Nr. 214. II bon nements-Bcdlngnngtii: Sbonnemenls- PreiZ dränumerando: Lierteljährl. Z.M MI, monofl. 1,10 Ml, wöchentlili, 28 Pfg. frei tnS Haus. Einzelne Nummer h Pfg, konntag«. Nummer mit Mustrierter Konnlag«. Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Poft- ZIbonncmeM: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen m die Posl-ZeiMng«. Preisliste. Unter Kreuzband für DeMichland und Oesterreich- Ungarn 22)0 Marl, für das übrige Ausland « Marl pro Monat. PostabonnemeMS nehmen am Belgien. Dänemarl. Holland. Italien. Luxemburg. PorMgal. Men, Schweden und die Schweiz. 31. Jahrg. Cridjeint lsglich. Verlinev VolksblÄtt. Die TnfcrtlonS'Gebüljr BehSgi für die fechsgespaltene kolonel- zeilc oder deren Raum 00 Psg.. für politische und gewerlschaflliche Verein«. und Versammlungs-Anzcigen 80 Psq. „Aleine Mnztigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulässig 2Icligedruckte Worte), ledes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenan. zeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch. ! laben zählen für zwei Worte. Inserate ür die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geössnet,' Delegramm< Adresse: „SozIaltUmokrat Rcrllg". ' js Zentralorgati der Ibzialdcmokratfrchcn Partei Deutfchlands. Redahtton: 8 Tl. 68, Lüidcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IS83. Sonnabend, den 8. August 1914. Expedition: 8 Tl. 68, �.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. ISSd. Die kriegsereigmffe. Der verlauf üer Mobilmachung. Der Große Gcneralstab läßt der Presse folgende Mitteilung zugehen: Berlin, 7. August. Im Jahre 1870 erging der Mobil- machungSbcfchl am 15. Juli. Erst nach drei Wochen kam eS zum ersten größeren Gefecht. So wird auch jetzt trotz des aus- gedehnten Bahnnetzes die Vcrsammlniig der Massenheere zu« cnt- fcheideitden Schlag noch einige Zeit dauern. Die Lcffcntlichkeit muß sich darüber llar sein, daß die Rücksicht auf die bevorstehende» Operationen der obersten Heeresleitung noch unbedingte Zurückhaltung mit dcu zu veröffentlichenden Rachrichten auferlegt. Der heute beginnende sechste Mobilmachungstag läßt aber bereits eine Mitteilung über den bisherigen Verlauf der Mobilmachung zu. Wie wir von maßgebender Stelle hören, ist an den Großen General- stab noch keine einzige Rückfrage gestellt. Die Mobilmachung und die Eiscnbahntransportbewegungrn verlaufen danach in größter Ord- nung nach dem im Frieden aufgestellten Plan. Auch im verbündeten Oesterreich-llngarn geht die Mobilmachung jjlatt vonstatten. Die zwischen den Gcneralfiabschefs der österreichischen uud deutschen Armee seit Jahren bestehenden nahen persönlichen Beziehungen haben sich zu einem engen Vertrauensverhältnis ver dichtet. vom westlichen Kriegsschauplatz. Tie deutschen Truppcit in Belgien. Berlin, 7. August, 11 Uhr vorm.vahren wird. Mit Bezug auf die Gebietsteile von S a v o y e n, die laut der Erklärung der Mächte vom 29. März 1815, der Wiener Schlußakte vom 9. Juni 1815, der Beitrittserklärung der Schweizerischen Tagsatzung vom 12. August 1815, des Pariser Vertrages vom 29. November 1815 und der Ur« künde über die Anerkennung und Gewährleistung der Schwei- zcrischen Neutralität vom nämlichen Tage auf gleiche Weise der Neutralität teilhaftig sind, als wären sie Bestandteile der Schweiz, Bestimmungen, welche Frankreich und Sardinien im Arttkel 2 des Turiner Vertrages vom 24. März 1869 neuer- dings anerkannt haben, glaubt der Bundesrat darauf hin- Ivetten zu müssen, daß der Schweiz das Recht zusteht, diese Gebietsteile zu besetzen. Der Bundesrat würde von diesem Rechte Gebrauch machen, wenn die Verhältnisse es zur Sicherung der Neutralität und der Unverletzbarkeit des Gebietes der Eidgenossenschaft erforderlich erscheinen ließen. Er wird indessen nicht ermangeln, die in den genannten Ver- trägen enthaltenen Beschränkungen namentlich in betreff der Verwaltung dieses Gebietes gewissenhaft zu beobachten. Er wird bestrebt sein, sich darüber mit der Regierung der fran- zösischcn Republik zu verständigen. Der Bundesrat ist fest überzeugt, daß diese Erklärung von den kriegführenden Mächten sowie von den anderen Staaten, die den Vertrag von 1815 unterzeichnet haben, als Ausdruck der altherkömmlichen Anhänglichket des Schweizervolkes an den Neutralitäts- gedanken und als gewissenhafte Bekräfttgung der für die schweizerische Eidgenossenschaft aus den Wiener Verträgen sich ergebenden Verhältnisse mit Wohlwollen entgegengenommen werden wird. Die Erklärung ist denjenigen Staaten, die 1815 die Unverletzbarkeit und Neutralität der Schweiz anerkannt haben, sowie einigen anderen Staatsregierungen amtlich mit- geteilt worden. Dänemarks Neutralität. Kopenhagen, 7. August.(Meldung von Ritzaus Bu- rcau.) Die Regierung hat heute die vollständige Neutra- lität Dänemarks im österreichisch-russtichen Kriege erklärt. Manien. Zurückziehung üer internationalen Truppen. Wien, 7. August.(W. T. B.) Die Blätter melden aus D u r a z z o: Die in Skutari befindlichen internattonalen Detachements sollen in die Heimat abberufen werden. Infolge der Mobilmachung Hollands haben sich sämtliche holländischen Offiziere in ihre Heimat begeben. Kriegsbekanntmachungea. Die /luskunftftelle üer Marine. Das Reichsmarineamt gibt bekannt: Die Geschäftsräume des beim Rcichsmarineamt für die Dauer des Krieges eingerichteten ZentralnachweisebureauL für die Marine werden mit Donnerstag, den 6. August 1914, nach dem Hause Matthäikirchstr. 9 verlegt. Für die Sammlung schriftlicher Anfragen über Ber- wundungeu, Erkrankungen, Ausschiffungen, Heimsendungen usw. von Marineangchörjgen ist an dem Gebäude ein Brief- kästen mit dem Abzeichen des Genfer Kreuzes und mit der Auffchrift„Zenttalnachweisebureau des Reichsmarineamts" angebracht. Einstellung ües Postverkehrs mit Delgien. Das Reichspostamt gibt bekannt: Der Postverkehr zwischen Deutschland und Belgien ist ganz- l i ch e i n g e st e l l t und findet auch auf dem Wege über andere Länder nicht mehr statt. Es werden daher keinerlei Postsendungen nach dem angegebenen fremden Lande niehr angenominen, bereits vorliegende oder durch die Brieftasten zur Einlieferung gelangende Sendungen werden den Absendern zurückgegeben. Der private Telegraphen- und Fernsprechverkehr zu und von diesem Lande ist ebenfalls eingestellt. Eine Bekanntmachung üer Reichsbank. Die Reichsverwaltung der D a r l e h n s k a s s e n hat am Freitag den Beschlutz gefaht, die Beleihung aller, dem Verderben nicht ausgesetzten marktgängigen, voraussichtlich dauernden Wert behaltenden Waren zuzulassen, vorausgesetzt, daß die notwendige Rechtsform der Verpfändung, sowie die Aufsicht, Bewachung und die nötigen Maßregeln für die Erhaltung der Waren gesichert ist. Die Beleihung erfolgt zunächst bis zu 40 Proz. einer vorsichtigen Schätzung. Außerdem ist die. Zahl der BeleihungSgünstigen festverzinslichen Werte über den Kreis der bisher zugelassenen Pa- Piere hinaus erweitert worden. Deutsche Flugzeuge mit üem schwarzen Kreuz. Amtlich wird gemeldet:„Erkennungszeichen für deutsche Flugzeuge. Die Wahrscheinlichkeit, daß feindliche Flugzeuge die Gegend vonBerlin überfliegen, ist gering. Anderer- seits ist mit zahlreichen Uebungsflügen deutscher Flugzeuge und zwischen den Flugplätzen zu rechnen. Um eine Gefährdung der eigenen Flieger durch Beschießen zu verhindern, sind die deutschen Flugzeuge an der oberen und unteren Seite jeder Tragfläche, sowie zu beiden Seiten des Seitensteuers mit einem schwarzen Kreuz in Form des eisernen Kreuzes ver- sehen. Die Flugzeuge werden sich tunlichst so niedrig halten, daß die Kennzeichnung von unten erkannt werden kann. Ueberfliegen der inneren Stadt Berlins, sowie N a ch t f l ü g e sind für Militär- und Zivilflieger verboten. Auf Luftfahrzeuge außerhalb der inneren Stadt Berlins ist grundsätzlich nich-t z.u schieße n." Das Privateigentum üer Zremüen. Berlin, 7. August. Nach völkerrechtlichen Grundsätzen ist im Landkrieg das Privateigentum von Ange» hörigen eines feindlichen Staates unver< l etzlich. Die in Deutschland weilenden Fremden dürfen also, auch wenn sie einem feindlichen Staate angehören, in dem friedlichen Besitz ihres Eigentunis nicht gestört werden. Zum Privateigentum gehören auch ausstehende Forde- rungcn: eine Beschlagnahme solcher Forderungen von LteichS wegen ist daher selbstverständlich ausgeschlossen, die Lage öer Textilarbeiterinnen in Rußlanö. Ende Mai begann im zentralen Textilrahon Rutzlands ein umfangreicher Textilarbeiterstreik, an welchem sich über 80 000 Arbeiter und Arbeiterinnen beteiligten. Die Anwendung der weiblichen Arbeitskraft hat in Rußland, ebenso wie in der kapitalistischen Welt, ungewöhnlich große Dimensionen erreicht. Dabei rekrutiert sich die immense, mehrere Hunderttausende zählende weibliche Reservearmee hauptsächlich aus der proletanschen Dorfbevölkerung, aus den „MushikS" der russischen.Derewnja". Dadurch aber wird die Widerstandsfähigkeil der organisierten Arbeiterschaft stark gelähmt. während die Ausbeutung zunimmt. Der größte Teil der weiblichen Reservearmee wird von der T e x t i I i n d u st r i e aufgesogen. Infolge vieler Umstände wird die sozialistische Agitation unter den Arbeiterinnen sehr erschwert. Vor allem be- findet sich die Arbeiterin in geistiger Abbängigkeit von den Popen und der patriarchalischen Tradition des Dorfes, ihr kulturelles und geistiges Niveau ist bedeutend niedriger. Immerhin hat der kolossale Aufschwung der Arbeiterbewegung ia den letzten paar Jahren auch die Arbeiterin aufgerüttelt. Der Ausstand erstreckte sich auf die Gouvernements Moskau, Kostronia und Wladimir. Wie aus den vielen in den Arbeiter« zeitungen veröffentlichten Korrespondenzen ersichtlich ist, find die Streiks jetzt bedeutend organisierter und zielbewußter als ftüher. Ueberall wird die strengste Nüchternheit ausgeübt, die Arbeiterinnen sind vollkommen solidarisch mit ihren inännlichen Kollegen, in Wäldern und an anderen geheimen Orten werden Versammlungen abgehalten, die Arbeiterpreste wird eifrig gelesen. Nach offiziellen Angaben der Fabrikinspeklion unterlagen ihrer Aufficht am 1. Januar 1912 in der Textilindustrie insgesamt 868 776 Arbeiter und Arbeiterinnen. Man kann sicher annehmen, daß jetzt die Anzahl der Textilarbeiter eine Million ausmacht. Die Zahl der Männer gleicht 415 854, der Frauen— 452 924. Also mehr als die Hälfte— 52,1 Proz.