Nr. 203. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 m, monatl. 1,10 RL, wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntage Beilage Die Neue Belt 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter freuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland. 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luremburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 81. Jahry. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte 23ort 20 Bfg.( zulässig 2 fettgebrudte Borte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Worf 10 Pig., jedes weitere Wort 5 Big. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adreffe: Sozialdemokrat Berfin Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1983. Dienstag, den 28. Juli 1914, Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Mr. 1984. Krieg oder Frieden? Das Volk hat das Wort! Daß es sich dabei nicht um eine Verschleppung und Versumpfung des Konflikts handeln könnte, liegt ebenso far auf der Hand. Denn die vier europäischen Staaten, die ja alle, aus nur zu berechtigtem Bangen vor den unabsehbaren Folgen eines Bölferkrieges, ernstlich den Frieden wollen, müßten im ureigensten Interesse bemüht sein, wenigstens für absehbare Zeit einen erträglichen Zustand zu schaffen! buf blühende Menschen tückisch fällend. Aber was der Balkan schaudernd gesehen hat, war ein herziges Kinderspiel, verglichen mit den unnennbaren Schrecken, die ein Krieg der großen Völfer über Europa entfesseln wird. Um nicht weniger handelt es sich, als um die Verwüstung des Wie furchtbar not es tut, daß alle Regierungen und alle werden. Deshalb begehe Rußland das schnödeste Verbrechen, ganzen Festlandes, um die Bertrümmerung aller Zivilisation, Volkselemente, die wirklich eine europäische Massenmetelei wenn es Serbien zu Hilfe komme. Denn dann zwinge es um die barbarische Zerstampfung alles dessen, was seit Jahrvon nie dagewefenem Maßstabe verhindern wollen, Defterreich die deutschen Armeekorps zum Marsche. zehnten emsig schaffende Arbeit an Stulturgütern und Kulturund Serbien in den Arm fallen, beweist die Tatsache, daß Unsere russischen Genossen haben dem 3aris- werfen aufgehäuft hat. bereits an der Grenze Schüffe gefallen sein sollen. Schon soll mus ihre Ansicht drastisch genug zu verstehen gegeben und sie Der menschliche Geist sträubt sich gegen die Vorstellung auf beiden Seiten Blut geflossen und die Erregung in Wien würden ihm böse einheizen, wenn er sich tollwitig wie in solch sinnloser Zerstörung ebenso wie gegen den Gedanken, aufs äußerste gestiegen sein. Oftafien in ein noch schlimmeres friegerisches Abenteuer Deutschland hineingerissen zu sehen in die Strudel des Weltfrieges. Und doch trennt uns nur eine dünne Wand von Da ist es wahrlich äußerste Zeit zu den schärfften stürzen wollte. Aber es ist doch allzugewagt, lediglich im feinen gierigen Wogen. Wenn die Furcht vor der revolut biplomatischen Vorstellungen und den wuchtigsten Volks. Vertrauen auf die revolutionäre Aktion die trok alledem ge- tionären Bewegung bei den russischen Machthabern nicht groß protesten! waltige Macht des Zarismus und Panslawismus dadurch genug ist, um sie von verbrecherischen Schritten zurückzuhalten, Erfreulicherweise hat England die Initiative zur Er- aufs äußerste zu reizen, daß man Oesterreich ermutigt, auf dann sollen nach der Ansicht unserer Chauvinisten, da wir haltung des Friedens, zur Dämpfung des verderbendrohenden dem Wege der wildesten Provokation vorwärts zu taumeln! durch papierne Stetten auf Gedeih und Verderb an den HabsKonflikts ergriffen. Die vier neutralen Mächte England, Nicht der Zarismus ist in diesem Augen- burger Staat gefesselt seien, auch die deutschen Regimenter Frankreich, Deutschland und Italien sollen nach blid die schlimmste Kriegsgefahr, sondern das marschieren! Marschieren, sich schlagen und verbluten! Und wofür? Ja, wofür? Die Sterbenden werden es Englands Absichten des Vermittler- und Schiedsrichteramt übelberatene Desterreich, das der wahnwißigen Illusion lebt, übernehmen. Das ist ein für alle Teile billiger Vor- es brauche nur das Signal zu geben, damit ganz Europa mit bleichem Mund fragen, die der Hagel der Maschinengewehre reihenweise niedergestreckt hat, den weinenden schlag. Jede berechtigte Beschwerde Desterreichs darf Generalmarsch blase und die Blüte seiner Jugend als Sühne- Müttern, Frauen und Bräuten wird die Frage auf die Lippen unter diesen Umständen auf Befriedigung rechnen. Darauf opfer für die Ermordung seines Thronfolgers darbringe! treten, denen der Mord aus Maschinen den Sohn, den Erdarf es bei Deutschlands und Italiens Mitpirkung zubersicht Nein, und abermals nein! Die Völker Europas benährer, den Geliebten dahingerafft hat. Wofür? Für ein noch lich bauen. Will also Desterreich nicht den Krieg um jeden banten sich, sich wie eine willenlose Sammelberde zur so geringes Interesse des deutschen Voltes? Bewahre! Weil Preis, sondern nur sein Recht und Garantien für die Zukunft, Schlachtbank führen zu lassen! die t. t. Machthaber in Wien sich durch eine halb brutale, halb so tann es die Vermittlung unmöglich ablehnen! Ste verlangen von ihren Regierungen das energischste täppische Politik innerhalb wie außerhalb ihrer Grenzen eine Eingreifen in diese Politif des Aberwibes! Serbengefahr großgezüchtet haben, mit der sie leicht anders Sie verlangen die unzweidentigsten Vorstellungen in als durch blinde Gewalttat fertig zu werden vermögen, deshalb sollen die Leiber von Deutschlands Jugend verwesend Wien, in Belgrad und Petersburg! Und da fast die ganze bürgerliche Preffe, die frei- barer Gedanke, und doch predigte ihn mit Ausnahme der paar frei- fremdem Ader zum Dung dienen? Ein teuflischer, ein unfaßfinnige Presse sogar ohne Ausnahme, schmach voll Blätter, die nicht einem halb slawischen Staat wie Desterreichversagt und hezt und aufwiegelt, statt zu warnen und Ungarn das deutsche Schwert leihen wollen, die ganze bürgerau aügeln, ist es doppelte Pflicht des Proletariats, in so liche Presse. schwerer Schicksalsstunde wachfam auf dem Boften fein. Das macht: die kapitalistische Wirtschaftsweise hat längst Die Voraussetzung dieser Mittlertätigkeit der Mächte ist Die Boff. Beitung" mäfelt in armseligster Philifterart alle Ordnung in Unordnung verwandelt und alle Logit in ihr So wenig die spantsche Thron aber der Sieg der Vernunft in Wien, Belgrad und Peters- an den sozialdemokratischen Protestkundgebungen, die in Gegenteil verkehrt. burg. Jedes frivole Heraufbeschwören neuer Konflikte, Groß- Berlin am Dienstag stattfinden. Ja, wie soll sich denn fandidatur des Prinzen von Hohenzollern die Ursache für den jeder blutige Zusammenstoß muß die Gefahr verschärfen, das Volk vernehmlich machen, wenn selbst die fortschrittliche deutsch- französischen Krieg von 1870/71 war, so wenig ist die den Völkerkrieg heraufbeschwören. Preffe dem Kriegsdelirium erliegt und nur der prahlende Mordtat von Sarajewo die Ursache für den österreichischserbischen Krieg, und wiederum wäre die Ursache für den Die niederträchtigste Kriegshebe ist es deshalb, wenn das alldeutsche Janhagel Orgien der Kriegsraferei verübt?! Bündlerorgan heute wieder Desterreich aufputscht, Das arbeitende Bolt Groß- Berlins läßt das Junkerblatt eltfrieg, wenn er seine Donner über Europa entladen sollte, nicht die großserbische Bewegung gewesen. Die Ursachen doch ohne Rücksicht auf die Mahnungen der Mächte Io33u- wüten und die Freisinnspresse greinen und veranstaltet trotz liegen vielmehr im Schoß der herrschenden Gesellschaftsschlagen und Serbien schleunigst eine gründliche dem und alledem seine ordnung, und Fragen wie das Sarajewoer Attentat und die Bettion" au berabfolgen. So können nur politische Kati großserbische Bewegung sind nur zufällige Aeußerlichkeiten. linarier schreiben, verbrecherische Quertreiber, die über den Ebenso könnte der Weltkrieg seine Fadel an einem Brand in Maroffo oder in China oder sonstwo entzünden, denn daß Kopf der deutschen Regierung hinweg, ja gegen ihren ausgedie bestehende Gesellschaftsordnung überlebt, morsch und reif sprochenen Willen die Zwangslage des Weltkrieges schaffen wollen! zum Untergang ist, das sind seine Voraussetzungen und Vorbedingungen. Wie eine Wirtschaftsweise, die ziel- und regellos in gigantischen Formen drauflos produziert und dabei Länder Konfliktsstoff um Konfliktsstoff aufstapelt, so erklärt sie auch zwischen den einzelnen tapitalistischen Staaten den Sonflitt in Permanenz. Während innerhalb ihrer Grenzen die Massen der Waren beraubt sind, die sie selbst verfertigt haben und die sie dringend brauchen, suchen diese Staaten für ihre Waren nach immer neuen Absatzplägen auf dem Weltmarkt, und da der Imperialismus, die neueste politische Doktrin des Kapitalismus, darauf ausgeht, den Weltmarkt in Abjay- und Ausbeutungsmonopole für die einzelnen Länder zu zerstückeln, so herrscht stete Seibung zwischen den Staaten, Rüftungen folgen auf Rüstungen, weltpolitische Interessenkonzerne bilden sich wie der Dreibund und der Dreiperband und schließlich steht ganz Europa in zwei Waffenlager geteilt da. " Friedenskundgebungen! Jest erst recht! Und in diefem furchtbar verantwortungsBum mindesten beispiellofe Rurafichtigteit vollen Augenblid mit äußerster Entschiedenheit! aber ist es, wenn auch unsere Freifinns presse wie Die Weltgeschichte wird diese Tat des Proletariats einst den Produzenten von seinem Produkt trennt, im Innern der beseffen immer wiederholt: Der Krieg muß lokalisiert" buchen! Der Dienstag gehört der Demonstration der Arbeit! Der Dienstag ist der Tag des Volkes! Proletarier heraus! Das Unheimliche. und die Herzen der Völker schlagen bänger in diesen teuchenden Tagen und die Armen fnien und flagen: „ Krieg!" Diefer Zustand war in diesem Jahre bis zur Unerträglichkeit gediehen. Daß es einmal ein Ende mit Schrecken geben Millionen und aber Millionen wirft, begrüßen in Berlin, in würde, haben wir durch eine Politit, die den Interessen der großen Leipzig, in Frankfurt und anderwärts ein paar Haufen grüner Massen entsprach, stets zu verhindern gesucht, aber es stets Und wenn erst die österBurschen unter dem Einfluß eines schlechten Patriotismus und befürchtet und vorausgefagt. eines guten Altohols mit Jubelrufen sie ziehen durch die reichischen und serbischen Geschütze gegen einander dröhnen, Straßen, fuchteln mit den Armen und brüllen: Hoch der Krieg! drohte das Ende mit Schrecken über uns hereinzubrechen. Diese hochgemuten Schreihälfe haben keine Ahnung, was fie Aber marristisch geschult, wie sie ist, erkennt die sozialistisch brüllen, und wenn eine schreckliche Gegenwart ihnen brächte, was gesinnte Arbeiterklasse, daß hier nicht nur ein Chaos blindfie jest leben laffen, würde ihnen wohl das Hoch auf den Lippen wütend über Europa herfällt, sondern sie forscht noch erftarren. Denn nicht die glühende Phantasie eines Balzac, in dem scheinbar Sinnlosen nach einem tieferen Sinn. nicht der harte Griffel eines Bola vermöchte annähernd all Der tiefere Sinn aber des Unheimlichen, das uns beDas Unheimliche, das so oft in den weltpolitischen das bluttriefende Graufen eines Weltkrieges zu malen, den drückt, ist: die Produktivkräfte rebellieren gegen die Birren dieser legten Jahre den Himmel verfinsterte, es redt feit Jahrzehnten die Herrschenden vorbereiten, für den