Ur. 209. ( 5 Pfennig) MotttagMUSgade( 5 Pfennig) nbonntmtntS'Bcdlngongcn: SffionnetnentS• preis pränumerando: ViertelZährl. S.Ss MI, monall. 1.10 MI, wöchentlich 23 Psg. frei WS Haus. Sinzeine Nummer S Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband sür Dewschland. und Oesterreich. Ungarn 2,60 Marl, für das übrige Ausland t Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien, Dänemarl. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Numänien, Schweden und die Schweiz. CridjelDt täglich. 81. Jahrg. Die Insertion!-Lebilhr beträgt sür dt« sechSgespalten« Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Psg, sür politische und gewerlschastliche Vereins- und VersammlnungS-Anzeigcn 30 Psg. „Uleine Snrelgen", daS fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes wittere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenan- zeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes wettere Wort 5 Pfg. Worte über 1b Buch- staben zählen für zwei Worte. Inseraie für die nächste Nummer müssen bis Uhr nachmittags in der Expedition gegeben werden Die Expedition ist his 7 Uhr abends geöffnet, rclegramm- ildreffe: ..SoÄÄtlilNdllNt Rernu". Zentralorgan der roztatdemokratireben Partei Deutfchlands. OBaußTNssa Redaktion: 8Al. 68, Linden Ttraße 69. Fernsprecher: Amt Moristplati, Nr.»9diZ. Montag, den 8. Anguft 1914. Expedition: 8Äl. 68» Lindenftraße 69. KernsUrrcher: Amt MoriktilnN, Nr. 1984. Die eisernen Würfel rollen! Tie Dinge nehmen ihren unerbittlichen Verlaufs Ganz Europa gleicht nach der allgemeinen Mobilisierung einem einzigen Heerlager. Die Eisenbahnen und alle anderen Ver kehrsmittel dienen jetzt dazu. Millionen von Bewaffneten nach den Stätten kriegerischer Entscheidungen zu tragen. Die ersten Vorpoftengeplänkel haben eingesetzt, bald wird die Kunde von großen Schlachten und gewaltigen Menschenopfern die Welt durchdringen. „Es ist grauenvoll, diesen weltgeschichtlichen Wahnsinn bis in seine letzten Konsequenzen auszudenken." So schrieb die„Vossische Zeitung" heute abend. Wir können ihr nur rückhaltlos zustimmen. Milliardenwcrte und unabschätzbare Kulturgüter, millionenfache Menschenkräfte und unabwägbares Menschen- glück werden jetzt einem Vernichtungswerk geopfert, dem an gigantische Größe kein gleiches in der Weltgeschichte zur Seite zu stellen ist. Söhne unseres Volkes, darunter viele Freunde unserer Sache sind es, die das blutige Ringen ausfechten müssen. Wirtschaftsleben und Familienglück liegen überall darnieder. Angesichts solcher Stürme, die auch unsere Sache, die Sache des Sozialismus, umtosen, haben wir nur einen Wunsch: Möge diese? allgemeine Völkermorden so schnell als mög- lich ein Ende nehmen, damit alle Kräfte wieder friedlicher Menschhcitskultur, vor allem aber der edlen Befreiungsarbeit des Sozialismus dienstbar gemacht werden können. Der Kampf gegen den Zarismus. In den herrschenden Kreisen weiß man sehr gut. wie wichtig bei der Führung eines Krieges die Volksstimmung ist. In den Werken unserer Militärliteratur steht darüber manche» sehr schöne und wahre Wort. Und auch der Reichstag soll dazu benutzt werden, auf den Gemütszustand des Volkes einzuwirken. Für unser« poli- tischen Verhältnisse ist es in höchstem Maße charakteristisch, daß der Gedanke, die Volksvertretung einzuberufen, von der konservativ- patriotischen Presse mit Hohn und Spott behandelt wurde. Für sie besteht das deutsche Volk immer noch aus einer Schar von Unter- tanen, die nicht erst zu fragen haben, weshalb man in den Welt- krieg ziehen soll, denen man den Patriotismus befiehlt und die dann eben auf Befehl Patrioten sind. Allein so töricht ist der Reichskanzler nicht. Er weiß als alter Kavallerist sehr gut, daß man einem Pferde, das die letzten, die äußersten Kräfte hergeben soll, vorn in den Zügeln etwas Freiheit geben muß. Und das deutsche Volk, das jetzt in den Weltkrieg gehen soll gegen Frank- reich und Rußland und wohl auch noch gegen England, kann man in dieser Situation nicht nach dem Rezept der Junker behandeln: mit Sporen und Peitsche. Im Gegenteil: man klopft ihm freund- lich den starken Nacken und redet ihm gut zu! Und nicht bloß in der Behandlung des deutschen Volkes im all- gemeinen, sondern auch in der des arbeitenden Voltes im besan- deren, der Sozialdemokratie, rückt man von der Junkermethode ab. Während die konservative Presse die stärkste Partei des Reiches zum Gaudium des Auslandes als Hochverräter beschimpft, sucht man auf der anderen Seite umgekehrt der Sozialdemokratie klarzumachen, daß der Krieg, der jetzt bevorstehe, eigentlich eine alte sozialdemo- kratische Forderung sei. Der Krieg gegen Rußland, der Krieg gegen den blutbefleckten, und, wie er seit einigen Tagen in der früher knutenbegeisterten Presse genannt wird, gegen den treulosen ZariS- mus— ist er nicht eine alte sozialdemokratische Forderung seit Anbeginn? Hat nicht Bebel sogar den Kuhfuß noch auf die Schulter nehmen wollen, wenn eS gegen Rußland ging? Und haben nicht Lassalle, Engels, Marx ihrer Zeit den Krieg gegen Rußland direkt verlangt? Also: Hurra, es lebe der Krieg gegen Rußland, der Leib- und Magenkrieg der Sozialdemokratie!— argumentiert man tatsächlich in einem Teile, und zwar in dem gescheiteren Teile der bürgerlichen Presse und beweist damit nur, wie großes Gewicht man auf die Stimmung auch desjenigen Teiles des deutschen Volkes legt, der hinter der Sozialdemokratie steht. Deswegen heißt es jetzt nicht mehr: russische Trauer ist deutsche Trauer! sondern: nieder mit dem Zarismus! freilich seitdem einst die genannten Führer der Sozial- demokratie den demokratischen Krieg gegen Rußland verlangten, Rußland keineswegs mehr bloß der Hort der Reaktion, sondern auch der Herd der Revolution geworden. Den Zarismus zu stürzen ist jetzt die Aufgabe des. russischen Volkes im allgemeinen und des russischen Proletariats im besonderen geworden, und wie rüstig gerade die russische Arbeiterklasse jetzt diese ihr durch die Geschichte gewordene Aufgabe anpackt, des sind gerade die letzten Wochen wieder Zeuge gewesen. Erst vorgestern meldete die Presse, daß in 35 Städten Rußlands die Revolution ausgebrochen sei. Mag das übertrieben oder verfrüht sein: daß Väterchen auf einem glühenden Vulkan sitzt, daß weiß niemand besser als er selber. Und alle nationalistischen Hetzversuche der echtrussischen Leute, den Haß der Massen von dem Zarismus abzuwenden und eine reaktionäre Hetze gegen das Ausland, vor allem gegen Deutschland, zu entfesseln, sind bis jetzt fehlgeschlagen. Zu gut weiß das russische Proletariat, daß sein Feind nicht jenseits der Grenzen, sondern im eigenen Lande sitzt. Nichts war den nationalistischen Hetzern, den Echtrussen und Panstawisten, unangenehmer, als die Nachricht von den großen Friedensdemonstrationen der deutschen Sozialdemokratie. O, wie hätten sie aufgejubelt, wenn daS Gegenteil der Fall ge- Wesen wäre, wenn sie dem revolutionären russischen Proletariat hätten sagen können: waS wollt Ihr? Die deutsche Sozialdemo- kratie steht an der Spitze der Kriegshetzer gegen Rußland! Und Väterchen in Petersburg hätte alpbefreit aufgeatmet: Das war die Nachricht, die ich brauchte! Jetzt ist der russischen Revolution, meinem gefährlichsten Feinde, das Rückgrat gebrochen! Die internationale Solidarität des Proletariats ist zerrissen! Jetzt kann ich die nationalistische Bestie entfesseln! Ich bin gerettet.-• Der Reichstag. Berlin, 2. August. Tie Eröffnungssitzung beS Reichstages findet im Weißen Saale um 1 Uhr am Dienstag, den 4., statt. FraktionSsitzung: Konservative: Montag abend 7 Uhr, Reich». Partei Dienstag um 2H Uhr nachmittags, Zentrum DienStag um 11 Uhr vormittag, Nationallibcrale Montag um 7 Uhr abend», Frei- sinnige Montag um 7 Uhr abends, Sozialdemokraten Montag um 11 Uhr vormittag?. Die erste Plenarsitzung beginnt DienStag nachmittag um 3 Uhr im ReichStagsgebäude. Sicherem Vernehmen nach wird dem am Dienstag zu- sammentretenden Reichstag ein Gesetzentwurf über die Ein- führung von Höchsttaxen für den Verkauf von Lebensmitteln vorgelegt werden. Dir nächsten Arbeiten des Reichstages. Berlin, 2. August.(W. T. B.) Dem Reichstag wird bei seinem Zusammentritt am nächsten Dienstag eine Anzahl von Gesetzentwürfen vorgelegt werden, deren schleunige Verabschiedung durch die kriegerischen Ereignisse geboten ist. Sie betreffen Angelegenheiten finanzieller, rechtlicher und wirtschaftlicher Art. Vor allen Dingen wird der Reichskanzler ermächtigt wer- den müssen, die zur Be st reitung des Kriegs- bedarfs nach Verbrauch der verfügbaren Summen weiter erforderlichen Mittel flüs- sigzumachen. Ferner sollen zwecks besserer Befriedigung des Kreditbedürfnisses Darlehnskassen errichtet wer- den, wie sie sich bereits in den Jahren 1866 und 1870 bewährt haben. Tie Vorschriften über die Notensjeuer und Noten- deckung sowie über den Verkehr mit Reichskassenscheinen, Reichs- und Privatbanknoten werden Aenderungen erfahren müssen, um den Verkehr mit den Zahlungsmitteln den außer- gewöhnlichen wirtschaftlichen Bedürfnissen anzupassen. Auf rechtlichem Gebiete wird ein Gesetz den Schutz der- jenigen Personen zu regeln haben, die infolge des Krieges in der Wahrnehmung ihrer Rechte behindert sind. Das soll in Anlehnung an die bewährten Vorschriften des entsprechen- den Gesetzes vom 21. Juli 1870 geschehen. Daneben werden durch ein besonderes Gesetz die Fristen des Wechsel- und Scheck- rechts zu verlängern sein. Ein weiteres Gesetz soll einzelne Handhaben schaffen, um die weitgehenden Veränderungen, die der Arbeitsmarkt infolge des Krieges erleiden muß, nach Mög- lichkeit auszugleichen. Zur Abwendung gemeiner Not ist es ferner erforderlich, daß auf Grund eines besonderen Gesetzes der wucherischen Ausbeutung der gegenwärtigen Verhältnisse durch die Händler mit den Gegenständen des täglichen Bedarfs, wie Nahrungs- und Futtermitteln, Naturprodukten, Heiz- und Leuchtstoffen und dergleichen, mit Nachdruck entgegengetreten werden kann. Schließlich sollen die Unterstützungen, die das Gesetz vom 28. Februar 1888 für die Familien der in den Dienst einge- tretenen Mannschaften vorsieht, in den Grenzen des Möglichen erhöht werden. Sämtliche Gesetzentwürfe haben am 1. August 1911 die Zustimmung des Bundesrats gesunden, Abbruch der diplomatischen öeziehungen mit Rußland. Berlin, 2. August. Dem russischen Botschafter von Swerbejew sind die Pässe zugestellt worden. Ferner wird amtlich gemeldet: Nachdem die Kunde von der allgemeinen russischen Mobil- machung hierher gelangt war, ist der deutsche Botschafter in Peters- bürg beauftragt worden, die russische Regierung aufzufordern, die Mobilmachung gegen uns und unseren österreichischen Bundes- genossen einzustellen und hierüber eine bündige Erklärung binnen zwölf Stunden abzugeben. Dieser Auftrag ist nach Meldung des Grafen PourtaleS in der Nacht vom 31. Juli zum 1. August um Mitternacht ausgeführt worden. Falls die Antwort der russischen Regierung eine unge- nügende sein sollte, war der deutsche Botschafter ferner beauf- tragt, der russischen Regierung zu erklären, daß wir unS als mit Rußland im Kriegszustand befindlich betrachten. Die Meldung des Botschafter« über die Antwort der russischen Regierung auf unsere befristete Anfrage ist hier nicht eingelaufen, ebensowenig eine Nachricht über die Ausführung des zweiten Auf- trageS, obwohl wir konstatiert haben, daß der russische Telegraphen- verkehr, noch funktioniert.,-, �, � Kopenhage», 2. August. RitzauS Bureau meldet aus Petkk?» bürg vom 1. August: Der deutsch« Botschafter hat um 7 Uhr 30 Minuten abends im Namen seiner Regierung dem russischen Minister des Auswärtigen die Kriegserklärung über» m i t t e l t. Notiz von W. T. B. Eine amtliche Meldung des deutschen Botschafters in Petersburg ist an hiesiger zuständiger Stelle noch nicht eingegangen. Verhängung deS Kriegszustandes über Petersburg. London, 1. August. Wie daS Reutersche Bureau aus Petersburg meldet, ist in Petersburg und Umgegend der Kriegszustand erklärt worden. deutschlanö unö Frankreich. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich sind noch nicht abgebrochen. Die Antwort der französischen Regierung auf die Anfrage,� wie die Republik sich im Falle eines deutsch-russischen Krieges zu verhalten ge- denke, ist in Berlin eingetroffen: aber sie ist ausweichend ge- halten. Die französische Regierung erklärt, daß sie bereit sei, ihre Bundcspflicht gegen Rußland zu erfüllen, vermeidet aber eine bestimmte Erklärung über ihre Absichten gegenüber Deutschland. Ein Aufruf der französischen Regierung. Paris, 2. August. Der Präsident und die Mitglieder der Regierung haben einen Aufruf an das französische Volk erlassen, in-dem es heißt: Seit einigen Tagen habe die Lage Europa? sich wesentlich verschlimmert und trotz der Anstrengungen der Diplo- matie habe sich der Horizont verfinstert. Die meisten Nationen mobilisieren, selbst neutrale Staaten, um die garantierte Neu- tralität zu schützen. Frankreich, das seine friedlichen Absichten kundgegeben und im Verlaufe der letzten tragischen Tage Europa den Rat zur Mäßigung und ein lebendige» Beispiel der Ver- ständigkeit gegeben habe und seine Anstrengungen zur Erhaltung des Weltfriedens verdoppelte, habe sich auf alle Eventualitäten vorbereitet und jetzt die ersten unerläßlichen Maßnahmen zum Schutze seines Gebietes getroffen, eingedenk seiner Verantwortung und in dem Bewußtsein, daß es eine geheiligte Pflicht verletze, wenn es die Dinge ließe, wie sie sind. Die Regierung habe die Anordnung getroffen, die die Lage gebiete. Mobilisation bedeute nicht Krieg. Im Augenblick erscheine sie im Gegenteil daS beste Mittel, den Frieden in Ehren zu erhalten. Schließlich sagt das Manifest: Die Regierung hoffe noch, eine friedliche Lösung zu erzielen. Sie rechne mit der Kaltblütigkeit der Nation und zähle auf den Patriotismus aller Franzosen, die alle bereit seien, ihre Pflicht zu tun. In dieser Stunde gibt es keine Parteien, nur ein einiges, friedliches und entschlossenes Frankreich, das Vaterland des Rechts und der Gerechtigkeit, in Ruhe, Würde und Wachsamkeit geeint. Eine Regierungskundgebung zur Ermordung Jaurbs. Wie dem„Berliner Tageblatt" über London aus Pari? gemeldet wird, hat die Regierung folgende vom Minister- Präsident V i V i a n i unterzeichnete Proklamation anschlagen lassen� „Bürger, ein verabschemmgSwurdigcs VerbreNen ist gc- schclicn. I a u r ö s, der glänzende Redner, der die sranzösische Tribüne zierte, ist meuchlings ermordet worden. Ich und mit mir meine Amtsgenossen verneigen uns vor dem An- denken diese» republikanischen Sozialisten, der eine so edle Sache verfochten, und der in den gegenwärtigen schwierigen Augenblicken mit seiner Partei im Interesse des Friedens alles getan hat. waS möglich war. In dieser schweren inter- nationalen Krisis vertraut die Regierung auf den Patriotis- uius der gesamten arbeitenden Klassen!" Das verhalten der neutralen Staaten. Norwegen bleibt neutral. Kristiania, 2. August. Laut einer heute erlassenen könig- lichen Verordnung ist beschlossen worden, daß Norwegen während des jetzigen Krieges eine vollkommene Neutralität beobachten wird. Kriegskredite und Ausfuhrverbot in Holland. Haag, L. August. Die Regierung fordert von den General- staaten einen Ergänzungskredit von 50 Millionen Gulden für außerordentlich« Kosten, die durch die Mobilmachung verursacht werden. Außerdem schlägt die Regierung eine Aenderung deS Gesetzes betreffend das Ausfuhrverbot für gewisse Artikel vor, um das Ausfuhrverbot für Lebensmittel, tierische Produkte, Wagen, Auto- inobile und Fahrräder zu ermöglichen. Belgien. vriissel, 2. August. Die Regierung hat ein Dekret auf Aus- gäbe von 100 Millionen Fünffranknoten ausgegeben.— Die Regierung hat die Neutralität Belgiens erklärt. Dt« Polizei beschlagnahmte die Zeitung„Le Petit bleu" wegen eine» g«gen Deutschland gerichteten Schmähartikels, der die Deut- schen mit Barbaren vergleicht und mit dem AuSruf„Vive la France" schließt. Die Durchführung der Mobil- machung. Der 2. August 1914 gilt als erster Mobilmachungstag. Der 3. August 1914 gilt als zweiter Mobilmachungstag. Der 4. August 1914 gilt als dritter Mobilmachungstag. Ter 5. August 1914 gilt als vierter Mobilmachungstag.' Der 6. August 1914 gilt als fünfter Mobilmachungstag und so weiter fort. Alle Offiziere, Sanitätsoffiziere, Beamte, Unteroffiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes einschließlich Er- sabreserve haben ihre häuslichen Angelegenheiten zu ordnen und ihrer Kriegsbeorderung, ohne anderweitigen Befehl abzu- warten, Folge zu leisten. 2. Die etwa außer Kontrolle stehenden Mannschaften, sowie diejenigen, welche von auswärtigen Bezirkskommandos, vom Truppenteil oder anderen Kommandobehörden kommend, sich bisher noch nicht beim Bezirksfeldwebel angemeldet haben, haben sich sofort bei ihrem zuständigen Bezirkskom- ■— mtmbo unter Vorlage ihrer Militärpapiere zu melden, und zwar mündlich: bei der zu diesem Zwecke besonders eingerichteten Anmeldestelle in Schöneberg, Kolonnenstratze 23, schriftlich:$. B.„An die Anmeldestelle des Bezirkskom- mandoS 1 Berlm in Schöneberg, Kolonnenstraße 23". Wer dieses unterläßt, wird nach den Kriegsgesetzen streng bestraft. 3. Mannschaften, denen im Frieden eine Paßnotiz behän- digt ist, haben einen besonderen Befehl zu erwarten. Jede Wohnungsveränderung dieser Mannschaften ist binnen 18 Stunden dem zuständigen Bezirksfeldwebel zu melden. Wer diese Meldung unterläßt, wird nach den Knegsgesetzen bestrast. 4. Inaktive Offiziere, Sanitätsoffiziere und obere Mili- tärbeamte sowie Zivilärzte, welche sich noch nicht zur Ver- Wendung bereit erklärt haben, sowie die nicht mehr dem Be- urlaubtenstande angehörigen Büchsenmacher und Unteroffi- ziere, welche für die Dauer des mobilen Zustandes freiwillig wieder in den Dienst treten wollen, werden aufgefordert, sich bis zum 5. Mobilmachungstage unter Mitbringung ihrer Per- sonalpapiere bei dem zuständigen Bezirkskommando in den neuen Dienstgebäuden auf dem Tempelhofer Felde, General- Pape-Straße, zu melden. 5. Die Einberufenen haben sich an ihren Gestellungsort zu begeben, ohne irgendwelche Gebührnisse vorher zu emp- fangen. Dieselben sind zur freien Eisenbahnfahrt ohne Lösung einer Fahrkarte und ohne vorherige Anstage an dem Schalter berechtigt, lediglich auf Grund der Vorzeigung der .Kriegsbeorderung oder anderer Militärpapiere oder auf Grund der mündlichen Erklärung dem Bahnsteig- oder Zug- beamten gegenüber. Kriegsfreiwillige haben eine Bescheini- gung der Polizeibehörde über Zweck und Ziel der Reise vorzu- zeigen. Die Zahlung der zustehenden Gebührniste erfolgt nach- träglich beim Truppenteil. Berlin, den 1. August 1914. Königliche BezirkSkomwandos I, II., III., IV.. V. u. VI. Berlin. Einberufung öes Landsturms. Berlin, 2. August. Eine Kaiserliche Verordnung be- treffend den Aufruf des Landsturms vom 1. August 1914 besagt: Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen usw. verordnen auf Grund des Artikels II§ 25 des Gesetzes betreffend Aenderungen der Wehrpflicht vom 11. Februar 1888 im Namen des Reichs was folgt: In den Bezirken des 1., 2., 5., 6., 8., 9., 10., 14., 15., 16., 17., 18., 20. und 21. Armeekorps ist nach näherer Anordnung der zuständigen kommandierenden Generale der Landsturm aufzurufen. Gegenwärtige Verordnung tritt am Tage ihrer Ver- kündung in Kraft. Nicht einberufen worden ist vorläufig der Landsturm des 3. Armeekorps-Bezirkes(Berlin und Provinz Brandenburg), des 4. Armeekorps(Provinz Sachsen), deS 7. Armeekorps (Westfalen), des 11.(Hessen), deS 12. und 19.(Königreich Sachsen), sowie des 13.(Königreich Württemberg) Armee- korps. Die Landsturmpflichtigen der von der Einberufung be- trosfcncn Armeekorpsvezirke haben auf die kommenden Be- kanntmachungen der kommandierenden Generäle zu achten. Im allgemeinen kann der Landsturm nach Jahresklassen, mit der jüngsten beginnend, einberufen werden. Die Land- sturmpflicht geht bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres. Sie Eröffnung der Zeinöfeligketten. M öer Gstgrenze. Wolffs Telegraphenbureau verbreitet folgende durch die Presseabteiluug des Großen Generalstabes übermittelte oder genehmigte Meldungen: 1. Heute Nachch hat Angriff russischer Patrouillen gegen die Eisenbahnbrücke über die Warthe bei Eichenried(an Strecke Jarotschin— Wrcschen) stattgefunden. Der Angriff ist abgewiesen. Deutscherseits zwei leicht Verwundete. Ver- luste der Russen nicht festgestellt. Eine von den Russen gegen den Bahnhof Miloslaw ein- geleitete Unternehmung ist verhindert worden. 2. Ter Stationsvorstand Johannisburg und die Forstver- waltung Bialla melden, daß heute Nacht(1. zum 2.) stärkere russische Kolonne mit Geschützen die Grenze bei Schwidden (südöstlich Bialla) überschritten hat und daß zwei Schwa- dronen Kosaken Richtung Johannisburg reiten. Die Fern- sprechverbindung Lyk— Bialla ist unterbrochen. Königsberg, 2. August. In Eydtkuhnen sind russische Patrouillen eingeritten. Das Postamt Bilderweitschen ist nach sicherer Meldung zerstört. Der Feind überschritt die Grenze an vielen Stellen. Berlin, 2. August. Auf der Thorner � Eisenbahnbrücke versuchte ein Mann vom Zuge aus eine Bombe zu werfen. Er wurde aber vorher dingfest gemacht. Tie ersten Scharmützel. Allenstein, 2. August, 6 Uhr nachmittags. Bisher sind im allgemeinen an der Grenze nur kleinere Kavalleriegefechte. Johannisburg, das von einer Eskadron Dragoner-Rcgi- ment 11 besetzt ist, wird augenblicklich angegriffen. Die Bahn Johannisburg— Lyck bei Glitten unterbrochen, ebenso Stichbahn nach Dlottowen. Verluste bisher auf russischer Seite etwa 20 Mann, auf deutscher Seite nur mehrere Leichtver- wundete. Tto öer westgrenze. Ueber Vorgänge an der deutsch-französischen Grenze liegen vorläufig nur wenig Meldungen vor. Das, was durch den offiziösen Draht verbreitet wird, schreit geradezu nach einer Kritik. Da aber zurzeit die militärischen und Kriegs- Nachrichten der Presse von den Militärbehörden streng beauf- sichtigt werden, müssen wir uns eine Kritik versagen. Die offiziell verbreiteten Meldungen lauten: Koblenz, 2. August. Der Regierungspräsident von Düsseldorf meldete, daß heute vormittag 80 französische Offiziere in preu- ßischer Uniform in zwölf Kraftwagen die preußische Grenze bei Walbeck westlich Geldern zu überschreiten versuchten. Der Ver- such mißlang. Berlin, 2. August. Soeben läuft die militärische Meldung ein, daß heute vormittag französische Flieger in der Umgebung von Nürnberg Bomben abgeworfen haben. Da eine Kriegserklärung zwischen Frankreich und Deutschland bisher nicht erfolgt ist, liegt ein Bruch des Völkerrechts vor. Diese Nürnberger Fliegermeldung hatte ein eigenartiges Schicksal. Sie wurde den Zeihingen in der obenstehenden Form übermittelt. Eine halbe Stunde später kam eine Mitteilung des Wolffschen Bureaus, daß diese Mel- dung„unter keinen Umständen" gebracht werden dürfe. Drei- viertel Stunden darnach erklärte das Bureau, die Mitteilung könne doch gebracht werden. Luxemburg von öeutsthen Truppen besetzt. Amtlich wird bekanntgegeben, daß Luxemburg zum Schutze der dort befindlichen Eisenbahnen von Truppenteilen des 8. Armeekorps besetzt worden ist Das Großherzogtnm Luxemburg ist selbstverständlich ein neutraler Staat. In der Stadt Luxemburg befinden sich aber deutsche Bahnanlagen. Der Feind in der Luft? Berlin, 2. August. In der Nacht vom 1. zum 2. August wurde ein feindliches Luftschiff in der Fahrt von Körprich nach Andernach beobachtet. Feindliche Flugzeuge wurden von Düren auf Köln beobachtet. Sin französisches Flugzeug wurde bei Wesel heruntergeschossen. In der gleichen� Nacht machten ein Kochemer Gastwirt und sein Sohn einen Versuch,' den Kochemer Tunnel zu sprengen. Dies miß- lang. Beide wurden erschossen. der Seekrieg. Berlin» 2. August. Der kleine Kreuzer Augsburg meldet um 9 Uhr nachmittags durch Funkspruch: Bombardiere Kriegshafrn Libau, bin im Gefecht mit feindlichem Kreuzer, habe Minen ge- legt, KrtegSHafen Libau brennt. politisthe Ueberstcht. «Vertagung des bayrischen Landtags. Der bayerische Landtag ist infolge des Kriegsausbruchs ver- tagt worden. Eine Fülle wichtiger Geschäfte bleibt unerledigt. Die Präsidenten der beiden ftaminern ließen sich natürlich die Gelegenheit zu patriotischen Ansprachen nicht entgehen. In der Kammer her Abgeordneten hielt eS überdies auch noch der Abgeord. nete Held, der Borsitzende der Zentrumsfraktion, für angebracht. eine Kriegsrede zu halten. Ein Zentrumsantrag hatte noch in letzter Stunde ein Gesetz gefordert, des Inhalts, daß die Leichtbestraften durch eine „Amnestie" zu Erntearbeiten freizugeben und auch die Staat». arbeiter für diesen Zweck heranzuziehen seien. Der Antrag fand Annahme. Bei dem Schlußhoch in der Zweiten Kammer hatte die sozial» demokratische Fraktion den Sitzungssaal bereits verlassen. Nur ein Abgeordneter, Dr. von Haller, soll, nach Berichten der bürger- lichen Presse, stehend da? Hoch mit angehört haben., Herrn KermS Memento. Von meuchelnder Mördechand fiel Jean Jaures. Selbst ein Scharfmacherblatt, wie die„Berliner Neuesten Nachrichten" muß von ihm erklären:„eine geistige Macht, eine euro- p ä i s ch e E r s ch e i n u n g". Generalmajor Keim weiß im roten„Tag" zu der scheuß- lichen Bluttat nichts weiter zu sagen als:„ein deutliches Me- mento für die Sozialdemokratie". Kein Wort der Anerkennung für den Mann, der doch der größten einer war. Kein Wort aber auch des Bedauerns für die Tat, der Verurteilung für den Mörder. Nur eine Drohung an die Partei des Völkerfriedens: Wie jenem, so wird es auch Euch ergehen. Nehmt Euch in Acht! Was hätte der� Herr Generalmajor Keim wohl gesagt, wenn ein sozialdemokratisches Blatt zu der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand nichts anderes zu sagen gehabt hätte als:„Aus dieser Ermordung spricht ein deutliches Memento für die Fürsten?" Kein sozialdemokratisches Blatt hat so geschrieben, würde das schreiben. Aber Herr Keim darf es, wenn es sich um einen Sozialisten handelt, und sei es auch um„eine geistige Macht, eine euro- päische Erscheinung". Raserei. Die Nachricht von der Mobilisation, von dem Kriegsaus- bruch hat die„Post" vollends zum Rasen gebracht. Wie e i n blutgieriges Tier keucht sie, aller Menschlichkeit bar, kaum noch erträglich menschlichen Ohren: „Schmeißt die Feinde zuschandcn! Haut die Schädel in Stücke, die euch und uns allen Uebles ansinneu! Seid unbarmherzig, wie es die Stunde fordert!" So ruft das Blatt der scharfmacherischen Intelligenz den Ausziehenden zu. Und schließt den Absatz mit den Worten: „Mit Gott für König und Vaterland!" Mit Gott... Wie heißt es doch in der Bibel, Matth. V, Vers 7?„Selig sind die Barmherzigen..."—„Seid unbarmherzig, wie es die Stunde fordert..." Für den namenlosen Jammer, den die Mobilmachung mit sich bringt, hat die christlich-deutsche„Post" kein Gefühl: „Wenn jetzt zwei Dutzend alte Weiber auf der Straße zusammenstehen und flennen, so soll man sie auseinander- zagen. Ihr Anblick ist nicht rührend, sondern entwürdigend." „Selig sind, die da Leid tragen, denn..."„so soll man sie auseinanderjagen". Unsere Kultur strahlt hoch und weit. Unten, in den Tiefen des Volkes zwar, bei den Proletariern, da herrscht der Unver- stand und die Gemeinheit...„nicht rührend, sondern ent- würdigend"... Um so leuchtender aber strahlt das Licht der reinen, edlen Menschlichkeit aus von jenen, die an der Spitze stehen, den berufenen Führern des Volkes, den Abonnenten der„Post" und ihrer geistesverwandten Geschwister! Eine Aktion zur Arbeitsvermittelung auf dem Lande mit Unterstützung der Gewerkschaften. In der gegenwärtigen Situation leidet die Landwirtschaft unter großem Mangel an Arbeitskräften. Viele in Deutschland beschäftigten ausländischen Landarbeiter sind in ihre Heimat zurück- berufen worden. Die Ernte steht reif auf dem Felde. Die Einbringung der Ernte ist nicht allein für die Landwirtschaft eine dringende Frage, sondern die Nichteinbringung der Ernte würde im KriegSzustanoe eine Hungersnot im Gefolge haben. DieS zu vermeiden liegt im Interesse auch der Arbeiterschaft. In dieser außerordentlich mißlichen Lage, in der sich die Land- Wirtschaft befindet, hat daS Reichsamt des Innern, anscheinend im Einverständnis mit den übrigen Bundesstaaten, Schritte eingeleitet, um die in der Industrie frei gewordenen Arbeitskräfte für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. ES ist beabsichtigt, mich eventl. die Frauen und Kinder der im Felde Stehenden für diese Arbeiten heranzuziehen. Das Reichs- amt des Innern hat zu diesem Zweck mit den Gewerkschaften verhandelt. Die Generalkommifsion hat durch ihre Vertreter bei dieser Verhandlung erklären lassen, daß sie diese Aktion umerstützt. Im gleichen Sinne hat auch eine am Sonntagnachmittag tagende Konferenz der Vorstände der deutschen Gewerkschaften beschlossen. Bei der Erörterung im Reichsamt des Innern ist von Vertretern der Generalkommiision erklärt worden, daß dieses Unternehmen nur Aussicht auf sicheren Erfolg hat, wenn durch einen Normal- vertrag die Löhn« festgesetzt und die Arbeiter nicht unter die Be- stimmungen der Gesindeordnung gestellt werden. Die Arbeits- Vermittlung ist so gedacht, daß die rein mechanische Vermittlung durch die öffentlichen Arbeitsnachweise erfolgt, daß die Vermittlung aber nur dann geschieht, wenn der Landwirt die im Normalvertrag festgesetzten Löhne und Arbeitsbedingungen anerkennt. Bei der Annahme und Ueberstedlung der Arbeiter nach dem Lande werden Funktionäre der Gewerkschaften, die die Arbeitsvermittlung leiten, diesen mit Rat und Tat zur Seite stehen und dauernd auch mit ihnen in Verbindung bleiben, um die bestimmten Löhne und Ar- beitSbedingungen zu überwachen. Sekanntmschungen für Mobil- machung unS Kriegszustanö. Die Familiemmtcrstütznng im Kriege. Die Familienunterstützung der Mannschaften� die von der Mobilmachung betroffen sind, wird folgendermaßen geregelt: I. Die Familien der zu den mobilen Truppenteilen einberufenen Mannschaften der Reserve, Landwehr, Ersatzreserve, Seewehr und des Landsturmes sowie derjenigen Mannschaften, welche zur Disposition der Truppen-(Marine-) Teil« beurlaubt sind und derjenigen, welche das wehrpflichtige Alter überschritten haben und freiwillig in den Dienst eintreten, erhalten im Falle ihrer Bedürftigkeit Unterstützungen nach näherer Bestimmung de? Gesetzes vom 28. Februar 1888. II. Anspruch auf diese Unterstützungen haben im Falle der Be- dürftigkeit «) die Ehefrau des Eingetretenen und dessen eheliche und den ehelichen gesetzlich gleichstehende(legitimierte) Kinder unter 15 Jahren, sowie b) dessen Kinder über 15 Jahre, Verwandte in aufsteigender Linie(Eltern, Großeltern des Eingetretenen) und Geschwister, insofern sie von ihm unterhalten wurden oder daS Unterhaltungsbedürfnis erst nach erfolgtem Dienst- eintritt desselben hervorgetreten ist. Unter gleichen Voraussetzungen wie bei b kann den Ver- wandten der Ehefrau in aufsteigender Linie(Schwiegereltern) und ihren Kindern auS früherer Ehe eine Unterstützung zu- gebilligt werden. Entfernteren Verwandten und geschiedenen Ehefrauen steht keinerlei Unterstützungsanspruch zu. Uneheliche Kinder des Eingetretenen erhalten ebenfall» keine Unterstützung au» Reichsmitteln, unter gewissen Umständen aber eine solche au» Gemeindemitteln.___ III. Anträge auf Unterstüßung find nur bei derjenigen Steuerfasse I Wir erwarten aber auch in dieser schicksalsschweren I gelten für alle Gemeinden Groß- Berlins. If fomit an - und zwar möglichst mündlich anzubringen, in deren Be- Stunde, zirk der Bedürftige seine Wohnung hat. Etwaige schriftliche Stunde, daß nicht diese wirtschaftliche Schwächung der Ar- reichend Fürsorge getroffen, daß die Lebensmittelversorgung nicht ins Stocken gerät. Die Bevölkerung sei aber nochmals Gesuche müssen die genaue Angabe der Wohnung des Be- beiterklasse ausgenützt wird, um die Löhne herabzudrücken und bringend gebeten, nicht durch unnötige Vorratsfäufe zu einent dürftigen enthalten, weil ohne diese Angabe die Bearbeitung unwürdige Anforderungen an die Arbeiterschaft gestellt Steigen der Lebensmittelpreise beizutragen. Ueber lokale des Gesuches verzögert oder unmöglich wird. werden. Maßnahmen für Charlottenburg wird die morgen zusammenIV. Die Steuertassen in Berlin find zur Entgegennahme von UnterUnterstügungsgesuchen und zur Auszahlung der Lebensmittelteuerung Bestimmungen treffen. Wir hoffen, daß die Arbeiterschaft zu ihren Organi- tretende Deputation zur Beratung von Maßnahmen gegen die stützungen bis auf weiteres geöffnet von 9 bis 12 Uhr vor- sationen steht und sie über eine Zeit der schwersten Prüfung Die Bildung von Komitees für die Unterstützung der mittags und 4 bis 7 Uhr nachmittags. lebensfähig erhält und die Solidarität der Arbeiterschaft sich Angehörigen der in das Feld Einberufenen ist in Charlotten burg bereits eingeleitet. in alter Treue bewährt. V. Bei Stellung des Antrages müssen vorgelegt werden: 1. der nach erfolgter Einstellung ins Regiment von letterem unterschriebene Ausweis zur eventuellen Unterstügung. 2. diejenigen Urfunden, welche die Verwandtschaft des Be. dürftigen mit dem Eingetretenen dartun( also zum Beispiel bei Ehefrauen die Heiratsurkunde, bei Kindern deren Geburtsurkunden usw.) Anträge ohne gleichzeitige Vorlegung der Bescheinigung des Regiments müssen unberüdsichtigt bleiben. Die Prüfung der Bedürftigkeitsfrage erfolgt in Berlin durch den zuständigen Bezirksvorsteher. Eine Auskunftstelle der Marine. Berlin, 1. August. Der Staatssekretär des Reichsmarineamis veröffentlicht folgende Bekanntmachung: boten. Einschränkung des Postdienstes. Berlin, den 2. August 1914. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands! Aus Groß- Berlin. Gegen die Preistreiberei für Lebensmittel. Der Oberbefehlshaber in den Marken veröffentlicht gegen die erfolgte Herauffezung der Preise für Lebensmittel folgende Bekanntmachung: An einigen Verkaufsstellen sind, wie mir berichtet wird, Lebensmittel, insbesondere Mehl und Sala, zu übertrieben hohen, durch die Lage des Marktes in feiner Weise gerecht fertigten Preisen verkauft worden. Nach einem von dem Magi strat der Haupt- und Residenzstadt Berlin und der Handels fammer in Berlin eingeholten Gutachten find unter Berück fichtigung eines vollen handelsüblichen Gewinns für den Vertäufer zurzeit die höchsten, den Umständen nach angemessenen und zulässigen Preise: für ein Pfund Roggenmehl 27 Bf., für ein Pfund Weizenmehl 30 Pf., für ein Pfund Salz 20 Bf. Ich bestimme hiermit, daß in dem Gebiet des ZweckverAufhebung der Sonntagsruhe. Eine bereits am Sonnabend erlassene Bekanntmachung Nachdem Seine Majestät der Kaiser und König heute. Im Zeichen der Mobilmachung. stand gestern, dem ersten Mobilmachungstage, das Leben Berlins und der Vororte. Das zeigte sich besonders auf den Bahnhöfen. Der Stettiner Bahnhof war für das Publikum Beim Reichsmarineamt in Berlin ist für die Dauer des Krieges im allgemeinen so gut wie gesperrt. In seinen Hallen, auf ein Zentralnachweisebureau für die Marine eingerichtet worden. den Steigen sowohl wie im Kellergeschoß, lagerten noch Berge Dasselbe erteilt Auskunft oder vermittelt die Auskunftserteilung von Gepäckstücken von den Reisenden, die am Tage vorher über alle Personen der eigenen oder berbündeten Marine sowie nach der Bekanntmachung der Mobilmachung in den Ostseeüber die Gefangenen der feindlichen Seeftreitkräfte. Auch ver- bädern von dort eiligst aufgebrochen und nach Berlin zurück- bandes Groß- Berlin in gewerblichen Verkaufsstellen Mehl und mittelt dasselbe die Beurkundung der Sterbefälle von Angehörigen gefehrt waren. Nur Angehörige von Eingezogenen, die Ab- Salz zu höheren Preisen nicht verkauft werden dürfen. Für der Marine, für welche ein zuständiger Standesbeamter in Infchied nehmen wollten, wurden zugelassen. Auf der Station die festgesetzten Preise müssen alle gesetzlichen Zahlungsmittel, lande nicht vorhanden oder nicht zu ermitteln ist. Die Adresse des Friedrichstraße wimmelte es neben aktiven und Reserve- und insbesondere auch Reichsbanknoten, zu vollem Wert in Bah Nachweisebureaus ist folgende: An das Zentralnachweisebureau des Neichsmarineamts Berlin W. 10, Königin.Augufta- Straße 38/42. Landwehroffizieren in der feldgrauen Uniform von Fremden lung genommen werden. Verkaufsstellen, deren Inhaber aus allen Ländern: Russen, Franzosen, Engländern usw. diesen Bestimmungen zuwiderhandeln, sind von der PolizeiGanze Familien sah man dort mit fleinen und kleinsten Kin- behörde zu schließen. Sollte bei anderen Lebensmitteln eine Das Reichspostamt macht folgende Beschränkungen im Boft sollten. Viele fuhren dann auch mit zwei Rügen, die abge- ich mir bezüglich dieser gleiche Anordnung vor. Schon jetzt dern auf die Züge warten, die sie an die Grenze bringen ähnliche ungerechtfertigte Preistreiberei erfolgen, so behalte Telegraphen- und Fernsprechverkehr bekannt: Von jetzt ab werden nach dem Ausland und den deutschen Schutz- lassen wurden, von Berlin weg, viele aber blieben doch zurück, find die Polizeibehörden beauftragt, falls in einer Berkaufsgebieten mit nachstehend aufgeführten Ausnahmen nur noch weil sie fürchteten, nicht mehr über die Grenze zu kommen. stelle offenbar wucherische Preise für irgendwelche Lebensoffene Postsendungen in deutscher Sprache ange- Das gleiche Bild bot sich auf dem Potsdamer, dem Lehrter mittel gefordert werden, die betreffende Berkaufsstelle sofort nommen und befördert. Patete sind nicht mehr zulässig. und dem Schlesischen Bahnhof. Private Mitteilungen in geheimer( chiffrierter oder verabreketer) zu schließen." In der Kolonnenstraße in Schöneberg herrschte von früh Sprache oder in anderer als deutscher Sprache, ferner solche über an ein ununterbrochenes Kommen und Gehen. Hier hatten Rüstungen, Truppen- oder Schiffsbewegungen oder andere milt die Bezirkskommandos in einer Schule eine Meldestelle einGegen Zurückweisung des Papiergeldes. tärische Maßnahmen sind verboten, es sei denn, daß sie von mili- gerichtet. Auf den Schulhöfen sowie vor den einzelnen ZimGine Bekanntmachung Deg Oberkommandierenden tärischer Seite als zugelassen bescheinigt sind. Wertbriefe und Kästchen mit Wertangabe sowie Bostaufträge mern und in den langen Korridoren drängten sich die Refer- wendet sich gegen das Verfahren zahlreicher Geschäftsinhaber nach dem Ausland und den deutschen Schußgebieten, können jedoch bisten in fürchterlicher Enge. Die Soldaten, Feldwebel und und Gastwirte, das Papiergeld nicht voll in Bahlung zu unter folgenden besonderen Bedingungen zur Beförderung Offiziere gaben auf den Schulhöfen, von Hunderten umstan- nehmen. Die Bekanntmachung verpflichtet dazu, die Bankübernommen werden: Die Auflieferung ist nur unmittelbar bei den, Auskunft und verwiesen nach den einzelnen Etagen und noten als vollwertiges Zahlungsmittel anzunehmen und be Bostämtern zulässig, soweit sie nicht militärischerseits für be- Klassenzimmern. In Truppe von 15 bis 20 Mann wurden droht die Inhaber der Geschäfte und Gastwirtschaften mit stimmte Bezirke ganz verboten wird; die Auflieferung bei Post- die Mannschaften in die Schulklassen eingelassen und abge- der sofortigen Schließung ihrer Lokalitäten. agenturen, Posthilfsstellen und durch die Landbriefträger ist dem fertigt. Von außerhalb Bugereiste meldeten sich an, andere Wir möchten im Anschluß an diese Verfügung dem nach verboten. Briefliche Mitteilungen, soweit sie überhaupt zu- hatten ihre Bässe und Kriegsgestellungsbefehle verloren. Auf Wunsche Ausdruck geben, daß auch die Bost soweit als möglässig sind, müssen in deutscher Sprache abgefaßt sein und dürfen feinen verdächtigen Inhalt haben. Die Sendungen sind bei den der Straße standen die Frauen und Mädchen zu Hunderten lich Papiergeld in Zahlung nimmt. Bahlreichen Mitteilun Bostämtern offen vorzulegen und demnächst unter Ueberwachung und warteten auf ihre Männer und Brüder, um feine Stunde gen zufolge werden dem Publikum gerade auf Postanstalten der Beamten zu verschließen und zu versiegeln. der kostbaren Zeit, die ihnen noch vergönnt ist, zusammen- erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Privattelegramme nach dem Ausland und im zusein, zu verlieren. Inlande müssen in offener und deutscher Sprache abgefaßt sein. Auch im Verkehr nach den Vororten und den sonst start Telegramme in fremder oder in geheimer( chiffrierter oder berab- frequentierten Sommerfotalen äußerte sich die Mobilmachung.. redeter) Sprache sowie solche über Rüstungen, Truppen- oder Der Besuch war sehr gering und blieb trok des prächtigen besagt: Schiffsbewegungen oder andere militärische Maßnahmen sind ver- Wetters hinter dem der Wochentage weit zurück. In Grünau, Die Telegramme müssen bei der Auslieferung mit Namen und Friedrichshagen sowie in den Freibädern, wo sonst nach die Mobilmachung der Armee befohlen haben, werden hiermit Wohnung des Absenders versehen sein. Auf Verlangen müssen sich mittags der lebhafteste Verkehr herrscht, war alles sehr ruhig. für den morgigen Sonntag die Bestimmungen der GewerbeAbsender und Empfänger über ihre Persönlichkeit ausweisen. Die Lokale an den Wasserläufen, in denen sonst zur KaffeeDer private Fernsprechperteht nach dem Ausland und nach zeit fein Stuhl zu haben ist, waren sämtlich ode und leer. ordnung über die Sonntagsruhe außer Kraft gefett. einigen am Schalter zu erfragenden Grenzgebieten des Inlandes Viele holen sich aus den Freibädern ihre Belte und aus den wird eingestellt. Außerhalb dieser Grenzgebiete dürfen Gespräche Sommerwohnungen die legten Utensilien. Ist doch der VerBeschränkung des Straßenbahnverkehrs. im inneren deutschen Verkehr nur in deutscher Sprache geführt fehr nach den Vororten in den nächsten Tagen so gut wie aufwerden und feine Mitteilungen über Rüstungen, Truppen- oder Infolge der Mobilmachung wird der Großen Berliner Schiffsbewegungen oder andere militärische Maßnahmen enthalten. gehoben. Wo früher täglich bis zu 122 Züge verkehrten, wer- Straßenbahn und ihren Nebengesellschaften mehr als 40 Proz. Der Funtentelegraphenverkehr wird eingestellt. den jetzt nur täglich 4 Büge abgelassen. des Betriebspersonals entzogen, so daß es von Montag, den Weitere Beschränkungen oder Erleichterungen des Poft, Tele3. d. M. ab vor der Hand nicht mehr möglich ist, den Betrieb den deshalb auf verschiedenen Linien die Fahrabstände von 712 Minuten auf 10 Minuten bezw. von 15 auf 20 Minuten erweitert. Einige Linien, die durch Schwesterlinien genüAuf- und abwogenden Menschenströmen glichen in diesen gend unterstützt werden, fallen aus. Es sind dies die Linien Ereignisse noch etwas ruhig Blut bewies, mußte seine ganze 95, 96, 119, 157, II, Z und NO. Die Linie 19 wird nur auf Tagen die Straßen Berlins. Und wer trotz der folgenschweren 13, 14, 16, 20, 30, 34, 35, 37, 38, 39, 44, 50, 63, 75, 84, 85, Energie aufbieten, nicht hineingezogen zu werden in diese sich der Strede Moabit- Treptow- Neukölln( Schleife Bietenob eine allgemeine Suggestion die Gemüter ergriff und in den Annahme von Personal Ersatz beschafft werden kann, wird der von Stunde zu Stunde steigernde Erregung. Es war, als Steinmetzstraße) betrieben. Soweit in der Folgezeit durch Strudel menschlicher Leidenschaften zu ziehen fuchte. Und Betrieb entsprechende Berstärkungen erfahren. wenn dieses Menschenmeer Berlins hier und da wieder auf Den Wünschen der Zeitkarteninhaber auf Umänderung furze Zeit zu verebben schien, stieg sofort die Brandung von ihrer Starten wegen der beränderten Betriebslage wird in der neuem, sobald die Breffe durch Ertrablätter die Straßen mit Sauptausgabestelle Leipziger Platz 14( Werktags von 8 bis alarmierenden Nachrichten überschüttete. Die Scherl-, Moffe- 4 Uhr) bereitwilligst entsprochen werden. und Ullsteinpresse machten sich sogar ein Vergnügen daraus, mit gleichlaufenden Nachrichten mehreremals an besonders belebten Stellen zu erscheinen und durch ihr massenhaftes AusEinschränkung des Postdienstes im Berliner Bezirk. werfen von Ertrablättern die Erregung der Bevölkerung zu leidenschaft gezogen. Die Verminderung des Personals macht eine Auch die Post wird von der Mobilmachung erheblich in Mita steigern. Reihe bon Beschränkungen im Postdienst notwendig. den Anschein erwecken, als ob es dieser Presse nur darum zu ein, Das mußte schließlich selbst unter den blödesten Passanten Die Beschränkungen treten bom 2. Mobilmachungstage an also ben vom Montag, 3. August, an. Für tun ist, die folgenschweren Ereignisse als geeignete Reklame den Berliner Bezirk hat die Kaiserliche Ober- Postdirektion folgende Der Krieg mit seinen Verwüstungen des wirtschaftlichen für ihre kapitalistischen Zwecke auszunuken. Ihr mag es zum Anordnungen getroffen. Die Briefkastenleerungen werden dem Be Lebens, mit seinen unermeßlichen Opfern an Gut und Blut Teil zuzuschreiben sein, wenn die Bevölkerung, noch ehe die dürfnis entsprechend eingeschränkt und so gelegt, daß Anschluß an ist über die Kulturnationen hereingebrochen. Unzählige Ereignisse fich bis zu ihrem jetzigen Höhepunkt steigerten, in die bestehenden Verbindungen erzielt wird. Für die Bestellung der werden als Opfer auf den Schlachtfeldern bleiben. Schwer Schuld daran, wenn ein Teil der Einwohner Groß- Berlins wird der Bestelldienst weniger eingeschränkt. Es sind dies die einen Taumel der Erregung getrieben wurde. Sie trägt mit Postsendungen sind verschiedene Bestimmungen für die größeren Bostämter und die kleineren getroffen worden. Bei den größeren wird die Arbeiterklasse diese Last zu tragen haben, Arbeits- in fieberhafter Saft die Sparkassen und die Lebensmittel- Raiserlichen Bostämter in Berlin und Charlottenburg jowie losigkeit, Not und Entbehrung wird in nie gekanntem Um- geschäfte stürmte und dadurch eine vorzeitige Steigerung der Friedenau, Grunewald, Halensee, Lichtenberg 1, Lichterfelde 1, fange hereinbrechen. Lebensmittelpreise herbeiführte. Auf diese Weise mußten die Oberschöneweide, Pankow, Reinickendorf- Ost 1, Rummelsburg, In dieser ernsten Stunde richtet die Generalfommiffion spüren und denen die Mittel für den Maſſeneinkauf von Waren mersdorf 1. Bei diesen finden werktags bis auf weiteres vier Beärmsten Schichten, die die Folgen eines Arieges am meisten Schöneberg 1, Steglitz 1, Tegel, Tempelhof, Weißensee und Wil der Gewerkschaften Deutschlands im Auftrage der heute fehlten, ihre Bedarfsartikel bereits zu hohen Breisen erstehen, 7% und 8 Uhr vormittags, der zweite um 11 Uhr vormittags, der stellungen statt. Von den Bestellgängen beginnt der erste zwischen tagenden Konferenz der Vertreter der Vorstände den Appell noch ehe die Mobilmachung angeordnet wurde. an die Mitglieder der Gewerkschaften ihrer Organisation tren dritte um 4 Uhr nachmittags, der vierte zwischen 6½ und 7 Uhr Wohl müssen so folgenschwere Ereignisse die Menschheit nachmittags. Eine Geldbestellung findet werttags nur einmal zu bleiben, um die dringend notwendige Fortsetzung der in ihren Tiefen aufs tiefste ergreifen; aber was sich uns in statt. Sie beginnt 9 Uhr vormittags. Ebenso findet nur ein einTätigkeit der Gewerkschaften zu sichern. diesen Tagen zuweilen darbot, war der nackteste Egoismus, aiges Mal eine Bestellung von gewöhnlichen und Wertpaketen statt. eine sträfliche Rücksichtslosigkeit gegen Mitmenschen, durch die Sie beginnt ebenfalls 9 Uhr vormittags. Bei den übrigen PostDie Gewerkschaften werden alle Mittel in den Dienst die Elenden nur noch tiefer ins Elend gestoßen werden. ämtern, die bestellen, finden von Montag an werktags nur 3 Briefihres Aufgabenkreises stellen. Aber dauernd können sie diese Die Sorge für das eigene Wohl findet dort eine Grenze, bestellungen, eine Geldbestellung und eine Paketbestellung statt, Verpflichtungen nur erfüllen, wenn diejenigen, die in Arbeit wo sie eine Gefahr für die Allgemeinheit zu werden beginnt. An der Sonntagsbestellung ändert sich im ganzen Bezirk nichts. Insofern ist es zu begrüßen, daß die städtischen Behörden stehen, nach wie vor es als ihre Pflicht betrachten, durch die bereits jest ihre Pflicht für die Lebensmittelversorgung der Beitragsleistung es zu ermöglichen, daß die Unterstützungen allgemeinen Bevölkerung erkannt haben. an die Hilfsbedürftigen weitergezahlt werden. Die Gewerk. schaften werden bestrebt sein, soweit es in ihren Kräften steht, die bitterste Not der Mitglieder und ihrer Angehörigen zu graphen- und Fernſprechverkehrs bleiben vorbehalten. Postsendungen für Truppen. Ariegsministerium und Reichspostamt geben bekannt: dieselben nicht statt. Während der Beförderung der Truppen aus ihren Standorten in das Aufmarschgebiet findet eine Ausgabe von Boftsendungen an Es empfiehlt sich daher nicht, alsbald nachdem eine Truppe ihren Standort verlassen hat, Sendungen an Personen derselben zu zichten. An die Mitglieder der Gewerkschaften! Alle Bemühungen der organisierten Arbeiterschaft, den Frieden aufrecht zu erhalten, den mörderischen Krieg zu Sannen, sind vergeblich gewesen. mildern. Kriegsstimmung gesteigerte Lebensmittel- im fahrplanmäßigen Umfange aufrechtzuerhalten. Es werpreise. Lebensmittelversorgung der Groß- Berliner Gemeinden. Die von der Stadt Berlin getroffenen Maßnahmen für die Das Nachrichtenamt der Stadt Charlottenburg meldet: hinreichende Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln Pfadfinderberuf. # Die Kriegsbegeisterung treibt merkwürdige Blüten. Ber schiedene Führerschaften" von Pfadfinderkorps" und jetzt auch die Bundesleitung des Wandervogels" erlassen Aufrufe, in denen die nationale Jugend aufgefordert wird, der Landbevölkerung beim Hereinbringen der Ernte zu helfen. Da heißt es etwa: " " Sollte eine Mobilmachung notwendig werden, dann liegt die große Gefahr vor, daß das Einbringen unserer reichen Ernte gefährdet ist. Korn und die übrigen Feldfrüchte müssen dem Verberben anheimfallen, wenn sie nicht rechtzeitig geerntet werden fönnen. Da nun stellen die Vaterlandsliebe und Eure Pfadfindergebote Euch eine große Aufgabe. Anstatt Euch Sonntags im Spiel und Sport zu genügen, heißt es dann für Euch: Nun helft in ernster tätiger Arbeit den Landwirten das kostbare Gut einbringen, damit Ihr und die Euren, zu Hause und auf dem Schlachtfelde, nicht zu darben braucht. Wir richten daher an die Pfadfinder die Aufforderung, falls es der Ernst der Lage erfordert, sich alle bereit zu halten und der Landbevölkerung bei der Ernte zu helfen." Wir fürchten, die ernste tätige Arbeit" wird den grünen Pfadfinderbürschlein weniger behagen als die Hurraschreierei auf den Straßen, in der sie sich in den lezten Tagen hervortaten. Und ernst lich durchgeführt, dürfte sie am Ende gar bei manchem der jungen Herren die Kriegsbegeisterung bald zum Erlöschen bringen. Auch die Befürchtung liegt nicht ganz fern, daß die tatkräftige Mitarbeit der Pfadfinderjünglinge der Landwirtschaft mehr Unheil als Vorteil bringt. Eine Familientragödie wird aus der Schönhauser Allee 56 gemeldet. Dort wohnen die Tischlereheleute Stern mit zwei Töchtern und zwei Söhnen. Die Frau ist nervenkrank und befindet sich seit längerer Zeit in ärztlicher Behandlung. Aus einem nichtigen Grunde kam es zwischen den Eheleuten zu einem Streit. Nachdem Etern weggegangen war öffnete die Ehefrau die Gashähne, um fich mit ihren beiden Töchterchen von sechs und vier Jahren und dem elfjährigen Sohn zu vergiften. As St. nach Hause kam, fand er Frau und Kinder in der mit Gas angefüllten Küche besinnungslos auf dem Fußboden liegen. Die Frau und der Sohn lebten noch, während die beiden Mädchen bereits tot waren. Frau Stern wurde als Polizeigefangene nach der Charité gebracht. Die Leichen der beiden Töchterchen wurden beschlagnahmt und dem Schauhauſe zugeführt. Stern verließ seine Wohnung und lief aus Verzweif Tung babon, um sich das Leben zu nehmen. Bis gestern spät abends war er noch nicht wiedergekommen. Zwei tödliche Straßenunfälle An der Kreuzung der Linden- und der Charlottenstraße geriet bie Telephonistin Klara Limberg aus Niederschönhausen vor die Straftdroschte IA 7729 und wurde überfahren. Die Räder gingen ihr über den Kopf. Der Chauffeur brachte die Verunglückte nach der Kgl. Klinit, wo nur noch der Tod festgestellt werden konnte. Vor dem Hause Lorkingstr. 38 geriet die 9 Jahre alte Tochter Emma des Schankwirts Köpp aus der Lorkingstraße 4 unter eine Kraftdroschte, wurde ebenfalls überfahren und auf der Stelle getötet. Ob denn der Vater bald wieder fommt? „ Kindchen, mein Kindchen, vielleicht wenn es frommt, scheint uns noch einmal die Sonne hell. Leg dich jetzt hin und schlafe schnell!" Fragt erst das Kind: Was der Krieg wohl sei? Ob da der liebe Gott auch dabei? Ob Bater gern in den Krieg gewollt? Was dort so dumpf in den Lüften rollt? „ Ruhig, mein Kindchen, Liebes sei stil! Horch, was dir Mutter erzählen will. Wir sind die Urmen auf dieser Welt, Wir tragen Leid, wenn es Großen gefällt. Still hat der Vater für uns geschafft, bis ihn der Sturm in den Krieg gerafft. Wir fihen hier bei Elend und Not. Aber nun ruhig! Morgen tommt Brot." Auf ihrem Schoße entschläft das Kind. Nacht will es werden. Die Mutter sinnt. Sie schaut im Sinnen ein flares Gesicht und eine tröstliche Stimme spricht: „ Brüder, ihr, die eine Not nun eint, achtet, daß jeder es freulich meint, Daß ihr die Schwachen und Schwankenden flüßt, daß feiner nur sich selber nüht! Euch haben Blut und Tränen geeint. Bruder sei jeder jedem und Freund! Wie es dann werden mag, wie es auch freibt: Schmach dem, der nicht bei der Fahne bleibt!" Tief schläft die Mutter, das Kindchen fräumt. Glutende Röte den Himmel fäumt. Doch unter Tränen, durch blutigen Streif lächelt der Genius der Menschlichkeit. Begeisterung. die Bom Autoomnibus überfahren und schwer verletzt wurde gestern Bis sechs Uhr abends war er im Maschinensaale, umbröhnt von in der sechsten Abendstunde vor dem Hause Dresdener Str. 75 ein Rettengeraffel und Hammerschlägen, gestanden, schwer atemholend in zehnjähriger Knabe. Als derselbe die Straße überschreiten wollte, dieser dumpfen, stidigen Luft, an die sich seine schwache Lunge nie wurde er von einem Autoomnibus der Linie Hermannstraße- Brenz- gewöhnen konnte. Diese Luft war es ja, die ihn der als Fünf lauer Allee erfaßt. Das schwere Gefährt ging über den Knaben zehnjähriger schon in diesen Saal und an diese Arbeit mußte hinweg und zermalmte ihm beide Beine. In hoffnungslosem Zu- Lunge so geschwächt hatte. Ihr hatte er es zu danken, daß er nicht ftande brachte man den Verunglückten nach der Unfallstation in der zum Militär eingezogen wurde, ihr hatte er es zu danken, daß er Rommandantenstraße. ruhig in der Stadt bleiben konnte, wenn alle seine Freunde und Genossen hinaus mußten an die Grenze, in den Krieg, der ganz plöglich auszubrechen drohte.... Zukunfts- Mahnung. Ruhig, mein Kindchen, Liebes sei still! Horch, was dir Mutter erzählen will. Schmieg dich noch enger an meine Brust. Bater hat fort in den Krieg gemußt. Uls er den herrischen Ruf betam, weißt du noch, wie er dein Händchen nahm, schaute so starr und feufzte dann schwer: " Wenn nur nicht Mutter und Liebling wär'!" Theater. Montag, ben 3. August 1914. Anfang 5 Uhr. Baffage Theater. Rino- Barieté. Potsdamer Naturtheater. Potsdam. Anfang 7 Ubr. Cines Nollendorf- Theater. Quo vadis. Anfang 7, Uhr. Weften. Die Baltüre. Anfang 8 Uhr. AltRose. Eine tolle Sache. Walhalla. Der unsichtbare Mensch. Folies Caprice. Schwache Nerven. Eine ruhige Sommerwohnung. Verbotene Frucht. Luftspielhaus. Die spanische Fliege. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Leutnantsliebchen. Anfang 8, Ubr. Berliner Prater- Theater. Grigri. Anfang 9 Uhr. Cines Nollendorf Theater. Quo vadis. * Urania. Der deutsche Riesenkanal. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62 Norwegen, das Land der Mitter. nachtssonne. Schiller O. Die Zauberflöte. Berliner. Wie einst im Mai. Königgräter Straße. Mr. Wu. Thalia. Wenn der Frühling fommt. Metropol. Die Reise um die Erde in 40 Tagen. Theater an der Weidendammer Brücke. Der füße Fraz. Residenz. Das Ateliergeheimnis. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Palaft- Theater. Varieté und LichtIpiele. Momiralspalaft. Im Zangollub. Anfang 8%, Uhr. Luifen. Der Lelermann und sein Pflegekind. Kleines. Der Kleds. Theater am Nollendorfplat. Der Jurbaron 灣 Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Am Montag, den 27. Juli ver starb unser Parteigenoffe Karl Aursch am Snesebecstraße 47, 14. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 4. August, nachmittags 32 Uhr von der Leichenhalle des Neuköllner GemeindeFriedhofes, Mariendorfer Weg, aus ftatf. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Batte bafür zu forgen, daß jede diefer Waffen in die rechten Hände fam. Seine Pflicht war es, darauf zu sehen, daß diese Waffen nicht ungebraucht daliegen, daß fie ihren 8wed erfüllen, daß sie die Freunde stärken und die Gegner schwächen sollen. Mit einer leidens schaftlichen Begeisterung hatte er sich diesem Amte hingegeben, er tannte jeden einzelnen der Waffenleiher. Er blieb auf seinem Posten und waltete seines Amtes voll Stolz und voll Begeisterung. Jezt aber quälte ihn die Furcht: wird man in diesen Zeiten der Unruhe unser Arsenal vergessen? Wird er, der Hüter aller dieser Kraft und dieses Reichtums, verlassen dastehen? So halbverlassen, wie heute, wo die Erregung alles hinaustrieb? Die Luft im Raume war schwül. Er riß die Fenster auf und fog die frische Luft ein. Wieder zog es ihn hinaus, aber er bejwang sich. Blieb am Posten und grübelte. Jezt wird unsere Presse auch halb zum Schweigen verurteilt fein. Der Kriegszustand. Sie wird nicht rund heraus sagen dürfen, was gesagt werden müßte.... Und die Versammlungen werden vielleicht auch durchgehends verboten werden.... Alles wird schweigen müssen.... Alles? Sein Blick streifte die Bücher in den Schränken. Auch die? Nein, die nicht! Die werden sprechen dürfen, die dürfen weiter fagen, was notwendig ist. Jähe erfaßt ihn ein Gedanke. Alle Unruhe und Verzagtheit iſt bon ihm gewichen. Er öffnet die Schränke und geht Buch für Buch durch. Dieses und jenes Buch legt er beiseite auf den Tisch. Dann geht er zu dem Schranke mit den Hunderten von Broschüren. Und jede einzelne prüft er und auch von diesen legt er viele, viele auf den Tisch. Es ist elf Uhr. Er ist müde, kann die Augen kaum offen halten. Aber er bezwingt sich und nimmt jetzt wieder die Zeitschriftenbände vor. Und in jedem Bande prüft er das Inhaltsregister. Und wieder legt er diesen und jenen Band beiseite. Jept liegen auf dem Tische vor ihm viele, viele Bücher, Broschüren und Zeitschriftenbände. In jedem von diesen ist schon gesagt worden, was jept gejagt werden mußte. Benn das große Schweigen kommt, dann wird er diese Bücher sprechen lassen. Und kommen die Freunde nicht zu ihm, so wird er sie aufsuchen. Oh, er wird jeden Abend Trepp' auf und Trepp' ab laufen und ihnen die Bücher ins Haus bringen. Trepp' auf und Trepp' abseine Lunge wird das schon aushalten müssen. Leidenschaftlich blidt er auf alle diese Bücher, die Trost, Stärke, Vertrauen und Zukunftsfreudigkeit bringen werden. Und dann reibt er sie alle in einem Schrank und mustert ihn und sagt sich lächelnd: Ich habe mobilifiert!" Es ist Mitternacht vorüber. Er, der bis sechs Uhr abends im Maschinensaale in der stickigen Luft gestanden und nach wenigen Stunden Ruhe wieder bei der Maschine stehen wird, schleicht müde durch die Straßen. In diesen wogt noch immer die Menge, scherzs, ereifert sich, fingt und schreit. Sie ist begeistert. Er aber singt nicht, lacht nicht, auch seine Augen blitzen nicht. Müde, sehr müde fühlt er sich. Aber dabei denkt er: Und wenn unser Fabrikvertrauensmann einrückt, dann übetEr hätte ruhig sein können, hatte nichts zu fürchten. Und nehm' ich sein Amt. Ja... Ich werd' das schon bewältigen..." dennoch hatte auch ihn eine Erregung und Furcht erfaßt, die Ja, an einem Abend die Fabrikssachen... am anderen die Biblio stärker, tiefer und leidenschaftlicher war als die Erregung jener, thet... nichts soll versäumt werden... Wir werden schon auf durch die er sich jetzt drängte. Er konnte nicht stehen bleiben, nicht dem Bosten sein." mit den anderen gespannt ausbliden, nach Neuigkeiten fpähen, lachen, Die Alltäglichkeit läßt ihn laum mehr die Füße heben, die Er brohen, plaudern, sich freuen. Er mußte, wie in jeder Woche, um schöpfung reißt seine Lippen zum Gähnen auf. Und dabei denkt er 7 Uhr am Boften stehen, im Vereinslofale sein, wohin ihn fein Amt wieder: rief. Dort war er Bücherwart. Und voll Stolz und Eifer verfah er dieses Amt. Er sagte sich oft diese Bibliothek sind unser Arsenal. Unserm Genossen Paul Müller die herzlichsten Glüdwünsche zum 50. Geburtstage. Die Funktionäre der 2. Abteilung und die Genossen des 234. Bezirks des III. Reichstagswahlkreises. 99999999EEEEEeee Wir werden schon auf dem Bosten sein." diese Bücher sind unsere Waffen, Und ihn ihm singt und dröhnt jeder Blutstropfen voll Be Er hatte es zu betreuen, er geisterung. :: Erstklassige Briketts:: Michel M.7.401.1000 Stück, Riesenformat 7, Halbsteine M. 0.73 f. 1 Zentner, feinst. 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