— der in der Textilindustrie be» schäftigten Personen find Arbeiterinnen. Laut Erhebungen des Ausschusses der Fabrikantenkongreffe ver- dienten die Weber in Rußland im Jahre 1910 durchschnittlich einen Lohn von 244 Rubel jährlich(1 Rubel— 2,16 Mark). Unter den Textilarbeitern bilden die Hauptmasse die Baumwollarbeiter. Die- elben verdienten aber im Jahre 1911 einen Lohn von nur 162 Rubel bis 297 Rubel jährlich, und zwar im Moskauer Rayon durchschnitt- lich 200 Rubel jährlich, also 16'/, Rubel monatlich. Ungefähr 100 000 Textilarbeiter der Lein-, Hanf- und Jutebranche verdieutcn im Jahre 1911 nur 170 Rubel jährlich, daS heißt 14 Rubel monatlich. Dagegen S5 000 Seidenarbeiter bezogen einen Lohn von 212 Rubel jährlich, also weniger als 18'/, Rubel monatlich. JE) e r Verdienst der Arbeiterinnen steht selb st ver st änd- lich unter diesem Durchschnittslohn. Der Lohn der Textilarbeiterin ist höchstens mit 12 Rubel bis 14 Rubel monatlich (also 26 bis 30 M.) zu bemessen. Der Hauptgrund des AusstandeS war der Hungerlohn. Unter den Forderungen der Arbeiter steht an erster Stelle die Er- höhung(von 5 Proz. bis 20 Proz.) der Löhne, Erhöhung der WohnungSgelder, Verbesserung der sanilären Einrichtung, Vermehrung des medizinalen Personals und dergleichen kleinere Forderungen. Sofort nach dem Beginn des AuSstandes wurde nach dem Streik- gebiet der sozialdemokratische Dumaabgeordnete S ch a g o w berufen, der die Streikenden nnt Rat und Beistand unterstützt. Jedoch wurde er bereits am ersten Tage von vier Landgendarmen umgeben, die ihn auf Schritt und Tritt begleiten. Die weniger bedeutenden For- derungen haben die Unternehmer bereits akzeptiert, die Arbeiter aber bestehen auf Erfüllung ihrer sämtlichen berechtigten Punkte. Letzte Nachrichten. Deutsches Ultimatum an Belgien. Der Berichterstatter der„Kölnischen Zeitung" erzählt über big Vorgeschichte der deutschen Invasion in Belgien vom Sonntag: „Heute früh berichtete eine Sonderausgabe der„Etoilel Helge" etwa folgende?:„Gestern abend, 7 Uhr, überreichte der deutsche Gesandte in Brüssel v. Below-SalcSke dem Minister des Auswärtigen Davignon ein Ultimatum im Namen seiner Regierung. Es schlug Belgien„ein Einver« nehmen vor behufs Erleichterung der Opera- tiouen Deutschlands". Die Anfrage war auf 7 Uhr heute früh befristet. Das las ich beim Frühstück, es war gerade die Zeit. Also rasch im Kraftwagen zur Gesandtschaft. Die Tatsache bestätigte sich, und bald traf auch die belgi stche Antwort ein. Sie war verneinend." Der Befehlshaber der englischen Marine. London, 7. August. Admiral Sir John Jellico« ist zum Ober st kommandierenden der englische«! Flotte ernannt worden, Admiral Madden zum Chef des Marine- kricgSstabrs._ Von der schwedischen Mobilmachung. Stockholm, 7. August. Den im Kriegsministerium einge- gcmgenen Berichten zufolge vollzieht sich die Mobilmachung gewisser Klassen der Reserve und der Ausgehobcnen, welche die Regierung verfügt hat. ruhig und ordnungsgemäß. Die zu den Fahnen Einberufenen zeigen sich durchaus willig. Das Ministerium ordnete Matznahmen für die Verteidigung und Befestigung ver* schiedener Punkts des Landes an. >.w ii»« jirilkU des Jutmärts" JSttlintt Balbliliitl.-.i»-"»-«» von öirmingham nach öerlia! Uns wird geschrieben: Mitte der letztverflosienen Woche fuhren einige Vertreter deutscher Gewerkschaften nach England, um Studien dort zu machen und um an einem in Mrmingham stattfindenden Verbandstag des englischen Buchbinderverbandes teilzunehmen. Mit uns im Zuge fuhren von Berlin aus eine große Anzahl Engländer und Japaner, die in ihr Heimatland zurückkehrten. Nirgends Unruhe und Aufregung. Wir wurden, wie wir das von früher her gewöhnt waren, von unser» Londoner Freunden, Vorsitzenden und Sekretären des Gewerkschafts- Kartells und Vertreter des Buchbinderverbandes, aufs herzlichste be- grüßt und verbrachten mit ihnen einige angenehme Stunden. Am nächsten Tage fuhren wir nach Birmingham. Kein Mensch redete oder glaubte an den Ausbruch eines Krieges zwischen England und Deutschland. In Birmingham wurden wir gleichfalls aufs freund- lichste aufgenommen. Der Verbandstag der Buchbinder verlief gleichfalls äußerst harmonisch. Der Anschluß an das Jnter- nationale Sekretariat der Buchbinder wurde einstimmig be- schlössen und die Reden der beiden deutschen Vertreter mit äußerst starkem Beifall aufgenommen. Besonders die Stellen, worin dieselben die Friedensliebe der deutschen Arbeiter betonten. Deutsche Zeitungen hatten wir seit unserer Abreise nicht mehr gesehen, waren also auf die Nachrichten angewiesen, die englische Blätter brachten. Darin wurden nun die schlimmsten falschen Nach- richten verbreitet. So u. a. die, daß bei Nancy 20 000 Deutsche von den Franzosen vernichtet worden seien. Das englische Ministerium war ständig beisammen; von den einzelnen Parteien wurden Partei- Vertreter hinzugezogen. So auch von der Sozialdemokratie der Ge- nasse Ramsay Macdonald. Auch berichteten die Blätter, daß Vandervelde in das belgische Ministerium berufen sei. Nach allem, was vorlag, konnte niemand daran glauben, daß in kurzer Frist ein Kriegszustand zwischen England und Deutsch- land gegeben sein würde. Als wir jedoch am Dienstagvormittag die Rede des Ministers Grey im Unterhause lasen, in der er erklärte, daß, wenn auch nur ein deutscher Soldat den Fuß in belgisches Gebiet setze, England in Aktion trete, beschlossen wir sofort abzureisen. Daß man in den Kreisen der englischen Bevölkerung die Situation gleichwohl nicht als ernst ansah, geht wohl daraus hervor, daß wir noch am Dienstag- mittag die Einladung eines Vertreters der englischen Freihändler er« hielten, mit ihm gemeinsam das Mittagessen einzunehmen. Nachmittag fuhren wir von Birmingham nach London und trafen dort um Uhr ein. In L o n d o n fand am letzten Sonntag eine von über 20000 Per« sonen besuchte Versammlung auf Trafalgar-Square statt, die für den Frieden demonstrierte und forderte, daß sich Eng- land neutral verhalten solle. Am gleichen Tage nachmittags fand in Birmingham eine von 7—8000 Personen besuchte Ver- fammlung statt, die dieselbe Forderung erhob. Außer durch die Rede des Ministers Grey wurden wir noch durch folgenden Umstand zur schleunigen Abreise veranlaßt: Wir wollten, um Gewißheit über die Lage zu haben, den deutschen Konsul in Birmingham sprechen. Am Montag waren jedoch dessen Geschäftsräume wegen eines Feiertages geschlossen. Am DienStag früh, als wir den Konsul antrafen, erklärte er uns, daß er seit einigen Tagen ohne Nachricht sei und nicht wisse, was los sei, uns jedoch den Rat gebe, zu versuchen, aus England hinauszukommen. Nach dem Wege, auf dem wir England verlassen könnten, geftagt, erklärte er, daß er uns da keinen Rat geben könne, wir möchten uns an das Reisebureau Cook wenden. Dort sagte man uns, daß die Schiffahrt auf einzelne» Linien, so von Harwich nach Hamburg und Kopenhagen, eingestellt sei, daß wir jedoch Billetts bekommen könnten, ohne Garantie auf Beförderung. Auch in London wußte niemand, welche Verkehrswege nach dem Kontinent noch offen waren. Wir lösten Billetts zunächst bis Vlissingen, um dort zu sehen, wie wir weiter kommen könnten. Als wir um �«8 Uhr den Bahnhof Victoria-Street in London betraten, der Zug sollte fahrplanmäßig einige Minuten nach �,9 Uhr gehen, waren die Zugänge zum Bahnhof abgesperrt. Tausende von Per« fönen, in der überwiegenden Anzahl Deutsche, harrten der Abfahrt des Zuges. Deutsche, die, jahrelang in England waren, dort Existenz fanden und Familie hatten, wurden von ihren Frauen, die Engländerinne» waren, begleitet. Die Polizei hielt den Verkehr auftecht. Kein beschimpfendes Wort gegen die Deutschen wurde laut. Wie sich überhaupt das Publikum, soweit wir beobachten konnte», äußerst anständig und zurückhaltend verhielt. Der erste Zug nach Folkestone war bald besetzt. Der Menge wurde mitgeteilt, daß es ungewiß sei, ob noch ein zweiter Zug gehe. Endlich kam die Nachricht, das Schiff nehme noch Personen auf, der zweite Zug würde also abgelassen werden. Als wir uns im Zuge befanden, hörten wir, daß noch 150 Personen mitgenommen würden. Um 11 Uhr verließ das