Nr. 224.6lamebmalen binusd Abonnements- Bedingungen: bonnements. Breis pränumerando: Bierteljährl, 8,30 m, monatl. 1,10 ML wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Rummer 5 fg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Post. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblatt. 31. Jahrg, Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Staum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedrudte Wort 20 Bfg.( zuläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengefuche und Schlafftellenan zeigen das erste Bort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1983. Die Völker und der Krieg. Alle sagen dasselbe und beteuern es mit gleicher Leidenschaft: daß sie den Krieg nicht gewollt haben, daß sie zu ihm nur gezwungen wurden, daß sie nur in der höchsten Notwehr gehandelt haben, als sie den Krieg erwählten. In einem gewissen Ausmaß mag das sogar bei allen der Fall sein. Denn feiner von den fünf großen Militärstaaten, die mun in einem Ringen auf Tod und Leben begriffen sind, wird sich darüber im unklaren befinden, was ein moderner Krieg bedeutet, was mit ihm aufs Spiel gesetzt wird, was da auf des Messers Schneide gestellt wird. Die Wahrheit wird wohl sein, daß alle den Frieden bewahren wollten", alle aber auch mit dem Kriege rechneten, mit dem Kriege, der von ihnen ausgehen solle. Aber wir vernehmen heute noch andere Versicherungen. Wir hören, daß das Volk in England den Krieg nicht wollte, nicht will, ihm ohne jede innere Teilnahme, wenn nicht mit Widerwillen entgegensieht. Wir hören, daß das Volk in Frankreich von der Kriegserklärung aufs peinlichste überrascht worden ist, daß feine Kriegsbegeisterung herrscht, daß die Stimmung bei den großen Massen gedrückt ist. Wir hören, daß die Bauernmassen in Rußland geradezu verzweifelt sind, da sie der Befehl zur Einrückung trifft; wir hören dasselbe auch bon Serbien, wo sich das einfache Volk gegen die Wahnsinnspolitik der Belgrader Kriegshezer in hellem Aufruhr befindet. Und wie war es in den deutschen Landen? Daß heute überall die feste Entschlossenheit waltet, sich der Feinde zu erwehren und die Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes zu behaupten, hebt die Tatsache nicht auf, daß die Stimmung des überwiegenden Teiles der deutschen Nation von den allezeit lärmenden nationalistischen Schreiern und Rüstungsintereffenten abgesehen vor Kriegsausbruch eine friedliche war, daß sich das deutsche Volf aus feiner leichtfertigen Berblendung zu dem Kriege gedrängt hat. Heute hallt es von Kriegsgeschrei in ganz Europa, und doch ist es wahr, daß das Volf überall bereit war, im ehrenvollen Frieden zu leben, die Segnungen der friedlichen Entwickelung zu pflegen, daß es feinem Volfe, bevor der Weltkrieg entbrannt war, eine Sehnsucht nach dem blutigen Ringen sichtbar ward. Die Völker waren friedlich, die Völker begehrten nicht nach dem Kriege: und doch ist er ausgebrochen, doch erleben wir ihn in seiner ganzen furchtbar- schrecklichen Gewalt. Wie ist das zu erklären und zu begreifen? Ge Dienstag, den 18. August 1914. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplak, Mr. 1984. Die Kriegsereignisse. Vom westlichen Kriegsschauplah. Der Kampf um die Lütticher Forts. In der Frankfurter 8tg." wird folgende Darstellung von dem Ringen um die Forts von Lüttich gegeben: Vom österreichisch- serbischen KriegsSchauplah. Der Ausgang der Kämpfe an der Drina in öfters reichischer Darstellung. Wien, 16. August.( W. Z. B. Meldung des Wiener K. K. „ Nach den bisher vorliegenden Berichten scheint es sich um zwei Angriffe gehandelt zu haben. Der erste Vorstoß wurde gegen Tel.- Korresp.- Bureaus.) Die gestern gemeldeten Kämpfe an der Drina das Fort Barchon angesetzt, und zwar brangen um 112 Uhr vor- haben zu einem entscheidenden Siege unserer Truppen über starke mittags deutsche Truppen unter dem Feuer ihrer Artillerie kühn feindliche Kräfte geführt, die in der Richtung auf Baljewo zurüdgegen das Fort Barchon an. Inzwischen dehnte der deutsche geworfen wurden. Zahlreiche Gefangene wurden gemacht und viel Führer seine Angriffsfront auf den ganzen Nordostsektor aus, so Kriegsmaterial erbeutet. Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem daß gleichzeitig die Forts Barchon, Chaudfontain und Embourg Gange. Unsere Truppen haben mit bewunderungswürdiger Tapferkeit angegriffen wurden. Die Angriffsfront wurde dann im Laufe gegen den in starken Stellungen befindlichen, an Stärke ebenbürtigen des Abends auf fämtliche Forts auf dem rechten Maas- Feind gekämpft. Besondere Erwähnung verdient das Barasdiner ufer ausgedehnt. Gleichzeitig Gleichzeitig stießen Kolonnen in die Infanterieregiment Nr. 16, dessen Offiziere und Mannschaften unter Stadt Lüttich bor, bie feine Umwallung besitzt, und den schwierigsten Verhältnissen mit der altbewährten zähen Zapferkeit zwangen die dort stehenden belgischen Truppen zum Rückzug auf das der stets kaisertreuen Kroaten zum Siege stürmten. Ausführliche linke Maasufer. Als erste stieß Reiterei in die Stadt vor, die zuerst Nachrichten über den Verlauf der Kämpfe und über die erbeuteten in dem allgemeinen Durcheinander für englische gehalten wurde, Trophäen werden folgen. und die tatsächlich bis an das Haus des Kommandanten gelangte. Hier wurde sie jedoch erkannt und beschossen, so daß es General Die„ Südslavische Korrespondenz" meldet aus SeraZeman gelang, zu entkommen. Inzwischen scheint zuerst das Fortie wo: Auf Befehl des Militärkommandos werden in den Embourg nachgegeben zu haben, und nachdem so eine Lüde ge auf den bosnischen Linien-verkehrenden Militärzügen Geiseln brochen war, wurde Fort nach Fort einzeln genommen, indem man Erschoffene Geifeln. die schweren Batterien des Feldheeres gegen die einzelnen Forts mitgeführt, die mit eigener Person für die Sicherheit des konzentrierte und diese dann zusammenschoß. Am dritten Tage Buges zu garantieren haben. In der Nähe von Rubanka war der gesamte Fortgürtel in den Händen der deutschen Truppen. Die Anordnung und Durchführung des Angriffs war mufter gültig, und wenn er auch Opfer gekostet hat, so darf man doch nicht außeracht laffen, daß diese nicht annähernd mit denen zu vergleichen sind, die eine reguläre Belagerung gekostet hätte, um so mehr, als die Forts mit allen modernen Betonbauten und Panzerkuppeln ausgestattet waren." Was die Belgier sagen. Am 10. Auguft wurde von der belgischen Regierung folgendes Telegramm herausgegeben: besten." An der Ostgrenze. Eine deutsche Warnung an Rußland. Die Antwort ist einfach: weil die Völker ihre Schicksale " Nach fünftägigen Rämpfen hat die deutsche Armee für den felbst nicht bestimmen. An diefer fundamentalen Tat- Augenblid ihre Angriffe auf Lüttich abgebrochen. Alle Forts waren fache ändert die jeweilige Regierungsform gar nichts. Frank- heute um 11 Uhr vormittags in den Händen der Belgier, aber die reich ist eine Republik, in der das Volk scheinbar mit fouve- Stellungen sind umringt. Die Stadt selbst ist besetzt, weil die räner Macht gebietet; aber das Volk ist nicht einmal gefragt Deutschen sich durch die zwischen den Forts liegenden Zwischen worden, ob es das Bündnis mit dem russischen Despotenstaat räume durchdrängen fonnten. Die Mobilgarden haben sich in will, es hat den Inhalt dieses Bündnisses nie erfahren, der guter Ordnung mit unserer Feldarmee vereinigt, und der Zusammen Arieg war schon entschieden, ehe die Kammern berufen wurden. fchluß zwischen den belgischen und franzöfifchen Truppen ist ein vollDie Engländer landen in Frankreich in der Nähe der m britischen Reiche regiert das Parlament; aber von den ständiger. Die Hoffnungen unseres Generalstabes sind die Verabredungen mit Frankreich und Rußland hat dieses all belgischen Küste. mächtige Unterhaus erst einige Stunden vor der Kriegserklärung gehört. Zwischen Krieg und Frieden liegt sachlich eine Welt; zeitlich scheiden sie sich aber immer nur durch Stunden. Bevor das Volk in England und in Frankreich, wo es nach der Machtverteilung sein Gewicht vielleicht in die Wagschale werfen könnte, sprechen hätte können, bevor es sich übr den Umfang der Gefahr halbwegs flar werden konnte, war der Krieg da; die Handvoll Politiker, geradezu eine Clique von Drahtziehern, hatte die Entscheidung schon herbei- Warnung an Rußland: geführt, bevor sich das Volk erst aufraffen und zum Widerftand ermannen konnte. it aber einmal die Entscheidung ge- Kenntnis der russischen Regierung gebracht worden: fallen, stehen wir im Kriege, so ist freilich alles Zweifeln und Schwanken ausgeschlossen. Denn wie man in den Krieg auch hineingekommen ist, ob es ein Krieg ist, der gleichsamt aus der Notwendigkeit der Entwickelung entspringt, oder ein Krieg, der aus Leichtsinn herbeigeführt worden ist, ein gerechter oder ein ungerechter Krieg also, um diese für ein Weltgeschehen freilich nicht ganz zutreffenden Bezeichnungen zu gebrauchen: ist der Krieg einmal da, so muß er auch von denen, die ihm Berlin, 17. August.( B. T. B.) Die Norddeutsche allgemeine Zeitung" veröffentlicht nachstehende deutsche Durch Vermittelung einer neutralen Macht ist folgendes zur wurde nun auf einen passierenden Zug geschossen. Daraus hin wurde der im Zuge befindliche Geisel Todor Rijic aus Rivakar bei Bosnisch- Brod sofort standrechtlich hingerichtet. Gracanica, der als Geisel gestellt worden war, unternahm Der serbische Pope Gjorgje Petrovic aus Osecani, Bezirk einen Fluchtversuch. Er wurde von der Patrouille erschossen. Vom österreichisch- montenegrinischen Kriegsschauplate. Desterreichischer Angriff zu Wasser und zu Land. Cetinje, 17. August.( W. T. B. Meldung des Pressebureaus.) Die montenegrinischen Truppen kämpfen seit zwei Tagen in der Umgebung. des Berges Lisanih in der Gegend von Grahovo gegen bedeutende österreichische Streitkräfte. Dic Verluste der Montenegriner in diesem Kampfe betragen bisher 45 Lote und Verwundete. Das 16. österreichische Armeekorps greift die Westgrenze Montenegros auf der Linie Krivace- Grahovo an. Das 15. österreichische Korps marschiert auf der Linie TschainitsyGatsko. Die österreichische Flotte bombardiert die montenegrinischen Stellungen auf dem Lovcen. Der Seekrieg. England und die internationale Schiffahrt. " Nach der Kopenhagener Politiken" vom 12. Auguft hat Die Meldungen aus unserem östlichen Grenzgebiet berichten Sir Edward Grey an den britischen Gesandten in Kopenhagen übereinstimmend, daß die russischen Truppen, wo sie preußisches Ge- folgendes Telegramm geschickt: biet betreten haben, gegen Ortschaften und deren wehrlose Einwohner„ Die Deutschen legen überall in der Nordsee Kontaktminen fengend und plündernd vorgegangen sind. Besonders schwere Aus- aus, ohne daß sie Rücksicht auf die dabei entstehende Gefahr für schreitungen sind aus den Gegenden von Schirwindt, Lyd und Handelsschiffe nehmen. Vor zwei Tagen beobachtete man vier Soldau gemeldet. große Handelsschiffe, die weniger wie eine englische Meile von der Stelle entfernt fuhren, wo der Dampfer„ Amphion" gesunken iſt. Deutschland erhebt vor der Deffentlichkeit Einspruch gegen Das Fahrwasser in der Nordsee muß man deswegen als im höchsten Auf Grund dieses von deutscher Seite angewandten Verfahrens aus der Gesamtheit und Geschlossenheit ihrer Weltauffassung eine solche dem Völkerrecht zuwiderlaufende Art der Striegs- Grade gefährlich für Handelsschiffe aller Nationen betrachten. widerstreben, durchgehalten werden. führung. Denn wir wirfen nicht abseits und jenseits von Staate, Wenn durch sie die Kampfesweise einen besonders schroffen muß die britische Admiralität zur Selbstverteidigung( 1) schreiten die Arbeiter stehen nicht außerhalb der Nation, sie werden viel- Charakter annehmen sollte, so trifft Rußland dafür allein die Ber- und gleiche Mittel anwenden, die die Gefahr für die Schiffahrt in mehr, durch den kapitalistischen Prozeß, immer mehr fein geantwortung. der Nordsee absolut erhöhen müssen. Aber bevor die Admiralität wichtigster Teil. Darum ist das Geschick der Nation und zu diesen Mitteln greift, hat sie es für richtig angesehen, diese des sie ausdrückenden Staates auch für ihre mittelbare und Vom österreichisch- russischen Kriegsschau- Barnung auszusenden, so daß die Schiffe, die unter neutraler weitere Entfaltung von der größten Bedeutung. Aber das ist beileibe fein Widerspruch gegen die tragende Idee unserer Bewegung von der Solidarität der Arbeit, die keine Schrankenj bannen; das ist keineswegs die Aufhebung des Gedankens der Internationalität der Kultur, wie er leuchtend vor unseren| plate. Der österreichische Grenzschuk. Zukunft zurückhalten, um nicht in die Nähe dieser äußerst gefähr lichen Stellen zu kommen." In Esbjerg, von wo die meisten Schiffe die Reise nach England Wien, 16. August.( W. T. B. Meldung des Wiener anzutreten pflegen, hat nach der Politiken" das Telegramm an den Augen steht. Schon deshalb nicht, weil das heilige Recht, das K. K. Tel. Korresp.- Bureaus.) Die in einigen ausländischen Kopenhagener englischen Gesandten wie eine Bombe gewirkt. lleber die Internationale jedem Volfe zuerkennt, die Sozialdemo- Blättern erschienenen Nachrichten über angebliche russische Esbjerg geht faft der ganze Export Dänemarks an Lebensmitteln. fratie doch nicht ihrer eigenen Nation bestreiten wird! Der Erfolge in unserm Grenzgebiet stehen mit der Wahrheit in Das dänische Blatt schreibt dann weiter: Im Laufe des NachArieg ist das lekte Mittel", das Verzweiflungsmittel in dem vollstem Widerspruch. Die gemischten russischen Detachements, mittags traf in Esbjerg auf eine Anfrage in Kopenhagen bei der Machtkampf der fapitalistisch organisierten Staaten; aber den die stellenweise in dem unmittelbaren Grenzbereich einige bänischen Dampfschiffahrtsgesellschaft der Befehl ein, sämtliche Weg aufwärts und vorwärts vollzieht die Menschheit durch die Kilometer vorgerückt waren, sind bei Zaloste, Brody und Dampfer von der Abreise abzuhalten, was natürlich große AufBerke des Friedens, die allein zutage bringen, was an legter Sofal gleich wieder über die Grenze zurückgeworfen worden. regung unter den bort harrenden Passagieren hervorrief. Begabung im Boltsförber lebt. Wir zagen nicht im Kriege; Ihre Tätigkeit beschränkte sich überhaupt auf das Plündern Passagieren wurde gestattet, die Nacht an Bord zu verbringen, doch mit eiserner Straft wollen wir ihn bestehen, um die Bahn und Anzünden wehrlofer Grenzdörfer. Dagegen sind mehrere ist vorläufig jeder Passagier- und Frachtverkehr nach England frei zu baben für die geistige und fittliche Vervollkommnung unserer Kavallerietörper weit über die russische Grenze in das unterbunden. der Menschheitl Innere Rußlands eingedrungen. in Gang gesezt, um wenigstens die Waren vor dem VerDen Auf den Schiffen wurden die Eismaschinen derben zu schützen. Große Besorgnisse hegte man auch wegen der Dampfer, die auf der Nordsee unterwegs find. Der Wert, der Waren, die sich unterwegs befinden, wird auf Millionen angegeben. Die Vertreter der größten Exportfirmen und SchiffSreederrien in Kopenhagen haben eine Versammlung einberufen, die über die jetzt geschaffene Lage beraten soll.' Nach der gestern mitgeteilten deutschen amtlichen Meldung droht den Schiffen der neutralen Staaten keine Gefahr. Das»Berliner Tageblatt' weiß noch mitzuteilen, daß bisher weder im deutschen 'lüstengebiet der Ost- noch der Nordsee ein feindliches Kriegsschiff gesichtet worden sei. Seeminen und Völkerrecht. Die englische Regierung hat sich offenbar darüber beschwert, daß von der deutschen Flotte in der Nordsee Kontaktminen gelegt worden seien, die den neutralen Handel gefährdeten. Die deutsche Regierung hat demgegenüber die Erklärung abgegeben, daß sie nicht in der Nordsee solche Minen gelegt habe, sondern einzig und allein in der unmittelbaren Nähe der englischen K ü st e n. Nach den