Ar. 204. flbonnmentS'BtdinguiWD: IllionnemcntS> Preis Planum crand« Vierleljährl. 3�0 MI. monaL.!,I0 Mi, wachenlü» LS Psg. frei WS Hau». ?inze!ne Nummer 5 SSfg. EonnlagS« nunimer mit illustrierter EonntagS- Beilage.Die Neue Well' 10 Pfa, Poit- Kicnncmtnt: 1,10 Mari pro Monat, eingetragen in die Post-ZeitungS- Prei-iisle. Unter Kreuzband für Dewichland und Oesterreich. Ungarn L30 Marl, für das übrige UuSIand » Marl Pro Monat Postabonnemew» nehmen an: Belgien, Dänemarh Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schwee 31. Jahrg. VIe TnfertionS'Gebüftr vekSgt für die sechsgespalteno kolonel- gelle oder deren Raum KO Pfg„ für politische und gewerlichastliche Bercin-Z. und Versammlung--Anzeige» M Pig, „Uleine Anr-ig-n", das settgedriulie Wort 20 Psg. fzuläsftg Lfettgcdrullte Worte), jede- weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenan- vlchiliit IZgflch. Zevlinev Volllsblnkk. «eigen das erste Wort 10 Psg,, jede» weitere Wort S Pfg, Worte über 12 Buch- slaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition iU bis 7 Uhr abendZ geöffnet, relegramm-Adreffe: „SozlallUmolint Rirliii". Zcntralorgati der rozialdcmokratifchcn parte» Deutfchlands. Redaktton: SRI. 68, Lindcnstrasse 6g, Fernsprecher: Amt Moriüplak. Nr. 1S8Z. Mittwoch, den 29. Juli 1914. Expedition: SÄl. 68» I�indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Die Kriegserklärung gegen Vernunft unü Volk. 'Wien, 28. Juli. Eine Extraausgabe der„Wiener Zeitung" enthält im amtlichen Teil folgende Bekanntmachung .Kriegserklärung. Auf Grund Allerhöchster Entschließung Seiner K. und K. apostolische» Majestät vom 28. Juli 1914 wurde heute a» die Königlich serbische Regierung eine in französischer Sprache abgefaßte Kriegserklärung gerichtet, welche in deutscher llebersetzung folgendermaßen lautet: Ta die Königl. serbische Regierung die Rote, welche ihr vom österreichisch-ungarischcu Gesandten in Belgrad am 23. Juli 1914 übergeben worden war, nicht in befriedigender Weise beantwortet hat, so sieht sich die K. und K. Regierung in die Notwendigkeit versetzt, selbst für die Wahrung ihrer Rechte und Interessen Sorge zu tragen und zu diesem Ende an die Gewalt der Waffen zu appellieren. Oesterreich-Ungarn betrachtet sich daher von diesem Augenblicke an als im Kriegszustände mit Serbien befindlich. Der österreichisch-ungarische Minister des Aeußern. Graf Bcrchtold. Oesterreich hat der faktischen Erklärung des Kriegszu� standes, die es durch den ostentativen Abbruch der diploma' tischen Beziehungen zu Serbien vollzogen, am Dienstag auch noch die formale Kriegserklärung folgen lassen. Selbst wenn diese papierene Drohung nicht alsbald durch militärische Operationen unterstrichen würde, wäre das eine neue, uner hörte Provokation, ein neuer Faustschlag ins Gesicht aller politischen Vernunft, eine neue Verhöhnung der friedliebenden Mehrheit der Nationen. Die Situation ist doch wahrlich ohnehin so gewitter schwanger, daß das Hagelwetter sich jeden Augenblick entladen und die Fluren Europas in eine Wüste verwandeln kann. Was soll da noch obendrein die neue Brllskierung? Daß aber die Mehrheit des Volkes der leidenschaftlichste Gegner des Krieges und der Kricgsprovokationen ist, das dürfte der Dienstag wenigstens selbst allen nickt ganz der- nagelten Hurrapatrioten betviesea haben. Waren doch nicht nur die sozialdemokratischen Parteivcrsammlungen in Groß-Berlin und überall im Reiche glänzend besucht, sondern hatten doch sogar die wildesten Drohungen unserer Kriegs treiber und die umfassendsten strategischen Maßnahmen der Polizei imposante Straßcnkundgebungen nicht zu verhindern vermocht. Ja, sogar das Unerhörte geschah: Unter den Linden, wo sich Tausende und aber Tausende von Menschen drängten, er- schollen plötzlich Rufe, die sich orkanartig fortpflanzten. Aber nicht das nnlitärisch- knappe„völkische" Hurra war es. was da erklang, sondern das volltönige proletarische Hoch, das dem Völkerfrieden dargebracht wurde! Beiläufig: Welch bemitleidenslverte Kurzsichtigkeit auch der deutschen Regierung, selbst in dieser Situation den Ar- heitern, deren Fäuste man doch bei einem Kriege so nötig ge- braucht, das zweierlei Maß so aufreizend vor Augen zu führen.' So lange der„patriotische" Janhagel sich Unter den Linden austobte, blieb die Leibgarde des Herrn v. Jagow neutral. Solange diente die Straße nicht dem Verkehr, sondern als Tummelplatz chauvinistischer Deliranten. Aber sobald der Kern des Volkes, die Arbeiterklasse. sich zu Kundgebungen anschickte, erfolgte prompt die S p e r- ru n g für Demonstrationen! So prägte man es dem deutschen Proletariat von neuem ein: Ihr habt Wohl das Recht, Euch vom Feinde die Knochen entzweischicßen zu lassen, aber Straßendcmonstrationen darf nur die goldene Jugend ver- anstalten! Daß die weise Fürsorge des Herrn v. Jagow wieder einmal vorbeigelungen war und das Friedenshoch denn- noch immer wieder die Protcstrufc der„Nationalen" verschlang, entschuldigt in keiner Weise dir Aus- nahmebehandlung der Arbeiterklasse. Denn, ganz abgesehen von allerhand kavalleristischen Uebnngen aus dem Hauptdemonstrationsplatze selbst, war ganz Berlin mit einem dichten Netz von Schutzmannsketten umsponnen worden, das nicht einmal an der Peripherie der Stadt, in den weitläufigen Ouartieren der Arbeit selbst, eine Demonstration aufkommen lassen wollte. Auch dieser Zweck wurde ja durch- aus nicht erreicht— aber ist es. so fragen wir immer wieder, nicht eine geradezu kriegsbegeisternde patriotische Auf- munterung für die Arbeiterklasse, daß man ihr unmittelbar vor dem drohenden Kriegsausbruch noch einmal ihr ganzes Helotentum im dräuenden Zeichen des Schutzmannssäbels und des Brownings zu Gemüte führt?! Das Berliner Proletariat, die deutsche Arbeiterklasse Ha: sich nicht einschüchtern lassen, die arbeitende Bevölkerung hat mit allem Nachdruck bekundet, daß sie den Frieden will! Ta ist es wirklich an der Zeit, daß auch die deutsche Regierung, die ja ihre Friedensliebe so entschieden betont hat, die ernst lichen Beweise dieser Gesinnung liefert. Oder sollten die ver wortlichen Stellen wieder einmal nicht gegen die unverant- wortliche Ncbenregierung auskommen können? Die Intervention der Mächte ist jetzt die Vorbedingung der Aufrechterhaltung des Friedens. Deutschland und Italien, die Verbündeten Oesterreichs, sollen ja neben England und Frankreich schiedsrichterlichen Einfluß üben. Günstigere Bedingungen kann Oesterreich doch gar nicht erwarten. Wenn es trotzdem Obstruktion treibt und über Serbien herfallen will, so hat die deutsche Regierung es eben zur Raison zu bringen! Die deutsche Ausrede gegenüber England: ja wir sind f ü r internationale Schlichtung, aber nur, wenn Oesterreich nichts dagegen einzuwenden hat, ist direkt Unsinnig. Wenn Teutschland als Verbündeter Oesterreichs alle Unbesonnen heitcn Oesterreichs in einem Meer von Blut ausbadcn soll, so ist Teutschland doch kein Statist, sondern vollberechtigter Kontrahent! Und was soll es anders heißen, wenn Teutschland dem Gedanken zur Konferenz mit der Anregung begegnet, daß es besser wäre, wenn die Kabinetts selbst sich an Rußland und Oesterreich wendeten, als daß die unheilvolle Affaire verschleppt und kompliziert werden soll! Solche. Verschleppung der Ausgleichsverhandlungen ist aber ein. Verbrechen angesichts Oesterreichs erneutem Aus- trumpfen, angesichts der bereits losgegangenen Gewehre im Grenzgebiet, angesichts der Mobilisationen, die den Völkern schon allein ruinöse Opfer auferlegen! Oesterreichs Kriegsproklamation erklärte erneut aller politischen Vernunft den Krieg. Und wenn das trotz aller Warnungen den herrschenden Klassen noch immer nicht auf- dämmert, dann ist es Sache der Schlachtopfer dieser Wahn- sinnspolitik, dem Verständnis der Regierungen auch ferner ganz energisch nachzuhelfen! Auf die Mobilisierung der Mächte gibt es nur die eine Antwort: die dauernde Mobilisation öes Volkes! Der Kriegsprotest öes Proletariats. Der absurde Schwindel, datz das Volk in seiner Mehrheit von Kriegsbegeistcrung befallen sei, wurde am Dienstag von der Arbeiter- chaft gründlichst zuschanden gemacht. Während bisher Unter den Linden etliche tausend allteuischer Studenten und anlisemilischer HandlungS- gehilfen unier geschickter Ausnutzung der Staffage, die ihm die übrigen Tausende eines harmlos neugierigen Publikums abgaben, „Voll" gemimt und einen tollen Hexensabbat aufgeführt hatten, trat am Dienstagabend wirklich einmal Voll auf die Bildfläche. Ernstes, reifes, vom Schweißgeruch schwerer Arbeit durchträuktcs Volk. Männer und Frauen. Und nicht nach Tausenden zählten diese Arbeiterbataillone, die in düsteren Massen die dreißig Versammlungs- lokale zum Brechen füllten und viel zahlreicher noch die Straßen, sondern nach Zehntausenden, vielen, vielen Zehntausendcn. Wer vermöchte eine auch nur annähernde Schätzung der Volks- menge geben, die sich zum Kriegsprotest aufgemacht hatte. In allen Stadtteilen umlagerten sie tausendweise die abgesperrten Ver- sammlungslokale, füllten sie die langen Stratzenzüge tvie ein wogendes Meer. Hier war die Masse, hier schlug das Herz des Volkes und hier hätten unsere Chauvinisten, wenn sie überhaupt der Belehrung fähig wären, lernen können, daß nicht blinder Kriegstaumel die Hirne umnebelt, sondern leidenschaftlicher Friedenswille und lodernder Ingrimm gegen die niederträchtigen Kriegshetzer die Ge- müter erfüllt. Wie könnte das auch anders sein bei einer Klasse, die von den Herrschenden letzten Endes immer nur als Arbeitstier behandelt wird, deren karge Futterrationen man noch weiter durch Hintze- gardisten und Verbot des Streikpostenstehens zu kürzen versucht und der man höhnisch Jahr um Jahr das gleich Bürgerrecht verweigert Wie könnte das auch anders sein bei einem politisch geschulten Proletariat, dem nicht nur Unternehmertum, Unterofsiziere und Schutzleute Tag um Tag das Gefühl ihrer Minderwertigkeit ein- bläuen, sondern daS auch aus dem großen Lehrbuch der Geschichte gelernt hat, daß auch der siegreichste,„glücklichste" Krieg der Arbeiter- klaffe nur die schwersten Wunden schlägt. Kein Wunder, daß da den Reden unserer Genossen da? leiden- schaftlichste Echo entgegenscholl, daß sich in den Mienen der Hörer die Empörung über die aberwitzige Zumutung spiegelte, daS Volk des tollen serbischen Abenteuers wegen vor die Kanonenschlünde zu treiben. Die Redner schilderten bündig und markig die ganze Ungeheuer- lichleit der politischen Situation und ihre Ursachen. Sie zeigten. wie aus den Bestrebungen nach nationaler Zusammenfassung und wirtschaftlicher Expansion auf feiten Serbiens und aus Oesterreichs Annexionspolitik der Konflikt hervorgegangen, der durch daS Attentat serbischer Fanatiker verschärft und vergiftet wurde. Statt billige Genugtuung zu verlangen, provozierte nun Oesterreich den Kriegsfall durch sein unannehmbares Ultimatum. Und nun drohen Rußland, Deutschland und Frankreich in den furchtbaren Strudel hineingerissen zu werden. Die Bündnis- und Prestigepolitik ist die Kette, durch die man die friedliebenden Nationen zur Schlachtbank zerren will. Alle Regierungen beteuern den Frieden— aber alle wollen kriegs« bereit ihre Verbündeten nicht im Stiche lassen. Und unverant- wortliche, aber einflußreiche Stellen schüren noch verbrecherisch an der Verschärfung des Konflikts. Aber das Volt warnt alle Verantwort- lichen nachdrücklichst vor der ungeheuren Blutschuld! Es will den Frieden, de» Frieden um jeden Preis. Daxum macht eS den Re« gierungen zur heiligsten- Pflicht, sofort auf die. Entspannung der Lage dadurch hinzuarbeiten, daß es den Kampfhahnen gebietet„Hahn in Ruh" und durch internationalen. Schiedsspruch den Streit schlichter. Ein Nichtbetreten dieses Weges wäre ein unsägliche? Verbrechen an der Kulturmenschheil, daS sich an seinen Berübern furchtbar rächen müßte. Ihre einmütige Zustimmung brachten die Massen in allen Ver« sammlungen durch die Annahme folgender Resolution zum Ausdruck: Oesterreich hat mit seinem brutalen Ultimawm Serbien den Krieg erklärt. Mit unheimlicher Klarheit erkennen jetzt die Völker Europas die Gefahr, in welche sie durch die ver- derbliche Politik der ohne ihre Zustimmung abgeschlossenen Geheimbündnisse geraten sind. Droht doch die Kriegsflamme augenscheinlich nach den anderen Ländern hinüberzuschlagen, ganz Europa in Brand zu setzen, unsägliche Leiden über das Menschengeschlecht zu bringen, alles zu vernichten, was in Jahrzehnten mühsamer Kulturarbeit errichtet worden ist. Diese Katastrophe mit aller Kraft zu verhindern, erachtet das klassenbewußte Proletariat aller beteiligten Länder, ein- gedenk der Beschlüsse der interngtionalen Kongresse in Sinti- gart, Kopenhagen und Basel, im gegenwärtigen Augenblick als seine dringendste heilige Aufgabe. Heldenhaft hat das- russische Proletariat dem blut- dürftigen Zarismus das drohende Menetekel vor Augen ge- führt. Es läßt sich weder widerstandslos ausbeuten, noch als willenloses Werkzeug zaristischer Gewaltpolitik miß- brauchen. Durch flammenden Protest haben das deutsche wie das französische Proletariat den Abscheu vor dem verbrecherischen Treiben der � Kriegshetzer zum energischsten Ausdruck gebracht. Auch das nächstbeteiligte österreichische Proletariat hat mit Entschlossenheit jede Verantwortung für das Verhalten einer Regierung abgelehnt. Es ist also nicht wahr, daß die großen Massen dieser Länder sich in kriegerischer Stimmung befinden. Sic lvollen vielmehr allen Chauvinisten zum Trotz den Frieden der Welt. Die Kriegshetzer sollen wissen, daß, wenn der Weltkrieg ausbricht mit allen seinen Leiden und Greueln, die durch ihn verursachten politischen und wirtschaftlichen Krisen mit un- erbittlicher Logik dahin führen, die durch den Imperialismus verblendeten Volksschichten aufzurütteln und der Sozialdemo. lratie in die Arme�u führen, die EntWickelung der kapitalisti. chen Gesellschaftsordnung zum Sozialismus mächtig zu be- chleunigen. Trotzdem setzt das Proletariat im Rainen der Menschlich- keit und Kultur seinen Friedenswillen mit Leidenschaft allen Kriegshetzern entgegen. Ebenso wie das Proletariat der übrigen beteiligten Länder verlangen auch wir mit aller Entschiedenheit, daß unsere Regierung sich nicht nur Zeder kriegerischen Ein- Mischung enthält, sondern alles tut, um die Kriegsfurie zu bannen, und zu diesem Zweck gemeinsam mit deu anderen Regierungen sofort dahin wirkt, dab der verderbenschwangere Konflikt schleunigst beseitigt wird. i. Die Gefahr ist groß! Es ist keine Zeit zu verlieren! Gerade wie die französischen haben auch die deutschen Arbeiter in diesem Augenblick die besondere Aufgabe, durch Einwirkung auf ihre Regierungen zu verhüten, daß die Völker dieser Länder österreichischer oder russischer Prestige- oder Eroberungspolitik geopfert werden. Nieder mit allen Kriegshetzereien! Hoch die inter- nationale Völkerverbrüderung! Jagows Demonstration. � Das hatte er sich wieder so fein ausgedacht, der große Stratege Jagow. Drei Tags und Nächte lang durste der patriotische Mob für den Krieg demonstrieren. U n d er bekam den Krieg. Aber anders, als es sich die patrio- tischen Schreihälse gewünscht hatten. Und das haben sie Jagow zu verdanken. Der bildete sich nämlich allen Ernstes ein. er könne der Arbeiterschaft das Demonstrieren verbieten. Ani vierten Tage, wo die Friedensfreunde demonstrieren wollten, verbot der geniale Feldherr alle Umzüge. So sollte der Anschein der Unparteilichkeit gewahrt und gleichzeitig den Arbeitern die Demonstration verdorben werden. Aber Jagow fällt ja immer in die Gruben, die er andern gräbt. Und mit ihm fiele» die Patrioten hinein, die ge- kommen waren, um zu sehen, wie die Sozialdemokraten am Demonstrieren verhindert würden. Tie Schutzleute mit ihrem Massenaufgebot inmitten des Volkes halfen den Eindruck der Kundgebung nur verstärken und provozierten immer neue Hochrufe auf den Völkerfrieden und immer neue Freiheits- gesänge. Und die Patrioten bekamen fürchterliche Prügel von den— Schutzleuten. Was sollte das Absperren aller Zugänge zur inneren Stadt, zu den Linden, zum Allerheiligsten des preußischen Klassenstaates? Was nützten die Schutzmannsketten auf allen Brücken? Was die Vorposten, die ausgestellt waren, um das Anrücken des Feindes zu signalisieren? Wenn man so plumpe Manöver sieht, lieber Jagow, dann richtet man sich danach ein. Und das tat die Berliner Arbeiterschaft. Sie sollte nicht nach den Linden kommen, und sie kam doch hin! Lange vor 8 Uhr war die bewaffnete Macht auf dem Posten. Viele der überfüllten Versammlungslokale, so das Moabiter Gesellschaftshaus, die Pharussäle, Kellers Konzertsäle, waren von vornherein abgesperrt. Hier und da war eine Art Stab versammelt, ein Vierteldutzend Offiziere, die eifrig gestiku- lierten und fortwährend auf die Uhr sahen, ob die Revo- lution denn noch nicht bald losginge. Bei einein dieser Stabs- guartiere war sogar eine rote Fahne aufgesteckt, die lustig im Winde flatterte. Sie diente allerdings, wegen der Bauten an der Nord-Süd-Bahn, den Wagen der Elektrischen als Signal, -aber es machte sich doch ganz pikant. io..,........., ,, Mit der Dämmerung wurden die Linden von Schutzleuten überschwemmt. Sie standen meist hinter Zeitungskiosken und Behzirfnisanstalten— was aber nicht so aufgefaßt werden darf, als hätte- man aus solche Weise sie vor Un- fällen bewahren wollen. Jagows Leute fürchten sich nicht, denn wovor sollten sie sich fürchten? Sie können ja, Wenns soweit ist, losdreschen, ohne daß sich eine Hand gegen sie er- hebt, gesäjtoeig« denn, daß ein Berliner Staatsanwalt eine Klage gegen sie erheben würde. Und sie haben los- gedroschen! Die Berittenen waren abgesessen und standen auf den Reitwegen herum. Hier und da ivaren in Hausfluren kleine Kriegslager eingerichtet. So konnte die Sache losgehen. Aber es kam anders, als Jagow dachte. Trotz allen Absperrungen füllten sich die Linden mit einer immer noch anwachsenden Menge. Gewiß waren viele Patrioten, Fremde. Neugierige, Spaziergänger usw. dar- unter, dabei auch manche Soldaten. Aber das geübte Auge erkannte doch, daß die große Mehrzahl der Zehntausende, die da aus-nmd abwogten, Arbeiter waren, anständig gekleidete, . ober richtige rote Arbeiter. Einzeln und in Trupps von Dreien oder Vieren waren sie herbeigekommen aus den Ver- sammlungen. Zu Fuß, mit Omnibussen. Straßenbahnen iisnj. Und wer da zweifelte, ob es wiklich Arbeiter wären, dem wurde aller Zweifel benommen, als bald hier bald dort die Marseillaise erscholl, als immer neue Hochrufe ausgebracht wurden auf den Völkerfrieden, und als die Menge sich immer geschlossener zusanimenballte. Da hielten die Polizeigewaltigen ihre Stunde für ge- kommen. Es ging ans„Säubern". Auf dem Promenadenweg sprengten die Berittenen zu Dutzenden umher, und kamen die Vertriebenen auf die Bürgersteige, so waren da andere Bertttene, die ihre Gäule in die Menge hineinspornten, wäh- rend zahllose Schutzleute zu Fuß' mit geübten Fäusten die Fliehenden in den Rücken boxten, daß sie übereinander stolperten. Das waren wieder echte Heldentaten— von hinten, gegen Wehrlose, Fliehende! Wir grawlieren, Exzellenz! Aber die Richtigen haben Sie ja auch hierbei wieder nicht erwischt, Herr von Jagow! Tie meisten Keile be- kamen die Patrioten, die Gasser. die Fremden. Die werden den Ruhm der Berliner Polizei zu künden wissen, daß er zu allen Himmeln schreit. Toll ging es auf dem Test des Bürgersteiges her, der zwischen der Neuen Wilhelmstraße und der Schadowstraße liegt. Hier konnte unser Auto nur langsam weiter. Die verprügelten Bürger versuchten sich zu uns zu retten. Flehentlich rief ein Herr in mittlerem Alter. den Hut in der Hand, wir möchten ihn mitnehmen.