Nr. 225.0 Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 mt, monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illuftrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Pig. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweben und die Schweiz. Ericheint täglich. nainofon al m Vorwärts Berliner Volksblatt. 31. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- breffe: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983. Mittwoch, den 19. August 1914. Oesterreichs Sorge für die Ultimatum Soldatenfamilien. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984. Ultimatum Japans an Deutschland? Peking, 17. August.( W. T. B., Telegramm der deutschen Kabelgramm- Gesellschaft.) Hier geht das Gerücht, daß Japan im Begriffe ist, ein Ultimatum an Deutsch. land wegen Kiautschou zu stellen. Man braucht nicht Sozialdemokrat zu sein, um einzusehen, daß die Unterstützungen, die das Deutsche Reich den hilfsbedürftigen Angehörigen der Kriegsteilnehmer zahlt, bei weitem nicht hinreichen, auch nicht, nachdem sie am 4. August für die Ehefrauen von 6 auf 9 M.( in den Wintermonaten bon 9 auf 12 M.) und für die Kinder unter 15 Jahren von 4 auf 6 M. im Monat erhöht wurden. Von dieser Erkenntnis getragen, haben denn auch bereits Hunderte von deutschen Nun scheint der furchtbare Brand auch den asiatischen nach Peking. Die Stellung Japans gegenüber China erKommunalverwaltungen in Stadt und Land beschlossen, Zu- Kontinent zu ergreifen und neben der weißen Rasse greift auch fährt damit eine außerordentliche Verstärkung. schüsse in der Regel 100 Proz. zu den durch Reichsgesetz die gelbe in das mörderische Ringen ein. Das Vorgehen Japans wird natürlich für den schließfestgelegten Beträgen zu zahlen. Dadurch ist für ein paar Naive Optimisten hatten noch vor kurzem geglaubt, daß lichen Ausgang des Krieges, der auf den Schlachtfeldern Hunderttausende Mütter und Kinder die schwere Nahrings- Japan, der frühere Feind Rußlands, zu den Waffen greife, Europas entschieden wird, nicht von Entscheidung sein. jorge gemildert, aber leider nicht beseitigt, zumal wenn im um die Rechnung, die beim Friedensschluß von Portsmouth, Immerhin ist sein Eingreifen unangenehm genug. Es sichert Berlauf des Krieges, dessen Dauer und Ende ja nicht abzu- bei dem leider auch Deutschland damals zugunsten Rußlands nicht nur Rußlands Stellung im fernen Often, sondern es sehen ist, die Lebensmittelpreise vielleicht doch wieder in die mitwirfte, unbeglichen blieb, nunmehr zu begleichen. Wir dürfte auch auf die Stimmung des übrigen Asiens nicht ohne Höhe klettern sollten... Es dürfte dabei wohl interessieren, wie unser Verbün- haben diesen Optimismus nie geteilt und von Anfang an Einfluß bleiben. Für Deutschland bedeutet das Eingreifen deter, Desterreich, die gleiche hochwichtige Frage geregelt erwartet, daß Japan als Bundesgenosse Englands im besten Japans zunächst eine Bedrohung von Kiautschou und Tsingtau. bat. In Desterreich( nicht auch in Ungarn!) steht den Ange- Falle neutral bleiben werde. Aber es ist jeßt fast gewiß. Gerade für unseren ostasiatischen Besitz haben wir große Aufhörigen der zum Kriege Einberufenen laut Gesetz vom 26. De- daß es bei dieser Neutralität nicht bleiben, daß Japan wendungen gemacht, für Kiautschou etwa 150 Millioner Mark zember 1912 ein sogenannter Unterhaltsbeitrag zu, sich den Gegnern Deutschlands zugesellen verausgabt; auch sind große Summen deutschen Kapitals der Frau und den Kindern sogar dann, wenn sie im Aus- wird. England ist seiner Bundesgenossen sicher. in der Shantung- Eisenbahn und im Kohlen- und Kupferland wohnen! Das Gesetz erfaßt die Familien von Ar- Es ist selbstverständlich, daß Japans Vorgehen einem Ver- bergbau angelegt. Jetzt scheint Japan die Herausgabe unserer beitern, Angestellten, Zwergbauern, Kleingewerbetreibenden, furz: alle, die auf das Arbeits- Einkommen ibres Ernäbreré langen Englands entsprechen würde. Und England erscheint chinesischen Bachtung" zu fordern. Daß diese Forderung angewiesen sind. Wer Gehilfen, Knechte beschäftigt oder sich der Welt noch immer stark genug, um solchem Verlangen auf keinen Rechtsanspruch sich stüßen kann, daß Japan einmal im Besize von Riautschou sich nicht beeilen würde, es an jonst in gehobener Lebenslage befindet, dessen Familie hat Nachdrud zu geben. fein Anrecht auf die Unterstützung. Aber Japan glaubt auch offenbar in seinem eigenen In- China zurückzugeben, braucht wohl faum erst gesagt zu wer Der Unterhaltsbeitrag serfällt mun für jeden intereffe zu handeln. Und in der Tat zeigt ein Blick auf die den Aber von Recht ist ja nicht mehr die Rede, wo Macht eInen Anspruchsberechtigten( also z. B. für Mutte and starte, wie begehrenswert gerade für Japan die Eroberung allem entscheidet. Und daß Kiautschou, wie übrigens die Kinder) in die Unterhaltsgebühr und den Miet- Riautschous wäre. Riautichou bedeutet für Japan einen anderen deutschen Kolonien, bei einem Souflift mit England insbeitrag. Und zwar legt das österreichische Gesez Stüßpunkt auf der Schantunghalbinsel, von der sich die Eng- kaum zu halten sein werden, war ja von vornherein sicher. In sowohl für den Unterhalt wie für die Miete die Säße fag lowohl für den Unterhalt wie für die Miete die Säge tag weise fest, während das deutsche Gesetz mit Monatsfriften länder feit der Aufgabe von Weiheiwei zurückgezogen haben. Kiautschou liegt nur ein Seebataillon nebst einigen kleinen rechnet und die Zerlegung in Unterhalts- und Mietsbeitrag Da die Japaner von Port Arthur aue die gegenüberliegende Abteilungen Spezialtruppen, und auch unsere Seestreitkräfte Halbinsel Liaotung beherrschen, so sichern sie sich damit die sind zu gering, um mit der japanischen Flotte den Kampf Herrschaft über den Zugang zum Gelben Meer und den Golf aufnehmen zu können. Lagen dody 1913 nur zwei große und von Tschili, damit aber auch den Zugang von der Seeseite her drei kleine Kreuzer in den ostasiatischen Gewässern. nicht fennt. Gar feinem Zweifel nun aber fann es unterliegen, daß die österreichische Familienkriegsunterstützung der deutschen in einer Hinsicht weit überlegen ist. Während nämlich das deutsche Gesetz für das ganze Reich- Großstadt, Mittelstadt, Kleinstadt, Dorf, Niederung, Gebirge usw. die gleichen Säße festlegt, ist im österreichischen Gesetz die Möglichkeit gegeben, je nach den Lebensmittelpreisen und sonstigen Verhält nissen die Unterstübungssäge in den verschiedenen Distrikten des Landes verschieden zu gestalten. Die Kriegsereignisse. Vom westlichen Kriegsschauplah. Aus dem Elsaß. " Von vielen Leuten wurden die Franzosen mit" Vive la France!" empfangen. In den Dörfern vor und um Mülhausen wurden ihnen Blumen gestreut. Die Franzosen hatten diese in ihre Gewehrläufe gesteckt. Am nächsten Tage rüdten sie noch etwas weiter vor. Dann begann der Rückzug und der Angriff der Deutschen von neuem. Wahr ist's, daß auf einen deutschen Arzt, der einen Verwundeten verband, aus dem Hinterhalt geschossen worden ist. Auch auf andere Sanitätsleute wurde wiederholt von Zivilisten geschossen. Ich Der Bezirkspräsident im Oberelsaß hat folgende Bekannt- sah verwundete und verstümmelte Leichen, die sicher nicht vom Feind so übel zugerichtet worden waren. Leider haben sich auch Geistliche Auf Befehl des tommandierenden Generals: Infolge in dieser unsagbar traurigen Weise vergangen. Mehrere mußten. einzelner Vorkommnisse auf dem Kriegsschauplatz wird folgendes standrechtlich erschossen werden, weil sie franzöfifche Truppen veröffentlich bekannt gemacht: borgen hielten, dies leugneten und aus ihren Häusern auf die Truppen geschossen wurde." Als Grundlage ist in Desterreich die Militärdurchaugsverpflegung" genommen, die alljährlich je nach den Markt- und Preisverhältnissen vom Kriegsministerium machung erlassen: festgelegt und im Verordnungsblatt für das Heer" zu Anfang des Jahres bekanntgegeben wird. Dieser Militärdurchzugsverpflegung" entspricht in den einzelnen Landesteilen verschieden die Unterstützung der Angehörigen von Ariegsteilnehmern, indem ganz einfach der Unterhaltsbeitrag auf den Kopf und den Tag genau so hoch angelegt wird wie die„ Militärdurchzugsverpflegung" und der Mietzinsbeitrag auf die Hälfte. Dies gilt für Perfonen über 8 Jahre; Personen unter 8 Jahre haben sowohl an Unterhaltsbeitrag wie an Mietzinsbeitrag die Hälfte derjenigen Säße zu beanspruchen, die den über 8 Jahre alten zustehen. Nehmen wir an, in Berlin und in Wien sei eine Arbeiterfrau nebst vier Kindern von 11, 9, 7 und 3 Jahren zu unterſtützen. Wir legen den Monat November zugrunde, in dem nach dem deutschen Gesetz an die Ehefrauen zum ersten Male 12 M. statt vorher 9 M. zu zahlen sind. Würden wir den Monat Auguſt mit seinen 9 Mf. und 31 Tagen wählen and alle vier Kinder älter als 8 Jahre annehmen, dann fiele der Vergleich gar zu ungünstig aus für Berlin. In dem angenommenen Falle würde die Berliner Arbeiterfrau für fich und ihre vier Kinder bekommen 72 M., von denen ihr aber blog 36 M. auf Grund eines gesetzlichen Rechtsanspruchs zustehen, während die anderen 36 M. von der Stadt nur aus gutem Willen gezahlt werden. Dagegen stehen der Wiener Leidensgefährtin mit ihren vier Kindern, halbmonatlich im boraus zahlbar, gesetzlich 134,70 M. zu! Der Gesamtbetrag, den die Familie zu fordern hat, wird allerdings herabgesetzt, wenn der durchschnittliche Tagesverdienst des Ernährers geringer war als die Summe, die seine Angehörigen gemäß dem Unterhaltungsbeitragsgesetz zu fordern hätten. Jedenfalls fann der österreichische Arbeiter in solchem Falle der Einberufung wenigstens insofern mit einiger Ruhe entgegensehen, als er weiß, daß seine Frau und seine Kinder nicht erheblich schlechter dran find als zur Zeit, da er durch seiner Sände Arbeit für sie sorgte. Wenn Einwohner einer Gemeinde fich am Kampf gegen unsere Truppen beteiligen, so werden nicht nur sie, sondern auch der Bürgermeister der betreffenden Ge= meinde erschossen, die Ortschaft demoliert. An der Ostgrenze. Unsere Truppen haben Befehl erhalten, jeden Hausbefizer, Siegreiches Gefecht gegen die Russen welcher Angehörigen der französischen Wehrmacht in Uniform oder bei Stallupönen. Zivilkleidung bei sich Aufenthalt gewährt oder von der Anwesen heit französischer Soldaten in seinem Hause Kenntnis erhält, ohne Berlin, 18. August.( W. T. B.) dies den Behörden oder unseren Truppen bei deren Herannahen kommando des ersten Armeekorps meldet: Am 17. August anzuzeigen, sofort zu erschießen. Das GeneralWer eine Telegraphen oder Telephonleitung zerstört, wird fand ein Gefecht bei Stallupönen statt, in dem verhaftet und mit der härtesten Strafe belegt. Jeder Bürger hat Truppenteile des ersten Armeekorps mit unvergleichlicher alle in seinem Befiz befindlichen Waffen, auch Jagdgewehre und Tapferkeit kämpften, so daß ein Sieg erfochten wurde. Munition, auf dem Bürgermeisteramt abzuliefern. Ich mache die Mehr als dreitausend Gefangene und sechs Herren Bürgermeister für die strengste Durchführung dieser Maß- Maschinengewehre sind in unsere Hände gefallen. regel persönlich verantwortlich. Alle Waffenscheine werden hiermit Viele weitere russische Maschinengewehre, die nicht mitgeführt aufgehoben. Ausnahmen von den obigen zwei Anordnungen werden konnten, wurden unbrauchbar gemacht. werden zugelassen: in Mülhausen durch den Herrn Polizeipräsidenten, in der Stadt Kolmar durch den Herrn Bürgermeister; in Noch ein russisch- polnischer Grenzort besetzt. Berlin, 18. Auguft.