Schiff mit 1250 Personen Folkestone. Allgemein war die Ansicht vorhanden, die englische Regierung werde die Deutschen nicht aus der englischen Hafenstadt hinaus- lassen. Waren es doch in der Hauptsache Stellungspflichtige, die England noch verließen. Bange Zweifel tauchten auf, ob wir ungehindert Vlissingen erreichen würden, da der Seeweg zwischen Calais und Dover hindurchführte. Eine prachtvolle, warme Augustnacht. Die See ruhig wie selten. Aus dem Wasser spiegelte sich der Mond. Eine Nacht, geeigner zu träumen. Doch dazu hatte niemand Stimmung. Unkontrollierbare Gerüchte wurden von Mund zu Mund getragen. Von beiden Ufern leuchteten die Küstenfeuer. Scheinwerfer suchten von den Usern her die Fahrstraße ab. so daß minutenlang unser Schiff in Tageshelle dalag. Ruhig und sicher glitt das Schiff dahin. Calais und Dover lag hinter uns. Neue Leuchischiffe und Türme tauchten auf. Der Morgen fing an zu grauen. Die Sonne sandte ihre Strahlen in die dunklen Wolken. Blutig rot stieg sie aus dem Osten, die Wolken vergoldend, empor. Ein Bild, da? jeder, der es gesehen, nie ver- gessen wird. Doch fiel es jedem aufS Gemüt, daß das rote Firma- ment Blut bedeute, das jetzt im Weltenkriege vergossen werde. Ungehindert erreichten wir Vlissingen. wo zwei Kompagnien Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett und geladenem Gewehr das Schiff erwarteten. Nachdem signalisiert war, daß nichts Verdächtiges an Bord sei, konnte die Mannschaft abtreten. Wir verließen das Schiff, um durch die Zollstation zum Bahnhof zu gelangen. Nach flüchtiger Visitation auf zollpflichtige Sachen lösten wir unser Billett bis zur deutschen Grenze und gelangten glücklich in den Zug. Niemand wußte, wie weit derselbe fahren würde. In Goch fand die erste Revision statt, die Papiere mußten gezeigt werden. Besonders eifrig fahndete man auf Ausländer, von denen man annahm, daß fie zu Spionagezwecken nach Deutschland fahren könnten. Die nächste Station war Wesel. Endlich kam auch hier die Mitteilung, daß wir weiter bis Lberhausen fahren könnten. In Ober- Hausen gelangten wir gegen 2 Uhr nachmittags an. Auf unsere Frage, wann wir nach Berlin weiterfahren könnten, wurde uns erklärt, das sei unbestimmt. Einige Minuten später jedoch erschallte der Ruf, alle die nach Hannover oder Berlin wollten, könnten zunächst bis Hamm fahren. Von Hamm ging es dann bis Dortmund, von Dortmund bis Hannover, wo wir um 3 Uhr nachts eintrafen. In Hannover endlich sagte man uns, daß der Zug wahr- scheinlich bis Berlin durchgeführt würde. Bei der Ungewißbeit, ob wir nicht auf einer der nächsten Stationen den Zug verlassen müßten, wagten wir nicht, die Stiefel auszuziehen.- Die Stationen, die wir passierten, waren besetzt von Frauen des Roten Kreuzes, die an die Passagiere Limonaden, Kaffee, belegte Brötchen usw. verteilten. Wir hörten, daß ein Alkoholverbot ergangen sei, das wir in dieser ernsten Stunde durchaus begreiflich finden. Auf den Stationen ungeheure Menschenmengen. Es schien, als sei das ganze Rheinland, soweit die Bevölkerung noch zu Hause, auf den Straßen. Nur ab und zu rauchte eine Esse. Stillgelegt schienen die Zechen. Alles werktätige Leben schien zu stocken. Der Zug rückte nunmehr etappenweise vor, um endlich am Donnerstag- nachmittag 4 Uhr auf dem Lehrter Bahnhof einzutreffen. Mithin waren wir 60 Stunden nicht aus den Kleidern gekommen. Eine Fahrt, an die jeder, der sie mitmachen mutzte, Zeit seines Lebens denken wird. politische Uebersicht. Ruhig Blut l Die Spionenfurcht richtet, allen Warimngen zum Trotz, immer noch großes Unheil an. Aus zahlreichen Städten kommen Meldungen über Mißhandlungen voll- kommen schuldloser Personen; besonders haben auch Frauen unter dieser Spionenriecherci zu leiden ge- habt. So meldet eine Korrespondenz aus Mannheim, daß eine Frau, mit einenr Kind auf deni Arm, die vom Bahn- Hof kam, um ihre Verlvandtcn zu besuchen, ohne irgendeinen sichtbaren Anlaß für eine Spionin gehalten, von einer Menge verfolgt und schwer mißhandelt wurde. In Essen wurde eine verheiratete Dame deshalb als Spionin ausgeschricn, weil„ihr Gang auffällig" erschien und>vcil sie„beide Hände in den Paletottaschcn verborgen" hielt. Auch sie wurde von der erregten Menge aufs ärgste bedrängt und von einem Rohling mit Faustschlägen ins Gesicht bedacht. Auch das Anhalten von Automobilen und die Schießerei auf vorüberfahrcnde Alttos, die man fiir verdächtig hält, hat immer noch zu vielen unnötigen und schädlichen Belästigungen, ja sogar zu ernsten Unglücks- fällen geführt. So wurde bei Tschiebsdorf im Kreise Sagau die Herzogin von Ratibor auf ihrer Durchreise im Automobil durch einen Schuß verletzt; das Auto hatte auf den Anruf eines Wachthabenden nicht gehalten. Ter Große G e n e r a l st a b hat sich nach all dem veranlaßt gesehen, erneut eine Warnung zu erlassen, in der dringend gebeten wird, „daß alle bisher getroffenen Maßnahmen zur Sperrung und Hemmung des Automobilvertehrs auf- gehoben werden. Fremde Automobile sind im Lande überhaupt nicht mehr vorhanden. Der Truppenfährung sind bereits schwere Schädigungen durch das Aufhalten der von ihr entsandten Automobile erwachsen. Bon einem L a» d r a t ist sogar ein mit einem dienstlichen Austrage des Erucralstabeö entsandter Offizier angehalten und nicht weiter gelassen worden; dies führt z u unerträglichen Z,i ständen." Es ist durchaus erforderlich, die Situation ruhig zu be- trachten, den sensationellen Alarmnachrichtcn über Koniplott- cntdeckungen. Attentatversuche. Spionenlvescn usw., zumal wenn sie nicht amtlich gemeldet werden, größtes Mißtrauen entgegenzubringen und nicht selbst überall Gefahren zu sehen, Ivo in Wirklichkeit gar keine sind. Gegen ein allgemeines Moratorinm. Der Bundesrat bat, wie amtlich bekannt gegeben wird, zwei gesetzliche Anortaiungen getroffen, durch die einem allgemeinen Moratorium vorgebeugt werden soll. Erstens soll das Gericht dem Schuldner einet vor dem 31. Juli 1914 cnt- staudcncn Forderung eine Zahlungsfrist von längstens drei Mo- natcn, nötigenfalls unter Auflage einer Sicherheit, bewilligen können, soweit dies nötig und mit der Rücksicht auf den Gläubiger vereinbar ist. Der Antrag soll nicht nur im Prozeß oder während der Zwangsvollstreckung, sondern schon vorher zulässig sein. Die Gericktskoslen sollen möglichst gering bemessen werden. Zweitens soll insbesondere mit Rücksichl auf auswärtige Moratorien einst- weilen verhindert werden, daß Forderungen, auch wechselmäßige aus dem Auslande, die vor dem 31. Juli 1914 entstanden sind, im Inland- gerickülich geltend gemacht werden. Kommunale Maßnahmen gegen die Kriegsnot. Einmütig beschloß das Chemnitzer Stadtverordnete»- kollegium, den städtischen Angestellten, die aus Anlaß des Krieges eingezogen werden, Gebälk und Lohn weiter auszuzahlen. Außer- dem würde 1 Million Mark zur Durchführung der durch den Krieg erforderlich gewordenen Maßnahmen bewilligt. Ter Rat der Stadt Leipzig unterbreitete den Stadtverord- neten eine Vorlage, nach der den Angehörigen der Einberufenen nicht nur die Mindestsätze nach dem Rcichsgesetz vom Jahre 1888, sondern die erhöhten Sätze nach dein Gesetz von 1892 gewährt werden. Diese Sätze betragen für die Ehefrau 30 Proz. und sür jedes Kind und jede weiter zu unterstützende Person 10 Proz., zusammen aber nicht mehr als 60 Proz. des ortsüblichen Tagelohns, der in Leipzig zurzeit 3,80 M. beträgt. Nach vorgenommenen Schätzungen werden etwa 14 500 Ehefrauen und 15 000 Rinder als unterstützungsbedürftig in Frage kommen. Das ergibt einen Tagesaufwand von zusammen rund 24 600 M. oder monatlich 700 000 M. Den eingezogenen Arbeitern soll auf den Monat August zu der Unterstützung, die im einzelnen Falle zu zahlen ist, ein Zuschuß in der Höhe gewährt werden, daß der volle bisherige Lohn erreicht wird. Die Stadtverwaltung Königsberg i. Pr. beschloß, fünf Millionen auszuwerfen zum Schutze der Bevölkerung vor materieller Not. Es sollen Lebensmittel im großen beschafft werden und zu Preisen an die Bevölkerung abgegeben werden, die es jedem er- möglichen diese Nahrungsmittel zu erwerben. Außerdem soll die Bevölkerung durch Maximaltaxen vor übermäßiger Verteuerung der Lebensmittel geschützt werden. Es sollen Verpflegungsausschüsse zur Regelung der von der Stadtverwaltung beschlossenen Maßnahmen eingesetzt werden. ' Trier, 7. August. Eine Bekanntmachung des Oberbürgermeisters Trier setzte den Höchstverkaufspreis für Frühkartoffeln auf 5 M. sür den Zentner und 6 Pf. sür das Pfund fest. Bei einer Ver- Weigerung des Verkaufes auf den Wochenmärkten soll die Beschlag« nähme erfolgen. Die Polizeibehörden verkaufen dann die Borräte für Rechnung der Besitzer. Falsche Gerüchte. Ilm allerlei törichten Gerüchten entgegenzutreten, sei'miZ- drücklich bemerkt, daß bei der Eröffnung des Reichstags am 4. August im Kgl. Schlosse Vertreter der Sozialdemokratie nicht anwesend gewesen sind und deshalb dem Kaiser auch nicht die Hand gedrückt haben können. Das ist doch wohl auch so selbst- verständlich, daß es überflüssig erscheinen konnte, es in dem Bericht ausdrücklich zu erwähnen._ Haussuchung bei der Genossin Zetkin. In der Nacht zum Sonntag wurde die Genossin Zetkin durch Polizisten des Oberamts Cannstatt im Schlaf gestört, da sie durch die unsinnige Spionenriecherci in den Verdacht gekommen war, Russen zu beherbergen. Der furchtbare Verdacht ivar völlig grundlos. In einer Erklärung im Stuttgarter Parteiblatt wendet sich Genossin Zetkin energisch gegen dieses Vorgehen, da sie stets mit größter Leidenschaft den Zarismus bekämpft hat und das Los von Tausenden von Müttern, deren Söhne ihre KriegSpflicht erfüllen, teilt. Tie Reichstagsnachwahl in Ravensburg. Für die Reichstagsnachwahl in Ravensburg hat die national- liberale Partei beschlossen, die Kandidatur des Fabrikanten Stoz zurückzuziehen. Die Nationalliberalen wollen sofort dem Zentrums- kandidaten Stiegele die Stimme geben.