Nr. 217. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Preis pranumerando: Bierteljährl 3,80 m., monatl. 1,10 wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Bfg., füt politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedrudte Bort 20 Big.( zulässig 2 fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Bort 10 Pig., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplatz, Nr. 1983. Die Folgen der italienischen Neutralität. Dienstag, den 11. August 1914. Die Kriegsereignisse. Vom westlichen Kriegsschauplah. Zurückdrängung von drei französischen Divisionen bei Mülhausen i. E. Berlin, 10. August.( W. T. B.) Von Belfort in das Obereljak nach Mülhausen vorgedrungener Feind, anscheinend das siebente französische Armeekorps und eine Infanteriedivision der Besabung von Belfort, sind heute von unseren Truppen aus einer verstärkten Stellung westlich Mülhausen in südlicher Richtung zurückgeworfen. Die Verluste unserer Truppen nicht erheblich, die der Franzosen groß. Einzelheiten über die Einnahme von Lüttich. Als die Kunde von der Neutralität Staliens in das vom Kriegsfieber befallene Deutschland drang, haben zahllose deutsche Spießbürger, deren patriotischer Ueberschwang von jeher durch keinerlei politische Schulung getrübt war, weidlich über die Kerle von Italienern geschimpft, die zum Dreibund gehören und nun nicht mitmachen" wollen. Und leider hat man auch aus Arbeiterkreisen, die man bisher zu den politisch aufgeklärten gezählt hat und denen seit Jahren ( wir müssen gestehen, mit recht wenig Erfolg), die Gefahren des Imperialismus gepredigt worden sind, solche und ähnliche Verdammungsurteile gehört. Unseren regierenden Kreisen scheint eine solche Mißstimmung gegen den Dreibundfreund, der jetzt den ehernen Reigen nicht mittanzen will, zurzeit nicht recht angenehm zu sein. Das beweist wenigstens die Berlin, 10. August.( W. T. B.) In einer Depesche des halboffiziöse Beschwichtigungsnotiz der Korrespondenz Hoff Generalquartiermeisters heißt es: Französische Nachrichten mann, die wir in unserer Sonntagsnummer veröffentlichten. haben unser Volt beunruhigt. Es sollen zwanzigtausend Es ist schon richtig, was die erwähnte Korrespondenz Deutsche vor Lüttich gefallen und der Platz überhaupt noch schreibt. In einer Kriegslage, in der starte englische und nicht in unserem Besitz sein. Durch die theatralische Verfranzösische Flottendivisionen das Mittelmeer beherrschen, leibung des Kreuzes der Ehrenlegion an die Stadt Lüttich find die langgestreckten Küsten Italiens und deren Häfen auf sollten diese Angaben bekräftigt werden. das schwerste bedroht. Die gleiche Gefahr droht den wichtigen Eisenbahnlinien, die meist in der Nähe des Meeres laufend den Süden und Norden der Appeninenhalbinsel verbinden und durch die schweren Schiffsgeschüße der englischen und franzöfischen Panzerschiffe aus sicherer Ferne leicht zerstört werden fönnen. Unser Volt kann überzeugt sein, daß wir weder Miß erfolge verschweigen noch Erfolge aufbauschen, werden. Wir werden die Wahrheit sagen und haben das volle Vertrauen, daß unser Volk uns mehr als dem Feinde glauben wird, der feine Lage vor der Welt möglichst günstig hinstellen möchte. Wir müssen aber mit unseren Nachrichten zurückhalten, solange sie unsere Pläne der Welt verraten können. Jest Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1984.. Festungen oder starke Fortgruppen an besonders wichtigen Bunften. Die Basis dieser Befestigungslinien bilden die starken Festungen Grenoble und Lyon, die sich auch einem etwaigen Einfall einer deutschen Armee nach Südfrankreich entgegenstemmen. Die Truppen, die Frankreich in diesen Gegenden einem Angriffe Italiens hätte entgegenwerfen müssen, wären also nicht sehr zahlreich gewesen, da Natur und Befestigungskunst das Verteidigungswerk sehr erleichtern. An einen. Angriff auf Italien konnte Frankreich aber nicht denken, da auch in der italienischen Alpenzone ähnliche Befestigungen angelegt find, die mit starken Kräften hätten angegriffen werden müssen. Das hätte aber eine Schwächung der Streitkräfte bedeutet, die es auf dem Hauptkriegsschauplaze unbedingt braucht. Infolge der Neutralitätserklärung Italiens fann Frankreich die Befestigungen an der italienischen Grenze zum großen Teil mit Territorialtruppen besezen, die für die Verteidigung dieser Gegenden aktiven Truppen in Stärke von zwei Armeekorps( dem, 14. und 15.) und ein Teil der Alpenjägerbataillone sind für den Hauptkriegsschauplatz freigeworden. Diesen ihrem Lande durch eine kriegerische Mitarbeit am Ringen ihrer Dreibundgenossen drohenden Gefahren ist fönnen wir ohne Nachteil über Lüttich berichten. Ein jeder Lebensmittel und Warenzufuhr nach die italienische Regierung durch ihre Neutralitätserklärung entgangen. Dazu fomint noch, daß Italien durch seinen wird sich selbst ein Urteil bilden können über die von den Kolonialfrieg in Tripolis finanziell start geschwächt ist. Franzosen in die Welt geschrienen zwanzigtausend Mann VerAußerdem ist seine Armee in seiner Zahl und Organisation lufte. Wir hatten vor vier Tagen bei Lüttich überhaupt nur durch die Detachierung verhältnißmäßig großer Truppenteile schwache Kräfte, denn ein so kühnes Unternehmen kann man in Afrika in ihrer Leistungsfähigkeit für einen europäischen nicht durch Ansammlung überflüssiger Massen vorher verKrieg stark beeinträchtigt. Der Mut des Feindes wurde gebrochen, seine Truppen schlugen sich schlecht. Die Schwierigkeiten für uns lagen in dem überaus ungünstigen Berg- und Waldgelände und in der heimtückischen Teilnahme der ganzen Bevölkerung, selbst der Der Nachteil, der der deutschen Heeresleitung aus diesen durch die Neutralitätserklärung Italiens geschaffenen Tatfachen entstanden ist, steht aber in feinem Verhältnis zu den Gesamtkriegslage daraus erwächst. Diese Vorteile liegen Vorteilen, die den friegführenden Dreibundmächten für die nicht auf strategischem und militärischem Gebiete, sie haben vielmehr Bedeutung für das hochwichtige Problem der Verpflegung der Völker und Heere Deutschlands und Oesterreichs. Dadurch, daß die italienischen Häfen frei sind und Italien nicht in die Reihe der krieg. führenden Mächte eingetreten ist, kann ein Teil der unbedingt notwendigen, aber auf allen Seiten zurzeit unterbundenen Deutschland und Desterreich über talienerfolgen. Eine Möglichkeit, deren Tragweite nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Daraus ergibt sich aber auch, daß man Italiens Neutralität nicht nach Anschauungen beurteilen darf, die an der Stammtischrunde blöder und politisch ungeschulter Spießer herrschend sind. raten. Daß wir trotzdem den gewünschten Zweck erreichten, Ein weiterer Vorteil der Neutralität Italiens liegt darin, Es ist also schon aus den Interessen Italiens heraus lag in der guten Vorbereitung, der Tapferkeit unserer daß die deutschen und österreichischen Kriegs. begreiflich, wenn es sich zur Neutralität entschlossen hat. Es Truppen, der energischen Führung und dem Beistand Gottes. schiffe, die sich zurzeit im Mittelmeer befinden, in den neubleibt nur zu untersuchen übrig, welche Folgen diese seine tralen, italienischen Häfen( Brindisi, Neapel, Genua usw.) Haltung auf den Gang des heutigen Weltkrieges ausüben kann. Dabei ergibt sich, daß die Nachteile, die Deutschland Zuflucht suchen und dort Kohlen, Praviant unv. einnehmen und Desterrreich aus der Neutralität der dritten Dreibundfönnen. Gehörte Italien zu den friegführenden Mächten, so macht erwachsen, geringer sind als die Vorteile. fäme allerdings seine Flotte gegen die englische und franzöfische Mittelmeerflotte zur Verwendung. Ihre Wirksamkeit Durch seine Neutralitätserklärung hat Italien zunächst Frauen am Kampfe. berhindert, daß zu den jeßigen vier ungeheuer ausgedehnten Aus dem Hinterhalt, den Ortschaften und Wäldern, feuer- wäre aber durch die Notwendigkeit, die langgestreckten Küsten Kriegsschaupläßen mit ihren zahlreichen Operationsab- ten fie auf unfere Truppen, auch auf Aerzte, die die Ber- des Landes zu schüßen, sehr gering, wenn sie überhaupt dieser schnitten noch ein fünfter an der französisch- italienischen wundeten behandelten und auf die Verwundeten selbst. Es tommen aber vor allem den deutschen, im Mittelmeer freuAufgabe gerecht werden könnte. Die neutralen Häfen Italiens Grenze gekommen ist. Vom Standpunkt der deutschen sind schwere und erbitterte Kämpfe gewesen, ganze Ortzenden Kriegsschiffen sehr zu statten. Daß deutsche KriegsSeeresleitung ist das ein Nachteil. Denn die Truppen, die ich aften mußten zerstört werden, um den Wider- schiffe dort in Aktion sind, ging aus der amtlichen Meldung Frankreich auf diesem Kampffelde hätte verwenden müssen, stand zu brechen, bis unsere tapferen Truppen durch den Forts- hervor, nach der deutsche Kreuzer Punkte der algerischen Küste können der gegen Deutschland kämpfenden Armee zugeführt gürtel gedrungen und im Besiz der Stadt waren. Es ist beschossen haben, von denen aus der Transport der nordwerden. Bei genauerem Zusehen ist dieser Nachteil aber nicht allzu groß, denn es handelt sich um eine verhältnis- richtig, daß ein Teil der Forts sich noch hielt, aber fie feuerten afrikanischen Truppen Frankreichs nach Europa zu ermäßig geringe Heeresmasse, die Frankreich im Kampfe mit nicht mehr. Sr. Majestät wollte feinen Tropfen Blutes durch warten war. Italien eingeseßt hätte. Erstürmung der Forts unnüz verschwenden. Sie hinderten Die französisch- italienische Grenze läuft nämlich in der nicht mehr an der Durchführung der Absichten. Man fonnte Alpenzone, und zwar in jenen hohen Alpenzügen, die von das Herankommen der schweren Artillerie abwarten und die der ligurischen Küste über den Monte Viso, Mont Genèvre Forts in Ruhe nacheinander zusammenzuschießen, ohne nur und Mont Cenis zum Mont Blanc aufsteigen. Dieser ge- einen Mann zu opfern, falls die Fortsbesaßungen sich nicht waltige Gebirgswall ist nur an wenigen Stellen überschreit- früher ergaben. Aber über dieses alles durfte eine gewissen bar. Für Truppenbewegungen größeren Stils kommen hafte Heeresleitung nicht ein Wort veröffentlichen, bis so starke überhaupt nur sechs große Straßen in Betracht. Alle anderen Kräfte auf Lüttich nachgezogen waren, daß es auch fein Verbindungswege find größere oder kleinere Alpenpfade, die Teufel uns wieder entreißen fonnte. In dieser Lage befinden nur für einen mit besonders organisierten Gebirgstruppen geführten Guerillafrieg in Betracht kommen. Es würde sich wir uns jetzt. Die Belgier haben zur Behauptung der auch in einer Zeit, in der allerorts die Stürme toſen, EntWir als Bekenner des internationalen Sozialismus haben also hier schon aus geographischen Gründen um einen Neben- Festung, soviel sich jetzt übersehen läßt, mehr Truppen ge- scheidungsschlachten sich vorbereiten und gewaltige Ereignisse friegsschauplatz handeln, während die ersten entscheidenden habt, als von unserer Seite zum Sturme antraten. Jeder im Bölferleben sich abspielen, die Aufgabe, uns einen flaren Schläge auf dem Hauptkriegsschauplake im Osten Frank- Kundige kann die Größe der Leistung ermessen, sie steht einzig Kopf und ruhiges Urteil zu bewahren. Wenn auch die Heeresreichs, im französischen Lothringen fallen dürften. da. Sollte unser Volk wieder einmal ungeduldig auf Nach- leitungen die Stunde regieren, wenn unserer Betätigung auch Die natürlichen Schwierigkeiten, die sich einem Angriffe richten warten, so bitte ich, sich an Lüttich erinnern eherne Fesseln angelegt worden sind, so haben wir doch die Italiens auf Frankreich entgegentürmen, hat letzteres noch zu wollen. Das ganze Volk hat sich einmütig unter seinen Ereignisse fühl und ruhig zu verfolgen und zu beurteilen. Wir durch große und zahlreiche Befestigungsanlagen vermehrt, so Kaiser zur Abwehr der zahlreichen Feinde geschart, so daß die waren vor dem Ausbruch des Weltbrandes nicht auf den Dreidaß eine Offensive Italiens gewaltige Anstrengungen an Heeresleitung annehmen darf, es werden von ihr keinerlei noch manches über ihn und vieles andere zu sagen haben. Aber bund eingeschworen, und werden, wenn die Waffen schweigen, Kraft und Bahl erfordern würden, um so mehr, als die Hoch- Veröffentlichungen erwartet, die ihre Absichten vorzeitig dem in das allgemeine Philister- und Pharifäergezeter über. Itagebirgszone auf italienischer Seite für einen strategischen Feinde kundtun und dadurch die Durchführung der schweren Tiens Treubruch" stimmen wir nicht ein, da wir uns bemühen, Aufmarsch ungünstiger liegt als auf der franzöfifchen Seite. Für den Aufmarsch würden auch nur vier große Eisenbahn- Aufgabe vereiteln könnten. dem Wesen der Dinge auf den Grund zu gehen. Wir erwarten linien in Betracht kommen; die zahlreichen kleineren Lokalvon den politisch geschulten Arbeitern die gleiche Haltung. bahnen spielen so gut wie gar keine Rolle. Natürlich Vor allem wollen wir wünschert, daß zu den wenig erhebenden hat Frankreich dafür gesorgt, daß die wichtigen BahnSchauspielen der Russen-, Franzosen- und Engländerheßen, linien und Straßen durch starke Befestigungswerke gesperrt die neben manchen Schuldigen( vor allem den bisher gewerden können. Es sind durchweg Werke von hoher Widerhätschelten russischen Lockspißeln) auch viele unschuldige Opfer standsfähigkeit, großer Sturmfreiheit und mit sehr günstigen gefordert hat, auch ohne eine Italienerbeke fommt. Die. Berlin, 10. August.