein- zutreten. Außerdem wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Der Bundesvorstand wird beauftragt, so schnell wie möglich Schritte zu unternehmen, um auf den Eisenbahnen Fahrpreisermäßigung herbeizuführen. Hauptsächlich sei darauf Gewicht zu legen, daß die 4. Klasse eine Herabsetzung des Fahrpreises erfährt, da die Sonntagskarten keine wirkliche Verbilligung bringen. Fußballresultate. Adler II gegen Rüstig-Vorwärts I 2:3, II. Mannschaften 1:3, III. Mannschaften 1: 3/Askania-Köpenick, I. Mannschaft, gegen Niederschöneweide, Turnvereinigung, l. Mannschaft 2: 4, II. Mann- stern I gegen Alemania 1:3, Südstern II gegen Stralauer Ball» spielklub II 8:3, Südstern, I. Jugend, gegen Stralauer Ball» spielklub, II. Jugend 3: 1, Südstern, II. Jugend, gegen Friedrichs« hagen-Vorwärts, I. Jugend 4:3. Das zweite Bezirksspielfcst des 5. Bezirks auf dem Sportplatz der Freien Turner Neuköllns hatte sehr unter der ungünstigen Witterung zu leiden. Es wurden verhältnismäßig gute Leistungen erzielt. An dem Festzug beteiligten sich�etwa 533 Turner, Turnerinnen und Sportler. Die 333-Meter-Staffette für Turnerinnen hatte in diesem Jahre folgendos Ergebnis: Köpenick 1 Min. 48 Sek., Neukölln 1 1 Min. 53 Sek., Köpenick III Min. 51,4 Sek. 533-Meter- Wanderstaffette wurde von Neukölln I mit 63 Sek. gewonnen. In der Olympischen Staffette war Neukölln l mit 4 Min. 17,5 Sek. Sieger. Faustballresultate waren: Oberschöneweide gegen Kövc» nick II 121: 123. Beim Tamburinspiel für Turnerinnen erzielte Köpenick II 133, Köpenick I 83 Punkte. Letzte Nachrichten. Oesterreich wartet öoch ab. London, 26. Juli. TaS Rcutcrsche Bureau erfährt auS Kreisen, die in enger Berührung mit Wien stehen, daß die militari» schen Vorbereitungen, welche Oesterreich-Ungarn jetzt treffen werde, Serbien noch Zeit geben werden, seine Antwort eine» nochmaligenErwägung zu unterziehen. Rußlands Intervention. London» 26. Juli. Ueber den russischen Standpunkt erfährt das Reutersche Bureau, Rußland halte sich bereit, alles möglich« zu tun, um zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien eiu für beide gleichmäßig befriedigendes Einvernehmen zustande zu bringen. Zu diesem Zweck habe es in Wien eine Verlängerung der von Oester- reich-Ungarn gegebenen Frist angeregt. Ferner werde es durchaus bereit sein, diejenigen Punkte der österreichischen Note zu unter- stützen, die sich zu einer Prüfung eigneten, und bezüglich deren von Serbien Genugtuung gegeben werden könnte. Die Forderungen der österreichischen Note schienen jedoch anzudeuten, daß sie etwas mehr als die Beilegung der ausstehenden österreichischen Fragen be- zweckten. Rußland hoffe jedoch, daß auch jetzt noch Mittel gefunden würden, eine Beilegung zu erreichen. Die Internationale. Brüssel, 26. Juli.(Privattclcgramm des„Vorwärts".) Am Mittwoch versammelt sich das Internationale sozia- listische Bureau. Das Exekutivkomitee wird Bern für den Internationalen Kongreß vorschlagen. — Ter heutige belgische Gewerkschaftskongreß nahm eine Protestresolution gegen den Krieg an und verlangt Pro» testulcetings aller Arbeiterorgan isatioueu, Ueberall unreife Demonstranten. Frankfurt a. M., 26. Juli.(Privattelegramm des„Vorwärt s".) Angeregt durch die Meldung von auswärts, scheint auch hier der patriotische Mob vom Kriegs- rausch ergriffen worden zu sein. Eine vielhundertköpfige Menge zog vor das Bismarckdcnkmal, um Hochrufe auf den Krieg und die Verbündeten Kaiser auszubringen. Von dort aus begab sich die Menge vor das Haus des kommandieren- den Generals, den sie aber nicht antraf. Unter.dem Ab- singen der Nationalhymne versuchte man sodann, nach dem österreichischen Konsulat zu kommen, um dort die patrioti- scheu Hochrufe auszubringen. Bemerkenswert bleibt, daß von feiten der Polizei diese nächtliche Ruhestörung still- schweigend geduldet wird. Als vor zwei Jahren unser Genosse Reichstagsabgeordneter Wendel vor dem Bismarck» denkmal einen Hochruf auf das freie Wahlrecht ausbrachte, war sofort eine Anzahl Schutzleute bei der Hand, um Wendel zu verhaften. In furchtbar ernster Stunde ertönt an das Proletariat, an die ganze Bevölkerung dieser Ruf! Es gilt Front zu machen gegen die unverantwortlichen und verant- wortlichen Kriegshetzer, die nicht davor znrückschene«, einen Weltenbrand zn entflammen. In 27 Uersammlnugen soll Groszb erlitt sich erheben gegen die unheilvoll dro- hende Gefahr, soll das Volk seinen einheitlichen Willen zeigen, für den Frieden einzntrete«. Keiner, Mann oder Frau, darf fehlen bei diesen bedeutungsvollen Kundgebungen. Jeder werbe zum Massen- besuch! Der Dienstagabend der 27 Versammlungen muh den Machthaber» zeigen, mufj der Welt beweisen, daß die breiten Massen sich einig fühlen mit den Brüdern und Schwestern jenseits der Grenze. Friede, Verständigung, nicht aber Völkermord und VölkerhaH, das ist der Mille des Volkes. In folgenden Lokalen finden am Dienstag die Ver- sammlungen statt: Berlin: Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59. Bock-Brauerci, Tempelhofer Berg. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Urania, Wrangelstr. 19/11. Konzert- und Festsäle, Kvppenstr. 29. Elysinm, Landsberger Allee 49/41. Brauerei Friedrichshai«, Am Friedrichshain 16/23. Berliner Musikcr-Säle, Kaiser-Wilhelm-Str. 31. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 19. Gcrmania-Säle, Chansseestr. 119. Kastanic|!-Wäldchcil, Badstr. 15,16. verantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. In /eratenteil verantw. Pharus-Säle, Miillcrstr. 142. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. 49,„Deutsches Neukölln. Ad. Bartsch, Herwannstr. Wirtshaus", Bcrgstr. 136. Schöncbcrg. Gesellschaftshaus des Westens", Hauptstr. 30,31. Charlottcnburg.„Bolkshaus", Rofincustr. 3. Cöpenick.„Stadttheater, Friedrichstr. 6. Britz.„Gesellschaftshaus", Chansseestr. 97. Treptow und Baumschulenwcg.„Neues Gescllschafts- Haus", Treptower Chaussee 14. ___ Weistenfee. Schloß Weißeusee._ Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlas vorwärts Duchd!. v- Verlagsanstal! Paul Singer& C., Berlin SW. Tempelhof und Mariendorf.„Stadt Dresden", Tempelhof, Berliner Straße 78. Steglitz, Friedenau und Wilmersdorf.„Birkenwäldchen", Schützenstraße. Lichtenberg. Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee 5. Friedrichsfelde, Stralau. Cafö Bellevue, Am Bahnhof Stralau-Rummclsburg. Obcr-Tchöneweide. Wilhelmiueohvf, Schloßparkstraße. Pankow, Nieder- Schönhausc», Buchholz. Zum Kur» fürstcn, Pankow, Berliner Str. 192. Reinickendorf- Ost und-West. Schntzcnhaus, Residenz- straßc 1/2. gr.202 N.z.w» Seilte des„Wrißisrts" Kerliver UölksblM. polizeiftunöe. (Cin väterlicher Zreunö unö Rater bin ick für üen§amiljenvater, See Müller oder piefke heißt unö nach Serlin geschäftlich reist:) „Nachtcafe jibt's nich, oller Sünöer; jeh'n Sie zu öett— öet is fefünöer!" „'n Nachtlokälchen! Kö'nn' Se triefen. £mBö um öe Ecke— viel verfnüjen!" t?ck feh', öet is'n Schentlemann, öem ick üat wohl erlauben kann. M öenen, öie vom Osten kamen, is nifcht mehr zu veröerben. /lmen.) Das Gegengewicht. Von Frederik Bautet. Eines TageS war Anton von seinem Onkel, dem Maurer, mit auf das Schloß genommen worden. Sie gingen dahin, um zu ar betten; sein Onkel führte die Mauerkelle, er trug ihm Wasser zu und rührte den Gips an; er hatte das beinahe während seines ganzen kleinen Lebens getan und dachte sich nichts weiter dabei, und er war heute sogar zuerst sehr zufrieden damit gewesen, nun all die Herrlichkeiten zu sehen, von denen man sich im Dorfe erzählte. Es fand sich überall ein wenig Arbeit: hier galt es, schadhafte Mauern auszubessern, auf dem Speicher sollten Mäuse-, im Pferde stall Rattenlöcher zugestopft werden. Seit dem Morgen schon lief Anton unermüdlich hin und her durch den Garten uid die Treppen herauf und hinunter. Sein vom Gips weiß gepudertes Haar fiel ihm bis in die klaren Augen, seine spitzen Ellenbogen hatten sich durch die Aermel seines zerlumpten Hemdes gedrängt und die nackten Füße steckten in ein paar schweren Männerschuhen, die viel zu groß waren. Er eilte von der Pumpe zu seinem Onkel und von dem Onkel zurück an die Pumpe und schleppte dabei mühsam mit beiden Händen den schweren Wassereimer, mit dem er sich die Beine naßmachte; denn er war sehr klein und zart, und obwohl er bereits dreizehn Jahre zählte, schien er kaum zehn alt zu sein. Die Fröhlichkeit, mit der er sich morgens zur Arbeit begeben. war nach und nach gewichen, um einem Gefühle tiefen Unbehagens Platz zu machen. Er hatte versucht, einen Blick in die großen, präch- tigen Gemächer zu tun, aber die Diener hatten ihm die Türen vor der Rase zugeschlagen und ihm, wenn auch in korrekter Weise, doch sehr deutlich zu verstehen gegeben, daß er hier nichts zu suchen habe; er hatte dann, um sich zu zerstreuen, versucht, ein Liedchen zu pfeifen und man hatte ihn grob angefahren und bedeutet, stille zu sein; die Bewohner des Schlosses, ein Herr, eine Dame und ihre beiden Kinder, waren dicht an ihm vorbeigegangen, ohne ihn, wie es schien, auch nur gesehen zu haben. Er war in ihren Augen eine kleine Maschine zum Wassertragen und weiter nichts. So war es allmählich Nachmittag geworden und der arme kleine Bursche fühlte sich todmüde. Er schleppte seinen Eimer langsamer umher und stellte ihn von Zeit zu Zeit hin, um durch das Gebüsch weg einen Blick auf das sich in dem Parke entwickelnde Leben zu tun. Es waren viele Gäste auf das Schloß gekommen, die von schönen, laut tutenden Autos herbeigeführt wurden und alles ergötzte sich in dem prächtigen Garten in der ruhigen warmen Luft eines wolkigen Augusttages, die ganz von Rosendust geschwängert war. Unter einem großen Catalpabaume waren grüne Sessel um einen Tisch aufgestellt; ernste, vornehme Herren hatten sich dort zu Bridgespiel zusammengesunden, wobei sie behaglich ihre Zigarren rauchten. Juirge schöne Mädchen und Frauen, die in ihren zarten cremefarbnen Linon- oder weißen Pikeekleidern Sylphiden glichen, flatterten durch die schattigen Alleen und nahmen allerlei altmodische Spiele, wie Federball und Reifenspiel, zum Vorwand, um ihren in Tennisanzügen gekleideten jungen Kavalieren Gelegenheit zu geben, ihre Grazie und die Formen ihrer schlanken Beine zu bewundern. Fünf frische, prächtige Kinder amüsierten sich mit allerlei Spielen unter der despotischen Leitung des Sohnes des Hauses, eines kräftigen Burschen von acht Jahren, der fast ebenso groß wie Anton «ad schön wie ein junger Gott war. Er hatte goldnes Haar und große blaue Augen, hatte aber einen eigenwilligen und ungebärdigen Charakter. Wenn jemand ihm zu widersprechen wagte, trampelte er mit den Füßen, fluchte und schimpfte in gemeinster Weise, heulte wie besessen und brachte alles in Aufregung. Tann eilten seine Eltern herbei, gaben seiner Schwester und den Spielkameraden unrecht, die jungen Mädchen liebkosten und streichelten ihn, sie umarmten und küßten den ungebärdigen Jungen, bis er endlich darein willigte, sich zu beruhigen— bis zur nächsten Gelegenheit. Plötzlich entdeckte er Anton, der von einem Gebüsch gedeckt, dem Federball- und Reisenspiel zusah. Die Hände in den Taschen, pflanzte er sich, ohne ein Wort zu sprechen, vor ihm auf und starrte ihn neu- gierig an. Anton errötete tief unter dm ihn bedeckenden Gipsstaub, nahm seinen Eimer auf und ging in den Pferdestall, wo sein Onkel mauerte. Das goldhaarige Kind aber folgte ihm und untersuchte den Trog, die Mauerkelle und den Gips, den Anton, der sich sehr geniert fühlte, angefangen hatte, zurechtzurühren. „Georgy! Wo bist Du. Liebling? Komm, man vespert." Da lief der Knabe fort. Anton setzte seine Arbeit noch eine Weile fort; dann verlangsamten sich seine Bewegungen und hörten bald ganz auf, und der Onkel, der in irgendeiner Ecke mit dem Aus- bessern eines großen Loches beschäftigt war, vernahm plötzlich ein leises unheimliches Geräusch. Erstaunt wandte er sich um. Anton lag gegen die Mauer auf dem mit Stroh bedeckt« Fußboden; seine beiden Arme stützten sich auf einen Stein und sein Kopf ruhte auf den Armen, er schluchzte und weinte ganz laut und mit solch ver- zweifelter Heftigkeit, daß sein ganzer zarter Körper zitterte und bebte. „Na, na, Anton, was fällt Dir denn ein? Was hast Du, warum heulst Du?" fragte der Onkel ihn ganz überrascht. Aber anstatt zu ar-tworten, schluchzte Anton nur noch lauter. „Hast Du Dir weh getan," frug der Maurer beunruhigt und versuchte ihn in die Höhe zu ziehen. Sein armes Hemdchen zerriß bei diesm Versuche von oben bis unten und der Kleine wandte ihm sein von Tränen überströmtes Gesicht zu. „Ich habe mir nicht weh getan," stotterte er,„ich habe... ich habe..." Aber dem, was ihn wirklich bedrückte, vermochte er in Worten keinen Ausdruck zu verleihen. Es war eine Herzbeklemmung, die sich seit Stunden bei ihm vorbereitet hatte; es war die plötzliche Offenbarung, daß all die irdische Herrlichkeit, die er heute erschaut, für andere und nicht für ihn bestimmt sei: das reiche Haus, der Herr- lichc Garten, die schönen Kleider, die Spiele, die köstliche Mahlzeit, die zärtlichen Eltern, die von den schönen jungen Mädchen gegebenen Küsse... Es war sein zerrissenes Hemd, seine harten, großen Schuhe, der zu schwere Eimer, seine ermüdeten, schmerzenden Arme, die ihn bedrückten. Er war noch zu klein, um zu resignieren, zu klein, um sich zu empören— er weinte nur— weinte und schluchzte, ohne selbst zu verstehen, weshalb... Der Onkel war kein böser Mensch, hatte sogar ein gewisses Verständnis für den Kummer Antons, denn er ohrfeigte ihn nicht, um ihn wieder zur Vernunft zu bringen. Teilnahmsvoll streichelte seine schwielige Arbeiterfaust über die kleinen, mit Tränen benetzten Wangen. -..Ja, ja, das sind eben reiche Leute," war alles, was er sagte. Dann entstand eine Pause. „Dein Hemdchen ist futsch," meinte dann der Maurer gutmütig. „Ich werde Dir, wenn Kirmes ist, neue kaufen. Hallo, mein Bub, nimm Deinen Eimer auf, die Arbeit wartet. Anton verschluckte seine Tränen und nahm seinen Eimer wieder auf, der beinahe so groß wie er selbst ivar und schwer in seinen er- müdeten Armen lastete. Immer noch zitternd ging er aus dem Pferdestall und wandte sich der Pumpe zu. Trotz seiner Müdigkeit machte er einen Umweg, um nicht zu nähe an dm unter den Bäumen gedeckten Tisch vorbeizukommen, um den sich jetzt die ganze Gesell- schaft versammelt hatte; aber als er, unter seiner Last