„Wenn das Vaterland in Not ist, zieme es sich nicht, den Kampf um Weltanschauungen aus- zufechten! Der Ernst der Stunde erfordere die Einigkeit des Bürger- tumS I" Der 17. württembergische Reichstagswahlkreis Ravensburg- Saulgau ist übrigens sowieso fester Zentrumsbesitz. Bei der Wah! von 1912 erhielt der Abg. Laser 19 945 Stimmen, sein national- liberaler Gegenkandidat nur 1936, während die Sozialdemokratie e: auf 1602 Stimmen brachte.__ Ein Trost für die Junker. Von der Not der Zeit getrieben hat die Reichsregierung den Agrariern einen schweren Schlag versetzt, indem sie die sofortig Altshebung der Zölle und der meisten Fleischeinfuhr-Erschwerungcn anordnete. Nachträglich versucht man aber, den betroffenen Herr- schaften ein kleines Pslästerchcn aus die große Wunde zu drücke!!. Den Getreideexportcurcn soll wenigstens noch die Möglichkeit ge lassen bleiben, die„Einfuhrschcine", die sie bei der Ausfuhr gute.' deutschen Roggens bereits in Empfang nahmen, sür die Zeil entrichtnug bei der Einfuhr anderer Produkte in Zahlung z geben, das heißt, sie gewissermaßen in Bargeld umzuwechseln. Tie „Nordd. Allg. Ztg." teilt mit: „Ta sich die vom Bundesrat unterm 4. August d. I. an- geordnete Zollfreihcit nur aus das noch über die Grenzen ein gehende Getreide und Hülsenfrüchte, dagegen nicht aus die B e st ä n d e in d c n Z o l l a u s sch l ü s s c n, F r e i b c z ir k c n und Zollagern bezieht, so werden noch namhafte Mengen von diesen Waren zur Verzollung kommen. Es wird also reich- lich Gelegenheit sein, hierbei sowie bei der Verzollung von RapS und Rübsen, die vorhandenen Gin fuhr seh eine z u verwerten." Ein Trost gewiß, aber doch nur ein kleiner Trost. Er wird den ostelbischen Junkern nicht genügen. Gewerkschaftliches. Kein Mangel an Maschinisten und Heizern. Von verschiedenen Behörden und privaten Unternehmungen wird zurzeit über Mangel an Maschinisten und Heizern geklagt und die Stillegung kommunaler imd privater Betriebe mit diesem Mangel begründet. Desgleichen tvird verschiedentlich die Schließung mancher Betriebe ans demselben Grunde au gekündigt, auch von der Binnenschiffahrt kommen solche Klagen, wobei zugleich auf die Wichtigkeit der Binnenschiffahr! für die Lebensmittelversorgung Bezug genommen wird. Diesem Notstand könnte ganz gut abgeholfen werden. Ter Zcntralvcrband der Maschinisten und Heizer, Sitz Berlin, Skalitzcr Straße 47/48, ist in der Lage, tüchtige Maschinisten und Heizer sowohl für stationäre Betriebe jeder Art wie auch für die Schiffahrt zu vermitteln. Die Behörden und privaten Unternehmer werden freundlichst ersucht, sich ini Bedarfsfälle an die örtlichen Arbeitsnachweise des Verbandes oder an das Zcntralburcau in Berlin zu wenden. Tie Holzbildhauer und der beendete Streik. Aeußerst zahlreich versammelten sich am vergangenen Donners- tag die Holzbildhauer im großen Saale des Gewerkschaftshausce. um zu dem abgeschlosiencit Kampfe Stelluitg zu nehmen. In seinem Bericht hob Misbach hervor, daß die Prinzipale, kleinlich wie immer, sich nicht gescheut hatten, sogar die jetzige ernste Situatioü ihrem Krämersinne dienstbar zu machen. Sie verlangten eine protokollarische Festlegung in bezng auf die Arbeitsnachweisfrage, wo durch in späteren Zeiten den orgouisierten Bildhauern die größte,- Schwierigkeiten erwachsen wären. Das ivurde selbstverständlich strikn abgelehnt. Schließlich wurde die am Milttvoch im„Vorwärts" ab- gedruckte Erktärnng angenommen.— In der Diskussion ivarseii verschiedene Redner der Kommission allzu schnelles Handeln vo: Bevor die Beendigung des Streiks bestimmt wurde, hätten die, du geschlossen im Kampse ausgeharrt, befragt werden müssen. Das sei nicht im vollen Maße geschehen. Andererseits herrschte die Meinung daß nicht andetS gehandelt iverden konnte. Sei die schwere Jen vorbei, so werden die Holzbildhauer sich schon wieder auf sich selbi: besinnen.— Eine Streikunterstützung von 10 M. wird noch aus- gezahlt werden. Der Zentralverband der Handlnngsgehilfen richtet an seine Mit- glieder, die nickit zum Militärdienst einberufen sind, das eindringlickc Ersuchen, der Organisation in dieser schweren Zeit die Treue zu bc wahren, die Beiträge pünktlich zu zahlen und alles zu tun, um den Bestand der Organisation zu sichern. Ileberall, Ivo etwa der Vei trauenSmaun durch den Kriegsausbruch verhindert ist, seinen Posten weiter zu verwalten, müssen sich militärfreie Kollegen und Kolleginnen finden, die das Amt übernehmen. Vor allem ist c- notwendig, daß die Beitragskassierung und die Mitgliederzniammeu künfte auch in der nächsten Zeit regelmäßig erfolgen.— Der Verband betrachtet es als seine Pflicht, die Mitglieder auch in diese, Zeit nicht im Stiche zu lassen. Das Ilnterstützungswesen wird während der Kriegsmonate nach den näheren Anweisungen, die der Verbandsvorstand herausgeben wird, aufrecht erhalten werden. Tic VerbandSzeitschrift wird regelmäßig weiter erscheinen tvenn au» vorübergehend in geringerem Umfange. Tue jeder sein möglichstes, damit nach der Kriegsbecndigung der Verband in seiner bisherigen Stärke weiter arbeiten kann. Parteiangelegenheiten. Erster Wahlkreis. Die für heute angesetzte Kreiskonfercnz und der für morgen Sonntag vorgesehene Ausflug fallen aus. Der Vorstand. öerliner Nachrichten. Weibliche Junktionäre von Groß-Serlin! Zum Zwecke der Durchführung einer durchgreifenden Hilfsaktion unserer Genossen zugunsten der Familien der im ffclde Ttchcndcn findet am Tountagnachmittag 2 Uhr im vicuil I des Gcwerkschaftshauscs eine Zusammenkunft aller weiblichen Funktionäre von Grosz-Bcrlin statt, mit der Tages- ordnung: Die Hilfsaktion unserer Genossin- n e n. Ter Zcntrnlvorstaud ersucht dringend, dass alle Funktionäre und Lcseabcndleitcrinnen pünktlich und bestimmt erscheinen. Wert wird auch ans das Erscheinen der Gr- meindevertrctcr gelegt. Zugleich sei mitgeteilt, dass am Montagabend 8 Uhr in den bekannten Lokalen Lcscabendc mit dem gleichen Thema stattfinden, zu denen alle Genossinnen ans der Partei, der Gewerkschaft und der Konsumgenossenschaft eingeladen sind. Sie Hilfsaktion öer Henoflinnen! Eine Fülle von Meldungen für die Mitarbeit an unserer Hilfsaktion sind eingegangen, darnnter viele schriftliche. Wir danken an dieser Stelle allen- Wir werden ihnen und den sich noch Meldenden baldmöglichst Nachricht geben, welcher Abteilung sie zugewiesen sind. Luise Zieh. Die Einschränkungen im Berliner Verkehr. Schon die Einschränkungen des Berliner Verkehrs während der ersten Mobilmachungstage haben den Vcrkehrslcitcrn der grossen Gesellschaften, wie der Straßenbahn, der Hochbahn, der Omnibusgesellschaft usw. arges Kopfzerbrechen bereitet. Hier fehlen die für die Durchführung des Betriebes not» wendigen Mannschaften, dort fehlen die Pferde und Motor- wagen. Die Städtische Straßenbahn hat bereits die neuen Linien vollkommen eingehen lassen. Und während Straßen- bahn, Hoch- und Stadtbahn unter Aufbietung aller Kräfte arbeiten und doch den an sie gestellten Anforderungen nicht völlig gerecht werden können, waren die Antodroschken die Hauptträger des Verkehrs. Die etwa 1500 Wagen legten bei Tag- und Nachtbetrieb innerhalb vicrundzwanzig Stunden in der letzten Woche durchschnittlich 200 Kilometer zurück. Nun sollen auch diese Geführte, wie uns mitgeteilt ivird, ihre Tätigkeit einstellen. Noch laufen etwa 1000 Auto- mobildroschken in Berlin, doch dürften auch diese nach und nach verschwinden. Die Hochbahngesellschast teilt mit, daß auf der Strecke Wittenbergplatz bis Aleranderplatz bis jetzt der Fünfminutenverkehr durchgeführt wird, während auf den Autzenstrecken die Züge, die fast aus- nahmslos mit 6 Wagen Verkehren, die Züge sich in Abständen von lO Minuten folgen. In den nächsten Tagen werden allerdings die Autobus-Zubringerlinien Stettiner Bahnhof bis Tempelhof und Neukölln und Schönhauser Allee— Neukölln außer Betrieb gesetzt werden, um die frei werdenden Mann- schaflen im Hochbahnbetrieb zu verwenden. Außerdem hat die Hochbahngesellschaft die Frauen der ins Feld gezogenen Mann- schaften für den Dienst an den Fahrkartensperren und für die Zugbegleitung herangezogen. Die Allgemeine Berliner Omnibus-Aktiengesellschaft teilt mit, daß sie ihren Betrieb bis auf einen kleinen Bruchteil uzird- einschränken müssen." Dvr Süidtbahnbetricb wird in den nächsten Tagen ebenfalls noch starke Einschränkungen erleiden. Bsp.jetzt Verkehren die Züge durchschnittlich in Abständen von 20 Minuten und sind so überfüllt, daß die Passagiere, wie nian jeden Morgen beobachten kann, selbst die Dächer zu be- setzen versuchen. Eine Besserung der Verhältnisse ist auch hier erst in einiger Zeit zu erwarten. Der Verkehr auf der Großen Berliner Straßenbahn ist, wie bereits gestern morgen gemeldet, durch Einziehung der Linien 9, 24, 39 und 52 weiter eingeschränkt worden, doch wurde dafür auf den Linien 6, 23, 42 und 56 der Beiwagenbetrieb verstärkt. Hilfsbereitschaft der Landesversicherungsanstalt. Der Vorstand der Landesversichcrungsanstalt Berlin hat einstimmig(Arbeitgeber und Arbeitnehmer) beschlossen, zur llnterstützung für die Familien der versicherten zur Fahne Einberufenen 5 Millionen Mark zur Verfügung zu halten- Der Beschluß bedarf nach 8 1274 N. V. O. noch der Genehmi- gung des Reichsversicherungsamts, die wohl erteilt werden wird. Der Handel mit Lebensmitteln. Besondere Aufmerksamkeit ist jetzt dem Handel mit Lebens- Mitteln zu schenken, da verschiedene Händler versuchen, in dieser schweren Zeit das Publikum durch wucherische Lebensmittelpreise auszubeuten. Dieses Bestreben der Händler hat schon dazu geführt, daß für einzelne Lebensmittel, wie Salz und Mehl, bestimmte Maximal- preise festgesetzt sind. Wünschenswert wäre, wenn auch für andere Lebensmittel solche Grenzen festgelegt werden. Einstweilen hat die Polizei das Recht, diejenigen Verkaufsstellen zu schließen, welche zu hohe Preise verlangen. So wurde in N e u k ö l l n in der B e r- linerstr. 