( W. T. B.) Drei im Grenzschutz bei Eydt deutschen Arbeiter sollen sich dabei wenigstens reine Hände Deckungsverhältnissen, die mit verhältnismäßig sehr geringen Bejagungskräften gegen eine angreifende italienische Armee fuhnen stehende Kompagnien, unterstützt durch heraneilende Feld bewahren. Freuen wr uns, internationale Sozialisten, daß gehalten werden können. Diese Befestigungskette beginnt in artillerie, haben die über Romeiten auf Schleuben vorgehende in den Tagen, in denen sich acht Völker Europas zerfleischen, der Nähe von Nizza und geht nördlich bis zur Schweizer dritte russische Kavalleriedivision über die Grenze zurüd dem italienischen Proletariat die Schrecken des Weltkrieges Grenze. Hinter der ersten Linie der Sperrforts liegen geworfen. erspart bleiben. Der General Qartiermeister. gez. bon Stein. An der Ostgrenze. Grenzgefecht bei Eydtkuhnen. Ob Frankreich in der Lage ist, einen wesentlichen Teil seiner in Nordafrika stehenden Armee auf den europäischen Kriegsplaß zu werfen, ist eine Frage, die heute kaum zu beantworten ist. Die letzten Nachrichten, die aus Marokko zu uns drangen, klangen nicht sehr günstig für Frankreich. Eine wird sicher eine Aufstandsbewegung zur Folge haben, die den Entblößung Maroffos und auch zum großen Teil Algeriens Bestand des großen nordafrikanischen Kolonialreiches der Republit in seinen Grundfesten erschüttern kann. " vom österreichlsch-rujKschen Kriegsschauplatze. Erfolge des österreichischen Grenzschutzes. Wien, 1V. August.(W. T. B.) An der ganzen Grenze Ost- und Mittelgaliziens erneuerten die Rüsten gestern früh ihre Versuche, in österreichisches Gebiet einzufallen. Außer ihrer Kavallerie traten auch Jnfanterieabteilungen mit Geschützen in Tätigkeit. Trotzdem vermochte der österreichische Grenzschutz alle Angriffe abzuwehren. Die von den Oester- reichern hierbei erlittenen Verluste sind noch nicht genan bekannt, sind aber geringfügig. Ein besonders heftiger Kampf entspann sich mit ziuei Sotnien Kosaken. Ter angegriffene Grenzposten hielt den Feind auf und nahm ihm 9 Pferde ab, die von einigen im Reiten geübten Soldaten des Postens benutzt wurden, um eine Attacke zu reiten. Dies veranlaßte die durch das Feuer schon arg mit- genommenen Kosaken zur eiligen Räumung des Gefechts- fcldes, auf dem sie 90 Tote und Verwundete zurück- ließen. Die Oesterreichcr hatten keine Verluste. Eine österreichische Grenzabteilung, die von Ocsterreichisch-Novosielitza über die Höhe von Mohile bis zum gleichnamigen russischen Grenzort vorgedrungen war, wehrte eine Reihe überlegener Angriffe ab. Da der mit dem Vorstoß beabsichtigte Zweck inzwischen erfüllt war, bekam die Abteilung Befehl, wieder ihre frühere Stellung einzunehmen, die nunmehr weiter be- hauptet wird. Im Verlaufe der mehrtägigen Kämpfe vom Beginn des Vorstoßes bis zum Einrücken in die frühere Stellung büßte diese Abteilung vier Tote und fünf Verwundete ein. Die von den österreichischen Grenztruppen zur Lösung besonderer Aufgaben unternommenen kleineren Vorstöße wurden erfolgreich durchgeführt. Eine Aktion öfterreichisch-polnischer Freischärler. Wien, 10. August.(W. T. B.)„Gazeta Poranna" meldet aus Krakau vom 8. August, daß 800 galizische Jungschützen unter Hauptmann Frank in der Nacht etwa lO(X) meist schlafende Kosaken bei Mjechow überfielen. Der Kampf dauerte einige Stunden und endete mit dem vollständigen Rückzug der Kosaken, die etwa 400 Tote und Verwundete hatten. Hauptmann Frank hatte 140 Verwundete und besetzte Mjechow. Die„Neue Freie Presse" meldet aus Lemberg: Die Jungschützen, welche Mjechow einnahmen, haben ihren Marsch nordwärts nach Ksiaz fortgesetzt, das nach kurzem Scharmützel besetzt wurde. Die Russen ließen Tote, Verwundete und be- deutende Proviantvorräte zurück. Es heißt, daß auch Pilitza und Kielce von den Rüsten geräumt worden sind. Unter den polnischen Jungschützen herrscht große Begeisterung. vom österreichijch-serbisitzen Kriegs- schauplatz. Die Lage in Serbien in bulgarischer Tarstellung. Wien, 10. August.(W. B. B.) lieber die Lage in Serbien meldet die.Reichspost" aus S o s i a: Während die öjterreichisch-ungarischen Truppen von der Donau, Save und Drina aus das Land um- klammern, versagt die Zufuhr aus den neuerworbenen Gebieten Serbien« infolge vielerlei Störungen. Vor allem ist die wichtige Brücke von Gewgheli zerstört worden, welche die Verbindung mit Saloniki herstellt, so daß der Rachschub aus den griechischen Häfen aufgehalten ist. Von Bulgarien erhält Serbien nichts, da Bulgarien selbst Vor- rate sammelt. Jnfolgedesten beginnt sich bei der serbischen Armee und dem Volk Verpflegungsmangel fühlbar zu machen. An der albanischen Grenze sind starke albanefische Banden aufgetaucht. Konsularberichte aus Albanien melden, daß die Aufständischen vor Schiak mit den Truppen deö Fürsten fraternisiert haben und nach der albanesisch-serbischen Grenze abgezogen sind. Abreise des deutschen Gesandten aus Risch. Risch, 10. August. kW. T.B.) Der deutsche Gesandt« ist gestern abgereist, nachdem er den Schutz der deutschen Jntereffen den vrr- einigten Staaten von Amerika anvertraut hatte. vom österreichisch- montenegrinischen Kriegsschauplätze. Grenzkämpfe. Wien, 10. August.(W. T. B.) Auf dem südlichen Kriegsschauplatz zeigten die Montenegriner gestern und vor- gestern große Angriffslust gegen die österreichisch-ungarische Grenze. Am 8. d. M. brachen sie in einer Stärke von 4000 Mann gegen die Grenzposten östlich der Festung Trebinje vor. Der Verlust der Oesterreichcr betrug 1 Offizier und 21 Mann, doch deckten 200 tote Montcnegriner die Walstatt. Ferner sah man zahlreiche Schwerverwundete sich zu- rückschleppen. Am 9. d. M. in der Frühe versuchte eine andere montenegrinische Kolonne den Posten Gad bei Autovac zu überfallen. Die Besatzung entdeckte jedoch den Anschlag und wies ihn tapfer zurück. Der Seekrieg. Seschießung /lntivaris üurch die Gesterreicher. Bari, 10. August. fW. T. B.) Der aus Antivari kommende Tampfer„Brindisi" hat die Nachricht gebracht, daß Antivari votz österreichisch-ungarischen Kriegsschiffen beschossen werde. Die Be- schirßung habe gestern um 8 Uhr 30 Minuten begonnen. Um 8 Uhr erschienen zwei österreichisch-ungarische Kreuzer und teilte« der funkrntelegraphischen Station mit, daß sie nach zwanzig Minuten die Beschießung eröffnen würden. Alsbald nach Ablauf der Frist begann das Bombardement, das auf die Gebäude einer Handels- gcseUschaft und die suntrntclrgraphische Station gerichtet wurde. Die Vorgänge in Rußlanö. Sasonow über öen Krieg. Petersburg, 9. August.(W. T. B.) In der vorgestrigen Sitzung der Reichsduma führte der Minister des Aeußern Sasonow, nachdem er festgestellt hatte, daß Rußland die kecke Herausforderung angenommen habe, aus:'-'■ Nach den aufrichtigen Bemühungen Rußlands, den Frieden zu erhalten, werde es den Feinden nicht gelingen, die Verantwortung für den gegenwärtigen Weltbrand auf Rußland abzuwälzen. Es sei nicht Rußlands Diplomatie, die den Frieden Europas bedroht habe. Dennoch hätte die friedliche Machtstellung Rußlands seine Feinde und ganz be- sonders Oesterreich-Ungarn erbittert, das unablässig Ruß- lands geschichtliche- Stellung am Balkan zu erschüttern suchte. Oesterreich-Ungarn sei es, das den inneren Krieg der Slawen heraufbeschworen habe, eine Bewegung, die, Gott sei Dank, dennoch das Werk der Einigung der Slawen nicht hindern werde. Man kenne den Vorwand zum gegenwärtigen Kriege. Zerrissen von inneren Wirren, habe Oesterreich-Ungarn be- schlössen, aus ihnen herauszukommen durch einen Schlag, der Rußland erniedrigen und Serbien zu seinem Vasallen machen sollte. Weder Rußland noch Frankreich noch England hätten das zulassen können. Dennoch hätten Rnßland und seine Verbündeten große Anstrengungen gemacht, um den Frieden zu erhallen: die Feinde Rußlands täuschten sich, wenn sie diese Friedensarbeit für ein Zeichen von Schwäche nähmen. Selbst nach der Herausförderung habe Rußland die Versuche, den Frieden zu retten, nicht aufgegeben, indem es seine Be- mühungen in dieser Richtung und die seiner Freunde ehrlich bis zu Ende dnrchgcfübrt hätte. Als Rußland mit Rücksicht auf die österreichische Mobilisierung eine älmliche Maßnahme getroffen hätte, habe der Kaiser von Rußland mit seinem kaiserlichen Worte dem Kaiser Wilhelm versichert, daß Ruß- land keine Gewalt anwenden werde, solange die Hoffnung be- stehe, den Konflikt auf freundschaftliche Weise beizulegen. Die Stimme sei nicht gehört worden, und Teutschland habe an Rußland den Krieg erklärt. Frankreich habe sodann diesen Krieg begonnen infolge der Verletzung von Ncutralitäts- Verträgen, die es selbst unterzeichnet habe. In dem gegen- wältigen Kriege kämpfe Rußland für sein Land und für seine Großmachtstellung. Rußland und seine Verbündeten könnten nicht zugeben, daß Europa von Deutschland und seinen Verbündeten beherrscht werde. Ein kaiserlicher Ukas ordnet die Schließung der Session der Reichsduma an. Ihre Wiedereinbe- rufung soll längstens bis 1. Februar erfolgen. /tos öelgien. Die Sozialisten unü öer Krieg. Ein österreichischer Genosse, der in diesen Tagen aus Belgien vertrieben wurde, teilt uns folgendes mit: In Belgien hatte eine wüste Hetze gegen Deutsche und Oester- reicher eingesetzt, die auch die Jargonreden„russische Juden" betraf. Die„Antwerpens Volksgazette", das flämische Partei- blatt, forderte bei der einsetzenden Hetze gegen Deutsche und Oester- reicher auf. über friedliche Ausländer nicht herzufallen, andern- falls sich die sozialistischeArbeiterschaft genötigt sehe, den Schutz derselben gegen den patriotische» Janhagelselb st indieHandzn nehmen. Vandervelde wurde als Minister in das Beratungsministe- rium berufen. In der Sitzung der Kammer, die um die Bewilligung der Kredite ersucht wurde, stimmte die sozialdemokratische Fraktion für diese mit der Begründung, daß die Sozialdemokratie gegen den Krieg sei; Belgien wäre wohl die einzige Nation, die wahrhaft den Frieden gewollt habe; man müsse aber jetzt dem Lande die Mittel bewilligen, um seine Selbständigkeit zu erhalten. In allen sozialdemokratischen Blättern wird die Rede veröffent- licht, die Vandervelde dem Genossen Jean Jaurös als Nachruf widmen wollte. Vandervelde vergleicht darin das plötzliche Hinscheiden Jean JauröS mit dem Lass alles. Lassalle aber starb durch die Schwäche seines Charakter», während Jean JauröS als Opfer seiner Ueberzeugung, als der erste Friedensapostel starb. Unsere Welt- anschauung verbietet den Mord, wir hassen ihn, doch wünschen wir dem Mörder keine Todesstrafe. Im Namen der Internationale schwören wir auf dem Grabe Jean JauröS, in seinem Sinne weiter zu wirken.__ Die neutralen Staaten. Schweiz. Die sozialdemokratische Nationalratsfraktion und die schweizerische Mobilmachung. Aus Bern wird berichtet: Bei der Beratung der bundes- rätlichen Anträge über die Kriegsmaßnahmen der Schweiz gab Genosse Greulich im Namen der s o z t a l d e m o- kratischen Fraktion folgende Erklärung ab: „Unsere Fraktion stimmt den Anträgen der Kommission zu, um so mehr, als in deren Beratungen beruhigende Zusicherungen gegeben worden sind in bezug auf die Fürsorge und Hilfe für alle, die in Not geraten werden. Wir stehen doppelt bewegt da. nicht nur bewegt vom Ernst dieser Stunden, sondern noch erschüttert von der Nachricht des Meuchelmordes an einem unserer besten Vorkämpfer, an Jean JauröS, einem Mann«, der gerade in der jetzigen Zeit hätte seine laute Stimme im französischen Parlament erheben sollen, um vielleicht das Aeuherfte wenigstens noch einigermaßen mildern zu können. �,. Wir haben geglaubt, eS dürfte in diesem«aale der teuere Name ausgesprochen werden, der wohl mehr als jeder andere dahin getrachtet hat, den Krieg von Mittel- und Westeuropa fern- zuhalten. �. Ich habe im Namen meiner Fraktion eine Erklärung abzugeben: „Die sozialdemokratische Nationalratsfrakiion stellt mit Bs- dauern fest, daß die Herrschaft der unbegrenzten Rüstungen die Kulturwelt in einen Abgrund von Leiden und Per- zweiflung stürzt. Die internationalen Arbeiterorganffationen, die von der lapi- talistischen Welt hartnäckig bekämpft werden, haben leider trotz aller ihrer Anstrengungen nicht vermocht, die Katastrophe zu verhindern. Im Namen der schweizerischen Arbeiterklasse protestieren die sozialdemokratischen Vertreter im Nationalrw gegen ein internationales Rüstungssystem, das so unermetz- liches Unheil über die Völker bringt. Sie werden Sen Kampf gegen dieses System auch fernerhin mit aller Energie weiterführen. Der Not der Stunde gehorchend, die das ganze Volk zu einigem Handeln aufruft, stimmt die sozialdemokra- tische Nationalratsfraktion den vorliegenden Anträgen des Bundes- rats zu, in der Hoffnung, daß die vorgeschlagenen Maßnahmen dazu beitragen werden, den Kriegsbrand von unserem Lande fernzuhalten und den durch den Krieg der aus« > ländischen«Staaten heraufbeschworeiW N o t ft a nd z u lindern, Die sozialdemokratische Fraktion erwartet, daß die den Mili» tärbehörden übertragene Gewalt auf die militärischen Notwendig» leiten beschränkt bleibt und außerhalb dieser Notwendigkeiten dr« persönlichen Freiheiten in keiner Weise angetastet werden." Der Schweizer Oberbefehlshaber. Basel, 10. August.