( W. T. B.) Mlawa ist von dentden übrigen Kreisen( einschließlich Kolmar) von den Herren Kreisdirektoren. Das Betreten der Schlachtfelder ist auf das strengfte untersagt schen Truppen besetzt. und nur den von den Bürgermeistern hierzu ausdrücklich ermächtigten Personen erlaubt. Das Berauben der Leichen wird mit sofortigem Erschießen geahndet. Ich bedauere auf das tiefste, daß verabscheuungswürdige Verbrechen einzelner Schandbuben zu dieser Bekanntmachung zwingen und so den guten Namen der Elsässer schänden." * * ( Mlawa liegt südöstlich von Soldau, nicht weit von der Grenze auf russisch- polnischem Gebiet. Die Stadt ist Knoten punkt der Eisenbahnen Marienburg- Mlawa und KoweloMlawa. Die Stadt hat ungefähr 12 000 Einwohner.) Der Seekrieg. In Briefen, die bürgerliche Blätter veröffentlichen, wird mit geteilt, daß bei dem franzöſiſchen Vorstoß auf Mülhausen blutige Verlust eines deutschen Unterseebootes. Straßentämpfe in dieser Stadt stattgefunden haben, an denen sich auch einzelne Einwohner beteiligten. Auch aus einigen anderen Es kommt noch hinzu, daß nach dem österreichischen Gesetz Orten des Oberelsaß wird Aehnliches gemeldet. für den Fall, daß der Ernährer im Felde den Tod findet, den Bezugsberechtigten die Unterſtüßung noch 6 Monate lang ausgezahlt werden muß. Selbst wenn der Krieg in diefer Zeit sein Ende findet!( Dann tritt die bedeutend geringe Witmen und Waisen Versorgung" in Kraft.). Die Kölnische Volkszeitung" veröffentlicht den Bericht eines Feldgeistlichen, der auf den Schlachtfeldern bei Kolmar und Mülhausen tätig war. Es heißt in dem Bericht: Berlin, 18. August.( W. Z. B.) Von einer Fahrt mehrerer Unterseeboote nach der englischen Küste ist das Boot ,, 1. 15" bisher nicht zurückgekehrt. Englischen Zeitungsnachrichten zufolge soll ,, u. 15" im Kampfe mit englischen Streitkräften vernichtet worden sein. Ob und welche Verluste diese hierbei erlitten haben, ist nicht zu ersehen. Der Krieg und Sie Kolonien. Ein deutscher Regierungsüampfer auf dem Njassafee von den Engländern genommen. Berlin. 18. August.($3. T. B.) AuS London mied gemeldet, daß am vergangenen Donnerstag der englische Regie- rungSdampfer„Gwcndolin" den deutschen Regierungs- d a m p f e r„von Wistmann" auf dem Njassafee(Ostafrika) wegnahm, Maschinen und Geschütze zerstörte, den Kapitän, In- genicur und die übrige Besatzung gefangen nahm. Trifft die Nachricht zu, so wäre das ein erneuter Beweis für das Per- wersliche und Kurzsichtige der englischen Politik, die sich nicht scheut, selbst in Jnnerafrika, wo es so wenig Weiße gibt, den Eingeborenen einen Kampf zwischen europäischen Nationen vor Augen zu führen, nur um billige Lorbeeren zu ernten. Das Nordufer und zur Hälfte das Ostufer des NjassaseeS ge- hören zu Deutsch-Ostafrika. Der südliche Teil des Ostufer» deS Sees gehört zu Portugiesisch-Ostafrika, alles übrige zu Britisch- Zentralafrika. Ausnahmezustand in den Schutzgebieten. Der„Reichsanzeiger" vom Dienstagabend veröffentlicht eine Kaiserliche Verordnung über den Ausnahmezustand in den Schutz- gebieten Afrikas und der Südsee vom 1. August 1S14. Danach kann nach Ausbruch eines Krieges, Aufstandes oder Aufruhrs oder bei unmittelbar drohender Kriegs-, Aufstands- oder Aufruhrsgefahr der Gouverneur den Ausnahmezustand über das Schutzgebiet oder einen Schutzgebietsteil verhängen. Der Gouverneur kann an- ordnen, daß für die Dauer des Ausnahmezustandes die vollziehende Gewalt der örtlichen Verwaltungsbehörden im Schutzgebiet oder in einem Schutzgebietsteil auf die selbständigen Militärbefehlshaber übergeht. Der Gouverneur kann auch für die Dauer des AuS- nahmezustandeS von dem Grundsatz des Post- und Telegraphengeheimnisses abweichende Vorschriften erlassen. Der Reichskanzler wird ermächtigt, zur Regelung des Ausnahmezustandes der Ein- geborenen besondere, auch abweichende Vorschriften zu erlassen. Er kann diese Ermächtigung dem Gouverneur übertragen. kriegsbekanntmachungen. Die vierte Verlustliste. Die vierte Verlustliste ist soeben amtlich veröffentlicht worden und findet sich an anderer Stelle dieses BlatteS, Sie führt an Toten auf 6 Offiziere und 82 Mann, an Ber- wuttdeteu 7 Offiziere und 97 Mann und an Vermißten Mann. Stellt man die Verluste, die bisher in den vier heraus- gekommenen Verlustlisten bekannt gegeben worden sind, zu- sammen, so ergibt sich folgendes Bild: Tote: 1. Verlustliste.. 1 Offiziere 28 Mannschaften 2.„.. 25. 24 3... 6 144 4.,■■ 6_ 82 38 Oifizwre 228 Mannschaften Verwundete: 1. Verlustlifte.. 2 Offiziere 27 Mannschaften- i* 2.„.•„ 44„ 3... 16 308 4.... 7„ 87. 25 Offiziere 476 Mannichoften vermißte(»mschliehlich der Gefangenen): 1. Verlustliste..— Offiziere 7 Mannschaften 2.,.. L. 11 8....-. 135 2 Offiziere 217 Mannschaften Der Gesamtverlust, den die bisher herausgekommenen drei Verlustlisten registrieren, beläuft sich also auf 986 Man«, nämlich auf 266 Tote, LOI Verwundete und 219 Vermißte und Gefangene. Unter diesen 978 Mann befinden sich 65 Offiziere. Dieser außerordentlich hohe Prozentsatz erklärt sich wohl daraus, daß bisher in erster Linie die Verluste an Offizieren gemeldet worden find, während erhebliche Verluste namentlich an Mannschaften noch ausstehen. Denn selbstverständlich um- fassen die Verlustlisten jedesmal nur einen Teil der Ver- luste, die bis zum Tage der Ausgabe der Liste zu verzeichnen waren. Zum Lanüfturmaufgebot. Fortdauernd wird mit Recht die Frage aufgeworfen: Werden in Berlin die gedien te n Landstürmer gleich nach der Stellung wieder entlassen? Diese Frage ist für außerordentlich viele äußerst wichtig. Und dennoch kann sie mit Sicherheit leider nicht beantwortet werden. Die Entscheidung kann sich täglich ändern. Die beiden ersten Jahrgänge müssen mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß sie sogleich em- gestellt werden. Auch die älteren Jahrgänge müssen immer- hin auf die Möglichkeit einer sofortigen Einstellung bei der Gestellung gefaßt sein.. Es empfiehlt sich mithin für a l l e gedienten Gestellungs- Pflichtigen, Winterleibwäsche und Sachen, die sie eventuell mitführen wollen, bei der Gestellung mitzubringen. Es empfiehlt sich aber für keinen, das Arbeitsverhältnis definitiv zu lösen. Erfolgt die Einstellung nicht, so würde der Tag der Gestellung nach§ 616 des Bürgerlichen .Gesetzbuches später bei Fortsetzung der Arbeit zu bezahlen sein. Anders, wenn das Arbeitsverhälwis desinitiv gelost ist: dann besteht auch kein Anspruch auf Weiterbeschäftigung. In verschiedenen Korpsbezirken hat eine bestimmte Be- kanntgabe erfolgen können, welche gediente Jahrgänge.sofort zur Einstellung gelangen. Das ist in Berlin nicht möglich. Es müssen deshalb die gedienten Landsturnipflichtigeil zur sofortigen Einstellung bei der Gestellung bereit sein: es können aber vor allem die älteren Jahrgänge doch mit der Möglichkeit vorläufiger Entlastung rechnen. Schärfere Zensurmaßnahmen gegen öie presse. Berlin, 18. August.' nämlich die Judenhetzen, die Pogrom», die moralische« und die körperlichen Mißhandlungen und die Aechtung der Jude« und ihre Ausstoßung aus dem Kreise der gebildeten Menschheit- Seitdem Ruhland Polen annektiert habe, habe den Juden der Zu- tritt zum Boden de» heiligen Rutzlands nicht mehr verwehrt wer- den können, denn sie wären eS, die in Polen Handel und Industrie trieben. Rußland habe also die Juden mit in den Kauf nehm«« müssen, habe sie aber als Parias und vogelftei behandelt. Man hübe ihre Dienste gebraucht und benutzt; sie aber unter eine Gesetzgebung gestellt, die eine ununterbrochene Drohung und Schikanierung««� ein Hindernis für ihr moralisches und intellektuelle» Leben be- deutet«. In der Duma sei öffentlich ausgesprochen worden, daß die ganze Polizei von erpresserischer Aussaugung der Juden lebe! sogar der Vizegouverneur von Charkow bekomme jährlich 6000 Rubel von diesem.Judengeld", wie könne da die Rede sein, vo« „Wohltaten" und von„Liebe" des Hauses Romanow. Durch die letzte Revolution hätten alle Völker gewonnen, nur die Juden nickst- An den Berlisprozetz erinnernd, schreibt das„HandelSblad": Ne>«' vielmehr ist der Haß und die Abneigung des Slawenvoltes gegen die Juden immer genährt und künstlich erhalten worden. Wie wäre also jetzt eine solche Proklamation de» Zaren möglich? politische Ueberficht. Ter Reichskanzler im Hauptquartier. Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg und der Staats" sekretär des Auswärtigen Amtes, von Jagow, werden sich währe«« deS Krieges im Hauptquartier aufhalten. Di« Leitung der Reich»' und Staatsgeschäfte ruht während dieser Zeit in den Händen de- Staatssekretärs Dr. Delbrück, der vor kurzem bekanntlich Vizepräsidenten de» preußischen Staattministeriums erna"«- wurde. Kommunale Maßnahmen gegen die Kriegsnot. Zehn Millionen Mark verlangte der Magistrat der Siadl ?re~,l?,u don der Stadtverordnetenversammlung für Versorg««» der Stadt mit Lebensmitteln, weiter 1(4 Millionen Mark für d>° Kosten der Einquartierung. 3X Millionen Mark für Unterstützunsc« an d,e Familien eingezogener Mannschaften und 200 000 M. G den nationalen Frauendienst. Die städtischen Kollegien in Flensburg bewilligten 250 000 A'- zur Unterstützung der Familien, deren Ernährer am Kriege te«' r.1"?®te monatliche Unterstützung, einschließlich der smaüi««« Unterstützung, soll für eine alleinstehende Frau 32 M., für eine Fr«« nud ein Kind 40 M., Frau und zwei Kinder 46 M usw. betra jf«; Tue Familien der eingezogenen städtischen Angestellten erhatte«* Zw« Monate da» volle Gehalt. Die eingezogenen ständigen und »ichtständigen städnschen Arbeiter erhalten den Lohn für zwei Aachen. Nach Ablauf dieser Fristen erhalten die Familien der städtischen Angestellten und Arbeiter: die Frau 40 Proz. und jede» Kind?>/, Proz., bi» zum Höchstbetrage von 7b Proz. des Verdienstes de» Manne» bis zum FriedenSschlust. In westfälischen Gemeinden sind bis jetzt etwa 7 Millionen Mark durch die Gemeindevertretungen für die Kriegs- Hilfe zur Verfügung gestellt worden. Verschiedene Gemeinden haben größere Ankäufe von Lebensmitteln vorgenommen. Von den Unterweserorten bewilligte die Stadt Lehe, die vorwiegend Arbeiterbevölkerung hat, SO 000 M., die Stadt Geestemünde 33 000 M. und die Stadt Bremerhaven 25000 M. In die llnterstützungskommissionen wurden auch unsere Genossen gewählt. In Lehe erhalten die zum Militär einberufenen verheirateten städtischen Angestellten(ohne Beamtencharakter) und Arbeiter ihren Gehalt oder Lohn für den vollen Monat(M Tage); Unverheiratete erhalten ihre Vergütung für lb Tag« weiter. Tie zurückbleibenden Frauen der Angestellten erhalten die Hälfte der etatmäßigen Bezüge des Eingezogenen, außerdem für jede» Kind ein Fünftel mehr bis zum Höchstbetrage von drei Vierteln des Mannes Einkommen. Die Frauen der Arbeiter erhalten 10 M. pro Woche, außerdem für jede« Kind gleichfalls ein Fünftel mehr bis zum Höchstbetrage von 18 M. pro Woche. Die Reichsunterstützung wird, iafern sie gewährt wird, angerechnet. Die IlnterstützungSdauer ist vorläufig auf drei Monate festgesetzt. In Bremerhaven sind die Unterstützungssätze ähnlich so wie die vorstehenden festgelegt. In Geestemünde ist die Regelung der Unterstützung noch nicht erfolgt. Die Landgemeinde Sch iffdorf, in der viele in den Unterwefer» orten beschäftigte Arbeiter wohnen, hat einen Betrag von 3000 R. bewilligt. Mieter, Hausherren und Militärbehörden. Von überallher kommen Klagen über da« rigorose Vorgehen bon Hausbesitzern gegenüber Mietern, die infolge des Kriege» ihre Miete nicht pünktlich bezahlen konnten. In Frankfurt a. M. hat bai Garnisonkommando infolgedessen an den Magistrat folgendes «chreibcn gerichtet: «Täglich mehren sich die Fälle, daß beim hiesigen Garnison- kommando Frauen und Kinder Hilf« suchen, die von hartherzigen Hausbesitzern an» der Wohnung gewiesen werden, da bei Ein- berufung ihres Mannes die fällige Miete nicht pünktlich bezahlt werden kann. Tie Stadt bittet das Garnisonkommando, durch zweckent- sprechende Veröffentlichungen darauf hinzuweisen, daß eS Ehren- Pflicht jedes Deutschen ist, den Frauen und Kindern unserer braven Soldaten in dieser schweren Zeit Hilfteich zur Seite zu stehen und sie nicht durch harte Eintreibung von Forverungen zur Verzweiflung zu treiben. Gegebenenfalls werde ich die Namen derartiger hartherziger Hausbesitzer in den Zeitungen veröffentlichen. gez. Becker, Generalmajor, als Garnisonältester. . E» könnte nichts schaden, wenn diese Maßregel allgemein durch- ftslührt würde; vielleicht würden die Hausbesitzer dann doch mit chrcn Kündigungen etwas vorsichtiger sein. - Ueberpatriotlslnus. , In München erschien bis dato eine in weitesten Kreisen unbe- rannte Zeitschrift«Die Bürgerwehr". Nachdem infolge des Krieges !