„Ich g e h ö r e j a n i ch t d a z u, i ch g e h ö r e j a n i ch t d a z u!" schrie er immer wieder, verzweifelt den Pferdehusen aus- weichend.„Gerade weil Sie nicht dazu gehören, bleiben Sie draußen!" antworteten wir. und retteten ein Kind, einen List- boy, vor Jagows Pferdefüßen. Die genannte Stelle der Lin- den ist ziemlich dunkel, und da konnten die Schutzmannsfäuste gut arbeiten. Wird das ein Weheklagen geben in den guten Familien! Aber immer wieder erschallen Hochrufe und Arbeiter- lieber. Die Demon st ratio n ist da, und Sie, Herr v. Jagow, haben sie geschaffen. Wir danken Ihnen, und mit uns. aber in anderem Sinne, werden Ihnen die Patrioten danken, die gestern die Hiebe so reichlich bekommen haben, die Ihre Unparteilichkeit, Herr v. Jagow, ihnen an den vorher- gehenden Tagen sä ritterlich geschenkt hatte! Gleiches Recht für alle. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist die Polizei plötzlich — ausgerechnet an dem Tage, da man eine Demonstration der Sozialdemokraten erwartete— zu der Einsicht gekommen, daß nunmehr der Demonstrationen genug wären. Der„Lokalanzeiger" wußte am Dienstag nachmittag zu melden: „In Hinsicht auf die besondere Sachlage ist gegen die patrio- tischen Umzüge unter den Linden, in der Wilhelmstraße usw. während der letzten drei Tage polizeilich nichts veranlaßt worden. obwohl mancherlei Verkehrsstörung damit verbunden lvar. Von heute abend ab werden aber in Berücksichtigung der Bedürfnisse des Verkehrs Umzüge nicht mehr zugelassen werden." Die Polizei macht also gar kein Hehl daraus, daß sie den „patriotischen" Radaubrüdern gestattet hat. was bei anderen Staats- bürgern aufs strengste geahndet, mit Säbelhieben und Gefängnis- strafen gejühnt wird. Gleiches Recht für alle! Wie prächtig wird hier wieder einmal jener Grundsatz demonstriert. Daß Sozial- demokraten minderen Rechts sind, wußte man längst. Hier bestätigt es die Polizei mit größter Offenheit selbst; das ist immerhin etwas wert. /to Schloß. Auf das Schloß hatte die Polizei, wie stets bei Arbeiterdemon- strationen, ihre Hauptsorge gewandt. Zwischen 7 und 3 Uhr standen die Schutzmannspojten auf den Brücken und Straßen, die zum Schloß führen, allerdings noch verhältnismäßig selten. Nach 3 Uhr wurden dagegen überall Ketten gebildet. Durch das geöffnete Tor des Marstalls sah man zahlreiche Schutzmannsgäule, während die Reiter davon noch auf Bänken für die späteren„schneidigen" Attacken Unter den Linden ausruhten. Auch einzelne Privathäuser wurden wieder mit kleineren Trupps der Polizrimannschasten belegt. Bis 8'/i Uhr war es rings um das Schloß recht still. Doch dann be- gannen die Genossen von der Königstraße und durch die Breite Straße, am Kaiser-Wilhelm-Deukmal vorbei nach den Linden zu ziehen. Die beaufsichtigenden Polizeioffiziere wurden etwas ner- vös, liefen hin und her, aber ließen die kleinen Züge zunächst noch durch. Erst von 10 Uhr ab wurde durch eine Kette dieser Weg ab- gesperrt. Zu gleicher Zeit schloß eine Polizistenreihe die Zugänge über die Brücken am Dom und am Zeughaus, so daß bald der Platz zwischen Schloß und Museen in öder Leere gähnte. Einem großen Teil der Demonstrierenden war dadurch der Weg zu den Linden abgesperrt. Um so ungestörter konnten dann die Schutzmanusgäulc Unter den Linden in die für den Frieden demonstrierenden Arbeiter hineinreiten, der Polizeisäbel. Als um 11 Uhr ein Trupp Genossen von den Linden her die Friedrichstraße an der Schützcnftraße passierte, gingen vier Schutz- leute ohne jede Ursache auf die Friedensdemonstranten mit dem blanken Säbel los und verletzten mehrere Personen in erheb- licher Weise, indem sie ihnen schwere Verletzungen beibrachten. Di« Schutzleute hatten auch nicht die geringste Ursache für ihr ganz unerklärliches Vorgehen. Den Hurrapatrioten gegenüber verhielt sich die Polizei anders. Die Versammlung im„B o I k S h a u s e" zu llharlittenburg war von über ölXX) Personen besucht. Nach Schluß der Versamm- lung wuchs die Menge auf ungefähr 1t> 000 Personen an. Auf dem Zuge durch die Berliner Straß« hielt ein starkes Polizeiaufgebot den Zug auf. Die Menge zerstreute sich durch Nebenstraßen, um in der Bismarckstraßs wieder in- voller Stärke zusammenzukommen. Die Polizei war immer hinterher. In der Grolmanstraße wurde blank gezogen, doch find Verletzungen bisher nicht bekanntgeworden. Die Polizei begleitete die Menge, wodurch die Demonstration eine außerordentlich lebhafte wurde. Demonstrationen in üer Staüt. Die Polizei hatte das Innere der Stadt nach Möglichkeit ab- gesperrt. Sie konnte trotzdem die Demonstration Unter den Linden nicht verhindern. Gar nichts vermochte sie gegen die Demonstra- tionen in der übrigen Stadt. Vor ObigloS Festsaal in der Koppenstrahe war die ganze Straße schwarz übersät, obwohl Unzählige ihr Heil in anderen Versamm- lungSlokalen versuchten. Da hielt es die Polizei für geraten, weitere Kreise auf den gewaltigen Andrang aufmerksam zu machen und drängte die Massen nach der Frankfurter Chaussee und nach dem Grünen Weg. Kurze Zeit darauf hatte auch schon die Per» sammlung ein rasches Ende genommen und nun ging eS in ge- waltigem Zuge nach der Friedenstraßc. Während an den Straßen zum Stadtinnern meist soviel Schutz- leute postiert waren, daß sie sich gegenseitig auf die Hühneraugen traten, war die Weinstraße schwächer besetzt. Drei, vier Stimmen riefen:„Durch". Aus vierzig, fünfzig-Kehlen tönte das Echo: „Durch, durch." Im nächsten Augenblick war die Kette gesprengt und die Schutzleute machtlos. Tausende kamen durch. Es zeigte sich jedoch, daß polizeiliche Verstärkung von der entgegengesetzten Seite heranrückte und so schlössen sich diese Sturmgesellen dem übrigen Zuge wieder an. Unter dem Gesang der Proletarierlieder und Rufen:„Nieder mit dem Krieg!",„Hoch lebe der internationale Völkerfrieden!" nahm man vor der Brauerei Friedrichshain Aufstellung und harrte des Ausmarsches der hier immer noch tagenden imposanten Ver- sammlung. Als hier Schluß war und die Menge zur Straße herab wollte, wurde sie mit stürmischen Hochrufen von den außen harrenden Tausenden begrüßt. Alles verschmolz zu einem Zuge und strebte unter den Hochrufen auf die völkerbefreiende, friedliebende Sozialdemokratie und den Proteftrufen gegen den Krieg dem KönigStor zu. Ein Wall von Polizeibeamten hinderte aber einen geschlossenen Weitermarsch, wenn auch einzelne Gruppen auf den Elektrischen und Autobussen hindurchkamen.„Nieder mit dem Krieg!" erscholl eS jetzt von all den im Sturm genommenen Vehikeln. Lange noch gab am KönigStor die gestaute Menge durch laute Rufe gegen den Krieg ihren Willen kund. Die Genossen der Schönhauser Vorstadt versuchten ebenfalls Züge zu for- mieren und, nach der Innenstadt in der Richtung auf den Hackeschen Markt zu abzumarschieren. Jetzt iraten die Schutzleute in Aktion, die in mehrfachen Ketten die Straßen in der mittelbaren Nähe des VersammlungSlolales abgesperrt hielten. Der an der Lottumstraße postierten ersten Kette reihte sich am Schönhauser Tor eine zweite an. So ging der Abmarsch nach der Innenstadt nur truppweise vor sich; die Polizeiketten wurden umgangen, und das Proletariat der Schönhauser Vorstadt bahnte sich ungehindert seinen Weg. Die Massen vor den PharuSsälen strömten die Müllerstrahe entlang nach dem Stadtinnern. An der nächsten Straßenkreuzung stand eine SchutzmannSkctte, welche vorläufig noch alles durchließ, bis ein wohlgeordneter Zug mit Gesang nahte. Da wurde die Straße so- fort gesperrt, und der leitende Offizier gab das Kommando zum blank ziehen. Jetzt flutete alles zurück. Der«Zug formierte sich aber wieder und zog dann eine nach Tausenden zählende Menschenmasse die Querstraßen, am Nordhafen vorbei. Als der Zug durch hie Scharnhorstftraße zog, verstummten in der Nähe des Kran- kenhaufes die bis dahin gesungenen KampfeSlieder. Ein Eindringen! in das Stadtinnere ist aber nicht möglich, da die Alsenbrücks brücke, sowie Kronprinzenbrücke mit je einem zirka 30 Mann starken SchutzmannSkordon gesperrt waren. Der Zug bewegte sich dann durch die Jnvalidenstraße und verlor sich dann im Stadtteil Moabit hinein. Nach Schluß der Versammlung im Gewerkschaftshausc zog eine nach Tausenden zählende Menge, die noch durch Ver- sammlungsbesucher aus dem 4. Kreise verstärkt wurde, die Adal- bert-, die Wrangelstraße, am Wasser entlang bis zur Oranienbrücke entlang. Dort wurde der Zug von einem großen Schutzmanns- aufgebot auseinandergesprengt. Die Polizei verlor vollständig ihre Ruhe, sie schlug mit Fäusten auf die Menge ein und suchte sie zurück- zudrängen. Unter Absingen der Marseillaise, des Sozialisten- Marsches und unter Hochrufen fiir den Frieden zog die Menge zum Kottbuser Tor, wo sich ebenfalls VetsammlungSbesucher aus Neu- kölln anschlössen. Die Polizei war überall eifrig bemüht, den nach Tausenden zählenden Zug auseinanderzusprengen. Noch um 10>l Uhr war die Oranienbrücke dicht besetzt, und erst eine Abteilung Be- rittener konnte den Zug zersprengen. Tie Begeisterung der Massen war überwältigend. Gegen 11 Uhr löste sich der imposante Zug auf. » Zu Zehntausenden bevölkerten die Neuköllner Genosse» die Versammlungsgebäude und die umgebenden Straßen. Vom Ring- bahnhof zum Rathaus eine ewig wogende Menschenmenge. Und drinnen im Deutschen Wirtshaus Kopf an Kopf saßen die Demonstrierenden. Glühenden Auges saßen diejenigen, die im Kriegsfall daran glauben müssen, die Faust ballend unterbrachen sie des öfteren den Redner durch stürmische Zustimmung. Tort graue Proletarierfrauen, die tränenden Auges daran dachten, daß sie durch die leichtfertige Kriegshetzerei ihrer Ernährer beraubt werden. Da. den Männern dort im besten Alter, begleitet von ihren Frauen, sieht man an, daß sie den Krieg mit allen Mitteln verhüten möchten. Und draußen der endlose Strom. Die Polizei versucht cinzu- dämmen, es gelingt ihr nicht.— Die Versammlung ist beendet und heraus gießen die Massen.— Ein mehrere tausend Mann starker Zug zieht bis zum Rathaus, wird in die Erkstraße gedrängt, geht zurück und mit blanker Waffe werden sie zurückgetrieben. Einen Kordon— Leutnant und zehn Mann— zerbricht man, kommt bis zum Präsidium und löst sich dort auf. Das gleiche Bild in der Hermannstraße in Bartschs Fest. s ä l e n. Hier formierte sich nach Versammlungischluß ein impv- sanier Zug, der sich allmählich verteilte. Ein großer Teil zog nach Berlin, wurde aber durch bewaffnete Macht zurückgehalten; unter« nahm eine Kreuzung und gelangte auf Umwegen zum Kottbuser Tor, wo er sich, der Not gehorchend, auflösen muhte. Ter Not ge- horchend; denn Achtgroschenjungen und uniformierte Macht setzten den Demonstranten gar zu arg zu. Unter glühender Begeisterung für den Sozialismus, dem Völkermord Urfehde ansagend, ging man auseinander. Andere Neuköllner Genossen trafen auf einen Zug, der vom GewerkschaftShauS kam und unter proletarischem Massengesang ver- einigte man sich. Erwähnt sei noch, daß die geschlossenen Lichtspiele im Rollkrug. Hermannplatz, zu einer äußerst starken fliegenden Wache eingc- richtet wurde. In einer Massenversammlung, wie sie Steglitz noch nicht ge- sehen hat, protestierte die Arbeiterschaft von Steglitz, Friedenau und Lichterfelde im„Birkenwäldchen' gegen den drohenden Völker- mord. Ter Saal erwies sich dem gewaltlgen Andrang gegenüber als zu klein, deshalb wurde die Versammlung nach dem Garten verlegt. Weit über 4000 Männer und Frauen, darunter auch ein kleiner Teil Bürgerliche, waren versammelt. Unter Absingen der Marseillaise leerte sich langsam der Garten und die Massen for- mierten sich ungewollt auf der Straße zu einem imposanten Zuge durch die Schützenstraße. Rufe.'„Nieder mit dem Kriege!",„Hoch der Lölkerfriede!" untermischten sich mit dem Gesang der Arbeiter- lieber. Der mächtige Zug gelangte unangefochten bis in die Nähe des Rathauses. Hier versuchte ein« Polizeiiett« den Zug aufzuhalten; auch einige Berbastungen wurden vorgenommen. Hier- durch wurde die Kette lückenhaft, und der Zug bog nunmehr in die Schloßstraße ein. Jetzt beschränkte sich die Polizei anerkennen?- werterweise darauf, eine Straßenseite für den Verkehr frei- zuhalten. An der Friedenauer Grenze erscholl noch ein letzte» donnerndes Hoch auf die Sozialdemokratie, und dann löste sich der Zug in voller Ordnung auf. In Pankow, einem bürgerlich durchsetzten Vorort, gestaltete sich die Versammlung zu einer gewaltigen Friedensdemonstration. Be» reits um 8 Uhr war der geräumige Saal de»„Kurfürsten" in der Berliner Straße Kopf an Kopf gedrängt voll. Die immer neu an- drängenden Massen suchten in dem neben dem Saal gelegenen Garten Unterkunft. In Treptow-Baumschulenweg waren über 1000 Personen ver- sammelt; der Saal wurde wegen Ueberfüllung polizeilich abgesperrt. Im Garten spielte die Kapelle die Marseillaise, was bei der Menge große Begeisterung hervorrief. Köpenick dürfte eine derartige Versammlung noch nicht gesehen haben. Saal und Garten de» Stadttheaters waren übervoll. Wohl an 6000 Personen dürften anwesend gewesen sein. Nach einem Re- ferat der Genossen Barth und Stühmer zog die Menge durch die Stadt. Die Versammlung im Restaurant Wilhelminenhof in Ober- schöiteweid« war ebenfalls überfüllt, so daß ein großer Teil der An« wesenden im Garten eine zweite Versammlung abhielt. An 4000 Personen waren anwesend. Nach einem mit Begeisterung aufge- nommenen Referat des Genoffen Braun wurde die vorgelegte Reso- lution angenommen. Nach Schluß der Versammlung zog die Menge zum Marktplatz, wo begeisterte Rufe auf die Sozialdemokratie und gegen den Krieg ausgebracht wurden. Die Gendarmerie, die sehr zahlreich erschienen war, hielt sich reserviert. Die Versammlung in Eichwalde-Schmöckwitz war von über 500 Personen besucht. TaS Referat wurde mit Begeisterung auf- genommen. Der Gesangverein Miersdorf trug einige stimmungs- volle Lieder vor. In Spandau fand eine von über 2000 Personen besuchte Pro- testversammlung gegen die KriegShetzereicn in StolbergS Konzert- garten statt. Mit einem brausenden Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die Versammlung geschlossen. Zrieöenskunögebungen außerhalb öerlins.' Brandenburg. Gegen den Krieg protestierten im Garten des„VolkzhauscS" zu Brandenburg a. H. 4000 Männer und Frauen. Nach einem alle Kriegstreibereien und drohenden Völkermord aufs schärfste ver- urteilenden Referat des Genossen Redakteur Baron fand eine ent- sprechende Resolution einmütige Annahme. ES war eine impo- sante Friedenskundgebung, die der ganzen Stadt ihr Gepräge auf. drückte. Königsberg i. Pr. Die Protestversammlung gegen den Krieg war trotz polizeilicher Matznahmen von 5 000 Personen besucht. Die Versammlung war eine machtvolle Kundgebung für den Frieden. Halle a. S. In Halle fanden nach einem Privattelcgramm drei Polls- Versammlungen statt, die von über 6000 Personen besucht waren. Unter den Besuchern befanden sich auch zahlreiche Angehörige des Bürgertums und viele Studenten. Es sprachen die Reichstags- abgeordneten K u n e r t und A l b r e ch t sowie Redakteur H e n n i g. Ihre Aufforderung zur Einberufung des Reichstages zur Eni- scheidung des Voltswillens fand stürmischen Beifall.