sie Produktionsverhältnisse, die kapitalistische Unordnung sprengt fich greifbar nahe vor uns auf, die Brust beklemmend, den Tausende bon Geschützen bereit halten, Millionen von durch eine gewaltige Explosion ihre Formen, eine alte Welt Atem abschnürend: der Krieg, der Weltkrieg, die große Ver- Bajonetten geschliffen haben und mit den modernsten, schickt sich zum Sterben an! nichtung. Schon die nächste Stunde tann, da die Würfel ein- raffiniertesten Massenmordwerkzeugen gerüstet sind. Un- Und auch die deutschen Arbeiter würden sich, wenn ihnen mal im Rollen find, das Entsehliche bringen, die Mobilmachung menschliches Morden hat in den beiden legten Jahren der wirklich der Mobilmachungsbefehl in die Stube flatterte, der Rußlands, ble Mobilmachung Frankreichs und als fürchterliche Baltan erlebt, die Dörfer gingen in Flammen auf, die weltgeschichtlichen Bedeutung des Augenblicks bewußt sein: Antwort darauf die Mobilmachung Deutschlands. Und einen Leichenhaufen fürmten sich und hinter dem Schlächter Krieg mit Mord und Brand ist die Gözendämmerung folchen ernſten Augenblid, der einen schwarzen Schatten über schritt die Würgerin Cholera, abermals ungezählte junge, der bürgerlichen Geselli& aft da! Fr. Xh. Csokor. Semendria von serbischer Infanterie, die sich auf einem ferbi- Igraphen- Korrespondenzbureaus" folgendermaßen zu recht schen Englands Vermittelungsaktion. Schleppdampfer, befanden, mit Infanteriefeuer be- fertigen fucht: Schon aus Meldungen des Reuterschen Bureaus, die im schossen. Die Desterreicher formierten sofort Schwarmlinien Laufe des gestrigen Tages cintrafen, ging hervor, daß und erwiderten das Feuer. Das Gefecht, das 20 Minuten England Schritte eingeleitet habe, um zwischen Serbien lang dauerte, hatte auf österreichischer Seite vier leicht verund Desterreich eine Vermittelungsaktion herbei- lebte Soldaten zu verzeichnen. Der Verluste der Serben sind zuführen. Der deutsche Botschafter, Fürst Lichnowsky, be- dagegen noch unbekannt. fuchte den Staatssekretär Grey im Auswärtigen Amt und es sich freilich nur um ein Scharmügel, um einen ZusammenSo wäre denn auch der Kampf eröffnet! Noch handelt fonferierte mit ihm. Ueber die Auffassung der englischen Regierung und ihr stoß, vielleicht ohne den Willen der eigentlichen Befehlshaber Vorhaben gab dann in der Abendigung des Parlaments hervorgerufen. Aber es sind doch Schüsse gefallen, es soll Verwundete gegeben haben. Jene Schießerei auf dem Fluße bedeutet Sir Edward Grey folgende Erklärung ab: noch nicht den Strieg; aber blizschnell zeigt sie, wie ernst doch verhüten? In jedem Fall: Was irgend getan werden schon die Situation ist. Wird es gelingen, noch Schlimmeres zu tann, muß getan werden! Ich glaube, dem Hause ausführlich die Stellung, die die britische Regierung bis jetzt eingenommen hat, darlegen zu müssen. Lekten Freitag morgen erhielt ich vom österreichischungarischen Botschafter den Tegt der Mitteilungen der österreichisch- ungarischen Regierung an die Mächte, die in der Offiziöses zur Lage. Presse auch erschienen und welche die Forderungen Defterret Köln, 27. Juli. Die Kölnische Zeitung" meldet aus Ungarns att Serbien = Berlin: Eine völlige Klärung in der politischen Lage, namentlich was die Stellung Rußlands betrifft, ist noch nicht erfolgt. Dem Gerücht über russische Mobilisierungsmaßregeln wird von russischer Seite sehr bestimmt widersprochen. Wenn man auch zugibt, daß an den Desterreich- Ungarn gegenüber gelegenen militärischen Bezirken gewisse Vorsichtsmaßregeln schon getroffen oder noch weiter im Gange seien. Es scheint hiernach, als ob die russische Diplomatie einen Ausweg aus der Lage in diplomatischen Bemühungen um die Beilegung des österreichisch- serbischen Streitens sucht. Von einem Erfolge dieser Bemühungen fann man freilich einstweilen noch nicht sprechen. Auch Montenegro mobilisiert. " Diese Note beabsichtigt den falschen Schein zu eriveden. als ob die serbische Regierung die von Defterreich- Ungarn gelten Forderungen in weitem Maße zu erfüllen bereit wäre. Tatsa hlich ist aber die Note von einem Geiste der Unaufrichtigkeit erfüllt, der es flar erkennen läßt, daß es der serbischen Regierung nicht era st lich darum zu tun ist, der sträflichen Duldung ein Ende bereiten, welche sie bisher den Umtrieben gegen die Monarche zuteil werden ließ. Sowohl hinsichtlich der allgemeinen Grunds lagen der österreichisch- ungarischen Demarche als auch in betreft der einzelnen von Desterreich- Ungarn aufgestellten Forderungen: enthält die serbische Note so weit gehende Borbehalte und Ein schränkungen, daß auch die tatsächlich gemachten 3geständnisse. bedeutungslos werden. Insbesondere wurde unter einem nichtigen Vorwande die Forderung Desterreich- Ungarns nach Teilnahme von t. und f. Organen an den Er hebungen zur Eruierung der auf serbischem Boden befindlichen Teilnehmer des Komplotts vom 28. Juni vollkommen abgelehnt. Ebenso fommen die Zusagen, die Defferreich- Ungarn zur Bekämpfung der der Monarchie feindlichen Presse gemacht wurden ,. einer Ablehnung gleich. Das Begehren Desterreich- Ungarns, daß: die königliche Regierung die notwendigen Maßregeln treffe, damit die aufgelösten, der Monarchie feindlichen Ber eine ihre Tätigkeit nicht unter einem anderen Namen und in anderer Form fortsegen, ist überhaupt nicht berücksichtigt. Da die in der Note der f. und f. Re gierung vom 23. d. M. enthaltenen Forderungen mit Rücksicht auf das serbischerseits bisher beobachtete Verhalten das Mindeſtmas, dessen darstellen, was zur Schaffung dauernder Ruhe im Südostem der Monarchie notwendig ist, mußte die serbische Antwort als un befriedigend betrachtet werden. Daß übrigens die serbische Re gierung sich selbst dessen bewußt war, daß ihre Note für uns. inatzeptabel fei, beweist der Umstand, daß sie uns am Schlusse: derselben vorschlägt, die Regelung der Kontroverse auf schieds gerichtlichem Wege zu suchen, einer Einladung, die die: richtige Beleuchtung durch den Umstand erfährt, daß schon Stunden: bor der llebergabe der Note, die erst wenige Minuten vor Ablaufi der Frist stattfand, die Mobilisierung der serbischen Armee erfolgte." enthalten. Nachmittags fah ich die übrigen Botschafter und drückte ihnen gegen über die Ansicht aus, daß wir, solange der Streit auf Desterreich- Ungarn und Serbien beschränkt bleibe, fein Recht hätten, uns einzumischen. Wenn aber die Beziehungen zwischen Oesterreich- Ungarn, Deutschland und Rußland bedrohlich würden, sei es eine Sache des europäischen Friedens und gehe uns alle an. Ich wußte in jenem Augenblicke nicht, welchen Standpunkt die russische Regierung eingenommen hatte, und ich konnte des wegen keinen unmittelbaren Vorschlag machen. Aber ich sagte, wenn die Beziehungen zwischen Desterreich- Ungarn und Rußland cinen bedrohlichen Charakter annehmen, so scheine mir die einzige Chance für den Frieden darin zu bestehen, daß die vier ander serbischen Frage nicht unWien, 26. Juli. Der Südslawischen Korrespondenz wird mittelbar interessierten Mächte, nämlich Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien, in aus Cetinje gemeldet: Der Kronrat beschloß unter dem Vorsitz König Nikitas die allgemeine Mobilisierung. Gestern Petersburg und Wien gleichzeitig und zu und heute fanden große Demonstrationen für ein gemeinsammen dahin wirken follten, daß Dester- fames Vorgehen mit Serbien statt. Stronprinz Danilo, der In dieser amtlichen Wiener Erklärung ist zwar viel die reich und Rußland die militärischen Ope telegraphisch zurückberufen wurde, wird für morgen erwartet. Rede von der Unaufrichtigkeit", den Vorbehalten" und den rationen einstellen möchten, während sich Ablehnungen Serbiens, aber tatsächlich weiß sie davon doch die vier Mächte bemühen würden, eine Beilegung des KonNachdem der Kronrat die Mobilisation beschlossen hat, wurde nichts weiter anzuführen, als die eigentlich selbstverständliche fliktes zu erzielen. Grey fuhr fort: Nachdem ich gehört habe, daß Oesterreich- das Oberkommando über die montenegrinischen Truppen dem Ablehnnng der Mitwirkung österreichischer Organe bei der Ungarn die Beziehungen zu Serbien abgebrochen hatte, machte Kronprinzen Danilo übergeben. Meldungen aus Cattaro besagen, Untersuchung über das Komplott und das Uebergehen der ich folgenden Vorschlag: ich wies gestern nachmittag daß die montenegrinischen Befestigungen am Lovcenberg fieberhaft Forderung, die einmal verbotenen Vereine dürften auch unter: ich folgenden Vorschlag: ich wies gestern nachmittag die britischen Botschafter in Paris, Berlin in Ordnung gebracht werden. Die Montenegriner haben schwere feinem anderen Namen mehr gestattet werden- was wirklich und Rom telegraphisch an, bei den Regie. Geschütze in Position gebracht. Ferner sind bedeutende Ver- nicht gerade Böswilligkeit zu sein braucht. schanzungen aufgeführt worden. rungen, bei welchen sie beglaubigt sind, an. Angesichts der drohenden Lage sind alle Einwohner von Cattaro zufragen, ob diese gewillt seien, ein Ein. vernehmen dahin zu treffen, daß der fran von den Behörden aufgefordert worden, morgen die Stadt sofort zösische, der deutsche und der italienische au berlaffen. Botschafter in London mit mir zu einer Konferenz in London zusammentreten, um sich zu bemühen, Mittel zu einer Bei. legung der gegenwärtigen Schwierigkeiten zu finden. zu Ein anderes Telegramm meldet: Serbiens Antwort. Wenn Serbien vorgeschlagen hat, die Regelung der Kontroverse einem internationalen Schiedsgericht zu übertragen, so dünft uns das vollends weder eine Beleidigung Desterreichs, noch ein Zeichen des serbischen Schuldbewußtseius; es handelt sich vielmehr dabei um einen durchaus gangbaren Weg. Wenn Desterreich eine derartige unparteiische Untersuchung nicht wünscht, so spricht es mehr dafür, daß man in den eitenden Stellen Desterreichs selbst sich seiner Sache wenig sicher fühlte. werde. Die Lage in Serbien. Mobilisierung der ganzen Armee. Erst jetzt wird näheres über die Antwort bekannt, Gleichzeitig beauftragte ich unsere Vertreter, jene Regie- die Serbien auf Desterreichs brutale Forde. rungen zu ersuchen, ihre Vertreter in Wien, Petersburg und rungen hin erteilt hat. Der Auszug, der daraus in Belgrad zu ermächtigen, die dortigen Regierungen von der die Deffentlichkeit gelangt, beweist, wie weit Serbien DesterFast kein Punkt der vorgeschlagenen Konferenz zu informieren und zu ersuchen, reich entgegenzukommen bereit war. alle aktiven militärischen Operationen bis österreichischen Note, der in der serbischen Antwort nicht BerückBelgrad, 26. Juli. Der Thronfolger hat im Namen des zur Beendigung der Konferenz einzustellen. fichtigung, ja, Entgegenkommen gefunden hätte! Gewiß, Darauf habe ich noch nicht alle Antworten er. Serbien wollte sich nicht glatt unterwerfen, wollte seine Königs das Dekret für die Mobilisierung der ganzen Armee halten. Bei diesem Vorschlag ist natürlich die Zusammen- Selbständigkeit nicht aufgeben, wie es eine bedingungslose Ers unterzeichnet. Es soll eine Proklamation an das Bolt erarbeit der vier Mächte das Wesentliche. In einer so schweren füllung der österreichischen Forderungen ja bedeutet hätte. lassen werden, worin die Bürger aufgefordert werden, ruhig Krisis, wie diese, würden die Bemühungen einer einzel- Aber Serbien war bereit, den österreichischen Forderungen in ihren Häusern zu bleiben, weil, wenn