(W. T. B.) Ter Mailänder„Secolo" schreibt: Die Wahl des schweizerischen Oberbefehlshabers, die entgegen den gehegten Erwartungen ausgefallen ist, zeigt deutlich den Einfluß, den Deutschland unzweifelhaft auf die Berner Regierung ausgeübt hat. Alle Parteien hatten sich auf den Stabschef Sprecher geeinigt, aber unerwartet intervenierte der Bundesrat und setzte die Wahl Willes bei den Parteien durch.„Secolo" schließt aus alledem, daß die Wahl Willes aus den Einfluß des deutschen Kaisers zurückzu- fübrcn sei, der einen Mann als schweizerischen General haben wollte, aus den er sich gegen Frankreich verlassen könne..— Tie Schweizer Presse erklärt demgegenüber die Ausführungen des„Secolos" als verwerfliche Brunnenvergiftung. Tie Wahl Willes fei ausschließlich aus militärischen Erwägungen und rein sachlichen Gründen erfolgt. Bulgarien. Ein bulgarischer General in russischen Diensten. Sofia, 10. August. sW. T. B.) Politische Kreise tadeln allgemein den Entschluß des Generals Radko Dimitriew, in die russische Armee einzutreten. Die Regierung hat den General auf diesen Entschluß hin sofort seines Postens als Gesandter in Petersburg enthoben. Das Blatt„Kambana" schreibt: Dimitriew habe sich schon während des Baitankrieges mehr als Russe und Serbe gefühlt denn als Bulgare. Man müsse ihn als Verräter an Bul- garien behandeln und dürfe ihn nicht mehr über die Grenze lassen. Krieg und Lebensmittel- Versorgung. Ter Erfolg im heutigen Kriege hängt nicht allein von der Masse der aufgebotenen Truppen, der Qualität der Waffen und der guten oder schlechten Führung ab, sondern nicht min- der von der Finanzlage und vor allem von der Möglichkeit ausreichender Ernährung der im Felde stehenden Truppen wie der in ihrem Heim zurückgebliebeiren Bevölkerung— kurz davon, das Wirtschaftsgetriebe im eigenen kriegführenden Lande, soweit es unter solchen Verhältnissen möglich ist. aufrechtzuerhalten. In dieser Hinsicht ist das Eingreifen Englands von großer Bedeutung. Es kommt nicht nur unser Handel mit England selbst in Betracht, obgleich wir mit England unter allen ans- wärtigen Staaten bisher die bedeutendsten Handelsbeziehungen unterhalten haben und dieser Handel im vorigen Jahr insgesamt 2314 Millionen Mark betragen hat, wovon 1438 Millionen Mark auf die Ausfuhr, 876 Millionen Mark auf die. Einfuhr entfallen. Auch der Handel mit den englischen Kolonien, der im letzten Jahr ungefähr 1120 Millionen Mark betragen hat, kann durch die Blockade unterbunden werden und ferner der Schiffsverkehr mit allen übrigen überseeischen Ländern. Da über die russische, französische und belgische Grenze nichts herüber und hinüber kommt, so bleibt nur ein sehr eingeschränkter Handelsverkehr mit dem ebenfalls im Kriege befindlichen Oesterreich, mit der Schweiz, Holland, Dänemark und vielleicht, wenn nicht die englischen und deutschen Flotten- Operationen auch diesen unmöglich machen, mit Schweden übrig. Im vorigen Jahr hat der Gesamt-Spezialhandel Deutschlands mit diesen eben genannten Ländern 4638 Mil- lionen Mark betragen. Infolge der Kriegswirren und des von fast allen diesen Staaten bereits erlassenen Verbotes der Aus- fuhr wichtiger Nahrungsmittel kann aber nur auf höchstens ein Drittel des bisherigen Handelsverkehrs gerechnet werden. Da im vorigen Jahr Deutschlands SpezialHandel sich in der Einfuhr auf 16 770, in der Ausfuhr auf 10 097 Millionen Mark stellte, bedeutet also das Eingreifen Englands in den Krieg und die von ihm beabsichtigte Blockierung der deutschen Küsten— vorausgesetzt, daß diese gelingt— eine Verminderung unseres Gesamtaußenhandels um ungefähr 92 bis 93 Prozent. Was das für unser gesamtes Wirtschafts- und Erwerbs- leben bedeuten würde, ist ohne weitrres klar, zumal es sich in der Hauptmasse nicht um leicht entbehrliche Luxus- und Genuß- waren handelt, sondern zum Teil um allerlei zur Ernährung des Volkes nötige Lebensmittel und Roh st off e. Ungünstig wären bei einer Blockierung unserer Küsten durch die englische Flotte auch die Aussichten für die Häutes. Pelz- und Lederindustrie, hat doch im vorigen Jahr Deutschland allein für 322 Millionen Mark Rinds- und Büffelhäute, für 95 Millionen Mark Kalbfelle, für 188 Mil- lionen Mark Pelzfelle eingeführt, und für 229 Millionen Mark Oberleder und Lederwaren(abgesehen von Pelzwerk) ausgeführt. Auch die E i s e n i n d li st r i e würde in starkem Maße in Mitleidenschaft gezogen. Bis zum Herbst vorigen Jahres be- fand sich die Eisen- und Stahlindustrie in einer sehr günstigen Lage, dann griff die Wirtschaftskrise auch auf dieses Gebiet über, doch gelang es der Stahlindustrie durch Forcierung ihres Absatzes nach dem Auslande ihre Lage zu erleichtern. Würde dieser Absatz nach dem Austande durch die Blockade völlig unterbunden, während zugleich die Zufuhr der feinen Eisenerze aus Schweden, Spanien, Frankreich aufhört(1913 wurden für 227 Millionen Mark Eisenerze in das deutsche Zollgebiet eingeführt), so wären auch auf diesem industriellen Gebiet Auslöschungen der Hochöfen und Betriebseinstellungen die unausbleibliche Folge— und im weiteren Verlauf Arbeiterentlassungen. Noch eine ganze Reihe anderer Industrien steht, wenn der englischen Flotte die Absperrung des Seehandelsverkehrs gelingt, vor großen Betriebseinstellungen oder zum mindesten vor ganz beträchtlichen Einschränkungen, darunter die Siek- trizitätsindustrie, die die Zufuhr von Rohkupfer(1913 wurden für 335 Millionen Mark eingeführt) nicht zu ent- behren vermag, ferner die Maschinenindustrie, Farbwaren- industrie, Zinnindustrie, Kautschuk- und Guttoperchaindustrie, Oelindustrie, verschiedene Zweige der Holzindustrie usw. Auch die Bierbrauerei würde, wenn sie auch vorerst noch guten Absatz hat� bald die Folge deS Krieges£>er{£ujen£ tM infolge des Rückganges des Bierkonsums, teils infolge des AufHörens der Gerstezufuhr: denn auch Oesterreich-Ungarn, das im vorigen Jahr Deutschland für 21 Millionen Mark Malzgerste lieferte, ist durch den Krieg als Lieferant aus- geschaltet. Vor allem würde dem Kohlenberg- bau eine gewaltige Krise drohen: nicht nur durch die Entziehung vieler Arbeitskräfte und durch das Aufhören bzw. die Verminderung der Ausfuhr von Steinkohlen nach Belgien, Frankreich, Holland, Oesterreich-Ungarn, Rußland, der Schweiz usw., sondern mehr noch durch die starke Ein- schränkung der industriellen Tätigkeit im Deutschen Reiche selbst. Dazu würde auch eine beträchtliche Preis- steigerung einer Reihe der wichtig st en Le- bensmittel kommen. Mag immerhin die deutsche Ge- treibe- und Kartoffelernte ein im ganzen gutes Resultat er- geben, so ist, wenn die Blockade gelingt, doch mit größter Sicherheit auf eine stark« Preiserhöhung verschiedener anderer Nahrungsmittel zu rechnen: zwar nicht des Salzes und Zuckers, denn beide erzeugt Teutschland zur Genüge, Wohl aber verschiedener Kolonialwaren. So sind zum Beispiel im vorigen Jahr, um den Bedarf des deutschen Marktes zu decken, für nicht weniger als 194 Millionen Mark Eier, für 119 Millionen Mark Butter, für 69 Mil- lionen Mark frische Fische, für 56 Millionen Mark lebendes Federvieh in Teutschland eingeführt worden. Die einzige Hoffnung bleibt ein baldiger Friedensschluß. Schon im vorigen Jahr hat die Textilindustrie, besonders die Baumwollindustrie, unter einem schweren Druck gelitten: nur einzelne Zweige der Band- und Seidenwarenfabrikation haben, unterstützt durch die Mode, gute Geschäfte gemacht. Würde jetzt die Zufuhr von Baumwolle. Wolle, Baumwollen- und Wollengarn, Rohseide, Jute durch die Blockade abge- schnitten und zugleich die Ausfuhr der aus solchen Roh- und Halbstoffen hergestellten Waren verhindert, so würde dadurch die ganze Textilindustrie lahmgelegt. Welche enormen Werte dabei in Betracht kommen, beweist die Tatsache, daß im vorigen Jahr allein für 697 Millionen Mark Rohbaum- wolle, für 413 Millionen Mark rohe Schafwolle, für 224 Mil- lionen Mark Baumwollen- und Wollengarne, für 158 Mill. Mark ungefärbte Rohseide, für 94 Millionen Mark Jute in das deutsche Zollgebiet eingeführt worden sind, und daß, ganz abgesehen von dem Verbranch im Jnlande, für 717 Mil- lionen Mark Woll- und Baumwollwaren, für 292 Millionen Mark Seidenwaren und für 152 Millionen Mark Wollen- und Baumtyollengarne ausgeführt worden sind. politlsihe Uebersicht. Reichszentrale der Arbeitsnachweise. Der preußische Minister des Innern hat einen Erlaß an die Regierungspräsidenten gerichtet, worin eS heißt:.Um die in allen Teilen des Reiche» hervortretenden Bestrebungen für Arbeits- Vermittlung einheitlich zusammenzufassen, insbesondere um die in Deutschland vorhandenen russischen Arbeiter für landwirtschaftliche Arbeiten möglichst auszunutzen und in den Städten arbeitslos ge- wordenen Industriearbeitern auf dem Lande Arbeit zu verschaffen, ist auf Veranlassung de» Herrn Reichskanzlers im Reichsamt deS Innern eine„Reichszentral« der Arbeitsnachweise" unter dem «orsitz deS Direktor» im ReichSamt de« Innern, Herrn Dr. Lewald, errichtet worden. Die Reichszentrale(Telegrammadresse„Reichs- arbeit") steht in engem Zusammenhang mit allen vorhandenen Arbeitsnachweisorganisationen, den öffentlichen und gemeinnützi- gen, den Nachweisen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, serner mit den Organisationen der LandwirtschaftSkammern, deS Zentralverbandes deutscher Industrieller, deS Bundes der Jndu- striellen, de» HanfabundeS, der christlichen, Hirsch-Dunckerschen und freien Gewerkschaften. Die selbständige Tätigkeit aller dieser Orga- nisationen soll in vollem Umfange aufrecht erhalten, jedoch nach gemeinsamen Zielpunkten gelenkt werden." Kommunale Mahnahmen gegen die Kriegsuot. Nachdem gewisse Händler in Köln wahre Wucherpreise für ihre Waren gefordert hatten— für ein Pfund Galz teilweise 70 Pf.!— find auch dort jetzt für«in« Reihe von Lebensmitteln Höchstpreise festgesetzt worden. Die Stadtverordneten bewilligten ferner 6 Millionen Mark für die Lebensmittelversorgung im N o t- falle, bei welchem Betrage der FestungScharakter der Stadt zu berücksichtigen ist. Den Familien der eingezogenen Beamten soll da« volle Gehalt dauernd weiter gezahlt werden; die Arbeiter sollen ihren Lohn aber nur noch 14 Tage nach der Einberufung au«- gezahlt erhalten. Man scheint danach in den maßgebenden wreisen Köln» doch noch nicht ganz davon durchdrungen zu sein, daß jetzt alle Massen gleich zu achten sind. Tie Stadtverordnetenversammlung in Halle bewilligte eine Million Mark zur Unterstützimg der Familien von KnegSteil- nehmern. E« werden zu den RcichSunterstützungen Zuschläge bis zu 200 Prozent, je nach dem Grade der Bedürftigkeit, gezahlt. Zu- gleich tritt eine allgemeine Erhöhung der ArmenunterstützungSsätze in Kraft. Der Ankauf von Lebensmitteln und der Berkauf durch die Stadt wurde in Aussicht genommen. Auf Anregung der Bäckerzwangsinnung hat der Magistrat in Breslau 18 Bäckermeister beauftragt, die Vorschriften bc- treffend da« Gewicht und den Preis der Semmeln und des Brotes u überwachen. Sie sind mit Ausweisen versehen. ES wird mit en schärfsten Maßregeln gegen diejenigen Bäckermeister vorge- gangen werden, die die Borschriften de» Magistrat« verletzen. Unfinnige Gerüchte. Daß in diesen aufgeregten Zeiten allerlei unsinnige Gerüchte auftauchen, ist nur allzu erklärlich. Um so dringender wird dadurch die Pflicht der Presse, und namentlich unserer Presse, sich vor der Wiedergabe von solchen, oft recht üble Instinkte aufpeitschenden Ge- rüchte zu hüten. Tief bedauerlich erscheint e» uns, daß zwei unserer Parteiblätter im Rheinland einer auf den ersten Blick als unwahr zu erkennenden Erzählung Raum gaben, in der die ftan- lösische Regierurig zwischen den Zeilen verdächtigt wird, die Er- mordung von I a u r e S begünstigt oder gar veranlaßt zu haben. Es ist dringend notwendig, daß unsere Genossen m den Redaktionen auch in diesen erregten Zeiten sich einen kühlen Kopf bewahren und nicht solch« beschämenden Proben von Kritiklosigkeit ablegen. Sine Erinnerung. Sie bereit« mitgeteilt, ist da» ehrengerichtliche Verfahren gegen den Genossen Dr. Liebknecht wegen Zarenbeleidigung.vorläufig� eingestellt worden,— ohne jede« Zutun der Sozialdemokratie. Al» vor einigen Wochen, noch kurz vor Schluß de» preußischen Landtag» von sozialdemokratischer Seite die Einstellung