Nr. 229. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 mt., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 25 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter SonntagsBeilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post Zeitungs Preisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich. Vorwärts Berliner Volksblaff. 31. Jahrg, Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort, 20 Big.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Bort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1983. Sonntag, den 23. August 1914. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984. Siegreiche Kämpfe im Osten. Französischer Rückzug aus dem Oberelsaß. Berlin, 22. August, 12 Uhr 24 Min.( W. T. B.) Starke russische Kräfte find gegen die Linie Gumbinnen- Angerburg im Vorgehen. Das erste Armeekorps hat am 20. diefes Monats erneut den auf Gumbinnen vorgehenden Feind angegriffen und geworfen. Dabei find 8000 Gefangene ge. macht und acht Geschütze erbeutet. Von einer bei dem Armeekorps befindlichen Kavalleriedivifion war längere Zeit keine Nachricht da, die Division hat sich mit zwei feindlichen Kavalleriedivifionen herumgeschlagen. Sie traf gestern bei dem ersten Armeekorps mit fünfhundert Gefangenen wieder ein. Weitere russische Verstärkungen sind nördlich des Pregel und südlich der masurischen Seenlinie im Vorgehen. Ueber das weitere Verhalten unserer Ostarmee muß noch Schweigen bewahrt werden, um dem Gegner unsere Maßnahmen nicht vorzeitig zu verraten. Ueber die Fortschritte im Westen werden in Kürze weitere Mitteilungen folgen. Ein neuer Versuch des Gegners im Oberelsaß vorzudringen, ist durch den Sieg in Lothringen vereitelt. Der Feind bes findet sich auch im Oberelsaß im Abzuge. Unsere Feinde. der Bevölkerung hingestellt ärger als die Rosaken in unserer| sturm. Sie sahen in seiner Einrichtung eine gerechte Sache, Auffassung; sie sind die Barbaren, die da kommen, um zu in seinem Kampf, auch wenn er hinterhältig war, einen guten sengen und zu plündern; man verbreitet vielhundertfach in Kampf. Weil auch sie überzeugt waren, er ginge gegen BarWir wollen uns menschlich und freundlich zeigen gegen Wort und Schrift Schandtaten, die von ihnen an schuldlosen barei und Knechtschaft, weil auch sie meinten: Hier muß.der diejenigen, die das Kriegsgeschid als Gefangene in unfere eraubt. Frauen geschändet, Kinder aufgespießt hätten, um Gewiß, der Vergleich hinkt. Die Berhältnisse sind heute Frauen und Kindern verübt sein sollen; man schildert; wie sie 3wed die Mittel heiligen. Hände spielte. Wir wollen aber auch menschlich sein gegen künstlich in den friedlichen Bürgern ein Gefühl von Angst anders als vor hundert Jahren. Aber die Erinnerung an unsere Feinde im Felde. Wir haben mit ihnen zu fämpfen; auch wer grundsäglich ein Gegner des Krieges ist, und Saß aufzupeitschen, das an die Stelle der eigentlichen iene Beit von 1813 gibt doch den Schlüssel, um manches zu muß sich jetzt damit abfinden. Aber kämpfen beißt noch Striegsbegeisterung, die den breiten Massen fehlt, treten soll. erklären, was anderenfalls in seiner Brutalität und Gemeinnicht morden, heißt nicht grausam sein. Wir Nicht vergessen soll man doch auch, daß in jenen Bauern und beit schier unglaublich dünken müßte. sollen eingedenk bleiben der Pflichten, die uns unsere Kultur Gefühl lebt, fie verteidigten Haus und Herd. Wir auch wenn wir hier für eine Sache fämpfen, die uns gerecht Bürgern, die hinterlistig auf deutsche Truppen schießen, das Wir sind hinaus über die Zeit von 1813. Wir glauben, auferlegt. Wir Proletarier zumal dürfen auch in diesen Kämpfen nicht vergessen, daß es Klassengenossen sind, die denken an das preußische Landsturmgesetz vom 21. April scheint, es doch nicht mehr nötig zu haben, durch Nichtuniforuits gegenüberstehen. Sie stehen wider uns, gewiß. Aber 1813( bergl.