das Land annen Macht, den Frieden zu erhalten, unwirksam sein. Die Genüge zu leisten, soweit sich das nur mit dem Ansehen eines gegriffen werde, die Armee es so gut wie möglich verteidigen autonomen Staates vertragen konnte. in dieser Angelegenheit zur Verfügung stehende Zeit war so Die serbische Antwort ging dahin, daß die königlich serbische kurz, daß ich die Gefahr auf mich nehmen mußte, einen VorDie Lage in Belgrad. schlag zu machen, ohne die üblichen vorbereitenden Schritte zu überzeugt sei, daß ihre Antwort jedes Mißverständnis, welches die über die Lage in Belgrad aus Semlin gemeldet: Die Stadt Regierung die österreichisch ungarische Note erhalten habe und davon Wien, 26. Juli. Der Südslawischen Korrespondenz" wird unternehmen, um mich zu versichern, ob er gut aufgenommen werden würde. Aber wo die Dinge so ernst sind und die Zeit gut nachbarlichen Beziehungen zu bedrohen imſtande wäre, be- bot gestern ein Bild größter Verwirrung. Unter der Beso kurz ist, läßt sich die Gefahr, etwas Unvollkommenes vorzu- Frühere Proteste der nationalen Stuptschina gegen Desterreich bölkerung entstand eine Panit, die durch die Gerüchte über schlagen, nicht vermeiden. Ich bin trotzdem der Ansicht, daß, als auch die Erklärungen und Handlungen verantwortlicher Staats- den bevorstehenden Einmarsch der österreichisch- ungarischen angenommen, der in der Presse erschienene Text der serbischen vertreter, auf die die österreichische Note in ihrem ersten Absatz Be Truppen und durch Gerüchte über ein Bombardement der Antwort richtig ist, wie ich es glaube, dieser Vorschlag zug nimmt, glaubt die ferbische Regierung durch die Erklärung vom Stadt noch erhöht wurden. In den Abendstunden tauchte wenigstens eine Grundlage bieten sollte, auf der eine 18. März 1909 als erledigt betrachten zu fönnen. Die Kund- plöglich in den Straßen aus den Vororten kommender Mob freundschaftliche, unparteiische Gruppe von Mächten, unter gebungen hätten sich seitdem nicht wiederholt. Von dieser Seit an auf, darunter viele Zigeuner, die an einzelnen Stellen zu denen sich Mächte befinden, die bei Desterreich- Ungarn und bei Versuche gemacht worden, die den Zwed haben, den politischen und Waffe vor. Gegen Mitternacht fam es an einer Stelle zu feien sowohl von der Regierung als auch seitens ihrer Drgane feine plündern versuchten. Die Militärpatrouille ging mit der Rußland gleiches Vertrauen genießen, imstande sein sollten, juridischen Zustand zu ändern, der durch die Annegion Bosniens und einem ernsten Zusammenstoß zwischen einer Rotte und eine Beilegung zu finden, welche allgemein annnehmbar der Herzegowina geschaffen ist. Weiter heißt es in der serbischen Soldaten, die gegen die Menge eine Gewehrsalve abgaben. sein würde. Grey schloß: Es müßte jedem, der nachdenkt, klar sein, daß in dem Augenblic, wo der Streit aufhört, einer zwischen Desterreich- Ungarn und Serbien zu sein, und einer wird, in welchen eine andere Großmacht verwickelt ist, dies mit einer der größten Katastrophe enden kann, die jemals den Kontinent Europas heimgesucht haben, und niemand kann sagen, was das Ende der ausgebrochenen Streitigkeiten sein wird und ihre direkten und indirekten Folgen würden unberechenbar sein. Nach der Erklärung Greys fragte Harry Lawson, ob es wahr sei, daß der deutsche Kaiser heute morgen das Prinzip einer Vermittelung, das Grey vorgeschlagen habe, angenommen habe. Grey erwiderte, er sei überzeugt, daß die deutsche Regierung der Vermittelungsidee im Prinzip als zwischen Desterreich. Ungarn und Rußland günstig sei, aber über den speziellen Vorschlag, daß man zu dem Prinzip einer Vermittelung durch eine Konferenz greife, habe er noch keine Antwort von der deutschen Regierung erhalten. seitigen würde. Antwort: Auch im Norden der Stadt kam es zu schweren Ausschreitungen. Die Garnison hatte ihren Abmarsch aus der Stadt bereits am Sonnabend vollendet. Nur die Bedeckungsmannschaft war in der Stadt verblieben. Wer es von der Bevölkerung ermöglichen konnte, hat die Stadt mit Hab und Gut verlassen. Um den Kriegsprotest der Arbeiter Berlins. Die fönigliche Regierung hat gelegentlich der Löfung einer ganzen Serie von Fragen, welche zwischen Serbien und Desterreich Ungarn entstanden sind, großes Entgegenkommen gezeigt, und es ist ihr gelungen, auch die größte Zahl der Fragen zu regeln zum Nugen der beiden Nachbarländer. Deshalb ist die königliche Re gierung peinlich überrascht durch die Behauptung, daß gewisse Bersonen des Königreichs Serbien an den Bor bereitungen des Attentats, das in Sarajewo begangen Griechische Unterstützung Serbiens? wurde, teilgenommen hätten. Die königliche Regierung hoffte, sie Paris, 27. Juli. Der Zeitung Le Journal" wird aus Kon würde aufgefordert werden, mitzuwirken an allem, was zur Er- stantinopel gemeldet: Der griechische Gesandte erklärte, daß Griechen mittlung dieses Verbrechens dienen könnte, und war bereit, land im Falle eines österreichisch- serbischen Krieges verpflichtet wäre, durch Taten ihre forrette Haltung zu zeigen, und gegen alle Serbien mit 100 000 Mann zu unterstützen. Personen einzuschreiten, bezüglich deren man der serbischen Regierung Mitteilungen dieser Art gemacht hätte. Indem die königlich serbische Regierung dem Wunsche der t. und t. österreichisch- ungarischen Regierung Rechnung trägt, ist die königliche Regierung geneigt, jeden serbischen Untertan ohne Rüdsicht auf seine Stellung und Rang dem Gericht auszuliefern, für den die Beweise der Mittäterschaft an dem Attentat in Sarajewo erbracht wären." Wie schon in ihren Sonntagsnummern Kreuz- Zeitung" Die serbische Regierung berpflichtet sich ferner, eine diesbe- und„ Tägliche Rundschau", so fordert in ihrer MontagsausMan darf der Hoffnung Ausdruck geben, daß die eng laut dieser Erklärung auch in der Antwortnote an. Der Hauptpunkt dieser bot der sozialdemokratischen Versammlunzügliche Erklärung im Amtsblatt abzudruden, und gibt den Wort- gabe auch die Deutsche Tageszeitung" das Verlischen Bemühungen Erfolg haben, wenn sie auch nicht dazu Erklärung ist, daß die serbische Regierung jede Propaganda vers verleiten dürfen, die Lage optimistisch anzusehen. Es scheint urteilt, welche gegen Desterreich Ungarn gerichtet ist. gen am Dienstag. Auch die Deutsche Tageszeitung" übrigens, daß auch sonst Bemühungen im Gange wären, Auch in den übrigen Punkten glaubt die serbische Note den An hat die Stirn, die geplanten Rundgebungen als hoch verwenigstens den drohenden Weltkrieg aufzuhalten. So wurde forderungen der österreichischen Wünsche vollkommen gerecht au räterisch", als Aufreizung weiterer Bevölkerungskreise aus Paris gemeldet, daß der deutsche Botschafter Freiherr werden. So wird ausdrücklich erklärt, daß die serbische Regierung zum Klassenbaß" zu bezeichnen, um so den Staatsanwalt v. Schoen und der interimistische Ministerpräsident Bienvenu- nach Ueberreichung der österreichischen Note den in dieser genannten zum Einschreiten zu veranlassen. Das Agrarierblatt weig Martin eine Unterredung gehabt hätten über die besten Mittel Major Tantofic, ber der Mitäterſchaft an dem Garajewoer jetzt schon, daß die Versammlungen die Gefahr ernſter Stözu einer Aktion der Mächte für die Aufrechterhaltung des falls in der Note genannte angebliche Eisenbahnbeamte Ciganovic fich bringen. Die Begründung dieser Ansicht ist von eigenem Attentat verdächtigt wurde, sofort habe verhaften lassen. Der gleich- rungen der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung" mit hat nicht verhaftet werden können, da er sich der Behörde durch die Flucht entzogen habe. Ciganovic, der nicht ferbischer, sondern öster- Reiz: reichisch- ungarischer Untertan ist, sei nicht Beamter der königlichen Staatsbahn gewesen, sondern habe nur eine Anstellung als Hilfs. arbeiter dort gefunden. Sein Aufenthalt sei nicht zu ermitteln. Wien, 27. Juli. Bei Zemeskubin haben serWenn diese Zusicherungen Desterreich nicht befriedigt bische Truppen, die sich auf einem Donandampfer be- haben, so zeigt das, wie wenig es Desterreich in Wirklichkeit fanden, vom Schiffe ans österreichische Truppen be- auf eine Klarstellung der Dinge antam, von denen in schossen. Das Fener wurde erwidert und es entspann der Note die Rede war; beweist das, wie sehr Oesterreich sich ein größeres Gepläntel eine Demütigung, mehr noch, den Krieg mit Serbien Friedens. Beginn der Kämpfe? " 1 „ Es sei nur baran erinnert," schreibt sie,„ daß gestern nacht vor dem Berliner Kaiserschlosse in einer Menge von Zehntausenden die schärften Rundgebungen gegen die unpatriotische Haltung der Sozialdemokratie zum Ausdruck gekommen sind. Sollte die Sozialdemokratie in und nach den einberufenen Massenversammlungen gegen die allgemeine Berliner Volksströmung weiterhin, wie es in dem erwähnten Aufrufe geschehen ist, aufreizen und hehen, so wird eben mit Konflikten sehr wahrscheinlich zu rechnen sein." Danach würden allerdings nicht die Sozialdemokraten, leber das Gefecht, das bei Temeskubin stattfand, wird wollte. Es ist nichts anderes, als eine ziemlich klägliche noch gemeldet: Heute früh 9 Uhr wurden zwei Kompagnien Verlegenheitsrederei, wenn jetzt die österreichische des 7. Infanterieregiments etwa 14 Kilometer westlich von Regierung sich in einem Telegramm des Wiener t. t. Tele- sondern die guten Patrioten die Ruhestörer ab geben. Wer solche Kleinigkeiten genieren große Geister nicht und werden eine„Deutsche Tageszeitung" nicht daran hin- dent, die Polizei gegen die sozialdemokratischen Versamm- lungen anzurufen. Ja, deutlich genug fordert die„Deutsche Tageszeitung" zwischen den Zeilen die Polizei auf, daß sie auf die Arbeiter Berlins, falls sie auch auf der Straße demonstrieren sollten, mit der Waffe drcinhaucn sollte. Dieselbe„Deutsche Tagest zeitung", die sich für die Demonstrationen der Kriegshetzer de- geistert und kein Wort des Tadels dafür gefunden hat, daß die Berliner Polizei jene jungen Burschen selbst den e»r poren dsten Unfug treiben ließ. Es ist eine prächtige Politik, die hier die„Deutsche Tageszeitung" empfiehlt. Die Gefahr eines Krieges steht drohend vor der Tür. Glaubt das Blatt etwa in den Mafien des Berliner Proletariats dadurch Liebe zum Baterland und die rechte Stimmung fü'' eine Berteidi- gung des Landes zu erwecken, daß die Polizciorgane zuvor mit Säbeln und Revolvern auf sie gehetzt werden? Ein fri- volerer Rat ist wohl selten erteilt worden, als jener, mit dem hier das reaktionäre Blatt die Behörden scharf zu machen sucht. Die Arbeiterschaft wird sich durch das törichte Geschreibsel und Gerede der offenen und versteckten Kriegshetzer nicht ab- halten lassen, für den Frieden zu demonstrieren, sondern jene Angriffe auf die beabsichtigten Kundgebungen werden allein die Wirkung Haben, daß die Massen des Volkes erst recht in die Versammlungen strömen. Die ..Deutsche Tageszeitung" meint, die„allgemeine Berliner Volksströmung" sei in dem Hurrageschrei jener Demon- strationsjünglinge vom Sonnabend und Sonntag zur Geltung gekommen. Du lieber Gott! Am Dienstagabend wird der „Deutschen Tageszeitung" bewiesen werden, wie es in Wirk- lichkeit um die„allgemeine Volksströmung" bestellt ist. Das Volk will den Frieden, den Frieden um jeden Preis! Und darum in Massen auf zum Protest gegen Ken Krieg! Demonstrationen gegen Ken Krieg. Die Sozialdemokratie Württembergs gegen den Krieg. Am Sonnabend