79 die Kartoffelfiliale der Firma Geiß- Berlin polizeilich geschlossen, weil für 19 Pfund Kartoffeln 80 Pf. gefordert wurden. Auch von den Wochenmärktcn wurden mehrere Händler gewiesen, welche für 10 Pfund Kartoffeln 80 Pf. forderten. Einen Akt von Selbsthilfe übten Frauen auf dem Wochenmarkt der Schillerpromenade. Der Brotbäcker Krause aus der Prinz« H a n d j e r y st r. 2 4 stellte Brot zum Berkauf aus, daS so winzig war, daß die Frauen in berechtigte Empörung gerieten und dem Händler wtiter nichts übrig blieb als einzupacken und»ach Hause zu fahren. Eigenartig berührte es, daß ein Kriminalbeamier die Frauen zu be- ruhigen suchte, indem er erklärte, daß das Mehl jetzt um das Doppelte gestiegen sei. Außerdem wurde noch die Filiale von E. Goldacker, Charlottenburg, Berliner Str. 15, wegen Ueberschreitung der Höchstgrenze siir einzelne Lebensmittel geschlossen. Ebenso erging es dem Kaffeegeschäft von Tengelmann in Wilmersdorf, Ecke Berliner- und Uhlandftraße. Die Kommunen Groß-Berlins, die jetzt bestrebt sind, billige Nahrungsmittel heranzuschaffen, sollten jetzt darangehen, durch ihre ehrenamtlichen Organe Feststellungen über die Preise der Lebens- mittel vorzunehmen.� In Berlin geschieht das regelmäßig durch das statistische Amt, das Backwaren an verschiedenen Stellen einkaufen läßt. Den Behörden im Verein mit dem Publikum würde es dann nicht schwer fallen, rechtzeitig gegen solche Wuchergeschäfte ein- zuschreiten, welche die jetzige Notlage dazu benutzen, um noch Extra- prosit einzustreichen. In Neukölln müssen ssch die in den Jahren 1894, 1893 und 1892 und die früher geborenen Militärpflichtigen, welche bisher eine endgültige Entscheidung über ihr MilitärverhättniS nicht erhalten Ifcranttvortlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln.- Für de» haben, ferner diejenigen Mannschaften, welche auf Grund eines Be« rechtigungsscheines zum einjährig-freiwilligen Dienst bisher zurück- gestellt sind, spätestens bis zum 8. August d. I. unter Vorlegung ihres Musterungsausweises oder Berechtigungsscheines zur Rekru- tierungS- Stammrolle anmelden. Die Anmeldungen werden von morgens 8 Uhr bis nbcndS 10 Uhr im Zimmer Nr. 28 des Polizei- Präsidiums Neukölln. Kaiser-Friedrich-Stroße 198/194, parterre, entgegengenommen. Anträge auf vorläufige Zurückstellung können beim zuständigen Polizeirevier eingereicht werden. Es wird aber bemerkt, daß eine Zurückstellung nur im äußersten Notfalle genehmigt wird; sie hat auch nur so lange Gültigkeit, als der Bedarf an Mann- schaften anderweitig gedeckt werden kann. Wer die vorgeschriebene Meldung unterläßt, wird bestraft. Firme«, die für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer sorgen. Das Beispiel derjenigen Firmen, die die Angehörigen ihrer zum Kriegsdienst eingezogenen Angestellten und Arbeiter unterstützen, findet, wie Tag für Tag bei uns einlaufende Zuschriften ergeben, erfreulicherweise in größerem Umiang Nachahmung. So zahlt die Firma Max Krause, Papierfabrik, Alexandrtnenftr. 93/94, für den Monat August vollen Lohn bezw. Gehalt. Vom 1. September wird ein Viertel des Lohnes, jedoch nicht über 15 M. pro Woche, außerdem für jedes Kind unter 15 Jahren der zehnte Teil des Lohnes, aber nicht mehr als 4 M. pro Woche an die Familien gezahlt. Aus der im Betrieb befindlichen Pensionskasse sollen die durch den Kriegsdienst eventuell arbeits- unfähig gewordenen Angestellten und Arbeiter ebenso unterstützt werden, als wenn sie im Betrieb verunglückt oder arbeitsunfähig geworden wären. Witwen und Kinder der im Kriege oder an den Folgen des Kriegsdienstes Verstorbenen erhalten eine Pension wie andere Witwen. So lange als möglich soll der Betrieb, wenn auch in beschränktem Umfange, aufrechterhalten bleiben. Die Buchdruckerei„Deutsche Tageszeitung" zahlt den der- heirateten Kriegsteilnehmern bezw. Hinterbliebenen den vollen Wochen- lohn auf die Dauer von vier Wochen, den Unverheirateten die Hälfte des Lohnes. Die Kohlenfirma Paul Dorff G. m. b. H. hat an ihre An- gestellten und Arbeiter ein Zirkular erlassen mit der Anregung, einen bestimmten Teil ihres Einkommens an eine gemeinsame Kasse ab- zuführen zugunsten der mittellos zurückgebliebenen Angehörigen ihrer ins Feld gezogenen Kollegen. Die Firma verpflichtet sich, all- monatlich größere Beiträge hierzu zu leisten. Von der.Olcx"-Petroleumgesellschast wird uns unter Bezugnahme auf unsere Notiz mitgeteilt, daß allein in ihrem hiesigen Bureau 52 Angestellte einberufen worden seien, denen sie bei ihrem Austritt das volle Monatsgehalt ausgezahlt habe. Beschlüsse, wie sich die Gesellschaft bezüglich der über den Monat August hinaus- reichenden Gehaltszahlungen verhalten werde, seien vorerst noch nicht gefaßt, doch bestehe die Absicht, in berücksichtigungswerten Fällen noch über den Monat August hinaus der Familie eine Unter- stützung angedeihen zu lassen. Die Butterengrosfirma Otto Reichclt, Neue Köntgstr. 37, hat jedem Einberufenen 20 M. geschenkt und den Familien weitgehende Unterstützung zugesagt._ Mit der Mutter in den Tod. Mit feiner Mutter in den Tod gegangen ist der 31 Jahre alt« Schlosser Max Wilhelm au« der Allen Jakobstr. 103». Wilhelm versah seit längerer Zeit in seinem Wohnhause die Pförtnerstelle, während feine Mutter, eine Frau von 62 Jahren, einen einträg- lichen Zeitungshandel betrieb. Die Leute' hatten so ihr gü'te« Aus- kommen. Gestern wunderten sich die Hausgenossen, daß die Fenster- vorhänge in der Kellerwohnung des Pförtners nicht aufgezogen wurden. Man sah endlich nach und fand den Pförtner und seine betagte Mutter mit durchschnittener Kehle tot auf dem Bette liegen. Nach dem Befund hat der Sohn erst seiner Mutter die Kehle durch- schnitten, dann sich selbst schwere Verletzungen am Halse beigebracht und außerdem noch die Pulsadern geöffnet. Beide waren an Ver- blutung gestorben. Auf dem Tische lagen mehrere verschlossene und zum Teil auch versiegelte Briefe, die die Polizei an sich nahm. Für die Familien der Kriegsteilnehmer. Die Gemeindevertretung in Tempelhof beschloß. den Familienangehörigen der Kriegsteilnehmer einen Zuschuß von 100 Proz. zu den staatlichen Unterstützungen zu gewähren. Den Familien der Gemeindearbeiter»vcrdcn dlc Löhne während der Dauer des Krieges für alle Werktage weiter- gezahlt, abzüglich der staatlichen llnterstützung. Eine Kündi- gnng von Beamten erfolgt nicht. Die Frauen der Gemehide- arbcitcr müssen sich täglich einige Stunden für notwendige Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Unnötige GcldauSgaben hatten am Donnerstag Frauen, die auf ein in der„Berliner Morgenpost" befindliches Meldeangebot für die Konservenfabrik in Spandau nach dort gefahren waren, in der Hoff- nung, Beschäftigung zu erlangen. Dort angelangt wurde ihnen von einigen Herren des Bureaus erklärt, daß seit Montag keinerlei Personal mehr eingestellt würde. Das fragliche Inserat sei irrtüm- lich verspätet erschienen. Für nniformiertes Militär freie Badegclegcuheit. Der Magistrat beschloß in seiner heutigen Sitzung, bis auf weiteres allen Militärpersonen, die in Uniform erscheinen, die freie Benutzung aller städUschen Badeanstalten zu gestatten. Aus einem Fenster des Polizeipräsidiums stürzte sich ein englischer Referendar W. Stein. Derselbe war unter dem Verdacht der Spionage verhaftet worden und sollte gestern zur Vernehmung geführt werden. Beim Transport riß er sich los und stürzte sich aus einem offenen Fenster des dritten Stockwerkes._ Er wurde als Polizeigefangener nach einem Krankenhause übergeführt, wo schwere innere Verletzungen sowie verschiedene Brüche festgestellt wurden. Die neun Säuglings-Fürsorgestellen halten wie bisher, an jedem Wochentage ihre Sprechstunde(um 2 Uhr) ab und ge- währen alle Leistungen im vollen bisherigen Umfange. Der Verein Jugendheim in Tcmpelhof hat sich bereit er- klärt, die Kinder der Frauen, die ihrer Beschäftigung nach- gehen müssen, in seinen Räumen während des Tages unter- zubringen. Die uneigennützigen Bäckermeister. Die Tenerungskommission der Gemeinde A d l e r S H o f beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung u. a. mit einem Er- suchen der Bäckermeister des Ortes, daß die Gemeinde für dieselben den Mehleinkauf. besorgen möchte, da die Gemeinde doch billiger einkaufen würde. Die Komniission war nicht abgeneigt, den Wünschen entgegenzukonlinen, verlangte jedoch, daß der Gemeinde das Recht eingeräumt»verde, bei der Fest- stellung der Preise und des Brotes mitzuwirken. �le>er Vor- schlag war den Bäckern so wunderbar, daß sie in der nächsten Sitzung das Wiederkommen vergaßen, und damit die An- gelegenheit erledigt ist. Das hätte noch gefehlt, daß die Gemeinden Mittel aufwenden, um billige Lebensmittel zu beschaffen,«hne eine EimmrOrng auf die Preise zu bckominen. Inseratenteil verantw.: TH.Glocke,BerIln. Druck«.Berlag: Borwärt»! Dem Turnverein„Fichte" sind zurzeit die meisten Gemeinbeschül» turnhallen gesperrt worden, da dieselben dem Militär zur Ver- fügung gestellt werden mußten. Die Mitglieder werden deshalb dringend gebeten, mit ihren Angehörigen des Sonntags fleißig die Turnplätze aufzusuchen, wo auch alles Nähere bekannt gegeben wird. Gtraßenunfölle. Bor dem Hause Schönhauser Allee 70b sprang Frau Reitze! aus der Kaiser-Wilhelm-Straße in Niederschönhausen von einem Straßenbahnwagen der Linie 47 E ab, der sich in der Anfahrt zur Haltestelle befand. Frau N. kam zu Fall und geriet mit dem linken Fuß unter den seitlichen Schutzrahmen. Die Verunglückte, die durch Anheben des Waggons befreit wurde, erlitt einen kom- plizierten Bruch des linken Fußes und wurde nach dem Krankenhaus in Pankow gebracht. Ein ähnlicher Unfall trug sich in Treptow zu. Vor dem Hause Elsenstraße 100 wollte der Gießermeister Oskar Billwock aus der Kiesholzstraße 411 einen Straßenbahnwagen der Linie 19 verlassen. Er tam zu Fall, hielt sich aber am Handgriff fest und wurde nun eine kurze Strecke mitgeschleift, bis der Waggon zum Stehen gebracht werden konnte. V. trug einen doppelten Knöchelbruch des rechten Fußes davon und fand im Krankenhaus Bethanien Anfnahme. Tie Leiche eines unbekannten Knaben wurde aus dem Verbindungs- kanal in Charlottenburg gelandet. Der Knabe ist zirka 10 Jahre alt, hat dunkelblondes Haar und war mit einer blauweißgestreiftPr Bluse und blauen Kniehosen bekleidet. Das Krcisschwimmfest des Arbeiter-Wassersport-VerbandeS findet morgen nicht statt. Das Sommcrfest des Arbeitcr-Radfahrerverein« in Kaulsdorf findet am Sonntag nicht statt. Verloren wurde gestern nachmittag 5'/� Uhr an der Ecke Linden- und Schützenstraße ein Portemonnaie. Inhalt ein Zwanzigmark- schein und zirka 50 Pf. in Nickel. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe in unserer Hauptexpedition, Lindenstr. 69, abzugeben. Gestohlen wurde ein schwarzes Tourenrad mit gelben Felgen. Marke„Frisch auf" Nr. 419147 bei Borsig in Tegel. Nachrichten über den Verbleib desselben erbittet Hartwich, Tegeler Str. 33/84. Versammlungen. Generalversammlung der Transportarbeiter. Werner leitete die Versammlung ein durch einen kurzen Hin- weis auf den Ernst der Situation und gedachte besonders des durch Mörderhand gefallenen Friedenssörderers Jean Jaurds. Aus dem Geschäftsbericht für das II. Quartal hob der Referent hervor, daß sich die Hoffnung auf eine Besserung der Wirt- schaftlichen Lage als trügerisch erwiesen habe. Darum mußt« auch hinsichtlich der Lohnbewegungen größte Reserve geübt»verde,,. Forderungen wurden eingereicht bei 112 Firmen mit 2262 Be- leiligten. Bei III Firmen erzielten 1944 Beteiligte eine Lohn- erhöhung von 2701,20 M. pro Woche. Außerdem erzielten bei sieben Firmen hundert Beteiligte eine Arbeitszeitverkürzung von 467>/z Stunden pro Woche. Tarifverträge wurden bei 105 Firmen vereinbart, die Bezahlung der lleberstunden mit Aufschlag, Gewährung von Urlaub ustv. vorsehen. Abgewehrt wurden 6ei 303 Firmen mit 1900 Beteiligten die Reduzierung des Lohnes mit 2140,— M. pro Woche. Der Grad der Arbeitslosigkeit ist nicht günstiger gelvorden. Arbeitslos haben sich 4738 gemeldet. Stellen gemeldet wurden 7100; davon 2165 für fest und 4935 zur Aushilfe. Besetzt wurden 1567 feste und 4814 Aushilfsstellungen. Arbeitslos blieben am Schluß des II. Quartals 1613 Kollege». 2042 Unterstützungsberechtigte erhielten für 39 157 Tage 52 808,45 M., 9V Jugendliche für 1123 Tage 608.25 M. und 24 weibliche Mit- glieder für 416 Tage 280,60 M. Arbeitslosenunterstützung. Insgesamt wurden an 2161 Berechtigte für 40 696 Tage 53 692,30 M. gezahlt.— Der Kassenbericht schließt mit 551714 M. ab. Der Kassenbestand hat sich von 199 054 M. auf 206 488 M. erhöht. Leider ist es auch nicht möglich gewesen, den Mitglieder- bestand zu halten, obwohl infolge eifrigster Agitationsarbeit 3010 Neuaufnahmen verzeichnet werden koimten. Am 1. April 1914 ge- hörten 48 687 männliche, 1998 jugendliche und 2035 weibliche ins- gesamt 52 750 Mitglieder der Organisation an. Die entsprechenden Zahlen für den 1. Juli sind: 47 775 männliche, 1954 jugendliche und 2008 weibliche, insgesamt 51 737 Mitglieder. Ein weiterer Tagesordnungspunkt betraf die Beitrags- erhöhung. Werner legte noch einmal kurz dar, welche Gründe maßgebend waren, einen solchen Beschluß zu fassen. Die Orts- Verwaltung empfahl der Generalversammlung die Zustimmung zu einem Lokalzuschlag von 5 Pf. Nach kurzer DlSkuWon wurde dieser Vorschlag einstimmig angenommen. Der Zuschlag wird vom 16. August an erhoben. Bei Erörterung dieser Angelegenheil kamen auch einige Anregungen zur Sprach«, die darauf abzielten, die An- gestellten des Verbandes möchten angesichts der politischen Lage auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten. Werner konnte hierzu aus- führen, daß bereits ein solcher Beschluß in Aussicht genommen sei. Ebenso werde erörtert,"ob eine Unterstützung der Angehörigen von im Felde befindlichen Mitgliedern eingeführt werden könne. Werner wies schließlich auf die vielfach eingeleiteten Hilfsaktionen hin, um die Folgen des Kriegszustandes nach Möglichkeit zu mildern und empfahl rege Beteiligung daran. Sriefkaften üer Redaktion. — 3- 3- Der Fall kann so liegen, daß sowohl das eine wie das andere eintreten kann. Von einem Dürscn und einem Müssen kann nicht schlecht- hin die Rede sein.- B. V. Nein.— R. P. Ja. Wetterausfichten für das mittlere Norddeutschlaud bis Sonntagmittag: Mäßig wann und im Binnenlande viclsach heiter, aber veränderlich. Im Küstengebiet zimächst überwiegend bewöltt und an den meisten Orten etwas Regen; später auiklarend und ein wenig kühler. Steinarsteitcr! Zur Durchsührung der Unterstützung der Angehörigen der Krieg«. teilnehmer ist solgendcS zu beachten: Tie Bücher der Eingezogenen find sofort im Ver« bandsburcau abzuliefern unter Angabe der genauen Adresie und der Kindcrzahl. Vorbedingung für die Durchführung der Hilfsaktion ift. dasi die in Arbeit verbleibenden Kollegen ihren Verbandsverpflichtungen pünktlich nachkommen. Beitrüge werden bis aus iveitereS an folgenden Stellen entgegen- genommen: Moabit, Ttephanstr. bei Max Ffober, Neukölln, Goetheftr. 7 bei Rud. Bergeman», Schöncberg, Jedanftr. 17 bei Gottl. Grofl, Weiftenfee, Berliner Allee 257 bei Dröger und im Bcrbandsbureau, Engelufer 15, 1 Treppe, wo auch alle übrigen Geschäfte in der bisherigen Weise fort- geführt werden. Mglmdgnll der Steinarbeiler Deutschlands Lrtsverwaltung Beelin._ 1792;* »uchdruckerei u, Lerlagsanstalt Paul Singer& So, Berlin SW. Sit. 214. R. Zchtg. KMs Keiliize Ks Lowiills" flr Zikii- 8. AugvS 1914. /iufschrift öer Feldpost- fenöungen. Die nach dem Feldheere gerichteten Postsendungen können, da die Marschquartiere der einzelnen Truppenteile fortwährend wechseln, nicht, wie im gewöhnlichen Verkehr, auf einen vom Absender an- zugebenden bestimmten Ort geleitet, sondern müssen zunächst der Feidpostanstalt zugeführt werden, die für den Truppenteil den Post dienst wahrzunehmen hat. Für jedes Armeeoberkommando, jedes Armeekorps, jede Division— Infanterie-, Kavallerie- oder Reservedivifion— ist je eine mobile Feidpostanstalt in Tätigkeit. Bis zu dieser Feld postanstalt, die bei dem Stabe mitmarschiert, werden die an die Truppen gerichteten Sendungen befördert; von dort werden sie durch Kommandierte der einzelnen Truppenabteilungen oder Detachements abgeholt. Sierimch können die Sendungen nur in dem Falle pünktlich an mpfänger gelangen, wenn die Aufschristen der Briefe usw richtig und deutlich ergeben: welchem Armeekorps, welcher Division, welchem Regiment, welcheni Bataillon, welcher Kompagnie oder welchem sonstigen Truppenteile der Empfänger angehört, sowie welchen Dienstgrad und welche Dienststellung er bekleidet. Dasselbe gilt sinngemäß für die Sendungen an die Angehörigen der mobilen Marine. Sind diese Angaben auf den Briefen usw. an die mobilen Truppen richtig und vollständig enthalten, dann können die Sendungen mit Sicherheit der zutreffenden Feldpostanstalt zugeführt werden. Eine Angabe des B e st i in m u n g S o r t§ in der Auf- schuft ist nicht erforderlich, kann vielmehr leicht zu Verzögerungen bei Uebermittelung der Sendungen führen. Es ist daher zweck mäßiger, auf den Briefen usw. eincil Bestimmungsort gar nicht zu vermerken, sofern der Empfänger zu den Truppen