keuchend, zu- rückkehrte, schlug er dennoch den kürzesten Weg ein. Da erhob sich plötzlich ein lautes Geschrei mitten zwischen der tafelnden Gesellschaft. Seinen Eimer hinter eine Mauer setzend, hielt Anton einen Augenblick inne. Es war der kleine goldhaarige Gott, der eine furchtbare Szene verursachte. Mitten im Kreise der ganz entrüsteten Gäste, die jedoch aus Höflichkeit schwiegen, wälzte der Junge sich laut heulend und schreiend auf dem Boden und schlug wütend mit Händen und Füßen um sich. Vergebens bemühten seine erschrockenen Eltern sich, ihn aufzuheben und zu beruhigen; toll vor Wut, stieß er sie rücksichtslos zurück und wiederholte immer nur schluchzeird und heulend: „Ich will keine Schokolade! Ich will keinen Kuchen! Ich will kein Pony! Ich will keine Spielsachen! Ich will nichts von euch wissen. Ich will einen großen Trog und dann eine kleine Schaufel uich dann Kalk, um darnr. herumzupatschen wie der kleine Junge. Ich will Maurer werden, bei Gott!..." Einen Zlugenblick.stand Anton ganz verwirrt da. Er traute seinen Ohren nicht; aber das wüste Geschrei dauerte fort und der kleine Unhold wollte sich nicht besänftigen lassen. Da richtete Anton sich auf, ergriff seinen schweren Eimer, dessen Last er plötzlich nicht mehr fühlte, und ungeachtet seiner schlechten Schuhe, seines zer- rissenen Hemdes, schritt er stolz und mit hochgehobenem Kopfe an dem jungen wütenden Gott vorüber, der ihm boller Neid, nachsah. Kohlenstauer. Bauchige Kähne legen am Flußufer an, sperren gefräßig die schivarzen Rachen. Ketten klirren schrill und die Laufplanken krachen unter dem Stampfschritt der Träger, Mann an Mann. Harteckige Leiber, wie Gußerze rauh, in Zwilche gepreßt, die verschwitzt an den Muskeln kleben, mit bronzebraunen Armen müssen sie immer heben und schultern den Lastüberbau. Hüpfen einzeln mechanisch wie Dohlen fort. Und der Schlund, dem tausend Zentner hinunterrollen� sinnt unersättlich Verrat und Mord. Die kahlgeschorenen Schädel zersticht Mittagssonne. Fern hört man Donner grollen; Donner von Eisenbahn, Schwungrad und Dampfhammergewicht. Paul Zech. /lus Engels Sriefen an Joh. PH. Secker. London, S. Tozeniber 188S. Lieber Alter! Ich habe lange nichts von Dir gehört und will Dir deshalb meinerseits ein Lebenszeichen geben, indem ich Dich auf eine fünf- pfundige Geldanweisung aufmerksam mache, die Dir hoffentlich gleichzeitig mit diesem Brief zukommen wird und die vielleicht etwas dazu beiträgt. Dir den Uebergang aus dem alten ins neue Jahr leichter zu machen. Ich hoffe. Du bist noch wohl und munter und bestätigst mir dies bald durch ein paar Zeilen. Ich habe die lehte Zeit tüchtig geschanzt, wie Dir der Verlag der Züricher Buchhandlung wohl anzeigen wird, und namentlich Gelegenheit genommen, allerhand Stücke aus der schönen Jugendzeit 1848/49 wieder aufzufrischen. Das wird verdammt nötig, denn die junge Generation, die das alles vergessen oder gar nie erfahren hatte, fängt an, jetzt wissen zu wollen, was damals passiert, und da ist es nötig, bei den vielen falschen Quellen und Nachrichten ihr auch möglichst viel Richtiges beizubringen. Es wäre von der höchsten Wichtigkeit, daß Tu Deine Memoiren fertig machtest, vor einigen Jahren brachte die„Neue Welt" einige ganz allerliebste Stücke, und Du hast so ein famoses Geschick zum Erzählen und obendrein gehen Deine Erinnerungen volle 10— 15 Jahre weiter zurück als die meinigen und umfassen die Zeit von 1830 bis 40, die auch sehr wichtig ist für die spätere Entwicklung. Vielleicht läßt sich auch noch Geld damit machen, was immer mitzunehmen. Jetzt Hab' ich noch den Bauernkrieg umzuarbeiten, der das sehr nötig hat, und dann geht es an den dritten Band„Kapital", der im Rauhen aus dem Originalmanuskript ins Leserliche fertig diktiert ist. Das war noch eine Heidenarbeit, aber famos. Leider kommen mir dazwischen immer eine Masse Uebersetzungen ins Französische, Englische, Italienische und Dänische, die ich durchsehen muß und die es meist sehr nötig haben. Glücklicherweise reicht mein Russisch und Polnisch nicht so weit, daß ich da nützen kann, sonst hörte das gar nicht auf. Dir wird es eher als Beweis dienen können, welche breite internationale Ausdehnung unser Kommunismus jetzt er- obert hat, und da freut es einem immer, wenn man das Seinige dazu beitragen kann, dies Gebiet noch weiter auszudehnen. Ich hoffe, die elende Balkangeschichte verläuft friedlich. Wir marschieren jetzt so famos voran, überall, daß ein Balkankrieg uns jetzt ungelegen käme— zu spät oder zu früh. Aber auch er würde schließlich für uns arbeiten, indem er dem Militarismus ein für allemal esn Ende machte— vermittelst Massakrieren von Millionen Menschen und Vergeudung von 1000 Milliarden Franken. Danach wäre kein Krieg mehr möglich. Die Wahlen in Frankreich haben dem Radikalismus die nächste Aussicht auf die Herrschaft verschafft und damit auch uns ein gut Stück vorangeholfen. Die Wahlen haben hier die Jrländer mo- mentan zu Herren von England und Schottland gemacht; keine der beiden Parteien kann ohne sie regieren. Es stehen noch etwa 100 Wahlen aus, aber die werden daran wenig ändern. Damit kommt endlich die irische Frage aus der Welt— wenn nicht sofort, so doch in nächster Zukunft, und dann ist auch hier reine Bahn gemacht. Gleichzeitig sind etwa 3 bis 10 Arbeiter gewählt— teils an die Bourgeoisie verkaufte, teils reine Gewerkschaftsleute—, die sich wahrscheinlich arg blamieren und die Bildung einer selbständigen Arbeiterpartei dadurch enorm befördern werden, indem sie vererbte Selbsttäuschungen der Arbeiter beseitigen. Die Geschichte geht hier langsam, aber sie geht. Herzlichen Gruß Dein alter F. Engels. London, 28. Dezember 1885. Lieber Alter! Hiermit die Anzeige, daß unser alter Borkheim am 18. d. M. in Hostings nach dreitägiger Krankheit einer Lungenentzündung erlegen ist. Er hatte seit zwölf Jahren die Schwindsucht und war seit zehn Jahren an der ganzen linken Körperhälfte gelähmt. Der Arzt sagte, er habe Krankheit genug gehabt, um drei andere Leute zu töten. Er ertrug alles mit unverwüstlicher Heiterkeit und ver- folgte die Bewegung bis zuletzt, soweit es ihm möglich. Ich habe Liebknecht gebeten, ihm einen kurzen Nachruf im„Sozialdemokrat" zu widmen. Anfangs dieses Monats schickte ich Dir eine Anweisung, die Du hoffentlich richtig erhalten. Im übrigen— da die Post drängt und ich in diesen hier für mich unruhigen Tagen nicht oft zum Schreiben komme, wünsche ich Dir ein herzliches Prosit Neujahr und tüchtige Gesundheit; unserer Bewegung braucht man nichts besonderes zu wünschen, sie marschiert überall— je nach Ort und Volk verschieden— aber überall famos voran und die Balkansauerei scheint auch ohne Weltkrieg vorüber zu gehen. Von ganzem Herzen Dein alter F. Engels. London, 0. Juli 1838. Lieber alter Kamerad! Ich habe die Antwort auf Deinen Brief ein paar Tage auf- geschoben, weil ich erst abioarten mußte, ob sich eine Möglichkeit finden ließ, auf Deinen Pariser Plan einzugehen. Leider nein— und zwar: 1. bin ich an England gebunden, weil ich die Korrektur und Herausgabe der englischen Uebersetzung des„Kapital" besorgen muß, die in der Presse ist und die ich keinem anderen überlassen könnte, auch wenn ich