— Eine vierte Versammlung im Vorort A m m e n d o r f war gleichfalls überfüllt. Ter Saal konnte nicht den dritten Teil der Demonstranten fassen. Zu Stratzendemonstrationen, auf die sich die Polizei eingerichtet zu haben schien, kam cS nicht. Kiel. In K i e l war nach einem Privattelegramm trotz des strömen- den'RegenS die für Dienstagabend anberaumte Protestversamm- lung gegen den Krieg in dem grötzten Saal der Stadt überfüllt. Auch Angehörige der bürgerlichen Kreise waren stark vertreten. ES waren wohl an 6000 Personen anwesend. Nach einem prächtigen Referat des Genossen Adler beschloß die Versammlung einstimmig «ine Resolution, die scharf gegen den Krieg protestiert, die öfter- reichische Gewaltpolitik verurteilt, von der deutschen Regierung Nichteinmischung verlangt und zum Ausdruck bringt, dah das deut- sche Proletariat seine ganzen Kräfte zur Erhaltung des Welt- friedens einsetzen wird. Görlitz. AuS Görlitz meldet ein Privattelcgramm des„Vorwärts" dam 28. Juli: In der heutigen Protestversammlung gegen den Krieg referierte Reichstagsabgeordneter Taubadel. Die Ver- sammlung, die von über 2000 Personen besucht war, nahm eine Resolution an, in der die deutsche Regierung zur Ausrechterhaltung des Friedens gemahnt wird. Die Polizei war zahlreich erschienen, fand aber keinen Anlaß zum Einschreiten. Hagen-Schwelm. In Langerfeld im Kreise Hagen-Schwelm fand am Sonn- tag eine Volksversammlung statt, m der ReichStagSabg. König- Dortmund unter stürmischem Beifall gegen den Krieg sprach. Eine scharfe Resolution im Sinne des Lortrages fand einstimmige An- »ahme. In der Stadt Hagen i. W. selbst beschloß auf Antrag des nationalliberalen Landtagsabgeordneten Dr. Cremer— Vertreter von Dortmund— die Stadtverwaltung, den zur Abhaltung einer Protestversammlung schon genehmigten städtischen Emilienplatz, auf dem Genosse Grumbach-PariS sprechen sollte, zu verweigern. Auch die Freisinnigen stimmten für den Antrags Wanne. Eine gestern in Wanne abgehaltene Konferenz von Vertretern der Nationalpolen von Rheinland-Westfalen bezeichnete daS Vorgehen Oesterreich» als einen Ueberfall auf Serbien, der von Deutschland nicht unterstützt werden dürfe. Kraukfurt am Main. Vier überfüllte Protestversammlungen fanden statt. Tausende konnten keinen Platz finden, die vor den Versammlungslokalen stur- mische Friedenskundgebungen veranstalteten. Die Polizei hatte um- fassende Vorkehrungen getroffen, trotzdem ruhiger Verlauf. Münch«». Vor ungefähr 5000 Arbeitern und Bürgern München« sprach am Montagabend Genosse EiSner über Gewissensfreiheit Und Kriegsgefahr. Die Versammlung folgte den Ausführungen in der größten Stille und mit heiligem Ernst. Wiederholt wurde der Referent von Zustimmungskundgebungen der Versammlung unter- brachen. Die Versammlung nahm eine Resolution im Sinne de» Bortrag« an. .Stuttgart und Cannstatt. In Stuttgart und Cannstatt demonstrierten, wie uns ein Privattelegramm vom 28. d. M. meldet, in drei überfüllten Ver« sammlungen die Arbeiter gegen den Krieg. Die Referenten. ReichStagsabgeordnetcr Simon, We st meyer und Genossin Zetkin, fanden mit ihren zündenden Reden begeisterten Beifall. Nach den Versammlungen kam eS in Stuttgart und Cannstatt spon- tan zu S t r a ß e n d e m o n st r a t i o n en. Unter Slbsingen freiheitlicher Lieder durchzogen die Massen die Hauptstraßen Stutt- garts. Das Schloß und seine Umgebung waren polizeilich ab- gesperrt. Tie militärische Schloßwache wurde verstärkt. Bürger- liche Patrioten suchten die Demonstratio» zu stören. was ihnen aber nicht gelang. Zum Schluß zog die Masse vor das Gebäude des„Stuttgarter TagblattS", ein patriotisches Hetzblatt schlimmster Sorte. Das Gebäude war von Polizei umgeben. Fn Cannstatt zogen Tausende durch die Straßen unter dem Gesang der Marseillaise und des Sozialistenmarsches. Auf dem Marktplatz hielt Genosse C r i s p i e n eine Ansprache. Die Temon- stration schloß mit brausenden Hochrufen auf den Völkerfrieden und die internationale Sozialdemokratie. Zu Zusammenstößen war es nicht gekommen. Die Botschaften in Stuttgart waren polizeilich bewacht. Die Internationale gegen üen Krieg. Brüssel, 28. Juli.(Privattelegramnt des„Bor- wärts".) Am Mittwoch findet hier ein grosses, vom General- rat einberufenes P r o t e st m e e t i n g gegen den Krieg statt. Reden werde» M o l k e n b u h r für Deutschland, I a u r � s für Frankreich, K a i r H a r d i e für England, A g n i n i für Italien, I g l e s i a s für Spanien, T r o�e l st r a für die Niederlande, Branting lur Schweden, stauneng für Dänemark, Nilfen für. Norwegen. Grlmm für die Schweiz und Rubano witsch für Russland. Bänder- Velde wird den Vorsitz führen. Protest üer britischen Sozialistischen Partei. London, 28. Juli. Der Vorstand der britischen Sozia- listtscheu Partei hat eine Resolution gefaßt, in der sich die Partei dem Proteste der Genossen aller Lander gegen die provozierende Note Oesterreichs ansch'ießt. Die Resolution beglückwünscht die Sozialdemokraten in Wien, Berlm. Paris und anderen Städten zu ihren kräftigen Anstrengungen, den Ausbruch des Krieges zu verhindern, und verspricht, daß die Partei ähnlichen Anstrengungen in Großbritannien ihre äußerste Unterstützung geben wird. £fn Appell üer Genossen in Amerika. Der Parteivorstand erhielt folgendes Telegramm: Washington, 28. Juli. Die Sozialisten Washingtons bitten Euch inständigst, im Namen der Menschlichkeit einen Krieg zu verhindern s die vermittelungsaktion. Ob der Vorschlag Sir Edward Greys, einer Botschafter- konferenz die Entspannung der internationalen Situation an- zuVertrauen, Erfolg haben wird, muß mehr als zweifelhaft erscheinen. Aus Oesterreich liegt eine offiziöse Meldung vor, die zwar allerlei süße Höf- lichkeiten vor dem englischen Staatsmann ausbreitet, aber in dem wichtigsten Punkte, in der Frage der Ein- stellung aller ferneren militärischen Opera- t i o n e n bis zur Entscheidung der Konferenz, eine Absage erteilt. Das Wölfische Bureau meldet aus Wien: „Die Erklärung Sir Edward Greys im Unterhause findet hier, wie in unterrichteten Kreisen ver- lautet, günstige Aufnahme, wie alle bisherigen Aeußerungen dieses Oesterreich-Ungarn sehr gut gesinnten Staatsmannes. Es sei logisch, daß in einer Frage, welche Europa so stark bewege, alle Mächte daran dächten, den Weltfrieden zu erhalten. Diesen Zweck verfolge die Rede Greys und da sein Vorschlag auch dahin aufzufassen sei, daß eine Lokalisierung der Angelegenheit zwischen Oesterreich- Ungarn und Serbien erreicht werden solle, so könne man dies hier nur mit Genugtuung begrüßen. Hinsichtlich des Passus in der Rede Greys betreffend die Ein- stellung aller aktiven militärischen Ope- rationell bis zur Beendigung der vorgeschlagenen Konferenz gilt es als wahrscheinlich, daß der englische Vertreter mit diesem Ersuchen an die öfter- reichisch-ungarische Regierung herantritt, doch fürchtet man, daß die Sache viel zu weit vorgeschritten ist, als daß die Operationen noch eingestellt werden könnten. Greys Ueberzeugung, daß die deutsche Regierung der Idee einer Vermittelung zwischen Oester- reich-Ungarn und Rußland im Prinzip günstig sei, bewege sich ganz auf der Linie, welche Deutschland verfolge, nämlich die Lokalisierung des Streites zwischen Oesterreich- Ungarn und Serbien zu erreichen. Es sei übrigens vor- läufig kein Grund, anzunehmen, daß die Lo- kalisierung nicht gelingen sollte." Ueber die Stellung der deutschen Regierung lätzt sich die„Kölnische Zeitung", augenscheinlich auf Grund amtlicher Information, einem Telegramm zufolge aus Berlin schreiben: Der Wunsch der Westmächte, durch rechtzeitig ver- mittelnde Einwirkung das Uebergreifen des österreichischen Streites mit Serbien auf das Verhältnis zwischen den Groß- mächten zu verhüten, wird von der deutschen Polittk nicht nur in platonischer Weise gehegt, sondern dasBerliner Kabinett ist bereits in mehr als einer Hauptstadt f ü r die Zwecke einer den europäischen Frieden sichernden Vermittelung tätig gewesen. Man begrüßt es hier, daß jetzt durch die Initiative Sir Edward Greys der Vermittelungsgedanke amtliche Gestalt angenommen hat und öffentlich zur Erörterung ge- stellt ist. Es machen sich aber Zweifel darüber geltend, ob als Organ für die Vermittelung eine Konferenz von vier Großmächten das ge- eignetste Auskunstmittel darstellt. Daß man die Einzel- Helten des österreichisch-serbischen Streites, die lediglich diese beiden Staaten angehen, nicht vor das Forum einer Konferenz ziehen kann, darüber herrscht wohl allgemein Uebereinstimmung; aber auch was die rechtzeitige Beseitigung der zwischen Oe st erreich- Ungarn und Rußland etwa auftauchenden Schwierigkeiten betrifft, mutz die Frage aufgeworfen werden, ob die Regierungen dieser Mächte gewillt sind, eine Konferenz der vier anderen Großmächte mit einer amt- lichen Vermittelung zu betrauen. Es scheint für das Ge- lingen der Vermittelung zweckmäßiger, wenn man die Mittel dafür möglichst einfach gestaltet und sich in u n- mittelbaren! Verkehr mit denHauptstädten der beteiligten Reiche der fortlaufenden diplo- mattschen Erörterungen und Einwirkungen bedient, um ein vermittelndes Vorgehen bis zu dem allseitig gewünschten Ergebnis durchzuführen. Bei Benutzung dieses Weges würde Deutschland es an der den West mächten schon bewiesenen Mittvirkung auch weiter- hin nicht fehlen lassen. Damit bestätigen sich die Meldungen, daß Deutschland inl Gegensatz zu Frankreich Sir Edward Grey eine Absage erteilt hat. Allerdings versichert die offiziöse Mitteilung, daß Deutschland nur eine andere, wie man liest,„zweckmäßigere" Vermittelungsaktion wünscht, um wenigstens einen österreichisch- russischen Konflikt zu verhüten. Die Meldungen des Hirschscheu Bureaus, Deutschland habe die englischen Vorschläge abgelehnt, weil es den Diu- gen ihren Lauf lassen wolle, werden amtlich aus- drücklich bestritten. Der Reichskanzler hatte übrigens am Montagnachmittag mit dem englischen Botschafter Sir E. Goschen eine längere Konferenz. Das Hirschsche Telegraphenbureau will wissen, daß der Kanzler dem englischen Botschafter bei dieser Gelegen- heit diedeutsche Antwort auf den Greyschen Vorschlag übermittelt habe: sie soll in sehr verbindlichem Tone gehalten sein: es geht aus ihr hervor, daß Teutschland auf keinen Fall Oesterreich daran hindern wolle, diejenigen Schritte gegen Serbien zu unternehmen, die die verbündete Monarchie im Interesse ihres Ansehens für notwendig befinde. Andererseits wolle Deutschland an der Vermeidung eines Uebergreifens des serbisch-österreichischen Konfliktes auf zunächst unbeteiligte Mächte gern mittarbeiten. In Paris fanden wieder nach telegraphischen Meldungen mehrere Konferenzen des stellvertretenden Ministers des Auswärtigen Bienvenu-Martin mit den Vertretern der anderen Mächte statt, so mit dem deutschen Botschafter Freihcrrn von Schön und mit dem russischen Botschafter Jswolski. Am Dienstagnachniittag hielten die Minister eine Sitzung im Ministerium des Aeußern ab, um die Lage zu erörtern. Dem„Temps" zufolge kam auch der ehemalige Minister des Aeußern D tz l c a s s 6 zu dieser Sitzung und wurde von den Ministern mit großem Interesse angehört. Endlich meldet ei» Telegramm: Paris, 28. Juli. Die A b o r d n u n g der s o z i a> l i st i s ch e n Gruppen mit Jauräs an der Spitze, die der Regierung eine Erklärung zugunsten des Frie- d e n s überreichte, wurde heute nachmittag von dem stellver- tretenden Minister des Aeußern Bienvenu-Martin empfangen. der u. a. sagte: Er habe heute vormittag mit dem deutschen Botschafter Freiherrn von Schoen konferiert. Tie in über- aus höflicher Form verlaufene Unterredung habe sich auf den englischen Vermittlungsvorschlag sowie auf die Prüfung der geeigneten Mittel zur Verhinderung jeder Ausdehnung des Konflikts bezogen. Angesichts der zwischen den Mächten bezüglich des englischen Vermittlungs- Vorschlages angekündigten Besprechung wäre die Einbe- rufung des Parlaments ohne Nutzen, da die Regie- rung nickst in der Lage wäre, ihm eine Mitteilung zu machen, Die militärischen Operationen. Die bürgerliche Presse hat mancherlei Alarmnachrichten über Gefechte und Zusammenstöße gebracht; sie scheinen nicht den Tatsachen zu entsprechen.'Ueber die militärischen Operationen der Serben meldet die Wiener„Militärische Rundschau" nach einem Telegramme: Die i« Lager bei Semendria versammelt gewesenen serbischen Truppenteile find in südlicher Richtung im Morawatal vermutlich gegen Svilajnatz abmarschiert. Unmittelbar an der Donau stehen nur schwächere Kräfte, darunter der Landsturm. Die Truppen« ansammlungen bei Valjevo und Uzice dauern fort. An der Drina werden bei Leichnica und südlich bei Bajina Baschta starke Freiwilligenabteilungen, auch reguläre Truppen, ge- meldet. In der Gegend von Prjepolje sieht eine monte- n e g r i n i s ch e Brigade mit Gebirgsartillerie. Ueber weiter« Truppenbewegungen Montenegros ist nichts Authentische? bekannt. An einigen Orten errichten die Montenegriner Ver- schanzungen. Bei dieser Arbeit helfen Hunderte von Frauen mit. Die Truppen, die in Neu- Serbien bei Jstip nächst der bulgarischen Grenze gestanden hatten, sind mit der Bahn nach Norden gebracht worden. Einige serbische Flutzdampfer und requirierte Handels- schiffe, die in Eile als Minenleger eingerichtet worden find, haben versucht, an gewissen Punkten der Donau und der Save Flußminen zulegen. Diese Versuche sind bisher völlig geschettert. Einzelne serbische Militärflieger unternehmen Eclundigungsflüge längs der Grenze. In Podgorica ist ein hoher serbischer Generalstabsosfizier angekommen; er hatte mit dem montenegrinischen Kriegsminister eine Besprechung. Das serbische Armeeoberkommando ist bereit» gebildet worden: als Oberbefehlshaber fungiert der Kronprinz-Regent, als militärischer Berater des Kronprinzen und Chef des GeneralstabcS der Operationsdrmee wird General Putnil fungieren. » Aus Budapest wird vom 28. Juli gemeldet: Heute früh um 4 Uhr wollten eine Anzahl ungarischer und österreichischer Flucht- linge in drei Booten über die Donau fahren. Serbische Soldaten schössen auf die Boote. DaS eine Boot, in dem 26 Personen sahen, kenterte, da die Flüchtlinge sich vor den Schüssen in Sicherheit bringen wollten und das Boot umwarfen. Nur zwei Personen konnten gerettet werden; die übrigen ertranken. * Schon am Montag wurden Gerüchte weitergegeben, daß die Serben die Eisenbahnbrücke zwischen Belgrad und Semlin, die eine Länge von 400 Meter besitzt, gesprengt hätten. Die Meldung tvutde zunächst abgestritten, scheint sich aber jetzt zu bestätigen. Eine Proklamation Rußlands. .Die Gerüchte von einer Mobilisation Rußlands werden für falsch erklärt. Folgende amtliche Mitteilung ist in Peters- bürg veröffentlicht worden: „Zahlreiche-patriotische Kundgebungen der letzten Tage in der Residenz und in anderen Städten des Reiches beweisen, daß die feste, ruhige, russische Politik in breiten Schichten der Bevölkerung nehmen werde, mit denen Rußland sich im 8 rieben zu befinden wünscht, indem die kaiserliche eaierung aus dem Ausschwung des VolkSgeisteS Kraft schöpft und ihre Untertanen auffordert, Zurückhaltung und Ruh« zu bewahren, verharrt sie auf der Wacht für die Würde und die Interessen Rußlands. * Von der russischen Grenze kommen Alarmmeldungen, die freilich nocki mit Vorsicht aufgenommen werden müssen. Das Hirschsche Telegraphenvureau weiß von einer.fiebcr- haften Tätigkeit" der russischen Behörden zu berichten. Ein russisches Infanterieregiment, das vor zwei Monaten von Kalisch nach Lodz entsandt war, soll plötzlich zurückgekehrt sein. Um 3 Uhr na»- mittags hätte der Oberst deS Regiments nach Slupca an den Rittmeister einer dort garnisonierenden Schwadron den Befehl gegeben, sich marschbereit zu halten. Eine Mühle bei Kalisch, die auf einer Anhöhe liegt, soll militärische Besetzung erhalten hahen. Um 11 Uhr vormittags sei bekannt gegeben worden, daß keine Pässe mehr nach Deutschland ausgegeben werden. Die Nebenstelle der russischen Reichsbant habe Anweisung erhalten, alle« verfügbare Metallgeld unverzüglich nach Petersburg zu senden. LangS der russischen Grenze hat nach anderen Melditngen des Hirschscheu Bureaus der Verkehr auf die letzten Nachrichten hin eine gewaltige Stockung erlitten. Die beunruhigenden Nach- richten verfehlen nicht ihre Wirkung auf die sonst so friedlichen Ein- wohner der Grenzbezirke. Namentlich soll es eine gewisse Besorgnis erregen, daß von den Grenzgarnisonen starke Jnfantcrieabteilungen sowie eine Ma- schinengewehrabteilung nach Wirballen abgegangen sind und dort in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Quartier ge- nommen haben.____., Ein Manifest ües österreichischen Kaisers. Kaiser Franz Josef hat unmittelbar nach der Kriegserklärung an Serbien ein Handschreiben an den Minister- Präsidenten Graf Stürgkh und ein M a n i f e st erlassen, in dem Oesterreichs Vorgehen gegen Serbien zu rechtfertigen gesucht wird. In pathetisch-sentiinentaler Sprache werden Oesterreichs Bemühungen um friedliche Verhältnisse und Serbiens„verbrecherisches Treiben" geschildert: das Manifest schließt mit einem Appell an das Volk.„Ich vertraue auf den Allmächtigen, daß er meinen Waffen den Sieg geben möge." Technischer Schwierigkeiten Wege» mußte für die heutige Nummer die Beilegung der Fortsetzung des Parlamentari- schen Berichts der Reichstagsfraktion unterbleiben. Letzte Nachrichten. Rusfische Rriegsvorbereitunge«. Petersburg, 28. Juli. Offiziell wird ein Verbot für Handels- und Privatschiffe, das Passieren zwischen Hel» singfors und Hangoe im Fahrwasser der Schären veröffent- licht. In diesem Gebiet müssen die Schiffe auf offener See fahren. Der schwimmende Leuchtturm Grobara und andere Leuchtfeuer bei Helsingfors sind gelöscht worden. Freisprnch im Caillanx-Prozeh. Paris, 28. Juli.(Telegramm des Wolff-Bureaus.) Frau Caillaux wurde freigesprochen, Arbeiter-Bildungssetiule. Donnerstag, den 30. Juli 1914, abends S'/z Uhr, im Schullokal, Grenadierstr. 37: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrerkollegiums und der Eerisoren. 2.-Endgültige Beschlußfassung über die Uebergabe der Schule an den Bezirks-Biidungsausschuß Groß-Berlin. 3. Ver- gchßsdenos. 6/8* Mitgliedsbuch legitimiert. Die Mitglieder werden gebeten, ihre Beiträge bis Oktober recht bald zu bezahlen, da die Zahlstellen aufgelöst werden. Äcr Torstand. Zlemaltuiigsstklle Kerliii. N 54, Llmenstr. 83—85. Televbon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Bureau geöffnet von 9 bis 1 Ubr und von•! bis 7 Uhr. Tonnerstag, den SV. Juli 1914, abends SVa Uhr: — Versammlung= sämtlicher in den Eisengießereien beschäftigten Gvßputier in den Borussia-Sälen, Ackerstraße 6/7. Tagesordnung: 1. Bericht über die ArbeitSverhältniffe der Guffputzer. S. Branchenangelegenheitcn und Verschiedenes. SSW- Mitgliedsbuch legitimiert.-ME Zahlreichen Besuch erwartet 122/18 IM« Ortxverwaltnng. Verwaltnng Berlin. Einsetzer. Donnerstag, den 30. Juli 1914, abends 8'/z Uhr: Span eben»Versammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 3. Tagesordnung: 1. VierteljahrcSbericht der Kommission. 2. Wahl zweier Schriftsührer. 8. Verbands« und Branchenangelegenheiten. Keiienleger. Mittwoch, den 29. Juli 1914, abends 6 Uhr: I�itglieclep-Vepkammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 3. Tages or dnuug: 1. Bericht vom Verdaudstag. 2. Bericht von der Generalversammlung. 8. Branchenangelegenheiteu. 90/17 IM« Orts Verwaltung. Tausendfach bewährte Nahrung bei: Brechdurchfall, Kindernahrung Diarrhöe, -Krankenkost Darmkatarrh, etc. 1 Todes-Anzeigen| SozialdemokFalisctieFWalilvErein ! d. 6.BeFi.ReiciistagsvahlkFeis. Am Montag, den 27. d. M., ver- starb unser Genosse, der Hand« schuhmacher Pau\ Bautze Fretenwalder Straße 24. Ghre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Juli, nachmittags �/,6 Uhr, von der Halle des Sovhien-KirchhoscS, Freien- walder Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter Borftaud. ZetMeFiianddeFledeFaFbeiteF Filiale Berlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Handschuh- macher Paul kaul-v am 27. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Juli, nach« mittags 53/4 Uhr, auf dem Sophien- Kirchhof, Frcicnwalder Straße, statt. Zahlreiches Geleit erwartet 134/11 Der Voritand. GssanpeFein „GesundbnmneF Harmonie". (1(1. d. D. A.-S.-B.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Sangcsbruder Paul Bautze am 27. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. d. M., nach. mittags 3/4 6 Uhr, aus dem Sophien« Kirchhos, Freienwatder Slruße, statt. 2330b Um rege Beteiligung bittet v«« Torstaud. Allen Verwandten, Freunden und Beiannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guier Vater, Groß- und Schwiegervater Robert Bey Lübdener Str. 5, Montagnach. mittag 3 Uhr, nach langem. schwerem üeideu im Alter von 60 Jahren verstorben ist. 2829b Dies zeigen tiesbetrübt an Witwe Sophie Best nebst Söhnen. Familie Anhalt. Die Beerdigung findet am Dannerstag. den 30. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle in Friedrichsselde aus statt. SozialdemokFatiseiieFWaiilYereiD f.d. K. BeH. Reielistagswattreis. Am Sonntag, den 26. Juli, verstarb unser Genosse, der Metallarbeiter Otto Steinfeld Korsörer Straße 10. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 29. Juli, nach. mittags 4 Uhr vom Traucrhanse nach dem Äethsemane-Kirchhos, Nicdcrschönhausen- Nordend statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/17_ D«r Vorstand. OeotselierietailaFlieiteF-VeFbaDd Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metall- arbeiter Otto Steiufeld (Korsörerstr. 10) am 26. d. M. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 29. Juli, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerbauie nach den: Gethsemanc-Knchhos, Nicder-Schönhausen Nordend, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 122/19 Die brtsverwaltung. ZentFal-KFanken- 11. SteFbekasse dEF deütschen WagenhauEF. V. a. G. Berlin. Bezirk 10.' Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Otto Steinte ld gestorben ist. Die Beerdigung findet beute Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, in Nordend aus dem Gethsemane- Kirch hos statt. Um rege Beteiligung bittet 257/19 Die Ortsverwaltung. VEFhand dEF iFEien Gast- und SchankwiFte Deutschlands. OrtBvcrwalt. XeukOUn. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Kollege Wilhelm Kutzner Teupitzer Str. 94, am 26. Juli an Lungcnleiden ver- starben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Juli, nachmittags 3 Uhr, aus dem neuen Jakobi-Kirchhos in der Hermann- slroße 99— 105 statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/19 Tie Ortsverwaltung. Am 26. Juli verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann und guter Vater, der Metallarbeiter Otto Steiufeld im Alter von 33 Jahren. Dies zeigen tiesbetrübt an� Ww. Klara Steinseld und söhn. Beerdigung Miliwoch. 29. Infi. nachm. 4 Uhr, vom Trauerhausc Korsörerstr. 10, nach dem Geth- semane-Kirchhos, Nieder- Schön- bansen._ 144A SsozialdemokratischeFWahlYeFein (.d.6. Berl. RelchstagswatiikFeis. Am Sonniag, den 26. Juli d.J. verstarb unser Genosse, der Schrift- gießcr Max Gatschke Schulzendorser Straße 25. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Milt- woch, den 29. Juli, nachmittags 4a'4 Uhr von der Halle des Städtischen Kirchhofes m der See- iiraße aus slalt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. VeFein der in SehFiflgieBeFeien besebä!t.AFbeiteFU.irbeileFinnen Berlins. Am 26. Juli verstarb nach langem Leiden unser werter Kollege, der Schristgicßer �Vfax Gatschke im 48. Lebensjahre., Seine rege Wirlsamkeit in der Gewerkschaft und sein kollegiales Wesen können uns stets ein Vor- bild sein. Sein Andenken wird immer in hohen Ehren halten 2ö32b Her Vorstand. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 29. Juli, nach- miitags 4'/, Ubr, vo» der Leichen- halle des städtischen Friedhofes, Scestraße, aus statt. FFauen-BEgpäbniskasse dEF in SebFülgieBeFuen besehältigten ArbeileF Befüns. Den Mitglieder!: zur Nachricht, daß unser bingjährigsr. Bor, fitzender, der Schristgießcr WIsxQstscIibv im Alter von 48 Jahren nach kurzem Krankenlager verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 29. Juli, 4'L Uhr. aus dem städtischen Fricdhos.Seestraße, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 2833b Der Vorhand. Am 26. Juli verschied nach langem, schweren: Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter Hedwig Haase. Dies zeigen tiefbetrübt an liari Haase u. Kinder, Wiclesstr. 31. 123A Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 30. Juli, nachmittags 4a/4 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes, See- slraße, Ecke Müllerstraße, aus stall. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden und Bekannten. insbesondere den Kameraden der Firma A. Borsig. meinen innigsten Dank. 123A Frau W. Meister __ nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter sagen wir allen Freunden und Bc< kannten, insbeiondcrc den Kollegen der Firma Vesta unseren herzliwen Dank. 11431 Gustav BCilhne nebst Kindern. Banksagang;. Für die innige Testnabme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres gute» Vaters und Großvaters Heinrich Sarasch sagen wir allen Verwandten und Be- kannten herzlichen Dank. IlOA Witwe Emilie Karasch. MohrenstrJfa Kolonnaden. örFranKfurteratrllS Trauer- Magazin Kleider, Hüte de jr- Äußerste Preise-mr .. farbige Konfektion in grölMem Maßstäbe lubll ligsten — Pre isen— Westmann [Haben Sie blott9 /eb fertigt davon Anzug o nach Mass, schick, dauerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Labanö, Neue Promenade 8. LI.(Stadtb. Bon.) iiir Theater und Vergnügungen IfflfelW! vi nzM □Is* Mittwoch, den 29. Juli 1914. Aniang 5 Uhr. lpaffage-Theater. Kmo-Varietö. Potsdamer Naturtheater. M- Potsdam. Ansang 8 Uhr. Urania. Der deutsche Riesenkanal Mit dem.Imperator" nach New Jork. Westen. DaS Rhemgold. Schiller Q. Zauberflöte. Berliner. Wie einst im Mai. Königgräber Strafte. Mr. Wn. Dbalia. Wenn der Frühling kommt. Rote. Eine tolle Sache. Metropol. Die Reise um die Erde m 40 Tagen. Theater au der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. Wintergarte». Spezialitäten. Reichshalleu. Dresdener Vittoria- Sänger. Palast-Dheater. Barietö und Licht. Ipi-le. rli, Berliner Prater-Dheater. Grigri. Ansang 8'/, Ubr. Lniseu. Wenn edle Herzen bluten. Ki-ineS. Der Klecks. Ueater am Nollendorfplatz. Der Juxbaron. Walhalla." Der unsichtbare Mensch. FolieS Capriee. Schwache Nerven. Eine ruhige Sommerwohnung. Verbotene Frucht. Snstlpielbaus. Die spanische Fliege. Uriedrich-Wilhelmstädt. Theater. Leutnantsliebchen. Reffdenz. Die verflixte Liebe. AdmiralSPalaft. Im Tangollub. Eines Nollendorf-Theatcr. (jus v4dh>. »» Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62 Idealer a. ck. Weideodammerdrücke Der müde Itieollor. Ueber den sensationellen Lachersolg schreibt„Bert. Lol.'AnJ.": Das bcisall» freudige Publikum wälzte suh vor Lachen. Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Der deatsche Kiesenkanal ONord-OKtseekanal). 8-/, Uhr: Hit dem„Imperator" nach Wew York. Sachse- 6per. Schiller-Theater Abends 8 Uhr: Die Zauberflöte. Theater am Hollendorlplatz S. L'/4 Uhr: Der Juxbaron. Täglich 8 Uhr: Hr. Wn. Berliner Theater. Zum 895. Male. 8 Uhr: Wie einst im Mai. ZOOLOG ischer Garten Täglich Gr. Militär-Konzert. Eintrittspreise: Zoo 1 M.. von b Uhr ab 50 Pf. Aqnar. IM. v.d.Str.,50Pf. vZoo Kinder unt. 10 jähr, die Hälfte. Ken! Wen! AQUARIUM 9 Uhr morgens bi* 10 Uhr abends. Theater ües Westens. 7� uh?: Lötterllämmerung. Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Da» Rhelngoid. OSE=ThEATE Große Franffurter Str. 132. Eine tolle Sache. Ansang 8 Uhr. — Auf der Gartenbühne— Rund um die Spree. Gr. Revue. Vorher Konzert, Spezialitäten. 1 Friedrich- ViIheInist.Th. 81/. Ubr tgl. b. Operettenschlagcr: Seutnantsliebchen. Metropol-Theater. Abends 8 Uhr: Die Reise um die Erde in 40 Tagen, L una Park Täglich: Doppel- Konzert hiesiger Militär-Kapellen. Beduinen-Dorf Luna-Ballhaus Scenerie Railway Astral-Mysterien Witsching Waves Bis 6 Uhr: Eintritt frei. Maek 5 ükr: Entree 50 Pt. Neue Welt Arnold$»ckolz Hagenkeide 108; 114 Heute Ulttwock, den 80. Juli: Doppel-Konzert und Varietd-Yorsteilnng sowie Großes Kinder-Erntefest mit Ernte-Umzug, Bonbonregen, Fackelzug und Verlosung. 1. Hauptgewinn für Knaben und Bädchen: je 1 goldene Uhr. Anlang 4 Uhr.— Entree 15 Pf. Oberbayern. KU: Im neuen Saal: Großer Ball. Admiralspalast. Eis-Arena. Berlins kühlster Aufenllialt. #raa;:«Im Tangoklub- und„Die lustige Pnppe". Bis 6 Uhr und ab 10*/, Uhr halbe Kassenpreise. Perantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin. In /eratenteil verantw.: TH.Mocke.ÄerUn. Druck u. Verlag: vorwärts Luchdr.u.VeriagsanitäIt tßaul Singer öc Co.. Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u. UnstrGältungSbl. tSOT Neues Programm!"VS «Saharet* die australische Tanzdiva Perslnas I Kaufmanns Pagageien Veronacycle öbarett' Truppe und eine Kette hervorragender Kunstkrätte! — Bauchen gestattet!— Lebend! Die letzten veibiiehen Azteken! AGA die sehwebende Jungfrau. Buddha« Geistertafel. Alles ohne Eztra-Entree t Emir. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 PI. Folies Capriee. Täglich 8'/. Uhr: Schwache Nerven. Eine rabige Sommerwobnang. Verbotene Frucht. Voigt-Theaten Badstrafte 58. Heute, iowie täglich: Das Kiebesparadies. Orig.-Operett.-Burleske mit Tanz in 3 Allen von W. Geeicke. Gänzlich neue Spezialitäten. Kassenerössn. 2 Uhr. Ans/ 4'/, Uhr. Reichshallen-Theater. Gastspiel der Dresdner Viktoria- Sänger Für Berlin völlig ncueS Programm. Ansang 8 Uhr. Sonntags 71l„ U. Sonnabd.. I. Aug.: Wiederbeginn der Soireen der Stelliner Sänger. Puhlmanns Theater Schönh. Allee 148. Kastanienallee97,99 Unter»euer Leitung der beliebten Direttion\N. Herrmann Konzert, Theater, Spezialitäten. Zum Schluß: Wo hast d« dein Weh' Weh'chen! Aman-, 4 Uhr. jtzur den In« an ser Ju erase übernimmt sie Redaktion de« Publikum gegenüber keinerlei Berantworeun, Nr. 204. 81. Jahrgang. t Jfilmt des Jimärts" Kerlim WsdlÄ. PittuM, 29. luli 1914. Gewerkschaftliches. Die Vermittelungsaktion in üer Lausitz. Der Regierungspräsident v. S ch tv e r i n hat sich definitiv bereit erklärt, die Vermittelungsaktion zwecks Be- endigung der Aussperrung in der Lausitzer Tuchindustrie zu übernehmen. Die Verhandlungen sollen am Donnerstag, den 3l). d. M.» irt Kottbus beginnen. Serltn unü Umgegend. Differenzen in der Reichsverficherungsanstalt für Angestellte. Da? Direktorium und der Verwaltungsrat dieser neuen Reichs- Versicherungsanstalt haben vor einiger Zeit die Errichtung eines Beamtenausschusses beschlossen und Satzungen für diesen Ausschutz erlassen. Die auf den 19. Mai ausgeschriebene Wahl kam aber nicht zustande, da die Beamten, die übrigens mit ihren Gehalts- Verhältnissen recht unzufrieden sind, in einer tags zuvor abgehal- tenen Versammlung beschlossen hatten, sich nicht an der Wahl zu beteiligen. Die Satzungen des Ausschusses lietzcn erkennen, datz es dem Direktorium und dem Verwaltungsrat nicht darauf ankam, den Beamten ein Organ zur wirksamen Vertretung ihrer In- teressen zu verschaffen, sondern es war ihnen darum zu tun, ein Dekorationsstück zu schaffen, das zunächst den Beamten etwas der- trtiges vortäuschen, dann aber auch nach autzen hin dartun sollte, tvie mustergültig diese Behörde ihre Pflichten als Arbeitgeber auf- satzt. Dies durchschauten die Beamten und lehnten es, wie sie ausführten,„aus Achtung vor sich selbst" ab, an einer derartigen Einrichtung mitzuwirken. In einer ausführlichen Eingabe be- gründeten sie diesen Standpunkt. Sie bemängelten, datz der Aus- Schutz niemals gehört werden müsse, sondern immer nur gehört werden könne, wenn es dem Direktorium der Anstalt beliebt. Ferner sei es notwendig, datz der Ausschutz auch das Recht erhalte, in Gehaltsfragen und in Angelegenheiten ein- zelner Beamten mitzusprechen. In der Tat wäre ein An- gestclltenausschutz, der in diesem wichtigen Dingen nichts zu sagen hat, eine ganz wertlose Einrichtung. Was antworteten aber Direktorium und Verwaltungsrat auf die wohlbegründeten Eingaben der„Vereinigung der mittleren Beamten der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte"? Die beiden Schreiben haben nahezu denselben Wortlaut. Eins davon wollen wir hier wiedergeben. „Berlin-WilmerSdorf, den 39. Juni 1914. Dem Vorstande der Vereinigung eröffne ich, datz der Ver- tvaltungsrat auf die Eingabe vom 27. d. M. auf Antrag seines Petitionsausschusses einstimmig und ohne Erörterung wie folgt beschlossen hat: Solange die Beamten von dem ihnen gegebenen Recht, sich eine Vertretung zu schaffen, keinen Gebrauch machen, mutz es der Verwaltungsrat ablehnen, zu irgendwelchen Eingaben von Beamtenvereinigungen Stellung zu nehmen; er geht daher über die vorliegende Eingabe zur Tagesordnung über. gez. Koch." Man will jetzt also die Beamten zwingen, sich mit dem Man- strum abzufinden, das ihnen vorgesetzt ist. Bis jetzt verspüren sie aber anscheinend wenig Neigung dazu.— Die Angelegenheit wirft ein eigentümliches Licht auf den antisozialen Geist, der in der Leitung dieser neuen sozialen Versicherungseinrichtung herrscht. Die Vorgänge dürften nicht nur die beteiligten Versicherten, son- dern auch die breitere Oeffentlichkeit interessieren. Jedenfalls werden wohl die sozialdemokratischen ReichStagsabgeordneten die ganze Sache aufgreifen und nach dem Wicderzusammentritt im Reichstage zur Sprache bringen. Deutsches Reich. Unwirksamer Arbeiterschntz. Auf Grund des§ 857 der Reichsversicherungsordnung haben in diesem Jahre Vertreter der versicherten Arbeiter zum ersten Male an den Beratungen über die Jahresberichte der technischen Aufsichts- beamten der gewerblichen Berufsgenossenschaften teilgenommen, so auch an einer Sitzung der Nahrungsmittelindustrie- Berufs- genossenschaft, die in Hannover stattgefunden hat. Dort mutzten die Arbeitervertreter zu ihrem Erstaunen aus dem Bericht ent- nehmen, datz eine grotze Keksfabrik, die bekannte Firma A. H. Lang- nese Wwe. u. Co., Hamburg, auf Grund des Z 880 der R.-V.O. (Befürchtung der Verletzung von Betriebsgeheimnissen) den samt« lichen zuständigen und auf ihren Dienst vereidigten tech- nischen Aufsichlsbeamten den Zutritt zu den Betriebs- räumen verweigert hat. Die Firma lätzt ohne weitere nähere Angabe von Gründen die technischen Aufsichts- beamten, die zum� Teil jahrelang bei der Berufsgenossen« schaft tätig sind, einfach nicht in den Betrieb hinein. Befürchtung der Verletzung von Betriebsgeheimnissen durch die vereidigten und in allen Betrieben tätigen Aufsichlsbeamten scheidet aber natürlich vollständig aus. Es bleibt lediglich als wahrer Grund der Ab- lehnung der Beamten die der Firma anscheinend unangenehme Kontrolle durch die technischen Aufsichtsbeamten übrig. Die Berufsgenosienschast glaubte aber um so mehr, eine Revision des Langneseschen Betriebes vornehmen zu müssen, als in dem Be- triebe wiederholt Unfälle, darunter ein schwerer an einer Teig- walze, vorgekommen waren. Ein in der Fabrik beschäftigter und erheblich verunglückter Arbeiter hatte sich unter Angabe seines Namens an die Berufsgenossenschaft schriftlich gewendet und um Abstellung der gefährlichen Betriebszustände gebeten. Der amtliche Jahresbericht der technischen Aufsichtsbeamten sagte nun in der An« gelegcnheit, datz die Berufsgenossenschaft gegen das Gebaren der Firma Beschwerde beim Reichsversicherungsamt eingelegt Hobe, das aber noch keine Entscheidung gefällt habe. Es interessiert natürlich jetzt, zu erfahren, ob eine solche Entscheidung nunmehr eingegangen und ob überhaupt das Reichsversicherungsamt um eine baldige Ent« scheidung ersucht worden ist. Die ganze Angelegenheit ist ohne Zweifel nicht nur für die Arbeiter dieses Betriebes und für die Nahrungsmittelarbeiter, son- dern für die Arbeiter aller Industrien von autzerordentlicher Be- deutung. Denti wenn eS der Firma Langnese gestattet sein soll, sich der Aufsicht durch die technischen Aufsichtsbeamten der Berufs- genossenschaft zu entziehen, kann mit demselben Rechte jeder andere Betriebsunternehmer ohne Anführung von Gründen den§ 889 für sich in Anspruch nehmen. Wenn jeder Betriebsunternehmer ohne weiteres das Recht für sich in Ansvruch nehmen könnte, wegen Be- fürchtung von Verletzung seiner Betriebsgeheimnisse seine Fabrik den Aufsichtsbeamten zu verschlietzen, dann würde die ganze Unfallversicherung in der Luft hängen und es könnte vom gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitcrschutz und seiner Durchführung überhaupt keine Rede mehr sein. Was sagt also das Reichsversicherungsamt zu der Angelegenheit?