de» Ber- fahren» beantragt worden war, wind« dieser Antrag fast einstimmig »bgsUhnt. Bei der Beratung der Angelegenheit sagte der Redner der sozial- demokratischen Fraktion. Genosse Haenisch. u. a.:„Ich möchte nun betonen, daß Herr Dr. Liebknecht mit seiner Rede damals Millionen des preußischen und deutschen Volke« auS der Seele gesprochen hat..." Der amtliche stenographische Bericht verzeichnet hier .Große Heiterkeit recht« und Widerspruch". Und der konservative Abgeordnete Herr v. Ditfurth regte sich gewaltig auf über die.gewerbsmäßige Schmähung des Zaren' durch den Ge- noflen Liebknecht. Wie schnell sich doch die Zeiten ändern können l.., Krieg, Wohltätigkeit und Geschäft. Die Methode, unter der MaSke der Wohltätigkeit Geschäfte zu machen, ist nicht neu. Daß aber auch in so ernsten Zeiten wie den jetzigen diese heuchlerische Profitmacherei eine Rolle spielt, verdient festgenagelt zu werden. Eine Papierwarenfabrik„Onoma" versendet folgende« Rundschreiben: Datum de« Poststempels. P. P. Da« Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz hat unser Anerbieten angenommen, an das Rote Kreuz für WohlfohrtSzwecke jährlich 10 v. H. der Summe abzugeben, welche wir in Omnes-Papier umsetzen. Wir nehmen an, daß die Aufrufe des Roten Kreuzes an das deutsche Volk bekannt sind, in welchen dringend die Opfer- Willigkeit des deutschen Volkes angerufen wird, damit die neuen Kräfte und Mittel geschafft werden können, die durch die Ver- stärkung der Wehrmacht notwendig geworden sind. Wir rufen heute alle Firmen an, die sich mit dem Vertrieb von Briefpapier befassen. Sie alle bitten wir, sich für die nationale Sache zu verwenden und da« OmneS-Papier in ihrem Geschäft zu führen und anzubieten. Mit umfassender Reklame beim Privatpublikum werden wir den Verkauf unterstützen. Unser Vertreter wird in den nächsten Tagen bei Ihnen vorsprechen und wir bitten Sie, ihm Ihre geschätzten Austräge bereitzuhalten. Hochachtungsvoll Omnes, Papierwaren-Fabrik G. m. b. H. Der Mann, der dieses Rundschreiben versandt hat, rechnet sich zweifellos zu den besten Patrioten und steht hoch herab au die„vaterlandslose Sozialdemokratie". Der Krieg und die olympischen Spiele. Der Krieg bewirkt Wunder. Im„Leipziger Tageblatt" schreibt der Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft, Dr. Goetz in� Leipzig. Lindenau, über die für ISIS geplanten olympischen Spiele: Den Olympischen Spielen ISIS haben die Zeitläufte heu Todesstoß versetzt; sagen wir Gott sei Dank! Denn daß das gewisse internationale Getue mit seinem Eni- aegenkominen und seiner scheinbaren Liebenswürdigkeit ein Nichts bedeutet, sehen wir aus der Entpuppung der besonders die Sache pflegenden Staaten. Franzosen und Engländern zu unseren offenen und dazu hinterlistigen Feinden, die nur das eine Ziel kennen, Deutschland» Weltstellung zu vernichten! Solcher Gesellschaft gegenüber gibt cS keinen aufgeputzten Weltdampf, fondern nur den Massenkampf um Leben oder Tod! Schier unbegreiflich ist«S, daß der Geschäftsführer für die olympischen Spiele. Herr Diem. vor wenig Tagen er- klären konnte, daß zwar zunächst die Vorarbeiten ruhen müßten, daß aber in eineinhalb Jahren alles ausgeglichen sein werde. Hier gilt es. ein„Niemals" zu rufen! Für die Hundert- tau sende, die der Reichstag für die olympischen Spiele bewilligt hat. bringt die Schwere und Rot der Zeit bessere Verwendung als für internationale Spiele- reien mit unseren Todfeinden!- Da» wäre eine schön« deutsche Ehre, heute im Kampf auf Leben und Tod mit den Feinden zu stehen und in zwei Jahren sie mit offenen Armen zu empfangen. Goetz. Wie ganz ander» klang e? doch, als u. a. auch die Sozial- demokratie die für die olympischen Spiele geforderten 200 000 M. ablehnt«. Wie wies man gerade auf sie mit Fingern, die keinen Sinn für„nationale Ehre" und„nationale Pflichten" habe. Und wie jubelte man. als dann das Zentrum umfiel und so dem Aus- fchuß für olympische Spiele die Mittel fiir die„Betätigung internationaler Höflichkeit", die„Ehre Deutschlands" und wie es sonst noch hieß, gewährt«. Und nun? Man könnte die Worte des Debbchen-Goetz. der da von„solcher Gesellschaft" spricht, auch anderen Leuten gegenüber anwenden. Wer verschuldet die Brotteueruug? Die Brotfabrikanten suchen die Mehllieferanten dafür haftbar >u machen, wenn in den letzte» Tagen die Brotpreise vielfach so tark in die Höhe gegangen find. Der Verband deutscher Brot- abrikanten richtete bereits am 3. August an den Reichskanzler folgendes Telegramm: „Eurer Exzellenz teilen wir mit, daß nach Bericht unserer Mitglieder seitens der Mühlen durch die Lage nicht gerechtfertigte Preissteigerungen vorgenommen werden. Weizenmehl mittlerer Güte kostete am 27. Juli SB, 50 M., jetzt 40 M.; gleiche Qualität Roggenmehl 25 M.. jetzt 85 M. Hiergegen ist unser Gewerbe machtlos. Tie Preise müssen bezahlt werden, weil kurz vor der Ernte Läger der Bäcker meist leer. Wir bitten um Mahnahmen, damit unser Gewerbe nicht un- verdient dem Vorwurf der Brotverteuerung ausgesetzt wird. Es dürfte die Feststellung der Maximalpreise für die Produzenten der Materialien angezeigt sein." � Der Reichskanzler hat auf diese Eingabe geantwortet, daß er die Angelegenheit dem preußischen Handelsminister zur Erledigung mit entsprechender Weisung übergeben habe. Ter Verband hat sich daher an den Handelsminister gewandt, damit von dort ent- sprechend« Maßnahmen getroffen werden. Der Ruf nach dem Moratorium. Das Verlangen nach Erlaß eines Moratoriums(g e s e tz- lichen Zahlungsaufschubes) ist durch die Beschlüsse deS Reichstags keineswegs gegenstandslos geworden. So geht uns auS Kreisen des Handel« und Gewerbes ein Schreiben zu, das an- nimmt, ein Aufschub der Zahlungsfrist um 3 Monate genüge nicht, und dem wir folgende? entnehmen: „Man versteht es in weiten Kreisen namentlich nicht, daß durch die letzten Beschlüsse des Reichstages nur dem Gläubiger ein gewisser Schutz gewährt wurde, während andererseits die zahl» reichen Schuldner schütz- und hilflos geblieben find. Die Folgen der Nichtbewilligung eine» Moratoriums inachen sich schon jetzt in den ersten Tagen der Mobilmachung in recht empfindlicher Weise fühlbar. Zahlreiche Firmen und Geschäftsleute, welche seither ihren Verpflichtungen prompt nachgekommen sind, waren genötigt, Wechselproteste über sich ergehen zu lassen, da die erwarteten Ein- gänge fälliger Forderungen infolge der Mobilisierungswirren au»- geblieben sind. Wenn auch ein Protest unter solchen Verhältnissen vielleicht moralisch nicht so deprimierend empfunden wird, so wirkt er doch in einer Weise und in einem Umfange kreditschädigend oder kredituntergrabend, daß Z u s a m m e n b r ü ch« in Menge in aller» kürzester Zeit die notwendige Folge fem müssen. CS ist direkt unverständlich, daß unsere deutsche ReichSregicrung sich diesen Erwägungen verschließt, sich dielmehr einseitig auf die Seite de» wirtschaftlich stärkeren Gläubiger» stellt, den von der Mobilmachung und dem Kriegsausbruch aber in erster Linie schwer betroffenen Schuldner gewissermaßen für vogelfrei erklärt und ihm keinerlei Schutz gewährt. Die unausbleiblichen zahlreichen Zu- sammenvtzüche von geschäftticheu Existenzen, welche in nächster Zeit Schlag auf Schlag erfolgen müssen» sollten die breite Allgemeinheit zu einem gemeinsamen Appell an die ReichSregicrung veranlassen, unverzüglich die entsprechenden Maßnahmen zu treffen, bevor nicht schwere Schädigungen über daS deutsche Wirtschaftsleben hereingebrochen sind." Salzgewinnung und Salzverbrauch. Bei den Angsteinläufen in den ersten Tagen der Mobilmachung wurde vom Publikum auch Salz begehrt und offenbar von den einzelnen Haushalten in größeren Mengen aufgespeichert. Die Preise sind denn auch rapide in die Höhe gegangen, und der Ober- kommandierende der Marken hat sich veranlaßt gesehen, einen H ö ch st« preis für Salz(20 Pf. pro Pfund) festzusetzen. Während bei den meisten Nahrungsmitteln die Furcht nicht unberechtigt erscheint, daß ein Mangel eintreten wird, muß die Sorge um die spätere Versorgung mit Salz angesichts der Höhe der Salzproduktion Deutschlands töricht er- scheinen. Im Jahre 1912 wurden im deutschen Zollgebiets 2,04 Millionen Tonnen Salz erzeugt. Der Gesamt- verbrauch betrug aber nur 1,64 Millionen Tonnen, wovon 0,52 Millionen Tonnen auf Speisesalz entfielen. Deutschland ber- braucht also noch nicht einmal die im Inland erzeugten Salzmengen. Vielmehr gibt es eine große Menge von Salz an das Ausland ab. Auch in Kriegszeiten wird der Salzbergbau nicht so starl ein- geschränkt werden, daß ein absoluter Mangel an Salz für den Konsum eintreten kann. Im Gegenteil, man muß vielmehr sagen, die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Salz ist auch für später so gesichert, daß uns der amtlich festgesetzte Höchstpreis un» nötig hoch erscheint. Der Vorschlag deS Magistrats, Berlin den Salzpreis auf 16 Pf. pro Pfund zu ermäßigen, kann daher nur all- gemeine Zustimmung finden.__ Amnestie. Der Herzog von Brauuschweig und der König von Bayern haben, dem preußischen Beispiel folgend, Amnestieerlasse gegeben» durch die eine Reihe von Strafen aufgehoben werden. wie steht's mit öerverpstichtung zur Zahlung ber Miete! Noch einmal kommen wir auf die für außerordentlich viele jetzt so dringend wichtige Frage zurück: muß die Miete ge- zahlt werden? Gibt es ein Mittel, die Pflicht hinauszuschieben? Eine Aufklärung nach dieser Richtung erscheint um so notwendiger, als ein« Notiz vom 6. August irrtümlich aufgefaßt ist und trotz ihrer Klarstellung am folgenden Tage noch heute zu Zweifeln Anlaß gibt. Grundsätzlich befreit die Kriegspflicht nicht von der Verpflichtung zur Zahlung der Miete. Es sind aber in der Praxis bei der Erfüllung der Verpflichtung drei Fälle zu unterscheiden«: Erster Fall: der zur Fahne Einberufene hat keine Familie. In diesem Falle läßt sich annehmen, es liege der Fall der Un« Möglichkeit der Erfüllung vor; nach z 323 B. G. B. kann der Ver« mieter dann den für die Zeit des Ausrnckens ab fälligen Betrag nicht verlangen, umgekehrt aber auch der Einberufene nicht die Fest- Haltung am MietLvertrag. In nahezu allen Fällen jedoch, in denen ein schriftlicher Vertrag geschlossen ist, geht ber Vertrag trotz des § 323 weiter. Außerdem sei hervorgehoben, daß die Frage, ob§ 328 B. G. B. zutrifft, mindestens zweifel- Haft ist. Es ist dies aber zurzeit unerheblich. Denn eine Klagegegen den in den Krieg Gezogenen ist ebenso wie«ine Zwangsboll st reckung in seine Sachen nach unseren gestrigen Darlegungen über die Ste ch t e der in den Krieg Berufenen nicht durch» führbar. Verlangt der Heerespflichtige, daß ihm die Wohnung bleibt, so bleibt er auch für die Miete haftbar. Zweiter Fall: der zur Fahne Einberufene hinterläßt Frau oder Kinder. In solchem Falle läuft der Vertrag und die Verbindlichkeit, die Miete zu zahlen, weiter. Aber eine Klage gegen den zum Krieg Einberufenen sowie eine Zwangsvollstreckung gegen ihn ist un- durchführbar. Kann die Ehefrau mit Erfolg verllagt werden? In den Fällen, in denen die Ehefrau den Bertrag nicht unter- schrieben hat, ist eine Klage gegen sie unseres Erachten» unzulässig, weil sie nicht äuS eigenem Recht, sondern auf Grund des Rechts des Ehemannes als dessen Eheftau die Wohnung benutzt. Solche Klage dürfte daher ebenso unzu- lässig sein, wie erne gegen den Ehemannselb st gerichtete. In vielen Fällen hat die E h e f r a u den Vertrag mit unter- zeichnet. Da ist es Sache des Richters, zu ermessen, ob die Unter- fchrift nicht lediglich als Bürgschaft auszufassen ist. DaS haben in vielen Fällen Richter mit Recht angenommen. Kommt der Richter zu der Ueberzeugung, es liegt nur eine Bürgschaft vor, so kann auch gegen die Frau nicht geklagt werden. Ihre Zahlung«- Verpflichtung läuft aber weiter. Nimmt der Richter jedoch an, es liege nicht nur eine Bürgschaft der Frau vor, andern sie habe sich gültig als Mieterin mit- verpflichtet, so ist an sich eine Klage auf MietSzahlung und eventuell Exmission zulässig. In solchen Fällen hat jedoch der Richter nach den gestern von uns gemachten Ausführungen daS Recht, auf Antrag der Frau ihr bis auf 3 Monate ZahlungS- r i st zu gewähren. Eine Versteigerung der dem Manne gehörigen Sachen sowie der Sachen der Frau, an denen dem Mann daSNieß- brauch- und das Verwaltungsrecht zusteht, ist unzulässig. ES liegt also auch im Interesse deS Hauswirte«, keine Härte zu betätigen. Es muß erwartet werden, daß die Mieter nach Möglichkeit ihre Ber- pflichtungsn erfüllt, daß aber auch der Vermieter Nqchsicht ausübt. Dritter Falk: der Mieter ist nichtzur Fahn« einberufen. In dem Fall, wo der Mieter nicht zur Fahne einberufen ist. ändert sich an seinen Rechten und Pflichten als Mieter an sich nichts. Aber er kann auf Grund der von uns gestern gemachten AuS» Führungen unter Darlegung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse, insbesondere der durch den Krieg Herbeigeführten Arbeitslosigkeit, beim Richter Zahlungsfrist bis zu