Ur. 206. IlbonnementS'Bed) ngungen: BBonntmentl» Preis prSnumerimdo! Lierleljährl. SLV Mk, monatl. l.10 MI. wöchentlich 28 Plg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 SBfg. Eonnlags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' lll Psg. Post- kldonnemem: l.lv Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Breislisie. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2.50 Marl, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Poftabonnemenls nehmen am Belgien. Dänemarl. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. nänien, Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. cria-itti ttigna. Verltnev Volktsblatk. VIe Insertion!-Lebllhf vetrigt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum W Psg.. für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Versnmmlungs-Airzeigen 30 Psg. „Kleine Hnreigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), iedss weitere Wort 10 Psg Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lö Buch» fiten zählen für zwei Worte. Inserate r die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Erpeditton abgegeben werden. Die Expedition ilt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „Sttialltemoll»« Rcrlla". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfcblands. Redaktions SÄl. 68, Lindcnstrassc 6g. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1983. Freitag, den 31. Juli 1914. Expedition: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 1984. Völkerivlirge» oder völkerverNndigung? Die furchtbare politische Krise hat sich derart verschärft, daß schon die nächsten Stunden den Krieg bringen können. Einen Krieg, wie ihn die Weltgeschichte in ihren gigantischsten Zusammenstößen noch nicht gesehen hat. Einen Krieg, der ganz Europa in ein einziges Schlachtfeld, ein Riesenlazarett verwandeln muß. Einen Krieg, der für Millionen Tod und Verstümmelung und für Hunderte von Millionen Arbeits- losigkeit, Hunger, Krankheit und Elend bringen wird. Denn was bedeuten selbst die gewaltigsten Kriege des römischen Weltreichs, was die Stürme der Völkerwanderung, was alle Kriegsschrecken des Mittelalters und der Neuzeit gegen einen Völkerkrieg, der gerade die militärgewaltigsten Nationen der Welt aufeinander prallen läßt, der ungezählte Millionen von Soldaten mit den vollendetsten Werkzeugen unserer fabelhaft entwickelten modernsten Waffentechnik mörderisch gegeneinander treibt! Einen Krieg, der nicht nur zu Lande und zu Wasser geführt werden wird, sondern der auch durch die grausigen Vernichtungsmaschinen der Unterseeboote und den Luftkrieg neue, nie geahnte Schrecken über die heimgesuchte Kultur- Menschheit bringen wird. Schon wirft das ungeheure Verhängnis seine Schatten voraus. Noch ehe der Kriegszustand zur Tatsache geworden, begehen verzweifelte Kapitalisten Selbstmord, durchirren zu Hunderten entlassene Arbeiter verzweifelten Angesichts die Straßen— e r st e Opfer des Krieges, denen bald u n z ä h- lige andere folgen werden wenn nicht noch im aller- letzten Augenblick die Vernunft, die Menschlichkeit und das Kulturgewissen über wilde, wirre Leidenschaften den Sieg davonträgt! Denn noch immer halten wir es nicht für möglich, daß trotz aller sinnlosen Uebertreibungen, aller Rüstungen, aller Mobilisierungen die Herrschenden Europas die unge- heure Verantwortung auf sich nehmen könnten, es zum Aeußerstcn zu treiben. Zuviel steht auf dem Spiele— für die Volksmassen und für sie selbst! Auch die erfahrensten Diplomaten, auch die unterrich- tetsten militärischen Fachmänner, auch die genialsten Poli- tiker und Strategen können nicht wissen, wie die Schicksalslose fallen werden. und was das europäische Chaos gebiert. Viel wahrscheinlicher als der Triumph der einen Mächtegruppe über die andere ist ein endloses, unentschiedenes, ungeheuer- lichste Opfer verschlingendes Ringen, das keinem Lande anderes bringt, als namenlose Verheerung, ein Meer von Mut und Tränen, als die Erbitterung der Massen, die dann unerbittlich die Frage aufwerfen werden: Wer trägt die Schuld? Und die Frage wird dann nicht so leichtherzige Beant- Wartung finden, wie jetzt m der frivolen Hetzpresse unserer Kriegstreiber! Man wird, wenn aller trügerische Taumel zerstoben ist und die harte Schule der Not die Sinne geschärft hat, die Frage auch zu beantworten wissen! Rußland ist der Schuldige schreit heute der Chorus der deutschen Kriegshetzer. Wir sind nie Freunde des zaristi- schen Rußlands gewesen und haben tausendmal ausgesprochen, daß der Staat der Knute und des Arbeitermassakers der letzte wäre, sich Balkanstaaten gegenüber in der Rolle des Befreiers und Erretters aufzuspielen. Und wenn eine Gruppe des internationalen sozialistischen Proletariats im Kampfe gegen absolutistische Abenteurerpolitik und verbrecherische Welt- Händelsucht seine Schuldigkeit getan hat, so ist das junge, tat- kräftige russische Proletariat es gewesen. Aber unsere Imperialisten, unsere bürgerlichen Parteien und unsere Staatsmänner brüsten sich doch sonst stets damit, Realpolitiker zu sein, die jederzeit gegebene politische Faktoren i n Rechnung stellten, statt einfach ins Blaue hinein Forde- rungen zu erh«oen. Wie konnten und können da diese„klugen" Realpolitiker auch nur eine Sekunde lang übersehen, daß doch von vorn- herein mit der Tat der innigsten Freundschaft Rußlands zu Serbien gerechnet werden mußte! Wie konnte man da Oester- reich blindlings schalten und walten lassen, ohne jedwede Rück- ficht auf die Politik des Zaren zu nehmen, dessen Wünsche doch ' sonst die deutsche Regierung über Gebühr respektierte und der doch seinerzeit das Telegramm empfing„Rußlands Trauer. Teutschlands Trauer". Aber sprechen wir nicht von Vergangenem, selbst nicht von I ü'n g st v e r g a n g e n e m. Halten wir uns an die Situation von heute, das Gebot der Stunde. Prüfen wir den Standpunkt der„Lokalisierung" des österreichisch- lerbifchen Konflikts. Auf diese„Lokalisierung" haben sich Oesterreich und die deutsche Regierung kapriziert. Man denke, so versicherten sie. an keineii Weltkrieg. Es handle sich lediglich um die Ab rechnung zwischen Oesterreich und Serbien, in die sich kein Dritter zu mengen habe. Komme trotzdem Rußland Serbien zu Hilfe, so bedeute das Deutschlands Eingreifen, kurz den Weltkrieg! Auch Rußland graut schließlich— so gut wie allen be- teiligten Staaten— vor dem Weltkriege. Aber die deutsche und österreichische Regierung müssen doch begreifen daß das zarische Rußland von seinem Standpunkt aus seinen Schützling Serbien gar nicht bedingungslos preis geben kann! Sicherlich wird sich Rußland unter dem Druck seiner inneren Verhältnisse und der Beeinflussung durch die entschieden fried liebende französische Regierung— trotz seiner Mobilisation— m ö g l i ch st e Zurückhaltung auferlegen und weit. gehende Konzession e'n machen. Daß es frei lich bedingungslos, auf Gnade und Ungnade Serbien der österreichischen„Strafexpedition" ausliefern würde, erscheint total ausgeschlossen. Oesterreich hat feierlichst versichert, daß es keinerlei territoriale Eroberung beabsichtige. Rußland verlangt dagegen auch die Garantierung der politische« Unabhängig- keit Serbiens. Und das ist in der Tat des Pudels Kern. Will Oesterreich Serbien Bedingungen auferlegen, die es aus der Reihe der unabhängigen Staaten streichen, statit Oesterrsich nur gegen neuegroßserbischeUmtriebe und Attentate zu sichern?! Hier ist der Punkt, wo Oesterreich offene Antwort geben müßte. Vieldeutiges Diplomatendeutsch und gegenseitige Drohungen verfangen hier nicht mehr, hier muß eine klare Unterlage für Verhandlungen und Verständigung geschaffen werden! Und die Brücke zur Verständigung wäre so leicht zu schlagen, wenn nur nicht eigenstirnige Verranntheit zur Katastrophe drängte! Diesmal ist es wirklich keine konventionelle Lüge, wenn alle Staaten ihre Bereitschaft zu aufrichtigen Ausgleichs Verhandlungen beteuern. Denn keinem ist wohl in seiner Haut, weder Rußland, das ja nach Mendels Wort„die Revolution im Leibe" hat, noch Frankreich, dessen Regierung und Presse sich wirklich die äußerste Zurückhaltung auferlegt haben. Und da sollte Oesterreich die unfaßbare Gewissenlosigkeit haben, sich gegen jede Mahnung zur Mäßigung taub zu stellen? Und Deutschland sollte entschlossen sein, mit einem solchen Bundesgenossen durch Dick und Dünn zu gehen— auf die Gefahr der Wcltkatastrophe hin? Wir vermögen das noch heute nicht zu glauben. Wir erheben erneut den ernstesten Einspruch gegen eine solche Po- litik der beispiellosesten Verantwortungslosigkeit! Als Partei der internationalen Völkersolidarität richten wir unsere Mahnung und Warnung an die Verant- wortlichen aller Staaten. Wir warnen Rußland, durch seine Mobilisierung einen Zustand zu schaffen, der den blutigsten Völkermord heraufbe- schwört, aber auch das Ende des Zarismus bringen kann! Wir beschwören Frankreich, seinen ganzen Einfluß auf Rußland auszuüben, damit es nicht durch seine plumpe Ko- sakenpolitik auch Frankreich in die unabsehbaren Schrecknisse des europäischen Krieges hineinreißt I Aber wir warnen auch dringlichst noch einmal die deutsche Regierung, den Bogen zu überspannen! Das deutsche Volk, das hat die Demonstration des deutschen Proletariats b e- wiesen, will den Frieden, will die Verhandlungen, will die Schlichtung des Konflikts! Das beispiellose. Treiben der unverantwortlichen Kriegshetzer sucht Kaiser und Kanzler mattzu- Kriegshetzer sucht Kaiser und Kanzler mattzusetzcn und die Kriegsfurie skrupellos zu entfesseln! Ihm gilt es in der schicksalsschwersten Stunde die uner- schütterliche Losung entgegenzusetzen: Die Sahn frei für verhanölungen für Sie Sicherung öes Zrieöens! Nieöec mit öen Kriegshetzern! die Internationale gegen öen Weltkrieg. Brüssel, 3V. Juli. sPrivattelegramm deS „Vorwärts".) Das Juternationale Sozia- l i st i s ch e Bureau hat in seiner Sitzung vom 29. Juli von den Vertretern aller dnrch den Weltkrieg bedrohten Nationen Erklärungen über die politische Lage in ihren Ländern entgegengenommen. Durch einen einstimmig gefaßten Beschluß fordert es die Proletarier aller beteiligten Nationen auf, die Kundgebungen gegen den Krieg und für den frieden sowie für die schiedsgerichtlidie Erledigung des österreichisch-serbischen Konfliktes nicht nur fortzusetzen, sondern zu verstärken. Das deutsche und das französische Proletariat werden kraftvoller als je auf ihre Regierungen in dem Sinne einwirken, daß Deutschland auf Oesterreich einen mäßigenden Einfluß ausübt und daß Frank- reich bei Rußland bewirkt, daß es sich nicht in den Konflikt hineinmengt. Die Proletarier Großbritanniens und Italiens werden diese Bestrebungen ihrerseits aufs energischste unter- stützen. Der dringlich«ach Paris einberufene Kon- greß wird den entschlossenen Friedenswillen des gesamte« Proletariats der Welt zum entschiedenen Ausdruck bringen. »* Eine§rieöensüemonftration in Druffel. Brüssel, 30;• Juli.(Privattelegramm d e S „V 0 r w ä r t s".). Tausende und Abertausende, im griMen Saale Brüssels versammelt, bereiteten den Rednern der Internationale Vandervelde, Haase, Keir Hardie, Rubanowitsch, Troelstr a usw., die gegen den Krieg protestierten und die Solidarität der Völker feierten, stür- mische Ovationen. » In Amsterdam wird am Freitag ein internationales Meeting gegen den Krieg stattfinden. .» . Ein Appell an öas rusflfihe Proletariat. Brüssel, 30. Juli.(Privattelegramm de»„vor- w S r t S Das Internationale Sozialistische Bureau beglückwünscht aufs wärmste das Proletariat Rußlands zu seiner revolutionären Haltung und fordert es auf, in seinem heldenhaftem Kampfe gegen den Zarismus fortzufahren, da dieser Kampf eine der wirksamste» Bürgschaften des Weltfriedens bildet. Europa ein Heerlager. Petersburg, 30. Juli. Ein Kaiserlicher Ukas ruft unter die Fahnen: 1. Die Reservisten von 23 ganzen Gouvernements und von 71 Distrikten von 14 anderen Gouvernements. (Rußland hat 58 Gouvernements.) 2. Ein Teil der Reservisten von 9 Distrikten von 4 Gou- vernements. 3. Die Reservisten der Flotte von 64 Distrikten in 12 ruf- fischen Gouvernements und einem finnländischen Gou- vcrnemcnt. 4. Die beurlaubten Kosaken im Dongebiet Kuban, Terck, Astrachan, Orenburg und Ural. 5. Die entsprechende Anzahl von Reserveoffizieren Aerzten, Pferden und Wagen sind gleichfalls zu de» Waffen gerufen. Mit diesem Ukas läßt der Russenzar, den die Welt einst den Friedens-Zaren nannte, weit über die Hälfte seiner Riesenarmee auf Kriegsftiß setzen und hat damit die Explosionsgesahr in der verbrecherischsten Weise erhöht. Was nützen alle Erwägungen, daß russische Mobilisationen nur langsam vor sich gehen, daß im russischen Heere vieles faul ist. Einen Vorteil haben die russischen Machthaber, sie verfügen über ein schier unerschöpfliches Menschenmaterial, über einen zum größten Teil bäuerliche Bevölkerung mit tiefem Kultur- Niveau, die sich heute noch niehr oder weniger willenlos zur Schlachtbank schleppen läßt. Mit dieser Maßnahme der russischen Regierung und durch die heimtückische Haltung der russischen Diplomatie wird das Mobilisierungsfieber in Europa zu einer die Katastrophe herbeiführenden Höhe ge- steigert. Noch hat Deutschland, noch haben hie westlichen Großmächte nicht den letzten Schritt zu einer Mobil- niachung, die Einberufung aller Reserven, die militärische Ver- fugung über die Eisenbahnlinien usw. getan, aber alles, was diese Schritte vorbereiten soll, ist fix und fertig. Ueberall ist die aktive Armee schon auf den Uebergang zum Kriegszustande vorbereitet. Ueberall setzt schon eine Störung des Wirtschaftslebens, eine Verteuerung der Lebensmittel ein; in Oesterreich kam es hier und da schon zu Hungerrevolten. Was wird da erst werden, wenn die Mobilisierimgsorder auf den Drähten mit Blitzesschnelle durch Deutschland, Frankreich usw. getragen wird, wenn aus Millionen von Familien die Ernährer zum Mordwerk herausgerufen werden. Gerade aus verschiedenen Gegenden Teutschlands sind uns heute Nachrichten von be- trächtlichen Arbeiterentlassungen aus industriellen Betrieben, Warenhäusern usw. zugegangen. Das sind erste Sturmzeichen. Die Mobilmachung selbst würde noch ganz andere Dinge bringen. Aber nicht nur die Mächte des Zweibundes treffen alle Vorbereitungen, ihre Streitkräfte zu Lande und zu Wasser zu mobilisieren,— die offiziösen Dementis ändern an dieser Tatsache nichts— oder haben sie schon wie Oesterreich und Rußland auf Kriegsfuß und im Kriegszustande, auch die Kleinstaaten sind von dem gleichen Fieber ergriffen. Belgien, Holland, sogar die Schweiz sind drauf und dran, ihre Heere auf Kriegsfuß zu setzen; Spanien mobilisiert seine Flotte, Schweden hat seine Torpedoabtei- lungen in Karlskrona zum Auslaufen fertig gemacht— kurz überall das Bestreben, Europa in ein einziges Heerlager zu verwandeln. In einem solchen allgemeinen Kriegstaumel ist nur ein kleiner Schritt von nervöser Kriegsbereitschaft zu blutigen kriegerischen Aktionen. Dann wird auch dem blöde- sten nationalen Schreier ein Grauen ankommen vor den Schrecken, die ein solcher Weltkrieg im Gefolge hat. Erregung an der deutschen Westgrenze. AuS Kö l n wird uns gemeldet: Nachdem sich die Bevölke- rung in den letzten Tagen etwas beruhigt hatte, ist die Er- regung jetzt wieder bedeutend gestiegen. Schuld daran sind die Maßnahmen, die überall in die Augen fallen. Alle Brücken tverden von Militär oder bewaffneten Eisenbahn- beamten bewacht. Auch macht sich schon Wagenmangel bemerk- bar, da offenbar große Mengen von Güterwagen zu Truppen- transPorten zurückgehalten werden. Der Ansturm auf die Banken und Sparkassen hält an. Englische Maßnahmen im Mittelmccr. Gibraltar, 30. Juli. Heute vormittag ist hier eine Proklamation über die zur Verteidigung der Bai zu treffen- den Vorsichtsmaßnahmen veröffentlicht worden. Malta, 30. Juli.(Meldung der Agence Havas.) Die ganze Nacht dauerten die militärischen Vorbereitungen an. Sämtliche auf Urlaub befindlichen Offiziere sollenxzurück- gerufen worden sein. Das Arsenal hat die ganze Nacht ge- arbeitet. Vorsichtshalber ist der Mobilisierungszustand an- geordnet. l Mischt sich auch Japan ein? Berlin, 30. Juli. Die„Nationalzeiwng" meldet aus Wien, daß der neue japanische Botschafter in Wim heute eine Konserenz von ztveieinhalb Stunden Dauer mit dem Grafen Berchtold hatte. Diese Konferenz ging vor Zeugen vor sich. Jhr�Ergebnis wird streng geheim gehalten. Zalsthe Mobilisationsmelöungen. Eine gewisse Sensations- und Hetzpresse hat die Zeit nicht erwarten können, bis daß die Mobilisation Deutschlands angeordnet würde. Sie fand den Mut, die Mobilisierung zu melden, ohne daß sie einen Anlaß oder eine Ermächtigung dazu gehabt hätte. Am Donnerstagnachmittag verbreitete zunächst der„L o k a l a n z e i g e r" Extrablätter, in denen gemeldet wurde, der Kaiser habe die sofortige Mobilisie- rungvonHeerundFlotte angeordnet. Naturgemäß rief diese Nachricht eine ungeheure Aufregung her- vor. Das Wolffsche Bureau erließ aber sofort eine G e g e n m e ll» u n g, die der„Lokalanzeiger" dann ge- zwungen war, auch selbst in seiner Abendausgabe abzudrucken: Berlin, 30. Juli. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" verbreitet folgendes Extrablatt: Durch einen groben Unfug sind heute mittag Extrablätter des„Berliner Lokal-AnzeigerS" verbreitet worden mit der Meldung, daß Deutschland die Mobilmachung des Heeres und der Flotte angeordnet habe. Wir st e l l e n fest, daß diese Meldung unrichtig ist. Eiu Abendblatt brachte die Meldung von der Mobilisation dann in der Form, daß es sie auf einen engeren Kreis, auf das 1., 5. und 17. Armeekorps, beschränkte. Auch das wurde sofort von dem offiziösen Telegraphenbureau d e m e n- t i e r t. Andere Abendblätter wiederholten die Nach- richt, daß die ganze Truppenmacht mobili- siert würde. Darauf erwiderte das Wolff-Bureau mit folgender Meldung: f Berlin, 30. Juli. Diejenigen Exemplare der„Berliner Neue st en Nachrichte n",„Deutschen Zeitung", „Deutschen Nachrichten" und„Deutschen Wart e", welche die Meldung enthielten, daß mobilisiert sei, sind von der Polizei wegen groben Unfugs angehalten worden. Slutrausth. Wie ein Taumel hat es die bürgerliche Presse ergriffen; ein lauter Chor gellt aus ihren Spalten d a S blutige Wort„ K r i e g I" Hatten einzelne Blätter, wie die„Post" und die„Rheinisch-Westfälische Zeitung", zunächst noch gegen den Strom zu schwimmen gesucht— jetzt sind auch sie mitten darinnen! In gewaltigen, wuchtigen Kundgebungen hat sich die Arbeiterschaft des ganzen Reiches gegen den Krieg er- hoben. Welche unter den bürgerlichen Parteien, welches anter den bürgerlichen Blättern ist auf ihre Seite getreten'i Gehöhnt haben die einen, gezetert die anderen, und die Reaktionäre riefen nach dem Staats- anwalt und dem Polizeisäbel. Den Belagerungszustand wünschte die„K r e u z- Z e i t u n g'; nur den Belagerungs- zustand? In ihrer Mittwochnummer berichtet das junkerliche Hetzblatt von Meutereien italienischer Reservisten; und es läßt die Worte folgen:„Solche Unfälle müssen zu denken geben. Wozu auch nur die Möglichkeit geben, daß bei uns ähnliche Erfahrungen gemacht werden können?..." Der Appell an Bissing! Brutale Gewalt gegen die, welche den Frieden wollen... Nicht viel anders ist der Ton, auf den die fromme„Ger- m a n i a" gestimmt ist. Ihrem Christentum zum Trotz mitten drin in der Rotte der Kriegsschürer, erklärt sie die Haltung der Sozialdemokratie als„eine feige, memmenhafte Furcht und Vaterlandslosig- k e i t". Gegen den Vorwurf der Furcht braucht sich die Sozialdemokratie nicht zu verteidigen. Und>, Vaterlandslosig- keit"? Sollten wirklich diejenigen die wahren Freunde des Vaterlandes sein, die sich nach dem Augenblick sehnen, daß deutsches. Blut in dampfenden Strömen den Boden düngt, da Verwesungsgeruch die Lüfte schwängert, da Tausende von Witlven und Waisen schluchzend dem Frevel fluchen, der ihre Liebsten hinwegriß?... Rußland mobilisiert. Wer wäre, der es billigen wollte? Wer, der darin nicht eine neue schwere Be- drohung des Weltfriedens sähe? Aber kann das ein Recht geben, um danach zu rufen, daß auch wir das Aeußerste tun, uni den entsetzlichen Weltenbrand zu entfachen? Aus hundert Spalten aber klingt es jetzt heraus: Auch Deutschland muß mobilisieren! Nicht Ver- Koppelung der Friedensbemühungen rät man. Nein, G e- waltmaß nahmen sollen antworten. Nicht ruhig zusehen! kreischt das Blatt des Herrn Oertel. Man dürfte die Mobilisierung Rußlands nicht einmal dulden, wenn Oester- reich gar nicht mit uns in einem Bündnisverhältnis stände. Mau kann nicht ruhig bleiben angesichts der russischen Rüstungen, jammert auch das„Tageblatt": und die vorgestern noch so friedensfreundliche„ P o st" beeilt sich, ebenfalls von dem„Unterlassungsfehler" zu sprechen, den Deutschland begehen würde, wollte es nicht gleichfalls mobil machen. Die„Tägliche Rundschau" spricht von einem„gewissen Ingrimm", den man der ab- wartenden Loyalität der deutschen Regierung gegenüber wohl verstehen könne. Heiser aber schleudern die scharfmacherischen „BerlinerNeuestenNachrichten" hysterische Droh- Worte gegen jene verantwortlichen Stellen, die sich bislang noch bemüht haben, das Fürchterliche zu verhüten. Der Kaiser hat mit dem Zaren Telegramme ausgetauscht. Das etzblatt ist entrüstet, daß so eine Verständigung in letzter tunde versucht wurde: „Wenn Zar Nikolaus sich an u n s e r n Kaiser wendet, da an Rußlands Entschluß und Entscheidung der Friede Europas hängt, so finden wir das begreiflich. Umgekehrt kann aber leicht Idealität an der harten Realität der Tatsachen zerbrechen und unnötige Opfer bringen." Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat am Dienstag den Wunsch geäußert, das deutsche Volk möge die friedlichen Bestrebungen der Regierung durch„ferneres Be- wahren einer maßvollen und ruhigen Haltung" unterstützen. Den„Neuesten Nachrichten" scheint es„ z w e i f e l h a f t", ob diese halbamtliche Veröffentlichung „noch nötig wa r Und dann geht es loS: „Immer größer aber werden unsere Bedenken über«msere Tatlosigkeit auf militärischem Gebiete. Hier hilft doch nun ganz gewiß kein friedenS-idealistisches Mundspitzen: hier muß in Sorge für die Landessicherheit militär-technisch gepfiffen werden." Das ist die Sprache des Provokateurs. Aber nicht nur dies eine Scharfmacherblatt spricht sie. Die gleiche gellt aus dem„Berliner Lokalanzeiger", der an den Kaiser zu appellieren sucht, er möge losschlagen. „Der Kaiser steht auf der Wacht für Deutschlands Ehre und Sicherheit, und wie er seit dem Beginn seiner Regierung den Frieden erhalten hat— manchmal unter Opfern und Entsagungen, zu denen andere Monarchen vielleicht nicht fähig gewesen wären — so wird er jetzt, wenn es notwendig werden sollte, das deutsche Schwert aus der Scheide zu ziehen, den rechten Zeitpunkt dafür zu bestimmen wissen.„Mit Gott für König und Vaterlandl" Mit dieser herzbewegenden Parole wird da? deutsch» Volk seinem Kaiser antworten, wenn er eS z u den Waffen rufen sollte." Die„Tägliche Rundschau" schließt einen Leitartikel:„Die nächste Stunde vielleicht fordert von uns alles. Dann wollen wir alles wegwerfen und mit Nägeln und Zähnen zupacken". In der christlichen«Augsburger Postzeitung" wurde der Einmarsch in Serbien schon vor einigen Tagen als „befreiende Tat" gepriesen,„unbeschadetdessen.was er für Europa im Gefolge haben kann", und ein Freisinnsblatt, die„Lipp ische L a n d e S ze t tun g", deren Besitzer der fortschrittliche Abgeordnete N e u m a n n- H o f e r ist, schrieb:„Durch ganz Deutschland weht nur e i n e Begeisterung. Der Krieg würde populär sein, wenn er jetzt ausbräche... Blutrausch! Am wildesten aber spricht er auS jenem Blatte, das sich„Deutsche Warte" nennt. Offener als jedeS andere zeigt es die Sehnsucht der Kriegstreiber; in taumelnden Reimen heult es: Franz Ferdinand, Dein fürstlich Blut, Von Mörderhand vergossen*- Wir schwören es: Dein Helbenvlut Ist nicht umsonst geflossen l— Und jetzt heraus, du Bruderschwert, Und grüß die Donauwellen I An dir soll aller Feinde Wacht Zersplittern und zerschellen. Und nun flieg auf, du deutscher Aar, Empor zu lichten Kreisen, Du sollst dem tapfern Bruderheer Den Weg zum Siege weisen. Schlachtfelder, auf denen eines Volkes Blüte verwest; Pest, die durch die feuchten Lager totmatter Krieger schleicht; Hunger, der mit knochigem Finger an tausend Tore pocht... „Und nun flieg auf, du deutscher Aar"..