_ Aussperrung in der Altenburger Seidenhut- und Klapphutindustrie. Wie sich der grotze Scharfmacher räuspert und spuckt, das haben ihm die Kleinen trefflich abgesehen. Zu den Kleinen zählen auch die Seidenhut- und Klapphutfabrikantcn in Altenburg, dem Zen- trum dieser Hutbranche. Wie es die Gernegrotze andrehten, als stark und klug zu gelten, das verdient bekannt zu werden. Eine Fabrik matzrcgelte den Vertrauensmann des Verbandes, einen tüchtigen, ruhigen Arbeiter, der nur den Fehler hatte, datz er ftir die Interessen seiner Mitarbeiter und-arbeiterinnen eintrat. Die Versuche des Arbeitspersonals, auf dem Verhandlungswege die Entlassung rückgängig zu machen, waren ohne Erfolg. Der Unter- nehmer entzog sich den Verhandlungen durch eine Sommerreise. Darauf kündigte das Personal mit dem Bemerken, es sei zu Ver- Handlungen jederzeit bereit. Einige Tage vor Ablauf der Kündi- gungszeit traten die anderen Fabrikanten in Aktion. Sie ver- langten, die Gekündigten sollten weiterarbeiten, der Gemotzregelte werde nicht weiter beschäftigt. Würde dem nicht entsprochen, folge die Aussperrung in den anderen Fabriken. Als der Hutarbeiter- verband erwiderte, in solchen Fällen habe das im Tarifvertrag vorgesehene Schiedsgericht zu entscheiden, erklärten die Fabrikanten. sie stellten sich dem Schiedsgericht, wenn vorher zugesichert würde, datz der Schiedsspruch zugunsten des Fabrikanten ausfalle. Die Arbeiter lehnten es ab, sich unter diesen Umständen an den Ver- Handlungen zu beteiligen. Das Personal der einen Fabrik stellte die Arbeit ein. Sogleich kündigten die anderen Fabriken ihrem Personal. Seit acht Tagen sind über zweihundert schuldlose Ar- beiter und Arbeiterinnen ausgesperrt, weil die Fabrikanten nach dem schlechten Beispiel der Grotzen auch mal aussperren wollten. Auf das vertraglich vorgesehene Schiedsgericht pfiffen die Herren, die auch wieder nach berühmten Mustern über Kontraktbruch und Terrorismus der Arbeiter zetern. Streikbrecher haben sich bisher nicht gefunden. Nun versuchen die Unternehmer, Streikarbeit in anderen Fabriken anfertigen zu lassen. Viel Glück werden sie auch damit nicht haben. Wird Zuzug ferngehalten und Streik- arbeit verweigert, dann werden die Nachäffer der Trotzen recht bald zur Besinnung kommen und Frieden schlietzen, Ei« lehrreicher Vergleich. Eine auch weitere Kreise interessierende Gegenüberstellung der Finanzgebarung in den fteien und in den christlichen Gewerkschaften veröffentlicht der„Proletarier", das Organ des Verbandes der Fabrikarbeiter. Er stellt zunächst sest, datz die christlichen GeWerk- schaffen im Jahre 1918 insgesamt nur 2 498 658 M. Unterstützungen an ihre Mitglieder gezahlt haben, während der Fabrikarbeiterberband allein noch etwas mehr, nämlich 2 615 912 M. dafür aufwendete, obwohl er nur rund 219 999 Mitglieder hat gegen 349 999 in den christlichen Gewerkschaften. Dann stellt der„Proletarier" die Ein- nahmen und Ausgaben, darunter gesondert die Ausgaben für Unter- stützungen und das Vermögen im Verband der Fabrikarbeiter den gleichen Posten in zwei christlichen Verbänden gegenüber. die für ihn als sogenannte Konkurrenzverbände m Frage kommen. ES sind dies der christliche Fabrik- und Hilfsarbeiter- verband und der christliche Keramarbeiterverband. Die absoluten Zahlen dieser Gegenüberstellung interessieren hier nicht, um so mehr die VerhäitniSzahlcn. Der durchschnittliche Beitrag ist danach im Verband der Fabrikarbeiter nicht höher als bei den Christen; die Ausgabe pro Mitglied ist aber nicht unwesentlich niedriger. Das heitzt, der Verband der Fabrikarbeiter hat einen grösseren Bruchieil der Einnahmen seinem Vermögen zuführen können. Betrachten wir aber nicht die Gesamtausgabe, sondern nur einen Teil davon, der für Unterstützungen ausgegeben wurde, so zeigt der Fabrikarbeiter« verband die weitaus höchste Ziffer. Von seinen Ausgaben flietzt also ein weitaus grösserer Bruchteil den Mitgliedern in Form von Unterstützungen aller Art diretl wieder zu. Man kann das»och schärfer herausheben durch Feststellung der Tatsache, datz im christ- lichen Hilfsarbeiterverband von jeder Mark Ausgabe nur 33 Pf. in Form von Unterstützungen an die Mitglieder zurückflietzen, im christlichen Keramarbeiterverband 49 Pfennig, im Verband der Fabrikarbeiter aber 65 Pf. Diese Gegenüberstellung zeigt, datz der Verband der Fabrikarbeiter den beiden christlichen Verbänden nicht nur als Kampforganisation, sondern auch im Unterstützungswesen weit überlegen ist. Der„Proletarier" verweist noch darauf, datz die den Mitgliedern so ungünstige Verteilung der Ausgaben in den beiden christlichen Verbänden nicht ein Beweis schlechter Finanz- Wirtschast sein müsse, sondern sich aus der geringen Mitgliederzahl in den beiden Verbänden mit erklären lasse. Daran knüpft er die sehr richtige Folgerung:„Aber gerade deshalb sollten die christlichen Arbeiter um lo eher zu der Ueberzeugung kommen, datz eS nicht nur krästezeriplitterung, sondern auch Geldverschwendung ist, wenn ab- seits von dem grotzen Heer der fteien Gewerkschaften Sondergruppen gebildet werde», denen das Leben ebenso schwer fällt wie das Sterben und deren Nutzen für die Arbeiter geringer ist als der Schaden, den sie direkt und indirekt der grotzen Sache des proletarischen Befreiungskämpfe« zufügen." Ruslanö. Neue Dynamitschurkerei. ---------.—_---------—------- New fhrrf, 12. Juli 1914. Die Inszenierung von Dhnamit-Attentaten zur Diskreditierung der Arbeiter�Bewegung will nicht mehr gelingen. Vor einiger Zeit meldete der Telegraph, datz ausständige Arbeiter der Westinghouse Electric Co.(Westinghouse Elektricitäts-Gesellschaft) zu East Pitts- bürg versuchten, deren Generaldirektor Herr mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Zufällig habe der Kaminbau-Meister R. O. Miller von Wilkinsburg die brennende Zündschnur gesehen und ausgelöscht. Streikende, welche von ihrem Versteck aus den Miller beobachtet, hätten auf diesen geschossen und ihn verwundet. kleines Feuilleton. Mobilisierung in Deutsihböhmen. — 28. Juli. Soeben bin ich aus den Bergen Deutschböhmens zurückgekehrt und kann den Lesern was erzählen. Von drüben konnte ich das nicht denn das Briefgeheimnis ist aufgehoben, um dle patriotische Begeisterung der Oesterreicher zu stärken, und wenn die Herren K K" diese Schilderung in die Hand bekommen hätten, wäre sie wahrscheinlich ins Feuer und der Schreiber in den Arrest gewandert. Denn etz kann in den Zeiten des gehobenen Patriotismus nicht ge- duldet werden, datz die Wahrheit unbefangen erschaut und mitgeteilt wird taohingegen wider Felix Saltens-ve Begeisterung an der Wiener Burgmusik im„Berliner Tageblatt" nichts einzuwenden sein •tolrbgifo erzählen wir: unverschmockt und rückhaltslos und nicht im Dienste des allmächtigen k, k. Generalstabs für die gesamte be- waffnete Macht.„ Spät, abends am letzten Sonnabend kam da« Extrablatt aus der S lädst das die Abreise des Gesandten aus Belgrad wegen„un- beftiedigeisder" Beantwortung des Ultimatums meldete. Man merkte: Kas Ultimatum hat die Regierung sofort veröffentlicht— beute erst am Dienstag, hat sie einen sehr knappen, von ihr an- aefertialen'.Auszug aus der serbischen Antwort zu publizieren geruht. Und was hat sich inzwischen begeben! Sonnabendnacht erreichten diese Nachyichteu nur die wenigsten in den Jndustriedörfern der Berqtäler«ist Sonntagsrüh war die Kenntnis allgemein und sofort flatterten dip ersten Gerüchte von Einberufungen auf. Niraendvvo auch nur eine Spur.Patriot», cher' Begelsterung, nein selbst bei den deutschnationalen Unternehmern, deren parla- mentarische Vertreter die Stützen der Radetzky-Renaissance find, nur Ernst und Scuae Die Post- und Bahnbeamten hatten schon vom Sonn aber» d zq m' S onnt ag Nachtdienst gehabt und jetzt kamen aus der Geaend dä°- Postamts und der Station immer neue Geruchte. Ter und jener sollie einberufen seilt- nichts Gewisses wutzte man nicht; bis Schli'g 6 Uhr an allen Ecken und Enden d.e grossen gelben �Plakate»rschw»-».����� Majestät haben eine teilweise Mobilmachung-, und Ausbietung des �anditurms allergnadtgit 0nCfS d�Alle. die gedient hatte., bis zum Alter von »7 Jahren, darübzr hinaus auch alle m.t Wldmungskarten(KrtegS. beorderungen) betgilten Landsturmmänner der Korps Prag, �eitmeritz. Graz. Agram, Srnpjewo. Dalmatien, Temesvar und noch eines dort unten, hatten binven 24 Stunden aus ihrem Aufenthaltsort in die LusrüstungSstation.abzugeben.„ e Dumpfe Verzwteiflung überall, die noch stleg, alS die Anfragen bei der Gendarmerst». und dem Gemeindeamt jeden leise hoffenden Zweifel der 37jähri.zen niederschlugen. Gleich waren auch die Kund- machungen über ditz Beschränkung deS BahnverkehrS und die Ein- führung der Feldpost(vorläufig noch ohne Wirlsamftltsdatum. demi an der Feldpost verlsient der Staat nichts) da. Es ist überaus be- zeichnend, datz, wähitend sonst jede?— auch jedes behördliche Plakat i» tschechischer Sprach« unfehlbar bmneu wemgen Minuten heruntergefetzt wird, sich jetzt keine aus Steuergeldern sub- ventionierte Jungmannenhand gegen die tschechischen Exemplare des herrlichen allerhöchsten Gnadenbeweises erhob. Der Schrecken herrschte— obgleich man es nicht einmal für nötig hält, die Ver- hängung des„ÄusnahmszustandS"(Belagerungszustands) anders als durch die prävemiv zensierten und trotzdem noch konfiszierten Zeitungen bekanntzugeben. Na ja, wenn die Staatsbürger sowieso keine Rechte haben, ivas geht sie deren Beschränkung noch an!! Marsch fort und fertig. Und dieser Befehl wurde nun am Montag ausgeführt. Zu jedem Zug zogen sie heran, in traurigen Haufen durch den Morast des Regentages, mit Weib und Kind, mit allen weinenden Verwandten. Ein noch nicht erlebte» Gedränge aus der kleinen Station, man er- klimmt Kohlenwagen, um am Abschied teilzunehmen. Vergebens spielt die Veteranen-(KriegervereinS-)kapelle das Kaiserlied oder auch die„Wacht am Rhein", die es hier jahrzehntelang ersetzte, vergebens rufen die Veteranen nach der stotternden Ansprache ihres Führers Hoch— nichts wie Jammer, Tränen, Schluchzen und ein einziger unvergetzlicher Aufschrei tieffter Seelenqual, als der überfüllte Zug abgeht, während die Bajonette der Gendarmen über die Masse der Zurückbleibenden hervorschauen. Auch nicht einem war eS in den Sinn gekommen, die mehrmals wiederholten Lieder, die man noch aus der Schule kennt, mitzusingen— nicht einem. Jammernd ziehen die verlassenen Mütter, Kinder, Bräute, Ge- schivister ab— und beim nächsten Zug ist's das gleiche. Nur datz einige, die die Angst im Fusel ertränkt haben, die kleinsten Kinder zum Lachen bringen... Dutzendweise sind am Sonntagvormittag Nottrauungen vor- genommen worden. dutzendweise bort man die Fälle, wo halb- verwaiste Kinder durch die Mobilisierung zu Ganzwaisen gemacht werden, mitunter auch wenige Stunden nach dem Begräbnis der Mutter, oder während sie im Krankenhaus oder Lungenbeim mit dem Tode ringt... Unzählige Geschäfte sind ruiniert, unzählige Familien dem Hunger preisgegeben, schon beginnt die Teuerung und der Staat gibt nur almosenhafte Beträge. Niemand weitz. wo der Vater, der Bruder, der Gatte, der Ernährer ist— fortgeführt wie sonst Güter ohne Willen,-ohne Wissen... *• ♦ ZeitungS Meldung: Se. Mas. Kaiser Franz Josef befinden sich in Ischl und sind trotz angestrengter Arbeit wohl. Extraausgabe! Aus Wien wird uns geschrieben: Nun kann man das geistige Gepräge Wiens richtig kennen lernen. DaS grotze Ereignis lockt die kleinen Geister auf die Straße. Bisher hat man geglaubt, Wien fei die Stadt der Intelligenz; weil hier der noto- rische Jammer intellektuelle Talente haufenweise zu Komuris macht, u>td weil hier die Zottelköpfe, die sich wie unerkannte Genies tragen, die Aussicht auf die Menschen verstellen. Aber nun ist das Volk auf der Straße und man erschrickt. Die zugewanderte Provinz zeigt sich, die tu ihrer auswahlreichen Rassen- und Nationen- Mischung die künftige Generation von Ladenschwengeln und ver- kannten Genies erzeugen wird. Der Geist der Enge, der sonst in seinen täglichen Verrichtungen dumpf dahinlebt, erfüllt die Straßen- breite. Noch ist es Angst und Neugierde, die sie hinaustreiben. Doch schon mischen sich die Untertöne eines unsinnigen, gedanken- losen Taumels hinein. Plötzlich sind alle zu Politikern geworden. Die 6jährigen und die 69jährigen. Ihre Weisheit unterscheidet sich in nichts. Jeder Soldat, vom Korporal abwärts, wird als autori- tative Persönlichkeit i»S Gespräch gezogen. An höhere Chargen trauen sie sich nicht heran. Noch haben sie nichts begriffen, denn es sind erst die Beziekrnngen abgebrochen. Ist aber erst die dunkle Angst, daß etwas geschehen kann, ivas selbst die ärmlichste Phan- .taste nebelhaft als ungeheuerlich empfindet, vor den Tatsachen ge- wichen, die geschehen iverden, dann erwacht in ihnen die Hurra- kanaille. Die nichts gewesen sind, die man nicht bemerkt und ge» zählt hat, werden plötzlich etwas; Feinde Serbiens und öfter» reichische Patrioten. Aber das kommt erst, wenn der erste Schlag geführt ist. Heute fliegt nur hier und da ein Bierglas in den feinen Restaurants gegen einen, den man für einen Serben hält, worauf man das Kaiserlied anstimmt. Hier unten reden und schreien nur die gegen Serbien, die bei jedem Spektakel„aa dabei" sind und die absolut nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn's drunter und drüber geht. Ein Fünfjähriger ruft unaus- hörlich: Extraausgabe! wie er'S von den größeren Jungen gehört, die welche verkaufen. Das erinnert mich daran, daß der Krieg vor allem ein Geschäft ist. Nicht nur für die. die Eisen in Stahl und Gold, sondern auch für die, die Holz in Papier und Geld ver- wandeln. Und wenn alle Mächte sich zerfleischen und vernichten; die sechste Macht, die das Reich beherrscht, gegen das die Götter selbst vergebens kämpfen und in dem der Horizont täglich mft Druckerschwärze verhängt wird, sie feiert klingende Siege schon vor der Schlacht; und sie wird nach jedem Massenmord triumphieren. Schon beherrscht sie alle Straßen»nit ihren Extraausgaben! Extraausgaben! Ein Nestor der Geologie. Im 97. Lebensjahr ist ein Mann dahingegangen, der in der Geologie eine bedeutende Rolle gespielt hat. Osmond Fisher war bis zum 49. Jahre Geistlicher. Da- neben, hatte er sich fteilich seit seinem Knabenalter mit Geologie beschäftigt und mit solchem Eiser und Verständnis Versteinerungen gesammelt, datz er die Wissenschaft damit zu bereichern vermochte. Seine größte Tat war die erstmalige Aufstellung der Theorie über die Bildung der Gebirge durch die Zusammenziehung der Erde. Diese Auffassung entstand in ihm schon im Alter von 24 Jahren. Im Jahre 1855 �eröffnete er der Erdbebenkunde einen neuen Weg, indem er das große Erdbeben von Visp in der Schweiz durch die Bildung oder weitere Entwicklung einer Verwerfung in der Erd- kruste erklärte. Seine Theorie der Gebirgsbildung untcrwqrf er später selbst einer Abänderung, indem er die Zusatwmenziehung der Erde für ungenügend erkannte, alle Unebenheiten der Erdober- fläche hervorzubringen. Damit gab er gleichzeltig seinen Glauben an die starre Beschaffenheit des Erdinnern auf und trat statt dessen mit Leidenschaft für das Vorhandensein einer flüssigen Schicht zwischen der festen Erdkruste und dem Erdkern ein. Daraus ent» wickelte sich nun eine neue Theorie der Gebirgsbildung, die seinen Namen in der Geschichte der Geologie verewigt hat. Sie beruht hauptsächlich auf der Vorstellung, daß den Gebirgen auf der Außen- seite der Erdkruste gleiche Hervorragungen entsprechen, die nach innen gerichtet sind, also gleichsam das Spiegelbild der Gebirge in der glutflüsiigen Schicht darstellen, von der die Erdckruste unter- lagert wird. Diese Auffassung hat manchen Widerspruch erregt, hat aber die Forschung gefördert. Onfere gesamte kapitalistische Presse legte daS Gesicht in ent» setzte Falten und entrüstete sich über die vor keinem Verbrechen zurückschreckende Ruchlosigkeit der begehrlichen Massen. Lange sollte die selbstgerechte Freude nicht vorhalten. Schon am nächsten Tage mutzte Miller auf Grund der von den gelernt, in Kamerun den Rest seiner Strafe verbüßen müsse, wo sr eben nur wie ein Neger behandelt werde; in den deutschen Gefängnissen gefalle es ihm viel besser,— Das Gericht erkannte auf 4 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Nachklänge zum Kieler Werft-Prozeß. Als ein Nachspiel zu dem großen Kieler Werstprozeß deS Jahres 1909 hat das Landgericht Kiel Ende Mai d. I. ein Bestechungsprozeß beschästigt, der am 28. Mai mit der Ver- urteilung von sieben Angeklagten endete. Es sind damals teils wegen akttver, teils wegen passiver Be- stechung verurteilt worden: Ter Oberaufseher deS Gefänanisses Gustav Hiestermann zu 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehren- rechtSverlust, der frühere Gerichtsdiener Johann Rolfs zu 2 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrenrechtsverlust, der frühere Hausvater. jetzige Zigarrenhandler Christian Wohlers zu 4 und der Arbeiter Claus Griese zu 3 Monaten Gefängnis; ferner der Kaufmann Julius Fronkenthal zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis und fünf Jahren EhrenrechtSvcrlust. sowie dessen Tochter, dce Kandödatin Dr. med. Käthe Frankenthal und der Diplom-Jn�nieur Walter. Heinrich, zu je 300 M. Geldstrafe. Der achte Angeklagte, Rudolf Rcugebauer, ein Kaufman aus Hamburg, ist freigesprochen worder». Aus der Vorgeschichte des Prozesses fei folgendes in Erinne- rung gebracht: Der Kaufmann Frankenthal und verschieden« an- dere Personen sahen, während die Voruntersuchung im Werüt- Prozeß schwebte, in Untersuchungshaft. In dieser Zeit hatten sie es möglich gemacht, sowohl untereinander als auch mit außen- stehenden Personen in Verbindung zu treten und wichtige Bewchis- stücke aus den Akten verschwinden zu machen, und zwar war ih»nen dies gelungen durch Bestechung der Beamten. Gegen das Uifteil hatten von allen Angeklagten nur der Kauftnann Julius Fravflen- thal und dessen Tochter Revision eingelegt, in der sie verschicken c Prozeßverstöße rügten und ferner geltend mochten, es hätte die Frage der Verjährung der Straftaten genauer geprüft Werden müssen. Der Reichsanwalt hielt nur die Revision des Julius Frankenthal für begründet, und zwar auch nur insoweit, fdi im Falle der Bestechung des früheren Gerichtsdieners Rolff;Me bereits eingetretene Verjährung in der Tat nicht berücksichtigt worden ist. Dem Antrag des Reichsanwalts entsprechend, hob dos Reichsgericht am Montag das Urteil gegen Julius Frankhnthal in diesem einen Punkte sowie hinsichtlich der Gesamtstrafe ottf, stellte das Verfahren im Falle Rolfs als unzulässig ein und pemvieS die Sache zwecks Bildung einer neuen Gesamtstrafe an die Bvrinstanz zurück. Im übrigen verwarf es beide Revisionen als unbegründet. Bachhaudinng; Vorwärts I-indensirasse 60 Der politische Streik von Ii. Laufenberg. VII und 260 Seiten(Bd. 54 der Int. Bibliothek.) Broschiert 2 M., gebunden 2«50 Neutrale und sozialisfische Genossenschaftsbewepug von Emil Vandervelde. Autorisierte Uebersetzung v. Hanna Gernsheimer-Hertz. 134 Seiten.(Band 55 der Int. Bibliothek.) Broschiert 1 M., gebunden 1,60 M. 