�«nbar auch der lebte Abonnent> auch der letzte Abonnent verloren gegangen war, hat fich -j- v>..uusgeber, ein früherer Dr. jur. 8. Bethke, entschlossen, das Vlatt eingehen zu lassen, dafür aber unter dem schönen Titel seines Organs„Gratis-Flugblätter" herauszugeben, in denen er seinen VatriotismuS auslasten kann. Dieser Patriotismus nimmt nun Udoch schon in dem ersten Flugblatt Formen an, die gemeingefähr- rsth genannt werden müssen. Herr Dr. jur W. Bethke begnügt sich awmlich nicht damit, unsere heutigen Gegner anzugreifen und von wnen die Abtretung großer Länderstücke an Teutschland zu ver- fangen; er maßt sich an, auch den neutralen, Deutschland freundlich aesinnlen Staaten Zumutungen zu stellen, die. wo- , dort bekannt geworden und für ernst genommen, schwere �"ßstimmung und Feindseligkeit erregen könnten. Kurz und bündig �rißt es da etwa: «Holland mit seiner vorwiegend niederdeutschen Bevolke- rung muß uns ewig dienstbar fein, fei e« als von strii. abhängiger oder mit unS verbündeter Staat." » Schweden soll zwar bei der geplanten Aufteilung Rußlands �.PPlaiid und Finnland erhalten,..muß aber dafür an uns d,c rrwrderliche Anzahl f!> von Orten, Städten. Küstenstrichen ab- !?ften. damit wir sie zu Handelsplätzen. Kohlenstationen und «» wohl für möglich halten, daß eine Dam« der Gesellschaft den Namen füge ich Ihnen unten an— einer derartigen Hand lungzweise fähig ist?" Die..Volkszeitung" verzichtet darauf, den Namen der„Dame aus der Gesellschaft" anzugeben, die so massenhast Zitronen, die für die Verpflegung der Truppen bestimmt waren, vom Bahnhof..mit- bringt". Das ist eigentlich sehr bedauerlich. Tie Oeffentlichkeit hätte doch alle» Interesse daran, die Zitronenlicbhabcrin kennen zu lernen, schon deshalb, damit hinfort die Bahnhöfe von ihrer «Liebestätigkeit" bewahrt bleiben könnten. Nach den Mitteilungen des Briefes zu urteilen, scheint die K o n t r o l I e bei der Verteilung der Gaben auf den Bahnhöfen mancherlei Wünsche offen zu lassen. Sozialdemokraten in Militärtverkstätten. Jener Absatz in dem Inserat der Lippstädter Artille r i e w e r k st ä t t e, der bei Arbeitsgesuchen die Sozialdemokraten grundsätzlich ausschloß, wird jetzt in einer Bekanntmachung der Verwaltung dieser Werkstatt als ein Versehen hingestellt. Die Bemerkung sei gegen die Absicht der Verwaltung veröffentlicht worden._ Sozialdemokratische Zeitungen auf den Bahnhöfen. Wie die preußische Eisenbahnverwaltung den Verkauf des„Vorwärts" auf den Bahnhöfen genehmigt hat, so hat auch die sächsischeBehörde nunmehr erlaubt, daß die..Dresdener V o l k s z e i t u n g" auf den Bahnhöfen gehandelt werden kann. Hoffentlich schließen sich diesen kleinen Erfolgen bald größere an! ?ean Jaurös. sie zu Handelsplätzen, Kohlenstationen :n".— In diesem Tone geht es weiter. �egöhäfcn umbauen. v----- o----— Wenn der Herr Dr jur W. Bethke etwa glaubt. m,t solchen Hanswurstiaden dem Vaterland einen Dienst zu erweften. dürfte ? gewallig irren. Derartiger UeberpatriotiSmuS gefährdet hoch- Uens unsere Situation.___ Erntearbeiter. .. Hatten wir kürzlich schon Klagen über die Behandlung der N«willigen Arbeitskräfte in der Mark wiederzugeben gehabt, fo !?vtmen ähnliche Klagen jetzt aus vielen Gegenden Nur eine fei noch herausgehoben: Im thüringischen Kreise Muhlhausen �tten sich einige Hundert junge Leute auS dem Burgerftande für �rntearbeiten zur Verfügung gestellt. Uebcr die Erfahrungen, die .auf einem Rittergut machten, wird der«Muhlhaufer Zeitung geschrieben: .-"tuf einem Rittergut nahe Sömmerda(der �me ist leider „ angegeben i wurde den jungen Leuten eine solche Behandlung Laoten, daß die jungen Erntcfreiwilligen von dort wieder nach ganz Zeit ausgerückt sind. Als Schlafstellen wies man ihnen in.Wenfalls nicht erlesenen Mahlzeiten sollten sie im Hofe rNähe des M i st h a u f e n s einnehmen. Und zu alldem ljält* p" Herrschaft z n wenig geleistet. Unter solchen Ver- das. Järem� der Arbeit auf dem Rittergute gezwungen worden Billige Zitronen. Der«Beri. VolkSzeftung" schreibt ein Leser: der' m riner Familie in Friedenau, in der die HauSsrau bei ��.Dahnhofsvcrpflegung unserer Truppen chene uamtl ich tätig ist, dient ein« Bekannt« unseres Mäd- tonn.?�arn abend kommt unser Mädchen von einem Spazier- NQti» k«Q. uie �oioaren jinu. o*"1* nmtm �lutitch einfach sprachlos, und ich kann mich nicht enthalten, p«1 Sache zur Veröffentlichung zu übergeben. Die ganze - SKASSA � Ein Nachruf von Anatole France. Anatole France hat nach der Ermordung de» großen französischen Sozialisten nachstehenden Brief an die „Humanits" gerichtet: Ich sage es mit schmerzerfülltem Stolz: Er war mein Freund. Ich habe ihn aus der Nähe gesehen. Dieser große Mann zeigte sich im vertrauten Verkehr einfach und herzlich. Er war die Sanftmut und Güte selbst. Von allen Fähig- leiten, die die Natur diesem Uebermenschen verliehen hatte, war die Kraft zu lieben vielleicht diejenige, die er am vollkommensten ausgeübt hat. Ich habe es gehört, wie diese große Stimme, die über die Welt mit ihren lichten und schreck fichen Strahlen hinblitzte, für einen Freund herzlich und lieft kosend werden konnte. Sein Wissen war sicher und tief. Es erstreckte sich über den so weiten Kreis der sozialen Fragen hinaus über alle Dinge des Geistes. Es ist mir wohl gestattet, daran zu erinnern, daß eines Tages, während der Dreysus-Affäre, Jaurds in der Wandeil halle des Justtzpalastes nach einer breit und tief entworfenen Darstellung dieser alle Gewissen erregenden Angelegenheit unS die schönsten Verse aus dem Zeitalter Ludwig» XIII. zitierte und mit erlesenem Geschmack erläuterte. Es ist noch keinen Monat her, daß ich in sein Hans in Parsy kam— dieses so bescheidene, ja ärmliche, ober so rühm reiche Haus. Ich fand ihn dabei, als er eine Tragödie des Euripides im Urtext las. Sein unbegrenzter Geist erholte sich vom Studium durch Studium und ruhte von einer Aus- gäbe in einer anderen aus. Von schrecklichem Haß verfolgt, die Zielscheibe nieder trächtiger Verleumdungen, hegte er in der Heiterkeit eines reinen Gewissens gegen niemand Haß. Er sah einfach seine Feinds nicht. Das Märtyrertum hat sein vorbildliches Leben gekrönt und gibt em Beispiel für alle guten Bürger und alle Tiener der Menschheit. Mein Herz ist allzuvoll und droht zu springev. Der Schmerz will msch ersticken. Nie soll ich ihn wiedersehen ihn, das größte der Herzen, das gewaltigste der Genies, den edelsten aller Charaktere. Mit ehrfürchtiger Liebe bringe ich mein tiefste» Beileid seiner Witwe und seinen Kindern, seinen Freunden und Mitz arbeitern und der großen sozialistischen Partei, für die er immer lebendig bleibt. �___ Mgemeininteresse und Schnapsbrennerei. Di««Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt einen Artikel zur Frage der Schnapsbrennerei. E« wird mitge- teilt, daß die Regierung sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit die Brennerei einzuschränken sei. Die Ausführungen des offiziösen Blattes zeigen, daß man geneigt scheint, auch unier den jetzigen Umständen die Interessen der Fusel brennenden Großgrundbesitzer im Uebermaße zu schonen. ES wird behauptet, daß„die Ansicht, daß durch Einschränkung des Brennereigewerbes ein« überhaupt in» Gewicht fallende Menge an Kartoffeln für Speise- und Futter. zwecke ftei werden könnte, nicht zutreffend ist", gerner, daß bei Einstellung de» Brennen« die wertvolle Schlempe fortfallen würd«. Noch geringer sei der Verbrauch an Gekretde. Es stimmt, daß die Brennereien annähernd 5 Proz. der g«> samten Kartoffelernte verbrauchen, aber sicher ist da» unter den gegebenen Verhältnissen nicht ein gering zu schätzendes Ouan- tum. Es handelt sich um Lsb bi« 3 Millionen Doppelzentner. Nun sind di« Brennereikartoffeln im allgemeinen nicht besonder» für menschliche Nahrung geeignet, aber sie sind gutes Viehfutter. Die Dinge liegen aber so, daß Kartoffeln und Rüben das wichtigste Kraftfutter sind, über das Deutschland zurzeit verfügt, weil die Zufuhr von Mai», Gerste, Klei«, Oelsamen wenn nicht gänzlich aufhören, so doch in hohem Maße erschwert sein wird. Di« Er- Haltung der Viehbestände, die dauernde Versorgung der Bevölke- rung mit Mich und Fleisch ist aber die wichtigst« aller Wirtschaft- lichen Aufgaben, die zurzeit bestehen. ES ist unlogisch, auf den Wert der Schlempe hinzuweisen. Die Schlempe, al» Abfall bei der Branntweiiiproduttion, hat freilich Nährwert, aber selbstverständlich haben die Kartoffeln, wenn sie Direkt al» Viehfutter verwendet werden, einen bei weitem höheren Nährwert für da» Lieh. Vor Verderben der Kartoffeln kann man sich heute schützen, indem man sie zu Schnitzeln und Flocken ver» arbeitet. Da» Argument, die Brenner würden sowieso nicht diel Branntwein produzieren, wenn Kartoffeln und Getreide hoch im Preise stehen, trifft nicht zu. Sie werden dann einfach den Preis de» Branntwein« in die Höhe schrauben. Es ist ja leider so, daß Branntwein eben auch getrunken wird, wenn er sehr teuer ist. weil der gewohnheitsmäßig« Trinker alles andere eher entbehrt, al», diese» Gift. Auch Obst wird zur DchnapSbrennerei verwendet(im Jahre 191L waren e» 194 000 Hektoliter Kernobst und 338 000 Hektoliter Steinobst). E» ist falsch, wenn behauptet wird, daß in den befteffenden Gegenden für dieses Obst andere Verwendung nicht besteht. Man kann in den Anlagen, in deney man Brannt- wein herstellt, mit geringer Müh« diese« Obst zu Mus verarbeiten Nun braucht man Spiritus auch zu gewerblichen Zwecken, und wenn Benzin und Petroleum fehlen, erhält der Spiritus sogar er- höhte Bedeutung. Aber erstens lagern gewaltige Mengen Roh- spiritu«, die für diese Zwecke Verwendung finden können, zweitens braucht man keine Nahrungsmittel zu vergeuden, um solchen Spiritus herzustellen, sondern es eignet sich dafür vorzüglich der Methylalkohol(Holzgeist), den man aus Holz, Stroh, Laub und anderen Stoffen herstellen kann. E« bleibt also dabei, daß ein bedingungslose» Verbot der Branntweinbrennerei, wie es in dem Entwurf unseres Parteivor- standes gefordert wird, notwendig ist, um der Vergeudung von Lebensmitteln und Futterstoffen vorzubeugen. Wenn dadurch die Interessen raffgieriger Agrarier verletzt Ovcrden, so ist das kein Grund, davon abzusehen. Die Interessen der Allgemeinheit allein sind maßgebend. /Ins Industrie und Handel. „Patriotisches" Verhalten des Großhandels. Die Breslauer Eisengroßfirmen erhöhten mit Wirkung vom 17. August die Lagerpreise für Fluß- und Schweißeisen und Eisen- bleche um 10 M., für Absallbleche um 13 M. pro Tonn«, bei den veränderten Zahlungsbedingungen gegen sofortige Kaste. Schecks und Wechsel werden nicht in Zahlung genommen. Hierzu wird amtlich bemerkt: SS ist außerordentlich zu bedauern, wenn Groß- Handelsfirmen durch Versagung jeden Kredits dem deutschen Wirt- schosiSleben die Rückkehr in die gewohnten Bahnen erschweren Aufhebung der Leipziger Messe. Ende August sollte in Leipzig die Mustermeffe, die das Gebiet der keramischen, GlaS», Metall-, Holz-, Papier-, Leder-, Gummi-, Korb», Kurz-, Galanterie», Spielwarenbranche und andere Ge- schäftszweige umfaßt, beginnen. Diese Meste erfreut sich normaler- weise starken Besuch» vom Ausland«. So nahmen im vorigen Jahre an ihr teil: 241 Aussteller und 1384 Einkäufer aus Oesterreich- Ungarn. 45 Aussteller, 230 Einkäufer auS Frankreich, 13 Aussteller und 296 Einkäufer au« England. 