- Und warum diese Hetze? Welches Interesse hat denn unser Volk an dem Krieg? Kann er der A r b e i t e r s ch a f t einen, auch nur den geringsten Vorteil bringen? Nein, tausendmal n e i n 1 1 Oder können breitere Schichten des Bürgertums von ihm wirtschaftlich profitieren? Auch hier: Nein, wahrhaftig nein! Das Interesse der Massen, der allerbreitesten Massen steht gegen den Krieg! Aber wie dann diese Treibereien zu erklären? Die Militärpartei ist eS, die sie leitet. Jene Blätter sind die lautesten, in denen von jeher die Militärpartei das große Wort geführt hat:„Rundschau",.Kreuz-Zeitung"..Lokal-Anzeiger". Und warum will die Miliiärpariei den Krieg? Er soll ihr die Macht geben. Die Macht, alle Demokratie zu unter» drücken. Die Macht, alle freiheitlich enRegungen am Boden zu halten. Die Macht über das Pro- l e t a r i a t nud dasBürgert um. Zabern hat gelehrt, was das Ziel jener Clique ist. Zabern soll verewigt werden. Durch Blut wollen sie waten, um sich für immer zu Herren des Voltes zu machen. Die Arbeiterschaft ahnt, weiß, was auf dem Spiel steht. Das B ü r g e r t u m hat sich einsaugen lassen durch die militärischen Hetzer und ihren kleinen junkerlichen Anhang. Man möchte von einer Komödie sprechen, wenn die Sache nicht so ernst wäre. Das Bürgertum bat sich düpieren lassen von dem Geheul unreifer Wehrkraftler und anderer unverant- wortlicher Bürschlein, deren Abenteurergelüste zunächst den fruchtbaren Boden abgaben für die Hetze der militärischen Sippe. Ihr Geschrei hat nun auch ernste Männer in einen Rausch versetzt. Und sie spüren es gar nicht, wie ihre Presse gegen ihr eigen Fleisch wüetet. Sie spüren nichh wie furchtbares Unheil sich über ihren Köpfen zusammenballt. Wer wagte zu prophezeien in einer Situation wie dieser? Aber das ist sicher: Wie immer der Krieg, wenn er kommt. auslaufen mag, wer inimer in dem drohenden.Kampf letzter Sieger bleiben wird, gewinnen wird das Bürger- tum nichts dabei. Vielleicht ist's zu einer Selbstbesinnung vor dem Eni- setzlichen längst zu spät. Wenn aber dann die Ernüchterung kommt, nachdem die verzehrenden Flammen vertilgt haben, was heute steht und fest und sicher zu stehen scheint, dann wird sie um so furchtbarer sein... Aber dann wird es auch heißen: Ihr selbst habt es so gewollt. Englanö unö Sie Kriegsgefahr. London, 29. Juli.(Eig. Ber.) Mit dem Fortschreiten der europäischen Krise mehrt sich in England naturgemäß auch die Angst, daß das Land in den drohenden Kampf zwischen Dreibund und Zweibund ge- zogen»Verden könnte. Doch schon melden sich ganz deutlich und energisch die Widerstände, die den versteckten Andeutungen der Chauvinisten, daß England unweigerlich mit in den Krieg müsse, entgegentreten. Die englische Presse läßt sich in dieser ernsten Lage nicht von den diplomatischen, sondern den wirklichen Interessen des Landes leiten, die England vorschreiben, sich unter allen Um- ständen der Einmischung in den Kampf zu enthalten. Daß diese Haltung nicht allein den Gefühlen des Volkes entspricht, sondern auch den Ansichten der Geschäftsleute der City, steht außer Frage. In der City, so schreibt der Redakteur des „Economist", Herr Hirsch, herrscht nur eine Meinung, nämlich: „die Sache geht uns nichts an." Das größte Interesse des Landes sei der Friede. Er malt in folgenden Worten die Situation aus, die entstehen würde, sollte England in die europäischen Händel hineingezogen werden: „Wenn sich der Krieg ausdehnt und wir darin verwickelt werden, werden große Finanzhäuser, große Kaufleute und Fabrikanten wie die Kegel umfallen. Das Kapital wird um» kommen. Fabriken werden geschlossen werden. Die Läden werden leer sein. Die Annoncenbestellungen werden aufhören. Die Arbeitsgelegenheit wird sich verringern und die Löhne werden fallen. Dann werden die VerficherungSfondS austrocknen, in ein paar Wochen oder Monaten und dann(wer weiß?) wird sich vielleicht die Arbeiterklasie, die bisher so loyal und patriotisch war, wütend gegen die Machthaber wenden. Suchen wir alle, welcher Partei wir auch angehören mögen, Schulter an Schulter, und tun wir. was wir können, um diese entsetzlichste Kalamität zu ver« hindern." Am Montag stellte die Regierung die Veröffentlichung über die Disposition der Kriegsschiffe ein, was in Geschäftskreisen große Besorgnis erregte. Doch am Dienstag wurde daS täglich erscheinende Dokument zum großen Leidwesen der professionellen Chauvinisten wieder veröffentlicht. Ein kleines, aber deutliches Zeichen dafür, aus»velchcr Ecke der Wind weht. Besonders beachtenswert find die heutigen Aus- lassungen der„Daily News and Leader". Das Blatt spiegelt meist am treuesten die Haltung der demokratischen Elemente Englands in auswärtigen Fragen wider. Es schreibt:„Was uns anlangt, ist es undenkbar, daß wir ln einen solchen Streit hineingezogen werden sollten. Wir haben zur Förderung der russischen Interessen in den letzten Jahren viel getan. Wir haben ruhig mit angesehen, wie die Freiheiten Finnlands' in den Staub getreten wurden und wie Rußland trotz des Vertrages, den es mit uns geschlossen, um die Unabhängigkeit und Integrität Persiens zu bewahren, die nördliche Hälfte dieses Landes zu einer russischen Provinz gemacht hat. Aber der Vorschlag, daß wir britisches Gut und Blut verschwenden wollen, um Rußland auf dem Balkan zu etablieren, würde für ein demokratisches Land eine' unfaßbare Beleidigung sein. Unsere Hände sind in diesem Geschäfte frei und wir müssen darauf sehen, daß wir frei bleiben. Arbeiten wir eifrig an der Erhaltung des Friedens, aber bedenken wir. daß das wirksamste Friedenswerk, das wir verrichten können, darin besteht, daß»vir es klar machen, daß für die russische Hegemonie in der flawischen Welt nicht das Leben eines Briten geopfert werden>vird." * Hrep unö /lsquith über öie Lage. London, 30. Juli. Unterhaus. Staatssekretär Grey er» widert« auf eine Anfrage Bonar LawS: Ich kann nur sehr wenig sagen und bedaure, nicht sagen zu können, daß die Lage weniger ernst ist als gestern. Die wichtigsten Tatsachen sind ziemlich un- verändert. Oesterreich-Ungarn hat den Krieg gegen Serbien be- gönnen. Rußland hat eine teilweise Mobilisierung angeordnet. Die» führte bisher, soviel wir wissen, nicht zu entsprechenden Schritten seitens anderer Mächte. Wir fahren fort, das eine Große zu verfolgen, den europäischen Frieden zu erhalten, und zu hmsem Zweck halten wir enge Fühlung mit den anderen Mächten. Hierin hatten wir, wie ich mit Freuden bemerke, soweit keine Schwierig- leiten mit den anderen Mächten, wenn eS auch für die Mächte nicht möglich war, sich der diplomatischen Aktion anzuschließen, die am Montag vorgeschlagen wurde. Premierminister Asquith sagte: Wir versammeln uns heute unter Bedingungen, deren Ernst in unser aller Erfahrung kaum seinesgleichen hat. Die Frage ob Krieg oder Frieden, hängt in der Schwebe. Wir stehen einer Katastrophe gegenüber, deren Umfang und Wirkungen unmöglich abgeschätzt werden können. Unter diesen Umständen ist es von vitaler Bedeutung für das Interesse der ganzen Welt, daß England, das keine eigenen Interessen direkt auf dem Spiele stehen hat(Beifall), eine geschlossene Front zeigt (Lebhafter Beifall) und imstande ist. mit dex Autorität einer einigen Nation zu sprechen und zu handeln. Er spreche die Hoffnung aus, daß der Patriotismus aller Parteien beitragen würden, soviel als dies in Englands Macht liege, das Unheil, das die ganze Welt bedrohe, wenn nicht abzuwenden, so doch wenigsten? zu umgrenzen. Italien unö öie Kriegsgefahr. Rom, 30. Juli.(Privattelegramm des„Vor- wärt s".) Die Hoffnung auf die Lokalisierung des Kon- fliktes gründet sich immer mehr auf die Haltung Deutschlands. Die Stimmung ist heute weniger pessi- mistisch als gestern. Die ausgestreute Nachricht von der Mobilisierung der italienischen Armee wird dem.entiert. Die angebliche Aeußerung des Genossen Eisner in München, worin von einer Marschbereitschaft gegen Rußland die Rede ist, macht in Parteikreisen den schlechtesten Eindruck und wurde von den Nationalisten gelobt.(Wir können die Aeußerungen, von denen hier die Rede ist, nicht nachkontrollieren. Die ausländischen Genossen sollten aber Berichte der bürgerlichen Presse über die Haltung der deutschen Sozialdemokratie sehr vorsichtig aufnehmen. Sie sollten bedenken, daß die deutschen Sozialdemokraten keinen Zweifel daran gelassen haben, daß sie die Kriegsfrage nicht nach nationalistischen, sondern nach den sozialistischen Grund- sähen der Internationale beurteilen. Die Red. d.„Vorw.".) Der Parteivorstand veröffentlicht das Manifest des deutschen Proletariats gegen den Krieg. Der sozialistische Bürgermeister von Mailand forderte in einer Volksversamm- lung die Soldaten auf, einer etwaigen Marschorder nicht zu folgen. Zu heute abend sind vom Parteivorstand überall Volksversammlungen gegen den Krieg ein- berufen. Nachrichten vom Kriegsschauplatz fehlen noch. Von einer Stimmungsmache der Bürgerlichen für die Einmischung Italiens ist hier nichts zu merken. die ersten kriegerischen Aktionen. Die Feindseligkeiten zwischen Oesterreich und Serbien haben begonnen; die Kanonen, die auf das unverteidigte Belgrad ihren Eisenhagel spieen, haben die Ouvertüre gespielt zu einer Welttragödie, deren einzelne Akte und deren Ende gar nicht abzusehen ist. Es handelt sich jetzt noch um unbedeutende Scharmützel und Aufmarschgcfechte an der serbischen Grenze. Da die serbischen Streitkräfte sich im Innern des Landes kon- zentrieren, ein geschlossener Aufmarsch der österreichischen Armeekorps noch nicht durchführbar ist, werden noch einige Tage vergehen, che der Kriegsfurie Massenopfer gebracht werden. Allzuleicht wird den Oesterreichcrn der Kampf mit dem kleinen Serbien nicht werden. In diesem Verglande wird ein erbitterter Guerillakrieg den entscheidenden Zusammen- stoß verzögern, wenn nicht gar die Entscheidung auf Kriegsschau- Plätzen fällt, an die man heute kaum denkt, die aber, wenn der Kriegstaumel, in Europa anhält, nur zu leicht der Tummelplatz der Heerscharen der Großmächte werden können. Dann wird aber Europa ein Völkergemetzel erleben, gegen das die Aera der napoleonischen Kriege ein Kinderspiel war. Die kämpfe an öer Donau. Wien, 3». Juli. Wie nach Lage der Dinge nicht ander? zu er- warten war, beschränken sich die bisherigen Kriegsereignisse auf nn- bedeutende Plänkeleien. Wiederholt kam es bei Patrouillengängen längs der Ufer der trennenden Gewässer zum Austausch von Ge- Wehrschüssen, der jedoch keine nennenswerten Verluste im Gefolge hatte. Einen etwas ernsteren Charakter hatten die kleinen Gefechte, die sich an der Semliner Brücke entspannen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sprengten, wie schon gemeldet, die Serben die genannte Brücke. Doch war der Erfolg unzureichend. Die serbischen Bemühungen, das Zer- störungswerk zu vollenden, wurden durch die österreichischen Vor- Posten, unterstützt von der Land- und Schiffsartillerie, vereitelt. Bei Progor an der Save scheiterte der Versuch einer irregulären serbischen Bande von 30 Mann, den Fluß zu überschreiten, an der Wachsam- keit der österreichischen Vorposten. Endlich gelang es der öfter- reichischen am Ufer gegenüber Velko Gradiste aufgefahrenen Artillerie, zwei in Ausrüstung befindliche feindliche Dampfer unter Feuer zu nehmen und zu vernichten. Nisch, 27. Juli. fMeldung des Serbischen Prehbureaus.) Ver- spätet eingetroffen. Die österreichisch-ungarischen Militär- und Zivil- behörden ließen am 26. Juli auf serbische Schiffe auf der Donau ein Feuer eröffnen und nahmen sie darauf in Besitz. Vier Schiffe fielen so den Oesterreichern in die Hände. Ein fünftes serbisches Schiff wurde bei Orchava von einem österreichischen Flutzkanonenboot angehalten. Das Kanonenboot holte die serbische Flagge nieder und ersetzte sie durch die ungarische. Am folgenden Morgeck feuerten Zollboote auf zwei andere serbische Schiffe, die sich sogleich ohne Bedeckung serbischer Truppen auf der serbischen Seite aufstellten. Der Schaden ist erheblich, dagegen find keine Verluste an Menschenleben zu beklagen. Die Wirkung öer öejchießung öelgraös. Nisch, 30. Juli.(Meldung der Ageuce HavaS.j Ewige Banken sowie öffentliche und private Gedäude, besonders die englische Ge- sandtschast, sollen während des Bombardements von Belgrad getroffen worden sein. Belgrad soll von Truppen entblößt sein. Neue Mllleriegefechte vor Selgraü. Wien, 30. Juli. Etwa um Mitternacht begann auf der Belgrader Seite nach längerer Ruhe wieder Maschinengewehr- feuer, worauf die österreichischen Monitore die Stadt be- schössen. Gegen 1 Uhr nachts explodierte infolge dieses Bom- bardements in dep Stadt ein Pulverhirm. Heute beim Morgengrauen versuchten die Serben abermals erfolglos, die Brücke zu sprengen und die Brückenpfeiler, die sich gesenkt haben, zum Einsturz zu bringen. Da vom serbischen Zoll- haus auf die österreichischen Truppen geschossen wurde, rich- tete die österreichische Artillerie ihr Feuer auf dieses Gebäude, das bald darauf in Schutt lag. Sodann ließ sich wieder Gewehrfeuer hören. Gleichzeitig waren in Belgrad mehrere Feuersbrünste sichtbar. Im Verlauf der verschiedenen ser- bischen Versuche, die Brücke zu sprengen, wurden 16 Serben gefangen genSSWM, Gerüchte wollen wissen, daß in Neuserbien Unruhen be- deutenden Umfanges ausgebrochen sind. Die nichtserbischen Elemente weigern sich, in die Armee einzutreten, so daß sich bei Aufstellung neuer Regimenter erhebliche Schwierigkeiten ergeben. Gejlerreichijche Truppen in öelgraö. Budapest, 30. Juli. Nach einer in den Straßen an- geschlagenen Kundgebung sind bei der Einnahme Belgrads zwei Oberleutnants des Szolnoker 58. Infanterieregiments leicht verletzt worden. Als erste betraten das 68. und das 44. Infanterieregiment serbischen Boden. Die Belgrader Be- völkerung war bis auf 30—40000 Mann geflüchtet. Von Amtspersonen war nur der Bürgermeister zugegen. Bis mittags hatten die Truppen alle wichtigen Punkte der Stadt besetzt, worauf die Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Kriegsgesetze auf Belgrad ausgedehnt wurde. Weitere Grenzkämpfe. Nisch, 30. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Bei K i z n i c y und Smedereoo hat ein Ar tili eri e- kämpf begonnen. Die„Demonstration". In der MontagSnummer schilderten wir, wie vor der öfter- reichisch-ungarischen Botschaft eine Demonstration mit emporge- Hobenen Kaiserbildern für eine photographische Aufnahme„ge- stellt" wurde. Jetzt hat sich glücklich ein Berliner Blatt gefun- den, das diese„patriotische" Kundgebung im Bilde seinen Lesern vorführt. Der letzte„W eltspiegel" de?„Berlin« r Tageblatts" ist eS, der mit der Ueberschrift«Sympathiekundgebungen vor der österreichischen Botschaft in Berlin" die hurrarufende Meng« mit dem Hinterteil gegen die Botschaft zeigt. Diese Stellung zeugt nun eigentlich ja nicht gerade von besonderer„Shm- pathie". Insofern aber ist die Photographie doch durchaus echt, als man ganz deutlich auch auf ihr erkennt, w a S für Leute jene patriotischen Demonstranten waren und find. Kaum ein ein- ziger älterer Mensch ist auf dem Bilde zu sehen. Fast ausschließlich sieht man unreife Bürschchen, die zwischen 14 und 26 Jahre alt sein mögen. Und mitten drin, ruhig, freundlich, der Schutzmann. Das einzig Verwunderliche möchte mau nennen, daß er nicht mithocht,., politische Uebersicht. Krieg und Massenelend. Wieder stehen wir der Gefahr eines Weltbrandes gegen- über, und näher als je! Da und dort haben bereit?„patrio- tische" Kundgebungen stattgefunden. Das Volk hat mit diesen nichts zu tun. Sie gehen aus von Kreisen, deren An- schauung vor einiger Zeit in dankenswerter Weise das „Deutsche Armeeblatt" ausplauderte, indem es schrieb: „Für die inneren deutschen Verhältnisse wäre ein groß- zügiger Waffengang auch recht gut, wenn er auch den einzelnen Familien Tränen und Schmerzen bringt. Wir fangen an zu ver- weichlichen. Ein Krieg löst alle großen guten und edlen Eigen- schaften in einem Volke. Das könnte uns gut tun. In der Sozialdemokratie würde daS durch ihn entfachte patriotische Empfinden tiefe und breite Furchen reißen. Die paar elenden Schächer, di< sich bei der Mobilmachung durch ihre Verführer zu Widerspenstigkeiten verleiten ließen, würden binnen drei Tagen kriegsrechtlich die Kugel empfangen, und dann heißt eS: „Deutschland, Deutschland über alle», über alle? in der Welt." Diesem Wahnwitz haben wir nichts anderes gegenüber- zustellen nötig, als ein paar glatte Zahlen, die besser als lange Sätze dartun, welch furchtbare Drohung— von allem anderen abgesehen— für die minderbemittelten Klassen in wirtschaftli cher Beziehung in dem Worte„Krieg" liegt. Während die Familien der besitzenden Klassen, deren Väter, Söhne oder Brüder ins Feld ziehen müssen, die in diesem Fall doppelt bittere Sorge um das tägliche Brot nicht kennen, ist die Familie des Arbeiters auf die„Familien- Unterstützung" angewiesen. Und diese sieht so aus: Nach dein Rcichsgesetz vom 28. Februar 1888 erhält die Ehefrau eines bei Mobilmachung zur Verstärkung des Heeres eingezogenen Mannes im Falle der Bedürftigkeit für die Monate Mai, Juni, Juli, August, September und Okto- ber monatlich 6 Mark, in den übrigen Monaten monatlich 9 Mark„Unterstützung"; für jedes Kind oder jedes sonstige im Frieden vom Einberufenen unterhaltene Familienmitglied wird eine Mvnatsunterstützung von 4 Mark gewährt. Diese Unterstützung braucht nicht in bar ausbezahlt werden, sondern kann durch„Lieferung von Brotkorn, Kartoffeln und Brenn- Material ersetzt werden". Obdachlosigkeit und Hunger wären das unabwendbare Schicksal der„unterstützten" Familien I Und von den Gatten und Vätern dieser Familien verlangt man, daß sie mit „Deutschland, Deutschland über alles" ins Feld ziehen sollen. Wäre es nicht m e n s ch l i ch b e g r e i f l i ch, wenn sich einer von denen, die ihre Frauen und Kinder dem Hunger preis- gegeben wissen, weil man ihnen den Ernährer genommen hat, zu einer Tat der Verzweiflung wäre es auch nur eine un- vorsichtige Aeußerung— hinreißen ließe, die ihn mit dem strengen Kriegsgesetz in Berührung bringen müßte?! Das„Unterstlltzungsgesetz" hat auch daran gedacht, indem es in§ 1l bestimmt:„Falls Personen, deren Familien nach den Vorschriften des Gesetzes Unterstützung erhalten, durch gerichtliches Erkenntnis zu Gesängnisstrafe von länger als sechsmonatiger Dauer oder zu einer höheren Strafe ver- urteilt werden, so wird die bewilligte Unter- stützung bis zum Wiedereintritt in den Dien st einge stell t."— Die Truppenbefehlshaber haben von einer solchen Verurteilung der die Unterstützung regelnden Kommission„schleunigst" Nachricht zu geben. Gelegentlich der Beratung des Militäretats im bayeri- schen Landtag 1912 hat der bayerische Kriegsminister auf eine Anfrage des Genossen Rollwagen hin ausdrücklich — und mit dem sichtbaren Bestreben, möglichst schnell über diesen Punkt hinwegzukommen— zugegeben, daß die oben- erwähnten„Unterstützungssätze" noch zu Recht bestehen. Wer wirft angesichts dieses drohenden Elends den ersten Stein auf die Massen, die aus S e l b st e r h a l t u n g s- trieb für den Frieden eintreten?! Aus dem bayerischen Landtag. Zu Beginn der DonnerstagSsitzung der bayerischen Abgeord- netenkanimer gab es wieder eine GeschästSordnungsdebattS, die den furchtbaren Ernst der Lage kennzeichnete. Die bürgerlichen Parteien erklärten, wegen der allgememen Lage zum Eisenbahn- etat keine weiteren Redner stellen zu wollen. Die Sozialdemo- kratev erklärtes mit Rücksicht«us fijfi Börgänge mm Mittwoch. daß sie ihr früher bekundetes Einverständnis zurückziehen müßten� Tarauf bedauerte Präsident von Orterer, daß sich die csozialdemo« traten ausschließen, und mit deutlicher Wendung gegen den Ver- kehrsminister sprach er davon, daß durch die Entgleisungen vom Mittwoch unsere Verhältnisse sich wieder übler gestaltet hätten. Dann fügte der Präsident hinzu: Ich will zum Schluß etwas sagen, was ich anfangs unterdrücken wollte. Ich glaube eS aussprechen zu können, daß zu de» allgemeinen Erwägungen doch auch die Erwägung kommt, daß die bayerische Eisenbahnverwaltung zur Zeit mit ihrem ganzen Personal mit recht wichtigen Dingen be- schäftigt ist und daß es daher wohl gerechtfertigt erscheint, wenn von jener Seite(der Eisenbahnverwaltung) der Wunsch ausge- sprachen worden ist, der auch hier angedeutet wurde, daß aus diesem wichtigen und allgemeinen einschlagenden Grunde wir uns beeilen, den Eisenbahnetat in kürzester Zect zu Ende zu führen. (Sozialdemokratischer Zuruf: Und der Verkehrsminister provoziert! Präsident v. Orterer: ES kommt nicht der Minister in Betracht. sondern eine Frage, die über die Person des Ministers erheblich hinausragt._ Maßregeln gegen die LebenSmittelvertenernng. Zahlreiche Münchener Händler geben, um ihren Verdienst möglichst hochschrauben zu können, Lebensmittel nur noch in kleine- ren Mengen ab. Diese Preistreibereien als Folge der Kriegs- stimmung haben in weiten Kreisen Münchens so starken Unwillen hervorgerufen, daß in der Presse die beschleunigte Einbringung eines Separatgesetzes an den noch versammelten Landtag ge- fordert wird, um durch Gesetz Bestrafungen für die Händler fest- zusetzen, die„in Zeiten nationaler Gefahr" Brotwucher treiben.— Man steht, daß auch in nationalen Kreisen jetzt auf den empören« den Kriegsrummel der letzten Zeit, den sie verübt haben, der Katzenjammer folgt._ Die Agrarier in Nöten. Durch den österreichisch-serbischen Krieg werden die Interesse der ostelbischen Agrarier stark in Mitleidenschaft gezogen; gehen ihnen doch die galizischen Saisonarbeiter auf alle Fälle und höchst« wahrscheinlich auch die russischen verloren. Im„Berliner Lokal« anzeiger" ruft deshalb Friedhelm Graf Schweinitz nach Hilfe, und er wendet sich hierbei an die Studenten. Er schreibt, man solle dem Beispiel anderer Nationen folgen und zusehen, ob sich nicht ein Modus finden ließe, die auf Ferien befindlichen Studenten als Erntearbeiter zu gewinnen. Die Ferien beginnen spätestens am 16. August und vor dem 6. Oktober würde wohl kaum ein Student seine Ferien beenden. Also mindestens sieben bis zehn Wochen gerade in der Haupterntezeit. Schweinitz kann darin nichts Unpassendes für den Studenten finden, zumal er sich sagen müsse, daß er damit einer sozialen Not vorbeugen helfe. Solch ein Kursus würde in jeder Beziehung viel Gutes für sich habe». Der Student, der das ganze Jahr Großstadtluft atme, würde Bewegung in freier, guter Luft haben, waS seiner Gesundheit nur förderlich sein könne. Er würde ferner umsonst leben und sich etwas Geld verdienen— und durch ehrliche Arbeit verdientes Geld schände doch Wohl keinen. Mit seinem Borschlage dürfte der Herr Graf wenig Gegenliebe finden. Soweit die Studenten aufs nationale Schwein schwören, sind sie zurzeit mit dringlicheren Arbeiten beschäftigt. Nach besten Kräften sind sie bemüht, durch blödes Hurraschreien den unverant» wortlichen Kriegshetzern Wasser auf die Mühlen zu liefern. Italien. Die sozialistische Stadtverwaltung von Mailand verbilligt das Brot. tz Aus Rom wird uns geschrieben: Die städtische Polizeiordnung gibt den Stadtverwaltungen das Recht, den Brotpreis festzusetzen,� wenn dieser ungebührlich hoch ist. In der Regel erfolgt diese Fest- setzung, die in Italien als Anwendung des„Calmieoe" bezeichnet wird, in der Weise, daß die Stadt Brot ihrer Produktion zu dem ihr billig scheinenden Preis auf den Markt wirft. Der sozialistisch« ©tadtrat von Mailand, dem der bisherige Preis de? Weizenbrotes in der Höhe von 43 Centimes(40 Pf.) pro Kilo bei den heutige» Weizenpreisen zu hoch erschien, hat sich mit dem Verband der Bäckermeister in Verbindung gesetzt, um eine Herabsetzung zu er- zielen. Di« Meister haben aber erklärt, unter diesen Preis nicht herabgehen zu können. Daraufhin hat eine städtische Verordnung den BrotpreiS, mit Ausnahme der LuxuSsorten, auf 43 Centimes festgesetzt und die Ueberireter der Verordnung mit den gesetzlichen Strafen bedroht. Die Bäckermeister wollen die Rechtmäßigkeit dieser Verfügung gerichtlich anfechten. Letzte Nachrichten. Ein Anzeichen öer Selbstbesinnung) B e r l i n, 30. Juli. Die Meldung auswärtiger Blätter, daß morgen in Deutschlaad die Mobilmachung erfolgen werde sowie daß Priuz Heinrich nach PeterStang reisen werde, ist, wie Wolffs Telegraph rabsrea« mitteilt, vollkommen unzutreffead. Hoffentlich ist das Dementi« nicht bloß für„morgens die vermittlungsaktion in öer Lausitz. KottbuS, 30. Juli. Die heute hier unter dem Vorsttz bei Regierungspräsidenten v. Schwerin aus Frankfurt a. O. zusammengetretene Einigungskommission der Niederlau sitzer Tuchindustrie, welcher außer Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der zuständige Regierungs- und Gewerberat sowie die Oberbürgermeister von Kottbus und Forst und die Gcwerbeinspektoren von Kott- bus angehören, hat nach neunstündiger Verhandlung eine Unterkommission eingesetzt und sich alsdann auf Sonnabend, den 1. August, vertagt. Die Unterkam- Mission tritt noch heute abend zu einer Sitzung zusammen._ Gegen den Krieg. Gocha, 30. Juli.(Privattelegramm des.Bor« wärt S".) Heute abend fand hier eine große Protestversamm« lung gegen den Krieg und für den Frieden statt, an der 6000 Per- sonen teilnahmen. Nach Schluß der Versammlung kam eS zu einer gewaltigen Straßendemonstration, die einen glänzenden Verlauf nahm. Holland vor der Mobilisierung. H- a g, 30. Juli. Mit Rücksicht auf die außerordentliche« Umstände sind die Grenz- und Küstenschutz-Reservisten i« ganze« Lande zu deu Fahnen gerufen Wörde«. Die Gerüchte von einer Mobilmachung sind noch nicht bestätigt. Aufhebung der MobilisierungSmaßnahmen für Gibraltar. Gibraltar, 30. Juli. Die Proklamation über die zur Per- teidigung der Bai zu treffenden Vorsichtsmaßnahmen ifi wjedsr aufgehoben worden. nahmefreise H'Z'�JatktüSbuüßt Dauer"vom 31. Juli bis lO. August Jackett-Anzüge für Herren hell u. dunkel gestreifte, sowie karierte Buckskins Jackett- Anzüge für Herren braun, oliv, grau und grün gestreifte Cheviots «mm»» Jackett- Anzüge für Herren in CheviotS' SOwie Kamm�rnarte„. Neueste Pepita. Jackett-Anzüge für Herren muster in bräunlich, oliv und grau neuzeitige Cheviots und Kammgarne in den schönsten Mustern............................ Sonntag j I von 8— 10 i geöffnet i Chausseestraße 29-30 ♦ 11 Brückenstraße 11 ♦ - Der Haupt-- I K at a 1 o g: Nr. 49 j ; kostenlos} | u. portofrei| Berlin Gegr. 1891 Gr. Frankfurter Str. 20 ♦ Schöneberg, Hauptstr. 10 Zeitmtgs Ausgallestellen und Juseraten-Annahme. Bentrnin: Albert Habnifik, Ackerstr. 174, am Koppcnplatz. Geöffnet ran 1l— 1>/, und von 4'/,— 7 Uhr. L."HVnkIkreiG: 8. und SVf.: G u st a v Schmidt, Bärwaldftr. 42, an der Gneiienaustraffe. Geöffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr. 8. Walilkrei»; St. Fritz. Prinzcnflr. 31, Hoj rechts parl. Geöffnet von 11— l'/i und von 41/,— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: Osten: Robert SS e n g e l S, Markusstr. 36. Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr.— Petersburgerplatz 4(Laden). Geöffnet von 9—2 und von 4—7 Uhr. 4k Wahlkreis, S ii d o st e n: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/1S. Geöffnet von 9- 2 und von 4—7 Uhr. 8. Wahlkreis: Leo Aucht, Immanuellirchstr. 12(Hof). Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Ubr. V.Wahlkreis IlHoahit): Salomon Joseph, Wilhelmshavcner Straffe 48. Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Ubr. W eddine: I. Hönisch, Müllerstr. 34a Ecke Utrcchter Str., Laden Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr. ,,, Bosenthaler und Oranleahiirger Vorstadt: S&olgi�ft f Wattstraffe 9. Geöffnet von 9— 2 und von 4-7 Ußrl Ciesnndbrunncn: Fisch er, Böistianstr. 3. Laden. Geöffnet vost ' 9—2 und von 4—7 Uhr. SehUahaaser Vorstadt: Karl Mars, Greisenhagener Str. 22. Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Uhr. Adlershof; Karl Schwarzlose, Bismarckstr. 28. Geöffnet von 7 Uhr morgen» bis 8 Uhr abends. .A.lt» öffnet von 9— 2 und von 4—7 Uhr. Rlchwaldc, Schniöckwlti: Cätar Mahle, Bismarckstr. 4. Erkner, Keu-Zittan: Em tl Jw a n g, Scharnwcberstr. 10. Fredersdorf-Fetershaxen, Eggersdorf: S. H ö s e l b a r t H, Pctershagcn. Friedenau, Steglitz, Südende, Grc>ß- Eichferfeldc, Lankwitz: H. Bernsee, Msenstr. 5 in Steglitz. Geöffnet von 11— 1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Friedrichshagen, Fichtenau, Rahnsdorf, Schttneiche, Kl.-Schönebeck: Ernst W e r t m a n n, Friedrichshagen, Köpe- nicker Straffe 18. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 19. ■Johannisthal, Rudow: Max® o n f ch ur, Parkstr. 23 Karlshorst: Richard K Ü t e r. Rödelstr. 9, II. Königs- Wusterhausen, Wildau, Viederlehnie: Friedrich B a u m a n n, Bahnhojstr. 2, Eingang Bcestower Straffe. Köpenick: Emil W i ff l e r. Kietzerstr. 6, Laden. Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Lichtenberg, Friedricbsfelde. Hohenschönhausen: Cito sp e i I e I, Wartenbermtraffe 1(Laden). Geöffnet von 8'/,— 2 und von 4>, ,—7 Uhr.■ �-...........-' s»-'"'-• Rahlsdorf, Unnlsdorf, Biesdorf: P. H.tff her g, KaulS- dort, Ferdinandstraffe 17. Zfariendorf: August Leip, Chauffeestr. 29. ZIarienfelde: Emil Weinerl, Berliner Str. 114 II. Xeuenhagen, Hoppegarten: Gustav Bergmann, Wolterstr. 3. Neukölln: M. Heinrich, Neckar str. 2, im Laden. Geöffnet von 9—1 und von 4—7 Uhr; Neukölln. Britz: Rohr, Siegfriedstraffe 28/29. Geöffnet von 7— 1 und von 4— 7 Uhr. Nicder-Schöneweide: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 10. II. Xowawcs: Wilhelm I a v v e, Lutherstr. 2. «ber-Schöneweide: Alsred Bader, Wilhelminenhosstr. 17, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Pankow, Vicderschönhausen, Nordend, Frz Buch holz, Blankenburg: R i ff in a n n, Mühlenstr. 30. Geöffnet von 1 1—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Reinickendorf- Ost, Wilheinisruh und Schönholz: P. G u r i ch, Provinzstr. 56, Laden. Geöffnet v. 11— 1'/, u. 4'/,— 7 Uhr. Runmielsburg, Boxhagen, Stralau: A. R o i e n t ranz, All» Boxhagen 56. Geöffnet von 11—1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Schenkendorf b.KönigS-WusterHausen: Chr. H a n t s ch i e, Dorsstr. 10 Schöneberg: Wilhelm Bäumt er, Martin Lutherstr. 69, im Laden. Geöffnet von 9—2 und von 4— 7 Uhr. Spandau, Nonnendamm, Staaken, Seegefeld und Falkenbagen: K ö p p e n, Breiteftr. 64. Geöffnet von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Vegel, Borsigwalde, Wittenau, Waldmannslust, Hernisdorl, Hohen- Neuendorf, Birkenwerder, Freie Scholle u. Reinickendorf- West: Baut Sitnait, Borsigwalde, Räuichstraffe 10. Geöffnet von 11— 1'/, u. von 4'/,— 7 Uhr. Teltow: Wilhelm B o n o w, Teltow, Berliner Str. 16. Tempelhof: Joh. Strohn, Borussiastr. 62. Treptow: Rod. Gramenz, Kieshoizstraffe 412, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Weillensee, Reinersdorf: St. FTtt B ttft a"N N, Sedanstr. 105; Part. ; Geöffnet von 11— ck#/, und von 4'/,— J Uhr. W'llmersdorf, Haleusee, Schmargendorf: Paul Schubert, Wilhelms aue 27. Zeuthen, Hiersdorf: Ernst Hüttig, Zeuthen, Miersdorfer Str. 14 Sämtliche ParteUiteratur sowie alle wiffenschastlichen Werke werden geliefert TonntagS find die Ausgabestellen geschloffen. Freitag, den 81. Juli 1914. Ansang 5 Uhr. ivaffage-Theater. Kino-Bari eis. Potsdamer Naturtheater. Alt» Potsdam. Ansang 7 Ubr. Eine» Nollendorf-Tcheater. Quo vadis. Ansang 8 Uhr. Urania. Der deutsche Riesenkanal. Mit dem Imperator nach New York. Westen. Da« Rheingold. Schiller O. Der Freischütz. Berliner. Wie einst im Mai. Zlhöntggräver Straffe. Mr. Wu. Thalia. Wenn der Frühling kommt. vtose. Eine tolle Sache. Metropol. Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Theater an der Weidendammer Brücke. Der müde Theodor. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Dresdener Viktoria- Sänger. Palaft-Theater. varietö und Licht- .1!� Thealer und Vergnügungen OOD Sachse-Öper. Sehiller-ThealeF 0.�°°""' Abends 8 Uhr: > Thealer. Der Freischütz. spiele. rlt Berliner Prater-Theater. Grtgri. Ansang 8'/, Ubr. Luise«. Der Leiermann und sein Pflegekind. Kleine». Der Klecks. Theater am Nollendorfplaff. Der Juxbaron. Walhalla. Der unsichtbar« Mensch. Folies Eaprtee. Schwache Nerven. Eine ruhige Sommerwohnung. Verbotene Frucht. Snftspieldans. Die spanische Fliege. Friedrich-WUHelmstädt. Theater. Leutnantsliebchen. Anfang 8'/, Ubr. Refidenz. Die verflixte Liebe. Admiralspalast. Im Tangollub. Ansang 9 Uhr. EineS Nolleodorf-Thrater. Quo vadis. *•* Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62 Friedrich-Wilhelms!. Th. 8'/, Uhr tgl. d. Operettenschlazer: Lsutnsntsliedeken. Idester a.<1. Weickenckammerdrüclie Sonnabend u. Sonntag 1 zum 154. 8 Uhr, Sonntag 3 Uhr u. letzten kleine Preise) Male! Her müde Theodor. Montag, 3. Nuguft: Novität! Her süße Fratz. Täglich 8 Uhr: Mr. Wn. Berliner Theater. Zum 298. Male. 8 Uhr: Wie einst im Mai. llH-THHITe! Groffe Franks urler Str. 132. Eine tolle Sache. Ansang 8 Uhr. — Auf der Gartenbühne— Rund um die Spree. Gr. Revue. Vorher Konzert, Spezialitäten. Metropol-Theater. Abend« 8 Uhr: Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Folies Capriee. T ägl i cli S'/t Uhr: Schwache Nerven. Eine ruhige Sommerwohnung. Verbotene Fracht. SoildemlraUr tMMn I. d. i Berliner iteittpnireis. Am Montag, den 3. August, in„Ludwig's Viktoriagarten", Treptow: % Kinderfest � unter Mitwirkung des Berliner Konzertorchesters unter Leitung des Kapellmeisters Herrn Eugen Sischke. 215/4* Kinderchor und Reigentanz TZrt�ß emmnTnt Kinderspiele und Bonbonverteilung. Kasperletheater. Bei eintretender Dunkelheit Fackelzug. Im Saale TANZ. edes Kind erhält am Eingang des Gartens einen Bon für Stocklaterne und "arussell oder Schaukel gratis. Ferner erhalten die Knaben eine Mütze und ======= die Mädchen eine Schärpe.- Eröffnung nachm. 2 Uhr.» Eintrittspreis 20 Pf.« Kinder frei. taler W NilleeWplas S. 8'/, Uhr: Der Juxbaron. ZOOLOCI ischer Garten Täglioli Gr. Militär-Konzert. Emtritfcspreiso: Zoo 1 M., von b Uhr ab 50 Pf. Aquai*. IM. v.d.Str.,50Pf. v-Zoo Kinder unt. 10 Jahr, die Hälfte. Neu! Nen! AQUARIUM 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. »w»...»»»»»».«» w» t epootene r riicni._—----- Perantw. Redakteur: Albert Wachs, Berlin, In feratenteil vergntw.j Ttz. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärts Buchdr.u.BerIagsa!chait Kaul Singers Co., Berlin SW. Hierzu 3 Benagen u. Unterhaltung»»!, Theater des Westens. Das Heute 8 Uhr: Sonnabend, eonntag Walküre. Rheingold. inntag, Montag: fflie- Lebend! Die letzten weiblichen Azteken! AGA die schwebende Jungfrau. Buddhas Geistertafel. Alles ohne Extra-Entree! Eintr. 50 Pf. Kind. u. Sold. 25 Pf. Ifoigt-Theater Badstraffe 68. Heute, sowie täglich: Das ßiebesparadies. Orig.-Operett.-BurleSke mit Tanz in 3 Akten von W. Gericke. Gänzlich neue Spezialitäten. Kaffencröffn. 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. ReiehshaiieQ-Theater. Heute: Letztes Gastspiel der Dre8liner Yiktoria- Sänger Ansang 8 Uhr. Sonntags 7'/, U. Hocgen: Wiederbeginn der Soireen der Stettiner Sänger. URANIA TaubenstraBe 48/49. 8 Uhr: Der dentsche Riesenkanal (Nord-Ostseekanal). 8'/, Uhr: Hit dem„Imperator" nach New York. Neues Programm! 1 Saharet die australische Tanzdiva Perzlnas I Kaufmanns Pagagelen Veronacjrcle Kabarett' Truppe und eine Kette tiervorragender Kunstkräfte! — Ranchen gestattet!— Admiralspalast. Eis- Arena. Berlins kühlster Autenthalt. v�uhr:„Im Tangoklub" und„Die Inztlgc Puppe". Bis 6 Uhr und ab lO*/, Uhr halbe Kassenpreise. Pühlmanns Theater Schönh. Allee 148. Kastanienallee 97/99 Unter neuer Leitung der beliebten Direktion tzt. sterrmann Konzert, Theater, Spezialitäten. Zum Schluß: Wo hast du dein Weh' Weh'chen l Anfang 4 Uhr. Aar ven Inhalt her Jnieraie übernimmt die Redaktion dem Publiku« gegenüber keinerlei Ueranrmortnug. Kr. 206. 3L IahrMg. t KeilM des, Amiirls" KMrMsdlM. M«z. Zt. Juli 1914 Gewerksthastliches. /lrbeiterbetrug. Ein durch und durch unehrliches Spiel treiben die christ- lichen Gewerkschaften in der Frage der Lebensmittelzölle. Die Leitungen erwecken bei den Mitgliedern den Anschein, als kämpfe man gegen eine neue Erhöhung und Erw'eiterung der Schutzzollmauern, den Agrariern aber zwinkert man zu: wir ziehen euren Karren! Auf dem 3. Deutschen Arbeiterkongreß im November vorigen Jahres wurtfe nach einem Referat Stegerwaids eine Resolution angenommen, in der ausgesprochen wird: „Bei der bevorstehenden Neuschaffung unserer Handelspolitik sind Erleichterugen zu schaffen: Eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle und eine AuS- dehnung derselben auf bisher zollfreie Artikel, soweit sie als Rahrungsmittclbcdars in Frage kommen, ist abzulehnen." Auf dem am 16. Juni 1914 in Osnabrück abgehaltenen Vertretertage des Windthorstbundes redete derselbe Herr Stegerwald wieder über die künftigen Handelsverträge. Von der in der vorstehenden Resolution erhobenen Forderung sprach er aber nicht! Nach dem Bericht der„Kölnischen Volkszcitung"(Nr. 512) bezeichnete er als„ a n z u st r e b e n d e s Ziel" der deutschen Zoll- und Handelspolitik„zunächst eine weitere Kräftigung des Inlandsmarktes durch Landwirtschaft und Konsummassen". Dazu empfahl- der— Gewcrkschafts- führer neben angemessenem Zollschutz für die Landwirtschaft innerpolitische Maßnahmen zu ihren Gunsten; darunter auch Förderung des landwirtschaftlichen Kreditwesens auf Staats- kosten.— Von den anwesenden Agrariern, die sich nicht etwa der Arbciterinteressen annahmen, sondern ebenfalls sehr energisch die agrarischen Forderungen vertraten und das Einfuhrscheinsystem als ein Kräutlein Rührmichnichtan bezeichneten, wurde der Herr Gewerkschaftssekretär für die von ihm„beobachtete Reserve"— in der Kritik der Wucherpolitik— verdientermaßen mehrfach belobigt. D i e Arbeiter, die nicht vollständig gedankenlos den Führern nachtrotten, müssen schon merken, daß man falsches spiel mit ihnen treibt. Das wird noch tMtlichcr gemacht durch die folgenden Tatsachen: Der Bayerische Städteverband hat an das bayerische Ministerium eine Eingabe gerichtet, in der er gegen die von den Agrariern geforderten Obst- und Gemüsezölle Stellung nimmt. Die„Westdeutsche Arbeiter- zeitung", ein Organ der M.-Gladbacher Gcwerkschaftschristcn, b?schäftigt sich in ihrer Nr. 30 vom 25. Juli 1914 mit der Angelegenheit. Das Blatt druckt aus der Eingabe u. a. folgende Stellen ab: „Aus diesen Gründen muh die Einführung oder Erhöhung der Zölle auf Obst und Gemüse notwendigerweise zu einer Berteue« rung dieser Waren führen. Für den verbrauchenden Teil der Be- völkerung macht sich aber bei den zurzeit überhaupt herrschenden bohen Preisen für die Lebensmittel, vor allem für Fleisch, jede Verteuerung der Lebenshaltung besonders fühlbar. Die Ver» teurung des Obstes und Gemüses würde voraussichtlich zu einer Einschränkung des Verbrauchs führen. Deshalb ist es schon frag« lich, ob die Produzenten von der vorgeschlagenen Äenderung der Zollsätze wirklich den /Vorteil hoben würden, den sie offonbar erwarten. Die Minderung beS Verbrauchs von Obst und Gemüse wäre aber auherdem aus gesundheitlichen Rücksichten höchst be- baue r lich," Dazu bemerkt die Redaktion der„Wcstd. Arbeiterztg.": „Diesem Borgehen des Bayerischen StädtcvcrbandcS ist in allen Teilen zuzustimmen. Andere Berbände sollten sich ein Beispiel daran nehmen." Ganz und gar vergaß die Redaktion zu bemerken, daß auch christliche Gewerkschaftsführer dem Beispiele folgen sollten. Aber die„Westd. Arbeiterztg." scheint manch- mal blind und taub zu sein. Am 20. Juli hat nämlich in Köln der Provinzialverband des Verbandes der Handels- gärtncr Deutschlands eine Versammlung abgehalten, in der man entschieden für erhöhte und neue Zölle auf Obst und Gemüse eintrat. Das wäre nicht weiter bemerkenswert, die agrarische Richtung der Handelsgärtner ist ja bekannt. Aber die„Westdeutsche Arbeiterzeitung" hätte doch, wollte sie ihre Leser in den christlichen Gewerkschaften nicht irre führen, mit- teilen müssen, daß einer ihrer ersten Hauptakteure, Sekretär und M. d. R. Behrens, der auch als Vorsitzender auf dem oben erwähnten dritten deutschen Arbeiterkongreß die antizöllnerische Resolution zur Abstimmung brachte, den Forderungen der Handelsgärtncr zustimmte und ihnen mit seinem Mandat, das er als Gewerkschaftssekretär er— oberte, hilfreich beizuspringen in Aussicht stellte. Merkwürdig, sehr merkwürdig, daß die„Westdeutsche Arbeiterzeitung", die so gute Ratschläge erteilt, von den Seitensprüngen der beiden Hauptmänner in den christlichen Gewerkschaften nichts erfahren hat, Oder stellt sie sich nur unwissend, um die Mitglieder der christlichen Gewerkschaften nicht— aufzuregen? Die Vorgänge zeigen mit wünschenswerter Deutlichkeit, wie die christlichen Gewerkschafter und Arbeiter hinters Licht geführt werden._ verlln und Umgegend. Ter Streik der Berliner Holzbildhauer. Der Streik hat dem Unternehmerorgan, der„Fach- zeitung" der Holzindustriellen Veranlassung gegeben, gegen- über den„Arbeitswilligen" Stellung zu nehmen. Es ist immerhin von Interesse, aus dem Unternehmerlager auch einmal etwas anderes zu hören, als die sonst üblichen Schimpfereien über an- geblichen TerrorismuS, die regelmäßig in den Ruf nach verstärktem Arbeitswilligenschutz ausklingen. Allerdings handelt es sich dieS- mal nicht um Arbeiter, sondern um Unternehmer. Und zwar ist es der urgewaltige Obermeister der Berliner Tischlerinnung und Vorsitzende des ArbeitgeberschutzverbandeS der Holzindustriellen Deutschlands, R a h a r d t, der mit einer„Mahnung an alle, die es angeht", seinen„Auchkollegen" zu Leibe rückt. Nachdem er die im„Vorwärts" mitgeteilten Bewilligungen der Gehilfenforderungcn aus der Welt disputiert hat, so daß eigentlich so gut wie gar keine Geschäfte und Gehilfen mehr vor- Händen sind, die zu den von den Bildhauergehilfen gsßvrderten Bedingungen arbeiten, werden die übrigbleibenden.?Wlicheren Kantonisten" angedonnert. Die Organisationen der V�hhauer- prinzipale hätten eine kombinierte Kommisston zur Kojtüolle der Betriebe eingesetzt, der Vollmacht erteilt wurde, „die Zurücknahme etwa gemachter Bewilligungen mit rllen zu- lässigen Mitteln zu erzwingen und die Betreffenden auf- merksam zu machen, daß sie im Falle der Unbotmäßigkeit alle K o n s e q u e nz e n aus ihrem Verhalten zu ziehen haben werden." Einigen„bekannten Tischlermeistern", die sich„zu dem schimpflichen Mittel herbeigelassen" haben, zu bewilligen, werden dann im schönsten Jagow-Stil die fettgedruckten Worte zu- gerufen: „Die Betreffenden mögen hiermit gewarnt sein!" Und weiter: „Stellen sie sich nicht innerhalb acht Tagen in die Reihe der ehrlichen Leute, dann mutz ihrem Bleiben in der Organisation ein schleuniges Ziel gesetzt werden." Alle bekannten Ausreden werden„diesmal nicht verfangen, denn die Arbeit- geberorganisationen sind nicht willens, diese Ritter von der traurigsten G e st a l t als Schrittmacher für den„Acht- stundentag" der Tischler unter sich zu dulden." Zum Schluß wird an die Unternehmer appelliert,„w i e Ehrenmänner zu handeln und keiner Firma Bildhauer- arbeiten zu übertragen, welche in der leichtfertigsten und unverantwortlichsten Weife die Forderungen der Gehilfen bewilligt hat." Dieses großen Aufwandes an Kraftworten, Drohungen und Ehrverlctzungen bedarf der Herr Obermeister, um ein bloßes „Manöver" der Streikleitung abzuwehren. Nach seinen Angaben ist der Streik bisher vollständig wirkungslos gewesen. Die An- gaben über Bewilligungen seien nichts als ein Trick der Gehilfen- organisation, weshalb mit der Philippika der possierliche Eindruck erweckt wird, als sollten Spatzen mit Kanonen totgeschossen werden. Aber die Unternehmer werden schon wissen, warum sie jetzt mit allen terroristischen Mitteln noch einen Versuch machen, die wankenden eigenen Reihen aufrechtzuerhalten, Sie müssen sehr schlecht organisiert sein, daß sie nicht die J>9 Firmen mit den 179 Gehilfen feststellen können, die inzwischen zu den geforderten Bedingungen arbeiten. Bei einer so schlechten Organisation wird auch der durch den Obermeister ausgesprochene Bannfluch den weiteren Fortschritt der Bewegung nicht aufhalten können. Der Streik dauert jetzt sieben Wochen. Von Herrn Rahardt wird erklärt, er könne noch ein Jahr andauern und es seien keine Konzessionen zu erwarten. Da keiner der streikenden bOO Holzbildhauer gewillt ist,' von der Forderung Abstand zu nehmen, so wird noch mit einer langen Kampfdauer und damit auf manchen weiteren ergötzlichen Zornesausbruch dieses UniernehmervertreterS zu rechnen sein._ deutsches Netch. a-, f Abgeschobene deutsche Streikbrecher. Der sozialdemokratische Bürgermeister von Zaandam(Holland) hatte von Deutschland kommende Streikbrecher nicht zugelassen, weil sie nicht im Besitze von Pässen oder Heimatscheinen waren. Die 49 Ausgewiesenen brachten im holländischen Grenzort Ensched« die Nacht aus der Polizeiwache zu und wurden andern Tag? nach dem nächsten deutschen Grenzort transportiert. Die Zaandamer warteten dort auf sie. um sie über Amsterdam wieder nach Zaandam zurückzudirigieren. Jetzt sind die 49 Streikbrecher zum zweiten Male ausgewiesen und nach Hamburg zurückbeordert worden. Der Streikbrecheragent H e s b e r g auS Blankenese war selbst nach dort gekomme», mn zu versuchen, den Aufenthalt seiner Getreuen ohne Heimatschein zu bewirken. Er hatte aber keinen Erfolg. Der deutsch« Konsul weigerte sich, ihn zu empfangen. Bei der Abreise der« sicherte der Agent, er werde mit seinen Leuten zurück» kommen, nachdem sie sich in Deutschland die erforderliche» Heimatscheine besorgt hätten. Man bezweifelt aber tu Holland, daß ihnen da« gelingen wird, wegen der gespannte» bxta» nationalen Lage und auch wegen der öfteren Bekanntschast mit de« Strafgesetzen, deren sich die Streikbrecherhelden rühmen können. Inzwischen aber wird berichtet, daß für einen anderen Streif der im Rotterdamer Hafen ausgebrochen ist, die Unternehmer aufs neue 899 Hamburger Streikbrecher herbeischaffen wollen. Ausland. Siegreicher Generalstreik katholischer Gewerkschaften. Rom, 28. Juli.(Eig. Ber.) Daß auch die katholischen Gewerkschaften ganz tüchtige Kämpfe liefern können, zeigt ein recht interessanter Generalstreik in zwei kleinen Ortschaften der Tiefebene von Verona. Dort hatten die alle in katholischen Gewerkschaften organisierten Landarbeiter beschlossen, sich bessere Arbeitsverhältnisse zu erringen, besonders zu dem Zweck, einigen hundert Landarbeitern, die alljährlich außer OrteS wandern muhten, um Arbeit zu suchen, im eigenen Ort Arbeit zu sichern. So trat der ganze Ort in den Streik, mit einer großen Zahl von Forderungen, darunter der des Sechs stundentages für den Winter und des Acht stundentages für den Sommer, Fest» setzung der Mindestzahl der Arbeiter fiir eine gegebene AuS- dehnung Land usw. Aus Solidarität traten die Maurer in den Streik und auch die Arbeiterinnen zweier Spinne- reien, die sich besonderes durch ausdauerndes Streikposten» stehen bewährten. Sie begaben sich auf Zweirädern auf die entlegensten Felder, um zu verhindern, daß die Grundbesitzer selbst arbeileteu. Der Zugang zu den Orten wurde durch Arbeiterkolounen versperrt. Nachdem diese Situation beinahe drei Wochen in ver- schiedener Schärfe angedauert hatte, und sogar die Schließung der Läden erzielt worden war, gaben die Grundbesitzer in allem Wesent- lichen nach. Vor allem wurde der Sechsstundentag für den Winter, der Siebenstundentag fiir den Frühling und der Achtstundentag für den Sommer zugestanden. Stundenlohn im Winter 22, im Sommer 49. unter der Ernte 69 Cent. Außerdem verpflichten sich die Grund» besiyer den bisher auswandernden Tagelöhnern Arbeit zu geben. Interessant ist, daß diese Leute bisher als Sachsengänger in die Ort» schaslen gingen, wo sie der organisierten sozialistischen Arbeiterschaft in den Rücken fallen konnten. 1 2. Generalversammlung öer ßriseurgehilfen Hannover, 29. Juli 1914. Zu einem Referat über Reichsgrsetzliche Grundlage für die örtliche Regelung de» Ladenschlusses erhält das Wort Th. Giese, Frankfurt a. M. Neben dem Wege der gewerkschaftlichen Selbsthilfe gibt es noch die Möglichkeit, eine Regelung der Arbeitszeit auf dem Wege der Reichsgesetzgebung zu kleines Zeuilleton. Trauerkundgebung, weil Friede gemeldet wird. Wenn bei einer Veranstaltung die Musik spielt und es passiert irgend ein Unglück oder es trifft die Nachricht von einem Unglück ein, so bricht die Musik ab. Daß aber die Musik zum Zeichen der Trauer abbricht, weil Friede statt Krieg gemeldet wird, das ist wohl nur im Blut- rausch der deutsch-öfterreichischen Kriegshetzer möglich. Und so schildert es ein Stimmungsbild der„Kölnischen Zettung" aus dem österreichischen Badeort Aussee an der Traun:„Der Friede ist gesichert! Als diese Meldung laut wurde, brach jäh die Musik ab. Und die plaudernden Gruppen verwuchsen zu einer einzigen stummen Maffe, zu einer großen, schweigenden Scham... Zum Glück wird eine Stunde später wieder Aussicht auf Krieg gemeldet.„Na, Gott sei Tank!" heißt es da. Wörtlich:„Gott sei Dank!" Daß es nicht etwa nur„Scham" wegen der„ungesühnten" Mordtat von Sarajewo war, folgt aus dem weiteren Ausruf:„Wenn auch ein paar Dutzend Wochen zu spät". Man hätte also am liebsten schon vor Jahr und Tag losgeschlagen, und man schämt sich, daß eS nicht geschah, man staunl über den unterbliebenen Völkermord, wie man jetzt für den gesicherten Kneg dem lieben Gott dankt.. Natürlich sind die Bauernburschen„zwar em bißchen verdutzt, ober immerhin fidel." Natürlich, denn wenn man die bürgerliche Presse Deutschlands liest, herrscht in� der ganzen Habsburgischen Monarchie, vom eingetrocknetsten Greise biß zum emgeweichtesten Säugling, eitel Jubel über den Krieg. Die Burschen wollten zwar lieber„fensterln gehen", aber �schließlich bekommt doch die bekannte älplerische Rauslust daß Uebergewicht". Das ist das einzige wahre Wort an so einem Bericht: Rauslust. Der Allgemeine Deutiche Sprachverein sollte sich das Wort nicht entgehen lassen, eine bessere Uebersetzung für das Fremdwort Patriotismus kann es gar nicht geben als das gute deutsche Wort Rauflust! Kriegserklärung vor 200 Jahre«. In höchsten, zehn Zeilen hat Oesterreich jetzt den Serben den Krieg erklärt. Ehemals waren Kriegserklärungen umständlicher. So pflegten dre Herrscher, die vor einem Vierteljahrtausend ihren Feinden den Krieg erklärten, ihrem Zorne in vielen Worten Lust zu machen. 