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Gegenüber dem Treiben der Jungdeutschlandbündler, Pfad- finder usw., die sich nicht genug tun können in Kriegsspielereien, in Klimbim und Sportfexerei, gilt es zu zeigen, von welch idealem brüderlichen Geiste die arbeitende Jugend beseelt ist und wie sie ihre Feste feiert. Darum, junge Arbeiter und Arbeiterinnen, sorgt für Massenbesuch! Keiner darf fehlen! Alle Arbeitereltern und Freunde der Jugend sind herzlich eingeladen. Darum auf zum Masscnausflug! Parteiangelegenheiten. Achtung, erster Wahlkreis! Heute Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen auS. Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Borstand. Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 2. August: Ausflug nach Johannisthal. Treffpunkt mittags im Parkrestaurant. Jugeudsektion Lichtenberg. Donnerstag, den 39. Juli, Uljt: Versammlung bei Picckenhagen, Scharnweberstratze. Charlottenburg. Die Jugendsektion veranstaltet am Donnerstagabend einen Spaziergang nach dem See am Stadion. Treffpunkt 8 Uhr am Sophie-Charlotte-Platz sBank). Für Nachzügler 9 Uhr am Bahnhof Heerslrafie. Gäste willkommen. Neukölln. Am Mittwoch, den 29. Juli, findet keine Versamm- lung der Jugendsekiion statt. Dafür ist ein allgemeines Spielen auf dem Spielplatz Geygerstrafie sEcke Donaustrafie). Beginn 8 Uhr. Da der- Zahlabend im August am 5. August stattfindet, ist die nächste Versammlung erst am 12. August. Am kommenden Sonntag beteiligt sich die Jugendsektion an dem Massenausflug der Berliner Jugend. Treffpunkt morgens 7 Uhr Bahnhof Neukölln. Alle jungen Arbeiter und Arbeiterinnen über 18 Jahre sind zu den Veranstaltungen eingeladen. Adlershof. Morgen Donnerstag, abends 8>/, Uhr, im Lokal von Ziege, Bismarckstr. 29: Außerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: Der Parteitag in Würzburg und die neuesten polnischen Vorgänge. Referent: Reichstagsabgeordneter Fritz Zubeil. Potsdam. Heute Mittwoch, abends 8� Uhr. im Friedrichsgarten am Bahnhof Charlottenhof große Protestvorsammlung. Thema: Gegen den Krieg. NowaweS. Donnerstag, den 80. Juli 1914, abend» SVj Uhr: Oeffeniliche Versammlung im Lokal von Singer. Priesterstraße 31. Tagesordnung:.Gegen den Krieg'. Referent: Genosse Kurt Heinig. Genossen, sorgt für einen Massenbesuch I öerliner Nachrichten. Ernte. Nun sind nach der wonnigen Zeit des duftenden Blühens und des fruchtbaren Wachsens die Tage der Ernte gekommen... Wer aus Berlin hinausgeht, kann sich selber überzeugen. Die blanke Sense und die ratternde Mähmaschine legen wuchtig Bresche in die wogenden Getreidefelder. In breiten Schwaden decfen die dielmiÜianen Halme die weiten Felder; schon seit längerer Zeit neigten sie fruchtschwer die vollen Nehren. Und jetzt, nachdem die regentrrefende Reife erlangt ist. kommen die Menschen nnd ernten den köstlichen Reichtum. Eine große feierliche Stille schwebt über den Getreide- fluren: die Arbeiter verrichten schweißtriefend ihr schweres Werk. Höher und höher steigt die Sonne, starker wird die Hitze, heiße Glut lagert über den Feldern, die Erntetage rollen wie goldener Weizen d'ahin. cm-» �--- So weit das Auge reicht, heben sich die Wände des reifen Getreides. Die schlanken Garben fliegen hoch m die Luft, flinke Hände greifen zu und bauen daraus spitze Mandeln. Die Ernte des Jahres ist überreich, man findet das prachtige Erntelied Dehmels bestätigt: ES steht ein goldneS Garbenfeld. das geht bis an den Rand der Welt.., Ein Erntereichtum sondergleichen; aber wer sind die eigentlichen Nutznießer dieses märchenhasten Erntereichtums? Ein Sand voll rabiater Krautjunker, die es vor Jahrhunderten und bis auf den heutigen Tag verstanden haben, den schätze- bringenden Grundbesitz unter ihre Botmäßigkeit zu bringen. Die Sckaren der Erntearbeiter, die vom ersten Morgengrauen bis zur Nacht in der Gluthitze fronen, bekommen dafür nur die kärglichen Brosamen, die von der„Herren �sche fallen. Trotz der reichen Ernte wird es nach wie vor so bleiben, daß mm- Snk sch-.m nach w-t-' D-n gewinn stecken jene besitzgierigen Kreaturen ein. die d�s hungrige und rechtlose Volk mit Rettpei �peitsche, Sporn und Brotwucher niederhalten....<....... Wie lange noch wird dieser unsoziale und widernatürliche Zustand andauern?... Wie lange noch?. Vor mir auf dem Hügel schafft ein junger Landproletarier im ± lenste des Junkers. Seine sehnigen, bronzebraunen Arme meistern die in der Sonne grell aufleuchtende Sense wie ein.uchts; au� seinen klaren Augen blitzt entschlossene Tatkrast— kein Schein von der sonst üblichen Stupidität des Landarbeiters. Da� gibt Hoffnung: das sichert die Gewißheit, daß die Unter- drückten selbst die Kräfte aufbringen werden, die unwürdige Schmach der barbarischen Junkerherrschaft abzuschütteln. Dann verwirklicht sich das heitzersehnte, befreiende Erlojungs- wort: ES fegt der Sturm die Felder rein, «S wird kein Mensch mehr Hunger schrein.,« Eisenbahnplackcreien. Uns wird geschrieben:„Vor drei Jahren wurde die Vorortstrecke Berlin jPotsdamer Bahnhos)— Johannisthal— Grünau eröffnet und damit einem längst gefühlten Bedürfnis entsprochen. Die Einwohner Neuköllns begrüßten diese neue Verkehrsgelegenheit besonders, die es ihnen ermöglichte, ohne Umsteigen in direkter Fahrt nach der Ober spree und weiter zu gelangen, da durch die gerade Strecke Fahr- zeitverkürzung und billigerer Fahrpreis eintrat. Doch die Eisen bahnbehörde hat auch hier dafür gesorgt, daß des Lebens ungemischte Freude keinem Sterblichen zuteil werde. Ab gesehen davon, daß an den Sonntagen im Sommer die Züge zeitweise mindestens ebenso überfüllt sind wie au' anderen Strecken, ohne daß eine schnellere Zugfolge eingeführt wird, macht sich besonders während der Ferienzeit ein anderer Miß- stand recht fühlbar. Viele Personen, die jetzt an den Wochentagen die Wälder und Badegelegenheiten an der Oberspree aufsuchen wollen, empfinden es nachteilig, daß die Züge über Neukölln nur st ü n d l i ch dorthin verkehren. Wer nicht solange warten will, muß über Treptow fahren, dort umsteigen und noch 10 Pf. mehr Fahr geld bezahlen. Schlimmer noch ist es des Abends. Der letzte direkte Zug wird bereits um 8stg Uhr von Johannisthal abgelassen. Uhr abends statt. Jeder sstr den Brieslaften»eftimmten Äufrage ist ein vnchstade«nd eine Zahl alS Merljtichen detzufigen. vriesliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen lein« Abonnemcntsgnittnng deigefügt ist, «erden nicht deantwoetrt. Eilige Fragen trage man in der Eprechftnnde vor. W. S. 19. Wenden Sie sich an nachstehende Adresse: Vorfitzender der Arbeiler-BUdungSschule: H. Lamms, Lichtenberg, Ritlergutstr. 25 I.— St. 43. Ja.— O. P. Nein.— W. D. 30. Fragen 1.- 4. Nein. 5. So leicht nicht, nur im allcrfchlimmsten Falle. Keine übertriebene Besorgnis. — F. Sch. 12. 1. Die Auskunst der Kasse erscheint zutreffend. 2. Nein, da bei der Geringsügigleit deS Objekts auch elne JnvalidenversicherungSpslicht nicht besteht. Ihre Frau kann jedoch, wenn fie pflichtvcrfichert war, sich reiwillig weiterversichern.— B. U. 1. Das Forttreiben ist zulässig, jedoch ,ars keine Mißhandlung vorliegen. 2. Nein.— G. H. 37. Ihre Schwester soll es mit einem Antrag aus Invalidenrente eventuell aus Einleitung de» ellversahrens bei dem Verficherungsamt''""""" ineRückerstattu»! — A. 60 und 4_...______.... holen Sie Ihre Anfrage und fügen Sie den MietSoertrag bei. Außerdem geben Sie an, wann das Grundstück ucrsteigert worden ist.— I. W. 1. und 2. Die Fragen lassen sich erst nach Prüfung der Kostenrechnung beantworten.— K. Schl. 1883. Nein.— E.(6. I, Ja, sosern entbehrliche Sachen vorhanden sind. Falls der Vermieter seinen Anspruch ausgeklagt hat.— F. Sch. 77. Leider ja.—<£. P. 20. Sie müssen die Koslensorderung erst gegen den Ehemann ausklagen. Die Klage er- scheint aber zweiselhast.— F. 23. TcUcn Sie der Armenverwaltung Ihre wirtschastlichcn Verhältnisse schriftlich mit.— L. 1885. Nein.— M. 1000. Sie haben keinen Anspruch an den Nachlaß.— H. X. 47. Falls trotz Aufforderung Abhilfe nicht zu erlangen ist, erscheint eine Klage aus Ver- tragslösung durchführbar, sofern Sie Ihre Behauptungen beweisen tonnen. — E. H. 18. Sie können bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner wohnt, einen Zahiungsbesehl beantragen.— 0». B. 68. sie können bei einem Notar eine Erklärung abgeben, wodurch dann für die ukunst Ihr« Hastung ausgeschlossen wird.— M. s. 41. Falls iic Ihre Forderung ausklagen, kann von dem Einkommen des Schuldners ein Betrag von nionatlich 50 Mark gepfändet werden. —(if. H. 95. Wegen Steucrsordcrungen, die noch nicht länger als >/, Jahr fällig find, ist unbeschränkte Lohnbeschlagnahme zulässig, wegen Unierhaltsansprüche von Verwandten und Ehefrauen ebenfalls. Handelt es sich um Alimente sür ein uneheliches Kind, so muß dem Schuldner ein Betrag belassen werden, der zur Deckung seines notdürftigen Unterhalts ausreicht.— Sch. 29. Nein. Uebcr die Verwendung des Geldes haben Sie zu bestimmen, event.»ach Jnverbindungsetzung mit dem Vo«nund- chaslsgericht.--- G. B. l9l. Ein Gesuch braucht nicht eingereicht zu werden.— O. B. 22. Ja.— M. St, 200. 58 M. L-mdesstemv-I, eventuell noch 38,70 M. Rcichsstempel, abgesehen von Umsatz, und Wert- uwachssleuer.— Paul 9. 1. Sie find zahlungspflichtig. 2. Ja.— J. 3. Dazu find Sie verpfiichtel. sosern Sie im Kalenderjahr 1913 durch Erwerbslosigkeit mindestens ein Fünftel des JahresarbeitsverdiensteS ver- tustig gegangen find. In solchen Fällen wird das Einkommen nach dem <-■-ä..... �— Reinickendorf 48. —" 2. Ja. mutmaßlichen Verdienst des Steuerfahre» geschätzt.— Reinickcnd 1. Der Strasantrag könnte nur von der Gemeinde gestellt werden. älmtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktion über den Großhandel in den Zeniral-Markthallen.(Ohne Verbindlichkeit.) Dienstag, den 23. Juli. Fleisch: Rindfleisch per 50 kg Mark: Ochsenfleisch la 73-86, do. Ha 72—75, do. lila 60-70; Bullenfleisch la 70-80, da. IIa 65—69; Kühe, seit 44—57, do. mager 36— 46, Fresser 58—65, do. dän. 55— 65; Bullen, dän. 55—69. Kalbfleisch: Doppellender 105— 130; Mastkälber la 90—100, bot IIa 77— 89; Kälber ger. gen. 48—62. Hammel- fleisch: Mastlämmer 90—35; Hammel la 73—89, do. Ha 71—78, do. austral.—; Schafe 76— 82. Schweinefleisch 54—60.— Eier: Landetet Schock 3,50—3,90; Trinkeier 4,00— 4,20.— Butter: Molkereibutter per 50 kg 95—110; Landbutter 80— 90.— Gemüse, inländisches: Kartoffeln, neue weiße Magdeb. 4,50— 4,75, blaue do. 5.00—5,50, weiße Kaiserkronen 8,75— 4,00, Rosen 4,75—5,25; Porree Schock 0,50—1,00; Spinat 50 kg 10,00—15,00; Schoten 8,00—12,00; Mohrrüben 50 kg 8,00—4,00; Bobnen 50 kg 6,00—8,00; Champignon 50 kg 00,00-00,00; Kohlrabi Schock 0,50—0,80; Wirsingkohl Schock 3,00—6,00: Weißkohl Schock 3,00—6,00, Rotkohl, Schock 3,00—6,00; Blumenkohl, Erfurter 100 stück 4,00—20,00; Meerrettich Schock 3,50—12,00; Petersilienwurzel Schockbund 1,00—3,00; Radieschen Schockbund 0,70—1,00; Salat Schock 1,00—2,00; Zwiebeln, 50 kg 8,00; Tomaten 50 kg io— 15; Psefferlinge 20—25,00; Pussbohnen 50 kg 7,00—10,00. Ausländisches. Tomaten. italienische, 50 kg 4—13; do. französische 8,00—12,00; Blumenkohl, holländischer la 100 Stück 40,00, Zwiebeln, ital. 50 kg 7,00—8X10, do. ungarische 6,00 bis 7,00, do. Malta 13,00—16,00; Kurken, Holl. 100 Stück 3,00—8,00. do. do. Einlege-, Sack(zirka 4—6 Schock) 4,00—8,00.— O b st u n d Südfrüchte. Kirschen 50 kg saure 10,00—12,00, Thüringer 8,00—12,00, Wcrdersche saure 10,00—12,00, do. Natien 18,00—25,00; Aepsel, ital., 50 kg 16,00—20.00; ungarische. 12,00— 18,00; Birnen, ital. 50 kg 10.00—13,00, do. CoScie 24,00—26,00, französische 10,00—16,00; Tiroler MuSkaicller 10,00—18,00; hiesige 5,00—12,00; Pflaumen, italicn. 12,00—28,00; Bühlcr 16—18; Stachelbeeren, reise, hiesige, 5» kg 2,00—5,00; Himbeeren, 50 kg 30,00—35,00, Preß- 25,00—30,00; Johannisbeeren, hiesige 50 kg 8,00—10,00; Blaubeeren 50 kg 20,00—30,00; Aprikosen, italienische, 50 kg 00,00 bis 00,00, französische 10,00— 28,00, ungarische 8,00— 20,00, diesige 12,00—18.00; Pfirsiche, ital. 15,00—50,00, französische 15,00—50,00; hiesige 20,00—25,00. Weintrauben, siztlianische Milazzo 50 kg 26,00— 30,00, Algier 22,00—28,00; Bananen, Jamaika 50 kg 14,00—18,00, kanarische 50 kg 10,00—18,00; Erdnüsse 50 kg 28,00—30,00; Walnüsse, grüne 50 kg 10,00—12,00; Zitronen, Messina 500 St. 8,00—12,00, 300 Stück 8,00—18,00, Messina 360 Slück 6,00-14,00, Messina 150 Stück 6,00—10,00. Dklltslher AMkr-WailderblUld „Die Naturfreunde" Ortsgruppe Berlin. Ortsgruppe Berlin. Großer öffentl. Liciitbilder-Vortrag Freitag, de« 31. Juli, abends 8'/, Uhr. in Tempelhof- Mariendorf. Großer öffkMcher Fichtbilder- Vortrag _ über „Das Flandern in der Mark" Vortragender: Genosse Georg Krämer. Gintritt frei! tsiintritt frei! Alle Partei- und Gewerkschastsgenossen, Männer und Frauen von Tewpelhos-Mariendors sind zu dieser Veranstaltung eingeladen. 9)11 Deutscher Arbe-iter-Wanderbund „Die Naturfreunde". I. A.: Fritz Kruse. jtllgemgios Ortskrankenkasss für Zehlendorf und Umgegend. Die Mitglieder des Ausschusses werden zu einer Außerordeutlichell Sitzung am Donnerstag, den K. August 1914» abends<»'/, Uhr, im Restau- rant„Kaiserhof- Hierselbst, Pols- damer Str. 49a, hierdurch ergcbenst eingeladen. Tagesordnung: l. Wahl des Zlusschußvorsitzenden. 2. Vorlegung der Jahresrechnung. 3. Beschlußfassung über eine Kranken- ordnung. 4. Beschlußfassung über Einführung von Zusatzbeiträgen zur Familien- Hilfe. 5. Beschlußsassuna über die Dienst- ordnung der Angestellten. Zehlendorf, 27. Juli 1914. Der Vorsitzende. Fr. Schweitzer. 276/4 Spezialarzt Dr. med. WockenfnB, Ffiedrichstr. 125(Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlioh-Hata-Kur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sicheso schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. Spr. vorm. 9— Um. 8, Soimt.9— 11. Stempelfabrik Robert Hecht, InhJUr.Sehneller Berlin 8. 4«, Ritterftr. 116, lietert schnell und billig alle Arten Stempel tu bester Ausführung. Erstklassige Briketts: 1 II.7.40 f. lOOO Stflck, 1 Riesenformat 7, Halbsteine 1 1 M. 0.73 f. 1 Zentner, feinst.| Brennholz billigst, I Michel-Brikett-Vertrieb I Kcnkttlln, Enesebeckstr. 148. Telephone: 1610 n. 2133. 3b Strien stünden - Die- Wochenschrift für Arbeiiersamiliea Wöchentlich 1 Heft für 10 Pf. verantwortlicher Redatteuri Albert Wach». Berlin. Für de» Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag:BorwSrt» Buchdruckerei n. VerlageanstaU Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 204. 31. Iahrgaug. 3. Öfilnic des JotmWs" Kcrlim PoMiitt Pttiiid), 29, Juli 1914 Eine Woche Straßenkämpfe. Der amtliche Telegraph hat am 26. Juli die Nachricht über- mittelt, daß in Petersburg und Moskau nebst den dazugehörigen Gouvernements der Zustand des außerordentlichen anstatt des verstärkten Schutzes erklärt worden ist. Noch zwei Tage vor- her, in der Sitzung vom 24. Juli, hatte der Ministerrat sich gegen diese außerordentliche Maßnahme ausgesprochen. Jetzt aber hat die Regierung sich auf die Seite der militärischen Traufgänger gc- stellt, die die Arbeiterbewegung in den Hauptstädten mit K a- vallerie und Maschinengewehren nicdertram- p e l n wollen. Nachdem die Kosaken und Polizisten schon seit einer Woche in den Straßen Petersburgs wie in einem eroberten Lande gewütet haben, soll nun die spontane Protestbewegung der Arbeiter, die durch das Wüten der Soldateska zur maßlosen Erbitterung der Arbeitcrmasscn geführt hat, in einem Meer von Blut ertränkt werden. In den Kreisen der Regierung ist man der Ansicht, daß die Streiks und Demonstrationen der Arbeiter nur deshalb einen so gewaltigen Umfang angenommen haben, weil zahlreiche Polizei- Mannschaften zum„Schutz" der französischen Gäste aus den Vor- städtcn in die innere Stadt entsandt werden mußten. Das ist natürlich eine riesige Uebertreibung. Allerdings waren zahlreiche Trupps aufgeboten worden, um die innere Stadt vor dem An- stürm der demonstrierenden Arbeitcrmassen zu„schützen" und dem französischen Präsidenten den Anblick des revolutionären Volks- meeres vorzuenthalten. Aber dieselbe Taktik wurde auch bei den vorhergehenden Massenstreiks der letzten zwei Jahre geübt, ohne daß die Bewegung je einen solchen Umfang und eine solche Stärke erreicht hätte. Richtiger wäre es zu sagen, daß gerade das blind- wütige Dreinhauen der Kosaken und Polizisten, die in den Ar- beiterdemonstrationen eine absichtliche„Störung" des offiziellen Verbrüderungsfestes mit dem französischen Präsidenten sahen, die anfangs friedliche Protestbewegung der Arbeiter in einen offenen Zweikampf der Arbeitermassen mit der bewaffneten Macht ver- wandelt hat. Zu Beginn der Betvegung waren die Arbeiter, em- pört durch das Blutvergießen auf den Putilow-Wcrken, bei dem 60 Personen verwundet und 4 getötet wurden, auf die Aufforderung der leitenden Parteiorganisationen in einen dreitägigen Protest- streik eingetreten. Aber durch das Vorgehen der Kosaken und Poli- zisten waren die Massen so erbittert, daß die zur Einstellung des Streiks am Abend des 26. Juli auffordernden Losungen der füh- renden Parteiinstanzen(die übrigens durch die Konfiskation der beiden sozialdemokratischen Blätter den breiten Massen vorenthalten wurden) kein Gehör fanden. Waren noch bis dahin die Straßen Petersburgs mit friedlich demonstrierenden Arbeitermassen besetzt, die dem vorüberfahrenden Präsidenten Poincare entgegenriefen: „Hoch die Republik! Am ne stiel Nieder mit der Selbstherrschaft! Hoch die Freiheit!", so schritten die Arbeiter durch die fortgesetzten Attacken der Polizei und der Ko- saken zur höchsten Wut entflammt, am 21. Juli zu der Errich- tung von Barrikaden in verschiedenen Stadtteilen Peters- Sburgs. Zum ersten Male seit ihrer Gründung sah die russische Hauptstadt riesige Barrikaden emporwachsen, hinter denen die mit Steinen bewaffneten Arbeiter vor den anstürmenden Kosaken Deckung suchten. Die heftigsten Zusammenstoße fanden statt in der Nacht zum 22. und 23. Juli wie auch im Laufe des darauffolgenden Tages. Von den Arbeitern nahmen an diesen Kämpfen einige Tausend Personen teil. Auf den meist aus Telephon, und Telegraphen» stangen, umgestürzten Wagen,Steinhaufen usw. bestehenden Barri- kaden, die kunstgerecht mit Draht umflochten waren, flatterten rote Fahnen. Kinder und Frauen nahmen an dem Bau der Barrikaden teil. Von der Polizei zerstreut, sammelten sich die Menschenhaufen wieder an einer anderen Stelle, um den Kampf aufs neue aufzu- nehmen. Polizei und