3 Aussteller und 308 Einkäufer aus Rußland, 8 SluSsteller, 133 Einkäufer au» Belgien usw. Fast allen dieftn Teilnehmern der Michaelismesse ist nun unmöglich, die diesjährige Messe zu besuchen. Aber auch deutsche Firmen werden kaum die Lust haben, diese zu beschicken: sie werden schon lieber an den Geschäftsspesen sparen wollen. Es ist aber auch noch gar nicht sicher, daß der Gütertransport überhaupt normal funktienieren wird. Und dann scheint tatsächlich wenig Aussicht auf Absatz zu sein. Es ist deshalb unverständlich, warum der Stadtrat überhaupt eine Messe noch abhalten will. Die deuffche Schuh- und Leder- messe, die zu gleicher Zeit abgehalten werden sollte, ist abbestellt. Wahrscheinlich wird auch die Mustermeffe doch ausfallen. Der Bezug von Arzneimitteln. Mehrfach ist darüber Klage geführt worden, daß die rechtzeitige und hinreichende Bersor- gung von Krankenanstalten und Apotheken mit M o r» phium, Kokain und auch einigen anderen wichtigen Arznei- Mitteln in letzter Zeit auf Schwierigkeiten gestoßen ist, weil dies« Stoffe im Handel vorübergehend nicht oder nur zu außerordentlich cefioatcn Preisen zu erlangen waren. Von anderer Seite verlautet, daß noch g r ö ß e r e Vorräte des für di« Berwundetenpflege so notwendigen Morphiums in schweizerischen Fabriken und HandelSniederlagen vorhanden seien. Der MinisterveS Innern hat die erforderlichen Schritte getan, um den Bezug von Arzn«imitteln in Postpaket«n aus der Schweiz nach Möglichkeit»u erleichtern, auch die unver- zögert« Zuführung derartiger Sendungen an die Besteller in dft Wege zu leiten. Die Apothekenvorstände werden guf diese Bezug»- gelegenheit ausdrücklich hingewiesen. Letzte Nachrichten. Italienische Maßnahmen. Rom, 18. August.(W. T. B.) Ministerpräsident S o- landra hatte heute vonnittag eine längere Unter- reduna mit dem italienischen Botschafter in Berlin, o l I a t i. Der Ministerpräsident hat den im Auslände bc- find lichen arbeitslosen Italienern� besonders denjenigen in Paris und anderen Orten Frankreichs Unter- stützungen zukoinmen lassen. Außerdem treffen die Staats- eisenbahnen Vorkehrungen für ihre Heimführuna; ebenso sind von Staats wegen Dampfer ausgerüstet worden, um noch Marsaille, Port Bendree, Algier und Casablanca zu gehen._ Die Türkei und die Dardanellenschiffahrt. Konstantinopel, 18. August.(W. T. B.) Die Pforte hat an alle ausländischen Vertrewngen eine Note gerichtet, in der sie erklärt, daß alle Handelsschiffe, die die Dardanellen paffiereu, ihre Apparate für drahtlose Telegraphie am Lande zurücklassen müssen und auf der Rückfahrt wieder an Bord nehmen können. Vor Erlaß der Note hatten die Marinebehörden in den Dardanellen von dem französischen Paketboot Saghalien" die Apparate für drahtlose Telegraphie ent- fernen lassen._... s Von den Kämpfen gegen die Serben. Wien, 18. August.(W. T. B-) Die„Wiener Allgem. Zeitung" meldet au» Budapest: Ein hier eingetroffener verwundeter öfter. reichjscher Offizier erzählt über die Kämpfe an der Drina und Save:«Unsere Truppen griffen, abgesehen von der Ueberwtndung der Gefahren beim Uebersetzen über diese Flüss«, den Feind an seinen stärksten Punkten an. Während de» Kampfe» desertier- ten die Serben massenhaft in voller Ausrüstung und wurden von un» entwaffnet. Bi» zu meiner Verwundung betrug die Zahl der Deserteur« etwa sechshundert.— In gleicher Weise verlief da« Treffen bei Lo»nica, doch hatten wir einen viel stärkeren Feind gegen un»._ v Schwierigkeiten deutscher Kriegsberichterstattung. Berlin, 19. August.(W. T- B.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sckreibl unter der Ueberschrift„Englische Preßlügen gegen Deutschland": Der Leiter der großen amerikanischen ZeitungSver- bindung„Associated Preß" in New ftork. Herr Melville Etone, rich- tete unter dem 14. d. M. an den Reichskanzler folgende» Tele- gramm: «Exzellenz! Da die englische Regierung täglich Preßberichte über den Fortgang deS Krieges ausgibt, würden unS ähnliche Verlautbarungen von der deutschen Regierung sehr angenehm sein." Der Reichskanzler antwortete: «Deutschland ist vom internationalen Nachrichtenverkehr ab- gffchnitten, kann sich gegen Lügen nicht verteidigen, vertraut, durch Taten die Fallcbbeit seirxer Feinde zu erweisen, dankt jeden:, der die WcMeit verbreiten bilst."- Verlustliste Nr. 4. Leicht verwundet= Erklärung der Abkürzungen. leichtverw. Schwer verwundet= schwerverw. Gefangen gef. = berm. Bermigt: Hauptmann Hauptmann. Oberleutnant Oberleutn. Leutnanf Reuta. 1 Feldwebel Bizefeldwebel= Unteroffizier Gefreiter = Feldw. Bjeldw. Unteroff. Gefr. Einjähriger Einj. Landwehrmann= Landw. Reservist Ref. 9. Kavalleriedivision. Generalmajor v. Bülow, tot. 28. Division. Rittmeister der Reserve Ludwig Bassermann- Jordan, tot. Grenadierregiment„ Kronprinz" Nr. 1. 4. Kompagnie. Grenadier Stephan Zydel, tot. kompagnie. C auR Infanterieregiment Nr. 17. 4. Kompagnie. Gefreiter Julius Gauer, schwerveriv.- Reservist August Kaufmann, schiververiv. Infanterieregiment Nr. 18. 2. Kompagnie. Musketier Kloß, verm. 4. Kompagnie. Sergeant Gottlieb Göerke, veriv. 6. Kompagnie. Unteroffizier Ramdohr, verm. 8. Kompagnie. Gefr. Schröder, verw. Musketier Schulz, veriv. Leutn. Werner 9. Kompagnie. Musketier Schulz, verm. Macketanz, leichtveriv. Bartsch, leichtverwv. Infanterieregiment Nr. 20. 7. Kompagnie. Gefr. Heiur. Jahn I, schwerveriv.- Musketier Hermann Alrich, leichtverw. Musketier Oswald Girke, schiverberi. Musketier Wladislaus Aumüller, schwerveri. Musketier Paul Musketier Erich Buleh, leichtverw. Musketier Stanislaus Filipowski, schwerveri. Musketier WilMusketier Bruno Käthe, schwerverw. helm Herrmann, schtververtv. Musketier Reinhold Kurz Unteroff. d. Res. Rej. Artur Cini. Musketier Otto Kralapp, leichtverin. Musfetier Karl Roth, tot. bein, schwerverip. Franz Senff, tot. Res. Ernst Johl, schwerverip. Smerling, schwerbertv. Ref. Stanislaus Sobicit, verm. Martin Pulvermann, verm.. Füsilierregiment Nr. 35. 9. Kompagnie. Füsilier. Peter Kruczinski, tot. Zeitner, verm. Rej. Mar 10. Kompagnie. Füsilier Franz Daumann, verm. Füsilier Friz Heberer, verm. Fusilier Walter Roloff, verm. Fusilier Hans Milewski, verm. Oberleutn. d. Res. Windmöller, tot. Fusilier Otto Ranarebfi, schwervert. Füsilier Frizz Bastian, verm. Fusilier Otto Beetz II, tot. Füsilier Michael Stawif, verm. Füfilier Franz Harder, verm. 12. Kompagnie. Füsilier Füfilier Seinrich Klöpfer, schwerberw. Igoner Karl Müller II, tot. Fähnrich Hermann Siegert, Füsilier Hermann Bohn, schwerveriv. Füsilier Heinrich Müller IV, schwerveriv. Dragoner Sergeant Alfred Eckardt, schwerverw. schwerveriv. Füsilier Karl Friz, leichtverw. Füsilier Wilhelm Karl Jttensohn, schwerverw. Gefr. Karl Frändle, leichtverw. Moed, schwervert. 4. Eskadron. Ginj. Unteroff. Friedrich Fuchs, schwerverw. Dragoner Karl Zipfler, leichtverm. Dragoner Otto Wend, tot. Drag. Jakob Lehnhardt, tot. Drag. Adam Arnold I, leichtverw. Gefr. Gefr. Adam Bede, leichtverw.- Drag. Wilhelm Wolf, tot.- Seuin. Friedrich Erb, tot. Infanterieregiment Nr. 41, 5. Kompagnie. Musketier Petcaux, leichtverw. 6. Kompagnie. Vfeldt. d. Res. Lehmann, leichtverto. Launert, leichtverw. 7. Kompagnie. Musketier Paul Gustav Albinski, schwerveri. Gefr. d. Res. Joseph Philipp Humelt, tot. 8. Kompagnie. Musketier Emil Weiß, tot. Infanterieregiment Nr. 59. 3. Kompagnie. Sergeant Rudolf Brecko, verm. 5. Kompagnie. Gefr. Gustav Zils, leichtverw. S 8. Kompagnie. Gefr. Karl Friedrich Werner, verm. 9. Kompagnie. Musketier Otto Schlecht, verm. 11. Kompagnie. Musketier Karl Schielmann, verm. Infanterieregiment Nr. 74. Kommandeur Oberst Prinz Lippe, tot. Infanterieregiment Nr. 76. 5. Kompagnie. Gefr. Willy Schröder, leichtvertv. Musketier May Stahl, leichtverw. Musketier Emil Wilfe, leichtverw. Ersabreservist Musketier Albertus Simon, verm. berw. Husarenregiment Nr. 5. 1 t 2. Eskadron. Oberleutn. d. Res. Hans Eichhorn, leichtverw. Leutn. Heinz Hellmuth, leichtverw. Gefr. Hermann Schalf, leichtGefr. d. Res. Willy Pioch, leichtverw. Husar Ernst Räßfe, leichtverw. Husar Bernhard Schwarz, tot. Husar Otto Wezzel, tot. Husar Alfred Bergemann, leichtverw. 4. Eskadron. Unteroff. Rudolf Alemaschewski, leichtverw. Husar Andreas Bruns, leichtverw. Husar Albert Sturm, leicht berw. Husar Wladislaus Rakowski, tot. Jägerregiment zu Pferde Nr. 11. Jäger zu Pferde Paul Grun, tot. Feldartillerieregiment Nr. 80. Kanonier Peplinsky, tot. 3. Batterie. Unteroff. Blume, tot. Kanonier Lotfing, tot. Kanonier Link, tot. verwundet. Einj. Unteroff. Reeb, verwundet. verwundet. Kanonier Kaspersmeyer, verwundet. 6. Kompagnie. Gefr. Otto Schröder I, Verwundung am Kopf. Schmidt, vermißt. Rej. Hans Alexander, leichtveriv. Infanterieregiment Nr. 142. 1. Kompagnie. Musketier Josef Folzer, schwerverw. Bernauer, leichtverw. Musketier Michael Schaffhausen, tot. Res. Christian Stegmaier, leichtverw. Rej. tot. 2. Kompagnie. Musketier Karl Greis, schwerverw.- Musketier Jacob Benz, schwerverw. 3. Kompagnie. Res. Johann Samstag, tot. Musketier Eugen Lais I., tot. Musketier Karl Gaiger, tot. Vfeldw. Robert Oppermann, schwerw. Hornist Josef Würth, leichtverw. 4. Kompagnie. Res. Friedrich Nuffer, tot. Musketier Anton Schindler, leichtverw. Musketier Adolf Geiges, schververw. Res. Karl Linnig, leichtverw. Infanterieregiment Nr. 148. 7. Kompagnie. Musketier Gustav Lausch, verwundet. 8. Kompagnie. Sergeant Karl Glückstadt, vermißt. 10. Kompagnie. Gefr. Oswald Eschholz, vermißt. 11. Kompagnie. Gefr. Vollrath Jbarn, verwundet. dil da Infanterieregiment Nr. 152. 3. Kompagnie. Gefr. Wilhelm Vögele, verwundet.- Musketier Karl Moor, verw. Musketier Grebbin, verw., Kompagnie nicht bekannt. Musketier Grebbin, vermißt. 5. Kompagnie. 11. Kompagnie. Füsilier Hans Griem, tot. Fahnenjunker Unteroff. Günther Behschnitt, leichtverw. Unteroff. Wilhelm Fischer, schwerverw. Füsilier Vallentin Strugalla, leichtverw. Füsilier Paul Liborius, schwerverw. Einj. Unteroff. Paul Hörner, berm. Füsilier Franz Wachholz, verm. 12. Compagnie. Unteroff. d. Nes. Friedrich Bake, leichtveriv. Füsilier Otto Henschke, leichtverw. Füsilier Rudolf Krienke, verm. Rej. Karl Schulz II, berm. Füsilier Wilhelm Hörizz, verm. Füsilier Richard Haufler, leichtverw. Ref. Richard Pasche, verm. Ref. Franz Staschif, verm. Füsilierregiment Nr. 40. 9. Kompagnie. Gefr. Willy Dortmund, tot. Haug, tot. Gefr. Wilhelm Brüggemann, leichtverw. Emil Kochler, schuververtv. Füßlier Adolf Leute, verm. Stephan Weiler, verm. Füsilier Hermann Losch, verm. August Lütten, berm. SE 7. Kompagnie. Vfeldw. Zimmny, vermißt. Infanterieregiment Nr. 171. 10. Kompagnie. Gefr. August Heitel, verm. Musketier Paul Kersten, verm. Musketier Hermann Skottke, verm. Musketier Ludwig Rohleder, verm. Gefr. d. Res. Wilhelm Schwecke, verm. Gefr. d. Res. Josef Gaostka, verm. Gefr. d. Res. Viktor Schneider, verm. Gefr. d. Res. August Wetterwald, verm. Dragonerregiment Nr. 10. 5. Eskadron. Fahnenjunker Gefr. Franz Schröter, schwerw. Dragonerregiment Nr. 22. 1. Eskadron. Dragoner Eugen Oßwald II, leichtverw.- Drag. Füsilier Alouis Wilhelm Fallert, leichtver. Drag. Erich Rogaß, schwerverw. Füsilier Leutn. Georg Gawantka, leichtverm. Drag. Ernst Bury, schwerFüsilier verwundet. Fahnenjunker Erwin Brüning, verm. Drag. Füfilier Josef Rees, verm. Drag. Johann Hanife, verm. Drag. Johann Kempf, verm. Sergeant Wilhelm Siegmund, verm. 2. Eskadron. Leutn. Heinrich Mechtersheimer, leichverm. Drag. Wilhelm Wittmann, leichtverw.- Unteroff. Emil Köhler, leichtverm. Drag. Eduard Zinniger, tot. Leutn. Wilhelm Berninger, leichtverw. Drag. Hermann Schacherer, schwerverw. Leutn. Ernst Drömer, schwerverw. 3. Eskadron. Gefr. Ferdinand Bachmann, schwerverw. 10. Kompagnie. Füsilier Otto Drejel, verm. Füsilier Heinrich Küster, verm. 11. Kompagnie. Füsilier Heinrich Bargies, tot. Füfilier WilHelm uhde, verm. Füsilier Hermann Witte, verm. Füsilier Stanislaus Misko, verni. Füsilier Gustav Bährens, verm. Füsilier Alois Krämer, berm. Füsilier Baptist Mura, verm. Schiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. URANIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Lüttich und das belgische Land. Gartenbühne Rose- Theater& Franti. t. 132 Der Franzose in der Mansefalte. Die Heimkehr des Landwehrmanns. Die Wacht am Rhein. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger! Gr. patriotisches Progr. Anfang 8 Uhr. Sonntags7thr Für Militär: personen und deven Angehörigen völlig freier Zutritt zu d. Stettiner Sängern und Theater. Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis Petersburger Viertel. Bez. 372. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Karl Schulz Rigaer Straße 36, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 20. August, nachmittage 34 Uhr, von der Salle des Zentral- Friedhofs in Friedrichsfelde aus statt.[ 215/10 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am Montag, den 17. August, verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser Herzensguter Bater, Bruder, Schwieger und Großvater, der Gastwirt Gustav Degner im 60. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bittet Im Namen aller Angehörigen: Auguste Degner geb. Bremer. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 20. August, nachmittags 126 Ubr, von der Halle des freireligiöjen Friedhofes aus statt. 2924b Sozialdemokratischer Wahlverein I. d. 6. Berl. Reichstagswahlkreis. Am Montag, den 17. August, verstarb unser Genoffe, der Gastwirt Gustav Degner Bornholmer Str. 17. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 20. August, nachmittags 5%, br, von der Leichenhalle des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde in der Pappelallee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Gustav Degner Bornholmer Str. 17 Bezirk 2, berstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 20. August, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde, Pappelallee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 75/46 Die Ortsverwaltung. Heines Werke 3 Bände 4 Mart Buchhandlung Vorwärts Deatscher Transportarbeiter- Yerband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeitskutscher Gustav Gericke am 16. August im Alter von 36 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 19. August, nach mittags 22 Uhr, von der LeichenHalle des Neuköllner GemeindeFriedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverwaltung. Ortsverwaltung Spandau. Den Mitgliedern ferner zitr Nachricht, daß am 16. Auguft, mittags 12 Uhr, unser Kollege Hermann Werk im Alter von 39 Jahren an Lungenentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 19. August, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes in den Riffeln aus statt. 67/12 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Am 16. August verstarb unser Parteigenoffe Gustav Gericke Prinz- Handjery- Str. 69. 18. Bez. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute am 19. August, nachm. 22 Uhr, von der Leichenhalle des Neuföllner Gemeinde- Friedhofes am Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. 203/3 Haben Sie Stoff? ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten von 25 Mark an. Moritz Laband, Neue Promenade 8, 11.( Stadtb. Börs.) DraZentral- Kranken- Unterstützungsverein d. Schmiede u. verwandten Gewerbe Deutschlands. Berlin 11.( Sterbekasse.) Am Sonntag, den 16. August, verstarb unfer Mitglied, Frau Anna Hermann Schulstr. 25/26. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Nazareth- Kirchhofes, Stögelstraße, aus statt. Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäscherung meines lieben Mannes, des Maurers Karl Meike sage ich hiermit allen Teilnehmern meinen innigsten Dant. Witwe Pauline Meike. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kransspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters Max Lier Pionierbataillon Nr. 3. Unteroff. Ritter, Gefr. Wengler, Sergeant Pionier Feuerredt, Pionier 1. Kompagnie. Unteroff. Fuhrmann, tot. Pionier Lüdice, verw.- Pionier Taesler, veriv.. Baul Krüger, verw. Pionier Dähnid, Pionier Stronz, verw. berw. Pionier Arnold, verm. Pionier Arndt, verm. Badisches Pionierbataillon Nr. 14. 1. Feldpionierkompagnie. Unteroff. d. Res. Parl Perrin, verm. Gefr. Hermann Bartenbach, verm. Pionier Friedrich Marquardt, verm. Pionier Friedrich Großmann, schwerverw. Pionier Guido Dannenmayer, leichtverw. Pionier Paulus Fried mann, schwerverw. Pionier Pionier Oskar Kaiser, schwerverw. Jokob Kirsch, verm. Pionier Heinrich Leuz II, schwerverw. Pionier Hermann Lang II, tot. Pionier Julius Mayer II, berm. Pionier Karl Steidel, verm. Pionier Friedrich Möller, schwerverw. Pionier Eugen Mühbacher, schwerverw.- Pionier Engelbert Gentner, verm.- Gefr. Raphael Wiedmann, schwerverw. 1 Fliegertruppen. Oberleutn. Koch, infolge Absturzes gestorben. Aus Industrie und Handel. Die Kriegsbörsen im Jahre 1870. Wenn man sich den Verlauf des Börsenverkehrs im Jahre 1870 nach der Kriegserklärung refonstruiert, so stellen sich die damaligen Börsenvorgänge wesentlich bedeutungsloser dar als die Ereignisse die sich in der letzten Juliwoche 1914 an den internationalen Börsen abgespielt haben. Eine Schließung des Verkehrs war noch nicht einmal an der Berliner Börse notwendig. Die damals im Vordergrunde des Interesses stehenden festverzinslichen Werte erlitten freilich sehr starke Kursrüdgänge. Die 5prozentige Preußische Staats anleihe, die am 11. Juli noch mit 101 Proz. notiert worden war, stürzte nach der Kriegserflärung am 19. Juli bis auf 87 Proz. Die raschen deutschen Siege hatten aber eine sehr schnelle Erholung der Surse zur Folge, so daß bereits am Tage der Schlacht von Sedan wieder ein Kurs von 983/8 Proz. erreicht worden war. Die 4 pros zentige preußische Anleihe war schon von Mtimo Juni bis zum 11. Juli von 831, Proz. auf 78 Proz. gesunken, stürzte dann bei der Kriegserklärung bis 72 Broz., hatte aber schon am Sedantage wieder einen Stand von 80% Proz. erreicht. Bemerkenswert ist, daß jogar am Tage der Krigserklärung für die Staatsanleihen fast durchweg noch Kurse notiert worden sind und daß nur die Notierungen einiger Stadtanleihen und Pfandbriefe gestrichen werden mußten. Auch die ausländischen Börsen sind beim Ausbruch des deutsch- französischen Krieges in Funktion geblieben. Allgemeine Ortskrankenkasse für Berlin- Tempelhof. Durch Reichsgesetz vom 4. Angust 1914, betreffend Sicherung der Leistungsfähigkeit der Krankenkassen werden für die Dauer des gegen wärtigen rieges bei sämtlichen Orts, Land-, Betriebs und Innungsfrankenkassen die Leistungen auf die Regelleistungen und die Beiträge auf 42 bom hundert des Grundlohnes festgeset 1. Die Beiträge betragen daher vom Montag, den 17. Angust 1914, ab: für Lohnstufe A 0,24 M. I 0,33 II 0,57 " " III 0,78 " " 1,14 " " . 1,53 " " VI.. 1,89 " Berlin- Tempelhof, den 17. August 1914. Der Vorstand 277/10 der Allgemeinen Ortskranken tasse für Berlin- Tempelhof. sagen wir allen, insbesondere dem Albert George, 1. Borsigender. Herrn N. Küter für die trostreichen Worte am Grabe unseren herzlichsten Dank. Wwe. Anna Lier nebst Kind. Danksagung. Für die Beweise der Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Mannes fage ich allen Bekannteu, den Kollegen der Firma Aron, dem Deutschen Metallarbeiter- Verband somie den Sängern meinen herzlichsten Dant. 29255 Anna Gäbisch geb. Heinrich. Spezialarzt Dr. med. Wockenfuß, Friedrichstr. 125( Oranienb. Tor) für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden Ehrlich- Hata- Kur( Dauer 12 Tage). Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung. Spr. vorm. 9- Nm. 8, Sonnt. 9-11. ReutersWerke 3 Bände 4 Mark Buchhandlung Vorwärts Mohrenstr.:37 Kolonnaden. Gr. Frankfurterstr. 115 TrauerMagazin Kleider Hüte etc. Außerste Preise Farbige Konfektion in größtem Maßstabe zu billigsten -PreisenKleidung für Schwestern u. Krankenpflegerinnen äusserst billig! Westmann Arbeiter Gesundheits- Bibliothek Jedes Heft 20 Rg. Bitte probieren Sie unsere Vorzüg lichen reinschmeckenden ff Bohnenkaffee's Spezialität: Venezuela a Honduras Mischungen Ununterbrochener Röstbetrieb daher stets frisch geröstete Qualitäten. Kaffee Rösterei Rauer& C. nur C.54 Neue Schönhauserstr. 3. Verantw, Redakt.: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw. Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl 040 e It 1 44 5 Y, ie 09 er er ar eg er ie en Nr. 225. 31. Jahrgang. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Das mexikanische TrauerSpiel. Mittwoch, 19. Auguft 1914. Bittere Pillen. schmerzlicher, als diese Bahn der Frachtbeförderung durch den Lohn gewährt werden könne, nicht Rechnung getragen werde. Banamafanal eine gewisse Konkurrenz zu bieten berinag, zu Aus diesem Grunde hält der Magistrat den von ihm vor mal die Bahn neuerdings ihre Frachttarife für durchgehende geschlagenen Weg für praktischer. Er ermögliche eine sorg Güter so gestellt hat, daß sie um ungefähr 40 bis 45 Broz. fältige Prüfung jedes einzelnen Falles und gestatte, beim niedriger find als die vorgesehenen Kanalabgaben. Vorliegen eines Bedürfnisses über die Säße hinauszugehen, Dadurch stellt sich, zumal die Tehuantepefbahn um ungefähr welche Staat und andere Gemeinden ihren Arbeitern zu 120 deutsche Meilen nördlicher liegt als der Banamafanal, gebilligt haben. Der erste Aft des merikanischen Kriegsspiels ist beendet. für manche nach der Pazifikküste Merifos und der Union Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! General Carranza, der Günstling Wilsons und Stipen- bestimmten, nicht leicht dem Verderben ausgesezten Güter fann man angesichts dieser Regelung ausrufen. Auf dent diat der in Meriko interessierten nordamerikanischen Finanz- die Fracht viel billiger, wenn diese Güter in Puerto Merifo Bapier nimmt sie sich sehr hübsch aus, sie ist sicher auch gut cliquen, steht, wie unterm 15. August telegraphisch aus Merifo ausgeladen, mit der Bahn nach Salina Cruz befördert und gemeint. Eine Gewähr dafür, daß die Bestimmungen loyal gemeldet wird, mit einem starken Heer vor der von dem bis- von dort mit Küstenschiffen nach ihren Bestimmungsorten und wohlwollend ausgelegt werden, besteht eben leider nicht. herigen Präsidenten Carbajal verlassenen Hauptstadt des weitertransportiert werden. Das past aber der Vereinigten Wie das gar mit den landwirtschaftlichen Arbeitern gehalten Landes und wird voraussichtlich in den nächsten Tagen in Staaten- Regierung nicht in ihre Rechnung. Der Betireb soll werden soll und wer da bestimmt, davon ist schon gar nicht diese einziehen. Zwar ist er vorläufig nur noch Präsident durch den Panamafanal geleitetet, nicht durch billige Kon- die Rede. auf Grund eigener Ernennung. Nach der merikanischen Ver- kurrenzbahnen abgeleitet werden. So hat man denn Carfassung gilt er erst dann als Präsident, wenn er von der Be- ranza das Versprechen abgenommen, den Verkehr über die " Baß die Rechte nicht wissen, was die Linke hut" diese Maha bölferung erwählt ist; doch wer zweifelt daran, daß Carranza Tehuantepekbahn einzuschränken und die Frachtläge zu ernung ist in den jezigen schweren Zeiten mehr benn je angebracht. jest, nachdem er das Heft der Verwaltung in der Hand hat, höhen zum Schaden der Handelsentwickelung Merifos. init ungefähr gleicher Mehrheit zum Präsidenten erkoren wird In den einzelnen Unterstüßungskommissionen, die von Staat und Doch das alles genügt den Finanzpolitikern der Union Stadt eingesetzt sind, um die Not in den Familien unserer bravert wie vor kurzem sein erledigter Gegner Victoriano Huerta. noch immer nicht. Außerdem soll Carranza eine Art Ober- Landwehrmänner und Reservisten zu lindern, sidern allmählich Die nordamerikanischen Kapitalistengruppen, die so lange aufsicht der Vereinigten Staaten über Mexiko und das Recht Dinge durch, welche in den Herzen aller derjenigen, die ihre Arbeitsdrängten und drängten, bis sich Wilson zum Eingreifen in der Union zur Intervention bei inneren revolutionären fraft vom frühen Morgen bis in die späte Nacht in den Dienst der die merikanischen Wirren entschloß, haben also im wesentlichen Wirren anerkannt und die Verpachtung" der niederkalifor- freiwilligen