gehört, die infolge von Marschbewegungen den Standort wechseln. Wenn dagegen der Empfänger zu den Truppen einer Fcstungs- besatzung gehört, bei einem Ersatztruppenteile steht oder üocrhaupt ein f e st e S Standquartier hat, so ist dies auf den Briefen usw. deutlich zu vermerken, außerdem ist in diesen Fällen der Be stickimuitgsort anzugeben. Die Aufschriften der Briefe usw. müssen recht klar und über sichtlich sein. Besonders einpstehlt es sich, die Angaben über Armee- korps, Division, Regiment usw. oder Kriegsschiff immer an einer bestiminten Stelle, am besten unten rechts, niederzuschreiben. Die Ziffern in den Nummern der Divisionen, Regimentern usw und der Name des Empfängers müssen recht deutlich, scharf und ge« imgend groß geschrieben werden. Blasse Tinte und feine Schrift sind möglichst zu venneidcn. Nachlässige Ziffern und Schriftzüge, oder auch solche, die zwar dem an seine Schrift gewöhnten Ab- sender sehr deutlich vorkommen mögen, es aber in der Tat nicht sind. zumal wo es sich unter Hunderttausenden von Aus schpiften um sofortige Entzifferung im Augenblick handelt, werden leicht die Ursache der Verzögerung oder Unanbringlichkeit der Feld Postsendungen. Im übrigen einpstehlt es sich, auf allen Briefsendungen nach dem Feldheer oder der mobilen Marine den Absender anzugeben. Eine Verpflichtung hierzu besteht jedoch nicht. Das Publikum wird ersucht, im eigenen Interesse auf die obigen Punkte Rücksicht zu nehmen. ♦ Für Feldpostsendungen in Privatangelegenheiten an die An gehörigen des Heere» und der Kaiserlichen Marine gelten, nach einer amtlichen Bekanntmachung, während des mobilen Verhältnisses nach bezeichnete Portovergünstigungen: 1. Portofrei werden befördert: gewöhnliche Briefe bis zum Gewichte von 50 Gramm, Postkarten und Geldbriefe bis zum Gewichte von 50 Gramm und mit Wert angabe bis zu 150 M. 2. Porloermäßiguitgen: Das Porto beträgt ») gewöhnliche Briefe über 50 Gramm bis 250 Gramm schwer 20 Pf. d> Geldbriese über 50 Gramm bis 250 Gramm schwer und mit Wertangabe bis zu 150 M........... 20 o) Geldbriese bis 260 Gramm schwer mit einer Wertangabe von über 150 bis 300 M............. 20 „ 300. 1500„.■........... 40 d) Postanweisungen über Beträge bis zu 100 M. an die Angehörigen des Feldheeres und die Besatzungen der zu den Seestreitkräften gehörigen Kriegsschiffe usw...... 10 Zu den Angehörigen des Heeres zählt auch da« auf dem Kriegsschauplatz in der fteiwilligen Krankenpflege zur Verwendung kommende Personal »») der deutschen Landesvereine vom Roten Kreuz und der mit ihnen verbündeten Vereine sowie der Ritterorden— Johanniter-, Malteser-, St. GeorgS-Ritter—. bd) derjenigen Vereine, Gesellschaften usw., die auf Grund des Gesetzes zum Schutze des Genfer Neutralitätszeichens vom 22. März 1902«Reichs-Gesetzbl. 1902 Nr. 18) von dem zuständigen Kriegsministerium zur Unterstützung des Kriegs- sanitätsdienstes durch besondere Bescheinigung zugelassen sind. Sendungen, die rein gewerbliche Jntereffe» der Absender oder der Empfänger betreffen, haben auf Porlovergünstigung� keinen An- spruch und unterliegen daher dem gewöhnlichen, tarifmäßigen Porto. Das Porto muß stets vorausbezahlt werden. Unfrankierte oder unzureichend frankierte portopflichtige Sendungen werden nicht ab- gesandt. Die Aufschrift der Feldpostsendungen muß den Vermerk .Feldpostbrief" enthalten und genau ergeben, zu welchem Armeekorps, welcher Division, welchem Regimente, welcheni Bataillon. welcher Kompagnie oder welchem sonstigen Truppenteil oder Kriegs- schiffe der Empfänger gehört sowie welchen Dienstgrad und welche Dienststellung er bekleidet. Formulare zu Feldpo st karten werden bei den Post- anstalten sowie den amtlichen Verkaufsstellen für Postwertzeichen an das Publikum verkauft werden. Einstweilen können die gewöhn- lichcn ungestenipelten Poftkartenformulare Verwendung finden. Bei denselben Stellen werden auch Formulare zu Feldpostgnweisungen an die Angehörigen des Feldheeres, mir Freimarken zu 10 Pf. beklebt, zum Verkauf für den Betrag der Freimarke bereitgehalten werden. r-n■ Zu Postanweisungen an die Besatzungen der Kriegsschiffe find die gewöhnlichen Founulare zu benutzen. Einschreibsendungen in anderen als Militärdienst- Angelegen- heften, Postaufträge, Briefe mit Zustellungsurkunde und Postnach- nahmeicndungen sind von der Beförderung durch die Feldpost aus- geschloffen. Privatbäckereien nach dem Heere werden bis auf weiteres gegen die sonst üblichen Portosätze noch angenommen. Zur Förderung des AbgabegeschäflS ist es jedoch notwendig, daß diese Sendungen frankiert zur Post gegeben werden.__ a) b) o) Ernteromantik. In den letzten Tagen haben sich verschiedentlich Schüler höherer Lehranstalten und Wandervögel zur unentgelt- lichen Arbeit auf dem Lande angemeldet und auch schon verschicken lassen. Den Landwirten ist mit diesen Arbeits kräften nicht viel gedient. Manche Landwirte haben sie zu rückgewiescn. Zu ernsthafter und doch immerhin schwerer Arbeit, wie die Landarbeit es ist, werden diese jungen Leute kaum zu gebrauchen sein. Es muß besonders darauf hin gewiesen werden, daß sich nicht Leute aus der Stadt zu der Arbeit drängen dürfen, die, von Romantik für das Land erfüllt, gern dorthin möchten, nachdem aber in der Arbeits leistung fast völlig versagen. Auch ist nicht zu vergessen, daß diese ganze Hilfsaktion außer dem Zwecke, die Ernte herein zubringen, auch vor allen Dingen dazu dienen soll, den zahlreich arbeitslos gewordenen Industrie arbeitern und-arbeiterinnen Gelegenheit zu Verdien st und Unterhalt zu geben. Es ist daher zu empfehlen, daß unsere gewerkschaftlichen Meldestellen die auf das Land zu schickenden Arbeitskräfte auf ihre Brauch barkeit fiir die Landarbeit prüfen und zunächst solche Per sonen bevorzugen, die möglichst mit landwirtschaftlichen Ar beiten Bescheid wissen. Nur so kann auch dem Landwirt ge dient werden, der natürlich brauchbare Arbeitskräfte erhalten muß. Möglich, daß die Situation in den nächsten Tagen sich anders zeigt. Wenn dann der Umfang der zu leistenden Arbeit besser zu übersehen ist, können weitere Maßnahmen immer noch getroffen werden. In der gestrigen Sitzung der Reichs- Zentrale der Arbeitsnachweise wurde festgestellt, daß zurzeit ausreichende Organisationen für alle einschlägigen Fragen bestehen und die bestehenden sämtlich mit der Neichs-Zcntrale zusaminenarbeiten. Die Bildung weiterer Organisationen ist daher zu unterlassen, da die Fülle der Organi sationen zu st ö r e n droht. Es ist zunächst erforderlich, einen Ueberblick über die Lage des landwirtschaftlichen Arbeiter Marktes zu erlangen, der für die Bergung der Ernte besoir ders dringend ist. Zu dem Zwecke sind die unteren Verwal tungsbehörden telegraphisch angewiesen, die Nachfrage und den Bedarf an landwirtschaftlichen Arbeitern zu ermitteln. Da vorderhand ein Ueberau gebot von Arbeits kräften vorliegt, sollen die Unterrichtsverwaltungen er sucht werden, die Schulbefrciung älterer Sch ü I c r vorerst nicht weiter zu gestatten. Auch in dieser Sitzung wurde betont, daß die Pfadfinder und ähnliche frei willige Helfer für die landwirtschaftliche Arbeit keine Ver- Wendung finden können, solange andere und größtenteils besser geeignete volle Arbeitskräfte verfügbar sind. Noch schärfer spricht sich der städtische Pressedienst der Stadt Charlottenburg über die Verwendung Jugendlicher aus. Er sagt direkt:„Durch die planlose Werbung und Ent sendung Jugendlicher zur Erntehilfe istbcreitsSchaden gestiftet worden. Es müssen hierfür in erster Linie die jetzt erwerbslosen Arbeiter, Männer, Frauen und Mädchen der Städte verwendet werden. Die Jugendlichen aber, gleichviel ob sie noch die Schule besuchen oder schon von ihr entlassen sind, sollen die Reserve bilden, die zur Verwendung gelangt, wenn die Hauptarmee nicht ausreicht." Mus Industrie und Handel. Rußlands wirtschaftlicher Aufschwung. lieber Rußlands wirtschaftlichen Aufschwung sind im Ausland, auch in Deutschland, meist übertriebene Borstellungen verbreitet. Merkwürdigerweise ist es ein.liberaler" Professor. Schulze-Gävernitz, der von einem ausfallenden Aufschwung Rußlands spricht. Gerade aber die jetzt seit Wochen dauernde Geld- und Börsenkrise Rußlands, die den Kurs seines Rubels auf den Stand von 1904/5 herabgedrückt hat, zeigt, wie wenig Rußland wirtschaftlich gerüstet ist. Bei näherer Betrachtung erweist sich der wirtschaftliche Auf- schwung Rußlands al» ein Phantasiegebilde deutscher Imperialisten. Die Ernteerträge zeigen zwar von 1901/5 bis 1911/12 eine Steige- rung von 2 Proz., sind aber außerstande, den einheimischen Bedarf zu decken, so daß die Ausfuhr von Getreide 19)2 geringer war als 1902. Der Viehbestand hat sich 1912 gegen 1900 stark vermindert und zwar um 5 Proz. bei Rindvieh, um 27 Proz. bei Schafen und Ziegen und um 15 Proz. bei Schweinen. Und nun kommen Nach- richten von einer drohenden Mißernte, die bei den auch in Rußland sehr stark angestiegenen Preisen besonders verheerend loirken muß.... Und wie steht eS mit dem Aufichwunge der russischen Industrie? Die russische Textilindustrie hat sich zwar stark ausgedehnt, befindet sich aber seit langem in einer schweren KrisiS. Dagegen scheint die Eisenindustrie nicht einmal imstande zu sein, den gestiegenen Bedarf decken zu können. Die Zunahme der Bevölkerung und daS damit verbundene Wachstum der Städte� hat in den letzten Jahren eine starke Bautätigkeit hervorgerufen: außerdem find in den Jahren 1910/12 zehntausend Werst Eisenbahnlinien gebaut worden. Fügt man noch die gewaltigen Rüstungsaufträge der Regierung hinzu, so haben wir die Hauptursachen dieses Aufschwunges. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ist in Rußland eine Wirt- 'chaftskrise ausgebrochen, die sich dann auch in anderen Ländern eingestellt hat. Während aber die ganze kapitalistische Welt 1905—1907 einen neuen Aufschwung erlebt halte, dauerte in Rußland die Stagnation vis 1910—19)3 an. In diesen zehn Jahren hat sich trotz aller Hemmnisse etwas Kapital gesammelt, da» nun den Unter- nehmern gestattet, die völl'g veralteten Produktionsmittel zu er- neuern. Das ist wiederum der Eisenindustrie zugute gekommen. Trotzdem hat sich die Roheisenproduktian Rußlands von 1902—1912 bloß um 64 Proz. erhöht, während sie in Deutschland sich fast ver- doppelt hat. Die verschiedenartige EntWickelung der einzelnen Industriezweige in Rußland hat einen merkwürdigen Einfluß auf die politische Lage ausgeübt. Dem Aufschwung in der Eisenindustrie ist vor allem der heldenmütige Kampf der Petersburger Arbeiter zu verdanken, der neues Leben in den Gang der politischen Entwickelung gebracht hat, während andererseits die wirtschaftliche Krise im Moskauer Rayon die Unzufriedenheit der Industriellen dieses Gebietes ver- chärst hat. Aus den Kreisen der Textilindustriellen ist die so- genannte.Fortschrittspartei" entstanden, die eine immer energischere Opposition gegen die Regierung macht und es sogar' gewagt hat, den Etat abzulehnen. Die heranbrcchende Wirtschaftskrise wird auch einen Teil der Metallindustriellen der Opposition zuführen lind die Reaktion noch mehr isolieren._ Papiergeld- Zwangskurs in Frankreich. Wie auS Paris nach New Jork gemeldet wird, beantragte die Regierung bei der Kammer die Ermächtidung, für die Bank von Frankreich die Rotenzirkulation auf 10,2 Milliarden zu erhöhen, ferner die Metallzahlungen ein- zustellen und dem Papiergeld den ZwangSkurS zu verleihen. Serbische Kriegskredite. Die Agcnce Telegraphique Bulgare meldet aus Nisch;? Skupschtina verhandelte in ihrer Sitzung das Moratorium und Kriegskredite. Das Moratorium(der gesetzliche ZahlungSaufschiü i wird bis zum 60. Tage nach der Demobilisierung in Kraft bleibcr.. Die Skupschtina bewilligte sodann einen Kredit von 90 Mil lionen, wovon 60 Millionen unverzüglich verausgabt werte dürfen.__ Oesterreichs finanzielle Maßnahme«. Die amtliche Wiener Zeitung veröffentlicht eine kaiserliche Ve: ordnung, durch welche die Regierung ermächtigt wird, die für t' außerordentlichen militärischen Vorkehrungen anläßlich der krieg:■ rischen Verwicklungen erforderlichen Geldmittel ohne dauernde B lastung des Staatsschatzes durch Kreditoperationen zu beschaffe:. Ruf Grund dieser Verordnung hat das Finanzministerium mit eiiic österreichischen Konsortium zur Durchführung staatlicher Krct operationen ein Uebereinkommen geschlossen, durch tvelches der Final, Verwaltung mittels eines durch Schatzscheine gedeckten Lombau darlehens die Mittel zur Deckung der MilitärauSlagen zur VerfSgun.z gestellt worden sind. Die ungarische Finanzverwalwng hat ein en sprechendes Uebereinkommen mit einem ungarischen Konsortium g.» schloffen._ Soziales. Haftung für Filialbetriebe. Ein bemerkenswertes Urteil über die Haftung der Brauereien für Filialbetriebe, deren Konzession an: andere lautet, hat gestern die Kammerk des Gewerbegerich!> gefällt. Der Klageanspruch eines Hausdieners, gegen die Löwe it- brauerci gerichtet, lautete aus Zahlung von rückständigein Lor c und Entschädigung wegen vorzeitiger Entlassung. Der beklagu. Firma gehört das Restaurationslokal Gr, Frankfurter Str. 6. Si, bat es gemietet. Die Einrichtung ist ihr Eigentum. Tn Konzession lautet auf den Namen eines ihrer Angestevtci Ende vorigen Jahres verpachtete sie das Lokal weiter. In dem abgeschlossenen Verlrage ist über die Unkosten keine Vereinbarung getroffen. Der Kläger ist in den Betrieb Ansang Januar eu- getreten. Am 20. Januar wurde das Lokal geschloffen. Die Brauet c belegte sofort die gesamten Vorräte mit Beschlag, so daß der Klage:. der keinen Pfennig erhalten hatte, sich auch nicht an diese halten konnte. Aus allen diesen Umständen leitete das Gericht die Haftung der Brauerei her und verurteilte sie zur Zahlung der geforderten 86 M._ Aufhebung der Schutzvorschriftcn für Arbeiterinnen und Jugendliche. Hier und da ist die Ansicht ausgesprochen, für die Dauer de» Krieges sind alle für Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter gc- gebenen Schutzvorschriften aufgehoben. Diese Anficht ist irrig. Es ist, wie wir bereits mitgeteilt haben, dem Reichskanzler lediglia- die Befugnis erteilt, die in den ßß 135—137» Abs. 2 und 154» eni- haltenen oder die in den auf Grund der§§ 120e, 120h, 139» de. Gewerbeordnung erlassenen Verordnungen enthaltenen Schutz- Vorschriften ganz oder teilweise, allgemein oder für besttmmte Bc- zirke außer Kraft zu setzen. Von dieser Befugnis soll nach der Bc- gründung des Entwurfs nur in wirklich dringenden Fällen Gebrauc, gemacht werden, z. B. wenn Ersatzarbeitskräfte unmöglich beschaf, werden können oder dringende Notfälle vorliegen. In der Bc- gründung heißt eS: .Der gegenwärtige Kriegszustand, der die gesamte männlich.' wehrpflichtige Bevölkerung Deutschlands zur Verteidigung deS Vaterlandes erfordert, bringt tief einschneidende Veränderungen in dci industriellen Erzeugung mit sich. Während für manche Jndustrtc- zweige, namentlich solche, die für den Hceresbedarf und die Nahruiigs miltelindustrie arbeiten, mindestens vorübergehend eine außer- gewöhnliche Häufung der Arbeit eintritt, ist für anderc Industriezweige nach Möglichkeit Vorsorge zu treffen, daß sie nick.: zum Stilliegen kommen. Um beiden Erfordernissen Rech- nung zu tragen, insbesondere um der nicht zum Kriegsdienste heran- gezogenen männlichen und der weiblichen Bevölkerung in Iveitest- gehendem Maße Beschäftigung zu sichent, müssen Ausnahmen voi: den Beschräiikungen, die die Gewerbeordnung für die Beschäftigung von Arbeitern vorsieht, zugelassen werden. Der Entwurf gibt dem Reichskanzler die Ermächtigung, allgemein Ausnahmen zuzulassen. Darüber hinaus sollen auch die höheren Verwaltungsbehörden bc- fugt sein, auf Antrag im Einzelfall Ausnahmen zuzulassen." Einwirkung der Mobilmachung auf die Invaliden- und Hinterbiietrneii Versicherung. Nach§ 1393 der ReichsversicherungZordnung werden ohne Ent- richtung von Beiträgen als Beitragswochen der Lobnklasse II die- jenigcn vollen Wochen angerechnet, in denen der Versicherte zur Erfüllung der Wehrpflicht eingezogen ist oder in MobilmachungS- oder Kriegszeiten freiwillig militärische Dienstleistungen verrichtet hat. Die Mllitärdienstwochen werden auf die Wartezeit angerechnet, ver- bindern das Erlöschen der Anwartschaft und werden auch bei einer Berechnung der Höhe der Renten mitgerechnet. Eingegangene Druckschristen. 4 M Der Zar und seine Juden. Von K. Aram. 3 M,. geb. K, Curlius, Berlin W 35. Ans dein Leben und der Wcrkstätte eines Werbenden. Bon A. Pctzold. 80 Pf. Anzengrubcr-Vcrlag, Brüder Suschitzk», Wien-Leipz!.,. Das Recht auf Frieden. Von Justizrat Dr. A. 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August im Alter von 39 Nahren verstorben ist. /, Uhr, von der Leichen- Halle des Elisabeth- Kirchhoses, Prinzen-Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht G7/9 Die Bezirksverwaltung. Teile allen Freunden und Verwandten mit, dag meine Frau Emma Grenda am 5. August verstorben ist. Um stille Teilnahme bitten ,). Grenda nebst ttinderu. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 2 Uhr, in Stahnsdorj statt. t20A SoziddeinokratischerWaUvereiii Neukölln Nachruf. Am 4. August verstarb unser Parteigenosse Franz Czerson Mahbach-User 46(4. Bezirk). Ghre seinem Andenke«: 238/7 Der Verstand. Am 5. August verschied nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwieger- und Großmutter Emilie Schulz geb. Knauer. Um stille Teilnahme bittet F-amilie Schulz, LychcnerStr.7. Die Beerdigung sindet am Sonnabend, den 9. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Freireligiösen Friedhofs. Pappelallee, aus statt. 131A Am Donnerstag, den 6. August, verstarb unsere Verläufeiin Gertrud Giesing im noch nicht vollendeten 2l>. Le- bensjahre. 196/11 Durch ihren Fleiß und Pflicht- eiser hat sich die Verstorbene ein dauerndes Andenken erworben. Kousum-G euosseuschaft Berlin n. Umgegend. Am 5. August oerschied nach schwerem Leiden unsere treue Mitarbeiterin EmiHa Schulz. Ehre ihrem Andenke« k Das Personal der Borwürts- Ausgabestelle Greiscnhagener Straße 22. Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 9. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Freireligiösen Friedhofes Pappel- allee aus statt. 2884b Mostremti� Kolonnaden. Qr frankfurterstr, Trauen. Magazin Kleioer.Müteefc. 5� Äußerste fVeoe"«* .. farbige Konfektion in größtem Maßstäbe zu bli ligsten -Preisen— 1 Kleidung für Schwestern| | u. Krankenpflegerinnen änsserst billig! Westmann Gänse! Gänse! 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