Militär überschütteten die Arbeiter mit Ge- wehrsalven, doch ist es z.Zt. unmöglich, die Zahl der Toten und Verwundeten festzustellen, da die Arbeiter einen großen Teil der Verwundeten mit sich nahmen, damit sie der Polizei nicht in die Hände fielen. Während der ganzen Woche, wo die Straßenkämpfe in Peters- Lurg sich abspielten, streikten nach den Angaben der Fabrikinspek- tion, die sicherlich noch zu gering sind, in Petersburg allein über 266 666 Arbeiter. Selbst solche Fabriken, die wie die beiden Newa- Garnmanufakturen, die Ncwa-Baumwollspinnerei, die Fabrik von Tornton usw., seit 1964 kein einziges Mal gestreikt haben, schlössen sich, als die Straßenkämpfe in der Hauptstadt begannen, dem all- gemeinen Ausstand an— ein Zeichen, wie tief selbst die rückstän- digsten Schichten des hauptstädtischen Proletariats durch die jüngsten Ereignisse entflammt worden sind. Auch ein Teil der Straßen- bahnangestellten und ein Teil der Werkstätten der Baltischen, War- schauer, Moskau-Windauer und Nikolaibahn stellten die Arbeit ein. Aehnliche Nachrichten liefen von der Moskau-Kasan- und Moskau-Kursker Bahn ein. Nur ein gewaltiges Auf- gebot von Militär und Gendarmen verhinderte den Anschluß der wichtig st en Bahnen an den Streik. Wie groß der Umfang und die Stärke der Bewegung waren, geht auch daraus hervor, daß die Kasernen der Marine soldaten von bewaffneten Soldaten, Unteroffizieren und Offizieren bewacht wurden, damit die in den Kasernen eingeschlossenen Matrosen nicht zu den Arbeitern übergehen sollten. Während diese Zeilen in den Druck gehen, dauert der Streik in Petersburg noch fort; die Unternehmer wie die Arbeiter haben eine abwartende Stellung eingenommen. Ein Teil der Unternehmer möchte die Arbeiter aussperren, um sie exemplarisch zu„züchtigen". Aber selbst der Minister des Innern Maklakow rät den industriellen Scharfmachern dringend, von dieser Maßnahme Abstand zu nehmen. Inzwischen herrscht in den Arbeitervierteln Petersburgs ungehindert Polizei und Militär. Die Straßen scheinen ausgestorben zu sein. Die Einwohner sind in den Häusern eingeschlossen, deren Eingänge von den Dworniks(Hausknechten) bewacht werden. Die geringste Nienschenansammlung wird von Militär zerstreut. In den um- gebenden Wäldern streifen Militärpatrouillen herum, um etwaige geheime Arbeiterversammlungen durch Schüsse auseinanderzu- treiben. Die Gefängnisse und Arrestlokale sind überfüllt, da sämt» liche auch nur irgendwie„verdächtige" Arbeiter verhaftet worden sind. Die beiden sozialdemokratischen Blätter sind, nachdem sämt- liche Nummern während der letzten Woche schon in der Ma- s ch: n e konfisziert wurden, am Erscheinen verhindert, da die Mit- arbeiter mW Angestellten am Abend des 21. Juli verhaftet worden sind Von polizeilicher Seite wurde ausgesprengt, daß in ihrer Gestalt endlich das langgesuchte„Streikkomitee" verhaftet worden sei, aber di« Fortdauer des Streiks nach diesen Verhaftungen zeigt am heften, wie irrig diese Anschauung war. die Ernährung öes deutschen Volkes im Kriege. Deutschland ist bekanntlich nicht imstande, die zur Er- nährung seiner Bevölkerung erforderlichen Lebensmittel selbst zu produzieren. Ein volles Drittel des Nahrungsbedarfs an Getreide ist in den Jahren 1911 bis 1913 eingeführt worden. Es entsteht daher die Frage: Kann Deutschland in, Falle eines Krieges die Einfuhr von Lebei�smitteln, wenigstens teilweise, aufrecht erhalten oder unter Anwendung besonderer Maßregeln aus eigener Kraft die erforderlichen Nahrungs- Nüttel produzieren? Diese durch die drohende Kriegsgefahr akut gewordene Frage ist gerade in den letzten Jahren von verschiedenen Seiten zu lösen versucht worden. Die Resultate sind ein- ander widersprechend, insbesondere neigen die militärischen Autoren dazu, die Frage optimistisch zu beurteilen. Eine uni so größere Beachtung verdient daher ein Aufsatz im neuesten Heft der„Preußischen Jahrbücher" von Dr. Karl B a l l o d, ord. Professor an der Universität Berlin, der durch verschiedene volkswirtschaftlich-statistische Veröffentlichungen sich als ein guter Kenner der Materie gezeigt hat. Der konservative Autor kommt zu dem Schluß, daß durch einen Krieg unsere Volksernährung aufs äußerste gefährdet werde. „Unter den heutigen Verhältnissen muß ein Kriegsausbruch für die Jndustriebevölkerung Westdeutschlands i» wenigen Wochen zur Katastrophe führen, die Vrotpreise würden in kürzester Zeit eine für die Masse der Bevölkerung unerschwingliche Höhe er- reichen. Dem könnte man allenfalls begegnen, wenn man, wie in einer belagerten Festung, sofort alle Brotvorräte für den Staat konfiszierte und alsdann die Brotration für die Bevölke- rung von ganz Deutschland entsprechend dem tatsächlich Vorhan- denen Vorrat herabsetzte. Eine große Kindersterblichkeit ließe sich fteilich nicht vermeiden— auch der Hungertyphus würde Opfer fordern." Dr. Ballod weist nach, daß bei einem Kriege des Drei- bundes(Oesterreich, Deutschland, Italien) gegen den Drei- verband(Rußland, England, Frankreich) mit einer vollstän- digen Blockade aller Zufuhrhäfen zu rechnen sei, wie denn auch gutz informierte englische Autoren unbedenklich aus- geführt hätlen, daß man Deutschland aushungern könne. Es sei nicht einmal nötig, die Neutralität Belgiens und der Niederlande zu verletzen. Die unter der Flagge Hollands und Belgiens schwimmenden Getreideschiffe seien zu zwei Dritteln englischer Nationalität. Die deutschen Schiffe würden ge- kapert werden. Belgien, Holland und die Schweiz seien selbst auf Einfuhr angewiesen. Oesterreich-Ungarn habe selbst in günstigen Jahren keinen Ueberschuß an Getreide, ebensowenig Italien; Rumänien dagegen, das in guten Jahren etwa zwei Millionen Tonnen ausfiihrt, sei fiir Deutschland unsicher ge- worden. Es biebe nur die Möglichkeit, die neutralen Schiffe in norwegische Häfen zu beordern, um dann mit der Bahn Getreide nach Deutschland zu bringen, was aber technisch kaum durchführbar sein dürfte, auf jeden Fall aber von England verhindert werden würde. Der Verfasser zerstört dann die Legende, daß Deutschland, wenn es besondere Maßregeln ergriffe, in der Lage sein könnte, die Eigenproduktion von Nahrungsmitteln auf eine Höhe zu bringen, um die Ernährung des Volkes zu ermög- lichen. Es sei sogar zweifelhaft, meint er, ob die Landwirt- schast, die durch den Krieg rund eine Million männlicher Arbeitskräfte und die fremden Wanderarbeiter verlieren würde, mit dem verbleibenden Rest von Arbeitskrästen die Erhaltung der Ernten auf jetziger Höhe werde halten können. Man werde sich damit abfinden müssen, sofort ini ersten Kriegsjahr eine Einschränkung des Fleisch- und Milchkonsums auf etwa 75 bis 89 Proz. vorzunehmen, auch in dem Falle, wenn man den ganzen Jungviehbestand-und drei Viertel des Schweinebestandes zwecks Ersparnis an Futter sofort ein- schlachten sollte. Der vielfach gemachte Vorschlag, Kleie für die menschliche Ernährung zu verwenden, beruhe auf einer gefährlichen Selbsttäuschung. Das Eiweiß der Kleie könne nur vom tierischen Magen, aber nicht vom menschlichen Magen ausgenutzt werden. Mit diesen Ausführungen halte man die Hetzereien zu- samnien, die in einem großen Teil der bürgerlichen Presse beliebt werden und die Kriegsgefahr in bedrohliche Nähe rücken helfen._ Noch einmal öie Ausschreitungen in München. Nirgends wohl hat der patriotische Mob sich so aufgeführt wie in München, lieber die Ausschreitungen an und vor dem Cafö Fahrig haben wir bereits berichtet. Die„Münch. Neuesten Nach- richten", die mit ihren Sympathien durchaus auf feiten der Kriegs- Patrioten stehen, sind genötigt, von noch anderen schlimmen Aus- schreitungen zu melden: Ein Herr hatte auf der Straße zu den Umstehenden eine Aeußerung getan, die diesen nicht gefiel.„Ein Wort gab das andere, und in« Nu verbreitete sich das Gerücht, daß ein Serbe„Hoch Rußland I",„Nieder mit Deutschland I" gerufen habe. Man fiel über den Herrn her, der sich flüchtete. Er eilte in ein Haus an der Herzog-Wilhelm-Straße und suchte Schutz in einer im zweiten Stock gelegenen Pension. Rasch sammelte sich vor dem Hause etne vielhundertköpfige Menge an, die schreiend und lärmend die Herausgabe des angeblichen Gerben verlangte. Auf einem Laternenpfahl vor dem Hotel„Savoy" wurde aus Latten ein „Galgen" errichtet, an dem eine aus einem Besen und einem Sack hergestellte Gestalt aufgehängt wurde. In der von Menschen dicht gefüllten Gasse, die noch durch die zum Umbau des Hotels„Savoy" enöttgten Materialien eingeengt war, konnte die reitende Schutz- mannschast nichts ausrichten, ivollte sie nicht ein Unglück hervor- rufen. Endlich gelang es einem von der Polizei requirierten Auto, durch die tobende Menge vor das Haus zu kommen, in dem sich der angebliche Serbe befand. Polizeibeamte nahmen den Herrn in die Mitte und bestiegen mit ihn, das Auto, auf das von der Menge mit Stöcken und Schirmen eingeschlagen wurde. Steine und Sand flogen gegen das Gefährt, dem eine ungeheure Menschenmenge zur Polizeidirektion folgte. Der im Wagen befindliche Polizeikommissar wurde von Stockschlägen ge st reift, jedoch nicht verletzt. Auch der Herr, der die Ausregung verursacht hgtte, blieb unverletzt. Er wurde zur Polizeidirektion gebracht, wo sich herausstellte, daß er ein Reisender aus Berlin ist. Nach den bisherigen Feststellungen haben feine Worte, die den Anlaß zum Tumult gaben, ge- lautet:„Die Münchner haben sich wie die Vandalen benommen". Der Reisende bat den Tag über bei der Polizei verbleiben zu dürfen. Am Abend verließ er unauffällig das Polizei- gebäude. Drei Personen wurden wegen Tätlichkeiten gegen die Polizeiorgane festgenommen. Ilebrigens ist das Publikum in München geradezu s y st e- matisch in den Taumel hineingesetzt worden. Auch darüber kann man aus dem Münchener liberalen Blatte Näheres erfahren. Mit Begeisterung berichtet ss von der Parade bor der Feldherrn- Halle:„Die Musik des Infanterie- Leib- Regiments, die mit österreichischen Märschen anrückte, ward schon von Hunderten von hochrufenöen Menschen begleitet. Auch als die Wache ins Gewehr trat, setzten sich diese,Ruse fort. Man grüßte ehrerbietig die Fahne. Als dann die Kapelle oben ihrep Platz eingenommen, spielte sie, dem Gesang der Menge folgend, z u e r st die Wacht am Rhein, hierauf„Gott erhalte Franz den Kaiser", und dann, ebenfalls in das Lied der Massen einstimmend, den „GutenKameraden". Nun begann die Kapelle das eigentliche Programm der Standmusik mit der Tannhäuscr- Ouvertüre. Der Offizier der Wache aber instruierte, dem Empfinden der Menge entgegenkommend, de» Militärdirigenten, er möge lieber der Stunde angepaßte Weisen wählen.' Der schneidige Radetzkymavsch erscholl, der'Hoch» und Deutschmeistermarsch und das Lied vom Priyz Eugen. Bei der Königshymne wandte sich alles hochrufend der Residmiz zu, an deren Fenstern Staatsrat v. Dandl und Geueraladjutantr v. Walther erschienen waren. Die Musik spielte noch das Flottenlied ipid „Deutschland, Deutschland über alleS", � dies« mal unter Mitwirkung der Tamboure, die mit prasselndem Wirbel die Weise begleiteten. Alle Männer nahmen die Hüte ab, es wurde ein Hoch auf den Kaiser ausgebracht, wozu ein Herr aus dem Publikum aufforderte. Als die Musik abzog, begleiteten sie viele Hunderte, T(scher und Hüte schwenkend." Das sind geradezu Provokationen einer radaulustigen Menge. Jene Leute, die sie veranlaßten, trifft die Hauptschuld an den empörenden Ausschreitungen, die dort in München vorgekommen sind— und wer weiß wie bald auch noch an viel Schlimmerein. Ein kriegsbilö. Vor 4 Jahren ließ der konservative weimarische Land» tagsabgeordnete Ziehn in Niederzimmern eine patxio- tische Broschüre erscheinen:„Erinnerungen eines sechste? Ulanen an 1876/71". Diese Broschüre ist wider den Willen des hoch- patriotischen Autors zu einer wilden Anklage gegen Militarismus geworden. Es heißt da auf den Seiten 45— 47: „Der 15. Oktober war der Tag fürchterlichste: Vergeltung für den Ort Varize, wie auch für Civrh." Wörtlich heißt es dann: „Es wurde vom Rittmeister von Stockhausen, uns lrue den übrigen Truppen auch, der Befehl gegeben: Ihr wißt, wie sich dtiFe Dörfer gegen uns vergangen haben. Es soll ein Exempel statuiert werde?, und es wird alles, was vor die Lanzen kommt, er» ftochen oder erschossen, einerlei ob alt oder jung, ob Mann oder Frau..." Es wird dann drastisch geschildert, wie der Befehl ausgeführt worden ist: ,„Da kommt aus dem Ort heraus eine zirka 65 Jahre alte Frau mit einem Säugling auf dem Arm auf mich zu, gewaltig schimpfend und den Durchlaß fordernd. Ich brachte es aber wirklich nicht fertig, gerade diese(!) alte Frau mit dem Kind zu erschießen, durchlassen durste ich sie aber auch nicht-, also setzte ich ihr die Lanze auf die Brust, sie zurück- treibendr T« kommt aus dem brennenden Ort hcrauS mein schon mehrfach erwähnter Rekrutenleutnant v. Langer- mann mit zwei Mann gesprengt mich anrufend:„Nun, Ziehn, warum erschießen Sie die Frau nicht, sie schimpft fürchterlich auf Sie", und als ich etwas entgegnen wollte, sagte er:„Nun, dann befehle ich Ihnen,'die Frau zu erschießen." Da natürlich half alles nichts. Der Schuß krachte, streifte aber nur einen Arm der Frau.„Äancht nicht schießen,", sagte einer seiner Leute, welcher damals mit bei Leutnant Fleischer gelvesen war. Ein Krach, d i e Frau fiel tot vornüber, das Kind flog im Bogen auf den Acker, wo es schrecklich weinend liegen blieb... Einer wollte den daliegenden Säugling mit dem Bajonett durchstechen mit den Worten:„Das Wurm wird einmal gerade so schlecht wie die„anderen," ein anderer aber nahm auf meine Bitte das Kind und trug es hinter einen zirka 166 Meter entfernten Schober, wo ich es, solange ich noch blieb, weiter weinen hören konnte.. An einer anderen Stelle schildert Ziehn, wie es em�x Anzahl in einen großen Garten geflüchteten Personen, auch Frauen, erging: „Da erschienen auch hier die Bayern und knallten alles nieder wie auf dem Exerzierplatz nach der Scheibe schießend." Herr LandtagSabgeordneier Ziehn erzählt dann, daß nach dieser Massenmörderei der Befehl kam,„nunmehr nur waffenfähige Personen zu erschießen". Aber es heißt dann weit«:„Da die Bewohner sahen, daß nicht mehr geschossen wurde, trugen sie aller- Hand Möbel, Betten usw. heraus tmf das Feld. Mit einemmal kamen einige Trupps Bayern aus Varige herüber, und da den- selben der Befehl, andere als waffenfähige Personen nicht zu er- schießen, nicht zugegangen war, so fingen sie an, auch hier alles niederzuschieße n." Das sind die Heldentaten des Krieges, die erst lange nachher aus dem Versteck ans Licht gezogen werden, uyd die man den liberalen Kriegshetzern rechts und links um die Ohren fchlqgen soll! Soziales. Die Großen fressen die Kleinen. Die letzten Berichte der Fabrikinspektoren melden an einig«? Stellen auch von einem weiteren Zurückgehen der durch Wind und durch Wasser betriebenen Getreidemühlen.„Wiederum", so heißt es im Berichte für den preußischen Regierungsbezirk Magdeburg, „sind zahlreiche Windmühlen im Kampfe mit den Graßbetriebey unterlegen; ihr Rückgang beträgt etwa 16 Proz. Im Regierungs- bezirk Marienwerdcr nahmen die „mit Verbrennungs- und Dampftnaschinen arbeitenden Mühlen ständig zu; dafür mußte aber eine weit grössere Zahl von Wind- und Wassermühlen in den Bcrzcichnisscn gcstrilhcn werden, weil sie infolge des Wettbewerbs der größeren Anlagen ihren Betrieb einstellen oder keine Arbeiter mehr beschäftigen." Mit den Wind- und den Wassermühlen venschiiündet ein Stück alter Romantik. Heute sitzt man immer weniger„dort drunten an der Mühle" am Bach„in süßer Ruh", sondern es entstehen ge- waltige Gebäude mit vielen Geschossen, die vielfach an großen Wassern, an Häfen usw., liegen. Es ist zwecklos, die entschwundenen Zeiten wehleidig zu bo trauern. Schon früher hatten die alten, kleinen Verhältnisse, aus der Nähe besehen, nicht immer dem äußeren Anschein recht gegeben; es sah oft fragwürdig genug aus. Heute aber sind die engen Verhältnisse für das Menschenheer völlig unzureichend geworden. Wer möchte heute unbeschadet aller wirklichen oder vermeintlichen Romantik mit der Postkutsche lieber als mit dem Schnellzug fahren? Die Technik wirkt revolutionär. Keineswegs ist natürlich damit gesagt, daß die kapitalistischen Großbetriebe fehlerfrei sind und die nötige und mögliche Rücksicht auf die in ihnen beschäftigten Arbeiter nehmen. Steter, mühseliger Kampf der Arbeiter ist er- forderlich, um die Gefahren für Leben und Gesundheit zu mindern und die Lohn» und Arbeitsbedingungen der Großbetriebe besser zu gestalten. Dieser Kampf ist notwendig trotz der besseren Rentabili- tät der Großbetriebe. Daß die Großmühlen vorteilhafter arbeiten, geht zum Beispiel aus einer Mitteilung der Gewerbeaufsichts beamten für den Bezirk Posen hervor. Da heißt es: Infolge des regnerischen Wetters während der Ernte war da? Getreide vielfach feucht und brandig, so daß es möglichst rasch vermaßen werden mußte. Tie grosseren Mühlen arbeiteten des- halb meist auch nachtS. Dieser„Umsturz des Bestehenden" vollzieht.sich unter den Augen und vielfach unter tatkräftiger Mitwirkung patentierter Mittelstandsretter. Da wissen sie fein zu schweigen; wenn aber wegen eines Konsumvereins wirklich oder angeblich irgendein kapitalschwacher und geschäftsunkundiger Krämer einpacken mutz, dann schreien sie Zeter-Mordio. AuS dtktt Jnnungsschiedsstericht. Eine Zuständigkeitsfrage. In der Streitsache eines Tischlers gegen die Firma Zelder u Plathcn bezweifelte der Kläger die Zuständigkeit des Jnnungs- schiedsgerichiS. Die beklagte Firma sei ein Fabrikbctrieb und ge- höre deshalb gesetzlich der Zwangsinnung nicht an. Wenn die Firmeninhaber für ihre Person der Innung beitreten, so berühre das die Arbeiter nicht. Für die Klage sei das Gewerbegericht Lichtenberg zuständig. Der Vorsitzende bezeichnete diese Auffassung als irrtümliche hmd erklärte das Schiedsgericht für zuständig. Die Ansicht des Vorsitzenden wird keineswegs durchweg geteilt. Urteile deZ Berliner sowie des Lichtenberger Gewerbegerichts sstehen auf dem entgegengesetzten Standpunkt. In der Sache selbst handelte es sich um einen Bkkordrest. Durch seine plötzliche Entlassung war dem Kläger die Möglichkeit ge- norgm'en, den