und Sonntag tagte in Eßlingen die Landes- Versammlung der Sozialdemokraten Württembergs, über die wir an anderer Stelle eingehender berichten. Vor Eintritt in die Tages« ordnung wurde auf Antrag der Genossin Zetkin folgende Resolution angenommen: .Die gegenwärtig drohende Kriegsgefahr kann jederzeit in das greuelvollste Völkermorden verwandelt werden. Angesicht« dieser ernsten Lage erinnert die Landesveriammlung der Sozial« demokraten Württembergs die werktätigen Massen daran, daß die Besitzenden und Herrschenden— insofern sie nicht unmittelbar oder mittelbar Kriegsintcressenten und Kriegshetzer sind— sich zum mindesten als ohnmächtig erweisen, den Frieden und die Wohlfahrt der Völker zu wahren. Sie mahnt diese Massen daran, daß die kraftvolle und rücksichtslose Be« tätigung ihres Brüderlichkeitsgefühls mit den Ausgebeuteten aller Länder und ihres unerschütterlichen. Friedenswillens die einzige sichere Bürgschaft dafür ist, daß die frivole Hetze krigslüsterner Cliquen und Schichten keinen Welt» brand entzündet. Die Vertreter der Sozialdemokraten Württemberg? geloben, die Massen auf dem Boden deS revolutionären Klassenkampfe« zu sammeln und zu schulen, damit sie bereit seien, opferfreudig ihre volle wirtschaftliche und politische Macht zur Aufrechterhalmng des Friedens einzusetzen. Sie begrüßen das heldenhafte revolutionäre Proletariat Rußlands, das aufs neue im Kampf für das wirt- schaftliche und politische Recht der Ausgebeuteten die Waffe de« Massenstreiks erprobk. Sie begrüßen es als einen starken Hort de» Friedens in dieser verhängnisschweren Zeit. Indem das russische Proletariat durch den Massenstreik den Zarismus, einen der ge« wissenlosesten Kriegstreiber, lähmt, beweist es durch die Tat. welch starke Macht eine kühne, opferbereite Arbeiterklasse in den Kampf für Freiheit und Frieden einzusetzen vermag." die Chemnitzer Meiterfchaft gegen üe« örohenüen Weltkrieg. Am Sonntagfrüh versammelte sich die Chemnitzer Arbeiterschaft auf dem Sportplatz Scheibe zu einer ernsten und eindrucksvollen Dcmonstralion gegen den drohenden Weltkrieg. 6 bis 7000 Männer und Frauen der Arbeit folgten den Ausführungen des Genossen H e i l m a n n, der die so plötzlich veränderten politischen Verhalt« nisse und die Entstehung der gegenwärtigen Spannung schilderte. Der kommende Krieg sei sinnlos und deshalb doppelt ver» brecherisch. Der Kapitalismus sei der Hauptschuldige. Die Sozialdemokratie werde allein imstande sein, den Welt« frieden zu erhalten. Einmütige Annahme fand dann eine Res» lution im Sinne des Referats. ,Nicht genehmigte'' kunügebungen. Aus Königsberg kommt die Meldung, daß dir dortige Polizeibehörde die Abhaltung der geplanten Friedenskundgebungen der Sozialdemokratie Verbote« hat Die Meldung klingt beinahe unglaublich. Kennen denn die Königsbcrger Behörden das Bercinsgesetz nicht? Womit will man das Verbot begründen? Und ist den Königs. bcrgcr Behörden auch nicht bekannt, daß die deutsche Regie- rung sich selbst für den Frieden bemüht? JBtc kann man es unter solchen Umständen wagen, gegen die geplanten Ler- anstaltungen einzuschreiten? Huch in Leipzig ein verbot. Dem Vorsitzenden des Leipziger Bezirksvorstandes. Ge- nassen Lepinskl, ging heute abend auf das Gesuch um die Hergabe des Meßplatzes zur Kundgebung gegen die Krieg die folgende Antwort zu: „Auf Ihr Gesuch vom gestrigen Tage teilen wir Ihnen Heer- durch mit. daß wir als Vertreter der Stadt Leipzig, der Eigen- tümerin des Meßplatzes, es ablehnen müssen, diesen Platz zu der von Ihnen geplanten Kundgebung am Mittwoch abend zur Ver- fügung zu stellen, da die öffentliche Sicherheit es erfordert, daß in der gegenwärtigen ernsten Zeit jede Beunruhigung unserer Ein- Wohnerschaft vermieden wird..„... Der Rat der Stadt Leipzig." Daß die Kundgebungen gegen den Krieg eine Beun- ruhigung der Leipziger Einwohnerschaft verursachen konnte, — seltsame Ratsweisheit! Wir wissen iin Gegenteil, daß die Verweigerung des Meßplatzes zu der Kundgebung bei dem größten Teil der Leipziger Bevölkerung Beunruhigung verursachen wird. Der Leipziger Bezirksvorstand beruft nun für die vereitelte Kundgebung unter fteiem Himmel zu Don- BBStag abend a ch t V e.r s a m w l u n g e n ein. ' Demonstrationen„für* Ken Krieg. Nicht nur in Berlin, sondern in vielen anderen Städten auch haben sich am Sonnabend und Sonntag unreife Burschen zusammen- gerottet, um in lärmenden Kundgebungen ihrer kriegerischen Stim- mung Ausdruck zu verleihen. Vielfach ist es dabei zu rohen Aus- schreitungen gekommen, die selbst bürgerliche Elemente ange- widert und zu heftigem Protest veranlaßt haben. Dem„Vorwärts" ist eine ganze Reihe von entrüsteten Zuschriften übersandt worden. So schreibt uns ein Leser über seine Erlebnisse im Cafe Picadilly: „Als ich vom Potsdamer Platz zur Königgrätzer Straße hinüberging, lvurde ich Zeuge, wie aus dem Cafe Picadilly ein junger Mann mit Gewalt hinausgeworfen wurde. Auf meine Erkundigungen hörte ich, daß es geschehen sei, weil er bei einem Hoch nicht aufgestanden wäre. Ich betrat darauf das Lokal, um zu sehen, wie es darin zuginge. Kaum daß ich mich gesetzt hatte, stimmten an einem Tisch Studenten ein patriotisches Lied an, während dessen Gesang alle aufstanden. Ich blieb sitzen. Auch als nach einer kleinen Pause ein Hoch ausgebracht wurde— ist verstand gar nicht, auf wen oder was— hielt ich mich ruhig auf meinem Platz. Da aber packte mich auch schon ein älterer Student am Kragen, ritz mich in die Höhe und hielt mich so fest. Dann kam der„Rausschmeißer" und sagte:„Wenn Sie nicht stehen bleiben, schmeiße ich Sie rauß." Jetzt erst ließ mich der Student los. Ich versuchte nun, meinen Nachbarn die Roheit dieses Be- nehmens klar zu machen. Das hatte aber nur zur Folge, daß sich wieder zwei junge Leute vor mich hinstellten und drohten, mich hin- auszuwerfen. Ich zog es vor, nun allein zu gehen." Ganz besonder? angenehm führten sich die patriotischen Radau- brüder in München auf. Man schreibt uns darüber: „Die am Sonnabend abend eingetroffenen Meldungen über die .Kriegserklärung Oesterreichs hatten in einigen Münchener Lokalen die kriegerische Stimmung zum Siedepunkt gebracht. Im Cafe Fahrig, einem der vornehmsten Cafe-Restaurants Münchens, das zum Erdrücken voll war, feierte der„Patriotismus" wahre Orgien. Als gegen II Ubr die Musik die Königshymne spielte und Tausende vom Alkohol geölte Kehlen mit schrien, wurde diese„Ovation" durch einen Tisch voll serbischer Studenten durch Pfiffe und Rufe unterbrochen. Die in ihren heiligen Gefühlen dadurch aufs schwerste verletzten Patrioten wandten sich sofort gegen die ungezogenen Ser- den. Sie wurden arg verprügelt und dann auf dem kürzesten Wege HinauSgewdrfen. Nachdem sich die Aufregung unter den Gästen einigermaßen gelegt hatte, verbot der Sohn des Besitzers Fahrig, um neue Skandale zu vermeiden, dem Musikdirigenten, weitere pa- triotische Lieder zu spielen. lDas hörte einer der Gäste.) Im Nu verbreitete sich im ganzen Lokal das Gerücht, der Direktor des Eta- blissements sei ein Serbe und habe dem Musikdirigenten das weitere Spielen patriotischer Lieder untersagt. Einer der Gäste be- stieg da? Podium und machte dies laut und deutlich vernehmbar im ganzen Lokale bekannt. Was nun folgte, ist kaum zu beschreiben. Die kriegsbegeisterten Gäste hausten wie die Vandalen. Die ganze Einrichtung wurde buchstäblich zertrümmert. Die Marmortisch- platten wurden abgehoben und zertrümmert, Kaffeetass en, Biergläser, Weinflaschen wurden als Wurfgeschosse benutzt, mit den Stühlen wurde alles, was nicht niet- und nagelfest war, zertrümmert, sämtliche Kristallbüsten de? Lokals wurden demoliert und sämtliche großen Spiegelscheiben des Restaurants in Scherben geschlagen. Ein Polizeiaufgebot von 10— 15 Mann erwies sich angesichts der aufgeregten Menge als macht- loS. ES wurde ein weiteres Aufgebot von 50—60 Schutzleuten re- quiriert, die das Lokal räumten Nicht ein einziges der großen Fenster des Restaurants blieb ganz. Auf der Straße hatten sich mehrere tausend Personen angesammelt, die das Klirren der Fensterscheiben mit einem Jndianergeheul beantworteten. Großen Schaden erlitten die 80— 100 Kellner, da die edlen Patrioten die Gelegenheit benutzten, um in der Eile auch die Bezahlung ihrer Zechen zu vergessen. Als das Restaurant vollständig demoliert war, holte sich die Menge von einer in der Nähe befindlichen Baustelle lange Eisen stanzen und Ziegelsteine und zertrümmerte auch die Fenster im ersten Stock des Hotels, so daß die hier einquartierten Hotelgäste flüchten mußten. Der Schaden, den der Besitzer des Cafes erlitt, wird auf 12— 14 000 Mark geschätzt. Bis das Restaurant wieder betriebsfähig wird, dürsten 14 Tage vergehen. Am Sonntag wurden die Glasscherben fuhren- weise abgefahren.— Auch im Löwenbräukeller war die Kriegsbegeisterung groß. Ein Feldwebel, der. als die Gäste stehend das Lied„Deutschland, Deutschland über alles" sangen, sitzen blieb, wurde von kräftigen Fäusten emporgehoben und die Stiege hinab- geschleudert." Oesterreichs Mobiliflerung. Schon am gestrigen Sonntag wurden an sämtlichen Konsulaten OesterreichS-UngarnS in Deutschland Aufrufe angebestet, die die Militärpflichtigen zu den Fahnen riefen. Durch den starken Zustrom der Militärpflichtigen sind einzelne Bahnlinien jenseits der Grenzen bis auf weiteres für den allgemeinen Verkehr gesperrt. Wie uns ein P r i v at t e l e g r a m m meldet, sind auf allen österreichischen Bahnhöfen Bekanntmachungen der Ver« waltungen über Beschränkungen der Beförderung von Zivilpersonen anläßlich der Mobilmachung angeschlagen. Auf etwa 20 einzeln be« zeichneten Linien ist vorläufig jede Personenbeförderung aus« geschloffen. Alle jene Bestimmungen gelten vom 28. Juli ab. Die Rückkehr üer Staatsleiter. Der Kaiser. Wildpark bei Potsdam, 27. Juli. Heute mittag traf der Kaiser, von Kiel kommend, hier ein. Kurz zuvor war die Kaiserin an« gelangt. Der Reichskanzler, der Chef des Generalstabs. General v. Moltke und der Chef des LdmiralstabS. Admiral v. Röhl begaben sich dann mir dem Kaiser in daS Neue Palais. Prinz Heinrich. London, Z?. Juli. Prinz Heinrich von Preußen, der an der Coweswoche teilzunehmen beabsichtigte, hat heute London ver- lassen, um sich nach Kiel zurückzubegeben. Poincarckö Heimkehr. Kopenhagen, 27. Juli. Präsident Poincars hat dem König von Dänemark durch Radiotelegramm mitgeteilt, daß er angesichts der Umstände nicht in Kopenhagen Halt machen könne, wie er es beabsichtigt habe. Da er gezwungen sei, seinen Besuch zu verschieben, so drücke er ihm seine Entschuldigung und sein Bedauern aus.— Die französische KriegSschiffSdivision hat den Belt passiert. Präsident Poincars wird am Mittwoch zwischen 4 und 5 Uhr morgens in Dünkirchen eintreffen. Das Proletariat ruftet. Moneglia(Italien), 27. Juli.(Privattelegramm des torwärts".) Zum heutigen Montag ist die sozialistische Parlamentsfraktion nach Mailand zu einer Konferenz einberufen worden, um zu der drohenden internationalen Lage Stellung zu nehmen und die sofortige Einberufung deS Parlaments zu fordern. Der„Avanti" ruft da» Proletariat auf, jede Beteiligung der italienischen Regierung cm dem Sonflttt mit allen Mitteln zu ver- hindern, wenn wich die Bündnisverträge es dazu verpflichten sollten. Auch die republikanische Fraktion veröffentticht einen heftigen Protest gegen den Dreibund und tritt für die nationalen Rechte Serbiens ein, * Paris, 27. Juli.(Privattelegramm des„Vorwärts".)' Der Parteivorstand ist heute,. Montag, zur Beratung der Lage zu, sammengetreten. Die vermittelungsaktion. London, 27. Juli.(W. T. B.) Frankreich hat der britischen Regierung sein vnllständiges Einvernehmen mit dem Vorschlage Sir Edward Greys mitgeteilt. politischeÜeberlicht. Bayerisches Reservatrecht? In Nr. 193 teilten wir mit. daß der Bayreuther Staatsanwalt da? Verfahren gegen den Genossen P a g e l s eingestellt hat, da? er gegen Pagets eingeleitet hatte, lveil in dem Aufruf zugunsten der Angehörigen der im Charlottenburger Denkmalsprozeß Verurteilten mitgeteilt war, daß, wer Gelder zu geben wünsche, diese an Pagels einsenden solle. Die Bayreuther Behörde ruht aber nicht. Auf ihr Betreiben ist vom Amtsgericht in Bayreuth gegen den Genossen G r o g e r, der jenen Aufruf unterzeichnet hatte, ein Strafbefehl in Höhe von 5 M a r k erlassen, weil er durch Unterzeichnung jene? Auf» rufs ohne polizeiliche Einwilligung zu Gaben zu anderen al» wohl« tätigen Zwecken aufgefordert und dadurch die ZZ 62 und 58 de» bayerischen Polizeistrafgesetzbuches verletzt habe. Natürlich ist gegen den Sirafbefehl Einspruch erhoben. Es muß Freispruch erfolgen, weil daS bayerische Strafgesetzbuch nur für in Bayern be« gangeue Taten gilt, Groger aber den Auftuf in Berlin unterzeichnet hat; weil ferner der Aufruf einen wohltätigen Zweck verfolgt und weil endlich durch§ 1 des ReichsgeßgcsetzeS vom 7. Mai 1874 alle landesgefeylichsn Vorschriften, die die Freiheit der Preffe be« schränken, aufgehoben sind. Gründe genug, um schleunigst die Frei» sprechung auszusprechen. Oder glaubt die Bayreuther Behörde, eS bestehe ein bayerisches Reservatret zur Unterdrückung verständiger Zwecke? Wer für die Angehörigen der im Charlottenburger Denkmals» Prozeß Verurteilten geben will, gebe bald: weder daS Geben, noch das Auffordern zum Geben ist strafbar. Amtliches Wahlergebnis in Labiau-Wehlau. Bei der Reichstagsstichwahl am 28. d. Mts. im Wahlkreis Königsberg 2. Labiau-Wehlau, wurden bei 20 008 Wahlberechtigten 16 771 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten Bürgermeister Wagner-Tapiau(Fortschr. Vpt.) 3078 Stimmen, Amtsrat Schrewe» Kleinhof-Tapiau(Deutschkons.) 7693 Stimmen. Bürgermeistev Wagner ist somit gewählt. Straßenkämpfe um �omerule. Das Militär schreitet ein. Dublin, 27. Juli. Die Ausschreitungen nähme« erst den ernsten Charakter an, als Militär und Polizei von ihrem Streif» zuge gegen die Volunteers mit geschmuggelten Gewehren in die Stadt zurückkehrten. Als die Nachricht von diesem Streifzuge be- kannt wurde, begannen die Straßen sich mit einer aufgeregten> Menge zu füllen. Das Militär wurde beim Einmarsch mit wütendem Geschrei empfangen, und junge Burschen schleuderte»—! Steine, Bei der Metal-Bridge wurden die Kundgebungen so ernst, daß der kommandierende Offizier seine Abteilung auf die Menge feuern ließ, wobei vier Personen getötet und etwa dreißig verwundet wurden. Mehrere der Verwundeten trugen schwere Bajonettwunden davon. Zwei der Verletzten, darunter eine Frau, sind im Hospital gestorben. Die Menge ließ später ihre Wut an allen nicht im Dienst befindlichen, allein gehenden Soldaten aus, von denen viele brutal mißhandelt wurden, und spät in der Nacht veranstaltete die Menge eine Kundgebung vor der Kaserne deS an dem Streifzuge beteligten Regiments, man hämmerte an die Tür und Revolverschüsse wurden abgefeuert; doch zerstreute sich der Mob nach etwa einer halben Stunde. Polizisten verweigern den Gehorsam. Dublin, 27. Juli. Als beim Zusammenstoß mit den Volun- teer» die Polizei den Befehl zum Vorgehen und Einschreiten gegen die Volunteers erhielt, haben fünf Polizisten den Ge» horsam verweigert und sind darauf vom Dienst fuSpen- diert worden. Die Volunteers verteidigten sich mit Revolvern und verwundeten eine Anzahl Soldaten mit den Kolben der ge- schmuggelten Gewehre. Weitere Kämpfe bei Dublin. London, 26. Juli. Nationalistische Freiwillige, die von Howth nach Dublin zurückkehrten, wurden in Clontarf von Polizeisoldaten angehalten. Es entstand ein Handgemenge. Die Truppen' machten von der Schußwaffe Gebrauch, wobei mehrere Per-""" sonen verwundet wurden. Bei der Ankunft der Truppen in Dublin wurden sie vom Mob mit Steinen beworfen, worauf sie wiederum feuerten. Insgesamt wurden zwei Personen ge» tötet und vierzig verwundet. Unter den Verwundeten befinden sich drei Frauen. /lus InSustne uns hanSel. Die Börsenlage. Der Schritt Oesterreichs gegen Serbien und die Gefahr eine» Weltkrieges wirkte auch gestern noch an allen Börsen nachhaltig auf Angebot und Nachfrage ein. Mehrere Börsen in europäischen Großstädten hatten, um weiteren Kursstürzen vorzubeugen, über- Haupt geschlossen. Neben der Wiener und Budapester Börse. die vorläufig bis zum 29. d. M. den Verkehr eingestellt haben, blieben auch die Börsen in Brüssel und Zürich geschlossen. Die Pariser Börse hatte nur teilweise(für den Parketthandel) die Ge- schästsabschlüsse zugelassen. An der Berliner Börse war das Gerücht verbreitet, auch Frankfurt a. M. sei geschlossen. In Wirklichkeit blieben aber sämtliche deutschen Börsen geöffnet. In Berlin zeigte die Börse für Wertpapiere zunächst Kurs- steigerungen gegenüber den Notierungen vom Sonnabend. Die Großbanken nahmen größere Mengen angebotener Werte auf, um die Kurse zu halten. Allmählich sanken jedoch unter der Abnahme des Verkehrs die Kurse wieder, so daß einzelne Papiere sogar noch niedriger notiert wurden als am Sonnabend. Um ein« allzu große Panik des Publikums, das auch die Spar» lassen und Bankdepots stürmte, zu vermeiden, haben die größeren Berliner Banken gewisse Erleichterungen für Spekulationsgeschäfte beschlossen. An der Getreidebörse stiegen die Preise wiederum, da die Spekulanten mit großem Bedarf sür den Ari«g»sall rechnen« Gegen Snde der Börsenzett fielen die Notierungen etwa». Oeffentliche politische Versammlungen. Große Protest- Versammlungen am Heute Dienstag, den 28. Juli, pünktlich abends 8 Uhr Berlin: Arminhallen, Rommandantenstr. 58/59. Back- Brauerei, Tempelhofer Berg. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Urania, Wrangelstr. 10/11. Konzert- und Festfäle, Koppenstr. 29. Elysium, Landsberger Allee 40/41. in folgenden Lokalen: Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16/23. Berliner Musiker- Säle, Kaiser- Wilhelm- Str. 31. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10. Germania- Säle, Chausseestr. 110. Kaftanienwäldchen, Badstr. 15/16. Pharus- Säle, Müllerstr. 142. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Neukölln: Ad. Bartsch, Hermannstr. 49. » Deutsches Wirtshaus", Bergstr. 136. Schöneberg:„ Gesellschaftshaus des Westens", Hauptstr. 30/31. Charlottenburg: Volkshaus", Rosinenstr. 3. Cöpenick: Stadttheater", Friedrichstr. 6. Britz: Gesellschaftshaus", Chausseestr. 97. Treptow- Baumschulenweg: Neues Gesellschaftshans, Treptower Chaussee 14. Tempelhof- Mariendorf: Stadt Dresden", Tempelhof, Berliner Straße 78. Steglitz- Friedenau- Wilmersdorf: Birkenwäldchen, Schützenstr. Eichwalde- Schmöckwitz- Zeuthen- Miersdorf: Sanssouci", Eichwalde, Am Bahnhof. Zossen: bei Scherler, Baruther Str. 10. Lichtenberg- Friedrichsfelde- Stralau:„ Schwarzer Adler", Frankfurter Chaussee 5. Café Bellevue, Am Bahnhof Stralau- Rummelsburg. Oberschöneweide: Wilhelminenhof, Schloßparkstr. 330 Pankow- Niederschönhausen- Buchholz: Zum Kurfürsten", Pankow, Berliner Straße 102. Reinickendorf- Ost und-West: Schükenhaus", Residenzstraße 1/2. Tegel- Borsigwalde- Wittenau und Umgegend: Trapps Festfäle, Tegel, Bahnhofstr. 1. Weißensee: Schloß Weißensee". Spandau bei Stolberg, Klosterstraße 13/15. Tagesordnung: Gegen den Krieg. Parteigenoffen! Parteigenoffinnen! Der Krieg ist der Todfeind einer freien politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung. Darum ist die Arbeiterklasse der geschworene Feind jeder Kriegspolitik. Bekundet durch Massenbesuch der Verfammlungen den unerschütterlichen Friedenswillen des klassenbewußten Proletariats. Für die Einberufer: Eugen Ernst, Lindenstr. 2. Dienstag, den 28. Juli, abends 8½ Uhr: Oeffentliche Deutscher Metallarbeiter- Verband. Deutscher Holzarbeiter- Verhand Volks- Versammlung Verwaltungsfelle Berlin. N 54, finienfit. 83-85. im Boigt- Theater, Badftr. 58. Tagesordnung: Referent: 1. Krieg dem Kriege. Cahn. 2. Freie Aussprache. Genoffe Berth. Arbeiter, erscheint in Massen in dieser Versammlung. 28195 Der Einberufer: Union anarchistischer Vereine Berlins und der Umgegend. 8. A.: Herm. Schmidt, Berlin- Reinickendorf, Auguste- Viktoria- Alee 21. Arheiterbangenossenschaft„ Paradies zu Berlin. E. G. m. b. H. Geschäftsstelle: Bohnsdorf bei Grünau i. m. 66 Bureauzeit täglich( außer Donnerstags) von 9-11 Uhr vormittags, Donnerstags von 5-8 Uhr nachmittags. Montagnachm. von 5-8 Uhr, Berlin, Reichenberger Str. 16, bei Manzey. Donnerstag, den 30. Juli 1914, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 14: Telephon: Amt Norben 185, 1239, 1987, 9714. Bureau geöffnet von 9 bis 1 Uhr und von 4 bis 7 Uhr. Mittwoch, den 29. Juli 1914, abends 6 Uhr: Versammlung Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 29. Juli, abends 8% Uhr: 90/16 Sitzung der Ortsverwaltung. Achtung! fämtlicher Hartgummidreher u. Schleifer Holzbildhauer! von Tagesordnung: Die Versammlung der Streitenden findet aus Anlaß der Stellungnahme zur Tariffündigung. Demonstrationsversammlungen nicht am Dienstag, sondern In Anbracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Kollegen bringend notwendig. 122/17 Die Ortsverwaltung. Rohrleger und Helfer! Mittwoch, den 29. Juli, abends 8 Uhr: Allgemeine Branchen- Versammlung 12. Ordentl. Generalversammlung der Rohrleger und Helfer Berlins Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht: Borlegung der Bilanz nebst und Umgegend Gewinn- und Berlustrechnung. 2. Bericht der Revisoren und Genehmigung im gr. Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. der Bilanz, forie Beschlußfassung über die Verteilung des Gewinnes oder Verlustes. 3. Neuwahlen a) des Borstandes, b) Ersakwahlen zum Aufsichtsrat. 4. Antrag des Vorstandes betr. Entschädigung der Haustassierer. 5. Antrag des Genossen Glazer betr. Mietsregelung. 6. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Einlah Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Der Vorstand. G. Dorner. P. Schiffke. F. Hoppe. 105/18 Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Lage im Baugewerbe. Referent: Genosse Dtto ante. 2. Dishuffion. 8. Allgemeine Branchenangelegenheiten. In Anbetracht, der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeben Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Die Agitationskommission. am Freitag, den 31. Juli, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, statt. Die Streifleitung. J. A.: Reipert. 2 Minuten 20/20 Spezialarzt S f. Haut, Harn, Frauenleiden, nero. Schwäche, Beintrante jeber Art, Ehrlich Hata Kuren in ut. Co. fonz. Laborat. j Bluts untersuchung., Fäden i. Harn usw. Dr. Homeyer Friedrichstr. 81, der Banoptikum 10-2, 5-9, Somnt. 11-2. Honorar mäßig, auch Teilzahl. 