Wohltätigkeitspflege stellen, nicht gelinde Entrüstung und erreicht, was fie wollten; denn eine Annexion nordameri- nischen Magdalenenbucht an die Vereinigten Staaten- Regie- Empörung auflodern läßt. Wohltätig sein ist eine schöne Sache, und fanischen Gebietes wünschten die meisten von ihnen nicht, da rung zugesagt haben. es nimmt sich dann in den Zeitungen sehr nett aus, wenn es heißt: die sogenannte Pazifikation der annektierten Landstriche noch Carranza übernimmt also als Agent und Mietling des" Die Firma N. hat 5000 M. zu wohltätigen Zwecken überwiesen." manches Opfer an Geld und Blut fordern und überdies eine nordamerikanischen Finanzkapitals den Präsidentensiz. Um Daß diese Art Wohltätigkeit mitunter recht trübe Schattenseiten hat, folche Annexion die farbige Bevölkerung der Vereinigten die Präsidentenwürde zu erlangen, hat er wird in den Unterstützungskommissionen immer mehr und mehr be Staaten noch um einige weitere Millionen vermehren würde. Die Interessen seines Landes ifrupellos fannt. So bedauerlich es ist, es muß tatsächlich festgestellt werden, Biel nüßlicher dünkt es den nordamerikanischen Raptialisten, be rich a chert. Die Frage ist nur, ob die Merikaner, wenn baß viele- sehr viele, leiber- nach außen hin mit ihrem„ aufMerifo nominell seine Unabhängigkeit zu lassen, aber unter fie sehen, um welchen Preis sie mit der Präsidentschaft Car- opfernden Vaterlandssinn" zu prunten wissen, um dann, fern von Bedingungen, die dieses Land dem nordamerikanischen ranzas beglückt worden sind, still halten. Vorerst dürften aller Oeffentlichkeit, Handlungen zu begehen, die mit der wirklichen Kapital ausliefern und zugleich die Gewähr bieten, daß seine sich allerdings der größte Teil der Zentral- und Oftgebiete Wohltätigkeit nichts zu tun haben. So wurde u. a. in einer UnterInteressensphäre am Panamafanal nicht geschwächt, sondern Merifos völlig in die Herrschaft Carranzas schicken; denn die stützungskommission folgendes bekannt: Eine bekannte, große Fabrik gestärkt wird. So ein ganzes oder halbes Protektorat tut es Geschäftskreise haben so mannigfach unter den inneren im Norden Charlottenburgs hatte der zuständigen Unterstützungsauch, wie das schöne Verhältnis der„ Republiken" Kuba, San Wirren gelitten, daß sie vor allem nach Ruhe, nach Gelegen- fommission einen größeren Betrag zur Verfügung gestellt, mit Domingo, Panama usw. zur nordamerikanischen Union be- heit zum Geschäftemachen verlangen und in diefer Stimmung welchem auf ihrem Fabrikgrundstück eine Speisung der Kinder der weist. Eine Rubanisierung" genügt also. bereit sind, auch eine ziemlich harte Diktatur zu ertragen, Gingezogenen stattfinden sollte. Die Spende wurde dankend akzep Und für dieses Bestreben, die sogenannte„ öfono- falls diese nur für die heilige" Ordnung sorgt. Aber tiert und öffentlich Quittung geleistet. Jetzt wurde bekannt, daß die mische Suprematie" der Vereinigten Staaten über wird diese Stimmung anhalten, wenn man Firma einen Teil der Arbeiter entlassen hat, die übrigen müssen Mittelamerika und den südamerikanischen Staaten am Sari- später sieht, wie das nordamerikanische dafür die Arbeit der Entlassenen mitleiſten und erhalten dafür troß bischen Meer zu etablieren, bedeutet Carranzas Präsidentschaft Rapital das Land auspreßt? Dem nationalstolzen längerer Arbeitszeit geringeren Lohn. So z. B. erhält ein Arbeiter, in Mexiko einen ansehnlichen Erfolg, selbst dann, wenn sich der Durchschnittsmerikaner ist kein Fremder mehr verhaßt als der vier Kinder hat, statt wie bisher 26 M. Wochenlohn nur 18 M. eine und andere der Rebellengeneräle, die bisher mit Car- der nordamerikanische Gringo( Stammler, Kauderwälscher, usw.- Wäre es nicht zweckmäßiger, wenn die Firma, statt des einranza gegen Huerta fämpften, jezt, wo jener als Sieger so genannt, weil die Yankees das Spanische meist schlecht maligen größeren Betrages, der in die Zeitungen kommt", ihren aus dem Konkurrenzstreit hervorgegangen ist, gegen ihn sprechen), und dazu kommt, daß sich in Meriko heute die ver- Wohltätigkeitssinn lieber in der Weise betätigt hätte, ihre Arbeiter, wenden sollten. Durchaus nichts unwahrscheinliches, vor schiedenen Interessengruppen scharf gegenüberstehen. Einiger meist Familienväter, in Arbeit zu behalten? Ein anderer Fall: Ein nehmlich nicht, soweit Herr Villa in Betracht kommt; denn Sympathien erfreut sich der Nordamerikaner nur bei einem vermögender Hauseigentümer in Charlottenburg ist im Ehrenamt daß dieser Bandenführer, der allem Anschein nach zurzeit noch Teil der Partei der„ Cientificos", der sogenannten„ Ge- Armenpfleger, seine Frau Waisenpflegerin. In seinen Diensten steht mit einer ziemlich starken Truppe die Nordgrenzgebiete bildeten", vornehmlich der reichen Pflanzer, Finanziers und ein Fabrikarbeiter, der die Pförtnerstelle inne hat. Der Mann wird Mezifos brandschakt, einfach die Waffen streden wird, falls Großhändler, die mit den Yankees in profitablen Geschäfts- als Reservist eingezogen und muß seine Frau mit zwei Kindern er nicht ein schönes Sümmchen amerikanischer Dollars und verbindungen stehen; aber die Areise der kleineren merifani- aurüdlassen. Der Herr Armenpfleger spendet zwar 500 M. für das einige Pfründen als Abfindungssumme erhält, ist faum anzuschen Kaufleute, der Industrie, der sogenannten freien Berufe, Rote Kreuz", entläßt aber gleichzeitig die Frau, die der Kleingrundbefizer hegen gegen den nördlichen Nachbar sechs lange Jahre ihre Arbeit als Hausreinigerin geleistet hat. Sie nehmen. Aber mögen auch die Rivalen Carranzas sich gegen seine einen tiefeingewurzelten Haß. Und die Unterstüßung dieser fällt nun der öffentlichen Armenpflege zur Last. Ihre Arbeit wird Herrschaft auflehnen und die sogenannte Revolution fort- reife fann fein merikanischer Präsident entbehren, der sich von einer verarmten, entfernten Verwandten des Hausbesikers gesetzen, die amerikanischen Finanzgruppen wird das durchaus auf seinem Siz halten will. So wird es auch mit Carranzas leistet. Der Inhaber einer Filz- und technische Gummiwarennicht hindern, alsbald energisch mit der Geltendmachung Diftatur voraussichtlich nicht allzu lange dauern. Es ist nur handlung spendet 300 m., entläßt aber gleichzeitig zwei junge threr Ansprüche zu beginnen; vielleicht ist ihnen ein der erste Aft der merikanischen Tragikomödie, die mit Car- Mädchen, die als Kontoristinnen zusammen 150 M. Gehalt pro merikanischer Präsident, der, von Widersachern umringt, fich ranzas Einzug in die Stadt Meriko endet, aber dieses Spiel Monat beziehen. Die Mutter der einen Angestellten ist Witwe und in einer Zwangslage befindet und deshalb die pekuniäre hat mehrere Afte. Hilfe der nordamerikanischen Kapitalisten nicht zu entbehren bermag, sogar viel lieber als ein verhältnismäßig unabhängiger, sich auf breite Volfsmassen stützender Präsident. se weniger Herr Carranza auf eignen Füßen zu stehen vermag, desto leichter fönnen ihm die imperialistischen FinanzBerliner Nachrichten. lebte von dem Gehalt ihrer Tochter, der Vater der anderen ist als Landwehrmann eingezogen worden. Wäre es auch hier nicht zweck. mäßiger gewesen, statt der gespendeten 300 m. die beiden Mädchen, die ihre Angehörigen unterhalten müssen, noch auf zwei Monate in ihren Stellungen zu belassen? Es gibt Fabrikbefizer, die größere Summen gespendet haben, aber verschweigen, daß erst ihren Arbeitern das Geld von ihrem Lohne abgezogen worden ist. Zahlreiche Die Stadt Berlin, ihre Beamten, bolitiker der nordamerikanischen Union ihre Wünsche diktieren. Angestellten und Arbeiter in der Kriegszeit. ähnlich liegende Fälle sind bekannt geworden. Darum möge jeber, der Und die Finanzgruppen der Union haben bereits ihre Pläne fertig. Wie jüngst die gut unterrichtete merikanische ZeitDer Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung in lobenswertem Eifer sich an der öffentlichen Wohlfahrtspflege beschrift„ El Imparcial"( Der Unparteiische) berichtete und von eine dringliche Vorlage unterbreitet, die bereits am morgigen tätigen will, sich erst im engeren Kreise umsehen, ob er nicht auch anderer Seite bestätigt wurde, hat Carranza durch seine Donnerstag ihre Erledigung finden soll. Soweit es sich um hier Gutes stiften kann. Unterhändler den Amerikanern für den Fall, daß sie ihm zur die Regelung des Diensteinkommens der zum Kriegsdienst Präsidentschaft verhelfen, versprochen, daß er alsbald- an- einberufenen Beamten handelt, so erhalten die KommunalDie Eröffnung der Bürgerspeisehallen. geblich um Meriko von dem schädlichen Einfluß der europäi- beamten, die mit Beamteneigenschaft an den Volksschulen Das Rote Kreuz von Berlin eröffnet heute Mittwoch, den schen Finanz zu befreien- ein Darleben von 500 und an den höheren Schulen angestellten Lehrer, sowie die 19. August, 11 Uhr, ſeine erste Bürgerspeisehalle in den KaiserMillionen Dollars( zirka 2100 Millionen Mart) in mit Beamteneigenschaft angestellten Fach- und Fortbildungs- hallen am Morigplatz. Morgen Donnerstag, den 20. Auguſt, folgt den Vereinigten Staaten aufnehmen und damit die früher in schullehrer im Falle ihrer Einberufung zum Militärdienst ihr als zweite der Landesausstellungspark Moabit. Die Ausgabe der Europa aufgenommenen Darlehen zurückzahlen will. Ein Gehalt gemäß§ 66 Absatz 2 und 5 des Reichsmilitärgefeßes Marten erfolgt jeweilig am vorhergehenden Tage, a) in dem netter Plan! Denn selbstverständlich kann Carranza als weiter gezahlt, auch diejenigen, die nach eingeholter Genehmi- Verkaufsbureau des Roten Kreuzes von Berlin, Oranienftr. 78, für Vertreter des merikanischen Volks unter den jeßigen Umgung des Magistrats freiwillig ins Heer eintreten. die Bürgerspeisehalle am Moritzplatz von 10-12 Uhr, ferner am ständen und in Anbetracht des hohen Risikos nicht verlangen, Die zum Kriegsdienst einberufenen Angestellten Eingang des Landesausstellungsparks Moabit, daß die nordamerikanische Finanz eine solche Summe zu einem erhalten einen Teil der Bezüge, und zwar, soweit es sich um Invalidenstraße, gegenüber der Ullanenlaferne, im rechten Kaffenniedrigen Zinsfuß hergibt. Zudem aber muß, wie vom fapi- verheiratete Angestellte handelt soll diesen gewährt werden: Häuschen ebenfalls von 10-12 Uhr für die Speiſehalle Landestalistischen Standpunkt aus ganz begreiflich erscheint, Meriko ausstellungspark; b) in allen Bureaus des Zentralarbeitsnachweises genügende Garantien für dieses Darlehen von 500 Millionen Dollars bieten, das heißt Carranza muß als Unterpfand den Gormannstr. 