Bestimmungen deS Völkerrechts können hauptsächlich zweierlei Arten von Minen gelegt werden, nämlich Kontakt- minen, die verankert find, und unverankerte Minen der gleichen Art. Die unverankerten Minen können nach den Be- stimmungen der Haager Friedenskonferenz vom Jahre 1907 nur dann gelegt werden, wenn sie in kurzer Zeit automatisch unschädlich werden. Sie dürften also, wie Profeffor v. LiSzt In der �.Vossischen Zeitung" darlegt, hauptsächlich während einer Seeschlacht ausgestreut werden. Ein umfassen- derer Gebrauch wird hingegen von den verankerten 'lontaktminen gemacht werden. Solche Minen können nach den er- wähnten Bestimmungen der Haager Friedenskonferenz, die sowohl von England als von Deutschland ratifiziert worden sind, überall da gelegt werden, wo sie die feindliche Kriegsflotte be- drohen. Nur müssen sie so beschaffen sein, daß sie im Falle des Sichlosreißens unschädlich werden. Allerdings besteht die Bestimmung, daß solche Kontaktminen, das heißt Minen, die bei der Berührung durch den Schiffskörper von selbst explodieren, nur dort gelegt werden können, wo sie nicht ausschließlich den friedlichen Handelsverkehr bedrohen, I andern wo die Schädigung der Kriegsflotte in erster Linie in Frage kommt. Diese Bestimmung fft allerdings eme recht kautfchuk- artige, worauf seinerzeit bei der Haager Friedenskonferenz so- wohl von den deutschen als von anderen Delegierten hingewiesen worden ist, und zweifellos wird auch von jeder der kriegführenden Mächte die denkbar weite st« Auslegung in Anspruch ge- »ommen werden, sofern eS den Interessen der Parteien entspricht. Der Krieg unö Sie Kolonien. deutsche Verlufte in Togo. Berlin, 17. August. sW. T. 8.) In Togo ist bei eiuem Zusammenstoß mit überlegenen feindlichen Kräften Hauptmann Pfähler von der Polizeitruppe gefallen, außerdem find drei Deutsche: Sengmüller, Kohlsdorf uud Eb er t leicht verwundet. Kriegsbekanntmachungen. Zum Lanüfturm Aufruf. Die Einberufung des Landsturms ist, wie wir bereits dargelegt haben, nicht dahin aufzufassen, daß Landsturm oder unausgebildeter Landsturm schon jetzt zum Waffen- dienst einberufen werden solle. Das macht erneut z. B. der stellvertretende Kommandeur deS 9. Armeekorps mit dem Zusatz bekannt: »Die Landsturmleute sollen sich m»r bei ihrem Bezirk»- komniando zur Stammrolle anmelden. Ich warne dringend davor, schon jetzt den Beruf oder die Stellung aufzugeben. Ich hoffe und erwarte, daß die Arbeitgeber niemanden ihrer Arbeiter«at- lassen, vielmehr alles tun werden, stellenlose»rut« anzunehmen." In Berlin und Umgegend erfolgt die Anmeldung an den von uns und an den Säulenanschlägen angegebenen Stellen. Eine sofortige Einziehung bei der Meldung ist auch sur Berlin nicht beabsichtigt. Zortöauer öes Krieges mit öelgien. Dls„Norddeutsche Allgemeine Zeitung' teilt mit: Nach der Einnahme von Lüttich hat die d e u t s ch e N e g i e r u n a durch Vernüttelung einer neutralen Macht in Brüssel folgendes mitteilen lassen: .Die Festung L ü t t i ch ist nach tapferer Gegenwehr im Sturm genommen worden. Die deutsche Regierung bedauert es aufs tiefste, daß es infolge der Stellungnahme der belgischen Re- gierung gegen Deutschland zu blutigen Zusammenstößen ge- kommen ist. Deutschland kommt nicht als Feind nach Belgien. Nur unter dem Zwangder Verhältnisse hat eS angesichts der militärischen Maßnahmen Frankreichs den schweren Entschluß fassen müssen, in Belgien einzurücken, und Lüttich als Stützpunkt für feine weiteren militärischen Operationen besetzen müsse». Nachdem die belgische Armee in heldenmütigem Widerstand gegen die große lleberl egenheit ihre Waffenehre auf das glänzendste gewahrt hat, bittet die deutsche Regierung S. M. den König und die belgische Regierung, Belgien die weiteren Schrecken des Krieges zu ersparen. Die deutsche Re- gierung ist zu jedem Abkommen mit Belgien bereit, das sich irgendwie mit Rücksicht auf ihre Auseinandersetzung mit Frank- reich vereinigen läßt. Deutschland versichert nochmals feierlichst, daß eS nicht von der Absicht geleitet gewesen ist, sich belgisches Gebiet anzueignen, und daß ihm diese Absicht durchaus fernliegt. Deutschland ist noch immer vereit, das belgische Königreich unverzüglich zu räumen, sobald die Kriegslage es ihm gestattet." Die darauf am 13. August eingegangene Antwort Belgiens hat folgenden Wortlaut: .Der uns von der deutschen Regierung unterbreitete Bor- schlag wiederholt die in dem Ultimatum vom 2. August svrmu- lierte Forderung. Getreu seinen internationalen Verpflichtungen kann Belgien nur seine Antwort auf dieses Ultimatum wieder- holen, um so mehr, als feit dem 3. August seine Neutralität ver- letzt und ein schmerzvoller Krieg in sein Gebiet getragen worden ist und die Garantiemüchte loyal und unverzüglich seinem Hilfe- ruf entsprochen haben," i der Protest öer englischen /irbeiterpartei gegen öen Krieg. Erst jetzt erfährt man Näheres über die UnterhauSfitzung vom 3. August und den kräftigen Protest, den die Wortführer des eng- fischen Proletariats gegen die kriegerische Pofitik Sir Edward Grehs erhoben haben. Der Führer der Arbeiterpartei, Ramsay Macdonald, führte aus: »Brey hat davon gesprochen, was.Englands Ehre" erfor- - derte. Es gibt wohl keinen Krieg, auch nicht den verbreche- r i s ch st e n, für