fast beendeten Akkord fertigzustellen. Der Vertreter der Uirma, Kind» glaubte in der Aeutzerung des Klägers: Kind wolle eine gegebene Zusicherung umgehen, eine grobe Beleidigung finden zu müssen. Darin folgte ihm das Gericht nicht, sah die Ent- lassung als ungerechtfertigt an und verurteilte die Firma zur Zahlung der geforderten 16*14 M. Ladcnschlussgesetz in Zürich. Im Kanton Zürich ist man daran, den Ladenschluß gesetzlich zu regeln. Die Regierung hat dem Kantonsrat den Entwurf zu einem Gesetze vorgelegt, nach dem einheitliche Bestimmungen für den ganzen Kanton gelten sollen und es nicht den einzelnen Ge- meinden überlassen bliebe, ob sie die Wohltat eines rechtzeitigen Ladenschlusses gewähren wollen oder nicht. Der Entwurf umsaßt alle Laden- und Ablagegeschäfte, Verkaufsstellen und Warenhäuser. soweit es sich dabei um die Bedienung der Kunden und den Ver- kauf von Waren handelt, sind einheitliche Vorschriften über den Werktagsladenschluß für den ganzen Kanton und für das ganze Jahr aufgestellt, und zwar bildet der Ladenschluß um 8 Uhr die Regel. Für die Sonntage und Vorabende von gesetzlichen Ruhe- tagen darf der Ladenschluß um eine Stunde hinausgeschoben werden. Diese Ausnahme soll gestattet werden, weil nach den Be- stimmungen des RuhetagSgesetzes die Verkaufsläden am Sonntag gänzlich zu schließen sind oder nur während kurzer Zeit offen ge- halten werden dürfen. An den Vorabenden von Ruhetagen finden vermehrte' Einkäufe statt, was ein längeres Offenhalten notwendig erscheinen läßt.' Im Monat Dezember wird der Ladenschluß des größeren Andrangs der Käuferschaft wegen für alle Werktage um eine Stunde hinausgeschoben. Die Gemeindebehörden sind befugt, nach Anhörung der Beteiligten, den Ladenschlutz für die ganze Ge- meinde auf eine frühere Zeit anzusetzen. Die Apotheker sind dem Gesetze nicht unterstellt. Für einzelne Geschäftszweige, die unter besonderen Verhältnissen arbeiten, sollen Ausnahmen vorbehalten bleiben. Für außerordentliche Anlässe, wie Märkte, Ausstellungen, Feste, Truppenmanöver, können weitere Ausnahmen vom Regie- rungsrat bewilligt werden. D'er Entwurf bleibt hinter zahlreichen Läden zurück, die heute bereits um IM Uhr abends schließen. Und dennoch hat die kantonS» rätliche Kommission den Entwurf bis zur Karikatur verschlechtert. Sie hat den Ladenschluß auf 8V2 Uhr verlegt und den Gemeinden das Recht vorgesehen, für die Monate April bis Ende Oktober den Ladenschluß auf 9 Uhr abends festzusetzen. Ferner wird der Regierung das Recht erteilt, einzelnen Geschäften, die unter be- sonderen Verhältnissen arbeiten, weitere Ausnahmen zu bewilligen, so daß schließlich je nach der Handhabung dieses Rechtes vom ganzen Ladenschluß nicht viel mehr übrig bleibt. So ist der Entwurf zu einem Ladenschlußgesetz zu einem recht mittelständischen Machwerk geworden, mit dem dem Ladenpersonal sehr wenig geholfen ist. Ob der Kantonsrat die Beschlüsse seiner Kommission korrigieren und mindestens den ursprünglichen Regie- rungsentwurf wieder herstellen wird, mutz abgewartet werden. Gegen die Umsatzsteuer. Die schweizerischen Mittelstandspolitiker möchten alle schlechten Einfälle ihrer ausländischen Klassengenossen auch in der Schweiz zur Einführung bringen. Im Kanton Zürich verlangten sie schon vor 19 Jahren die Einführung der Umsatz st euer nach ausländischem Vor- bild. Die Regierung hat sich nach eingehenden Ermittelungen jetzt zur Verwerfung des Antrags entschlossen. Sie nimmt auf ein Gutachten des Professors Dr. Herkner Bezug. In ihrem an den KantonSrat erstatteten Bericht hebt die Regierung zunächst die steuertechnischen Schwierigkeiten hervor und führt als Beweise da- für die Gesetze Preußens, Sachsens, Bayerns. Badens und Württem- bergs an, die den Eindruck machen, daß sie dem Gefühle oder viel- mehr der Willkür der Behörden bei der Besteuerung der genannten Geschäfte viel Spielraum lassen. Dann wird ausgeführt, daß eine Besteuerung der Warenhäuser gar nicht in das Steuersystem des Kantons Zürich passe, der sowohl Vermögen als Einkommen progressiv be- lastet. Wollte man die Warenhauser als Großbetriebe besteuern, so müßte man dann auch die industriellen Großbetriebe, Groß- hanken usw. besteuern. Die Warenhaussteuer könne auch umgangen oder abgewälzt werden auf Lieferanten, Konsumenten oder auch die Angestellten. Außerdem sei auch im Kanton Zürich die Zahl der Warenhäuser so klein, daß der Steuerertrag kaum die Kosten des ganzen Verfahrens erheblich übersteigen dürfte. Vom wirtschaftspolitischen Standpunkte aus empfehle sich die Warenhaussteuer ebenfalls nicht. So sei in der Schweiz die vom Handel lebende Bevölkerung in den letzten 69 Jahren von 154 999 Personen im Jahre 1859 auf 285 999 im Jahre 1999 gestiegen. Sehnlich liegen die Verhältnisse im Kanton Zürich. In der ganzen Schweiz kam im Jahre 1995 aus 34 Personen eine im Handel tätige Person, im Kanton Zürich aber schon auf 28 Einwohner; in der Stadt Zürich gar auf 19, in Winterthur auf 29 Einwohner. Unter diesen Umstände« könne nicht nur nicht von besorgniserregen- dem Rückgang der kleinen Ladengeschäfte geredet werden, sondern im Gegenteil von einer Ueberfüllung. Die große Zahl der Laden» geschäfte hat aber eine erhebliche Verteuerung sehr vieler Ge- brauchsarlikel, namentlich auch vieler Lebensmittel zur Folge. Die Konkurrenz wirkt nicht preisermäßigend, da alle Geschäfte unter den gleichen Bestimmungen stehen, daß sie bei reduziertem Umsatz hohe Spesen in der Form von Mietzins, Verlust, Entschädigung für Arbeitsleistung usw. zu bestreiten hahen. Vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus muß deshalb das Vorhandensein allzu vieler Detailgeschäfte als unvorteilhaft, als unökonomisch verworfen werden. Dies hat man auch schon längst eingesehen; die Konsumvereinsbewegung, die namentlich in den weniger bemittelten Volkskreisen Boden gefunden hat, ist eine direkte Folge davon. In neuerer Zeit hat sich auch das Groß- kapital dieser Einsicht zugewandt. Es hat durch mächtige Steige- rung des Umsatzes in Großbetrieben, trotz der Beanspruchung minimalen Gewinnes am einzelnen Verkaufsgegenstand, große Er- folge erzielt, in ähnlicher Weise, wie es der Industrie gegenüber der Handarbeit gelungen ist. Es werden dann die vielseitigen Vorteile genossenschaftlicher und kapitalistischer Großbetriebe gegenüber den Detailgeschäften hervorgehoben. Davon hätten auch die Konsumenten durch die größere Menge und Güte der Waren Nutzen, die sie sich um eine bestimmte Summe verschaffen können.„Gegen diese Vor- teile, die der großen Menge der Bevölkerung zu- gute kommen, fallen die Nachteile, die in ge- ringcrer Rentabilität der K l e i n g e sch ä f t e liegen, nicht in Betracht." Gegen die Konkurrenz der Großbetriebe, meint der Bericht weiter, könnten die Kleingeschäfte nur durch ein �Patentsystem nach Maßgabe des Bedürfnisses geschützt werden; ein solches Vorgehen würde den neuzeitlichen Anschauungen über Handels- und Geiverbefreiheit widersprechen und läge auch nicht im Interesse der Bevölkerung. Die Warenhaussteuer könnte diesen Schutz nur gewähren, wenn sie so hoch wäre, daß sie den Betrieb von Warenhäusern verunmöglichte; sie würde zum Verbot und ihre Verhängung widerspräche noch mehr als das erwähnte Patent- sh stein dem Grundsatz der Gewerbesreiheit. Eine reine Umsatzsteuer wäre nur verständlich als Kampf- mittel der Kleingeschäfte gegen Warenhaus und Konsumverein. „Da die Warenhäuser jenen durch den ökonomisch vernünftigen und volkstümlichen Geschäftsgrundsatz„Großer Umsatz bei kleinem Gewinn" gefährlich werden, sollen sie genötigt werden, diesen Grundsatz zu verlassen. Durch diese Umsatzsteuer will man sie zwingen, zu der Praxis der Kleingeschäfte zurückzukehren, die auch bei kleinem Umsatz großen Gewinn erstreben. Man soll damit gerade das opfern, was dem größten Teil der Bevölkerung Vorteile bringt. Diese Maßregel würde besonders schwer auf den Kon- sum vereinen lasten, die nicht auf die Erzielung von Rein- gewinn ausgehen, sondern auf die Begünstigung ihrer Kunden durch Gewährung niederer Verkaufspreise. Die Äeeinträchti- gung genossenschaftlicher Konsumvereine wäre im Kanton Zürich verfassungswidrig." Aus allen diesen Gründen erkläre es sich, daß die Warenhaus- steuer und im besonderen die Umsatzsteuer sich nicht allgemein ein- gebürgert hat, obgleich die Kleinhändler sie überall forderten. In der Schweiz habe keiner der 26 Kantone und auch der Bund nicht solche Steuern. Sie haben auch im Ausland, wo sie ebenfalls nur in wenigen Ländern eingeführt seien(Deutschland und Frankreich), die auf sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt.„Es kann auch nicht Aufgabe der staatlichen Politik sein," fährt der Bericht fort,„leistungsfähige Betriebe zu schwächen und zugunsten ver- alteter Wirtschaftsformen Gesetze zu erlassen, deren Ausführung die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung verletzt. Die Klein- betriebe können sich durch Zusammenschluß die Vorteile sichern, die den Großbetrieben als solchen eigen sind. Sie mögen sich genossen- schaftlich organisieren, gemeinsam einkaufen, Barzahlung einführen, Miete und Reklame gemeinsam besorgen und vor allem durch auf. merksame Bedienung mit besten Waren sich die Gewogenheit der Kunden erwerben und erhalten." Aus all diesen Gründen beantragt die Regierung bei dem Kantonsrat, von der Einführung solcher Steuern abzusehen. Sie ist überzeugt davon, daß die wirtschaftliche Entwicklung auf dem Gebiete des Kleinhandels ähnliche Formen herausbilden wird, wie sie im Verhältnis von Handwerk und Industrie entstanden sind und daß es weder in der Aufgabe noch in der Macht kantonaler Gesetzgebung liegt, diese Entwicklung zu verhindern oder auch nur zu hemmen. Voraussichtlich wird der Kantonsrak dem Antrage der Regie- rung zustimmen. Mus Inöustrie und ßanöel. Bessere Einsicht. Die Zentrumsblätter gehörten in diesen Tagen mit zu jener chauvinistischen Presse, die den provokatorischen Schritt Oesterreichs als notwendige Strafexpedition gegen die Fürstenmörder verteidigt und Deutschland auf eine wahnwitzige unbedingte Gefolgschaft gegenüber Oesterreich festlegen will. Daß es auch dieser Presse nicht an Einsicht in die wahren Beioeggründe der kriegerischen Operationen im allgemeinen und in diesem besonderen Falle fehlt, beweist eine Auslassung der„Kölnischen Volkszeitung"(Nr. 666) im Handelsteil. Es heißt da: „Die kriegerischen Streitigkeiten unserer Zeit haben fast immer ihre Wurzeln in wirtschaftlichen Gegensätzen. Auch bei dem Streit zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien handelt es sich, wenngleich sich augenblicklich mehr die politische Seite des Streites aufdrängt, um wirtschaftliche Gegensätze. Die beiden Staaten sind wirtschaftlich geradezu aufeinander angewiesen. Im letzten Jahrzehnt gingen rund 79 Proz. der serbischen Ausfuhr nach Oesterreich-Ungarn, und zwar besteht die serbische Ausfuhr in der Hauptsache aus Ge- treibe, Vieh, Wein und Pflaumen. Aber auch in der serbischen Einfuhr steht Oesterreich-Ungarn bei weitem an erster Stelle. Bis zum Jahre 1919 kamen zwei Drittel der serbischen Einfuhr (gewerbliche Artikel, Kolonialwaren, Petroleum) aus Oesterreich. Nach der Annexion von Bosnien und der Herzegowina im Jahre 1993 setzte freilich in Serbien eine.Boykottbewegung" gegen die Waren österreichischer Herkunft ein, und die Ausfuhr der Habs- burgischen Monarchie nach Serbien ging um nahezu 59 Proz. zurück. Deutschland hatte davon erhebliche Vorteile. Es konnte seine Ausfuhr nach Serbien(insbesondere von Maschinen) wesentlich steigern. Aber auch als Abnehmer serbischer Erzeug. nisse rückte Deutschland an die zweite Stelle. Der serbische „Boykott" gegen die österreichischen Waren, der mit Erschwerung der serbischen Ausfuhr nach Oesterreich beantwortet wurde, hat in beiden Ländern den Haß geschürt. Das serbische Selbstbewußt- sein litt unter der Erkenntnis, daß es ihm in absehbarer Zeit nicht gelingen werde, einen vollgültigen Ersatz für das öfter- reichische Adsatzgebiet zu finden. Schon im Jahre 1996 gab es einen schweren Zollkrieg zwischen den beiden Ländern, der bis zuin Jahre 1911 währte. Das war für das Bauernland Serbien, in dessen Ausfuhr Mais, Weizen, Pflaumen und Schweinefleisch die erste Stelle einnahmen, ein schwerer Schlag, der noch jetzt im Bewutztsein des Volkes als Demütigung weiter- lebt." Der Gegensatz zwischen Oesterreich und Serbien beruht im wesentlichen darauf» daß Serbien der Absatz seiner landwirtschaft- lichen Produkte durch die Schutzzollpolitik Oesterreichs erschwert wird. Anstatt durch einen vernünftigen Handelsvertrag freund- schaftliche Beziehungen herzustellen, kräftigt Oesterreich selbst durch seine Handelspolitik die großserbische Agitation, die eS nun durch Bluttaten ersticken will. Das Königreich Serbien. Serbien hat einen Flächeninhalt von 84 999 Quadratkilo- meter und eine Bevölkerung von 4,4 Millionen Seelen; wie in fast allen südosteuropäischen Staaten überwiegt auch hier das männliche Geschlecht nicht unerheblich. Das Land zeigt unter allen Balkanstaaten die größte Volksdichte(52). Die vorherrschende Konfession ist die griechisch-katholische. Die Haupterwerbsquelle der Bevölkerung ist die Landwirtschaft. Der Boden ist im allge- meinen ergiebig, jedoch erst zu einem Drittel landwirtschaftlich bebaut. Die Ernteerträge könnten sich bei intensiver Wirtschafts- weise leicht verdopveln. Ungefähr ein Drittel des ganzen Landes ist mit Wald bedeckt; der verbreiteiste Waldbaum ist die Eiche. Die Forstwirtschaft ist noch recht primitiv. Unter den Ackersrüchten haben Mais(1911: 699 999 Hektar) und Weizen(499 999 Hektar) die größte Verbreitung; erst in weitem Abstände folgen Gerste, Hafer(je 199 999 Hektar) und Roggen(59 999 Hektar). Der An- bau von Kartoffeln ist minimal Fast 299 999 Hektar sind mit Pflaumenbäumen bepflanzt, 2999 Hektar mit Tabak und 39 999 bis 49 999 Hektar mit Wein. Auch der Seidenbau ist neuerdings in großem Aufschwung begriffen; die Ausfuhr von Kokons allein hat einen Wert von 1 Million Mark. Die Viehzucht ist sehr ansehn- lich; doch ließe sich noch viel tun, um sowohl die Qualität wie die Quantität der Tiere zu heben. Der Viehstand beläuft sich gegen- wärtig auf 159 999 Pferde, 1 Million Rinder, 899 999 Schweine und 4 Millionen Schafe. Die Schweinezucht, der namentlich die vielen Eichenwälder zustatten kommen, ist in letzter Zeit merklich zurückgegangen. Was die Industrie anbelangt, so steht sie noch in den ersten Anfängen; in den letzten Jahren haben allerdings viele ausländische Gesellschaften, darunter auch zahlreiche deutsche, zu ihrer Hebung beigetragen. Außer der überall verbreiteten Haus- industrie(Textil-, Holz- und Schmiedewaren) finden sich zahl- reiche Bierbrauereien, Brennereien, Mühlen, Tuch-, Zement- und Tabakfabriken(letztere monopolisiert). An Mineralien ist Ser- bicn reich, doch werden diese erst in geringem Umfange aus- gebeutet. Nachgewiesen sind u. a. mächtige Steinkohlenflöze, ferner Kupfer, Eisen, Blei, Silber und Zink. Der Handel zeigr eine mächtig ansteigende Tendenz, ist jedoch, wie wir dies auch bei anderen Balkanstaatcn sehen, großen Schwankungen ausgesetzt. Die Ausfuhr ist selbst in ungünstigen Erntejahren größer als die Einfuhr. Der gesamte Außenhandel belief sich 1919 auf 145 Mil- lionen Mark; hiervon entfielen 89 Millionen auf den Export. Die wichtigsten Exportartikel sind Erzeugnisse des Äckerbaus und der Viehzucht(87 Proz. des gesamten Exports), darunter namentlich Mais und Weizen. Als Bestimmungsländer kommen in erster Linie die Türkei und Deutsckland, weiter Oesterreich und Belgien in Frage. Unter den Importländern steht Deutschland bei weitem an erster Stelle(39 Millionen Mark � 42 Proz.); es folgen Oester- reich(13 Mill.) und England(9 Mill.). Die wichtigsten Import- artikel sind Metalle, Maschinen, Textilwaren und Papier. Als schiffbare Wasserstraßen sind Donau, Sau und Drau zu nennen. An Eisenbahnen mangelt es noch sehr(weniger als 1999 Kilometer Länge); für den Auslandsvcrkchr kommt nur die Orientlinie Wien-Belgrad-Nisch-Sofia und die Verbindung mit Saloniki, die bei Nisch von der Orientlinie abzweigt, in Frage; alle anderen Bahnen sind von sekundärer Bedeutung. Zrauen-Leseabenüe. Oberschöneweide. Der Lese abend, welcher immer am letzten Mitt- woch jeden Monats stattfindet, fällt diesmal, also am heutigen Mittwoch, aus._ Eingegangene Druckschriften. Die Rekrntenschnlen der internationalen Sozialdemokratie. Die sozialistische und die bürgerliche Jugendbewegung ISlO— 1913. Von Robert Danneberg. Preis 70 Pf— Verlag der Wiener Aottsbuchhandlung Jgnaz Brand u. Co., Wien VI. WitterungSüberficht vom 28. Juli ISIS. ktattonen Swinemde Hamburg Berlin sfranks. a.M München Wien il 63« 748 749 751 W MTW 754 GW 7SSWSW 75413 M Vetter halb bd. bedeckt wolkig bedeckt bqdeckt 3 bedeckt »s d* -4» -tö HSj 15 12 1? 12 11 12 «tattonen Ii »=■ Saparanda cterSburg Scilly Aberdeen Pari» 752 750 Ii 8? NNO 3 756 NN® 756jN3B 756*3® Wetter bedeckt Regen bedeckt 2 bedeckt Lbedeckt t* H lo 9 16 13 12 14 Wetterprognose für Mittwoch, den 2S. Juli 1314. Ein wenig wärmer, vielfach heiter, aber noch veränderlich mit leichten Regensällen und ziemlich lebhaften südwestlichen Winden., Berliner Wetterbureau. WetterauSfichten für das mittlere Norddeutschland bis Dounerstagmittag: Ein wenig wärmer, im Südosten ziemlich heiler, in den anderen Gegenden noch überwiegend bewölkt mit wiederholten, im all- gemeinen geringen Regensällen. Wafierftands-Nachrichte» der LandeSanfialt für Gewäsferkunde, mitgeteilt vom Berliner Detterbureau Wasserstand M e m e I. TUM P r e g e I, Jnfterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe,«chrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg >l 4- bedeutet Wuchs.— stall.— 1 luiteroeael VORW»RTS BIBLIOTHEK Ser Soiteslästerer Roman aus dem teben der erzgebirgischen Waldarbelter »» Von A. Ger»» :: Preis gut gebunden 1 Mark:: Zu beziehen durch die Buchhandlung Vorwärts, Lindenstraße 69 Verantwortlicher Redakteur: Albert Wach». Berlin. Für den Inseratenteil verantw Tb. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdrucker« u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW.