Nr. 212. Abonnements- Bedingungen: Elbonnements. Preis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 m, monafl. 1,10 ML, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illuftrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblatt. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedrudte Worte), jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983. Seebeute- und BlockadeRecht. Großbritanniens absolute Abhängigkeit vom Besige ber Vorherrschaft zur See macht es der Regierung zur Pflicht, die Angriffswaffe sicherheitshalber intakt zu erhalten, die in die Hände eines die Herrschaft über die See befizenden Volkes die Möglichkeit legt, die Küste eines Feindes wirksam zu blockieren." Sir E. Grey, Großbritannischer Staats. sekretär des Aeußeren, 1908 Donnerstag, den 6. August 1914. alles davon ab, ob England imstande sein wird, seine Seeherrschaft aufrecht zu erhalten. Von welch ungeheurer Bedeutung die Lahmlegung des deutschen Ueberseehandels für Deutschlands Ernährung, für seine Industrie. und Landwirtschaft wäre, mögen einige nüchterne Zahlen beweisen. Gelänge die britische Blockade, so würde dadurch eine Einfuhr Deutschlands im Werte von rund 6000 Millionen und eine Ausfuhr von zirka 8000 Millionen unterbunden, insgesamt also ein überseeischer Handelsverkehr- und zwar allein im Spezialhandel, unter Nichtberücksichtigung des Durchgangs handels von vierzehn Milliarden Mart. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprechet: Amt Moritplak, Nr. 1984. junge Leute an dem Palais empor und schlugen mit Stöden sämtliche Fensterscheiben des Parterre ein. Inzwischen war ein großer Trupp berittener SchuhIeute requiriert worden, die zusammen mit einer größeren Anzahl anderer Beamten die Wilhelmstraße bis zu den Linden räumten. Tausende und Abertausende von Menschen standen jetzt unter den Linden und warteten auf die Abfahrt des Bot. schafters. Um diese Zeit verließ der spanische Bot. schafter Polo de Barnate, der dem Botschafter einen Besuch abgestattet hatte, die Botschaft. Pfuirufe und Pfiffe ertönten und nur unter dem Schuße der Polizei ist es dem spanischen Botschafter, den die Menge für Sir Edward Goschen hielt, gelungen, zum Hotel Bristol zu gelangen. Die Demonstranten wollten mit Gewalt in das Hotel eindringen, doch gelang es dem Grafen Sturm v. Sierstorpff, die Menge durch eine politische Ansprache von weiteren Demonstrationen abzuhalten. Aber noch gegen 12 Uhr standen Hunderte von Menschen vor dem Hotel." Nach den Versicherungen glaubhafter Augenzeugen ist diese Schilderung des standalösen Vorgangs noch eine überaus verhehlen, daß man Dabei wäre noch vorausgesezt, daß Deutschlands HandelsEnglands Kriegserklärung legt die Frage nahe, welche beziehungen zu Desterreich- Ungarn, der Schweiz, Italien, Mittel dieser Staat zunächst anwenden wird, um Deutsch- Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen und Land zu schwächen. Ob England seine Landarmee in die Schweden durch den Krieg völlig unbeeinflußt bleiben, eine milde. Bermag doch sogar der Lokal- Anzeiger" nicht zu friegerischen Entscheidungen des europäischen Festlandes ein- Annahme, deren Optimismus ohne weiteres einleuchtet. greifen lassen wird, steht noch dahin, ebenso, ob es mit den Operationen seiner Flotte in nächster Zeit zur Offensive übergehen wird. Das eine aber dürfte feststehen, daß es Deutschland gegenüber mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften von dem ihm kriegsrechtlich leider noch immer zustehenden Pressionsmittel des Seebeute- und Blockaderechts Gebrauch machen wird. Worin bestehen diese Pressionsmittel? Schon allein ein Blick in die näheren Einfuhrziffern zeigt den furchtbaren Ernst der Lage. Wie stände es zum Beispiel mit unserer Textilindustrie, wenn sie auf die Einfuhr der überseeischen Baumwolle, Jute und Wolle verzichten müßte? Wenn sie auf die 462 Millionen Baumwolle aus den Vereinigten Staaten, die 73 Millionen Baumwolle aus Aegypten, die 58 Millionen Baumwolle aus BritischIndien, die 100 Millionen Jute aus demselben Lande, und die 23 Millionen desselben Artikels aus Argentinien ferner auf die 121 Millionen Merinowolle aus Australien Verzicht leisten müßte? Was sollte sie bei längerer Kriegsbauer beginnen ohne diese im Zeitraum eines Jahres verbrauchten Rohstoffe im Werte von 830 Millionen? Betrachten wir zunächst das Seebeuterecht. Danach kann eine friegführende Macht alle Schiffe, die Privateigentum der Bürger des von ihr betriegten Staates find, aufbringen und tonfiszieren! In einem Bandfrieg zwischen zivilisierten Mächten ist das Privateigentum der Auch daß wir speziell aus den Vereinigten Staaten im Bürger des feindlichen Staates zu respektieren. Die Ditupationsarmee darf nur unter Verantwortung der Teitenden Jahre 1913 allein für 300 millionen upfer bezogen.Offiziere das, was zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse not- mag erwähnt werden; ebenso, daß die Petroleumzufuhr ungefähr das Zehnfache unserer eigenen Kupferproduktion wendig ist, requirieren, und zwar gegen Bezahlung. so gut wie ganz unterbunden würde. Das bestehende Seebeuterecht spricht diesen völkerrechtlichen Weiterhin ist unsere Lederindustrie auf die überseeische Grundsätzen Hohn. Jedes englische Kriegsschiff kann jedes deutsche Kauffahrteischiff als gute Beute fapern. Schiff und Ladung werden Eigentum Englands, das heißt speziell in England erfolgt die Konfiskation gekaperter Schiffe zum Vorteil der Offiziere und Mannschaften des die Prise" aufbringenden Schiffes! ,, mit zusammengeknüllten Extrablättern, in die auch harte Fremdkörper eingewidelt waren, ein Bombardement gegen die Fenster" eröffnete. Die Wirkung war nicht allzu stark; es wurden im ganzen fünf Scheiben zerschlagen, aber die Straße war mit Glassplittern besät, die Haltung des Publikums überdies eine sehr unfreundliche und rauflustige. So wurde ein deutscher Pressevertreter, der in der Botschaft eine Auskunft einholen wollte, beim Heraustreten aus dem Hause mit Gejohl empfangen und beschimpft. Ein besonders eifriger Patriot" fuhr ihm auf dem Rade nach und schlug auf ihn ein." Und sogar die Berliner Neuesten Nachrichten" melden: Alles läuft, rennt eilends der englischen Botschaft zu. Be rittene Schußleute, die schleunigst aus dem Hofe des Minifteriums des Innern kommen, galoppieren in die Menge. Stöde erheben sich drohend und hier und da fliegt ein Stein. Einige Fensterscheiben flirren. Die Massen fönnen ihren Grimm nicht mehr zügeln." An diese Standalszenen schlossen sich dann, wie schon oben mitgeteilt, ähnliche vor dem Hotel Bristol an. Und die Eredenten, die diese unsägliche Szenen aufführten, waren, wie wir selbst feststellen konnten, nicht etwa ein besonders Wunderbares konnte man noch anderthalb Stunden nach dem Grzeß beobachten: Ein mit Spreewasser getaufter Wigling fragte höhnisch: Ist denn noch kein englischer Leichenwagen da?" Andere Zufuhr von Häuten( Argentinien allein lieferte für 71 Millionen zusammengesetter Janhagel. Rinderhäute) angewiesen. Die Landwirtschaft würde allein durch die Unterbindung der Einfuhr des Chilifalpeter aus Chile- die 1913 einen Wert von nicht weniger als 171 Millionen hatte- empfindlich geschädigt werden. versicherten wild gestikulierend:„ Er( der englische Botschafter) Welche Bedeutung eine wirksame Blockade für die Volks- ist noch nicht fort. Er muß noch durch. Und dann immer feste Aber mehr noch nicht nur englische Kriegsfchiffe ernährung hätte, ergibt sich schon aus folgenden wenigen druff!" und selbst die Harmloseren des tausendköpfigen Publikums dürfen dies Kaperhandwerk betreiben, sondern auch ge- Bahlen: Deutschland bezog an Weizen aus den Vereinigten meinten:" Das ist ganz recht so." wöhnliche Transport- und Handelsfahrzeuge, Staaten für 165 Millionen, aus Rußland für 81 Millionen, Ein einziger Mann nur wiederholte topfschüttelnd:„ Das sofern sie nur die Striegsflagge führen und unter militärischem aus Kanada für 51 Millionen, aus Argentinien für 75 Millionen, Kommando stehen. Dabei fann aber die Verwandlung also aus diesen vier Ländern allein für 272 Millionen Mart. eines harmlosen Rauffahrteischiffes in ein Kriegsschiff" dieser Ferner fommt allein aus Rußland folgende Einfuhr an NahArt jederzeit erst auf hoher See vorgenommen werden, ebenso rungsmitteln in Fortfall: wie das ,, Kriegsschiff" sich nach Bedarf- um die Kaperei erfolgreich vornehmen und neue Gelegenheiten auszuspionieren können wieder in ein friedliches" Handelsfahrzeug zurückverwandeln kann! Selbstverständlich kann Deutsch- 1000 Iand genauso verfahren wie England. Ob dies Seebeuterecht auch gegenüber den im Augenblic der Kriegserklärung in englischen resp. deutschen Häfen liegenden deutschen beziehungsweise englischen Schiffen Anwendung finden wird, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich werden alle diejenigen Schiffe, die sich in neutralen Häfen befinden, sich durch Verbleiben an ihren Aufenthaltsort gegen die Beschlagnahme sichern. Weniger aussichtsboll wäre der Versuch, wenn die beteiligten Staaten ihre Handelsschiffe durch mehr oder minder fingierte Verkaufsverträge schützen wollten. Die englische Kriegserklärung bedeutete also, sofern EngLand seine Seeherrschaft aufrecht zu erhalten vermöchte, infolge des Seebeuterechts die Unterbindung des deutschen Ueberseehandels, soweit deutsche Handelsschiffe als dessen Vermittler in Frage kämen. auch . Eier im Werte von 80 Millionen Milch und Butter im Werte von 63 Hafer im Werte von 32 . Hinzukommen, um aufs Geratewohl hin nur noch einige Ziffern zu nennen, für 112 Millionen Schweineschmalz allein aus den Vereinigten Staaten, für 46 Millionen Reis allein aus Britisch- Indien und für 151 Millionen Kaffee allein aus Brafilien! Wenn man nur diese wenigen Tatsachen, denen sich noch mancherlei andere anreihen ließen, unbefangen würdigt, wird Dauer wahrhaftig nicht gering anschlagen können. man die wirtschaftlichen Folgen eines Krieges von längerer Zügellose Ausschreitungen. tann sehr bitter werden." Wie peinlich auch der Regierung diese Ausschreitungen sind, beweist die vom offiziösen Depeschenbureau verbreitete Warnung: Berlin, 5. Auguft. Die Erbitterung der Bevölkerung, die gestern in verschiedenen und gebungen zum Ausdruck kam, ist verständlich. Es muß aber schon im Interesse der im Ausland lebenden Millionen von Deutschen dringend davor gewarnt werden, dieser Erbitterung in einer Weise Ausdruck zu geben, die weder unserem Ansehen in den neutralen Staaten noch der guten Sache dient, für die wir kämpfen. Die Ereignisse in Frankreich. Die Kammer und der Krieg. Paris, 5. Auguft. Die gestrige Sigung der Depu tiertentammer wurde vom Präsidenten Deschanel pünktlich um 3 Uhr eröffnet. Der russische Botschafter Jswolsky wohnte der Sizung auf der Diplomatentribüne bei. Nachdem Deschanel Jaurès einen Nachruf gewidmet hatte, Botschaft des Präsidenten Wie weit es eine gewisse Presse durch ihre haarsträubenden der unter allgemeiner Aufmerksamkeit und begeistertem Beifall Sensationsnachrichten und ihre unter dem Dedmantel des Patrio- angehört wurde, gab er dem Minister des Aeußern Viviani tismus" fich austobende Heze gebracht hat, bewiesen die tief- das Wort, welcher eine Aber England besitzt noch eine zweite, gewichtigere beschämenden Radauszenen, die sich am Dienstag abend vor dem Waffe zur Aufhebung des deutschen Ueberseehandels: das Palais des englischen Botschafters in der WilhelmBlockaderecht. Vermittelst dieses Blockaderechts kann nämlich straße abspielten. Um was es sich dabei handelte, berichten frei- berlas, welche die Kammer stehend und unter häufigen BeiEngland die deutschen Häfen- von der zurzeit von der finnige Blätter folgendermaßen: deutschen Kriegsflotte beherrschten Ostsee abgesehen für die Handelsschiffe aller neutralen Mächte schließen. Da das Gleiche auch an den österreichischen Häfen gilt, könnte -Englands Seeherrschaft in Nordsee und Mittelmeer immer borausgesetzt Deutschlands Verbindung mit den überseeischen Ländern nur auf dem indirekten, kostspieligeren Wege über die holländischen und italienischen Häfen aufrecht erhalten werden. Da dadurch ein deutscher Handelsverkehr im Werte von vielen Millionen bedroht wird, dessen Ausfall die schwersten wirtschaftlichen Wunden schlagen muß. hängt hängt fallrufen anhörte. Das Publikum stimmte in den Beifall der " Bu bedauerlichen Ausschreitungen ist es Deputierten mit ein. Viviani erstattete darauf ein diplo gestern abend vor der englischen Botschaft gekommen. Schon nach matisches Exposé über die Lage. Lauter Beifall ertönte, als dem Bekanntwerden der Rede Sir Edward Greys hatte sich vor der Redner der Haltung Belgiens huldigte. Mit Bedem englischen Botschaftsgebäude in der Wilhelmstraße eine große geisterung nahm die Versammlung die Mitteilung über die Menschenmenge angesammelt. Als die Extrablätter den Abbruch der biplomatischen Beziehungen zu Deutschland französische und die russische Mobilisation sowie die Ankündigung durch die englische Regierung befanntmachten, wuchs die von der englischen Mobilisation auf. Viviani verlas darauf Menschenmenge vor der Botschaft auf Taufende an. unter größter Aufmerksamkeit des Hauses die diplomatischen Die beiden Schutleute, die dort poftiert waren, fonnten dem Dokumente, welche Frankreich und England verbinden. Zum Ansturm der Menschenmenge nicht standhalten. Die Massen der Redner Redner inmitten unbeschreiblicher drängten gegen das Palais, pfiffen, brachen in stürmische Schluß erklärte Bfuirufe aus, sangen die Wacht am Rhein" und" Deutsch. Dvationen: Wir sind ohne Vorwurf und ohne Furcht. land, Deutschland über alles". Schließlich letterten einige Minister Noulens zählte darauf die Gesezesvorlagen auf, deren Annahme die Regierung wünsche, wünsche, namentlich diejenige betreffend die Zulassung von ElsaßLothringern in die französische Armee. Sämt liche Gesetzesvorlagen wurden angenommen. Der Präsident verlas ein von der serbischen Stupschtina übersandtes Sympathietelegramm und seine Antwort darauf, in der er der tapferen serbischen Nation den Gruß Frankreichs ausgesprochen habe. Darauf wurde die Sizung aufgehoben. Paris, 5. Auguft.( Via Kopenhagen.) In der Kammer teilte gestern Ministerpräsident Viviani die Annahme der Gesezentwürfe durch die beiden Kammern mit und fügte hinzu: Das Parlament vertagt sich, aber die Session wird nicht geschlossen. Viviani dankte der Kammer für das ermutigende Schauspiel, welches sie heute gegeben habe. Das englisch- französische Bündnis. Paris, 5. August, Die am 22. und 23, September 1912 zwischen Sir Edward Grey und dem französischen Botschafter Cambon gewechselten Briefe, die Viviani gestern in der Stammer verlesen hat und welche einen Meinungsaustausch zwischen militärischen und seemännischen Behörden Frankreichs und Englands vorsahen, galten nicht und sollten nicht gelten als bindende Verpflichtungen der beiden Regierungen, in ge wissen Fällen aktiv zu werden, Jedoch mußte es, wenn eine der beiden Regierungen einen nicht provozierten Angriff bon seiten einer anderen Macht befürchtete, wichtig werden, zu wissen, ob sie auf bewaffneten Widerstand würde zählen können. Grey erklärt in seinem Antwortbrief, daß er ermächtigt sei, zu erklären, daß im Falle eines Angriffs von einer dritten Macht oder irgendeines den Weltfrieden bedrohenden Ereignisses die davon betroffene Regierung sofort mit der anderen Regierung erwägen sollte, ob sie gemeinsam handeln wollten, um dem Angriffe zuvorzukommen oder den Frieden zu schüßen. Die beiden Regierungen würden sodann über die Maßregeln beraten, welche sie zu ergreifen gedächten. Wenn diese Maßregeln eine Aktion bedingten, so würden sie sofort die Pläne des Generalstabes in Erwägung ziehen und sich darüber schlüssig werden, wieweit ihnen Folge zu geben sei. Der Oberstkommandierende. Baris, 4. Auguft.( Meldung der Agence Havas- via Kopen hagen.) Der Generalissimus Joffré hat heute vormittag 11 Uhr 45 Min. Paris verlassen, um sich zur Grenze zu begeben. Aus Oesterreich. Die Insurrektion in Polen. 097 Wien, 5. Auguft. Die Reichspost" meldet aus Stralau bom 8. August: In Russisch- Polen wurde gestern ein aus Warschau datierter Aufruf zu einem polnischen Aufstande verbreitet, welcher von zahlreichen polnischen Parteien unterzeichnet war. Der Aufruf erläutert die zukünftige Attion der Aufständischen, auch der Frauen, und fordert dazu auf, den russischen Behörden und dem Militär alle möglichen Hindernisse zu bereiten. Die polnischen Organisationen fben genau über die Bewegungen der Russen informiert werden. Jede Gemeinde wird aufgefordert, Behörden einzusehen und die Un abhängigkeit vom russischen Reiche au proflamieren. Eine Verhaftung. Karlsbad, 4. Auguft. Das hier weilenbe Mitglied der ferbischen Partei im bosnischen Bandtag Beter Stolan ovie wurde verhaftet, Die neutralen Staaten. Schweiz. Der Führer der Armee. Bern, 4. August. Der Bundesrat ernannte zum Chef des Generalfiabes der schweizerischen Armee den Oberst forpskommandanten Sprecher von Bernegg, bisher Chef der Generalstabsabteilung des schweizerischen Militärdepartements. Holland. Haag, 5. Auguft. Die Königin hat für einen Teil des Landes den Kriegszustand befohlen. Amtlich wird mitgeteilt, daß bis jetzt deutsche Eruppen niederländisches Gebiet nicht betreten haben. Das Gerücht, 20 englische Kriegsschiffe seien in der Marinestatian Denhelder ge sichtet worden, wird amtlich für falsch erklärt. Berbot für Flieger, Berlin, 5. Auguft. Die niederländische Regierung hat fremben Luftfahrzeugen das Ueberschreiten der Grenzen verboten. Rumänien neutral. Bukarest, 4. Auguft. Extrablätter melden, daß der heutige Kronenrat in Sinaja die Neutralität Rumäniens beschlossen hat. Türkei. Sperrung der Dardanellen. Konstantinopel, 4. Auguft. Die Regierung teilt offisiell mit, daß sie um die Neutralität der Türkei stritt wahren zu können, die Meerengen der Dardanellen und den Bosporus für fremde Schiffe geschloffen hat. Dunkirchen Bethune Doullens Montdidier Die deutsch- französischen Grenzgebiete. Tournhou NIEDERLANDE Blankenberghe Ostende Poperinghe Courtra Guiscard Sche Tournay E Ath Brüssel G OSeneffe Charleroi Namur Maubeuge Philipperille Landrecins Avesnes Marienbourg E N Vieil- Salmo QSA Vith Laon Painant Give 30 m Moderne Festungen mit Ausscaforts Aettere Festungen Mosel Luxemburger TB- 999 REICH Antwerpen Weert O. Nieupoort Brugge Fecio obeel Roermonde Liep Gent o yeurne Mecheln Dies Kölnd Jülich Thielt Yperen QAalst Hasselt Löwen Maastricht Hennel Düren Tienen Aachen Bonn Honnef Bailleul QWaterlop Lütticho Euskirchen Arment Aire Lille Roubaix Verviers Ahrweiler ONeuwied Huy Spa Lenso Douai St. Amand Malmedy Koblenz Conde O Mona Arraso Valenciennes O Gerolstein Goury of Prum Kochem S Cambrai Bapaume Bingen Bastogne Bitburg F Hirsono Bernkastel F Peronne RSt Quentin Guise Rocro Diekirch Kreuznach Bouillon Overvins OHam Rove A Mézières esedan Arlono Birkenfeld aarburg La Fère Luxemburg Montmedy H Kaiserslaut St. Wendel Rethelo Stenay Sierch Compiegne Soissons ク Diedenhofen Saarlouis Zweibrücken Senlis Cate OReims Varennes Verdun Brie Conflans Metz Chat Thierry St. Denis Meaux Paris Marne Epernay Montmirall DRemilly Châlons M. Pont à Mousson B Chat Salins Revigny Coulommiers OFere Champenois Mitry Bar le Duc Commercy Saarburg Nancy QSézanne Corbell Toul OLuneville Strassburg Provins Melun Romilly Areis SIA seine Nogent Aube St. Dizier Owassy Brienne Neufchateau Fontainebleau Mirecourt St. Die Schlettstadt Martinch Troyes ONemours Sens Seine Chaumont Baris Epinal Remiremont bimar Breisach Gebrir Joigny Monfargis Luxeuil Thann Langres Jussey Auxerre Muthausen Lörrach Belfort O Orasoul Basel Clermont Oise Yonne aTonnerre Chatillon Die Kriegsereignisse. An der Ostgrenze. Ostpreußen und die russische Invasion. Youziers St. Menehoula C H öffentlicht worden: Im Grenzfreife Memel ist folgende Bekanntmachung ber" Trotz aller Ermahnungen, den weiter fortdauernden, völlig unbegründeten Gerüchten keinen Glauben zu schenken, ist uns bekannt geworden, daß ein Teil der Bevölkerung Sorge um die Zukunft hegt. Wir sehen uns daher veranlaßt, folgendes Schreiben des Kriegsministeriums an den Kreisausschuß des Kreises Memel vom 1. Juli 1913 zur allgemeinen Kenntnis zu bringen: Kriegsministerium. Berlin, den 1. Juli 1918. Die an Seine Majestät den Kaiser und König gerichtete Gingabe der Kreisausschüsse der Kreise Memel, Sebbelrug. Niederung und Tilsit, des Magistrats und der Stadtberordnetenverfammlung zu Memel fowie einer Anzahl Privat personen vom 30. April 1913 betr. den militärischen Schutz der genannten Bezirke im Falle eines Krieges ist dem Kriegsministerium zur Prüfung und Bescheidung abgegeben worden. Diese Prüfung hat stattgefunden. Die in dem Immediatsgesuch ausgesprochenen Befürchtungen find unbegründet. An eine Breisgabe deutschen Landes wird weder in Ostpreußen noch an anderen Stellen des Waterlandes gedacht. ( gea.) b. Heeringen." Grenzkämpfe. sel Marin Saarbrücken Forbach Saargemünd worth QBitsch Hagenau Zabeco OBarr S D E Stadt blieb von dem Bombardement vollkommen verschont. An der Drina Herrscht Muhe. Sehr lobend wird die Tätigkeit der im Sicherungsdienste verwendeten Truppen, insbesondere der Infan terie und der Grenzjäger hervorgehoben. Der Seekrieg. deutsches Geschwader wurde gestern in der Richtung Petersburg, 5. Auguft. Ein aus 19 Schiffen Bestehendes Memel- Bibau bemerkt. Jm Schwarzen Meer nahmen die Russen mehrere deutsche Handelsschiffe weg. Deutsche Schiffe beschießen die Küste Algeriens. Berlin, 5. Auguft.( W. Z. B.) Die im Mittelmeere befindlichen deutschen Kriegsschiffe find gestern an der Küste von Algier ers schienen und haben einzelne befestigte Bläge, die Einschiffungs orte für die franzöfifchen Truppentransporte find, zerstört. Das Feuer wurde erwidert. Unterseeboote im Sund. Unterseeboote wurden heute nachmittag im Südausgange bes Kopenhagen, 4. Auguft, abends.( M. T. B.) Drei deutsche Sundes gesichtet. Sie scheinen dort eine Vorpostenſtellung eingenommen zu haben. Warnung vor Seeminen. Berlin, 5. Auguft.( Ausführliche amtliche Meldung.) Kurz nachdem bei Soldan befindliche Truppen heute morgen angetreten waren, um russischen Kavallerie brigade. Unter dem Feuer der starte russische Kavallerie zurückzuwerfen, erfolgte der Angriff einer Berlin, 5. August. In einer Sonderausgabe der bom bentfchen Truppen brach der ruffische Kavallerieangriff unter schwersten Reichsmarineamt herausgegebenen„ Nachrichten für Seefahrer" Berluften zusammen. Gestern nachmittag griff deutsche Kavallerie wird mitgeteilt: Im Stopenhagener Sunde im Königstief bas von Russen besette Kibarth an,-- an der Bahn gelegener( Rongedyb), im Holländer Tief und in den Drogben liegen verließ fluchtartig den Ort, der besetzt wurde. Eine in der Nähe be- Rinne. Für Kopenhagen besteht Lotfenzwang. Ungefähre russischer Grenzort öftlich Stallupönen. russischer Grenzort östlich Stallupönen.- Die Besagung von Ribarth Minen. Die Fahrstraße für Dampfer führt durch die Flintfindliche ruffifche Kavalleriebivision sah dem Kampf untätig zu. Der Bage des Drogben Feuerschiffes: 55 Grab 38 min. nördlich, feindliche Grenzschutz ist hiermit durchbrochen, was für unsere Auf- 12 Grad 43 Min. östlich. flärung von größter Wichtigkeit ist. Berlin, 5. Auguſt.( B. Z. B.) Deutsche Kavallerie hät gestern wie Iun, südlich von Kalisch, besetzt; sie wurde von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt. Vom serbisch- österreichischen KriegsSchauplatze. Konstantinopel, 5. August. Wie verlautet, wurde die Sperrung des Bosporus und der Dardanellen infolge der durch den Kapitän eines türkischen Dampfers überbrachten Nachricht verfügt, wonach die russische schwarze Meerflotte unweit der Mündung des Bureau.) Die Berichte der an der serbischen Grenze stehenden Wien, 5. August.( Meldung des Wiener.. Tel. orr.. Bosporus gesichtet worden sei. Die Leuchttürme bei den Meerengen Truppen lassen erkennen, bag eine erhöhte Tätigkeit ein wurden gelöscht und Minen gelegt. Neutralitätserklärung der Vereinigten Staaten. Washington, 5. Auguft. Der Präsident Wilson hat die Neutralitätserklärung der Vereinigten Staaten von Amerita laffen. erzutreten beginnt. Bei Belgrad suchten serbische Festungsgeschüße in der oberen und unteren Festung, sowie auf den benach barten Höhen durch heftiges Feuer sowohl die Bewegungen am biesseitigen Ufer als auch die Schiffahrt auf der Save und Donau zu verhindern. Dies veranlaßte die österreichischen Truppen gestern, ein Artilleriefeuer gegen diese Geschüße zu eröffnen. Der Kampf enbete damit, daß die ferbischen Geschüße zum Schweigen gebracht wurden. Die Feitungswerke wurden hierbei schwer beschädigt. Die Sperrung der niederländischen Zugangs. Straßen. Der Reichsanzeiger" schreibt in seinem amtlichen Teil: Nach einer amtlichen Mitteilung der königlich niederländischen Regierung hat diese die nördlichen Zugangsstraßen zum Weere und die Straße von Goerre durch Unterſeeminen sperren laffen, auch die nötigen Vorbereitungen zur Sperrung ber übrigen Zugangsstraßen getroffen. Die Jagd auf Spione. Ein amtlicher Erlak. Berlin, 5. August. Bekämpfung der Spionage. Mit dantenswerter Hingabe hat sich die Bevölkerung der Aufgabe angenommen, an der Sicherheit des Vaterlandes durch Fahndung auf feindliche Spione mitzuwirken. Im Uebereifer sind aber mehrfach Maßnahmen getroffen worden, die nicht zweckmäßig waren. Mehrfach sind Offiziere der eigenen Armee als russische Spione angesehen und in Ausführung ihrer Tätigkeit gestört worden. Es ist durchaus notwendig, daß von der schärfsten Aufmerksamkeit nicht um Haaresbreite ab- gewichen wird. Man enthalte sich aber jeder Tät- lichkeit und sorge für sofortige Klarstellung durch den nächsten Polizeibeamten. Menschenansammlungen müssen der- mieden werden. Ist kein sofortiges Zugreifen notwendig, so wird eine unausgesetzte und unauffällige Beobachtung des Verdächtigen und sofortige Mitteilung an die Polizeiorgane meist das Zweckmäßigste sein. Es kommt vor allem darauf an, Bahnanlagen, Brücken, Tunnels, Kanäle, Telegraphen-, Fernsprech- und Beleuchtungs» anlagen und andere für den Verkehr und die Verbindung not- wendigen Kunstbauten vor Anschlägen durch Beauftragte des FeindeS zu sichern. verlin. Die Truppe, sowie die«eiteren zuständigen Stellen sind rrnent darauf hingewiesen worden, daß bei Anschlägen auf Eisenbahnanlagen und Kunstbauten die auf frischer Tat Betroffenen auf der Sf e lle zu erschießen find.— Jede Person, die sich in verdächtiger Weise derartigen Anlagen nähert, setzt sich als» der Gefahr aus, niedergeschossen zu werden. Tie geheimnisvollen Automobile. Naumburg, 5 August. Ein? der Automobile, die von Frankreich Geld nach Rußland schaffen sollen und die mit Damen besetzt* sind, führt die Nummer 12 386— I. Naumburg, 6. August. Die Insassen der Automobile, die Gold nach Rußland schaffen, sollen das Geld jetzt Rad- fahrern übergeben haben, die Maurerkleidung tragen. Erschiehnng russischer Spione. Breslau, 3. August. Der königliche Polizeipräsident veröffentlicht folgende vom 2. August datierte Bekanntmachung: Ich bringe hier» durch zur öffentlichen Kenntnis, daß heute hier zwei Spione kriegS- rechtlich erschossen worden sind. Ausweisung von Ausländern. Am Dienstag erging eine Verfügung deS T o b l« n z er Kommandanten, wonach sämtliche Ausländer bis 6 Uhr nachmittags Coblenz verlassen mutzten. Sämtliche 5 Redakteure des dänischen Blatte«»Flensburg Avis" in Flensburg wurden in der Redaktion verhaftet. Kriegsbekanntmachungen. Einstellung ües Postverkehrs mit Englanö. Da« Reichspostamt teilt mit: Der Po st verkehr zwischen Deutschland und England ist gänzlich eingestellt und findet auch auf dem Wege über ander« Länder nicht mehr statt. ES werden daher keinerlei Postsendungen nach dem angegebenen fremden Lande mehr angenommen, bereit» vorliegende oder durch die Briefkasten zur Einlieferung gelangende Sendungen werden den Absendern zurück- gegeben. Der private Telegraphen- und Fernsprech- verkehr zu und von diesem Lande ist ebenfalls eingestellt. die Lanösturmpflicht. Durch die allgemein? Mobilmachung werden auch die Landsturmpflichtigen berührt. Für die Provinz Brandenburg und Berlin sowie einige andere Korpsbezirke im Innern des Reiches ist die Aushebung des Landsturmes vorläufig noch nicht verfügt, immerhin müssen auch die Landsturmpflichtigen dieser Bezirke mit der Mögilchkeit rechnen, w den allgemeinen Kriegszustand hineingezogen zu werden. Ter Landsturm besteht au« allen Wehrpflichtigen vom vollendeten 17. bis vollendeten 45. Lebensjahr, welche weder dem Heer noch der Marine angehören, d. h. solchen, die bei der Attshebnng gleich dem Landsturm überwiesen wurden, sowie solchen, die gedient, die Reserve- und Landwehrverpflichtungen erfüllt haben und mit den: 39. Lebensjahre aus der Landwehr 2. Aufgebots zum Landsturm übergetreten sind. Das e r st e Aufgebot umfaßt dle Männer vom vollendeten 17. bis vollendeten 39. Lebensjahr. Das zweite Aufgebot ist 39 bis 45 Jahr« alt. Der Aufruf im Kriege erfolgt nach Jahresklaffen und beginnt mit der jüngsten. Dem Aufruf unterliegen nicht— abgesehen von schwer bestraften und zum Ehrverlust verurteilten Personen— solche Wehrpflichtige. welche wegen körperlicher und geistiger Gebrechen dauernd untauglich zum Dienst befunden und ausgemustert sind. politische Uebersicht. Die preußische Amneftte. Der„Reichs- und Staatsanzeiger" veröffentlicht folgenden Gnadenerlaß: Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen usw., wollen angesichts der opferwilligen Vaterlandsliebe, die das gesamte Volk in dem UnS aufgedrängten Kriege beweist, allen denjenigen Personen, welche bis zum heutigen Tage I. wegen Beleidigung des Landesherrn oder eines Bundes. sürsten(§§ 94 bis 101 R.-Str.-G.-B.), wegen feindlicher Handlungen gegen befreundete Staaten im Sinne der ßZ 103 bis 104 R.-Str.-G.-B-, wegen Verbrechen und Vergehen in Beziehung auf die Ausübung staatsbürger- licher Rechte(§Z 105 bis 109 R.- Str.- G.- B.), wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt 110 bis 122 R.-Str.-G.-B.), wegen Verbrechen und Vergehen wider die öffentliche Ordnung im Sinne der§§ 123 bis 138 R..Str.-G.-B.. wegen Beleidigung in den Fällen der 88 196, 197 R.-Str.-G.-B.. wegen Vergehen im Sinne de»§ 153 der Gewerbeordnung, wegen einer mittels der Presse begangenen oder in dem Gesetz über die Presse vom 7. Mai 1874(ReichS-Gesetzblatt S. 65) oder in dem Vereinsgesetz vom 19. April 1908(Reichs-Gesctzbl. S- 151) unter Strafe gestellten strafbaren Handlung zu einer Geldstrafe, zu einer Haftstrase. zu einer FestungS- haststrafe bis zu 2 Jahren einschließlich oder zu einer Gefängnisstrafe bis zu 2 Jahren einschließlich, ober H. wegen Diebstahl oder Unterschlagung(§8 242 biö 248� R.-Str.-G.-B.,§ 188 Ml.-Str.-G.), wegen Betruges im Sinne des 8 264» R.-Str.-G.-B., wegen strafbaren Eigennutzes im Sinne 88 288, 289 R.-Str.-G.-B., wegen Entwendung im Sinne des§ 370 Ziffer 5 R.-Str.- G.-B- oher wegen einer in dem Gesetz betreffend den Forstdiebstahl vom 15. April 1878, Gesetzsammlung S. 222, unter Strafe gestellten strafbaren Handlung zu einer Geldstrafe, zu einer Haftstrafe, zu einer Arrest- strafe oder zu einer Gefängnisstrafe bis zu 3 Monaten einschließlich von Unseren Gerichten rechtskräftig verurteilt worden sind, diese Strafen, soweit sie noch nicht vollstreckt sind, in Gnaden hierdurch einschließlich der noch rückständigen Kosten erlassen, ihnen auch die etwa aberkannten bürgerlichen Ehrenrechte wieder verleihen. Ist wegen einer und derselben Handlung zugleich auf Grund einer nicht unter diesen Erlaß fallenden Vorschrift auf Strafe erkannt, so ist diese Strafe erlassen, wenn sie auS dem unter diesen Erlaß fallenden Gesetze festgesetzt ist. Ist in einem Erkenntnis auch wegen einer anderen strafbaren Handlung auf Strafe erkannt, so ist die wegen der unter den gegenwärtigen Erlaß fallenden Handlung eingesetzte Strafe in voller Höhe erlassen. Ist wegen derselben Tat Geldstrafe neben Freiheitsstrafe erkannt, so ist die Geldstrafe nur dann erlassen, wenn die Freiheitsstrafe unter diesen Erlaß fällt. Auf die Strafen, die von einem der mit anderen Bundes- staaten gemeinschaftlichen Gerichte erkannt sind, findet dieser Erlaß Anwendung, sofern nach den mit den beteiligten Regierungen getroffenen Vereinbarungen die Ausübung des Begnadigungsrechts in dem betreffenden Falle Uns zusteht. Unser Staatsministerium hat für die schleunige Bekannt- machung und Ausführung dieses Erlasses Sorge zu tragen. *« « Der Erlaß betrifft diejenigen Verurteilungen, über die bi« am 4. August von den Gerichten rechtskräftig erkannt war, also solche Berurteilungen, in denen entweder die letzte Instanz schon entschieden hatte oder in denen bis am 4. August das Rechtsmittel der Berufung oder Revision zurückgezogen war. E« sollen ferner vom Kriegsministerium die von ihm wegen vermeintlicher Beleidigung von Offizieren und Unteroffizieren gegen Zeitungen gestellten Sttasanträg» zurückgezogen werden. Kommunale Maßnahmen zur Lebensmittelversorgung. Wie in Berlin, so sind auch in zahlreichen anderen Städten Maßnahmen eingeleitet worden, durch welche die Versorgung mit Lebensmitteln während des Krieges erleichtert bezw. gesichert werden soll. Die Stadtverordneten in F r a n l s u r t a. M. dewilligten ein- stimmig 2 Millionen Mark, für die städtische Mehlgnläufe bezahlt und die Familien der eingezogenen Arbeiter unterstützt werden sollen. Die städtischen Arbeiter, die einrücken msiffen, erhalten sofort für 14 Tage Lohn ausbezahlt. Ihre Familienangehörigen er- halten ferner zu den Unterstützungen vom Reich einen Zuschuß bis zur Hülste beb Gesamtbetrags de« derzeitigen Dienst- einkommen». Di« zurückgebliebenen Familienangehörigen der sonstigen aus der Stadt Frankfurt a. M. zur Fahne einberufenen Mannschaften erhalten zu der Reichsunterstützung 50 Proz. dieses Betrage«. Di« Stadtgemeinde in Nürnberg richtete Pollsküchen zur Abgabe von billigen Speisen ein. Weiter beschlossen die Gtadtvertretungen in Kassel, Ohligs und W e i n h« i m, Summen zur Unterstützung hilfsbedürftiger Familien in den Etat einzustellen. In Dresden beschlossen Rat und Stadtverordnete die Be- willigung von einer Million. 200 000 M. sollen zur Unterstützung der Familien der eingezogenen städtischen und gegebenenfalls auch anderer Arbeiter verwandt werden, 300 000 M. zu Ankäufen von Lebensmitteln für die ärmere Bevölkerung. 300 000 M. für die Ein- richtung eines Reservelazaretts in der Ausstellungshalle und 100 000 M. fllr unvorhergesehene Ausgaben. Die städtischen Arbeiter sollen, soweit entbehrlich, zu Srntearbeiten beordert werden, unter Fortzahlung der entstehenden Lohndifferenz. Genosse Nitzsche konnte erklären, daß die Arbeiter-Samariterkolonne 230 ausgebildete Pfleger und Pflegerinnen zur Berfügung stelle. Bittgerpoliz« für dir russischen Erntearbeiter. Eine ganz besondere Truppe wollen nach amtlicher Mitteilung die Kriegervereine organifieren, Zur Verhütung etwaiger Ausschreitungen von russUcheu Erutearbeitern hat der Preußische LandeSkriegerverband im Einvernehmen mit den Behörden land sturmfreie Mitglieder der Krieger- vereine als UeberwachungSmannschasten zu Verfügung gestellt. Diese werden bewaffnet und von den Landräten mit der Eigenschaft als P o l i z e t S e a m t e ausgestattet. Die Organi- sanon in den einzelnen Kreisen wird durch die Landräte und die Vorstände der Kriegerverbände de« Näheren geregelt. Bekanntlich werden alljährlich mehr als 100 000 Arbeiter von Rußland über die Grenze geholt, um al« billig« Arbeitskräfte m der Landwirtschaft Verwendung zu finden. Wie die amtliche Meldung erkennen läßt, will man sie halb al« Gefangene, halb als Arbeiter in Deutschland festhalten, damit st« die Ernte' einbringen helfen. Väterchen Zar. Der offiziöse„Berliner Lokalanzeiger" schreibt: „Das„stolze ATbion" hat sein Krämerherz entdeckt, e« will die Konjunktur benutzen und ist bereit, al« Dritter im Bunde mit dem Lumpen und dem Toren über den deutschen Adler herzufallen." Wehe dem Sozialdemokraten, der e» je gewagt hätte, den Zaren einen„Lumpen" zu heißen! Ob nicht der„Lokal- anzeiger" der erste gewesen wäre, darüber zu zetern und nach dem Staatsanwalt zu rufen? Auch der„Lokalanzeiger" gehört« ja bis vor wenigen Tagen zu jenen Blättern, hie bis dahin in dom Herr- scher aller Reußen so etwa« wie das Ideal eine« Fürsten sahen. Zu der Lumpentitulierung des Zaren durch das loyale Blatt steht im eigenartigen Verhältnis eine ander« Notiz loyaler Blätter: »Eine Anzahl der vornehmsten Regimenter der deutschen Armee haben zum Thef oder Inhaber den Zaren, der überhaupt von den fremden Monarchen die meisten Regimenter im deukschett' Heere besitzt. Von den Kavallerie-Regimeniern sind es das Kürassierregiment Kaiser Nikolaus l. von Rußland lBrandenburg) Nr. 3, dann das Leibdragoner-Rcgiment Nr. 24, das in Darmstadt steht, ferner das 1. westfälische Husaren-Regiment, das auch seinen Namen trägt, und das bayerische Chevauleger-Regiment Kaiser Nikolaus von Rußland. Unter den Jnfanterie-Regimen- tern ist zu nennen das Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regi- ment Nr. 1." Nebenbei sei bemerkt, daß auch noch drei russische Großfürsten je ein deutsches Regiment besitzen, Konstantin Konstantinowitsch das Gardedragonerregiment Nr. 6, Nicolaus Nicolajewitsch das Magdeburger Husarenregiment Nr. 10 und Michael Alexandrowitsch das Westpreußische Ulaucnregiment Nr. 1. Ueberdies führt noch das Fürstenwalder Ulanenregiment Nr. 3 den Namen Alexander II«- von Rußland.-,' ia i' Die russischen Spione. Vor einem Jahrzehnt spielte sich der Prozeß gegen«nfere Ge-' Nossen in Königsberg ab. die beschuldigt waren, den Zaren und sein« Schergen beleidigt zu haben. Wie tobte da die.staatSerhaltende" Presse gegen uns I Der treulose Blutzar war ihr Held und sie überschlug sich in Wutanfällen gegen die Sozial«- demokraten, die den«Freund Deutschlands" schlecht behandelten. Jetzt grassiert die Spionem'urcht, jeder Russe läuft Gefahr, von überhitzten 1 Patrioten insultiert zu werden. Nun: es ist allgemein bekannt, i- daß die in Deutschland bisher so gehätschelten russischen Lockspitzel und andere Dunkelmänner bis hinauf zu dem russischen General� konsul in Königsberg, der in jenem Prozesse Uebersetzungen fälschte,- gleichzeitig militärische Spionage treibe». Wir können jetzt unseren Patrioten nur raten: sucht unter euren Freunden, die in den Redaktionen konservativer Zeitungen verkehrten, i» den Polizeistuben, in den Regierungsämtern bi« vor kurzem«in- und ausgingen; dort findet ihr wahrscheinlich manchen Spion. Aber das Publikum sollte sich bewußt sein, daß unter den Russen, die als Arbeiter, Studenten, Reisend«, Gewerbetreibend«, unter uns leben, eben nur ganz seltene Ausnahmen zu dem Gesindel gehören, das sich zu dem niederträchtigen Spionage« dienst hergibt. Die Gesittung gebietet schließlich jedermann, die Satzungen de« Völkerrechts zu wahren und friedliche Bürger eines Landes, mtt dem man im Kriege liegt, anständig zu behandeln. Besonders sollte man Burschen auf die Finger klopfen, die solch« infamen Hetznachrichten verbreiten, wie jene von dem Attentat russischer Studenten auf den Kronprinzen. lSnttüstete TchmockS. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" druckte gestern eine Mitteilung der Heeresleitung an die Presse ab, die nach unserem Gefühl nur für diese aber nicht für da? Publikum bestimmt war. Diese Mit» teilung stellt fest, daß einzelne Blätter sich aus Sensationslust nicht entblöden, Meldungen über Dinge zu bringen, deren Per» breitung nach Meinung des Großen Generalstabe» ungeheuren Schaden stiften kann. Pathetisch setzt da« in Berlin als„Skandal.Anzeiger" verschriene Blatt, das sich gern rühmt, vom Kaiser unzerschnitten ge- lesen zu werden, dem aus Eigenem hinzu: „Dir möchten nicht unterlassen, unsererseits hinzuzufügen. daß auch die Organisation der Presse es al» ihre vaterländische Pflicht ansehen wird, gegen Blätter, die sich diesen felbstvsrständ- ''sichen Änfordernngen des Größen Getrerakstabs nicht auf itüf" peinlichste und gewissenhafteste fügen, mit den schärfsten Mittel» vorzugehen." Solche Entrüstung macht sich allemal gut an den Stellen, für die sie bestimmt ist. Und nach unten ist sie natürlich nicht bestimmt. Aber man lese den„Lokak-Anzeiger" nur zwei Spalten weiter. Da findet man al«„Trahtbericht unsere« Korrespondenten" (anders macht« die Scherlgarde nicht) aus einer mitteldeutsche» Stadt gemeldet den genauen Aufenthalt eines kaiserlichen Prinzen sowie genaue Charge und Nummer des Regiments, bei dem er dient. Unter den Anweisungen, welche der Presse von der Heere»- leitung zugegangen sind, befinden sich auch solche über Mitteilungen, welche den Aufenthalt von Fürstlichkeiten bei der Armee betreffen. Aber diese Schmocks sind entrüstet, wenn andere ihnen eine Sen- sation wegschnappen; sie selber können die Tinte nicht halten. Letzte Kachrichten. Abreise des deutsche»« Botschafters auS England. London, 5. August. Der deutsche Botschafter wird morgen früh 6 Uhr hier abreisen. Ei» Kreuzer wird zu seiner Verfügung gestellt werden. Der deutsche Botschafter aus Petersburg i« Berlin. Berlin, 5. August. Der bishsrige deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pourtales. ist heute vormittag 11 Uhr am Stettiner Bahnhof mit dem ganzen Personal der Botschaft angekommen. Eingestellte Güterbeförderung. Berlin, 0. August. Amtlich wird bekannt gegeben: Di« Ge- suche van Firmen und Händlern um Beförderung von Gütern jeder Art treffen in so großer Zahl bei den Militär-Eisenbahn- behörden ein, daß ihre Beantwortung für die Zukunft unmöglich ist. Der Telegraph würde sonst derart überlastet, daß die Beförde- rung der wichtigsten Staats- und Militärtelegramme darunter leiden würde. Es wird nochmals dringend gebeten, von derarfi- gen Gesuchen, weil vorläufig aussichtslos, Abstand zu nehmen. Sobald die Möglichkeit zur Beförderung der Güter wieder vor- liegt, werden die nötigen Anordnungen rechtzeitig ergehen. Caillaux ermordet? Frankfurt a. Mai«, 0. August. Ein au? Pari» zurückgekehrter Journalist teilt der„Frankfurter Zeitung" mit, daß die Nachricht von der Ermordung Caillaux durch einen Sohn Calmettes tatsächlich richtig sei, und daß er selbst eine Veröffentlichung deS„Matin" darüber gelesen Hab«, wonach Caillaux von zwei Kugeln getroff«» worden sei. ES sei jedoch nicht richtig, haß, wie zuerst verlautet«� auch Frau Caillaux getötet worden sei. = Das ,, Café Piccadilly" heißt jetzt: Vaterland 273/19 soitto 107 11/671 Kaffeehaus Potsdamer Platz.= Theater a. d. Weidendammerbrücke Abends 8 Uhr: Der süße Fratz. YPOGRAPHIA Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger! Mehsel, Britton, Seydel, Ruselli, Horst, Schröder, Gröning, Schubert D. u. R. Schrader. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7, Uhr. Friedrich- Wilhelmst. Th. 8 Uhr tgl. d. Operettenschlager: Leutnants liebchen. Todes- Anzeigen Zentralverband der Handlungsgehilfen. Ortsgruppe Groß- Berlin. Am Montag, den 3. August, verstarb unser Kollege Hermann Heine. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachmittags Uhr, von der Leichenhalle des Gethfemane- Kirchhofes in Nieders Schönhausen, Nordend, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 77/18 Die Ortsverwaltung. Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer Gegr.1819 Hormeister Alexander Weinbaum Md. A.-S. Allen Beteiligten zur Kenntnis, daß der eingetretenen Kriegsverhältnisse halber das auf den 9. August 1914 anberaumte Sommerfest in der Berliner Bockbrauerei ausfällt. Die hierzu entnommenen Billetts sind in den Verkaufsstellen abzugeben, wo sie entnommen wurden. Auch die Gesangstunde am morgigen Freitag fällt aus und findet am nächsten Freitag, den 14. Auguft 1914, statt. Da in dieser wichtige Angelegenheiten erledigt werden, bittet um 60/4 Nisted Der Vorstand. aahlreiches Erscheinen перпи Deutscher Holzarbeiter- Verband Verwaltung Berlin. Die Angehörigen der zu den Waffen einberufenen Mitglieder werden ersucht, umgehend das Mitgliedsbuch des Einberufenen im Bureau, Rungeftraße 30, parterre, Zimmer 2, abzugeben. 91/1 Mittwoch, den 12. August, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15: Außerordentliche General- Versammlung. Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Maschiniften und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Geschäftsstelle Groß- Berlin. Deutscher Metallarbeiter- Verband Engelufer 14/15. Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Paul Lange am 3. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 6. August, nach mittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindefriedhofes in Neukölln, Mariendorfer Weg, aus statt. Den Stollegen ferner zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Helfer Achtung! Tel.: Amt Moritzplatz 13261. Achtung! Kollegen! Die am Sonntag, den 9. August, in Spandau einberufene General bersammlung findet nicht statt, sondern wird auf unbestimmte Zeit bertagt. Wegen Einberufung beider Bevollmächtigten zum Kriegsdienst ist mit der Leitung der Geschäfte der Kollege Otto Schmidt, Charlottenburg, Helmholzstraße 32, betraut. Das Bureau, Engelufer 15, bleibt bis auf weiteres geöffnet. 153/12 Die Ortsverwaltung. Franz Krüger Deutscher Bauarbeiter- Verband. geftorben ist. am Die Beerdigung findet Freitag, den 7. August, nachmittags 3%, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindefriedhofes in Neukölln, Mariendorfer Weg, aus statt. 9 Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. 123/8 Die Ortsverwaltung. dajet Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Parteigenossen herzlichen Dank für die zahlreiche Beteiligung bei der Be erdigung meines lieben Mannes; insbesondere dem Gesang Berein Morgengrauen" sowie dem Genossen Bieloch für seine trostreichen Worte. Frau Malow nebst Kinder. Danksagung. Zweigverein Berlin. Telephon: Amt Morikplatz Nr. 4093 und 8792. Bureau: Engelufer 15. Geöffnet von 9 bis 1 und 5 bis 7 Uhr. Zur Beachtung! Das Sommerfest des Zweigvereins, das am 15. August dieses Jahres in Kliems Festsälen stattfinden sollte, findet unter den herrschenden Umständen nicht statt. Soweit Eintrittskarten zu demselben gegen Bezahlung bei den tönnen dieselben bei denselben Haustassierern schon entnommen sind, Betrag zurüderstattet. Haustassierern zurüdgegeben werden und wird dann auch der gezahlte 144/ 4* Der Zweigvereinsvorstand. Spezialarzt f. Haut, Harn, Frauenleiden, nerv. Schwäche, Beintrante jeder Art, Ehrlich Hata Kuren in u. Co. konz. Laborat. j Blut: untersuchung., Fäden i. Harn usw. Dr. Homeyer Für die vielen Beweise herzlicher Friedrichstr. 81. gegenübe Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, des Schlossers Karl Krüger fagen wir allen Berwandten, Freunden und Bekannten, sowie den Kollegen und dem sonstigen Personal der Firma Wöllmer, Schriftgießerei, unseren herzlichen Dant. Banoptikum Spr. 10-2, 5-9, Gonnt. 11-2. Honorar mäßig, auch Zeilzahl. Separates Damenzimmer. Arbeiter Witwe Krüger und Kinder, Gesundheits- Bibliothek Ruppiner Str. 31. Von der Meise zurüd. 100/1 Dr. Paul Christeller. Bon der Reise zurüc 47542 Dr. Vollmann, Frauenarzt, Schlesische Straße 40a. Bon der Reise zurüd Dr. Silberstein Jedes Heft 20 Rig. Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125( Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. FrauenleidenEhrlich- Hata- Kur( Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Sohnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. MietPianos .6 Mark pro Monat an unter Anrechnung der Miete bei späterem Kauf It. Bereinbarung. Bei Barzahlung höchsten Rabatt. Bei Teilzahlung fleinste Raten ohne jede Anzahlung. Pianohaus Krause, Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße. Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend E. G. m. b. H. Zentrale: Lichtenberg, Rittergutstr. 16/26. Wir bringen unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Zufuhr von Preẞkohlen vorläufig eingestellt ist, weil infolge der derzeitigen Verhältnisse Kohlen auf der Bahn nicht befördert werden können. Ferner bringen wir zur Kenntnis, daß wir bis auf weiteres Kuchen- und Konditorwaren in unseren Verkaufsstellen nicht mehr führen. Alle übrigen Waren werden wir besorgt sein, in den notwendigen Quanten zu beschaffen, jedoch machen wir unsere Mitglieder darauf aufmerksam, daß das Mitbringen von Waren aus unseren Verkaufsstellen für Nichtmitglieder gesetz= lich unzulässig und strafbar ist. 1nd tod 106/3 Bekanntmachung. Der Vorstand. Radfahrertarten Hilfe für einberufene Geschäftstreibende Wanderkarten Infolge des Krieges müssen selbständige Geschäfts- und Gewerbetreibende in großer Zahl ihre Betriebe verlassen, um ihrer Dienstpflicht zu genügen. Viele von ihnen werden einen geeigneten Stellvertreter nicht haben. Bei der Wichtigkeit, die eine zielbewußte Leitung der gewerblichen Betriebe gerade im Augenblicke hat, haben wir beschlossen, eine Vermittelung von Stellvertretungen zu übernehmen. Wir fordern deshalb diejenigen Handels- und Gewerbetreibenden, die einen Stellvertreter brauchen, auf, eine entsprechende Anmeldung an die Handels- oder Handwerkskammer zu richten. Auf der anderen Seite mögen sich militärfreie Kaufleute und Gewerbetreibende bei uns melden, sofern sie bereit sind, eine solche Stellvertretung zu übernehmen. hält stets vorrätig Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69( Laden) Gelegenheitskauf! Sommer. Schlafdecken St. 88 Pf. 135 165 250 M. 1 Partie Sommer Steppdecken! Die Handelskammer zu Berlin. Die Handwerkskammer zu Berlin. St. 285 375 450 525 M. Franz v. Mendelssohn, Präsident. C. Rahardt, Präsident. Kennst Du das Land, wo dicke Eichen stehn? Hast Du den fleinen Spreewald schon gesehn? Der schönste Ausflugsort im Reiche Jst Mann's Waldschloß in Schöneiche. 100/2 Versand unter Nachnahme. Emil Lefèvre Berlin S., Oranienstr. 158. Fehlerhafte Decken D spottbillig! Kleine Anzeigen Verkäufe. Patentanwalt Müller, Gitschiner Goldschmelze fauft höchftzahlend Babngebisse, alle Metalle, Bitme ftrage 16. Nieper, nur Köpeniderstraße 157. 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Zun: besseren Verständnis des gegenwärtigen Welt- Krieges mit seinen noch nie dagewesenen Riesenheercn wollen wir noch einige Ausführungen aus dem schon gestern(in dem Artikel„Das moderne Massenheer") erwähnten Buche des Generals der Kavallerie z. D. von Bernhardi hier wiedergeben. Es liegt uns daran, daß unsere Leser als denkende Soziali st cn den überaus ernsten und (folgenschweren Ereignissen folgen, und dementsprechend ihr «rteil bilden können. Genral von Bernhardi schreibt u. a. über Kraft und �>ahl im modernen Kriege: ..�.ie Bedeutung, die der Zahl in den europäischen Militär- kraaten gan� allgemein beigemessen wird, hat ihre sehr natürliche Wurzel in der Annahme, daß bei ungefähr gleicher Bcwassnung, Ausrüstung und Ergänzung die Lcistungssähigkeit der verschiedenen -europäischen Armeen ungefähr die gleiche sei, daß man daher ein bestimmt faßbares Uebcrgcwicht nur durch numerische Ucberlegenheit zu erlangen vermöge. Bei uns in Teutschland kommt noch hinzu, daß man sich in langer Friedenszcit gewöhnt hat, mit theoretischen Größen zu rechnen, und die unwägbaren Faktoren des Erfolges, dre sich jeder Berechnung entziehen, deshalb auch tatsächlich außer acht zu lassen. Dieser Glaube an die Zahl aber ist ein trügerischer Wahn; läßt die Kriegserfahrung aller Zeiten erkennen, und nichts ist gefährlicher, als von der numerischen Ucberlegenheit zu erwarten, was sie an sich nicht zu leisten vermag. Gewiß ist die Größe der verwendeten Heere einer der wichtigsten Faktoren der Kraft. Dennoch aber darf man ihre Bedeutung nicht überschätzen. Man uuiß sich vielmehr von der Bedeutung der Zahl im Kriege genaue Rechenschaft zu geben versuchen, wenn man in der Kriegführung selbst nicht auf Irrwege geraten will. Für die Theorie des Krieges zunächst ist der Begriff der Zahl der einzige mögliche Maßstab für die Kraft und der einzige Ausdruck für ihre Darstellung. Ueberall, wo es darauf ankommt, theoretische Lehre und Grundsätze für Krieg- und Truppensührung zu entwickeln, müssen die unwägbaren Kraftfaktorcn bei den an- genommenen Gegnern als gleichwertig vorausgesetzt werden, und es bleibt die Zahl als einziger meßbarer Unterschied übrig. Will man beispielsweise die taktischen Vor- und Nachteile von Angriff und Verteidigung gegeneinander abwägen, so ist es unzulässig, bei der einen Partei weniger gute Truppen oder schlechtere Führung anzunehmen als bei der anderen. Bei dem völlig schwankenden Wert derartiger Annahmen könnte man niemals zu einem allgemeingültigen Ergebnis der Betrachtung gelangen, sondern bliebe ätets in der Erörterung unbestimmter Sonderfälle stecken. Der praktische Soldat aber muß sich bei der Anwendung der Theorie stets bewußt bleiben, daß Kraft und Zahl eben nur in der Theorie gleichwertig sind, in der Praxis aber sich keineswegs zu decken brauchen. Im wirklichen Krieg ist es nur selten statthaft, die Zahl als qlleinigen Wertmesser der Kraft zu � hetrachtcn. Immerhin aber gebührt ihr unter den verschiedenen Faktoren, aus deren Zusammen- wirken die Kraft entspringt, eine ganz besondere Beachtung. Zunächst ist die numerische Stärke der einzige Kraftfaktor einer Armee, der sich mit Bestimmtheit feststellen läßt. Alle anderen Komponenten dieser Kraft lassen sich nur schätzen, und bieten somit unbegrenzte Möglichkeiten der Täuschung dar. Kenntnis der zahlen- mäßigen feindlichen Stärke gibt also immerhin, wenn man sie mit den Schätzungswerten der militärischen Eigenschaften, Schwächen und Eigentümlichkeiten des Gegners in Verbindung bringt, einen einigermaßen sicheren Anhalt für die Beurteilung der vom Gegner zu erwartenden Leistungen. Ja, dieser Anhalt kann zu einem ganz bestimmten werden, wenn man die Besonderheit und Leistungsfähigkeit des Feindes bereits durch Kricgserfahrung kennen gelernt hat und daher nicht mehr auf bloße Schätzung an- gewiesen ist. So konnte man sich beispielsweise nach den Schlachten von Wörth und Spicheren deutscherseits ein ganz bestimmtes Bild von dem hohen taktischen Wert der französischen Armee, ihrer Fechtweise und der mangelnden Initiative ihrer Führer machen. Kam nun noch eine genaue Kenntnis ihrer numerischen Stärke hinzu, so gab diese der deutschen Heeresleitung einen sicheren Maß- stab in die Hand, um die lebendige Kraft des Gegners zu bestimmen. Wo freilich die Armeen aus sehr verschicdenwertigen Elementen zusammengesetzt sind, bietet die numerische Gesamtstärke keinen sicheren Maßstab fiir die zu erwartende Leistung. Doch ist zu bedenken, daß auch Truppen, die zu Beginn der Feindseligkeiten einen ganz verschiedenen Wert haben, wie z. B. Linientruppen und Neuformationen, im Verlauf des Krieges eine gewisse Gleich- artigkcit erlangen können. Tie schwächeren, weniger Icistungs- fähigen Elemente verschwinden allmählich infolge der Anstrengungen und Entbehrungen aus Reih und Glied, der Tod halt eine Auslese, die nur allzuoft gerade die besten und verwegensten Leute trifft; die Kriegserfahrung aller Teile nimmt zu und füllt die Lücken der Ausbildung allmählich aus: alle diese Momente wirken zu- fammen, um die Unterschiede des Truppenwerts allmählich aus- zugleichen. Ist dieser Ausgleichspunkt erreicht, ist diese Entwickelnng dem Gegner aus der Erfahrung bekannt geworden, dann wird ihm abermals die Kenntnis der Zahl zum entscheidenden Faktor für die Bewertung der gegnerischen Krast. Dieselben Gesichtspunkte gelten natürlich auch für die eigene Truppe. Sind ihre Eigenschaften dem Führer so bekannt, daß er sie richtig einschätzen kann, so bietet die Zahl den Maßstab für das, was er in jedem einzelnen Falle an Kraft einsetzen muß, um den Erfolg zu sichern. Ist man vollends berechtigt, den Wert der Truppen beider kriegführenden Parteien als völlig gleich an- zunehmen, dann bildet die Zahl den absoluten Matzstab für die mögliche Kraftentfaltung. So bleibt sie in der praktischen Kriegführung immer einer der wesentlichsten Faktoren der strategischen Rechnung und des Erfolges. Dennoch aber ist die numerische Ucberlegenheit nicht immer die wichtigste Bedingung des Erfolges. Zunächst kann es sehr wohl Verhältnisse geben, in denen man die Ueberzahl überhaupt nicht zur Geltung bringen kann. lieber die Brücke den Arcole konnte selbst ein Bonaparte den Ueber- gang nicht erzwingen, weil er auf dem Damm, auf dem der Angriff erfolgte, seine Kräfte nicht zu entfalten vermochte. Erst die Um- gehung brachte den Erfolg, weil sie den Einsatz weiterer Truppen ermöglichte. Bei Marathon erlagen die Perser, weil sie ihre ge- waltige Uebermacht auf dem engen Kampffelde nicht zu entwickeln vermochten; bei Salamis scheint das gleiche der Fall gewesen zu sein. Auf dem engen Räume konnte die persische Flotte ihre Kräfte nicht zur Wirkung bringen. Auch in neuzeitlichen Kriegen kommen solche Verhältnisse vor. Als Bourbaki die Lisaine-Stellung angriff, konnte er in dem vcr- hältniSmäßig engen Entwickelungsraum, den er für den Angriff gewählt hatte, seine Streitkräfte überhaupt nicht entwickeln. Von den 326 Geschützen, die er mit«sich führte, brachte er nur etwa 86 in Stellung; seine Infanterie fand keinen Platz zur Entfaltung ihrer Ueberzahl; so erlag er vor dem viel schwächeren Gegner, und auf dem Rückzüge wurde ihm seine numerische Stärke zum weiteren Verderben, weil er sie ordnungsmäßig weder zu bewegen noch zu verpflegen vermochte. Wie in diesen Fällen der Raum nicht ausreichte, um die Ueberzahl zur Geltung zu bringen, so kann es auch Verhältnisse geben, unter denen es dem numerisch Stärkeren zeitlich un- möglich ist, überlegene Massen rechtzeitig zu versammeln. Ter russisch-japanische Krieg liefert hierfür ein schlagendes Beispiel. In anderen Fälle» wieder ist es die taktische und operative Schwer- fälligkeit der Heere, die dem beweglicheren und entwickeluiig*- fähigeren Feinde gegenüber den Wert der Zahl nicht wirksam werden läßt. Dann kann es auch Kriegslagen geben, in denen die Masse dadurch zum Verderben wird, daß sie sich in schreiendem Miß- Verhältnis zu der Natur de» Kriegsschauplatzes befindet. Armut des Landes und wenig entwickelte Verbindungen gehen meistens Hand in Hand, da die Verkehrswege nicht willkürlich geschaffen, sondern durch die Güter- und Pcrsoncnbewegung bedingt werden, und nur im richtigen Verhältnis zu dieser bestehen können. Es kann also sehr wohl Fälle geben, in denen es schlechterdings un- möglich wird, eine gewisse Ueberzahl von Truppen zu ernähren und kämpf- und bewcgungsfähig zu erhalten. Das schlagendste Beispiel für diese Tatsache liefert Napoleons Fcldzng 1812 n a ch R u ß l a n d, bei dem die Masse der Armee keineswegs, wie die Legende berichtet, durch die Strenge des russischen Winters umgekommen ist. Zum größten Teil ist sie vielmehr schon während des Vormarsches zugrunde gegangen, weil eS unmöglich war, sie in dem dünnbevölkerten, wegelosen Laude getrennt mar- schieren zu lassen und ordnungsmäßig zu verpflegen. Da lockerte» sich alle Bande der Disziplin in den hungernden Scharen; die Marschvcrlustc wuchsen ins Ungeheure, und von der ganzen großen Armee, die zu Beginn des Feldzugcs über 366 066 Mann stark unter Napclcons persönlicher Führung den Vormarsch begonnen hatte, gelangten nur etwa 123 666 Mann auf daS Schlachtfeld von Borodino und nur etwa 66 666 Mann nach Moskau. Nur diese Trümmer sind auf dem Rückzüge an Hunger und Kälte zugrunde gegangen.____ /lus öer Partei. Kriegswirkungen auf öie Partei. Der Ausbruch des Krieges hat die Einberufung des Internationalen Kongresses unmöglich gemacht.— Eiuen Termin für die Abhaltung des nächsten Parteitages festzusetzen, muß einem späteren Zeitpunkt vorbehalten bleiben.— Auch die Bildungsarbcit wird durch die Kricgswirren fast ganz unmöglich gemacht. Die Parteischule kann ihre Arbeit nicht aufnehmen. Von de» Wandcrredncrn des Zcntralbildungsausschusfes befinden sich einige bereits unter den Waffen. Die„Neue Welt" zu verschicken ist zurzeit unmöglich. Sic kann also den Partciblättcrn vorläufig nicht beigelegt werden.— Die für den 1. Oktober d. I. vorgesehene Heraus- gäbe des Illustrierten Familienblattcs ist gleichfalls vereitelt worden. kleines Zemileton. die.„helüen üer Situation". Sie steckt gar tief in mancher Menschenbrust, die liebe Eitelkeit, die Freude, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. Auch die ernstesten Stunden bringen diese eitlen Gesellen nicht zum Schweigen. Wenn sich die Zukunft drohend und blutig aufrichtet, stehen sie da und blähen sich auf und gackern und krähen, um die„Helden der Situation" zu sein. Einige dieser Gesellen, die mir in den letzten Tagen über den Weg gelaufen, sollen hier porträtiert werden, Am Sonntag abends, als das Gerücht, Japan habe an Rußland den Krieg erkärt, die Stadt durcheilte und man daraufhin in allen Cafss Japan hochleben ließ. Vor dem alten „Eafö des Westens" steht ein Bohömetyp mit einem schönen lieben Mädel zur Seite. Er schwenkt den Hut und schreit: .Jetzt sind die Russen kaputl Nach Petersburg! Nach Petersburg!" Er schreit, daß er heiser wird, mit dem andern Arm aber drückt er das Mädchen fest an sich. Wie ein Faun steht er dort und meckert„Nach Petersburg I' und die Menge drängt sich um ihn und bewundert ihn. Da kommt ein kleiner, älterer Mann herbeigestürzt und erzählt, sein„junger Mann" habe ihm eben aus dem„Rheingold" telephoniert, dort habe ein GeneralstabSossizier erzählt, daß Japan wirklich Rußland den Krieg erklärt habe. So- fort schart sich die Menge um ihn. Er fährt wie ein Kreisel hin und her und man hört immer wieder von neuem:„Mein junger Mann... Rheingold... ein Generalstabsoffizier..." Er strahlt vor Freude und bläht sich auf, fühlt sich als Held der Siwation. » Dienstag im Stadtbahncoupo, in der drangvollen Enge des Viertelstundenverkehrs. Am Fenster steht ein junger Mann in Arbeiterkleidung, in der Hand ein kleines Köfferchen. Ein guter Bürger, ein rechter Philisterthp, findet, der junge Arbeiter nehme zu viel Platz ein und ruft ihm grob zu:„Drücken Sie nicht so I" Der Arbeiter antwortet:„Schreien Sie nicht so mit mir 1" Da wird der gute Bürger, der zu stänkern begonnen, ganz rebellisch. Was denn der andere zu krakeelen habe und überhaupt warum er durch- aus beim Fenster stehen wolle... und dann dieses schwarze Köfferchen... wer loeiß, was darin ist. Wir werden schon sehen, wer das Jungchen ist... er werde ihn feststellen lassen... ma» könne nicht wissen... und redet und bläht sich und fühlt sich als Herrn der Situation. * Am Abend am Kurfürstendamm. Ecke Wilmersdorfer Straße. Eine der alltäglichen Szenen. Zwei ältere russische Damen gehen dahin und sprechen russisch. Sofort ein Straßenauflauf.„Russinnen I Provokation I Frechheit!" Die erschreckten Damen, die wahrscheinlich kein Wort deutsch kennen, stammeln erschrocken einige russische Sätze. Das steigert die Erregung. Stöcke werden geschwungen. Da greisen einige Besonnene ein. Wehrlose Frauen dürfen nicht bedroht werdep. Man möge an die Auslandsdeutschen denken. Da plötzlich ertönt eine drohnende Stimme, ein Mann in SportSmütze taucht auf: „Kerne Ansammlungen... die Regierung verlangt Ruhe... wir müssen der Regierung gehorchen... Bedenken Sie. wir leben im Kriegszustand... keine Ansammlungen... ein Unglück kann ..." Jetzt schart sich die Menge um ihn. Immer neue Paffanten lockt er mrt seiner Stimme an, immer von neuem erklärt «r»keine Ansammlungen" und je größer die Lnsammlung um ihn wird, desto aufgeblähter und desto stimmkräftiger schreit er:„Ruhe ... Regierung... keine Ansammlung..." Und so sind sie alle, diese„Helden der Situation". Sie sind die wahren Unruhestifter in diesen Tagen. Wir tun unsere Pflicht. Der Verlagsbuchhändler Hillger, der das Erbe Kürschners unter aller Kanone verwaltet, hat einen offenen Brief an Deutschlands Handel, Gewerbe und Industrie ge- richtet. Er ruft alle, die in der Stadt entbehrlich sind, aufs Land hinaus. Sie sollen dem Landmann die Ernte sichern helfen. Wohlan, das tut so not, als es lächerlich und dreist ist, von den ganz einzigen Herrlichkeiten der Landarbeit zu sprechen. In einer Zeit, in her das Rot des Blutes zum Himmel schreit, sollte keiner in rosigen Farben malen. Warum sollte die Landarbeit heute weniger schwer und sauer sein als in FriedenSzeitcn, wenn die Agrarier ihre Leute darben lassen und knechten? Aber sie soll und muß verrichtet werden, trotzdem sie schwer ist. Nein, es soll in dieser Zeit keiner vor dem Dienst für das Vaterland sich drücken, aber er soll nicht wie der Droschkenkutscher denken, der dem Herrn Hillger auf die Frage, wie er sich zum Krieg stelle, zur Antwort gegeben haben soll: „Gestern noch war ich Sozialdemokrat, heute bin ich Deutscher". Diese Droschkenkutschcrantwort zieht nicht. Man kann Sozialdemokrat bleiben und dennoch seine Pflicht erfüllen. Kriegsanleihen einst und jetzt. Durch den Ausbruch deS Krieges wurde die Aufnahme einer Kriegsanleihe für später eine un- umgängliche finanzielle Maßnahme. Ansnahmeverhältnisse, wie sie der Krieg schafft, versetzen eben auch die sonst gutfundicrten modernen Staaten in die unabweisbare Zwangslage, ihren Geldbedarf auf dem Wege der öffentlichen Anleihen aufzubringen, wenn nicht gar zu dem Gewaltmittel von Zwangskursen zu greifen brauchen. Das tat beispielsweise Frankreich im Jahre 1876, das zur Deckung der Kriegskosten eine halbe Milliarde Frank Bank- nolen zu Zwangskursen ausgab und 1872 eine Anleihe von drei Milliarden aufnahm. Der Sezessionskrieg brachte den Vereinigten Staaten von Amerika eine Geldrüstung, deren Kosten im Jahre 1863 durch die Begebung einer Anleihe in Höhe von drei Milliarden auf- gebracht wurden, lind Japan sah sich im Verlaufe des russisch-japanischcn Krieges gar in die Lage versetzt, fünf Anleihen im Gesamtbetrage von 2466 Millionen Mark zu emittieren, eine Ziffer, die einem ein- dringlich zum Bewußtsein bringt, wie rapide bei der modernen Kriegführung die Kosten gewachsen sind. Welchen Umfang das moderne Mittel der Geldbeschaffung durch Ausgabe von Anleihen angenommen hat. beweist ein Blick auf die Entwicklung der Staatsschulden. Vor dem 18. Jahrhundert spielen diese im Finanzwesen der Staaten kaum eine Rolle. Bor dieser Zeit hatten die zivilisierten Staaten insgesamt rund 3 Milliarden Mark Schulden, eine Summe, die bald auf etwa 126 Milliarden Mark angewachsen war, die so gut wie ganz auf Europa entfielen. Ausnahmsweise war indessen schon früher das Mittel, durch Auf- nähme von Anleihen einen dringenden Geldbedarf zu decken, hier und da zur Anwendung gekommen. So entstand zur Zeit Franz I. von Frankreich die erste Staatsrente, die durch die Einkünfte der Stadl Paris garantiert wurde. Im Gegensatz zur Neuzeit bestritt man in den Staaten des Altertums die Kosten großer Kriege aus den Fonds, der aus der Kriegsbeute, aus den den Besiegten auferlegten Kriegs- steuern und auS den Ueberschüssen der Staatseinnahmen gebildet wurde. Heute sind es nur wenig Staaten, die über einen Kriegsschatz als Notreserve verfügen, so Deutschland mit seinem Schatz im JuliuSiurm, die Schweiz, die rund 8 Millionen in Gold aufbewahrt, und Japan, das die von Ehina empfangene Kriegs- entschädigung zu gleichen Zwecken aufspeicherte. Im Altertum und bis in die Neuzeit hinein verfiel man im Interesse der Wieder- aufsüllung deS Kriegsschatzes auf die merkwürdigsten Mittel. So erzählt beispielsweise Cervantes, daß jeder Spanier zu einer be« stimmten Zeit einmal im Monat hungern mußte, um mit dem Gelde der ersparten Nahrungsmittel der erschöpften Kriegskasse aufzuhelfen. Im Mittelalter verpfändeten oder verkauften die Fürsten Krongüter, Juwelen und Privilegien, wenn sie es nickt vorzogen, als„Kollekten" bezeichnete Vermögenssteuern auszuschreiben, die Dante als ebenso schädlich bezeichnet wie„Verhungern und FcuerSbrünste", falsches Geld auszugeben oder bei Juden oder reichen Knufleutcn Darlehen aufzunehnien, deren Verzinsung und Rückgabe nicht immer Programm- mäßig erfolgte. 4Dic Eisenbahnen der kriegführende» Staaten. Bei der un- geheuren Wichtigkeit, die die Eisenbahnen für den Aufmarsch und die Konzentration der Trnppenmassen haben, wird es interessieren, die genauesten und neuesten Daten darüber zu erfahren. An der Spitze steht Deutschland; es besitzt 62 734 Kilometer, d. h. 11,6 Kilo- metcr auf 166 Quadratkilometer oder 9,6 Kilometer auf 16 666 Ein- wohner. In der absoluten Zahl folgt nun Rußland, d. h. das europäische mit 62198 Kilometer, aber da es über sechsmal so viel Flächeninhalt und das Doppelte an Einwohnern hat wie Deutsib- land, so kommen hier nur 1,2 Kilometer auf 166 Ouadral- kilometer und 4,8 auf je 16 666 Einwohner. Frankreich besitzt 66 232 Kilometer. Da seine Fläche nur 4666 Quadratkilometer kleiner ist als die Deutschlands, so kommen nur 9,4 Kilometer auf je 166 Quadratkilometer. Hingegen ist der Prozentsatz der Kilomcterzahl zur Einwohnerzahl, weil eS nur 46 Millionen Einwohner hat, größer, nämlich 12,8 auf 16666 Einwohner. Oesterreich-Ungarns Eisenbahn- netz ist verhältnismäßig schwach entwickelt; es zählt 46 823 Kilo- meter, das sind 6,8 Kilometer auf 166 Quadratkilometer und 9,6 aus 16 666 Einwohner. Serbien schließlich besitzt 936 Kilometer, das beißt 2,7 Kilometer auf 166 Quadratkilometer und 3,3 auf 16 666 Einwohner. Notizen- — Theaterchronik. Im Kleinen Theater wird „Der Klecks" von Ewald Cranz am Donnerstag, Freitag und Sonnabend zum Besten der Landesvereine vom Roten Kreuz aufgeführt,— Das Schillertheater in Charlottenburg wird seine Spielzeit plangemäß am 13. August mit Kleistens„Prinzeu von Homburg" eröffnen. — Kunst und Wissenschaft verstummen. Die Berliner Museen sind bis auf die Nationalgallerie und das Zeug- Haus geschlossen worden.— Die Königl. Brb liothek wird die neuen Lesesäle und die BücherauSgabestelle, die jetzt im Umbau bc> griffen sind, vor der Hand nicht wieder öffnen können,— Ver« schiedene Theater wollen versuchen, bei herabgesetzten Gagen im Herbst zu eröffnen. Später Patriotismus, Infolge der vielfach be- triebenen Fremdenhetze sehen sich allerlei Unternehmungen, die sich bisher geschmackloser- und überflüssigerweise möglichst fremd- sprachlicher Bezeichnungen bedienten— wie Palais de danse, Cais Piccadilly, Prince os Wales usw.— genötigt, dafür jetzt deutsche Benennungen einzuführen. Die Parvenusucht, die sich einbildet, ein Pot de chambre wäre kein Nachttopf und das Palais de danse kein Prostituiertenlokal, wird freilich damit nicht abgetan. — Nützliche Wirkungen. Zeitungen, die sich bisher durch beängstigenden Papierverbrauch auszeichneten, beginnen bereits ihren Umfang einzuschränken. Hoffentlich iverden die Schwindelblätter, die von aufgebauschten oder Wippchenmeldungen leben, durch die richtige Einsicht der Nichtmehr-Käufer bald verschwind«. Die meisten««serer Zeitungen haben sich, gleich den bürgerliche« Blättern» zur wesentlichen Einschränkung ihreS UmfangeS genötigt gesehen.— Es ist in dieser schweren Zeit Aufgabe der Parteigenossen, sofort für Ersatz zu sorgen, wenn in den Vorständen und Ansschüssen unserer Organisationen durch die Einberufung Lücken eitstehen. Die Organisationen müssen unter allen Umstände« aufrechterhalten werden, das ist die ehrenvolle Aufgabe der militärdienstfreien Genossen. Koalitionsrecht und Einigungswesen. Die Gesellschaft für Soziale Reform hat soeben das Er- xiebnis einer Untersuchung über„Ausbau und Ver- vollkommnungdesgewerblichenEinigungs- Wesens" herausgegeben. Die Schrift*) baut sich auf den Gutachten einer ganzen Reihe von Sachverständigen auf und enthält manche beachtenswerte Feststellung über die Mangel- haftigkeit und die notwendigen Verbesserungen des gewerb- lichen Einigungswesens. Der Verfasser, Prof. Dr. Waldemar Zimmermann, spricht in seinem Schlusswort den Wunsch aus, daß auch die Gesetzgebung das Ergebnis der Untersuchung bald verwerte. Und die Wochenschrift der bürgerlichen Sozial- reformer, die„Soziale Praxis", sucht die allgemeine Auf- merksamkeit auf die Schrift zu lenken. Sie führt hierfür an: Gerade einige der jüngsten langandauernden Arbeitskämpfe, insbesondere einige schwere Aussperrungen beweisen es aufs neue, daß die Einrichtungen zur Sicherung des gewerblichen Friedens und zur raschen Beilegung von Arbeitszwisten noch nicht allenthalben in Deutschland wirksam genug ausgestattet sind, um solchen wirtschaftlich-sozialen Zusammenstößen vor- zubeugen oder ihnen doch die bittere Scharfe und Verhängnis- volle Ausdehnung zu nehmen... Es klaffen noch viele Lücken in dem Einigungsapparat, und die Technik des Appa- rats selbst ist noch vielfach unvollkommen in organisatorischer und rechtlicher Hinsicht.— Auch die aufgeklärten Arbeiter haben schon lange auf Mängel unseres gewerblichen Eini�ungswesens hingewiesen und sowohl in ihren Vorschlägen für die Tarifverträge als auch in den sozialdemokratischen Anträgen an die Gesetzgebung zweckmässige Verbesserungen angeregt. Sie wissen, daß das, was sie zur Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedin- gungen erstreben, dringend notwendig ist und die unbedingte Voraussetzung für die segensreiche EntWickelung der Gesamt- heit bildet. Demgemäß haben die Arbeiter sich auch niemals geweigert, ihre Forderungen und deren Begründung in voller Oeffentlichkeit darzulegen: sie sind stets zu Verhandlungen mit den Unternehmern bereit gewesen. In der Tat sind derartige Verhandlungen schon jetzt von grosser Bedeutung. Ein beträchtlicher Teil der Lohnbewe- gungen findet durch die Verhandlungen einen vorläufigen Abschluß. Auf diese Weise ist mancher Streik und manche Aussperrung vermieden worden. Aber das gewerbliche Einigungswesen liefert uns nur den Boden, auf dem es zu einer zeitweisen Verständigung zwischen den Unternehmern und den Arbeitern kommen kann. Es kommt aber erst dann wirklich zu einer solchen Ver- ständigung, wenn die Unternehmer sich durch die Kraft der Arbeiterverbände zu einem Entgegenkommen auf die Forde- rungen der Arbeiter gezwungen sehen. Und dafür ist die Voraussetzung eine wirklick)e Vereinigungsfreiheit der Arbeiter. Deshalb muß vor allem anderen das Koalitionsrecht der Arbeiter gegen die Angriffe der Unternehmer geschützt uird ausgedehnt werden. Denn die Verhandlungen vor den Einigungsämtern be- ziehen sich auf den Gegensatz zwischen den Ausbeutern und den Ausgebeuteten: der Klassengegensatz der kapitalistischen Ausbeutungswirtschaft ist der Inhalt solcher Verhandlungen. Unter den heutigen Verhältnissen streben die Unternehmer danach, für sich aus der Arbeit ihrer Arbeiter einen möglichst großen Ueberschuß, möglichst viel Profit herauszuholen und demgemäß den Arbeitern möglichst schlechte Lohn- und Arbeits- bedingungen aufzuerlegen. Die Arbeiter dagegen müssen selbstverständlich auf die Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse bedacht sein. So stoßen die Unternehmer und die Arbeiter in ihren Forderungen aufeinander. Seitdem die Arbeiter sich in ihren wirtschaftlichen und politischen Verbänden zusammengeschlossen und dadurch Widerstandskrast gegen eine gar zu rücksichtslose Ausbeutung erlangt haben: seitdem sie durch ihre Verbände den Kamps um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen planmäßig -führen, haben auch die Unternehmer ihre Kräfte vereinigt und fetzen sie ein, um die Forderungen der Arbeiter zu bekämpfen. Ja, sie arbeiten unermüdlich dahin, den Arbeitern durch AuS- fperrpngen, gelbe Arbeitervereine und neue ZwangSgesetze jeden Kampf um bessere Zustände ganz unmöglich zu machen . und das Koalitionsrecht der Arbeiter trocken zu legen. Das ist die Lage der Dinge, die gegenwärtig in dem Still- stand, ja im Rückschritt unserer sozialpolitischen Gesetzgebung und in der unbefriedigenden Durchführung der Arbeiterschutz- und Arbeiterversicherungsgesetze sowie in den Massenaus- sperrungen schärfer als je hervortritt. An diese Lage der Dinge und an ihre Gefahren für die Arbeiterrechte mahnte uns vor dem Kriege das unaufhörliche Geschrei der Unter- nehmer nach Ausnahmegesetzen gegen die aufge- klärten Arbeiter. Von dem Kampfe gegen diese Bestrebungen dürfen sich die Arbeiter durch nichts ablenken lassen. So wünschenswert für sie eine Verbesserung des gewerblichen Einigungswesens sein mag— was würde es ihnen helfen, wenn inzwischen ihre VereinigUNgSfreihett weiter eingeschränkt, den Gewerkschaften und der Partei ihre Tätigkeit zur Verbesserung der Arbeiter- Verhältnisse noch mehr erschwert wird? Was würde die „Einigung" helfen, wenn die abhängigen Arbeiter durch immer stärkeren Druck in die gelben Verrätervereine hinein- gezwungen, die Arbeiterkinder ihren Eltern mit immer neuen Lockmitteln entfremdet, die Arbeiterzeitungen durch immer schärfere Verurteilungen bedrückt, die Arbeitervertreter, weil sie die Interessen der Arbeiter vertreten, zu Erpressern oder sonstigen angeblichen Verbrechern gestempelt werden? DieS müssen die Arbeiter unter allen Umständen verhindern. In dem Kampfe gegen diese Gefahren dürfen sie keinen Augen- blick nachlassen. Deshalb müssen sie auch die Verbesserung des gewerblichen Einigungßwesens in dem Zusammenhange betrachten, •) Heft 47/49 der Schriften der Gesellschaft für Sozial« - Reform. Verlag von Gustav Kischee. Jena. in dem sie i« Wahrheit steht: in dem Zusammenhange mit dem Schutz und der Verbesserung der Vereinigungssteiheit, der dringend st en sozialpolitischen Aufgabe nach dem Frieden. Nur dann, wenn ihr die Gesetzgebung gerecht wird, kann die Verbesserung des gewerblichen Eini- gungswesens einen wirklichen, bedeutungsvollen Nutzen bringen._ Gewerksthastliches. Mobilmachung und Gewerkschaften. Die erfolgte Mobilmachung der Streitkräfte des Deutschen Reichs setzt auch die Gewerkschaften den schwersten Erschütte- rungen aus. Der Organismus der Gewerkschaften ist um so empfindlicher getroffen, als ihre Statuten durchgängig die außerordentlichen Verhältnisse, die im Kriegsfall eintreten, nicht berücksichtigen. Nun ist überraschend schnell der Krieg gekommen, der die Gewerkschaftsvorstände zwingt, im Interesse der Erhaltung der Organisationen außerordentliche Maß- nahmen zu treffen. Mit deni Augenblick der Mobilmachung ist die Tätigkeit der Gewerkschaften auf ihrem eigentlichen Arbeitsgebiet, dem Kampf um günstige Lohn- und Arbeitsbedingungen unter- bunden. Lohnbewegungen irgend welcher Art können nicht geführt werden, die schwebenden Lohnkämpfe mußte man wohl oder übel als beendet erklären. Um so dringender sind die Anforderungen, die zur Unterstützung der Arbeitslosen an die Kassen der Verbände gestellt werden. Eine Unterstützung der Familien der zum Kriegsdienst einberufenen Mitglieder hat kein Gewerkschaftsinstitut vorgesehen. Die Not, die in den Familien der Arbeiter eingezogen ist, deren Ernährer dem Ruf zur Fahne Folge leisten mußte, ist aber so groß, daß sich den Gewerkschaften gebieterisch die Pflicht aufdrängt, hier helfend einzugreifen. Die am Sonntag abgehaltene Konferenz der Gewerkschaftsvorstände, deren Ergebnis der in der Montagsnummer des„Vorwärts" veröffentlichte Aufruf der Generalkommission war, hat sich mit diesen Fragen beschäftigt, bestimmte Richtlinien für die einzelnen Gewerkschaften aber noch nicht festgelegt. Die gleich nach erfolgter Mobilmachung in großer Zahl eingegangenen Meldungen über Stillegung von Betrieben veranlassten den Vorstand des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes zum sofortigen Handeln, ohne erst das Er- gebnis der Umfrage über den Stand der Arbeitslosigkeit ab- zuwarten. Die Tatsache, daß ein sehr großer Teil der Ver- bandsmitglieder zu den Waffen gerufen ist, steht fest und es kann nicht daran gezweifelt werden, daß von den übrigen Mitgliedern ein sehr erheblicher Teil arbeitslos ist. In dieser Situation hat der Vorstand des Deutschen Holzarbester- Verbandes am 3. August westtragende Beschlüsse gefaßt, die et in einer Kundgebung in der neuesten Nummer der„Holz- arbeiter-Zeitung" zur Kenntnis der Mitglieder bringt. Diese Beschlüsse besagen in der Hauptsache, daß sämtliche im Statut vorgesehenen Unterstützungen außer Kraft gesetzt sind. Ter Verband zahlt vom 9. August ab nur noch Arbeitslosenunter st ützung und Unter st ützung an die Familien der zum Heeresdienst ein- berufenen Mitglieder. An alle arbeitslosen Mit- glieder, die dem Verband niindestens 1 Jahr angehören und mindestens 62 Wochenbeiträge gezahlt haben, wird nach ein- wöchigerKarenz auf unbeschräntte Dauer eine Arb« i t s l 0 s e n- Unterstützung gezahlt, die gleichmäßig für Verheiratete 6 M. für Ledige 4 M. pro Woche beträgt. Die Familien- unter st ützung für die zumHeeresdienst ein- gezogenen Mitglieder, die dem Verband mindestens ein Jahr angehören, soll in der Regel 3 M. pro Woche be- tragen. Zu diesen Unterstützungen dürfen Zuschüsse aus den Lokalkassen nicht gewährt werden, vielmehr sollen die Mittel der Hauptkasse wie der Lokalkassen dazu verwandt werden, die genannten Unterstützungen möglichst lange gewähren zu können. Ueber den Umfang der Unterstützungsbedürftigkest liegen im Augenblick noch keinerlei zahlenmäßige Unterlagen vor. Der Notstand ist aber so groß, daß das Verbandsvermögen in verhältnismäßig kurzer Zeit aufgezehrt sein würde, wenn nicht die in Arbeit stehenden Mitglieder in dieser schweren Zeit auf das pünktlichste ihre Beitragspflicht erfüllen. Die im Hauptbureau des Verbandes beschäftigten Angestellten haben beschlossen, zugunsten der unterstützungsbedürftigen Mitglieder und deren Familien für die nächste Zeit auf ein Viertel ihres Gehalts zu verzichten. Es wird aber der uneingeschränkten Opferwilligkeit aller noch in Arbeit stehenden Mitglieder bedürfen, um den Verband über diese schwere Krise hinweg- zuHelsen._ Serlin und Umgegend. Zum Streik der Kraftdroschkenführer. Eine Versammlung der noch an dem Streik beteiligten Fahrer tagte am Mittwochvormittag im großen Saale des GewerhchastS- Hauses, um den Bericht der Kommission über die Verhandlungen mit den Unternehmern zwecks Beilegung des Streiks entgegenzu- nehmen. Die Streikleitung hatte in Rücksicht auf die herrschenden Verhältnisie bei den Unternehmern eine Verhandlung nachgesucht, um einen annehmbaren Frieden herbeizuführen. Die Kommission hat den Unternehmern gegenüber den Standpunkt vertreten, daß durch die Kriegswirren die normale Grundlage für die Fortführung des bestehenden Kampfes verschoben worden ist. Da beide Teile innerhalb des Kampfes stieben Wochen) wirtschaftlich schwer geschädigt worden sind und beide Parteien sich bisher in dem Kampfe gleich stark erwiesen haben, wäre eine Einigung zu erzielen, wenn der eine Teil etwas zugibt und der andere Teil von seinen Forderungen etwa? abläßt, so daß keiner von beiden als Sieger oder Besiegter auS dem Kampfe hervorgeht. Bekanntlich haben die Unternehmer die Einnahmen der Fahrer reduziert, indem dieselben die Neben- einnahmen, die seit Jahren gewährt worden find, in Fortfall brachten. Die Unternehmer erklärten sich durch Verhandlungen vor der „Handelskammer" bereit, 7S Pf. pro Tag sowie 26 Proz. der täglichen Einnahmen zu gewähren und außerdem die Haftpflicht- Ver- 'icherung für die Fahrer zu übernehmen. Dieses Zugeständnis ist 'einerzert von den Fahrern abgelehnt worden. ES haben dann Ver- Handlungen vor dem Einigungsamt der Stadt Berlin stattgefunden, welches folgenden Schiedsspruch fällte: „Die Fahrer erhalten»inen Lohn von SO Pf. pro Tag und 26 Proz. der täglichen Einnahmen mit der Maßgabe, daß die Fahrer für ihr« Haftpflichtversicherung selbst zu sorgen haben." Dieser Schiedsspruch wurde von den Fahrern angenommen und von den Unternehmern ab- gelehnt. Letztere faßten den Beschluß, unter Fortfall der Ber- icherung jetzt nur noch 76 Pf. Lohn per Tag und 26 Proz. der täglichen Einnahmen zu zahlen. Die Unternehmer legten serner den Fahrern eine Dienstordnung zur Unterschrist vor. durch die den Fahrern Pflichten auferlegt werden sollten, welche die Dienstordnung für dieselben unannehmbar machte. Etz kam deshalb zum Streik. Die Kommission machte nun den Vorschlag, die Unternehmer mögen ihr erstes Zugeständnis 76 Pf. und 25 Proz. sowie die Ueber- nähme der Haftpflichtversicherung erneut zugestehen. Die Kommission würde dann für die Annahme dieses Zugeständnisses eintreten, um so den Streik im Jnleresse beider Parteien als auch im Interesse der allgemeinen Situation beenden zu können. Diesen Vorschlag lehnten die Unternehmer kategorisch ab und ver- langten die strikte Unterwerfung unter die Dienstordnung. Es war interessant, die Ausführungen der hier in Betracht kommenden Unter- nehmer zu hören, die zum größten Teil bis vor 1—3 Jahren selbst Fahrer und Mitglieder des Transportarbeiter-Verbandes waren und als solche alles für sich in Anspruch nahmen, jetzt aber in einem hier nicht wiederzugebenden Ton den Herrenstandpunkt vertraten und jede Einigung ohne Rücksicht auf die Situation strikte ablehnten.— Der Streik wurde durch einstimmige Annahme einer Resolution abge- krochen, aber beschlossen, die Betriebe der bestreikten Unternehmer so lange zu meiden, bis dieselben die berechtigten Forderungen der Fahrer, 80 Pf. Lohn und 25 Proz. oder 75 Pf. und 25 Proz. mit Wiedereinführung der früher gewährten Nebeneinnahmen, gewähren. Erfreulicherweise konnte noch mitgeteilt werden, daß in den letzten Tagen wieder mehrere Firmen die Forderungen der Fahrer anerkannt haben I Unter anderen die Unternehmer Dobbert in Reinickendorf und der Elektrobetrieb Fischer in der Ofener Straße. Bei beiden zusammen kommen etwa 70 Mann in Frage. Achtung. Bäcker! Von mehreren Seiten find der VerbandSleitunV Klagen darüber geführt worden, daß verschieden« Meister versuchen, die augenblickliche Zeit dazu zu benutzen, um den Tarif zu brechen und Verschlechterungen deö Arbeitsverhältniffes durchzusetzen I Bei den Nachforschungen, die von feiten des Verbandes der Bäcker vor« genommen wurden, gewann eS den Anschein, alS ob die Bäcker- meister ganzer Stadtteile, so unter anderen die in Treptow, sich in diesem Sinne verabredet haben. Das hat natürlich den Widerstand unierer Kollegen gesunden. DaS wird jetzt von den betreffenden Meistern so hingestellt, als hätten unsere Kollegen neue Forderungen gestellt. Angefichts dieser Vorkommnisse und angesichts der schweren Zeit, die jetzt über die Bevölkerung hereingebrochen ist, richten wir an unsere Kollegen die dringende Mahnung, allerdings auf dem Tarif zu bestehen, unter keinen Umständen aber höhere Forderungen zu stellen, als sie der Tarif vorsieht! Wir dulden keine Lohndrückereien: aber die VerbandSleitung ist entschloffrn. gegen diejenigen, die die gegenwärtige Situation zur Erlangung persönlicher, im Tarif nicht begründeter Gondervorteile zu benutzen, mit den schärfsten ihr zu Gebole stehenden Maßnahmen vorzugehen. Wir find stet« zu Verständigungen bereit, wenn eS im Interesse der Allgemeinheit geboten ist. können aber unmöglich es dem freien Ermessen einzelner Bäckermeister überlassen, ob der Tarif weiter ein- gehalten werden soll oder nicht. Ebensowenig aber werden wir zulassen, daß unsere Kollegen jetzt nicht im Tarif begründete oder unvernünftige Forderungen an die Arbeitgeber stellen. Mit kollegialem Gruß Die VerbandSleitung. Deutsches Reich. M die Mitglieder des Sauarbeiterverbaades l Der„Grundstein" veröffentlicht an seiner Spitze folgenden Aufruf: Werte Kollegen! Der Kriegszustand hat jetzt schon zu einer Erschwerung des OrgaoisationSlebenS geführt und wird höchst- wahrscheinlich der gesamten Verbandstätigkeit sehr enge Grenzen setzen. Ein Drittel unserer Mitglieder oder mehr wird dem Rufe des Landes folgen und unter die Fahne treten. Von den Zurück- bleibenden aber werden viele bald arbeitslos sein. Dazu kommen die Steigerung der Lebensmittelpreise und die Einschrän- kungen deö persönlichen und brieflichen Verkehrs. Alles das wird in einem noch nicht absehbaren Umfange unsere Tätigkeit beein- trächtigen und lahmlegen. Der Verbandsvorstand verpflichtet alle nicht zum Heere einberufenen und in Arbeit stehenden Mitglieder zur pünktlichen Beitragszahlung und zur Pflege der allgemeinen Solidarität. Bon den noch kommenden Ereignissen und von der Beitragszahlung wird es abhängen, ob der Verband seine statutarischen Pflichten erfüllen und vielleicht auch den Fa- milien der eingezogenen Kollegen helfend zur Seite stehen kann. In der letzteren Angelegenheit kann nicht von unserem Ver- band allein gehandelt werden, sondern die gesamten freien Gewerk- schaften werden darin einheitlich vorgehen müssen. ES hat sich bereits eine Konferenz der Verbandsvorstände damit befaßt, und in der nächsten Woche wird eine zweite Konferenz darüber beschließen. Die Reichsregierung hat in Aussicht genommen. unter Mit- Wirkung der Gewerkschaften in Berlin eine Zentralstelle zu errichten, die die Vermittelung von Arbeitern für die dringenden landwirtschaftlichen Arbeiten besorgt. Wir verpflichten unsere Mit- glieder, sich schon vor Errichtung dieser Zentralstelle nach Möglich- keit an der Einbringung der Ernte zu beteiligen, um so einerseits den allgemeinen Interessen zu dienen und anderseits sich gegen Arbeitslosigkeit zu schützen. Die ZweigvereinSvorstände müssen darauf achten, daß für BerbandSfunktioiiäre, die einberufen werden, sofort Ersatzmänner gewählt werden. Vor allem ist darauf zu achten, daß die Kassen- Verwaltungen in Ordnung bleiben. Diese außerordentlichen Zustände erfordern auch von uns außer- ordentliche Maßnahmen. Als solche ordnet der Verbandsvorstand zunächst folgende an: 1. Alle Streiks und Sperren, die jetzt noch bestehen und deren Fortbestand von unserer Organisation abhängig ist, s j n d h i e r» mit ohne Ausnahme aufgehoben. 2. Alle geplanten Lohnbewegungen, gleichviel, ob sie bereits von uns genehmigt wurden oder nicht, unterbleiben für jetzt und werden zunächst nicht weiter verfolgt. 3. Versuche der Unternehmer, die gegenwärtige schwere Zeit zu Lohnkürzungen oder anderen Verschlechterungen der Arbeits- Verhältnisse auszunützen, sind dem Verbandsvorstand« zu melden. der seinerseits das möglichste tun wird, um solche Angriffe auf Treu und Glauben und gute Sitte abzuwehren. 4. Alle zur Fahne gehenden Mitglieder haben sich, soweit«s irgend möglich ist. ordnungsmäßig abzumelden und unter allen Umständen ihr Verbandsbuch beim ZweigvereinSvorstände zur Auf« bewahrung niederzulegen. Vielleicht wird eS schon in den nächsten Tagen notwendig werben, weitere Maßnahmen anzuordnen und bekanntzugeben. Die MU- glieder wollen darum auch die Arbeiter-Tagespresse beachten. An die zurückbleibenden Kollegen richten wir die dringliche Mahnung, auch in dieser schweren Zeit treu zur Organisation zu hallen. Unsere Kollegen bei der Fahne grüßen wir in brüderlicher Liebe; wir wünschen ihren Waffen den Sieg und ihnen allen eine glückliche Wiederkehr. Hamburg, den 3. August 1814. Der Berbandsvorstand. I. 0,; Fritz Paeplow. Aufgeschebene Tagung. Der Verbandstag der Bureau« angestellten Deutschland», der Montag in München seinen Anfang nehmen sollte, wurde wegen de» Kriegszustände« auf unbestimmt» Zeit vertagt. Tie Unternehmer und das Vaterland. Za München streiten seit dem 1. Mai die Wagenbauer. Die MilitSrverwalwng benötigte aber dringende Arbeiten; die streikenden Arbeiter erklärten sich sofort bereit, unter Zugrundelegung der fest- herigen Arbeitsbedingungen, in Verhandlungen zur Beilegung der Differenzen einzutreten. Der Arbeitgeberverband lehnte jedoch ab. Infolgedessen liehen die am Streik beteiligten Gewerkschaften dem Gewerbegericht folgende Erklärung zugehen: „Die Militärverwaltung hat die Gewerkschaften benachrichtigt, dah Arbeiten für die Kriegsbereitschaft infolge des Wagenbauerstreiks von den Arbeitgebern, nach deren Angabe, nicht gelierfert werden können. Di« Gewerkschaften sollten daher Sorge dafür tragen, dah die Lieferung erfolgen könne; sie sollten sich mit Herrn Gerichtsdirektor Dr. P r e n n e r wegen Beilegung des Streiks in« Benehmen setzen. Diesem Verlangen der Militärverwaltung kamen dieGewerkschaften nach und verlangten unter Zu- grundelegung der bisherigen Arbeitsbedingungen Verhandlung zur Beilegung de« Streiks, wonach die Arbeit nach den bisherigen Arbeitsbedingungen wieder aufgenommen welden könne.— Die Arbeitgeberorganisation lieh durch den Syndikus Dr. K u ch l ejr jede Verhandlung brüsk ablehnen und hat sich damit der Ver- pflichtung gegenüber der Militärverwaltung und dem Vaterland« entzogen. Die Gewerkschaften jedoch haben der gegenwärtigen ernsten Situation inso- fern Rechnung getragen, als sie durch die Beilegung de« Streiks die Lieferung der Arbeit en ermög- lichen.' �__ Parteiangelegenheiten. Vierter Wahlkreis. Jugendsektion. Donnerstag, den 6. August, abend» SV, Uhr, wie üblich, Versammlungen der jungen Mitglieder des Wahlvereins. Für den Stadtteil Südost im Reichenberger Hof, Reichen berger Str. 147. I.Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Für den Stadtteil Osten bei Siegel, Grohc Frankfurter Str. 30. Vortrag de» Genossen E. Eichborn über: Einführung in den wissen- schaftlichrn Sozialismus. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Fur Wilhelmshagen, Rahnsdorf, Klein-Schönebeck und Schön- kichc findet der Zahlabend Sonnabend, den 3. August in den bekannten Lokalen statt.— öerliner Nachrichten. Parzellenkauf— Cigenbejltz. Wer kennt sie nickit, die überall in die Augen fallenden Plakate, Inserate, Tafeln und sonstigen Drucksachen, die in und um Berlin herum dem Publikum anzeigen, daß da und t'ort unter einem schön klingenden Namen eine„Kolonie" er- richtet worden ist. Errichtet nur zu dem Zweck, um den die frische Luft liebenden Arbeitern und kleinen Beamten die Möglichkeit zu verschaffen, im eigenen Heim, umgeben von einem wunderschönen Garten, seine Feierstunden zu verbrin- gen. Selbst das Paradies kann nicht schöner verbildlicht, wer- den, als es auf diesen Reklameplakaten geschieht. Und das alles ohne Kapital. Der„G. m. b. H." kommt es ja nur darauf an, dem Arbeiter beim Erwerb eines eigenen Hauses behilflich zu sein. Tausende sind auf diese marktschreierische Reklame schon hereingefallen, haben nicht nur ihre sauer ersparten Groschen verloren, sondern auch das bißchen Bewegungsfreiheit und »iaiichmal sogar ihren ehrlichen Namen eingebüßt. Es dürften deshalb wohl an dieser Stelle einige Worte von Leuten an- gebracht sein, die auf diesem Gebiete reichlich Erfahrungen gesammelt haben. Die Grundstückspekulanten sind sehr vorsichtig und sehr knauserig, soweit es sich uni ihr eigenes Geld handelt. Sie zahlen in den seltensten Fällen den Preis für das von ihnen erworbene Terrain voll aus. Oftmals wird der Kauf ohne Airzahlung und nur notarisch abgeschlossen mit der Bedingung beun Verkauf jeder Parzelle dem Großgrundbesitzer einen bestimmten Anteil zu überweisen. Auf diese Weise geht das Terr«n grundbuchamtlich nicht im ganzen, sondern Parzellen- weise, und zwar an die einzelnen Ansiedler über. Die Un- koste» beschränken sich dadurch auf die unerheblichen Ver- messungs- und Notariatskosten. Alle übrigen Kosten, welche ihnen.koentuell durch die Bedingungen der Gemeinden später entstehen könnten, schiebt man den Parzellenkäufern zu, in- dem man die Kaufverträge dementsprechend, aber nicht auf- fällig zurechtstutzt. Um nun den Parzellenkäufern den Abschluß solcher Verträge recht schmackhaft zu machen, wird nur eine kleine Anzahlung und eine geringe jährliche Teilzahlung gefordert. Durch diese scheinbar günstigen Bedingungen werden viele veranlaßt, Grundbesitz zu erwerben. Ist durch Unterschreiben eines solchen Vertrages vor einem Notar der Kauf perfekt geworden, so geht der Käufer Mit dem sicheren Gefühl nach Hause, mit wenigen Mitteln nun Grundbesitzer geworden zu sein. Später erst wird er gewahr, daß er durch diesen Vertrag von dem Spekulanten abhängig geworden ist und nun weder vorwärts noch rückwärts kann. Tiefe Praktiken werden leider, wenn auch unbewußt, von vielen Gemeinden unterstützt, in- dem sie einerseits der Terrainspekulation allzu fteien Spiel- räum lassen, andererseits den Parzellenbesitzern die Aus- Nutzung ihrer Grundstucke erschweren. Letzteres führt nütur- lich zu Konflikten zwischen Parzellenbesitzern und der � Gemeinde. So kommt es auch, daß viele bei Wahrung ihrer Eigentumsinteressen mit ihren früheren Grundanschauungen m Widerspruch geraten Das Geschäft wickelt sich vornehmlich folgendermaßen ab: Von dem erworbenen Gelände wird ein Straßenfluchtlimen- plan angefertigt und die hierbei entstehenden Blocks in Par- Zellen zu je 50 bis 100 Quadratruten geteilt Dieser Plan wird der betreffenden Gemeinde zur Geiiehmiguna einge- reicht und findet vielfach ohne weiteres Zustimmung. Es wird auch meistens den Spekulanten kein bestimmter Termin vorgeschrieben, bis zu welchem die Straßen in zweckent- sprechender Weise befestigt und mit Entwässerunas- und Be- seuchtungsanlagen versehen sein müssen. Dadurch wird es mnen leicht gemacht, die Parzellen m kurzer Zeit zu verkaufen, da ja die Käufer in den Glauben versetzt werden in abseh- parer Zeit nicht mit den Straßenregulierungskosten rechnen »u brauchen. Trotzdem hat aber der Spekulant für diese Zwecke eine bestimmte Summe auf jeder Parzelle grundbuch- ucy zu seiner Sicherheit'eintragen lassen. den stückweisen Verkauf des Mit projektierten wD«vU Ersehenen Geländes steigt der Wert desselben be- w* Die Gemeinden machen sich diese Wertsteigerung ourch die Grundwertsteuerveranlagung zunutze, wovon roß'tenleils nicht der Spekulant, sondern der ParzellenkLuser etroffen wird. Dieser will nun folgedesscn sein Grundstück mehr ausnützen, z. B. ein Häuschen darauf bauen, wozu ihm aber die Genehmigung seitens der Gemeinde versagt wird, weil die Straßen noch nicht gepflastert und deshalb nicht anbaufähig sind. Die Gemeinde erklärt sich ebenfalls außer- stände, die Pslasterungskosten zu übernehmen, und der Speku- lant weigert sich natürlich auch, irgend etwas zu veranlassen. Die Folge ist, daß die Parzellenbesitzer sich vereinigen und gegen die Gemeinde Stellung nehmen und oftmals auch bei Gemeindewahlen selbständig vorgehen. Soweit hierbei organisierte Arbeiter in Frage kommen, wird für diese die Situation äußerst kritisch. Auf der einen Seite ihre Eigen- tumsinteressen, auf der anderen ihre grundsätzlichen An- schauungen. Die Gemeinden, die das Bauen an unregulierten Straßen verbieten oder von gewissen Bedingungen abhängig machen, sind durchaus im Recht, und man kann den sozialdemokratischen Vertretern, die sich hierbei auf die Seite der Gemeinde stellen, gar keinen Vorwurf machen. Will man ans diesem Gebiete bessernd wirken, muß man in der Oeffentlichkeit auf die Gefahren aufmerksam machen, die durch die Bodenspekulation entstanden sind. Aber auch die Gemeindevertretungen müßten den Terrainspekulanten gegen- über mehr als bisher mit Konzessionen zurückhalten, bevor diese sich nicht verpflichtet haben, alle Bedingungen zu erfüllen, die die Gemeinden auf Grund des Straßen- und Bauflucht- liniengesetzes zu fordern berechtigt sind. Den organisierten Arbeitern kann nicht dringend genug geraten werden, sich stets erst eingehend über die örtlichen Verhältnisse zu informieren, bevor sie ihre sauer erworbenen Spargroschen für solche Zwecke anlegen. Wer in den Spandauer Staatswerkstä tten arbeiten darf. Bei den am Montag erfolgten Masseneinstellungen in den Spandauer Staatsiverkstätien mutzte ein junger Mann, von Beruf Eisendreher, recht sonderbare Erfahrungen machen. Derselbe hatte früh 7 Uhr um seine Einstellung ersucht. Nachdem er ärztlich unter- sucht und al« tauglich befunden worden war, erhielt er den Bescheid, dah er sich als eingestellt betrachten könne. Er solle am nächsten Morgen sich im Betriebe einfinden. Der junge Mann, in Berlin, Fichtestratze wohnhaft, machte sich wegen der zu erwartenden un- günstigen Fahrgelegenheit bereits um V,3 Uhr auf die Beine, um pünktlich 6 Uhr die Arbeit antreten zu können. Im Betriebe an- gelangt, mutzte er jedoch noch drei Stunden warten. Um S Uhr wurde er u. a. befragt, welcher Religion er angehöre, worauf der junge Mann betonte, datz er konfessionslos sei. Er war nicht wenig erstaunt, al« ihm jetzt der Einftellungsbeamte erwiderte, dah im Betriebe der StaalSwerkstätten Konfessionslose nicht geduldet werden könnten, da Menschen, die an nichts glauben, zu allem fähig wären. Der Beamte stellte dem so Bcschiedenen an- heim, sich nachtaufen zu lasten, alsdann könnte noch seine Einstellung erfolgen. Die Gründe der Abweisung sowie daS an den Arbeitiuibenden gestellte Ansinnen erscheinen kaum glaublich. Jetzt, wo selbst nach der Ansicht de« Kaiser« alle KonfessionSunterschiede nicht mehr gelten, kann es kaum im Sinn« der obersten Kriegsbehörde sein, wenn in der von uns berichteten Weise bei Arbeitseinstellungen verfahren wird. Zu den Spionenjagden. Die Jagd nach angeblichen Spionen ist zu einem gemein- gefährlichen Unfug ausgeartet, der die Anordnungen der Militär- behörden, acht zu geben, auf das Schwerste kompromittieren kann. Gerade im Interesse einer sachgemäßen Beachtung der erlassenen SicherheitSmatznahmen liegt es, Front zu machen gegen die von vielen Seiten als Sport betriebenen Spionenjagden. Bezeichnend ist ein Schreiben eines deutschen Offiziers, das die.B. Z. am Mittag" gestern veröffentlichte und das lautet: .Am 3. August waren der Polizeiwache im Potsdamer Bahn- Hof bis abends 3 Uhr nach amtlichem Bericht 64„Spione" vor- geführt worden, von denen nicht ein einziger in Haft behalten wurde, weil sie nämlich alle keine Spione waren. Auf dem Pots- damer Platz und im Slbultheitz-Restaurant wurden von der wütenden Menge unter anderem eingcfangen, und dabei mit dem Tode bedroht: ein prcutzischer Major a. D., der bei Schultheiß seinen Sohn erwartete,_ ein Oberarzt der Landwehr und ein Königlicher Gerichtsasiessor, welche friedlich ihres WegeS zogen. Das letzte Opfer bei Schultheiß war ein bayerischer Ofstzier a. D., der wegen seiner Größe für einen Rüsten gehalten wurde. Ein etwas angetrunkener Ladenjüngling hetzte die Massen derartig gegen den Verdächtigten, datz derselbe in wirklicher Lebensgefahr schwebte. Vier junge Preußische Offiziere retteten ihren bayerischen Kameraden endlich, indem sie ihn in Schutzhaft nahmen und hinüber auf die Bahnhof- wache geleiteten. Dort versuchte die Menge die Tür einzutreten, um den„Spion" zu lynchen. Ein Leutnant vom 1. Garde- regiment Uetz die Mannschaft der Wache die Seitengewehre auf- Pflanzen und drohte, die pöbelhafte Aufführung der tobenden Masse mit Waffengewall zu ersticken." Miete und Zinsenzahlung gehen weiter. Im Anschluß an die auch in der Mittwochnummer des„Vor- wärts" wiedergegebenen, Bekanntmachungen de« Magistrats und des Oberpräsidenten sei folgende« erwähnt: Gewiß ist eS an sich zutreffend, datz die Mieter den Mietzins auch jetzt nach Eintritt deS Kriegsfalles weiter zu zahlen haben. Diejenigen jedoch, die zurFahne einberufen werden und infolgedessen die Wohnung— oder da« g e- mietete Zimmer— nicht weiter benutzen, sind mit dSm Tage der Einberufung von der Verpflichtung zur Mietzahlung entbunden. Bleiben Familien zurück und wird von der Familie die Wohnung weiter benutzt, so hat allerdings auch der Wirt den Anspruch auf Weiterzahlung der Miete. Die Familienangehörigen find aber berechtigt, anderweit— z. B. bei Verwandten— Unterkunft zu suchen. Ist die Miete für den laufenden Monat im voran? hezahlt. so kann der Betrag, der für den Teil des MonatS. in dem die Wohnung nicht benutzt werden kann, zurückverlangt werden. Gleichzeitig weifen wir noch besonders auf einige Bestimmungen des am Dienstag im Reichstag beschlossenen NotgesetzeS „betreffend den Schutz der infolge des Krieges an Wahrnehmung ihrer Rechte behinderte» Personen" hin. Prozesse, bei denen eine Partei zu Ein« berufenen zählt, werden bis zur Beendigung des Kriegszustandes ausgesetzt. Einberufene, die einen Pro« zeß führen, müssen, wollen sie die Unterbrechung deS Verfahrens herbeiführen, dem Gericht Mitteilung wachen. Die Unter- brechung des Verfahren« gilt auch für Minderjährige oder Ent- mündigte, falls der gesetzliche Vertreter— Bater oder Vormund— einberufen ist. Li»»ur Aufhebung des Kriegszustände« dürfen in solchen Fällen Termine nicht stattfinden. Auch die gesetzliche« Fristen für die Einlegung von Rechtsmitteln— z. B. Berufung«- fristen, Beschwerdefristen, Rebifionsfristen, Einspruchsfristen— sind während der Einberufungszeit außer Kraft gesetzt, ebenso Verjährungsfristen, sofern eine Partei einberufen ist. Ist die einberufene Partei durch einen Prozetzbevollmächtigten vertreten, der nicht einberufen ist oder ist der gesetzliche Vertreter— Vater oder Vormund— hier, so tritt die Unterbrechung des Ber« fahrens nicht ein. Diese Bevollmächtigten bezw. Vertreter find jedoch berechtigt, namens der Einberufenen die Aussetzung des Verfahrens zu beantragen. Einem dahingehenden Antrag mutz stattgegeben werden. Die Zwangsvoll st reckung aus Urteilen gegen Einberufene sowie auch wegen der öffentlichen Abgaben— z. B. Steuern— unterliegt Einschränkungen. Es können wohl Gegenstände gepfändet, dürfen aber nicht versteigert werden. Auch die Versteigerung von Sachen, die der Ehefrau gehören, ist unzulässig, sofern das Ber- mögen der Ehefrau dem Nießbrauchs- und Verwaltungsrecht deS ein- berufenen Mannes unterliegt. Dasselbe ist der Fall, sofern minder- jährige Kinder Schuldner sind und ihnen gehörige Sachen ge- pfändet sind. Anträge, die die Versteigerung aufhalten sollen, sind an da« Amtsgericht— AollstreckungSabteilung— in besten Bezirk die Pfändung erfolgt ist, zu richten. Interessierte Leser und Leserinnen, die sich noch im unklare» sind, können sich an unsere juristische Sprechstunde wenden. Die Bäckermeister und der Krieg. In einer Versammlung der Bäckerinnungen wurde ein Plau bekanntgegeben, nach welchem die Stadt Berlin die Bäcker init Bichl versehen wolle. Diese Mitteilung ist ver- früht. Der Magistrat hat bereits mit den Vertretern des Handels- und Gewerbcstandes Besprechungen abgehalten, es sind jedoch bisher über die Zuführung des Mehls an den Konsum Entscheidungen noch nicht getroffen. Es schien dies auch nicht erforderlich, da außer den erheblichen städtischen Vorräten, die als Zuflucht im Falle der Not gedacht sind, noch sehr beträchtliche in privaten Händen befindliche Ouanti- täten von Mehl und Brotgetreide in Berlin lagern. Sollten die Händler niit ihren Beständen in Gefäbrdung des öffentlichen Wohls zurückhalten oder die Preise m un- gebührlicher Weise erhöhen, so wird gegen dieses die Not deS Augenblicks ausbeutende Gebaren sofort eingeschritten werden. Mastnahmen zur Verbilligunq der Berliner Kartoffel» preise. Auf Einladung der Aeltcsten der Berliner Kaufmannschaft von Berlin fand gestern nachmittag eine Sitzung von Kartoffelinteressenten statt, in welcher Maßnahmen zur Er- möglichung der Kartoffelzufuhr nach Berlin während der Mobilmachung beraten wurden. Es waren erschienen eine Reibe von Berliner Kartoffel- großhändlern, der Geschäftsführer des„Verbandes Deutscher Kartoffelinteressenten" sowie ein Vertreter der„Gesellschaft zur Förderung des Baues und der wirtschaftlich zweckmäßigen Verwendung der Kartoffeln". Es wurde festgestellt, daß die gegenwärtigen abnorm hohen Preise lediglich auf die durch die Militärtransporte unterbrochene Zufuhr von Kartoffeln zurückzuführen find, und daß gegenwärtig Warenknappheit herrscht. Wenn man berücksichtigt, daß Berlin täglich durchschnittlich 10000 Zentner Kartoffeln zum Lebensunterhalt gebraucht und wenn bei der gegenwärtigen schlechten Haltbarkeit der Kartoffeln keine großen Vorräte gehalten werden können, so ist diese Knapp- heit erklärlich. Zum großen Teil ist daS kaufende Publikum auch selbst an dieser Knappheit schuld, da zu viel Vorräte gekauft werden trotz der schlechten Haltbarkeit de» Kartoffeln. Es soll nun bei den zuständigen Stellen beantragt werden, die Zufuhr von Kartoffeln von Nebenstrecken in der Nähe Berlins zu gestatten. Ferner sollen auf dem Wafferwege in allernächster Zeit größere Mengen Kartoffeln nach Berlin herangeschafft werden. Das Publikum wird daher ersucht, sich nur einige Tage mit dem Einkauf zu gedulden, da dann Kartoffeln in ge- nügenden Mengen und zu billigeren Preisen zu haben sein werden. « Kartoffelspeude für die Charlottenburger Kriegerfamilien. In Charlottenburg hat der Fuhrunternehmer Robert H e n n e ck e, der gleichzeitig Rittergutsbesitzer ist, seine gesamte Kartoffelernte, die auf 6v 000 Z e n tn e r g e s ch ä tz t w t r d, den zurückgeblienenen Familien zur Verfügung gestellt. Die Kartoffeln sollen von den Familienmitgliedern der in« Feld gerückten Soldaten selbst gegraben werden. Während dieser Zeit stellt der Eigentümer diesen freie Wohnung und freie bürgerliche Be« köstigung zur Verfügung. Der Transport der geernteten Kartoffeln soll durch daS Entgegenkommen der Königlichen Eisenbahnverwaltung unentgeltlich bi» zum Charlottenburger Bahnhof erfolgen. Zur weiteren Beförderung vom Bahnhof bis vor die tn Frage kommenden Häuser will der Spender aus seinem Fuhrwerk Wagen und Pferde zur Verfügung stellen. Frauen im Strastenbahubetrieb. Die Direktion der Großen Berliner Straßenbahn ersucht un» um folgende Mitteilung: „Die Reihen unserer Fahrer und Schaffner sind durch die Einziehung zum Kriegsdienst über Erwarten gelichtet. Zurzeit sind von den 3303 Mann Betriebsbediensteten 4475, also fast genau die Hälfte, zu den Fahnen gerufen. Weiter« 2033 bi» 3333 Mann werden folgen, sobald noch der Landsturm mit Waffe eingezogen wird. ES gilt, im Interesse der Aufrechterhalwng deS öffentlichen Verkehrs in Groß-Berlin zuverlässigen Ersatz zu schaffen. ES gilt gleichzeitig, den zurückgebliebenen Frauen der Einberufenen Er- werbsquellen zu erschließen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, werden wir mit Genehmigung der Aufsichtsbehörden in den nächsten Tagen damit beginnen, den Schafsnerdienst auf den Anhängewagen versuchsweise durch Frauen der zum Kriege einberufenen Schaffner und Fahrer versehen zu lassen. DaS straßenbahnfahrende Publikum, dem wir für rücksichtsvolles End« gegenkommen tn der unvermeidlichen VerkehrSnot dieser Tage nicht genug danken können, bitten wir, den Frauen unserer braven im Felde stehenden Angestellten ihre Aufgabe auS Menschenfreund» lichkeit zu erleichtern und sie gegenüber etwaigen Rücksichtslosigkeiten nach Möglichkeit zu schützen." Wir kommen diesem Ersuchen gern nach. Als selbstverständlich nehmen wir an, dah bei den Einstellungen auch männliche Arbeits- lose, unter denen sich gewiß passende Ersatzkräfte befinden, berück- fichttgt werden. Falsches Gerächt. EZ ist das Gerücht in Berlin berKreitei, daß der Müggelsee verseucht sei. Dieses Gerücht ist vollkommen falsch. Das Wasser ist untersucht worden und als völlig einwandfrei be- funden worden. Der Dienstvertrag der Handlungsgehilfen im Kriegsfall. Es gelangen jetzt viele Anfragen an uns. inwielueit durch den Kriegsausbruch das Dienstverhältnis der Handlungs- gehilfen berührt wird. Es sei hierzu zu bemerken, daß der Kriegsausbruch selbst die Geschäftsinhaber keineswegs zur sofortigen Entlassung von Angestellten berechtigt. Die ordnungsmäßigen Kündigungsfristen sind einzuhalten, wenn nicht die Betriebseinstellung infolge des Kriegsausbruches er- folgen mußte. Wer sich noch im unklaren über seine Rechte und Pflichten aus dem Dienstvertrage befindet, dem wird bereitwilligst nähere Auskunft erteilt im Zentralverband der Handlungs- gehilfen Berlin C. 25, Münzstr. 20, vorn II. Warnung für Automobilisten. Nachdem das Generalkommando bekannt gegeben, daß ein Kraftwagen Nummer 200 preußische Uniform tragende Offiziere und Damen mit französischem Gold in der Richtung nach der russischen Grenze unterwegs ist und daß andere Kraftwagen ebenfalls unterwegs sein sollen, teilen die Polizei- behörden mit, daß sämtliche Chausseen durch Schlagbäume gesperrt iverden. Die Insassen eines jeden Autos, welches auf Anruf nicht hält, werden heruntergeschosscn. Es empfiehlt sich also dringend für alle Automobilisten und Chauffeure, doppelt Obacht zu geben. Bei dem Lärm, den der Motor verursacht, ist es leicht möglich, daß die Fahrer das Anrufen einer Patrouille überhören und sich so in Lebensgefahr bringen. Es ist daher allen Automobilisten, die gegenwärtig die Landstraßen zu benutzen gezwungen sind, nur dringend zu empfehlen, ein mätziges Tempo einzuhalten und alle Posten an Brücken, Straßenkreuzungen, Ortschaften usw. zu beachten. Der Sicherheitsdienst auf den Landstraßen, der bereits am Sonnabend voriger Woche eingerichtet war, ist inzwischen durch die Mitglieder von Schützcnvereiuen verstärkt worden. Fürsorge für die Angehörigen einberufener Angestellten und Arbeiter. Die Direktion der Kabelwerke Oberspree A. E.-G. hat beschlossen, den Familien der zum Kriegsdienst einberufenen Arbeiter ihrer Be- triebswerke folgende Unterstützung zuteil werden zu lasten: Die zurückbleibenden Frauen der Einberufenen erhalten bis auf weiteres wöchentlich sechs Mark und jedes Kind unter 14 Jahren eine Mark. Für die Beamten und sonstigen einberufenen Angestellten ist in ähn- licher Weise gesorgt. » Die Langenscheidtsche Buchdruckerei, Schöneberg, Bahnstr. R/M, bewilligte für die Familien aller verheirateten Angestellten, die zur Fahne berufen werden, eine monatliche Unterstützung von 26 M. Die unverheirateten Angestellte», die in den ersten Tagen einrücken mußten, erhielten den vollen Wochenlohn ausbezahlt. » Die Finna Hoftischlerei Groschkus betont in einem Schreiben auf die von uns veröffentlichte Mitteilung eingezogener Arbeiter, dqß.sie die Interessen ihrer Arbeitnehmer nach besten Kräften wahr- nehme und vor großen Opfern nicht zurückschrecke. Die Firma halte ihren Betrieb jetzt unter Verlust aufrecht im Gegensatz zu anderen bedeutenden Firmen, die ohne Rücksicht auf die Arbeiterschaft ihre Betriebe einfach geschlossen hätten. Die Firma macht uns in dem Schreiben zum Vorwurf, daß wir uns vor Veröffentlichung unserer Notiz nicht erkundigt haben, wir hätten dann das Gegenteil von dem erfahren können, was uns mit» geteilt worden sei. Wir würden eS ohne weiteres als löblich anerkennen, wenn die Firma Groschkus gleich anderen großen leistungsfähigen Firmen ihren zum Kriegsdienst einberufenen Arbeitern oder deren Familien eine Unterstützung zuteil werden läßt. Am liebsten wäre es uns gewesen, die Firma hätte uns in dem Schreiben bestimmte Mit- teilungen gemacht, so daß wir gleich davon hätten Notiz nehmen können. « Die Firma A. W e r t h e i m händigt ihren einberufenen An» gestellten ein Taschengeld von 30 M. aus. Außerdem gab fie die Zusage, daß die zurückbleibenden Frauen während des Krieges monatlich mit 60 M. unterstützt werden sollen. ch Ueber die Firmen Berliner Bcnzinwerke G. m. b. H. und Olex Petroleum-Gesellschaft wird uns mitgeteilt, daß sie es abgelehnt haben, ihren eingezogenen Angestellten Gehalt oder Familien- Unterstützung zu zahlen. In den Kreisen der Angestellten nimmt diese Haltung um so niehr Wunder, als z. B. die Benzinwerke durch den Krieg zurzeit keinen Nachteil haben können._ Die Borschriften für die Bemannung der Schiffe auf den dem Polizeipräsidenten von Berlin unterstellten Wasserstraßen werden für die Dauer des Krieges folgendermaßen geändert: Die Besatzung jedes Fahrzeuges ohne eigene Triebkraft muß einschließlich des Führers mindestens bestehen bei einer Trag- fähigkeit von 16—60 Tonnen aus einem Manne; von 61—300 Tonnen aus zwei Männern; von über 300 Tonnen aus drei Männern. Die Treidler werden zur Bemannung der Fahrzeuge nicht gerechnet. Von der Besatzung muß im übrigen auf der Fahrt— auch im Schleppzuge— stets ein Manu unausgesetzt das Steuer führen, ein zweiter Mann auf dem Deck des Fahrzeuges und die übrige Besatzung stets für den Schiffsdienst bereit sein. Bei Fahrten auf engen Flußstrecken und in Kanälen sowie bei An- Näherung an andere Fahrzeuge, Flöße und Bauwerke hat sich der zweite Mann im Vorderteile des Fahrzeuges aufzuhalten. Auf den Fahrzeugen mit einer Tragfähigkeit von über 61 Tonnen kann an die Stelle eines Mannes auch eine weibliche Person, im Alter von nicht unter 18 Jahren, die zur Familie des Schiffsführers gehört, treten. § 59. Die Worte»einen Heizer" im ersten Absatz werden gestrichen._ Das Krankenhaus in Ober-Schöneweide geschloffen. Um in ein Kriegslazarett umgewandelt zu werden, ist das Königin- Elisabeth-Hospital in Ober-Schöneweide gestern geschlossen worden. Augenblicklich ist kein Arzt in dem Gebäude anwesend. Die Räume werden zur Aufnahme Verwundeter hergerichtet. Kranke, auch solche, bei denen Lebensgefahr vorliegt, können infolgedessen jetzt nicht. mehr aufgenommen werden._ Vom Blitz erschlagen wurde der Produktenhändler Henschke aus Storkow. H. befand sich auf freiem Felde, als ein Gewitter zum Ausbruch kam. Er suchte Lcranttvortlicher Kedakteuri Alher« Wach», Berlnu Für d« unter einem Baume Schutz, doch fuhr ein Blitzstrahl in den Baun: und tötete H. auf der Stelle. Vorübcrkommende Landarbeiter fanden später den Leichnam des Getöteten. Sprechstunde» des Vormundschaftsamtes. Während der Dauer des Krieges finden beim Vormund- schastsamt der Stadt Berlin die Sprechstunden der Berufs- Vormünder in jeder Woche n u r a m M o n t a g in der Zeit von 11 bis 2 Uhr statt._ Gegen übermastigen Verbrauch von Licht wendet sich eine Bekanntmachung des Polizeipräsidenten. die folgenden Inhalt hat: Während des Krieges mästen alle über- flüssigen Aufwendungen vermieden werden. Das gilt auch für den Kohlenverbrauch in den Elektrizirätswerken und Gasanstalten. Ich ordne daher an, daß alle elektrischen Lichtreklamen auf den Dächern, mit denen übrigens auch andere Nachteile verbunden sind, unter- bleiben. Darüber hinaus richte ich an den patriotischen Sinn der Geschäftsleute die Bitte, alle übrigen Lichtreklamen und die oft übermäßig grelle Beleuchtung der Schaufenster auf ein bescheideneres Maß zurückzuführen, zumal ein geschäftlicher Erfolg mir Rücksicht auf das Fehlen jeglichen Fremdenverkehrs davon kaum zu erwarten ist. Arbeitskräfte für die staatlichen Betriebe werden jetzt nicht mehr eingestellt, da alle Stellen besetzt sind. Die Arbeitslosen verschwenden unnütz Zeit und Geld, wenn sie glauben, jetzt noch angenommen zu werden. vorortnachnchten. Neukölln. Maßnahmen für die Kriegszeit. Der Neuköllner Magistrat hat in einer Besprechung mit sämt- lichen Dezernenten über die durch den Krieg geschaffene Lage der Verwaltung und die zu treffenden Maßnahmen beraten. Da von den städtischen Beamten und Arbeitskräften voraussichtlich nur der sechste Teil verfügbar bleibt und auch die Handwerkskräfte in unserer Stadt wesentlich vermindert sind, müssen die städtischen Arbeiten auf das allernotwendigste Matz beschränkt werden. Bon den städtischen Bauten sollen nur die im Bau befindlichen neuen Pavillons des Krankenhauses und die Desinfektionsanstalt mit Be- schleunigung fertiggestellt werden, die übrigen Hochbauten nur, insoweit dies zur Schadensvcrhütung erforderlich ist, während von den Arbeiten der Tiefbaudeputation neben der Aufrechterhaltung des Kanalisationsbetricbes hauptsächlich die Fertigstellung des Bahnanschlusses für das Hafengelände als eines notwendigen Zu- bringers für Lebensmittel in Frage kommen. Die städtischen Werke für Gas und Elektrizität werden ihren Betrieb unter ge- wissen Beschränkungen ausrecht erhalten. Ferner sollen solche Arbeiten nach Bedarf fortgesetzt werden, welche als Notstands- arbeiten Verwendung finden können. Wegen einer etwaigen Lebensmittelteuerung sind vom Magistrat bereits durch Sperrung des Verkaufs der Erträgnisse aus den städtischen Gütern und andere Matznahmen Vorkehrung getroffen, auch soll, wie bereits berichtet, ein außerordentlicher Kredit aus Anlcihemitteln bewilligt werden. Der Wohlfahrtspflege, insbesondere der Kinderfürsorge wird be- sondere Aufmerffamkeit gewidmet und der Ernährung durch Aus- bau der Kindervolksküche Sorge getragen werden. Rcchtsauskunsts- stelle und Arbeitsnachweis bleiben bestehen. Die Stadtverordneten- Versammlung wird auf Monlag, den 10. August zu einer außer- ordentlichen Sitzung zusammengerufen werden, um über die Bor- schlüge des Magistrats Beschluß zu fassen. Steglitz. 100 000 Mark bewilligte die letzte außerordentliche Gemeinde- Vertretersitzung einstimmig zut Unterstützung derjenigen Familien, deren Ernährer ins Feld gezogen sind. Der Unterstützungssatz der Gemeinde wurde auf 100 Proz. der staatlichen Unterstützung fest- gesetzt. Bei besonderer Notlage wird auf andere Weise noch helfend eingegriffen iverden. Ferner genehmigte die Versammlung den Erlaß einer Polizeiderordnung, die bestimmt, daß Bäcker und son- stige Verkäufer von Backware verpflichtet sind, in den Geschäfts- räumen Plakate auszuhängen, auf denen Gewicht und Preise der feilgehaltenen Backwaren verzeichnet sein müssen, und daß für die Käufer«ine Wage zur Kontrolle des Gewichtes bereitzustellen ist. Man hofft hierdurch, eine unberechtigte Preiserhöhung durch ein- zelne Personen verhindern zu können.— Auf eine Anfrage, weshalb die Badeanstalt geschlossen fei, wurde ausgeführt, daß nicht nur Mangel an Personal und Kohlen, fondern auch der äußerst mini- male Besuch in den letzten Tagen die Ursache dazu gewesen sei. Das frei gewordene Personal wurde in anderen VerwaltungS- zweigen untergebracht. Trotzdem das Elektrizitätswerk reichlichen Kohlenvorrat hat, richtet der Gemeindevorstand doch an alle Bezieher elektrischer Energie die dringende Bitte um möglichste Einschrän- kung des Verbrauches.— Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde der neugewählte Gemeindeverordnete Genosse Leimbach eingeführt und verpflichtet. Wilmersd«ef. Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich am Mittwoch mit den Aufgaben der Gemeinden während des Krieges zu befassen. Der Magistrat beantragte, zu den staatlichen Unterstützungen für Familienangehörige der Kriegsteilnehmer einen Zuschuß von IM Prozent zu gewähren. Demnach würde jede Frau 18 M. und jedes Kind 12 M. erhalten. In der Begründung führte Oberbürger- meister Hab ermann aus, das sei gleichzeitig ein Beschluß der Gemeindeverwaltungen Groß-Berlins. Dem Stadtverordneten Professor Dr. Leidig ging dieser Antrag natürlich wieder zu weit. Er beantragte, nicht 9 und 6 M. Zuschuß zu gewähren, son- dern nur 6 und 4 M. Schließlich wurde die Sitzung auf% Stunde vertagt, in welcher der Finanzausschuß die Sache zu beraten hatte. Den Vorschlag Leidigs machte sich dieser zu eigen, dem auch das Plenum zustimmte, unter der Hurzusügung. wenn in Grotz-Berlin endgültig«in Zuschlag von 100 Proz. beschlossen wixd, die gleichen Sätze dann auch für Wilmersdorf gelten. Ferner wurden 200 MO M. bewilligt als Unterstützungen bei außergewöhnlichen Fällen lMietzüschüsse, Erkrankungen usw.). Außerdem stimmten die Stadtverordneten der Anlegung eines Fonds von 3M 0M M. zu, aus welchem gegen Verpfändung von Inventar usw. Darlehen während des Krieges gewährt werden. Zur Unterbringung erkrankter Einwohner und im Kriege Verwundeter beantragte der Magistrat die Zustimmung zur Er- mietung der Dr. Bohlschen Klinik in der Psalzburger Straße, die Errichtung von Baracken und die Herrichtung von Lazaretten in zwei Villen des Joachimsthalschen Gymnasialgrundsrücks. Die Stadtverordneten stimmten dem zu. Dir Ferienspiele finden nicht mehr statt; auch das für den 12. August beabsichtigte Kaffeelochen und daS angesetzte Schlußfest finden vorläufig nicht statt. Eichwalde. DaS heutige Kinderfest des Wahlvereins findet nicht statt. Ms Inöustrie unö tzanöel. Deutsches Kapital in Rußland. Die finanziellen Beziehungen zwischen Deutschland und Ruß« land find nicht gering. Zahlreiche große deutsche Firmen haben in Inseratenteil verantw.: T H.Glocke, Berlin. Druck jJ.V-rlag:Borwärt, Rußland Tochtergesellschaften gegründet, um an Ort und Stelle produzieren und die Waren absetzen zu können, so die A. E. G., die Siemens- Schuckert- Werke, die Maschinenfabrik Hart- mann, die Artur Koppel A. G., Gebrüder Körting usw. Auch ist in vielen russischen industriellen Unternehmungen deutsches Kapital in großen Mengen investiert. An der Berliner Börse gehandelt wurden besonders starkAklien derNaphthaproduktionS- gesellschaft Gebrüder Nobel. Aber auch russische Bankaktien waren in größerer Zahl an der Berliner Börse zugelassen. Endlich befinden sich in deutschem Besitz erhebliche An- teile von vierzehn russischen Staatsanleihen sowie eine große Anzahl von russischen Eisenbahnprioritäten, die zum Teil von der russischen Regierung garantiert wurden. Zur Sicherung des Zinsendienstes unlerhielt Rußland in Deutsch- land ständig namhafte G o l d g u t h a b e n, die bei verschiedenen Banken, besonders bei Mendelssohn, deponiert waren. Diese Gut- haben sind jetzt, wie amtlich mitgeteilt wurde, von der deutschen Regierung beschlagnahmt worden. Darob hat sich der beteiligten deutschen Kapitalisten eine ziem- liche Aufregung bemächtigt, und sie fordern nachdrücklich, daß dieses beschlagnahmte Geld zur Sicherung ihrer Zinsen verwandt wird. Das„Berliner Tageblatt" macht sich zu ihrem Wortführer. Es wäre sehr hübsch, wenn diese rüssischen Millionen den deutschen Patrioten, die Rußland ihr Geld liehen, als Eni- schädignng gegeben würden, während man von den Arbehern und den Angehörigen der hinausziehenden Arbeiter die größten Opjer verlangt._ Gerichtszeitung. Wirkung des Kriegs auf das Gewerbegrricht. Auf dem Gewerbegericht macht sich die Wirkung de? Kriegszustandes außerordentlich stark bemerkbar. In sehr vielen Fällen fehlt eine der Parteien oder es sind gar beide nicht anwesend. Besteht auch nur die Wahrscheinlichkeit, daß die Behinderung auf den gegen- wältigen Zustand zurückzusübren ist, ordnet das Gericht selbstverständlich die Aussetzung des Verfahrens an. Dadurch bleibt die Sache bis nach dem Kriege oder der sonstigen Behinderung in der Schwebe. In Fällen, wo auS Versehen gegen zum Kriege Ein- gezogene Urteile ergehen, sind diese nicht vollstreckbar. öriefkaften üer Reüaktion. Die turistische Sprechstunde fiudet Linden st ratzt«9, darn dier Treppen — Fahr st utzl—, trochentäslich von tss,»» 7Z4 Uhr abends, Sonnadends. von V/q bis 6 Uhr abend» statt. Jeder für den Bricskasten bestimmten Ansrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merizeicheu beizufügen. Briefliche Antvart mied nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonncmentsgutttung»clgrfügt ist, Verden nicht beantwortet. Ellige Fragen trage mau i» brr Sprechstunde vor. Otto Bollcy 34. Ihren Ersatzansprüchen muß stattgegeben werden. Sprechen Sie baldigst bei uns vor. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Direktion über den Großhandel in den Zentral-Markthallen.(Obne Verbindlichkeit.) Mittwoch, den 5. August. Fleisch: Rindfleisch per 50 k£ Mark: Ochsen- fleisch la 78-87, do. Na 74-77, do. Nla 62-73; Bullenfletsch la 74-84, do. Na 67—73; Kühe, seit 47—60, do. mager 38—47, Fresser 60—70, do. dän. 00—00; Bullen, dän. 00—00. Kalbfleisch: Doppcllcnder 105—130; Mastkälber la 05— 105, do. IIa 78— 90; Kälber gcr. gen. 50—65. Hammel- fleisch: Mastlämmer 00—93; Hammel la 79— 89, do. IIa 71— 78, do. auslral.— ,—; Schafe 76— 82. Schweinefleisch 58—65.— Eier: Landeier Schock 0,00—0,00: Trinkeier 0,00.— Butter: Molkcreibutter vcr 50 kg 0,00—0,00; Landbutter 00.— Gemüse, inländisches: Kartoffeln, neue weiße Magdeb. 7,50— 8,50 blaue do. 7.50—8,50, weiße Kaiserkronen 6—8,50, Rosen 7—8,50; Porree Schock 0,60-1,10; Spinat 50 kg 13,00-20,00; Schoten 20,00—25,00; Mohrrüben 50 kg 4,00—6,00; Bohnen 50 kg 12,00—20,00; Champignon 50 kg 00,00—00,00; Kohlrabi Schock 0,60—1,00; Wirsingkohl Schock 4,00—7,00; Weißkohl Schock 4,00—8,00, Rotkohl, Schock 4— 9; Kohlrüben Schock 4—6; Blumenkohl, Erfurter 100 Stück 4—20; Meerrettich Schock 8,00—15,00; Petersilicnwurzel Schockbund 1,00—3,00; Radieschen Schockbund 0,70— 1,00; Salat Schock 2,00—3,00; Zwiebeln, 50 kg 12,00— 15,00; Tomaten 50 kg 10—15; Pfefferlinge 18—25,00; Pussbohnen 50 kg 7,00—10,00. Gurken 3,50— 4,00. Ausländ. Tomaten, ital., 50 kg 12— 18; do. französische 8,00— 16,00; Blumenkohl, holländischer la 100 Stück 10—20, Zwiebeln, ital. 50 kg 0,00— 0,00, do. ungarische 0,00 bis 0,00, do: Malta 12,00—16,00; Gurken, Boll. 100 Stück 0,00—00,00, do. do. Einlege-, Sack(zirka 4—6 Schock) 0.00—0,00.— O b sl und Südfrüchte. Kirschen 50 kg saure 8,00— 10,00, Thüringer 0,00— 0,00, Wcrdersche saure 9,00—10,00, do. Natten 18,00—22,00; Aepscl, ital., 50 kg 0,00— 0,00; ungarische, 10,00— 18,00; Birnen, italienische 50 kg 0,00— ,00, do. Coseic 0,00—0,00. französische 0,00— 0,00; Tiroler Muskateller 0,00—0,00; hiesige 5,00—18,00; Pflaumen, italien. 12,00—20,00; Bühler 0,00—0,00, hiesige 6,00—15,00; Stachelbeeren, reise, hiesige, 50 kg 7,00— 15,00; Hünbeeren, 50 kg 0,00—0,00, Preß- 0,00—0,00; Johannisbeeren, hiesige, 50 kg 10,00— 14,00; Blaubeeren 50 kg 10,00—20,00; Slprikoscn, hiesige, 50 kg 10,00—18,00; Pfirsiche, ilaiicnischc. 50 kg 20,00— 25,00, französische 50 kg 00,00— 00,00; hiesige 50 kg 10,00— 20,00. Weintrauben, sizilianische Milazzo 50 kg 24,00— 28,00, Algier 22,00—26,00; Bananen, Jamaika 50kg 15,00—20,00, kanarische 50 kg 12,00—18,00; Erdnüsse 50 kg 28,00— 30,00; Walnüsse, grüne 50 kg 0,00—00,00; Ananas, 50 kg 85,00—100,00; Zitronen, Meisina 500 St. 8,00—12,00. 300 St. 8,00—18,00, 360 Stück 6,00—14,00, 150 Stück 6,00—10,00. WettcrauSfichten für das mittlere Norddeutschland bis Freitagniittag: Uebcrall etwas wärnrer, östlich der Oder größtenteils trocken und vielfach heiter, im Westen, später auch im östlichen Küstengebiete wieder überwiegend bewölkt und an den meisten Orten leichte Regenjälle. WaflerftandS-Rachrichten der LandeSanflalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Detterburean ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—*) Unterpegel. Wir empfehlen jedem Zeitungsleser zur Anschaffung: ciebltnechts volksfremä�örterbuch Vrei-eknte Auflage. Neu bearbeitet, berichtigt und veimehrt unter Berücksichtigung der Rechtschreibung nach dem vereiiibarten amtlichen Regelbuch. preis in Oeinro»nck gebuncken silark 3,20. Zu beziehen durch die Buchhandlung Vorwärts, Berlin LI? 68, Lindenstraße 69(Laden). 248/13» jdrückerei u. BerlagSanstalt Paul Singer Sc Co, Berlin SW,