drei Monaten be- antragen. Letzte Nachrichten. Schweres Unglück in den Alpe». Wie der„Frankfurter Zeitung" aus Mailand telegraphiert wurde, ereignete sich am Großen Paradies ein schweres Berg- Unglück. Sechs Personen stiegen an der Nordwand ab, als die an der Spitze des Seiles marschierende Frau Omodeo auS Turin ins Gleiten geriet und den hinter ihr gehenden Advokaten Mo- riondo mitriß. DaS Seil brach. Infolgedessen stürzten von den übrigen Teilnehmern ein Pfarrer und der Führer in die Tiefe, wo alle vier tot liegen blieben. Die beiden hintersten konnten sich durch Eingraben ihrer Kacke» m den Schnee retteg. Aus Industrie und Handel. Bankfallissements im In- und Ausland. " " " " " Der Preis für Brot hat sich um etwa 40 bis 50 Prozent verteuert. Jm Spezialhandel mit Großbritannien und Irland, Wie man unter diesen Umständen die etwa 7 Millionen Köpfe be- mit der Insel Man und den britischen Kanalinseln betrug in tragende Bevölkerung Londons ernähren und über die Zeit der Millionen Mark die gegenwärtigen Krisis hinwegbringeu will, ist nicht einzusehen. Vor In München hat das Bankgeschäft Gebr. Gumbel Nachfl., Inhaber allen Dingen aber entsteht jetzt die Frage, ob es möglich sein wird, Einfuhr 875,9 gegen 842,6 im Vorjahr, d. h. mehr 33,3= 4 v. H. Ausfuhr 1438,2 1161,1, 277,128,9 A. J. u. 2. Mayer, infolge der politischen Lage und der großen die morgen fälligen Löhne an die gewaltigen Arbeitermassen des Von den hauptsächlichsten Einfuhrwaren erreichten in Geldabhebungen in den letzten Tagen seine Zahlungen eingestellt. Landes zu zahlen. Ist diese Klippe überwunden, so fragt es sich Millionen Mark: Steinkohlen 179,6, Baumwollengarn 91,3, WollenDie Depots find unberührt. Es ist eine Liquidation in Aussicht ge- weiter, ob und wie man sich mit der jetzt beginnenden Arbeitsgarn 82,6, gesalzene Heringe 28,5, Stammzug 22,0, wollene Kleidernommen. Ferner ist die Bankfirma Emil Steub u. Co. in Garmisch- tosigkeit abfinden kann. Die Kohlengruben Englands müssen stoffe 21,9, eiserne Seeschiffe mit Antriebsmaschinen 21,6, Maschinen Partenkirchen mit Filialen in Oberammergau und Mittenwald in- feiern, da die englische Marine. mit Kohlen versorgt ist und der 21,0, rohe Baumwollgewebe 13,6, Weißblech 13,2, enthaarte halb folge außerordentlich starker Zurückziehungen von Guthaben in Absatz von Kohlen nach dem Auslande untersagt ist. Damit aber oder ganzgare Schaf- und Lammfelle 12,0, frische Heringe 9,9, Zahlungsschwierigkeiten geraten. werden große Arbeitermassen brotlos. Auch England bekommt also rohe Pelzwerkfelle 9,7, Films 9,6, halb- oder ganzgare Pelzwerkjezt die wirtschaftlichen Nachteile eines großen europäischen Krieges felle 9,4, leie 9,1, Wolle 9,0. am eigenen Leibe einmal gründlich zu spüren. In Mailand fallierte das Bankhaus Paolo Ascenso Figlio in Venemiglia mit zwei Millionen Lire Passiven. Der Inhaber ist flüchtig. Ferner stellte das Bankhaus Luigi Patriarca in Joera die Zahlungen ein, da es einen Run nicht bestehen konnte. Wirtschaftliche Not in England. Der Kölnischen Zeitung" wird geschrieben: In England ist seit Montag, Bantfeiertag", d. h. sämiliche Banken haben für mehrere Tage, zunächst bis heute, ihre Geschäftsräume geschlossen und ihre Zahlungen solange eingestellt, was einem Moratorium gleichkommt. In London, wie in England überhaupt, herrscht empfindlichster Mangel an Zahlungsmitteln, und zwar sowohl an Bargeld wie auch an Noten. Die Bank von England, die einerseits mit einem starren Notenkontingent rechnen muß, andererseits nur Noten bis herunter zu 5 Pfund ausgibt, hat sich außerstande gesehen, diesen Schwierigkeiten abzuhelfen. Man hat Deutsch- belgischer Handel im Jahre 1913. Mark gegen Von den Hauptausfuhrwaren zeigten in Millionen Mart Wert: Rübenzuder 191,5, Rohluppen, schienen uw. 44,3, dichte Gewebe, ganz oder teilweise aus Eeide, besonders letztere 37,4, Maschinen 32,3, wollene Kleiderstoffe 29,7, halb- oder ganzgare Pelzwerkfelle 26, Kinderspielzeug 25,7, elektrotechnische Erzeugnisse 25,6, 22,0, schmiedɓares Stabeijen, Bandeisen 20,4, a. 1. g. gefärbte, bedruckte, buntgewebte Baumwollgewebe, Oberleder, rohes, ent zundertes usiv. Eisenblech je 18,3, Kokosnußöl, nicht zum Genuß 18,1, Baumwollunterkleider 17,3, Täschnerivaren 16,1, Baumwollhandschuhe usw. 14,9, Posamentierwaren 13,9, Pflanzentalg zum Genuß 13,7, Klaviere 12,8, wollene Wirk- und Netzwaren 12,7, Baumwollipigen 12,3, Wollengarn 12,1, Platistichstidereien 11,2, rohe Belzwerkfelle 11,1, unpolierter, unladierter usw. Eisendraht 11,0, Fahrzeuge 10,9, Backpapier 10,3. Was die britischen Besitzungen am und im Mittelländi Cypern anbetrifft, so erreichte Nach der Statistik des Deutschen Reiches belief sich der Spezial- Hafer, Anilin- und andere n. 6. g. Teerfarbstoffe je 22,5, Robzink handel mit Belgien ohne Gold, Silber und Wertpapiere: 1. in der Einfuhr auf 344,4 Millionen Mark gegen 386,6 Millionen Mark im Vorjahr, daher Abnahme 42,2 Millionen Mark gleich 10,9 Proz., 2. in Millionen der Ausfuhr auf 551 493,3 Millionen Mark im Vorjahr, daher Zunahme 57,7 Millionen Mark gleich 11,7 Proz. Haupteinfuhrwaren: Wolle 31,9 Millionen Mark, Pferde 31,2, Bink 13,4, ungefärbte Kunstseide 13,3, Merinotammzug 12,5, rohes Leinen-( Flachs- und Flachswerg-) Garn 12,3, Kots 11,4, ThomasAschen usw. 9,3, Kupfer 8,2, Kreuzzuchtkammzug 7,8, Schwefelsäure 5,7 Millionen Mark. daher jetzt die Ausgabe von Kleinen Noten, und zwar in Stücken von phosphatmehl 11,2, natürlicher fohlensaurer Kalt 9,7, Schladen, en Meere( Gibraltar und Inselgruppe Malta) sowie die Insel 10 Schilling und 1 Pfund in Angriff genommen. Zu jenen Erschütterungen des Zahlungsverkehrs fommt die schwere Sorge um die Ernährung der englischen, insbesondere der Londoner Bevölkerung. In dieser Beziehung fällt zu nächst ins Gewicht, daß der englische Schiffsverkehr zum großen Teil unterbunden ist und infolgedessen die Zufuhren aufgehört haben. Geit vergangenem Sonntag waren Schiffsversicherungen bei Lloyds nicht mehr anzubringen, nachdem die Prämien tags zuvor bis auf 50 und selbst 75 Prozent der Versicherungssummen gestiegen waren. Da es infolgedessen an Schiffen für den Handel fehlte, hat sich die englische Regierung entschlossen, eine eigene Schiffsversicherung unter Haftung des Staates ins Leben zu rufen. Die Prämie wird dabei mit 5 Prozent vom Werte des Schiffs und mit 20 Prozent vom Wert der Ladung angenommen. Im Zusammenhang mit den Störungen des Verkehrs nach dem Festlande ist eine gewaltige Teuerung aller Lebensmittel eingetreten. Schiller- Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Eröffnungsvorstellung zum Besten des Roten Kreuzes: Brinz Friedrich von Homburg. Schauspiel in 5 Att. v. Heinrich v. Kleist. Anjang 8 Uhr. Ende 10%, Uhr. Freitag und Sonnabend: Prinz Friedrich von Homburg. Sonntag, abends 8 Uhr: Wilhelm Tell. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann Karl Pfarr nach kurzem, schwerem Leiden 28906 entschlafen ist. Um stille Teilnahme bitten Minna Pfarr nebst Sohn. Beerdigung Dienstag nachm. 21, Uhr von der Leichenhalle des Philippus Apostel- Kirchhofs in der Seestraße aus. DOSE THEATED Deutscher Metallarheiter- Verhand Große Frantiurter Str. 132. Auf der Gartenbühne, bei ungünstiger Witterung im Theater täglich: Das eiserne Kreuz. Drama in 1 Alt von Wichert. In Feindes Land. Schauspiel in 1 Aft von Wichert. Die Wacht am Rhein. Kriegsgemälde mit Gesang in 1 Aft. Kleine Preise. Anfang 6 Uhr. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger! Anfang 8 Uhr. Sonntags7, Uhr Für Militärpersonen und deren Angehörigen voll: ständig freier Zutritt zum Theater. Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein Treptow- Baumschulenweg. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Gertrud Diesing in Baumschulenweg, Schrader: straße 15, im 20. Lebensjahre verstorben ist. 203/1 Ehre ihrem Andenken! Der Vorstand. Deutscher Bauarbeiterverhand. Zweigverein Berlin. Am 8. Auguft starb unser Mitglied, der Maurer 144/6 Karl Pfarr am ( Bezirk Moabit). Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 11. August, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofs in der Seestraße Ede Müllerstraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schiosfer Karl Augustin Oderberger Str. 19 am 9. d. Mts. an Schlaganfall gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 12. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhofes in Nordend aus statt. Rege Beteiligung erwartet 123/12 Die Ortsverwaltung. Am 9. August verschied nach furzem Leiden unser lieber Baler, Schwieger, Groß- und Urgroßvater Karl Augustin im 79. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die Hinterbliebenen. 100/7 Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 12. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Gethsemane Kirchhofes in Niederschönhausen Nordend aus statt. # Kartenklub Wedding I. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unser Vereinswirt 28916 August Kowalczyk am 7. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Um stille Teilnahme bittet Der Vorstand. Die Einäscherung findet heute nachmittag 5 Uhr im Krematorium in der Gerichtstraße statt. Verband d.Gemeinde- u. Staatsarh. Filiale Groß- Berlin. Nachruf. wir Den Mitgliedern geben hiermit Nachricht vom Tode des Kollegen Richard Wenzel vom Gaswerk Schmargendorf. Ehre seinem Andenken! 35/10 Die Ortsverwaltung. Hauptausfuhrwaren: Steinkohlen 90,9 Millionen Mark, Maschinen 34,1, Sots 19,8, Roheisen und elektrotechnische Erzeugnisse, darunter Kabel mit 4,3, je 18,9, Roggen 13,1, halb oder ganzgare Belztierfelle 10,4, Weizen 8,6, Hafer 8,4, schmiedbares Stabeisen, außer Trägern, dann Bandeisen 7,8, Steinpreßfohlen 7,6, Fahrzeuge 6,9, Wollkleiderstoffe 6,2, nicht polierter usw. gewalzter Eisendraht, Rohluppen, Rohschienen usw. je 6,1, Anilin und nicht besonders genannte Teerfarbstoffe 5,9 Millionen Mark. * old du pri Deutschlands Handel mit England. Ueber den auswärtigen Handel Deutschlands im Jahre 1913 mit Großbritannien, Gibraltar, Malta und Cypern gibt die Statistik des Deutschen Reiches folgenden Aufschluß: Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klavier arbeiter Christian Diegner Danziger Str. 18, im Alter von 55 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 91/3 Die Ortsverwaltung. MitFrauen Sterbekasse von gliedern der Zentral- Krankenund Sterbekasse der deutsch en Wagenbauer. Neukölln 1. Am 8. August verstarb unser Mitglied, Frau 258/1 Anna Schultz. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 12. August, nach mittags 23 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner GemeindeFriedhofes, Gottlieb Duntel- Str., aus statt. Die Filialverwaltung. Hiermit zur Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Schwester 28936 Helene Aßmann geb. Dirsus plöglich am Herzschlag gestorben ist. Um stille Teilnahme bittet Paul Ahmann und Kinder. Die Beerdigung findet Mittwoch, nachm. 32 Uhr, von der Halle des Neuköllner Fried: hofes, Mariendorfer Weg, aus statt. am Hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe, strebsame Frau Klara Zimpel nach langem Leiden sanft entschlafen ist. Dies zeigt tiefbetrübt an Wilhelm Zimpel Görlizer Straße 57. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 4, Ubr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Danksagung. 110a Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme sowie Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben Mutter, Schwiegermutter im Spezialhandel ohne Edelmetalle die Einfuhr einen Wert von 1,5 Millionen Mark( 1912: 2,6), die Ausfuhr einen Wert von 4,0 ( 1912: 2,8) Millionen Mark. Mart= 65,6 Proz. des Gesamteinfuhrwertes. Die Haupteinfuhr bestand aus Kartoffeln zu 1,0 Millionen Die wichtigsten Ausfuhr waren zeigten folgende Werte in tausend Mart: Buder 1005( darunter Kristall juder 883), Steinkohlen 801, 28olgewebe 164, Dberleber 106. 866 Eingegangene Druckschriften. G. Freytags Karte des nördlichen Serbien. M. 1. G. Freytag u. Berndt, Wien VII. versicherung von St, Moesle und Dr. W. Rabeling. 1128 Seiten. C. SchReichsversicherungsordnung.( Kommentar) 3. Buch. Unfall: mann, Berlin. E Berlin S0. 16, Konsum-, Produktiv- u. Sparverein H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. Zehlendorf und Umgegend. Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Am Donnerstag, den 13. Auguft, abends 82 Uhr, Tabak- Großhandlung und Tabaktabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. zu Originalpreisen. bei Wilhelm Bonow, Berliner kannten Marken Zigaretten Amt Mpl., 3014. Straße 16, in Teltow: Versammlung. Spezialarzten- und Kranzbinderei Tagesordnung: 1. Bortrag über: Unsere nächsten Aufgaben." 2. Diskussion. 3. Vereins. angelegenheiten. 106/5 Zur Wiederkehr des Todestages von August Bebel Ein Lebensbild f. deutsche Arbeiter von Hermann Wendel. Dritte veränderte Auflage. Preis 50 Pf. Zu beziehen durch alle ,, Vorwärts"-Ausgabestellen sowie vom Verlag Buchhandlung Vorwärts Lindenstr. 