1689 erklarte der Kursurit von Bra idenburg dem König von Frankreich den Krieg, und ein„AnSzag" aus dieser Kriegserklärung, die damals»m.Frank- furter Journal" erschien und die Eberhard Buchner mitteilt, hat folgenden Wortlaut:„Wir Friedrich III. u. s. w. tun kund und zu Wilsen, obwohl wir nichi mehrers gewünschct. alS daß die allgemeine Ruhe in der Christenheil erhallen wurde und Uniere Uns von Gott anvertraute Lande die Früchte deS edlen Friedens genießen möchlen, demnach aber der König in Frankreich nicht allem das ganze Heil. Römische Reich ohne einige Ursache angegriffen, ja ganze Kreis« und Provinzen in demselben auf eine barbarilS« und »nter den Christen nie erhörte Weise mit morden, rauben und brennen verwüstet, sondern auch Uns selber und unsere anverwandte Häuser und Alliierte mit der gleichen Grausamkeit bedrohet, so sind Wir unumgänglich genötigt worden. Uns zu resolvieren, wider sotane Gewalttätigkeiten der Franzosen alle dienliche Mittel vor die Hand zu nehmen und nicht allein amtS und eifetS- halben das Heil. Röm. Reich und Unser eigenes werten Vaterland für den androhenden Gewalttätigkeiten zu beschützen, sondern auch dieselben für daS zukünftige in Sicherheit zu stellen und dabenebenst für Uns und Unfern Alliierten und Mit-Ständen zugefügten Schaden behörige Satisfaktion zu bekommen. Wir haben auch zu der göttlichen Majestät das feste Vertrauen, es werde die- selbe unserer gerechten Sache beistehen; Unseren und Unserer Allicrten abgenötigten Waffen Glück, Sieg und Segen verleihen und diesen Krieg einen solchen Ausgang ge- Winnen lassen, wodurch der unmäßigen Ehr- und Regier- sucht des Königs in Frankreich möge gesteuert und unser wertes Vaterland in sein altes Ansehen, Freiheit und beständiger Ruhe wieder mög gesetzet werden, wobei Wir Unser Leib und Leben getreulich aufzusetzen nicht unterlassen wollen. Gegeben in unserer Residenzstadt Collen an der Spree den 13. April 1689."— Die pathetischen und sentimentalen Lügen, die man damals in den Kriegserklärungen und Proklamationen unterbrachte, überläßt man heute der dienstbeflissenen Presse, die so was noch viel besser kann. Die Nase Kleopatras und die Blattern der Prinzessin Conti. Man kennt den Scherz von der Nase der Kleopatra, der dazu dient, jene oberflächliche Geschichtsauffassung abzuführen, die den Lauf historischer Dinge von ganz belanglosen Zufällen abhängen läßt. Für diese Art von Geschichtsforschung ist es wirklich ein Problem, wie sich die Weltgeschichte im Ältcrlnm entwickelt hätte, wenn Jleopätra eine schiefe Nase gehabt und Pompejus sich infolgedessen nicht in sie verliebt hätte. Von einem ganz ähnlich erhabenen Gesichtspunkt betrachtete der bekannte erotische Schriftsteller Casanova de Seingalt, den Grabbe einen„Napoleon der Unzucht" nannte, die stanzösische Revolution, denn die ausgezeichnete Zeitschrist„La Revolution Franyaise" veröffentlicht einen Brief de, alten Schwerenöters von 1793 in dem e, heißt: .Ich halte eS für klar, daß ohne den letzten Herzog von Orleans die Revolution nicht zum Ziele gelangt wäre... Welche Schicksalsfügung lag darin, daß sein Vater die Prinzessin Conti heiratete? Aber diese Prinzessin hätte nimmermehr das Ungeheuer in die Welt gesetzt, wenn der Abbs Des BrosseS sie nicht von den Blattern geheilt hätte, die sie derart entstellten, daß der Herzog von Chartres, ihr Gatte, sie nicht anzusehen vermochte. Welche Schicksalsfügung lag nun darin, daß der AbbS De» BrosseS, ein unwissender Kurpfuscher, seine Pomade zu Madame de Polignoc ins Palais Royal trug, damit diese sie der Prinzessin brachte, die von den Pusteln verunstaltet wurde. Die Pusteln verschwanden, ihr Gatte fand sie hübsch und sie empfing das Ungeheuer... Gott hatte die Blatter» der Herzogin von Chartres geschickt, die der l Herzog abscheulich fand: die Hölle schickte die Pomade, die sie heilen sollte, durch einen Abbs, der nur geschaffen schien, um verachtet zu werden. Der böse Geist der französischen Monarchie errang die Oberhand." Also: wenn der Abbö DeS BrosseS nicht eine Salbe gehabt hätte, um blatternarbige Gesichter wieder rein und weiß zu machen. hätte der Herzog von Chartres sein EhegesponS Tag und Nacht weiter ignoriert, die Ehe wäre unfruchtbar geblieben, kein Herzog von Orleans hätte das Licht der Welt erblickt, um später unter dem Namen Philippe Egalitö zur Revolution überzugehen und so dem Königtum den letzten Stoß zu versetzen, und noch heute herrschten Absolutismus und Feudalismus in Frankreich und Europa. So steckte eigentlich in der Salbenschachtel des Abbe DeS Brosses der Grund, weshalb es heute keine Leibeigenschaft mehr gibt— glorreiche Salbenschachtel und glorreiche Geschichtsauffassung! Weil eS gut ist! Sonnabendabend war Vortrag eines Arztes. Da klärte derselbe ausführlich über die Giftigkeit des BleiweißeS, die Bleierkrankung und ihre Folgeerscheinungen auf. Unsere Werkstelle war vollzählig erschienen. Auch der alte Kühlmayer war da und hörte mit wackeligem Kopfe an, waS der Arzt erzählte. Einige Tage später kam ich in den Farbenkeller. Da stand der Alte, die Hände und Arme bis an den Ellenbogen mit Bleifarbe verschmiert und aß sein Frühstück. Trotzdem der Arzt am Sonn» abend größte Reinlichleit der Hände empfohlen hatte. Enrsetzt fragte ich ihn:„Aber warum waschen Sie sich nicht das giftige Blei- weiß von den Fingern, bevor Sie essen?" Blöd schaut er mich an:„Was Gift! Auf den Fässern steht doch.—chemisch reines Bleiweiß—" I" Und ich ließ ihn mit den schmutzigen Händen weiter essen. Weil eS besser ist, wenn solche Dummheit ausstirbt I H. St. Notizen. — Sonnentemperatur herzustellen, ist dem Breslau« Professor Lummer gelungen. Er steigerte die Temperatur des Bogenlampenkraters noch über die 6909 Grad der effektiven Sonnen» temperatur hinaus, indem er die Lampe unter erhöhtem äußeren Druck brennen ließ. Für die Praxis kommt die neue Erfindung einstweilen noch nicht in Frage. — Johann Sperl, der Landschaftsmaler und Freund Leibis, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Er hat u. a. mit Leibi zusammen eine Anzahl Gemälde geschaffen. — S a ch s e- O p e r. Bei der„Tannhäuser"-Aufführung am Sonnabend wird zum ersten Male in Berlin nicht der übliche Sckiluß. sondern eine Fassung gegeben, die Richard Wagner für die Aufführung im Züricher Stodttheater im Jahre 1846 komponiert hat. — Tokio, die japanische Hauptstadt, hat jetzt über 2 Millionen Einwohner, ist also ebenso groß wie Wien. Das rapide Anwacksen ist der Zuwanderung vom Lande zu verdanken. Außer Tokio zählt auch Osaka bereits über eine Million. erzielen. Der �e-Kstag bat im Jahre 19ll dahiriflebende Anträge �ein RcichIlanzlcr zur Erwägung überwiesen. Weiter ist darauf jedoch nichts erfolgt. Der Verband miisje dringend verlangen, datz durch Aenderung der Gewerbeordnung die Möglichkeit gegeben wird, den Ladenfchluh in� den einzelnen Orten auf gesetzlichem Wege einheitlich festzusetzen. Die Gehilfen müssen energisch dafür eintreten, daß die Arbeitszeit an Wochentagen um 8 Uhr abends, Sonnabends spätestens um 19 Uhr beendet" ist. Auch das Publi- tum, besonders die organisierte Arbeiterschaft, mutz dahin gebracht werden, an Wochentagen die Friseurläden nach 8 Uhr nicht mehr zu betreten. Auch die Meister sind an einer einheitlichen Regelung interessiert. Referent legt eine Resolution vor, die die leitenden Gedanken des Vortrags zusammenfaßt. Nach einer lebhaften Diskussion, in welcher sich die süddeutschen Delegierten gegen die Festsetzung der Arbeitszeit bis„spätestens 19 Uhr" wenden, wird die Resolution mit knapper Mehrheit angenommen. Ueber die Arbeitslosenversicherung spricht Umbreit. Er schildert eingehend die Verhältnisse im Friseurgewerbe, � sowie die allgemeine wirtschaftliche Lage und fordert Einschränkung der Lehrlingszüchtung, Regelung der Arbeit an Sonn- und Feiertagen und die Gewährung von öffentlichen Zuschüssen zu den Arbeitslosenkassen des Verbandes. Nach kurzer Diskussion wird«ine Resolution in diesem Sinne angenommen. Ohne Debatte angenommen wird ein Antrag, den Vorstand auf- zufordern, zu geeigneter Zeit einen allgemeinen Gehilfenkongreß einzuberufen. Ueber Tarifverträge referiert Paul Kabelitz. Wünschenswert sind korporative Verträge. So lange wir diese bei dem schwachen Stande der Orga» nisation nicht haben können, müssen wsr uns mit Einzelvcrträgen begnügen. Alle Tarifverträge aber bedürfen der ausdrücklichen Zustimmung des Verbandsvor- st a n d e s. Eine entsprechende Resolution wird angenommen. In der Diskussion wird darüber geklagt, daß die Arbeiterschaft die Gehilfen in ihren Bestrebungen so wenig unterstützt. Die kor- porativen Verträge sind von größter Wichtigkeit wegen ihrer erzieherischen Wirkung auf die Meister. Der Kost- und Logiszwang muß in allen Tarifverträgen aufgehoben werden. Um die Schmutz- konkurrenz zu bekämpfen, müssen in Geschäften, die unter Preis arbeiten, höhere Löhne gefordert werden. M a u b a r t- Wien ver- abschiedet sich mit herzlichen Worten von den Delegierten. Hierauf Vertagung. «* • Hannover, 39. Juli. Zu der am 19. Oktober in Paris zusammentretenden i n t e r- nationalen Konferenz nimmt E tz k o r n-Berlin, das Wort. Die Konferenz wird dem Austausch von Mitteilungen dienen und sich in erster Linie mit der Frage der E i n w a n d e r u n g be- schäftigen, die für Frankreich und Nordamerika besonders wichtig ist. Der amerikanische Verband lehnt bis jetzt seinen Beitritt ab mit der Begründung, daß sonst die Einwanderung europäischer Gehilfen noch größer werden würde. Ueber die Verhandlungen des Gewerkschaftskongresses berichtet Etzkorn. Der vom Verbände gestellte Antrag auf bessere Unter- stützung der Gehilfen durch die Arbeiterschaft wurde angenommen. Für die gegenseitige Unterstützung von Gewerkschaften in Lohn- kämpfen ist ein neues Regulativ angenommen, wonach die Mittel durch ein Umlageverfahren aufgebracht werden sollen. Unser Verband, der eigene Lohnkämpfe ja mehr durch Boykott als durch Streik führt, wird dadurch leicht in die Lage kommen, für andere Lohnkämpfe mehr als für eigene auszugeben, Aber wer Solidarität fordert, muß sie auch üben.— Bei den Wahlen zum Verbandsvorstand wird die alte Verbands- leitung wiedergewählt. Der Vorstand bringt eine Resolution ein, in der gegen die Ver- ftuche, daS Koalitionsrecht zu beschneiden, schärfster Protest erhoben wird. Die Resolution wird einstimmig angenommen. Es folgt der Bericht der Statutenkommission und die Verhandlung der gestellten internen Anträge. Hierauf schließt Etzkorn die Verhandlungen mit Dank an die Delegierten und besten Wünschen für das weitere Ge- deihen des Verbandes.__ �ugenöbewegung. «Arbeiter-Jugend". Die soeben erschienene Nr. 19 des sechsten Jahrganges hat n. a. folgenden Inhalt: Unsere Vaterlandsliebe.— Die Ferienreise. Von Hammelsdorff.(Schluß.)— Die Transportarbeiterjugend im Jahre 1913. Von Heinr. Farwig.— Ferienleben in England. Von E. Prager.(Mtt Abbildungen.)— Spiel und Sport in der Berliner Jugendbewegung.— Merkblatt Nr. 2 über den Arbeiterschutz.— Pom Kriegsschauplatz. Aus der Jugendbewegung usw. Beilage: Woiczech, der Igel. Erzählung von Kurt Aiging. >»»- Vom Ursprung der Religion.(Fortsetzung.) Von O. Jenssen.— Allerlei Jungvolk von Jürgen Brand.(Mit Abbildungen.)— Abseits. Gedicht von Theodor Storm.— Proletariergesang. Von Roland.— Schwalben. Erzählung von Fritz Müller. Ms öer Partei. Eine außerordentliche Generalversammlung des Sozialdemo- kratischen Bercinö für Köln-Stadt und Köln-Land nahm am Sonn- tagmorgen zum Parteitag Stellung. Genosse Sollmann sagte in seinem Referat, daß die bedenklichste Erscheinung der beiden letzten Jahre der Stillstand in der Entwicklung unserer Parteipresse sei. Der Hauptgrund liege darin, daß wir in der journalistischen Technik hinter den bürgerlichen Zeitungen zurückständen. In der Kaiserhochfrage hätten diejenigen Genoffen, die das Sitzen- bleiben verurteilen, gut getan, wenn sie das heuchlerische Eni- rüstungsgezeter der bürgerlichen Presse nach dem Worte behandelt hätten: L. S.(Laß schwätzen!)„ Der Parteitag werde sich zweifel- los mit überwältigender Mehrheit hinter die Mehrheit der Fraktion stellen. Wichtiger sei aber, daß bei dem Bericht der Reichstagsfraktion unsere Stellung zu den Mo- nopolplänen besprochen und geklärt werde. Die Klassenjustiz brauche nicht als besonderer Punkt auf die Tagesordnung zu kommen. Der Parteitag solle sich aber in einer einmütigen Kund- gebung gegen die Klassenurteile der letzten Monate wenden und aussprechen, daß wir uns durch die Scharfmacherjustiz nicht ab- schrecken lassen. Insbesondere müsse der Parteitag zum Ausdruck bringen, daß die Genossin Luxemburg bei ihrer Kritik des Mili- tarismuS im Sinne der ganzen Partei gehandelt habe. In der Diskussion trat Genosse Erdmann dem Referenten in der Kaiserhochaffäre entgegen. Alle anderen Redner, darunter der Reichstagsabgeordnete Hofrichter, Meerfeld usw., sprachen sich f ü r den Beschluß der Fraktion aus. ES wurden folgende Anträge zum Parteitag angenommen: �„Der Parteitag fordert die Genossen erneut zur Jnnchaltung deS auf dem Parteitag in Leipzig beschlossenen und wiederholt bekräftigten Schnapsboykotts auf. Der Parteitag beauftragt den Parteivorstand, mit dem Partciausschuß darüber zu beraten, wie ein« dauernde wirksame Propaganda des Schnapsboykotts verwirklicht werden kann. -Jg Der Parteitag wolle beschliehen: Ter Parteivorstand wird beaustragt, seinen ganzen Einfluß dahin geltend zu machen, daß die Arbeitsruhe am 1. Mai, ganz gleichgültig, auf welchen Wochentag er fällt, von den Unternehmungen der deutschen organisierten Arbeiterschaft, besonders denjenigen auf dem Gebiet der Produktion, streng durchgeführt wird." Ein Antrag, daß die Maifeier auf den ersten Sonntag im Mai verlegt werde, wurde abgelehnt, ebenso ein Antrag, der den Partei- vorstand beauftragen will, die Gründung einer Jnvaliditäts-, Witwen, und Waisenversicherung für das in sozialdemokratischen Betrieben beschäftigte technische Personal in die Wege zu leiten. Als Delegierte zum Parteitag wurden gewählt die Genossen Fröhlich und Münsinger und die Genossin Juchacz. Soziales. Ein Idyll für Arbeiterinnen. Gegen den Fabrikanten Adolf Rehse, Inhaber der Kon- servenfabrik Albert Rehse Sohn in"Hannover, klagten vor dem dortigen Gewerbegericht am Mittwoch 13 Arbeiterinnen auf Rückzahlung der einbchaltencn Kaution und des Reisegeldes für die Rückfahrt nach dcr�Heimat. Sämtliche Klägerinnen stammen aus Ostpreußen. Sie sind für die ganze Kampagne, bis Weihnachten, Verpflichteft Sie hatten am 21. d. M. wegen der minderwertigen Qualität des Mittagessens die Arbeit niedergelegt. Die Verhandlung brachte manche interessante Enthüllung über den Musterbetrieb dieser feudalen Fabrik. Die Klägerinnen, die für den Hundclohn von 1,49 M. täglich und„teilweise Beköstigung" arbeiteten, mutzten sich auf ihre er- bärmlichen Bezüge noch allwöchentlich einen Kautionsabzug von 2 M. gefallen lassen. Die Beschaffenheit der„teilweisen Bekösti- gung", die von einer erprobten westpreußischen Haushälterin fabri- ziert wird, hatte schon lange Anlaß zu Beschwerden gegeben, denn Gemengsel von Erbsen, Graupen, Rüben, Sauerkraut, Kartoffeln usw., in Sodawasser gekocht, können bei öfteren Wiederholungen selbst die Aufnahmefähigkeit eines nicht gerade verwöhnten pol- nischen Magens ins Wanken bringen. Das Essen soll mitunter so schlecht gewesen sein, daß den Arbeiterinnen nach dem Genuß übel wurde. Dazu wurde das Essen den Leuten wiederholt in schmutzigen und verrosteten Gefäßen, ferner, wie eine Zeugin bekundete, dem Fabrikpersonal einmal auf einem Mistwagen zugestellt. Die sämt- lich mit Feldarbeit beschäftigt gewesenen Klägerinnen hatten am 21. d. M. das Essen verweigert und dieses, nach einem vergeblichen Beschwerdeversuch bei dem Fabriiinhaber, dem städtischen Unter- suchungsamt in der Herschelstraße präsentiert. Dort wurde ihnen eine Warnung vor dem Genuß des entschieden gesundheitsschäd- lichen Essens zuteil. In der Verhandlung wurde übrigens noch festgestellt, daß sich der Widerstand gegen das Fabrikessen nicht etwa auf die Klägerinnen beschränkte, sondern, daß auch ein großer Teil der übrigen Arbeiterschaft(Polen, Galizier, Russen) das Essen meistens nicht herunterzubringen vermochten und sich von seinem erbarmungswürdigen Lohne selbst Essen kaufte. Nach diesen erbaulichen Darstellungen empfahl der Vorsitzende, Senator Dr. Menge, dem Vertreter der beklagten Firma, die An- sprüche der Klägerinnen vergleichsweise zu befriedigen. Nach er- solgter Ablehnung dieses Vergleichsvorschlages konnte der Vor- sitzende feststellen, daß der angeblich ortsabwesende Fabrikinhaber nur durch die Abhaltung seines Mittagsschläfchens verhindert war, der Verhandlung beizuwohnen. Herr Rehse hat dann aber, nach erneuter Inanspruchnahme des Telephons, in anerkennenswerter Weise seine Mittagsruhe abgekürzt, erschien mutvoll auf dem Plane und bestritt energisch jede Herabsetzung der Kochkünste der braven Marie, seiner erprobten Haushälterin. Nach seinen Be- hauptungen sollte das Essen erstklassig sein und jede Beschwerde der Böswilligkeit der Klägerinnen entspringen. Herr Rehse ver- weigerte auch zunächst jedes Entgegenkommen und forderte die Klägerinnen unter Zusicherung strengster Kontrolle des EssenS auf, in seinen gastlichen Betrieb wieder zurückzukehren. Das lehnten aber die Klägerinnen einmütig ab, selbst als ihnen bei dieser Weigerung die Gewißheit winkte, des beanspruchten Reise- gelbes für die Heimreise verlustig zu gehen. Herr Rehse ließ sich schließlich doch noch bereitfinden, den Klägerinnen die Kaution zurückzuzahlen. Gegen ihn klagte dann noch eine andere Arbeiterin, die die Arbeit niedergelegt hatte, weil sie nach ihrer Behauptung von dem hohen Prinzipal höchsteigenhändig tätlich angegriffen und beleidigt sein wollte. Herr R. stellte den Vorfall natürlich äußerst harmlos dar, bequemte sich aber doch, der Klägerin ihre Kaution und den rückständigen Wochenlohn zu zahlen, wahrscheinlich, um nicht den Eindruck der patriarchalischen Verhältnisse seines Betriebes abzu» schwächen, in dem er übrigens" den Duz-Komment herrschen läßt, leider nur einseitig gegenüber den fremdländischen Arbeiterinnen. Ob die Schwärmerei des Herrn Rehse für das trauliche Du eine Folgeerscheinung seiner Herkunft, ob er vielleicht Tiroler oder gar Duderstädter ist, wissen wir freilich nicht zu sagen. Hoffentlich schreitet nun bald der Gewerbeinspektor gegen den gesetzwidrigen Abzug vom Lohn al»„Kaution" ein.§ 115 der Gewerbeordnung läßt das nicht zu. ' diger kindlicher Lohnarbeiter aufweisen, und mit der nichtständigen Ausbeulung familiensremder Kinder die Großbetriebe hervorragen. Zur Beschönigung wird bemerkt, daß das Jäten, Rübenziehen und dergleichen Arbeiten, womit ein erheblicher Teil der Kinder be« schäftigt werde, nur geringe Anforderungen an die Körperkräste stelle. Wer so etwas zu schreiben wagt, der muß keine Ahnung von der Anstrengung solcher stundenlang ausgeübten Tätigkeit haben oder er sagt bewußt die Unwahrheit, um die Kinderausbeutung vor störenden sozialen Eingriffen zu schützen. Wie ein Hohn wirkt eS, wenn zur Entschuldigung und Rechtfertigung der Beschäftigung lind» licher Mädchen bemerkt wird: „Kaum schon schulpflichtige Mädchen fanden sich de? öfteres um einige Jahre ältere sebr oft. bei denen die Rückftage ergab, daß das fremde Kind tatsächlich für Lohn angenommen war. um während der Sommermonate ein kleines Kind des Arbeit« gebers zu beschäftigen, dessen Mutter mit dem Kinde auf das Feld zu begleiten und ihr die ungestörte Feldarbeit zu er- möglichen, gelegentlich wohl auäi nach einer kleinen Gänseherd« auf dem daneben liegenden Feldstück zu sehen. An Lohn wurden in solchen Fällen neben der Verpflegung am Schluß des Dienst- Verhältnisses ein Kleid und ein Paar neue Schuhe und dergleichen gegeben. Manche Kleinwirte, die den rein statistischen Grund einer derartigen Rückfrage nicht würdigten und an polizeiliche Absichten glauben mochten, antworten im obigen Sinne mit der zornigen Hinzufügung. daß sie nicht bestehen könnten, wenn sie„das"(die Ermietung eines Schulmädchens zur Kinderwartung während der Sommermonate)„nicht dürften'. Wie schon bemerkt, sind es vorwiegend große und die eigent« lichen Großbetriebe, die vorwiegend Kinder— ausbeuten. Daß ihr« Existenz von der Ausbeutung der Kinder abhängig fei. wird man wohl ernsthaft nicht zu behaupten wagen. Aber eS ist auch absurd, behaupten zu wollen, auf der Ausbeutung eine« kleinen Mädchens, das selbst der Aufwartung und Pflege bedürftig ist, beruhe die Existenzmöglichkeit eines Kleinbetriebes, oder man müßte annehmen, aus einer so unentwickelten Arbeitskraft ließen sich ganz erhebliche Gewinne herauspressen. 21 715 8 422 20 383 22 457 sammen 28119 144 689 39137 48 840 Kinderarbeit in der Landwirtschaft. Während die Berufszählung in den landwirtschaftlichen Betrieben Preußens 1997 nur 119 137 noch nicht 14 Jahre alte beschäftigte Kinder ermittelte, stellt sich die Zahl nach der landwirtschaftlichen Betriebszählung desselben JahreS auf 2bi 776. Von dieser Schar erwerbstätiger Kinder waren 119 898 weiblichen und 149 998 männ- lichen Geschlechts. Die amtliche Statistik gruppiert die nur in den landwirtschaftlichen Hauptbetrieben gezählten Kinder wie folgt: männ- weib- licke liche ständig helfende Familienangehörige.. 14 474 13 939 nicht ständig helfende Familienangehörige 78 339 99 353 ständige Tagelöhner, Arbeiter..... nicht ständige Tagelöhner, Arbeiter..- Angeblich hat die Mitarbeit der Kinder in der eigenen Familie großen erzieherischen Wert. Deshalb lasse sich gegen daS Heranziehen der eigenen Kinder zur Arbeit nicht viel einwenden. Grund- sätzlich ist dagegen einzuwenden, daß die Kinder nur lernen und spielen sollen. Nur in seltenen Ausnahmen verliert die Erwerbs- arbeit der Kinder nicht den erzieherischen Wert. Zu schweren Be- denken gibt der Umstand Anlaß, daß es nicht etwa die kleinsten Betriebe sind, die vorwiegend eigene Kinder beschästigen, sondern die mittel- und großbäuerlichen Betriebe. Das läßt darauf schließen, daß weniger wirtschaftliche Not als Gewinngier zu der Beschäf- tigung von Kindern anreizt. Plan will den Lohn für fremde und erwachsene Arbeitskräfte sparen. Wo soll da noch ein erzieherisches Moment stecken? Unter den überhaupt beschäftigten Kindern waren 18 977 Lohn- arbeiter im strengsten Sinne deS Wortes; sie gehörten nicht zur Familie des Betriebsinhabers, der ihre Arbeitskrast ausnutzte. Daß es nicht auf Erziehung ankommt, dafür spricht der Umstand, daß die mittelbäuerlichen Betriebe die verhältnismäßig größte Zahl stän- Verwsltiiii» Berlin. Die heutige Verwaltungssitzung fällt aus. 99/19 Die Ortsvervmltnne» Todes-Anzeigen| 1. 1 4. Berl. Reicbstagswaiilkreis Kspenicker Viertel. Bez. 170. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Dreher Wendlsnä Manteuffelstraße 121 gestorben ist Ehre seinem Anveuken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. August, nach. mittags 4 Uhr, von der Halle deS Zcntral-FriedhofeS in Friedrichs. felde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 215/5 Der Borstand. lüeiikedek�Mskjieitek-ifekdaiiij Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, ! daß unser Mitglied, der Revolver- \ Dreher Richard Wendiand Manteuffelstraße 121 am 28. d. MIs. an Nierenleiden gestorben ist Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. August, nach» mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhofeS in Friedrichs- felde auS Natt. Rege Beteiligung erwartet 128/1_ Die Orlsverwallung. Sozialdemokratischer WahJverein llSJerLReiehstagswahlkreis. Am Dienstag, den 23. Juli d.J., verstarb unsere Genossin Hedwig Kilian Baftianstr. 10a. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 31. Juli, nachmittags i'l, Uhr von der Halle des neuen St. Pauls-Ktrch hofeS in Plötzensee auS statt. 239/1 Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Mittwoch nachmittag 5'/, Uhr verstarb nach qualvollem Leiden meine Nebe Frau, unsere gut- Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante 2844b Marie Fettkenhaoer geb. Bath im Alter von 39 Jahren. Mit der Bitte um stille Test- nähme zeigt die« allen Ver- ivandtcn und Bekannten ttes- betrübt an P. Fettkenhauer und Kinder. Neukölln, Herrsurthstr. 39. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. August, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle deS neuen Jakobi-KirchhofeS, Neukölln, Hermannftr. 99— 105, au« statt. Für die zahlreiche Beteiligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meine» lieben Manne» sage ich hier- mit allen Beteiligten meinen herzlichen Dank. ISs�l Mwe Klara Steinfeld und soh«. Danksagung. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« lieben Mannes sage ich allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. s-149 Frau Berta Schulz. ■■■■■■■■■■■Ma Von der Belso zurück Dr. Snßmann 47411- Augenarzt Charlottenburg Berliner StraBe 180. Speztalarzt Dr. med. WockenfnB, Frledriehstr. 126(Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Eur(Dauer 12 Tage). Blutuntersuohung. Schnelle, sichere schmerzlose Hellung ohne Berufs- siSrung. Teilzahlung.* Spr. Torrn. 9— Nm.B, Sonnt. 9— 11. Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 99(Laden). Ansichtskarten Sächs.-böhmisch. Schweiz Harz Riescugedirge in großer Auswahl! Stück v Pfennig. eleg.Herrenmoileii beste Stoffe, sobick. Schnitt la Verarbeitg., pa. Zutaten enorm billig. E. Sommermeier Schtfnbanaer Allee 180 Tel. Norden 2(05.' Das Beste zurrt Einweichen der Wüsche sowie zum Putzen, Scheuern und Spulen. Altbewährt und unerreicht! HENKEL& Co.. Düsseldorf. TSmntWortliäiet Redakteur Mhert Wachs. Kxciig..Für de, JnjerMuteil veranlwu Th, Glocke. Berlin. Druck iftVerlaMörwärt, Buchdruckerei u. VerlaLSaMalt�P.aul ginge; St Co, Bkrlch SÄ,' Ar. 206. 