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Vor drei Jahren überfiel Italien urplötzlich das wehrlose Tripolis. Ebenso urplötzlich fällt heute Oesterreich über das kleine Serbien her. Banditenpolitik wurde das Vorgehen Italiens genannt. Diese Politik des plötzlichen Ueberfalls Schwächerer scheint Mode unter den europäischen Mächten werden zu wviien. Als Vorwand weiß Oesterreich nichts vor- zubringen, als ein paar Beschuldigungen, die aus demselben Milieu entstammen, wie der Jriedjungprozeß und der famose Konsul Prochaska und daher einstweilen nicht den mindesten Glauben beanspruchen können. Doch mit ethischer Beurteilung ist wenig getan. Wir müssen versuchen, die Ereignisse zu begreifen. Das ist aller- dings nicht leicht, denn je näher man zusieht, desto un- begreiflicher erscheint das ganze Vorgehen Oesterreichs. JMan führt Krieg doch nur, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, das sich auf friedlichem Wege nicht erreichen läßt. Welches Ziel verfolgt Oesterreich? Will es bloß sein Prestige wahren? Aber daran hat doch niemand gezweifelt, daß ein Staat mit rund 5l) Millionen Einwohnern stärker ist, als einer mit 4 Millionen! Das Prestige könnte eher leiden, wenn es sich herausstellt, daß die Niederwerfung des Kleisten nicht leicht wird. Gerade mit Serbeil hat Oesterreich da böse Er- fahrungen gemacht. Die Serben in der Krivoschja im südlichen Dalmatien empörten sich 1869 und dann wieder 1882 gegen die Versuche, sie zum Militärdienst zu zwingen. Eine Handvoll schlecht- bewaffneter Leute, etwa 2—3906 Mann, behaupteten sie sich 1869 gegen die österreichischen Truppen, die schließlich fast 30 000 Mann ausmachten, so gut, daß die Regierung, um sie zum Frieden zu bringen, ihnen nicht nur die Befreiung von der Wehrpflicht bewilligte, ihre Waffen ließ, sondern auch noch 200 000 Gulden Schadenersatz zahlte! Was man dafür erkaufte. war nichts als eine Ergebenhcitsadresse der Aufständischen an den Kaiser. 1882 wurde man endlich mit ihnen fertig, aber nur durch das Aufgebot einer Macht, die doppelt so groß war, wie die 1869 entsandte. Kurz vorher. 1878, hatte Oesterreich Bosnien besetzt, das etwas über eine Million Einwohner zählte. Nur die mohammedanische Minderheit erhob sich gegen die Okkupation, trotzdem nnißte die Monarchie 4 Armeekorps aufbieten, um in blutigem Kriege den Aufstand niederzuwerfen, was sie 5000 Mann und 200 Millionen Gulden(340 Millionen Mark) kostete. Es bleibt abzuwarten, ob diesmal der Krieg mehr Prestige bringen wird. Und mit welchem Erfolg darüber hinaus kann er enden? Gewiß, die großserbische Propaganda ist für Oesterreich sehr unbequem, ja sogar gefahrvoll. Aber sie ist ein Produkt der serbischen Nation, nicht des serbischen Staates� Selbst wenn es gelänge, diesen gänzlich aufzubeben und Oesterreich anzugliedern, was doch nicht zu erwarten, so würde die serbische Propaganda damit nur ihre Formen ändern, aber an Gefährlichkeit für Oesterreich, wenigstens in seiner jetzigen Form, nicht verlieren. Die Vermehrung der 3 Millionen Serben Oesterreichs um 4 weitere Millionen, müßte dem Drang dieses Elements nach Selbständigkeit einen gewaltigen Anstoß geben und seine Kraft enorm steigern. Mag mit dem serbischen Staat geschehen, was will, die serbische Nation kann durch Oesterreich nicht vernichtet werden. Und es könnte keine sinnlosere Politik geben, als die, sie gleichzeitig zu mißhandeln, zu erbittern und drirch Vereinigung aller ihrer Elemente innerhalb der eigenen Grenzen zu stärken und gefährlicher zu machen. Was soll also durch die Opfer des Krieges erreicht wer- den— Opfer, die auf jeden Fall ungeheure sein werden, selbst wenn er lokalisiert bleibt? Will Oesterreich wirklich nichts als den Triumph, es zu erzwingen, daß die Bedingungen seines Ultimatums in Serbien durchgeführt werden? Bilden sich seine Staatsmänner etwa ein. daß die serbische Nationalidee, die ebenso in den Verhältnissen verankert ist, wie es die italienische und die deutsche gewesen, an Kraft und Gefähr- lichkeit für Oesterreich verliert, wenn die großserbische Pro- paganda in einem serbischen Amtsblatt verurteilt wird und ein paar österreichische Polizisten Amtsgewalt im serbischen Staat bekommen? Allerdings, wenn die österreichischen Burcaukraten so un- sinnige Erwartungen hegen sollten, so dürften sie sich darauf berufen, daß die Blüte deS deutschen Liberalismus diese Er- Wartungen teilt und auf das Niveau der gleichen Polizei- bomiertheit gesunken ist. Indessen haben die Leiter Oesterreichs noch eine andere Entschuldigung, und das ist die verzweifelte Lage des Staates, die vernünftiges Handeln zwar nicht unmöglich macht, aber doch sehr erschwert. Wie Rußland und Italien leidet auch Oesterreich daran, daß es der Vergeudung von Produktiv- kräften, die der moderne Militarismus mit sich bringt, früher entwickelte als die Vermehrung der Produktivkräfte, die der industrielle Kapitalismus bedingt. Der industrielle Kapita- lismus bedeutet rascheste Verbesserung und Vermehrung der Mittel des Massentransports und rascheste Entwicklung der Technik. Das wirkt auf das Heerwesen zurück und bringt stete Vermehrung der Truppen und stete Umwälzungen ihrer Bewaffnung mit sich, die den modernen Militarismus kenn- zeichnet. In Westeuropa erwächst dieser moderne Militarismus mit seinen Lasten erst im Gefolge des industriellen Kapita- lismus: dieser marschiert jenem voran. In den agrarischen Großstaaten, die sich militärisch auf gleicher Höhe behaupten wollen, entwickelt sich dagegen der Militarismus auf einer rückständigen ökonomischen Basis: er geht dort dem in- dustriellen Kapitalismus voraus und hindert damit vielfach dessen Erstarken. Auch in Westeuropa kann der Militarismus ökonomisch hemmend und belastend wirken. Um wie viel rascher der Kapitalismus dort wächst, wo der Militarismus wenig bedeutet, zeigen die Vereinigten Staaten. Aber weit mehr als auf dem industriellen Westeuropa lastet der Militarismus auf den schwachen Schultern der agraischen Großstaatcn, auf Italien, Rußland, Oesterreich, den Balkanländern. Oester- reich ist dabei besonders schlecht dran wegen seiner vielen Nationalitäten. Auch Rußland zählt nicht wenige Nationen, doch ist der große Kern des Landes einheitlich national, die nationale Buntheit ein« Eigentünilichkeit seiner Grenzen. Em solcher Kern fehlt Oesterreich. Die Sprache ist aber ein gewaltiger ökonomischer Fattor. Ockonomie heißt Zusammenarbeit, die unmöglich ist ohne Verständigung, ohne Sprachgemeinschaft. Je ausgedehnter die Sprachgemeinschaft, desto ausgedehnter das Gebiet der direkten ökonomischen Gemeinschaft. Sprachgrenzen er- schtveren den Verkehr ebensosehr wie Zollgrenzen. Die Zer- splitterung eines Staates in verschiedene nationale Gebiete hemmt die ökonomische Entwicklung des Kapitalismus, der nach großen, ausgedehnten Märtten verlangt, ebensosehr, wie es im feudalen Staat die Binnenzölle der einzelnen Pro- vinzen taten. Der aufstrebende Kapitalismus beseitigt nicht nur diese, er strebt auch danach, alle Nationsgcnossenschasten in einem Staate, d. h. einem Zollgebiete zu vereinigen und innerhalb dieses Gebiets allen Einwohnern die gleiche Sprache beizubringen. In diesem Streben fNnd er in Oesterreich unüberwind- liche Hindernisse. Ja noch mehr, im Laufe der Entwicklung schliffen sich die nationalen Unterschiede nicht ab, die er vor- fand, sondern wurden zu wachsenden Gegensätzen. Der industrielle Kapitalismus entwickelte sich langsam, um so rascher die Lasten des Militarismus, die mit ver- doppelter Wucht auf Bguern und Kleinbürger fielen. Rascher noch als in Frankreich und Teutschland wurden sie dort expropriiert. Die auf dem Lande überflüssig gemachten Schichten fanden keine Industrie in den Städten, die sie aufnehmen konnte. Wie in Rußland, in Italien, den Balkan- ländern, setzte auch in Oesterreich während der letzten Jahr- zehnte eine starke Auswanderung namentlich nach Amerika ein. Doch nicht jeder konnte auswandern. Ein großer Teil des Nachwuchses des untergehenden Kleinbürgertums wendete sich intellektuellen Berufen zu oder suchte als Angestellter sein Brot. Der Andrang zu diesen Schichten wuchs— für diese bildete jedoch die Auswanderung kein Heilmittel. Was mau in Amerika brauchte, waren unqualifizierte Arbeiter und Bauern, nicht Intellektuelle und Handlungsgehilfen. Deren Zahl nahm rasch zu, ohne daß eine rasche Aus- dehnung der Industrie eine Zunahme des Wohlstands der Bevölkerung ihnen ein ebenso rasch zunehmendes Arbeits- gebiet geschaffen hätte. Gerade für diese Schichten spielte nun die Sprache eine besonders große Rolle. Wer einen Arzt, einen Advokaten braucht, eine Zeitung lesen, bei einem Kleinhändler kaufen will, bevorzugt diejenigen, deren Sprache er versteht. Die Ausdehnung der eigenen Nation, der eigenen Sprache ist daher gerade für diese Schichten eine Lebensfrage, und je mehr die Konkurrenz in ihren Reihen wächst, desto wilder stachelt er dort, wo die Bevölkerung verschiedenen Nationen angehört, die nationalen Gegensätze an. Das Stocken der ökonomischen Entwicklung, das zum größten Teil durch die nationalen Gegensätze hervorgerufen ist, wird seinerseits wieder ein Mittel, diese Gegensätze noch weiter zu verschärfen. Sie haben schon einen solchen Grad erreicht, daß sie leider auch schon gelegentlich das Proletariat ergriffen. Die Politik der österreichischen Regierungen wirkt noch dahin, Oel ins Feuer zu gießen. Oesterreich enthält nicht bloß verschiedene Nationen, es enthält auch außer Tschechen und Madjaren keine Nation vollständig, sondern nur Teile von ihnen, andere Teile leben in benachbarten Staaten. Ein solches Nationengemisch kann nur zusammengehalten werden dadurch, daß der Staat trachtet, ökonomisch und poli- tisch seine Nachbarn zu überragen: dadurch, daß er seinen Einwohnern mehr Wohlstand oder Freiheit gibt, als sie im Nachbarland finden. Das ist das Geheimnis des Zusammen- Halts der Schweiz. Im Polizei-, Militär- und Pfaffenstaat ist davon natür- lich nichts zu merken. Armee, Kirche, Bureaukratie sollen den Staat zusammenhalten: ihre Herrschaft bedeutet das Unterbinden jeden Fortschritts. Trotz alledem läßt sich auch Oesterreich nicht ganz vor ihm verschließen. Die Völker er- wachen auch dort zu eigenem politischen Leben, was zunächst die Form des Nationalismus annimmt. Sobald die Bureaukratie erkannte, daß sich diese Ten- denzen nicht mehr verhindern ließen, suchte sie, aus ihnen für sich Kapital zu schlagen: Divicke et irnpera, teile und herrsche, wurde ihr Grundsatz. Seit Metternich bildet die ständige Verhetzung der Nationen, um sie zu schwächen, ein beständiges Prinzip der österreichischen Regierungen. Sie merken nicht, daß sie mit dem Teilen um zu herrschen schließlich auf w" Teilung des beherrschten Gebiets, auf den Zerfall des Reichs hinwirken. Aber freilich, diese Methode ist für den Moment bequemer als jene, die verschiedenen Nationen zusammen- zuhalten durch Pflegung ihrer großen, gemeinsamen Interessen. Dank allen diesen Faktoren haben die nationalen Kämpfe in Oesterreich eine Ausdehnung und Schärfe erlangt, die jede gedeihliche Politik unmöglich machen, und gleichzeitig wachsen die Lasten des Militarismus, wächst das ökonomische Elend, so daß selbst unter d«, besitzenden, sonst staatserhaltenden Klassen verschiedener Motionen die Verzweiflung am Staat, der Abscheu gegen ihn wächst, sein Zerfall als eine Erlösung aus einer unerträglichen Lage betrachtet wird. Kleines Feuilleton. MIeltgescdicftte. Melrgescbickr«! O