13 von 8-6 Uhr; c) für die Mitglieder der Gewerkschaften: a) freie Gewerkschaften im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, nordamerikanischen Kapitalisten weitere namhafte Delländebon 9-1 Uhr und 4-7 Uhr; b) christliche Gewerkschaften, Blumen reien, Bergwerke, Eisenbahnkonzessionen usw. ausliefern. ftraße 75, von 9-1 Uhr und 3-7 Uhr; c) Verband der deutschen Gewerkschaften( H. D.), Greifswalder Straße 221/228, zwischen 8 und 4 Uhr. Der Preis für das Mittagessen beträgt 10 Pf. Dieser Das Rote Kreuz Betrag bildet nur einen Teil der Selbstkoften. von Berlin erwartet, daß nur wirklich Bedürftige die Speisehallen besuchen werden. Die Herren Finanziers haben sogar nichts dagegen, wenn die Summe von 500 Millionen Dollars noch etwas erhöht wird : natürlich ebenfalls mur gegen hohe Zinsen und genügende Sicherheit. Sie haben deshalb entdeckt, die politische Ehrlichkeit und die staatliche Würde Carranzas als merikanischer Präsident verlange, daß er auch sämtliche Schulden Huertas übernehme und zurückzahle. Ferner soll Carranza der Union versprochen haben, dem amerikanischen Handel allerlei Zollbegünstigungen gegenüber dem europäischen Handel zu gewähren, ungefähr ähnliche Vorrechte, wie sie der Handel der Vereinigten Staaten auf Ruba genießt. a) bei einer Beschäftigungsdauer im städtischen Dienst von mehr als drei Monaten bis zu einem Jahre ein Viertel der bisherigen Bezüge; b) bei einer Beschäftigungsdauer von mehr als einem Jahr bis zu 2 Jahren ein Drittel der bisherigen Bezüge; c) bei einer Beschäftigungsdauer von mehr als 2 Jahren bis zu 5 Jahren die Hälfte der bisherigen Bezüge, und d) bei einer Beschäftigungsdauer von mehr als 5 Jahren drei Viertel der bisherigen Bezüge. Unverheirateten Angestellten können die gesamten Bezüge ausnahmsweise dann bewilligt werden, wenn der unberheiratete Angestellte bisher Eltern oder anderen nahen Verwandten Wohnung oder Unterhalt gewährt hat. Für die zum Heeresdienst einberufenen Arbeiter ist so gut wie nichts vorgesehen. Die Arbeiter erhalten die vom Staat festgesetten Mindestsäge mit dem von der Gemeinde gewährten Zuschlag von 100 Proz. Haupteingang Wohltätigkeit der jüdischen Gemeinde. Gemeinde hat einstimmig beschlossen, das jüdische KrankenDie Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen haus in der Auguststraße 14/16 für Lazarettzwede zur Berlin zur Unterstützung von Angehörigen der zur Fahne Verfügung zu stellen, 60 000 m. den Gemeinden von GroßEinberufenen zu bewilligen. Ferner wurden bewilligt 25 000 m. für das Rote Kreuz und 20 000 m. für dringende Drittens hat Carranza die Verpflichtung übernommen, die Frachten auf der Eisenbahn über den Ifthmus von Soweit ein Bedürfnis vorliegt, kann den Arbeitern von Tehuantepek zu kontingentieren. Bekanntlich hat der frühere den Unterstützungskommissionen eine weitere Unterſtüikuna Anforderungen aus Anlaß des Krieges. Außerdem wurden merikanische Bräsident und Diktator Porfirio Diaz den Be- bewilligt werden. Die Zuschußunterstüßung soll von der noch Ausgaben für Armenunterſtüßungen, für schleunige trieb der 1889 bis 1894 erbauten 318 Kilometer langen Stadtgemeinde den Unterstützungskommissionen erfekt werden, Bauten im Krankenhaus, für Waisenpflege, Fürsorge an Tehuanteper- Nationalbahn, die den Hafen von Salina Cruz damit nicht die Summen aus freiwilligen Sammlungen Durchreisende usw. genehmigt. an der atlantischen Küste mit Puerto Meriko an der Gold- verkleinert werden. In Zweifelsfällen soll zugunsten der füfte verbindet, der englischen Firma Bearson u. Son Limited Arbeiter entschieden werden. in London oder vielmehr einer von dieser und der merikani- Der Magistrat fagt zu dieser eigenartigen Regelung der schen Regierung gegründeten Eisenbahnbetriebsgesellschaft Bezüge der Arbeiter folgendes: Es wären zwei Wege übertragen und dieser Gesellschaft zugleich das Recht einge- denkbar. Einmal könnte man einen bestimmten Prozentsatz räumt, Schiffsunternehmungen im Stillen und Atlantischen des Lohnes weiter gewähren, wie das die Staatsbehörden Dzean zum Zwecke der Frachtheranschaffung für diese Bahn und auch einige Vororte tun. Dieser Weg scheine aber die zu errichten sowie an den merikanischen Küsten Küstenschiffahrt einzelnen Fälle zu schematisch zu behandeln; habe auch den au treiben. Dieser Uebergang der Tehuantepefbahn in eng- Fehler, daß häufig den Bedürfnissen des einzelnen Falles lische Hände ist für die amerikanischen Kapitalisten um so durch Festsetzung eines Höchstbetrages, bis zu welchem der Ausbeutung des Aberglaubens. aus der Tasche zu ziehen. Dieser Tage wurde aus Steglitz ein An Auch der Krieg muß herhalten, abergläubischen Leuten bas Gelb schreiben folgenden Inhalts versandt: Sehr geehrte gnädige Frau! Erlaube mir, Ihnen beifolgendes Kärtchen zu senden. In unferer bösen Zeit bitten wir alle um Schuß und Hilfe. Ein per sönlicher Talisman nach wissenschaftlicher astrologischer Berechnung besitzt die Kraft, uns zu schützen und das Böse von uns fernzuhalten. Wollen Sie nicht auch, gnädigste Frau, em Amulett tragen? Ich habe die Dame, welche die astrologischen Berech- nungcn lHoroskopj aufstellt, zufällig(II Red.) kennen gelernt, sie wohnt Steglitz(folgt Adresse), gibt auch auf Grund eingehender Studien aus der Handschrift Diagnosen über Schicksalsfügrmgen, Krankheiten, Begabung, Eigenschaften usw. Die Dame, Frau ist A u t o r i t ä t in ihrem Fache, besonders ihre Handlesekunst ist sehr interessant, deshalb erlaube ich mir, Sie darauf aufmerksam zu machen. - Hochachtungsvoll Diesem Anschreiben ist eine Karte beigefügt mit folgender Auf- schrift: Amulette aus Gold, Silber, gestempelt(3l> und 20 M.V, als Anhänger und Nadel zu tragen, in schwerer Zeit zum persönlichen Schutz nach wissenschaftl.-astrologischen Berechnungen— nebst Horoskop—. Nach Angabe der Geburtsdaten binnen' drei Tagen. (Folgt die Adresse einer Handlung mit Goldwaren und Uhren in Bcrlin-Friedenau.) Man steht, selbst in sb ernsten Zeiten wie die jetzigen wagen es gerissene Nichtstuer, auf die Leichtgläubigkeit vieler Großstadt- bewohner zu spekulieren. Es gibt leider unter dem weiblichen Publi- kum immer noch genug Leute, die auf solchen Schwindel hineinfallen. Von einem MilitSrttutomobil überfahren wurde vorgestern an der 'Ecke der Treptower Chaussee und der Elsenftraße die Witwe Kürbis aus Treptow. Dort sollte ein Motorwagen der Straßenbahnlinie 90 gegen einen anderen auf der Strecke defekt gewordenen Wagen aus- gewechselt werden. In dem Augenblick, als die Fahrgäste umstiegen, kam ein Automobil der Fliegertruppe aus Jüterbog vorbei, von dem Frau K. umgerissen wurde. Sie erlitt einen doppelten Bruch de? linken Fußknöchels und Hautabschürfungen. Nach Anlegiing eines Notverbandes auf der nächsten Unfallstation wurde die Ver- unglückt« nach einer Privatklinik gebracht. Ein tödlicher Automobilunfall hat sich am Dienstag in Schöne» berg ereignet. Als ein Automobil die RegenSburger Straße passierte, kam ihm ein anderer Kraftwagen, der au« einer Seitenstraße ein- bog. entgegen. Um einen drohenden Zusammenstoß zu vermeiden, bog der Führer des elfteren Autos scharf zur Seite aus. Der Kraft- wagen rannte dabei auf den Bürgersteig hinauf und riß die gerade vorübergehende 44jährige Frau Angelika Langrott, die in der Motz- straße LS wohnt, um. Frau L. erlitt einen schweren Schädelbruch, dem sie auf der nächsten Unfallstation, wohin sie von Augenzeugen des Vorfalls gebracht worden war, erlag. Ein Notschrei. Von einem Leser wird uns folgende Zuschrift übermittelt: „Ich habe bisher eine gutgehende Vertretung gehabt. Mein Ge- schüft, zu dessen Reklame ich das Letzte hergab, geht bei dieser Zeit nicht und bin ich mit meiner Frau und einer geistesschwachen Tochter ohne jeden Erwerb und als„verschämter Armer" der Not um das tägliche Brot mehr als je ausgesetzt und dem Hunger. Ein Sohn, der Kaufmann ist, hat von seinem Chef, bei dem er fünf Jahre war, wegen flauen Geschäftsganges die Kündigung erhalten. Ein anderer Sohn dient zurzeit. In dieser Not wandte ich mich als 57 Jahre alter Mann unter Beifügung meiner la Zeugnisse und unter Angabe der Tatsache, daß ich zur Fahne gegangen wäre, wenn ich völlig gesund, an das hiesige Briefpostamt und bat, mich al» Aushilfe— bezahlt mit 8,30 M. pro Tag— zu beschäftigen, ganz gleich wie. Ich erhielt die Antwort, daß sich zu einer Beschäftigung als AuShelfer für absehbare Zeit keine Gelegenheit bietet. Heute morgen brachte mir ein Schüler in seiner Eigenschaft als Briefträger meine Briefe— dieser arbeitet umsonst." Unsere Leser werden ermessen können, welche Gefühle den Mann für diese„sozialen" Maßnahmen der Post beseelen. Wir werden jetzt Tag für Tag mit ähnlichen Zuschriften überschwemmt, aus denen die ganze Not und Sorge und der Schrei nach Arbeit hervorklingt. Alle wollen arbeiten, gern arbeiten, wenn sie nur Arbeit bekommen könnten. Die Post aber sieht sich veranlaßt, unentgeltliche Helfer ein- zustellen und vermindert noch dadurch die Arbeitsmöglichkeiten. Aber auch von einem Teil anderer Betriebe, darunter auch staatlichen, wird uns berichtet, daß dort Arbeitszeiten innegehalten werden, die weit über das Maß dessen hinausgehen, was sonst geleistet wird: in einzelnen Betrieben werden Ueberstunden gearbeitet. Auch hier wäre es möglich, erneute Arbeitsgelegenheit zu schaffen, indem die Arbeits- zeit verkürzt wird« Die städtischen Heimstätten, die männliche und weibliche Tuberkulose aufnehmen, bleiben geöffnet. Ein falscher Kriminalbeamter versucht mit einem alten Kniff die neue Lage des Geldmarktes auszubeuten. Der Schwindler, ein mittelgroßer Mann, erscheint mit einer schwarzen Aktenmappe bei Geschäftsleuten und erklärt den Leuten, daß jetzt, wo besonders viel Papiergeld im Verkehr sei, auch entsprechend viel falsches mit unter- laufe. Die Kriminalpolizei sei deshalb damit beschäftigt, überall nach falschen Scheinen zu forschen und sich deshalb namentlich auch bei den Geschäftsleuten die Kassen anzusehen. Der vermeintliche Beamte prüft dann„kritischen Blicks" alles, waS man ihm zeigt, erklärt diesen oder jenen Schein für gefälscht,„beschlagnahmt" ihn, steckt ihn in seine Mappe und empfiehlt sich. Die Geschäftsleute werden deshalb gut tun, auf ihrer Hut zu sein und sich von jedem, der sich für einen Beamten ausgibt, den Ausweis zeigen zu lassen. Kommunale Notstandsmaßnahmen. Die Stadtverordnetenversammlung in Bernau bewilligte B000 M. für Unterstützungszwecke Angehöriger von Kriegsteil. nehmern. Außerdem wurde einem Antrage unserer Genossen, weitere 5000 M. zur Unterstützung für in Not geratene Arbeitslose zu bewilligen, zugestimmt. Eine neungliedrige Kommission, der auch drei Genossen sowie eine Genossin angehören, soll über die zu treffenden Maßnahmen entscheiden. Mitgeteilt wurde, daß der Chefarzt Dr. Gumbel vom hiesigen Krankenhaus auf sein Gehalt verzichtet hat mit der Maßgabe, dasselbe zur Unterstützung not- leidender Familien zu verwenden. Die Gemeindevertretung von Wettzensee beschloß, den Frauen der zum Kriegsdienst einberufenen und freiwillig singe- tretenen Gemeindebediensteten und Gemeindearbeiter, die auf Grund eines Privatdienstvertrages eingestellt find, 50 Proz. und für jede» Kind bis zu 15 Jahren 10 Proz.. bis zum Gesamthöchst- betrage von 80 Proz. der Bezüge zu gewähren. Dem Gemeinde- vorstand wurde ein Kredit bis zu L50 000 M. bewilligt für den Ein- kauf von Lebensmitteln, zur Unterstützung der bedürftigen Familien, zur BetriebSevweiterung der Volksspeiseanstalten usw. Zur Durch. führnng dieser Kriegswohlfahrtspflege wurde eine Kommission von 9 Mitgliedern gewählt. Die Stralau er Gemeindevertretung beschloß zu den reichz- gesetzlichen Unterstützungen an bedürftige Familien der Feldzugs- teilnehmcr 100 Proz. Zuschlag zu zahlen. Dem Gcmeindevorstand wurde ein Kredit von L5 000 M. zur Verfügung gestellt. Aus ihm sollen auch die durch den Krieg arbeitslos Gewordenen unterstützt werden. Den Privatangestellten der Gemeinde, die einberufen sind, sollen% ihrer Bezüge weitergezahlt werden. Im Zoologischen Garten erhalten sämtliche eingezogenen Reser- visten nnd Landwehrmänner, sobald sie in Uniform erscheinen, in den Garten wie daS Aquarium freien Eintritt. Eine Handtasche mit einem Bund Schlüssel ist versehentlich aus einer am 17. August in der Ravensftraße S stattgehabten Sitzung der Kinderschutzkommifsion mitgenommen und bis jetzt noch nicht im Bureau des Wahlvereins, Gerichtstraße 71, abgegeben worden. Da die Schlüssel notwendig gebraucht werden, wird um baldige Abgabe der Tasche ersucht. Zur Jugendweihe in Lichtenberg. Diejenigen Genossinnen und Keuossen, deren Kinder zu Michaelis die Schule verlassen und an der Jugendweihe teilnehmen wollen, werden ersucht, ihre Adressen bis spätestens den 2ö. August an Leopold Jüncmann-Lichtcnberg, Wühlischstraße 38, III, abzugeben._ Parteiveranstaltungen. 2. Wahlkreis. Da» für Sonntag, den 23. August, angesetzte Sowmerseft der 4., 5. und K. Abteilung findet nicht statt. Charlottenburg. Die Jugendsektion veranstaltet am Donnerstag- abend einen Spazi ergang nach dem Stadionsec. Abmarsch 8'/, Uhr Sopbi-.Charlotte-Platz, Ecke Schloßstraße. Nachzügler: S'/, Uhr Bahnhos Heerstraße. Neukölln. Heute, den 19. August, abcnbS 8'/, Uhr. findet bei Bartsch, Hermannstr. 