31. Jahrgang. 2. KkilU to„ {ttitoj, 31. lull 1911 Parteiangelegenheiten. 2, Kreis, Jugeildabtcilung. Sonntag, den 2. August 1914: Be- teiligung am Massenausflug der Arbeiterjugend Groh- Berlins. Treffpunkt: morgens 7 Uhr vor dem Gvrlitzer Bahnhof.(Bei un- günstigem Wetter findet die Veranstaltung am 9. August statt.) Alle jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen über 18 Jahre werden er- sucht, sich daran zu beteiligen._ Sechster Wahlkreis. Die jugendlichen Mitglieder des WeddingS und der Oranienburger Vorstadt beteiligen sich am Sonntag, den 2. August ani Mafienausflug der Berliner Arbeiterjugend. Treffpunkt: Neltelbeck- platz(Normaluhr) 7 Uhr. Fahrgeld 69 Pf. Stralau. Am Sonntag, den 2. August, findet im Restaurant „Schwanenbergs Tunnelstr. 20, das Volksfest des Wahlvereins statt. Anfang 4 Uhr. Für ein reichhaltiges Programm ist gesorgt. Jugendscktion Pankow- Niederschönhauscn. Die jungen Ge- nossinncn und Genossen beteiligen sich am Sonntag, den 2. August an dem Massenausflug der Arbeiterjugend Grofi« Berlins nach Äaul»dorf-Süd. Restaurant„Sanssouci". Treffpunkt 9 Uhr früh im Jugendheim, Pankow, Maximilianstratze 43 a. Bernau-Schönow. Am Sonntag, den 2. August, veranstaltet der Bezirk Schönow ein Sommerfest in DamerowS Lindengarten in Schönow, Berliner Straße, bestehend aus Konzert, Tanz, Gesang «Mitwirkung deS Gesangvereins„Freiheit", Bernau), Preisschießen. Verlosung sowie Belustigungen für groß und klein. Jedes Kind erhält eine Stocklalerne gratis. Eintrittskarte 25 Pf. Anfang 3 Uhr nachmittags. Die Genossen von Bernau werden ersucht, sich zahlreich mit ihren Familienangehörigen am Ausflug zu dem Schönower Sommerfest zu beteiligen. Abmarsch um 2 Uhr von Salzmann, Basdorfer Straße. öeriiner Nachrichten. Momentbilöer vom Dienstagabenü. An der Kreuzung der Friedrichstraße und der Linden, an einer Ecke der Mittelpromenade stand ein halbes Dutzend „nationaler" Sänger, die unermüdlich, aber musikalisch leider sehr anfechtbar die„Wacht am Rhein" und die„hohe Wonne gans" brüllten. Ein Schutzmann trat an die Gruppe heran und gab mit halblauter Stimme Instruktionen. So weit Sache klar. 216er mich beschäftigte die Frage die Sechs in Akkord oder gegen Stunden war die Schreien lohn? Unsagbar komisch diese Reitübungen der blauen Jagow Garde auf der Lindenpromenade I Die dicken, glänzend ge striegelten Ackcrgäule— sie reiten alle so eine Art Mast vieh sprangen wie die Schaukelpferde. Auf ein> mal aber hatten humoristische Menschen eine Reihe der Promenadenstühle kreuz und quer über den Weg gestellt. Die fetten Rösser bäumten.„Schaffen Sie mal die Stühle weg!" kommandiert der vorangoloppierende Leutnant. Der Befehl gilt seinen„Leuten" zu Fuß. Aber der erwähnte nationale Gesangverein springt schon diensteifrig zu. Dies schien mir dafür zu sprechen, daß sie wohl doch in A k k o r d engagiert waren und nicht gegen Stundenlohn. * Dumpf hallt die Arbeitcrmarseillaise. Dicht neben einem der Polizei-Häuptlinge nimmt ein ruhig aussehender Mann die Mütze vom Kopf und ruft:„Hoch die Sozialdemokratie t Der Polizeioffizier recht den schweren Gaul herum und schreit einen Befehl. Zwei Schutzleute zu Fuß stürzen auf den Mann zu und nehmen ihn fest. Besteht diese Verhaftung zu Recht? Seit wann. Herr v. �agow, ist es verboten, ein Hoch auf eine im Reichstag vertretene Partei auszubringen? Wenn aber das Rufen an sich gegen die Straßenordnung verstößt— weshalb unternahmen Ihre Mannen dann nichts gegen diejenigen, die zehnnial hintereinander, dicht unter den Polizeisiügcln Hurras auf Wilhelm II. brüllten. « Freilich die nationale Begeffterung begnügte sich ckuch mit weniger erhabenen Objekten, �ch habe festgestellt, daß wähl- los, mit einer erfreulichen Unparteillchkeit, Polizeimajore, Taxameter, Autobusse uüd Zwanzig-Mark-Dirncn, die im Kraftwagen zur Nachtarbeit in den Balffalen fuhren, angehocht wurden./ * Ich bin durch die ganze Innenstadt teils gegangen, teils gefahren. Ich stand mit fünf anderen Fahrgästen auf der Hinteren Plattform einer Elektn,chen. E» war kein Arbeiter unter uns. Auch schien mir keiner von den andern radikaler Gesinnung verdächtig. Da kam aus einer Querstraße ein Truppchen Jugend, das, zum Teil noch mit Bruchstimmen, die„Wacht am Rhein" schmetterte. Man lächelte. Als aber die Polizei, die eben noch die Menge der Erivachscnen mit dem Säbel vom Damm getrieben hatte, vor den bierselig gröhlenden Studenten und dem Hauflein Halbwüchsiger Spalier bildete, da war die Empörung über diese Ver- letzung des„gleichen Rechtes für alle" auf jedem Gesicht. Aber uns erfaßte die Komik. Einer beugte sich aus dem elektrischen Wagen und rief, mit mächtigem Baß die„Wacht am Rhein" übertönend:„Junghcns. bindet Euch die Hosen zu!" * Mit stürmischem Beifallklatschen wurde die Attacke be- grüßt, welche die Schutzleute am Dienstagabend Unter den Linden gegen die Arbeiter ausführten. � Xic begeisterte-icil- nähme an diesem Drama ging von den dicht beichten Galerien des Cafö Bauer und Cafö Kranzlcr aus über ihre ganze Ausdehnung und schien ganz besonders in einigen weib- lichen Besuchern entfesselt zu sein, die sich durch lieber- biegen ihrer Brüstung über die Brüstung hervorragend be- merkbar machten. � cm Es ist doch ein herrliches Bild bürgerlichen Mamelucken- mutcs, wenn beim Täßchen Mokka von den gesicherten Galerie- logen herab dem Klassenhaß gegen die arbeitende Bevölkerung Lust gemacht wird.. Zur Frage der ungleichen Fahrpreise auf der Stadt- und Ringbahn sowie im Vorortverkehr macht ein Leier unseres Blattes auf folgenden von zahlreichen Fahrgästen als ungerecht empfundenen Zustand aufmerksam: Auf der Strecke Aaeder- Schön-wetde�Schlestscher Bahnhof kostet eme Wochenkarte 60 Pf. Die Fahrzeit beträgt M Minuten. Auf der Strecke Karlshorst— Schlesischer Bahnhof dagegen kostet die Wochen karte, obwohl hier weniger Stationen sind wie zwischen Nieder Schöneweide— Schlesischer Bahnhof und eine kürzere Fahr dauer, 80 Pf. Rechnet man allerdings die Station Warschauer Straße hinzu, wo die Züge Karlshorst bis Schlesischer Bahnhof nicht halten sowie den Betricbsbahnho Rummelsburg, so ergeben sich ivie auf der Strecke Itiedcr-Schöneweide— Schlesischer Bahnhof fünf Stationen. Aber auch dann bleibt die Preisdifferenz unverständlich, wenn man bedenkt, daß die Fahrzeit Karlshorst— Schlesischer Bahnho' nur 14 Minuten beträgt. Würde die Eisenbahnvcrwaltung einen einheitlichen Preis für Wochenkarten beider Strecken fest setzen, so könnten die Züge zwischen Schlesischer Bahnhof Nicder-Schöncweidc, die jetzt morgens und abends durch den starken 2lrbeiterverkehr nach dem nahen Ober-Schöncweidc stets überfüllt sind, etwas entlastet werden. Eine erhebliche Zahl dort beschäftigter, aber in Berlin wohnender Arbeiter würde bei gleichem Fahrpreis, namentlich im Sommer, sich auf der Strecke Schlesischer Bahnhof— Karlshorst befördern lassen und dann den schönen Fußweg von Karlshorst durch den Wald nach Obcr-Schöncwcidc benutzen. Mit dem Bau der neuen Vorortstation Warschauer Straße ist nunmehr begonnen worden. Wie die Staatsbahnverwaltung ihren Dienststellen bekannt gibt, wird für den Ausbau des Personenbahnhofes Warschauer Straße am 13. August bei diesem Bahnhof, und zwar in den Diensträumen der früheren Wagenwerkmcisterei ein besonderes Baubureau er richtet werden. Der von den Anwohnern seit Jahren ge wünschte Anschluß an den Vorortverkehr mußte so lauge zurückgestellt werden, bis durch Vollendung des großen Ab stellbahnhofes Rummelsburg Raum für einen besonderen Vorortbahnsteig geschaffen werden konnte. Jetzt halten auf Bahnhof Warschauer Straße nur die Stadt- und Ringbahnzüge, so daß die Reisenden, welche von hier aus auf Vorortstrecken übergehen ivollen, erst bis Stralau-Rummcls- bürg fahren und dort auf die Vorortzüge umsteigen mußten. Künftig werden auf� Bahnhof Warschauer Straße auch die Vorortzüge der«strecke Potsdam— Erkner— Fürstenwalde halten, so� daß diese Station dann den Uebergangsverkehr zwischen Stadt- und Vorortbahnen sowie der Hoch- und Untergrundbahn und einigen wichtigen Straßenbahnlinien ver- Mitteln wird. Sein Stadtverorduetenmaudat niedergelegt hat Genosse Dr. Ll r o n s. Die Ursache zu diesem Schritt ist iu Gesund- heitsrücksichten zu suchen. 2lrons gehört seit 1904 der Stadt- verordnctenvcrsammlung an und hat in verschiedenen Depu tationen und Kuratorien fleißig gearbeitet. Sonntagsruhe auf den Bahnhöfen. Die Betriebsämter im Eisen- bahndüektiolisbezirl Berlin sind neuerdings wieder angewiesen worden, den Inhabern der innerhalb der Bahnsteigsperre gelegenen, von den Bahnlvirtschaften abgetrennten Verkaufsslände für Blumen, Obst. Zigarren usw. aufzugeben, ihre Verkaufsstellen während der Zeit geschlossen zil halten, in der die der Gewerbeordnung unter- steheuden Betriebe allgemein geschlossen sein muffen. Doppelselbstmord im Hotel. Mit Zyankali vergiftet haben sich in der Nacht zum Donners- tag in einem Hotel in der Nähe deS Potsdamer Platze? der 48 Jahre alte Bankier Eugen Bieber auS Potsdam und seine um 10 Jahre jüngere Ehefrau Else. Bieber betrieb in der Branden burgcr Straße 62 zu Potsdam ein Bankgeschäft und hatte in demselben Hause auch seine Wohnung. Am Mittwoch kam das Ehe- paar nach Berlin und nahm in dem Hotel ein Zimmer. In diesem wurde es gestern tot aufgefunden. Es wurde sofort ein Arzt hinzugerufen, der feststellte, daß die Eheleute sich mit Zyankali vergiftet haben. Wie uns von Angehörigen mitgeteilt wird, ist der Grund des Doppelselbstmordes in großen geschäftlichen Verlusten zu suchen, die Bieber infolge der kriegerischen Zuspitzung der letzten Tage erlitten hat._ Ein„Stcm Pclsteuerschwindler" treibt neuerdings wieder sein Unwesen. Er meldet sich bei Leuten, die gewillt sind, ihr Geschäft zu verkaufen, nennt sich Dallmann oder auch Lattmann und gibt vor, Abgesandter der Firma„Union", Grundstücks-, Geschäftsoer- Mittelungen und Finanzierungen, Bureauhaus Börse, zu sein, überredet sie, dieser Firma die Verkaufsvermittelung zu über- tragen, stellt dann einen Vertrag aus und läßt sich 5 M. für Stempelsteuer zahlen. Auf dieses Geld hat er es aber lediglich ab- gesehen. Er steckt den Betrag in die Tasche, läßt nichts mehr von sich hören und bald sehen die Vcrkaufslustigen, daß sie einem Schwindler ins Äarn gegangen sind, denn das angegebene Geschäft existiert in Wirklichkeit gar nicht. Der„Stempelsteuerschwindler", der es hauptsächlich auf kleinere Geschäftsleute abgesehen hat, ist ungefähr 22 bis 30 Jahre alt und 1,70 Meter groß, hat blondes Haar und trägt einen grünlich-braunen Anzug. Auffallend sind seine rotblauen Hände und langen Fingernägel. Zu dem von uns am Dienstag gemeldeten Betriebsunfall, der sich in der Grueberschen Maschinenfabrik in Hohen-Schönhausen er- eignet haben sollte, teilt un-Z die obige Firma mit, daß ihr von einem solchen Unfall in ihrem Betriebe nichts bekannt sei. Es scheint eine Verwechselung des Betriebes vorzuliegen und der Betrieb von Heike in Frage zu kommen. Das BereinSrecht in den Laubenkolonien. Zu dem unter vor- stehendem Titel kürzlich veröffentlichten Versammlungsbericht ersucht uns der Gastwirt Heinrich Lehmann festzustellen, daß es nicht wahr sei, wenn behaupiet werde, er, Lehmann, dulde grundsätzlich keinen Verein der Laubenkolonisten auf dem von ihm verpachteten Terrain. Er sei mit dem Vorsitzenden des Vereins in Differenzen geraten, die zu gerichtlichen Auseinandersetzungen geführt hätten, und nur des- bald habe er dem Mann gekündigt. Er bestreitet auch, gesagt zu haben, er habe den Magistrat in der Tasche. Daß er, Lehmann, eine Gastwirtschaft betreibe, sei eben sein Beruf, er verpflichte aber die Pächter nicht, bei ihm zu kaufen. Arbeiter- BildungSschulc Berlin. Am Sonntag, den 2. August. Familienausflug nach Pichelswerdcr, verbunden mit einer Besich- ügung der Brauerei in Pichelsdorfs Die«bfahrt des Zuges nach Spandau(Hauptbahnhos) ist Schlesischer Bahnhof 8.20, Alexander- platz 3.26, Friedrichstraße 8.32. Treffpunkt für Nachzügler bis 10'/, Uhr BrauereiauSschank Pichelsdorf, von 12l/z Uhr ab Freunds Jnielgarten in PichelSwerder. Die Besichtigung'der Brauerei be- ginnt um 11 Uhr. „Solidarität". Die Mitgliedschaft Berlin des Arbeiter-Radsahrer- Bundes„Solidarität" hielt am 24. Juli ihre ordentliche Bezirks- Generalversammlung in„ObigloS Festsälen" ab. Aus dem Bericht des Vertrauensmannes geht hervor, daß im Quartal eine General- Versammlung und vier Sitzungen der OrtSverwalwngen stattgefunden haben,«n Unfallunterftützungen wurden gezahlt für 134 Tag« 218,72 M., für vier Sterbefälle 240 M., Notfallunterstützung 40 M. Gesamtunterstützung vorgenannter drei Arten 498,72 M. Zur Ver- � breitung und Fortemwicklung der Mitgliedschaft wurden 6200 Flugblätter verbreitet. Der Bericht des Kassierers weist in Einnahme und Ausgabe die Summe von 2629,31 M. auf. Rechts- schütz wurde in zwei Fällen gewährt, in dem einen Fall handelt es sich um zwei Strafmandate, welche wegen Nichtbeleuchtung eines Tandems an beide Fahrer ergangen waren. Alle für die Mitgliedschaft bestimmte Sendung«» find an Genossen Rich. Karras, 8 29, Schönleinstr. 11, zu richtert. Derselbe erteilt Auskunft in allen Bundesangelegenheiten. Dem Berliner Aquarium sind einige schöne chinesische Schlangen zum Geschenk gemacht worden. Die Tiere sind unserer heimischen Ringelnatter nahe verwandt, jedoch fehlen ihnen die gelben halb- mondförmigen Flecken hinter dem Kopf. Dafür aber sind sie an den Seiten des Halses und VorderkörperS mit prächtigem Rot ge« ziert, so daß sie als Rotfleckenringelnattern bezeichnet worden sind. Sie wurden in dem für Wasserschlangen bestimmten Aqua-Terrarium Str. 24 untergebracht, wo sich zwei von ihnen für die lange, ihnen während der Reise aufgedrungene Fastenzeit sofort entschädigten und sich über Frösche hermachten. Es ist wohl daS erste Mal, daß diese schöne Schlangenform lebend hier zur Schau gestellt werden kann. Verloren. Bei dem SuSfluge de? Elternvereins Nordwest»ach Bürgerablage bei Spandau ist dort oder auf dem Rückweg« von Station Bürgerablage und Spandau-Weft, von dort nach Bahnhof Jungfernheide und von hier aus nach der Sickingenstraße am Sonntag, den 26. Juli, ein kleines, dunkelrotes Portemonnaie mit 140 Rt. Inhalt verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe bei Artur Wirth, Sickingenstr. 93, Hos 4 Tr., gegen Be- lohnung abzugeben. Der Sängerchor„Weddwg"(M. d. D. A.-S.-B.. Thormeister 'E. Thilo) veranstaltet am Sonntag, den 2. August, ein Vokal- und Jnstrumentalkonzert im„Seebad Reinickendorf", unter Mitwirkung deS Berliner Humor-Ouartetts. Billetts im Vorverkauf 22 Pf, au der Kasse 30 Pf. vorortnachtzichten. Tegel. Der Ausbau der StaatSVah» nach Selten alS zweigleifige Hoch« bahn liegt jetzt im Projekt vor; zu den mündlichen Verhandlungen einer ganzen Anzahl Einsprüche über die besondere Art dieser Aus- führung ist den Interessenten bis Anfang Herbst Zeit gelassen. Der jetzige eingleisige Betrieb zwischen Tegel und Velten kann dem Personenverkehr nicht mehr genügen, noch weniger aber dem ständig sich steigernden Güterverkehr. Die einstige sogenannte.Kachelbahn", die hauptsächlich die Veltener Osenfabrikate beförderte, hat sich infolge steigender Ansiedelungen nicht bloß verschiedener Betriebe der A.E.G., sondern auch anderer Unternehmungen zur Industriebahn entwickelt. Erst der Vollbahnbetrieb kaun dem steigenden BerkehrsbedürfniS genügen. Das sieht auch der EisenbahnfiSkuS«in, indem er die jetzige Strecke in Tegel, die verschiedene Straßen im Niveau kreuzt, zur Hochbahn ausbaut. Etwa 2l/z Kilometer Damm resp. Viadult sind im Orte selbst zu errichten; der bisherige Güterbahnhof muß nach dem Fließ zu ans Ende von Tegel gelegt werden und rückt der Kreisindustriebahn wesentlich näher, wodurch auch hier Umbauten nötig sein werden. Das Terrain des bisherigen Rangier- und Güterbahnhoscs wird für den erweiterten Personenverkehr benötigt und höher gelegt. Kommt das ausgelegte Projekt so wie gedacht zur Ausführung, dann ergibt sich neben der allerdings anzuerkennenden Verbesserung des Verkehr« durch Höherlegung aber durch die vor» gesehenen nur zwei Unterführungen auf 2'/, Kilo- meter Länge durch den Ort eine sehr erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsmöglichkciten im Straßenverkehr; werden doch eine ganze Anzahl Straßen geradezu vom durchgehenden Verkehr ab- gesperrt. Auf diesen Umstand sind, wie verlautet, die erheblichen Einwendungen der Gemeinde wie der sonstigen Interessenten gegen diese« Projekt, das dem neuen in der EntWickelung begriffenen OrtS- teil jenseits der Bahn nur Berkehrshinderniffe statt Erweiterungen bringt, zurückzuführen. Hoffentlich trägt der EisenbahnfiSkuS allen berechtigten Einwendungen beim Umbau Rechnung und schafft mehr Unterführungen, als jetzt vorgesehen sind; späterhin dürften'die un» abwendbaren Aenderungen noch kostspieliger werden. Neukölln. Stadtverordneten-Ersatzwahl. Für den 2. Bezirk, dritte Abteilung, ist eine Stadtverordneten« Ersatzwahl notwendig geworden. Die Wahl ist am Sonntag. den 2. August, in der Zeit von 10 Uhr vormittag? bis 6 Uhr abends in der Turnhalle der 1. Mädchen-Mittelschule in der Donaustraße 120/127. Kandidat ist der Eigentümer Reinhold Löchert, Ziethenstratze 9. Wir ersuchen die Wähler der 3. Klaffe, sich rege an der Wahl zu beteiligen. Zur Frage der Kirchcnsteucrcrhcbung. Da auch in diesem Jahre wieder zahlreiche Personen zur Kirchensteuer herangezogen sind, ohne daß für dieselben die Voraussetzlingen hierzu vorliegen, möchten wir auf folgendes aufmerksam machen: 1. Es ist niemand noch einer Entscheidung des OberverwaltungS- gerichts verpflichtet, Kirchensteuern zu bezahlen, der nicht hierzu wie zur Staat«- und Gemeindeeinkommenfteuer eine ordnungsmäßige Veranlagung erhalten hat. Die Ansehung der„kirchlichen Umlage" auf den vom Magistrat ausgegebenen Steuerkarten ist keine Ver- anlagung zur Kirchensteuer und niemand ist verpflichte� danach Kirchensteuer zu zahlen. 2. ES geschieht sehr häufig, daß Personen, die längst auS der Kirche ausgetreten sind, zur Kirchensteuer veranlagt werden. In solchem Falle muß sofort bei den betreffenden Ktrchenvorständen Einspruch erhoben werden. Man darf sich nicht im Bewußtsein eines guten Rechts darauf verlassen, daß die Kirche nach Kenntnis- nähme von der Tatsache des Austritts die Steuer zurückzahlt. Wenn Reklamationen nicht in der ordnungsgemäßen Frist von 4 Wochen nach der Veranlagung geschehen, so muß man, wie daS häufig ge- 'chehen ist, damit rechnen, daß man das Geld verliert. Die Kirche ist dann nicht zur Rückzahlung verpflichtet. Sonntag, den 2. August: Bodepartie nach Grünau. Abfahrt 7 Uhr vom Bahnhof Neukölln und Hermannstraße. Fahrgeld 40 Pf. Kinder unter 10 Jahren 20 Pf. Außerdem wird gebeten, den Kindern 10 Pf. und etwas gemahlenen Kaffee mitzugeben. Um rege Betcili- gung ersucht der Spielausschuß. Zehlendorf(Wannseebahnj. I» der Mitgliederversammlung des WahlvereinS referierte Reichs« tagsabgeordneter Genosse G ö h r e über oen Krieg. Redner geißelte in markanten Worten daS Treiben unserer Kriegshetzer und Jmpe« rialistcn. Am Schlüsse seiner AuSfiihrungen betonte er besonders, daß das Proletariat jeden Krieg, gegen welche Macht er auch ge« richtet sein möge, ablehne. In der Diskussion wurde das Vorgehen des Berliner Polizeipräsidenlen, der die Kriegsdemonstrationen de» gebildeten Pöbels wohl gewähren lasse, die FriedenSIundgeblingen der arbeitenden Klaffe jedoch mit Polizeifäusten niederzpdrllcken per- uche, scharf gekennzeichnet. Der sodann vom Genossen' Döring er- tattete Kassenbericht weist eine Einnahme von 100,60 M. und eine Susgabe von 92,89 M. auf. Als Delegierte für die Kreisgeneral- Versammlung am 16. August wurden die Genoffen Krekeler und Boback gewählt. Potsdam. Zu einer gewaltigen Friedenzkundgevung gestaltete sich die Protcstversammlung im Friedrichsgarten. Weit nbec 100t) Personen hatten sich eingefunden, so dah der geräumige Saal nicht ausreichte, alle Erschienenen, unter denen sich auch viele aus dem bürgerlichen Luger befanden, zu fassen, iznd Himderte vom Vorraum aus den Vvetrag anhören mutzten, für den der Redner, Ten. Schneider, 'reichen, Beifall erntete. Die Polizei hatte alle ihr zur Verfügung stehenden Mannschaften aufgeboten, die nach Schlutz der Versamm« lung aus ihren verschiedensten Ottgrtieren hervorkamen. Eelbstver stündlich fand sie nirgends Gelegenheit, einzuschreiten. Jugendveranftaltunge«. Wilmersdorf. Zum MnssenauSfljjg trifft sich die Ardeiterjugend frlh morgens 6'/, Uhr im Jugendheim, Mannheimer Strage öl. Abfahrt Bahnhof Charlottenburg 7.21 Uhr. Fahrgeld öo Pf. Proviant und Lieder. büchcr sind mitzubringen. Pankow-Stiederschönhauken. Die Arbeiterjugend beteiligt sich am Senntag an dem Masscuausslug narfi Kgulsdors-Süd. Treffpunkt für Pankow 9 Uhr im Jugendheim, Maximilianitr. 13a; für Niederschönhausen '/«Ö Uhr an der Kirch«. Liederbücher nicht vergessen. /ins aller Welt. Das Msnschenfchlachthaus. Die Seuchen, die Hungersnöte, die Kriege waren von scher die drei grötzten siieinde � des Menschengeschlechtes, die drei Wer bündeten des Todes. Die Zivilisation hat. den Kampf mit dem Tode aufgenommen. Die Macht der Seuchen ist durch die Wissen schaft gebrochen worden; die soziale Neuordnung lindert die Hungersnot«;— der schlimmste der drei Gesellen, der unmenschlichste. obwohl in seinem Dasein so ganz nur von dem Willen der Menschen selbst abhängig, der Krieg, schwingt noch ungeschwächt seine furcht. bare Weitzel. Sein Gespenst steigt jetzt wieder drohend und über mächtig über den Böllern Europa? auf. Keine Phantasie, keine Staiistik vermag dabei zu berechnen, wieviel Mühende Menschenleben hiusinlen werden, wenn der Wcltbrand wirklich entfesselt werden sollte. Für die Vergangenheit hat eine solche Berechnung der französiscbe Astronom und Mathematiker Fla m marion auf- gestellt. Nach ihm sind allein im letzten Jahrhundert fünfzehn Millionen Menschen als Opfer der geführten Kriege gefallen. Auf die einzelnen Kriege verteilt sich die Zahl wie folgt: Die napoleonischcn Kriege(1799— 1815)... 8 000 000 Opfer Der russische Krimkrieg(1854)...... 800 000, Die Kriege Italiens.......... 800 000, Die Kriege PreutzenS(1801-1806).... 300 000. Der Bürgerkrieg Nordamerikas(1801—1865). 1 000 000, Der deutfch-französische Krieg(1370—1371). 700 000, Der russisch-türkische Krieg....... 400 000, Die Bürgerkriege Südamerika?...... 500 000, Kolonialkriege(Indien, Mexiko, Algier, Transvaal, Abesfynien, Madagaskar. Chinas. _ 8 000 000. Im ganzen 15 0i)0 000 Opfer Auch in diesem Jahrhundert war die TodeSernte des Krieg«? schon wieder eine reichliche. Der Transvaal-, der russisch-japanische, der Tripoliskrieg, die beiden Balkankriege, der mexikanische Krieg und die verschiedenen Kolonialkriege, sie haben zusammen weit über eine Million Menschen unter die Erde gebracht. Aber diese Opfer werden verschwinden gegenüber denen, die ein europäischer Völker- krieg fordern würde._ Ein reizendes Polizei-Idyll. In A l l e n st e i n, der Garnisonstadt, in der einst die Schöne- beck-Asfäre viel Staub austvirbelte und das Sexualleben in Offi- �ierStreifcn grell beleuchtete, haben plötzlich sechs Polizeibeamte ihren Dienst aufgeben müssen— und zwar einer Prosti- tuierten wegen. Die Dirne Nikelowski war wegen lieber- tretung der Ditteirpvlizeidorschriften in Haft genommen worden. In ihrer Nahe hatten nicht weniger als sechs Polizeibeamte Nachtdienst zu verrichten, der langweilig und eintönig war und deshalb die Beamten auf den sündhaften Gedanken brachte, der Nikelowski einen Besuch abzustatten, um ihr während der langen Stunden ein wenig Unterhaltung zu bieten. Denn Polizeibeamte sind, wie man weist, sehr zuvorkommend. Gedacht, getan! Nacheinander wurde die Dame von den Beamte» mit ichrem Desuch beehrt. Nachtdienst und Hast verliefen recht angenehm, und alles wäre gut abgelaufen, wenn die Nikelowski reinen Mund gehalten hätte.?lber wie die Weiber nun eiymal sind: sie können ihr Mundwerk nicht stillhalten, und auch die Nikelowski erzählte.im Vertrauen" ihren streun- binnen, daü sie in den Armen von sechs Allensteiner Polizei» beamten gelegen und diesen einige selige Stunden verschafft hätte. Jetzt nahm da? Verhängnis seinen Lauf. Ucberall erzählte man sich das nächtliche Abenteuer, und schlictzlich erfuhr«mch der Oberbürgermeister etwas von der Affäre. S? leitete das Ermitt«. lungjsvcrfahrcn ein. und das ergab, oast ftcSs Beamte den Dienst verlassen mustten. Da? Schäferstündchen hat also für die beamten einen recht bösen Verlauf genommen, Spiel unö Sport. Radfahrer. «rvöster-Rodsahr—�Sand„ewridarWI,--. Gau 9, Bez. H Kou'�enpkan zum Sanntag, de« 2, August. ,1 Avt... Y-üh To.«|r:----------------' Spieltour nach dem Gorinsee. Start: VolkShauS, ' Pankow- Nieders ch Anhausen. Start: 1 Uhr. Mühlenstr. 31. Tharlottenburg. Früh 8 Uhr: KauISdors. Rosinensw. 