den nicht Staatsmänner die Ehre der Nation berufen hätten. So war es mit dem Krimkrieg, so mit dem Burenkrieg, und so i st e s j e tz t. Was hat es für einen Sinn, zu sagen, daß wir Belgien helfen müßten, wenn wir in Wahrheit uns in einen Krieg einlassen, der Europas Karte ändern muß? Greh hat nicht ein Wort von Rußland gesprochen; aber man möchte auch gern darüber ein Wort hören. Wir möchten eine Vorstellung davon haben, was geschehen wird, wenn die Macht in Europa an Rußland übergeht. Unsere Freundschaft mit Frankreich, auch so wie Greh sie schildert, kann keins der Länder berechtigen, sich um des andern willen in einen Krieg einzulassen. Der Gedanke, daß Frankreich in Gefahr käme, aus Europa vertilgt zu werden, daß es nicht mehr seine Rolle in der Zivilisafion spielen könnte, ist eine absolute Absurdität; Grey hatte ja auch gesagt, daß Frankreich imstande wäre, sich selbst zu verteidigen. Aber der Gedanke selbst ist eine Ungereimtheit und kann keineSloegs ein Eingreifen in den Krieg von unserer Seite rechtfertigen. Ich weiß, daß wir die Majorität des Hauses gegen uns haben; aber so war es auch beim Burenkriege, und daraus folgte der große Umschlag - von 1906. Wir bereiten uns nun daraus vor, dasselbe durch- zumachen wie damals. Was auch geschehen mag und welchen An- griffen wir auch ausgesetzt sein mögen, so werden wir doch immer wieder sagen, daß England hätte neutral bleiben müssen, weil wir aus innerstem Herzen überzeugt sind, daß dies das Richtige gewesen ist und das Einzige, das mit der Ehre der Nation und den Traditionen der jetzigen Re- gierungspartei übereingestimmt hätte." Im selben Sinne sprach mit großem Nachdruck der alte verehrte Führer der englischen Sozialisten, Genosse Keir Hardie, aber auch eine Reihe Radikaler. So sagte der bekannte Friedensfreund Morell: .Wenn wir jetzt in den Krieg gehen, so hm wir das ebenso sehr, um den russischen Despotismus zu bewahren wie um Deutschlands ehrgeizige Pläne zu brechen. Und so wenig Sympathie ich für Deutschland und deutsche Re- giermigsmethoden habe, so habe ich doch noch geringere fiir Ruß- land und russische Regierungsmethoden." In ähnlicher Woise sprach der Liberale P o n s o b y, Campbell- Bannern, ans Nachfolger in Sfirling Burghs:„Wir stehen vor einem großen Kriege, und es ist widerwärtig, zu sehen, wie sich Leute leich- ten Herzen? darein finden. Das Kriegsfieber hat schon begonnen." Andere Redner wiesen auf die Not und da» Elend für den ärmeren Teil de» Volkes hw, die der Krieg im Gefolge hätte; wenn der Hunger käme und die Massen nicht Brot kaufen könnten, würden sie et selbst nehmen, und dann stände dir Revolnfion vor der Tür. Diese Reden der Oppofifion geben doch ein wesentlich anderes Bild von der Sfimmung de» Unterhauses als die Wolff-Bureau- Meldung, die nur den Teil von Macdonalds Rede enthielt, der den Schutz der belgischen Reutrafität billigte und deshalb wie ein An- schluß an Greh aussehen konnte. die Kuthenen gegen öen Aarismus. Die Ruthenen Oesterreichs haben einen„Ukrainischen Nationalrat" gebildet, der einen Aufntf zmn Kampf gegen den Zarisums erläßt. Es heißt m diesem Aufruf: Ukrainische Nation! ES naht ein historischer Augenblick. Da» Schicksal der Staaten und Völker soll entschieden Verden. Die Bemühungen der Dipl»- matte vermochten den Frieden in Europa nicht zu erhallen. Ein Kriegssturm zieht über Europa her und nichts häll ihn auf. Dieser Swrm zieht besonder» über die Staaten her, in denen da» ukrai- nische Volk lebt, da» zu diesen Völkern gehört, die nnter den Folgen de» Krieges werden am meisten zv leiden habe». In diesem Augenblicke muß daS Volk, da» leben will, einen Gedanken und einen Willen haben nnd diesen Willen in«ine Tat umsetzen, die die Geschichte der Staaten and Völker beeinflussen könnte..... Wir sind keine Anhänger deS Kriegs und hallen mit der ganzen Kulturwelt den Frieden für das kostbarste Gut der Menschheit, aber es gibt in der Geschichte der Staaten und Völker Augenblicke, wo der Krieg unvermeidlich erscheint. Wenn wir aber den Krieg nicht abwenden können, so müssen wir dafür sorgen, damit die Opfer, die er von uns fordert, nicht vergeblich sind, damit daS Blut der Väter den Söhnen Gewinn bringe. Der Weg dahin ist klar. Den Krieg wünscht sich der russische Zar, der Mein« Herrscher des Imperiums, das immer als Feind der Ukraina auf» trat. Die russischen Zaren brachen den Vertrag von PerejaSlaw, worin sie sich verpflichtet hatten, die Selbständigkeit der Ukraina zu wahren und knechteten die freie Ukraina. Seit drei Jahr- Hunderten verfolgt das Imperium der Zaren die Polittk, um der geknechteten Ukraina ihr nationales Ideal zu nehmen und daS ukrainische Volk zu einem Teil« des russischen Volkes um- zubilden. Ein llkas des Zaren raubte dem ukrainischen Volke fem höchstes Recht auf die Muttersprache. In Rußland sind die Ukrainer gegenwärtig da» am meisten geknechtet« Volk... Die Unersättlichkeit des russischen Imperiums bedroht auch unser nationales Leben. Der geschichtliche Feind der Ukraina kann nicht ruhig zusehen, daß er noch nicht die ganze Ukraina beherrscht, daß nicht das ganze ukrainische Volk von ihm geknechtet wird, daß eS noch einen Teil des ukrainischen BodenS gibt, wo das ukrainische Volk seiner Rechte nicht enthoben ist und sich national entwickeln kann. Indem Rußland zum Kriege mit der öfterreichffch-ungarischen Monarchie schreitet, droht eS da» ukrainische nationale Leben zu vernichten, daS von den konstitutionellen Gesetzen des österreichischen Staates geschützt wird. Der Sieg Rußlands würde das ukrainische Volk in der österreichisch-ungarischcn Monarchie dasselbe Joch bringen, daS auf 30 Millionen des ukrainischen Volkes im russischen Imperium lastet. Deshalb ist unser Weg klar. deutschfeindliche sluslandsmelduugeu. Berliu» 17. August.