„ Vorwärts" vom 15. April dieses Jahres). It mierte, durch Franktireurs heimtückisch und hinterlistig, grauaus eigenem Willen? Wieviele von ihnen zogen wohl mit der Landsturm berufen, so ist danach der Kampf ein Kampf sam und skrupellos den Feind bekriegen zu müssen. Gut, innerem Widerstreben in diesen Kampf, wieviele mögen ihm der Notwehr, der alle Mittel heiligt". Es ist daber wenn es so ist. Aber beweisen wir auch, wie weit wir in innerlich fluchen, mögen sein Unrecht einsehen, mögen wün- die Bestimmung des Landsturms, dem Feinde den Einbruch unserer Entwickelung gekommen sind, indem wir in der schen, ihren Brüdern auf der anderen Seite viel lieber die Atem zu halten; feine Munition, Lebensmittel, Kuriere und geben. Suchen wir, soweit es irgend möglich ist, dem Kampf schen, ihren Brüdern auf der anderen Seite viel lieber die wie den Rückzug zu versperren, ihn beständig außer Front, als Kämpfer in Uniform, uns gleichfalls menschlich Hand zu reichen als auf sie zu schießen. Freilich, mun kommen Meldungen über Meldungen, in Rekruten aufzufangen, seine ospitäler aufzubas Robe und Gemeine zu nehmen. Zeigen wir Ritter. denen die Grausamkeit der Feinde geschildert wird. heben; nächtliche Ueberfälle auszuführen, fura, ihn zu be- lichkeit, auch wenn wir Proletarier sind, oder auch Man hat von dem Eingreifen der" bürgerlichen Bevölkerung unruhigen, zu deinigen, schlaflos zu machen, einzeln und in gerade deshalb, weil wir Proletarier find! Sorgen und den Greueln, die sie begangen habe, ausführliche, blut- Trupps zu vernichten, wo es nur möglich ist." Dabei war wir so dafür, daß, wenn erst einmal der Kampf durchgekämpft jenem Landsturm ausdrücklich eine Uniform bersagt, ist, es auch nicht mehr so schwer ist, wieder brüderlich mit rünstige Berichte schildern sie. Man wird nicht leugnen weil sie den Landsturm kenntlich machen" fönnte.... Scharn- unseren Klassengenossen jenseits der Grenze zusammenzufönnen, daß solche Greuel vorgekommen sind. Aber bei den Berichten über sie ist doch auch stets abzuziehen die augenblick- barst und Ernst Moriz Arndt priesen begeistert diesen Land- wirken! liche Erregung des Schreibers, vieles, was er nur vom Hörenfagen berichten fann vom Hörensagen, das heißt in Kriegszeiten, selbst die Zurückgebliebenen wissen davon ja genug zu erzählen, das Unzuverlässigste ist, was man sich denken kann, selbst wenn es sich noch so selbstsicher und bestimmt gibt. Es ist wohl zweifellos, daß gewisse Uebertreibungen entstanden sind. Und man soll auch nicht verallge" Nach der großen Schlacht. Bis 12 Uhr nachts lagen gestern nähere Nachrichten und gen geknüpft werden. Auch in ernsthaften militärischen Kreisen meinern. Wenn man die Presse durchfliegt, möchte man Einzelheiten über den deutschen Sieg an der Westgrenze nicht ist man von dieser Methode, die von der weitaus größten Anzahl beinahe glauben, daß so ziemlich die gesamte Bevölkerung in Feindesland mit Grausamkeiten gegen unsere Truppen wüte. vor. Vor allem auch keine Nachrichten über die strategischen der bürgerlichen Blätter