3. Tegel: Sonnabend, abends 10 Uhr: Nachttaur nach Gossen.— Sonntag, nachmittag? 2 Uhr: Tour wird am Start bekannt gegeben. Lichtenberg. 1. Abt. Früh v Uhr: KbxbiSlrug.— Mittags 12'/, Uhr: Müggelheim(SvotchtaS). Start: Psarrstr. 74. Peinickendors. Früh 7 Uhr: Lehnitzsee.— Nachmittags 1 Uhr: Lirkenwcrder. Starts bei Lüning. Bernau. Nachmittags 2 Uhr: Schönow.(WahlveremSvergnügew) Start: Temmler, Wallitratzo 2. Adlershof. Sonnabend 8'/, Uhr Psiichttour Leider Abteilungen bei Olto Ziege, kismarckstr. 29.— Sonntag 1. Abt.: Badetour nach Senzig. Start 1 Uhr bei Feyerftein. Köpenick. Schnitzcliagd. Abfabrt 2 Uhr von Kohlt, MSgzelheimer Straße 22. Treffpunkt 1 Uhr bei Stieck. WilmerSdors-Friedenau: Sonntag, den 2. August, nach KauIsdors-.Süd" zum Massenausüug der Jugend. Start: morgens 6 Uhr am Denkmal, nachmittags Freibad Müggellee. Schmarg endo es: Sonntag, den 2. August, nach Hohen-Neuendors. Stark: mittags 1 Uhr Tajs Türk. Slrbetter- Radfahrer> Verein»Grast- Berlin». Sonntag, den 2. August, früh b und 10 Uhr, nach dcni Gormsce, Badetour(DporiZhaus). 23 Kilometer. Anschlußstart: Bahnhos Prenzlauer Allee. Wanderer. Deutscher Arbeiter-Wanderdund»Tie Naturfreunde». Ortsgruppe Berlin: Am Sonntag, den 2. August, werden folgende Touren unternommen: 1. Falkenberg. Düsterer Grund, Baasee, Freienwalde. Abfahrt«tcttiner Fernbaknhos früh 5.59 Uhr. 2. Hubertushöhe, Springst«, Kricstnste, Storkow(Nachttour). Abfahrt Sonnabend abend 10.40 Uhr Görlitzer Bahnhof. 3. Melchow, Samitbsce, Ucdcrfee. Ebcrswalde(Nachttour). Abfahrt Sonnabend abend 9.15 Uhr Steltiner. Fernbahnhos. 4. Melchow, Nonncnfließ, Schwärzeste, EberSwalde. Abfahrt Ttettiner Fernbahnhoj früh 5.59 Uhr. 5. Potsdam, Lienewitzfee, Michendorf. Abfahrt Potsdamer Bahnhos früh S.30 Uhr. 6. Nachmittagstour: Jungfernheide. Tresspunkt 2 Uhr Scharnweber- Sie Berliner Straße. 7. TageStour für Kinder: Erkner, Löcknrtz. Erkner. Treffpunkt 8.30 Uhr morgen« Schlefifcher Bahnhof Ecke Ätadaistraße. 8. Kindcrlour: Wiltenau, Hcrmsdorf, Tegel. Treffpunkt 7 Uhr Stettiner Vorortbahnhos. Ortsgruppe Neukölln: I. Nachiwanderung: Ehorinchcn, Hcrzsprung. Abfahrt Stettiner Fern- bahnhoj 9.15 Uhr abends. Fahrgeld 2,70 M. II. Köpenick, Mühienstieß. KaulSdorf. Abfahrt BahNh. Neukölln S.28 Uhr Fahrgeld 50 Pf. Unsere jugendlichen Mitglieder«erden ersucht, sich am MasstnauSflug der proletarischen Jugend Grotz-Berlins zu beteiligen. Arbeiter- Wanderverein Verlin. Sonntag, den 2. August: Wanderfahrt nach Basdors, Liepmtzsee, Uetzdorf, ForsthauS Liepnitzste: Desdorf. Abfahrt 8 Uhr Bahnhof Zteinickendorf-Nofenthal.(Rtickfahrtkarlc lösen I) Abfahrt nach Neimckendorf-Mosenthal vom Moritzplatz mit Linie 35 um 6.58 Uhr oder Steltiner Borortbahnhof 7.38 Uhr.— Deglänge der Tour zirka 18 Kilometer. Ardeiter- Touristenverein»Die Naturfreunde»» Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 2. Aggust, Wanderungen: nach Drögen Sonnabend f.) ustcrhaust»� ybiahrt nach Schmöckwitz Sonnabend abend 8.12 Upr Lehrter Stadkbahnhoi.(Zelllager.) 3. Biestntdal, Pöhlitzbrücke(Zeltlager). Werbellinsee. Abfahrt nach cnthal Sonnabend abend 7.46 Uhr Stettiner Bahnhos. 4. Tiesenfce, nördlich. Gamengrund. Gcröllfchlucht, Fallend erg. Abfahrt nach Tiesenste Wriezener Bahnhof 5.33 Uhr. Touristenvereiu Köpenick»Die Naturfreunde«. Sonntag, den 2. August: Wanderung oon Tiesenste nach Freienwalde. Abfahrt 4.40 Uhr Bahnhof Klpenick: 6.33 Uhr Wriezener Bahnsteig.— Vom 22.— PO. August endet eine Wanderung durch Thüringen statt. Näheres bis 15. August bei >. Linfener, Landjägerftr. 7. Turner. Tirrnuerein»Oberster ee- Am SonnaSon. den 1. tust iSvnntag, den 2. August, veranstaltet der Turnverein.Oberspree» feine zweite Ferien- Partie für Schüler zwischen 12 und 14 Jahren. Gewandert wird: am Sonnabend vom Bahnhof Strausberg durch? Annathrl und am StrauSfee enllang nach Stadl Strausberg(8 Kilomeler), dastivst Nachtquartier.— Am Sonntag: von Strausberg nach dem JHIendfee, Großer und Kleiner Lattfee, ForsthauS Heidekrug, Gamengvund, Fängersee, Bötzsee, Bahnhof Strausberg(22 Kilometer). Teilnehmer bsben Sß< und Trinworrat und 1,50 M. mitzubringen. Abmarsch Sonnabend nachmittag 4 Uhr von der evangelischen Kirche. Fuhball. Am Sonntag spielen: Mte» 1., 2. und 8. Mannschaften gegen.Stralauer Ballspielklub» 1., 2. und 3. Mavnlch-slen in Reinickendorf, Echillerpromcnade 48. Ans. 2 Uhr. .Wilmersdorf» 1., 2. und 3. Mannschaften gegen»Siegstem» 1., 3. und Mannschaften aus dem Tempelhoser Feld an de? Gelchower Straße. Anfang 8 Uhr. .Nüsstg. BprwärtS» 1 Kund 3. Mannschaften gegen.Sperber» 1., 2. und 3. Mannschaften in derNoffeggerswaße(Ecke Welgandstraße). Ansang ' Uhr. Schwinrnc*. »erveite?. Schtvunuiverrin»Neukölln». Ueber die Geschichte des Sckiwimmens wird am Dienstag, den 4. August, abends 9 Uhr, bei Albert Schmidt, Reuterstr. 22. Schwimmgenosse Nickt er einen Vorwag hatten. Der Arbeiter> Schwiminktub.Neptun» Wcistcnsv« feiert sein 23. SllstungSsest m Form eines Schauschwimmens am Sonntag, den 2. August, nachmittags 8 Uhr, im Seebad Wetßenfee, Berliner Allee 200. Freunde jmd Gönner de« Verein» sind willkommen. Nthletett. vte Fortsetzung deS Wettstreites vom Arbeistr-Athleten-Bund findet am Sonntag, den 2. August, im llafo Belleoue, am Rummelsburger See statt. Ansang 4 Uhr. Am Sonntag, den 28. Juli, ist im selben Lokal ein Armband verloren gegangen. Dasselbe ist bei M. Sellheim. Naunynstr. 2, abzugebvn. Die Delegiertenverfammlung de? Arbeiter-Athleten-DundeS findet de? LahlabendS wegen nicht am 5. August, sondern am Dienstag, den 4. A u g u st, in.Alt-Berltn», Blumenfw. 10, statt. !(Kauen). Nachmittag? t??, Uhr:. Hessenwinkel(GesefifchäftShauS). Start: Sülowstrahe»8. z. Wt. Früh 5 und S Uhr, Derlfe»,«adetsnr(Nestanrant Seiblick). Star«: Fo»tani«Promenade.___._ 8. arot. T-npitz,«adetoiin Tornows Idyll. Start: Früh 5 tfbt.— Nachmittag« 1 Uhr: gichtenradd am Bahnhof. Start: La«fitzer Platz 12. 4. Zlbr Abkochtoar i Finkenkrug, Brieselang. Start: 6 Uhr.— Nach. mittags'(,2 Uhr: Picheiswerder(Alter Freund). Start: Küstriner Platz. 5. Abt. Sonnabend, abend? 10 Uhr: Werbellinsee. Start: Weber, wiese.— Sonntag früh 6 Uhr: WolterSdorf, Pogrrll an Iber Schleuse, Badetour. Nachmittag» 1 Uhr:(PstugSh, Biesdorf, Süd. Start»: Weber- wiese, Memcler Swafft.. �...... 6. tllü. Früh 8 Uhr: Badetour»ach dem Srosfinse«. 8 und 12 Uhr: Müggelheim, Zur großen Krampe. Start: Oderberger Str. 28. 7 Abt» Früh 6>/, Uhr: Eichwalde(Witte» Waldschlößchen) Nachm. 1 Uhr: AdlerShof(Wöllstein). Shirt: fchnlstr. 29. 8. Abt. Sonnabend, nachm. 4'/, Uhr: Brandenburg. Soimrag, ftüh 4 Uhr: Brandenburg. Stark: Kleineri. Früh 5>/, Uhr: Badetour nach dem Gorinsee. Start: Buken-. Eck- Skromitraße. Mittags 12 Uhr: Bornim, Schwarzer Adler, Mittel,'lr. 12. Start: Kleinert.— D-mncrStag 7 Uhr: Spieltour nach Plötzenfce. Start: Leuffelbrücke.— Die nächste Abtcilunqs-Pstichttour findet am Dienstag, den 4. August, statt. 9. Abt. Früh L Uhr: Gorinsee. Nachmittag» 1'/, Uhr: Buch. Start: Echillingkwaße 22., 10. Abt. RnhnSdorscr Mühle. Start: 1 Uhr MkttagS: EwauSbelger Platz. 12. Abt. Mowrfahrer, früh 6 Uhr: Brandenburg(StiftmigSfest) über Echöncberg, Zehlendorf, Wanniee, Potsdam. Alt-Gclww, Glindow, Plessow, Kr.-Kreutz, Jeserig. Brandenburg.(70,4 Kilometer.) Start: Potsdamer Drück e. Pi a n n f e e. Sonnabend, nachmittag» 4 Uhr: Sommerfest im Fürsten- Hof. Um rege Beteiligung der Orksgruppe Berlin wird gebeten. Neukölln. Gussow(Dolgensce). Slark früh 6 llhi»— Nachmittags Mieisdort(Zvrüger). Start: 1 Uhr. Alle SlartS Hohcnzollernplatz. Schöneoer g. Früh 9 Uhr und nachmittags 2 Uhr: Quisdorf- Stzd(Sanssouci». Bahnfahrcr bis Sadown. All- Starts beim Genossen Obst.— Jeden Freilag abend 7 Uhr: Spielabend auf dem Slädttschen Spielplatz an der RubenSstraße. S»op»W,ell Obevftftsneweide. a) Turner. Sonnabend, nachmittag» 2 Uhr, Abmarsch von der evangelisch«», Kirche zur 2. diesjährigen Juoenbwanderung sür Teilnehmer von 12—14 Jahren zum Babnhos.— Gewandert wwd vom Bahnhof Strausberg durch» Annatol nckch Stadt SwauSberg. Dortfelbst Necht- Mlariier. Sonntag früh geht die Wanderung von Strausberg durch den Blumcnthal, am Jhlandjee, großen und kleinen Lattsee entlang, über Forst. hau» Blumenthal nnd Borwerk Liefow nach Leuenberg, von hier durch den Gamengrund, am Langen-, Mittel- und Gamensee entlang nach Bahn- hos Tiesense«. Jeder Teilnehmer hat für Fahrgeld usw. 1,50 M. mit- zubringen. b) Radfahre» Sonnabend, abends S'l, Uhr: Nachttour nach Lank«, Liepmtzsee. Aus Rückfahrt Anschluß an den Ausilug der ax- bettende« Jugend in KatllN>orf-Süv.— Sonntags mittags 1 Uhr: Kaul«. dorf-Süd, Sanssouci. Start und Rast: Th. Schüssler, SiemenSstraße 28. Gäste willkommen. e) Schwtmmerund Turner. AuSfiug nach KauISdorf-Süd. mittag» 1 Abmarsch der Teilnehmer an dem Uhr, Schloßpark Wilhelminenhos. Arbeiter-Tamariterbund, Kolonne Grofi-Bcrliu. Lebrabende finden in der nächslen Woche(Beginn 81/, Uhr) stait: Berlin. 1. Abt. Montag, de» 3. August, Beckers Festsäle. Kommandantensw. 62... m, Lichtenberg. 4. Abt. Donnerstag, den 8. August, letzter Kursus- abend. Scharnwebcrswaße 80, Restaurant Pickenhagen. Neukölln. 5. Abt. Freitag, den 7. August, letzter KursuSabend, Weichselstr. 3(Jdealpassage). Zlrbeitcr-Samariterbund, KrciS Brandenburg. »WWWW Spandau. Straße 5. Martendorf. '/w a w»». Dienstag, den 4. August, w der Fortbildungsschule. Hrkefkasten üer Neöaktion. Die tmtftische eprechftande findet Lindenftraße KS, vorn Pier Treppe» — Fahr ft»pk—, wochentäglich oo» 4�»IS JU ttyr abends, Sonnabends, von 4% bis v Uhr abend» statt. Jeder für den Bricskaste» deftinimte« Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zayk als Merlzcichtn beijufiigen. Briefliche Antwort Wird nicht ertrtlt. Anfragen, denen keine tlbonnemcntsgnittnng beigefügt ist, «erden nicht beantwortet. Eilige Frage» trage man in der Sprechstunde vor. Sit. Ungewih, Cannerstr. und andere Anfragen: Für die bei der Berliner Städtischen Sparkasse deponierten Spar- guthaben besteht im Kriegsfalle eine Gefahr nicht. E. R. 1015. Sie mit Zustimmung des BormundeS.— O. G. Ist. 1. Wegen privawechtlicher Ansprüche nicht. 2. Ja.— M. R. 29. 1. und 2. Geld- oder GesSngviSstrase. Ueber da» Strafmaß entscheidet da» Gericht. 3. In 5 Jahren.— Steuer«. Wir halten Sie nicht sür zahlungspflichtig. Beschweren Sie sich bei dem Kemeindevorskand.— ff. H. 200. Nein; falls Wzug erfolgt, können Sie beim KausmannSgericht Klage erheben. ff. A. 49. 1. Ja. 2. Nein.- H.«. 87. t. Nein. 2. Der Staat ist neben der Gemeinde bastbar. 3. u. 4. Nein. 5. 30 Proz. des ortsüblichen Tagelohn«, für Berlin also 1,20 M.— C. K. 36. Falls Sie bis � zum TerminStage nicht Nachricht erhallen, daß die Klage zurückgenommen worden ist, tragen Sie im Termin ihre Einwendungen vor. — C. K. 99. Die Frau bat Anspruch auf wettere Unterstützung. Nur dann, wenn sie die Unterstützung ein Jahr hindurch während ihrer Ab- Wesenheit nicht in Ayipruch nimmt, oeiliert sie diesen Anspruch.— TS. R. Regenthin. B�dc» ist möglich.— 207. B. 21-22. Sie baben Anspruch aus Ihr Muttertcil.— H.«. 8«. Ja.— R. W. 13 und N. M. Nein.—®. C. P. Ja.— Max 74. Ja. Doch kann die Auszahlung für einige Zeit unterbrochen werden, ohne daß Geldoerlust daraus entsteht.— Hutzel. 1—3. Ja. 4. Ja. Näheres durch Ihren Beelitzer Vertrauensmann._ Eingegangene Druckschristen. Van der»Neuen Zeit" Ist soeben das 18. Heft vom 2. Band deS 32. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Hefles beben wir hervor: Europa in FcuerSgesahr I— Die Wahlen und die Aussichten des Wahl- rcchtSIanipscs in Belgien, von 2. de yroucköre— Die Entstehung deS neudeuischen Reiches. Von Fr. Mehring.(Fortsetzung.)— Zur Ein- wanderungSsiage. Von Hermann Schlüter(New Fort).— Zur Parteilage in Italien. Von Oda Oloerg(Rom). Feuilleton: Zur Psychologie der Frau. Vorfragen und einige Resultate. Von Ernst Meyer.(Schluß.)— Literarische Rundschau: P. Prizon und E. Poisson, La Cooperation. Bon öS. Stieklofs. Die.Neue Zeit- erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandlungcn, Postanstalken und Kolporicure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen, jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Ouartnl abonniert werden. Da« einzelne Hest kostet 25 Pf. Tilva-Wanderbuch durch daS«iiefengebirge. Mit fertig aus- gearbeiteten Wanderungen. Zwölf Wanderkarten. Preis 1,50 M. Verlag für heimatliche Kultur, Hcrlin S\V. 61. Kürschners BücherichaU.— Henrch Zl. Hering, Tie GSfte des Majors. Nr. 959.— Dh. Mejfi-rer, Die beide« vettern. Nr. 960. — ffva Grösi« von«audisfl«. Die Rastelit». Nr. 961,962.— W. Tlettewilikel, DaS Lackschrönkchen. Nr. 963. Preis pro Nummer 20 Pf. Verlag von Herm Hillger. Berlin YL 9. Deutsche Neichsgesetze in Einzelabdrucken. Postscheckordu«ng vom 22. Mai 1914. Nr. 526, im Anschluß an dn» kürzlich erschienene Postscheck- . Nr. 525.— Gebührenordnung für Zeugen und»achverftäudtge. er Fassung nach dem Abituderungsgcsetz vom Mai 1914. Nr. 527. rei» pro Heft 20 Pf. Herausgeber Geh. Justtzrat Dr. Karl Gareis. Verlag von Emil Roth, Gießen. Die Syphilis der Unschuldigen. Vortrag von Professor Dr. P. H. Gerber. Preis 50 Ps. Die Syphilis. Laienvcrständlich dar- gestellt von Dr. Orlowski. 2. Auflage. Preis 90 Pf. Verlag von Kurt Kabitzsch, tgl. UniversilätSverlagsbuchhändler, Würzburg. AmtNchcr Mstttbericht der ftädtischen Martthallen-DIrektion über den Großhandel in den Zentral-Marlibaiien.(Ohne Verbindlichkeit.) Donnerstag, den 80. Juli. Fleisch: Rindfleisch per 50 llx Mark: Ochsen- fleisch la 73-85, do. IIa 72-75, do. lila 60-70;«ullenfleisch la 70-80, de. IIa 65—69; Kühe, fett 44—57, do. mager 35—46, Fresser 58—65, do. dän. 55— 65; Bulle», dün. 56—70. Kalbfleisch: Doppellender 105— 130; Mastkälber la 95—105, do. IIa 78— 90; Kälber ger. gen. 50—65. Hammel- fleisch: Mostlämmer bO— 95; Hammel la 79—8», do. IIa 71—78, do, auftrttl.—,—; Schafe 78— 82. Schweinefleisch 64— 60.— Eier: Landeier Schock 3,80—3,80; Trinkeier 4,00— 4,20.— Butter: Mokkereibutter ver 50 Ks 110—120; Landbutter 90— 100.— Gemüse, inländisches: Kartoffeln, neue weiße Mag Rosen 3,50 ger 4,00, blaue do. 4.00—4,50, weiße Kaiserkronen 3,50—4,00. 4,00;.Porree Schock 0,50-1,00; Spinat 50 lr? 10,00-18,00; Lehrabend haben in nächster Woche, abends 8'/, * Mittwoch, den 5. August, bei Danneberg, P:cheISdorjer Mittwoch, den ö. August, bei Hennig. Manteuffel. Schoten 10.00—20,00; Mohrrüben 50 lep; 3,00—4,00; Bohnen 50 kg 4,00—15,00; Champignon 50 lex 00,00-00,00; Kohlrabi Schock 0,50-0,80: Wirsingkohl Schock 3,00—6,00; Weißkohl Schock 3,00—0,00, Rotkohl, Schock 3—8; Kohlrüben Schock 3—5; Blumenkohl, Ersurier 100 Stück 4—20; Meerretttch Schock 3,50—12,00: Peterfiltenwurzei Schockbund 1,00—3,00; Radieschen Schockbund 0,70—1.00; Salat Schock 1,50—3,00; Zwiebeln, 50 l-g 7,00; Tomaten 50 kr 10—15; Pfesserlinge 20—28,00; Puffdohne« 50 kr 7,00—10,00. Ausländisches. Tomaten, italienische, 50 kg 6— 14; do. izanzösische 8,00— 12,00; Blumenkohl, holländischer la 100 Stück 40,00, Zwiebeln, stal. 60 kg 4,00— 6,00, do. ungarische 6,00 bis TfiO, do. Malta 12,00—18,00; Gurken, Holl. 100 Stück 31)0—8,00, do. do. Einlege-, Sack(zirka 4—6 Schock) 4,00—8,00.— Ob stund Südfrüchte. Kirsche« 50 kg saure t0,00— 15,00. Thüringer 8,00—13,00, Werderiche saure 10,00—15,00, do. Natten 18,00—25,00; Aepsel, ital., 50 kg 16,00—22,00; ungarische, 12,00—18,00; Birnen, ital. 50 kg 10,00— 25,00, Muskateller ��WWWWWWWMBühl« I W WIWW.___ Stachelbeeren, reife, hiesige, 50 kg 2,80—5.00; Himbeeren, 50 kg 30,00-35.00, Preß. 25,00-28,00; Johannis- beeren, hiesige, 50 kg 8,00—10,00; Blaubeeren 50 kg 18,00—25,00; n, hiesige, 50 kg 15,00-20.00; Pfirsiche, itailenische. 60 kg " isOO, sranzösische'SO kg 90,00-40,00; diesige 50 kg 00,00—00,00. Weintrauben, fizilianifche Rilazzo 50 kg 25,00—30.00, Algier 22,00-30.00; Bananen, Jamaika 50kg l4, 00— 19,00, kanarische 50 kg 12,00—18,00; Erdnüsse 50 kg 28,00-30,00; Walnüsse, grüne 50 kg 4.00-12.00; AnauaS, 50 kg 85,00—100,00; Zitronen, Mettina 500 St. 8,00—12,00, 300 St. 8,00—18,00, 860 Slück 6,00-14,00, 180 Stück 6,00-10,00 da ffolcie 24,00-30,00. ftanzöstiche 10,00—16,00; Tiroler 10,00-20,00; hiesige 5,00—12,00; Pflaumen, itaiien. 12.00—28,00; 18.00—17,00, ungarische 18,00-20.00;---- M" WtttgeirngSüberflcht vom 3V. Jnli 1914. Stationen II Stvinemde. 788!. 75?SiSM erlin 755R Franks. a.M 781SW München � Dien s 758 WSW MO Netter w« fil ST dfllb bd heiter dedeckt ÄDunst «b edeckt Gmtisnen Hadaranda!756lN PelerSburg'VöZ.NW Scilly Aberdcen Pari« 783 Still 788 NW 78? NO Wetter e* 1* 6wolttg tthalbbd. '»olfen! Zbedcckt Lwolkcnl 12 18 16 11 14 Wetterprognose für Freitag, den 81. Juli 1914. Ein wenig wärmer, vielfach heiter, aber noch veränderlich bei meist schwachen nordwestlichen Winden. Berliner Detterbureau. Wetterausstchten für das mittlere Norddeutfchland bis Sonnabendmittag: Langsame Erwärmung, zeitweffe heiter, doch noch ver. änderlich, mit öfter wieberholten, im allgemeinen leichten Regenjällen. Strichweise Gewitter. WasserstandS-Nachrichte« der LandeSansi alt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureao ...M>>>.. I. Wasserstand M e m e I. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Zchor» Oder. Ratthor , Kragen Frantjurt Warthe, Schrimm LandSberg Netze, Dordamm Elbe, Leitmeritz » Dresden » Bardo . Magdeburg Wasserstand Saale, wrochütz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg») . Beettow Weser, Münden Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub . Köln Neckar, Heilbronn Main, Hamm Mosel, Trier ')+ bedeutet Wuch».— Fall.—•) Unterpegel. 'vermtworUl.cher Redakteur� Ulbert Wach». jSerlin. Ur d« JnseratenteU vercmtw.: Th."»»»««, Berlin. Druck n.BerIag:VorwSr« Luchdru-lerei«.«erlagSanftaU Paul Singer» to,»erlw SW*"~ Kr. 206. 31. Iahkgan� 3. KrilU ki Joraärtü" Sttlintr WlksM ItiHag, 31, Juli 1911 Parteigenossen! Auf Grund des Organisationsstatuts beruft der Partei- Vorstand den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, 13. September, abends 8 Uhr, nach dem Huttenschen Garten in Würzburg, Virchowstr. 2, ein. Die Eröffnung und die Konstituierung des Parteitages werden am 13. September stattfinden. Die Festsetzung der Geschäfts- und Tagesordnung soll am Montag, den 14. September, zu Beginn der Sitzung vorgenommen werden. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Geschäftsbericht des ParteivorstandeS: a) Allgemeines. Reser entin: L. Zietz. b) Kassenbericht. Referent: O. Braun. 2. Bericht der Kontrollkommission. Referent: W. Bock. 3. Bericht der ReichStagSfraktion. Referent E. Boglherr. 4. Militär st aat und Demokratie. Referent: Dr. Lensch. 6. Wirtschaftspolitik und Koalitionsrechts- Hetze. Referent: H. Molkenbuhr. 6. Bericht vom Internationalen Kongreß in Wien. Referent: H. Haase. 7. Anträge. 8. Wahl des Parteivorstandcs, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der Parteitag ISIS stattfinden soll. Parteigenossen! Bewirkt die Vorarbeiten für den Parteitag — die Wahl von Delegierten und die Stellung von Anträgen— rechtzeitig. Wo mehrere Delegierte zu wählen sind, soll nach § 7 des Organisationsstatuts unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein. Die Anträge der Parteiorganisationen müssen späte st ens am 13. August im Besitze des Parteivorstandes, Adresse:' W. Pfannkuch, Berlin SW 68, Lindenstr. 3, sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 10 Abs. 2 des Organisationsstatuts im„Vorwärts" veröffentlicht werden und in der gedruckten Vorlage Aufnahme finden sollen. Den Anträgen etwa beigegebcne Begründungen iverdcn weder im „Vorwärts" noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage abgedruckt. Die Vorstände der Wahlkreisorganisationcn werden drin- gend ersucht, dem Parteivorstand die Namen der gewählten Delegierten unter genauer Adrcsscnangabc alsbald mitzuteilen, damit ihnen die Vorlagen und sonstigen Mitteilungen zugehen können. Außerdem müssen sich die Delegierten beim Lokal- komitec melden. Die Adresse des Lokalkomitees lautet: I. Schäfer, Würzburg, Semnielstraße 46, l. Die Mandatsformulare werden vom 13. August ab durch das Partcibureau versandt. Mit sozialdemokratischen Grüßen Der Partcivorstand. Die Schrecken öes Krieges. Mit allen Mitteln verbrecherischer Hetze versuchen die unverantwortlichen Kriegstreiber den Welteubrand zu schüren. Sie fordern den Krieg, das furchtbare Massenmorden ungezählter Tausender. Von welch entsetzlichen wirtschaftlichen Folgen ein europäischer Krieg begleitet ist, hat gelegentlich der Marokkokrisc im Jahre 1611 nnser verstorbener August Bebel auf dem Jenaer Parteitage in meisterhafter Weise dargelegt. Seine Ausführungen gipfelten in folgenden wuch- tigeu Sätzen: Von dem Gang der Dinge in einem großen Kriege macht man sich kaum eine rechte Vorstellung. Wie werden denn im Falle eines Krieges ungefähr die Tinge sich gestalten? Das ist sehr wichtig für die Beurteilung der wahrscheinlichen Situation. Im Jahre 1893, als die große Militärvorlage auf der Tagesordnung des Reichstages-stand, und wir Opposition machten, und namentlich auf die furchtbaren Wirkungen eines großen Krieges hinwiesen, nahm der damalige Reichskanzler Caprjijj das Wort. Caprivi war damals einer der ersten deutschen Generale. Er erklärte: Sobald Krieg wird, treten Heeke in die Erscheinung, wie sie die Welt noch nicht gesehen, wie sie noch kein General kommandiert hat; wie der Ausgang ist, weiß kein Mensch; was Teutschland betrifft, so wird es am ersten Tage der Mobilmachung die gesamte kriegs- sähige Mannschaft bis auf den letzten Mann einberufen.(Hört, hört!) Das waren damals schon 4 Millionen Männer, heute würden es iVi bis 5 Millonen sein, und wenn man den Landsturm zweiten Aufgebots mit einberuft— und das wird geschehen— dann sind es b'A bis 6% Millionen Männer.(Hört, hört!) Das ist ein ganz kolossales Aufgebot. Dieses Aufgebot ruft eine förmliche Revo- lution in unseren gesamten sozialen und wirtschaftlichen Verhält- nissen hervor. Millionen von Arbeitern werden weggerufen von ihren Familien, die nichts mehr zu beißen und zu leben haben. (Lebhafte Zustimmung.) Hunderttausende von kleinen Gewerbe- treibenden können ihren Bankrott ansagen, weil ihnen alle Mittel zur Fortführung ihrer Geschäfte fehlen.(Lebhafte Zustimmung.) Die Kurse aller Wertpapiere erleiden einen Sturz, von dem wir jetzt nur eine ganz kleine Probe gehabt haben und durch den Zehn- tausende von wohlhabenden Familien zu Bettelleuten gemacht wer- den.(Sehr richtig!) Der Ausfuhrhandel stockt, unser gewaltige Welthandel wird unterbrochen. Zahhlose Fabriken und gewerbliche Unternehmungen, soweit sie nicht für den Kriegsbedarf arbeiten, kommen zum Stillstand. Arbeitslosigkeit und Verdienstlosigkeit an allen Ecken! Die Zufuhr der Lebensmittel hört ganz oder zum großen Teil auf. Die Preise der LebeHsmittel erreichen eine un- erschwingliche Höhe, obwohl sie heute schon kaum erschwinglich sind. (Hört, hört!) Das wird tatsächlich ds? allgemeine Hungersnot be- deuten. Was glaubt man denn, was aus einer derartige» Situa- tion entsteht? Da schreien die Massen nicht nach Massenstreik(Leb- Laster Beifall), da schreien sie nach Arbeit und Brot(Stürmische Zustimmung)— so liegen alsdann die Dinge.(Sehr wahr! Sehr richtig!) Sie verlangen Arbeit und Brot, die mit Ausnahme der Jndu- strien und Gewerbe, die direkt am Krieg interessiert sind, niemand ihnen bieten kann. Wer wird die Familien der Arbeitslosen unter- stützen? Dazu ist kein Geld da. Die Kassen der Gewerkschaften stehn vor dem Bankrott(Sehr richtig), sie können die verlangten Unterstützungen nicht leisten, auch die Gemeinden, auch der Staat und das Reich nicht, der Staat und das Reich, dem seine Armee und Flotte jeden Tag der Mobilmachung 4S Millionen Mark kostet (Bewegung. Hört, hört!), 1350 Millionen Mark in einem Monat. (Hört, hört!) Und nun stellen Sie sich den Krieg selbst vor, mit der ungeheuren technischen Entwsckelung seit 1879, den Millionen- Heeren hüben und drüben, den Repetiergewehren, den Schnellfeuer- geschützen, den Maschinengewehren, mit den modernen Spreng- stoffen usw.(Sehr richtig! Zuruf: Luftschiffe!) Als vor einigen Jahren in Elsaß-Lothringen ein größeres Kaisermanövcr unter- dem Feldmarschall Grafen Haeseler stattfand, erklärte er am Ende: „Das Manöver war sehr schön, aber gefragt habe ich mich doch, wenn es ernst wird, wo bringen wir die Leichen unter, und vor allem, wo bringen wir die Verwundeten unter?"(Lebhaftes Hört, hört!) Parteigenossen! Alle diese Vorgänge werden eine Stim- mung erzeugen, von der wir uns gar keinen Begriff machen können. Schon 1904 habe ich dem Reichskanzler Fürst Bülow ge- sagt, wenn ein großer Krieg kommt, steht die Existenz der'bürger- lichen Gesellschaft auf dem Spiele.(Stürmische Zustimmung.) Und nicht wir sind es, die das herbeigeführt haben, sondern die Vertreter dieser bürgerlichen Gesellschaft(Lebhaftes Sehr richtig!), die glauben, die bürgerliche Gesellschaft stützen zu mllssey, sie allein tragen die Verantwortung für all das ungeheure� Elend und die schrecklichen Folgen eines solchen Krieges.