blutiger Bohn! Uralter Byrnnus auf die Borniertheit! Ulann, o wann kommt des Menfcbcn Sohn, der dich erlöst aus deiner Vertiertheit? Immer noch brütet die alte Hlacht grauenvoll über den Völkern der Erde, aber schon seh Ich rotlodernd entfacht 'flammen des©elftes auf ewigem Herde. freiheit und©leichheit und Brüderlichkeit jubelt die neugeborene Criae 1 freu dich, mein Bert» denn die goldene Zeit dämmert und predigen wird der hleslias! lebt in frieden und baut euer Zelt, viel ach» müßt ihr noch lehren und lernen; ein Bert schlägt durch die ganze Hielt, ein Seilt flutet von Sternen zu Sternen. Ruft drum als Losung von Land zu Land, Eins sei die hlensehheit von Zone zu Zone, erst wenn lie staunend lieh selbst erkannt, dann erst ist fie der Schöpfung Krone 1 _ Hrno Bolz. Die Luft im preußischen DreitlasienhauS. von einigen Land- tagsabgeordneten war die Klage erhoben worden, daß die Luft im Hohen Hause verbesserungsbedürftig sei, und es wurde der Wunsch ausgesprochen, man möge eine Ozonanlage einbauen. Das B«r- liner Hygienische Univcrsitätsinstitut wurde also beauftragt, die Luft- Verhältnisse des Abgeordnetenhauses zu untersuchen. Jetzt ist auf Grund der Prüfungen, wie die„Deutsche medizinische Wochenschrift" berichtet, der Wunsch der Abgeordneten vom Ministerium der öffent- lichen Arbeiten als unbegründet abgelehnt worden. Temperatur, Feuchtigkeit und Kohlensäuregehalt der Luft haben sich al» sehr günstig erwiesen, und die HcizungS. und Lüftungsanlagen funk- tionieren vorschriftsmäßig. Wie konnte also bloß die Meinung aufkommen, die Luft wäre schlecht? Daß unser Dreiklasscnwahlrecht zum Himmel stinkt, ist ja bekannt, aber daß die Luft im Abgcordnetenhause verpestet wird, im buchstäblichen Sinne verpestet wird, das ist neu. Donnernd fragt die Stimme des Volkes: Wer war der Mann? Nach den Ermittelungen jenes Instituts waren die Lust» Verhältnisse selbst am Schlüsse einer starkbesuchten Sitzung sehr gut. So wurde z. B. eine Temperatur von 17,8 Grad festgestellt bei 33 Prozent relativer Feuchtigkeit. Die Kohlensäurenmenge t» diu Nähe der R e d n e rt r i b ü y e betrug 0,07 Prozent. (Wer bei der Messung just geredet hatte, wird in dem Berichte leider nicht angegeben.! Gegen eine Ozonanlage spricht sich der Minister in einer be sonders boshaften Weise aus, die ihm wahrsckeinlich den Hals brechen dürfte. Er hält eine solche Anlage nämlich für unmöglich, weil dadurch narkoseähnliche Zustände hervorgerufen werden. Der Sinn dieser Wendung ist klar: für Schlafmittel braucht im Abgeordnetenhause nicht erst gesorgt zu werden. Eine gründliche und dauernde Lüftung wird natürlich erst möglich sein, wenn das elendeste aller Wahlrechte beseitigt ist. Erst dann werden die ländlich-schändlichen Gerüche verschwinden. Krieg! Krieg! Die Phrase von der Gefahr, die Deutschland droht, bat die Zeitschrift der„H a m m e r" in der Gluthitze sommer- licher Tage gründlich breitgeschlagen. Jedes nationale Dreck- blättchen fühlt sich heute berufen, den Schrei nach dem Krieg aus- zustoßen. Den Schrei nach dem Krieg, der einfach nicht mehr ab- zuwenden ist. Es ist eine schwere Zeit, in der wir leben, sagt der „Hammer" und trifft, weit ausholend, den Nagel der Argumente in einer Weise auf den Kopf, daß die Funken teutscher Begeisterung nur so sprühen. E« bestehen keine Zweifel mehr. Er kann heute kommen, er kann morgen kommen� Ter Krieg natürlich. Unsere Diplomaten, die immer nur die Oeffcntlichkeit beschwichtigen, wissen es am wenigsten. Bereit sein ist alles— und überhaupt und so. Die Zeit wird Männer schaffen. Nur stählerne Entschlossenheit und Tatkraft wird Deutschland zum Siege führen. Und so viel soll man wissen: „Wenn der Umschlag kommt, wenn eine untüchtige Regierung durch den Wirbelwind der Ereignisse verschwunden ist und wahr- haften Männern Platz gemacht hat, dann soll jeden der Gedanke an die Gewißheit erfüllen: daß, wenn Deutschland, das Land der Mitte, in seinem Bestände von einem ungeheuren Sturm bedroht wird, der Erdteil bis in? Innerste erbeben soll, die Länder wanken werden und die First-Eiche Europas donnernd selbst im Fall ganze Völker mit sich in den Abgrund reißen wird. Bleibt sie aber auf- recht im Sturme stehen, dann wehe denen, die fteventlich den un- geheuren Wafsengang heraufbeschworen haben, der den Deutschen, wenn er Sieger bleibt, zum Herrn und Gebieter Europa» machen wird." Eine schwungvolle Phantasie hat der„Hammer". Das muß man sagen. Aber das Phantasieren mit dem„Hammer" ist noch gefährlicher al» das Philosophieren mit dem„Hammer". E» führt merschtendeels in die Gummizelle. Hnmor und Satire« . D a s M ü n d e 1." Ein Idyll von Fritz Mack. Ein großstädtisches Animierlokal. Die Mehrzahl der Besucher junge GentS, deren Monatseinkommen im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Lebensgier steht. Aber— es ist alles da, was so den äußeren Gent macht: Lack- schuhe, durchbrochene Seidenstrümpfe, der neueste Binder, Stock mit Silberknopf.v e i b l i ch e n M a s s e n ch o r e s. Er setzte sich— gut 500 Stimmen stark— aus den Frauen- und Mädchenchören t Berlin-Norden, Süden, Osten, Neukölln, Charlottew bürg, Temvelhof, Tegel, Friedrichsfelde und Lichtenberg zusammen. Alles Massensingcn erfordert ja ein höheres Maß von' Biegsamkeit und Schmiegiamkeit der einzelnen Slimmkörper im gegenseitigen Kraftaustausch, als nun auch gleich hätte zum Vorschein kommen können. Aber die Frische und der auf den bisherigen Sänger festen fremdgeblicbene ungewohnte Timbre, mit welchen »Der Freiheil Maienritt", sodann zwei Volkslieder sHaideitröSlein, Mein Schatz ist ein Schmied) im dreistimmigen Satze vorgetragen wurden, erregten doch sofort jubelnden Beifall, dem natürlich die Konzertgeberinnen mit einer Zugabe begegneten. Chormeister Heinz B l e i l hielt die Masse straff zusammen. Der wie alljährlich die meisten Männerchöre Berlins und Unr gegend umfassende Massenchor war zweifelsohne mindestens ums Vierfache stärker. Man wird es entschieden gut heißen, daß Herr Jan E. d a n den Dries, der Bundesdirigcnt, möglichst neue, für einen Masfenchor geeignete Kompositionen erstmalig zum Vortrag bringt. Es ist das insofern von Wichtigkeit, als eine Norm für e i'n h e i't- I i ch e gesangskünstlerische Auffassung und Wiedergabe erzielt werden kann. Bei Zöllners„Wanderschaft" sprang sotaner Vor- zug entgegen anderweitigen Uebungen gleich in die Äugen. Wohl der jüugste aller Chöre ist der U t h m a n n sche„Am Strom", dem ein Gedicht voll eigenartiger sozialsymbolischer Beziehungen von Paul E n d e r I i n g zugrunde liegt. Sie ist wieder mal ein echter Uthmann: diese Komposition. DaS Gegensätzliche ist prachtvoll melodisch und sehr charakteristisch in Farbe und Rhythmus gestaltet. Soziales Schauen und tiefes Empfinden, ohne sentimentale Hinneigungen, führten dem Komponisten die Feder. Der Chor wurde, imposant wie er ist, vorgetragen. Die Herausarbeitung der textlich wie musikalisch bedingten Nuancen fiel vorteilhafr auf. Und dann gab es noch zwei Neuheiten, nämlich Chöre von Robert Schumann zu Dichtungen von Freiligrath: Schwarz« R o t- G o l d(vom Massenchor gebracht) und Titus Ulrich:»Zu den Waffen..."(dieser vom Berliner Sänger chor unter Chormeister Fr. Bothe klangschön gesungen). Die offiziellen Biographen Schumanns wissen von diesen und einigen anderen fast unmittelbar nach den Tagen der Berliner Märzrevolution entstandenen Kompositionen nichts. Man ist erstaunt über den Geist des zeit- sozialen Empfindens, das in so klare, realistisch-packende Melodie und Rhythmik umgesetzt wurde. Schumann, der Poet und romantische Gesühlsromantiker ein revolutionärer Musiker— man erlebt Wunder über Wunder! Zum Teil vortreffliche Gesangsleistungen spendeten noch sechs Einzelchöre. Der vokale wie namentlich der instrumentale, vom Berliner Konzert-Orchester unter seinem tüchtigen Diri- genten Franz von Blon ausgeführte Teil des Programms war so reich als abwechselnd geordnet. Ein nachmittags plötzlich herein- brechendes Gewitter mit wie aus Mulden geschütteten Regen- und Hagelschauern vermochte nur vorübergehend die Freude des in jeder Beziehung glücklichen Sängerfestes zu trüben. Die Anzahl der Be- sucher konnte wohl auf 20 000 geschätzt werden. Der Lorstand deS Deutschen Arbeiter-StenograPhen-BundeS (System Arends) teilt mit, daß infolge der heutigen Proiestversamm« lungen gegen den Krieg die Uebungsstunden in Groß-Berliu aus- falle»»._ Vorortnachrichten. Schöneberg. Aufhebung zweier Bnchmacherzentrale«. Zwei in der Haupt- straße und in der Kaiser-Allee nahe Kaiserplatz bestehende Buch- macherzentralen wurde gestern durch die«chöneberger Kriminal« Polizei aufgehoben. In der Zentrale in der Hauptstraße erschienen mehrere Beamte gerade in dem Augenblick, als dort ein Gastwirt. mit einer größeren Geldflmime und einer Anzahl Wettzettel ankam, um die Einsätze seiner Stammgäste zu überbringen. Geld und Wettzettel Ivurden beschlagnahmt. Zu gleicher Zeit wurde auch die zweite Buchmacherzentrale in der Kaiser-Allee aufgehoben; dort wurden größere Geldbeträge und eine Menge Belastungsmaterial beschlagnahmt. Bernau. Ein räuberischer Ueberfall wurde am Sonnabendabend in der Zeit von 8 bis 9 Uhr auf der Chaussee zwischen Bernau und dem Dorfe Rüdnitz verübt. Der Oberpostschaffner Krebs, Berlin wohn- hast, wollte mit seiner Frau in dem Dorfe Melchow, einer Station hinter Biesenthal, Verwandte besuchen. Von der Station Bernau aus benutzte Krebs sein Fahrrad, während seine Frau mit der Bahn weiter fuhr. Als K. die oben erwähnte Chaussee am Wald passierte, sprangen plötzlich zwei junge Burschen hinter einem Baum hervor. Während der eine aus einem Revolver schoß, hieb der andere mit einem Stocke auf den Postschaffner ein. Einige Schüsse ver- fehlten ihr Ziel, zwei jedoch streckten den Ueberfallenen zu Boden. Jetzt verlangten die Verbrecher unter fort- währendem Schlagen Geld, worauf der Uebersallene 10 Mark herausgab. Nur dem Umstände, daß in demselben Moment ein Automobil der Firma Peel u. Cloppenburg herannahte, ist es zu verdanken, daß die Burschen von dem Ueberfallenen abließen und die Flucht ergriffen. K. wurde sofort mit demselben Automobil nach dem hiesigen städtischen Krankenhause übergeführt. Außer der Schußverletzung hat der Uebersallene schwere Schlagwunden, be« sonders am Kopfe, davongetragen. Das Fahrrad des K. lvurde später im Walde gefunden. Obwohl von der hiesigen Polizeibehörde sofort an die Verfolgung und Ennittelung der Täter geschritten wurde, fehlt bisher von denselben jede Spur. Wannsee. Mit dem zwischen Regierungsvertretern und Vertretern der Gemeinde abgefaßten Protokoll über die Eingemeindung umfang- reichen fnrstsiskalischen Terrains hinter dem»Schwedischen Pavillon" hatte sich die Gemeindevertretung in einer früher als üblich ein- berufenen Sitzung zu beschäftigen. Die Vertretung erklärte nochmals ihre Zustimmung zu dem Protokoll; dieRegierung soll um Beschleunigung der Angelegenheit sowie darum gebeten werden, daß vor der Ein- geineindung kein Land mehr verkauft wird, iveil dadurch der Ge- meinde die betreffenden Steuererträge entgehen. Durch Einwirkung des Zweckverbanies ist es glücklicherweise gelungen, das llfergelände am Wannsee de. Bebauung zu entreißen, die Gemeinde will hier ' später schone Promenaden anlegen. Da bereits eine Anzahl Grund- stücke verkauft sind, so dürfte in nicht allzu langer Zeit ein völlig neuer Ortsteil entstehen. Für die Uebernahme einer neuen Straße in Kohlhasenbrück hatte die Gemeinde eine Geldentschädigung und die Befolgung der Bestimmungen des Ortsstatuts verlangt. Der Kreis Teltow antwortete, daß die Straße nicht anbaufähig" fei und den Bestimmungen nicht zu entsprechen brauche. Auch wird bezweifelt, ob alle Straßen in Wannsee dem Ortsstatut entsprechen. Von einer Geldentschädigung könne keine Rede seine, weil der Eisenbahnfiskus die Unterhaltung während der ersten vier Jahre übernehme. Beschlossen wurde, von einer Geldentschädigung abzu- sehen, aber wenigstens die vorschriftsmäßige Breite von 12 Meter zu verlangen. Der Männerturnverein Wannsee ersucht in einem Schreiben um 100 M. zu einem Bezirksturnfest; er betont, daß er auf vaterländi- schein Boden stehe. Die Gemeindeväter bewilligten für diese patrio- tische Zusicherung 200 M. Außerdem soll der Fcstplatz von Ge- meindearbeilern planiert werden, was auch noch ca. 150 M. kostet. Für unsere„Freie Turnerschaft" hatte dieselbe Vertretung nicht ein- mal eine Antwort, als sie um Benuntzung der Turnhalle angegangen wurde.