mit Ueberschwang gepflegt wird, nicht Und doch ist Tatsache, daß es nur immer vereinzelte Aus- Wirkungen dieses Sieges, aus denen sich ein flares Urteil über sehr erbaut. In einem der Presse durch Wolffs Bureau übernahmen sind, in denen wirklich Greuel der Franttireure" die jetzt geschaffene Kriegslage und den weiteren Verlauf der mittelten Artikel des Generals J. V. v. Blume sagt dieser festgestellt wurden. Operationen bilden ließe. Das Fehlen solcher Nachrichten ist bei anerkannte Theoretiker der Strategie: Es ist selbstverständlich, daß Grausamkeiten des Feindes, der Größe der kämpfenden Heere, bei der gewaltigen räumlichen ,, Unmittelbaren Anlaß dazu( d. h. zur Beunruhigung der wo sie festgestellt werden, gebrandmarkt werden müssen und Ausdehnung begreiflich; es mögen auch bestimmte Absichten der Volksgeister) gibt heute das Uebermaß von mehr oder weniger daß alles zu tun ist, um sie zu unterdrücken, ihre Wieder- Heeresleitung vorliegen, mit Einzelheiten über den Sieg noch aufregenden, imbeglaubigten Gerüchten, die immer noch das holung unmöglich zu machen. Aber es ist auch nötig, fich zurückzuhalten. Soviel steht fest, daß die französische Heeres- Land beunruhigen, obgleich sie in der Regel, selbst für den durch die Nachrichten über sie nicht in eine Art Verleitung selbst zugibt, zurückgedrängt zu sein. Man kann heute Laien leicht erkennbar, den Stempel der Unwahrscheinlichkeit geltungspolitik treiben zu lassen und mit dem Blut Unschuldiger fühnen zu wollen, was andere taten. wohl auch schon sagen, daß damit diejenige Richtung in fran- an der Stirn tragen. Nicht nur unbegründete HiobsnachrichWas soll man dazu sagen, wenn sogar ein Organ wie das zösischen Generalskreisen, die die deutsche Offensivtheorie um ten dieser Art sind geeignet, den guten Geist im Volfe zu " Deutsche Offizierblatt" seine Sympathie ausdrückt jeden Preis auch für die französische Strategie befürwortet schädigen. Dieselbe Wirkung üben auch falsche Freudeneiner Forderung gegenüber, man solle die Bestien", die als hatte, ins Unrecht gesetzt worden ist, was von anderen Militär- botschaften durch die Enttäuschung, die die nachträgliche Franktireurs aufgegriffen wurden, nicht gleich totschießen, son- theoretifern, vor allem aber von unserem Genossen Jaurès in Erkenntnis ihrer Unbegründetheit bereitet. Auf den Schadern nur an schießen, um sie dann ihrem Schicksal zu seinem Buche„ Die neue Armee" vorausgejagt war; hatte doch den, der dadurch angerichtet wird, ist von berufenster Seite überlassen,„ iede Hilfe unmöglich machen"? Was dazu, Jaurès neben einer Anzahl Militärschriftsteller stets die Defen- wiederholt nachdrücklichst hingewiesen worden. Wenn trotzdem wenn es dort weiter heißt, die strafende Bernichtung selbst five mit zu gelegener Zeit und mit konzentrierten Kräften durch die Schuld wesentlich daran zu liegen, daß ihnen von den die beunruhigenden Gerüchte nicht nachlassen, so scheint mir ganzer Ortschaften" fönne tein volles Entgelt bilden für die Knochen eines einzigen hingemordeten pommer- geführter Offensive befürwortet. jenigen Kreisen, die durch ihre höhere Bildung hierzu befähigt fchen Grenadiers"... Das sind die Gelüste blutgieriger Daß die Erfolge und Wirkungen eines so gewaltigen sind, nicht entschieden genug entgegengewirkt wird. Möchten Fanatiker, und man schämt sich ordentlich, daß es Menschen in Ringens, wie es sich in diesen Tagen an der Westgrenze ab- sie dessen eingedenk sein, daß