(Stürmische Zu- stimmung.) Auch über die Aufbringung der Mittel habe ick» mit Fachleuten gesprochen. Als 1870 der deutsch-ftanzöfische Krieg ausbrach, for- derte Birsmarck vom Reichtage 120 Millionen Taler. Ich hatte damals mit Liebknecht die Ehre, im Reichstage zu sein. Wir ent- hielten uns der Abstimmung, warum ist bekannt. Diese 120 Mil- lionen Taler wurden auSgeboten zp einem Kurse von 88 für das Hundert, so daß also, wer 100 Taler zeichnete, nur 88 zu zahlen hatte, und zugleich wurden 5 Prozent zugesichert. Und das Resultat? Statt der 120 Millionen Taler, wurden nur 68 �Millionen Taler gezeichnet.(Hört, hört!) Nun bin ich weit entfernt, die Zustände von damals mit den heutigen auf gleiche Stufe stellen zu wollen. Aber wie in Frankreich schon damals die Geldverhält- rrisse lagen, beweist, daß, als am 17. Juni von der französischen Kammer 700 Millionen Franken für den gleicken Zweck gefordert wurden, diese Summe von der französischen Börse und dem fran- zösischcn Volk bis auf den letzten Heller aufgebracht wurde.... Wie es in Teutschland in einem ähnlichen Falle gehen wird, weiß man nicht. Ich habe es aber mit Genugtuung begrüßt— ich gestehe das—, als ich die Angst sah, die auf die Kriegsgerüchte hin entstand, und wie die Leute nach den Sparkassen stürmten. Da sagte ich mir, das ist euch da oben recht gesund(Heiterkeit), ihr habt dergleichen noch nicht durchgemaöbt. Wie viele von den heute Lebenden haben denn den Krieg von 1870 als urteilsfähige Männer erlebt? Wie sehr bat Bismarck sich vor eigen: zweiten Zusammenstoß mit Frankreich gehütet. Manche sprechen so leicht- hin von solchem Kriege, mit Frankreich, sagen sie, Iverdcn wir sehr schnell fertig. Urteilsfähige BkilitärS aber sagen, so leicht wie 1870 würden wir auf keinen Fall mit Frankreich fertig werden. Und wie schwer war es doch, lieber all das, was damals dys Heer und das Volk ertragen mußten, wird in den Büchern nicktz berichtet.(Sehr richtig.) Wer die Not, das Elend, die Arbeitslosigkeit jenes furcht- baren Winters von 1870/71 durchgemacht hat, der verlangt nie- mals nach einer zweiten Auflage. lLebhaftcs Sehr richtig!) Und was kommt, wird unendlich schlimmer, gewaltiger sein und in keiner Richtung mit dem, was 1870 war, zu vergleichen sein. (Sehr wahr! Sehr richtig!) Deutsche unö österreichische Kapitalisten bewaffnen Nußlanö unö Serbien. Die österreichischen Arbeiter, die in den Krieg gehetzt sind, und die deutschen Arbeiter, die von einer unverantwortlichen Kamarilla in den Krieg gehetzt werden sollen, müssen wissen, w.er Serbien und Ruhland die Mordwaffen geliefert hat, von denen sie dahingemäht werden sollen. Am 26. April 1313 wurde vom Genossen Liebknecht, der im„Vorwärts" vom 28. April dieses Jahres abgedruckte Vertrag ztpischen den Deutschen Waffen- und Munitions- ff a b r i k e n und zweien ihrer Tochtergesellschaften und der. mit der österreichischen Waffe nfabriks gesell- s ch a f t Wien geschlossene Kartcllvcrtrag bekanntgegeben. Ter 8 1 dieses Vertrages geht dahin, daß" diese Fabriken die Waffengeschäfte,„welche sich auf Lieferung von neu herzu- stellenden Repetiergewehren oder Karabinern für Ruhland bezichen, zu gemeinschaftlichem Nutzen durchführen." Tie Gewinne werden nach einer im 8 3 fest- gesetzten Skala verteilt, die Deutschen Waffen- und Munitions- fabxikcn erhalten 30 Proz., die deutsche Mauscrfabrik 2114 Proz., die österreichische Waffensabriksgcscllschirft Wien 3714 Proz. Die Lieferungen an Serbien sind durch eine besondere Abmachung vom 4. April 1905 unter diesen deutschen und österreichischen Waffenfabriken geregelt. Am 11. Mai 1314 führte Genosse Liebknecht im Reichs- tag aus: Anfang April 1914 hören wir, daß die„Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik" in Berlin mit der österreichischen Waffrnfabrik in Stlchr, der berühmtesten und größten Waffenfabrik— nicht der schweren Rüstungsindustrie— der Donaumonarchie, 200 000 Gewehre an Serbien lieferte, also an den gröhten politischen Erbfeind Oesterreichs, unseres Verbündeten. Dabei tritt zutage, daß zwischen beiden Firmen ein Kartellvcrhältnis besteht., In der Generalversammlung der„D e u t s ch e N W a f f e n- und Munitionsfabriken" vom 3. April dieses Jahres wird mitgeteilt, daß diese Firma mit demStahlwerk Becker in W i l l i ch bei Krefeld, das gleichfalls Kricgsgerät herstellt, eine Interessengemeinschaft abgeschlossen hat über die Beteilihnng an der von der russischen Regierung ge- nehmigten Gesellschaft'„Parabcllum" in St. Petersburg.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Interessengemeinschaft geht dahin, daß die beiden deutschen Waffenfabriken ihre s äm-t- lichenErfahrungen, Patente usw. in das neue r u s s i- s ch e Unternehmen hineinzubringen haben. Zweck der Gesellschaft„Parabellum" ist nach der„Deutschen Tageszeitung" vom 3. April 1914, die Erzeugnisse beider deutschen Werke in Ruhland zu vertreiben, jedoch in erster Linie Kriegsmaterial herzustellen. Soviel von den Flinten und den lieblichen blauen Bohnen. Jetzt zu den Kanonen und Kriegsschiffen. In der gleichen Redc vom 11. Mai dieses Jahres wurde nachgewiesen, daß Kr�pp mit den russischen Putilow-Wcrkcn und anderen russischen Kriege- fabriken in intimster Beziehung steht. Am 9. Fe�xuar 1914 berichtete die„Deutsche Tageszeitung" triumphierend, daß das Material, mit dem Putilow die russischen Geschütze her- stellt,„richtiger Krupp-Tiegelstahl" ist. Es wurden weiter die intimen Beziehungen zwischen Krupp und den österreichischen Skoda-Werken, der größten Kanonen- fabrik der Donaumonarchie, dargelegt pnd dann bemerkt:- Tie Skoda-Werke, mit denen Krupp in dieser engen Beziehung steht, haben sich anfangs 1914 mit russischem und französischem Kapital verbunden, nm in Crcuzot, dem Sitz der französischen Kanonen- siriya Schneider, eine Stahlhütte zu errichten, zu der diese französische Kanonenfirma Schneider die t e ch- nischcn Einrichtungen zu liefern hat. Nach dem Geschäftsbericht der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken gehen über 50 Prozent der von ihnen fabrizierten Waffen ins Ausland, und zwar zum größten Teil nach Ruhland und den Balkanstaaten. Glückstrahlend berichtete Erzberger am 11. Mai dieses Jahre: im Reichstag, daß viele der großen deutschen Rüstungsfirmen bio zu 85 Prozent ihrer Aufträge auS dem Ausland beziehen. 32 Prozent Dividende haben die Deutschen' Waffen- und Munitionsfabriken in den letzten Jahren ausgezahlt. Auf über 600 Prozent stehen ihre Aktien! Der Reingewinn der' Firma Krupp im Geschäftsiabr 1912/13 bclief sich auf über 43 Millionen Mark! Die deutschen und österreichischen Pulver- und Sprengstoff- fabriken gehören fast durchweg dem über die ganze Welt der- breiteten internationalen Nobel-Trust an, in dem eyg- lisKes und französisches Kapital eine gewaltige Rolle spielt. Sie sind eifrigst an der Deckung des Pulvcrbedarfs für Ruhland, England und die Balkanstaaten beteiligt. Alle deutscben und österreichischen Waffenfabriken gehören der internationalen MunitionK'konv�ntions an. Parabellum heißt die russische Waffenfabrik, die von den größten deutschen Waffenfabrikcn geschaffen ist und geleitet wird. Parabellum heiht auf deutsch: Bereite den Krieg! Rüste den Krieg! Rüste den Krieg— wo? In Rnhland. Gegen w.cn?— Gegen Teutschland! Deutsche und österreichische Arbeiter werden von deutschen und österreichischen Waffen, mit deutschen und österreichischen Kugeln und deutschem und österreichischen» Pulver niedergemäht werden. Die goldenen �Profite hat das deutsche und österreichische Kapital eingfheimst, auf daß das deutsche und österreichische Volk mit der denkbar besten Präzisionstechnik vom„Erbfeind" zusammenkartätscht werden kann; vom„Erbfeind", dessen Geld lieblich in den Taschen deutscher Kapitalisten klingt. Seid kriegsbegeistert, ihr deutschen Arbeiter! Auf, werft euch mit patriotischer Begeisterung gegen den russischen, gegen den ser- bischen-Feind! Euer Lohn ist euch sicher: Kruppsche Granaten und blaue Bohnen der deutschen und österreichischen Waffen- und Munitionsfabriken. Hurra! Zerriffene volksrechte. Prag, 23. Juli.(Eig. Ber.) Die Aufgaben und Pflichten der Redakteure österrcichisch-ungari» scher Zeitungen und besonders derer, die in den Mobilisations- gebieten erscheinen, haben sich geändert, ja geradezu in ihr Gegenteil verkehrt. Während in gewöhnlichen Zeitläuften dafür gesorgt werden muß, den Lesern möglichst viel interessanten Stoff zu bieten, haben die Redaktionen jetzt ihre Aufmerksamkeit darauf zu richten, daß möglist wenig im Blatt steht. Nur das, was ihnen von den Be- Hörden direkt zugängig gemacht wird, ist unbedenklich, alle anderen Nachrichten und Betrachtungen, mich wenn sie dem Laien ganz un- verfänglich erscheinen, laufen Gefahr, unterdrückt zu werden. So sind alle Organe bis zu den sozialdemokratischen zurzeit sozusagen offiziös, und wenn nicht eine merkwürdige Inkonsequenz gestaltete. daß die ausländischen Zeitungen unzensuriert hereinkommen und in den Kaffeehäusern aufliegen— man würde von den Weltvorgängcn ein sehr unvollkommenes und sehr verzerrtes Bild erhalten. Das Staatsgrundgcsetz gewährt P r e ß f r e i h e i it. Dieses schöne Recht steht, auch wenn keine Ausnahmezustände herrschen, meist nur auf dem Papier. Ministerialverfügiingeu und ähnliche Verordnungen sorgen dafür, daß die Freiheit sich in den k. und l. Grenzen hält. Aber seit dem Ende der vergangenen Woche gelten iveder Gesetze noch Ministerialverordnungen, Mars und die nackteste Willkür regieren die Stunde. Der' dünne Firnis des Kon- stitutionalismus und der sogenannten Menschen-'und Bürgerrechte ist vollständig beseitigt, der militärische Absolutismus präsentiert sich unverhüllt. Das erste Blatt, das die Presse verläßt, geht an die Zensur- behörde. Die Prüfungszeit ist auf 3— in Buchstaben drei Stunden— festgesetzt. Kurz vor Ablauf dieser Zeit wird der Redaktion mit- geteilt, ob gedruckt werden kann oder nicht. Hat die Behörde etwas zu beanstanden, so mutz ei» neues Exemplar ohne die zensurierte Stelle eingereicht werden, und man kann sich darauf gefaßt machen, daß es bis zur Freigabe abermals drei Stunden dauert, Wir hinken hier also immer um mindestens drei Stunden hinter den letzten Ereignissen her. Ach. und wenn sie wenigstens über diese gerade jetzt verhältnismäßig so weit zurückliegenden Dinge nach eigenem Gutdünken berichten könnten! Nicht einmal auf den Redaktionen ist man informiert. Telegramme, deren'Inhalt der Behörde mißfällt, werden nicht befördert, im TelMhqfi ist immer ein Beamter eingeschaltet, der sofort unterbricht, wenn irgendeine ihm gefährlich vorkommende Mitteilung gemacht wird. Zeitungen er- fahren also im großen und ganzen nur das, was die Stotthalterci zu er- fahren gestattet. Wird ihrxen aber darüber hinaus noch etwas zu- getragen, oder wagen sie es, behördlich als richtig anerkannte Tatsachen kritisch zu beleuchten, so ist die Zensur bei der Hand und fie können von Gluck sagen, wenn sle nicht bollständvg unter» drückt werden. Mündlich ist hier den Pressevertretern eröffnet worden, daß eZ nicht erwünscht sei, wenn Ueberschriften gewählt würden, durch die di� Bsvölkcrung beunruhigt werden könne. Man solle auch darauf verzichten, die Ueberschriften gar zu stark durch den Druck hervorzu- Heden. DeZ weiteren solle man keine Nachnchten bringen, die ge- eignet seien. Niedergeschlagenheit hervorzurufen. ES durfte deshalb von der Sprengung der Savebrücke bei Semlin nicht Kenntnis gegeben werden �und ebenso wurde jede Andeutung über die angebliche Kriegsstimmimg m Rußland verboten. Endlich aber soll alles vermieden werden, wodurch eine allslawische Stimmung erweckt werden könnte. Wie unter solchen Umständen die bürgerlichen Zeitungen aus» sehen, läßt fich denken. Sie melden von begeisterten Kundgebungen für den Krieg, auch wenn sich nicht die geringste Spur von Enthu» siaSmuS entdecken läßt. Sie erzählen von rührenden und er» hebenden Szenen bei dem Ausrücken der Truppen, obwohl zum mindesten hier in Prag das alles in einer ruhigen— und man möchte sagen verzweifelten EeschäftSmäßigkeit vor sich geht. Was nicht in das Schema des.Gott erhalte. Gott beschütze unseren Kaiser, unser Land" hineinpaßt, wird den Lesern vorenthalten, und auch das für gewöhnlichjzweimal, jetzt sogar dreimal tägliche Blatt der tschechischen Genossen muß kalt und farblos bleiben und sich hüten, die Wahrheit zu sagen. Ein paar Beispiele: In einem Dorfe bei Karlstein in Böhmen hatte am 26. Juli die Tochter des Gemeindevorstehers Hochzeit. Beim HochzeitSmahl kam die Nachricht, daß der Bräutigam ein- berufen sei. Die Braut wurde vom Schlage getroffen und hlieb tot. In Smichow, einem Prager Vorort, erhielt ein Eisenbahn» schaffner, der erst vor vier Tagen aus Bosnien, wo schon lange ein verstärkter Präsenzzustand herrscht, zurückgezogen war, aufs neue einberufen. Seine Frau hatte soeben ein Kind gehören und war bei der Geburt gestorben. Der Mann wird wahnsinnig und er tötet seine Kinder und sich selbst. Unser tschechisches Parteiblstt„Pravo Lidu' darf diese Nachrichten nicht bringen. Sie sind danach angetan,„die Bevölkerung zu entmutigen�. Wenn cS schon nicht gelingt, Hurrastimmung zu erzeugen, so soll wenigstens auch die Depression nicht allzu offen» kundig zutage treten. Vollends u nnwglich ist es natürlich, der G e r ü ch t e Erwähnung zu tun, nach denen im böhmischen Kohlenrevier miS einzelnen Orten ernste Unruhen vorgekommen sind, und nach denen an anderen böhmischen Orten Reservisten beim Abgang dos ZugeS ein Hoch auf Serbien ausgebracht haben sollen. Was an diesen Gc- rüchte« wahres ist, läßt sich freilich nicht feststellen. Möglich, daß sie sich bestätigen, möglich auch, daß eS sich um Tatarenmeldungen handelt. Dunkle unkontrollierbare Erzählungen schwirren in Zeiten wie den gegenwärtigen stets durch die Luft. Je strenger die Zensur ge» handhabt wird, um so eher ist die nervöse Bevölkerung geneigt, auch das Unwahrscheinlichste zu glauben, und als man sich gestern abend gegenseitig zuraunte, der Kaiser Frayz Josef sei in Ischl erschossen worden, gab eS auch hafür zahlreiche Glägbige. Gebracht' werden darf alles, was Oesterreich» Position in-in günstiges Licht rückt. So wird jeden Tag die Bündnistreue Deutsch- landS rühmend in Fettdruck hervorgehoben; so wird die Friedens, sehirsucht Rußlands betont, und so konnte üb ex die FriedenSdcmon- strationen dir Pariser Genossen ausführlich berichtet werden. Heute morgen in aller Frühe gab cZ auch schon Extrablätter, die die Zer» störung der Zitadelle von Warschau meldeten. Sie waren sich allerdings nicht ganz einig, ob der Blitz oder die Revolution dieses Werk getan habe, und darüber wissen wir auch abends um b Uhr noch nichts, ebensowenig wie man nur Einzelheiten über einen österreichischen Sieg an der bosnischen Grenze mitgeteilt hat, der auch schon vor sieben Stunden kurz verkündet wurde. Dafür liest man in der dritten Extraausgabe des„Prager Tageblatts" (zweite Ausgabe nach der Konfiskation), daß am Dienstag- Abend ungeheure Menschenmengen Unter den Linden in Berlin Kundgebungen für Oesterreich der- a n st a l t e t hätten. AuS dem„Vorwärts", der unbehelligt auf der Redaktion von.,Pravo Lidu" eingegangen ist, wissen wir es besser, aber daS Volk soll die Wahrheit nicht erfahren. Wer sich alle diese Tatsachen vergegenwärtigt und außerdem im Auge behält, daß eine Anzahl von sozialistischen Wochenschriften schon glatt verboten worden sind, der wird ein Verständnis dafür be- kommen, daß die Sprach« der österreichischen Sozialdemokratie in ihrer Presse nicht so scharf ist, wie wir«8 gern wünschen möchten. Der Mund ist ihr verbunden. Ihre Aufrufe und ihre Artikel müssen daS Beste verschweige». An die Stelle des Fgustschlagß ist die vorsichtige Diplomatie getreten. Fürs erste bleibt nichts anderes übrig. Jetzt heißt-S, dafür sorgen� daß die Organi» sationen, die durch die Mobilisierung einen großen Teil ihrer Mit- glieder yxrlieren, erhalten bleiben, damit nach Beendigung des Krieges die Möglichkeit der großen'Abrechnung gegeben ist. Dafür, daß sie kommen wird, sorgt der Militarismus. Did Schule, die das Volk in Oesterreich jetzt durchmacht, ist hart, aber sie muß ihre Früchte tragen. kriegsproteste im Reich. Luckenwalde. Welche Erregung zurzeit das Volk beherrscht, daS zeigte der Besuch der Versammlung, die am Mittwochabend in dem kleinen Luckenwalde stattfand. Reichlich 3000 Menschen, und nicht nur Arbeiter, waren erschienen, vor denen Genosse Paetzel unter freiim Himmel sprach. Nach Schluß der Versammlung wälzten sich die Erschienenen wie eine Lawine nach der Stadt zurück. So etwas hatt« Luckenwalde noch mcht gesehe«. Halle. Im Volkspark fand eipem Privattelegramm zufolge am Donnerstag abend eine Sonderprotestversammlung für Frauen statt, die von etwa 10 Personen besucht war. Als die Neferentin, Krau Hennig-Leipßig, in ihrer Rede dem Bedauern darüber AuS» druck verlieh, daß die Regierung in solch schicksalsschwerer Stunde nicht einmal da» Volk befrage, löste der überwachende Polizei» I-mmissar die Versammlung auf. Der Teilnehmer� bemächtigte sich eine große Erregung, weil durch daS unverständliche Vor» gehen der Polizei, die hier in den Abendstunden verbreiteten Nach- richten neue Nahrung erhielten, daß die Mobilisierung und Ver- hängung des Belagerungszustandes in nächste Nähe gerückt sei. Zwischenfälle ereigneten sich nicht. Nordhausrn. Eine nach vielen Tausenden zählende Versammlung, die größte, die Nordhausen je gesehen hat, protestierte am Mittwoch ,n Nordhausen gegen den Krieg. Mit gespanntester Aufmerksam- keit folgte sie den Ausführungen des Referenten, Abg. ReißhauS. Der Redner legte mit eindringlichen Worten die furchtbaren Folgen der unheilvollen Schritte der österreichischen Kriegshetzer und die Aufgabe des Proletariats dar, auch jetzt und gerade jetzt in verstärktem Maße für die Erhaltung des Friedens zu wirken. fkn die Versammlung schloß sich eine machtvolle Straßendemon- strntion an. Tic Versammelten, verstärkt durch Hunderte, die in der überfüllten Versammlung nicht mehr Einlaß gesunden hatten, zogen geschlossen durch die wichtigsten Verkehrsstraßen zum Korn» markt. Dort stießen sie mit der Polizei zusammen. Diese mußte aber dem imposanten Aufgebot der Arbeiterschaft weichen. Mit den Rufen: Hoch die völkerbefreiende Sozialdemo- kratie! Nieder mit dem Kriege I schloß die Demonstration. Halberstadt. Zu einer mächtigen Kundgebung gestaltet fich hier die Protest. Versammlung am Dienssagabend. Saal dek größten Lokals in Halberftaot, des„Odcumi", war bis auf den letzten Platz gefüllt. Mühlhausen i. Th. Eine machtvolle Friedenskundgebung veranstaltete am DienS- tagabend die Arbeiterschaft in Mühlhausen i. Th. Hunderte konnten zu der überfüllten Versammlung keinen Zutritt finden. ES war eine Mobilmachung der gesamten Polizei zu beobachten. Eine gleichfalls überfüllte Friedenskundgebung fand Mittwoch abend in Langensalza statt. Greiz. In Greiz(ReußZ demonstrierte am Donnerstagabend, wie ein Privattelegramm meldet, eine von 2000 Personen besuchte Versammlung gegen Kriegshetze und Völkermord. Plauen(Vogtland). Ein Privattelegramm meldet vom 30. Juli: Im Plauener Gewerkschaftshause fand heuet abend ein« wuchtig« Demonstration gegen den Krieg statt. Mehrere tausend Männer und Frauen waren in der überfüllten Versammlung. Nach einer kernigen Rede des Abgeordneten Jockel, die begeisterte Zustimmung fand, wurde in einer Resolution der Krieg gebrandmarkt und die Regierung aufgefordert, unbedingt den Frieden zu erhalten. Ein Massen- aufgebot der Polizei bekam nichts zu tun. Reichenbach i. Vogtland. In einer von 2000 Menschen besuchten Versammlung prote- stierte am Mittwoch abend die Bevölkerung Reichenbachs gegen den Krieg. Die wuchtigen Ausführungen des ReichstagSadg-ordneten von Reichenbach, Genossen Dr. Lenfch, fanden begeisterte Zu- sttmmung. Danzig. DanzigS Arbeiterschaft protestierte am Mittwochabend in fünf Versammlungen gegen den Krieg. Der Besuch war überall sehr stark. Trotz eines starken Polizeiaufgebot? kam es zu keinen Zu- sammenstößen. Harburg. In Harburg und Wilhelmsburg fanden nach telegraphischer Meldung am Mittwoch drei Versammlungen statt, die von über 7S00 Personen besucht waren. Die vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig angenommen. Der Verlauf der Versammlung war erhebend. Hannove». Machtvolle Kundgebungen für den Völkerfrieden waren die neun übmffüllten Versammlungen, die die Arbeiter von Hannover- Linden veranstalteten. ES mögen im ganzen ld- bi» 20 000 Perso- nen gewesen sein, von denen leider nur«in Teil in den Versamm» lungSlokalen Platz finden konnte. Die Ausführungen der Redner über das Thema:„Krieg, Besonnenheit, kaltes Blut!" fanden ein lebhaftes Echo in den versammelten Massen. Die Polizei hatte umfangreiche Vorkehrungen getroffen, um einen Zusammenstoß mit den patriotischen Krakeelern zu verhüten. Sie veerhiclt sich sehr zurückhaltend; infolgedessen kam eS zu keinen Zusammenstößen. Ssscn-Ruhr. In Gffen demonstrierten in zwei glänzenden Versammlungen 3500 Personen für den Frieden. Die Polizei hatte eine große Macht aufgeboten, fand aber keine Arbeit. DSsseldorf. Im Wahlkreise Düsseldorf fanden Mittwoch abend Ii öffent- liche Demonstrationsversammlungen gegen den Krieg statt, die durchweg überfüllt waren. Die Teilnehmerzahl wird auf 15- bis 20 000 Personen geschätzt,«in Versammlungsbesuch, wie er bisher in Düsseldorf noch nicht zu verzeichnen war. Nach den Berfamm- lungen kam e« zu Sjraßendemonstrationen. Mehrere taufend Mann zogen vor da» HauS de? Oberbürgermeisters, wo die Jnter- nationale gesungen und Hochs auf die Sozialdemokratie ausgebracht wurden. Dann zerstreute sich die Menge rühig. Die Polizei der- hielt sich reserviert. Emden. Im Tivolisaal protestierte eine überfüllte Bersammlung gegen den Krieg. An der Diskussion beteiligte sich ein bürgerlicher Redner in zustimmendem Sinne. Die vorgelegte Refostttto» fand ein- stimmig« Annahme. Mülheim«. Rh. In Mülheim fand am Mittwochabend eme von mckhx alv 3000 Personen besuchte Proteswersamnckung statt, die glänzend oerlipf. Die Polizei verhielt sich zurückhaltend. Mannheim. Die Proiestversammlung in Mannheim zeigte eime« Rtefen» aufmarsch der Arbeiter. Der große Saal des Rosengartens, der 6000 Personen faßt, war«ine halbe Stunde vor Begin, der Ver- sammlung polizeilich abgesperrt. Zirke 3000 Menschen blieben vor dem Saal postiert. Eine zweite Versammlung im Gewerkschafts- HauS wurde improvisiert. a.uch sie war überfüllt. Mit der Ay» nähme von Willenskundgebungen fanden die ungestört wrkrufenen Versammlungen ihr Ende. Die Polizeidirektion hatt« H Stunden vor der Versammlung ein generclleS Umzugsveebot«lassen, ob- wohl sie bisher die nächtlichen Umzüg« der Cafehaukpatrioten duldete. Wirtschaftliche Zolgen öes Krieges. Hafer um 20 Mark gestiegen. An der gestrig«, Berliner Getreidebörse erfuhren die Preise toiederu««in« gewalttg« Steigerung. Hafer für Lieferung im Juli war um nicht wem- ger als 2 0 Mark teurer als»och»m Tage vorher, wo die Preise auch bereits außerordentlich hoch standen. Weizen stieg um 6Mark, Roggen umSMark. Steigerung der Lebensmittelpreise. Auch im Klein- Handel sind in einzelnen Grenzorten die Preise bereits gesttegen. Mehl, Kartoffeln, Hülsenfrüchte müssen dort teurer bezahlt werden. In Saarbrücken soll der Preis von Salz bis auf 40 Psenrnge gestiegen sein.