(SB. T. B.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" gibt folgende Zusammenstellung deutsch. feindlicher AuSlandsmeldungen: Seit Ausbruch des Krieges hat unsere Presse Tag für Tag Unwahrhaftt gleiten festgenagelt, die, von feineren Tricks bis zum faustdicken Schwindel, im Auslande gegen uns verbreitet werden. Wir geben nachstehend noch eine Blütenlese: Pariser New Jork Herald: Dem amerikanischen Botschafter in Berlin wurde die Berichterftatwnz an seine Regierung über lln» ruhen in Berfin verboten. Londoner Times: Diese Untersagung des diplomatischen Verkehrs mit Washington beweist ein vom normalen Zustand weit ent- ferntes Benehmen Deutschlands gegen amerikanische Bürger und Botschafter. Reutermeldung aus Brüssel: In Berlin ernstliche sozialdemo- kratffche Unruhen. Brüsseler Meldungen an holländische Blätter: Die deutschen Truppen benutzen elsässtsche Frauen und Kinder als Avantgarde. Pariser und Londoner Ausstreuungen in skandinavischen und italienischen Blättern: Abgeordneter Liebknecht erschossen, weil er sich weigerte, seine Pflicht als Reserveoffizier(I) zu erfüllen; Rosa Luxemburg erschossen, weil sie einberufene Militärpflichttge zur Fahnenflucht überreden wollte; auch andere Sozialdemokraten er- schössen, weil sie nicht am Kriege teilnehmen wollten. Londoner Preßmeldungen vom 14. August: Bei Belfort eine Million Franzosen, wovon Teile die schweizerische Grenze über- schritten und Basel besetzten. Russische Mobilmachung vor dem Abschluß. Am 16. August werden zwei Millionen Russen gegen Deutschland und Oesierreich-Ungarn bereit sein. In Bessarabien wurden sechs österreichische Kavallerieregimenter vernichtet, lieber 600 000 Russen an russisch-türkischer Kaukasusgrenzc. Am englischen Konsulat in Konstantinopel amtlich ausgehängt am 15. August: Große Seeschlacht in der Nordsee stattgefunden, wo- bei 22 deutsche und 4 englische Schiffe gesunken. General French landete Belgien und vernichtete gemeinsam mit belgffcher Armee deutsches Eliteregiment. Usw. Es ist Borkehrung getroffen, daß alle mit Berlin in Verbindung gebliebenen Stellen des auswärtigen Dienstes über solche Lügen täglich Bericht erstatten und daß ihnen für die Gegenwehr geeignete Weisungen fortlaufend zugehen. die deutschen unö Gefterreicher in Rußland. Petersburg, 16. August.(W. T. B. Meldung der Peters- burger Telegraphen-Agentur.) Gegenüber der im Auslande ver- breiteten Nachricht, daß die deutschen und öfter- reichisch«ungarischen Reservisten und sonst irgendwie Heerespflichttgen nach Sibirien gebracht werden sollen, ist die Petersburger Telegraphen-Agentur ermächttgt, zu erklären, daß alle diese fremden Untertanen bis zu Endo des Krieges ausschließlich in einigen östlichen Provinzen des europäischen Rußlands ihren Wohnsitz erhalten werden, daß aber keiner nach Sibirien verbannt worden ist. der Zar verläßt Petersburg. Petersburg, 17. August.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Der Kaiser und die Kaiserin sind mit dem Großfürsten-Thronfolger und den Kaiserlichen Töchtern gestern nach Moskau abgereist. die Neutralität Spaniens. »erli«, 18. August.>W. T. B.) DiespauischeRegierung hat durch den hiefigen Botschafter Exzellenz Polo de Bernabi der deutschen Regierung amtlich mitteilen lasse», daß Spornen in dem gegenwärttgen Kriege strikte Neutralität befolgen wird. dergarbeiterftrelt in Wales! Zürich, 17. August. Einem Privatbriese, der am 2 August in Cardiff abging, ist nach der.Züricher Zeitung' zu entnehmen, daß die Bergarbeiter von Wale» den Au» st and beschlossen haben für den Fall, daß die von ihnen zutage geförderte Kohle für einen Krieg Verwendung finden sollt«. Die Kohlen V»« Wales gelten als da» beste Feuerungsmaterial für Kriegsschiffe uud ihre Ausfuhr ist daher vor einiger Zeit von der englischen Re- gierung verboten worden,(„Köln. Ztg.") Statiftik öes Weltkriegs. Durch die ftanzöfisch« und englisch« Kriegserklärung ist die Zahl der Kriegserklärungen auf elf gestiegen. E» befinden sich im Kriege: Oesterreich-llugam. mit 61,4 Millionen Einwohner Deutsches Reich... 66,8«» Rußland...... 167,» Großbritannien.., 423»„ Frankreich..... 39,6,» Bclflicn...... 7,4.. Serbien...... 