— Ein Vertreter der dritten Klasse, Juslizrat Schmidt-Kohl- hasenbrück, ist zurückgetreten. Beschlossen wurde, von einer Neu- wähl vorläufig abzusehen.. Allem Anschein nach besteht die Befürch- tuug, daß auch einmal ein Sozialdemokrat in das Rathaus einziehen könnte. Martendorf. Fericnspicle. Am Mittwoch, den 29. Juli, findet ein Ausflug nach Lichterfelde, Lokal Wahrendorf, Bäkestratze, statt. Treffpunkt uin 1 Uhr am Rathaus. Rückfahrt von dort um 8 Uhr. Die Eltern werden ersucht, den Kindern Vesper und Abendbrot sowie 20 Pf. Fahrgeld mitzugeben._ Sitzungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Nowawes. Heute Mittwoch, nachmittags b Uhr, im Rathause. Diese Sitzungen sind Sfscnllich. Jeder Gcmcindcangchörige ist be- rechligl, ihnen als Zuhörer beizuwohnen. I Herren im Geheimen zu einer Komödie zu machen gesucht. ! Als die Massen vor dem Krankenhaus erschienen, wurde bekannt, die Leiche sei bereits am Morgen nach Wilhelms- bürg übergeführt worden. Die Hamburger Polizeibehörde, die — welch glücriiches Zusammentreffen— bereits von de r Umrcdi- gierung aller Anordnungen Kenntnis hatte, schickte einen Kommissar nach dem Krankenhaus, der dem Bevollmächtigten der Ham- burger Metallarbeiter mitteilen mußte, die Genehmigung zu dem Leichenbegängnis über Hamburger Gebiet sei zurück- gezogen. Zwar gingen Tausenoe bei Bekanntwerden dieses Streiches nach Hause; andere aber propagierten den Gedanken. nun erst recht den Leichenzug zu formieren. Um auf dem schnellsten Wege Wilhelmsburg zu erreichen, strömten die Massen durch den Elbtunnel in das Freihafengebiet. Dort bildete sich der Zug, der, als er Wilhelmsburg erreicht hatte. trotz allem auf etwa 4000 Personen angeschwollen war. Zur Beerdigung, die bereits ihren Anfang genominen hatte, kam. der Zug eben noch zurecht. Nachdem der Priester voin Graba zurückgetreten war, ehrte Genosse W. K o ch das Andenken des Toten durch einige treffende Worte, in denen er die Ver- dienste der deutschen Werftarbeiter um die Schiffsbaukunst hervorhob. Das Andenken des Verstorbenen»verde am besten geehrt durch das Gelöbnis, alles zu tun,»vas einem erhöhten Schutz des Lebens und der Gesundheit der Werftarbeiter dienlich sein könne. Zahlreiche Kränze»vurden niedergelegt. Darunter einer von 300 Bielefelder Metallarbeitern, die zu kurzem Ferienaufenthalt in Hamburg weilen. Die kopflose Furcht vor der demonstrierenden Masse der Werftarbeiter war den Hintermännern des provozierenden Streichs vom Sonntag ein schlechter Berater. Diese Ver- höhnung der Bergarbeiter hat aufrüttelnder geivirkt, als viele Versammlungen und Agitationsreden. Die Herrenmenschen der Hamburger Seeschiffswerftcn mögen nur so fortfahren. Versammlungen. Verband der Brauerei- und Mühlenarbcitcr. Di« Ortsver- waltung Berlin hielt am Sonntag ihre Ouartalsversammlung ab. Den Bericht vom Gewerkschaftskongreß erstattete T r ö g e r, der insbesondere die Frage der Grenzstreitigkeiten behandelte. In der Diskussion bemängelte ein Redner, daß aus dem Gewerkschafts- kongreß keiu einziger Delegierter der Brauer das Wort ergriffen habe. Hierauf berichtete I e r i s ch vom letzten Vvbandstag der Brauerei- und Mühlenarbeiter. Der Redner bezeichnete es als erfreulich und notwendig, daß der Perbandstag zu einer Beitrags- erhöhung gelangt ist. An den Bericht schloß sich einer Diskussion. Ein Redner meinte unter anderem, daß die Erhöhung der Beiträge gerade nicht so erfreulich sei. In der»»eiteren Debatte wurde ge- Wünscht, besonders mit Rücksicht auf die älteren Mitglieder, daß der Verbandstag die Dauer des Unterstützungsbezuges verlängert hätte. Hodapp griff auch ein und ging im einzelnen auf die Ausführungen der Redner ein. Zuletzt wurde auf einen Antrag hin die Diskussion über den Verbandstag bis nach Erscheinen des Piwtokolls vertagt.— Hierauf gab Hodapp den Ges chäfts- und Kassenbericht. Die Konjunktur war bis jetzt noch nicht gut.»Sesscrung ist erst von jetzt an zu erwarten. Des»»eiteren erörterte der Redner die einzelnen Betriebsverhältnisse und die Durchführung der abgeschlossenen Tarifvcrträge. Es sind dabei mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden, auch mußte das Eini- guirgsamt schon in Funktion treten. Es haben im letzten Viertel» jähr 100 Verhandlungen mit den Unternehmern stattgesunden.— Die Einnahmen betrugen 29 409,30 M., die Ausgaben 24 682,58 M. An die Hmlptkasse gesandt wurden 4726,72 M., macht eine Gesamt- ausgäbe von 29 409,30 M. Die Lokalkasse zeigt eine Ein» nähme von 7 381,32 M., der eine Ausgabe von 66:14,23 M. gegenübersteht. Bleibt eine Mehreinnahme von 767,09 M. Zu bemerken ist noch, daß der Vorstand am 16. März dieses Jahres beschloß, allen arbeitslosen Kollegen, welche bis zum 24. März 1914 ausgesteuert wurden, eine Extraunterstützung von 21 M. zu gewähren. Die Unterstützung betrug pro Tag 1 M. und durfte nur für arbeitslose Tage gezahlt werden. Unterstützt wurden 170 Kollegen mit 2545,50 M. Die Versammlung»vahlte sodann 9 Beisitzer zum Hauptvorstand. vtattonen Swmemde. Hamburg Berlin Franks. a.M München Wien So II s? 750®®» 749SSW 75ÜWSW 754SW 75KSW 755SW Wetter »K ti* xi\\ h wSj llbalb bd. 4 bedeckt tzbcdcckt Ljbedeckt 4Regen l.wolkig Stationen Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris LS |£ 2= &=■ 754 -- 3 Sf NO Leranttoorilichcr Redakteurl Albert Wach», Berlin. Für de, Ms aller Velt. Eine Totenfeier. ES vergeht kaum ein Tag, in dem in Hamburg nicht ein mehr oder minder schwerer Unfall ans den Wersten bekannt wird. Die Arbeiterschaft weiß, daß diese Unfälle in der kaum noch zu steigernden Intensität der Arbeit ihre Ursache Jaben und verlangt seit Jahren Garantien für eine erhöhte Sicher- heit ihres Lebens und ihrer Gesundheit.• Der Gerüstbau soll mit größerer Sorgfalt geschehen, gefährliche offme Stellen sollen wie an jedein anderen Bau abgedeckt werden und ge- nügend Abgänge sollen dem Arbeiter jederzeit den Austveg ins Freie bieten. Dies bescheidene Bestreben beantworteten die Werftgewaltigen mit Brutalitäten. Diejenigen Arbeiter, die im Verdacht standen dem Verband über die Unfälle statistisches Material zu liefern, wurden entlassen oder mit Entlassung bedroht. Allein seit Januar 1914 wurden 200 schwere Unfälle gezählt. Diese Tatsachen hielten die Werst- arbeiter fortdauernd in erbitterter Spannung. Die Brandkatastrophe am 20. Juli auf der Werft von Blohm u. Voß, bei der eine ganze Reihe von Arbeitern die schwersten Brandwunden erlitt und der Arbeitsbursche Nyczka nur als verkohlte Leiche geborgen werden konnte, trieb die empörten Werftarbeiter in zwei Riesenversammlungen, in denen die Ur- fachen der Unfälle überhaupt, wie der Brandkatastrophe im besonderen lebhaft erörtert»vurden. Die Katastrophe hätte sich in ihren schweren Folgen mildern, wenn nicht ver- meiden lassen, wenn beim Bau des Docks nur die Vorsichtsmaßregeln angewendet»vorden wären, die beim Schiffneubau schon üblich sind. Es fehlten die Schlußplattcn, die den vom Feuer überraschten Arbeitern einen Ausgang gestattet hätten, es fehlten die Aufrichter, an denen herunter die Arbeiter sich hätten retten können. Vom Dock herunter führte nur eine einzige Leiter. So kam es. daß die Arbeiter zum Teil heruntersprangen und mit gebrochenen Beinen und anderen Verletzungen liegen blieben. Die Ver- sammlungen gingen auseinander mit dem einstimmigen Ent- schluß, ihrem jungen, so gräßlich geendeten Verbandskollegen das letzte Geleit zu geben.' Die Beerdigung war auf den Sonntagnachmittag 1 ff, Uhr angesetzt. Von dem unmittelbar am Hafen auf der Elbhöhe legenden Hafenkrankenhaus sollte sich der Leichenzug auf fast zweistündigem Wege um den Hafen herum nach dem preußischen Wilhelmsburg bewegen, wo der unglückliche junge Arbeiter seine letzte Ruhestätte finden sollte. Lange vor der festgesetzten Zeit»vogten vor dem Hafenkrankenhaus die Menschenmassen. Aber was eine selten ernste Totenfeier und zugleich ein wuchtige Demonstration für den Schutz des Lebens der Werstarbeiter werden sollte, das hatten einflußreiche»>+ b-deut-t Wuchs.- Fall.-») Nnterp-g-l. "Inseratenteil vcranto.: Th.G locket Berlin. Druck».Verlas: Vorwärt» Buchdruckerei u. LalagSanstaU Paul Singet St Co, Berlin SW. Kleine Notize«. Ein Blitzschlag setzte ein FamiliemvohnhauS des posenschen Rittergutes Popowo in Flaimnei». Die Belvohner schliefen bereits und konnten nur mit Mühe das nackte Leben in Sicherheit bringen. Bei den Rettungsarbeiten gerieten jedoch drei Arbeiter uiid drei Kinder in die Flammen und verbrannten. Die sechs Unglücklichen konnten nur noch als verkohlte Leichen aus den Trümmern hervor- gezogen werden. Folgen einer Benzinexplosio«. In Stolberg(Rheinland) entstand, wie die„Kölnische Volkszeitung" meldet, infolge einer Benzinexplosion in einem Goldwaren-»md Uhrengeschäft ein Brand. Sechs Personen wurden schwer verletzt und drei Kinder als verkohlte Leichen auS den Trümmern geholt. Ein Arbeiter stürzte sich aus dem zweiten Stock in den Hos und wurde schwer verletzt. Der Geschäftsinhaber wurde wegen Verdachts der Fahrlässigkeit verhastet. §rauen-Leseabenüe. Britz-Buckow. Morgen Mittwoch, abends'1,9 Uhr. bei Becker, Chausseestr. 97: Vortrag der Genossen Frau M. Dcmmning über: Frauen« arbeit und Frauenlöhne. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Direktion über den Großhandel in den Zcntral-Markthallen.(Ohne Verbindlichkeit.) Montag, den 27. Juli. Fleisch: Rindfleisch per 50 kg Mark: Ochsen- fleisch Ta 73-85, do. Ua 72—75, do. lila 60-70; Bullenflcisch la 70—80, do. IIa 65—69; Kühe, fett 44—57, do. mager 35—46, Fresser 58—65, do. dän. 55— 65; Bullen, dän. 55—69. Kalbfleisch: Doppellcnder 105—130; Maslkäiber la 90—100, do. IIa 77— 89; Kälber gcr. gen. 48—62. Hammel- fleisch: Mastlämmer 90— 95; Bammel la 79—89, do. IIa 71—78, do. austral.— ,—; Schafe 76—82. Schweinefleisch 54—59.— Eier: Landeier schock 3.50—3,90; Trinkeicr 4,00—4,20.— Butter: Molkereibuttcr ver 50 kg 95—110; Landbulter 80— 90.— Gemüse, inländisches: Kartosseln, neue weiße Magdeb. 4,50— 4,75, blaue do. 5,00—5,50, weiße Kaiserkronen 3,75— 1,00, Rosen 4,75—5,25; Porree Schock 0,50—1,00; Spinat 50 ker 10,00—15,00; Schoten 8,00—12,00; Mohrrüben 50 k