nicht kontraktlich gebunden wäre; 2. aber bin ich wieder seit drei Monaten invalid, kann nicht über 2—300 Schritt gehen und hänge von allerhand medizinischen Leuten ab; die Sache ist weiter nichts als genant, aber es kann doch jeden Augenblick eine Verwicklung eintreten, wenn ich mich nicht ruhig halte, und von langen Reisen ist da keine Rede. Und wenn ich auch, wie ich hoffe, bis zum Herbst wieder mobiler werde, so muß ich denn doch diesmal dieser alten Geschichte, die mich nunmehr drei Jahre ab und zu zum Krüppel gemacht hat, soweit es angeht, ein Ende machen, und dazu gehört, daß ich nichts unternehme, was mich wieder zurückwerfen könnte. Ich muß allerdings wieder soweit kommen, daß ich zwei bis drei Stunden weit an einem Stock marschieren kann, sonst gehe ich kaput und kann das Arbeiten nicht auf die Tnuer aushalten. Ich hatte geglaubt, in den letzten vierzehn Tagen so weit zu kommen, daß ich eine positive Besserung konstatieren könnte, aber es geht langsamer, als ich dachte. Nun aber läßt sich die Sacke hoffentlich anders einrichten. Nämlich wenn Du erst in Paris bist, so könntest Tu auch ein wenig übers Wasser hierher komme». Die Kosten dafür trage ich gern, und hier kostetDich derAufenthalt keinen Heller. Den August werde ich an die See geschickt, um mich auszukurieren, im September bekomme ich Besuch aus der Provinz, aus Teutschland und wahrscheinlich auch Lafargnes aus Paris, und da ich nur ein Zimmer frei habe, werde ich wegen Unterbringung der Leute Mühe genug haben. Aber im Oktober ist das vorbei und ich kann Dir das Zimnier jederzeit zur Verfügung halten und würde mich unendlich freuen, Dich bei mir zu sehen. Da haben wir auch mehr Ruhe, alles zu besprechen und zu erzählen als in Paris, wo man doch nie allein ist. Also fasse Deinen Entschluß. Bis Oktober bin ich auch mit den dringenden Arbeiten soweit fertig, daß ich alles andere auf die lange Bank schieben kann, und auch hoffentlich wieder soweit, daß ich wieder kneipen darf. Wenn Du übrigens lieber im September kommst, so schreib mir's, es wird sich dann doch wohl so oder so ein- richten lassen. Wir haben noch allerlei miteinander zu verhandeln und Du kannst mir ganz speziell noch so manche? aus der Ent- wicklungsgcschichte der Bewegung mitteilen, was, wie Du sagst, nie- mand sonst weiß, daß es wahrhaftig ein Unrecht wäre, wenn wir nicht alles täten, um noch einmal zusammen zu kommen und das alles zu erledigen. Die Papiere von Marx habe ich noch gar nicht ordnen können, das ist eine Arbeit von mindestens einem Monat. Vielleicht geht's Die Toaste von peterhos. Preisend seines Landes Stärke Ueber den bekannten Klee Saß im Peterhofer Saale Toastend Herr P o i n c a r 6. Still begräbt er tief im Busen Jenes„grüne Dokument". Als uni welches an der Seine Grade übler Stank entbrennt. Doch den Römer zitternd schwingend Oeffnet auch der Zar den Vtund Und von„Freundschaft",„Bündnis",„Treue' Tut er das Bekannte kund; Spricht vom heil'gen großen Rußland, „Seinem"„Volk" und„Heer" und„HauS"— Und beftiedigt trinken beide Darauf ihre Gläser aus.... Horch! ein Knattern vor den Fenstern! Die Nagaika saust, o Zar! Und Kosaken reiten tierisch In des Volks empörte Schar! So, bei unverhofften Klängen— Die Komödie ist verspielt Trennt sich Zar und Präsidente, Jener bleich, der abgekühlt. Knax. Der Prozeß Caillaux. (Verkürzter, aber authentischer Bericht.) Vorsitzender: Wir find uns alle darüber einig, daß eS unsere vornehmste Aufgabe sein wird, die Verhandlung aufregend und interessant zu gestalten. Infolgedessen ist auch die Oeffentlich- keit, mit Ausnahme des hier erfreulich zahlreich vorhandenen Publikums, aufs strengste ausgeschlossen. Zeuge A. bekundet einiges über politische Durchstechereien im Jahre 1387 und kommt dann auf das„grüne Dokument" zu sprechen. Zeuge B. hat einmal mit Herrn und Frau Caillaux ge- ftühstückt. Nach seiner Meinung hätte das mit dem„grünen Dokument"— Vorsitzender: DaS„grüne Dokument", das bekanntlich gar nicht existiert, befindet sich in der Brusttasche des Herrn Poincars, wenn es nicht etwa in den Akten des Gerichtes sein sollte. Festgestellt ist, daß dieses„grüne Dokument" durchaus nichts Nachteiliges für die Angeklagte oder ihren Gatten enthält. Denn da es überhaupt nicht vorhanden war, so dürften sich höchstens einige unwichtige Bestechungsbeweise gegen Herrn Caillaux oder Mch gegen den„Figaro" aus ihm herauslesen lassen. Der Verteidiger: Wir danken dem Vorsitzenden für diese loyale und aufklärende Feststellung. D i e e r st e F r a u des Herrn Caillaux überreicht dem Gericht einen 10 Kilo schweren Postsack mit Briefen. Es sind nach ihrer Aussage teils Liebesbriefe, teils Korrespondenzen ,nit ihrer Schneiderin. Korsitzender: Können Sie uns versprechen, daß durch die Verlesung daS Interesse und die Spannung der Welt erhöht werden? Die Zeugin gibt anheim. die Briefe zunächst von Herrn Henri Bern st ein dramatisch überarbeiten zu lassen. DaS Gericht beschließt so. Der nächste Zeuge hat daS„grüne Dokument" wirklich gelesen. Nach seiner Erinnerung habe es auS teils bezahlten, teils unbezahlten Rechnungen der Frau Caillaux bestanden. Die Angeklagte bittet unter Tränen, das„grüne Dokument" aus der Verhandlung auszuscheiden, da ihr gerade grün nicht stehe. Das Gericht beschließt so. Der berühmte Verteidiger richtet an Caillaux die Frage, ob er außer der Angeklagten und seiner ersten Frau nicht vielleicht noch andere Gattinnen besitze oder besessen habe und vor Gericht zitieren könne. Es würde das die von allen Beteiligten gewünschte Sensation aufs kräftigste beleben. Caillaux erklärt, er wolle dem Gericht auch hierin gern ent- gegenkommen, er habe aber nur noch nrit illegitimen Frauen aufzuwarten. Aus Gründen der Ritterlichkeit lehnt der Gerichtshof die Ladung dieser Zeuginnen ab. Inzwischen sind weitere Postsäcke von Briefen der Frau Caillaux an Calmette, von Calmette an Fstriu Guehdan, von Frau Gueydan an Frau Caillaux und von Frau Caillaux an Herrn Caillaux ein- gezogen. Da sowohl das Gericht wie auch die Angeklagte, die Zeugen und die Verteidiger die Annahme dieser Briese ablehnen, werden sie öffentlich versteigert. Es gelingt Herrn Bernstein, den größten Teil als Material für seine neuen nächsten Stücke zu erwerben. Ein Geschworener fragt, ob das Gericht sich auch noch ein- mal mit der Tat selb st beschäftigen werde. Es entspinnt sich hierüber eine beftige Debatte. Um 9 Uhr abends erklärt der Pressevertreter, er und seine Kollegen hätten für heute genug zu telegraphieren, er be- antrage deshalb Vertagung. DaS Gericht beschließt demgemäß. Sarghanöel. ES sind eigentümliche Gepflogenheiten, die im Targhandel mit der Zeit herrschend geworden sind. Hier, wo ich wohne, ist eS be- reits vorgekommen, daß schon vor dem Ableben eines Angehörigen bei der Familie die Offerte eines Sarghändlers einging, der sich im Bedarfsfalle auf da» beste empfahl und zu persönlicher Vorsprache im Herbst— geschehen muß eS, und da? ehe die Tage zu kurz werden. Ich lasse Dir wieder eine fünfpfündige Postanweisung heraus- nehmen, die Du hoffentlich gleich nach oder mit diesem Brief erhältst. Also entschließe Dich. Ich freue mich ungeheuer darauf, Dich wieder einmal zu sehen und mit Dir von Angesicht zu Angesicht zu verhandeln. Wäre ich noch so stramm auf den Beinen wie Du, so käme ich nach Genf. Aber so! Nun, ich erwarte, Tu tust es für mich und kommst hierher. Dein alter A. Engels. «« Als Abschluß dieser Veröffentlichung geben wir noch zwei Briefe, einen von Wilhelm Liebknecht, den anderen von A u g u st B e b e l an Becker wieder i Lieber Freund! Verarge mir meine Schweigsamkeit nicht. Vieles Arbeiten, Unwohlsein und die Sorge für meine zwei Kinder(4 und 10 Jahre alt)— das ist meine Entschuldigung. Daß ich im Reichstag nicht untätig war, wirst Du erfahren haben. Auch hier wirke ich, über meine Kräfte in alter Weise. Mein Versprechen betr. die Internationale Arbeiterassoziation erfülle ich soweit es mir möglich. Aus Sachsen und von Berlin aus werden demnächst eine Masse von Anschlußerklärungen kommen. Erinnere mich daran, wenn sie ausbleiben. Schreibe mir, wann der„Vorbote" gedruckt wird, damit die Briese, die ich Dir von jetzt ab regelmäßig für ihn zu schicken beabsichtige, nicht alluzuiange liegen müssen. Mit nächstem Monat werde ich wahrscheinlich hier ein eigene? Wochenblatt haben, in dem ich natürlich für die I. A. A. Propa- ganda machen werde. Wie steht es um den Plan, den«Vorboten" in Leipzig erscheinen zu lassen? Tie Sache hat nur eine Schwierigkeit: manches könnte nicht, ich will nicht sagen mit der bisherigen Schärfe, aber doch und doch nicht in der bisherigen Form gedruckt werden. Dem Landfrieden ist in Sachsen keines- wegs zu trauen. Die Regierung fürchtet uns mehr, als sie Bis- marck haßt und wird ihm, wenn er einen Schlag gegen uns zielt, gern gefällig sein. Trotzdem haben wir eine ungleich stärkere Bc» weguugsfrciheit als in Preußen. Ich lege die 2, Reichstaler als Abschlagszahlung bei(wenn ich noch 2 schicke, gedenke ich quitt zu sein.) Apropos, ich vergaß die 200 Exemplare des„naturgemäßen Siegs", die Tu uns übersandt hast. Nicht wahr, Sic sind zu freier Verwendung, namentlich für die deutschen Albeitervereine bc- stimmt? Dein letzter Brief ist nicht vorzufinden. Wie heißt der Verfasser? Bebel wird Dir selbst schreiben. Lebe wohl und sei tausendmal gegrüßt von Deinem W. Liebknecht. Geehrter Herr! Freund Liebknecht läßt Sie bitten, die für Leipzig bestellten „Vorboten" nicht an ihn, sondern an die Adresse des hiesigen Ar» beiter-Bildungsvereins, dessen Vorsitzender ich zu sein die Ehre habe, einzusenden. Gleichzeitig füge ich 10 Sgr. in'Briefmarken bei für 1 Exemplar des„Vorboten"(halbjähriges Abonnement), das ich von Neujahr an haben will. Die Bücher sind, wie Sie aus Liebknechts Brief ersehen, vor 14 Tagen angekommen, und möchte Sie nun bitten, anzugeben, ob wir die 50 Exemplare, die Sie für Ihren Gebrauch reserviert wünschten, Ihnen zusenden oder vorläufig hier behalten sollen. Ferner bitte ich Sie, mir die Adresse des Verfassers mitzuteilen, damit ich mich bei ihm bedanken kann. Ihr werter Brief, den ich nach Berlin nachgesandt erhielt, ist mit verloren gegangen. Wir stehen hier vor einem sehr bedauerlichen Winter. Di« Arbeitslosigkeit ist schon seit Wochen groß, dabei eine große Teue« rung aller Lebensbedürfnisse. sich bereit erklärte. Als er persönlich auch vorsprach, war sein Empfang nicht der beste und gerade die Person, der er einen Sarg anzumessen kam, maß jihn mit einem derben Stock etliche gesalzene Hiebe auf. Und diese Entladung tat ihr so gut, daß sie ihre Krankheit ganz vergaß und gegenwärtig noch ein quietschvergnügtes Leben führt. Gewiß, auch ein �Sarghändler will leben; um leben zu können, braucht er Tote. Der Tod ist somit sein Leben und inacht ihm Freude, weil er durch ihn Geschäfte macht. Trotzdem sollte er diese seine Herzensfreude tief ini Innern verschließen. Ich gehe jeden Tag ein paar Mal an einem Sarggeschäft vorbei. Meist sehe ich an der Türe eine noch junge Frau stehen, die sehnsüchtig über die Straße schaut, ob denn niemand käme und einen Sarg nähme. Dieser Tage sah ich auch, wie ein altes Mütterchen mit verhärtem Gesichte und verweinten Augen auf daS Sarggeschäft zuschritt. Meiner jungen Frau Sarghändlerin, die wieder an der Ladentür stand, trat die Freude des Herzens beim Anblick des alten, weinenden Mütterchens in das Antlitz. Mit einem beglückten und freudigen Gesicht öffnete sie die Tür, zog das Mütterchen fast in den Laden, und durch bie Fensterscheiben sah ich, wie sie der alten Frau ihr reiches Sortiment an Kindersärgen angelegentlichst empfahl. Wahrscheinlich hatte die Alte ein Särglein für einen Enkel zu besorgen. Mich schauderte etwas bei der fteundlichen und fteudigen Ge- schäftigkeit der jungen Sarghändlerm. Aber geradezu verblüfft war ich dieser Tage bei einer anderen Gelegenheit. Ein Junge von dreizehn Jahren ertrank in der Spree. Auf das Jammergeschrei der Mutter, die ihren Sohn verschwinden sah, tauchten einige Schwimmer und fanden auch bald das Kind. Alle Wiedcrbelebungs« versuche waren erfolglos. Auch die herbeigerufenen Aerzte konnten nichts mehr machen. Auf das todkündende Achselzucken der Aerzte warf sich die Mutter laut schreiend über ihr totes Kind. Wir Umstehenden waren tief bewegt. Es war eine erschütternde Szene. Da tauchte plötzlich neben meinem Freunde und mir ein Mann auf. klein, dick, fettglünzende Backen, und mit fast fröhlicher Stimnie stellte er sich vor: „Beerdigungsinstitut„Pietät"! Haben Sie vielleicht Verbindung mit der Frau da?" Er zeigte aus die unglückliche Mutter.„Ich würde die Besorgung des Sarges und auch die ganze Beerdigung billigst übernehmen." Mein Freund und ich waren mehr verblüfft, als empört. Wie aus einem Munde riefen wir: „Mensch, wie kommen Sie mir vor!" „Aber, Mann, wie haben Sie das Unglück schon erfahren?' Er erlviderte:„Ja, man muß immer auf dem Damm sein. Hier kommt doch fast jeden Tag etwas vor. Und wer zuerst kommt, hat den Sarg weg. Und, meine Herrn, von„Pietät" werden Sie glänzend und kulant bedient. Hier meine Karte." Er überreichie uns seine GeschäslSkarte, ging auf die verzweifelte Mutier zu, hinter der er sich postierte, um sich als erster bei ihr empfehlen zu könne». Erwägen Sie, daß die Arbeiter in unseren Weberdi strikten kaum 3 Sgr. durchschnittlich in guter Zeit bei voller Arbeit beträgt, dann werden Sie sich ein Bild machen können von unseren Zustön- den. Wie steht es mit dem Geschäft in Türdrückern. Sind meine Bedingungen annehmbar gesunden worden? Schlimmstenfalls bin ich geneigt, die Zahlung auf drei Monate Ziel mit 2 Proz. Sconto zu stellen. Hier liegt das Baugeschäft arg darnieder. Es grüßt Sie freundschaftlichst Ihr A. B e b c l. Leipzig, den 28. November 1867. Der �hef nimmt Msihieö. Vom Prokuristen. „Und was ich Ihnen noch sagen wollte, Herr Fink. Bleich und Sohn. Kein Stück mehr schicken Sie an diese Brüder. Kleinigkeit. Tausend Mark bei diesen Leuten zusammenkommen zu lassen.!Las war auch Ihre Idee. Nicht erinnern werd' ich mich dran dürfen in Pontresina. Notiert haben Sie sich nieine Adresse. Wie? Pension Romana. Morgen früh können Sie mich noch mal anklingeln. Ich werde biß neun in der Wohnung sein. Mein Zug geht erst kurz vor zehn Uhr. Adieu also. Bleiben Sie gesund und achten Sie, bitte, aus alles. Verstanden. Berichten Sie mir, aber iinmer in prägnanter Form, über jedes Vorkommnis. Jetzt schicken Sie mir Fräulein Schars herein. Adieu, adieu." Fräulein Scharf, die Brich halterin, tritt ein. „Treten Sie näher, Fräulein I Nun, wie war's an der See? Sie sind ganz unheimlich braun geworden. Aber am Vormittag habe ich Sie gar nicht gesehn. Ach so, Sie haben Ihren Dienst erst nach Tisch angetreten. Verschlafen. Wie? Nun aber werden Sic sich in die Arbeit stürzen. Nachzuholen haben Sie genug. Aber sehen Sie sich vor und schießen Sie keine Böcke. Sie haben sich in der letzten Zeit eine ganz eigentümliche Schrift an- gewöhnt. Tie-gefällt mir gar nicht. Und die andern Damen? Sind sie noch hier? Schon fort? Wie spät ist es denn? Sieben durch? Am Morgen sind die Herrschasten weniger Pünkilich. Dulden Sie vor allem keine Amüsements. Ich weiß gar nicht, was die kleine Hedwig immer zu kichern hat. Sie müssen ihr einmal ein paar ans den Mund geben. Und das Kopierbuch sieht setzt iinmer aus. — Skandalös. Sorgen Sie rnrch dafür, daß mittags nicht so viel geschmort wird. Das riecht ja hier manchmal— schlimmer als in einer Nestaurantsküche. Es wird überhaupt viel zu viel Gas verbraucht. Wenn das so weiter geht, muß die ganze Kocherei eingestellt werden. Und noch eins. Vorschüsse an Arbeiter gibt es nicht mehr. Ich will das nicht haben. Jeder soll unt seinem Gelde auskommen. Sorgen Sie nur immer für Ordnung, stein Mensch hat während Ihrer Ab- Wesenheit richtig Bescheid gewußt. Ich kann doch nicht alles im Kopf haben Wohin ich reise? Nach Pontresina. Jawohl. Im Engadin. Morgen vormittag. Adieu also. Und vergessen Sie nicht, was ich Ihnen aufgetragen habe. Herrn Mutichke möchte ich auch noch sprechen. Schicken Sie mir ihn herein. Rasch." Mutschke, der Werk nr ei st er, tritt ein. „Sie wollten gerade nach Hause gehen. Sehr recht. ES ist auch schon sieben. Aber ich möchte Ihnen gerne noch einige Instruktionen geben. Wissen Sie, vorhin habe ich mir die 3687 angesehen, das sind die gepreßten, die H. T. in Hamburg bekommt. Das ist ein schöner Dreck. Sie lassen viel zu viel durchgehn. Sie müssen den Leuten den Patz ganz einfach um die Ohren schlagen. Ueberhaupt stehn die 3087 viel zu hoch. Für den nächsten Posten zahlen Sie beim Dutzend fünfzig Pfennig weniger. Wenn sie keiner für das Geld machen will, so lverden sie aus dem HauS gegeben. Das wäre noch schöner. Sie lassen sich viel zu viel bieten von den Leuten. Es hat jeder auf seinein Platz zu bleiben und seine Arbeit sauber und ordentlich zu machen. Gestern habe ich doch gesehen, wie sich die Jungs da hinten während der Arbeit großartig amii- fieren. Daß Sie das nicht sehn? Das verstehe ich gar nicht. Wie heißt doch der kleine Affe? Willy? Richtig. Der Rotz- junge macht wohl den ganzen Tag gar nichts? Acht Mark bekommt er? Er ist die noch nicht wert. RauSschmeißen den Beugel— das wäre das gescheiteste. Und daß Sie keinen vor- gehen lassen nach Vorschuß. Ich will das nicht haben. Die Leute sollen sich mit ihrem Gelde einrichten. Jetzt verdienen sie ja wieder ganz gut. Fräulein Scharf hat strengen Auftrag, keine Vorschüsse zu geben. Vor allem sorgen dafür, daß keiner auch nicht eine Stunde lang von der Arbeit wegbleibt. Alles ist eilig, was ausgeschrieben ist. Und lassen Sie nichts durchgehen, was nicht tadellos gemacht ist. Mist können wir nicht brauchen. Sie müßten einmal ordentlich mit dem Knüppel dreinfahrcn. Es ist aber auch gar keine Disziplin unter den Leuten. Fackeln Sie nicht lange. Wenn einer nicht parieren will—'rauS mit ihm. Verstanden?— Zulage? Wie? Aber es ist doch noch gar nicht so lange her. daß Sie— Zwei Jahre scbon? So? Na, gegen Ende August bin ich ja wieder zurück. Erinnern Sie mich dann. Wir werden sehen. Wie? Familienzuwachs? Schon wieder mal? Das sechste? Schöne Leistung. Wirklich. Na, adieu. Und üben Sie keine Rück- ficht, Mulschke. Ich n,öch:e mich gern mit Frau und Kind in Ruhe erholen. Adieu. Leben Sie wohl. Danke, danke. Vom Ishrmörtt öes Lebens. GanA öer Püpö! So unklug waren die„wohltätigen" Bürger Zoppots nicht, als sie Kronprinzens die begehrenswerte Villa an der Seetante zur Per- fiigunz stellten. Die Schenkung macht sich bezahlt. Das Badelcden „blüt" in diesem Sommer in Zoppot ertragreicher denn je. Nicht in jedem Seebad kann man in der Wonne schivirnrnen, Kronprinzens täglich zu sehen. Das ist ein Sommervcrgnügen, das Tausenden das Wasser im Munde zusammenlaufen läßt. Aber vor wenigen Tagen sind die Kinder des Kronprinzen zum erstenmal auf dem Tennisplatz aufgetaucht. Sie fangen, so liest man, frühzeitig an, mit ihrem Papa in sportlichen Wettbewerb zu treten. Als der Kronprinz letzthin auf dem Tennisplatz am Turnier teilnahm, sah man auch die kleinen Prinzen mit Schlägern Bälle schlagen und sich eifrig init dem Tennjs- spiel beschäftigen. Durch einen Trainer werden die Prinzen in dem edlen Sport unterwiesen. Das ist augenblicklich das Sehenswerteste. Die kleinen Prinzen, wie sie mit den Schlägern Bälle schlagen, das ist der große Schlager der Zoppoter Saison. Die Kinder— Gott, wie süß—, hochtalentiert wie alle Prinzen, werden sehr bald Erfolge auf dem Tennisplatz ernten. Sie sind gewiß nicht aus der Art geschlagen. Nein, wie die Prinzen de» Schläger halten. Puppig. Iinmer nur feste druff! Bravoz Eine anrüchige Geschischte. Die Stadtverwaltung von Marienbad legt Wert auf die Feststellung, daß in ihrein Bereich kein Rückgang in der Benutzung der Geheimkabinette mit der Aufschrift„W, C," eingetreten ist. Der „Roland von Berlin" hatte neulich ein elegisches Gedicht veröffentlicht, das die Klage einer Marienbader„Türhüterin" enthielt, die nicht mehr so viel zu verdienen behauptete, weil angeblich der Glaubcr- salzgehalt des Marienbader Kreuzbrunnen geringer geworden sei und darum nicht mehr so viel„Durchschlagskraft" als früher habe. Dar- auf hat der Maricnbader Magistrat der genannten Zeitschrift einen Protest zugehen lassen, indcin die Klage der„Frau vom Walde" heftig ack absurdum geführt wird. Der Glaubersalzgehalt des Krcuzbrunneu sei noch genau so stark und das Bedürfnis der Kurgäste nach der Be- Nutzung der W. C. nicht geringer geworden. Im Gegenteil... Vielsagend schließt der Magistrat von Marienbad seine Berichtigung: „Wenn wirklich hier und da ein Abort weniger frequentiert werden sollte, so liegt die natürliche Erklärung dafür eben darin, daß die Zahl der Bedürfnisanstalten sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht hat, was durchaus nur für die bekannte„Wirkung" des Kreuzbrunnens spricht., Hoffentlich kommt nun Marienbad durch diese Erklärung wieder In einen besseren Geruch! Das fliegende Kaffernmäüchen. Wir kennen bei uns nur den aufgeklärten Katholizismus, der sich in dem, was er der Glaubenskraft seiner Anhänger zumutet, immerhin recht reserviert verhält. Wo die katholische Geistlichkeit sich fest im Sattel fühlt, ist sie mit dem, was sie den Gläubigen zu bieten wagt, weniger zurückhaltend. Aus der Druckerei der„Reichspost" in Wien ging dieser Tage eine Schrift hervor, die den Titel trägt: Ob es wohl noch hente Teufel gibt?� Oder:"V/ Eine wahre Teufelsgeschichie. Und es ist wirklich eine Teufelsgeschichte! Ob sie wahr ist, das ist allerdings eine andere Frage. Erzählt wird sie hon einem katholischen Geistlichen aus Warnsdorf, der sich Illustrator nennt. Die 3t Seiten starke Broschüre ist ein Separatabdrrick aus der Zeitschrift„Vergißmeinnicht". Nachdem sie dort schon die gläubigen Gemüter erbaut bat, fand die Schrift als Büchlein solchen Anklang, daß sie„mit kirchlicher Druckgenehmigung" schon in zweiter Auflage erscheinen konnte. Die katholische Kirche, die ernsthafte, Wissenschaft- liche Werke auf den Index setzt, genehmigt also die Herstellung von Machwerken, die.., Nun, unsere Leser werden gleich sehen. Auf der Missiousstation St. Michael der Trappisten, so erzählt uns Herr Illustrator, wurde im Jahre 1006 ein Kaffernmädchen Klara Germana vom Teufel befallen. Die Symptome der Be- sessenheft bestanden darin, daß Ktlara Germana plötzlich Latein redete und wie ein Zeppelin in die Luft ging, wobei sie die Personen mit in die Höhe riß, welche sie festzuhalten suchten. Dabei fletschte sie die Zähne, knurrte und bellte wie ein Hund und grunzte wie ein Schwein, Bei ihren Lustexerzitien „erhob sich Germana mitten unter der Opferung frei vom Boden nnd schwebte in einer Höhe von anderthalb bis zwei Meter über die Armlehne der Kniebänke hinweg und ließ sich im Presbyterium piaum vor dem Hochaltar) hinter den Ministranten lachend und neckend nieder," Freilich: „Ein ernster, gebietender Plick des Priest..? brachte sie wieder auf ihren Platz zurück." � Durch die Last natürlich! Uebrigens huldigte offenbar schon damals bor 8 Jahren dieses Kaffernmädchen der Mode der engen Röcke: „Germana schwebte oft drei, vier bis fünf Fuß frei in der Luft, bald senkrecht, die Füße nach unten, bald in liegender Stellung vom Lager in die Höhe schwebend.... trotzdem fielen die Kleider nicht nach mite», wie es natürlich hätte sein müssen, sondern auch von unten waren die Kleider fest an Körper und Beine angeschlossen." Statt nun dieses Wundermädchen ihrem natürlichen Beruf als schwebendes Kaffernmädchen in einem Panoptikum oder dem Flug- platz in Johannisthal zuzuführen, bemühten sich die hochwürdigen Herren von St. Michael, ihr den Teufel und damit ihr« Flugkünste auszutreiben. Drei Tage zu je acht Stunden(wie sozialdemokratisch!) beschworen die Hochwürdigen den Satan. „.,. Bei Gott, wir haben exorziert und gebetet»,* daß uns der Schweiß von der Stirn rann." Das hielt der Teufel nicht aus. Pffft— fuhr er von bannen?— Ders dem Herausgeber des Büchleins geschrieben hat, ist ein Pater Erasmus Horner. Wenn er überhaupt existieren sollte/ kann er stolz darauf sein, als der größte Lügner seiner Zeit dazu- stehen. Hoffentlich verklagt er uns wegen dieser Freimütigkeit. Wir mochten es gerne sehen, daß er vor einem Berliner Gericht beschwört, erlebt und gesehen zu haben, Ivie die Germana bloß mit dem Teufel im Leibe, aber sonst ohne Apparate flog. Das Kaffernmädchen ka»m er leider nicht mehr vorführen. Selbst nicht, wenn er den Teufel wieder in sie hineinzuzitieren vermöchte. Das Wundermädchen ist seit dem 14. März 1913 tot. Zu seinem Unglück vermutlich. Leider. Was der Pater sonst an Zeugen für die Vorfälle hat, stutz Kasfcrn, Und die's ihm glauben auch! Dernonflranten-Sriefe. „.». Am Borabend eines Krieges! Er wird, er muß kommen! Dafür werden wir schon sorgen. Gestern abend haben wir den An- fang gemacht— mit einer Demonstration! Es war glänzend! Eni- bläßten Haupte? sind wir zwei und eine halbe Stunde in der Stadt berumgezogen und haben gelärmt wie Tollhäusler. Herrlich! Ich habe persönlich ein Hoch auf den Krieg ausgebracht, unmittelbar vor dem Kanzlerpalais. Ich hoffe, er hat es gehört. Er muß jetzt kommen, der Krieg. Du ahnst gar nicht, wie ich mich dar- auf freue. Ich höre schon den Donner der Kanonen von ferne in meinen Ohren; mein geistiges Auge sieht schon Pas Schlacht- gewühl: Reiterattacke, die Säbel sausen, gespaltene Schädel, spritzen- des Blut, quellende Eingeweide... Herrlich! Großartig! Welchem Pa- trioten schlägt das Herz nicht höber, wenn er sich vorstellt, wie Deutsch- land so einmal wieder kriegerischen Lorbeer pflückt. Ach, was gibt es Schöneres als den Krieg?! Faul und matt sind wir geworden durch den langen Frieden. Stickig und schwül ist die Luft.... Nun aber soll eS kommen, das erlösende Gewitter, reinigend, beglückend. Ge- wiß, es wird Opfer fordern. Aber— süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben!,., Wer wollte zögern, wenn die Stunde der Entscheidung schlägt?.-- Frisch auf, mein Volk, die Flammen- zeichen rauchen! Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Deutschland, Deutschland, über alles—! Leb wohl, ich kann nicht mehr. Dein begeisterter Emil. (Landsturm ohne Waffe.)" * ..,, Und nun denke Dir, ich habe gestern„demonstriert". Ich sehe Dich lächeln. Und ich lächle auch. Aber warum nicht? Es war doch wenigstens einmal eine kleine Abwechslung. Man kommt ja sonst um vor Langeweile. Im Caföhaus war es in den letzten Tagen ' wohl auch ein bißchen lebhafter als sonst,— aber es war doch nichts prinzipiell Neues. Das gestern abend aber war neu,— und wirklich recht nett; mit einer Einschränkung freilich. Was Du zunächst denkst, trifft da allerdings nicht zu. Plebs war nicht dabei, vor Knoblauchödufl und Läusen war man sicher, das Arbeiterpack machte nicht mit, wir waren ganz ciure uous. Immerhin ein ganz nettes Häuflein. Und es war hochinteressant, zu sehen, wie sich die Leutchen gebärdeten. WaS sie eigentlich wollten, ist mir nicht klar geworden,— vielleicht wußten sie es selbst auch nicht recht. Es war irgendwas wegen des Krieges; aber ob für, ob gegen, ist mir nicht klar geworden; ist ja auch Wurscht. Hauptsache, daß was los war. Ich hohe nach Kräften mitgetan, gebrüllt, als ob ich am Spieß steckte,— damit Stimmung käme. L>>der,— nun kommt also das leider!— leider aber ging schließlich die Chose doch ziemlich harmlos ab. Kein bißchen Schießerei, nicht mal eine kleine Drescherei. Die Schutzleute ließen alles ge- schehen, was geschah. Na ja, das war ja auch eigentlich selbstverständ- Kch. Aber ich hätte doch wenigstens gehofft, daß irgendwo und irgend- wie eine kleine Gegendemonstration zustande käme. TaS wäre fein gewesen, Donnerwetter ja! Ich habe geradezu darauf gelauert und ging schon immer direkt an den Häusern entlang, um gleich der- schwinden zu können, wenn die Sache los ging; aber es ging nicht los. Gemeinheit! Na, vielleicht ein andermall Phil i." | Viele Grüße! „Gestern haben wir demonstriert. Die„Teutonia" geschlossen. Der Teufel soll sie holen! Einen Schnupfen Hab ich— zum Kotzen! Was Ivar das auch für'n Blödsinn, stundenlang mit dem Hut in der Hand herumzulaufen! Wenn ich den Kerl zu packen kriegte, der das angegeben hat— I Entschuldige übrigens, wenn hier die Tinte ausgelaufen ist. Der perfluchte Schnupfen ist schuld— pfui Teufel, schon wieder.... Adio,— es hat keinen Zweck, baß ich weiter schreibe. Außer- dem Hab ich einen Brummschädel—l Schweinerei die ganze Ge- schichte! Ich wollte, ich. wäre gestern zu Hause geblieben, statt für den Krieg zu demonstrieren. Danke für Sauce! Ich brauche keinen Krieg mehr, habe an meinem Schnupfen genug!—.Also nochmals, Adiol Werner. » -„'Heißgeliebte Emmi! Wenn wir uns morgen nachmittag treffen(6 Uhr Kaiser-Wilhelm-Gedächtniökirche, wie immer), wirst Du einen anderen finden als mich, und doch bin ichs. Aber über Nacht ist ein anderer aus mir geworden. Ter Ernst des Lebens ist an mich herangetreten, ich bin um Jahre gereist. Denn denke Dir, ich habe mit für den Krieg demonstriert. Wir fuhren gerade von der Tante nach Hause, als wir auf ungeheure Menschenmassen stießen, welches die Demonstranten(von demoustro, demonstravi, demonstraturri, zeigen) waren. Begeisterung und Kampfeslust er- füllte sogleich mein Herz, die Jungdeutschland-Brust schlug höher, und ich kletterte, ehe der alte Herr es bemerkte, vom Omnibus hinunter. Und nun hinein in die Massen, die mich plötzlich zum Manne machten. Was an mir lag, ist geschehen, damit es morgen losgeht. Und dessen darfst Du sicher sein: Geht es las, gehe auch ich los. Und wenn ich, süße Emmi, auch nie mehr mit Dir den Kurfürstendamm sollte hinunterschlcndcrn dürfen,— ich muß mit in den Kampf, in den Krieg. Das Vaterland ruft, da kann es nur eine Antwort geben: Leb wohl, Emmi! Ich habe große Pläne. Heimlich werde ich des Nacht? das Haus verlassen; den Aufsatz, der am nächsten Donnerstag ab- geliefert werden soll, fange ich schon gar nicht mehr an. Dann formiere ich ein Jungdeutschland-Kricgskovps. Und dann gehe ich zum Kronprinzen und sage: Hier, Majestät, hier bin ich. Nun schicken Sie mich dorthin, wo Sie Männer brauchen und nicht Memmen! Sieg oder Tod! Zur Bedingung mache ich nur, daß ich den Titel General und goldene Tressen kriege. Eine tipptoppe Uniform habe ich mir schon ausgedacht. Du wirst staunen! Liebe Emmi! Di« Zeit drängt, sie ist ernst! Leb wohl— vielleicht auf ewigl Kurt, P. S. Bring bitte am Montag Dein Taschengeld mit; ich kann jetzt Deine Baisers nicht mehr bezahlen, ich muß für die Uniform sparen, sie tvird sehr teuer, lvie ich sie mir ausgedacht habe. (Telegramm.) Ew. Exzellenz zur ergebenen Nachricht, daß Ab» sichten glänzend gelungen. Durch Agenten Menge von vier- bis fünftausend Köpfen glücklich zusammengebracht, Zug organisiert, Stimmung entfacht. Auch Botschafter-Ovationen, wie gewünscht. Preßtelegramme über Bundes- und Kriegsbegeisterung Deutsch- lands bereits unterwegs. Erwarte weitere Instruktionen nnd Bank- anwcisung..... Vollkommen kalt gelaflen. Budapefter Blätter melden aus Semlin, bei den demokratischen und sozialdemokratischen Vereinen und Zeitungen seien zahlreiche Depeschen und Briefe aus Rußland eingetroffen, in denen die russi» sche Arbeiterschaft das serbische Proletariat auffordert, gegen den Krieg Stellung zu nehmen. Tie russische Arbeiterschaft schlug den serbischen Genossen den allgemeinen Generalstreik und die Vcr- Weigerung des Gehorsams vor, um den Krieg zu vermeiden. T i e Aufforderung en der Russen haben aber die serbische Arbeiterschaft vollkommen kalt gelassen. Die Tele- gramme wurden teilweise als„beanstande t", teilweise mit der Bezeichnung„Adressat unbekannt" retourniert. Sind das aber Patrioten, die serbischen Arbeiterl Sie wollen den Krieg, sie denken nicht an Generalstreik und Gehorsams- Verweigerung, die Aufforderungen der russischen Genossen lassen sie kalt, denn— diese Aufforderungen werden ihnen unterschlagen. Eine größere Lumperei, als sie hier von der bürgerlichen Presse geübt wird, ist kaum denkbar. Zugleich zeigt das Gebaren der Buda- pester Blätter, was sie ihren kriegstrunkenen Lesern bieten dürfen. Der Blutrausch schwemmt den letzten Rest von Logik und Scham hinweg-?'4 V" ----' A A Ä Krieg! WaI willst du redlich sein, mit Ürftber Hnnd dir Teinen nähren nnd das Vaterland mit Arbeit schützen für und für? � Der große Krieg steht vor der Tür! Noch gestern war er nicht, nun über Nacht hat dich der Sturmwind um dein Glück gebracht; er kam, was kümmert's dich, woher. Geh fort, man ruft dich ans Gewehr! Geh von der Werkstatt du, geh du vom Pflug, für dich, du Tier, zu wissen ist's genug: Gib du dein Glück, dem Lebe» her!'/ _ Der große Krieg kam übers Meer. Ludwig Thomg. OeffentUehe poütisehe Versammlungen. mz QroBe Protest-Versatntnlunp W am DienstaZ, den 38. Inli. abends 87. Ahr M Berlin: Armmhaile«, Kommandantenstr. 58/59. Zock-Kra«ere»» Tempelhofer Berg. Gewerkschaftshaus» Engelufer 15. Urania» Wrangelstr. 10/11. Konzert- und Festsäte, Koppenstr. 29. Glystnm» Landsberger Allee 40/41. Kranerei Friedrichshai«» Am Friedrichshain 16/23. Kerliner Mustker-Käte» Kaiser-Wilhelm-Str. 31. Kranerei Konigstadt, Schönhauser Allee 10. Germania-Käte» Chausseestr. 110. Kastanienmätdchen» Badstr. 15/16. Pharus-Käle, Müllerstr. 142. Moabiter Oesetlschaftshans» Wiclefstr. 24. BeuKLIIn: Ad. Kartsch» Hermannstr. 49. „Deutsches Wirtshaus�, Bergstr. 136. Zvkönedsrg:„Gesellschaftshaus des Westens�» Kauptstr Vksrlvitendurg:„Nolkshaus�, Rosinenftr. 3. folgenden Lokalen: vspeniolC:„Ktadttheater�, Friedrichstr. 6. BriKs:»»Gesellschaftshaus"» Chausseestr. 97. l'repieAA-BsumsvkulenAveg:»»Neues Gesellschaftshaus"» Treptower Chaussee 14. l'empelKof-IVIsriendtarßi»»Ktadt Dresden"» Tempechof, Berliner Straße 78. T�egliK-»k'rieckensu»llVilmersrlorf:»»Kirllenwäldchen", Schützenstr. t.icIrtenKerg-k'rieÄricKsßelile-TirsIsu:»»Kchwarzer Adler"» Frankfurter Chaussee 5. Cafö Kellevne"» Am Bahnhof Stralan-Rummelsburg. BderscKoneweide:„Milhelminenhof"» Schloßparkstr. Pankow-NiederschSnhausen»Buchholz: »»Zum Kurfürsten"» Pankow, Berliner Straße 102. Beinickendork'-Bst und-West:»Schuhenhaus", '. 30/31. Residenzstraße 1/2. Weißensee:„Kchtosz Weisteujee". Tagesordnung: Gegen den Krieg Parteigenossen! Parteigenossinnen! Der Krieg ist der Todfeind einer freien politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung. Darum ist die Arbeiterklasse der geschworene Feind jeder Kriegspolitik. Bekundet durch Massenbesuch der Ver- sammlnngen den unerschütterlichen Friedenswitten des klassenbewußten Proletariats. Für die Einberufer: Eugen Ernst, Lmdenstr. 2. Hhcater. M o Ii t a z, den 27. Juli 1914. I Allianz 5 Uiir, aüage-Theater. Kino-Varietä. orsdamer Naturtheater. M< Potsdam. Westen. Ninana 7 Udo. Götterdämmerung. Anstmq 8 Uhr. Anfang 8'/, Udr. Urania. Mit dem.Imperator' nach New Jork. Nefidenz. Die verflixte Liebe. AdmiralSPalast. Im Tangotlub, Eines Nollendorf-Theater. �uo vaärs. Sternwarte, Jnvalidenitr.»7—02 Urania. Ter deutsche Riesenkanal (Nord-Ostsee-Kanal). Schiller 0. Der Postillon von Lonjumean. Berliner. Wie einst im Mai. «öniggröiier Straiie. Mr. Wu. Thalia. Wenn der Frühling kommt. Rose. Eine lollc Sache. Metropol. Tie Reise um die Erde in 40 Tagen. Theater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. Wintergarten. Shezialitüien. Reichshnllen. Dresdener Viktoria- Sänger. Palast-Theater. Varictö und Licht- spiele. Berliner Prater-Theater. Grigri. Anfang 8's, Ubr. KleineZ. Der Klecks. Theater am Nollendorfplaü. Ter Juxbaron. Walhalla. Der Hund von Basier- villc. Folics Caprice. Schwache Nerven. Eine ruhige Sommerwohnung. Verbotene Frucht. Sustipielbnus. Die spanische Fliege. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. LeiNnantSlicbchen. Erstklassige Briketts: 1 71.7.40 r. 1000 stock, | Riesenformat 7, Halbsteine| | M. 0.73 t. 1 Zentner, feinst. Brennholz billigst. 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