4,6»» Montenegro.,._ 0,8 Summe 760 Millionen Einwohner. Der Einfluß öes Krieges auf öen Grunöstucksmarkt. Während die schädigenden Wirkungen eines Krieges auf die Warenerzeugung und den Warenhandel ohne weiteres klar liegen, ist eS viel schwerer, fich ein Bild von den Folgen kriegerischer Ver- Wicklungen für den Grundsiücksmarkt zu machen. So weit die Neu- Herstellung von Gebäuden in Frag« kommt, find die Wirkungen die gleichen wie bei der Produktton überhaupt: durch die Mobilmachung wird dem größten Teil der Bauarbeiter die Ausübung ihres Berufs unmöglich gemacht. Zu dem Mangel an gelernten Arbeitern gesellt sich zudem der Mangel an Baumaterialien, der durch die Inanspruchnahme aller Verkehrs- mittel durch die Truppen und durch Betriebseinschränkungen im Baumaterialgewerbe hervorgerufen wird. Auch die Kapitals- befchaffung unterliegt bei der Herrschenben Geldknappheit noch weit größeren Schwierigkeiten, al» e« schon in den letzten Jahren ge- scheheu ist. Man wird ohne Einschränkung von einer Unmöglichkeit sprechen können, überhaupt Hhpothekengelder zu beschaffen. Die Ver- Hinderung der Bautätigkeit hat dann ohne weiteres auch zur Folge, daß der Verkauf von(unbebauten) Grundstücken ruht, Die Wirkungen des gegenwärtigen Krieges sind um so ein- schneidender, als der Kriegsbeginn gerade in den Sommer, die Hauptbanzett, fällt. Die Banarbetterfchast wird dadurch ganz de« 'anders getroffen, da mit den nichtdienstpflichtigen gelernte» Bau- arbeitern auch die zahlreichen Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen brotlos werden. Um so dringlicher mufj die Forderung erhoben werden, daß wenigstens der Staat und die Gemeinden ihre Bautätigkeit zum Teil aufrecht erhalten. Schon in den letzten Jahren war die Bautätigkeit in den meisten deutschen Großstädten recht gering. Die Ursachen dafür lagen wesentlich in der Gestaltung des Geldmarktes. Nur wenn auf dem Geldmarkt Kapitalüberfluß herrscht, fließen dem Baumarkt Gelder zu. Die Geldknappheit und Geldteuerung infolge der ständigen politischen Unsicherheit und die Maßnahmen der Reichsbank zur Erhöhung der finanziellen Kriegsbereitschaft Deutschlands hatten auch die Privatbanken veranlaßt, gewährte Kredite vom Baumarkt znrück- Zuziehen und keine neuen zu gewähren, was bekanntlich zum Zu- iammenbruch zahlreicher Bauunternehmungen und zu Einschränkung der Bautätigkeit geführt hat. Darüber hinaus hat die Geldteuerung aber auch den Hausbesitzerstand in eine schwierige Lage gebracht, da ihm zahlreich Hypotheken gekündigt wurden, während die Neubeschaffung von Kredit erschwert war. Besonders deutlich Zeigen sich diese Vorgänge an der Geschäftstätigkeit der Hypothekenbanken. Die von diesen Banken gewährten Hypotheken erfahren seit 1312 nur noch eine schwache Zunahme, weil sie die von ihnen ausgegebenen Pfandbriefe nur in geringem Umfang absetzen konnten. Die Wirkung des Krieges auf die in Grundstücken festgelegten Kapitalien ist natürlich von besonderem Jntereffe. Soweit die un- bebauten Grundstücke in Frage kommen, ist vor der Hand eine Ver- Wertung nicht zu erwarten. Die Verhältnisse liegen diesmal noch ungünstiger als in den Kriegsjahren 1870/71. Damals fiel in Berlin die prozentuale Zunahme der bebauten Grundstücke von 2,13 Proz. 'mFahre 1883 aufv.IvProz. im Jahre 1870und 1.04 Proz.imJahre 1871. Die wenn auch geringe Zunahme wurde durch den Bevölkerung?- Zuwachs nötig. Jetzt ist mit einem Bevölkerungswachstum aber keineswegs zu rechnen. Wenn von 1861/1868 bis 1867/1871 die Zahl der Neubauten in Berlin von 2421 auf 1789, also fast um ein Drittel fiel, so ist diesmal eine noch größere Abnahme zu erwarten. Die Befitzer der bebauten Grundstücke haben unzweifelhaft mit einem beträchtlichen MieteauSfall zu rechnen. Auf der anderen Seite aber wird der Hausbesitzer vom Hypothekengläubiger bedrängt, der die Zahlung der Zinsen verlangt und in dieser Zeit ast auch zur Kündigung der Hypotheken schreitet. Auch hier gc- währen die gesetzlichen Maßnahmen einen größeren Schutz, so daß der Zwangsverkauf nur selten eintreten kann. Aber es ist unzweifel- hast, daß ein gesetzlicher Zahlungsaufschub sM o r a t o r i u m) für Mieter und Hypothekenschuldner einen noch besseren Schutz gewähren würde. Für die Zeit nach dem Kriege kann allerdings auch ein Mora- torium nicht die Folgen der Kreditschwierigkeiten beseitigen. Die Hausbesitzer werden dann recht häufig zu freiwilligen Verläufen und Zwangsversteigerungen gezwungen fein. So stieg von 1870 auf 1371 in Berlin die Zahl der freihändigen Verkäufe von Grundstücken von 717 auf 1363, also um da« Doppelte. Während die HanSbefitzer mit unter den Wirkungen des Krieges zu leiden haben, find die Hypothekengläubiger— bei der weitgehenden Verschuldung des HausbesitzeS die eigentlichen Hauseigentümer— am wenigsten Verlusten ausgesetzt. Ihnen bietet die in der Hypothekenurkunde ausgesprochene Verpfän- dung des beliehenen Grundbesitzes die größtmöglichste Sicher- heit. Und mit Recht werden städtische Hypotheken als die relativ sicherste Kapitalsanlage für Kriegszeiten gepriesen:.Alle übrigen Anlagen sind letzten EndeS basiert auf Werten, die erst geschaffen werden sollen. Die Sicherheit der Hypothek beruht auf dem vor- baadenen und unzerstörbaren Werte des Grund und Bodens. Die Werte können in schweren Zeiten allerdings nicht unerheblich schwanken, aber sie können niemals ganz verschwinden." Die Abnahme der Bautätigkeit zieht bei auch nur geringer Zu- »ahme der Bevölkerung»in Sinken der leerstehenden Wohnungen nach sich, was trotz der Zahlungsunfähigkeit weiter Kreise eine Steigerung der Mieten zur Folge hat. Das wird sich besonders unangenehm bei den kleineren Wohnungen be- merlbar machen. Denn bei der allgemeinen Verschlechterung der EinkommenSverhältntsse drängt die Bevölkerung, die bisher eine größere