es in Zeiten wie den gegenunserem Volfe geben kann, die eine solche Sprache führen. gespielt hat und noch abspielt, nicht in wenigen Stunden über- wärtigen mehr als je ihre Pflicht ist, nicht nur mit gutem BeiDerartige Aeußerungen sind ganz dazu angetan, schon durch sich blidt und gewertet werden können, zeigt neben anderen Beispiel voranzugehen, sondern sich als Führer des Volkes auch felbst, auch wenn sie keine Befolgung finden, unseren Kampf vor spielen der Kriegsgeschichte der Verlauf der Kämpfe bei Mez am zu betätigen, indem sie aufklärend und belehrend, mahnend aller Welt ins Unrecht zu sezen. 14., 16. und 18. August 1870. Da ließ der Ausgang der Schlacht und warnend wirken, wo und wie sich Anlaß dazu bietet. Gevon Calomby- Nouilly am 14. August auch noch keinen Schluß steigerter Tätigkeit in diesem Sinne bedarf es von ihrer über den Ausgang der Kämpfe zu. Auf Einzelheiten dieser historischen Parallele soll hier nicht eingegangen werden. Vielleicht würde manch einer die Grausamkeiten, die von den Gegnern, so besonders von den belgischen und französi schen Franktireurs, verübt werden, auch ganz anders an schauen, wenn er genau wüßte, wie gewijse nationalistische Kreise jenseits der Grenzen die Deutschen von jeher ver. Es ist daher sehr wohl angebracht, davor zu warnen, daß an bezt haben und jezt erst recht verheben. Die Deutschen sind die Siegesnachricht von Met allerlei sensationelle Uebertreibun Seite, wenn, wie anscheinend gegenwärtig, sich große Entschei dungen vorbereiten, die die Heeresleitung zur alleräußersten Zurückhaltung mit Nachrichten nötigen, während das Verlangen nach solchen den höchsten Grad erreicht." die französische Negierung über öie Kriegslage. Ncich ausländischen Blättern hat die französische Regie- rung am 16. August folgende amtliche Kundmachung anschlagen lassen, um die öffentliche Meinung auf die kommenden Ereignisse vorzubereiten: Von einem Tage auf.den anderen kann der große Zu- sainmenstoß auf der Linie von Basel bis nach Maastricht be- ginnen, der starke Soldatenmassen zum Kampfe bringen wird. Es ist von Bedeutung, daß die öffentliche Meinung auf die Bedingungen, unter denen sich dieser noch nie dagewesene Kampf abspielen wird, hingewiesen werde. Tie deutschen Militärschriftsteller hatten dem deutschen Generalstab den Plan eingegeben, einen doppelten Angriff, einerseits gegen Belgien, andererseits gegen Nancy, auszuführen. Ter erste ist mißglückt, dank der Energie und der Tapferkeit der Bei- gier: der zweite ist dank der Stärke der französischen Teckungstruppen nicht versucht worden. Auf diese Weise haben die Deutschen acht Tage verloren, während derer sich die französische Mobilisation in vollkommener Regelmäßigkeit abgewickelt hat. Die ganze französische Armee, unterstützt durch die Belgier, und ein englisches Erpeditionskorps wird auf einer Front von 166 Kilometer der deutschen Armee kampfbereit gegenüberstehen, während die russische Armee, deren Mobilisation beschleunigt worden ist, sich zum Angriff auf Ostpreußen vorbereitet. Keiner der bisherigen Kriege kann uns eine Vorstellung dieses Zusammenprallens mehrerer Millionen Menschen auf einer Linie von dieser Ausdehnung geben. Aus diesem Grunde soll man sich darauf gefaßt machen, daß die Schlacht mehrere Tage, vielleicht eine Woche und mehr dauern und daß sie zahlreiche Wechselfälle darbieten wird, bevor ein entscheidendes Resultat vorliegt. Der französisihe Rückzug. Verliu, 21. Angnst.