— Wie hoch werden die Preise aller Lebensmittel erst sein, wenn Deutschland mobilisiert und in den Krieg ein- greifen sollte! ZinSerhöhung der Notenbanken. Eine Reihe von europäischen Zentralnotendanken haben gestern ihren Diskont(Zinsfuß für die Verlängerung von Wechseln) erhöht. Die Bank von Eng. land setzte den Diskont von 3 auf 4 Prozent herauf, die Bank von Frankreich und die Züricher Nationalbank von 3öh auf 4H, die Schwedische Reichsbank von 4M auf 5>4 Prozent. Gleichzeitig suchen die Banken mit S�icksicht auf die allgemeine polittsch« Lage ihre Metall- und Goldreserven>u erhöhen. Kttdit für bea Fall der Mobilmachung. Die Stadtvermch« neten in Breslau genehmigten gestern vormittag in einer außer- ordentlichen Geheimfitzung die Aufnahme eines Kredits von fünf Millionen Mark entsprechend dem Antrage des Magistrats zur Versorgung der Zivilbevölkerung mit Lebens» Mitteln und Verbrauchsmitteln im Aalle einer Mobil, machung. Zurückziehung englischer Guthaben aus Oesterreich. Ein Eisenbahnwagen, der eine Ladung von 6 Millionen Franks in barem Golde enthielt, ist gestern auf das belgische Eisenbahnnetz übergeführt worden. DaS Geld ist für Londoner Bau- ken bestimmt, hie ihre Guthaben auS Wien zurückgezogen haben. Man erklärt, daß im Laufe des heutigen TageS weitere Geld- se�dungen aus Wien und Berlin nach England effektuiert werden. Börfenschluss. Die Berliner Börse blieb auch gestern für den Terminhandel geschlossen. Ebenso haben die Börsen in Hamburg, Frankfurt a. M.. Augsburg, Petersburg, Rom, Mailand, Paris, selbst einige amerikanische Börsen den Verkehr mehr oder weniger vollständig eingestellt. Die Pariser hat auch beschlossen, die Liqui- dation(Begleichung) der Spekulationsgewinn« bis Ende August aufzuschieben. Tie KricgsvcrsichcrungSprämien. Die Kriegsversicherungs- Prämien an der Bremer Börse sind erheblich gestiegen, notier� bezw. bezahlt wurden 1 bis 2% Prozent, je nach Lage des Schiffes. In New York weigern sich die Versicherungsgesellschaften cnffchie» den, ein Schiff zu versichern, das die österreichische Flagge führt, Gerichtszeitung. Erpressung. Dreiste Erpressungsversuche eines früheren Angestellten des„Vereins deutscher Brücken- und Eisenbcm-Fabriken" bil- deten den Gegenstand einer längeren Verhandlung, welche gestern die 6. Ferienstrafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz deS Landgenichtsdirektors Goebel beschäftigte. An- geklagt wegen versuchter Erpressung war der 22jährige Steno- typist Richard Sierakowskh. Der Angeklagte wurde vor einiger Zeit von der»„Verein deutscher Brünen und Eisenbau-Fabriken" als Kontorist engagiert. Bei seiner Anstellung wurde ihm gleich gesagt, daß er einen Ver- trauensposten erhalte, da er die von den einzelnen Mitgliedern de» Vereins eingehenden, geheinzzuhaltenden BctriebSrefultate zu einer Statistik zu verarbeiten habe. Schon nach einigen Wochen meldete er sich krank und blieb längere Zeit von seiner Arbeit fern. Er kam dann wieder, meldete sich aber bald wieder krank und blieb wiederum mehrere Wochen weg. Eine? Tage? wurde der Bureauchcf de» Verei»» durch eine telephonische Anfrage der „ZeppeNn-Hallen-Gesellschaft" überrascht, ob bei dem Verein ein gewisser Siercckowsky beschäftigt sei. Es stell tze sich heraus, daß der Angeklagte es fxrttg gebracht hatte, zu gleicher Zeit hei zwei»er- schicdencn Firmen in Stellung zu sein, und zwar meldete er sich bei der einen Firma krank, um während seiner„Krankheit" bei der anderen Firma tätig zu sein. Als er von dem Direktor Meidel des VerernS deshalb sofort entlassen wurde, drohte er brieflich mit„Enthüllungen" über die Tätigkeit deS Vereins durch Publi- katton in Zeitungen. vor Gericht behauptete der ft�getagt«, daß er mit den Briefen keinerlei materielle Vorteile erstrebt babe, er habe die Herren von dem Verein mit der Drohung, das Zahlenmaterial zu veröffentlichen, lediglich ärgern wollen. DaS Gericht erkannte mit Rücksicht darauf, daß es sich um einen von überaus niedriger Ge- sinnung zeugenden Vertrauensmißbrauch handele, guf 9 Monate Gefängnis. Gleichzeitig wurde der Angeklagte wegen Flucht» Verdachts im Gcrichtssaale sofort verhaftet. Avzahlungsgeschäfte. DaS Landgemcht Leipzig hat in einem Abzahlungsprozeß' Normen aufgestellt, deren Einhaltung wenigstens in einigen besonders krassen Fällen den Käufern nützlich fein könnten. Die Firma Verlagsbuchhandlung D. Bernhardt in Leipzig verkaufte im Jahre 1908 an einen KaufmaM einen photographi- fchen Apparat auf Abzahlung unter EigentumSvorbehalt. Weil der Käufer nun seiner ZahlungSpflicht nicht nachkam, erwirkte Verkäuferin des Apparates beim Amtsgericht zu Leipzig ein Urteil nj Höhe ihrer Forderung gegen den Käufer. Hierauf wurde der Apparat a» die Firma in Leipzig zurückgesandt. Diese stellte ihn .aber dem Käufer wieder zur Verfügung. Im Jahre 1913 mahnte die Verkäuferin deS Apparats und bat um Zahlung. Denn ließ sie daS Gehalt des Käufers pfänden. Hierauf klagte der Käufer beim Amtsgericht zn Leipzig auf Aufhebung dcS Urteils, welches die Ver- käuferin deS Apparats im Jahre 1909 gegen den Käufer erwirkte und behauptete, die Firma hätte den seiner Zeit zur Berfügizng zefwllten Apparat längst wieder verkauft, Sie wäre dadurch vom Kauspertrag zurückgetreten und hätte ihre Ansprüche gegen ihn »erlorgn. Die Firma wendete ern, sie sei zur Verfugung über den Apparat berechtigt gewesen, weit dieser eine Gattungssach« darstelle, die sie dem Klager jederzeit in gleicher Art und Güte anderweit zu liefern imstantze wäre. DaS Amtsgericht zu Leipzig aber ceklärte die Zwangsvollstreckung auS dem Urteile vom Jahre 1908 für unzaläfstg. DaS Berufungsgericht bestätigte die Entscheidung mit folgen- den Gründen: Die Beklagte kann nicht damit gehört werden, daß der Kläger einen anderen Apparat abzunehmen verpflichtet sei, nachdem sie über den ursprünglich gelieferten anderweit verfügt habe. Denn selbst wenn eS sich, wie im vorliegenden Fall, um Er- füllung einer Gattungsschükd handelt, so kann dieselbe doch schließ- lich nun mit eurer bestellten Sache erfüllt werden und von einem bestimmten Zeitpunkt an müssen Gläubiger und Schuldner die Leistung als endgültig bewirkt ansehen. Bei einem UehersendungS- kauf im Sinne von§ 447 B.G.B, und ein solcher liegt hier vor, hat der Verkäufer seiner LeistungSpflicht in dem Zeitpunkte genügt, indem er die Sache der zur Ausführung der Versendung bestimm- ten Anstalt abliefert, damit beschränkt sich da? Schuldverhältni« auf diese vom Schuldner gewählte Leistung. Es wird nun allerdings in der Rechtsprechung(vexgl. Rcchtspr. OLG. 10156; 17 374; Seuff. Arch. 59 S. 74) die Ansicht vertreten, daß der Schuldner, wenn der Gläubiger kein berechtigtes Interesse habe, daß ihm gerade die ausgeschiedene Gattungssache geliefert werde, nur anders gleich. arttge zu liefern befugt fei. Dieser Ansicht kann sich daS Gericht auS den von Fischer in Jhrings Jahrb. Bd. 51 S. 202 ff. hervor- gehobenen Bedenken in Verbindung mit den Ausführungen im RÄ. Komm, zu§ 243 und den dort angezogenen Entscheidungen nicht anschließen. Die Erfahrung lehrt auch, daß Gattungssachen selbst bei völlig gleichmäßiger Herstellungsweise doch keineswegs immer gleichmäßig ausfallen, dies mag besondorS auch bei photo- graphischen Apparaten der Fall sein. Der angebotene Sachver- ständigenbeweis kann hierüber für den bestimmten, dem Kläger zu- nächst gelieferten Apparat keine Aufklärung bringen, er ist auch nur angeboten für die gleichmäßige Herstellung der Gattung durch den Beklagten. Die Beklagte ist obligatorisch verpflichtet, dem Kläger das Eigentum an der verkauften Sache zu verschaffen und solange siefdazu nicht imstande ist, kann ihr der Kläger mit Erfolg die Einrede des nicht erfüllten Vertrages entgegensetzen. Dem Rechtstitel war daher der Erfolg zu verjage«, Mus der Frauenbewegung. Hegen öen Krieg! Bor eiwa drei Monaten kamen die Vertreterinnen der sozialdemokratischen Frauen aus den großen europäischen Staaten hier in Berlin zusammen, um vor Tausenden von ZuHörerinnen in einer großen imposanten Kundgebung in der Hasenheide für den Frieden zu demonstrieren. Einmütig erkürten sie alle, daß die Frauen den Krieg nicht wollen, daß sie berufen seien, wie niemand sonst, an der Aufrechterhaltung des Friedens zu arbeiten. Die Schilderungen d�er österreichi- schen Frauen von den Leiden der arbeitenden Schichten wäh- rend des Balkankrieges erfüllten die Zuhörer mit Entsetzen und ließen sie bei dem Gedanken an eine Wiederholung der grauenhaften Zustände erzittern. Aber die schlimmsten Zeiten lagen damals hinter ihnen, wohl hatte das österreichische Proletariat noch schwer unter den Nachwirkungen des Balkan- krieges zu leiden, Handel und Industrie erholten sich nur sehr langsam von der Depression, aber es schien doch wieder auf- wärts zu gehen, und außerdem— es war ja den Bemühungen der Mächte gelungen, Oesterreich von einem aktiven Ein- greifen in den Balkankrieg zurückzuhalten. Von dem� österreichischen Volke waren noch nicht wie von den Balkanländern Opfer an Menschenleben gefordert worden. Die Versammlung konnte als eine ernste Mahnung an die Völker und vor allem an die Regierungen gelten: Seht, wie die Länder unter dem Krieg zu leiden haben, setzt alles daran, den Frieden zu erhalten, das Volk, das wirkliche Volk unterstützt euch bei dieser Aufgabe mit allen Kräften! Wer hätte damals, vor drei Monaten, daraii gedacht, daß schon in so kurzer Zeit die Frauen und Männer der Arbeitev- klasse ernsten Anlaß haben würden, wieder und eindringlicher gegen den Krieg, für den Frieden zu demonstrieren! Selten ist die internationale Lage so drohend gewesen wie in diesem Augenblick. Oesterreich und Serbien stehen im Kriege. Unablässig hat Oesterreich an der Vervollkommnung seines Heeres, an den Kricgsvorbereitungen gearbeitet und auf den günstigsten Moment zum Losschlagen gewartet. Seine An- sprüche, die es während des Balkankvieges zurückstellen mußte, hat es keineswegs aufgegeben, jetzt tritt eZ aufs neue bannt hervor: Serbien soll geschwächt, sein beginnender Wirtschaft- licher Auftchwung um jeden Preis unmöglich gemacht werden. Ein Kriegsanlaß? Darum ist man nicht verlegen. Tie Er- mordung des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gattin bietet den gewünschten Vorwand. Es werden unerhörte For- derungcn an Serbien gestellt, deren Erfüllung es innerhalb kürzester Frist zusichern soll. Serbien verlangt Aufschub, nur wenig später erklärt es sich bereit, fast alles. waS Oesterreich verlangt, zu erfüllen. Umsonst. Die österreichische Regierung will die Bereitwilligkeit Ser- biens zu friedlicher Lösung des Konfliktes n i ch t s e h e n. Sie greift zu den schlimmsten Haarspalte- reien, um eine Weigerung Serbiens auS dem amtlichen Schriftstück herauslesen zu können. Der Krieg ist erklärt, und er hat begonnen. Verkehr, Handel und Industrie sind in beiden Ländern wie mit einem Schlage lahmgelegt. Die Kampffähigen sind zu den Waffen gerufen, die Arbeitsstätten mußten verlassen werden. Die gesetzlich gewährleisteten Freiheiten und Rechte sind durch Verordnungen aufgehoben. Aufs neue ist für die beiden Völker eine Zeit großer Entbehrungen und Leiden angebrochen. Die Zeitungen berichten von.flüchtenden serbi- schen Familien, von ausgezchrten gebeugten Gestalten, die in langen Reihen darauf warten, mit ihrem bißchen Habe, daS ihnen geblieben ist, in das Innere des Lande? befördert zu werden. Sie erkennen das Hoffnungslose ihrer Lage genau. Die Schrecken des Krieges sind noch frisch in ihrer Erinne- rung, das Land, obwohl siegreich au? ihm hervorgegangen, bat sich von seinen Schlägen noch nicht erholt. Das ganze Volk befindet sich unter einem schweren Druck. Und ist es in Oesterreich anders? Nach den Mitteilungen der Presse soll dort begeisterte Stimmung herrschen, aber die Blätter dürfen ja nichts anderes barichten. Telegramme und Briefe werden geöffnet und alles gestrichen, was irgend- wie ungünstig nach außen wirken könnte. Es kann gar n i ch t s e i n, daß ein Volk, daS so lange und so schwer schon unter der Möglichkeit eincS Krieges und unter seinen Vorbereitungen gelitten hat, nun mit Begeisterung den Kriegsausbruch aufnähme. Der Krieg zwischen Serbien und Oesterreich wird unendliches Elend über mausende von Fami- IllM bringen. Krankheit, Armut, Demorali- s a t i o n sind die B e g l e i t e r s ch e r n u n g e n i e d e s Krieges. Wieviel Waisen, wieviel Witwen werden bald den Tod ihrer nächsten Angehö- rigen zu beweinen haben I Aber wird sich der Krieg auf Oesterreich und Serbien begrenzen lassen, wird er nicht übergreifen über die Grenzen jener Länder hinaus und das ganze Europa in em flam- mendes Schlachtfeld verwandeln? Wenn Serbien die Ver- nichtzung droht, wird Rußland nicht ruhig zusehen, eS hält sich für verpflichtet, Serbien mit feiner Waffenmacht beizu- stehen, und dann— dann ist der europäische Krieg da, denn dann will auch die deutsche Regierung eingreifen. Das alles steht auf dem Spiel. Nicht nur Oesterreichs und Serbiens Frauen gehen einer schweren Zeit entgegen, auch die deutschen müssen wissen, daß wir einem Krieg zu- treiben, wie er furchtbarer noch nicht gewesen ist, wenn nicht noch in letzter Stunde die deutsche Regierung mit aller Energie und Ueberzeugungskraft Oesterreich zum� Frieden mahnt und sich den englischen Versuchen, eine Verständigung ohne Waffengewalt herbeizuführen, klar und ohne Vor- behalt anschließt.. Jede Stunde kann uns den Krieg bringen. Sollen wir Frauen so lange untätig zusehen und uns in ungeduldiger Erwartung verzehren? Ueber Krieg und Frieden entscheiden noch nicht die Völker. Aber wir haben doch eine Aufgabe. Gegenüber den unverantwortlichen Kriegstreibern und den Demonstrationen jugendlicher un- reifer Elemente, wie sie am Sonnabend und Sonntag ln Berlin stattgefunden haben, müssen wir unsere Pflichten erfüllen. Wir müssen Aufklärung verbreiten, � musien die Lauen auf die Gefahren aufmerksam machen, die der Krieg für da? ganze Land mit sich bringt, und wo immer wir nur können den Friedenswillen deS Volkes Hervorheven und befestigen. Dadurch begegnen wir leichtfertigen Kriegs- demonstrationen und zeigen der Regierung und den Kriegshetzern, wie in Wahrheit das deutsche Volk über den »Vorwärts" Nr. 206.— Freitag, den 81. Juli 1914. Krieg denkt. Die Frauen, die am stärksten unter einem Kriege leiden, müssen die Ersten unter den Deinon- stranten für den Frieden sein. Der Drief. Komm aus dem Feld. Vater, hier ist ein Brief von unserem Peter: komm an die Haustür, Mutter, hier ist ein Brief von deinem lieben Sohn l Jetzt ist eS Herbst. Seht, wie die Bäume, die grünen, gelben und roten, lieblich kühlen Ohios Dörfer, mit Blättern flatternd im linden Winde; wie die Aepfel reif im Obstgarten hängen und die Trauben an den Neben l (Schmeckst du den Geruch der Trauben an den Reben? Riechst du den Buchweizen, wo die Bienen kürzlich summten?) Oben am Himmel alles so ruhig, so klar nach dem Regen, mit wunderbaren Wolken unten auch alles ruhig, lebensvoll und schön, und die Farm gedeiht wohl. Unten auf den Feldern gedeiht alles wobl. Doch komm aus dem Feld, Vater, komm auf den Ruf deiner Tochter; komm in den HauSgang, Mutter, an die HauStüre komm schnell! Sie lonmi, so schnell wie sie kann— Unheil bedeutend?— ihre Füße zittern, sie Mi nicht ein. ihr graues Haa-r zu glätten, noch ihre Mütze jZU ordnen. Oeffne schnell den Brief! Das ist nicht meines Sokrnes Handschrift, doch seine Unter schrift, eine fremd« Handschrift schreibt für unfern lieben Sohn— o gequältes Mutterherz, alles schwimmt vor ihren Augen— schwarze Flecken— sie hört die Hauptworte mir, abgeriflene Täde— verwundet in der Brust— Kavallerie- gefecht— in« Spital gebracht— jetzt schwach•— wird bald besser. Jetzt die einsame Gestalt im ftuchtbaren, reichen Ohio, mit all seinen Städten und Dörfern, krank und blaß im Gesicht, verwirrt im Kopfe, ohnmächtig am Türpfosten lehnend. Gräm dich nicht, Mutter(seufzend die erwachsene Tochter spricht, die kleinen Schwestern eilen herbei, sprachlos und bang), liebste Mutter, der Brief sagt: Peter wird bester. Ach. armer Knabe, er wird nie bester(noch braucht er vielleicht bester zu werden, die brave, treue Seele); während sie hier an der Tür stehen, ist er schon tot: der einzige Sohn ist tot. Doch die Mutter sollte bester sein! Sie mit schmächtiger Gestalt, jetzt schwarz gekleidet, läßt die Speisen unberührt, schläft wenig, oft erwachend, zu Mitternacht wachend, weinend, sich sehnend mit tiefer Sehnsucht, unbemerkt sich zurückzuziehen, stille dem Leben entfliehend. um zu folgen, zu suchen, zu sein bei ihrem lieben, toten Sohn. Walt W h i t m a n. Krieg ober Zrieöel Also wieder einmal Krieg? Haben wir denn überhaupt einen Frieden? Zittern wir denn nicht bei der geringsten Nachricht über irgendeine Bewegung?� Ist denn dies geständige Rüsten allerseits etwas andere» als ein immerwährendes Lauern auf ein baldiges gegenseitiges„Aufeinanderlosschlagenlönnen"? Weshalb steckt man Millionen um Millionen hinein in Gewehre und Kanonen— wenn Friede ist?... Und daZ Volk läßt man hungern?... Was wird erst im Kriege, nachdem der Frieden so viele Millionen verschlingt? Rührt Euch. Ihr Armen, im Frieden und verlangt etwas stürmisch mehr Brot— und die mit Eurem Hunger bezahlten Ge- wehre richten sich gegen Euch!... Unser heutiger Frieden ist ein bloßer Waffenstillstand; unser Krieg ein nach allen Regeln der Kunst mit allen Errungenschaften der Wissenschaft durchgeführtes Morden. Es ist ein zielsicheres. bewußte? Morden, alles daransetzend, möglichst viele junge, kräftige Menschenleben zu vernichten. Ist eS nicht lächerlich, daß„Kunst und Kultur" geschont werden sollen— daß der höchste Zweck nur sein soll:„die feindliche Armee zu schwächen"? DaS besagt mit anderen Worten, daß alles andere mehr wert sei als die„Bagatelle Menschenleben". Da« Recht, von dem man trotz aller gegenteiligen Beweise — noch immer behauptet, daß eS hier sei—, wo ist es im Kriege?., �, DaS Kriegsgericht ist an seine Stelle gerückt! Wer zieht die zur Rechenschaft, die mit kaltem Blute Hundert- tausende von jungen, blühenden Menschenleben„auf dem Felde der Ehre" verbluten heißen?... Der so viel gepriesene Tod auf dem„Felde der Ehre" � sollte er wirklich so süß seini?... Verschmachtend in Fieberhitze— hier eine Schwadron über Hunderte— noch Lebende... ein« Kugel in der Brust.... Unter dem Leib eines Pferdes mit durchschossenen Gliedern. Dem hier fehlt ein Arm— in der halbzerschossenen anderen Hand hält er das Fragment eines Briefes.... Dort hält einer das Bild seiner alten Mutter und daZ seiner jungen Liebe an die schon halb ge- brochenen Augen, mit der wahnsinnigen Sehnsucht im brechenden Herzen nach heim— mutz er sterben.... S o stirbt man aqf dem Felde der Ehr«— so..,, Wahrlich I ein süßer— ein herrlicher Todl Welche Mutter kann sich daZ ohne tiefste Empörung vor»! stellen?... Ihr Liebste?— vielleicht auch Gatte und Sohn s o sterben zu wissen.,,,_..-t §rauenstlmmrecht in üer Schweiz. Der Parteitag der Sozialdemolratie des Kantons Neuenburg beauftragte die sozialdemokratische Fraktion des Großen Rates, einen Antrag ans Einführung des Frauensttznmrecht» einzubringen, der noch durch eine Petition unterstützt werden soll. Im Monat Sep- tember sollen im ganzen Kanton herum aufklärende Vorträge ge« halten werde«. Dazu kommt gerade recht eine Veröffentlichung über die Ver- hälinisse der Arbeiterinnen und Verkäuferinnen in der Schweiz, speziell im Kanton Zürich. Die Darstellung gilt für 840 weibliche Personen, wovon 163 Verkäuferinnen. Die letzteren haben einen durchschnittlichen Arbeitstag von 1U/z Stunden, wobei die Arbeitszeit in der Stadt etwas kürzer ist al« auf dem Lande. Die Arbeiterinnen haben in- folge der Wirksamkeit des zu ihrem Schutze bestehenden Spezial- gesetzeS ein durchschnittliche tägliche Arbeitszeit von 8°/« bis 16 Stunden. Ueber die Lohnvcrhältnisse orientieren folgend« Zahlen: Beruf Bureaudienst Handel.. Putzmacherei Schneiderei. Näherei.. Glätterei.. Diese statistischen Angaben stimmen mit dem überein, waS man bisher ollgemein annahm und was man für unzulänglich hielt. Mit 36 bis 100 Fr. monatlich kann ein auf sich selbst angewiesene» Mädchen in der Stadt, wo das Zimmer allein 20 Fr. kostet, nicht auskommen. Die Folge davon ist die Prostitution, die dann ihrer« seitS wieder die Fortdauer der schlechten Lohnverhältnisse stützt. Berechnet man aus den Monatslöhnen Stundenlöhne, so ge« winnt man folgende Zahlen: Für die oben angeführten 6 Gruppen von Arbeiterinnen und Verkäuferinnen betragen die Stundenlöhne in der Stadt LS bis 48 CtS., aus dem Lande LS bis 3S CtS. und im Durchschritt 28 bis 47 Cts. In unserer Parteipresse wirb vorgeschlagen, für diese ungenügend entlohnten Gruppen des Proletariats m den Gewerkschaften besondere niedrige Beiträge einzuführen, um sie zu gewinnen und mit den höheren Beiträgen der besser entlohnten Arbeiter,«in Stück höherer Solidarität, auch für die Arbeiterinnen usw. bessere Arbeits« und Lohnverhältnisie herbeizuführen. Vom Staate wird die gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit verlangt. Es liegt im Interesse des weiteren Fortschritts und Ausstiegs der gesamten Arbeiterklasse, die Zurückgebliebenen nachzuholen, damit es auf der ganzen Linie vorwärts geht. Ist der Krieg ein absolutes Utzbel? Nein— denn er fördert 1. Kunst, 2. Wissenschaft, 3.(bitte nicht lachen!) Tugend. Das las ich in RüstowS, nun allerdings schon recht veraltetem Buche:„Kriegspolitik und Wissenschaft". Wer sich vorstellen kanp, daß in der wilden, zügellosen Gesetzlosigkeit des Krieges drei solche Blüten blühen, der kann sagen, daß an seine Phantasie nicht? her- cmreicht. Hoch lebe also auch der Mörder— er fördert die Rechtswissen. schaftl Der Mörder, der vielleicht im Rausche, im Banne einer Idee, im verzweifelten Hunger irgendeinen erschlug— man führt ihn zum Richtbeil. Kein Berauschter, kein Befangener, kein Hungernder spricht sein Urteil. Ernste, nüchterne, klardenkende Männer spreche» es. Das ist der.gesetzliche" Mord, Jus üer bürgerlichen Frauenbewegung. Fräulein ober Frau? Tie bürgerliche Frauenbewegung ist glücklich um eine„Idee" bereichert worden, die sich würdig der bisherigen Gedankenwelt anpaßt. Ueber Nacht hat sich nämlich eine sogenannte Liga gebildet, deren Aufgabe es sei, die herkömmliche Bezeichnung Fräulein au« der Welt zu schaffen; an Stelle dessen soll das einheitliche Prädikat: Frau für daS gesamte weibliche Geschlecht, gleichviel, ob verheiratet oder ledig, treten. Warum? Der Bezeichnung Fräulein, so sagen die Führerinnen der neuen Be- wegung. hafte insbesondere in moralischer und sittlicher Hinsicht etwas Unwürdiges an. In welchem Umfange und in welche» Kreisen daS besonders zutrifft, wird nicht näher begründet; jeden» falls wird eS als eine allgemeine Erscheinung vorausgesetzt. Vom Standpunkt der bürgerlichen Frauen, für die die soziale Frage restlos gelöst ist, mag die neue Bewegung in Ermangelung wichtigerer Aufgaben und Ziele Zweck und Sinn haben. Dagegen wird die proletarische Frauenbewegung, deren Befreiungskampf grundsätzlich anders gerichtet ist, für den lärmenden Kampf gegen das„Fräulein" nur ein mitleidiges, geringschätziges Lächeln übrig haben; denn die neue Bewegung richtet sich offenkundig gegen die nebensächlichsten und borniertesten Sitten des beschrgnijen Spieß» bürgertums._ Literarisches. Du und dein Kind. Herausgeber: Otto Rühle: Berk. Buchhand« lung der„Görlktzer BolkSzeitung". Heft 2: Das er. werb stätige Kind. Preis IS Pf. Das erste Heftchon dieser Sammlung haben wir nicht emp« fehlen können. Dieses zweite Heft aber wünschten wir in den Händen jeder proletarischen Mutter. Die klare Darlegung der Tatsachen im Berein mit dem Ausdruck leidenschaftlicher Eni- rüstung ist eine furchtbare Anklage der kapitalistischen Gesellschaft, deren Wucht sich kein Proletarier wird entziehen können. Ein ein- leitender Artikel stellt das Kinderglück früherer Zeit dem Lose ausgebeuteter Proletarierkinder von heute ergreifend gegenüber. Dann gibt ein längerer Hauptabschnitt, Rühles Bück„DaS proletarische Kind" entnommen, einen gut orientierenden Ueberblick über die Geschichte der Kinderausbeutung und der Kinderschutz- gesetzgcbung, über den auch heute noch erschrecklichen Umfang der Kinderarbeit und ihrer grauenbasten Folgen, demgegenüber die Hungerlöhne wie ausreizender Hobn erscheinen. Es folgt ein Ab- schnitt aus Genossen Rühles Reichstagsrede vom S. Februar 1914, in dem die Saumseligkeit der agrarierfreundlichen Regierung ins rechte Licht gerückt wird, die in zehn Jahren nicht mit einer Er- Hebung über die Kinderarbeit in häuslichen, forst- und landwirt- schaftlichen Diensten fertig werden kann. Die Würdigung der Tätigkeit unserer Kinderschutzkommissionen weist das Proletariat eindringlich auf den Weg der Selbsthilfe. Möchten doch diese Dar« legungen recht viele Arbeiter und Arbeiterinnen zur Mitarbeit a» diesem Werke veranlassen! Tie am Schlüsse übersichtlich zusammen« gestellten gesetzlichen Vorschriften über die Kinderarbeit ermöglichen eS jedem auch nicht für den Kinderschutz unmittelbar tätigen Ge- Nossen, einzugreifen, wo er immer Kindcrausbeutung beobachtet. Fritz ElSner. Frisches Fieisdi* Rindfleisch Schmorfleisch MO Schmorfleisch mK. 95 pr. Brust und Kamm.. Pfund 75 Pf. Querrippe....... Ph-d 70 Pf. Pökelbrust*™.K™h$nai 85 n. Kalbfleisch Keulen. Röcken 1 m. Keule u. Röcken MO Kamm und Brost.. pw°d 80 pc. Spitie»-4 Pt»»«.,. Phmd 1 M. tiMgMohtoiicn, Geflügel* Junge Gänse piood 70 t>i. 80 Junge Enten piund 2.25 ms 3.50 Gänsebröste...... Pfund 1.25 Gänserumpfe...... nu-d 1.05 Gänseklein... T-.. stock 80 pt. Gänsekeulen...... stock 73 pi. Gänsestöckenfleisch Pfund................. 70 Pf. Gänseliesen Pfund 1.10 Gänseleber... stuck 50 Pf. \ Räucherwaren i 1- i j Kiel. 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Johannisbeeren ph 12 Pfirsische Ptund 22, 33 Saure Kirschen...... Pfund 15 pf. Blaue Pflaumen..... Pfund 20 pf Musäpfel......... 2 ptund 35 Pf. Kochbirnen........ Pfund 15 pf. Gurken....... stock 2, 6, 10 Pf. Grüne Bohnen...... 2 pfnnd is pf. Weiß-, Rot-, Wirsingkohl««i* 5,8>Pf. Neue Kartoffeln.. jo pfnnd tjo-pt. Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 69. Der politische Hassenstreik Ein Beitrag zur Geschichte der Massenstreikdiskussionen innerhalb der deutschen Sozialdemokratie von Karl Kautsky 302 Seiten.— Broschiert 3 M. 247/15* Heines Werke . 3 Bänie 4 Jltnrt- Buchhandlung Vorwärts ReukersWerke - 3 Bände 4 Blact• Buchhandlung Vorwärts Kriegsversicherung. Volle Garantie ohne Extraprämie. Idnna zu Halle a. 8. Lebensversicherungsgesellschaft. Vermögen; 140 Millionen Mark; 98/14* davon überschüssige Fonds(besondere Sicherheit) 20 Millionen Mark. Tertranensmänncr an allen Plfttzen. 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