49, die Bersammlung der Jugcndscttion statt. Aus der TageS- Ordnung steht ein Bortrag des Genossen Dr. Hermann Dnncker. Donnerstag, den 20. August: Spielen aus dem städtischen Sportplatz an der Grenzallee. Gewerkschaftliches. Wirkungen des Krieges in der Herrenkonfektion. In allen Zweigen der Konfektion ist durch den Ausbruch des Krieges eine völlige Geschäftsstockung eingetreten. Die Aufträge, welche die Großhändler den Fabrikanten schon erteilt hatten, sind zurückgezogen worden, und in den wenigen Fällen, wo das nicht geschehen ist, riskieren die Fabrikanten die Erfüllung der Aufträgt nicht, weil sie fürchten, keine Zahlung zu erhalten. Die plötzliche Einstellung des Betriebes hatte zur Folge, daß die größeren Fir- men der Berliner Herrenkonfektion eine Menge zugeschnittener Sachen daliegen haben, die völlig wertlos sind, wenn sie nicht weitcrvcrarbeitet werden, während sie nach der Fertigstellung viel- leicht noch zu herabgesetzten Preisen losgeschlagen werden können. In Hinsicht auf diese Umstände hat der Vorsitzende des Arbeit- gebcrverbandcs der Berliner Ortsverwaltung des Schneiderver- bandes den Vorschlag gemacht, es möchte die vor Ausbruch des Krieges zugeschnittene Ware zu erheblich herabgesetzten Preisen fertiggemacht werden, nämlich so, daß für Sachen der ersten Tarif- ferie die Löhne der vierten Serie gezahlt werden, wobei jedoch an die Qualität der Arbeit ebenfalls geringere Anforderungen gestellt werden würden. Die Ortsverwaltung des Schneiderverbandes hat diesen Vorschlag einer am Montag abgehaltenen Mitgliederver- sammlung der Herrenkoufektionsbranche unterbreitet. Es wurde bemerkt, oaß es sich nicht um große Posten von Arbeit handelt, immerhin würde sich für eine Anzahl Kollegen für ein bis zwei Wochen ein mätziger Verdienst bieten, während bei Ablehnung des Vorschlags die Arbeit bestimmt von Unorganisierten hergestellt würde.— Nach kurzer Besprechung stimmte die Versammlung dem Vorschlage zu. Ferner wurde mitgeteilt, daß eirnge Konfektionsfirmen zur Anfertigung von Militärsachen übergegangen sind. Hierbei wurde erwähnt, daß die Firma Machol u. Levin für Drillichjacken 75 Pf. und für Drillichhosen 50 Pf. Arbeitslohn zahlt. Diese Löhn« sind s o ungewöhnlich nieorig, daß die Arbeiten dafür nicht herge- stellt werden können. In der Erwartung, daß die von der Heeres- Verwaltung■ gezahlten Preise auskömmliche Arbeitslöhne zulassen, wird sich die Verbandsleitung in dieser Angelegenheit an die Militärbehörde wenden._ Die Berliner Sattler hielten am Montag ein« außerordent- liche Generalversammlung ab. Dieselbe war trotz des großen Ab- gangs an Mitgliedern zum Militär ungewöhnlich stark besucht. Schulze referierte über„Die jetzige Situation in unserem Ge- werbe und die Vorschläge der Hauptverwaltung zur Erhaltung der weiteren Organisationstätigkeit". Mit knappen Strichen zeichnete Redner die augenblickliche Situation und ging dann speziell auf die Wirkung de? Krieges auf den Beruf ein. Fast sämtliche Branchen sind mit voller Wucht von der Krise getroffen worden. JnSbe- sondere hat der Krieg auf die stärkste Branche, die Reise- und Portefeuillebranche, geradezu vernichtend gewirkt, und zwar so, daß bielfach selbst die LehrlingSvcrträge gelöst wurden, weil di« Produktion eingestellt werden mußte. Ein Lichtblick in dieser trost- losen Lage ist nur, daß die Militärbranche in Berlin jetzt viel zu tun hat; jedoch konnte auch sie nicht.die ganze Anzahl der Arbeits- losen aufnehmen. Noch schlimmer als in Berlin sieht eS in der Provinz aus, ins- besondere in Offenbach a. M., dem Hauptsitz der Portefeuille- industrie. Angesichts dieser außergewöhnlichen Zustände habe der Verband, um die Organisation überhaupt erhalten zu können, zu außergewöhnlichen Maßnahmen greifen müssen. Seien doch auf dem Nachweis 864 Arbeitslose, von denen 721 bezugsberechtigt sind. Der Hauptvorstand mit Ausschuß waren deshalb gezwungen, die statutarischen Bestimmungen zu revidieren. Sämtliche Unter- stützungszweige werden aufgehoben zugunsten der Arbeitslosen- und Rciseunterstützung. Dieses Vorgehen ist bei einem Teil der Mtglieder auf Widerspruch gestoßen. Schulze wandte sich in seinen wetteren Aus- führungcn mit eindringlichen Worten an die Anwesenden, doch in Anbetracht der Dinge die Maßnahmen des Zentralvorstandes gut- zuheißen. Der OrtSvorsiand habe dieselben ebenfalls gebilligt. Auch werde dadurch ermöglicht, daß die Mitglieder auch be, länge- rcr Arbeitslosigkeit immer noch Unterstützung erhalten können. Ferner ist die Frage untersucht worden, ob die Angehörigen der in den Krieg Gezogenen ganz dem Elend überlassen werden sollen. Das konnte man nicht zulassen. Die Angestellten der Organi- sation haben aus dieser Erkenntnis heraus auf einen erheblichen Teil ihres Gehalts zu verzichten beschlossen. Deshalb sollen jene Mitglieder, die Arbeit haben, 5 Proz.. und die, die auf Militär- e f f e k t e n arbeiten, 10 Proz. vom Wochenverdienst abgeben. Das letztere geht um so eher, als es gelungen ist, von den Militär- effektenbetrieben einen zehnprozentigen KriegSauffchlag zu er- halten. Pflicht aller Arbeitenden fei es, für jene zu sorgen, deren Ernährer im Felde stehen und ihr Leben einsetzen für daS Land. (Großer Beifall.) In die nachfolgende Diskussion griff auch Zentralvorsitzendcr Blum ein und begründete die Stellungnahme deS Zentralverbandes im Sinne des Referenten. Ein Redner wies auf die große Not hin, in der die Kriegerfamilien sich befinden, und ersuchte, die 10 Proz. doch ihnen zuzuführen, während andere Redner auch für die Arbeitslosen eintraten. Verbandsredakteur Weinschild führte unter spontanem Beifall aus, daß sich wohl nicht ein einziger Kollege der moralischen Pflicht ent- ziehen werde, die ProMnie abzugeben. Auch werde der Ver- band den Ausgesteuerten beistehen. Ein Antrag Schulze, dem Ortsvorstande die Vollmacht zu geben, Arbeitslosen in besonderen Notfällen einen Extvazuschuß zur Miete zu gewähren, wurde einstimmig angenommen, des- gleichen eine Resolution, die das Einverständnis der Verfammel- ten mit den getroffenen Maßnahmen erklärt. Ausnutzung der Notlage durch Unternehmer. Die Tischlerei von Mieles u. Neu mann, Kopcrnikus- straße 55, macht sich die drückende Arbeitslosigkeit dadurch zunutze, daß sie die tarifmäßig vereinbarten Akkordlöhne um 10 Proz. herabsetzt. Als die genannte Firma kürzlich einen Teil der Bc- schäftigten wegen Arbeitsmangel entließ, wurde der Lohnabzug ßanz unerwartet verfügt, und zwar sollte er nicht nur für die erst m Angriff zu nehmenden, sonvcrn auch für die bereits in Arbeit befindlichen und sogar für die schon fertiggestellten Akkorde gelten. Die Arbeiter protestierten natürlich gegen den durch nichts begründeten Lohnabzug. Dank dem Eingreifen des Holzarbeiter- Verbandes sind denn auch am letzten Sonnabend den Entlassenen dre vereinbarten und, verdienten Löhne voll ausbezahlt worden. Dagegen haben sich die 25 noch weiter Beschäftigten mit dem Ab« zuge von 10 Proz. einverstanden erklärt. Die begreifliche Furchst daß sie im Weigerungsfalle das Heer der Arbeitslosen vermehren müßten, mag die Arbeiter veranlaßt haben, dem wirklich nicht schönen Verlangen des Unternehmers nachzugeben.— ES gibt übrigens noch mehrere Tischlerfirmen, welche versuchen, die gegen- wärtige Notlage zu Lohnkürzungen auszunutzen. In diesen Fällen schweben noch Verhandlungen. Hoffentlich findet das Verurteilens- werte Beispiel von Mieles u. Neumann keine Nachahmer mehr. Zur Verhütung einer großen Arbeitslosigkeit im deutschen Baugewerbe empfiehlt der Reichsbund baugewerblichcr Arbeit- geberverbände— Sitz Berlin—. dem der Deuffche Arbeitgeber- bund für das Baugewerbe und die großen Arbeitgebervereini- gungen der Baunebengewcrbe angehören, seinen Mitgliedern, ihre Betriebe nach Möglichkeit fortzuführen bzw. wieder zu eröffnen, sobald die Zufuhren von Baumaterialien wieder erfolgen können. Die Bauherren, Private und Behörden, werden um Unterstützung dieser Bestrebungen und um schnelle Bezahlung der gelieferten Arbeiten, die Lieferanten um weitgehende Nachsicht und Stundung gebeten. Es gilt hier, bittere Not von vielen Familien aus den Arbeitnehmerkreisen abzuwenden. Die Arbeitgeber sind bereit, ihrerseits Opfer zu bringen, erwarten aber) daß ihre Bemühungen allgmeine Unterstützung finden. Soziales. Landesversicherungsanstalt Berlin. Der Beschluß des Vorstandes der Landesversicherungs- anstalt Berlin, 5 Mill. Mark zu einer Unterstiitzungsaktion bereitzustellen, unterliegt noch der Zustimniung der Aufsichts- behörde. Die Unterstützungsaktion soll sich nicht nur auf Familien beziehen, deren Ernährer Kriegsdienste leisten, sondern auf alle Familien, insbesondere solche, welche durch Arbeitslosigkeit des Ernährers in eine Notlage geraten sind. Hoffentlich wird gegenüber den tiefen Wunden, die die Arbeitslosigkeit tagaus, tagein schlägt, die Genehmigung bald erteilt. Gerichtszeitung. Aus dem Jnnungsschirdsgericht. Rückforderung von Kassenbeiträgcn. 80 Pfennig Krankenkassenbeiträge wollte gestern vor dem Jnnungsschiedsgericht ein Arbeiter im Klagewege zurückerstattet haben. Des Klägers Beschäftigungsverhältnis war an einem Dienstag zu Ende. Bei seinem Austritt wurden ihm für die volle Woche die Versicherungsbeiträge vom Lohn abgezogen. Auf Grund des K 397 Absatz 2 R.VTX glaubte er das Recht zu haben, einen entsprechenden Teil zurückfordern zu dürfen. Das Gericht aber vertrat den Standpunkt, die Rückerstattung käme nur in Frage, wenn in der gleichen Woche«in zweite« Arbeitsverhältnis eingegangen würde. Es wies, da der Kläger seinen Klageanspruch nicht fallen ließ, die Klage ab. Die Entscheidung halten wir für unrichtig. DaS Gesetz hat den arbeitslos Bleibenden nicht schlechter gestellt als den ander« Arbeit Erhaltenden. Kläger hätte aber besser getan, das Versiche- rungSamt zur Entscheidung über die Frage anzurufen. Akkordstreit. Das JnittMgAschiedHgericht fällte gestern' in �iner Akkord- streitsache wieder einmal einen offenbaren Fehlspruch. Es handelte sich um die Frage, ob ein Arbeiter auf den ihm ZU' kommenden Lohn gültig verzichtet, wenn er nicht ausdrück- lich einer Herabsetzung widerspricht. Wiederholt haben wir in Uebereinstimmung mit einer Reihe Gewerbegerichts- entscheidungen und hervorragenden Kommentatoren dargelegt, daß die Annahme eines Verzichtes vor Vollendung der Arbeit dem Lohnbeschlagnahmegesetz und den Regeln über Verzicht widerspricht. Der Rechtsfall lag folgendermaßen: Die Tischlerei M i t u s ch hatte nach erfolgter Mobilmachung chren Arbeitern erklärt, sie müsse die angefangenen Arbeiten unterbrechen. Am Sonnabend darauf sollten die Leute zur Ab- rechnung kommen. Unter diesen befand sich auch ein Tischler, der einen Akkord zum Preise von 270 M. übernommen hatte. Dir Arbeit wäre in zwei bis drei Tagen beendet gewesen. An Ab- schlagszahlungen ivaren ihm bisher 160 M. gezahlt worden. Arbeitszeit sind 220 Stunden verwendet worden. Unter Zugrunde- lcgung eines Durchschnittslohnes von 87 Pfennig pro Stunde wollte ihm die Firma am fraglichen Sonnabend 21 M. zahlen. Damit war der Kläger jedoch nicht einverstanden. Er beanspruchte den von ihm erarbeiteten Akkordüberschutz in Höhe von 99 M. Do« (tzericht wies den Kläger mit seinem Anspruch ab. Es begründet die Abweisung damit, daß der Kläger keinen Widerspruch erhoben habe und daß er mit der Lösung des Akkordverhälwisscs einver- standen gewesen sei. Er habe also nur noch Anspruch auf Be- zahlung der geleisteten Arbeitsstunden nach seinem Durchschnitt?- verdienst. Kläger hätte auf Fertigstellung der Akkordarbeit be- stehen sollen, wenn er den vollen Lohn haben wollte. Das Jnnungsgericht übersieht, daß nur eine Lösung eines Vertrages von beiden Vertragschließenden einen Ver- trag aufhebt: nicht das Angebot der Aufhebung, sondern erst die Zustimmung hebt einen Vertrag auf. Außerdem wäre aber selbst die Zustimmung zum Verzicht auf den Akkordlohn nach§ 2 des Lohnbeschlagnahmegesetzes rechtsungültig. Sriefkaften öer Reüaktion. ?