Wohnung inne hatte, in die Wohnklassen mit geringer Zimmerzahl. Dieser Prozeß hält, wie die Erfahrungen deS Krieges 1870/71 zeigen, auch noch nach dem Friedensschluß an. So sank in Berlin die Zahl leerstehender Wohnungen im Werte von 1 bis 30 Talern in den Jahren 1368 bis 1872 von 3,83 auf 3,43 Proz., bei den Wohnungen im Werte von 10 bis 30 Talern von 4,71 auf 0,36 Proz. Andererseits stieg der Mehrwert der kleineren und mittleren Wohnungen, so daß gerade die arme Bevölkerung belastet wurde. Sehnliches ist leider auch in dem gegenwärtigen Kriege zu erwarten. politische Uebersicht. Tr. Delbrück Bizepräsident des preußischen Staats- Ministeriums. Gleichzeitig mit dem allerhöchsten Erlaß, der die Ermächtigung des Reichskanzlers zur selbständigen Erledigung von RegierungS- geschäften enthielt, ist auch eine Bekanntmachung ergangen. durch die der Staalssekretär deS Innern und preußische Staats- minister Dr. Delbrück zum.Vizepräsidenten deSpreu tzi- schen Staatsministeriums' ernannt wird. Die Post haftet auch während des Krieges für Wertsendungen. Die Sandwirtschaftliche Zentral-Darlehnskaffe für Deutschland in Berlin hatte ihren Bereinen und Genossenschaften durch Rundschreiben mitgeteilt daß die Postverwaltung infolge deS Kriegszustandes eS abgelehnt' habe, für Wertsendungen zu hasten. Wie demgegenüber amtlich mitgeteilt wird, entbehrt die Be- bauptung der Landwirtschaftlichen DarlehnSkasie jeder Begründung. Die Post haftet nach wie vor für alle Wertsendungen. Deutsche Weiblichkeit und Kriegsgefangene. . In einigen Orten sind die durchkommenden gefangenen Fran- ?0len von den BahnhofSdamen', wie es scheint, mit etwas nnge- Freundlichkeit begrüßt und mit Liebesgaben versorgt wor- Stuttgart sollen einige Damen sogar telephon.sch angefragt �aben, ob st« w ins Lazarett eingelieferten Gefangenen Schokolade ""d Rosen schicken dürften. Sine Reihe bürgerlicher Blatter wendet 'A'n scharfen Leitartikeln gegen diese Würdelosigkeit deutscher Aber auch amtliche Stellen nehmen energuch gegen em d?�'«-s Verhalts Stellung. Das Generalkommando 'Burttembergischen Armeekorps erließ folgende «nkinachuna:»._ 5,;.Die unwürdigen und beschämenden Szenen, se suh beim Eintreffen der ftanzösischen Gefangenen, namentlich Löbliche- Seite, zugetragen haben, vmanlas�n das �neral- mmando. bekanntzugeben, daß.»erbliche Person en� fc.. Nch an Gefangene in würdeloser zueize und lv., rechten Arm.— Gsr. Ernst Kallweit, Sobje- dach, Schönebeck, Kr. Kalbe a. S.: schw. v., Brust, l chen: schw. v. l. Arm, Dragvnerregfvn'mt Nr. IL Karl Gallien, Cullmen-Kulken: tot, Schuß in die Brust.— Franz Ballzuweit, Gcrskullen: vermitß.— Friedrich Dallandat, Lobellen: tot, Schuß i. Rücken.— Gustav Wossilus, Hcru.au- lehlen: vm'. Dragonerregiment Nr. 7« 4. Eskadron. Rittmeister Arndt Sauer, Suhl: schw. v., rechtes Bein.— Gustav Friedrich, Pillupönen: schw. v.— 5. Est. Max Thomas II, Heckcrfeld, Kr. Attenkirchen: lv.— Ewald Stef- fen, Hüttersdorf, Kr. Saarlouis: lv. Dragonerregiment Nr. 14, 2. Eskadron. Serg. Friedrich Ewert, Rako- wen: lv., l. Arm. Ausarenregiment Rr. 3» 4. Esk. Bruno Zühlke, Hopfengarten: toi, Ge- irickschuß. Ausarenregiment Nr. 7, 2. Esk. Severin Decker, Söven, Siegkveks: gef, Ulanenregiment Rr. 1» 2. Esk. Franz Prälat, Retschke: schw. v., Schuß i. d. Brust, gestorben. Litanisöhes Ulanenregiment Rr. IL. 3. Esk. Richard Buchsteiner, Johannisthal; tot, Kopf. Jägerregiment z« Pferde Rr. 4.-.. 1. Esk. Rudolf Morowski, Merzdorf: gef. 2. Esk. Gfr. Otto Höppki, Augustwald«: vm.— Wilhelm Nicolausen, Baalermoor, Kr. Rends» bürg: vm.— Paul Kaelhert, Linde: tot. Feldartillerieregiment Nr. 1. Regimentsstab. O.-Lt. Karl Wagener. Nord- hausen: lv., r. Schulter u. l. Nase. Feldartillerieregiment Sttt. ÖO, 5. Batt. Paul Ketelhohn, Ravensberg: mn. — Friedrich Wähl, Hof-Stralendorf: vm.—- Richard Eggert, Crivitz: vm.— Alfred Boß, Rastar, Kr. Hagenow: lv., Kopf. Feldartillerieregiment Rr. 88. 4. Batt. U.-O. Gsttfr. Schiedlowski. Beroffng, Kr. Mohrungen: v., Hinterkopf, der. dienstfShig. Fußartillerieregimea« Nr. 1«. 3. Komp. Johann Theodor Echnelting, Mül» Heim-Dümptcn: gef.— Paul Heinrich Richert, Langensalza: schw. o., l. Arm, r. Kniegelenk. Magdeburgisches Pionierbataillon Nr. 4» (z 8. Kompagnie. Richard Bauermeister, Lat- dorf. Kr. Bernburg: schw. v., Unterleib.— Gfr. Richard Bethgc, Dankerode, Kr, Mansfelder G«. birgskreis: schtv. v., Unterleib— Wilhelm Fehfe, Etingen, Kr. Gardelcgen: lv.— Lt. Ludwig Gott. schall, Liebenau b. Hannover: schw. v., Schuß d. Schulter, Arm, Knie u. Fuß.— Hermann Albert. Thurn, Kr. Glauchau: vm.— Rl.-Gfr. Karl Madzeck, Döllnitz, Saalkrei«: schw. v., Drustschuß. — Rs. Fritz Thiele, Magdeburg: schw. v. Knie. schuß. Pionierbataillon Rr. L4. 1. Kompagnie. Bfw. Heinrich Rettekmann, Borsinghausen: schwer verwundet, Unterleib.— Johannes Losemann, Hamborn: lo., Muskelschuß. Oberschenkel.— Karl Grin«, Wesel, Kr. Rees: lv., t. Oberschenkel.— Gfr. Heinrich Pump, Seth, Kr. Segeberg: tot, Kopfschuß. FeldfliegerabteMms. J?? Fußlf � � MW Koewc.r, Bereich» l �' MliMltworttÄ« Setglteig; Wferfc Wesetztz. geuicBa. Ml! feeg Hnferatenteil vercmtw.: Xh. Glocke, Berlin, Druck u, Verlag-Borwätt« Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer Sc To, Berlin SW.�* /itoM■ J