69. Dr. med. Wockenfuß. Friedrichstr. 125( Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden Ehrlich- Hata- Kur( Dauer 12 Tage). 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Inseratenteil verantw. Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilage u. UnterhaltungsbL and pulls of ion Br. 217. 31. Jahrgang. S Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. An die Angehörigen der zu den Fahnen einberufenen Mannschaften und an die jenigen, die infolge des Krieges arbeitslos geworden sind! In diesen Tagen sind es Tausende und Abertausende, die über ihre Rechtsverhältnisse, sei es in bezug auf staatliche und kommunale Unterstüßung aus Anlaß des Krieges, über ihre Rechte und Pflichten im Miets-, Arbeits- und Dienstvertrage und anderer bürgerlicher Verhältnisse sich im unflaren und ungewissen befinden, selbst wenn sie die betreffenden Befanntmachungen der Tagespreise lesen. Dienstag, 11. Auguft 1914. jedoch hiervon unberührt, wohl aber schnellten die Ausgaben ihnen entbehren dieses Charakters völlig und können deshalb für unsere Gewerkschaftsstatistik nicht in Betracht kommen. Die Gesamteinnahme der Zentralverbände betrug im Nach Ausscheidung dieser Vereine, und unter Benutzung der der Verbände stark in die Höhe. Jahre 1913 82 005 580 M. 1912 wurden dagegen insgesamt von den Zentralverbänden über das Bestehen von Lokaldie Einnahme sich um 1772 005 M. erhöhte. Angesichts Angaben, 80 233 575 m. vereinnahmt, so daß gegenüber dem Vorjahre vereinen innerhalb ihres Organisationsbereichs gemachten waren 1912 310 197 Personen in unab dieser erheblichen Vermehrung der Beitragseinnahme werden hängigen und lokalen Vereinen gewerkschaftlich organisiert. ansere verbissensten Gegner wohl beim besten Willen keinen Ueber die Finanzgebarung dieser Organisationen liegen nur von 20 Vereinen mit 291 222 Mitgliedern Angaben vor. Es Rückgang der Zentralverbände konstruieren können. Die Gesamtausgaben der Zentralverbände sind, wie schon betrug die Gesamteinnahme 1912 3 040 925 M. und die Auserwähnt wurde, gegenüber dem Vorjahre außerordentlich start gabe 2520 211 M. Der Vermögensstand beläuft sich auf gestiegen. Es wurden verausgabt 1912 61 105 675 M., 1913 3 152 636 M. Von den Ausgaben entfallen auf Streit- und Das ist eine Steigerung der Aus- Maßregelungsunterstützung 316 307 M. Davon kommen dagegen 74 904 962 m. gaben um 13 799 287 M. In feinem der früheren Betriebs- 309 542 M. auf den Streit der Bergarbeiter in Oberschlesien, jahre ist eine gleich starke Vermehrung der Ausgaben zu ver- den die polnische Berufsvereinigung führte. Für sonstige Unterstützungszwecke wurden 701 519 m. verausgabt, darunter Nach vier Hauptgruppen geordnet wurden 1913 und 1912 für Reise- und Arbeitslosenunterstützung 54 721 M. Die Ausgabe für Verbandsorgane und sonstige Bildungsmittel beziffert sich auf 470 248 M. Um hierüber genügende Aufklärung zu schaffen, den Anzeichnen. gehörigen und Arbeitslosen mit persönlichem Rat an die Hand zu gehen, haben die Gewerkschaftskommission Berlins und Um- verausgabt für: gegend und der Zentralvorstand des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend beschlossen, dupine Auskunftsstellen zu errichten, die für den Verkehr mit dem Publikum vormittags von 9 bis 12 Uhr und nachmittags von 4 bis 7 1hr geöffnet sind. Die Zentrale der Auskunftsstellen ist das Berliner ArbeiterSekretariat, Berlin, Engelufer 15, Zimmer 13. Die Adressen der übrigen Auskunftsstellen sind zunächst folgende: und 4741. Berliner Verbandsbureau, SW. 68, Lindenstr. 3, III. Hof, Aufgang IV, 3 Treppen( Fahrstuhl). Fernsprecher: Amt pl. 4740 Bureau des Wahlvereins Berlin IV, O. 17, Stralauer Platz 10/11, Fernsprecher: Amt Ast. 3759. Bureau des Wahlvereins Berlin VI, N. 39, Gerichtstr. 71, Fernsprecher: Amt Ndn. 2137. Bureau des Wahlvereins Neukölln, Nedarstr. 3, Fernsprecher: Amt Neukölln 1894. Bureau des Wahlvereins für Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenburg, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, II. Hof, Aufgang III, 4 Treppen( Fahrstuhl). Fernsprecher: Amt Mpl. 14 714. Bureau des Wahlvereins für Niederbarnim, Lichtenberg, Neue Bahnhofstr. 31. Fernsprecher: Amt Kft. 3912, Bostbezirk O. 112. Juristische Sprechstunde des„ Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, vorn 4 Treppen( Fahrstuhl), von 4-7 Uhr. Auskunftsuchende im Kreise Nieder Barnim und TeltowBeeskow, für die eine örtliche Auskunftsstelle im Verzeichnis nicht aufgeführt ist, haben sich an die Bureaus der betreffenden Wahlkreise: Nieder Barnim, Lichtenberg, Neue Bahnhofstr. 31, Teltow- Beeskow, Berlin, Lindenstr. 3, zu wenden. Bildungszwede Unterstügungszivece Agitation, Stellenvermittelung, Generalbersammlungen und Verbindungen. Verwaltung • 1913 M. 1912 M. 3 360 037 3 220 911 47 793 033 37 194 412 10 163 534 13 588 358 9 064 744 11 625 608 Von den 47 793 033 M., die für Unterstügungen veraus gabt wurden, kommen 16 604 756 M. auf die Führung wirtschaftlicher Bewegungen und Kämpfe. Hierfür beträgt die Mehrausgabe 3858 100 M. Sie ist besonders zurückzuführen auf die umfangreicheren Kämpfe der Holzarbeiter, Maler, Metallarbeiter und Transportarbeiter. Die Ausgabe für die übrigen Unterstützungen stieg jedoch gegen das Vorjahr um 6 740 521 M. Es wurde gezahlt an: Reiseunterstützung Arbeitslosenunterstützung Krantenunterstützung Notfallunterstüßung. Sonstige Unterstüßung. Bujammen . 1913 1912 M. Mr. 1 506 247 1 179 102 . 11 532 930 7 741 240 13 511 831 1018 612 3 618 657 31 188 277 11 436 326 515 846 3 575 242 24 447 756 * Faßt man die gesamten Ergebnisse der Gewerkschaftsstatistik zusammen, so ergibt sich, daß im Jahre 1913 3 308 363 Arbeiter gewerkschaftlich organistert waren, darunter 257 373 weibliche.( 1912: 3 294 499.) Die Gesamteinnahmen der Organisationen betragen 95 091 161 m., die Gesamtausgaben 86 148 726 M. und der gesamte Vermögensbestand beziffert sich auf 102 633 255 M. Bei dieser Aufstellung sind, wie noch einmal ausdrücklich hervorgehoben werden soll, für die unabhängigen und lokalen Vereine die Angaben für 1912 verwandt worden. Es betrugen die Ausgaben: für Streikund Maßregelungsunterstützung 19 305 604 M., für sonstige Unterſtügungen, einschl. Rechtsschutz, 32 891 408 m., darunter für Reise- und Arbeitslosenunterstüßung 13 727 102 M. Für und gegen 1912 Verbandsorgan sonstige Bildungszwecke mehr 4 583 353 M. berausgabt. 327 145 2075 505 6 740 521 wurden Es sind gewaltige Summen, welche die Gewerkschafts3 791 690 organisationen in einem Jahre für die Wahrung der wirt502 766 schaftlichen Interessen ihrer Mitglieder und zur Unterstützung 43 415 in Fällen von Arbeitslosigkeit, Krankheit usw. aufwandten. Und von allen diesen Summen fällt der Löwenanteil auf die der Generalfommission angeschlossenen Zentralverbände. Seit Die stärkste Steigerung der Ausgaben trat bei der Arbeits dem Jahre 1891, dem Beginn der Gewerkschaftsstatistik, also Toſenunterſtüßung mit 3 791 690 M. ein. Dazu kommt noch in einem Zeitraum von 23 Jahren, verausgabten die Zentraldie um 327 145 M. erfolgte Vermehrung der Reiseunterstützung. verbände für die Führung wirtschaftlicher Bewegungen und Auch die Ausgaben für Stranken- und Notfallunterſtüßung sind Stämpfe 138 Millionen Mark und für friedliche Unterstützungsaußerordentlich gestiegen. Alle diese Mehrausgaben sind ein zwecke 197,7 Millionen Mart. Von den letzteren Ausgaben Zeichen für die durch die neuere Wirtschaftskrise hervorgerufene entfielen seit 1891 auf Bedrängnis der Arbeiterschaft. Trotz der gewaltig gestiegenen Mehrausgaben, denen nur eine geringe Mehreinnahme gegenüberstand, war es noch. möglich, den Vermögensbestand der gesamten Verbände von Weitere Bekanntmachungen, an welchen Stellen noch Aus- 80 797 786 M. auf 88 069 295 M. zu erhöhen. funftsbureaus errichtet werden, folgen. Gewerkschaftliches. Die Gewerkschaftsorganisationen im Jahre 1913. einer Die gegnerischen gewerkschaftlichen Organisationen hatten unter der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse noch in höherem Maße zu leiden als die der Generalfommission anhöherem Maße zu leiden als die der Generalfommission angeschlossenen Zentralverbände. Haben die letzteren im Jahres Surchschnitt noch einen wenn auch unerheblichen Mitglieder gewinn zu verzeichnen, so ist dagegen sowohl bei den Hirsch Dunckerschen Gewerkvereinen wie auch den christlichen Gewerkfchaften ein Rückgang an Mitgliedern eingetreten. MitArbeitslose. Reisende. Kranke • • • • . 65 803 121 M. 15 123 205 80 248 281 " " Umzug, Not- und Sterbefälle 17 018 253 Gemaßregelte Invalide. Rechtsschutz. . 10 351 582 " 5 175 097 . " 3 984 471" Durch die immense Tätigkeit der Gewerkschaften und den für die wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter verausgabten gewaltigen Summen ist eine weitgehende Hebung der wirtschaftlichen und kulturellen Lage der deutschen Arbeiterschaft erfolgt, die in ihrem vollen Umfange zahlenmäßig nicht nachweisbar ist. Es ist eins der traurigsten Kapitel der Kulturgeschichte, verflossenen Jahre zu rechnen hatten, wurden noch verschärft Schlusse des Jahres 1913 106 618 Mitglieder. Da sich der Arbeitskraft ausbeutenden Stapitalismus zu bewahren, von dem Die Schwierigkeiten, mit denen die Gewerkschaften im Es zählten die Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereine am daß gerade die Organisationen, die dazu berufen sind, die Arbeiterschaft vor der Degeneration durch den die menschliche durch die starke Arbeitslosigkeit, die noch aus den Krisen Mitgliederbestand 1912 auf 109 225 bezifferte, so ist demnach Staate nicht gestützt und gefördert, sondern im Gegenteil jahren 1908 und 1909 fortbestand und während der Dauer gegen das Vorjahr ein Verlust von 2607 Mitgliedern gleich ihren Bestrebungen Schwierigkeiten bereitet werden. Spätere der jüngsten Prosperitätsperiode nur wenig gemildert wurde. 2,39 Proz. erfolgt. Es ist aus der Statistik dieser Organi Generationen werden mit Erstaunen auf diesen Widersinn Der Arbeitsmarkt litt deshalb selbst in den Jahren jationsrichtung nicht ersichtlich, ob sich auch ein gleicher Wit unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen Ordnung zurückblicken. der günstigeren Konjunktur fortgesetzt unter einem gliederverlust im Jahresdurchschnitt ergibt. Dieses scheint wir aber wissen, daß bei der jetzt gegebenen gottgewollten starten Ueberangebot von Arbeitskräften. Angesichts aber der Fall zu sein, denn es wurden 1913 13 632 m. dieser Tatsache konnte von Abhängigkeit der staatlichen Behörden von den Geboten der Vergenügenden weniger an Beiträgen vereinnahmt als 1912. besserung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiterschaft während Die Gewerkvereine verzeichnen für 1913 eine Gesamt auch keine Förderung des Ringens der Arbeiterschaft nach den Vertreter des Kapitals eine objektive Würdigung und darum der verflossenen kurzen Dauer der Produktionssteigerung nicht einnahme von 2866 891 M., welcher eine Ausgabe von kulturellen Höhen des Daseins zu erwarten ist. Wir tun auch die Rede sein. Um so fühlbarer mußten deshalb die Arbeiter: 2620 864 M. gegenübersteht. Das Gesamtvermögen betrug gut daran, uns nicht auf das Wohlwollen gutmeinender schaft und ihre gewerkschaftlichen Organisationen von dem 1728 528 M. Ein richtiges Bild von der Finanzgebarung Streise, sondern nur auf unsere eigene Straft zu verlassen; geabermaligen Niedergang der Konjunktur betroffen werden. ⚫ der Gewerkvereine läßt sich aus dieser Zahlenaufmachung Unter diesen Umständen ist es zu verstehen, wenn man nicht gewinnen, da unter Einnahmen und Ausgaben auch die üht auf diese wird allen Gewalten zum Trotz die Arbeiterselbst in Gewerkschaftskreisen von banger Besorgnis um die der selbständigen Kranken- und Begräbniskassen eingerechnet schaft ihr Ziel erreichen. Fortentwickelung der Gewerkschaften erfüllt war und den Er- sind. Die Gesamtausgabe der Gewerkvereine stieg gegen das gebnissen der Statistit für 1913 mit einer gewissen Spannung Vorjahr um 159 148 M. Die Einnahmen vermehrten sich um entgegensah. Glücklicherweise haben sich die Befürchtungen 80 562 m. Der Vermögensbestand ging um 100 323 M. auf einen stärkeren Rückgang der Mitgliederzahl nicht erfüllt. zurück. Die christlichen Gewerkschaften bilden die jüngste gewerk Der Generalfommission der Gewerkschaften Deutschlands waren im Jahre 1913 47 Zentralverbände angeschlossen. schaftliche Organisationsrichtung. Die Entwickelung der christ Diese hatten 1913 im Jahresdurchschnitt 2548 763 Mitglieder, lichen Gewerkschaften hat sich bisher in bescheidenen Grenzen darunter waren 223 676 weibliche. Im Jahre 1912 betrug gehalten, trog wohlwollender Berücksichtigung seitens der Bedie Mitgliederzahl 2530 390, es ist demnach im Jahres hörden und der Unterstügung, die ihnen von Vertretern der durchschnitt eine Vermehrung von 18373 Mitgliedern- 0,73 Proz. katholischen und evangelischen Kirche zuteil wurde. eingetreten. Gegenüber dem Mitgliederbestande am Schlusse Im Jahresdurchschnitt ging die Mitgliederzahl der christdes Jahres 1912 ist allerdings eine Verminderung der Mitlichen Gewerkschaften von 344 687 im Jahre 1912 auf gliederzahl um 60 822-2,39 Proz. erfolgt. Ein Vergleich 342 785 im Jahre 1913, also um 1902 gleich 0,55 Prozent der Ziffern am Jahresschluß ergibt jedoch kein zutreffendes zurück. Der Mitgliederverlust am Schlusse des Jahres 1913 Bild der Mitgliederentwickelung von Jahr zu Jahr, da die betrug gegen den Schlußbestand des Vorjahres 9195 gleich Ergebnisse einzelner Quartale auf Zufälligkeiten beruhenden 2,62 Proz Schwankungen unterworfen sein können. Ganz merklich unterscheidet sich das Ergebnis der Mitgliederbewegung des verflossenen Jahres von dem des Krisen jahres 1908, welches einen Verlust von 38 775 Mitgliedern aufweist, während 1913 noch ein flciner Gewinn zu verzeichnen ist. Berlin und Umgegend. Die gegenwärtige Notlage in der graphischen Branche versucht die Luruspapierfabrit Lange u. Wunsch, Fennstraße, auszunuzen, volle Arbeitszeit zu arbeiten. Sie will dann keine Entlassungen indem sie dem Personal zumutet, für den halben Wochenlohn die vornehmen. Herr Wunsch ist Reserveoffizier und war bis vor kurzem Vorsitzender des Schutzverbandes deutscher Steindruckereibefizer. vornehmen. Herr Wunsch ist Reserveoffizier und war bis vor kurzem Berliner Nachrichten. Beginn des Schulunterrichts. In den Schulen, deren Räume von der Militärbehörde nicht in Anspruch genommen sind, beginnt der Unterricht heute Dienstag, den 11. d. M., wenn irgend möglich, in vollem Die Gesamteinnahmen der christlichen Gewerkschaften be- Umfange. Die zur Fahne einberufenen oder für Kriegstrugen 1913 7 177 764 M. gegen 6 608 350 M. im Vorjahre; frankenpflege beurlaubten Lehrkräfte werden zunächst durch die Mehreinnahme beträgt 569 414 M. Bedeutend höher sind Lehrer solcher Schulen ersetzt, deren Räume von der Militärdagegen die Ausgaben gestiegen, und zwar von 5 222 727 m. behörde noch in Anspruch genommen werden. in 1912 auf 6 102 688. im Jahre 1913. Das ist eine Die meisten der vom Militär in Anspruch genommenen Mehrausgabe von 879 961 m. Die Vermögensbestände Schulgrundstücke werden voraussichtlich in einigen Tagen frei Die Zahl der weiblichen Mitglieder hat sich im Jahres wuchsen von 8575 658 M. auf 9682 796 M. im Berichts- werden; voraussichtlich werden deshalb die Kinder, die heute durchschnitt beträchtlich höher gesteigert als die der männlichen. jahre. zur Schule kommen, zunächst nur auf drei Tage beurlaubt Es hatten die Zentralverbände 1913 223 676 weibliche MitAußer den Hirsch- Dunckerschen Gewerfvereinen und den und aufgefordert, nach dieser Frist wieder zu erscheinen. glieder, 1912 betrug ihre Zahl 216 462; es ist demnach ein christlichen Gewerkschaften kommen dann als gegnerische OrganiBuwachs von 7214 weiblichen Mitgliedern= 3,33 Proz. er- fationen noch in Betracht die seit 1897 unter der Bezeichnung Zur Verhinderung der Aufspeicherung von Gold- und folgt, während die Zuwachsquote bei den männlichen Mitgliedern nur 0,48 Proz. ausmacht. Der Anteil der weiblichen Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften" zusammen| Silbermünzen hat die Vereinigung von Berliner Banken und geschlossenen syndikalistischen Lokalvereine und weiter Bankiers beschlossen, bei Hinterlegung verschlossener oder verMitglieder an der Gesamtzahl hat sich entsprechend der stärkeren eine Reihe einzelner Berufsorganisationen mit ge- fiegelter Pakete zur Aufbewahrung oder zur Einlegung in Zunahme von 8,6 Proz. auf 8,8 Proz. erhöht. werkschaftlichem Charakter, die in der Statistik als Schrankfächer auf der vorherigen Vorzeigung des Inhalts zu Der Verband der Blumenarbeiter trat mit Schluß des" Unabhängige werden. Von ,, Unabhängige Vereine" bezeichnet der bestehen. Enthält das Paket Hartgeld, besonders Gold, so Berichtsjahres zum Fabrikarbeiterverband über, so daß die ersteren Gruppe liegen statistische Ausweise nicht vor. Ueber wird die Annahme unterschiedslos verweigert. Zahl der gegenwärtig der Generalfommission angeschlossenen die zweite Gruppe gibt die amtliche Statistit Auskunft, jedoch Zentralverbände( außer den Hausangestellten und Land- können wir zur Ergänzung unserer Statistik nur die für das arbeitern) 46 beträgt. Jahr 1912 in dem achten, Sonderheft zum ,, ReichsarbeitsUebernahme von Stellvertretungen und Interessenvertretungen. blatt" veröffentlichten Angaben heranziehen, da die neuesten Zahlreiche selbständige Handel- und Gewerbetreibende sind Wie nicht anders zu erwarten war, hat die ungünstige Ergebnisse noch nicht vorliegen. Nicht alle in der amtlichen in das Feld gezogen, ohne in der Lage zu sein, sich geeignete wirtschaftliche Lage des Jahres 1913 auch die Finanzen der Statistik als ,, Unabhängige Vereine geführten Organisationen Stellvertreter ihrer Interessen bestellen zu können. Die leider Zentralverbände erheblich beeinflußt. Die Einnahmen blieben können als Gewerkschaften bezeichnet werden. Einige von von der großen Mehrzahl geteilte Meinung, daß es vielfach catio attsreiche, die Geschäfte einfach zu schließen, muß unabweisbar] zu schweren Schädigungen der betroffenen Streise führen. In gleicher Lage befinden sich aber auch zahlreiche Privatpersonen, die Grundstücke oder anderweitiges Vermögen bejizen, deren Erträge indessen die Bezahlung eines Stellvertreters nicht gestattet. In Erkenntnis der Sachlage hat der Hansabund bereits eine unentgeltliche Rechtshilfsstelle geschaffen. Diese Maßregel allein dürfte jedoch nicht ausreichen, um allen Bedürfnissen zu entsprechen. der Für die Hinterbliebenen der Kriegsteilnehmer. Die Hochbahngesellschaft wird bis auf weiteres den Familien am Feldzug teilnehmenden Angestellten und Arbeiter ihres Betriebes Beihilfen in der Weise gewähren, daß sie den Ehefrauen eine monatliche Unterstützung von 25 M. und für jedes Kind unter 15 Jahren weitere 5 M., insgesamt bis zu 50 M. zahlt. betrage von 20 M. Bei der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation erhalten die Frauen pro Woche 10 M. und jedes Kind 8 M., bis zum HöchftDie Maggi- Gesellschaft zahlt den Frauen pro Woche 10 M., für Kinder das bisher gewährte Kindergeld von 85 Pf. Unterricht in den Fortbildungsschulen. Die Norddeutsche Treuhandgesellschaft m. b. H., Berlin W. 30, Moßstr. 32, hat daher beschlossen, soweit es in ihren Sträften steht, derartige Stellvertretungen und InteressenIn den sämtlichen städtischen Fortbildungsschulen, vertretungen vollständig kostenlos zu übernehmen, und fordert die übrigen Treuhandgesellschaften auf, in gleicher a chichulen, Handwerkerschulen usw. beginnt der Weise ihre Dienste der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Unterricht erst am 16. August. Soweit die Verhältnisse es Die Norddeutsche Treuhandgesellschaft nimmt Aufträge irgend gestatten, wird der Betrieb in vollem Umfange auf dieser Art täglich von 9-11 in ihrem Geschäftslokal Mog- recht erhalten. straße 32 entgegen. Das Sommerfest der Konfumgenoffenschaft( 8. Abteilung), bas am 23. Auguft im Seebad Reinickendorf geplant war, fällt aus. Sigungstage der Stadt- und Gemeindevertretungen. Lichtenberg. Dienstag, den 11. d. M., 6 Uhr, im Rathause. Friedrichsfelde. Dienstag, den 11. d. M., 6, Uhr, im Real progymnafium. Diese Sigungen find öffentlich. Jeder Gemeindemgehörige ist bes techtigt, ihnen als Zuhörer beigumsohnen. Soziales. Abwendung des Konkurses. Der Bundesrat hat auf Grund des§ 3 des Gesetzes vom 4. August über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen eine Verordnung über die Anordnung einer Gefchäftsaufficht zweds Abwendung des Kontursverfahrens erlassen. Nach dieser Berordnung fann, we infolge Das Märkische Museum ist nach wie vor dem Publikum des Krieges zahlungsunfähig geworden ist, bei dem für die Ergeöffnet. Uebergangsverkehr zwischen Hochbahn und städtische Straßenbahn. öffnung des Konkursverfahrens zuständigen Gerichte die Anordnung einer Geschäftsaufsicht zur Abwendung des Konkursverfahrens beantragen. Der Schuldner hat mit dem Antrag ein Verzeichnis der Gläubiger unter Angabe ihrer Adressen, eine Uebersicht des Ber Bezüglich des zwischen der Hochbahn" und der städti- mögensstandes in Form einer Gegenüberstellung der einzeln aufschen Straßenbahn bestehenden Uebergangsverkehrs an der zuführenden Aktiven und Passiven und, sofern er Kaufmann ist, Warschauer Brücke werden die betreffenden Fahrgäste ersucht, auch die letzte Bilanz einzureichen. Dem Antrag ist stattzugeben, ausschließlich die Motorwagen zur und von der Hochbahn zu wenn die Behebung der Zahlungsunfähigkeit nach Beendigung des benutzen, da die Ausgabe und Verrechnung der Hochbahn- Krieges in Aussicht genommen werden lann. Das Gericht entscheidet Uebergangsfarten zur Entlastung der Schaffnerinnen auf den über den Antrag nach freiem Ermessen. Das Verfahren ist Anhängewagen vorläufig nicht erfolgen kann. gebührenfrei. Angemessener Lohn. Die Berliner als Erntearbeiter. Die bei Beginn des Krieges ausgesprochene Befürchtung, daß ein Mangel an Erntearbeitern eintreten fönne, ist, wie sich jetzt herausgestellt hat, vollkommen überflüssig getvesen. Es hat sich fogar gezeigt, daß das Angebot bedeutend stärker als die Nachfrage ist. Das Heer der Arbeitslosen in Berlin, wenigstens der männlichen, ist so groß, daß man auf die von allen Seiten zusammen geströmten freiwilligen Hilfskräfte, Studenten, Pfadfinder, Schüler, ohne weiteres verzichten fonnte. Man hat es kaum für möglich gehalten, daß die Berliner mit so großer Bereitwilligkeit sich der ungewohnten und nicht leichten Arbeit auf dem Lande unterziehen würden. Der Aufforderung, fich zur Erntearbeit in Ost- und Westpreußen im Ein unschuldiges Opfer der Spionenfurcht Zentralarbeitsnachtveis in der Gormannstraße zu melden, waren am Angemessene Bezahlung forderte gestern vor dem Gewerbegeftrigen Montag Tausende von Arbeitslosen gefolgt. Vom frühen wurde ein in Stegliz wohnender russischer Tischler. Eingeschüchtert Morgen an bis zur späten Mittagsstunde drängte sich auf den ge- durch die strengen Maßnahmen gegen seine Landsleute befürchtete gericht ein Rohrleger von der Gesellschaft für Hochräumigen Höfen die Menge der Arbeitsuchenden. In Trupps er törichterweise bei einer eventuellen Haussuchung durch den Besitz druckrohrleitungen vor dem Gewerbegericht. bon 50 bis 100 Personen wurden Der Kläger war als Helfer mit 50 Pf. Stundenlohn eingefte fie in die zu diesem sozialdemokratischer Schriften sich besonders verdächtig zu machen. 3wed eingerichteten Bureaus hineingelassen. Bevorzugt wurden Aus diesem Grunde packte er alle diese Schriften zusammen worden. Als der Monteur entlassen wurde, hatte er deffen Arbeiten Leute, die nachweisen konnten, daß sie früher in der Landwirtschaft und überbrachte sie unserem Parteispediteur zur geeigneten zu verrichten. überbrachte sie unserem Parteispediteur zur geeigneten zu berrichten. Von einem Angestellten der beklagten Firma ist ihm tätig gewesen waren und solche, die in Berlin Gartenbau betrieben freien Verfügung. Irgendein für die Sicherheit unseres Bater- auch eine höhere Bezahlung in Aussicht gestellt worden. Man verweigerte sie ihm angeblich wegen zu geringer Leistung. Der tarifs haben. Wer das Glüd hatte, angenommen zu werden, zog mit seinem landes besorgtes Gemüt fand das wohl verdächtig, vielleicht auch liche Lohn für Monteure beträgt 76 f. pro Stunde. Der Kläger fordert 66% Pf. Durch Urteil sprach das Gericht den Arbeitsschein davon, um die Vorbereitungen für die Abreise zu treffen aus dem Grunde, weil der Tischler, der sich in Begleitung seiner liche Lohn für Monteure beträgt 76 f. pro Stunde. Der Kläger und sich von seinen Angehörigen zu verabschieden. Das Angebot von Frau und seines Kindes befand, möglicherweise sich mit diesen läger die geforderten 18,50 M. zu. Vom Kläger jeten weiblichen Arbeitskräften war nicht so groß, aber vollständig aus- unterwegs in lettischer Sprache unterhalten hat, und verfolgte diese drei höhere Arbeitsleistungen verlangt und verrichtet worden. Deshalb reichend, um den Bedarf zu decken. Frauen und Mädchen mit blassen harmlosen Leutchen. Nun war der vermutete Spion im Begriff, sich vom ift sein Anspruch als durchaus gerechtfertigt anzusehen. Gefichtern, die freilich nicht so aussehen, als ob die den Strapazen Spediteur nach der Polizei zu begeben, um sich dort, wie es ja zurzeit der Erntearbeit gewachsen seien, trösteten sich gegenseitig mit vorgeschrieben ist, wieder zu melden. Das Ende vom Liede war, den Worten: Wie es auch kommt, draußen brauchen wit wenigstens daß man ihn dort verhaftete, weil er von dem Beobachter wohl als nicht zu hungern." Für die Provinz Brandenburg einschließlich verdächtig bezeichnet worden war. Frau und Kind konnten ungeder Rieselgüter und Pommern ist der Bedarf ant Arbeits- hindert ihr Heim aufsuchen. Am andern Tage erschien bei unserm Zur Auslegung des Vereinsgesetzes. die noch träften vorläufig vollständig gedeckt. Die nächsten Transporte find Spediteur ein Polizeibeamter zur Recherche, dem Eine verständige Entscheidung fällte am Sonnabend das für Oft und Westpreußen bestimmt. Am gestrigen Montag abend unteröffnet daliegenden Pakete bereitwilligst vorgelegt wurden. Schöffengericht in Hannover. gingen zwei Extrazüge der neugeworbenen Berliner Landarbeiter Der Beamte fah die Schriften durch und nahm einige davon Der Arbeiter, Genosse Karl Rohrfen sollte sich gegen an ihre Bestimmungsorte ab. Um 6 Uhr hatten sich die Aus- an sich. Auf spätere Nachfrage auf dem Polizeibureau wurde un- die Bestimmungen der 88 3 und 5 des neuen Vereinsgefezes vergewählten auf den Höfen des Arbeitsnachweises in der Gormann- ferem Spediteur die Antwort, daß die Haft vorläufig aufrechterhalten gangen haben, indem er am 31. Mai b. J. eine Verhandlung straße bersammelt und zur Abfahrt bereit gestellt. Dann ging es werden müsse. Hoffentlich hat die Polizeibehörde inzwischen die lleber- ugendlicher leitete, in der politische Angelegenheiten zur Der Angeklagte als Reiter hielt in jener Verin geschlossenen Bügen zum Schlesischen Bahnhof. Hier spielten sich geugung gewonnen, daß in diesem Falle unserem Vaterlande teine Gefahr Erörterung famen. Abschiedsszenen ab wie bei der Abfahrt der Reservisten. Wie diese, droht, zumal die Sozialdemokratie als entschiedene Gegnerin des sammlung die Begrüßungssprache und darauf Landtagsabgeordneter Reinert eine Rede, die politischen Inhalts im Sinne des Vereinss so werden auch die Erntearbeiter auf der weiten Reise die Wohl- Barismus bekannt ist. gefeßes gepesen sein soll. Amtsanwalt Jacobi beantragte taten der vaterländischen Frauenvereinigungen genießen und überall Berurteilung des Angeklagten. Das Geriat tam zur Freis reichlich Speise und Trank erhalten. Nach dem Vereinsgesez müsse zu fprechung des Angeklagten. einer Verurteilung erwiesen sein, daß durch die Versammlungsreden eine Einwirtung auf öffentliche Angelegenheiten bezwedt fei. Das sei nicht erwiesen, wenn auch anzunehmen sei, daß die teilnehmenden Personen zweifellos von einem sozialdemokratischen Geist durchweht waren. Die Festsehung der Höchstpreise für Lebensmittel, wie sie von uns am Sonntag mitgeteilt wurde, ist noch keine endgültige. Die Beratungen sind noch nicht zu Ende geführt. Rach endgültiger Feststellung werden die Preise durch öfferitlichen Aushang bekannt gegeben. Uns gehen fortgesett Schreiben von Händlern zu, die immer wieder dartun, daß die Schwierigkeit bei den Grossisten liege. Hier müsse der Hebel angesetzt werden; sei es doch vorgekommen, daß Kartoffel- Engroshändler 7,50-8 M. für den Zentner Kartoffeln gefordert hätten. Aus dem Rathause wird hierzu mitgeteilt: Zurzeit hat zwar eine Festsetzung von Höchstpreisen für Kartoffeln noch nicht stattgefunden. Es verdient indessen zur allgemeinen Kenntnis gebracht zu werden, daß in einer am legten Sonnabend stattgehabten, vom Magistrat einberufenen Sigung, an der eine große Anzahl der namhaftesten Sachverständigen teilgenommen haben, einstimmig anerkannt wurde, daß ein Höchstpreis von 6 Pf. für das Pfund Kartoffeln und ein solcher von 5 M. für den Zentner nicht überschritten werden dürfe. Da in allernächster Zeit erhebliche Anlieferungen zu erwarten sind, werden die Hausfrauen dringend gewarnt, sich gegenwärtig mit größeren Beständen zu versehen. Die Ladeninhaber, welche nichtsdestoweniger die Preise für Kartoffeln derart bemessen, daß eine Ueberteuerung des Publikums hierin gefunden werden kann, werden darauf aufmerksam zu machen jein, daß sie, wie in den Fällen von Ueberteuerung bei Mehleinfäufen, den Schluß ihrer Läden zu gewärtigen haben werden. Freiwillige Krankenpflege. Arg enttäuscht. In einer Notiz mit dieser Ueberschrift( in Nr. 215 vom 9. August) meldeten wir, daß die Zigarren- und Tabatfabril Carl Martienzen durch Zeitungsinserat tüchtige Verfäuferinnen zur selbständigen Leitung von Bigarrenfilialen" gesucht hatte. Wir berichteten über Beobachtungen, die von einer Frau, die fich melden wollte, gemacht wurden, und gaben aus ihrer Darstellung nur folgendes wieder: In der Nähe des Geschäftes habe sie bereits eine Anzahl erregt diskutierender Frauen angetroffen, die mitteilten, daß die Firma bei Stellung einer Kaution von 200 M. eine monatliche Entschädigung von 35-40 M. zahlen wolle. Auf den Einwand, daß von einem solchen Einkommen niemand leben könne, sei geantwortet worden, daß später Beschäftigungsuchende noch für weniger Geld arbeiten würden. Später Hinzukommende hätten es unter solchen Umständen aufgegeben, fich als tüchtige Verkäuferinnen der Firma anzubieten." Hierzu erhalten wir jetzt folgende Zuſchrift: " Gerichtszeitung. Parteiveranstaltungen. Schmargendorf. Mittwoch, den 12. August, abends 8, Uhr: Bahl abend im Café Türke, Hubertusbaderstr. 8. Treptow Baumschulenweg. Am Mittwoch, den 12. August: Zahlabend in allen Bezirken. Köpenick. Der Bahlabend findet morgen, Mittwoch, den 12. August, den befannten Rokalen statt. in Briefkasten der Redaktion. Berlin O. 27, Magazinstr. 6/7, 10. August 1914. An die Redaktion des Vorwärts", Lindenstraße. Die juristische Sprechstunde findet sinbenstraße 69, born bier Treppen Fahrstuhl, wochentäglich von 4% bis 7% Uhr abends, Sonnabends, Gemäß§ 11 des Breßgesezes ersuche ich Sie um Aufnahme folgender Berichtigung in Ihrem Blatte und zwar in der gesetz von 4% bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Brieftastes bestimmten Anfrage lichen Form und Frist: Es ist nicht wahr, daß die Firma Carl ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort Martienzen Damen, die sich auf das Inserat der Firma wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnementsqukttung beigefügt ist, als Berkäuferinnen gemeldet haben, bei Stellung einer Kaution von werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor 23. M. 22. Ja. E. B. 25. Die Angaben reichen nicht aus. 200 M. eine monatliche Entschädigung von 35-40 M. angeboten 7. R. 48. hat oder zahlen wollte. Es ist auch nicht wahr, daß die Firma In der Regel besteht ein Auseinandersetzungsanspruch. R. B. 45. Ja. Carl Martienzen auf den Einwand, davon könne niemand leben, unseres Erachtens fönnen Sie den Vertrag fofort lösen. M. B. 13. 1. und 2. Gin Gerichtsverfahren gegen Ihren Mann fann geantwortet habe, daß später Beschäftigungsuchende noch für iegt nicht durchgeführt werden. R. B. Unseres Erachtens find Sie dazu weniger Geld arbeiten würden. Wahr ist vielmehr, daß die sich nicht verpflichtet. Malchin 110. 1. bis 3. Falls bie Zahlung bis zum meldenden Damen von der Firma Carl Martienzen lediglich ge- Ablauf des Kündigungstermins nicht erfolgt, tönnten Sie Klage erheben. C. 3, 5./6. fragt worden sind, wieviel sie monatlich verlangten und daß die 4, hängt von dem Wortlaut des Bert rages ab. 5. Mein. Firma den Damen noch keinerlei Angebote, insbesondere nicht in 1. Unseres Erachtens ja. 2. Ja, falls die Frau Bollmacht des Mannes hat. 2. 70. Sie find u. E leider an die Abmachungen gebunden. der angegebenen Höhe gemacht hat. " 1 3. Klage. 2. 3. 1000. Sie sind u. E. leider an die Abmachung Ihrer Frau gebunden. Hochachtungsvoll Robert Martienzen, i. Fa. Carl Martienzen. 2. 3. 60. Die Kündigung ist in der von Ihnen vorgesehenen Weise Man vergleiche diese Berichtigung"( die übrigens nicht mal zulässig. 2. R. D. 50. Falls der Landsturm aufgeboten wird, bean2. 2. 19. Sie sind an in allem der geseglichen Form" entspricht) genau mit dem, was tragen Sie Ihre militärärztliche Untersuchung. Der stellvertretende Militärinspekteur der freiwilligen in unserer Notiz gefagt tvar. Also: es ist nicht wahr, daß die den Mietsvertrag gebunden.. 160. 1. ur die Hälfte. 2. Die Er Krankenpflege gibt bekannt: Firma 35-40 m. pro Monat angeboten hat oder zahlen missionstlage tönnte gegen Sie eingereicht werden. Sie tönnen aber AusWarthestr. 70. Bei voller BérAußer den bereits durch das Königliche Kriegs- wollte; wahr ist vielmehr, daß sie die Damen lediglich gefragt fegung des Verfahrens beantragen. ministerium zur Unterstützung des Kriegssanitätsdienstes zu hat, wieviel fie verlangten. Hiernach ist es nicht schwer, pflegung 2,50 M. Die Anzahl bestimmt sich nach den vorhandeuen Räum lichkeiten. Wenzel 104, 1. und 2. Unseres Erachtens nein. gelassenen Organisationen läßt sich eine weitere Zulassung sich die ganze Situation auszumalen. Der Vollständigkeit halber. B. 1865. 1. Auch für das uneheliche Kind find 6 m. monatlich zu wird mancher gern wissen wollen, wieviel ba berlangt wurde zahlen. Ihre Tochter son den Antrag auf Unterstügung bei der für ihre bon Vereinigungen als solche zurzeit nicht ermöglichen. Wir sind darüber nicht Wohnung zuständigen Steuertaffe ftellen. Boraussetzung für die UnterDagegen werden alle Personen, welche sich in den und wieviel schließlich die Firma gibt. Dienst der freiwilligen Krankenpflege stellen wollen und unterrichtet und hätten erwartet, daß gerade darüber die Firma fich stützung ist jedoch, daß der einberufene Erzeuger des Kindes auch Unterhalstoften gezahlt hat. 2. Auch wir raten, beim Amtsgericht den Antrag A. M. 910. 1. Ja. auf Erlaß einer einstweiligen Berfügung zu stellen. hierfür als geeignet befunden werden, ohne Unterschied der nicht ausgeschwiegen hätte. Stonfeffion und ihrer politischen Stellung, jederzeit Ver- Neukölln und die Sorge für die Familien Einberufener. durchführen. 2. Unseres Erachtens nein. wendung finden können. machen. Im Reichstagsgebäude befindet sich eine Auskunftsund Meldestelle, von welcher gebeten wird, Gebrauch zu Auch schriftliche Meldungen sind an diese Meldestelle im Reichstagsgebäude zu richten. Sanitäre Maßnahmen der Charité. Zur Pflege und Heilung Verwundeter sind bereits 800 Betten aus ihrem Bestande bereitgestellt. Dazu kommen noch 200 Betten aus der Universitäts- Bahnpoliklinik, die der Charité nicht angegliedert ist. Im ganzen stehen also 1000 Betten zur Verfügung. Die Entbindungsanstalt der Charité bleibt auch für die Kriegszeit geöffnet. Ein Gerücht wollte wissen, daß sie geschlossen werde. Das trifft aber nicht nur nicht zu, sondern die Anstalt wird im Gegenteil noch erweitert, damit auch Frauen von Männern, die im Felde stehen, sie aufsuchen und benutzen können. Auch für eine etwaige Seuchenbekämpfung hat die Charité schon im voraus Vorkehrungen getroffen, damit im Notfall, der hoffentlich nie eintreten wird, alles bereit ift. Die Neuköllner Stadtverordnetenversammlung bewilligte in ihrer gestrigen Stzung 1 Million für Zuschüsse zur staatlichen Familienunterstützung und zur Bestreitung der anderweitigen Unkosten, die durch den Krieg hervorgerufen werden, eine weitere Million. Eine Kriegsnotstandskommission, bestehend aus 18 Stadtverordneten, wurde eingesetzt. Die Kommission soll die Zuschüsse festsetzen und alle diejenigen Maßnahmen treffen, um sonstigen etwa auftretenden Notständen schleunigst und wirksam zu begegnen. Die Generalversammlung des Neuköllner Wahlvereins findet heute nicht statt. Der Charlottenburger Elternverein für freie Erziehung macht darauf aufmerksam, daß Mittwochs- und Sonntagsausflüge nicht mehr stattfinden. Zeugengesuch. Personen, die am Sonntagnachmittag in einem Restaurant Neue Promenade 5, Zeugen eines Gesprächs über die Striegsereignisse waren, insbesondere die auf einem Wege nach dem Friedhofe begriffenen Damen werden um Angabe ihrer Adressen an Goldbach, Voltastr. 1, ersucht. Eine Räumungsflage fönnte aber der Bermieter unseres Grachtens nicht Amtlicher Mark tbericht der städtischen Matftballen- Direktion über den Großhandel in den Bentral- Markthallen.( Ohne Verbindlichkeit) Montag, den 10. Auguft. Fleisch: Rindfleisch per 30 kg Mart: Dchsenfleisch la 81-90, bo. Ila 77-80, bo. IIIa 65-76; Bullenfleisch Ia 75-85, bo. Ila 68-74; ühe, fett 55-68, bo. mager 45-55, Freffer 75-78, Kalbfleisch: Doppellender 105-130; Majträlber Is 95-105, bo. IIa 78-90; tälber ger. gen. 50-65. Hammelfleish: Mastlämmer 92-95; Hammel Ia 81-91, bo. Ila 73-80; Safe 78-84. Schweinefleisch 65-71. Gemüse, inländisches: Kartoffeln, neue weiße Magdeburg. 5-5,50, weiße staiserkronen 5-5,50; Borree Schod 0,60-1,10; Spinat 50 kg 13,00-20,00; Schoten 15,00-25,00; Mohrrüben 50 kg 2,50-4,00; Bohnen 50 kg 8,00-18,00; Bachsbohnen 50 kg 15,00-25,00; Stohlrabi Schod 0,60-1,00; Wirsingtohl'chod 3,00-10,00; Beißfobl Schod 3,00-10,00, Rotfohl, Sod 4-11; Rohlrüben Sched 3-5; Meerrettich Schod 8,00-15,00, bo. 50 kg 16,00; Beterfilienwurzel Schodbund 1,00-3,00; Radieschen Schodbund 0,70-1,00; Salat Shod 2,00 bis 8,00; Siebeln, 50 kg 11,00-12,00; Tomaten 50 kg 10,00-15,00; Pfefferlinge 50 kg 30,00-35,00; Buff bohnen 50 kg 7,00-10,00. Gurfen Schod 6,00-6,50. Sensgurlen Schock 20,00 M. Wetteraussichter für das mittlere Norddeutschland bis Mittwochmittag: Bunächst überall sehr warm und vorwiegend beiter. Später, besonders im Rüftengebiete von Besten nach Often fortschreitenbe Trübung und Abkühlung. Strichweise Gewitter.